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Das Kuscheltiergeheimnis

Inhalt

Kapitel 1: Wie alles begann

Kapitel 2: Törö und ich

Kapitel 3: Wer nicht hören will, muss fühlen

Kapitel 4: Kleine Tricks

Kapitel 5: Das große Fest

Kapitel 6: Diebe im Kindergarten

Kapitel 7: Törö als Detektiv

Kapitel 8: Malte und Mümmel

Kapitel 9: Der Jahrmarkt

Kapitel 10: Das geteilte Geheimnis

Kapitel 11: Der verrückte Professor

Kapitel 12: Vorbereitung ist alles

Kapitel 13: Ehrlich währt am längsten

Kapitel 1

Wie alles begann

Hallo liebe Leser, habt ihr es euch auch richtig gemütlich gemacht? Mit Kissen und Decken und allem, was dazu gehört und vor allem: mit eurem Lieblingskuscheltier? Na prima, dann kann es ja losgehen.

Zuerst will ich euch einmal sagen, wer ich überhaupt bin. Schließlich gehört sich das ja so, sagt Mama immer. Mein Name ist Jannis Zacharias und ich bin jetzt sechs Jahre alt. Ich lebe mit meinen Eltern Paul und Thea in einem kleinen Ort, aber ich nenne meine Eltern natürlich Papa und Mama. Ich habe blonde strubblige Haare, die in alle Richtungen wachsen, blaue Augen und eine Brille. Wir wohnen in einem wunderschönen kleinen Haus, das die Farbe eines Rühreis hat. Na ja, nicht ganz wie Rührei. Mama sagt immer, es hat eine Farbe, die Eierschalenton heißt, aber Eierschalen sind doch meistens weiß oder braun und das ist unser Haus ja gar nicht. Unser Haus liegt in einer Seitenstraße, wo nicht so viele Autos fahren, sodass ich auf der Straße immer Fahrrad fahren oder mit Kreide malen kann. Hinter unserem Haus ist ein wunderschöner Garten mit vier alten Apfelbäumen und vielen Blumen und Büschen, die im Sommer in den schönsten Farben blühen. Doch das Schönste in unserem Garten ist mein kleines Spielhaus. Das habe ich mit meinem Papa letztes Jahr im Sommer gebaut. Es ist blau und hat eine weiße Tür und ein weißes Fenster. Vor meinem Spielhaus ist eine richtige kleine Terrasse. Auf der habe ich eine kleine Bank stehen, die auch blau-weiß ist.

In unserem richtigen Haus habe ich natürlich auch ein Zimmer, ich kann ja schlecht im Garten schlafen. Na gut, einmal wollte ich das, weil ich wegen irgendetwas sauer auf Mama und Papa war, aber in meinem Spielhaus schlafen durfte ich trotzdem nicht.

Eigentlich bin ich ein ganz normaler Junge, wenn da nicht diese … na ja, diese eine Sache wäre. Und eigentlich wollte ich euch auch gar nichts davon erzählen, weil ich gedacht habe, ihr glaubt mir sowieso nicht. So, als ob euch jemand sagen würde, dass es morgen blaue Nudeln zum Mittagessen gibt oder jemand einen rosa Esel gesehen hat, das glaubt man ja auch nicht, denn so etwas gibt es ja auch gar nicht.

Es begann letztes Jahr im Sommer. Papa und ich hatten an dem Tag mein Spielhaus zusammen fertiggebaut. Es war ein wunderschöner sonniger Tag. Wir wollten noch den Grill anmachen. Ich bin noch schnell in mein Zimmer gelaufen, denn ich habe einen Spielzeuggrill, den ich holen wollte. Der ist wie ein echter Grill mit Geräuschen, wenn man etwas drauf legt. Papa machte in der Zeit den großen Grill an und Mama war in der Küche und machte einen Salat.

