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Raimund Wilhelmi

Das Glück des Fastens

Was mein Großvater Otto Buchinger schon wusste oder was wir gewinnen, wenn wir verzichten

Hoffmann und Campe

Meiner lieben Frau Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo, die ihr ganzes Leben für das Fasten gekämpft hat und die mir bei den medizinischen Passagen eine wertvolle Hilfe war

I Aufbruch

Jeder Anfang ist auf Künftiges gerichtet, eine beschwingende Zeit voller Zuversicht, in der sich ein ganzer Horizont an Möglichkeiten eröffnet. Einerseits. Nichts jedoch macht uns gleichzeitig solche Angst wie die Leere. Nichts verdrießt uns so wie ein gähnend leerer Kühlschrank oder ein leerer Teller. Doch ein leerer Teller ist viel mehr als ein Stück Geschirr. Und Fasten ist viel mehr als Verzicht. Es ist ein Versprechen darauf, die Fülle des Lebens zu erfahren, die wir eher erkennen, wenn wir mit einem gewissen Abstand auf sie schauen, am besten mit leerem Magen und klarem Geist. Erst in einem Zustand des Mangels erkennen wir die Bedeutung von »voll« und »leer«.

Wir leben, wie meine Frau, die bekannte Fastenärztin Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo sagt, in einer »Zeit, in der die überernährten Menschen die unterernährten Menschen in der Zahl überholt haben. Das ist verblüffend. So gilt es, beiden Pathologien Aufmerksamkeit zu schenken«. Ab einem Lebensalter von etwa sechzig Jahren nimmt die Häufigkeit von Krankheitsbildern wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herz- und Gelenkerkrankungen sowie Demenz, Parkinson und Krebs zu. Mit regelmäßigem Fasten gelingt es, diese Erkrankungen um bis zu zwanzig Jahre nach hinten zu verschieben. Durch die Erneuerung und Regeneration der Zellen nach dem Fasten können die Menschen auf diese Weise eine höhere Lebensqualität erreichen und bis ins Alter gesund bleiben. Die heutige Grundlagenforschung beweist, was die Menschheit seit über zweitausend Jahren intuitiv weiß: Unsere Gene können mit Nahrungsmangel und damit dem Fasten gut umgehen, aber nicht mit konstanter Überernährung. Die vorliegenden internationalen Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass im Grunde nichts dagegensteht, Fasten als Therapie in den Alltag der Menschen zu integrieren.

Mein Großvater Otto Buchinger hatte diese Vision schon vor vielen Jahren, und vielleicht ist es einfacher, als wir denken. Denn die Ahnung, dass uns etwas verloren geht, wenn Maßlosigkeit dominiert, ist nicht neu. Sämtliche Religionen gründen darauf, dass Mäßigung und ein bewusster Verzicht den Menschen dabei helfen, sich zu besinnen. Die Kulturtechnik des Fastens ist aber viel mehr als eine Negation, mehr als der Verzicht auf Nahrung. Sie macht nur unter der Prämisse Sinn, dass wir durch den Verzicht etwas gewinnen. Etwas, das von keiner Waage gemessen werden kann, aber dennoch Gewicht hat: Unser Verhältnis zum eigenen Selbst und zur Welt.

Der Großvater verordnete sich selbst 1914, noch einige Jahre vor seiner ersten Fastenkur: »Gier bekämpfen! Kein Fleisch genießen! Nur reine Suppen! Alkohol-, Nikotin- und Kaffee-Enthaltung! Nagt Hunger: dann etwas Obst. Knapp in kleinen Mengen und fletchernd essen (eine nach dem amerikanischen Schriftsteller Horace Fletcher benannte Methode, nach der jeder Bissen mindestens fünf Minuten gekaut werden sollte). Einmal täglich Dauerlauf! Gute Bücher lesen, große Gedanken, Betrachtungen, Andacht! Regelmäßiges Morgenfasten.« Damals, kurz nach Kriegsausbruch, tat er als Oberstabsarzt bei der Marine Dienst auf dem Panzerkreuzer Roon und war bereits heftig engagiert gegen die Alkoholexzesse in nächster Nähe und den Trinkzwang in der Offiziersmesse.

