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Das gestohlene Manuskript

Der Privatdetektiv Spenser bekommt einen Auftrag vom Dekan einer Universität: Ein wertvolles Manuskript wurde gestohlen und die Universität wird erpresst. Alle Hinweise deuten auf die Studentenvereinigung SGDKA hin, die radikale Ziele verfolgt. Spenser beginnt mit seinen Ermittlungen, doch plötzlich wird ein Anführer der SGDKA ermordet und dessen Freundin, Terry Orchard, ist die Hauptverdächtige. Der Fall scheint klar, aber Spenser wird das Gefühl nicht los, dass Terry unschuldig ist. Er sieht eine Verbindung zum Diebstahl, weshalb er seine Nachforschungen ausweitet. Dabei kommt ihm die Universitätspolizei in die Quere. Auch ein Schlägertrupp versucht ihn aufzuhalten. Spenser wäre schließlich nicht Spenser, wenn er sich so leicht einschüchtern ließe. Er forscht weiter und macht dabei eine interessante Entdeckung …

Robert B. Parker wurde 1932 geboren. Nach seinem M.A. in amerikanischer Literatur promovierte er 1971 über die „Schwarze Serie“ in der amerikanischen Kriminalliteratur. Seit seinem Debüt „Spenser und das gestohlene Manuskript“ im Jahr 1973 sind fast 40 Spenser-Krimis erschienen. 1976 wurde Parkers Roman „Auf eigene Rechnung“ von der Vereinigung amerikanischer Krimi-Autoren mit dem „Edgar Allan Poe Award“ als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. Robert B. Parker verstarb 2010.
Infos zum Autor unter www.robertbparker.de

Robert B. Parker

Das gestohlene

Manuskript

Ein Auftrag für Spenser

Übersetzt von Angelika Haug

PENDRAGON

1

Das Büro des Universitätsrektors sah aus wie der Salon eines erfolgreichen viktorianischen Freudenhauses. Wandtäfelung aus dunkelbraunem Walnuss. Zierlich gemusterte Vorhänge an den Fenstern. Brauner Teppich. Möbel aus schwarzem Leder mit Messingbeschlägen. Das Büro war wesentlich schöner als die Vorlesungssäle. Vielleicht hätte ich doch besser eine Krawatte tragen sollen.

Der Rektor, Bradford W. Forbes, war wohlgenährt und hatte ein stark gerötetes Gesicht, ziemlich langes weißes Haar und buschige weiße Augenbrauen. Er trug einen maßgeschneiderten braunen Nadelstreifenanzug mit Weste. Eine goldene Uhrkette mit einem Phi-Beta-Kappa-Schlüssel schlang sich um seine beachtliche Mitte. Sein Hemd war aus gelbem Wollstoff. Die blaugelb gestreifte Krawatte quoll über den Ausschnitt seiner Weste.

Während er sprach, drehte sich Forbes mit seinem Drehstuhl zum Fenster und betrachtete sein Spiegelbild in der Scheibe. Die ersten Schneeflocken blieben daran hängen, schmolzen und tropften auf das Fensterbrett aus weißem Ziegelstein. Ein grauer Novembertag. Typisch für Boston im Spätherbst. Aus diesem Grund sah Forbes’ Büro fröhlicher aus, als es sonst wahrscheinlich der Fall gewesen wäre.

Er erzählte mir von dem hohen Maß an Verantwortung und Einfühlungsvermögen, das die Arbeit eines Rektors erfordere. Anscheinend gab es noch eine ganze Menge darüber zu sagen. Ich war seit 20 Minuten in dem Zimmer, und meine Augen begannen bereits zu flimmern. Ich fragte mich, ob ich ihm sagen sollte, dass sein Büro wie ein Bordell aussah. Aber dann unterließ ich es doch.

„Verstehen Sie meine Lage, Mr. Spenser?“, fragte er und drehte sich wieder zu mir um. Er beugte sich über den Schreibtisch und legte beide Handflächen darauf. Seine Nägel waren manikürt.

„Ja, Sir“, sagte ich. „Wir Detektive lesen in einem Menschen wie in einem Buch.“

Forbes runzelte die Stirn. Dann sprach er weiter.

„Mr. Spenser, es handelt sich um eine äußerst delikate Angelegenheit.“ Er besah sich wieder in der Fensterscheibe. „Sie erfordert Zurückhaltung, Einfühlungsvermögen und eine Menge Berufserfahrung. Ich kenne die Leute nicht, die Sie normalerweise heranziehen, aber … “

Ich unterbrach ihn. „Dr. Forbes, auch ich habe ein College besucht. Ich bin nicht von gestern. Wenn ich eine heiße Spur verfolge, bin ich nicht mehr zu bremsen. Ich bin kein Akademiker, sondern Privatdetektiv. Haben Sie nun einen Auftrag für mich, oder polieren Sie lediglich Ihre Vorlesung für das neue Semester bei mir auf?“

Forbes holte tief Luft und atmete sie langsam durch die Nase aus.

