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Das Schwert der Zentauren

Mara Laue

Das Schwert der Zentauren

Cassiopeiapress Fantasy





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Das Schwert der Zentauren

 

von Mara Laue

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2012 der Digitalausgabe 2012 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

 

 

Die Tigani-Kriegerin Tana und ihre Leute werden verdächtigt, ein heiliges Schwerter der Zentauren gestohlen zu haben. Um das Leben ihrer Leute zu retten, die von den Zentauren als Geiseln festgehalten werden, muss Tana das Schwert zurückbringen. Zusammen mit dem Greif Namak und dem Zentaurenhäuptling Elmon begibt sie sich auf die gefahrvolle Suche.

Aber um die Zauberin der Blutgilde zu besiegen, die es gestohlen hat, muss Tana den mächtigsten Hexenmeister von Dáskarun aus dem Reich der Toten befreien. Doch der König der Toten verlangt dafür einen ungewöhnlichen Preis.

 

*

 

„Mon’rak ash’naar gokrayu na’shukk!“

Dumpf hallten die Worte des Zaubers von den Wänden wider. Dichter Rauch stieg aus dem Kessel auf, der auf drei Beinen über dem Feuer in der Mitte stand. In den Flammen knackte, knisterte und zischte es, als wiederholten sie flüsternd die Worte.

Kalaira warf eine Handvoll graugrünen Pulvers in den Kessel, und der Rauch verzog sich. Das Wasser, das darin brodelte, wallte noch einmal kurz auf, ehe die Bewegungen seiner Oberfläche ruhiger wurden, bis sie völlig glatt und reglos war wie ein Spiegel.

„Nash’kah shalakk’un dra’arun!“, vollendete Kalaira den Zauber.

Ein Bild erschien auf dem Wasser, das jetzt in dunklem Violett schimmerte. Es zeigte eine Höhle, in dessen Mitte ein schlichter Altar aus unbehauenem Stein stand. Auf ihm lagen kreisförmig angeordnet sieben Schwerter aus Stein: die heiligsten Reliquien der Zentauren. Jedes von ihnen bestand aus einem anderen Edelstein, der durch die Magie der Götter unzerstörbar war. Doch dies war nicht das einzige Geheimnis, das den steinernen Schwertern innewohnte.

Kalaira hielt die Hand über den Griff des Blutsteinschwertes, dessen Abbild sie im Kessel sah, tauchte sie langsam in die Flüssigkeit und umfasste den Griff. Handbreit für Handbreit zog sie das Blutsteinschwert aus dem Wasser hervor, das durch ihren Zauber zu einem magischen Tor geworden war. Als sie die Waffe vollständig herausgezogen hatte, war es vom Altar in der Höhle im fernen Sikara verschwunden. Das Bild im Kessel löste sich auf, und mit einem unangenehmen Knall verflüchtigte sich auch das Wasser darin. Das Feuer darunter erlosch.

Kalaira hielt das Schwert in die Höhe und lächelte triumphierend. Jetzt fehlten ihr nur noch ein paar besondere Zutaten, und ihrem Ziel stand nichts mehr im Wege. Sorgfältig wickelte sie das Schwert in ein Ledertuch und legte es in eine Truhe, die sie mit einem magischen Schloss versiegelte. Anschließend warf sie sich ihren Umhang über und steckte einen Beutel voll Münzen und Edelsteine in ihre Tasche. Sie kannte einen Händler, der Drachenschuppen verkaufte. Und mit etwas Glück würde der ihr auch Trollasche und eine Vardikul-Feder besorgen können.

Das erforderliche Dämonenblut und die Greifenklaue würde sie sich allerdings selbst holen müssen.

 

*

 

Tana blieb stehen und lauschte. Zwar übertönten das Knarren der Räder, das Rumpeln der Wagen und die lauten Stimmen der Menschen die subtilen Geräusche des Waldes, aber ihre scharfen Katzenohren nahmen trotzdem auch den leisesten Laut wahr. Die Tigani ließ sich mit einem Knie auf dem Boden nieder und legte eine Hand auf die Erde. Deutlich spürte sie das typische Vibrieren von Hufschlägen, die sich im Galopp näherten.

Tana richtete sich auf und stieß einen schrillen Ruf aus. Augenblicklich hielt der Wagenzug an, und Tanas Tigani-Krieger umringten ihn mit schussbereiten Bögen in den Händen. Goran eilte zu ihr. Sein Gesicht zeigte einen überaus besorgten, beinahe ängstlichen Ausdruck.

