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Das Kloster

Inhalt

„Personen“

„Erster Akt“

„Zweiter Akt“

„Dritter Akt“

„Vierter Akt“

Personen

Der Prior
Dom Balthasar
Dom Marc
Thomas
Dom Militien
Isebald
Theodul
Mönche
Gläubige, Volk

Erster Akt

Der Klostergarten. Regelmäßige Blumenbeete, Gesträuch, Lauben, eine Sonnenuhr. Rechts im Vordergrunde der Klostergang, links das romanische Eingangsportal zur Kapelle. Im Hintergrunde Mönche, die mit Kugeln spielen, Netze stricken und die Gartenwerkzeuge instand setzen. Einige von ihnen sitzen vorn auf einer Holzbank und disputieren.

Thomas

Ich sagte Euch doch: Gott kann nicht das Böse sein. Nun aber setzt die Furcht das Böse voraus. Warum also lehrt man: Die Furcht des Herrn ist aller Weisheit Anfang?

Dom Balthasar

Ihr grübelt zu viel!

Thomas

Die Frage ist wichtig. Beantwortet man sie falsch, so wird der ganze christliche Wandel falsch.

Dom Balthasar

Ich sage Euch, Ihr grübelt zu viel!

Dom Marc

Man soll Gott nicht fürchten, man soll ihn lieben.

Thomas

Ihr sprecht wie Basilides, der Erzketzer.

Dom Marc

Ich wie Basilides?

Thomas

Basilides sagt wortwörtlich, was Ihr behauptet.

Dom Marc

Der heilige Augustin sagt es ebenso.

Dom Militien

Dom Marc hat recht. Der heilige Augustin sagt wörtlich: »Liebe und tu, was du willst«.

Thomas

Oh, das ist nicht dasselbe. Der heilige Augustin verwirft nicht die Furcht. Man muss vielfältig sein in Gottes Verehrung, muss gleichzeitig zaghaft und zitternd und inbrunstvoll sein …

Dom Balthasar ungeduldig.

Ihr grübelt zu viel … Ihr grübelt zu viel …

Thomas

Ihr verkennt, mein Bruder, die grenzenlose Mannigfaltigkeit der göttlichen Naturen und Gestaltungen.

Dom Balthasar jäh.

Ich brenne für Gott in verzehrender Glut,

Und die nur versteh ich, die fast mit Wut

Ihn bekennen und lieben, als hätt ihre Seele

Zu seinem Preise nur einen Schrei,

Nur einen, doch einen starken und reinen,

Der heilig macht wie der Taufe Quell!

Ein Schweigen.

Gott will ja keine Deutelei,

Will nicht beschrieben sein und nicht gemessen

In Büchern, die von Hochmut überquellen.

Thomas

Schlicht ist dein Glaube wie die Blumen. Doch er streift

Nur eben an des Gotteswesens erste Schwelle.

In unsern neuen, geistig so erstarkten Zeiten

Verbreiten Gott nur einzig die, die für ihn streiten.

Balthasar heftig.

Gott ist um so mehr Gott, als man ihn nicht begreift.

Nur dann, wenn Liebe und der Glaube müde zagen,

Den Heiland nackt und blutend durch die Welt zu tragen,

Dann erst beginnt man, klug ihn zu beweisen,

Verzettelt Zeit und Kraft mit schwanken Hypothesen.

Er aber lacht, wenn solche Hirngespinste

Von List und Hochmut gierig ihn umkreisen.

Ein Greuel sind ihm diese Rechenkünste,

Die Schacher treiben und die seine Größe

Aus Wort und Zahlen klüglich auferstehen lassen.

Nein, Gott ist größer, als wir je erfassen,

Kein Senkblei taucht hinab in seine Tiefe,

An seiner Fülle schwinden alle Maße,

Und nur die Heiligen, die trunken in Ekstase

Voll Demut, Qual und Lust ihn brünstig riefen,

Gelangten manchmal wirklich an sein Herz.

Dom Militien

Das ist die Wahrheit!

Dom Marc überströmend auf Balthasar zutretend.

Mein Bruder, o mein Bruder!

Thomas wie überrascht.

Wahrlich, wir verdienten gezüchtigt und verworfen zu werden!

Zu den andern Mönchen sich wendend, die ihre Spiele unterbrochen haben und zuhören, ohne sich an der Diskussion zu beteiligen.