Ich musste meinen Grill erst suchen, aber in einer Ecke meines Zimmers, unter allem möglichen Kram, fand ich ihn schließlich. Aber er hing an meiner Kugelbahn fest und erst als ich mit aller Kraft zog, bekam ich ihn schließlich frei. Doch ich rutschte mit meinen Händen ab und mit lautem Scheppern flog der Deckel von meinem Grill, an dem ich gezogen hatte, ab und ich landete auf meinem Popo.

Autsch!

Ich rieb mir den Hintern und stand wieder auf.

»Alles in Ordnung, Jannis?«, rief meine Mama von unten aus der Küche.

»Jaaahaaa«, rief ich laut zurück und war ein wenig sauer. Wie das eben so ist, wenn man sich erschrocken hat und auf dem Hosenboden gelandet ist.

Doch was war das? Wieso stand denn mein Törö auf einmal neben mir? Der müsste doch in meinem Bett liegen? Ich habe ein Hochbett, müsst ihr wissen, in das klettere ich jeden Abend über eine kleine Leiter hinein. Es ist weiß und hat so etwas wie einen kleinen Zaun drum herum, damit ich nachts nicht rausfallen kann. Ach so, ich muss euch ja erst mal sagen, wer Törö ist: Das ist mein absolutes Lieblingskuscheltier. Törö ist ein kleiner grauer Elefant mit tapsigen großen Füßen, in denen so ein raschelndes Zeug ist, so ähnlich wie Reis, sodass die Füße schwerer sind und er stehen bleibt. Er hat große aufgenähte Augen und noch größere Ohren. Und er hat einen Schwanz aus einer Kordel, die sich am Ende kringelt wie bei einem Schweinchen. Stoßzähne hat er leider nur ganz kleine, aber er ist ja auch ein ganz kleiner Elefant. Von der Seite betrachtet ist er fast rund und wenn man ihn ansieht, dann guckt er immer ganz lieb zurück, als ob er alles verstehen würde, was man ihm sagt. Wenn ich traurig bin, dann trocknet er mit seinem weichen Rüssel meine Tränen, und wenn ich fröhlich bin, dann sieht es so aus, als wäre er es auch. Ich nehm ihn überall mit hin und passe auch immer sehr gut auf ihn auf. Deswegen hat es mich so gewundert, dass er auf einmal neben mir stand.

Ich rieb mir noch mal über meinen Hintern, der noch etwas weh tat, und warf Törö wieder in mein Hochbett. Komisch. Von alleine kann er dort doch nicht runtergekommen sein?

»Jannis! Essen ist fertig, komm bitte«, rief Mama von unten.

»Jaaahaaa, ich komme.«

Ein letztes Mal schaute ich auf den Boden neben mich und dann aufs Bett, in dem Törö nun wieder lag. Ich schüttelte den Kopf. Vielleicht hatte ich ihn auf den Boden gesetzt, als ich heute Morgen mit meinem Piratenschiff gespielt hatte? So wird es gewesen sein.

Ich schnappte mir meinen Spielzeuggrill und ging nach unten.

Weil es draußen so schön war, konnten wir draußen essen. Draußen schmeckt es eben gleich doppelt so gut.

Nach dem Essen kam mein bester Freund Lennard mit seinen Eltern vorbei. Lennard hat schwarze Haare und ist etwas größer als ich. Wir machen alles zusammen. Das Gute ist, dass unsere Eltern auch befreundet sind. Das ist spitze, sag' ich euch. Wir spielten noch bis es dunkel wurde und ich durfte ausnahmsweise länger aufbleiben, weil es nämlich Freitag war und am Samstag war ja kein Kindergarten. Wir spielten Pirat und mein Spielhaus war unser Piratenschiff. Mal war ich der Kapitän und Lennard der Matrose, mal umgekehrt. Aus Luftballons machten wir uns Wasserbomben und bewarfen unsere unsichtbaren Feinde damit.

»Jannis, es wird Zeit. Fünf Minuten noch, dann geht es ins Bett!«, rief Mama schließlich.

»Neeeiiin, ich will aber noch nicht«, rief ich zurück. Menno, immer wenn es am meisten Spaß macht, muss man ins Bett. Das ist doch unfair und gemein.