Manchmal ist der Auslöser einer Fastenkur tatsächlich ein ungesunder Lebensstil mit zu viel Essen, zu viel Alkohol, oftmals aber auch ein organisches Leiden. Mitunter ist es eine persönliche Krise, ein Karriereeinbruch, das Scheitern einer langjährigen Beziehung, der Verlust eines geliebten Menschen, gelegentlich auch nur ein viel zu lange erduldetes, diffuses Unwohlsein oder ganz schlicht ein anhaltendes Sodbrennen. Gleichwohl: Den Schritt aus einer solchen Situation heraus zu wagen (»ich kann nicht mehr«), verlangt Courage.

Oft kommen die Gäste hier völlig erschöpft an, gestresst, aber glücklich, dass sie da sind. Manche sind auffallend still, andere schwitzen, haben eine fahle Gesichtsfarbe, wirken verwirrt, wieder andere fangen bei der ärztlichen Erstuntersuchung an zu weinen. Die meisten haben verstanden, dass sie dringend etwas tun müssen, und trotzdem haben sie Angst, gerade, wenn sie das erste Mal da sind, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Sie können sich nicht vorstellen, ohne feste Nahrung zu überleben. Aber sie sagen sich, es muss etwas passieren, so kann es mit mir nicht weitergehen, und nehmen all ihren Mut zusammen.

Ein Blick in die Natur kann helfen. Sie ist ein Trost, oder wie der Großvater in seiner Schrift Zur Hygiene des inneren Menschen, die fast prophetisch heutige Erkenntnisse der modernen Biologie und Medizin vorwegnimmt, schreibt: »Die Natur ist ein ewig bereites Heilbad.«

Aber sie ist nicht nur das. Der Blick in die Natur hält für uns Menschen noch mehr bereit: Denn Fasten ist nicht nur eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit und seit jeher Bestandteil einer gelungenen Lebensführung, sondern auch etwas, das die Menschen sich von der Natur abschauen können: Fasten ist natürlich.

Dabei ist es medizinisch kein großer Angang. Fasten, so wie wir es hier in unserer Klinik anbieten, bedeutet nichts anderes als die Mobilisierung der Fettreserven. Durch ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm schont man das Muskeleiweiß. Die Folge ist eine Geweberegeneration. Die Erkenntnisse der Biogerontologen, Zellbiologen und Fastenforscher stützen sich auch auf Beobachtungen aus der Tierwelt: von Polarbären, Pinguinen oder Eichhörnchen und ihren »Fastenkuren« können wir Menschen lernen.

Meine Frau beginnt ihre Vorträge über unser Verständnis vom Fasten genau damit, um den Menschen die Angst zu nehmen: Die Natur fastet. Tiere fasten. Wir müssen nur genau hinsehen – nicht auf die Cover der Frauenzeitschriften, sondern einfach nur aus dem Fenster.

Nehmen wir die Jahreszeiten: Es gibt Zeiten der Fülle, das sind der Sommer und der Herbst. Alles gedeiht und blüht und schwelgt. Im Sommer lässt die Sonne Früchte wachsen, Beeren, Gurken, Tomaten und vielerlei anderes feines Gemüse aus dem Garten und vom Feld. Beim Besuch eines Bauernmarktes können wir uns gar nicht entscheiden, was wir essen wollen. Im Herbst werden Äpfel, Birnen, Trauben und Kernobst geerntet, das reife Getreide eingefahren und Pilze gesammelt. Wir essen, was wir können, und sammeln Fettpolster an. Dann sinken die Temperaturen kontinuierlich über den Winter bis zum Gefrierpunkt, manchmal auch deutlich darunter, und Flora und Fauna ruhen. Die Bäume sind kahl, viele Tiere halten Winterschlaf, und wir wären gut beraten, ebenfalls zu ruhen und von unseren Fettreserven zu zehren.

