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Das Verlangen des irischen Kriegers

1. KAPITEL

Irland, 1180

Der kalte Herbstwind drang durch seinen Mantel und mahnte ihn, dass es an der Zeit war, sich einen Unterschlupf zu suchen. Aber Trahern MacEgan spürte die Kälte kaum. Schon während der letzten Monate war sein Innerstes so kalt gewesen wie der Wind, der an ihm zerrte.

Er war zerfressen von Rachegedanken, besessen von dem Verlangen, die Männer zu finden, die Ciara getötet hatten. Deswegen hatte er Heim und Familie verlassen. Er wollte in den Südwesten Irlands zurückkehren, wo in Glen Omrigh der Stamm der O’Reillys lebte.

Seine Brüder ahnten nichts von seinem Vorhaben. Sie glaubten, er wäre nur wieder einmal unterwegs, würde seine Geschichten erzählen und Freunde besuchen. Als Barde verweilte er nie lange an einem Ort, und so hegten sie nicht den geringsten Verdacht.

Was er plante, ging nur ihn etwas an. Seine Brüder hatten Frauen und Kinder. Er würde nie das Risiko eingehen, sie in Gefahr zu bringen. Er selbst hingegen hatte nichts mehr zu verlieren, und das war ihm nur recht.

Die Gegend wurde jetzt bergiger, grüne Hügel erhoben sich aus dem Nebel, und die schmale Straße schlängelte sich nun durch ein Tal. Warme Atemwolken stiegen von den Nüstern des Pferdes auf.

Im Frühsommer hatte Ciaras Bruder Áron ihm die Nachricht geschickt, dass Wikinger die kleine Wallburg, den cashel, überfallen hatten. Dabei war Ciara, bei dem Versuch zu fliehen, getötet worden.

Die grausame Botschaft hatte Trahern monatelang von Glen Omrigh ferngehalten. Er wollte weder Ciaras Grab sehen noch das Mitleid seiner Freunde ertragen müssen. Er wollte nur noch vergessen.

Aber die Zeit linderte seinen Schmerz nicht. Sie hatte ihn nur noch größer werden lassen. Er hätte Ciara nicht verlassen dürfen. Die Schuld wog schwer auf seinen Schultern und veränderte ihn. Er wurde ein anderer Mensch.

Hass durchströmte ihn und verdrängte den Schmerz. Wut und Entschlossenheit beherrschten jetzt sein Denken. Er würde diese Verbrecher finden, und dann sollten sie das gleiche Schicksal wie Ciara erleiden.

Als die Sonne tiefer am Himmel stand, hielt Trahern an, machte ein Feuer und baute sich einen Unterschlupf. Wenn er ein paar Stunden weitergeritten wäre, hätte er noch heute sein Ziel erreichen können. Aber er zog es vor, die Nacht allein zu verbringen.

Knisternd leckten die Flammen am trockenen Holz und hoben sich leuchtend orange vom nächtlichen Himmel ab. Morgen würde er den cashel erreichen und die Verfolgung seiner Feinde aufnehmen.

Trahern streckte sich auf seinem Mantel aus. Während er etwas aß, sah er ins Feuer und lauschte den Geräuschen der Nacht. In einiger Entfernung hörte er ein leises Rascheln im Wald. Wahrscheinlich waren es irgendwelche Tiere. Trotzdem griff er nach seinem Schwert.

Das, was sich dort bewegte, war schwerer als ein Eichhörnchen oder ein Fuchs. Das war ein Mensch, kein Tier. Trahern packte das Schwert fester und wartete.

Plötzlich trat eine Gestalt aus dem Wald. Es war ein junges Mädchen, vielleicht dreizehn Jahre alt. Es trug ein zerlumptes léine und ein grünes Oberkleid. Ihr Gesicht war voller Schmutz, und es war so dünn, als hätte es seit Wochen nichts zu essen gehabt. Das braune Haar war taillenlang, die Füße waren nackt.

Mein Gott, ihre Füße mussten fast erfroren sein!

„Wer bist du?“, fragte Trahern behutsam. Bei seinen Worten errötete sie verlegen und sah weg, ohne ihm eine Antwort zu geben.

„Komm her und wärme dich“, bot er ihr an. „Ich habe auch etwas zu essen, falls du hungrig bist.“

Sie machte einen Schritt aufs Feuer zu. Aber dann blieb sie stehen, schüttelte den Kopf und deutete auf den Waldrand hinter sich. Trahern ließ den Blick über die Bäume schweifen, konnte jedoch niemanden entdecken. Obwohl das Mädchen sich inzwischen die Hände am Feuer wärmte, schien es immer ängstlicher zu werden. Wieder deutete es zu den Bäumen hin.

„Wie heißt du?“, fragte Trahern. „Und was ist geschehen?“

Die Kleine hustete. Und mit rauer Stimme, so, als hätte sie lange nicht mehr gesprochen, sagte sie: „Ich heiße Jilleen.“ Und setzte hinzu: „Meine Schwester.“

Trahern sprang auf. „Bring sie her. Sie kann sich hier wärmen und etwas essen. Ich habe für euch beide auch noch genug.“ Das stimmte zwar nicht, aber es kümmerte ihn nicht, wenn sie seinen Proviant aufaßen. Er konnte jederzeit wieder auf die Jagd gehen. Besser, die Frauen konnten ihren Hunger stillen.

Wieder schüttelte das Mädchen den Kopf. „Sie ist verletzt.“

„Wie schlimm?“

Jilleen antwortete nicht, sondern bedeutete ihm nur, ihr zurück in den Wald zu folgen. Trahern warf einen Blick auf sein Pferd und dann auf den bewaldeten Hügel. Zu Pferd wäre er zwar schneller gewesen, aber für einen Reiter standen die Bäume zu dicht.

Er verspürte keine große Lust, sich in den unbekannten Wald hineinzuwagen. In der nächsten Stunde würde die Dunkelheit hereinbrechen. Aber er konnte das Mädchen auch nicht allein gehen lassen. Seufzend zog er eine Grimasse und griff nach einem abgebrochenen Ast, um ihn als Fackel zu benutzen. Den Beutel mit seinem Proviant wollte er nicht zurücklassen und warf ihn sich über die Schulter.

Jilleen führte ihn fast eine halbe Meile lang bergauf. Der Boden war mit trockenen Blättern bedeckt, und Trahern achtete darauf, die Fackel nicht zu tief zu halten.

Dann überquerten sie einen Bach. Nicht weit davon entfernt entdeckte er einen notdürftigen Unterschlupf, der aus den Resten eines alten Rundhauses bestand. Dort angekommen, folgte er dem Mädchen ins Innere.

„Was ist das hier?“, murmelte er. So weit von jeder Behausung entfernt, konnte er sich nicht vorstellen, wozu das alte Rundhaus gedient haben sollte.

„Eine Jagdhütte“, antwortete Jilleen. „Morren entdeckte sie vor Jahren.“

Drinnen war es dunkel, und es brannte kein Feuer. Dann hörte er eindeutig eine Frau stöhnen. „Mach Feuer“, befahl er dem Mädchen und reichte ihm die Fackel.

