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Das Geheimnis von Chaleran Castle

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Prolog
  7. 1. Kapitel
  8. 2. Kapitel
  9. 3. Kapitel
  10. 4. Kapitel
  11. 5. Kapitel
  12. 6. Kapitel
  13. 7. Kapitel
  14. 8. Kapitel
  15. 9. Kapitel
  16. 10. Kapitel
  17. 11. Kapitel
  18. 12. Kapitel
  19. 13. Kapitel
  20. 14. Kapitel
  21. 15. Kapitel
  22. 16. Kapitel
  23. 17. Kapitel
  24. 18. Kapitel
  25. 19. Kapitel
  26. 20. Kapitel
  27. 21. Kapitel
  28. 22. Kapitel
  29. 23. Kapitel
  30. 24. Kapitel
  31. 25. Kapitel
  32. 26. Kapitel
  33. 27. Kapitel
  34. 28. Kapitel
  35. 29. Kapitel
  36. 30. Kapitel
  37. 31. Kapitel
  38. 32. Kapitel
  39. 33. Kapitel
  40. 34. Kapitel
  41. 35. Kapitel
  42. 36. Kapitel
  43. 37. Kapitel
  44. 38. Kapitel
  45. Epilog

Über dieses Buch

Ein spanischer Obsthof um 1900: Als ein äußerst attraktiver und zuvorkommender Schotte Zitronenbäume kaufen will, verliebt sich Sofia, die Tochter des Obstbauern, mit Haut und Haaren in ihn. Sie muss jedoch gegen ihre Gefühle kämpfen, denn ein Zusammensein ist ausgeschlossenen. Logan ist bereits verlobt und wird nach seiner Rückkehr in die Heimat heiraten. Doch dann sorgt eine Mondscheinnacht für weitreichende Konsequenzen …

Schottland, 2016: Reisejournalistin Felicia ist begeistert, als sie für ein Magazin einen Bericht über Schottland schreiben soll. Sie liebt die raue Natur dort und zur Isle of Skye spürt sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Doch als Amelia Chaleran, die Besitzerin ihrer Unterkunft, ihr für die Recherche eine Holzschatulle mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ihrer Vorfahren anvertraut, stößt Felicia auf eine schmerzliche Familientragödie, die sie zutiefst schockiert.

Über die Autorin

Elaine Winter hat schon als Kind gerne Geschichten erfunden. Sie studierte Germanistik und Anglistik, probierte sich in verschiedenen Jobs in der Medienbranche aus und kehrte bald zum Geschichten erfinden zurück. Inzwischen ist sie seit mehr als zwanzig Jahren Autorin und hat den Spaß am Erdenken schicksalhafter Wendungen und romantischer Begegnungen bis heute nicht verloren.

Prolog

1990

»Sie muss weg!« Hart und knapp kamen die Worte über die schmalen Lippen, die zwischen den schwarzen Barthaaren kaum zu erkennen waren.

»Weg? Was meinst du mit weg?«, fragte Sam, obwohl er sehr genau wusste, welche Bedeutung Robs Bemerkung hatte.

Die Bewegung, mit der der Boss den Zeigefinger an seiner Kehle entlangstrich, war dann auch unmissverständlich. »Sie hat uns gesehen. Und sie ist nichts mehr wert. Also sorg dafür, dass sie wenigstens nicht reden kann.«

»Aber sie ist noch so klein!« Er bemühte sich, sein Entsetzen zu verbergen, weil Rob von vornherein klargestellt hatte, dass er für den Job nur harte Männer gebrauchen konnte. Vielleicht war er nicht so hart, wie er Rob glauben gemacht hatte, doch der Plan war ihm so sicher erschienen. Ein Weg, endlich zu Geld zu kommen und ein ehrliches Leben zu beginnen. Dem kleinen Mädchen würde nichts passieren, hatte er sich eingeredet. Ein oder zwei Tage müsste sie auf ihre Eltern verzichten und würde vielleicht ein paar Tränen vergießen. Doch das würde schon bald wieder vergessen sein.

Dann war alles schiefgegangen. Als sie sich das Geld holen wollten, waren die Bullen aufgetaucht, weil die verdammten Eltern der Kleinen sich nicht an die Anweisungen gehalten hatten. Zwar hatten sie rechtzeitig mitbekommen, was lief, aber Rob hatte dennoch entschieden, dass sie ihren Plan aufgeben mussten – und die Kleine war einfach nur noch im Weg.

»Aber wenn die Lösegeldübergabe geklappt hätte, wäre sie doch auch nach Hause zurückgekehrt. Sie ist nicht mal drei Jahre alt, was soll sie denn da erzählen?« Sam schüttelte heftig den Kopf.

»Wer sagt denn, dass sie nach Hause gekommen wäre, wenn wir das Lösegeld bekommen hätten?« Auch Rob begleitete seine Worte mit einem Kopfschütteln.

Vor Schreck hielt Sam für einen Moment die Luft an. »Ich wusste nicht … Ich dachte …«

»Wir waren uns doch darüber einig, dass ich fürs Denken zuständig bin.« Robs Blick war kalt wie Eis. »Du sorgst dafür, dass die Kleine schweigt. Für immer. Ist das klar?«

Wenn er es nicht machte, würde Rob es selbst tun – und ihn auch noch bestrafen. Schweren Herzens drehte Sam sich um und stieg hinab in den Keller, wo das kleine Mädchen seit zwei Tagen in einem kalten, fensterlosen Raum hockte. Dort gab es nichts als eine Matratze auf dem Betonboden und eine dünne Wolldecke.

Mit zitternder Hand drehte er den Schlüssel im Schloss um und betrat das Verlies, in dem eine nackte Glühlampe viel zu grelles Licht verbreitete.

Als sie ihn hörte, hob die Kleine den Kopf mit den glänzenden dunklen Haaren. Ihre Augen waren vom Weinen rot und geschwollen. »Mama?«, flüsterte sie fast unhörbar.

Bei dem Gedanken, dass sie ihre Mutter niemals wiedersehen würde, krampfte sich sein Magen zusammen. Selbst wenn er einen Ausweg fand, eine Möglichkeit, ihr Leben zu retten, durfte niemand erfahren, dass sie noch lebte. Wenn Rob mitbekam, dass sein Befehl nicht ausgeführt worden war, ging es um seinen Ruf als gnadenloser Boss. Dann würde nicht nur das kleine Mädchen, sondern auch Sam mit dem Leben bezahlen.

»Komm. Ich bringe dich von hier weg.« Er bückte sich, hob das Kind, das plötzlich ganz starr und stumm war, von der Matratze hoch und trug es die Kellertreppe hinauf.

Rob saß in der Küche, trank Bier und starrte dabei aus dem Fenster. Als Sam mit dem Mädchen auf dem Arm in die offene Tür trat, wandte er nicht einmal den Kopf. Vielleicht war er doch nicht ganz so hartherzig, wie er vorgab, und brachte es nicht über sich, die Kleine anzusehen, deren Todesurteil er gesprochen hatte.

