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Das Ich in mir

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© 2018 Tatjana Weiler

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback: 978-3-7469-4173-8
Hardcover: 978-3-7469-4174-5
e-Book: 978-3-7469-4175-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel

Prolog

Lagebericht

Herbergsuche

Allerheiligen

Lebensabschnitt neu

Navigationsfehler

2. Kapitel

Mini-mental-testing

Ida und die Männer

Bad Ischl

Auf den Schlag

Jubiläumsfeier

Das Opa Referat

Wandertag

Good morning, Dear!

3. Kapitel

Freunde

Mein Fest ohne mich

Am Dach der Welt

Stille

Dankeschön

Nachruf

1. Kapitel

Prolog

"Ida? Ida, bist du da?" fühle ich mich rufen, die Lider hochgezogen, die Stirn in Falten gelegt und den Mund zum Schreien bereit. Geöffnet um zu verkünden, bleibt er jedoch stumm.

Mein Name ist Georg. Ich bin Ehemann, Vater, Großvater, Freund, Sportler, Denker und in meinen vergangenen Jahren noch vieles mehr.

Mein momentanes Projekt: ich schwimme durch mein 72stes Lebensjahr. Oder besser gesagt, ich folge der Welle und lass mich treiben…

… an einen Ort namens Demenz…

Ich bin Georg. Dies ist meine Geschichte.

Dies ist die Geschichte meines Vaters.

Unser beider Verhältnis zueinander war ein inniges, die Zeit zu kurz. Meines Vaters Krankheit wurde mir ein Weg. Trotz aller Tragik und vieler geweinter Tränen ist keine Minute zu missen, die gemeinsam verbracht.

Die Worte, die hier in den Mund meines Papas gelegt wurden von mir, kommen aus meiner subjektiven Weise des Sehens, Erlebens und Erspürens und versuchen fühlen zu machen, wie die Welt in den letzten Jahren meines Vaters ausgesehen haben mag für ihn…

Lagebericht

Wann sie begann, meine Reise in dieses mir bislang völlig unbekannte Sein, ist rückblickend schwer zu sagen. Es waren verschiedene kurze Momente, Sequenzen, an denen ich - jetzt im Nachhinein betrachtet - die Anfangspunkte setzen würde.

Einer davon ereignete sich vor 7 Jahren, als Ida und ich Richtung Norden unterwegs waren. Nettes Städtchen, Rad dabei, sportlich wie eh und je und mit Leuten in der Gruppe, mit denen es sich angenehm unterhalten ließ. Diese Reise sollte zur Feier meiner Pensionierung der Start in einen Lebensabend voller Welterkundung, Entspannung und Muse für das Schöne sein. So der Plan von Ida und mir. Die Kinder waren schon längst - gut ausgebildet, in liebevollen Händen und fleißig - außer Haus, die Enkelkinder brachten ab und zu frischen Wind in unsere vier Wände und die Finanzen ließen einen wahrlich rosig anmutenden letzten Abschnitt meines Seins erahnen.

Der Plan war perfekt. Was eigentlich schon damals zu denken geben hätte sollen, denn, so meine Erfahrung, umso akribischer voraus organisiert, desto anders kommt es…

