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Das Manuskript der Magdalena

Tom Kenyon & Judi Sion

Das Manuskript der Magdalena

Die Alchemie des Horus & die Sexualmagie der Isis



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Inhaltsverzeichnis
Anrufung der Kosmischen Mutter
Das Manuskript der Magdalena
Innere Alchemie
Die Geschichte einer Frau
Glossar



Anrufung der Kosmischen Mutter



Oh, Große Mutter, göttliche Weiblichkeit, Gebärerin des Kosmos, Geliebte des Geistes, Schöpferin aller Materie und Königin aller Welten in allen Welten und außerhalb von ihnen, wir rufen dich in dieser Stunde zu uns.
Wir sind deine Kinder, erhöre unser Rufen.
Wir sind die Söhne und Töchter aus deiner göttlichen Vereinigung, das Fleisch deiner Leidenschaft für das Leben. Du, die du dich am Anbeginn aller Zeiten mit dem Geist, unserem Vater vereinigt und uns aus dieser gesegneten Einheit von Geist und Materie hervorgebracht hast: Wir sind deine Kinder, die Söhne und Töchter deines Fleisches und deines Herzens. Wir erinnern uns an deine Berührungen, an den Duft deiner Essenz, und wir sehnen uns nach dir.
Komm in unsere Herzen und schenke uns Erinnerung. Komm in unseren Verstand und öffne unseren Geist.
Erleuchte uns durch deine Gegenwart.
Lüfte die Schleier, auf dass wir sehen können, und lass die Tore sich öffnen, auf dass sich Schönheit und Ekstase in unseren Häusern und in unseren Herzen ausbreiten.
Dies ist die Stunde unserer größten Bedrängnis. Wir rufen dich durch Feuer und Wasser, durch Erde und Wind, durch alles, was deinen Namen trägt. Wir rufen all deine Ahnen auf und alle deine Namen. Komm zu uns. Erfülle uns. So sei es. 

Judi Sion

Erstmals vorgelesen am 9. November 2001 beim Magdalena-Retreat in Sedona, Arizona



E I N S


Das Manuskript der Magdalena



Toms Einführung zum Manuskript der Magdalena


Ich habe mich mit dem Manuskript von Maria Magdalena sehr schwer getan. Das lag unter anderem daran, dass es sich hier um gechanneltes Material handelt und ich eigentlich annahm, dass ich diese Art des Schreibens seit dem Abschluss des Hathor-Buches (siehe Veröffentlichungen) hinter mir gelassen hätte.
Meiner Ansicht nach ist das Channeln eine fragwürdige Angelegenheit. Es kommt mir vor wie die Schlagnetz-Fischerei in den Wasserläufen der Camargue in Südfrankreich. Übrigens vermuten viele Menschen, dass Magdalena hier an Land gegangen war. Dort lässt man große Netze vom Ufer aus ins Wasser hängen, zieht sie ab und zu mit einer Winde hoch und schaut dann, was darin hängen geblieben ist.
Das Channeln erscheint mir sehr ähnlich. Durch unsere Psyche ziehen Strömungen, in denen so allerhand vor sich hin treibt. Manches davon ist interessant, manches wertlos und manches einfach nur wunderlich. Ab und zu verfängt sich etwas eindeutig Wertvolles im Channel-Netz, doch meistens ist es mit einer Menge Müll vermengt.
Meine ersten Erfahrungen mit dem Channeln hatte ich in den späten siebziger Jahren. Ein Freund von mir war in der medizinischen Forschung an der Duke Universität tätig und wir führten eine Reihe von Unter-suchungen über dieses Phänomen durch. Ich arbeitete zu jener Zeit in meiner psychotherapeutischen Praxis mit Hypnose und wir wollten wissen, was bei einem hypnotisierten Zustand an gechanneltem Material entstehen kann. Gleich am ersten Abend bekamen wir »Kontakt« mit einer großen Intelligenz, die wir euphemistisch »Big Dude« (großer Macker) nannten. Ich habe manchmal eine ziemlich respektlose Art, wie jeder weiß, der mich kennt. Big Dude sprach in der, für viele gechannelte Intelligenzen und Wesenheiten typischen weit ausholenden und pastoralen Art über mögliche Veränderungen auf der Erde und über die Zusammenhänge im Universum. Die Abschriften der Vorträge waren zwar spannend, doch nachdem wir uns drei Monate lang alle zwei Wochen zum Channeln getroffen hatten, kamen wir übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Informationen nichts wirklich Substantielles enthielten und beendeten die Angelegenheit damit.
Als Psychotherapeut im Bereich der transpersonalen Psychologie habe ich im Laufe der Jahre viele Klienten erlebt, die channelten. Manche fühlten sich ganz wohl damit, andere störte es, wie zum Beispiel eine Frau, die ein Jahr lang jeden Morgen um drei Uhr geweckt wurde. Sie musste sich dann hinsetzen und Botschaften der »anderen Seite« aufzeichnen. Doch der anderen Seite von was? Ihre Protokolle sprachen von der heilenden Macht der Liebe, boten manchmal sinnvolle Lösungen für Probleme an, enthielten aber auch einiges, was mir, offen gesagt, ziemlich merkwürdig vorkam. Merkwürdig ist natürlich ein relativer Begriff. Was dem einen merkwürdig vorkommt, erscheint dem anderen als durchaus vernünftig. Die kulturellen Filter unserer Erfahrungen sind oft willkürlich und basieren auf erlerntem Unsinn. Als Psychotherapeut bestand meine Aufgabe darin, meinen Klienten zu helfen, mit ihrem transpersonalen Gelaber zurechtzukommen. Ich verwende diese Begriffe absichtlich, denn das kollektive Unbewusste ist mit allem Möglichen angefüllt. Es gibt geistige Wesenheiten aller Art, genau wie es Menschen aller Art gibt. Manche Bewohner des kollektiven Unbewussten sind brillant und wohlwollend, andere sind Idioten, die sich als spirituelle Wesen verkleidet haben .
Inzwischen erfreut sich das Channeln unter Laien und Professionellen zunehmender Beliebtheit. Ich sehe darin einfach ein Zeichen dafür, dass wir anfangen, Zugang zu unseren seelischen und spirituellen Tiefen zu erhalten. Immer mehr Menschen erleben spirituelle Krisen, die ihre Sichtweise der Welt plötzlich und nachhaltig durch tiefe spirituelle Erlebnisse verändern. Ich bin davon überzeugt, dass wir im Laufe der nächsten paar Jahrzehnte mit dem Auftauchen eines neuen Mythos im kollektiven Bewusstsein immer mehr dieser psycho-spirituellen Krisen erleben werden.
