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Das höllische Rudel (U.S. Marshal Bill Logan Band 91)

Pete Hackett

Das höllische Rudel (U.S. Marshal Bill Logan Band 91)

Cassiopeiapress Western





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Das höllische Rudel

U.S. Marshal Bill Logan

Band 91

Das höllische Rudel

Western von Pete Hackett

 

U.S. Marshal Bill Logan – die neue Western-Romanserie von Bestseller-Autor Pete Hackett! Abgeschlossene Romane aus einer erbarmungslosen Zeit über einen einsamen Kämpfer für das Recht.

 

 

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author www.Haberl-Peter.de

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

 

 

Richard Hagare hielt das Gespann an. Es war ein schwerer Conestoga-Schoner, der von vier Pferden gezogen wurde. Neben Hagare saß seine Frau auf dem Bock. Sue war einunddreißig Jahre alt und blondhaarig. Sie wirkte älter, als sie tatsächlich war. Um ihren Mund hatte sich ein verhärmter Zug festgesetzt.

Sie verhielten in einem Einschnitt zwischen zwei Hügeln. Die Tiere im Geschirr stampften und peitschten mit den Schweifen. Es war heiß. Die Sonne stand hoch am Himmel und glühte das Land aus. Die Luft flimmerte, die Konturen der Hügel waren nur verschwommen wahrzunehmen, wie hinter einer Wand aus Wasser.

»Das dürfte Clarendon sein«, murmelte Richard Hagare. »Wir werden zwei Tage in der Stadt bleiben. Die Pferde bedürfen der Ruhe.« Er ließ nach diesen Worten die Peitsche knallen.

Die Pferde zogen an. Schon bald rollte der Prärieschoner zwischen die ersten Häuser der Stadt. Breit und staubig lag die Main Street vor dem Siedlerehepaar. Einige Kinder spielten auf der Straße. In den Schatten lagen Hunde. Es war Mittagszeit und die Bürger der Stadt hielten Siesta. Wer nicht hinaus musste, blieb in der Kühle seiner Behausung.

Beim Store zügelte Hagare die Pferde. Das Mahlen der eisenbereiften Räder im Staub endete, das Rumpeln versank in der Stille. Einige Kinder näherten sich und musterten neugierig das Ehepaar. Hagare zog die Bremse an, schlang die Zügel um den Bremshebel, dann sprang der vom Wagenbock und half auch seiner Frau hinunter.

Der Storebesitzer saß auf dem Vorbau in einem Liegestuhl. Der Schatten des Vorbaudaches fiel auf ihn. Unter halb gesenkten Lidern hervor beobachtete er die Ankömmlinge. Richard Hagare schob sich den alten, verbeulten Hut aus der Stirn und grüßte. Der Storebesitzer erhob sich und trat an das Vorbaugeländer heran, legte die Hände darauf und sagte: »Guten Tag, Ma'am, guten Tag, Mister. Sie haben sich für Ihren Trail eine verdammte Hitze ausgesucht. Was ist denn Ihr Ziel?«

»Wir wollen hinauf nach Colorado«, erwiderte Hagare. »Dort oben hat die Regierung Land für die Besiedlung freigegeben. Meine Frau und ich möchten dort oben noch einmal von vorne anfangen. Am San Antonio River hatten wir kein Glück. Da waren wir einem Weidepiraten im Weg, und bevor er rau wurde, haben wir aufgegeben.«

»Das kenne ich«, sagte der Storehalter. »Hier im Panhandle kracht es auch ständig zwischen Viehzüchtern und Farmern. Der Zwist hat schon viel Leid heraufbeschworen. Männer starben, Familien wurden von ihrem Grund und Boden vertrieben. Es herrscht oftmals noch das Gesetz des Stärkeren.«

»Davon können wir ein Lied singen«, sagte Hagare. »Wir möchten gerne unsere Vorräte ein wenig auffrischen, Sir. Und meine Frau will sich sicher etwas in ihrem Laden umsehen. Dagegen haben Sie doch nichts einzuwenden?«

Der Storeinhaber lachte auf. »Wie sollte ich? Von Leuten wie Ihnen lebe ich.«

In dem Moment trieben vier Reiter ihre Pferde aus einer Seitenstraße. Die Gesichter der Kerle lagen im Schatten der Hutkrempen. Sie trugen lange Staubmäntel. Die Pferde waren verschwitzt und verstaubt. Hagare hatte sich halb umgewandt und beobachtete das Quartett. Sie ritten zum Saloon und saßen beim Hitchrack ab, banden die Pferde an, zogen ihre Gewehre aus den Scabbards und gingen sporenklirrend in den Schankraum. Die Pendeltür schlug hinter ihnen aus.