„Was ist los?“ Der Händler und flüsterte unwillkürlich.

Bevor Tana darauf antworten konnte, rauschte es in der Luft. Namak landete flügelschlagend ein paar Schritte vor ihnen. Der große Greif schüttelte sein goldbraunes Gefieder und Fell.

„Zentauren“, meldete er. „Eine ganze Horde, und sie sehen nicht aus, als wollten sie uns nur freundlich verabschieden.“

„Banditen!“ Gorans Stimme klang panisch. „Ihr Götter, beschützt uns!“

„Keine Banditen“, widersprach Namak. „Sie sind aus dem Dorf, das wir heute Morgen verlassen haben.“ Er reckte den Kopf vor und funkelte Goran aus dunklen Augen an. „Ihr habt nicht zufällig und ganz aus Versehen etwas von ihnen mitgenommen, das sie vergessen haben, euch zu verkaufen?“

Bevor Goran entrüstet auf diese Verdächtigung antworten konnte, kam Tana ihm zuvor. „Zentauren!“, rief sie ihren Leuten zu. „Niemand schießt ohne meinen Befehl!“ Sie wandte sich an den Greif. „Namak, sieh nach, ob sie auch aus anderen Richtungen kommen und uns einzukreisen versuchen.“

Der Greif schwang sich wieder in die Luft. Tana wandte sich an Goran. „Was immer die Zentauren wollen, es wird bestimmt schnell geklärt sein. Vielleicht wollen sie gar nichts von uns, sondern haben eigene Angelegenheiten zu erledigen, die sie nur zufällig in dieselbe Richtung führen wie uns.“

Der Händler war alles andere als beruhigt. „Zentauren sind hinterhältig, aggressiv und falsch. Man kann ihnen nicht trauen.“

„Ja natürlich“, bestätigte Tana sarkastisch. „Und alle Händler sind Betrüger, alle Tigani Diebe, und Greife fressen kleine Menschenkinder.“

Sie ließ Goran stehen, ging ein paar Schritte in die Richtung, aus der die Zentauren kamen, nahm die Haltung einer kampfbereiten Wächterin ein und wartete.

Tana und ihre Tigani-Krieger verdienten ihren Lebensunterhalt damit, Handelskarawanen zu eskortieren und vor Banditen zu schützen. Die meisten Händler in Dáskarun heuerten für diesen Dienst gern Tigani an, denn die Katzenleute standen zu Recht in dem Ruf, hervorragende Krieger und unbestechliche Wächter zu sein. Sogar Dáskaruns Königin umgab sich mit einer ausschließlich aus Tigani bestehenden Leibgarde.

Die Tigani entstammten einem Volk von Gestaltwandlern aus dem fernen Westen, weit jenseits von Dáskarun. Um in ihrem kargen Land überleben zu können, hatten sie ihre Körper mit Magie nach ihren Bedürfnissen geformt, wobei sie sich die Großen Felskatzen als Vorbilder nahmen. Sie gaben sich nicht nur deren Kraft, Schnelligkeit und Gewandtheit, sondern auch ihre scharfen Sinne und das kurze, dichte Fell, das ihre Körper vom Hals abwärts bedeckte und die gleichen dunklen Muster zeigte wie das ihrer Vorbilder.

An Händen und Füßen besaßen sie einziehbare Krallen, und das Haar auf ihrem Kopf wuchs wild wie eine Mähne. Ihre Gesichter blieben allerdings bis auf die spitz zulaufenden Ohren ebenso menschlich wie der Rest ihrer Körper. Doch ihr katzenhaftes Aussehen war für den Namen verantwortlich, den ihre unmittelbaren Nachbarn, die Greife, ihnen gegeben hatten: Tigani – Katzenleute. Im Laufe der Jahrhunderte, die seitdem vergangen waren, hatten sie zwar die Fähigkeit verloren, die Gestalt zu wandeln, doch ihr katzenhaftes Aussehen war geblieben. Bedauerlicherweise alten sie aufgrund dessen in den Augen mancher Menschen nicht mehr als Tiere.