In diesem Zusammenhang ist Channeling nicht mehr als eine Botschaft aus der Tiefe. Und genau wie beim Fischen ist manches, was aus der Tiefe geholt wird, nicht der Mühe wert. Doch es wird mit an die Oberfläche des Bewusstseins gebracht, wie ein vergammelter Schuh oder eine rostige Bierdose.
Es kommt beim Channeln also sehr darauf an, das Wertvolle vom Wertlosen, das Bereichernde vom Gefährlichen zu trennen. Nur weil etwas von der anderen Seite kommt, ist es nicht glaubwürdiger als das, was irgendjemand auf der Straße sagt. Es ist sogar so, dass ich eher vorsichtiger werde, wenn mir jemand etwas zu lesen gibt und sagt, es wäre gechannelt. Und wenn sich Wesen von der anderen Seite bei mir melden, halte ich Ausschau nach logischen Fehlern und lege Fallen aus. Wenn sie diese Tests bestehen, bin ich eher bereit, das, was sie mir erzählen, in Erwägung zu ziehen. Doch auf jeden Fall fälle letztlich ich das Urteil. Wenn mir das Gesagte nicht sinnvoll erscheint, beschäftige ich mich nicht weiter damit.
Trotz all meiner Widerstände gegen das Phänomen des Channelns meldete sich eines Nachts in Zürich Maria Magdalena. Meine Partnerin Judi hatte mich gebeten, ob ich nicht irgendetwas über Magdalena in Erfahrung bringen könnte, da wir kurz darauf in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer sein würden, wo Magdalena angeblich nach der Kreuzigung an Land gegangen sein soll. 
Ich schloss meine Augen und versetzte mich in einen leichten hypnotischen Trance-Zustand. Vor meinem inneren Auge erschien unmittelbar ein Wesen, das sich als Maria Magdalena vorstellte. An jenem Abend begann sie den hier vorliegenden Text zu diktieren. Sie sprach viele Sitzungen lang mit größter Klarheit und Eindringlichkeit. Jedes Wort war präzise, und im Raum herrschte während der Sitzungen eine deutlich spürbare elektrische Spannung.
Inzwischen sind einige Monate vergangen, und ich schaue mit kritischem Blick auf das Manuskript. Die Aussicht, dem Berg gechannelter Bücher noch ein weiteres hinzuzufügen, verursacht mir Beklemmungen. Das erscheint mir als das Letzte, was die Menschheit jetzt braucht.
Doch andererseits habe ich noch nie etwas Vergleichbares gesehen. Seit drei Jahrzehnten studiere ich die innere Alchemie. Dabei haben mich die Ähnlichkeiten und Unterschiede der alchemistischen Traditionen immer fasziniert. Meine Erfahrungen mit den unterschiedlichsten alchemistischen Methoden zur Transformation und Erhöhung des menschlichen Bewusstseins sind zu einem wichtigen Teil meines persönlichen Weges geworden. Aus dieser Perspektive betrachtet sind die von Magdalena dargestellten Techniken ziemlich außergewöhnlich. Als spiritueller Pragmatiker habe ich immer alles selbst ausprobiert – so auch hier. Magdalenas Techniken funktionieren jedoch nicht nur, sie tun es sogar außerordentlich gut. Ich muss sogar sagen, dass ihre Praxis die Wirkung all meiner anderen alchemistischen Übungen verstärkt hat, egal aus welcher Tradition sie stammen.
Aus all dem habe ich einen logischen Schluss gezogen. Dieses Material kann von unschätzbarem Wert sein, sowohl für all jene, die die Alchemie studieren, als auch für jene, die tiefer gehende Erfahrungen der spirituellen Transformation machen wollen und für diejenigen, die sich nach einer »Heiligen Beziehung« sehnen. Deshalb habe ich mich entschlossen, es zu veröffentlichen.
Mein nächstes Problem ist, dass ich es gerne genau nehme. Diese Geschichte lässt sich jedoch unmöglich beweisen. Das Ganze hat sich vor so langer Zeit abgespielt und es gibt so viele Versionen der Magdalenen-Legende, dass ich annehme, wir werden es nie sicher wissen, zumindest nicht aus objektiver Sicht. 
Die Geschichte, die uns Magdalena im Verlaufe unserer Sitzungen vermittelte, hat mich tief berührt. Manche Aspekte davon berühren mich immer noch. Doch der größte Teil des Erzählten ist für mich nichts weiter als eine Geschichte, die wahr oder nicht wahr sein kann. 
Als ein Mensch, der fest in den Grundsätzen der Logik verankert (manche würden vielleicht eher sagen »eingemauert«) ist, stört es mich, dass ich nicht sagen kann, ob diese Geschichte wahr ist oder nicht. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass die Methoden und Einsichten, die Maria Magdalena vermittelt, außerordentlich sind. Also habe ich für mich die Geschichte zurück in den Fluss geworfen und die Methoden behalten. Ich möchte Sie einladen, das Gleiche zu tun. Lesen Sie es mit Ihrem eigenen Herzen und Verstand. Behalten Sie das, was Ihnen sinn- und wertvoll erscheint, und lassen Sie den Rest.
Mir ist klar, dass dieses Buch unterschiedliche Reaktionen auslösen wird. Ich halte es trotzdem für richtig, dieses Manuskript in die Welt zu entlassen. Auch wenn es nichts weiter erreichen sollte, als dass wir die angesprochenen Themen hinterfragen, ist seine Existenz gerechtfertigt. Schließlich ist es für die gesamte Christenheit an der Zeit, die falsche Bewertung des Weiblichen in Frage zu stellen.
Für diejenigen, die ein tieferes Verständnis der inneren Alchemie zur Transformation ihres Bewusstseins suchen, wird sich der Wert dieses Materials von selbst erschließen.
Als ich gerade das Manuskript noch einmal durchlas, geschah etwas Merkwürdiges: Ich sah das Material kritisch durch. Als ich darüber nachdachte, ob ich es veröffentlichen sollte oder nicht, erschien mir Isis – ja: Isis. Sie forderte mich auf, das Buch so schnell wie möglich fertig zu stellen.
Was soll man da noch tun?