Als die Flammen aufflackerten, beugte er sich über die Frau, die auf einer Lagerstatt ruhte. Sie zitterte am ganzen Körper und hielt die Decke umklammert, in die sie sich bis zum Hals eingewickelt hatte. Ihre Beine zuckten, wohl, weil sie Schmerzen litt. Als er ihre Stirn befühlte, merkte er, dass sie vor Fieber glühte.

Trahern stieß einen leisen Fluch aus. Er war kein Heiler. Er wusste, was bei Schwertverletzungen zu tun war, aber er hatte keine Ahnung von Krankheiten, die im Innern des Körpers wüteten. Die Frau schien große Schmerzen zu haben, und er wusste nicht, was er für sie tun konnte.

Er sah zu dem Mädchen hinüber, das mit dem Feuer beschäftigt war. „Deine Schwester braucht eine Heilerin.“

„Wir haben keine.“ Jilleen schüttelte den Kopf.

Trahern setzte sich und zog die Schuhe aus. Sie würden ihr zu groß sein, aber es war besser als nichts. „Zieh sie an. Wenn es sein muss, binde sie fest.“

Sie zögerte. „Geh zu meinem Lagerplatz zurück und schwinge dich auf mein Pferd“, meinte er daraufhin etwas sanfter. „Wenn du schnell reitest, wirst du in ein paar Stunden Glen Omrigh erreichen. Nimm die Fackel mit.“

Unter normalen Umständen wäre er nie auf den Gedanken gekommen, ein junges Mädchen allein in die Dunkelheit hinauszuschicken. Aber von ihnen beiden hatte er die größere Chance, die verletzte Frau am Leben zu erhalten, bis Hilfe kam. Trahern zweifelte nicht daran, dass die Männer der O’Reillys das Mädchen und die Heilerin hierher begleiten würden. Wenn die Kleine denn Glen Omrigh erreichte.

„Falls du es nicht bis dorthin schaffst, dann suche Hilfe in St Michael’s Abbey.“

Das Mädchen wollte sich weigern, aber Traherns Blick duldete keinen Widerspruch. „Allein kann ich sie nicht retten.“

Er fragte sich, was wohl aus der Familie der beiden geworden war. Wurde sie bei einem Überfall getötet? Weil Jilleen niemanden sonst erwähnt hatte, vermutete er, dass die beiden allein waren.

Es war dem Mädchen anzusehen, dass es nicht gehen wollte, aber schließlich nickte es. „Ich werde schon jemanden finden.“ Mit ein paar Stofffetzen band Jilleen sich die Schuhe an den Füßen fest. Wortlos griff sie nach dem Ast, den er als Fackel benutzt hatte, und verließ den Unterschlupf.

Bis zu ihrer Rückkehr würde es Stunden dauern. Er konnte nur hoffen, dass sie ihn nicht enttäuschte. Verzweifelt versuchte er sich daran zu erinnern, was Aileen, die Frau seines Bruders, tat, wenn sie einen Kranken behandelte. Ihm fiel ein, dass sie ihn als Erstes immer von Kopf bis Fuß betrachtete.

„Manchmal findest du eine Verletzung, wo du sie am wenigsten vermutest“, hatte sie einmal zu ihm gesagt.

Trahern trat zu der Frau. Sie hatte die Augen geschlossen. Als er ihre Hand berührte, zitterte sie, als wären seine Finger aus Eis.

„Schon gut“, beruhigte er sie. „Du bist jetzt in Sicherheit.“ Er sah sie sich genauer an. Auch wenn ihr Gesicht vom Hunger eingefallen war, so hatte sie doch volle Lippen. Das lange blonde Haar war verfilzt und klebte an ihren Wangen. Trotzdem strahlten ihre feinen Züge eine große Kraft aus. Er konnte förmlich spüren, wie sie mit aller Macht gegen das Fieber ankämpfte.

Sie trug ein zerlumptes léine, das sie wohl kaum wärmen konnte, weil es viel zu dünn war. Weiter auf der Suche nach der Ursache ihres Fiebers, tastete Trahern vorsichtig über ihr Gesicht und den Hals, dann über ihre Arme.

„Nicht“, wimmerte sie und versuchte, seine Hände fortzustoßen. Doch ihre Arme fielen kraftlos herunter. Die Augen hielt sie immer noch geschlossen, und Trahern wusste nicht, ob seine Berührung ihr Schmerzen verursachte oder ob sie ohnmächtig geworden war. Er hielt inne und wartete, dass sie sich wieder regte.

Als sie sich nicht rührte, zog er die Decke fort. Jetzt sah er, woher ihre quälenden Schmerzen kamen. Unterhalb der Taille war ihr Gewand blutdurchtränkt. Die Schwangerschaft hatte ihren Bauch noch kaum gerundet. Sie presste die Knie zusammen, als wollte sie die Fehlgeburt verhindern.

Großer Gott! Er flüsterte ein leises Gebet, weil er erkannte, dass er hier zu spät gekommen war. Sie würde nicht nur das Kind verlieren, sondern vielleicht auch ihr Leben.

Du musst ihr helfen, drängte ihn sein Gewissen. Er durfte kein Feigling sein. Nichts, was er jetzt tat, konnte schlimmer sein als die Schmerzen, die sie bereits auszuhalten hatte.

Zögernd schob er ihr léine hoch und wünschte sich, irgendwie ihre Schamhaftigkeit respektieren zu können. „Alles wird gut, a chara. Ich werde alles tun, um dir zu helfen.“

Morren O’Reilly öffnete die Augen und stieß einen Schrei aus.

Nicht wegen der heftigen Krämpfe, die sie zu zerreißen drohten, sondern wegen des Mannes, der neben ihr saß und ihre Hand hielt.

Trahern MacEgan.

Als er sie berührte, raubte ihr die Angst fast den Atem. Sie zog ihre Hand fort, und zum Glück gab er sie auch sofort frei. Das Fieber ließ sie immer noch nicht klar denken, und ihr fehlte jede Erinnerung daran, was im Laufe des Tages geschehen war.

Heilige Maria, was machte Trahern hier? In seinem Gesicht konnte sie keinen weichen Zug erkennen. Nur Härte. Er war immer noch der größte Mann, den sie kannte, aber sein Aussehen war völlig verändert. Er hatte sich die Haare kurz geschnitten und den Bart abrasiert. Das ließ sein Gesicht hart und kalt erscheinen. Steingraue Augen blickten auf sie herab. Aber in seinem Blick las sie keine Wut. Nur Leere.

Unter seiner Tunika zeichneten sich die starken Muskeln eines Kriegers ab. Ihr Herz bebte. Morren krallte die Finger in den Strohsack, auf dem sie lag. Ob Jilleen ihn hierher gebracht hatte? Von ihrer Schwester war jedoch nichts zu sehen.

„Das Schlimmste ist überstanden“, sagte er leise und ohne erkennbare Emotion.

Es stimmte nicht. Es war noch lange nicht überstanden. Morren rollte sich zusammen, als eine Welle dumpfen Schmerzes sie erfasste. Ihr Bauch war jetzt flach. Aus dem Haufen blutbefleckter Lumpen neben ihrem Lager schloss sie, dass sie das Kind verloren hatte.

