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Das Tal der Hundertjährigen

Ricardo Coler

Das Tal der Hundertjährigen

Eine Reise zum Ort der ewigen Jugend

 

Aus dem argentinischen Spanisch von Sabine Giersberg

 

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Inhaltsübersicht

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Schlussgedanken

Nachtrag

Leseprobe

 

Für César und Esther

1

In Vilcabamba ticken die Uhren anders. Nicht nur, dass die Menschen dort einhundertzehn, einhundertzwanzig oder gar noch älter werden, sie erfreuen sich zudem einer beneidenswerten Gesundheit. Dabei verhallen medizinische Ratschläge meist ungehört, vielmehr lassen die Bewohner des Dorfes eine gewisse Neigung zum Exzess erkennen: Es wird geraucht und gezecht, was das Zeug hält. Und trotzdem: In einem Alter, in dem unsereiner bereits deutliche Anzeichen von Verfall zeigt, bereitet man sich in Vilcabamba frohen Mutes auf die nächsten vierzig Jahre vor. Mit einhundertzwanzig versorgen sich die Menschen immer noch selbst. Wie sie das machen? Das ist das Geheimnis dieses Tals.

Die einen glauben, es sei die gute Luft, die anderen tippen auf das Wasser, die meisten halten eine ausgewogene Ernährung für des Rätsels Lösung. Allerdings martert sich in Vilcabamba niemand, um fit und gesund zu sein. Sich selbst kasteien oder auf etwas verzichten für ein längeres Leben? Nicht in diesen Breiten.

Ich habe ein Ticket nach Quito und für den Anschlussflug in die Provinz Loja gebucht – der Weg in das heilige Tal ist weit. Dort werde ich in einer Art New-Age-Tempel im Herzen des Dorfes Quartier beziehen, um mir aus nächster Nähe ein Bild davon machen zu können, was uns erwartet, wenn der medizinische Fortschritt es uns eines Tages ermöglicht, ein so biblisches Alter zu erreichen wie die Einwohner von Vilcabamba.

Internationalen Erhebungen zufolge ist im Fürstentum Andorra und auf der japanischen Insel Okinawa die Lebenserwartung am höchsten – Orte, wo die Wirtschaft floriert und man einen geruhsamen Lebensstil pflegt. Doch diese Statistik wird in Vilcabamba locker überboten. Es gibt hier zehn Mal mehr Hundertjährige als irgendwo sonst auf der Welt. Und das, obwohl die Menschen bei geringen Einkünften ihr Leben lang hart arbeiten müssen und die hygienischen Verhältnisse katastrophal sind.

Ich werde die Reise nach Vilcabamba freilich nur dann antreten, wenn es der Gesundheitszustand meines Vaters erlaubt. Vielleicht bekomme ich heute, morgen oder in den nächsten Tagen einen Anruf, dass es ihm wieder schlechter geht und man damit rechnet, dass es bald zu Ende geht. Wie so oft werde ich bis zum letzten Moment nicht wissen, ob ich tatsächlich aufbrechen kann. Ein Klassiker. Ich richte mich in allem nach dem Befinden meines Vaters, selbst wenn es sich um eine Verabredung am Samstagabend handelt.

Mein Vater ist schon seit langem schwerkrank. Er hat unzählige Krankenhausaufenthalte hinter sich, Stunden und Tage auf der Intensivstation, Herz- und Hirninfarkte, Nierenversagen. Und manchmal denke ich: Es ist unglaublich, mein Vater muss unsterblich sein.

2

Was mag das wohl für ein Gefühl sein, wenn man mit siebzig noch ein Drittel des Lebens vor sich hat? Bis vor einiger Zeit galt man in dem Alter schon als Greis – heutzutage wäre das eine Beleidigung. Die Medizin dehnt die Grenze des Lebens immer weiter nach oben aus, und schon bald wird es möglich sein, mit achtzig noch zu arbeiten oder noch einmal zu studieren, abends auszugehen und jemanden zu verführen, ohne sich lächerlich zu machen; vor allem bliebe einem die Zeit, begangene Fehler wiedergutzumachen.