Judis Einführung zum Manuskript der Magdalena


Es war eine kühle Nacht und Zürich lag in dichtem Nebel. Wir hatten bei unserem Lieblingsthailänder direkt neben unserem Hotel vorzüglich zu Abend gegessen und wir hatten genug Zeit. Es war eine seltene Gelegenheit in unserem Leben. Es war Donnerstag, der 30. November im Jahre 2000.
Ich hatte mich zunehmend für Maria Magdalena begeistert, sowohl als Archetyp als auch als Wesen. Wer war sie wirklich? So vieles von dem, was in unserer Zivilisation alltäglich ist, beruht darauf, dass sie und damit alles Weibliche von der Kirche als Hure gebrandmarkt wurde, als sündhaft. Wegen dieser Brandmarkung – die wirklich einer Erniedrigung des Göttlichen entspricht, dem das heiße Eisen ins Fleisch gepresst wurde – war das Weibliche für über zweitausend Jahre von Scham erfüllt und wurde als minderwertig betrachtet.
Dass die Kirche sie als Hure bezeichnet, entbehrt jeder Grundlage. In den Originaltexten findet sich kein einziges Wort, das diese Anschuldigung unterstützen würde. Erst das Konzil zu Nicäa unter Kaiser Konstantin gab der Geschichte diesen Dreh, um das Patriarchat zu unterstützen, die weibliche Autorität zu untergraben, alles Weibliche zu schmähen und die vielen verschiedenen Religionen mit der neuen, populären Religion, Christentum genannt, zu einer Religion zusammenzuschmieden – alles zum Wohle Roms, zum Wohle der Regierung.
Warum brandmarkten sie Maria Magdalena als Hure? Aus Eifersucht und Angst vor der Macht des Weiblichen, vor allem vor der Art der Macht, über die Maria Magdalena verfügte.
Ich habe nie daran geglaubt, dass wir in Sünde geboren sind, und ich habe nie geglaubt, dass Maria Magdalena und – da sie den Archetypus der Frau verkörpert – alle Frauen Huren waren. Das Bild von Jesus Christus als einem überfrommen, zölibatär lebenden, scheinheiligen, fanatischen Prediger habe ich ihnen nie abgekauft.
Vor Jahren war ich dem Weg von Maria Magdalena durch Südfrankreich gefolgt, und ich wollte Tom den gleichen Weg führen, den mein Herz damals gefunden hatte, um meine Spur mit meinem Geliebten wieder aufzunehmen.
Doch ich traute mich nicht, einfach meinem Herzen zu folgen und sehnte mich nach mehr Hintergrundwissen. Ich wollte die Geschichte. Ich wollte mehr als die Geschichte. Ich wollte die Wahrheit. Ich sagte Tom, dass ich einer Durchsage, die er erhalten würde, Glauben schenken würde, weil ich seine Integrität und seine Fähigkeit, mit der wahren Quelle in Verbindung zu treten, so hoch schätze. So bat ich ihn, ob er vielleicht irgendwann Kontakt mit ihr aufnehmen könne. 
Dazu muss man sagen, dass Tom nicht gerne channelt! In ihm kämpft oft der Wissenschaftler mit dem Mystiker, und da ich beide gleichermaßen liebe, trete ich dabei zurück und beobachte, wie der Wissenschaftler letztendlich dem süßen Licht der Wahrheit nachgibt, die der Mystiker hervorzubringen vermag. Aus diesem Tanz entstehen dann zu guter Letzt großartige Lehren für die Welt, eingehüllt in den Schleier der Wissenschaftlichkeit, die von den Unwissenden dieser Zeit gefordert wird.
An jenem Abend, aus welchem Grund auch immer, war jedoch das Glück auf meiner Seite. Ich fragte ihn, ob er vielleicht versuchen würde, mit Maria Magdalena Kontakt aufzunehmen, und er sagte »Ja«.
»Wann?«, fragte ich und hielt die Luft an.
»Wie wäre es mit jetzt gleich?«
Er streckte sich auf dem Bett aus und ich machte den Laptop bereit. Toms Person ging aus dem Weg und die Hathoren kamen, um ihm zu helfen, sein Nervensystem anzupassen, was sie oft tun, um den Wissenschaftler zu beruhigen, der sonst zu viel widerspricht.
Und sie kam herein. Das Zimmer füllte sich mit Kraft und einer intensiven Elektrizität, die ich in meinen Fingerspitzen spüren konnte. Meine Finger zitterten auf den Tasten, als sie zu sprechen begann. Es war, als ob die Ewigkeit den Abgrund der Zeit überspannte und schloss. Sie war da. Wir waren da. Das Stundenglas zerbrach und die Zeit hörte auf zu sein.
Ich hoffe, dass ich ihre Worte nie vergessen werde. Ich schwöre, dass ich niemals vergessen werde, dankbar zu sein für ihre Wahrheit, für Toms offenes Herz, für die Ehre, die uns Jeshua erwies und für das Vertrauen, das sie mir entgegenbrachte, indem sie mir ihre Geschichte erzählte.
Sie fuhr damit fort, während wir ein paar Wochen lang durch die Schweiz, die italienischen Alpen und die Toskana reisten. Sie kam auf der Fähre von Genua nach Palermo durch. Und als sich herausstellte, dass Sizilien nicht der Ort war, an dem wir überwintern wollten, besuchte sie uns auf der Fähre von Livorno nach Malta. Auf Gozo, einer kleinen Insel vor Malta, fuhr sie mit ihrer Geschichte fort, in Sichtweite der Stelle, an der sie auf ihrer Reise von Ägypten nach Frankreich gelandet war, um Proviant aufzunehmen. Sie sprach die Worte »Wir haben es vollendet« kurz vor Weihnachten 2000.
Jeden Abend, bevor sie begann, ließ sie mich vorlesen, was ich von ihrem vorigen Besuch notiert hatte. Sie korrigierte jedes Wort, das ich nicht richtig verstanden hatte, änderte ab und zu ein Wort, um einen Sachverhalt klarer auszudrücken. Und bevor sie uns jeweils verließ, bat sie mich, ihr vorzulesen, was ich an dem Abend aufgeschrieben hatte.
An vielen Abenden hielt sie an besonders ergreifenden Stellen ihres Berichtes inne, während Tom ihre Geschichte unter Stöhnen und Wimmern emotional durchlebte. 
Sie sagte dann zu mir: »Dieser Kanal spürt jetzt die Emotion dessen, was ich dir erzähle.«
Mein Herz öffnet sich für Tom, weil er, wenn auch nur für einen Augenblick, gespürt hat, wie es für sie war, einen Mann so sehr zu lieben wie sie Jeshua geliebt hat, und ihn dann an den Tod zu verlieren, zum Wohle der Menschheit. Und mein Herz öffnet sich für Jeshua, nachdem ich jetzt ihre Geschichte gehört habe und weiß, dass sie wahr ist. Er liebte sie so sehr, dass er das, wofür er hergekommen war, fast nicht getan hätte.
Als wir im Frühling Malta verließen, wurden die Computer eingepackt und nach Hause geschickt. Wo auch immer ich hinging, trug ich eine Diskette und einen Ausdruck des Manuskriptes bei mir. Auf diese Art fuhr Magdalena mit uns nach Russland, in die Ukraine, zurück nach Deutschland, in die Schweiz und nach Venedig, und kehrte so in gewisser Weise auch wieder nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer in Südfrankreich zurück, wo sie damals an Land gegangen war. Die Diskette und die Papiere warteten geduldig, während wir nach Rennes-le-Chateau fuhren und uns vorstellten, wie die Pyrenäen wohl damals ausgesehen hatten, als sie sich in die Wildnis dieser majestätischen Gipfel begeben hatte.
Schließlich kam sie in dem winzigen Appartement mit Blick auf das Mittelmeer, in dem wir auf Paros lebten, noch einmal zu uns, um bestimmte Fragen hinsichtlich einiger Begriffe im Manuskript zu klären. Ohne ihre Erlaubnis änderten wir kein einziges Wort, noch nicht einmal, um grammatikalische Unebenheiten auszubügeln und sie dankte uns für unsere Genauigkeit.
Wenn die Unwissenheit, in der wir 2000 Jahre gelebt haben, darauf zurückzuführen ist, dass jemand die Worte Jeshuas falsch herausgegeben hat, so wollte ich mein Bestes tun, dass wirklich niemand das missverstehen kann, was sie jetzt zur Richtigstellung der Geschichte zu sagen hatte.
Ich stellte ihr etliche persönliche Fragen, von denen ich annahm, dass die Leute sie uns stellen würden, wenn wir ihnen das Manuskript zeigten. Ich kenne die Fragen, die vielen Menschen durch den Sinn gehen und wollte von ihr wissen, was ich darauf antworten sollte.
Meistens sagte sie: »Sage ihnen, Maria Magdalena kommentiert das nicht.«
Die Fragen, die sie beantwortete, stehen im letzten Abschnitt des Buches.
Auf der Insel Orcas sprachen wir sie noch ein letztes Mal an. Sie erwähnte die besondere Wichtigkeit des Manuskriptes und seine Bedeutung für die Rückkehr der Kosmischen Mutter. Sie sagte, es sei: »für die ganze Erde, für die Galaxie, für das Universum und darüber hinaus«. Sie sagte auch, dass sie die Menschen aus aller Welt zu dieser Wahrheit rufen würde, und dass alle, die dafür bereit wären, das Manuskript auf die eine oder andere Art finden würden.
Sie beglückwünscht Sie dafür, den Ruf vernommen zu haben und dankt Ihnen aus tiefstem Herzen, auch im Namen der Kosmischen Mutter, dafür, dass Sie hier sind. Sie sagt, nichts wird mehr so sein, wie es war.




Das Manuskript der Maria Magdalena


Ich wuchs mit einem Verständnis von Magie auf. Mein Vater stammte aus Mesopotamien und meine Mutter aus Ägypten. Vor meiner Geburt hatte sie Isis angefleht, sie mit einem Kind zu segnen. Ich bin dieses Kind. Man kannte mich als Maria Magdalena.
Im Alter von zwölf Jahren sandte man mich zu einer geheimen Schwesternschaft von Eingeweihten, damit ich unter den Fittichen der Isis ausgebildet würde. Ich wurde in den Geheimnissen Ägyptens unterwiesen, in der Alchemie des Horus und in der Sexualmagie des Isis-Kultes. Als ich dem begegnete, den ihr Jeshua nennt, hatte ich alle meine Initiationen durchlaufen. Ich hatte mich für die Begegnung mit ihm am Brunnen vorbereitet.
Die Evangelien berichten von mir als einer Hure, denn alle Eingeweihten meines Ordens trugen ein goldenes Schlangen-Armband, und man wusste, dass wir uns mit sexueller Magie befassten. In den Augen der Hebräer waren wir damit Huren. 
Als ich Jeshua sah und unsere Augen sich trafen, wusste ich, dass wir für einander bestimmt waren.
Was ich euch jetzt erzählen werde, war bislang nur denen bekannt, die mit mir waren. Es gibt viele Legenden über das, was geschah. Für mich ist es eine Geschichte tiefster Liebe. Mich berührt es nicht, dass Jeshua eine Vision für die Welt hatte. Meine Geschichte ist eine Liebesgeschichte.
Viele Menschen folgten Jeshua. Und es gab sehr selten Gelegenheit für uns, allein zu sein.
Es steht nicht in den Evangelien, denn außer denen, die uns am Nächsten standen, wusste niemand davon. Bevor Jeshua in den Garten von Gethsemane ging, empfingen wir ein Kind, und ihr Name sollte Sar’h sein.