Stattdessen greifen wir jedoch in das weiterhin bunte Sortiment im Supermarkt und essen fröhlich weiter, als ob wir es nicht besser wüssten. Als hätten wir nicht genau für diese Zeit, in der wir mit weniger Nahrung auskommen könnten, Fettzellen als Reserve, aus denen unser kalorisches Defizit ausgeglichen werden könnte. Als ob wir nicht genau wüssten, dass nach dem Winter die Natur wieder aufwacht und der Frühling kommt mit seinen zarten Sprossen. Und gerade im Frühling, wenn wir unser »Fasten« schrittweise beenden sollten und uns langsam wieder richtig ernähren, kommt es wie in der Natur auch im menschlichen Körper zu einem kraftvollen Wiederaufbau junger Zellstrukturen, wie wir ihn sonst nur bei Kindern in der Wachstumsphase kennen.

Weil wir auf einem Planeten mit klimatisch bedingtem Jahreszeitenwechsel leben, besitzen wir genau wie die Tiere diese Anpassungsfähigkeit, brauchen sehr wenig und stocken auf, wenn genug Nahrung da ist. Unser Stoffwechsel stellt sich automatisch von äußerer Ernährung auf Energie aus den Fettdepots um.

Der Großvater hat all das geahnt, wenngleich er die wegweisenden Forschungen von Dr. Yvon Le Maho zum Thema Fasten noch nicht kennen konnte. Le Maho von der Universität Straßburg und Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften forscht seit über vierzig Jahren über Pinguine. Ganz besonders der Kaiserpinguin ist ein echter Fastenprofi. Er ernährt sich lediglich von Fisch und Krustentieren und fastet bis zu sechs Monate im Jahr. Um sich fortzupflanzen und zu seinem Brutplatz zu gelangen, muss er eine lange Wanderung ins Landesinnere bewältigen. Gut genährt begeben sich Weibchen und Männchen auf die Reise und leben nur mehr von ihren Reserven: Fett, Mikronährstoffe und auch etwas Eiweiß. Vorräte, die sie sehr sparsam verbrauchen. Während dieser Fastenzeit suchen sie ihre Partner und paaren sich. Nach fünf bis sechs Wochen legt das Weibchen ein Ei. Während des Fastens ein Ei aus der eigenen Körpersubstanz zu produzieren, das etwa vierhundert Gramm wiegt, zeigt, wie leistungsfähig ein fastender Organismus ist. Das Weibchen übergibt das Ei an das Männchen und macht sich wieder auf, zurück ans Meer, um seine Körperreserven wieder aufzufüllen. Das Männchen bebrütet solange in seiner Bauchfalte das Ei und schützt es vor Temperaturen bis minus vierzig Grad Celsius. Bevor seine Fettreserven aufgebraucht und der Kälteschutz verloren wäre, schlüpft das Küken und der Vater wartet ungeduldig auf seine Partnerin, um nach hundertfünfzehn Fastentagen selbst zum Fischfang ans Meer zurückzukehren.

Bemerkenswerterweise bringt das Weibchen Fisch in seinem Magen mit, den es dort konservieren kann, um damit das Küken zu füttern. Sollte dem Muttervogel unterwegs etwas zustoßen, macht sich das Männchen trotzdem auf den Weg zurück ans Meer, angetrieben von seinem Stoffwechsel, der darauf drängt, Nahrung zu suchen. Zuvor ist der Ruheenergieumsatz reduziert und erst wenn die Fettreserven so weit verbraucht sind, dass die Pinguine noch ausreichend Energie besitzen, um bis zum Meer laufen zu können, nehmen die Signale des sympathischen Nervensystems wieder zu. Der Pinguin will sich bewegen, wird unruhig, auf den letzten Kilometern wird er nicht nur seine letzten Fettreserven verbrauchen, sondern auch zunehmend Eiweiß. Dieses Signal, auch als »wahrer Hunger« am Ende eines mehrwöchigen Fastens beschrieben, empfinden unsere Gäste nie, denn heute sind die Fastenperioden kürzer.

Was in den Medien oft als Jo-Jo-Effekt identifiziert und als implizite Kritik an Diäten geahndet wird, ist also durchaus ein natürlicher Effekt. Tiere und Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, nehmen entsprechend der Jahreszeit und der jeweiligen Verfügbarkeit von Nahrung ab und wieder zu, ihr Gewicht variiert, ohne dass ihnen eine Charakterschwäche oder mangelnde Disziplin attestiert werden müssten. Der Kaiserpinguin fastet bis zu sechs Monate im Jahr und das über einen Zeitraum von etwa fünfunddreißig Jahren, ohne dabei fetter zu werden. »Weight Cycling« ist also etwas vollkommen Natürliches.