Dahin gelangten wir also seit dem heiligen Bonaventura und Thomas von Aquin!

Zu Dom Marc und Dom Militien.

Auch das sind Heilige, der euren wahrlich wert,

Diese Apostel, deren starke Stirn und Geister

Heiter und flammend glühten wie ein Gottesschwert.

In sicherm Denken sah ihr Herz die Flamme,

Um andre Seelen rein und mächtig zu begeistern,

Ihr Glauben grub aus der Vernunft den Samen,

Dom Balthasar

Lasst mich, o lasst!

Mein falscher Stolz muss hinab in den Kot,

Meine Sünde beugt mich, sie drängt mich und droht,

O ich sterbe, wenn du nicht Mitleid hast!

Dom Marc

Balthasar, bei unserer Freundschaft, erhebe dich!

Sieh mich doch an! Was ist dir geschehen?

Mein Meister bist du, dein Schüler ich!

Dom Balthasar aufstehend.

Ich wollte, dass alle in Demut mich vor dir sehen!

Dom Militien

Ein solches Beispiel ist groß und würdig und befestigt

durch seine Offenheit unsern Glauben an deine Inbrunst,

Bruder.

Dom Balthasar zu Dom Militien.

Du musst Erbarmen mit mir haben!

Dom Militien

Unser Gebet …

Dom Balthasar zu allen.

Ihr müsst unendliches Erbarmen mit mir haben …

Er entfernt sich, die Mönche bleiben überrascht zurück. Bald folgen ihm Dom Militien und Dom Marc und begleiten ihn durch das Portal. Sie verschwinden alle drei.

Thomas zu den Mönchen, die jeder mit seiner Arbeit beschäftigt sind.

Ist das nicht seltsam? So plötzlich wie ein Windstoß in eine solche Aufregung zu verfallen! Man spricht, man diskutiert, man beweist, und dieser erstaunliche Balthasar bricht plötzlich los und erzwingt einen solchen Ausbruch!

Isebald

Er ist gebieterisch und anmaßend! Er ist stürmisch und wild! Man glaubte, er stünde über uns allen, und plötzlich gibt er sich demütiger, schlichter und niedriger als der Geringste unter den Laienbrüdern … Niemand kennt sich in ihm aus!

Thomas

Meinst du? …

Isebald

Die Sicherheit des Klosters erfordert, dass dieser Mönch niemals sein Herr werde!

Thomas

Wer wird ihn dran hindern?

Isebald energisch.

Ich will alle Mönche dazu auffordern!

Thomas höhnisch.

Oh, die sind aus anderm Holz wie er. In seiner Gegenwart bleiben sie geduckt wie Geprügelte.

Isebald

Weil eben die Stunde noch nicht gekommen ist!

Thomas

Aber sie ist gekommen, seit er in diesem Kloster ist. Der Prior unterstützt Balthasar, weil er Herzog und Ritter ist, wie er selbst, wie Dom Marc, wie Dom Militien. Er stößt ihn mit seinen Greisenhänden an unsere Spitze. Seit zehn Jahren sehe ich das, bekämpfe ihn, arbeite ihm entgegen. Und ich will, dass ihr mir heute helft, und ihr bleibt reglos!

Ein Mönch

Niemals werden wir Balthasar anerkennen!

Thomas

So bekämpft ihn! Irgendeine Stimme sagt, dass die Taten zählen werden …

Isebald

Niemals wird Rom ihn uns aufzwingen.

Thomas

Dom Balthasar ist von erlauchtem Geschlechte,

Sein Name und seine Tugend verflechten

Sich zu einer gemeinsamen Flamme.

Er hat Herren zu Ahnen in seinem Stamme,

Und einer von ihnen,

Der einstmals von Kriegen und heißen Fahrten

Begütert zurück in die Heimat kam,

Gab alles, was er raubte und sparte,

Dem Kloster hier zu Eigen und Spende,

In dem nun wir dem Heilande dienen.

Ein Mönch

Ach, das ist eine alte Legende!

Thomas

Doch ist es genug, dass man sie glaubt!

Isebald träumerisch.

Wir andern, wir sind nur die Schreiber, die bürgerlichen Schreiber! Balthasar … Comte d‘Argonne, Duc de Rispaire …

Thomas

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