Die Geschichte, die ich euch erzählen werde, klingt unglaublich.
Ich erinnere mich an das Schilf in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer, obwohl dieser Ort damals natürlich nicht so genannt wurde. Hier ging unser Boot an Land. Sar’h war noch sehr jung. Noch nicht einmal ein Jahr alt. Ich war hin und her gerissen zwischen Kummer und Verwunderung.
Ich war dabei, als Jeshua gekreuzigt wurde. Ich sah ihn im Grab und seine Mutter und ich wickelten ihn in Tücher. Der Geruch von Myrrhe wird mir ewig unvergesslich bleiben. Es war eine der Essenzen, die wir verwendeten.
Jeshua erschien mir in seinem strahlenden Licht. Ich traute meinen Augen nicht und berührte deswegen seine Wunden. Die Jünger waren eifersüchtig, dass er zuerst zu mir gekommen war.
Es war seltsam, dass mein Geliebter in andere Reiche überging, in andere Welten, während ich und unsere Tochter alleine das Mittelmeer überquerten. In Ägypten, wo wir hingegangen waren, war es nicht mehr sicher für uns gewesen.
Als wir die Küste dessen erreichten, was später Frankreich sein würde, war dort nichts als Wildnis. Wir wurden von Priesterinnen des Isis-Kultes empfangen und zogen dann nach Norden unter den Schutz der Druiden, denn Isis hatte zu ihnen gesprochen, und sie hatten die Aufforderung erhalten, ihre Tochter Sar’h zu beschützen. So eilten wir nach Norden und überquerten ein weiteres großes Wasser, um zu dem späteren England zu gelangen.
Dort wurden wir im heiligsten Herzen der Druiden verborgen, am »Tor« und in Glastonbury. Obwohl wir hier sicherer waren als in Israel oder Ägypten, reichte der römische Einfluss auch bis nach England und man versteckte uns.
Wir lebten viele Jahre lang in dieser Gegend, bis Sar’h einen Mann heiratete, von dem dann die Tempelritter abstammen. Ich ging danach Richtung Norden nach Wales und verbrachte den Rest meiner Tage dort, nahe am Meer.
In jenen Jahren, in denen ich allein am Meer lebte, besuchte mich Jeshua oft. Natürlich war es nicht so wie zuvor, da sein Körper mehr Energie als Fleisch war, mehr Licht. Aber es war trotzdem wunderbar, wieder mit ihm zusammen zu sein.
Als ich starb, war er da und führte mich in das, was manche »Himmel« nennen, doch es ist einfach ein Platz in der Seele.

Ich beginne mit meiner Geschichte am Brunnen, denn in mehrfacher Hinsicht begann dort wirklich mein Leben. All die Jahre zuvor waren Vorbereitung dafür gewesen. 
An jenem Morgen wusste ich, dass etwas in der Luft lag. Ich spürte eine Art Erregung, ein Zittern in Armen und Beinen, noch bevor ich ihm begegnete. Ich befand mich bereits am Brunnen, als er kam. Ich hatte meinen Krug schon hineingesenkt und er half mir, ihn herauszuheben. Manche der Apostel sahen mein goldenes Schlangen--Armband und nahmen an, dass ich eine Hure sei. Sie waren entsetzt, dass der Meister so einer half. 
Doch das berührte mich nicht. Jeshuas Augen hatten mich in eine andere Welt versetzt. Als unsere Blicke sich begegneten, schien ich in die Ewigkeit zu schauen, und ich wusste, dass er der Eine war, für den ich vorbereitet worden war – und er wusste es auch.
Ich hielt mich unter denen, die mit ihm gingen, eher im Hintergrund. Abends entfernten wir uns gemeinsam. Nicht jeden Abend, denn er wurde ständig gebraucht.
Ausgebildet in den alchemistischen Praktiken des Horus und in der Sexualmagie der Isis galt ich bei meinen Lehrerinnen als hoch entwickelt, doch als ich das erste Mal in Jeshuas Armen lag, war ich eine zitternde Frau und ich musste darum ringen, jenen zentralen Weg durch mein Verlangen hindurch zum höchsten Thron zu finden, denn das war meine Aufgabe.
Mit den Techniken, in denen ich unterwiesen war, und mit den Methoden, die er in Ägypten gelernt hatte, vermochten Jeshua und ich sein Ka, seinen Energiekörper, mit mehr Licht und Kraft aufzuladen, damit er leichter mit denen arbeiten konnte, die ihn aufsuchten. Und so war es auch.
Ich finde es immer noch merkwürdig, dass in den Evangelien steht, dass ich am Brunnen war, als Jeshua kam. Doch in jenen vielen Nächten, wenn Jeshua und ich allein waren, kam er zu meinem Brunnen, um aus mir die Kräfte der Isis zu schöpfen, um sich aufzubauen und zu stärken. 

Im Rückblick sehe ich all dies wie einen Traum und doch so lebendig und klar. Mein Herz erzittert bei der Erinnerung an diese Geschichte, als wäre es gestern gewesen. Jene erste Nacht mit Jeshua ist meinem Gedächtnis fest eingemeißelt, so klar wie der Himmel über Jerusalem.
Nachdem ich mich durch mein Verlangen als Frau hindurchgearbeitet hatte und den Pfad der spirituellen Alchemie erklomm, in dem ich unterwiesen worden war, konnte ich Jeshuas Geistgestalt erkennen – schon leuchtend, schon vor Licht strahlend. 
Eine Taube schwebte über seinem Haupt und Strahlen goldenen Lichts strömten aus ihm hervor. Seine Geistgestalt trug die Siegel des Salomon, der Hathor, der Isis, des Anubis und des Osiris in sich, als Zeichen, dass er diese Initiationen durchlaufen hatte. Es gab auch andere Symbole, die mir unbekannt waren, weil sie aus Kulturen stammten, von denen ich nichts wusste und in denen ich nicht unterwiesen war. Doch aus den mir bekannten ägyptischen Siegeln erkannte ich, dass er auf dem Weg des erhabenen Gottes Horus war.
Doch er hatte seine Todesinitiation noch nicht durchlaufen, und in meinem zitternden Herzen wusste ich, dass ich deswegen zu diesem Zeitpunkt zu ihm geführt worden war – um seine Seele mit den Kräften der Isis und der Kosmischen Mutter zu stärken, so dass er das dunkle Tor durchschreiten und den Horus erlangen konnte.
In jener Nacht, nachdem wir uns geliebt und unsere geistigen Körper vereint und verschmolzen hatten, begann die Alchemie zwischen uns. Jeshua schlief ein. Ich hielt ihn in meinen Armen und war aufgewühlt von dem Verlangen, ihn zu schützen, dem Verlangen, immer bei ihm zu sein und dem Wissen, schneidend wie ein kaltes Messer, dass wir von Kräften, weit größer als mein Verlangen getrennt werden würden. 
Die Kirche behauptet, dass ich eine Hure war, doch ich sage euch jetzt, dass die Kirche die Hure ist, denn sie will euch weismachen, dass Frauen verdorben sind und dass die sexuelle Leidenschaft zwischen einem Mann und einer Frau böse ist. Doch genau hier, in der magischen Anziehungskraft der Leidenschaft, entsteht die Grundlage für die Himmelfahrt.
Dieses höchste aller Geheimnisse war allen Eingeweihten der Isis bekannt, doch es war mir nie in den Sinn gekommen, dass ich diejenige sein würde, die es in der Vereinigung mit jemandem wie Jeshua zu seiner höchsten Ausdrucksform bringen würde. 
Für mich ist dies eine Reise meines Geistes und Herzens.
Doch für alle, die an der physischen Reise interessiert sind: Nach Jeshuas Kreuzigung machten seine Mutter Maria, Joseph von Arimathäa mit seinem zwölfjährigen Sohn namens Aaron, zwei weitere junge Frauen und ich uns von Nordägypten aus auf den Weg.
Merkwürdigerweise mussten wir zuerst in Richtung Osten, bevor wir uns westwärts wenden konnten. Wir mussten unterwegs Proviant aufnehmen, da unser Schiff sehr klein war. Unser Weg führte uns nach Malta und zu der kleinen Insel Gozo, von da aus nach Sardinien und zu dem heutigen Cinqueterre, bis wir schließlich in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer landeten. Von dort aus reisten wir nordwärts durch Rennes-le-Chateau nach Nordfrankreich und über den Kanal in das Land, das jetzt England heißt. Wir ließen uns einige Jahre lang in Glastonbury nieder, bis Sar’h zwölf war.
An ihrem zwölften Geburtstag machten wir uns auf den Weg zu dem Ort im Schilf, an dem wir einst gelandet waren. Hier, so nah an Ägypten wie es uns in Sicherheit möglich war, weihte ich meine Tochter in den Isis-Kult ein und tauchte sie in die Wasser des Mittelmeeres, so wie man mich gelehrt hatte.
Wir kehrten dann nach Glastonbury zurück, bis Jeshuas und meine Tochter, Sar’h, sich im Alter von sechzehn Jahren vermählte. Ihr Mann stammte aus einer angesehenen Familie, deren Nachfahren später zu den Templern werden würden, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch keine Tempelritter gab. 
Durch Sar’h wurde diese Blutsverwandtschaft an die Templer weitergegeben. Als Sar’h verheiratet war und sich in ihrem neuen Leben eingewöhnt hatte, begab ich mich nach Norden und verbrachte den Rest meiner Tage in einem kleinen Steinhaus an der walisischen Küste.
Hinter meiner Hütte gab es einen Fluss, der aus den Hügeln kam und an dem ich viele Tage lang saß. An einer Stelle teilte sich dieser Fluss, und die beiden Wasserläufe flossen erst ein Stück nebeneinander, bis dann der eine nach rechts strebte und der andere nach links. Ich setzte mich zwischen diese beiden und dachte an den Fluss meines Lebens und an den Fluss von Jeshuas Leben – wie unsere Leben eine Zeitlang zusammengeflossen waren und sich dann getrennt hatten. 
Das erste Mal, als Jeshua nach seiner Auferstehung dort zu mir kam, wird mir ewig in Erinnerung bleiben. 
Es war zunehmender Mond und der Himmel war klar. Über der Heide hing leichter Nebel und das Licht des Mondes und der Sterne tauchte alles in Silber. Ich sah, wie eine Gestalt auf dem gewundenen Pfad, der zu meiner Hütte führte, auf mich zukam. 
Es ist ein seltsamer Zufall, dass ich gerade nach draußen gegangen war, um Wasser vom Brunnen zu holen, und da war er. Er sah so aus wie immer, doch ein nicht zu übersehendes Strahlen umgab ihn. Meine Augen füllten sich mit Tränen, und mein Herz zitterte.
Ich lief auf ihn zu und blieb dann abrupt stehen, weil mir seine Worte einfielen, die er mir direkt nach der Auferstehung gesagt hatte.

