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Das Paar in dir muss Liebe finden

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Einleitung

Einleitung

Du bist wieder einmal kurz davor, den Glauben an die große Liebe zu verlieren? Du hast nie länger als zwei Monate Schmetterlinge im Bauch? Deine Beziehungen scheitern, und du möchtest das ein für alle Mal ändern? Du warst mit 100 Männern/Frauen erfolglos auf Dates und hast dabei nicht nur viel Lebenszeit verloren, sondern auch dein Selbstwertgefühl? Du hast viele Singles kennengelernt, und kein passender war dabei? Du hast keine Ahnung, worauf du beim nächsten Partner achten solltest? Du findest dich andauernd in toxischen Beziehungen wieder? Du möchtest wissen, weshalb deine Partnerschaften bisher gescheitert sind und was du beim nächsten Mal anders oder besser machen sollst? Wie du Fehler, die du in der Partnerwahl und im Zusammenleben gemacht hast, in Zukunft vermeidest? Und du möchtest endlich wissen, wie du jemanden findest, der zu dir passt – mit dem du die Dating-Dramen hinter dir lassen kannst und für alle Zeiten happy wirst?

Vor welchen Scheiterhaufen der Liebe oder in welch einsamer Singlewüste du auch stehen magst. Wie oft du die Hoffnung auf den Richtigen schon aufgegeben hast, wie viele Fehler du in Partnerschaften gemacht hast oder für wie beziehungsunfähig du dich hältst: Ich kann dir helfen. Dieses Buch ist für Singles, die beim nächsten Anlauf sicher(er) sein wollen, sich für den Richtigen zu entscheiden. Aber auch für Menschen, die in einer Paarbeziehung sind und Schwierigkeiten bemerken, die sie lösen wollen.1

Ich nehme dich an die Hand und weise dir in zehn Kapiteln Schritt für Schritt den für dich maßgeschneiderten Weg zu einem glücklichen Leben zu zweit. Bevor wir uns jedoch zusammen aufmachen, möchte ich dir hiermit gern ganz offiziell das »Du« anbieten. Denn ich kann mir vorstellen, dass es dadurch leichter für dich wird, dich vertrauensvoll auf diesen doch sehr persönlichen Prozess einzulassen. Einen Prozess, in dem du die Fähigkeit erlernen wirst zu lieben: dich selbst und deinen zukünftigen oder aktuellen Partner. Dieses Buch soll dich darin unterstützen, deine Beziehungs- und Liebesfähigkeit sowie die Qualität deiner Partnerschaften zu verbessern – und so zu glücklichen Beziehungen führen oder Trennungen verhindern.

Mein Ziel ist es, dass du dir deine bisher unbewussten Muster in der Partnerwahl und in Beziehungen bewusst machen und sie dauerhaft verändern kannst. Ich leite dich zu einer Selbstanalyse an, damit du verstehst, was hinter der »Chemie der Anziehung« steckt. Warum du möglicherweise instinktiv immer wieder von einem bestimmten Typ Mann oder Frau angezogen wirst. Und wie du dieses Schema durchbrechen und umprogrammieren kannst. Ich möchte dir wichtige Denkanstöße geben, die für die Gestaltung eines erfüllenden Liebeslebens wichtig sind, damit du wiederkehrende negative Verhaltens- und Beziehungsmuster erkennen und auflösen, deine Gefühle und dein Verhalten in Liebesbeziehungen besser steuern und in Beziehungen gesünder und gelassener bleiben kannst. Nach der Lektüre des Buches wirst du nachvollziehen können, warum du dich in die Personen verliebt hast, in die du dich verliebt hast – und in andere hingegen nicht, selbst wenn sie scheinbar der perfekte Partner für dich gewesen wären. Was der Grund dafür war, warum deine Partnerschaften scheiterten oder kein weiteres Wachstum in eurer Beziehung möglich war – oder noch keine Weiterentwicklung möglich ist.

»Du kannst alles werden und erreichen, was du willst« war mein Credo. Schon als Kind war ich idealistisch und zielstrebig, und es hat sich immer wieder gezeigt: Wenn man will, kann man alles erreichen. Ich bin überzeugt: Wenn ich es geschafft habe, schaffen es alle anderen auch. Auch in der Liebe. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen mit begrenzten Möglichkeiten. Aufgewachsen bin ich auf dem Land, in einem zwischen Seen und steirischen Hügeln gelegenen 600-Seelen-Dorf. Als ich klein war, besaßen wir noch zwei Schweine und einen kleinen Fernseher mit zwei Programmen, doch der spielte keine Rolle im Familienleben. Meine Eltern haben mich immer liebevoll und fürsorglich unterstützt, und ich bin dankbar für eine wunderschöne Kindheit – doch alles, was ich heute bin und besitze, habe ich ohne Hilfe erreicht. Von der Ausbildung zur Krankenschwester über mein Studium musste ich mir alles selbst erarbeiten. Dabei machten mich viele Irrwege und Krisen zu der, die ich heute bin. Immer wieder habe ich meine Wurzeln ausgerissen, mich in neue Umgebungen »verpflanzt«, um dort besser wachsen und mich entfalten zu können. Das war oft alles andere als einfach: Ich habe die Ängste und Unsicherheiten aushalten müssen, die mit einem Neuanfang verbunden sind, viele schmerzhafte Trennungen durchgemacht, beruflich und privat oftmals wieder bei null angefangen. Und doch habe ich gerade in den schwierigen Phasen immer weiter nach den Sternen gegriffen und hart dafür gearbeitet und gekämpft, sie zu erreichen.