So wie Tiere fasten, können auch Menschen fasten. Und sie können es, weil sie für die buchstäblich mageren Zeiten Reserven anlegen: Fettgewebe als Brennstoff, Vorräte an Vitaminen sowie funktionelle Reserven an Mineralien und essenziellen Fettsäuren. Heute ist es erwiesen, dass intermittierendes Fasten und hypokalorische und ausgeglichene Ernährung gegen die Alterungsprozesse schützen.

Unsere Gäste fasten freiwillig. Der Großvater machte seine erste Fastenkur eigentlich aus Verzweiflung.

Nach sechzehn Jahren in der Marine hatte man ihn im März 1918 wegen »Ganzinvalidität« entlassen. Er war im September 1917 an entzündlicher Arthritis erkrankt, die mit den üblichen Therapien nicht geheilt werden konnte, ihn stark quälte und in seiner Bewegung massiv einschränkte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits vier Kinder und den Plan, sich als praktischer homöopathischer Arzt in Witzenhausen an der Werra niederzulassen, wo er bereits als Dozent für Tropenhygiene für wenig Geld Landwirte für die Arbeit in den ehemaligen deutschen Kolonien ausbildete. Ein Marinekamerad, der sein hinkendes Elend sah, empfahl ihm eine Fastenkur bei einem gewissen Dr. Riedlin in Freiburg. Dieser Kollege, der wie der Großvater zu den »Lebensreformern« gehörte, hatte bereits eine fünfundzwanzigjährige Fastenpraxis und sah Fasten als »die konzentrierteste Form der Naturheilkunde an. Sie nimmt in ihrem Heilmittelschatz etwa dieselbe Stelle ein wie unter den Heilweisen der allopathischen Medizin die chirurgische Operation. Ist Hunger der beste Koch, so ist Fasten der beste Arzt. Das ganze Verfahren trägt das Siegel der Einfachheit und ist auf dem Gebiet der Krankenbehandlung das Ei des Kolumbus.«

Spartanisch und ohne jene Hilfsmittel, die er später selbst entwickelte, durchstand der Großvater seine erste Kur: »Als ich am 19ten Tag das Fasten beenden musste, war ich schwach, mager, aber ich konnte alle Gelenke bewegen wie ein gesunder Rekrut. Diese Kur rettete mir wahrhaftig Existenz und Leben.«

Ich bin mir ziemlich sicher, dass erst diese existenzielle Erfahrung am eigenen Leib den Großvater dazu brachte, gegen alle Widerstände seiner Zeit, gegen Vorurteile der Kollegen und Skepsis seiner Umgebung, eine medizinische Methode zu entwickeln. Aber seine Suche passte auch historisch in die Zeit.

Stefan Zweig beschrieb diese Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wie einen Marktplatz für Ersatzreligionen: »Welch eine wilde, anarchische, unwahrscheinliche Zeit, da mit dem schwindenden Wert des Geldes alle anderen Werte ins Rutschen kamen! Eine Epoche begeisterter Ekstase und wüster Schwindelei, eine einmalige Mischung von Ungeduld und Fanatismus. Alles, was extravagant und unkontrollierbar war, erlebte goldene Zeiten: Theosophie, Okkultismus, Spiritismus, Anthroposophie, Indische Heilslehren und Paracelsischer Mystizismus.«

Was mein Großvater erlebt hat bei seinem ersten Fasten, verband er mit seinem medizinischen Wissen. Kernsätze Riedlins hatten sich ihm eingeprägt: »Nicht die Enthaltung der Nahrung macht – gegebenenfalls – Fasten unangenehm, sondern die Rückvergiftung genannte Überschwemmung des Blutes mit Krankheitsstoffen (Stoffwechselschlacken) aller Art.« Daher »ohne Reinigung keine Heilung«.