»Berühre mich nicht«, hatte er damals gesagt, »denn ich bin noch nicht zum Vater aufgestiegen.« 
Oh, wie habe ich, eine Eingeweihte der Isis, mich all die Jahre danach gesehnt, diese Überlieferung richtig zu stellen!
Was bedeuteten seine Worte? Die Christen haben nur einen Teil der Wahrheit übernommen. Der größere Teil der Wahrheit liegt in den Mysterien der Großen Mutter verborgen, und weil die Kirche die Frauen und alles Weibliche entrechten wollte, verbarg sie diese Wahrheit.
Die Wahrheit hat mit dem Ka-Körper selbst zu tun, dem, was wir als Eingeweihte das ätherische Doppel oder den spirituellen Zwilling nannten, weil der Ka-Körper, wenn er mit genügend Energie und Vitalität aufgeladen ist, wie der physische Körper aussieht. Im Gegensatz zum physischen Körper besteht der Ka-Körper jedoch nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Energie – Energie und Licht.
Als mir Jeshua nach der Auferstehung also erschien, befand er sich in seinem Ka, doch es war noch nicht stabil, denn er war noch nicht beim Vater gewesen – das heißt, er war noch nicht in dem Großen Geist seiner eigenen Seele gewesen. Bevor er das tun konnte, musste er das Tor des Todes durchschreiten und durch seine eigene Unterwelt reisen.
So wie ich es verstehe, tat er dies aus zwei Gründen. Zum einen war er eine Meisterseele, und solche Dinge zu tun verleiht dem Ka enorm viel Kraft. Zum anderen bahnte er einen Weg durch den Tod, auf dass andere ihm folgen könnten und einfacher durch die dunkle Welt hindurch kämen, indem sie der Spur seines Lichtes folgten. 
In jener Nacht, als wir uns das erste Mal wieder vereinten – ich spüre es immer noch lebendig, klar und deutlich – war mein Herz voller Freude darüber, wieder mit ihm zusammen zu sein. Er kam kurz vor Mitternacht und verließ mich vor dem Morgengrauen. In jenen Stunden lagen wir beisammen, unsere Ka-Körper waren vereint, und es gab nichts zu sagen. Wir kommunizierten telepathisch. Und ohne physische Sexualität vereinte sich die Schlangenkraft in ihm mit der Schlangenkraft in mir und kroch die heiligen Pfade entlang unsere Wirbelsäulen hinauf, zum Thron der Krone in unseren Köpfen und versetzte mich in reine Ekstase und Glückseligkeit. So ging es viele Jahre lang. Mehrmals im Jahr besuchte er mich auf diese Weise. Manchmal sprachen wir miteinander. Die meiste Zeit verbrachten wir in der Vereinigung.
Ich fragte ihn, wo er hinginge, wenn er nicht bei mir sei. Er sagte, dass er viele heilige Orte auf der Erde aufgesucht habe und vielen unterschiedlichen Menschen begegnet sei. Er sagte, dass er eine Spur des Lichtes auslegen würde.
Bei einem seiner Besuche bat ich ihn, mir dieses merkwürdige Konzept zu erklären.
Er zeichnete einen Kreis auf den Boden meiner Hütte, und dann zwei einander überschneidende Dreiecke, das Salomonsiegel, was zum Davidsstern wurde. Er sagte, dass es viele Länder gäbe, von denen wir hier, in unserem Teil der Welt, nichts wüssten. In vielen dieser Länder gäbe es Punkte, die mit den Spitzen des Salomonsiegels in Verbindung stünden. Indem er diese Gebiete aufsuchte, stellte er sicher, dass seine Arbeit tiefer in den Erdboden verwurzelt würde.

Von all seinen Besuchen erinnere ich mich am deutlichsten an jenen, als Sar’h gerade bei mir war.
Sie war schwanger geworden und wollte sich von mir segnen lassen. Ich war so glücklich, sie und ihre Reisegefährten zu sehen. Sie hatte mir durch die Druiden ihren Besuch ankündigen lassen, doch die Botschaft hatte mich erst am Tag vor ihrer Ankunft erreicht. Sie blieb drei Tage lang, und in der zweiten Nacht erschien Jeshua.
Ich weiß nicht, ob ihr begreift, wie merkwürdig das war. Sar’h war ihrem Vater nie begegnet und Jeshua nie seiner Tochter. Sie sahen sich hier zum ersten Mal! In seiner Auferstehung war der Körper ihres Vaters in einem Lichtblitz zu den Elementen zurückgekehrt, und er befand sich jetzt in seinem Ka-Körper, der ein einzigartiges Licht ausstrahlte.
Beide waren tief bewegt, Sar’h war zu Tränen gerührt und Jeshua hatte tiefes Mitgefühl. Sie verbrachten eine Stunde gemeinsam, nur sie beide, und gingen draußen spazieren. Ich weiß nicht, worüber sie sprachen, doch während der ganzen Zeit, die sie miteinander verbrachten, war der Himmel voller Sternschnuppen.
Bevor Jeshua, so wie immer, uns kurz vor der Morgendämmerung verließ, legte er seine Hände auf Sar’hs Bauch und segnete das Kind. Als Sar’h am nächsten Tag abreiste, war sie von einem tiefen Gefühl des Friedens erfüllt.
Ich habe euch nun alles, was ich von meinem Leben als Mutter mitteilen wollte, erzählt, so dass ich nun zu meiner Geschichte als Eingeweihte kommen kann, zu den alchemistischen Praktiken des Horus, zu den Geheimnissen der Isis.