Ein heiserer Vogelschrei aus der Luft signalisierte Tana, dass die Zentauren nur von einer Seite kamen, und eine Reihe von Trillern gab ihre Zahl mit fünfzig an. Damit überstieg sie die von Tanas fünfzehnköpfiger Gruppe um mehr als das Dreifache, und von den Händlern war im Fall eines Kampfes wenig Hilfe zu erwarten. Doch die Tigani fürchteten sich auch nicht vor einer Übermacht.

Die Zentauren waren jetzt heran und umzingelten die elf Wagen der Händler. Sie hielten Armbrüste und Kurzspeere in den Händen und erweckten nicht den Eindruck, als hegten sie friedliche Absichten. Ihr Anführer, ein stattlicher Zentaur mit dem muskulösen Oberkörper eines Mannes und dem Unterleib eines prächtigen schwarzen Pferdes, baute sich vor Tana und Goran auf.

Er hatte sein langes Haar zu einem Zopf gebunden, und ein grünes Stirnband aus Stoff zeigte, dass er bei seinem Volk einen hohen Rang bekleidete. Die in seinen Vollbart eingeflochtenen Knochenperlen wiesen ihn als einen der drei Häuptlinge aus, die jeden Zentaurenstamm regierten. Ihre rote Farbe sagte Tana, dass es sich bei ihm um den Kriegshäuptling handelte.

„Ich grüße dich und deine Leute, Häuptling“, sagte sie höflich, aber kalt. „Was können wir für euch tun?“

„Ihr könnt herausgeben, was ihr gestohlen habt und uns den Dieb ausliefern.“ In seiner Stimme klang unterdrückte Wut. „Andernfalls werden wir euch alle töten!“

Die Tigani-Krieger beantworteten diese Drohung mit furchtlosem Gelächter. Die Zentauren stampften wütend den Boden und hoben ihre schussbereiten Armbrüste. Tana brachte ihre Leute mit einer gebieterischen Handbewegung zum Schweigen.

„Nun, Häuptling“, sagte sie lächelnd, „der Weise droht niemals mit Dingen, die er nicht in die Tat umzusetzen vermag. Ebenso wenig beschuldigt er ehrliche Leute des Diebstahls, ohne einen Beweis vorlegen zu können. Und abgesehen davon: Der Höfliche stellt sich zunächst einmal vor, damit die, mit denen er spricht, wissen, mit wem sie es zu tun haben.“

Der Zentaur errötete und presste wütend die Lippen zusammen, während er Tana aus seinen dunklen Augen kalt anfunkelte. Schließlich neigte er knapp den Kopf. „Ich bin Elmon, Häuptling der Krieger des Yofalur-Stamms.“

Tana neigte ebenfalls den Kopf. „Ich bin Tana von den Tigani, Anführerin der Wächter dieser Karawane. Was sollen wir euch denn gestohlen haben?“

„Das heilige Blutsteinschwert unserer Ahnen. Auf diesen Frevel steht der Tod.“ Er trat ein paar Schritte vor, bis er nur noch eine Handbreit von Tana entfern war und blickte auf sie herab. Da sie ihm nur bis zur Brust reichte, musste sie den Kopf in den Nacken legen, um ihm in die Augen sehen zu können. „Und wenn ihr den Dieb beschützt, werdet ihr alle mit ihm sterben.“

„Wir haben nichts gestohlen!“, wandte Goran jetzt ein, bevor Tana antworten konnte. „Wir sind ehrliche Händler und stehlen nicht!“

Die Zentauren lachten verächtlich.

Elmon spuckte aus. „Händler sind alle Betrüger. Es sei denn, sie wären Zentauren.“

Tana musste sich beim Anblick von Gorans empörtem Gesichtsausdruck trotz der ernsten Situation ein Lachen verkneifen. Obwohl die unterschiedlichsten Völker schon seit Jahrhunderten friedlich in Dáskarun zusammenlebten, herrschten immer noch die alten Vorurteile. Die ehemals bis aufs Blut verfeindeten Drachen und Greife ließen, wenn sie einander nicht aus dem Weg gehen konnten, keine Gelegenheit aus, ihre gegenseitige Verachtung zu demonstrieren. Dasselbe taten die Tigani und die Wolfsleute der Luperku mit einander. Die vogelartigen Vardikul hegten eine tiefe Angst vor jedem fremden Wesen, für die Zentauren war jeder Nicht-Zentaur zutiefst ehrlos und Menschen in ihren Augen gerade mal als Sklaven gut genug. Die in den Flüssen und Seen lebenden Ocari dünkten sich als Nachkommen der Meergöttin allen anderen überlegen, und etliche Menschen hielten die Anderswesen in ihrer Mitte immer noch für halbe Tiere. Wie es aussah, würde sich das auch in den kommenden Jahrhunderten kaum ändern.