„Staatsanwalt Frale erzählte uns bereits, dass Sie über Ihre eigenen Witze am lautesten lachen. Sagen Sie es ihm, Mr. Tower!“

Tower trat von der Wand weg. Er holte seinen Schnellhefter hervor. Tower war groß und dünn. Mit seinem Pagenkopf glich er Prinz Eisenherz mit langen Koteletten. Er trug Schnallenstiefel und einen braunen Gabardineanzug. Lässig stellte er einen Fuß auf den Stuhl und ließ den Ordner aufschnappen.

„Carl Tower“, stellte er sich vor. „Leiter der Universitätspolizei. Vor vier Tagen wurde aus der Bibliothek eine wertvolle Bilderhandschrift aus dem 14. Jahrhundert gestohlen.“

„Was ist eine Bilderhandschrift?“

Forbes erklärte: „Es handelt sich um ein von Mönchen handgeschriebenes Buch mit farbigen Illustrationen und roten oder goldenen Zierrändern. Das Buch, das gestohlen wurde ist in Latein geschrieben und enthält eine Anspielung auf den englischen Mystiker des 14. Jahrhunderts, Richard Rolle. Es wurde vor 40 Jahren hinter einer Zierfassade der Godwulf-Abtei entdeckt. Wahrscheinlich hatten es die Mönche dort während der Plünderung der Klöster versteckt, die dem Bruch Heinrichs VIII. mit Rom folgte.“

„Ach so! Ich verstehe.“

„Gut“, sagte Tower kurz. „Später werde ich Sie mit der Beschreibung und den Bildern vertraut machen. Jetzt wollen wir nur die allgemeinen Fakten klären. Heute Morgen erhielt Rektor Forbes einen anonymen Anruf von jemandem, der vorgab, einer revolutionären Organisation anzugehören. Der Anrufer behauptete, im Besitz des Manuskriptes zu sein. Seine Organisation fordere, dass wir 100 000 Dollar bei einem Wohltätigkeitslauf an der Universität spenden.“

„Warum gehen Sie nicht darauf ein?“

„Wir haben keine 100 000 Dollar, Mr. Spenser!“

Ich sah mich um. „Vielleicht können Sie einen Teil des Zimmers als Parkplatz vermieten“, schlug ich vor.

Forbes schloss zehn Sekunden lang die Augen, holte tief Luft und sprach dann weiter.

„Alle Universitäten arbeiten momentan mit Verlust. Diese hier besonders. Sie ist zu groß und hat keinen bekannten Namen. Die wenigen Gönner, die wir haben, sind fast alle aus nicht sehr vermögenden Familien. Jedenfalls haben wir keine 100 000 Dollar.“

Ich sah Tower an. „Kann die Handschrift verhökert werden?“

„Nein. Sie hat nur historischen und literarischen Wert. Der einzige Markt wäre ein anderes College, und dort würde man sie sofort erkennen.“

„Da ist noch ein Problem, Mr. Spenser“, mischte sich Forbes ein, „das Manuskript muss in einem klimatisierten Raum aufbewahrt werden, das heißt bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit. Es zerfällt, wenn es zu lange seinem Behälter entnommen wird. Der Verlust wäre tragisch.“ Forbes Stimme sackte beim letzten Satz ab. Er untersuchte einen Aschefleck auf seinem Rockaufschlag. Dann sah er mir fest in die Augen. „Können wir mit Ihnen rechnen, Mr. Spenser? Können Sie es zurückholen?“

„Das ist wohl Ihr letzter Wille.“

Hinter mir grunzte Tower. Forbes schaute so gequält, als habe er einen halben Wurm verschluckt. „Ich habe mich wohl verhört“, sagte er.

„Ich bin 37 Jahre alt und pleite, Dr. Forbes! Wenn Sie aber genügend Geld locker machen und aufhören auf die Tränendrüse zu drücken, werde ich tun, was ich kann.“

„So kommen wir nicht weiter“, meinte Tower. „Ich bringe ihn runter in mein Büro, Dr. Forbes, und zeige ihm alles. Ich kenne die Situation ja genau. Außerdem bin ich daran gewöhnt, mit Menschen wie ihm umzugehen.“

Forbes nickte schweigend. Als wir sein Büro verließen, stand er mit auf dem Rücken verschränkten Händen vor dem Fenster und starrte hinaus auf den Schnee.

Das Verwaltungsgebäude bestand aus Backsteinen mit Kunststoffkacheln und Trennwänden aus Milchglasscheiben. Die Wände des Korridors waren in zweierlei Grüntönen gehalten. Towers Büro lag sechs Stockwerke unter Forbes’ Büro und war nicht viel größer als dessen Schreibtisch. Die Einrichtung war aus beigem Metall.

Tower setzte sich, knabberte an seinem Bleistift und meinte: „Es ist unglaublich, wie Sie es verstehen, Ihre Kunden mit Ihrem Charme zu verzaubern, Spenser!“

Ich saß ihm gegenüber und hielt den Mund.

