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Das Geheimnis um Semiramis

Katja Prüter

Das Geheimnis um Semiramis


Für Chris und Lenchen.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Einleitung

Schon als Baby war ihr Leben bedroht. In einer Prophezeiung wurde vorhergesagt, das eine junge Frau kommen würde, halb Vampirin und halb Magierin. Sie alleine würde über die Macht verfügen, die zerstrittenen Völker der Insel zu vereinen und die Macht des bösen Hexeres Maglador zu brechen.

Um sie zu retten, brachten ihre Eltern das größte Opfer. Sie trennten sich von ihrem Kind und schickten sie in die Welt der Menschen, jenseits des Dimensionsschleiers.

Nun ist Semiramis zurück. Sie ist bereit den Kampf aufzunehmen gegen Maglador und ihre Eltern zu suchen, die seit damals als verschollen gelten.

Ihr zur Seite steht Deikugon, der tapfere Häuptling der Elfen. Seite an Seite kämpfen sie mit Vladimier, dem Fürsten der Elfen von Dunkelhain, seinem Sohn Seraphin, der Einhornkönigin Sternenstaub und den Magierschülern von Melicor um ihr Schicksal.

Das Ende der Ausbildung

Semiramis besuchte oft ihre ehemaligen Klassenkameraden im oberen Turm. Sie hatte wirklich ohne Schwierigkeiten schon einen Tag nach ihrem Wechsel in die vierte Klasse die Prüfungen abgelegt und bereitete sich jetzt mit ihrem Großvater auf die Zapeta-Prüfung vor. Diese war die endgültige Abschlussprüfung einer magischen Ausbildung in Melicor und zeitgleich auch der höchste Grad, den ein Magier in seiner Ausbildung erlangen kann.

Ihre Freunde empfingen sie immer mit großem Hallo. Sie waren sehr traurig drüber, dass sie nun nicht mehr mit Semiramis zusammen den Unterricht besuchen konnten. Wann immer es ging, übte sie aber mit ihren Freunden und stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Selbstverständlich fand immer noch abends das gemeinsame Training statt und wie es Drant, der Lehrer der vierten Klasse vorausgesehen hatte kamen ein Schüler nach dem Anderen zu ihr und baten darum, ebenfalls mittrainieren zu dürfen.

Die Schüler bestürmten sie regelrecht, auch noch Lerngruppen zwischen Schule und abendlichem Training zu bilden. »Mensch seid ihr hier alle fleißig«, sagte Semiramis eines Abends lachend. »Ach Semi«, bat Lyeed, der sich schon länger in der vierten Klasse aufhielt. »Du hast bisher den anderen Schülern so geholfen. Jetzt brauchen wir deine Hilfe.« Bittend sah er sie an und guckte mit großen Augen zwischen den langen Fransen seines braunen Ponys hervor. Sofort wurde die Bitte von anderen bekräftigt.

»Ich habe so ein Gefühl«, fuhr Lyeed fort, »das es bald zu einem großen Kampf kommen wird. Ich möchte dann dabei sein und nicht hier in der Schule versauern, während ihr alle an vorderster Front mitkämpft.«Semiramis sah ihn erstaunt an. »Wollt ihr deshalb immer mit uns trainieren? Um euch auf den großen Kampf vorzubereiten?« »Natürlich«, wurde ihr vielstimmig geantwortet. »Glaubst du, wir lassen unsere Semi alleine in die Schlacht ziehen? Du magst zwar eine Gestalt in einer Legende sein, aber für uns bist du unsere Mitschülerin, unheimlich hilfsbereit und eigentlich unsere Anführerin!« Machte  Leed seinem Herzen Luft und sah sich dann Beifall heischend um. Rund um sich herum sah Semiramis nickende Gesichter. Schließlich kam Magnus zu ihr und nahm ihre Hand in seine.