„Elmon, wir haben euer Schwert nicht gestohlen“, versicherte Tana dem Häuptling und deutete auf die Wagen. „Ihr könnt euch gern selbst davon überzeugen.“

„Das werden wir. Und zu diesem Zweck werdet ihr mit uns zurück ins Dorf kommen.“ Er gab seinen Leuten ein Zeichen, und sie brachten ihre Armbrüste in Anschlag. „Es sei denn, ihr wünscht, hier auf der Stelle zu sterben.“

Tana warf einen Blick in die Runde. Wenn sie es auf einen Kampf ankommen ließe, würden die Tigani mit Namaks Hilfe möglicherweise den Sieg davontragen. Schließlich wurden Tigani-Krieger von Kindesbeinen an dazu ausgebildet, gegen Vertreter jedes in Dáskarun lebenden Volkes zu kämpfen und zu bestehen; Greife und Drachen inbegriffen. Und die Zentauren waren nicht annähernd so gewandt wie die Katzenleute. Doch es würde in jedem Fall Verluste geben, auch unter den Händlern, die Tana sich verpflichtet hatte zu beschützen. Das konnte sie nicht verantworten.

Sie verneigte sich leicht vor Elmon. „Wir folgen euch.“

 

*

 

Drei Stunden später waren sie wieder in dem Dorf, das sie am Morgen erst verlassen hatten. Dessen Bewohner hatten sich auf dem großen Platz davor versammelt und blickten ihnen finster entgegen.

Tana hatte ihre Leute instruiert, sich nicht provozieren zu lassen und Feindseligkeiten der Zentauren zu ignorieren, soweit es möglich war. Man hatte ihnen ihre Waffen abgenommen, sie aber nicht gefesselt. Das zeigte ihr, dass sich die Zentauren selbst nicht ganz sicher waren, was die Anschuldigung betraf.

Die Dorfbewohner musterten die Händler und die Tigani dennoch mit kaum verhohlener Wut und Verachtung. Die beiden anderen Häuptlinge des Dorfes traten ihnen entgegen. Tana vermisste die Schamanen. In jedem Zentauren-Dorf lebten vier Schamanen, von denen jeder einen der Vier Winde repräsentierte. Mindestens einer, in der Regel aber alle vier waren bei wichtigen Ereignissen zugegen. Doch hier war kein einziger zu sehen. Das erfüllte Tana mit Unbehagen, denn jeder Schamane hätte das Orakel befragen und dadurch sehr schnell feststellen können, dass die Tigani und die Händler unschuldig waren. Falls der Dieb des heiligen Schwertes auch die Schamanen getötet hatte, so würden sie alle das Dorf wohl nicht mehr lebend verlassen, falls es Tana nicht gelang, die Zentauren von ihrer Unschuld zu überzeugen.

„Hier sind die Diebe“, teilte Elmon seinen Leuten mit.

„Wir haben nichts gestohlen“, betonte Tana. „Sobald ihr die Habseligkeiten der Händler durchsucht habt, werdet ihr das selbst feststellen.“ Sie machte eine einladende Bewegung zu den Wagen hin.

Elmon gab seinen Leuten einen Wink. Sie begannen, die Wagen zu durchwühlen.

„Vorsichtig! Das sind kostbare Waren! Ihr macht sie ja kaputt!“ Goran rang die Hände. „Das ist zerbrechlich!“

Ein Klirren, als ein Tongefäß zu Boden fiel und zerbrach, bestätigte seine Worte.

„Ah!“ Goran stürzte zu ihnen, um sie daran zu hindern, weitere Dinge zu zerbrechen. Die Zentauren wehrten ihn ab wie eine lästige Fliege und ignorierten sein Jammern.

Tana wandte sich an die Häuptlinge. „Warum beschuldigt ihr uns? Wir waren eure Gäste, und noch heute Morgen habt ihr uns als Freunde verabschiedet.“

„Da wussten wir auch noch nicht, dass eins der steinernen Schwerter aus der heiligen Höhle verschwunden ist“, antwortete ein rotbrauner Zentaur, dessen grüne Bartperlen ihn ...

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