»Sehen aus wie Satteltramps«, murmelte der Storeinhaber und zog mit seinen Worten die Aufmerksamkeit des Auswanderers auf sich.

»Meine Frau und ich sehen auch nicht viel besser aus«, versetzte Hagare lächelnd. »Wenn man tagelang in der Wildnis unterwegs ist, vermittelt man einfach einen heruntergekommenen Eindruck. Es sind vielleicht Cowboys, die eine Anstellung suchen.«

Der Storebesitzer zuckte mit den Schultern. Geringschätzig sagte er: »Kerle, die ihre abgetriebenen, verschwitzten Pferde einfach an den Holm stellen und sich nicht weiter um sie kümmern, können nicht viel taugen.« Nach dem letzten Wort wandte er sich ab und ging vor dem Ehepaar her in den Store.

 

*

 

Jack Dalton und seine Kumpane bestellten Bier. Sie setzten sich an einen der runden Tische und streckten die vom Reiten steifen Beine weit von sich. Die vier Männer drehten sich Zigaretten und rauchten. Der Keeper brachte die Krüge mit dem Bier. Sie prosteten sich zu und tranken.

»Das tut gut«, gab Amos Benson zu verstehen und wischte sich mit dem Handrücken den Schaum vom Mund. Dann zog er an seiner Zigarette. Tief inhalierte er den Rauch.

Nachdem sie getrunken hatten, bezahlten Dalton und seine Gefährten und verließen den Saloon. Sie holsterten die Gewehre, banden die Tiere los und führten sie zum Mietstall. Typischer Stallgeruch empfing sie. Der Stallmann saß auf einer Futterkiste und nähte ein Zaumzeug. Jetzt legte er seine Arbeit zur Seite und erhob sich, zog seine etwas zu weite Hose in die Höhe und schniefte. Dann sagte er: »Die Pferde können einem Leid tun. Sie sehen ziemlich fertig aus. Ihr scheint es recht eilig gehabt zu haben.«

»Mach dir darüber keine Gedanken, Alter«, versetzte Jack Dalton. »Wir reiten übermorgen in der Früh weiter. Du wirst unsere Gäule wieder auf Vordermann bringen. Das wirst du doch?«

»Mal sehen, was ich machen kann.«

Die vier Männer schnallten ihre Satteltaschen los, nahmen ihre Gewehre und verließen den Stall. Grübelnd schaute der Stallmann hinter ihnen her. Schließlich holte er Kautabak aus der Tasche, biss ein Stück davon ab, begann zu kauen und machte sich daran, die Pferde mit Hafer zu versorgen.

Währenddessen staksten Dalton und seine Begleiter zum Hotel. Hinter den Fenstern der Häuser zeigten sich Gesichter. Die Stadtbewohner beobachteten die Fremden. Sie passierten das Gemeindehaus. Neben dem Eingang befand sich eine große Holztafel, an die irgendwelche amtlichen Bekanntmachungen geheftet waren. Da waren auch einige Steckbriefe. Die vier blieben stehen und studierten sie. Schließlich sagte Bill Frawler: »Das Bild von dir ist nicht mal so schlecht, Jack. Da steht auch, dass du mit drei Kumpanen unterwegs bist. Sogar unsere Namen sind aufgeführt. Ho, die Summe, die sie auf uns ausgesetzt haben, kann sich sehen lassen. Zweitausend Bucks.«

»Du alleine bist achthundert wert, Jack«, sagte der vierte Mann, dessen Name Gary Tucker war. Er kratzte sich am stoppelbärtigen Kinn. »Hoffen wir nur, dass wir in der Stadt nicht erkannt werden.«

Sie schritten weiter. Nachdem Sie im Hotel verschwunden waren, kam der Stallmann aus dem Hof des Mietstalles. Ihm war der Steckbrief an der Anschlagtafel des Gemeindehauses eingefallen. Und er glaubte Jack Dalton erkannt zu haben. Er erreichte die City Hall und nach dem ersten Blick auf das Konterfei des Banditen, das ihm von dem Steckbrief entgegenblickte, war er sich sicher, dass Jack Dalton und seine Kumpane die Stadt heimgesucht hatten.