Sehr früh traf ich meine erste große Liebe; sechs Jahre lang schienen wir das perfekte Paar. Den Gedanken, dass wir uns jemals trennen könnten, konnte ich kaum ertragen. Doch unsere Charakterunterschiede, mangelnde Kommunikation und viele aufgestaute Konflikte sowie zunehmend unterschiedliche Wertvorstellungen führten unweigerlich zum Bruch. Ich erwachte aus meinem Traum, in dem ich unbewusst das glückliche, wenn auch spannungsvolle Eheleben meiner Eltern nachzuleben hoffte: früh heiraten, eine Familie gründen und gemeinsam mit meinem Mann alt werden. Um die Zeit der Trennung herum (ich war damals knapp 22 Jahre) hatte ich einen emotionalen Zusammenbruch. Ursache waren die vielen Todesfälle, die ich als Intensivkrankenschwester zwischen beatmeten Menschen, dem Schockraum, Notfalldialysen und Transplantationen hautnah miterlebt hatte. Menschen beim Sterbeprozess zu begleiten, war allerdings nicht nur traurig und traumatisierend. Ich machte ein enormes persönliches Wachstum durch, ein »post-traumatic growth«. Ich begann, das Leben vom Tod her zu denken. Immer wichtiger wurden mir solche tiefgründigen Überlegungen: Was ist wirklich wichtig? Wie finde ich Glück und Erfüllung? Wie will ich leben? Und: Wie will ich lieben?

Ich wusste, Beziehungen sind das Wertvollste im Leben – und entwickelte meine Mission: Menschen auf psychischer Ebene zu gesünderen Beziehungen und einem erfüllten Leben zu verhelfen. Vor meinem geistigen Auge entstand das Bild unzähliger glücklicher und dankbarer Paare und Familien um mich herum. Dieses Bild wurde zum Motor für mein Tun. So fand ich zur Psychotherapie und Psychoanalyse, erforschte während meines Studiums, was uns in unserem Innersten bewegt. Um Beziehungs- und Liebesdynamiken verstehen zu lernen, suchte ich mir Lehrer auf der ganzen Welt. Ich war bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen: Das Geld war oft knapp, und ich verzichtete auf vieles. Manchmal wusste ich nicht, wie ich meine Miete bezahlen sollte. Über Jahre hinweg arbeitete und studierte ich 100 Stunden in der Woche.

Die Theorie der menschlichen Psyche wurde mir von Grund auf vertraut. Trotz meines umfassenden Wissens und sehr guter Selbsterfahrung durch eigene Therapien während der Ausbildung: Mir selbst gelang es einfach nicht, einen passenden Partner zu finden und ein erfülltes Beziehungsleben zu führen. Nichts schien für mich persönlich der Schlüssel zum Liebesglück zu sein. Es wurde für mich zu einem quälenden Rätsel, warum ich als fertige Psychotherapeutin, »gesättigt« mit enormer Menschenkenntnis und Beziehungswissen, noch immer sehenden Auges solch miserable Partnerwahlentscheidungen traf. Warum ich weiterhin in diverse Beziehungskatastrophen schlitterte – schmerzhafter Liebeskummer inklusive.

Durch die Arbeit in meiner Praxis verstand ich immer besser, was uns unbewusst bei der Partnerwahl lenkt, wie Beziehungen funktionieren, woran sie scheitern – und: wie sie gelingen können. Doch es bedurfte jahrelanger intensiver Beschäftigung damit, bis ich diese maßgeschneiderte »Anleitung zum Liebesglück« erarbeitete und entwickelte. Einen Großteil meines sehr speziellen, ja einzigartigen Erfahrungsschatzes erlangte ich durch Hochzeit auf den ersten Blick, ein außergewöhnliches und internationales Sozialexperiment mit der Frage, ob aus wissenschaftlichen Hypothesen in der Praxis Liebe werden kann. Als Expertin gebe ich meine Matching-Empfehlung ab: Wer passt aus wissenschaftlicher und psychotherapeutischer Sicht zusammen. Die Singles aus der TV-Show sehen ihr »Match« zum ersten Mal auf dem Standesamt und heiraten »auf wissenschaftlicher Basis«, natürlich freiwillig. Das Pferd wird hier von hinten aufgezäumt. Zwei sich völlig Fremde heiraten und finden dann heraus, ob die Liebe sich entwickelt oder nicht. In den Fällen, in denen die wissenschaftlichen Hypothesen scheitern, evaluiere ich die Gründe – und finde immer besser heraus, was funktioniert und was nicht und wie ich tiefenpsychologische, psychodynamische Erkenntnisse für das Matchmaking nützlich miteinbeziehen kann.

Von Matchmaking zu Matchmaking wurde immer deutlicher: Nur weil zwei Menschen auf dem Papier perfekt passen – ein perfektes Paar werden sie deswegen noch lange nicht. Immer wieder fragte ich mich: Wie kann es sein, dass eine Frau genau den Typ Mann an die Seite bekommt, den sie sich bewusst gewünscht hat, ihn auch noch ausgezeichnet riechen kann – sich aber einfach nicht in ihn verliebt? Viele Fälle scheiterten nicht an den bewussten, sondern an unbewussten Wunschvorstellungen. Entscheidend dafür, zu wem wir uns hingezogen fühlen und wie wir uns unseren Partnern gegenüber verhalten, sind unsere frühen Bindungs- und Beziehungserfahrungen sowie das Erleben der Beziehung unserer Eltern und die Fantasien, die wir uns als Kind davon gemacht haben. Das Bild von Partnerschaft, das wir quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben. Wie sich unsere Mutter zu unserem Vater verhalten hat beziehungsweise unser Vater zu unserer Mutter, bestimmt unsere eigenen Beziehungen ganz entscheidend mit. Ich nenne diese aus der Kindheit stammende Vorstellung von der Liebe »das innere Paar«.