„Sicher“, sagte er, „der Alte ist ein harter Brocken, aber er hat ein Herz wie Butter.“

„Meinetwegen“, sagte ich. „Wenn ich einmal groß bin, möchte ich so sein wie er. Was ist jetzt mit dem Godwulf-Manuskript?“

„Richtig.“ Er nahm einen Farbdruck aus dem Ordner und gab ihn mir. Ich sah ein sehr schön geschriebenes Buch, das geöffnet auf einem Tisch lag. Die Worte waren lateinisch. Auf den leuchtend roten oder goldenen Zierrändern waren Ritter, Löwen und ein Drache abgelichtet, der von einem Helden gerade mit einer Lanze durchbohrt wird. Der erste Buchstabe auf jeder Seite war besonders sorgfältig gemalt und in die Malereien der Zierränder mit einbezogen.

„Das Manuskript wurde vor drei Nächten aus seinem Behälter in der Bibliothek genommen. Der Nachtwächter kam gegen 02:00 und 04:00 Uhr in das Zimmer. Um 04:00 Uhr fand er den Behälter leer vor. Aber er kann nicht mit Sicherheit sagen, ob das Manuskript um 02:00 Uhr noch da war. Möchten Sie mit ihm sprechen?“

„Nein“, antwortete ich. „Das ist eine Routineangelegenheit. Sie oder die Bullen können das genauso gut machen. Haben Sie einen Verdacht?“

„SGDKA!“

„SGDKA?“

„Studentenvereinigung gegen die kapitalistische Ausbeutung. Eine revolutionäre Organisation im linken Flügel der Universität. Ich habe keine Beweise, aber in meiner Branche hat man einen Riecher für so was.“

„Haben Sie einen Informanten?“

„Nein, aber einige Kontaktpersonen. Das Meiste beruht nur auf Vermutungen. Es würde zu ihnen passen. Ich arbeite seit fünf Jahren hier und habe viele Radikale kennengelernt. Habe eine Art siebten Sinn für sie entwickelt.“

„So wie der frühere Chef?“

„Hoover? Nein, er ist einer der Gründe, weshalb ich den Geheimdienst quittiert habe. Er war einmal ein hervorragender Polizist. Aber seine große Zeit war schon vorbei, bevor er starb. Ich kenne die Radikalen zu gut, um sie nicht einschätzen zu können. Und ich kann es ihnen nicht einmal übelnehmen, wenn sie sich über gewisse Dinge aufregen. Wir leben nicht gerade in einer heilen Welt.“

Er sah aus dem Fenster auf den geteerten Campus. Der Matsch bildete kleine Muster, wenn die Jugendlichen hindurchstapften. Ein dünner kahler Baum lehnte sich an einen Stützpfahl.

„Wo finde ich die SGDKA? Haben sie ein Klubhaus mit Collegewimpeln? Einen Plattenspieler, der Tag und Nacht alte Pat-Boone-Platten dudelt?“

„Wohl kaum“, sagte Tower. „Das Beste wäre, Sie würden mit der Sekretärin, Terry Orchard, sprechen. Sie ist eine der Vernünftigeren.“

„Wo finde ich sie?“

Tower drückte auf einen Knopf der Sprechanlage und fragte nach der SGDKA-Akte.

„Wir legen von jeder Organisation eine Akte an. Wir machen bei der SGDKA keine Ausnahme.“

„Ich wette, dass die Akte über den Paul-Newman-Klub dicker ist“, sagte ich ironisch.

„Okay“, sagte Tower, „wir nehmen von der einen Organisation mehr Notiz als von der anderen. Aber wir verfolgen niemanden.“

Die Tür öffnete sich. Eine geschäftige Studentin in hohen weißen Stiefeln kam herein. Sie trug ein lilafarbenes Etwas aus Wildleder. Zu kurz für einen Rock und zu lang für einen Gürtel. Ihre Oberschenkel waren ein wenig zu füllig. Aber vielleicht dachte sie dasselbe von mir. Sie legte einen dicken braunen Aktenordner auf Towers Schreibtisch und musterte mich wie ein Gebrauchtwagenhändler ein günstiges Angebot. Dann ging sie.

„Wer war das?“, fragte ich. „Die Vorsteherin des Mädchenheimes?“

Tower wühlte in seiner Akte. Er nahm ein maschinenbeschriebenes Blatt heraus.

„Hier“, sagte er. Es war eine Aktennotiz über Terry Orchard. Heimatadresse: Newton, Massachusetts. College-Adresse: Keine. Ohne Wohnsitz.

„Ohne Wohnsitz?“, fragte ich.