Herbergssuche

Da stand ich, plötzlich, ganz allein, ohne ein bekanntes Gesicht zu erspähen, ohne den geringsten Anhaltspunkt ob mein Weg nach links oder rechts zu gehen hatte. Ich stand und überlegte und dachte und wurde plötzlich nervös. Ich schien es nicht mehr zu wissen! Mein Kopf war leer und ich wurde panisch. Zigarillos fielen mir ein. Hatte ich welche in meiner Tasche? Wollte ich welche kaufen? Wohin sollte ich zurück? Hotel! Ich wollte in ein Hotel, schoss es mir plötzlich. Der Name war? Eine blaue Fassade mit weiß gerahmten Fenstern. Da vorne!Das Haus kam bekannt vor. Endlich schien wieder etwas zu funktionieren in meinen Gehirnwindungen, sie hatten – verzögert aber doch - Fahrt aufgenommen und führten mich direkt hinein ins "Hafenbräu", 3. Stock, Zimmer 312. Die Eingangstür zum Hotel stand geöffnet und hieß mich willkommen. Welch ein Glück, dachte ich mir, denn einen Schlüssel konnte ich in keiner meiner Taschen entdecken. Ich nahm den Lift, drückte den Knopf mit der 3, stieg aus und marschierte schnurstracks nach links. Ich nahm die Klinke der Tür 312 in meine rechte Hand, drückt sie nach unten… und fand das Zimmer unversperrt vor. Das kam mir etwas eigenartig vor, war ich doch einer jener Menschen, die vor dem Verlassen des Hauses zur Sicherheit dreimal nachkontrollierten, ob der Schlüssel auch wirklich mit mindestens zwei vollen, zugesperrten Umdrehungen im Schloss steckte. Sei´s drum, beruhigte ich mich, öffnete und betrat den Raum.

Was ich dort vorfand, ließ mich wie angewurzelt stehen bleiben. Zwei Männer, etwas jünger als ich, waren gerade dabei ihre Koffer auszupacken, der Fernseher lief mit lauter Musik und von Ida war weit und breit nichts zu sehen. Wo war Ida?

„Was zum Teufel machen Sie da!“ schrie ich in aller Aufregung und weiter „was haben Sie in meinem Zimmer zu suchen? Verschwinden Sie! Ida? Was haben Sie mit meiner Frau gemacht? Ida! Hier, packen Sie Ihre verdammten Koffer und hauen Sie endlich ab!“ Ich war rasend vor Wut, in absoluter Rage. Ich griff das erstbeste Hemd das am Bett lag und warf es in die offen stehende Reisetasche. Die zwei Männer standen nur da und verstanden Bahnhof. Ihre Augen glotzten mich riesengroß an, ihre Münder standen offen. Worte kamen keine. Drei volle Minuten war es totenstill. Bis, ja bis einer der zwei Herren plötzlich auf mich zu kam, mich am Arm packte und fragte: „Was meinen Sie? Das ist UNSER Zimmer. 312. „Hafenbräu“. Sie stehen gerade in dem Zimmer, das WIR für eine Woche gemietet haben Herr…“ „Puchner“, antwortete ich, vollkommen durcheinander und mit einem Kopf voll mit Blitzlichtgewitter.

Als nächstes erinnere ich mich daran, dass ich auf einem Stuhl saß, ein Glas mit eiskaltem Wasser in Händen hielt und Idas Stimme hinter mir vernahm.

Ida! Sie war wieder da! Jetzt wird alles gut, dachte ich und schloss vor Erleichterung die Augen.

Hotel „Hafenbräu“ war richtig. Unser Zimmer war es allerdings nicht. Nummer 312 eindeutig falsch, 213 wäre richtig gewesen, im 2., statt wie von mir gewählt im 3. Stock gelegen. Das kann passieren, dachte ich und Ida dachte das auch. Sie ist einfach großartig, so strukturiert und klar in allem was sie tut, so dermaßen schlau, dass ich mir manches Mal denke: was täte ich nur ohne sie…

Bei den beiden Männern, in deren Räumlichkeiten ich irrtümlich eingedrungen war, entschuldigte ich mich tags darauf vielmals, erklärte, dass wahrscheinlich die Sonne und die fremde Umgebung und dann hatte ich es ja auch eilig gehabt und …“Entschuldigung meine Herren. Ich bitte vielmals um Entschuldigung. So ein dummes Versehen aber auch. Wenn ich Ihnen als kleine Wiedergutmachung diese Flasche Wein überreichen dürfte…“

Das nächste Mal würde ich besser aufpassen, das hatte ich mir geschworen, stärker konzentrieren, genauer überlegen. Wahrscheinlich braucht mein Gehirn nur ein bisschen mehr an Fitnesstraining, so wie die Muskeln des restlichen Körpers auch. Ich würde ihn trainieren, meine Kopf, ab morgen. Das nahm ich mir fest vor, überreichte die Weinflasche, nahm Ida an der Hand und wir gingen zu Bett.