Im Mittelalter wurde man im Durchschnitt vierzig Jahre alt, mit fünfunddreißig gehörte man bereits zum alten Eisen. In einem Alter, in dem heute so mancher Nesthocker anfängt, darüber nachzugrübeln, ob er allmählich erwachsen werden und das Hotel Mama verlassen soll, ist man früher an der Spitze eines Heeres ausgezogen, um Europa zu erobern, und hat Geschichte geschrieben.

Alexander der Große bestieg mit zwanzig den Thron, der argentinische Freiheitskämpfer José de San Martín focht 1813 mit fünfunddreißig die Schlacht von San Lorenzo. Kolumbus und Napoleon starben mit etwa fünfzig, ebenso Shakespeare. Je kürzer das Leben, desto jünger die Protagonisten. Vielleicht ist das eine Erklärung, warum man die Liebe zwischen Romeo und Julia so ernst nahm, obwohl beide – aus heutigem Blickwinkel betrachtet – noch Teenager waren. Mozart wurde mit fünfunddreißig, Schubert sogar schon mit einunddreißig dahingerafft. Wären sie und all die anderen jung verstorbenen Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Denker in den Genuss des medizinischen Fortschritts gekommen, hätten sie womöglich das siebzigste Lebensjahr erreicht und die Menschheit mit doppelt so vielen Werken erfreut.

Betrachtet man die Antike, eine Zeit, in der die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte, stellt man fest, dass Philosophen und Wissenschaftler in der Regel älter wurden als Künstler, Feldherrn und Politiker, häufig sogar ein gesegnetes Alter erreichten. Sokrates war siebzig, als man ihn zwang, den Schierlingsbecher zu leeren, Platon erreichte das achtzigste Lebensjahr, Pythagoras starb mit knapp fünfundsiebzig und Parmenides mit siebzig, Konfuzius wurde immerhin zweiundsiebzig. Ich weiß nicht, ob der rege Gebrauch des Verstandes das Leben verlängert, aber um eine Idee reifen zu lassen und sie mit Argumenten zu untermauern, sind vierzig zusätzliche Jahre sicherlich eine gute Sache.

Es kann ebenso gut anders kommen, trotz vierzig gewonnener Jahre: etwa, dass der Körper seine Dienste versagt, oder der Geist. Oder die Seele, wenn ein Mensch sich in dem Umfeld, in dem er lebt, nicht mehr zurechtfindet. Dann ist es nur noch eines, das zum Weitermachen antreibt: die Angst zu sterben.

Man behauptet gern: Wer mehr hat, lebt länger. Doch die Kaufkraft allein ist keine Garantie für ein würdiges Alter. Machen wir uns nichts vor: Am Ende leben wir nicht mehr nur selbstbestimmt, sondern sind im Wesentlichen Körper; Körper, die in den letzten Lebensjahren häufig mehr leiden denn genießen.

Meine große Hoffnung ist, dass medizinischer Fortschritt in Zukunft auch bedeutet, dass das Alter für mehr Menschen nicht länger ein unwürdiges Dahinsiechen ist.

3

Ich trete ein, ohne anzuklopfen. Sofort erhebt sich die Pflegerin im weißen Kittel von ihrem Sessel und begrüßt mich – in ihrer ganzen Art eine resolute Person. Als sie sich zu meinem Vater hinunterbeugt, brüllt sie beinahe.

»Schauen Sie mal, wer da ist.«

Seit mein Vater vor knapp einer Woche ins Krankenhaus eingeliefert wurde, besuche ich ihn zwei Mal am Tag. Die Pflegerin, die heute den Dienst übernommen hat, kenne ich noch nicht. Und doch kommt es mir so vor, als herrschte zwischen meinem Vater und ihr ein Grad an Vertrautheit, den ich als Sohn bisher nicht erreicht habe … Aber das ist wohl auch nicht weiter verwunderlich, schließlich hat sie die ganze Nacht an seinem Bett gewacht, ihm das Essen gereicht, dafür gesorgt, dass er bequem liegt, jederzeit bereit, den Arzt zu rufen.