„Ja, sie treibt sich in der Gegend herum. Meistens lebt sie mit einem Burschen namens Dennis Powell zusammen. Man könnte ihn als Sprecher der SGDKA bezeichnen. Einige Male lebte sie auch bei einem Mädchen in der Hemenway Street. Connelly, Catherine Connelly. Steht alles hier in der Akte.“

„Ja, und die Akte ist ein Jahr alt.“

„Mir fehlt es an Mitarbeitern. Da ist ein ständiger Wechsel. Die Studenten sind nur für vier Jahre hier, wenn überhaupt. Die wirklich romantischen Radikalen sehen sich gern als Streuner. Sie schlafen mal hier, mal dort. Auf Fußböden und Matratzen. Weiß der Himmel, wo sonst noch überall. Das Beste wäre, wenn Sie das Mädchen nach Schluss der Vorlesung erwischen könnten.“

Er drückte wieder auf den Knopf der Sprechanlage. Wieder kam das Lila Röckchen.

„Besorgen Sie mir Terry Orchards Vorlesungsplan, Brenda.“ Sein Ton war streng geschäftlich. Kein Wunder, dass er es zehn Jahre beim Geheimdienst ausgehalten hatte.

Sie kam in weniger als fünf Minuten damit zurück. Terry hatte gerade eine Vorlesung in Psychologie. Thema war das Problem der Verdrängung. Die Vorlesung endete erst um 15:00 Uhr in der Hardin-Halle. Jetzt war es 14:35 Uhr.

„Bild?“, fragte ich Tower.

„Hier“, sagte er. Er sah auf seine massive Uhr mit dem breiten Armband aus Schlangenleder. Sie zeigte nicht nur die Zeit, sondern auch den Luftdruck und die Mondphasen an.

„15:00 Uhr“, sagte er. „Noch viel Zeit. Die Hardin-Halle ist zwei Blocks weiter. Nehmen Sie den Aufzug bis zum vierten Stock. Zimmer 409 ist dann die zweite Tür links.“

Ich sah mir das Bild an. Es war nicht besonders gut. Sicher ein Passfoto. Sie hatte ein eckiges Gesicht mit ziemlich vollen Lippen. Das Haar trug sie streng aus dem Gesicht gekämmt. Sie sah älter aus als die 20 Jahre, die ihre Personalakte verriet. Aber die meisten Menschen sehen auf Passfotos älter aus.

„Okay“, sagte ich. „Ich werde sie abpassen. Wie steht es übrigens mit dem Vorschuss? Als Forbes mir erzählte, wie schlecht es Ihnen hier geht, wurde mir flau.“

„Sie bekommen ihn von unserer Buchhaltung. Eine Woche im Voraus.“

„Gebongt“, sagte ich und gab ihm die Unterlagen und das Foto zurück.

„Brauchen Sie die nicht?“

„Ich hab ein gutes Gedächtnis“, sagte ich. Wir schüttelten uns die Hände. Ich ging.

Die Korridore füllten sich mit Studenten, die in eine andere Vorlesung gingen. Ich schlenderte über den Campus. Die dünne Ulme die ich aus Forbes’ Fenster gesehen hatte, war nicht so einsam, wie ich zuerst dachte. Fünf ebenso dünne Artgenossen waren geometrisch um den Campus angeordnet. Drei Seiten des Hofes wurden von den grauweißen Backsteingebäuden begrenzt. Von jedem führten Treppen zu den vielen Vorlesungssälen hinauf. Die Gebäude waren völlig quadratisch, vier Stockwerke hoch, mit graugestrichenen Fensterrahmen. Die vierte Seite führte auf die Straße, an der Züge vorbeirumpelten.

Unter einem der Bäume saßen ein Junge und ein Mädchen dicht nebeneinander. Er trug leichte schwarze Schuhe und braune Socken, verwaschene Jeans, ein blaues Jeanshemd und eine verfärbte Jacke mit den Streifen eines Sergeanten, dem Wappen der 7. Division und dem Namensschild Gagliano. Sein dichtes schwarzes Haar im Afro-Look spross in die Höhe. An den rosaroten Gläsern seiner goldumrandeten Brille blieben Schneeflocken hängen. Das Mädchen trug einen Hosenanzug und einen gesteppten Parka darüber. An ihren Füßen steckten Wanderstiefel aus blauem Wildleder. Ihr blondes Haar hing kerzengerade bis zur Taille herunter und wurde von einem Lederband aus der Stirn gehalten. Ich fragte mich, ob es ein Zeichen zunehmenden Alters sei, wenn man keine Lust mehr hat, im Schnee herumzuknutschen.

Ein farbiger Junge mit einem Borsalino kam aus der Bibliothek und schlenderte über den Hof. Er trug einen ärmellosen roten Overall, darunter ein schwarzes Hemd mit weiten Ärmeln. Sein bodenlanger Ledermantel stand offen. An den Füßen trug er schwarze Lederstiefel mit hohem Absatz. Ein Fu-Manchu- Bart lief von den Mundwinkeln zum Kinn hinunter. Zwei Jugendliche in College-Jacken wechselten im Vorübergehen Blicke. Eine Farbige mit Angela-Davis-Haarschnitt und großen Ohrringen ließ eine leichte Parfümwolke hinter sich. Ich ging in die Hardin-Halle, das dritte Gebäude auf dem Campus.