Das war ihre Strafe. Die Strafe für all das, was geschehen war. Heiße Tränen brannten in ihren Augen. Sie hatte dieses Kind nicht gewollt. Weil es sie immer wieder an jene schreckliche Nacht erinnert hätte. Aber jetzt, wo es fort war, fühlte sie eine grausame Leere in sich, den schrecklichen Verlust eines unschuldigen Lebens, das nicht verlangt hatte, aus einem Moment der Rohheit heraus gezeugt zu werden.

Ich hätte dich geliebt, dachte sie. Trotz allem.

Sie barg das Gesicht unter der Decke und merkte, dass sie nackt war.

Vor Scham wurde sie brennend rot. „Was hast du getan?“, fragte sie. „Ich will meine Kleider.“

„Alles war voller Blut. Um dir zu helfen, musste ich dich ausziehen.“ Seine Stimme klang gepresst. „Es tut mir leid, aber ich konnte dein Kind nicht retten.“

Die Worte trafen sie wie ein scharfes Messer, und sie weinte um das verlorene Kind. Als sie das Gesicht abwandte, legte sich eine warme Hand auf ihren Scheitel. Er wollte sie trösten, sie konnte es jedoch nicht ertragen, berührt zu werden.

„Nicht.“ Sie zuckte vor ihm zurück und zog sich die Decke bis unters Kinn.

Er hob beide Hände, wie um ihr zu zeigen, dass er nichts Böses im Schilde führte. „Ich habe deine Schwester um Hilfe geschickt.“ Mit einem Blick auf sie fügte er hinzu: „Ich suche dir etwas zum Anziehen.“

Er kramte in ihren Habseligkeiten. Morren wollte dagegen protestieren, aber dann schwieg sie lieber, weil eine neue Welle des Schmerzes sie packte. Der Raum begann sich zu drehen. Keuchend senkte sie den Kopf und kämpfte gegen den Schwindel an.

„Ich habe dich schon einmal gesehen, aber ich weiß deinen Namen nicht mehr“, bemerkte Trahern, der ein léine in dem Bündel gefunden hatte. Er warf es ihr zu und wandte sich ab, während sie es über den Kopf zog. „Ich bin Trahern MacEgan.“

Enttäuscht stellte Morren fest, dass er sich nicht im Geringsten an sie zu erinnern schien. Damals, als sie einander begegnet waren, hatte er natürlich nur Augen für Ciara gehabt und eine andere kaum angesehen.

Sie kannte Trahern gut. Während der Monate, die er bei ihrem Stamm verbrachte, lauschte sie immer den unzähligen Geschichten, die er erzählte. Nicht oft gelang es einem Barden, seine Zuhörerschaft mit nichts als Worten in seinen Bann zu ziehen. Aber Trahern war darin ein Meister.

„Ich heiße Morren O’Reilly“, sagte sie schließlich.

Es war ihm nicht anzumerken, ob er den Namen kannte, und sie gab sich damit zufrieden. Erneut wurde sie von einem Krampf gepackt, und wieder drohte der Schmerz sie zu überwältigen.

„Lebt dein Mann?“, fragte Trahern nach einer Weile vorsichtig, so, als wüsste er die Antwort bereits.

„Ich habe keinen Mann.“ Und so Gott wollte, würde sie auch nie einen haben. Jilleen war alles, was ihr von ihrer Familie geblieben war. Sie war die einzige Familie, die sie brauchte.

Sie fing Traherns Blick auf. Es lag keine Verurteilung darin. Und sie gab ihm auch keine weitere Erklärung. „Wann hast du zum letzen Mal etwas gegessen?“

„Ich weiß nicht.“ Essen war das Letzte, an das sie gedacht hatte, als die Schmerzen kamen. Allein bei dem Gedanken daran drehte sich ihr der Magen um. „Ich habe keinen Hunger.“

„Es könnte dir helfen.“

„Nein.“ Sie barg das Gesicht in dem zerlumpten Mantel, den ihre Schwester als Decke über sie gelegt hatte. „Geh doch einfach wieder. Jilleen wird schon zurückkommen.“

Er zog sich einen Hocker neben ihr Lager und setzte sich. „Ich sehe doch, dass du leidest. Sag mir, was ich für dich tun kann.“

„Nichts.“ Sie biss sich auf die Lippe. Wenn er doch nur endlich gehen würde, damit sie die Schmerzen nicht länger unterdrücken musste.

Trahern verschränkte die Arme vor der Brust. „Deine Schwester wird bald mit der Heilerin hier sein.“

„Nein, das wird sie nicht.“ Gegen ihren Willen stöhnte Morren laut auf, als der Schmerz übermächtig wurde. „Unsere Mutter war die Heilerin. Sie starb letztes Jahr.“

Trahern beugte sich über sie. Sie konnte ihm die Enttäuschung vom Gesicht ablesen. „Dann wird sie eben zur Abtei gehen und mit irgendjemand anderem zurückkommen.“

„Ich weiß nicht, ob von dort jemand kommen wird“, seufzte sie. Die Mönche von St Michael’s pflegten jeden, den man in ihr Kloster brachte. Aber Morren bezweifelte, ob einer der betagten Brüder in der Lage war, den Ritt hierher auf sich zu nehmen.

Traherns graue Augen schimmerten fast schwarz, und sein Mund, vor Zorn zusammengepresst, bildete eine schmale Linie. Morren hatte ihn noch nie so wütend gesehen. Sie versuchte, so weit wie möglich von ihm fort zu rutschen. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich darauf, gleichmäßig zu atmen.

„Gib nicht Jilleen die Schuld“, bat sie ihn. „Vielleicht bringt sie doch noch Hilfe.“

Aber sie glaubte selbst nicht an ihre Worte. Ihre Schwester war fort, und niemand wusste, ob sie je zurückkehren würde. Seit jenem nächtlichen Überfall war Jilleen nicht mehr dieselbe.

Und sie selbst auch nicht.

Morren schlang fest die Arme um ihren Körper. Sie wollte nicht schon wieder daran denken. Lass ab von dieser Erinnerung, sagte sie sich. Das Opfer musste sein.

„Gab es viele Überlebende in Glen Omrigh?“, fragte er.

Morren schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Wir liefen fort. Ich weiß nicht, wohin die anderen flüchteten. Vielleicht zu anderen Clans.“

„Wie viele der Lochlannach haben euch in jener Nacht überfallen?“

Morren antwortete nicht. Ihr Gesicht verzerrte sich vor Angst. Sie biss die Zähne zusammen und kämpfte darum, nicht die Beherrschung zu verlieren.

Aber Trahern ließ nicht locker. „Wie viele, Morren? Hast du sie gesehen?“

Sie starrte ihm ins Gesicht. „Ich weiß genau, wie viele Männer es waren“, stieß sie hervor.

In seinem Gesicht konnte sie lesen, dass er verstand, was sie ihm sagen wollte. Er murmelte einen wilden Fluch und ließ den Blick über ihren misshandelten Körper gleiten.

Morren schwieg. Es gab nichts mehr zu sagen.

Als er die Hand ausstreckte, um sie auf ihre Hand zu legen, zog sie sie zurück. Und als dieses Mal die Dunkelheit einer Ohnmacht lockte, widerstand sie ihr nicht länger.

Sie hatte wieder angefangen zu bluten.