»Er hat ständig nach Ihnen gefragt. Ich habe gesagt, Sie würden bestimmt gleich kommen.«

»Er fragt immer nach mir, wenn er im Krankenhaus liegt.«

Ich trete an das Krankenbett meines Vaters, um ihm einen Kuss auf die Stirn zu geben. Dabei bemerke ich voller Entsetzen, dass man ihn ans Bett gefesselt hat. Ärgerlich verlange ich eine Erklärung: Wieso bindet man ihn einfach fest, ohne meine Zustimmung einzuholen?

»Er wollte sich die Sonde herausreißen … Wir konnten ihn nicht mehr bändigen.« Die Schwester sagt das ganz nüchtern, als wäre ich nicht ein Angehöriger, sondern ein Journalist, der schon immer mal etwas über ihre Arbeit wissen wollte.

Ich spreche meinen Vater an: »Und, Papa, alles in Ordnung?«

Er holt tief Luft, nickt und flüstert mir unter größter Anstrengung zu, es ginge ihm gut.

»Schön. Das freut mich sehr.«

Ich spüre, dass die Pflegerin mich beobachtet. Sie steht mir gegenüber, mit verschränkten Armen, an der anderen Seite des Metallgitters, das um das Bett verläuft und verhindern soll, dass mein Vater hinausfällt. Ich blicke auf. Die Dame muss um die fünfzig sein, sie ist etwas mollig, wirkt jedoch jugendlich frisch dabei. Eine durchaus attraktive Frau.

Ich schaue zu meinem Vater, in seinem Zustand ist er verständlicherweise wenig empfänglich für weibliche Reize. Er wirkt sehr erschöpft, und ich frage mich, ob er, gefesselt wie er daliegt, gut schlafen konnte. Insofern beruhigt es mich ein wenig, dass die Pflegerin nicht den Eindruck macht, als habe sie eine schlaflose Nacht hinter sich. In einer Stunde kommt ihre Ablösung, dann kann sie nach Hause gehen, sich ausruhen. Bis zur nächsten Schicht.

Ich stelle mir kurz vor, ich müsste ihre Arbeit machen. Ich könnte es nicht, ich wäre völlig überfordert. Natürlich übernehmen Menschen wie diese Frau Nachtwachen, weil sie das Geld brauchen. Doch wie dankbar sollten wir sein, dass es Menschen gibt, die ihren Unterhalt damit bestreiten wollen, dass sie anderen Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken! Sicher hat die Pflegerin meines Vaters schon oft am Bett eines Alten gesessen, der gar nicht oder nur aus Verpflichtung besucht wurde und dem sie willkommene Gesellschaft war.

Es ist bereits das fünfte Mal, dass mein Vater innerhalb der letzten sechs Monate eingeliefert worden ist; seit nunmehr zehn Jahren besteht diese traurige Regelmäßigkeit.

»Was läuft da gerade?«

Um nicht über das Thema Krankheit reden zu müssen, erkundige ich mich nach dem Fernsehprogramm – der Fernseher läuft ununterbrochen, seit der ersten Minute, die mein Vater in diesem Zimmer zugebracht hat. Discovery Channel beim Blutdruckmessen, das Sportmagazin beim Verabreichen der Antibiotika, und während die Sonde gewechselt wird, ermittelt ein amerikanischer Detektiv in einem Mordfall. Das Programm absorbiert einen Großteil des Interesses, das sein Körper einfordert: Sein Arm schmerzt, doch beim Anblick von Doris Day ist es halb so wild. Man nimmt ihm Blut ab, aber was ist das schon, wenn der weiße Hai gerade in Südafrika einen Seelöwen verspeist. Meinem Vater fällt das Atmen schwer, aber da ist dieser Soldat, dessen Frau getötet wurde, der mit dem Leben abgeschlossen hat und freiwillig jeden Dienst übernimmt …

»Es läuft immer, was Ihr Vater schauen möchte«, antwortet die Pflegerin unbestimmt.

Als ich ihn dazu befragen will, sehe ich, dass er die Augen geschlossen hat.

»Er schläft … Dann werde ich jetzt mit dem Arzt sprechen, bis später.«

Im Flur schaue ich auf die Uhr: Fünfzehn Minuten habe ich durchgehalten.

Der Arzt ist gerade bei einem anderen Patienten. Ungeduldig gehe ich im Korridor auf und ab, ich will ihn gleich, wenn er von seiner Visite kommt, abfangen, damit er sich ja nicht entzieht.