Ein Zweifel war ausgeschlossen.

Earl Hunter, der Stallmann, kehrte an seinen Arbeitsplatz zurück. Die Pferde der vier Banditen fraßen Hafer. Nachdem er ihnen die Sättel und das Zaumzeug abgenommen hatte, verließ Hunter erneut den Stall. Er ging nach Hause. In der Wohnstube traf er auf seine Frau und seinen Sohn Jim. »Jack Dalton und seine Banditen sind in der Stadt«, sagte er. »Die Bande ist zweitausend Dollar wert. Sie will bis übermorgen Früh in der Stadt bleiben.«

»Ich sah die vier Kerle vorbeireiten«, murmelte Jim Hunter versonnen. Er war zweiundzwanzig Jahre alt und blondhaarig. Einige Zeit hatte er als Gehilfe in der Futtermittelhandlung gearbeitet. Den Job hatte er vor drei Monaten hingeschmissen. Seitdem arbeitete er gar nichts mehr und ließ sich von seinem Vater durchbringen. »Du bist dir sicher?«

»Hundertprozentig. Ich werde den Bürgermeister informieren. Er muss einen Boten nach Amarillo zum Bezirksgericht schicken. Es wäre ein Job für dich, Sohn. Du sitzt sowieso nur herum…«

»Es gibt keine Jobs in Clarendon!«, fauchte Jim. »Also wirf es mir nicht ständig vor, dass ich dir auf der Tasche liege.«

»Du hattest einen Job, Junge«, grollte Earl Hunter.

»Ich kann es nicht mehr hören«, stieß Jim hervor, erhob sich mit einem Ruck von seinem Stuhl und verließ die Küche.

»Du solltest es ihm wirklich nicht ununterbrochen vorwerfen«, sagte die Frau.

»Er ist faul«, murmelte Earl Hunter. »Jim hätte sich schon längst bei einer der großen Ranches bewerben können. Er will nicht arbeiten. Ich frage mich, wo das hinführt.«

»Er kann eines Tages deinen Job im Mietstall übernehmen.«

Earl Hunter winkte ab, ging zur Anrichte, schöpfte eine Kelle voll Wasser aus dem Eimer, der da stand, und trank. »Ich gehe zum Bürgermeister«, sagte er dann und verließ gleich darauf das Haus.

Der Town Mayor schaute nicht gerade begeistert drein, nachdem Earl Hunter geendet hatte. »Was machen wir?«, fragte er schließlich. »Bis Amarillo muss ein Mann zwei Tage lang reiten. Über eine Bürgerwehr verfügen wir nicht.«

»Du könntest versuchen, ein paar Freiwillige…«

»Vergiss es«, unterbrach der Bürgermeister den Stallmann. »Niemand in der Stadt wagt sich gegen eine Bande von Gesetzlosen anzutreten. Am besten wäre es, wenn wir so täten, als wüssten wir nicht, wer die Kerle sind. Sie werden übermorgen weiterreiten. Es wäre töricht, die Bürgerschaft aufzuklären. Am Ende fordern wir die Schufte heraus und sie lassen hier den Teufel aus dem Sack. Also bewahren wir Stillschweigen, Earl. Es ist die vernünftigste Lösung.«

»Wie du meinst«, antwortete der Stallbursche. »Allerdings habe ich schon meinem Jungen von der Ankunft der vier Banditen erzählt.«

»Dann musst du eben noch einmal nach Hause gehen und Jim gebieten, es nicht an die große Glocke zu hängen. Er könnte ziemlichen Verdruss heraufbeschwören.«

Also kehrte Earl Hunter noch einmal zu seinem Haus zurück. Aber Jim war nicht da. Die Frau des Stallmannes hatte keine Ahnung, wo sich ihr Sohn herumtrieb.