Es störte Trahern, dass er sich auf so intime Art um Morren kümmern musste. Schließlich war sie eine Fremde für ihn. Außerdem hatte er keine Ahnung von der Heilkunst. Er tat zwar sein Bestes, um ihr zu helfen, aber er wusste nicht, ob es genügte.

Immer noch glühte sie vor Fieber. Trahern reichte ihr wieder und wieder Wasser, das sie in kleinen Schlucken trank, und kümmerte sich auch sonst so gut er konnte um sie. Aber er griff nicht mehr nach ihrer Hand oder berührte sie auf irgendeine Art. Es würde ihr doch keinen Trost bringen.

Seine Wut auf die Wikinger wuchs. Die Lochlannach hatten Morren das angetan. Und was noch schlimmer war, er fürchtete, dass sie auch Ciara vergewaltigt hatten. Im Geheimen erneuerte er seinen Racheschwur gegen diese Verbrecher. Sie würden bezahlen für das, was sie angerichtet hatten. Und wenn es stimmte, was Morren sagte, und der Stamm hatte sich in alle Winde zerstreut, dann war sie die einzige Hoffnung für ihn, etwas über diese Männer zu erfahren.

Die Stunden vergingen, während Trahern unerschütterlich Wache hielt bei Morren. Um Mitternacht begann sie zu zittern. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, und er wünschte, er hätte irgendeine Medizin, um ihre Qual zu lindern. Aber er verstand nichts von Pflanzen und Heilkräutern. Und er wollte sie auch nicht allein lassen, da sie so viel Blut verloren hatte.

Er fühlte sich seiner Hilflosigkeit ausgeliefert und fragte sich, ob auch Ciara so hatte leiden müssen. Vielleicht war sie ja auch sofort tot gewesen? Ob sich wohl irgendein Mensch seiner Verlobten angenommen hatte in den letzten Augenblicken ihres Lebens?

Er starrte auf seine Hände und wünschte sich, es gäbe etwas, das er tun könnte. Und es gab tatsächlich etwas. Es war alles, was ihm noch geblieben war und das er als Hilfe anbieten konnte – seine Geschichten. Solange er denken konnte, war er ein Barde gewesen. Aber seit Ciaras Tod hatte er keine einzige Geschichte mehr erzählt. Er fand die richtigen Worte nicht mehr. Es war, als wären seine Geschichten in ihm vertrocknet. Irgendwie erschien es ihm nicht richtig, andere zu unterhalten und sie zum Lachen zu bringen, wenn die Frau, die er geliebt hatte, nicht mehr da war und nicht länger seinen Erzählungen lauschen konnte.

Aber jetzt, wo Morren um ihr Leben kämpfte, konnte er sie damit vielleicht trösten. Es war ein Trost, bei dem er sie nicht zu berühren brauchte.

Die Geschichte von Dagda und Eithne kam ihm in den Sinn, so, wie er sie Jahr für Jahr den anderen erzählt hatte. Er setzte die ganze Kraft seiner Stimme ein, um Morrens Schmerz zu mildern. Und ganz allmählich hörte sie auf zu zittern.

„Der große Dagda war ein guter Gott, der die Ernte beschützte und für Fruchtbarkeit sorgte“, begann Trahern. „Aber eines Tages sah er eine schöne Frau, die er begehrte, wie noch keine zuvor. Ihr Name war Eithne.“

Trahern wrang ein nasses Tuch aus und legte es Morren auf die Stirn, sorgsam darauf bedacht, sie nicht mit den Händen zu berühren. Er erzählte seine Geschichte so kunstfertig er nur konnte und nutzte jede Nuance seiner Stimme, um ihre Aufmerksamkeit gefangen zu halten.

Er sprach davon, wie der Gott Eithne verführte und sie ihm einen Sohn gebar. Er erzählte, bis er fast heiser war. Als der Morgen graute, beendete er seine Geschichte.

Zitternd kämpfte Morren gegen das Fieber an, das immer heftiger von ihr Besitz ergriff. Mit schmerzverzerrtem Gesicht warf sie sich auf der Matratze hin und her.

„Du wirst doch jetzt nicht aufgeben wollen“, beschwor Trahern sie.

„Ich will nicht sterben“, flüsterte sie und beugte sich vor, um von dem Wasser zu trinken, das er ihr anbot. Ihre Haut war heiß, ihr Körper schlaff und kraftlos. „Ich muss für meine Schwester sorgen.“

Sie hob den Blick und sah ihn an. Ihre Augen waren von einem tiefen Blau. Es war die Farbe des Meeres. Trahern entdeckte in ihnen eine Kraft, die seiner eigenen in nichts nachstand.

„Du wirst auch nicht sterben“, sagte er.

„Trahern“, beschwor sie ihn. „Wenn meine Schwester zurückkehrt, sag ihr nichts von dem Kind.“

Auf alles war er gefasst gewesen, aber nicht darauf. „Gewiss weiß sie es schon.“

„Ich … habe es vor ihr verheimlicht. Jilleen weiß, was mir in der Nacht des Überfalls angetan wurde. Sie muss nicht auch noch von dem Kind wissen … sie ist doch erst dreizehn.“

„Sie ist alt genug. Und sie wird sich um dich kümmern müssen, wenn das hier vorbei ist.“ Er konnte schließlich nicht ewig bei ihr bleiben.

„Bitte“, flüsterte sie. „Sag ihr nichts.“

Unwillkürlich ballte er die Hand zur Faust. „Das kann ich dir nicht versprechen.“

2. KAPITEL

Der nächste Morgen und auch der Nachmittag vergingen, und immer noch gab es kein Zeichen von ihrer Schwester. Die Sorge um sie zermarterte Morren, und sie versuchte Trahern davon zu überzeugen, sich auf die Suche nach Jilleen zu machen.

„Sie ist doch noch fast ein Kind“, drängte sie ihn. „Sie hätte sich nicht allein auf den Weg machen dürfen.“ Ihre eigenen Ängste kehrten mit aller Macht zurück und quälten sie. Immerfort musste sie daran denken, was ihrer kleinen Schwester alles zustoßen konnte. „Du musst sie zurückbringen.“

„Warten wir noch einen Tag.“ Trahern verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich will dich nicht allein zurücklassen, wenn es dir so schlecht geht.“

„Bitte, Trahern! Ich habe solche Angst um sie!“

„Ich mache mich erst auf die Suche, wenn es dir besser geht.“ Er bot ihr getrocknetes Fleisch und einen Apfel an. „Versuch, etwas zu essen.“

Sie zwang sich, ein Stückchen von dem Fleisch zu probieren. „Wieso bist du zurückgekommen?“ Das Fleisch war zäh und schmeckte fade, und sie brachte es kaum herunter.

„Ich bin hier, um ihren Tod zu rächen.“

Sie wusste, dass er Ciara meinte. „Wie hast du es erfahren?“

„Ihr Bruder sandte mir die Nachricht. Ich will jetzt alles wissen.“

Morren sah in sein wutverzerrtes Gesicht und schwieg. Manche Dinge blieben besser im Verborgenen.

„Erzähle es mir“, befahl er. „Du warst doch dabei.“

„Nein.“ Sie sah keinen Grund, ihn zu quälen. Es würde nichts an Ciaras Schicksal ändern.