Ich wollte noch nicht ins Bett. Wir mussten doch noch die anderen Piraten besiegen und deren Schiff entern und den Schatz finden und und und und … all das andere Zeugs, was Piraten eben so machen müssen.

»Jannis, ich möchte jetzt nicht mit dir diskutieren. Lennard muss jetzt auch gehen. Sag Tschüss und dann komm bitte hoch ins Bad.« Sauer warf ich die letzte Wasserbombe so hoch ich nur konnte in die Luft. Mit einem lauten Platsch platzte sie auf das Dach von meinem Spielhaus, sodass das Wasser daran herunterlief, als ob es in Strömen geregnet hätte. Missmutig verabschiedete ich mich von Lennard, der auch nicht gerade begeistert aussah.

Mies gelaunt wie ein echter Pirat ging ich ins Haus und mit so viel Gepolter, wie ich nur konnte, stapfte ich die Treppe nach oben ins Bad, wo meine Mama schon wartete.

»So, du Pirat, jetzt geht es ab ins Bett. Aber vorher wird noch kurz geduscht. Und die Zähne werden geputzt, sonst hast du demnächst Piraten im Mund und die klauen dir die Zähne«, sagte Mama und steckte mir die Zahnbürste in den Mund.

»Dasch isch mir dosch egal. Isch wollte noch schpielen und nosch nisch insch Bett«, nuschelte ich mit dem Mund voller Zahnpastaschaum.

Doch es nützte nichts. Nach dem Zähneputzen musste ich noch unter die Dusche und fünf Minuten später lag ich im Bett und Mama deckte mich zu.

»Noch eine Geschichte Mama«, fiel mir gerade noch ein.

»Aber nur eine ganz kurze, es ist schon spät, Jannis. Eigentlich müsstest du schon längst schlafen. Das war ja heute eine Ausnahme, dass du so lange aufbleiben durftest.« Sie hielt zwei Bücher hoch.

»Feuerwehr oder Baustelle?.«

»Ähm … das Baustellenbuch.«

Weitere fünf Minuten später klappte meine Mama das Buch zu, gab mir einen Gutenachtkuss und streichelte mir noch einmal über den Kopf. »Schlaf gut mein Schatz.«

Gerade als sie das Licht ausgemacht hatte und die Tür schließen wollte, rief ich: »Mama, ich kann Törö nicht finden.«

Mama machte das Licht wieder an. »Wo hast du ihn denn zuletzt gesehen?«

»Ich hab ihn eben auf mein Bett geworfen, als ich den Grill rausgeholt habe und auf den Popo gefallen bin.«

»Dann muss er auch im Bett sein. Aber kein Wunder, dass du ihn nicht findest, bei dem ganzen Kram, den du in deinem Bett hast.« Wir durchwühlten gemeinsam mein Bett. Da waren neben Kissen und Bettdecke noch Taschentücher, Socken, zwei Teddybären, ein Hase und mein tragbarer CD-Spieler, mit dem ich manchmal noch Geschichten hören durfte. Aber kein Törö.

»Schatz, wir suchen ihn morgen, ja? Ich bin mir sicher, er ist hier irgendwo. Aber jetzt ist es schon spät und es wird geschlafen. Kuschel mit deinen Teddybären, die freuen sich auch, wenn du sie mal in den Arm nimmst.«

»Aber Mama, das ist doch nicht dasselbe. Ohne meinen Törö kann ich nicht einschlafen«, jammerte ich mit Tränen in den Augen.

»Jannis, jetzt ist es gut. Es ist ja nicht so, dass er weg wäre. Er ist hier im Zimmer und wir suchen ihn morgen. Und jetzt schlaf. Gute Nacht. Ich hab dich lieb.«

»Menno!«, sagte ich frustriert und zog mir die Decke über den Kopf.