Jim Hunter befand sich bei seinem Freund Steve Houseman. »Auf dem Steckbrief steht tot oder lebendig«, sagte Jim Hunter mit Nachdruck. »Wenn wir uns also irgendwo auf die Lauer legen und die Kerle abschießen wir Wildhasen kann uns kein Mensch einen Strick daraus drehen.«

»Es sind zweibeinige Wölfe«, gab Steve Houseman zu bedenken. »Und wenn wir nur den geringsten Fehler machen, dann kann es verdammt heikel für uns werden. Sicher, es wären schnell verdiente zweitausend Dollar. Ebenso gut aber können wir uns heißes Blei einhandeln.«

»Ich spreche mit Jesse«, knurrte Jim Hunter. »Jesse hat gewiss nicht so viele Bedenken.«

Steve Houseman atmete durch, massierte mit Daumen und Zeigefinger seinen Nasenrücken, dann sagte er: »In Ordnung. Sprechen wir mit Jesse. Wenn er mitmacht, bin ich auch dabei.«

Jesse Webster war der Sohn des Schreiners. Er arbeitete als Gehilfe seines Vaters. Die beiden Websters waren auch als Totengräber tätig. Jim Hunter und Steve Houseman trafen Jesse Webster in der Werkstatt an. Er hobelte gerade die Kanten eines Brettes glatt. Schweiß rann über sein gerötetes Gesicht, die dunklen Haare klebten ihm in der Stirn.

»Hast du die vier Kerle gesehen, die vor etwa einer Stunde in Clarendon angekommen sind?«, fragte Jim Hunter.

Jesse Webster wischte sich den Schweiß aus den Augenhöhlen. »Nein. Was ist mit ihnen?«

»Es sind steckbrieflich gesuchte Banditen. Die vier sind zweitausend Bucks wert. Tot oder lebendig.«

Carl Webster, der Vater von Jesse, kam in die Werkstatt. Als er die beiden Besucher erkannte, blieb er stehen, seine Brauen zuckten in die Höhe, er sagte streng: »Jesse hat keine Zeit. Im Gegensatz zu euch beiden Müßiggängern hat er eine Arbeit. Und von dieser solltet ihr ihn nicht aufhalten.«

»Sie halten mich nicht auf, Dad«, versuchte Jesse seine beiden Freunde zu verteidigen.

»Die Kerle sind bis übermorgen in der Stadt«, murmelte Jim Hunter. »Wir treffen uns, wenn du Feierabend hast und reden drüber.«

»Von welchen Kerlen ist die Rede?«, fragte Carl Webster.

»Es ist unwichtig, Mr. Webster«, erwiderte Jim Hunter, dann nahm er Steve Houseman am Oberarm und schob ihn aus der Werkstatt hinaus.

Ein Stück weiter unten schritten Jack Dalton und seine Gefährten über die Straße. Sie kamen aus dem Hotel und waren zum Saloon unterwegs. Jim Hunter und Steve Houseman blieben stehen und starrten den Banditen hinterher. »Da gehen zweitausend Dollar«, presste Jim Hunter zwischen den Zähnen hervor. Habgier glitzerte in seinen Augen.

 

*

 

Joe Hawk und ich ritten auf der Fährte von Jack Dalton und seiner Bande. Die Bande war in Tampico gesehen worden und ein Bote des Bürgermeisters hatte das Distriktgericht verständigt. Da Dalton und seine Banditen die Stadt in Richtung Norden verlassen hatten, waren wir davon überzeugt, dass sie Clarendon anreiten würden. Es war um die Mitte des Nachmittags, als wir die Stadt erreichten. Clarendon vermittelte Ruhe und Frieden. Ich dachte an Jane Carter, meine Verlobte, die in der Nähe der Stadt am Mulberry Creek eine Pferderanch betrieb. Die Gelegenheiten, sie zu besuchen, waren in den vergangenen Monaten immer seltener geworden.

Wir stiegen im Wagen- und Abstellhof des Mietstalles von den Pferden. Der Stallmann überschritt die Schattengrenze unter dem Tor und trat ins gleißende Sonnenlicht, beschattete seine Augen mit der flachen Hand und rief: »Aaah, das Gesetz. Ihr reitet doch nicht etwa auf der Fährte von Dalton und seinen Höllenhunden?«

»Doch«, sagte ich. »Befinden sich die Banditen in der Stadt?«

»Sie haben Clarendon heute Morgen verlassen«, antwortete Earl Hunter. »Es gab niemand in der Stadt, der es wagte, ihnen entgegenzutreten, Logan. Mein Sohn…«

Hunter brach ab und schluckte krampfhaft.