»Mensch Semi. Schon damals, als du mich aus dem Sumpfloch gerettet hast, habe ich gespürt, dass du eine unglaubliche Macht in dir hast. Du bist einfach einzigartig. Dir gelingen Dinge, die niemand vorher auch nur zu versuchen gewagt hat. Du hast die Einhörner und die Vampire vereint. Durch dich haben diese beiden stolzen Völker Frieden mit uns geschlossen. Und sieh uns selbst doch nur an. In dir vereint sich das Wissen von Vampiren, Magiern und Elfen, denn auch Deikugon trainiert dich durch eure Gedankenverbindung immer wieder aufs Neue. Du hast Kampftechniken drauf und verbindest sie dann auch noch auf deine ureigenste Weise. Das alles lehrst du auch uns. Du lässt uns an deinem Wissen und Können teilhaben. Vergiss es Semi, dir auszudenken, das wir dich alleine in die Schlacht ziehen lassen. Wir kommen mit!«

Darauf fiel ihr auch keine andere Antwort mehr ein und so nickte sie nur ergeben. Sie trainierten hart und mit Feuereifer. Zum allgemeinen Erstaunen der Eltern und aller Einwohner von Melicor wurden dann auch zeitgleich die Zapeta-Prüfung für die gesamte vierte Klasse angesetzt. Heute aber wurde ausnahmsweise nicht trainiert. Ein Schüler nach dem anderen schwitzte in den Prüfungen. Auch Magnus nahm sie längst nicht so leicht, wie er immer tat. Zwar war er vor Semiramis Versetzung Klassenbester gewesen, aber auch ihm liefen jetzt vor Anstrengung Schweißperlen über die Stirn. Aber dank des Drills, den alle bei Semiramis erleben dürften, waren sie bestens vorbereitet. Welche Aufgabe die Lehrer ihnen auch stellten, welche Fußangel in den Fragestellungen auch versteckt war, alle lösten sie mit Bravour.

Sämtliche Prüfungen wurden schließlich als bestanden bewertet und Vilad ließ es sich nicht nehmen, für Schüler und Eltern ein großes Fest im Turm zu geben. Anlässlich dieses Festes war auch Deikugon wieder zu Besuch in die Magierstadt gekommen. Vilad hatte ihn nach Melicor gezaubert. Für Semiramis war daraus aber ein großes Geheimnis gemacht worden und so stand er dann auch einfach vor ihrem Bett und küsste sie wach. Wie sehr sie sich freute, ihren Geliebten wieder zu sehen, war keine Frage. Glücklich fiel sie ihm um den Hals und drückte ihn fest an sich. Selbstvergessen sahen sie sich in die Augen und versanken im Blick des Anderen. Die Welt um sie herum verlor an Bedeutung und die Zeit verging doch wie im Flug. Auch Semiramis treuer Gefährte Kinvesy freute sich, seinen Vater Dragon wieder zu sehen. Selbstverständlich hatte auch Deikugons Panther seinen Freund und Reiter nach Melicor begleitet.

Nun strichen beide Panther umeinander herum und stupsten sich immer wieder zärtlich mit den Schnauzen in die Flanken, bevor sie wieder die Schnauzen und Köpfe aneinander rieben. »Du hast deine Aufgabe gut gemeistert, mein Sohn«, sendete Dragon an seinen Stammhalter. »Als kleinem Welpen wurde dir die Sicherheit unserer Prinzessin anvertraut und du bist ihr ein guter Freund und Partner geworden. Das hast du bisher alles sehr gut gemacht. Ich bin unendlich stolz auf dich, mein Sohn. Deine Mutter sendet dir die besten Grüße und freut sich schon, dich bald wieder zu sehen, wenn ihr endlich nach BarDon heimkehrt.« Stolz blähte Kinvesy seine Flanken bei den lobenden Worten des Vaters und bedachte Semiramis und Deikugon, die ebenfalls in liebevoller Umarmung ineinander versunken schienen, liebevoll. »Sie ist mir die beste Freundin, Vater. Ich werde ihr bis in den Tod hinein folgen, wenn es sein muss.«

Dragon musterte seinen so erwachsen gewordenen Filius lang. Dann strich er mit seinem Kopf noch einmal über sein Maul. »Grrrr. Ich habe es schon gesagt. Stolzer kann ein Vater nicht auf seinen Sohn sein, als ich es schon bin.« Beide Panther zogen sich zurück in die Hängematten, die vor dem Baumhaus sacht in einem magischen Wind schaukelten. Eng aneinander gekuschelt versanken sie in private Gespräche. Als Semiramis auf der Suche nach ihrer Familie damals nach Melicor gekommen war und hier ihren Großvater gefunden hatte, hatte dieser ihr ein Zimmer hoch oben in seinem Herrscherturm gegeben. Dieses Zimmer war magisch und passte sich den Wünschen seines Bewohners an.