Ich wende mich jetzt meiner geliebten Schwester zu, meiner geistigen Schwester, der Mutter von Jeshua, die auch als Maria bekannt ist.
Maria war eine hohe Eingeweihte des Isis-Kultes und in Ägypten ausgebildet. Deswegen flohen sie und Joseph vor dem Zorn des Königs in Israel nach Ägypten, denn sie war dort, bei den Priesterinnen und Priestern der Isis in Sicherheit. 
Ihre Ausbildung war anders als meine, doch wir dienten dem Gleichen. Um mein Verständnis von Maria zu erklären, muss ich eines der tiefsten Geheimnisse des Isis-Kultes enthüllen. Man glaubte, und ich halte es für wahr, dass unter bestimmten Bedingungen die Göttin selbst inkarniert, durch eine Geburt oder durch eine spirituelle Einweihung.
Als Maria, die Mutter von Jeshua, noch sehr jung war, erkannten die Hohepriesterinnen der Isis-Tempel sie an der Reinheit ihres Geistes. Sie wurde zur Eingeweihten ausgebildet und erreichte die höchsten Grade. Doch sie wurde nicht zur Priesterin ausgebildet, sondern zu dem, was wir ein »Inkarnat« nennen.
Ein Inkarnat muss eine hoch entwickelte Seele sein und muss sich einer enormen spirituellen Ausbildung und Disziplin unterziehen. In ihrer abschließenden Einweihung wurde Maria zur Hüterin eines direkten Energiestrahls der Isis. In dieser Hinsicht war sie eine Verkörperung der Kosmischen Mutter. Es war so, als ob es zwei gäbe: Maria als Mensch, reinen Geistes und Herzens, und Maria als Inkarnat, die in sich ein direktes Tor zur Großen Mutter hütete, zur Schöpferin aller Materie, aller Zeit und allen Raums.
So war alles vorbereitet, um ein Wesen mit bemerkenswerten Eigenschaften zu empfangen, das ihr Sohn werden würde, Jeshua.
Als Maria das erlebte, was die Kirche die Unbefleckte Empfängnis nennt, war sie Zeugin eines himmlischen und galaktischen Befruchtungsprozesses, bei dem das väterliche Prinzip oder der Geist, wie wir ihn im Isis-Kult kannten, seine Essenz auf Isis übertrug, die Mutter, die den Samen des Vaters empfängt – die Materie empfängt den Impuls des Geistes. Diese hoch entwickelte und mächtige geistige Energie verwurzelte sich in Marias Schoß und gebar Jeshua.
Maria befand sich bei den Aposteln, als sie zu mir an den Brunnen kamen. An dem goldenen Schlangen-Armband und an dem Siegel der Isis, das in meinem Ka-Körper leuchtete, erkannte sie in mir sofort die eingeweihte Schwester, denn Maria war hellsichtig und medial begabt.
Als Erstes begegnete mein Blick den Augen Jeshuas, und wie ich schon sagte, fühlte ich mich von seiner außerordentlichen Präsenz in andere Welten versetzt. Der zweite Mensch, dessen Blick dem meinen begegnete, war seine Mutter. In ihren Augen sah ich, dass sie mich erkannte und meinen Status als Miteingeweihte des Isis-Kultes anerkannte. Obwohl ihre Ausbildung nichts mit Sexualmagie zu tun gehabt hatte, war ihr klar, dass ich für Jeshua vorbereitet worden war.
Zwischen diesen beiden war mir, als ob ich auf den Schwingen transzendenter Liebe hoch empor gehoben würde. Ich spürte, wie mein Geist in großen Höhen schwebte.
Es war schon merkwürdig, dass mein Blick als nächstes den Augen der Jünger begegnete, die mich als Hure abstempelten, und seitdem haben mich zahllose Generationen als solche betrachtet.
Aber ich sage euch, in den Augen von Jeshua und seiner Mutter war ich keine Hure, sondern ein klares Gefäß für die heilenden und nährenden Kräfte der Isis selbst.
Im Leben eines Mannes, sei er menschlicher oder göttlicher Herkunft, kommt irgendwann der Zeitpunkt, da kann seine Mutter ihm nicht mehr die Essenz dessen geben, was er braucht. Ihre Liebe bleibt bestehen, doch er braucht Unterstützung durch eine andere Frau. Ich war diese Frau. 
Maria erkannte mich und meine Stellung, und in jenem Moment am Brunnen übergab sie mir ihren Sohn.
Maria und ich verbrachten viel Zeit miteinander, in der wir über Jeshuas Werk, seine Bedürfnisse und meinen Platz in seinem Leben sprachen. Es war klar, dass ich einer höheren Macht diente. Ich war dafür ausgebildet, doch ich muss euch sagen, dass die Erkenntnis dessen immer noch eine erschütternde Wirkung auf mich hat. Dass er mich erkannte, lässt mich immer noch erzittern.
In den vielen gemeinsamen Tagen und Nächten kümmerten Maria und ich uns um die Bedürfnisse Jeshuas und seiner Jünger, und wir kamen uns dabei sehr nahe, denn ich liebte sie, und ich liebe sie immer noch – wegen ihrer Schönheit, wegen der Reinheit ihres Herzens und ihres Geistes und wegen der Sanftmut, mit der sie handelte. 
Aus eigener Erkenntnis kann ich sagen, dass Maria, indem sie das Gefäß darstellte, in dem sich Isis inkarnierte, bereits eine hoch entwickelte Meisterin war, doch durch diesen Dienst wurden ihre Meisterschaft und ihre spirituelle Vollkommenheit einfach herrlich.
Sie existiert in den himmlischen Reichen, ihr Mitgefühl und ihre Liebe fließen ständig zu allen Menschen. Sie steht allen zur Verfügung, unabhängig von deren Glauben. Wer sie anruft, kann sich darauf verlassen, erhört zu werden.

Ich möchte nun meinen geistigen Hintergrund erläutern. Ich möchte über die sexuelle Magie des Isis-Kultes und die Alchemie des Horus sprechen. Ich möchte euch Geheimnisse enthüllen, die keine Eingeweihte je enthüllt hätte, auch nicht unter Todesgefahr. Doch die Zeiten haben sich geändert. 
Wie ihr wisst, wird die Zeit knapp, und die Göttin selbst hat mir erlaubt, ja, sie hat mich sogar gebeten, euch einige der bestgehüteten Geheimnisse aller Zeiten zu enthüllen. Sie werden euch enthüllt in der Hoffnung, dass ihr euch rechtzeitig erhöhen werdet.