Heute gehe ich bezüglich der Partnerschaftspassung so weit zu sagen: Jeder psychologische Test und das Achten auf möglichst viele Matching-Points ist vergeudete Lebenszeit, wenn sich jemand seine eigene Beziehungsgeschichte, Prägungen und Muster, sein »inneres Paar« nicht genügend bewusst gemacht hat. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, immer wieder an denselben Stellen zu scheitern. Um Beziehungs- und Verhaltensmuster verändern zu können, muss man als Erstes wissen, wie sie in einen hineingekommen sind – und wie man sie wieder aus sich herausbekommen und bewusst und aktiv positiv gestalten kann. Manchmal sind es schon wenige Gedanken, die bereits einen Richtungswechsel auslösen können.

Ich werde dir Denkanstöße und Übungen geben, welche du ganz nebenbei in deinen Alltag einbauen kannst. Ich rate dir, manches aufzuschreiben – egal, ob du deine Gedanken auf einen Zettel notierst, sie ins Handy tippst oder dein ganz persönliches Liebesbuch anlegst, das dich dein weiteres Leben lang begleiten soll. Manchmal möchte ich dich auch ermutigen, ein Gespräch mit Familienangehörigen zu suchen, die dir wichtige Fragen beantworten können. Und ich gebe dir hilfreiche Tipps, Skills und Werkzeuge aus der Psychotherapie, die du für dich individuell anwenden kannst.

Durch psychotherapeutische Methoden habe ich vielen Menschen helfen können und über sich hinauswachsen sehen. Meine Mission, Paaren und Familien zu ihrem Glück zu verhelfen, ist in Erfüllung gegangen, und ich lebe täglich meinen Traum. Auch privat gab’s ein Happy End für mich: Ich habe einen Weltklassemann an meiner Seite, habe meine eigenen hinderlichen Muster überwinden können, wodurch ich auch selbst zu einer tollen Partnerin wurde – und bin unbeschreiblich glücklich. Ich war erst offen für Ryan, nachdem ich dieselben Schritte durchgearbeitet hatte, die ich dir in diesem Buch aufzeige und bei denen ich dich begleiten werde. Es ist mir ein Herzensanliegen, dich an meinem Wissen über Partnerwahl und Beziehungen teilhaben zu lassen. Es sollte deine Suche nach einem Partner und dein Beziehungsleben auf allen Ebenen verbessern – in jedem Beziehungsstatus und in jeder Phase deines Liebeslebens. Wie lange es dauern wird, bis du »Erfolg« siehst oder einen passenden Partner findest? Es kann schnell gehen, vielleicht löst sich der Knoten schon nach drei Tagen. Nach einem Monat, spätestens einem halben Jahr sollten sich auf jeden Fall Änderungen einstellen. Sicher ist: Wenn du dieses Buch gelesen und den Weg Schritt für Schritt mit mir gegangen bist – dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis du dein persönliches Glück in der Liebe findest – oder deine Partnerschaft aktiv und selbstbestimmt gestaltest.

Das Interessante ist: Auch wenn sich unser Thema um Zweierbeziehungen dreht und ich dir Anstöße zur Partnersuche gebe, sollten sich ganz nebenbei auch all deine anderen Beziehungen merklich verbessern – zu deiner Familie, zu Freunden, deinem Chef, Mitarbeitern oder Kollegen. Wenn sich Blockaden gelöst haben, kann dich das selbstsicherer und produktiver machen. Wenn sich deine Bindungsmuster verändern, verändert sich auch deine Welt. Im Idealfall kann das Wissen über Liebes- und Beziehungsfähigkeit, welches ich dir hier mitgeben werde, deinen Sex großartiger denn je machen und sogar Auswirkungen auf deine geborenen oder ungeborenen Kinder und Kindeskinder haben. Du fragst dich, ob das wirklich funktionieren kann? Probier es doch einfach aus!

Allein oder zu zweit?

KAPITEL 1

Allein oder zu zweit?

NEUE FREIHEIT

Warum erleben heute so viele Unsicherheiten, Unverbindlichkeit und Enttäuschungen und wissen nicht mehr, was sie selbst und andere wirklich wollen? Dein Liebesleben wird sehr stark davon beeinflusst, was gesellschaftlich als normal angesehen wird. In der Wahl unserer jeweiligen Partner sowie der Partnerschafts- und Familienkonzepte sind wir freier als jemals zuvor in der Geschichte. Das macht unsere Partnerschaften gesünder, doch die neue Freiheit hat auch Konsequenzen für unsere Lebensqualität und Beziehungsfähigkeit. Früher war nicht alles besser, aber manches klarer. Äußere Zwänge, auf Gedeih und Verderb zusammenzubleiben oder in einer Partnerschaft leben zu müssen, sind heutzutage meist weggefallen. Ohne ein solches gesellschaftliches »Korsett« verspüren die meisten eine große Unsicherheit. Viele Menschen sind orientierungslos und überfordert, wenn es darum geht, wer nun überhaupt ein geeigneter Partner für sie wäre. Sie fragen sich, was sie beachten sollten, um eine Partnerschaft zu führen, die diesen Namen auch verdient. Die sie glücklich macht und in der sie sich gleichzeitig selbst entfalten können. Die Verantwortung, eine gute Beziehungsqualität und gesunde Beziehungskultur für sich selbst zu entwickeln, ist enorm gestiegen und erzeugt selbst Druck: Bin ich beziehungsfähig und liebenswürdig?