Der Fahrstuhl, der mich zum vierten Stock brachte, war mit obszönen Schriften bedeckt. Raum 409 hatte wie alle anderen Vorlesungssäle eine Eichentür mit einem Glasfenster.

Ich konnte ungefähr 40 junge Leute sehen, denen gegenüber eine Frau an einem Tisch saß. Sie trug ein dunkelbraunes Seidenkleid im Großmutter-Look mit tiefem Dekolleté. Ihr schwarzes langes Haar wurde im Nacken von einer Goldspange zusammengehalten. Sie rauchte eine Pfeife mit einem gebogenen Stiel aus Bernstein. Sie sprach sehr lebhaft, und wenn sie gestikulierte, blitzten die Ringe an ihren Fingern auf. Einige Studenten machten Notizen und sahen aufmerksam auf. Andere hatten den Kopf auf den Schreibtisch gelegt und schlummerten vor sich hin.

Terry Orchard saß in der letzten Reihe und starrte aus dem Fenster auf den fallenden Schnee. In ihrem verblichenen Jeansanzug und der ungebügelten Bluse glich sie den jungen Leuten, die ich vorher auf dem Campus gesehen hatte. Mit ihrem Pferdeschwanz sah sie aus wie ein Matrose aus dem 18. Jahrhundert. Sie hatte weder Make-up aufgelegt, noch trug sie irgendwelchen Schmuck. An den Füßen trug sie gelbe Lederschuhe, die an den Fesseln geschnürt waren. Sie war nicht so gebaut, dass ich ihre Formen aus dieser Entfernung hätte sehen können. Aber ich war überzeugt, dass sie keinen Büstenhalter trug. Es gibt junge Leute, die kaufen sich ihren Lumpen-Look mit ihrer eigenen Kreditkarte in einer Marsha-Jordan-Boutique. Terry gehörte sicher nicht zu ihnen. Ihre Kleidung war gewiss in einem Jerry’s Army-Navy Store gekauft worden. Sie sah besser aus als auf dem Foto, aber nicht jünger.

2

Die Glocke läutete, und die Dozentin hörte mitten im Satz auf. Sie nahm ihre Pfeife aus dem Mund, faltete ihre Notizen zusammen und verließ den Saal. Die Studenten folgten ihr. Terry war eine der ersten.

„Entschuldigen Sie! Terry Orchard?“

„Ja?“ In ihrer Stimme schwang weder Feindseligkeit noch Wärme.

„Mein Name ist Spenser. Ich würde Sie gern zum Mittagessen einladen.“

„Warum?“

„Nun, wie wär’s damit? Ich bin Produzent in Hollywood und suche einen neuen Star.“

„Hauen Sie ab“, sagte sie, ohne mich anzusehen.

„Was halten Sie davon? Wenn Sie nicht mitkommen, breche ich Ihnen beide Daumen, und Sie werden nie mehr Billard spielen.“

Sie blieb stehen und sah mich an. „Was, zum Teufel, wollen Sie? Warum versuchen Sie es nicht einmal mit einer Tüte Bonbons in der Klosterschule nebenan?“

Wir waren inzwischen in einem anderen Stockwerk und bogen in einen neuen Korridor ein. Ich holte meine Visitenkarte heraus und gab sie ihr.

„Mein Gott!“, sagte sie. „Ein Schnüffler! Das ist vielleicht komisch. Werden Sie jetzt Ihren Revolver ziehen? Hat Sie mein Alter geschickt?“

„Miss Orchard, sehen Sie es von der positiven Seite! Sie bekommen ein Mittagessen umsonst. Anschließend können Sie Ihren Freunden alles erzählen und sich mit ihnen darüber halb totlachen. Ich meinerseits habe die Chance, Ihnen einige Fragen zu stellen. Wenn Sie mir antworten, dürfen Sie mit meinen Handschellen spielen. Wenn Sie nicht antworten, bekommen Sie Ihr Mittagessen trotzdem. Wann hat man schon einmal Gelegenheit, mit einem Privatdetektiv zu speisen?“

„Ein Polizist ist ein Polizist“, sagte sie. „Ob Sie nun angestellt sind oder selbständig. Sie arbeiten für dieselben Leute.“

„Wenn Sie das nächste Mal in Schwierigkeiten sind, rufen Sie am besten einen Hippie.“

„Ach, verdammt, Sie wissen ganz genau …“

Ich unterbrach sie. „Ich weiß verdammt genau, dass es angenehmer wäre, sich beim Mittagessen zu streiten. Meine Fingernägel sind sauber, und ich verspreche Ihnen, das Besteck zu benutzen. Ich bezahle außerdem mit Geld, das ich vom Establishment bekommen habe. Eine einmalige Chance, es auszubeuten.“

Jetzt lächelte sie fast. „Okay“, sagte sie. „Gehen wir in die Kneipe. Sie werden mich in diesem Aufzug hineinlassen. Ich ziehe ohnehin nie etwas anderes an.“

Wir hatten inzwischen das Erdgeschoss erreicht und traten auf den Campus hinaus. Die Gebäude um die Universität waren aus alten roten Backsteinen. Viele Fenster waren vernagelt, die übrigen hatten meist Vorhänge. Die Straße entlang hatte sich eine Menge jener Geschäfte angesammelt, die man in der Nähe einer Universität immer findet: Buchläden, An- und Verkaufsgeschäfte, Sex-Shops, Pizza- und Brathähnchenbuden und ein Softeisverkäufer. Der Sex-Shop war größer als der Buchladen.