»Ich fahre mit ihr in den Wald«, sagte Sam zu Robs Hinterkopf. »Da ist der Boden locker. Du verstehst?«

Rob nickte. »Nimm deinen ganzen Kram mit und komm nicht wieder. Ich verschwinde auch gleich vor hier. Wir dürfen erst mal keinen Kontakt haben. Zu gefährlich. Ich melde mich, wenn ich einen neuen Plan habe. Gibt ja noch mehr Kinder reicher Eltern.«

Wortlos wandte Sam sich ab und verließ mit dem Mädchen auf dem Arm das kleine, abgelegene Haus. Seine wenigen Sachen lagen schon längst im Kofferraum des alten Fords. Das Handy mit der Prepaidkarte, das er sich extra für diesen vermeintlich letzten Coup gekauft hatte, würde er in den nächsten See schmeißen. Dann hatte Rob keine Möglichkeit, ihn zu erreichen. Die Mühe, ihn zu suchen, würde er sich nicht machen, solange er glaubte, dass Sam seinen Befehl ausgeführt hatte.

»Mama«, wimmerte das Kind, als er es auf dem Rücksitz des klapprigen Wagens anschnallte.

Er blieb stumm. Es gab keinen Trost für die Kleine, das wusste er nur zu genau. Aber sie war noch so jung und würde schon bald vergessen. Falls es ihm gelang, sie vor Rob in Sicherheit zu bringen.

Während er sich hinter das Steuer setzte, überschlug er im Kopf seine Finanzen. Ihm war ein Gedanke gekommen, der ihm sogar einen kleinen Gewinn versprach, wenn er auch noch keine Ahnung hatte, wie er ihn in die Tat umsetzen sollte.

Der Motor des alten Wagens startete stotternd und hustend. Endlich holperten sie die von Schlaglöchern übersäte Auffahrt entlang.

Hinter ihm weinte das Kind leise vor sich hin. Er verbot sich, in den Rückspiegel zu sehen. Sie würde noch lange traurig sein, aber wenigstens würde sie am Leben bleiben. Vorausgesetzt, sein Plan klappte, und Rob roch nicht doch noch Lunte.

Er bog in die schmale Straße ein und gab Gas. Erst als er schon fast die nächste Ortschaft erreicht hatte, bemerkte er den dunkelgrauen Wagen, der etwa zweihundert Meter hinter ihm fuhr. Rob! Wollte er sichergehen, dass Sam tatsächlich in den Wald fuhr und dort das tat, was der Boss ihm aufgetragen hatte? Oder suchte Rob einfach so schnell wie möglich das Weite und wählte nur durch Zufall denselben Weg?

Mit viel zu hoher Geschwindigkeit bog Sam in einen schmalen Feldweg ein, der nach wenigen Metern in ein Wäldchen führte. Hier hielt er hinter einer dichten Buschreihe an und wartete mit klopfendem Herzen. Das kleine Mädchen auf dem Rücksitz saß mucksmäuschenstill da und weinte nicht einmal mehr. Mit weit aufgerissenen Augen starrte es durchs Wagenfenster in die Ferne, als könnte es dort seine ungewisse Zukunft sehen – oder den Tod, der ihm drohte, falls das hier schiefging.

1. Kapitel

22. Juli 2016
Ütersen, Deutschland

Als Felicia in die breite Auffahrt vor dem Haus ihrer Eltern fuhr, sah sie auf den ersten Blick, dass ihre Geschwister schon alle da waren. Katharinas SUV mit dem Kindersitz auf der Rückbank parkte direkt vor den breiten Stufen, die zur Eingangstür führten. Dahinter hatte Leon seinen schwarzen Aston Martin einfach schräg mitten auf dem Weg stehengelassen, so wie er gerade aus der Kurve gerauscht war. Julias Mercedes-Cabrio hingegen stand exakt parallel zur Garageneinfahrt.

Felicia quetschte ihren knallroten Smart zwischen den Mercedes und den Aston und schlängelte sich aus der Fahrertür, die sich nur einen Spaltbreit öffnen ließ. Anschließend angelte sie mit ausgestrecktem Arm ihren großen Lederbeutel aus dem Wagen, in dessen unergründlichen Tiefen sie alles mit sich herumschleppte, was sie für unentbehrlich hielt. Und das war eine Menge.

Schwungvoll warf sie sich die Tasche über die Schulter und atmete tief durch. Die Luft duftete nach Blüten und frisch gemähtem Rasen. Auch wenn sie ihr kleines Apartment in Hamburg liebte, war es immer wieder schön, zu einem der regelmäßigen Familienessen nach Hause zu kommen. Ihre Mutter verbrachte den größten Teil ihrer Freizeit im Garten. Alles was sie im Blumen-Paradies anbot, musste hier ausprobiert werden. Die Bepflanzung änderte sich häufig, und in regelmäßigen Abständen tauchten auf den Grünflächen und in den Beeten die neuesten Modelle von großen und kleinen Springbrunnen, Gartenbänke in allen Formen und Farben und mehr oder weniger skurrile Statuen auf. Dagmars neueste Errungenschaft war ein kleiner Seerosenteich mitten im Vorgarten, um den herum sich Ziergräser und Schilf im Wind wiegten.

Felicia machte ein paar Schritte auf den künstlichen See zu, um nachzusehen, ob es im Wasser vielleicht Goldfische gab. Als sie ein leichtes Kitzeln auf dem Fußrücken spürte, blieb sie stehen und sah nach unten. Auf ihrem Fuß saß ein winziger grüner Frosch. Zwischen den knallroten Riemchen ihrer neuen Sandaletten, die sie bei dem schönen Frühlingswetter zum ersten Mal trug, wirkte das kleine Wesen wie ein kostbarer Schmuck.

»Wo kommst du denn her?« Sie bückte sich und konnte nun jede der winzigen Zehen sehen, die sich wie die Finger von Miniaturhänden auf ihrer nackten Haut spreizten. »Wenn du hier herumhüpfst, kommst du noch unter die Räder.«

Vorsichtig hielt sie ihre flache Hand vor das Tierchen und stupste es von hinten mit dem Zeigefinger der anderen Hand an. Zu ihrem Erstaunen hüpfte das Fröschchen tatsächlich auf ihre Handfläche.

»Der Froschkönig!« Unvermittelt tauchte neben ihr der blonde Lockenkopf ihrer dreijährigen Nichte Lilly auf. »Den musst du küssen, Tante Feli!«

Felicia lachte. »Lieber nicht. Ich steh nicht so auf Prinzen.«

»Tatsächlich nicht?« Felicias jüngste Schwester Katharina war ihrem quirligen Töchterchen dicht auf den Fersen. »Wie hat man sich deinen Traummann denn vorzustellen, wenn er schon kein Prinz sein darf?«

Lachend zuckte Felicia mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich schätze, ich werde es wissen, wenn ich ihm begegne.« Sie trug den kleinen Frosch zum Teich und setzte ihn dort vorsichtig auf einen Stein am Rand.

Dann nahm sie Lilly auf den Arm. »Wo sind denn Oma und Opa und der Rest der Familie?« Sie überlegte, wann sie mit ihrer Neuigkeit herausrücken sollte. Ihre Geschwister würden nicht begeistert sein, und ihre Mutter würde zwar nichts sagen, aber Felicia wusste auch so, dass ihre Pläne Dagmar ganz sicher nicht glücklich machten.