Zornig sah er sie an. „Ich habe ein Recht zu wissen, was mit ihr geschah. Wir waren einander versprochen.“

Sie erwiderte ruhig seinen Blick und schwieg weiter.

„Alles will ich wissen“, drängte er. „Ich will es meinen Feinden zehnfach heimzahlen.“ Sein wilder Blick ließ keinen Zweifel daran, dass er meinte, was er sagte.

„Morgen“, murmelte sie. „Bring mich nach Glen Omrigh zurück und hilf mir, Jilleen zu finden. Dann erzähle ich dir, was du wissen willst.“

„Du erzählst es mir jetzt.“

„Und wenn nicht?“, höhnte sie. Nichts, was er sagte, konnte ihr noch Angst einjagen. Was sollte ihr noch Schlimmeres geschehen, als ihr sowieso schon zugestoßen war?

Wütend stürmte Trahern nach draußen und schlug die Tür hinter sich zu. Als er fort war, rollte Morren sich auf ihrem Lager zusammen. Die Schmerzen hatten ein wenig nachgelassen, aber sie fühlte sich immer noch benommen. Sie griff nach einem weiteren Stück Fleisch und zwang sich, es zu essen.

Du musst leben, befahl sie sich. Für Jilleen.

Sachte strich sie mit den Händen über ihren Bauch. Als sie die weiche, eingesunkene Bauchdecke fühlte, versetzte es ihr einen Stich. Würde sie nach den starken Blutungen je wieder ein Kind bekommen können?

Aber es war auch nicht wichtig. Welcher Mann würde sie nach dem, was vorgefallen war, noch haben wollen! Und sie verspürte auch kein Verlangen danach, dass ein Mann sie jemals wieder anrührte.

Langsam schob Morren die Füße an den Rand des Lagers. Ob sie wohl die Kraft hatte aufzustehen? Sie stützte sich mit beiden Händen auf die Bettkante und stellte vorsichtig die Füße auf den Boden.

Da öffnete sich die Tür. Abrupt blieb Trahern, beladen mit Brennholz, auf der Schwelle stehen. „Lass das. Du bist viel zu schwach.“

Er machte einen Schritt auf sie zu. Unwillkürlich zuckte Morren zurück und kroch wieder auf das Lager.

„Ich tu dir nichts“, beteuerte er. „Aber wenn du zu früh aufstehst, wirst du es niemals bis Glen Omrigh schaffen.“

Er ging zum Herd und warf noch mehr Holz ins Feuer. Scheinbar mühelos stapelte er dann die Eichenscheite zu einem kleinen Haufen.

„Ich habe doch nur Fieber. Das geht schnell wieder vorbei“, meinte sie.

Trahern kauerte neben der Feuerstelle und sah zu Morren hin. „Du sagtest, deine Mutter wäre eine Heilerin gewesen. Wie hätte sie dich denn jetzt behandelt?“

„Vermutlich mit Tee aus Himbeerblättern. Oder Weidenrinde, wenn das Fieber zu sehr steigt.“

Er zuckte die Schultern. „Ich habe weder Himbeerbüsche noch Weiden gesehen, als ich Wasser holen ging. Tut mir leid.“

„Das macht nichts“, behauptete sie.

Einen Augenblick lang hörte Trahern mit dem Holzstapeln auf. Die Flammen beleuchteten seinen Kopf, und Morren fragte sich, warum er sich wohl die Haare so kurz geschnitten und den Bart geschoren hatte. Seine Kleidung war kaum besser als die eines Leibeigenen. Wie es schien, lag ihm nichts an seinem Aussehen.

Er trauert um Ciara, dachte sie. Er hatte sie geliebt.

Während sie ihn so genau betrachtete, überlegte sie, weshalb so ein ungestümer, heißblütiger Mann eine ganze Nacht an ihrer Seite ausharrte und ihr Geschichten erzählte. Mit seiner tiefen Stimme war es ihm gelungen, trotz des verzehrenden Fiebers, das sie schüttelte, bis zu ihr durchzudringen. Er hatte sie damit im Innersten berührt und ihr etwas geschenkt, an dem sie sich festhalten konnte. Sie ließ den Blick über sein Gesicht schweifen. Es trug tiefe Furchen und war von Erschöpfung gezeichnet. Er hatte überhaupt nicht geschlafen. Um ihren Schmerz zu lindern, hatte er ihr die ganze Nacht lang seine spannenden Geschichten erzählt. Tief in ihrem Innern war sie ihm dankbar dafür.

„Wo sind die anderen?“, fragte er. „Deine Leute, meine ich.“

„Jilleen und ich haben niemanden mehr. Unsere Eltern sind tot.“

Er drehte sich um und hielt ihr erneut etwas von dem Essen hin. „Wie lange seid ihr schon hier?“

Ohne rechten Appetit griff sie nach einem der Äpfel. „Seit dem Überfall im Frühsommer.“

„Und seitdem seid ihr beiden allein?“

„Ja.“ Ihre Blicke trafen sich. „Ich weiß nicht, wie viele der O’Reillys überlebten.“ Der einzige Mensch, den sie nach jener Nacht in ihrer Nähe haben wollte, war Jilleen. Nach ihrer Flucht war sie weder zum cashel noch zur St Michael’s Abbey zurückgekehrt. Niemand sollte etwas von ihrer Schande erfahren.

„Wenn wir deine Schwester gefunden haben, solltest du in Glen Omrigh bleiben“, meinte Trahern ruhig. „Es ist nicht gut für euch beide, so allein zu leben.“

Schweigend rollte Morren den Apfel zwischen den Handflächen hin und her. Sie wollte nicht an die Zukunft denken. Von einer Stunde zur anderen leben, zu mehr war sie nicht fähig. „Ich werde schon einen Ort für uns finden. Irgendwo.“

Er betrachtete sie nachdenklich. „Wie viel weißt du von der Heilkunst deiner Mutter? Deine Kenntnisse könnten für einen anderen Clan von großem Nutzen sein.“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich kenne Pflanzen und Bäume und weiß, wozu sie gut sind. Aber ich bin keine Heilerin.“ Von ihren Clansleuten war sie oft um Rat gefragt worden, wenn die Ernte zu misslingen drohte. Ihre Gabe war es, Pflanzen wachsen zu lassen.

Draußen fuhr der Wind durch die Bäume. Morren verkroch sich unter der Decke. Sie spürte, dass das Wetter sich änderte.

„Du solltest deinen Mantel umlegen“, riet sie Trahern. „Es wird bald regnen.“

Wie zur Bestätigung hörten sie das sanfte Plätschern der Tropfen. Kurz darauf rann der Regen durch das undichte Dach, und auf dem Lehmboden bildeten sich die ersten Pfützen. Aber er kühlte Morrens Gesicht und linderte das Fieber.

„Hier, nimm das andere Ende“, sagte Trahern und breitete seinen Mantel aus. „Wir werden ihn uns teilen, bis der Regen wieder aufhört.“

Sie machte keine Anstalten, sich die Hälfte des Mantels zu nehmen. „Die Nässe macht mir nichts aus.“

„Sie ist aber nicht gut für dich. Du wirst dir eine Erkältung holen. Dann geht es dir noch schlechter als jetzt.“ Er setzte sich neben das Lager und hielt ihr den anderen Zipfel des Mantels hin.