Bei der Alchemie des Horus geht es um ein Wissen und um Methoden zur Veränderung des Ka-Körpers. Es heißt dabei, dass, während sich das Ka verkörpert beziehungsweise mehr Energie und Licht aufnimmt, das magnetische Feld einer Person stärker wird, und dass sich dadurch das, was auch immer sich die oder der Eingeweihte wünscht, rascher manifestiert.
Um sich seiner eigenen Himmlischen Seele, oder dem Ba, hinzugeben, wird jedoch jegliches persönliche Verlangen zwar nicht völlig aufgegeben, aber hintangestellt. Statt dessen schaut man sozusagen aufwärts, auf die eigenen höheren Fähigkeiten, die durch das Ba oder die Himmlische Seele sichtbar werden.
Diese Himmlische Seele, das Ba, existiert auf einer viel höheren Schwingungsebene als der physische Körper (Khat) oder als das Ka (der geistige oder ätherische Zwilling des physischen Körpers). Im Ka-Körper gibt es Kanäle, die stimuliert und geöffnet werden können. Die Aktivierung dieser geheimen Pfade in dem Ka verleiht ihm enorme zusätzliche Kraft. Die Alchemie des Horus dient zur Stärkung dieser Kanäle, zur Erweckung der latenten Kräfte und Fähigkeiten des Eingeweihten durch das, was Djed genannt wird, oder die aufsteigenden sieben Siegel, das, was die indischen Yogis und Yoginis als Chakren bezeichnen.
In der Schule, in der ich ausgebildet wurde, übten wir, die Schlangenkraft zu aktivieren, sie entlang bestimmter Kanäle in der Wirbelsäule zu leiten und Verbindungen im Gehirn zu öffnen. Daraus ging das hervor, was der Uräus genannt wird. 
Der Uräus ist meist ein blaues Feuer, das sich senkrecht und waagrecht über die Wirbelsäule ausbreitet, bis zum Gehirn, und es schwingt entsprechend den energetischen Veränderungen innerhalb dieser Kanäle. Die Aktivierung des Uräus erhöht das Potential des Gehirns für Intelligenz, für Kreativität und vor allem für Empfänglichkeit, denn die Aufgabe eines Eingeweihten ist es, die Qualität des eigenen Seins zu verwandeln, damit das Ba, die Himmlische Seele, klar und ungehindert empfangen werden kann.

Als ich Jeshua zum ersten Mal begegnete, bei jenem Brunnen, aktivierte einfach die Nähe zu ihm meine inneren alchemistischen Prozesse. Eine Schlangenkraft stieg in meiner Wirbelsäule auf, als hätte ich gerade die Übungen gemacht, die ich gelernt hatte.
In der ersten Nacht, in der wir zusammen allein waren, Arm in Arm nebeneinander liegend, praktizierten wir die Sexualmagie der Isis. Diese spezielle Form der Magie lädt den Ka-Körper durch den physischen Orgasmus mit immenser magnetischer Kraft auf, denn beim Orgasmus wird eine sehr große Menge an magnetischer Energie in den Zellen freigesetzt. Während sich diese Energie ausbreitet, setzt sie ein magnetisches Potential frei, das genutzt werden kann.
Ich möchte das gerne genauer erklären, doch dazu muss ich mehr von dem grundlegenden Wissen über Sexualität und spirituelle Erkenntnis erläutern, denn dieses Geheimnis wurde von der Kirche gestohlen.

Wenn ich als Eingeweihte der Isis mich mit Jeshua vereinte, dann hatte ich ganz bestimmte Kanäle in mir zu öffnen. Zu meinem Erstaunen merkte ich jedoch, dass sich viele dieser Kanäle in seiner Gegenwart spontan öffneten. Ich habe am Anfang dieser Geschichte erwähnt, wie ich als Frau erzitterte, wie ich mit meiner eigenen Leidenschaft und mit meinem Verlangen zu kämpfen hatte. Der Weg der Eingeweihten verwendet nämlich die Energie der Leidenschaft auf höchst spezifische Weise und darf sich davon nicht einfach hinreißen lassen. Für den alchemistischen Prozess muss diese Energie gesammelt werden, damit sie transformiert werden kann.
In sehr kurzer Zeit erreichten Jeshua und ich den Zustand, der »Vier Schlangen« genannt wird. Dieser tritt ein, wenn beide Partner die innere Alchemie des Horus so weit gemeistert haben, dass sie sowohl die solare und als auch die lunare Schlange in ihren Wirbelsäulen aktivieren können.
Hellsichtige können den zentralen Kanal sehen, der durch die Wirbelsäule verläuft. Links davon gibt es einen lunaren Kreislauf und rechts davon einen solaren. Die Yogis nennen sie Ida und Pingala.
Bei den alchemistischen Praktiken des Horus werden diese beide Ströme durch schlangenartige magnetische Felder aktiviert. 
Die lunare Schlange auf der linken Seite ist pechschwarz, die Farbe der Leerheit; in der Tat ist sie die Verkörperung der Leerheit und enthält als Schöpferin das Potential aller Dinge.
Die solare Schlange ist golden.
Ein Eingeweihter oder eine Eingeweihte lässt diese beiden Schlangen nach oben aufsteigen, wobei sie sich in den Chakren kreuzen und dabei jeweils die Seite wechseln. Bei den alchemistischen Praktiken des Horus kreuzen sich diese beiden Schlangen im fünften Siegel, dem Kehlchakra, und in allen darunter liegenden Siegeln.
Dann schauen sie sich an, ungefähr im Bereich der Zirbeldrüse, in der Mitte des Kopfes. Hier wird ein Kelch so visualisiert, dass die Zirbeldrüse an seinem Grund liegt.

Diese beiden Schlangen sind lebendig. Sie sind nicht statisch, sondern funkeln und vibrieren vor Energie, und das Schlängeln ihrer Körper im Ka aktiviert einen Zuwachs an magnetischem Potential. 
Es gibt bestimmte Übungen, über die ich später sprechen werde, an dieser Stelle möchte ich nur die Praxis der Vier Schlangen erörtern.

Als, wie ihr es nennt, Jeshua und ich uns liebten, brachten wir unsere Schlangen dazu, unsere Wirbelsäulen, unsere Djeds entlang aufzusteigen. Wir taten dies synchron, und in dem Augenblick, als wir gleichzeitig den Orgasmus hatten, wurde die Ladung aus den ersten Siegeln im Beckenbereich nach oben hin zum Thron geschickt, der sich im oberen Bereich des Kopfes befindet, und stimulierte dort die höheren Gehirnzentren. 
In diesem Augenblick sexueller Ekstase konzentrierten wir unsere Aufmerksamkeit ganz auf unsere Ka-Körper, denn das Ka wird durch Ekstase gestärkt. Ekstatische Zustände sind nährend und stärkend für den Ka-Körper, und wie ich schon sagte, macht dies das Ka magnetischer und stärkt die Anziehungskraft der Person für alles, was sie begehrt. 
Die Sexualmagie der Isis bezieht sich auf die, dem Wesen der Frau innewohnende Fähigkeit, magnetische Energien zur Erschließung tieferer Bewusstseinsebenen zu verwenden, indem sie sich den sexuellen Energien und dem Öffnen der Kanäle hingibt.
Wenn eine Frau, so wie ich von Jeshua, tief geliebt und anerkannt wird, dann entspannt sich etwas in ihrem tiefsten Sein und im Augenblick des Orgasmus kann ein unkontrollierbares Erschaudern stattfinden. Wenn sie sich sicher fühlt und sich diesem Zittern und Zucken ganz überlassen kann, öffnet sich ein riesiger magnetischer Strudel, dessen Mittelpunkt in ihrem Schoß liegt.
Zwei Eingeweihte, die sich der Sexualmagie der Isis widmen, können sich durch die Kraft dieses magnetischen Feldes stärken und ihr Bewusstsein rasch erweitern.
In den fortgeschrittenen Übungen der Sexualmagie der Isis bringt der Mann seine beiden Schlangen dazu, durch den Ka-Körper der Frau aufzusteigen und die Frau bringt ihre beiden Schlangen dazu, durch den Ka-Körper des Mannes aufzusteigen. Die Explosionskraft dieser Übung gleicht der, die von einer Atombombe freigesetzt wird. Die magnetischen Flutwellen können das Ka auf unvorstellbare Weise stärken – oder es zerstören, wenn die Übung nicht richtig praktiziert wird.
Jeshua führte diese fortgeschrittene Praxis in jener Nacht durch, bevor er in den Garten von Gethsemane ging. Der immense Zuwachs an magnetischem Potential in seinem Ka stärkte ihn für die schweren Aufgaben, die ihm in seiner abschließenden Initiation durch das Tor des Todes bevorstanden. Als sein physischer Körper sich in seine Elemente auflöste, konnte dies somit in einem Aufleuchten von Licht und Hitze geschehen – die Kirche nannte dies dann Auferstehung. Es war jedoch einfach die Auswirkung eines Prozesses, der viel tiefer in ihm stattfand und der durch den Magnetismus seines Ka-Körpers ausgelöst wurde, denn es war sein aufgeladenes Ka, mit dem er durch seine Unterwelt, durch den Tod selbst wanderte.
Während Jeshua und ich die Sexualmagie der Isis ausübten, wussten wir beide, dass es diesem Zweck diente.
Für ihn war jede Vereinigung mit mir ein Mittel, sein Ka zu stärken. Deswegen habe ich gesagt, er kam an meinen Brunnen, denn der Brunnen, den eine Eingeweihte einem Mann anbietet, ist ein nie versiegender Brunnen magnetischen Potentials. Er öffnet sich jedoch nur, wenn sich die Frau sicher und geliebt fühlt. Nur dann wirken die Übungen. Ohne den nährenden Urgrund der Liebe sind die Übungen einfach Techniken, die nicht zu dem benötigten oder erwünschten Ergebnis führen werden.
Ich war dabei sowohl Frau als auch Eingeweihte. Ich war jahrelang ausgebildet worden und kannte mich mit den Kanälen und Pfaden aus, doch zu meiner Überraschung fühlte ich mich als Frau völlig ergriffen.
Ich bemerkte, wie ich einen Blick oder eine Berührung von ihm kaum erwarten konnte. Die Zeiten, in denen wir allein waren, waren das Wertvollste, das ich je erlebt hatte. Seine Berührung, sein Blick, einfach wie er sich anfühlte, brachte etwas in mir dazu, sich zu öffnen, und ich musste manchmal über mich selber lachen.
Ich, die ich in den geheimsten Praktiken der Isis ausgebildet war –  meine Lehrerinnen waren der Ansicht, ich sei weit fortgeschritten – diese Eingeweihte stellte fest, dass sie als Frau eine Anfängerin war.
Denn ich sage euch jetzt, dass im Herzen, im Verstand und in der Körperweisheit des Weiblichen einige der größten Geheimnisse und Kräfte ruhen, die darauf warten entdeckt zu werden.
Und sie offenbaren sich alle durch die gegenseitige Berührung! 
Wenn ich von Jeshua spreche, werde ich jedes Mal wieder von meiner Liebe und meinen Gefühlen überwältigt, die ich durch alle Zeiten für ihn empfinde.