NOSTALGISCHE SEHNSUCHT

Wohin ich auch sehe: Lebenslange, glücklich liebende Elternpaare werden weniger, und damit die individuellen positiven Paarvorbilder. Viele tragen eine fast schon nostalgisch anmutende Sehnsucht nach den alten Bildern wie »Liebe auf den ersten Blick« und »Bis dass der Tod euch scheidet« in sich. Nach wie vor sind für die meisten Menschen lebenslange, leidenschaftliche Beziehungen, eine Liebesehe das absolute Wunschideal. Dieses »Glück« haben aber immer weniger Menschen. Ein Blick ins private Umfeld und auf statistische Zahlen genügt, um zu sehen, dass die Realität für viele eine andere ist: Es werden in Deutschland halb so viele Ehen wie noch vor 50 Jahren geschlossen, während es gleichzeitig hohe Scheidungsraten von 30 bis 50 Prozent gibt. In einer Paarbeziehung oder Ehe zu leben, ist heute also keineswegs mehr selbstverständlich.

Alte Rollenbilder und Vorstellungen davon, wie eine Frau-Mann-Beziehung zu sein hat, hallen in jedem unterschiedlich stark nach. Bei meiner Arbeit stelle ich fest: Während Frauen heute beruflich alles erreichen und aktiv ihre Ziele verfolgen können, scheinen die archaischen Frau-Mann-Rollenbilder im Liebesleben noch viel stärker zu bestehen, als dies im beruflichen oder sozialen Leben der Fall ist. Um es an veralteten Klischees zu illustrieren, die mir bei den Anziehungsmustern und Partnerwahlwünschen nach wie vor begegnen: Frauen wünschen sich auch heute noch auffällig häufig einen »dominanten« Mann. Einen, an dessen Schulter sie sich anlehnen können, der sie beschützen und versorgen kann. Und Männer sind immer noch gern Jäger. Aus meiner Beobachtung als Therapeutin kann ich sagen, dass die wenigsten Männer eine Beziehung mit einer Frau eingehen, die sie aktiv und offensiv angeflirtet hat, von der sie sozusagen »aufgerissen« worden sind. Gesunde, gute und gütige Männlichkeitsbilder sind genauso gefragt wie gesunde, gute und gütige Weiblichkeitsbilder. Und vor allem: positive Paarbilder.

In uns wirken einerseits noch alte, konservative Paarbilder, Vorstellungen und Werte unserer Großeltern und Eltern. Andererseits beeinflussen uns ebenso die neuen, modernen Paarbilder. Deshalb fühlen wir uns oft in der Zwickmühle und wissen nicht, was gut für uns wäre. Hollywoodfilme, Werbung und Social-Media-Kanäle erzeugen Bilder vom perfekten Partner und verklären die Vorstellung vieler Menschen von Beziehung zu romantisch und schön gefiltert. Das führt zu übersteigerten Erwartungen und Ansprüchen sowie falschen Annahmen, wie ein Partner und die »richtige« Liebe sein müssten. Wie sich die veränderten Paarbeziehungsbilder auf jeden Einzelnen von uns und unsere Beziehungen auswirken, ist fraglich. Ob die Liebespartnerschaft, die Ehe als Institution wiederauflebt oder ob andere Formen des Paarlebens sich gleich stark oder stärker durchsetzen, wird die Zeit zeigen.

LIEBE IST KEINE GLÜCKSSACHE

Es war schon immer schwer, jemand Passenden zu finden, und es gab in der Geschichte immer schon professionelle Heiratsvermittler. So ungewöhnlich ist es also nicht, dass andere einen Partner auswählen. 2018 wurden weltweit laut einem Statistikinstitut noch 53 Prozent der Hochzeiten arrangiert, vor allem im südasiatischen und indischen Raum. Heutzutage haben unsere Eltern und der soziale Status immer weniger Einfluss auf unsere Partnerwahl, zumindest in Deutschland, Nordamerika, der sogenannten westlichen Welt. Unsere Ansprüche an Partnerschaften sind enorm gewachsen. Viele tolerieren Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen, negative Emotionen und schwierige Phasen weniger als früher und trennen sich schneller, wenn es nicht so läuft, wie sie sich das in der romantischen Vorstellung ausgemalt hatten. Die Identitäten sind ständig im Wechsel: Bin ich schon an dem Punkt, an dem ich mich auf eine feste Beziehung einlassen kann? Wann komme ich endlich an? Wir sind es in unserem kapitalistischen System gewohnt, uns all unsere Wünsche erfüllen zu können – und so wollen wir auch den perfekten Partner, der in unser Lebensdesign passt.