»Wir sitzen auf der Terrasse«, erklärte Katharina die Geste ihrer kleinen Tochter, die den Zeigefinger wild in die Gegend gestreckt hatte. »Alle sind schon halb verhungert, weil wir mit dem Essen auf dich gewartet haben. Dabei könnte ich momentan ständig essen.« Stolz tätschelte sie ihren runden Bauch.

Katharina erwartete ein Kind von ihrem frischgebackenen Ehemann Daniel. Lilly war das ungeplante, aber heißgeliebte Resultat einer kurzen Affäre der 19-jährigen Katharina mit einem australischen Austauschstudenten. Nun sollte die kleine Familie durch ein Wunschkind komplett werden.

Als Felicia mit Lilly auf dem Arm um die Hausecke bog, war tatsächlich die ganze Familie unter der rot gestreiften Markise versammelt: ihr Bruder Leon, ausnahmsweise ohne seine schicke Freundin Isabel, ihre Schwester Julia, Katharinas Ehemann Daniel und natürlich ihre Eltern Dagmar und Volker.

Als sie ihre Familie vereint dort sitzen sah, versetzte es Felicia wie so oft einen winzigen Stich. Sie alle waren blond und blauäugig, mit mehr oder weniger wilden Locken. Selbst Dagmar und Volker, die nicht blutsverwandt waren, wiesen diese äußere Gemeinsamkeit auf. Der angeheiratete Daniel hatte zumindest dunkelblonde Strubbelsträhnen. Sie alle hätte man als klassisches Beispiel für den norddeutschen Typ anführen können. Felicia fiel mit ihren fast schwarzen, vollkommen glatten Haaren und den braunen Augen komplett aus dem Rahmen. Ihre Haut war nicht wie die der Kaufmanns hell wie Sahne, sondern hatte einen ganz leichten Mokkaton. »Felicia sieht auch im tiefsten Winter nach Sommer aus«, pflegte Julia mit leisem Neid in der Stimme zu sagen.

»Hallo, ihr alle! Tut mir leid, dass ich so spät bin. Ich musste noch einen Artikel kürzen.« Sie warf ihren Lederbeutel auf den Boden und winkte in die Runde. Lilly winkte mit.

»Schön, dass du es noch geschafft hast. Wir wissen ja, dass du schrecklich viel arbeiten musst.« Ihre Mutter stand auf und drückte ihr einen herzhaften Kuss auf die Wange, während sie mit der Linken ihrem Enkelkind durch die blonden Locken fuhr. Dann verschwand sie im Haus, wahrscheinlich um nach dem Essen zu sehen.

»Hallo, Große.« Auch ihr Vater küsste sie im Vorbeigehen auf die Wange, bevor er seiner Frau folgte. Volker kochte mindestens so gut wie seine Frau.

»Da Mama gerade weg ist …« Julia wedelte hektisch mit der Hand durch die Luft. »Wir müssen unbedingt über ihre Geburtstagsparty reden. Es sind nur noch knapp drei Wochen. Eigentlich viel zu wenig Zeit, um eine richtig tolle Feier vorzubereiten, aber zum Glück sind wir ja zu viert, Papa kann auch helfen, und …«

»Wie groß hast du dir die Party denn vorgestellt?«, erkundigte Felicia sich vorsichtig, während sie Lilly auf den Boden absetzte.

»Wir laden wie immer alle Verwandten, Freunde und ihre wichtigsten Geschäftspartner und Kunden ein«, erklärte Katharina ganz selbstverständlich.

»Zweihundert Gäste werden es wohl sein«, ergänzte Julia.

»Ich habe dir letztes Jahr die Gästeliste zugemailt, weil du immer so mit deinem genialen Ablagesystem für digitale Daten angibst«, zog Felicia ihren einzigen Bruder Leon ins Gespräch, der sich stets so lange wie möglich heraushielt, wenn seine Schwestern Familienfeiern organisierten. Was nicht hieß, dass sie ihn von der Angel ließen.

»Welche Gästeliste?« Er versuchte es gern damit, sich dumm zu stellen.

Katharina verdrehte die Augen. »Wir reden über Mamas Überraschungsparty.«

»Was heißt hier Überraschungsparty? Ma wäre höchstens überrascht, wenn es keine Geburtstagsparty für sie gäbe«, stellte Leon lakonisch fest.

»Und wo ist nun also die Gästeliste?«, bohrte Felicia. »Du wolltest sie aufbewahren, weil es auf meinem Notebook drunter und drüber geht, wie du immer behauptest. Außerdem habe ich mir im Winter ein neues gekauft.«

»Dann speichert man wichtige Dateien auf einer externen Festplatte und überspielt sie auf das neue Gerät. Oder man speichert sie einfach direkt in der Cloud, dann kann man von jedem Gerät darauf zugreifen.«

»Musste ich ja nicht machen, weil du die Gästeliste auf deinem PC gespeichert hast. Meine Artikel habe ich alle auf USB-Sticks.« Felicia schwante Übles. »Hast du die Liste etwa nicht mehr?«

Leon zuckte mit den Schultern. »Ich miste meine Dateien regelmäßig aus. Wenn ich mit dem Dateinamen nichts anfangen konnte, habe ich sie wahrscheinlich längst gelöscht. Tut mir leid, Schwesterlein. Aber so eine Gästeliste muss doch sowieso aktualisiert werden.«

Felicia behielt die naheliegende Erkenntnis für sich, dass es natürlich deutlich einfacher war, eine bestehende Liste zu überprüfen, als sie neu zu erstellen. »Ich fürchte, ich werde dieses Mal nicht allzu viel Zeit für die Partyvorbereitungen haben«, erklärte sie stattdessen vorsichtig.

»Wir teilen die Aufgaben wie immer untereinander auf.« Katharina strahlte in die Runde. »Ich bin noch total fit und kann meinen Anteil wuppen, keine Sorge. Der Entbindungstermin ist ja erst gut drei Wochen nach der Party.«

»Und was gibt es bei dir Neues, Feli?«, erkundigte sich ihr Vater, der in diesem Moment mit einem Stapel Teller aus dem Haus kam.

Felicia biss sich auf die Unterlippe. Eigentlich hatte sie vorgehabt, die anderen auf ihre Nachricht ein wenig vorzubereiten. Aber vielleicht war es besser, es sofort hinter sich zu bringen. Sie holte tief Luft.

»Alles bestens. Ich habe einen tollen Auftrag bekommen. Allerdings …«

»Wie schön. Das musst du uns beim Essen ausführlich erzählen. Tut mir leid, ich habe eurer Mutter versprochen, das Geflügel zu zerlegen.« Ihr Vater strich ihr liebevoll über den Oberarm, bevor er zurück ins Haus ging.

»Bilder gucken«, forderte Lilly ihre Tante in diesem Moment auf. Sie hatte in Felicias Lederbeutel gewühlt und schleppte einen großformatigen Fotoband herbei, unter dem sie fast zusammenbrach.

»Du sollst nicht an anderer Leute Taschen gehen, Lilly-Maus.« Katharinas frischgebackener Ehemann Daniel übte sich gern in pädagogisch wertvollem Verhalten.

»Feli ist nicht andere Leute, Feli ist meine Tante«, unterrichtete Lilly ihn energisch und ließ das Buch vor Felicias Füßen auf den Boden fallen.

