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Das Groteske In der Erotischen Kunst

Hans-Jürgen Döpp

Das Groteske

In der Erotischen Kunst

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Die Groteske in der Erotischen Kunst

Es sind Tiere der Nacht, die das Haupt des schlafenden Mannes umschwirren: „El Sueňo de razón produce monstruos“. „Sueňo“ lässt sich mit „Schlaf“ übersetzen, aber auch mit „Traum“. Wir können übersetzen: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Aber auch: Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Ist es der Verlust an rationaler Kontrolle, der die Monster in der Fantasie hervorlockt? Oder sind diese Nachtgestalten gar dem Traum der Vernunft inhärent? Zeigen sie eine Dialektik der Aufklärung an?

Dieses 1799 entstandene Blatt von Goya bleibt in seiner Deutung ambivalent. In Goyas „Capricchios“ verbindet sich Sinnliches mit Übersinnlichem, Wirklichkeit mit Surrealität. Groteske Mischwesen brechen in die alltägliche Realität ein: Es entsteht ein Panoptikum des Verzerrten und Nie-Gesehenem, eine Gegen-Wirklichkeit, die doch zugleich den Zustand der Welt beschreibt.

Goya wusste, dass er mit diesen Blättern Kritik heraufbeschwor. Er entzog sich der drohenden Anklage der Inquisition und schenkte 1803 die Druckplatten und die restlichen Exemplare der Serie dem König für die Real Calcografia, wo sie sich heute noch befinden.

Früh hatte Goya die groteske Bildsprache des Zwiespaltes für sich entdeckt, ein anti-klassischer Stil, den er nach seiner Ertaubung weiter entwickelte. Wenn man ihn heute als „Wegbereiter der Moderne“ bezeichnet, muss man sich fragen, ob nicht die Moderne von Grund auf zwiespältig ist.

Seit Goya fiel die Wahl der Maler immer häufiger auf das Hässliche. Dieses wird zu einem Akt des Aufdeckens, der die Hüllen der Konvention abreißen soll. Schönheit dagegen wird nicht nur mit Ausdrucksleere und Maskenglätte gleichgesetzt, sie gerät in Verdacht, der Lebenslüge zu dienen. Hässlichkeit steht im Ruf der befreienden Klischee-Zerstörung: Sie bringt die ungeschminkte Wahrheit an den Tag und gibt den Blick auf die Fassaden der Konvention frei; sie entblößt, was Schönheit heuchlerisch verschweigt: die Macht der Triebe.

Blicken wir auf eine Zeitspanne von 200 Jahren zurück, so zeigt sich in der Groteske der dunkle, unheimliche Untergrund einer streng geordneten, helleren Welt. Es sind Bilder des Unter- und Abgründigen, Bilder von einer Dämonie, wie wir ihr nur in Träumen begegnen. Bilder, die metaphysische Meditationen hervorrufen über die abgründigen Kräfte, die die Welt heimsuchen.

Was ist eine „Groteske“?

In seinem „Lebenslauf“ (1921) sieht der Philosoph Mynona in der Groteske eine Sinngebung der Philosophie:

„Groteske Verzerrung ist die Kraft- und Belastungsprobe der seelischen Festigkeit, Umfänglichkeit und Elastizität, die Rechnungsprobe auf die Richtigkeit des metaphysischen Prinzips der schöpferischen Indifferenz polarer Observanz. Die wahre Ataraxie besteht nicht in der Abwesenheit, sondern im äquilibrierenden Kontrebalancement der seelischen Erschütterungen, in deren zur Wiege gewandeltem Erdbeben. Selbstverständlich sind diese Grotesken nur das spielerische Surrogat, der schattenhafte Vorspuk der paradiesisch unverzerrten, der seelischen Ungebrochenheit echt adäquaten Welt, des objektiven Ideals, das dem „Himmel in uns“ ebenbürtig antworten sollte“.

Bitte versuchen Sie nicht, diesen Satz zu verstehen: Er ist selbst grotesk! In Wahrheit sagt er, dass man sich über das Grotesk eben nur grotesk, alogisch und paradox äußern könne – wenn man ein echter Künstler der Groteske sei. Doch bleibt zu konstatieren, dass der Begriff des Grotesken sich nicht auf eine Formel festlegen lässt. –

Der Begriff führt zurück ins ausgehende 15. Jahrhundert, als man in den Ruinen des domus aurea, des Goldenen Hauses Kaiser Neros zu Rom, eine bildliche Ornamentik fand, die miteinander verflochtene Pflanzen, Tiere, Halbmenschen und Fabelwesen zeigte. Der Name ist abgeleitet von grotta = die Höhle, da man diese unterirdischen Räume irrtümlich für Grotten hielt. Wichtigsten Kennzeichen der Groteske ist das Monströse, entstanden aus der Vermengung der Bereiche, zugleich aber auch das Ungeordnete und Proportionslose.

Im 16.

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