Das Ideal: gleichberechtigte und emanzipierte Beziehungen auf allen Ebenen. Doch langlebige und lebendige Liebe und Paarbeziehungen werden nicht im Himmel gemacht, sondern auf Erden. Es gab kein Schulfach namens »Beziehungsbildung«, das uns Wissen über Bindung, Emotionen und Kommunikation, soziale Kompetenz und Liebe vermittelt hätte. Dabei wäre das äußerst hilfreich, um weniger Konflikte, Scheidungen und mehr glückliche, langewährende Beziehungen zu haben! Das meiste lernten wir nur von unserer Herkunftsfamilie und dem sozialen Gefüge, in das wir hineingeboren wurden. Es sind die Zweierbeziehung und die Qualität der Elternbeziehung, die wesentlich über unser Leben und die Qualität unserer Beziehungen bestimmen!

Ein Kind zu bekommen, kann eine Partnerschaft ziemlich auf die Probe stellen. Und dabei ist die gute Paarbeziehung der Eltern der beste Garant dafür, dass sich ein Kind bestmöglich entwickelt. Bei alldem, was wir über positive wie auch negative Beziehungsbeobachtungen des Kindes bezüglich seines Elternpaares besprechen werden, möchte ich vorwegnehmen, dass ich weiß, wie viel Mütter und Väter leisten. Es kann nie eine völlig ideale Elternpaarbeziehung für ein Kind geben. Realistisch gesehen kann es maximal »genügend gute«, positive Paarvorbilder geben, bei denen es eine positive Einstellung der Eltern zueinander gibt, jeder die eigenen Grenzen sowie die des anderen akzeptiert und sich nach Kräften bemüht.

Mittlerweile wird rund die Hälfte der Kinder in Europa außerehelich geboren. Bis zum 16. Lebensjahr erleben circa die Hälfte der Heranwachsenden Trennungen der Eltern. Noch nie wurden Kinder in so unterschiedliche Partnerschaftsmodelle hineingeboren und so früh von oft vielen unterschiedlichen Bezugspersonen betreut. Viele Kinder müssen sich einer neuen Beziehungs- und Paarwirklichkeit stellen. Wir können noch nicht vorhersehen, wie sich die vielen alleinerziehenden und früh getrennten Eltern auf die Kinder und deren zukünftiges Paarleben auswirken. Auch nicht, was es mit den Paarbildern macht, wenn Eltern mehrere Paarbeziehungen in ihrem Leben haben und die Kinder somit mehrere »Schichten« möglicher Paarbilder in sich tragen und wiederum an ihre Nachkommen weitergeben.

Fakt ist: Es wird immer herausfordernder, sich an eine Person lebenslang zu binden und eine glückliche Paarbeziehung zu leben – und dabei ist das sehr bedeutsam für unsere Kinder. Das wissen wohl alle Kinder- und Familienpsychotherapeuten, so auch Kai von Klitzingen, ein deutscher Kinderpsychiater, der in seiner Langzeitstudie bestätigte, wie wichtig eine lebendige Dreierbeziehung zwischen Eltern und Kind, das harmonische, positive Miteinander der Eltern ist, von der Zeugung über die ersten Lebensjahre. Und dass es von allergrößtem Wert für eine gesunde Entwicklung ist, wenn beide, Mutter und Vater, für das Kind da sind.

Es ist wissenschaftlich erklärbar, warum manche in Partnerschaften scheitern und andere glücklich sind, sich lieben und zusammenbleiben, warum manche Paare als Paar funktionieren und manche nicht. Viele ausgezeichnete Theorien über Partnerschaft und Liebe werden bei Paaren und in der Familientherapie angewandt, aber bisher wurden sie kaum auf Singles und Partnersuchende übertragen. Es fehlt an guter psychodynamischer und psychoanalytischer Singleberatung oder, für jene, die einen hohen Leidensdruck haben, Singletherapie. Generell bin ich optimistisch und halte es für möglich, dass wir eine gute und gesündere Paar- und Beziehungskultur entwickeln können – unter der Voraussetzung, dass wir uns mehr mit uns selbst, unserer Gefühlswelt sowie unserer Liebes- und Bindungsfähigkeit beschäftigen. Wichtig sind gute Kommunikationsfähigkeiten sowie anhaltende Freude an der Auseinandersetzung mit dem Partner. Es gibt viel Wissen und Werkzeuge für die Selbstreflexion und für die Reflexion von Partnerschaften. Sie haben einen Bauplan, eine innere Ordnung und innere Logik. Diese will ich dir, auch wenn wir uns dabei vom Negativen zum Positiven vorarbeiten müssen, mit meinem Buch vermitteln.

BEZIEHUNGSQUALITÄT

Um herauszufinden, wie du lieben und leben willst, möchte ich dich zu einem kurzen Rückblick anregen. Fühle in dich hinein: Wie erging es dir als Single? Fehlte dir ein Partner zum Austausch, bei dem du ankommen und dich emotional öffnen kannst, bei dem du dich geborgen und aufgefangen fühlst? Wie erging es dir mit Affären oder mit wechselnden Sexualpartnern? Hast du das innige Zusammensein mit einem Partner in einer langjährigen Beziehung genossen? Wie hast du dich in oder nach Beziehungen überwiegend gefühlt? Manchmal lohnt sich der Blick aus der Distanz auf Gewesenes, um dir in einem ersten Schritt über deine zukünftige gewünschte Beziehungsform klar zu werden. Fakt ist: Es ist ein großes Glück, dass es heutzutage jedem freigestellt ist, auf welchem Beziehungsweg er glücklich werden will. Alte Strukturen sind weggefallen; im Vordergrund stehen heute die Beziehungsfähigkeit an sich und die Qualität einer Beziehung, in der du lebst, und nicht die Form. Daher möchte ich auch, dass du in dich hineinhorchst: Was bedeutet für mich Qualität in einer Beziehung? Was sollte mir die Partnerschaft geben, auch wenn es etwas anderes ist als das, was andere wollen? Was wäre meine ideale Liebes- und Beziehungsgeschichte, die ich in meinem Leben schreiben will?

