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Das Zen (m)einer Katze

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Inhaltsübersicht

Von nahem betrachtet ist niemand normal

»Mein« Meister

Das rituelle Zen

Sich selbst gehören

Der »richtige« Moment

Die Tür öffnen und das, was da ist, willkommen heißen

Kommen und gehen, auftauchen und verschwinden

Schnurren vor Zufriedenheit

Schieben und Ziehen

Das gefällt mir, das gefällt mir nicht

Unruhe

Wirklich da sein

Spielen, ohne Angst zu leben

Unsere Wirklichkeit sein, aber welche?

Die Offensichtlichkeit des Seins

Was er nicht macht

Im Jetzt leben

Zorro fragen

Geschichten

Ein Teil der Wirklichkeit sein

Die Schönheit zu tun, was getan werden will

Vorlieben

Würmer und Schlangen

Eine Leidens-Béchamel

Zu viel und zu wenig

Sich frei machen

Wer beobachtet wen

Der Gestiefelte Kater

Vorbeikommen

Glücksfanatiker

Tiere in Schwierigkeiten

Evolution und Flaschenteufel

Du brauchst nicht alles zu wissen, nicht immer

Meinungen

Wer bist du?

Stille, bis auf dein Schnurren

Danksagung

 

Den

Ungeduldigen

Gequälten

Überdrüssigen

denen, die die Nase voll haben

die müde nach Hause kommen

als würden sie unter Tage arbeiten

denen, die unter Tage arbeiten

denen, die Katzen lieben und sie ein wenig beneiden

 

»Kann Lesen mich auf meinem Weg weiterbringen?«, fragte der junge Schüler.

»Es kommt darauf an«, entgegnete der Meister. »Wenn du glaubst, was du liest, drehst du dich blind im Kreis.

Doch wenn du bereit bist, alle Gewissheit fahren zu lassen, kann es dir ein Wegweiser zur Erfüllung sein.«

Was geht noch, außer zu tun, was man kann?

Vielleicht zu sein, was man kann?

VON NAHEM BETRACHTET IST NIEMAND NORMAL

Zorro ist ein ganz besonderer Kater. Er hat mich auserwählt.

 

Vielleicht ist jede Katze etwas ganz Besonderes, zumindest für ihre »Herrchen« oder sogenannten Besitzer. Und glauben wir nicht alle, wir seien etwas Besonderes, auch wenn wir keine Katzen sind? »Von nahem betrachtet ist niemand normal«, stand auf einem T-Shirt zu lesen, das meine Tochter vor Jahren trug. Ich lese liebend gern, einfach alles, selbst den Aufdruck auf der Zwiebackpackung, meine wahre Leidenschaft (der Zwieback, nicht der Aufdruck). Was die Sache mit dem »Normal-« oder »Besonderssein« oder Sich-so-Fühlen oder Fühlenwollen angeht: Hat es überhaupt Sinn, darüber zu reden?

 

Von Zorro habe ich gelernt, wie eitel wir sind, pausenlos wird eitel herumgeschwätzt. Von Zorro lernen heißt schweigen lernen, aufhören lernen. Nicht tun. Uns und unseren Ängsten schweigend Gesellschaft leisten. Ich bin blutige Anfängerin, deshalb sitze ich auch noch hier und schreibe.

 

Aber hübsch der Reihe nach. Zorro wandert über die Tastatur meiner Gedanken und geht ihnen voran.

»MEIN« MEISTER

Zorro ist ein kleiner großer Zen-Meister unserer Zeit (zumindest meiner Zeit), auch wenn er es nicht weiß. Sagen wir, er ist es für alle, die ihn so sehen wollen. Für alle, die so denken wie ich.

 

Ungeachtet seines Namens hat er nichts mit dem maskierten Helden zu tun, der überall sein Zeichen hinterlässt, indem er mit dem Degen riesige Z in die Türen ritzt.

 

Der Zorro, den ich kenne, will keine Zeichen hinterlassen, und dennoch tut er es bei jedem, den er mit seiner eleganten, gemessenen Gegenwart beehrt. Zorro ist ruhig und heiter, frei und unabhängig, er beklagt sich nicht, zaudert nicht, murrt nicht und langweilt sich nie. Er respektiert die Wirklichkeit. Sein Name ist wie für ihn gemacht: Er ist Ausdruck seiner großen Selbstgewissheit.

 

Er kommt zu mir, wann er will, ohne Vorwarnung. Setzt sich auf seinen Lieblingssessel, schaut mich an und schweigt. Hochzufrieden schnurrt er wie eine Katze – er ist nun mal eine. Wenn er mich antrifft, freut er sich, wenn nicht, geht er seines Weges.

 

Nie käme ihm der Gedanke: »Wieso ist sie nicht hier!« Dieses Mehr müßigen Nachdenkens darüber, wie die Welt sein sollte, bringt er nicht auf. Er versucht nicht, an den Tatsachen zu rütteln. Mal bleibt er wartend vor der Haustür sitzen, mal zieht er weiter.

Sagen: »Dieses oder jenes hat große Bedeutung.«

Begreifen, dass ich ihm diese Bedeutung gegeben habe.

Mir meiner Handlung bewusst sein.

DAS RITUELLE ZEN

Vor Jahren ging ich in ein elegant asketisches und erhaben tristes Zen-Zentrum gleich bei mir um die Ecke – seine Besucher nennen es Dõjõ: japanisch für Ort (jo), an dem man dem Weg (do, dao, tao) folgt. Stundenlang saß man ganz in Schwarz da und starrte schweigend in Meditation versunken die Wände an. Eine Lehrerin redete, knapp, streng, bestimmt. Eines schönen Tages, während ich die Wand anstarrte, bewusst einatmete und bewusst wieder ausatmete, in mich hineinlauschte und mich auf meinen Geist besann, sah ich mich plötzlich vor mir: Schau dich an, wie du dich wieder dahinterklemmst, wie du mithalten, gut sein, dich gut fühlen, es schaffen und weiß der Himmel was willst, sogar die Erleuchtung soll es für dich und deinen Geist jetzt sein. Nicht zu fassen: Das »Ich will«, die Gewalt des Trachtens, Wünschens und Strebens, das »Machen-« und Habenwollen, die Gier, der Eifer, der Umsetzungsdrang kennen wirklich keine Grenzen; selbst Zen-Meditation wollen mein Geist und ich jetzt lernen. Aber wieso soll ich lernen wollen, nichts zu wollen? Ich beobachte die paradoxen Grenzen der Erfahrung. Still, bewegungslos und von jeglichen angenehmen wie unangenehmen Regungen frei starrte ich die Wand an, und dicke Tränen rannen mir, der Schwerkraft folgend, die Wangen herab. Ich saß da, die Leinwand vor meinem geistigen Auge leer, und fühlte, wie man sich fühlt, wenn man fühlt, wie man sich fühlt, frei von Identifikation, Präferenz und Gegenwehr. Ehrlich gesagt, weder traurig noch froh: Das Ende des Kraftaktes fühlt sich an wie das Ende des Kraftaktes.

 

Das Ende des Rituals ist das Ende des Rituals, mehr nicht. Hat man einen Fluss überquert, schleppt man das Floß nicht mit sich, sondern lässt es den anderen, steht in den heiligen buddhistischen Schriften. Nicht, dass mich das friedliche Dasitzen und Die-Wand-Anstarren irgendwo anders hingebracht hätte als zum friedlichen Dasitzen und Die-Wand-Anstarren.

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