Da Semiramis so gerne einmal sehen wollte, wie Deikugon lebt und ihr Panther etwas Heimweh nach seinem zu Hause hatte, entstand in dem Gästezimmer eine genaue Kopie des Baumhauses, in welchem der Elfenhäuptling wohnte. Kinvesys Vater Dragon war der Panther und Kampfgefährte Deikugons und somit war Kinvesy in der Häuptlingshütte geboren worden. Nur zu genau entstand aus seinen Gedanken verbunden mit Semiramis Sehnsüchten diese exakte Kopie. Hier war es auch, wo Deikugon und Semiramis sich zum ersten Mal sahen. Vilad hatte seiner Enkelin zuliebe und als besonderes Geschenk für eine Prüfung den jungen Häuptling wie auch heute herbeigezaubert. Damals wunderte sich Deikugon sehr, das sein Haus nicht mehr exakt genau so aussah, wie er es eben noch in Erinnerung hatte, denn eine kleine, feine Nuance hatte Semiramis hier geändert. Hier gab es eine Dusche, wie in der Menschenwelt üblich, in der sie aufgewachsen war. So eine Erfindung kannte Deikugon nicht, war aber dann doch davon angetan und fragte seine Gefährtin auch gleich nach dem Ausprobieren, ob sie so etwas auch in BarDon, seinem Heimatdorf, einrichten könnte.

Zärtlich hatte Semiramis ihn angelächelt. »Bei dem Spaß, den wir eben beim gemeinsamen Duschen hatten?« Fragte sie keck. »Das ist meine erste Amtshandlung, wenn wir in deine Hütte ziehen.« Lachend hatten sie sich dann an den Händen gefasst und waren die rund um den großen Baumstamm führende Treppe hinunter gerannt, um zum gemeinsamen Abendessen mit Vilad zu kommen. Nachdem jetzt also die Prüfungen endlich absolviert waren und Semiramis Abreise in ihr gemeinsames Leben mit Deikugon nichts mehr im Weg stand, war die Aufregung natürlich groß. Beide hatten schon vor Semiramis Ankunft auf der vergessenen Insel festgestellt, dass sie einander in Gedanken hören könnten und für Deikugon stand eher als für Semiramis fest, das sie Gefährten für die Ewigkeit waren. Bei den Elfen war es Sitte, das es, wenn auch selten, Lebensgefährten gab, die sich gedanklich auf einem privaten, von niemand abhörbaren Kanal unterhalten konnten. Solch eine Verbindung hatten Semiramis und Deikugon von Anfang an. Ihre Bewusstseine flossen zusammen und bildeten eine Einheit. Zwar gönnte jeder dem Anderen seine Privatsphäre, war aber jederzeit da, wenn es Schwierigkeiten gab, oder reagierte sofort auf Stimmungsänderungen.

Die erste Wiedersehensfreude war kaum verklungen, da tauchte auch schon Vilad auf und entführte Semiramis. »Es tut mir unendlich leid Deikugon, mein Sohn, aber ich werde Semiramis jetzt mitnehmen. Sie hat so hart gearbeitet und eines meiner Geschenke ist jetzt, das ich dafür sorgen werde, dass meine Enkelin heute Abend auf dem Ball die schönste junge Frau ist, die je in diesen heiligen Hallen getanzt hat.« Lachend verschwand Semiramis daraufhin mit ihrem Großvater und Deikugon blieb mit Sehnsucht im Herzen allein zurück. Bevor er aber schon verzweifeln konnte, ertönte ein großes Hallo aus der Empfangshalle. Auch Semiramis Cousin Seraphin und der Fürst der Vampire Vladimir persönlich, waren zum Ball eingetroffen. Dicht hinter ihnen tänzelte die anmutige Gestalt der Einhornkönigin Sternenstaub über die Schwelle. Lachend eilte Deikugon ihnen entgegen und alle begrüßten sie sich nach dieser langen Trennung überschwänglich.