GUTE GRÜNDE FÜR DIE LIEBE

Wenn du dieses Buch in den Händen hältst, ist dein erklärtes Ziel wahrscheinlich eine leidenschaftliche, lebenslange Liebesbeziehung, in der du tiefes Glück und die Kraft liebevoller und verbindlicher Bindung empfinden kannst. Die meisten sehnen sich nach einer monogamen, beständigen Liebesehe oder -beziehung – und das macht auch heute noch enorm viel Sinn.

Wir brauchen Bindung und Liebe wie die Luft zum Atmen. Eine erfüllende Partnerschaft ist höher zu gewichten als ein Sechser im Lotto oder die steilste Karriere. Lebendige Beziehungen, so weiß die Liebeswissenschaft, sind der wichtigste Faktor, um seelisch und körperlich gesund zu bleiben. Vielfältige Studien wie von Unicho, Diener, Carr belegen und auch Bodenmann, Johnson und Bauer schreiben darüber: Liebe und hohe Beziehungsqualität sind besser als jede Medizin! Die emotionale Geborgenheit schenkt uns (Selbst-)Sicherheit, wirkt sich positiv auf unsere »innere Schönheit«, unser Immunsystem, unsere Neuronen und unser Nervensystem, die Herzgesundheit und vieles mehr aus. Die Liebe macht uns sanft und hilft uns, zu wachsen, zu besseren Menschen zu werden. Wenn die Beziehungs- und Liebesqualität zunimmt, profitieren also alle. Abgesehen davon, dass dem Gesundheitssystem weniger Kosten entstehen: Die Liebe lässt uns das Leben in vollen Zügen genießen und sichert letztlich unser Überleben.

Doch unser angeborenes Bedürfnis nach Bindung wollen viele nicht mehr anerkennen. Sie sind vermeintlich selbstsicher und unabhängig davon. Statt auf die Liebe legen sie ihre Prioritäten auf andere Dinge im Leben: auf Beruf und Karriere, Geld, Statussymbole, Amüsements, sexuelle Befriedigung, Unverbindlichkeit, Freiheit, Erlebnisse …

Aufgrund der heutigen Selbstverwirklichungsmöglichkeiten sind wir stärker aufgefordert, aktiv an der Beziehung zu arbeiten und einem (Ehe-)Partner auch mehr Freiraum zur persönlichen Entwicklung zuzugestehen als früher. Das gilt für den Beruf, den privaten Lebensstil oder auch für die Liebe. So ist lebenslange Treue durchaus im Bereich des Möglichen und wunderschön, wenn man daran arbeitet und es nicht als eine selbstverständliche, naturgegebene Verhaltensweise ansieht. Treue gibt uns mehr als nur Vertrauen und Geborgenheit, doch weil wir im Grunde keine monogamen Wesen sind, kann man es auch von vornherein realistischer sehen: Seitensprünge oder Affären könnten dem ein oder anderen »passieren«. Je mehr wir mögliche Tatsachen und Risiken miteinbeziehen, je mehr Freiräume wir uns selbst und dem anderen in der Entwicklung und Fantasie zugestehen, je besser wir kommunizieren lernen und Hintergründe verstehen wollen, desto kleiner wird oft die Gefahr einer Trennung.

WELCHE BEZIEHUNGSFORM IST DIE RICHTIGE FÜR MICH?

Für manche ist das Singlesein eine ganz freie, bewusst gewählte Entscheidung. Oder zumindest in einer bestimmten Phase genau das, was sie wollen und brauchen. Allein leben zu können, ist auch die beste Voraussetzung für eine reife Liebesbeziehung. Doch Singles fühlen sich häufig einem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt: Wer geschieden ist oder keinen Lebensgefährten hat, dem wird allzu oft der Stempel aufgedrückt, mit ihm stimme etwas nicht. So finden selbst heute noch Diskriminierungen statt. Auf nicht wenigen lastet die unausgesprochene Forderung: »Zu einem erfüllten Leben gehört eine Partnerschaft – alles andere bedeutet zu versagen!« Und zu allem Überfluss wird Singles und an der Liebe leidenden Menschen erzählt: In der Liebe ist doch alles ganz einfach. Das ist es leider nicht, aber denke daran: Singlesein ist eine genauso anerkannte und gleichgestellte Lebensform wie alle anderen auch, und wenn du so leben willst, dann ist das genauso richtig wie alles andere auch.

Definition: Wenn sich jemand eine Beziehung wünscht und sich auf die Suche nach einem Partner macht, spricht man von einem »Searcher« oder eben Suchenden. Wobei mir persönlich dieser Begriff nicht gefällt. Man sollte nie die Kraft der Wörter unterschätzen! In der Singleberatung sage ich immer wieder: »Löschen Sie das Wort suchen, Sie wählen!« Gerade Menschen mit einer Selbstwertproblematik hilft allein diese einfache Intervention schon sehr gut – denn auf der Suche zu sein, verbinden sie oft mit Unvollständigkeit und Mangel. Ich kenne das aus meinem eigenen Leben: Aus einem Mangel heraus nach meiner »besseren Hälfte« zu suchen, hat noch nie etwas Gutes in mein Leben gebracht oder mir persönlich weitergeholfen.