Die Sexualmagie der Isis beruht auf der Erkenntnis, dass das weibliche Prinzip von seinem Wesen her, besonders als sexuelles Wesen, einen alchemistischen Schlüssel enthält. Dieser Schlüssel offenbart sich durch das, was ihr geschlechtliche Liebe nennt. Wird er stark genug aktiviert, dann treten die alchemistischen Prozesse des Horus spontan hervor.
In meiner Ausbildung ging man davon aus, dass es, alchemistisch gesprochen, zwei Wege zu demselben Ziel gibt.
Die Alchemie des Horus war die Grundlage bei beiden alchemistischen Wegen oder Übungswegen, da die gleichen Pfade als Basis dienten. Wer sich nicht auf eine Partnerschaft einlassen wollte, dem boten die alchemistischen Übungen des Horus eine Möglichkeit, den Ka-Körper zu stärken und zu aktivieren, um die Ebenen für hohe Einweihungen zu erreichen.

Denjenigen, die sich in einer Partnerschaft befanden, bot die sexuelle Magie der Isis die Flügel, auf denen sie sich den Djed hinauf zum Thron des höchsten Bewusstseins schwingen konnten.
Aus meiner jetzigen Sicht finde ich es äußerst tragisch, dass die Geheimnisse und die Heiligkeit unserer Sexualität von der Kirche, von den Kirchenvätern, als böse verteufelt wurden. Fast zweitausend Jahre lang wurde einer der kraftvollsten und schnellsten Wege zur Gotteserkenntnis als falsch hingestellt.
Und ich finde es wirklich eine Ironie, dass die Kirche eine Sünde daraus gemacht hat – zum Schrecken all jener, die vielleicht zufällig darauf gekommen sind.

Viele halten Jeshuas Wunder für etwas sehr Außergewöhnliches, doch aus der Sicht eines Eingeweihten sind sie einfach der Ausdruck – der natürliche Ausdruck – der Fähigkeiten des Bewusstseins. Sie sind ein Zeichen. Es gibt Gründe für Wunder, und ich möchte sie aus der Sicht des Wissens der Eingeweihten, über das Jeshua und ich verfügten, darlegen.
Als ich Jeshua begegnete, zeigte er bereits die Zeichen. Die Ebene seiner Schöpfungskraft war sehr hoch.
Meine Aufgabe bestand darin, ihm zu helfen, seinen Ka-Körper für seine abschließende Initiation durch das Tor des Todes zum erhabenen Gott Horus zu stärken. Wie gesagt, geschah dies durch die Sexualmagie der Isis und die alchemistischen Praktiken des Horus. 
Von all den Wundern Jeshuas, deren Zeugin ich war, ist mir das mit dem Brot und den Fischen das liebste.
Es war an einem langen, heißen Tag. Die Jünger, Maria und ich waren dem Meister wie immer gefolgt. Eine große Menschenmenge hatte sich versammelt und lauschte auf jedes Wort, das der Meister sprach. Wir alle waren von seiner Vision und Ausdrucksstärke hingerissen.
Es schien mehrere Stunden lang so, als ob wir in den Himmel gehoben würden, und ich bemerkte, dass Jeshuas Ka sich derart erweitert hatte, dass es alle umfasste – ein weiteres Zeichen.
Als er seine Rede beendete, war es bereits später Nachmittag, und in seinem Mitgefühl bat er, man solle Essen sammeln und verteilen, denn er wusste, dass der Heimweg für manche mehrere Tage dauern würde. 
Die Jünger, Maria und ich sowie ein paar andere aus der Menge begannen, das an Lebensmitteln einzusammeln, was da war.
Doch es kam nicht mehr zusammen als ein paar Fische und ein paar Laibe Brot. Längst nicht genug.
So wurde ich Zeugin eines außergewöhnlichen Ereignisses. Jeshua ging nach Innen und schloss seine Augen. Ich konnte die Absicht seines Gebetes spüren, auch wenn ich seine Worte nicht hörte. Mit hellsichtigem Blick sah ich, wie ein Licht den Djed seiner Wirbelsäule entlang aufstieg, aus seinem Kronen-Chakra hervorbrach und weiter stieg zu seinem Ba, seiner Himmlischen Seele. Dann floss eine Energie herab, wie als Antwort auf seine Bitte. Er legte seine Hände über die zwei kleinen Körbe und begann, Brot und Fisch zu verteilen. Er brach sie in Stücke, die er persönlich an alle verteilte. 
Es war höchst bemerkenswert: Mehr als tausend Menschen wurden verköstigt und weder Brot noch Fisch gingen zur Neige. Als er die Menge gespeist hatte, gab Jeshua den Jüngern, Maria und mir noch davon, und das Brot hatte den süßesten Geschmack und die Fische ein so köstliches Aroma, wie ich es nie wieder schmeckte. 
Solche Wunder waren für einen Meister von Jeshuas Format nur natürlich, und aus der Sicht der Eingeweihten liegen solche Wunder für jeden, der das dazu Notwendige übt, im Bereich des Möglichen.

Jeshua verwendete oft den Satz: »Ich und der Vater sind eins.« Dies hat zu großen Fehlinterpretationen geführt. Aus der Sicht eines Eingeweihten ist »Vater« einfach ein anderes Wort für »Geist«. Jeshua wies mit diesen Worten also darauf hin, dass er mit seinem Geist eins sei, und dass das die Grundlage der Wunder sei. 
So wechselte er zwischen zwei Vorstellungen hin und her, über die die Evangelien in ihrer eigenen eingeschränkten Art berichten.
Einerseits sagte Jeshua manchmal: »Ich und der Vater sind eins«, und zu anderen Zeiten sagte er: »Ohne meinen Vater vermag ich nichts«. Das sind die beiden Pole, die sich durch den Einweihungsprozess ergeben. Der Eingeweihte pendelt hin und her zwischen der Kraft und Überzeugung seiner Verbindung zur Geist-Quelle einerseits und dem Geisteszustand andererseits, in dem er erkennt, dass er nichts ist und ohne den Geist nichts vermag. 
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