Der Bildband klappte auf, und Felicia starrte von oben auf ein Foto hinab, bei dessen Anblick es ihr den Atem verschlug. Das Bild zeigte eine Burg und war offenbar bei Sonnenuntergang aufgenommen worden, denn dort, wo die Strahlen der Sonne die hellgrauen Mauern trafen, leuchteten die Steine in einem wunderbaren Orangeton.

Das riesige Gebäude mit den beiden Türmen stand auf einer kleinen Insel nicht weit vom Ufer eines Sees entfernt und war durch eine steinerne Brücke mit dem Festland verbunden. Neben den trutzigen Mauern breitete sich ein wilder Garten aus, dessen rote und weiße Blüten sich im klaren Wasser des Sees spiegelten.

Die Landschaft, welche sich jenseits der Brücke bis zum Horizont erstreckte, wirkte gleichzeitig schroff und lieblich, auch wenn sich das eigentlich auszuschließen schien. Zwischen hügeligen, zartgrünen Flächen, auf denen vereinzelt Schafe weideten, erhoben sich immer wieder kleinere Felsen. Am seitlichen Bildrand reckten sich die hohen, spitzen Felskanten eines Berges wie mahnende Finger gen Himmel. An seinen Fuß schmiegte sich ein kleines Dorf, dessen rote Dächer im Sonnenschein leuchteten.

»Da wohnt der Prinz«, teilte Lilly ihrer Tante mit und tippte mit ihrem winzigen Zeigefinger auf das Foto, das Felicia immer noch wie in Trance anstarrte. »Willst du ihn besuchen? Kann ich mit?«

Eilig hob Felicia das Buch vom Boden auf und ließ sich damit auf einem der bequemen Stühle nieder. Lilly krabbelte auf ihren Schoß.

»Kennst du den Prinzen? Wie heißt er?« Lilly ließ nicht locker.

»Chaleran«, antwortete Felicia automatisch, denn laut Bildunterschrift handelte es sich bei dem Gebäude um Chaleran Castle.

Mit einem Glas Orangensaft in der Hand trat Katharina hinter sie und sah ihr über die Schulter. »Hübsch! Wo liegt das? In Irland?«

»Schottland. Ich habe den Auftrag …«, begann Felicia entschlossen, während sie sich wunderte, wie jemand Chaleran Castle als »hübsch« bezeichnen konnte. Sie fand die Burg schlichtweg überwältigend. Und wenn das Gebäude sie schon auf dem Foto derart ansprach, musste es in Wirklichkeit noch um einiges romantischer, imposanter – einfach noch schöner aussehen.

»Schreibst du über Burgen? Stelle ich mir interessant vor«, warf Katharina ein, als Felicia zögerte, ihren Satz zu beenden.

»Ich recherchiere über interessante Orte in Schottland. Es geht um Geheimtipps für Reisen«, erklärte Felicia nun entschlossen. »Natürlich muss ich dazu nach Schottland fliegen.«

Sie hatte damit gerechnet, dass auf diese Ankündigung hin das typische Kaufmann-Durcheinander ausbrechen würde. Julia wollte immer gleich alle Details wissen, Leon kannte sich grundsätzlich mit allem und jedem aus – oder glaubte das zumindest, und Katharina war die Begeisterungsfähige, die sofort in lauten Jubel ausbrach. Es geschah jedoch nichts dergleichen. Katharina machte so etwas wie »Aha«, Leon stellte fest, dass Schottland bestimmt ein lohnendes Reiseziel sei, und Julia hob Lilly hoch. Die Kleine hatte längst das Interesse an Burgen und Prinzen verloren und forderte ihre Tante auf, Flugzeug mit ihr zu spielen. Das bedeutete, dass Julia sie an einem Arm und einem Bein über dem Rasen herumwirbeln sollte.

»In ein paar Tagen geht es los«, fuhr Felicia fort. »Und ich werde für mindestens vier Wochen in Schottland unterwegs sein.«

Wieder passierte – nichts. Außer Lillys Juchzern, während Julia sie im Kreis herumfliegen ließ, und Leons Diskussion mit Daniel über die Vor- und Nachteile verschiedener Automarken blieb es still.

»Oh. Bist du dann etwa zu meinem Geburtstag nicht da? Das wäre aber schade!« Von der Terrassentür kam die enttäuschte Stimme ihrer Mutter.

»Wie?« Ruckartig hob Katharina den Kopf und löste den Blick von der Schale mit Weintrauben, die sie gerade heißhungrig plünderte. Seit sie wieder schwanger war, stopfte sie Unmengen an frischem Obst in sich hinein. Deshalb vermuteten alle, dass sie diesmal einen Jungen erwartete, denn bei Lilly war sie schokoladensüchtig gewesen. Katharina und Daniel wollten sich überraschen lassen und nahmen an dem allgemeinen Ratespiel nicht teil. »Stimmt das? Du bist zu Mas Geburtstag nicht da und bei den Vorbereitungen auch nicht?«

»Ich arbeite für ein Reisejournal«, erinnerte Felicia ihre Geschwister, obwohl ihr klar war, dass genau aus diesem Grund zunächst niemand die Ankündigung ihrer Schottlandreise aufregend gefunden hatte. Schließlich war sie häufig im Ausland unterwegs. »Ich kann mir die Aufträge nicht aussuchen. Und den Zeitpunkt, zu dem ein Artikel erscheint, schon gar nicht.«

»Aber ausgerechnet jetzt?« Julia kam mit der zappelnden Lilly auf dem Arm zurück auf die Terrasse. »Vielleicht könntest du …«

»Ich habe schon gefragt, ob wir die Reportage auf den Herbst verschieben können«, unterbrach Felicia ihre Schwester. »Was einigermaßen peinlich war. Irgendwie unprofessionell.«

»Was soll daran unprofessionell sein, wenn du für deine Mutter da sein willst?«, warf Leon ein und zog fragend die Brauen hoch.

»Fragt der, der es letztes Jahr kaum zur Party geschafft hat, weil er Angst hatte, nicht befördert zu werden, wenn er nicht jeden Tag Überstunden macht.« Felicia starrte ihren Bruder mit zusammengekniffenen Augen an.

»Wenn ihr euch streitet, ziehe ich es vor, an meinem Geburtstag zu verreisen. Das mit dem Fest muss nicht unbedingt sein.« Dagmar Kaufmann saß bereits am Tisch und hatte bis zu diesem Moment den Wortwechsel ihrer Kinder interessiert verfolgt. Offenbar hatte sie es aufgegeben, so zu tun, als würde sie von den Festvorbereitungen nichts mitbekommen.

»Ach, Ma, du weißt doch, wie wir sind.« Sofort war Katharina neben ihr und schlang ihr von hinten die Arme um die Schultern.

»Genau.« Dagmar lachte. »Ihr seid allesamt unglaublich liebe, verständnisvolle Menschen. Aber aus irgendeinem Grund müsst ihr euch gelegentlich streiten.«

»Wir sind eben Geschwister«, stellte Julia fest, und jetzt lachten alle zusammen.