Morren rutschte so weit wie möglich fort von ihm. Es war ihr unangenehm, dass er sich über sie beugte.

„Ich habe nicht vor, dich anzurühren“, knurrte er mürrisch. „Was ist schon Schlimmes dabei, wenn wir beide uns vor dem Regen schützen.“

Ohne ihr Widerstreben zu beachten, warf er einen Teil des Mantels über sie. Morren nahm den Stoff von ihrem Gesicht und hielt ihn schützend über ihren Kopf. Der Mantel roch nach Trahern. Er roch nach Mann. Ein Geruch, der ein Gefühl der Sicherheit vermittelte. Der Stoff war noch warm von seinem Körper, und nicht nur das Fieber war daran schuld, dass sie auf einmal heiße Wangen bekam.

Trahern sah sie nicht an, sondern starrte in das knisternde Feuer der Herdstelle. Sein Gesicht war feucht vom Regen, und sie bemerkte die Bartstoppeln an seinem Kinn.

Früher, als sein dunkles Haar ihm noch bis auf die Schultern reichte und ein Bart sein Kinn bedeckte, hatte sie ihn für gut aussehend gehalten.

Jetzt hatte er jede Spur von diesem Mann an sich ausgelöscht. Kalt und hart geworden, hatte er keinerlei Ähnlichkeit mehr mit ihm. Und trotzdem war er die ganze Nacht nicht von ihrer Seite gewichen, hatte sie kein einziges Mal allein gelassen. Das war nicht das Verhalten eines Ungeheuers. Aber das eines Mannes, den sie nicht verstand.

Morren überlief ein Schauer, als sie an seine hingebungsvolle Liebe zu Ciara dachte. Sie hatte damals den Eindruck gehabt, als gäbe es für ihn keine andere Frau auf der Welt. Sie selbst hatte er sicher noch nicht einmal bemerkt.

„Ich erinnere mich daran, wie du letztes Jahr zum ersten Mal in den cashel kamst“, sagte sie. „Du bist die ganze Nacht wach geblieben und hast deine Geschichten erzählt.“

Er blickte ernst, und sie fragte sich, ob sie nicht besser geschwiegen hätte.

„Ja, damals war ich noch ein Barde.“

„Und du bist den ganzen Winter über bei uns geblieben. War es wegen Ciara?“

Er nickte. Dann setzte er sich auf und warf den Mantel ab. Sie sah, dass er barfuß war, und fragte sich, was wohl mit seinen Schuhen passiert sein mochte.

„Versuch zu schlafen, Morren. Wenn es dir morgen besser geht, werden wir uns auf die Suche nach Jilleen machen.“ Er legte sich wieder hin und breitete den Mantel über sie beide. Sie konnte in seinen Augen lesen, wie erschöpft er war. Seit zwei Tagen hatte er nicht mehr geschlafen.

„Ich schwöre, dass ich dich nicht anrühren werde“, fügte er noch hinzu, als er ihren Blick auffing.

Seltsamerweise glaubte sie ihm. Er hatte keinerlei Interesse an ihr, und sie spürte, wie sie sich in seiner Gegenwart entspannte.

„Du solltest aber auch schlafen“, schlug sie vor. „Wegen mir hast du dich letzte Nacht nicht ausruhen können.“

Er sah sie an. „Jemand musste über dich wachen“, meinte er fürsorglich. „Und ich bin keine Gefahr für dich, das verspreche ich dir.“

Seinen Mantel zum Schutz über den Kopf gezogen, rollte sie sich auf die andere Seite der Bettstatt. Die entsetzliche Angst, die sie umklammert gehalten hatte, schien endlich ein wenig nachzulassen.

Vielleicht war sie bei Trahern wirklich in Sicherheit.

Es war ein paar Stunden vor Anbruch der Dämmerung, als Trahern ihr unterdrücktes Weinen hörte. Morren, die mit dem Rücken zu ihm lag, hatte sich ganz in den Mantel verkrochen. Ihre Schultern zuckten. Trahern war sofort hellwach.

„Morren?“, flüsterte er. „Hast du Schmerzen?“

Sie rührte sich nicht, aber ihr Schluchzen klang nun ein wenig gedämpfter. „Nur ein schlechter Traum. Sonst nichts.“

Er wusste nicht, was er sagen sollte. Es wunderte ihn kaum, dass sie von Albträumen heimgesucht wurde. Aber Worte konnten ihr in ihrem Leid nicht helfen.

„Und dein Fieber?“

Sie rollte sich herum und sah ihn an. Das weizenblonde Haar klebte an ihren Wangen. Ihr Aussehen ließ vermuten, dass sie eine sehr schlimme Nacht verbracht hatte. „Es ist besser.“ Er glaubte ihr nicht und streckte die Hand aus, um ihre Stirn zu befühlen.

Sofort duckte Morren sich weg, und er ließ die Hand sinken. Es schmerzte ihn, dass sie noch nicht einmal eine so harmlose Berührung von ihm ertragen konnte.

„Mir geht es gut“, versicherte sie. „Wir müssen uns heute auf die Suche nach Jilleen machen.“

Ihr Gesicht hatte zwar ein wenig Farbe bekommen, wie er im Schein des Herdfeuers erkennen konnte, aber er hätte sie trotzdem lieber einen Tag länger auf dem Lager gesehen. Wenn sie sich überanstrengte, ging es ihr bestimmt rasch wieder schlechter. „Ich weiß, dass du dich besser fühlst. Es wäre mir aber lieber, du bliebest hier. Ich versorge dich noch mit Essen, Wasser und Feuerholz, bevor ich mich auf die Suche nach deiner Schwester mache.“

Morren sah ihn fest an. „Wenn du ohne mich gehst, folge ich dir, sobald du fort bist. Sie ist meine Schwester, und ich muss wissen, ob sie in Sicherheit ist.“ Mit störrischer Entschlossenheit reckte sie das Kinn vor und versuchte aufzustehen. „Ich werde sie suchen. Ob mit dir oder ohne dich.“

Trahern richtete sich jetzt auch auf. Dabei fiel ihm auf, dass seine Füße unter der Decke waren. Irgendwann in der Nacht musste Morren ihn zugedeckt haben. So viel Fürsorge hatte er von ihr nicht erwartet.

Er stand auf und ging zu dem Bündel mit den Kleidern, das er am Abend zuvor entdeckt hatte. Er fand darin ein Oberkleid von dunkler Farbe. Der Wollstoff war rau und kratzig, aber er würde Morren wärmen.

Wenn er ihr erst einmal geholfen hatte, ihre Schwester zu finden, würde er die beiden irgendwohin bringen, wo sie in Sicherheit waren. Vielleicht zu einem anderen Clan, falls die O’Reillys ihre Wallburg noch nicht wieder aufgebaut hatten.

Erneut packte ihn kalte Wut, als er an den brutalen Überfall dachte, den die O’Reillys erleiden mussten. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, warum die Lochlannach versucht hatten, einen ganzen Clan auszulöschen. Viehdiebstahl war eine Sache, aber dieses Morden überstieg seine Vorstellungskraft.

Er musste herausfinden, was dahintersteckte. Wenn er dann seine Feinde gefunden hatte, würde er Ciaras Tod rächen und Morren und Jilleen in Sicherheit bringen. Das hatte er sich geschworen.