So ein Mist. Erst musste ich ins Bett, obwohl ich noch nicht wollte, und dann war auch noch mein Törö weg. Wie gemein. Ich konnte meine Tränen nicht unterdrücken und ein paar kullerten mir die Wangen hinunter. Wo war Törö? Sonst wischte er die Tränen immer mit seinem Rüssel weg und tröstete mich.

Frustriert wischte ich mir mit der Bettdecke über das Gesicht. Ich brauchte ein Taschentuch, denn meine Nase lief jetzt auch noch.

Genervt von allem, was passiert war, machte ich das kleine Licht an meinem Bett an und schnäuzte mich erst mal. Im Schein der kleinen Lampe saß ich in meinem Bett und schluchzte noch einmal ganz bitterlich.

Plötzlich hörte ich ein Rascheln. Sofort vergaß ich weiter zu weinen und lauschte angestrengt. Was war das? Meine kleine Lampe war gerade so hell, dass ich alles in meinem Zimmer erkennen konnte, aber ich hatte nichts gesehen, nur etwas gehört. – Da war es schon wieder. Es klang, als ob wenn man Sand in einer Dose schüttelt. Da! Noch mal!

Leise kletterte ich aus meinem Bett. Jetzt war ich neugierig.

Von unten hörte ich den Fernseher meiner Eltern, die eine Spielshow guckten. Ich musste leise sein, denn man konnte unten hören, wenn ich oben durch mein Zimmer lief. Meine Zimmertür war nur angelehnt und in unserem Treppenhaus war keine weitere Tür.

Ich stand mitten in meinem Zimmer und lauschte so angestrengt ich nur konnte. Angst hatte ich nicht, denn Mama und Papa haben mir immer gesagt, dass ich keine Angst zu haben brauche, auch wenn es dunkel ist, weil es dazu keinen Grund gibt.

Und wieder raschelte es. Es kam aus der Ecke, wo der Grill gestanden hatte; neben meinem Schrank. Leise ging ich zur Tür und machte das große Licht an.

Nun hörte das Rascheln gar nicht mehr auf. Vorsichtig, damit man meine Schritte nicht hörte, ging ich zu der Ecke, aus der das Geräusch kam, und räumte die Kugelbahn zur Seite, an der der Grill hängengeblieben war. Die Kugelbahn war in einem Berg von Kleinkram eingegraben. Peng, peng, peng, fielen die Glasmurmeln aus ihr heraus und kullerten über den Boden. Dann wurde es still. Das Rascheln war weg und Mama und Papa hatten etwas gehört, denn der Ton vom Fernseher war plötzlich aus.

Stille.

»Jannis?«, rief Mama die Treppe hoch.

»Jaaa?«, rief ich zurück.

»Was machst du denn da noch? Du sollst doch schlafen. Ich will nicht noch mal hochkommen müssen.«

Jetzt hatte ich Herzklopfen. Wenn Mama jetzt hereinkam, gab es Ärger. Das große Licht war an und ich sand mitten im Zimmer.

»Ich … ich ich habe ein Taschentuch gebraucht. Meine Nase läuft und …äh … jetzt sind mir ein paar Murmeln runtergefallen.«.

»Was haben denn die Murmeln in deinem Bett zu suchen?«, fragte Papa von unten.

»Was? Weiß ich nicht. Ich hab keine Murmeln ins Bett getan. Höchstens Törö.«

»Jannis, Törö ist dein Kuscheltier, mehr aber auch nicht. Er hat bestimmt keine Murmeln in dein Bett gelegt. Und nein, du darfst nicht noch spielen, wenn Törö gleich wieder zu laut schnarchen sollte und du deswegen nicht schlafen kannst. Ich will keine von deinen erfundenen Geschichten hören.«

»Okay«, rief ich zurück.

Ich wartete noch einen Moment und bewegte mich nicht. Sicher ist sicher.

Dann war es wieder da, das Rascheln.

So leise ich konnte, schob ich den Berg aus Bahnschienen, Bauklötzen und allem möglichen Kram zur Seite, von dort kam das Geräusch. Ich sah meine Piratenflagge, die ich letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hatte. Doch in der Mitte der Flagge, die ungefähr so groß war wie eine kleine Decke, war eine Beule. Und diese Beule raschelte und rappelte – und vor allem: sie zitterte.