»Sind wir!« Strahlend sah Felicia in die Runde, und in diesem Moment war es ihr egal, dass sie die einzige Dunkelhaarige unter all den blonden Familienmitgliedern war. Weder ihre Eltern noch ihre Geschwister hatten ihr jemals das Gefühl gegeben, nicht dazuzugehören. »Ich könnte in Schottland die Einladungskarten designen. Vielleicht etwas mit einer Zeichnung und mit einem Bild von Mama.«

»Mach dir keinen Stress, Kind. Ich freue mich für dich, dass du diesen tollen Auftrag hast.« Ihre Mutter deutete auf den Stuhl neben sich. »Setz dich zu mir und erzähl mir mehr davon. Setzt euch überhaupt alle, sonst wird das Essen kalt.«

»Weißt du schon, an welchem Ort du deine Reise beginnen willst?«, erkundigte sich wenig später ihr Vater, während er sich eine knusprige Hühnerbrust auf den Teller legte.

»Ja.« Felicia wunderte sich nur ein kleines bisschen über ihre entschiedene Antwort. »Ich beginne meine Reise auf der Isle of Skye und sehe mir dort unter anderem Chaleran Castle an.«

»Das klingt romantisch«, seufzte Julia und erzählte gleich darauf, dass sie wegen ihrer bevorstehenden Abschlussprüfung zur Rechtsassessorin schrecklich im Stress war.

Felicia hörte interessiert zu, äußerte ihr Mitgefühl und wandte sich gleich darauf energisch an ihren Bruder: »Lass mir auch noch was von der Soße übrig, du Gierschlund!«

»Onkel Gierschlund«, wiederholte Lilly hingerissen.

»Du sollst meiner Tochter keine schlimmen Wörter beibringen«, tat Katharina entrüstet.

Felicia lehnte sich grinsend zurück und schaute ihrer lebhaften Familie zu, die sich stritt, gleich darauf miteinander lachte, wild durcheinanderredete und ganz nebenbei die Schüsseln auf dem Tisch leerte.

Sie war glücklich im Kreis dieser vertrauten Menschen. Wenn da auch manchmal dieses schwarze Loch war, das ihre ferne Vergangenheit darstellte. Aber angesichts all der guten Dinge, die es in ihrem Leben gab, wäre es wirklich undankbar gewesen, sich über ihr Schicksal zu beklagen.

2. Kapitel

26. Juli 2016
Highlands, Schottland

Die Fahrt vom Flughafen Inverness in das kleine Dorf Chaleran auf der Isle of Skye dauerte knapp anderthalb Stunden, wenn man dem Navi in Felicias Mietwagen glauben wollte. Da es jedoch nach einer halben Stunde schon stockfinster war, die schmalen Straßen sich in unzähligen Kurven durch die Landschaft schlängelten und es kaum Straßenlaternen gab, erschien ihr die Fahrtzeit mindestens doppelt so lang.

Immer wieder tauchten im Licht der Scheinwerfer plötzlich einzelne Felsen auf, die je nach ihrer Form wie drohende Ungeheuer oder mahnende Finger neben der Straße aus dem Boden wuchsen. Nur sehr selten führte ihr Weg sie durch ein kleines Dorf. Größere Städte gab es zwischen Inverness und der Insel Skye überhaupt nicht.

Manchmal sah sie in der Ferne helle Punkte, die sich wie Irrlichter zu bewegen schienen. Sie wusste nicht, ob das Autos waren oder Fenster, die von Autoscheinwerfern angeleuchtet wurden und durch die Dunkelheit zuckten, weil die Straße so holprig war. Die meiste Zeit fuhr sie jedoch durch die dunkle Landschaft und hatte das Gefühl, mutterseelenallein auf der Welt zu sein.

Sie drehte das Radio laut, obwohl ihr die ziemlich beliebig klingende Popmusik, die ein lokaler Sender spielte, nicht sonderlich gefiel. Dann tauchten wie aus dem Nichts nur wenige Meter vor ihr die wolligen Leiber einer Schafherde auf, sodass sie nur noch mit knapper Not bremsen konnte. Sofort schaltete sie das Radio wieder aus und ließ das Fenster ein Stück herunter. Auf diese Weise würde sie bei der nächsten überraschenden Begegnung hoffentlich rechtzeitig durch die Geräusche der Tiere gewarnt werden.

Eine Weile saß sie im stehenden Wagen und hörte zu, wie die Schafe sich zu beraten schienen, wohin die Herde sich weiterbewegen sollte. Nach rechts, nach links oder doch lieber stehen bleiben? Aufgeregt helles »Mäh« wechselte sich mit beruhigendem, tiefem Blöken ab. Waren die Schafe denn vollkommen allein unterwegs? Gab es keinen Menschen und keinen Hund, die sie begleiteten? Andererseits drohte den Tieren in dieser verlassenen Landschaft keine Gefahr, solange kein unbedarfter Autofahrer in die Herde hineinraste. Und von dieser Spezies schien sie zu dieser abendlichen Stunde weit und breit die Einzige zu sein.

Nachdem sie noch ein oder zwei Minuten gewartet hatte, tippte sie mit dem Zeigefinger vorsichtig auf die Hupe. Die Schafe debattierten noch ein bisschen lauter als vorher, rührten sich aber nicht von der Stelle.

Sie hupte energischer und länger, und tatsächlich setzten sich einige Tiere in Bewegung – die meisten blieben jedoch stehen und setzten ihre angeregte Debatte fort.

Jetzt schlug sie mit der flachen Hand auf die Hupe und ließ sie dort liegen. Zwei Minuten später war die Straße frei.

»Geht doch!«, murmelte sie vor sich hin und setzte ihre Fahrt nach Chaleran fort, um eine Erfahrung reicher, was das Überleben auf schottischen Straßen anging.

Eine kleine Ewigkeit später erreichte sie endlich die Skye-Bridge, die sich über den Loch Alsh spannte. Die Brücke verband die Ortschaften Kyle of Lochalsh und Kyleakin, die laut Reiseführer als Handelszentren für die Region fungierten, jedoch beide weniger als eintausend Einwohner hatten. Nach deutschem Maßstab handelte es sich um kleine Dörfer, doch nach ihrer langen Fahrt durch die schottische Einsamkeit war auch Felicia geneigt, diese Ansammlungen von teilweise noch erleuchteten Häusern als stadtähnlich zu betrachten.

Ende Juli waren sicher noch einige Touristen in den Highlands unterwegs, doch um kurz vor Mitternacht war Felicia die einzige Fahrerin auf der Brücke nach Skye. Durch das heruntergelassene Fenster hörte sie unter sich die Wellen leise murmeln und nahm den frischen Geruch des Meeres wahr. Sie nahm den Fuß vom Gas und wurde immer langsamer, bis der Wagen schließlich stand. Mit einem tiefen Atemzug streckte sie den Kopf aus dem Autofenster und spürte die sanfte Meeresbrise auf den Wangen und schmeckte das Salz auf ihrer Zunge. Über ihr spannte sich schwarzblau der Himmel, in dem neben einer schmalen Mondsichel zahllose Sterne funkelten.

Obwohl Felicia nie zuvor in den schottischen Highlands gewesen war, fühlte es sich beruhigend vertraut an, diesen Himmel zu sehen, dieses Meer zu hören und diese Luft zu spüren. Sie musste noch einige Kilometer bis zu dem Dorfgasthaus fahren, in dem sie ein Zimmer reserviert hatte. Doch hier, auf dieser Brücke, überkam sie das Gefühl, sie sei auf dem Weg nach Hause und schon fast angekommen. Laut Navi waren es noch vierzehn Minuten bis nach Chaleran.