Für diejenigen, die dem Singledasein den Vorzug geben, aber nicht dauernd allein oder ohne Sex sein möchten, hat sich die Bezeichnung Mingle, »mixed single«, etabliert. Darunter versteht man Singles, die »Freundschaft plus« oder »Freunde mit gewissen Vorzügen« suchen. Das kann auch gut funktionieren – vorausgesetzt, man kommuniziert deutlich, dass man nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung ist, keine Gefühle entwickeln, sondern einfach nur Spaß haben will. Diese »Alles kann, nichts muss«-Beziehungen haben für manche Vorteile, doch meist führen sie zu tief sitzendem und lang anhaltendem Liebeskummer. Ehrlich gesagt würde ich diese Form niemandem empfehlen. Das Risiko, dabei Schmerzen zu erleiden, ist zu hoch, und der kurzzeitige Lustgewinn wiegt das nicht immer auf.

Wie bei Karo. Tränenüberströmt erzählte sie mir, dass sie sich zum dritten Mal in Folge auf einen »beziehungsängstlichen« Mann eingelassen habe. Sie hatte gedacht, diesmal sei sie an den Richtigen geraten. Tim ging mit ihr zu Familienfeiern, fuhr mit ihr und ihren besten Freunden in den Urlaub. Er war nicht sonderlich romantisch und generell eher kühl; Berührungen in der Öffentlichkeit gab es selten. Auch nach einem Jahr zwang sie ihn nicht dazu, über ihre Beziehung zu reden und Stellung zu beziehen, weil sie dachte, er brauche einfach mehr Zeit. Schließlich erzählte ihr Tim ganz nebenbei, dass er sich auch mit einer anderen trifft – und hielt es nicht einmal für notwendig, mit Karo Schluss zu machen. Sie war keineswegs seine große Liebe, aber warum sollte er mit ihr keine gute Zeit verbringen? Was Karo bereits selbst realisiert hatte, als sie in die Therapie kam: Sie hätte Tim ihre Wünsche und Ziele früher und klarer kommunizieren müssen, denn sie war auf der Suche nach der wahren großen Liebe, einer Ehe und Kindern. Der Grund, warum Karo wiederholt auf bindungsunwillige Männer traf, die keine ernsten Absichten hatten, hatte jedoch auch mit ihrer eigenen Angst vor Paarbeziehungen zu tun, die aus ihrer Kindheit herrührte.

Definition: Ein Beziehungsmodell, das viele leben, ohne es so zu bezeichnen oder bewusst zu wollen, ist die serielle Monogamie. Das sind Menschen, die drei bis fünf oder noch mehr feste Partnerschaften in ihrem Leben haben. So habe ich schon etliche 30-Jährige erlebt, die mehr Trennungen und Beziehungen hinter sich hatten als ihre Großeltern und Eltern in ihrem ganzen Leben. Daneben gibt es weitere »Beziehungsmodelle« wie zum Beispiel die Polyamorie. Darunter versteht man, dass jemand mehrere Personen liebt, dies allen Beteiligten gegenüber ganz offen kommuniziert, aber mit niemandem in einer fixen Beziehung lebt. Dann sind da die polygam lebenden Menschen, die mehrere fix liierte Beziehungen gleichzeitig haben. Aus meiner Erfahrung als Therapeutin muss ich jedoch sagen, dass sich überwiegend Bindungsstörungen, Ängste und andere psychische Ursachen, zu denen wir später kommen werden, dahinter verbergen. Es ist mir wichtig, keine Beziehungsform zu verurteilen, aber ich habe so oft erlebt, dass diese »neueren« Konzepte Ausweichmanöver waren und die Personen meist, wenn Schwierigkeiten sich gelöst hatten, doch die intime, liebevolle Zweierbeziehung bevorzugten.

Wichtig ist, dass jeder die Verantwortung für sein aktuell bevorzugtes Beziehungsmodell übernimmt und sich hinterfragt, ob er dadurch die individuell gewünschte Beziehungsqualität erleben und leben kann. Wir wissen, dass wir nicht mehr in ungesunden, zerstörerischen Beziehungen leben müssen.

Beziehungsqualität bedeutet: Wir Menschen wollen positive, überwiegend gute Gefühle haben, wir wollen Intimität erleben, wir wollen uns auf den Partner verlassen, ihm vertrauen können und gemeinsam wachsen.

Was bedeutet es für dich zu lieben? Was ist für dich Liebe? Wann weißt du, ob du dich emotional verbunden fühlst, der andere auf deine Wünsche eingeht und für dich da ist? Was auch immer deine Vorstellungen sind, glaube mir: Beständige Liebe ist durch nichts zu ersetzen und hat die höchste Priorität verdient – auch wenn wir dafür gefordert sind, bindungs- und beziehungsfähiger zu werden. Die Liebe ist das Schönste im Leben!