Die Kneipe war wahrscheinlich einmal eine Tankstelle gewesen. Das Wort „Bierschenke“ stand in großen Goldbuchstaben an der Tür. Im Inneren dudelte eine Musikbox und es lief ein Farbfernseher. In den Nischen standen dunkle Holztische und Stühle mit hohen Lehnen. An der einen Seite war eine Bar. Die Decke war niedrig und das meiste Licht stammte von einer großen Budweiser-Reklame hinter dem Tresen. Die Bar war um diese Zeit noch recht leer. Eine Gruppe junger Leute spielte an einem Tisch Karten. Ganz hinten flüsterte ein junger Mann mit einem Mädchen.

Terry Orchard und ich nahmen die zweite Nische. In die Tische waren mit Messern oder Bleistiften Initialen eingeritzt. „Können Sie etwas empfehlen?“, fragte ich.

„Das Cornedbeef kann man essen“, sagte sie.

Eine dicke, müde aussehende Bedienung in Turnschuhen schlurfte herbei, um die Bestellung aufzunehmen. Ich bestellte für uns beide Cornedbeef-Sandwiches und Bier. Terry Orchard zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch durch die Nasenlöcher.

„Wenn ich Bier trinke, machen Sie sich mitschuldig“, meinte sie. „Ich bin noch minderjährig.“

„Das macht nichts. Es gibt mir Gelegenheit, meine Verachtung für das Establishment zu demonstrieren.“

Die Bedienung setzte zwei riesige Bierkrüge auf dem Tisch ab. „Ihre Sandwiches kommen gleich“, sagte sie. Terry nahm einen großen Schluck.

„Sie sind verhaftet“, sagte ich. Ihre Augen weiteten sich geschockt. Dann lächelte sie plötzlich über den Rand des Bierkruges hinweg.

„Sie sind nicht halb so witzig, wie Sie glauben, Mr. Spenser. Aber Sie sind netter, als ich zuerst dachte. Was wollen Sie also wissen?“

„Ich suche das Godwulf-Manuskript. Der Universitätsrektor selbst ließ mich rufen. Er schilderte mir seine Fähigkeiten, verwirrte mich mit seiner Redekunst und beschwor mich, ihm zu helfen. Tower, der Sicherheitsbeamte, gab mir den Tipp, mit Ihnen zu reden.“

„Was ist das Godwulf-Manuskript?“

„Eine Bilderhandschrift aus dem 14. Jahrhundert. Es lagerte in einem besonderen Raum der Bibliothek für Buchraritäten. Jetzt ist es verschwunden. Eine anonyme, revolutionäre Studentenorganisation verlangt Lösegeld dafür.“

„Warum dachte das Oberschwein, dass ich Ihnen helfen könnte?“

„Das Oberschwein vermutet, dass die SGDKA ihre Hände im Spiel hat. Und Sie sind schließlich die Sekretärin dieser Organisation.“

„Warum soll es ausgerechnet die SGDKA gestohlen haben?“

„Tower hat für so etwas einen siebten Sinn, vielleicht weiß er auch etwas. Er ist nicht nur ein Modefreak. Wenn er nicht gerade seine Nägel manikürt und sein Haar stylt, ist er ein ziemlich gerissener Bulle. Er erzählte mir außerdem nicht alles, was er weiß.“

„Warum nicht?“

„Herzchen! Nie erzählt mir jemand alles, was er weiß. Das liegt in der Natur des Menschen!“

„Sie müssen schöne Ansichten über das Leben haben, wenn Sie es die halbe Zeit nur durchs Schlüsselloch betrachten.“

„Ich sehe die Fakten.“

Die Bedienung brachte unsere Sandwiches. Große, schöne Scheiben Schwarzbrot, dazu Pommes frites und saure Gurken. Ich bestellte zwei neue Bier.

„Was ist also mit der Handschrift?“, fragte ich.

„Ich weiß nichts davon.“

„Okay. Erzählen Sie mir etwas über die SGDKA!“

Ihr Gesicht verfinsterte sich. „Warum fragen Sie mich nach der SGDKA?“

„So lange ich nichts erfahre, weiß ich auch nichts. Das ist nun einmal mein Job. Wenn mir die Leute nichts erzählen, muss ich immer weiterfragen. Dann und wann ergibt zwei mal zwei vier.“

„Nun, hier sind Sie auf der falschen Fährte. Wir sind eine revolutionäre Organisation und versuchen, ein neues Bewusstsein zu entwickeln. Wir streben nach einer sozialen Veränderung der Gesellschaft, einer neuen Verteilung des Besitzes. Wir kämpfen für die Freiheit aller Menschen und nicht nur für die der Manager und Ganoven.“

Sie leierte diese Sätze wie ein auswendig gelerntes Sprüchlein herunter. Ich fragte mich, wie lange es schon her war, seit sie das letzte Mal über die Bedeutung dieser Worte nachgedacht hatte.