Ganz langsam griff ich nach einer Ecke der Flagge und überlegte kurz, dann zog ich mit einem schnellen Ruck die Flagge zur Seite. Und dann sah ich ihn.

Unter der Flagge stand, zitternd und raschelnd, mein Törö. Ich bekam den Mund kaum zu. »Ich wusste gar nicht, dass du batteriebetrieben bist und zittern kannst, Törö«, flüsterte ich endlich. Vorsichtig lehnte ich mich nach vorne über den Berg Spielzeug und wollte Törö nehmen.

Und dann passierte es: Er lief zur Seite.

Ich glaube, ich habe ausgesehen, als hätte ich einen echten Piratenschatz gefunden. Ich brachte kein Wort heraus. Wieso konnte Törö laufen und … wieso lief er vor mir weg? Er war doch ein Kuscheltier und Kuscheltiere können weder laufen noch zittern noch rascheln noch … eigentlich können Kuscheltiere gar nichts, außer kuscheln.

Doch Törö war gelaufen. Und zwar vor mir weg. Unter den Schrank.

Ich legte mich flach auf den Boden. Wenn er schon laufen konnte und zitterte, dann konnte er mich vielleicht auch verstehen. Und es sah so aus, als ob er vor irgendwas Angst hätte.

Von unten hörte ich immer noch den Fernseher. Anscheinend war gerade Werbung, denn ich hörte Schritte. Jemand holte sich etwas aus der Küche. Das war bestimmt Mama. Hoffentlich kam sie nicht mehr nach oben, um nach mir zu sehen. Schnell stand ich auf und machte das Licht aus. Neben der Tür blieb ich stehen.

Dann hörte ich Schritte auf der Treppe. So ein Mist. Unter der Tür hindurch konnte ich sehen, dass im Flur das Licht anging. Die zwei sich bewegenden Schatten mussten die Beine von Papa sein, die sich meiner Tür näherten.

Ich hielt die Luft an.

»Törö, das ist deine Schuld, wenn ich jetzt Ärger kriege«, flüsterte ich kaum hörbar.

Wie auf Kommando begann es unter dem Schrank wieder zu rascheln.

Die Schatten hielten vor meiner Tür an. Papa stand davor. Einen langen Moment später ging er jedoch wieder. Ich konnte die Tür zum Badezimmer hören. Anscheinend zog er sich schon einmal seinen Schlafanzug an. Kurz darauf konnte ich hören, wie Papa wieder die Treppe hinunterging.

Puh!, dachte ich. Das war ja knapp.

Leise machte ich das Licht wieder an.

Das Rascheln und Zittern wurde immer lauter. Jetzt klapperte es auch noch. Ich legte mich wieder flach auf den Boden und den Kopf auf die Seite, um unter den Schrank sehen zu können, aber ich konnte nichts erkennen, es war einfach noch zu dunkel unterm Schrank.

»Törö, komm da raus«, flüsterte ich.

Doch er kam nicht. Stattdessen zitterte und raschelte und klapperte es immer weiter.

Leise pirschte ich mich zu meinem Bett und nahm mir meine kleine Lampe, denn die hatte eine Batterie und hing mit einer Kordel am Bett.

Wieder legte ich mich flach auf den Boden leuchtete unter meinen Schrank. Ganz eng an die Wand gedrückt stand Törö ganz ängstlich da, voller Flusen. Er hatte einen Bauklotz zwischen Rüssel und Vorderbeine geklemmt, mit dem er unaufhörlich klapperte. Es sah aus … ja, es sah aus, als würde er denken, dass der Bauklotz ihn beschützte. Mit seinem Kopf und Rücken klopfte er zudem mit jedem Zittern unter den Schrank, was zusätzlich Krach machte.