Die Gebrechlichkeit meiner Eltern macht mir zu schaffen. Ich hätte mir so gewünscht, dass wenigstens einer von beiden fit geblieben wäre und die Zeit mit den Enkeln genießen könnte. Leider war ihnen dieses Glück nicht vergönnt. Sie sind beide in einer ausgesprochen schlechten Verfassung. Mein Vater kann das Bett überhaupt nicht mehr verlassen. Meine Mutter schafft es – mit fremder Hilfe – gerade noch bis zum Besuchersessel neben dem Bett. Da unsere Familie größenmäßig extrem überschaubar ist, bleibt die Pflege meiner Eltern hauptsächlich mir überlassen.

Wenn einer von beiden im Koma läge, mich nicht mehr erkennen oder glauben würde, er wäre noch jung und lebte in Paris, würde es mir möglicherweise leichter fallen, anderen die Pflege anzuvertrauen, und sie am Sonntag zu besuchen. Doch sie sind bei klarem Verstand und wissen sehr genau, dass sie noch nie im Leben französischen Boden betreten haben. Hinzu kommt, dass sie sich finanziell eher am unteren Limit bewegen: Abgesehen von der Wohnung, in der sie leben – und die ihnen ohne finanzielle Unterstützung schon längst nicht mehr gehören würde –, und einer kläglichen Rente haben sie nichts. Nun, sie haben mich. Und vor allem haben sie einander. In einer Zeit, in der die Scheidungsrate von Jahr zu Jahr steigt, ist das keine Selbstverständlichkeit. Dank des Fortschritts auf dem Gebiet der Medizin nimmt andererseits von Jahr zu Jahr die Anzahl alter Menschen zu, von denen viele eine Betreuung benötigen. Für die Kinder, die durch Scheidungen und Trennungen oft für mehrere Menschen an verschiedenen Orten gleichzeitig verantwortlich sind, wird es nicht unbedingt einfacher, die Pflege beider Elternteile zu gewährleisten, sich um beide so zu kümmern, wie sie es in den meisten Fällen doch gern tun würden. Am Ende wird die Zeit wohl häufig nur für einen Anruf reichen.

Der Arzt kommt. Ich will wissen, ob mein Vater transportfähig ist und nach Hause kann, oder ob er im Krankenhaus bleiben sollte. Ich, der Erwachsene, inzwischen der Hüter meines Vaters, will mich rückversichern, will Sicherheiten und Garantien, die der Arzt mir unmöglich geben kann.

4

Wie regeln das eigentlich die Kinder der Alten in Vilcabamba? Wenn die Leute dort älter als einhundertzwanzig werden, sind ihre Kinder über neunzig. Allein die Vorstellung, dass mein Vater sich in seinem Zustand um seinen Vater kümmern müsste … Eine Katastrophe. In dem Alter mag man es beinahe als Segen empfinden, Waise zu sein.

Würde unsereins hundertzwanzig oder hundertdreißig, gäbe es bestimmt auch keine Krankenversicherung mehr, die für uns aufkommen würde. Unsere Ersparnisse wären längst aufgebraucht, und wir würden vergeblich nach Filmen oder Büchern Ausschau halten, die für Menschen unseres Alters interessant sind. Unsere Kinder wären schon im Greisenalter, und trotzdem hätten wir nach wie vor die Sorge, dass sie ihr Leben nicht gemeistert bekommen und ihre Zukunft nicht gesichert sein könnte.

Bei Familienfeiern träfen wir auf eine Vielzahl unbekannter Gesichter. Bringt es heutzutage eine Familie mit Großeltern, Eltern und Geschwistern bei einem Treffen auf, sagen wir mal, zwanzig Personen, müssten wir in dem Fall schon mehr als hundert nahe Verwandte einladen. Ob der Einzelne bei den zahlreichen Großfamilien überhaupt noch Raum fände und sich nicht von all der häuslichen Wärme erdrückt fühlte?

Alles würde sich in die Länge ziehen: das Arbeitsleben, die Wohnungssuche, das Eheleben, die Elternschaft. Man brauchte Geduld. Viel Geduld. Und für den Durchschnittsbürger wäre das Erben wohl nur mehr eine Erinnerung aus längst vergangener Zeit.