Der Abschlussball

Die große Halle war traumhaft geschmückt. Von der Decke hingen lange Banner bestickt mit den goldenen Drachen des Familienwappens von Vilad und Semiramis weit herab und wehten in einem unsichtbaren Windzug hin und her. An den Wänden waren in Abständen riesige Spiegel angebracht, die in herrlichen mit in Prägetechnik hergestellten Blüten und Ranken reich geschmückten Rahmen steckten. Sie brachen das Licht der an der Decke in regelmäßigen Abständen hängenden Kerzenleuchter und warfen es hundertfach zurück. In ihnen spiegelten sich auch die tanzenden Paare und gaben dem Ball sowohl etwas Feierliches als auch etwas unwirklich-mystisches. Große Holztische waren aufgestellt mit genug Sitzschemeln für alle. Die Tische waren über und über mit den erlesensten Köstlichkeiten gedeckt.

Es gab üppig zu essen und zu trinken und die Stimmung war sehr gut. Eine Gruppe Musiker spielte zum Tanz auf. Viele junge Leute drehten sich auf der Tanzfläche. Immer wieder drang helles Lachen und pure Freudenrufe an die Ohren der Anwesenden. Dann wurde es plötzlich still in der Halle. Auch die Musiker ließen ihre Instrumente sinken. Alle starten wie auf ein unsichtbares Signal hin zur großen Treppe hinauf. Kurz darauf erschien an deren Spitze Semiramis mit Kinvesy an ihrer Seite. Sie bot einen atemberaubenden Anblick. Ihre langen, schwarzen Locken waren zu einer Art Krone auf dem Kopf hochgesteckt, in die blitzende Sterne hinein geflochten waren. Über das hintere Ende der Krone wallte dann ihre übrige Haarmähne ungebärdig bis weit über den Rücken hinab. Mit Goldstaub schien ihr Haar gepudert worden zu sein, denn es schimmerte und glitzerte bei jeder Bewegung. In ihren grazilen Ohrläppchen schaukelten lange Ohrringe mit springenden Panthern hin und her.

Ihr Kleid war Nachtblau und ließ Arme und einen großen Teil des Dekolletés frei. Es schmiegte sich wie eine zweite Haut um ihren üppigen Busen. In der Taille wand sich ein silberner Gürtel um sie, der wieder mit einem Pantherkopf geschlossen wurde und über und über mit Edelsteinen besetzt war. Weit schwang der mitternachtsblaue Rock um ihre Beine. Deikugon wurde bei ihrem Anblick die Luft aus den Lungen gepresst, so verzaubert war er. »Mein«, schoss es ihm nur noch wie ein Mantra durch den Kopf. »Sie ist mein.« Ergriffen eilte er auf sie zu, Dragon an seiner Seite und erwartete sie dann am Fuße der Treppe. Strahlend und liebevoll lächelnd reichte sie ihm ihre Hand und gemeinsam walzten sie fröhlich über die Tanzfläche.

Ihr beiden Panther verließen die Plätze an ihren Seiten. Sie zogen es vor, sich an den Rand der Tanzfläche zurückzuziehen. Dort konnten sie es sich auf extra für sie gerichteten weichen Deckenlagern bequem machen. Einer nach dem Anderen kamen die Eltern ihrer Mitschüler zu Semiramis. Immer wieder nutzten sie die Tanzpausen, um sich bei ihr für ihre Hilfe bei der Ausbildung ihrer mehr oder weniger vielversprechenden Sprösslinge zu bedanken. Als die Liebenden wieder einmal einen Tanz beendet hatten, stand der Schatzmeister Mungus neben ihnen. Er suchte immer wieder die Nähe der jungen Frau und ergriff von tiefer Dankbarkeit erfüllt ihre Hände. »Ohne dich, Mädchen«, seufzte er immer wieder. »Ohne dich wäre Arfa noch immer in der ersten Klasse. Und sieh ihn dir doch jetzt einmal an.«