Trahern griff nach seinem Vorratssack aus Leder und begann, ihn mit dem Messer in Stücke zu schneiden. Aus den Lederstücken fertigte er grobe Schuhe, fütterte sie mit Stroh aus und gab Morren das eine Paar. Zum Festbinden bot er ihr die Schnüre seiner Tunika an. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf den Mantel. „Leg ihn dir um. Du musst dich warm halten.“

„Es ist zu kalt“, protestierte sie. „Du brauchst ihn selbst. Ich kann den Mantel benutzen, der auf dem Bett lag.“

„Nimm beide. Du musst es wärmer haben als ich.“ Als sie ihm erneut widersprechen wollte, nahm er den Mantel und warf ihn ihr einfach zu. Und wenn er ihn ihr selbst umbinden müsste, er würde schon dafür sorgen, dass sie ihn trug.

„St Michael’s Abbey liegt einige Meilen im Westen“, fuhr er fort. „Dort werden wir Rast machen.“

„Wegen mir müssen wir keine Rast einlegen.“ Morren stand vom Bett auf. Das wollene Kleid schlotterte ihr um den mageren Körper. Trahern war überzeugt, dass sie den Weg nach Glen Omrigh niemals schaffen würde. Er war sich noch nicht einmal sicher, ob sie das Kloster erreichen konnten, ohne dass sie zusammenbrach.

Aber um ihrer Schwester zu helfen, zwang sie sich vermutlich, über ihre Kräfte hinaus durchzuhalten. Er konnte es ihr nicht einmal verdenken. Für seine Brüder würde er schließlich das Gleiche tun. Wenn ein Familienmitglied ihn brauchte, dann schleppte er sich durch halb Irland und wenn er noch so schwach und erschöpft war.

„Ich werde die Mönche um Pferde bitten“, sagte er, wobei er nicht erwähnte, dass er sich über den Verlust seines Pferdes Barra ärgerte. Aber mit etwas Glück bekam er es vielleicht zurück. „Auf einem Pferd ist es leichter für dich.“

Sie schien einverstanden und ging zur Tür. Er hielt sie zurück und bot ihr einen Becher Wasser und etwas zu essen an. „Bevor du das hier nicht gegessen hast, machst du keinen Schritt vor die Tür.“ Das getrocknete Fleisch sah zwar alles andere als appetitanregend aus, aber es war besser als nichts. Morgen würde er auf die Jagd gehen müssen.

Morren trank das Wasser und knabberte an dem Fleisch. Seiner Meinung nach aß sie nicht genug. Aber dass sie überhaupt etwas zu sich nahm, war immerhin ein Anfang. Als sie fertig waren, verließen sie das halb verfallene Haus und machten sich auf den Weg. Nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander hergegangen waren, bot er ihr an: „Sag mir, wenn du dich schwach fühlst. Dann werden wir rasten.“

„Es geht mir gut“, behauptete Morren.

Trahern hätte ihr gerne vorgeschlagen, sich auf ihn zu stützen, aber er wusste, dass sie ablehnen würde. Sie gingen den Hügel hinab. Er konnte ihren Atemhauch in der kühlen Morgenluft sehen. Vorsichtig schritt Morren über die am Boden liegenden Blätter und suchte an den Baumstämmen Halt.

Sie war grau im Gesicht, grau wie der Himmel, und mehr als einmal stolperte sie. Als sie den Platz erreichten, wo er zwei Nächte zuvor sein Lager aufgeschlagen hatte, sah sie aus, als drohte sie im nächsten Moment ohnmächtig zu werden.

„Willst du wirklich weitergehen?“

„Ich muss.“

Ihre Antwort gefiel ihm nicht. Ohne viel zu fragen, hob er sie hoch und trug sie auf seinen Armen. „Stell dir einfach vor, du gehst selbst.“

Voll Panik schlug sie um sich. „Lass mich herunter.“

„Wenn ich das mache, brichst du zusammen. So sind wir schneller.“ Sie würden in St Michael’s um Obdach bitten müssen. Den Gedanken, bis nach Glen Omrigh zu gehen, hatte er bereits aufgegeben. Morren würde diese Reise nie und nimmer schaffen können.

Er merkte, dass sie sich völlig verkrampfte, und blieb stehen. „Ich weiß, du willst nicht, dass ich dich trage. Aber versuche, noch eine Stunde durchzuhalten, dann erreichen wir das Kloster.“

Sie vermied es, ihn anzusehen, doch sie gab ihren Widerstand auf.

Morren wog fast nichts, und es machte Trahern keine Mühe, sie zu tragen. Wie überhaupt ein Mann eine so zarte Frau wie Morren überfallen und ihr Gewalt antun konnte, das würde er nie verstehen.

Sie hatte ein Gesicht, das den meisten Männern auf den ersten Blick nicht auffallen würde. Es war weich und ohne besondere Merkmale. Aber ihre blauen Augen überraschten ihn. Auch wenn sie jetzt matt blickten und Morren krank war, lag eine große Kraft und Entschlossenheit darin.

„Wurde das Kloster auch von den Lochlannach überfallen?“, fragte er. Er musste wissen, ob ihnen noch weitere Gefahren drohten.

„Soweit ich weiß, waren wir in unserem cashel die einzigen Opfer.“ Morren wandte den Blick zum Horizont, wo die sanften Hügel in Berge übergingen. „Ich verstehe immer noch nicht, warum sie uns überfallen haben. Wir lebten doch so lange in Frieden mit ihnen. Einige unserer Frauen heirateten sogar Nordmänner.“

Trahern trug sie auf den Armen über den schmalen Pfad. Er hatte nichts getan, das sie erschreckt hätte, und trotzdem schien sie sich nicht entspannen zu können.

„Erzähle mir den Rest der Geschichte“, bat sie leise. „Die von Dagda und Eithne.“

Zu erzählen tat ihm gut. Es war eine Ablenkung, die sie beide nötig hatten. Er fuhr dort fort, wo er aufgehört hatte. Und während er erzählte, fiel auf einmal die Anspannung von Morren ab, und sie schien endlich ruhiger zu werden.

„Als Oengus zum Mann wurde, wollte sein Vater Dagda seinem Sohn ein Stück Land übergeben. Das Land, das er ihm geben wollte, gehörte aber einem Mann namens Elcmar. Und so geschah es, dass er und seine Männer während des Samhain-Festes angriffen.

Als er Elcmar besiegt hatte, verlangte Oengus, das Land für einen Tag und eine Nacht zu regieren. Danach würden sie beide zu Dagda gehen und fragen, wer das Land rechtmäßig besitzen sollte.“

Morren war immer noch still, aber Trahern sah, wie ihre Gesichtszüge sich entkrampften, während er weiter an seiner Geschichte webte. Und als er von Oengus’ List sprach, spielte ein leichtes Lächeln um ihre Mundwinkel.