Ich wünschte, der Großvater könnte erleben, welche Erkenntnisse die Wissenschaft zum Thema Fasten hervorgebracht hat, denn obwohl das Fasten seit Jahrtausenden praktiziert wird, ist es erst in letzter Zeit wirklich gründlich untersucht worden. Annahmen wie die von Riedlin, dass Fasten den Körper von »Schlacken« befreie, sind zwar bis heute populär und befeuern unter dem Label »Detox« die Wellnessindustrie, entbehren aber jeder wissenschaftlichen Grundlage, wie der britische Arzt Michael Mosley, Guru der angelsächsischen Fastenszene, aber auch viele schulmedizinische Fastenkritiker bewiesen.

Die Dringlichkeit, mit der diese Forschungen betrieben werden, haben einen handfesten Grund. Unsere Lebenserwartung steigt stetig. Wir werden immer älter, doch leider mit starken Begleiterscheinungen. Denn wir leben nicht nur länger, wir leben auch üppiger als unsere Vorfahren. Die heutigen Wohlstandsgesellschaften der industrialisierten Welt kennen, anders als zu den Zeiten des Großvaters, nichts anderes als die Fülle, das Überangebot, die ständige Verfügbarkeit von allem, was einmal aus ökonomischen oder moralischen Gründen als Luxus ausgeklammert war. In meiner Kindheit und auch der meiner Kinder galt die Devise, zwischen den Mahlzeiten nichts zu essen. Das waren immerhin etwa viereinhalb Stunden. Heute sind es angeblich nur mehr drei. Europäische Studien zeigen, dass wir heute über dreihundert Kalorien mehr zu uns nehmen als früher. Wir haben es also mit einem Phänomen der Überernährung zu tun und völlig vergessen, was es heißt, hungrig zu sein.

Dieser Lebensstil begünstigt die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Krebs. Mit der Anzahl dieser Krankheiten wächst auch der Medikamentenkonsum, der wiederum durch die Nebenwirkungen der Arzneimittel neue Krankheitsbilder schafft, deren Auswirkungen wir noch gar nicht kennen. Immerhin ahnen wir, dass die Konzentration auf die medikamentöse Behandlung in eine Sackgasse führt. Den heftigen Gegenwind, den der Großvater ebenso spürte wie die anderen Pioniere der Naturheilverfahren – Johannes Schroth, Sebastian Kneipp, Max Oskar Bircher-Benner, Franz Xaver Mayr –, müssen die Kollegen heute nicht mehr ertragen. Und obwohl wir im Moment eine regelrechte Fastenrenaissance erleben, haftet dem Fasten noch immer etwas unsympathisch Asketisches an, etwas Zölibatäres, das wahlweise als elitär oder neurotisch verspottet wird.

Dabei herrscht unter den Fastenforschern regelrechte Aufbruchsstimmung. In Russland, Deutschland, Frankreich und den USA beschäftigen sich Ärzte und Biologen ganz gezielt mit dem Fasten: Welche Mechanismen wirken beim Fasten? Bei welchen Erkrankungen sind diese hilfreich? Lassen sich Umweltgifte durch Fasten ausscheiden? Welchen Einfluss hat das Fasten auf die Psyche? Und die Ergebnisse sind erstaunlich: Insbesondere bei der Krankheit des Jahrhunderts könnte das Fasten als ergänzende Heilbehandlung einen neuen Ansatz für die Krebstherapie bieten. Unbestritten ist die Wirkung des Fastens auf die Adaptions- und Selbstschutzfähigkeit unserer Körperzellen und auf unser Immunsystem. Menschen, die regelmäßig fasten – und diese Regelmäßigkeit wird uns noch beschäftigen –, leiden weniger unter Bluthochdruck und Übergewicht, unter Asthma und Arthritis, aber auch weniger unter Demenz, Alzheimer und psychischen Störungen.

Der Großvater hat nicht nur erkannt, welche therapeutischen Qualitäten es hat, wenn wir einen künstlichen Mangel in unserer Ernährung herstellen. Sich immer wieder zurückzuziehen empfand er auch deshalb als so wichtig, weil aus eigener Erfahrung ein solcher Rückzug nicht nur für den Körper, sondern auch die Seele eine weitreichende Wirkung hatte.

Ein bewusster Verzicht auf Zeit.

Der Aufbruch zum Fasten kann also ein Entzug sein, ist aber gleichzeitig ein Rückzug.

Der Großvater, nach wie vor Außenseiter und angefeindet von Schulmedizinern, erkennt 1935 in seinem Hauptwerk Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden

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