Eine Träne der Rührung kullerte über das gemütliche Gesicht des korpulenten Magiers. »Er hat die vierte Klasse bestanden. Die Vierte, ach, ich bin ja so glücklich. Jetzt hat er auch noch die Zarpeta-Prüfung geschafft. Ich habe damit nie im Leben gerechnet.« »Ach, Meister Mungus. Er hätte die Prüfung auch ohne mich bestanden. Arfas ist ein sehr guter Magier, er hat nur nicht fest genug an sich selbst geglaubt. Nachdem er in uns Freunde fand und mit uns zusammen lernen konnte, ging es doch fast von alleine.« Mungus lächelte Semiramis liebevoll an. »Mein Sohn hat mir schon gesagt, dass du eine wundervolle junge Frau bist. Du animierst die Anderen, das beste aus sich heraus zu holen und an sich selbst zu glauben. Ich danke dir. Ich werde mir erlauben, dir zu gegebener Zeit ein Geschenk zu überreichen. Wenn du es am dringendsten benötigst, wird es zu dir kommen, so wie du zu Arfas gekommen bist, als er dich am dringendsten benötigte.«

Als Semiramis zum Widerspruch ansetzte, hob er beide Hände. »Nein. Ich lasse mich da nicht umstimmen. So soll es sein.« Mit Tränen in den Augen wandte sich der Magier ab und kehrte in die andere Zimmerecke zu seiner restlichen Familie zurück, die immer noch aufgeregt Arfas umringte.

Als die Feier in vollem Gange war, schob sich Vilad durch die Menschenmenge, die immer noch seine Enkelin umlagerte, und zog sie mit sich zur Seite. »Du hast jetzt alles gelernt, was du von uns lernen konntest. Es ist anscheinend nun an der Zeit, zu Deikugon zu ziehen, oder?« Lächelte er seine Enkelin an. Dankbar und überglücklich fiel Semiramis ihm überschwänglich um den Hals. »Endlich«, jauchzte sie.

»Oh, Großvater. Wir werden dann von BarDon aus versuchen, Informationen über meine Eltern herauszufinden. Wenn auch nur die kleinste Chance auf einen vielversprechenden Hinweis besteht, werden wir losziehen und sie suchen. Das hat mir Deikugon schon versprochen. Naja. Als Nächstes müssen dann noch die Bündnisse mit den anderen Völkern angestrebt werden. Wir werden Boten losschicken und um heimliche Zusammenkünfte bitten, damit Maglador uns nicht zu früh bei den Verhandlungen stört.« Aufgeregt schob sie sich eine Strähne, die sich aus ihrer Haarkrone gelockert hatte, aus dem erhitzten Gesicht.

Jubelnd sendete sie die frohe Botschaft an ihren Gefährten, die sie ihm so schon einmal vor längerer Zeit geschickt hatten »Deikugon, ich komme!« »Zu mir zurück auf die Tanzfläche?« Fragte er, und ein Lachen begleitete seine Worte. »Nein, du Schaf. Ich komme mit dir mit, zurück nach BarDon. Meine Ausbildung ist endgültig beendet. Es ist Zeit, die Schlacht vorzubereiten und da gehöre ich an die Seite meines Gefährten.» Oh Semi. Das ist die beste Nachricht, die ich jemals im Leben bekommen habe. Dafür verzeih ich dir sogar, dass du mich eben als Schaf bezeichnet hast. Panther lass ich mir ja noch gefallen, aber ein grasfressendes Wollknäuel?«

 Trotz des freundlichen Necktons bestand seine Antwort hauptsächlich aus solchen Jubelschreien, dass sie doch zusammenzuckte. »Ich wusste nicht, das man in Gedanken auch schreien kann«, zog sie ihn auf. „Oh doch, kam die Antwort. »Man kann auch in Gedanken lachen und Purzelbäume schlagen. Aber mein Herz. Lass uns diesen Abend noch unbeschwert feiern. Mit den Vorbereitungen der Heimreise fangen wir morgen an.« Lachend lief sie quer durch den Ballsaal auf ihn zu. Glücklich riss er sie in die Arme, hob sie hoch und wirbelte sie dreimal um sich selber. Dann ließ er sie an seinem harten, kampftrainierten Körper nach unten gleiten und gemeinsam mit den anderen Tanzpaaren walzten sie glücklich zu den Klängen der Musik davon.