Fast genau eine Viertelstunde später huschte das Scheinwerferlicht über ein Ortsschild, auf dem sie im letzten Moment das Wort Chaleran entzifferte. Vor ihr lagen eine Handvoll Häuser, die sich zusammendrängten wie eine ängstliche Schafherde. Wieder hielt Felicia an, um auch diesen Moment ganz bewusst in sich aufzunehmen. Schräg links ragte vor dem Nachthimmel eine dunkle Masse auf, und nachdem sie eine Weile hingestarrt hatte, gelang es ihr, die Umrisse von Chaleran Castle zu erkennen, die sie sich während der vergangenen Tage einige Male auf dem Foto in ihrem Bildband angesehen hatte. Als sie die Augen ein wenig zusammenkniff, meinte sie, den See funkeln zu sehen, aus dem die Burg wie ein urzeitliches Wesen herauszuwachsen schien.

Wahrscheinlich hatten die Erbauer das gewaltige Gebäude aus Sicherheitsgründen auf der kleinen Insel im See errichtet. Trockenen Fußes war es nur über eine Brücke zu erreichen, die leichter zu verteidigen war, als wenn Feinde sich aus allen Himmelsrichtungen nähern konnten.

»Bei der nächsten Gelegenheit bitte wenden.«

Als Felicia die strenge Stimme aus den Lautsprechern ihres Wagens hörte, zuckte sie zusammen. Obwohl sie im Schritttempo gefahren war, hatte sie die wenigen Häuser des 200-Seelen-Dorfes Chaleran bereits hinter sich gelassen, ohne dass das Navi ihr den Weg zum Pheasant Inn gewiesen hätte. Immerhin wurde ihr nun freundlicherweise mitgeteilt, dass ihr Ziel bereits hinter ihr lag.

Bei Dunkelheit gestaltete sich das Wenden auf der schmalen Straße schwierig, und sie war schweißgebadet, als sie schließlich von der anderen Seite wieder ins Dorf fuhr. Die Zeichnung auf dem Display des Navis suggerierte ihr, dass sie praktisch direkt vor dem Inn stand. Doch sie konnte nichts entdecken, das auch nur entfernt an einen Gasthof erinnerte. Vielleicht war wegen der späten Stunde die Beleuchtung ausgeschaltet. Oder das Pheasant Inn lag in einer der wenigen Nebenstraßen, die in die Durchgangsstraße mündeten und vom Navigationsgerät aber scheinbar nicht zur Kenntnis genommen wurden.

Bei der kleinen Kirche bog sie entschlossen rechts in eine Abzweigung ein. Obwohl ihr Orientierungssinn nicht sonderlich ausgeprägt war, würde sie sich in einem Dorf, das man mit dem Auto in zwei Minuten durchqueren konnte, wohl kaum verirren.

Sie fuhr sehr langsam und betrachtete aufmerksam jedes einzelne Haus. Fast alle Fenster waren dunkel, und die wenigen Straßenlaternen brannten so schwach, dass sie mehr Licht zu verschlucken als zu verbreiten schienen.

Bei anderen Gelegenheiten hätte Felicia diese Beleuchtung sicher romantisch gefunden. Die sanften Lichtpunkte erinnerten an alte Gaslaternen in einem verschlafenen Dorf am Meer. Aber jetzt wollte sie den Gasthof finden, in dem – hoffentlich – ihr Bett auf sie wartete.

»Verdammt!«, murmelte sie vor sich hin, als sie schon wieder die letzten Häuser am Dorfrand erreichte. Vor ihr lag nun eine schmale Straße. Sie führte direkt zur Brücke, über die man die kleine Insel erreichte, auf der Chaleran Castle lag.

Ganz kurz überlegte sie, ob sie nicht einfach weiterfahren und ans Burgtor klopfen sollte. Sie hatte im Internet recherchiert und wusste, dass Chaleran Castle bewohnt war. In den dicken Mauern funkelten erstaunlich viele beleuchtete Fenster. Offenbar waren die Menschen, die dort lebten, noch wach. Und genug freie Zimmer hatten sie sicher auch. Was es wohl für ein Gefühl war, an einem Ort zu schlafen, der geschaffen worden war, um Schutz zu bieten? Es musste ein beruhigendes Gefühl sein, in einem Gemäuer zu wohnen, in dem schon viele Generationen der eigenen Familie gelebt hatten.

Sie suchte sich wieder eine geeignete Stelle zum Wenden und machte sich zu einer weiteren Runde durchs Dorf auf. Als sie ein Haus entdeckte, in dem noch mehrere Fenster erleuchtet waren, trat sie entschlossen auf die Bremse. Auch wenn es sich offenbar nicht um den Gasthof handelte, war hier zumindest noch jemand wach und konnte ihr sicher sagen, wo sie das Pheasant Inn fand.

Die Pforte im niedrigen Zaun stand weit offen, und der breite, gepflasterte Weg zur Haustür war rechts und links von blühenden Büschen begrenzt. Gäste wurden offenbar nicht mehr erwartet, denn die Außenbeleuchtung über der Haustür brannte nicht.

Es war inzwischen nach Mitternacht, und vieles sprach dafür, dass die Menschen im Haus beim Zubettgehen waren.

Suchend richtete Felicia ihren Blick auf eines der hell erleuchteten Fenster, konnte aber von ihrem Standort nicht erkennen, ob sich jemand im Zimmer aufhielt. Daraufhin schob sie sich zwischen zwei Büschen hindurch, um über den Rasen zu einem der Fenster zu gehen. Noch peinlicher, als im Dunkeln einen kurzen Blick in ein erleuchtetes Fenster zu werfen, wäre es ihr gewesen, fremde Menschen im Pyjama aufzuschrecken, nur weil sie nicht in der Lage war, in diesem winzigen Ort den Gasthof zu finden. Oder den Akku ihres Handys vor der Abreise aufzuladen, auf dem sie vorsorglich die Nummer ihrer Herberge gespeichert hatte …

Das Jaulen ging ihr durch Mark und Bein. Erschrocken sprang sie zur Seite und fiel direkt in einen der blühenden Büsche, der leider auch Dornen hatte, wie sie gleich darauf feststellen musste.

Da hing sie nun also nahezu kopfüber im Busch und wagte nicht, sich zu rühren, damit die Dornen sich nicht noch tiefer und schmerzhafter in ihre Haut bohrten. Gleichzeitig musste sie befürchten, dass der Hund, den sie offenbar getreten hatte, sie im nächsten Moment biss. Jedenfalls hörte sie direkt neben sich ein ungnädiges Knurren, das gleich darauf in ein lautes Bellen überging.

»Sei ruhig«, herrschte sie das Tier an, so gut sie in ihrer misslichen Lage herrschen konnte. Sie klang wohl eher wie ein verängstigtes Kätzchen.