„Als beide Männer vor Dagda traten, entschied der Gott, dass das Land von nun an rechtmäßig Oengus gehören sollte. Denn an Samhain spielt die Zeit keine Rolle. Und wer während dieses Festes ein Land für einen Tag und eine Nacht regierte, der regierte es für alle Zeit und Ewigkeit.“

Als er geendet hatte, tauchten am Horizont die Mauern von St Michael’s auf. Sie waren keine Meile mehr vom Kloster entfernt. Trahern setzte Morren ab. „Willst du den Rest des Weges gehen, oder soll ich dich wieder tragen?“, fragte er. Er vermutete, dass sie vor den Mönchen nicht den Eindruck erwecken wollte, schwer krank zu sein. Aber wenn ihre Kraft nicht reichte, dann war es für ihn keine Anstrengung, sie auch noch den Rest des Weges zu tragen.

„Ich gehe lieber“, antwortete sie.

Flankiert von einem Rundturm, ragten die steinernen Mauern des Klosters auf einer Anhöhe über der Landschaft auf. Bogenfenster, so hoch wie ein Mann groß war, zierten das Gebäude. Am Fuß des Hügels wand sich ein Fluss wie ein silbernes Band durch die Landschaft.

Morren wickelte sich fester in ihren Mantel ein, weil ihr kalt war. „Du willst mich hier im Kloster lassen, nicht wahr?“

„Du bist nicht kräftig genug, um es bis zum cashel zu schaffen.“ Das Beste war, sie im Schutz der Kirche zurückzulassen. So wäre für ihre Sicherheit gesorgt. „Ich werde deine Schwester finden und sie zu dir zurückbringen.“

„Ich möchte es ja gerne glauben, aber ich tue es nicht.“

„Hältst du mich für einen Mann, der sie im Stich lässt?“, fragte er zornig. Anscheinend traute sie ihm tatsächlich so etwas zu. „Ich war doch derjenige, der sie fortschickte, um Hilfe zu holen. Also muss ich sie dir jetzt auch wiederbringen.“

„Jilleen ist nur ein kleines Mädchen. Für dich ist sie nichts als eine Fremde.“ Morren seufzte. Sie traute ihm immer noch nicht. „Und was ist, wenn die Lochlannach sie gefunden haben?“

„Hör auf, dir solche Gedanken zu machen. Wir wissen nicht, warum sie nicht zurückgekommen ist. Aber ich verspreche dir, ich werde sie finden.“

„Du bist ein Barde, kein Krieger.“

Trahern machte einen Schritt auf sie zu, seine Größe eine unausgesprochene Warnung. Morren sah ihn an, und er legte die Hand auf sein Schwert. „Glaub mir, Morren, ich weiß zu kämpfen. Und ich kann mich verteidigen.“ Jahrelang hatte er mit seinen Brüdern zusammen trainiert. Obwohl er jetzt bereits zu den Älteren gehörte, so hatte er doch nichts von seinem Können eingebüßt. Wenn überhaupt, dann waren seine Instinkte eher noch ausgeprägter.

Morrens blaue Augen blickten unsicher, und sie senkte die Lider. Nun gut, er war es eben nicht gewöhnt, dass Frauen ihm misstrauten.

„Wäre ich in jener Nacht dort gewesen, dann wäre jetzt jeder einzelne der Nordmänner tot. Sie hätten weder dir noch Ciara etwas angetan.“

Mutlos ließ Morren die Schultern hängen. „Ich wünschte, es wäre so gewesen.“ Sie sah ihn dabei nicht an, und er wusste, dass Worte sie nicht überzeugen konnten. Schließlich raffte sie seinen langen Mantel enger um sich und ging weiter.

Schweigend schritten sie nebeneinander her, bis sie die aus Steinen errichtete Kapelle erreichten. Trahern wollte schon eintreten, als er prüfend die Luft einzog. Mit einem Mal drang ein beißender Brandgeruch zu ihnen her.

Sie eilten den Hügel hinauf. Trahern sah in einiger Entfernung dicke Rauchschwaden aufsteigen. Dort befand sich das von den Nordmännern zerstörte cashel. Waren sie erneut über die Wallburg hergefallen?

„Sie sind zurück!“ Morren, die leichenblass geworden war, presste die Hände auf den Mund.

Trahern drängte sie zurück in Richtung Kapelle. Aus dem Innern konnte er den Gesang der Mönche hören. „Bleib du bei den Brüdern. Ich sehe mir die Sache etwas näher an.“

Morren protestierte: „Nein! Sie werden dich erschlagen.“

„Sie werden mich nicht anrühren.“ Trahern überprüfte seine Waffen und warf ihr einen letzten Blick zu. „Ich will herausfinden, warum sie zurückgekommen sind. Und was sie wollen.“

„Sei vorsichtig“, beschwor sie ihn.

Er nahm ihre Hand. „Warte hier auf mich, Morren. Bei Sonnenuntergang bin ich zurück.“

3. KAPITEL

Geisterhaft ragten die Überreste von Glen Omrigh aus dem verkohlten Gras. Die hölzernen Palisaden waren schwarz verbrannt und teilweise zerstört, die Luft war von beißendem Rauch erfüllt.

Trahern verbarg sich hinter einem dichten Busch und beobachtete die Silhouetten der beiden Berittenen. Wegen des hügeligen Geländes hatte er lange gebraucht, um das Dorf zu erreichen. Jetzt begann die Sonne bereits unterzugehen.

Die Eindringlinge waren gekleidet wie Lochlannach. Dem Aussehen nach waren es Wikinger. Große Fibeln aus Bronze hielten ihre langen Mäntel an den Schultern, und wenn der Größere von ihnen auch keine Rüstung trug, so ahnte Trahern, dass er ein ernst zu nehmender Gegner war. Sein Kamerad war etwas kleiner und sein Haar von einem dunkleren Blond. Trahern packte den Knauf seines Schwertes und überlegte, ob er wohl allein mit ihnen fertigwerden könnte. Nicht unmöglich, aber gefährlich.

Eine der Hütten brannte immer noch. Orangefarbene Flammen züngelten über das Dach. Rauch stieg hoch in die Luft. Sein beißender Geruch hing über dem ganzen cashel.

Aufmerksam beobachtete Trahern, wie die beiden Männer an den übrig gebliebenen Hütten entlanggingen und sie durchsuchten. Außer den beiden sah er keinen einzigen Menschen. Wer von den O’Reillys überlebt hatte, war offenbar aus dem cashel geflohen.

Trahern behielt die Hand am Schwert, denn die Männer kamen jetzt näher. Ihre Gesichter drückten Unmut aus, und er hörte, wie sie sich in ihrer nordischen Sprache stritten.

Es war klar, dass die beiden niemanden angreifen oder irgendetwas stehlen wollten. Ganz im Gegenteil, die Männer sahen zornig aus, gerade so, als wären sie empört über das, was sie hier sehen mussten.

Dicht an den Boden gepresst, schob Trahern sich näher. Trockenes Gras kitzelte sein Gesicht, die Erde war kalt und feucht. Als er die äußere Palisade erreicht hatte, kroch er zu den Resten einer niedergebrannten Hütte, von wo aus er besser sehen konnte.

Das Pferd, auf dem einer der Reiter saß, war ihm vertraut. Es war Barra, sein Schlachtross, für das er ein kleines Vermögen bezahlt hatte. Der Rauch jagte dem Rappen Angst ein, und er tänzelte nervös hin und her. Wenn es dem Lochlannach nicht bald gelang, Barra unter Kontrolle zu bringen, ...

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