Schon hoben die Musiker, die auf einer Empore an der Stirnseite des Saales saßen ihre Instrumente und stimmten das nächste Lied an. Die zärtlichen Klänge eines alten Liebesliedes aus Melicor wurden angestimmt. Fest kuschelte sich die junge Frau in die Arme ihres Gefährten. Sanft legte er seinen Kopf auf ihr Haupt und gemeinsam drehten sie sich zu den Klängen der wunderschönen alten Weise. Wie ihm Traum schien der Abend weiter zu gehen. Die Herzen der Feiernden waren angefüllt von Freude und Übermut. Der Abend dauerte noch lange. Fröhlich drehten sich die Paare auf der Tanzfläche.

Man genoss die Ruhepause nach dem harten Training der letzten Wochen. Aber auch das schönste Fest geht einmal vorbei und schließlich zogen sich alle zurück in die Zimmer, die ihnen für eine Übernachtung im großen Turm nach dem Fest zur Verfügung gestellt worden waren. Semiramis und Deikugon blieb am nächsten Tag keine Zeit zum Ausschlafen. Zu ungeduldig hatten sie darauf gewartet, die Heimreise nach BarDon antreten zu können. Nun begannen sie also gleich nach dem Fest mit den nötigen Vorbereitungen. Zwar hatte die junge Frau angeboten, sie alle mithilfe ihrer Magie nach BarDon zu zaubern, aber dieses Vorhaben scheiterte an Dragon. Der Panther wollte sich mit diesem neumodischen Zeug noch nicht so schnell einlassen. »Papa«, lachte sein Sohn Kinvesy. »Was meinst du, wie oft sie mich schon hin und her transferiert hat. Da passiert dir nichts.« Könnten Panther ihr Gesicht in Sorgenfalten legen, würde es Dragon bestimmt tun. »Mein Sohn. Das glaube ich dir alles. Ich bin aber zu alt um mich so schnell schon an solche Dinge zu gewöhnen. Gib mir einfach nur ein- bis zwei Jahrhunderte Zeit. Dann fällt es mir sicher auch leichter.«

»Jahrhunderte?« Prustete Kinvesy los. »Natürlich, Sohn. Du bist von Beginn an an die besonderen Kräfte unsere Prinzessin gewöhnt und in der Jugend lernt man alles leichter. Ich bin da etwas behäbiger.« Zärtlich rieb Kinvesy seine Barthaare an denen seines Vaters. »Vergiss es, Papa. Ich kenne meine Semi. Wenn sie der Meinung ist, wir sind schneller, wenn sie uns hin und her zaubert oder wir gehen größeren Gefahren aus dem Weg, dann bist du schneller in BarDon, als du noch NEIN rufen kannst.«Kummervoll vertraute sich Dragon dann seinem Freund Deikugon an, und dieser hatte Mitleid mit seinem Reit- und Kampfgefährten. Er legte bei seiner Liebsten ein gutes Wort für seinen alten Freund und dessen Bedenken ein und ließ sie auch in Gedanken an diesem Gespräch und Dragons übermittelte Gefühle teilhaben. Semiramis weiches Herz übernahm sofort die Führung. Sicher wären sie mit Zauberei schneller in BarDon.

So würden sie drei Wochen für die Reise benötigen. Aber diese drei Wochen würden auch so etwas wie vorgezogene Flitterwochen sein. In Gedanken waren sie und Deikugon ja schon seit ihrer Ankunft auf der Insel verbunden und kannten ihr gegenseitiges Inneres und ihre Gedanken wie ihre eigene Westentasche. Aber körperlich und tatsächlich hatten sie sich erst wenige Male gesehen. Nun hatten sie die Chance, wirklich zusammenzuwachsen und endgültig Gefährten zu werden, die miteinander durch dick und dünn gingen. Deikugon lachte, als sie ihm ihren Entschluss mitteilte.