Wie sähe die Wirtschaft aus? Eines ist sicher: anders. Man müsste strukturell komplett umdenken. Zahlreiche neue Dienstleistungen würden entstehen, ein stetig wachsender Teil der Gesellschaft würde einem langsameren Rhythmus folgen. Vermutlich müsste man eigene Viertel für die über Hundertjährigen bauen.

Vilcabamba ist nicht der einzige Ort auf Erden, wo Menschen ein Jahrhundert überdauern. Auch im Hunzatal, in Abchasien und in Ogimi werden die Menschen unerhört alt. Und an jedem dieser Orte hat man seine eigene Erklärung für das hohe Lebensalter.

Das von wunderschönen Gletschern umgebene Tal der Hunza befindet sich im Norden Pakistans, im Himalaya. Die Region ist bekannt für ihre Fülle an Aprikosenbäumen, die Bewohner der Ebene dafür, dass sie die Früchte in allen denkbaren Varianten verzehren, frisch und getrocknet. Sie stellen Aprikosenmarmelade her, und Aprikosenöl, das sie zum Kochen und zum Würzen von Salaten verwenden. Die Kerne, süße und bittere, essen sie wie Mandeln. Die Hunzukuc sind der Überzeugung, dass die Aprikose sie jung hält und vor Arthritis und Krebs schützt.

Abchasien gehört zur Republik Georgien und umfasst die Kaukasusregion an der Ostküste des Schwarzen Meeres. Die Bewohner Abchasiens schreiben ihre Langlebigkeit unter anderem dem reichlichen Verzehr von Joghurt zu. Zu den beliebtesten Speisen zählt die Joghurtsuppe. Es wird überliefert, dass Shirali Muslimow, der legendäre Schafhirte aus dem benachbarten Aserbaidschan, sie bis zu seinem einhundertachtundsechzigsten Lebensjahr täglich zu sich nahm. Seine letzte Frau, die er angeblich als Hundertsechsunddreißigjähriger noch erobert und geschwängert hatte, bereitete ihm, so heißt es, das Mahl tagein, tagaus zu.

Während der Stalin-Ära wurde Shiralis langes Leben zum Symbol. Stalin war in Georgien geboren, sie stammten also gewissermaßen aus derselben Region, und das war dem Diktator eine Briefmarke wert: Er ließ eine Serie mit dem Konterfei des betagten Mannes drucken, damit die frohe Kunde sich im ganzen Land verbreitete.

Ein verführerischer Gedanke kommt mir: Man könnte am Beispiel der Hundertjährigen in Abchasien eine Art Handbuch mit dem Titel Wie werde ich einhundertfünfzig? Rezepte für ein langes Leben verfassen. Doch ich verwerfe die Idee wieder, denn die Abchasier ernähren sich nach eigenen Aussagen von Eiern, Käse und Butter, Nahrungsmitteln also mit einem hohen Cholesteringehalt. Außerdem essen sie mit Vorliebe rotes Fleisch: Lamm und Schaf. Soja? Weit gefehlt: Wir sprechen hier von reinem, tierischem Fett. Auch naschen sie ohne schlechtes Gewissen mit Honig gesüßte Leckereien.

Die Bewohner Ogimis – ein Dorf im Norden der zu Japan gehörenden Insel Okinawa – haben andere Überzeugungen: Für sie ist ihr hohes Alter in erster Linie das Ergebnis eines spirituellen und ruhigen Lebens. Und der natürlichen Ernährung. Vor allem die Goya-Gurke, die reich an Vitamin C ist, steht täglich auf dem Speiseplan. Sie bauen ihr Gemüse im eigenen Garten an und fügen den frugalen Mahlzeiten mittags und abends Meeresalgen hinzu. Sie pflegen ein reges Gemeinschaftsleben, an dem die Alten aktiv beteiligt sind. Jungsein war in Ogimi nie in Mode.

Sieht man von dem tadellosen, gesundheitsbewussten Verhalten der Bewohner von Ogimi einmal ab, müssen die Ernährungsgewohnheiten der in Abchasien, Vilcabamba und Hunza Ansässigen im Verhältnis zu ihrem hohen Alter einen tiefen Rückschlag ...

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