»Törö, nun komm doch endlich da heraus, sonst hören uns Mama und Papa noch und es gibt richtig Ärger. Und wenn du so einen Krach machst, kann ich so wieso nicht schlafen! Wovor hast du denn Angst? Und wieso bist du denn auf einmal lebendig? Oder bist du doch nur batteriebetrieben und ich hab es nur nicht gewusst?«

Aus seinen großen lieben Augen sah mich Törö nur ganz verstört an und hielt sich so doll er konnte mit seinem Rüssel an dem Bauklotz fest.

»Dann geh ich jetzt eben ins Bett und kuschel mit meinen Teddybären. Klapper doch, so lange du willst! Ich bin nämlich müde!«

Das war natürlich gelogen. Ich war kein bisschen müde. Wärt ihr etwa müde, wenn ein Kuscheltier lebendig wird? Na also. Ich auch nicht.

Auf einmal hörte ich ein leises Klack und das Rascheln hörte auf. Törö hatte den Bauklotz losgelassen und tapste langsam auf mich zu. Wenn er lief, hörte sich das so an, als ob man ganz kleine Sandsäcke auf den Boden fallen lässt. Schließlich guckte er vorsichtig unter dem Schrank hervor.

»Komm her. Ich bin es doch, Jannis«, sagte ich leise.

Einen Moment lang hielt er noch inne, dann spurtete Törö los und sprang in meine Arme.

Das tat gut. Endlich konnte ich meinen Törö wieder in den Arm nehmen. Und er lebte! Er war nicht nur ein einfaches Kuscheltier, er war lebendig! Er fühlte sich an wie immer, mit seinem weichen Fell und seinen filzbezogenen tapsigen Füßen, aber er war lebendig! Es kam mir vor wie in einem Traum.

»Kommst du denn jetzt mit zur mir ins Bett, Törö? Kannst du mich denn auch verstehen?«, fragte ich voller Neugier.

Törö sah mich mit seinen Kulleraugen an, beugte den Rüssel nach oben und trötete leise. Es klang, als ob man einen Luftballon aufbläst und damit dann Geräusche macht, nur eben viel leiser.

»Das verstehe ich nicht Törö, kannst du nicht sprechen? Nur tröten?«

Törö sah mich entrüstet an und gab eine kurze Folge von Trötlauten von sich. Ich glaube, es sollte so etwas heißen wie: He, ich bin ein Elefant, natürlich kann ich nicht sprechen! Weißt du das etwa nicht? Natürlich wusste ich das, aber ich hatte noch nie ein lebendes Kuscheltier gesehen, also wusste ich im Moment eigentlich nicht so genau was ich wusste.

Leise stand ich mit Törö im Arm auf und ging zum Lichtschalter, als er wieder anfing zu zittern.

»Was ist denn? Wovor hast du denn Angst?«, fragte ich ihn.

Törö zeigte mit dem Rüssel auf die Piratenflagge.

»Ach, du hast vor der Fahne Angst?« Aber du hast dich doch unter ihr versteckt?

Dann fiel mir ein, dass die Flagge eigentlich am Fenster festgemacht war. Das hatte Mama aber zum Lüften aufgemacht, bevor ich ins Bett musste, und ist die Flagge dann wohl runtergerutscht und über Törö geweht worden. Ahaaa …!

»Das Piratenzeichen ist nur aufgemalt, siehst du?«, flüsterte ich und zeigte Törö die Flagge. »Siehst du?«

Ich machte nun endlich das Licht aus und nahm meinen immer noch ein wenig zitternden Törö mit ins Bett. Tausend Fragen kreisten durch meinen Kopf: Wieso war mein Törö lebendig und wieso hatte ich das nicht vorher bemerkt? Oder war das vielleicht alles nur ein Traum? Wenn ja, dann war es ein wunderschöner Traum, den ich nur zu gerne weiterträumen wollte.

Ich kuschelte mich ganz fest an meinen kleinen Elefanten und er sich an mich. Kurz bevor ich einschlief bemerkte ich noch, wie Törö den letzten Rest einer der Tränen von vorhin mit seinem Rüssel wegwischte. So wie er es immer tat.

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