Gleich darauf flammte die Lampe über der Haustür auf. Zu allem Unglück schien es die hellste Außenbeleuchtung in diesem ansonsten sehr zurückhaltend mit Licht ausgestatteten Dorf zu sein. Selbst mit der Nase im Gebüsch kniff Felicia geblendet die Augen zusammen, während sie hörte, wie die Tür sich öffnete und energische Schritte auf sie zukamen. Sie konnte nur hoffen, dass der erste Bewohner Schottlands, dem sie privat begegnete, eine freundliche Seele war, ganz gleich ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Freundlicher als der hauseigene Hund zumindest, der sie immer noch so wild anbellte, dass sie nicht gewagt hätte, sich zu bewegen, selbst wenn die Dornen nicht gewesen wären.

»Was machen Sie da?« Die Stimme war angenehm tief und unüberhörbar männlich. Der Fremde besaß einen so weichen Akzent, dass sie entzückt gewesen wäre, hätte sie nicht kopfüber in einem Busch gehangen.

»Ich …« Obwohl ihr Englisch normalerweise gut war, musste sie sich konzentrieren, um einen vernünftigen Satz herauszubekommen. Aber welcher Satz war in ihrer Lage schon vernünftig? »Ich wollte bei Ihnen klingeln, um nach dem Weg zu fragen.«

»Und warum sind Sie dann nicht einfach an die Haustür gekommen?«, erkundigte die warme Stimme sich interessiert.

»Es ist ziemlich dunkel. Ich bin wohl vom Weg abgekommen.« Das hörte sich gar nicht so schlecht an. Der Hund schien allerdings nicht von ihrer Harmlosigkeit überzeugt zu sein. Er bellte immer noch so laut, dass sie gegen das Getöse anschreien musste, das er veranstaltete.

Der Mann hingegen schwieg.

»Es wäre nett, wenn Sie mir aus diesem Busch helfen würden«, bat sie schließlich demütig. »Ich hänge fest.«

Durch irgendeinen Zaubertrick brachte der Schotte den Hund zum Schweigen. Dann packte er Felicia bei den Schultern und hob sie fast senkrecht hoch, sodass die Dornen sie nicht noch mehr verletzen konnten. Allerdings knirschte der Stoff ihrer Jeans verdächtig, das war aber im Moment ihr geringstes Problem.

»Vielen Dank«, stieß sie aufatmend hervor, als ihr Retter sie behutsam auf die Füße stellte. Endlich hatte sie Gelegenheit, den Einheimischen im Licht der Außenlampe zu betrachten. Er war einen guten Kopf größer als sie, breitschultrig und trug nichts außer einem Paar Shorts aus weichen Sweatstoff.

»Oh, ich habe Sie aus dem Bett geholt. Entschuldigen Sie bitte. Ich wollte nur nach dem Weg fragen.«

Mit einer lässigen Handbewegung deutete er auf die offenstehende Haustür. »Kommen Sie erst mal rein. Wenn Sie sich an den Dornen verletzt haben, sollte ich mir das ansehen.«

»Wieso ansehen?«, stieß sie mit komisch kieksender Stimme hervor. Sie konnte unmöglich mit einem praktisch nackten Mann ins Haus gehen.

»Das sollte desinfiziert werden. Außerdem feiern die Mücken heute Nacht in meinem Haus eine rauschende Party mit meinem Blut, wenn ich nicht bald die Tür wieder zumache.«

»Ich komme schon zurecht«, behauptete sie und machte einen Schritt in Richtung ihres Autos. »Wenn Sie mir sagen, wo ich das Pheasant Inn finde. Dort habe ich ein Zimmer reserviert.«

»Das ist um diese Zeit längst geschlossen. Aber wenn Sie wollen, rufe ich an und sage Bescheid, dass Sie da sind. Sie sind die Journalistin, stimmt’s?«

Verblüfft nickte sie. Die Wege, die Informationen in diesem Dorf zu nehmen hatten, waren offenbar kurz. Sie stolperte in einem x-beliebigen Vorgarten herum, und der Besitzer wusste sofort, wer sie war. »Kennen Sie etwa auch meinen Namen?«, erkundigte sie sich interessiert.

Sein Lachen schien aus den tiefsten Tiefen seiner breiten Brust zu kommen. »Den habe ich sicher von irgendjemandem gehört, aber ich habe ihn leider vergessen.«

Sie nickte verständnisvoll und machte keine Anstalten, seiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. Als Großstadtmensch war es ihr unheimlich, wenn Fremde ihren Namen kannten.

»Jetzt kommen Sie schon rein. Ich bin Tierarzt und sollte mir die Sache mit den Dornen mal ansehen.

»Weil Sie Tierarzt sind?«

Er zuckte mit den nackten Schultern. »Hier im Dorf gibt es keinen Humanmediziner, und der Arzt in Kyleakin ist chronisch überlastet, erst recht im Sommer, wenn hier die Touristen herumstolpern.«

»Ich bin keine Touristin«, erinnerte sie ihn.

Er reagierte nicht, sondern wartete nur schweigend, was sie zu tun gedachte. Mittlerweile mussten tatsächlich eine Menge der laut Reiseführer auf Skye zahlreich vertretenen Mücken in seine beleuchtete Diele geflogen sein.

Felicia spürte deutlich das Brennen der Kratzer auf der Haut. Zum Glück hatten die Dornen sie nur an unverfänglichen Stellen verletzt. Der dichte Stoff ihrer Jacke und ihrer Jeans hatte größeres Unheil verhindert.

»Na gut.« Das klang, als würde sie dem freundlichen Tierarzt einen Gefallen tun. Aber sie hatte ja schließlich nicht um ärztliche Behandlung gebeten.

Stumm wandte er sich um und ging vor ihr zur offenen Haustür. Der große, schwarze Hund trottete hinter ihm her, sie folgte in einiger Entfernung. Dabei überlegte sie, ob der Schotte in der kühlen Nachtluft nicht fror – so leicht bekleidet, wie er war. Sie konnte nicht erkennen, ob er eine Gänsehaut hatte, denn sein Rücken und seine breiten Schultern lagen im Schatten. In der Diele nahm er eine Jacke von einem Garderobenhaken und warf sie sich über. Felicia atmete heimlich auf. Sie war es nicht gewohnt, sich abseits von Stränden und Swimmingpools mit halbnackten Fremden auseinandersetzen zu müssen.

Zu dritt betraten sie ein geräumiges Behandlungszimmer. Abgesehen von dem großen, quadratischen Untersuchungstisch sah man dem Zimmer nicht an, dass hier Tiere und keine Menschen behandelt wurden. In der Ecke des Zimmers stand sogar eine Untersuchungsliege, wie sie in der Praxis jedes Allgemeinmediziners zu finden war.

»Wo tut es weh?«, erkundigte der Tierarzt sich in sachlichem Ton, nachdem er sich über dem Metallbecken neben der Tür die Hände gewaschen hatte.

»Nur an den Unterarmen und am Hals.« Felicia zog die Ärmel ihrer Jacke etwas hoch und deutete dann auf die Stelle, wo sie die oberen Knöpfe offen gelassen hatte. Dabei bemerkte sie einige gezogene Fäden und Risse im Stoff, die ihr allerdings lieber waren als noch mehr brennende Kratzer auf der Haut.

Schweigend betupfte der Mediziner die geröteten Stellen mit einem Desinfektionsmittel. Anschließend erklärte er ihr, dass sie sich nun wegen möglicher Entzündungen keine Sorgen mehr machen müsse.