»Was ist mit Ihrem Sohn?«, fragte ich.

Nach einem zitternden Atemzug sagte der Stallmann: »Er und zwei Freunde sind den Kerlen gefolgt. Ich habe Jim bekniet, seinen verrückten Vorsatz, die Bande fertigzumachen, sausen zu lassen. Der junge Narr meinte, es wäre ein Kinderspiel. Ich habe Angst um ihn.«

»Ihre Angst ist sicher nicht unbegründet«, knurrte Joe. »Dalton und seine Kumpane sind eiskalte Mörder. Sie hätten Ihren Sohn notfalls mit Gewalt zurückhalten müssen, Earl.«

»Der Bursche ist zweiundzwanzig«, versetzte der Stallmann. »Der lässt sich von mir nicht festhalten. Ebenso wie mir ergeht es Houseman und Webster. Aber die beiden waren ebenso chancenlos wie ich. Die Jungs ließen sich nicht aufhalten.«

»In welche Richtung haben die Banditen Clarendon verlassen?«

»Nach Norden.«

»Okay, Earl«, sagte ich. »Tränken und füttern Sie unsere Pferde. Wir gehen in den Saloon, um etwas zu essen. In einer Stunde reiten wir weiter.«

Wir wollten keine Zeit verlieren.

Tatsächlich waren wir eine Stunde später wieder auf dem Trail. Nachdem wir etwa fünf Meilen geritten waren, lag vor uns der Salt Fork Red River. Mit Spurensuche hatten wir uns nicht aufgehalten. Joe und ich waren uns sicher, dass die Bande nach Pampa wollte. Wir ritten durch den Creek. Das Wasser spritzte und gischtete. In der Flussmitte reichte das Wasser den Tieren gerade bis zu den Sprunggelenken.

Die Sonne näherte sich dem Westen. Die Schatten wurden länger. Wir ritten zwischen Hügeln und Tafelbergen. Die Hänge schwangen sich steil in die Höhe. Sie waren mit Buschwerk bewachsen, hier und dort fristete eine Korkeiche oder ein Hickory mit breiter Krone sein Dasein.

Plötzlich zügelte Joe sein Pferd. Auch ich zerrte mein Tier in den Stand. Fragend schaute ich meinen Partner an. Er hatte die Augen zusammengekniffen und starrte nach vorn. »Ein Planwagen«, murmelte er.

Jetzt sah ich auch den hellen Fleck vor einem der Hügel. Joe hatte sich nicht getäuscht. Es war ein Planwagen. Er stand. Ich nahm an, dass die Leute, die mit dem Schoner unterwegs waren, lagerten. »Reiten wir hin«, sagte ich.

Wir setzten die Pferde in Gang. Bald konnte ich Einzelheiten erkennen. Im Geschirr standen vier Pferde. Die Tiere ließen die Köpfe hängen. Menschen waren nicht zu sehen. »Da stimmt was nicht«, murmelte ich und zog das Gewehr aus dem Scabbard, repetierte und stellte den Kolben auf meinen Oberschenkel. Auch Joe zog seine Waffe. Die Tiere vor dem Wagen drehten die Köpfe und äugten uns entgegen. Und dann sah ich eine Gestalt im kniehohen Gras liegen. Sie rührte sich nicht.

Joe und ich saßen ab. Es war ein Mann. Seine Hemdbrust war dunkel vom eingetrockneten Blut. Wie tot lag er da. Ich ging bei ihm auf das rechte Knie nieder. Joe schritt um den Schoner herum. Seine Stimme erklang: »Großer Gott! Da liegt eine Frau. Sie – sie ist tot.«

Ich fühlte den Puls des Mannes, bei dem ich niedergekniet war. Er war ganz leicht zu spüren. Ich drückte mich hoch, holte meine Wasserflasche vom Sattel, schraubte sie auf und flößte dem Bewusstlosen etwas Wasser zwischen die trockenen, rissigen Lippen. Plötzlich begann er zu schlucken. Es geschah mechanisch. Seine Lider zuckten.

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