Die ersten Momente des Erspürens, dass irgendetwas nicht stimmte - im Kopf - obwohl belesen, ein Leben lang lernend, fit wie ein Turnschuh und stets auf ganzheitliche Gesundheit bedacht; zu bemerken, dass etwas vorging - dort oben in den Windungen des bislang höchst präzise arbeitenden Gehirns – diese Momente waren mit drückender Angst besetzt im Innen. Die Augenblicke des Realisierens dann, welche in den hellwachen Augen aufblitzten und mehr, beängstigten neben tief drinnen das Außen dazu…

…und die stummen Tränen sprachen das ihre…

Allerheiligen

Wie jedes Jahr zu Allerheiligen fuhren wir auch dieses Jahr zum nahegelegenen Friedhof im Stadtteil Hötting, um dort das Grab meiner Eltern mit neuen Blumen zu versorgen, Kerzen zu adaptieren und es für den Allerheiligenabend zurecht zu machen.

Mit zwei neuen Wachslichtern bepackt, legten wir auf dem Weg zum Friedhof noch einen Stopp beim örtlichen Blumengeschäft ein, um ein passendes Gesteck für den letzten Ruheplatz meiner Eltern zu besorgen. So wie meistens, fuhr auch diesmal wieder ich als Fahrer mit dem Auto, Ida saß neben mir. Zum Glück, ich war ihr sehr dankbar, denn schon bei der Einfahrt nach Innsbruck war ich mir nicht mehr sicher, ob wir kurz nach der Ortschaft Völs den rechten oder den linken Weg nehmen sollten. Es war, wie immer, viel los auf der Straße vor den Feiertagen. Kurz vor dem Kreisverkehr sah ich zu Ida und fragte etwas unsicher: „Wir fahren nach links?“ „Nein, Georg, nach rechts. Wir fahren nach rechts. Zum Friedhof, du weißt doch.“

Ich blinkte und fuhr weiter. Glücklicherweise fanden wir kaum zehn Meter von der Kirche entfernt einen Platz zum Parken. Beim Jugendzentrum gleich um die Ecke. Ich stellte das Auto ab, wir beluden uns mit den Kerzen und dem eingekauften Blumengesteck und machten uns auf den Weg zum Grab der Eltern. Ida ging vor, ich gleich hinter ihr. Welch friedlicher Ort, dachte ich mir und wie immer an Allerheiligen, kam ein Moment der Ruhe auf in mir beim Anblick der schön gepflegten Gräber und der Kerzen, die bereit standen, in Kürze ihren friedvollen Schein über den Garten der Endlichkeit zu legen.

Wir gruben die verblühten Blumen aus, stellten die abgebrannten Lichter zur Seite und brachten die mitgenommenen Sachen geordnet an, arrangierten liebevoll und verweilten anschließend noch einen Moment in Ruhe - im Andenken an meine Eltern.

Als es Zeit wurde zu gehen, packen wir sorgsam alles Werkzeug, sowie den Abfall zusammen, verstauten in den mitgebrachten Säcken und machten uns auf den Weg zurück zu unserem Auto. Diesmal ging ich voran. Der Friedhof kam mir plötzlich vor wie ein riesengroßes Labyrinth aus brennenden Kerzen, duftenden Blumenkränzen und unzähligen Grabsteinen. Alles schien gleich auszusehen. Jeder Weg den ich einschlug, schien in einer Sackgasse zu enden, immer weiter entfernt vom Eingang. „Ida?“ fragte ich. „Ja“, kam es zur Antwort. „Unser Auto steht…“, ich überlegte. Ida meinte: „Gleich neben dem Jugendzentrum, du weißt doch, links vom Friedhof!“ Natürlich! Links vom Friedhof gleich neben dem Haus der Jugend. In meinem Kopf arbeitete es.

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