„Wie setzt ihr eure Ideen in die Wirklichkeit um?“

„Wir üben einen ständigen gesellschaftlichen Druck aus. Wir verteilen Pamphlete und demonstrieren. Wir unterstützen alles, was zur Zerstörung des Establishments beiträgt. Wir bekämpfen die Ungerechtigkeit, wann immer wir ihr begegnen.“

„Mit Erfolg?“, fragte ich.

„Darauf können Sie sich verlassen. Wir gewinnen immer neue Mitglieder. Am Anfang waren wir nur drei oder vier. Jetzt sind wir fünfmal so viel.“

„Nun, ich meinte eigentlich euren Kampf gegen die Ungerechtigkeit.“

Sie sah mich schweigend an.

„Ich bin in der Hinsicht auch nicht so erfolgreich“, sagte ich. Ein großer, schwerknochiger blonder Jüngling kam herein und sah sich suchend um. Als sich seine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, kam er auf uns zu. Er setzte sich neben Terry Orchard, nahm ihr halbvolles Glas und trank es in einem Zug leer. Dann sagte er zu ihr: „Wer ist dieser Mistkerl?“

„Sei nett, Dennis“, bat sie ihn.

Er packte sie hart am Arm und wiederholte seine Frage. Ich beantwortete sie für Terry.

„Mein Name ist Spenser.“

Er drehte seinen Kopf zu mir und sah mich scharf an. „Ich rede mit ihr, nicht mit dir. Halt also die Klappe.“

„Dennis!“ Diesmal sagte sie es mit mehr Nachdruck. „Für wen, zum Teufel, hältst du dich? Lass meinen Arm los!“ Ich griff über den Tisch und packte sein Handgelenk.

„Hör zu, Goldlöckchen!“, sagte ich. „Ich habe für sie ein Bier bestellt, und du hast es getrunken. Das wäre Grund genug, deine Oberlippe ein wenig anschwellen zu lassen.“

Er riss seine Hand los. „Glaubst du, dass ich ein Weichling bin, nur weil ich lange Haare habe?“

„Dennis“, sagte sie. „Er ist Privatdetektiv.“

„Verdammtes Schwein!“, sagte er und holte aus. Ich duckte mich und ließ mich vom Stuhl gleiten. Seine Faust traf die Holzlehne. Er fluchte und drehte sich wieder zu mir um. Er gab anscheinend noch nicht auf. So musste ich mein Bestes tun, um die Sache schnell zu beenden. Ich täuschte einen linken Haken auf seine Magengrube vor. Dennis ging in Deckung. Der nächste Schlag traf ins Gesicht und kam für ihn völlig überraschend. Er ging zu Boden.

Terry Orchard kniete sich neben ihn und legte ihm den Arm um die Schultern.

„Bleib unten, Dennis, er wird dir bloß wehtun!“

„Sie hat recht, Kleiner“, sagte ich. „Du bist ein Amateur. Ich mache so etwas, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“

Die alte, dicke Bedienung kam und rief: „Was, zum Teufel, ist denn hier los? Wollt ihr, dass ich die Bullen rufe? Wenn ihr euch prügeln wollt, geht auf die Straße!“

„Alles in Ordnung“, sagte ich. „Ich bin Stuntman in Hollywood und zeige meinem Freund gerade, wie man einem Haken geschickt ausweicht.“

„Und ich bin Wonder-Woman! Wenn ihr das noch einmal macht, rufe ich die Blauen!“ Sie walzte davon.

„Das Bierangebot gilt noch“, sagte ich. Der Junge stand auf. Seine Backe wurde schon dick. Er würde morgen keine Freude am Kauen haben. Er setzte sich neben Terry, die ihn noch immer beschützend im Arm hielt.

„Es tut mir leid, Mr. Spenser“, erklärte sie. „Er ist sonst nicht so.“

„Wie ist er sonst?“, fragte ich.

Seine Augen, die ein wenig aus dem Brennpunkt geraten waren, wurden klarer. „Ich bin, wie ich bin“, meinte er. „Und ich mag nicht, wenn Terry rumsitzt und mit einem aufgeblasenen verdammten Schnüffler säuft. Was machen Sie hier überhaupt?“

Der linke Haken hatte ihm etwas von seiner Angriffslust genommen. Seine Stimme klang eher verdrießlich als bestimmt. Aber das machte ihn auch nicht viel freundlicher.