»Vielen Dank. Was bin ich Ihnen schuldig?«, erkundigte sie sich höflich. »Meine Tasche ist im Auto. Ich werde sofort …«

»Das gehört bei uns zur Gastfreundschaft.« Er zwinkerte ihr zu, und erst in diesem Moment bemerkte sie seine leuchtend grünen Augen. Und seine Haare … die schimmerten in einem beneidenswerten Mahagoniton, für den in Deutschland viele Frauen alles gegeben hätten. Hier in Schottland war die Kombination von roten Haaren und grünen Augen ja angeblich häufig anzutreffen.

»Sie sollten nicht kostenlos arbeiten, noch dazu außerhalb der Sprechstunde«, belehrte sie den attraktiven Tierarzt nach einer kurzen Pause. Sie fand es unangenehm, einem Fremden etwas schuldig zu sein.

»Sie wollen mir jetzt nicht ernsthaft ein Pfund fünfzig für ein bisschen Desinfektionsmittel und fünf Minuten meiner Zeit anbieten?« Er grinste sie an und ging dann zum Schreibtisch, wo er nach dem Telefonhörer griff. »Und jetzt rufe ich im Gasthaus an. Das Pheasant Inn liegt zwei Häuser rechts von der Kirche direkt an der Hauptstraße. Wenn die Beleuchtung eingeschaltet ist, finden Sie es problemlos. Wahrscheinlich hat dort heute niemand mehr mit Ihnen gerechnet. Sie hätten sich von unterwegs melden sollen.«

»Vielen Dank. Das hätte ich auch gern getan, aber mein Akku ist leer.« Felicia ging dicht hinter dem jungen Tierarzt zur Tür und konnte nicht umhin, dabei seine durchtrainierten Waden zu bemerken. Er trug keine Schuhe, und seine Füße waren lang und schmal.

»Vergessen Sie Ihren Hund nicht.« Grinsend deutete er auf das große schwarze Tier, das sich neben dem Behandlungstisch zusammengerollt hatte und schlief. Als hätte es bemerkt, dass die beiden Menschen es ansahen, hob es den Kopf und klopfte mit der Spitze seiner Rute auf den Boden.

Erstaunt wandte Felicia sich um. »Mein Hund? Ich dachte, das ist Ihrer. Er lag in Ihrem Vorgarten, und ich bin über ihn gestolpert.«

»Ich kenne das Tier nicht. Und er scheint überzeugt zu sein, dass er Ihnen gehört.« Tatsächlich stand der Hund auf, als wollte er gemeinsam mit ihr das Haus verlassen. Misstrauisch musterte der Schotte sie. Im Licht der Dielenbeleuchtung funkelte seine Iris smaragdgrün.

»Glauben Sie etwa, ich will den Hund loswerden?«, empörte sie sich. »Ich habe ihn noch nie gesehen!«

»Ich auch nicht«, trumpfte er auf. »Und ich kenne alle, wirklich alle Hunde in Chaleran und den umliegenden Dörfern.« Er sah sie an, als würde er erwarten, dass sie jetzt ihre Untat zugab.

»Was soll ich sagen?« Sie zuckte mit den Achseln. »Ich bin vor ein paar Stunden mit dem Flugzeug in Inverness angekommen. Ohne Hund. Und dann bin ich mit dem Mietwagen hierhergefahren. Ebenfalls ohne Hund. Es sei denn, er lag im Auto drei Stunden unter einem Sitz und hat keinen Mucks von sich gegeben.«

»Könnte so gewesen sein.«

»Das ist nicht Ihr Ernst! Aber selbst wenn – dann gehört der Hund dem Mietwagenunternehmen und nicht mir.«

Während sie versuchten, die Besitzverhältnisse zu klären, stand der Hund so dicht neben Felicia, dass sie durch den Stoff ihrer Jeans seine Wärme spürte. Jetzt stupste er mit seiner feuchten Nase ihren Handrücken an. Hastig trat sie einen Schritt zur Seite. Der Hund rückte auf.

»Ich kann ihn wirklich nicht mitnehmen«, beteuerte sie. »Selbst wenn ich ihn in meinem Zimmer im Gasthof schlafen lassen dürfte. In ein paar Wochen kehre ich nach Deutschland zurück, und in mein Leben passt kein Hund. Genau deshalb habe ich auch keinen.«

»Wo kommt er denn her, wenn er Ihnen nicht gehört?« Immerhin schien er ihr langsam zu glauben.

»Woher soll ich das wissen? Vielleicht ist er irgendeinem Touristen weggelaufen.«

»Na ja, könnte sein. Ich werde nachsehen, ob er gechippt ist. Dann lässt sich feststellen, wo er herkommt.« Er schien immer noch höchst irritiert. Vielleicht hatten die Menschen in diesem kleinen Dorf das Gefühl, ihr Leben vollständig unter Kontrolle zu haben, weil sie alles und jeden im Umkreis von dreißig oder mehr Kilometern kannten. Dazu passte kein fremder Hund, der plötzlich im Vorgarten auftauchte.

»Sie sind Tierarzt«, erinnerte sie ihn. »Für Sie dürfte es kein Problem sein, zumindest übergangsweise einen Hund unterzubringen. Sie können ihm dann ja einen anderen Besitzer suchen, falls Sie nicht herausfinden, woher er kommt.« Sie lächelte ihm aufmunternd zu.

»Offenbar bleibt mir nichts anderes übrig.« Mit gerunzelter Stirn betrachtete er den Hund, der seinen Blick zu spüren schien und ihn ebenfalls ansah.

»Komm her«, forderte der Schotte das Tier auf.

Sofort war es an seiner Seite.

Felicia atmete auf. »Vielen Dank«, wiederholte sie. Immerhin hatte er nicht nur ihre Kratzer behandelt, sondern ihr auch den Weg zum Gasthaus beschrieben, dort angerufen und ihr schließlich, wenn auch widerstrebend, den Hund abgenommen.

»Kein Problem.« Mit gerunzelter Stirn betrachtete er den schwarzen Jagdhund.

»Sie sollten ihn behalten. Ein Tierarzt sollte ein Tier haben. Und ein Labrador passt irgendwie zu Ihnen. Das ist doch ein Labrador?«

Tatsächlich schien der Hund flexibel zu sein und beschlossen zu haben, dass der attraktive Schotte sich als Herr sehr gut eignete. Er setzte sich brav hin und machte keine Anstalten mehr, Felicia zu folgen.

»Ein Tierarzt hat den ganzen Tag Tiere um sich, da ist man manchmal ganz froh, Ruhe zu haben.« Er grinste und legt die Hand auf den Hundekopf. Allzu unglücklich schien er mit der Situation allerdings nicht zu sein. »Man könnte durchaus von einem Labrador reden, wenn da auch am Rande noch ein paar andere Rassen vertreten sind.«

»Ich bin sicher, falls sein vorheriger Besitzer nicht auftaucht, werden Sie ihn behalten«, stellte Felicia heiter fest. »Morgen werde ich Sie mit dem Hund durchs Dorf spazieren sehen, als hätten Sie ihn schon seit Jahren.«

»Wenn Sie das sagen.« Sein Grinsen wurde breiter.

»Sag ich! Eine Frage noch, weil Sie sich hier so gut auskennen …« In der offenen Haustür drehte sie sich noch einmal um.

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