»Wenn du mein angebranntes Essen isst, dann liebst du mich wirklich«, zog er sie auf. »Vergiss es«, lachte sie ihn lieblich an. »Ich werde das Essen herzaubern, und wenn ich dir so manche gängige Mahlzeit aus meiner Heimat vorsetze, werden wir ja sehen, ob du mich wirklich liebst. Hmmm. Lass mich Mal überlegen. Hast du schon Mal chinesisch gegessen? Ich liebe Morcheln, Bambus und Glasnudeln.« Verschmitzt sah sie ihn an. » „Chi...? Was?« Fragte er verständnislos. Lachend prustete sie los. »Du wirst es lieben, glaub mir. Und wenn du chinesisches Essen nicht magst, gibt es noch italienisches, türkisches, indisches...ach...warte es einfach ab. Zur Not zaubere ich uns Hamburger und Pommes.« Bei all dem angekündigten unbekannten Essen wurde Deikugon etwas blass, aber seine Liebe zu Semi siegte und da er in ihren Gedanken las, dass ihr das beschriebene Essen sehr gut schmeckte, vertraute er ihr da vollkommen. »Mach nur, mein Schatz. Ich freue mich auf all das Unbekannte, welches du mich lehren wirst.«

Es wird Ernst

Als ihre Freunde mitbekamen, dass Semiramis Vorbereitungen traf, die Stadt zu verlassen, wollten am liebsten alle mit ihr gehen. Es gab einige Auseinandersetzungen mit den Eltern, aber schließlich setzten sich die frischgebackenen Zapeta Absolventen durch und gingen als Sieger hervor. Semiramis lachte nur, als sie ihr sagten, sie würden auf jeden Fall mit ihr ziehen, komme, was wolle.

 

»Ich kann euch doch nichts verbieten, was ich selber tue. Aber«, ernst sah sie ihre Freunde an. »Es wird gefährlich werden. Vermutlich werden wir auch in Kämpfe verwickelt, denn die Trolle greifen ja immer wieder BarDon an.«»Sieh es doch so einfach locker.« Sagte Lydeen lakonisch. »Nur im Kampf bekommen wir die Erfahrung, die wir benötigen. Wozu haben wir so hart trainiert, wenn wir jetzt zu Hause bleiben sollen?« Kinvesy meldete sich in Semiramis Gedanken und sendete ihr ein Bild von zwei Panthern, die über eine saftige Wiese jagten. Lachend sendete Semi zurück. »Ich weiß doch, dass du dich über die Heimkehr freust, mein Freund.« Zärtlich kraulte sie ihren Panther hinter dem Ohr und dieser drehte verzückt den Kopf zur Seite, damit sie ihn noch besser verwöhnen konnte. Das leise Lachen von Deikugon klang in ihren Gedanken auf. »Hmmmm.« Schnurrte seine Stimme genießerisch.» Das mag ich glaub ich auch, mein Herz.« Kichernd sicherte sie auch ihm Zärtlichkeiten für den bevorstehenden Abend zu.

 

Die letzten Abende in Melicor verbrachten die Freunde damit, ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. »Ich befürchte, das Maglador inzwischen durch seine Späher erfahren hat, das hier bei uns umfassende Bündnisse getroffen wurden«, sagte Vilad mahnend. »Vor einiger Zeit hatte ich eine Vision, dass demnächst ein Großangriff auf BarDon stattfinden wird. Daher habe ich auch den Direktor unter Druck gesetzt, deine Ausbildung nicht unnötig in die Länge zu ziehen.« »Du glaubst, das erste große Ziel der Gegner ist ausgerechnet BarDon ist?« Versicherte sich Semiramis erschrocken. »Ich vermute es sehr stark«, bestätigte Vilad nickend. »Die Heimat der Pantherreiter liegt von all unseren Gebieten am nächsten am verfluchten Land, wo Maglador in seinem Schloss residiert. Es wäre nur logisch zuerst dort anzugreifen.«

 

»Dann sollten wir dort unsere Kräfte bündeln. Wir«, sie sah ihre Freunde an, »wollten ja sowieso nach BarDon ziehen. Dann sind wir schon mal am richtigen Platz.« Beifall heischend sah sie sich in der Runde um und erntete auch tatsächlich nur zufriedenes Nicken von allen Seiten. »Ich werde eine Truppe von 50 Einhörnern nach BarDon beordern. Ich gebe noch heute telepathische Nachricht. Wir werden uns dann dort mit ihnen treffen«, kam es von Sternenstaub.»30 Vampire sind schon in BarDon.