UNFREIWILLIG SINGLE SEIN

Vorweg: Singlesein ist keine Krankheit! Es gibt viele Singles und Searchers (Partnersuchende), die psychisch vollständig gesund, beziehungs- und liebesfähig sind und bei denen keinerlei psychologische Gründe vorliegen, nicht in einer Paarbeziehung zu sein. Doch viele Singles haben das Vertrauen in sich selbst verloren, intuitiv einen guten Partner zu wählen. Sie suchen die Schuld bei sich; leiden unter niedrigem Selbstwertgefühl und Angst davor, die falschen Entscheidungen zu treffen. Häufig sind es tatsächlich Singles, die mit anderen, vordergründigen Symptomen zu mir in die Therapie kommen, die weit über Traurigkeit oder Ängste hinausgehen. Sie leiden an Burn-out, an Depressionen oder an psychosomatischen Erkrankungen, die behandlungsbedürftig sind. Es scheint für manche näherzuliegen, sich wegen eines Symptoms behandeln zu lassen – auch wenn eigentlich etwas ganz anderes dahintersteckt, nämlich dass sie darunter leiden, allein durchs Leben zu gehen. Ihre Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit halten sie oft aus falscher Scham geheim, manche erfinden sogar mögliche Partner oder erheben lose, aussichtlose Kennenlerngeschichten zu potenziellen Heiratskandidaten. Um das psychische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, rationalisieren sie häufig ihre Situation. Ob als Ausrede oder nicht, all ihre Gründe klingen logisch: Es liegt an der Gesellschaft, dem schwierigen Partnerwahlmarkt oder anderen Lebenssituationen, dass sie einfach keinen Partner finden.

Anja lässt sich auf niemanden voreilig ein. Ihre Probleme, einen Partner zu finden, beruhten ihrer Einschätzung nach darauf, dass sie zu hohe Ansprüche an eine emanzipierte Beziehung hatte. Dabei war sie auf der Suche nach diesem einen passenden Mann, mit dem sie eine Familie gründen wollte – und ihre Wünsche waren völlig gerechtfertigt. Da ihre Eltern sehr gegensätzlich waren und deren Miteinander selten einfach war, wünschte sie sich, die Paarbeziehung der Eltern nicht zu wiederholen. Mit Onlinedating und sozialen Medien machte sie keine guten Erfahrungen. Blauäugig und gutgläubig ging sie an die Partnersuche heran und machte einige schlimme Date-Erfahrungen mit Männern, die sie verbal kränkten und abwerteten. Andere betrieben Ghosting, waren also plötzlich unerreichbar. Nachdem sie von ihrem letzten Dating-Partner, mit dem sie mehrfach intim wurde, sitzen gelassen wurde, fand sie heraus, dass er eine Frau, ein Kind und einen Hund hatte. Anja suchte die Schuld bei sich selbst und kam zu mir in Therapie.

Auf vielen Alleinstehenden lastet ein großer, meist unausgesprochener Leidensdruck, ohne Partner durchs Leben gehen zu müssen. Und sie fühlen sich umso schlechter, je öfter sie einen vergeblichen Anlauf nehmen, dies zu ändern. Sie quälen sich mit Selbstzweifeln, fragen sich insgeheim: »Was stimmt nicht mit mir, dass ich niemanden finde, dass mir die große Liebe verwehrt bleibt? Bin ich nicht okay, so wie ich bin? Was mache ich falsch? Warum gelingt es anderen, sich zu verlieben und eine Familie zu gründen – und warum bin ich nach wie vor allein?«

Einige Antworten darauf begegnen mir in der Praxis immer wieder. Es sind tiefer liegende, aber auch spezifische psychologische und psychotherapeutische Faktoren, die eine gute Erklärung dafür sein können, warum jemand Single bleibt oder wirklich Schwierigkeiten damit hat, eine Partnerschaft einzugehen. Tatsache ist, dass sich manchmal selbst Profis und Menschenkenner damit schwertun, die eine oder andere Persönlichkeits- oder Bindungsstörung eines Menschen nur aus dem Gespräch heraus zu erkennen. Generell sollte man sehr vorsichtig sein, anderen vorschnell Diagnosen an den Kopf zu werfen. Dennoch kann es hilfreich für dich sein, einige der häufigsten Faktoren zu kennen, damit du besser einschätzen kannst, ob du vielleicht bei dir selbst ein Thema entdeckst, an dem du arbeiten möchtest, oder auch bei anderen: Vielleicht erkennst du das ein oder andere Merkmal wieder und verstehst dadurch besser, warum und ob jemand überhaupt für ein Leben zu zweit geeignet wäre – oder noch nicht.

Denn ja, auch wenn es für viele ungewöhnlich klingt: Es entscheidet auch der Kopf und somit dein Bewusstsein mit, in wen du dich verliebst. Wenn du dir nach der Lektüre des Buches über deine Beziehungsmuster klar geworden bist, wirst du wissen, was ich meine.

Zunächst will ich dir die nach meiner Beobachtung häufigsten psychologischen Gründe aufzählen, warum jemand »unfreiwillig allein« ist, Single bleiben wird oder es so lange bleiben sollte, wie seine Liebesfähigkeit beeinträchtigt ist.

Negatives Paarbild

Die Hauptursache, meiner Meinung nach, die Singles davon abhält, sich auf eine Partnerschaft einzulassen und in einer Beziehung zu wachsen: Sie tragen kein positives Bild einer liebevollen Paarbeziehung in sich. Ihr »inneres Paar« beruht auf negativen Erfahrungen in der Kindheit, welche Beziehungen für sie nicht erstrebenswert erscheinen lassen. Ob durchgängig oder über kurze Phasen hinweg haben sie erlebt, dass die Mutter oder der Vater nicht glücklich in der Paarbeziehung waren.

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