„Ich bin Privatdetektiv und suche ein wertvolles gestohlenes Buch, das Godwulf-Manuskript. Schon davon gehört?“

„Nein.“

„Woher wussten Sie, dass ich Privatdetektiv bin?“

„Ich wusste es nicht, bis Terry es mir eben erzählte. Aber Sie sehen ohnehin wie einer aus. Wenn Ihre Haare noch ein wenig kürzer wären, hätten Sie einen Bürstenschnitt wie ein Soldat. In unserer Organisation lernt man misstrauisch zu sein. Übrigens, Terry ist mein Mädchen.“

„Ich bin nicht dein Mädchen, Dennis“, rief sie. „Die Aussage war ja wohl absolut sexistisch. Ich bin kein Besitz.“

„Oh Gott“, sagte ich. „Könnten wir die Polemik einen Augenblick lang ausklammern? Ihr müsst nämlich Folgendes wissen. Das Buch muss unter besonderen klimatischen Bedingungen aufbewahrt werden. Sonst zerfällt es. Und dann wird es sowohl für die Studenten als auch für die Buchdiebe wertlos sein. Die Universität hat nicht das Geld, es auszulösen.“

„Sie haben genügend Geld, um Rugbyspieler einzukaufen, eine neue Eishockeybahn zu bauen und die verdammten Professoren dafür zu bezahlen, dass sie bloß drei Stunden wöchentlich unterrichten und den Rest der Zeit alberne Bücher schreiben.“

„Ich habe diese Woche in der Vorlesung über Studienreform gefehlt. Habt ihr irgendeine Ahnung, wo das verschwundene Manuskript sein könnte?“

„Und wenn, würde ich es Ihnen nicht verraten. Andernfalls könnte ich es herausfinden. Aber auch dann würde ich es Ihnen nicht sagen. Sie spähen hier nicht über den Zaun einer Penne, Sie Schnüffler. Sie befinden sich auf dem Universitätsgelände und fallen unangenehm auf. Sie werden überhaupt nichts finden. Weil Ihnen niemand etwas sagen wird. Sie und die anderen Dinosaurier können hier herumschnüffeln, so viel Sie wollen. Wir machen mit Ihnen keine Geschäfte!“

„Was für Geschäfte?“

„Das wissen Sie ganz genau. Sie stehen auf der anderen Seite, Mann!“

„So kommen wir nicht weiter“, sagte ich. „Wiedersehen!“

Ich ließ einen Schein auf dem Tisch liegen und ging. Draußen wurde es schon dunkel. Ich spürte das Bier ein wenig. Und ich fühlte die Resignation dieser Jugendlichen, die nicht den Mut hatten, sich auf irgendetwas einzulassen. Ganz gleich, worum es ging. Ich holte mein Auto, das bei einem Hydranten geparkt war. An der Windschutzscheibe klebte ein Strafzettel. Ewige Wachsamkeit, dachte ich, ist der Preis für Freiheit. Ich zerriss den Zettel und fuhr nach Hause.

3

Ich wohnte damals in der Marlborough Street, nicht weit vom Stadtpark. Ich machte mir Hack mit Ei zum Abendessen und las die Morgenausgabe der New York Times. Dann nahm ich meinen Kaffee mit ins Wohnzimmer und sah fern. Das Programm war so grauenvoll, dass ich den Apparat gleich wieder abstellte und meine Schnitzerei hervorholte. Seit sechs Monaten arbeitete ich an einem Stück harten Pinienholzes und versuchte, die bronzene Statue eines Indianers zu Pferde nachzuarbeiten, die vor dem Museum of Fine Arts steht. Das Holz war so hart, dass ich jedes Mal zuerst das Messer schärfen musste. Eine halbe Stunde verbrachte ich mit Wetzstein und Feile, bevor ich an die eigentliche Arbeit ging. Gegen 23:00 Uhr stellte ich noch einmal den Fernseher an. Ich sah die Nachrichten und zog mich dabei aus. Dann stellte ich ihn endgültig ab und ging ins Bett.

Irgendwann klingelte das Telefon. Ich kam lange nicht zu mir und nahm den Hörer erst ab, nachdem es schon eine Weile geklingelt hatte. Die Stimme des Mädchens am anderen Ende war sehr langsam. So, wie eine 45er-Platte, die mit einer Geschwindigkeit von 33 Umdrehungen gespielt wird.

„Spenser?“

„Ja?“

„Hier ist Terry … Helfen Sie mir!“

„Wo sind Sie?“

„Hemenway Street 80, Apartment 3.“

„In zehn Minuten bin ich bei Ihnen“, sagte ich und rollte mich aus dem Bett.

Es war 03:05 Uhr, als ich in mein Auto stieg und losraste. Keine 15 Minuten später bog ich in die Hemenway Street ein. Der Verkehr in Bosten ist nachts um drei selten ein Problem. Hemenway Street jedoch erschien mir wie eines. Eine kurze Straße, nahe der Universität, mit schäbigen Apartmenthäusern. Ein Platz für Streuner. An den Hauswänden standen maoistische Parolen in roter Farbe. Auf einer Säule am Eingang war die Proklamation einer schwulen Widerstandsbewegung hingeschmiert worden.

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