 

Vater hat mir vorhin erst mitgeteilt, dass er im selben Moment, in dem er erfahren hat, das wir zu deiner neuen Heimat aufbrechen wollen, noch einmal 40 Krieger in Marsch gesetzt hat. Als sie hörten, das ihre Prinzessin an die Front gehen würde, gab es für sie sowieso kein Halten mehr«. Die Abende bis zu ihrer bevorstehenden Abreise waren mit Vorbereitungen und Besprechungen angefüllt. Vladimir selbst konnte leider nicht mit nach BarDon kommen, denn Semiramis Onkel wurde in Dunkelhain benötigt, falls die Angreifer ihre Strategie änderten und auch Dunkelhain angreifen werden. Dies ist das nach BarDon am nächsten liegende Reich an Magladors dunkler Zone.

 

»Es kann ja gut sein, das sie die Aussichtslosigkeit ihrer Angriffe gegen uns einsehen und ihre Taktik dann ändern«, argumentierte er. Seraphin stimmte ihm zu. »Ja Vater. Es wäre falsch, nicht mit all der Bosheit zu rechnen, die Maglador aufbringen kann. Wenn er denkt, wir hätten Dunkelhain entblößt, um Bardon mit all unseren Kämpfern beizustehen, dann ist meiner Meinung nach ein Angriff auf unser Reich vorprogrammiert.« Der weise Vilad nickte. »Vladimir. Du hältst mit dem Rest deiner Krieger Stellung in deinem Reich.« Er wandte sich an die Einhornkönigin. »Dasselbe rate ich auch dir, Sternenstaub. Kehre zu deinen Leuten zurück und befestige die Grenzen gut gegen verstreute Marodeure oder einen Wutangriff von Magladors zurückgejagten Kriegern. Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir dann einen gemeinsamen Angriff auf das dunkle Königreich starten und mit all unseren verfügbaren Kämpfern und unseren gebündelten Kräften nach Wolkenbruch ziehen. Vorher gilt es, die Streitmächte des schwarzen Hexers zurückzutreiben und zeitgleich auf das zu uns Stoßen unserer Verbündeten und Freunde zu warten. Ich bin sicher, das viele der Völker sich auf unsere Seite stellen werden. Die Ankunft von Semiramis hat sich ja schon wie ein Lauffeuer verbreitet. Sobald du in die Schlacht ziehst, werden die Entscheidungen fallen.«

 

Zustimmend nickten Semiramis und Deikugon gleichzeitig. Sie hatten auf ihrer geheimen Gedankenverbindung diskutiert und waren zu dem gleichen Ergebnis gelangt, wie Vilad. »Also kehren Semiramis und ich, zusammen mit unseren Freunden aus der Zapeta Klasse nach BarDon zurück. Mit der Unterstützung der in Richtung meiner Heimat schon aufgebrochenen Vampirkriegern und Einhornkämpfern werden wir sicher in der Lage sein, diesen neuen Hinterhalt der vereinigten Trollreiche zurückzuschlagen.« Semiramis begleitete seine Worte mit energischem Nicken.

 

»Oh ja. Gemeinsam sind wir ein ernst zu nehmender Gegner für die grünen Riesen.«Es dauerte an diesem Abend noch lange, bevor sich die Versammlung auflöste. Seraphin hatte darauf bestanden, Semiramis und Deikiugon zu begleiten und die Vampirkrieger im Kampf in BarDon anzuführen. Sie würden sich sehr freuen, ihren jungen General wieder zu sehen. Kampflustig blitzten seine blauen Augen unter den schwarzen Ponnyfransen hervor. Während er so auf seinem schönen Rappen hinter den beiden Panthern und ihren stolzen Reitern hergaloppierte, wanderten seine Gedanken immer wieder zurück zu ihrem Ritt nach Melicor, wo Sternenstaub ihm immer wieder erlaubt hatte, bei ihr aufzusitzen. Wunderbare Gespräche hatten sie da geführt und viel gelacht. Es war ein ganz anderes Reitgefühl. Wie weich waren ihre Bewegungen und wie anmutig war sie in gestrecktem Galopp dahin geflogen. Bei ihr schien alles so mühelos zu gehen.

 

Aber er genoss diesen wilden Ritt jetzt ebenfalls aus voller Seele. Es war eine wilde Jagd. Die Landschaft flog regelrecht an ihnen vorbei. Die beiden Panther konnten es kaum erwarten ihre Heimat wieder zu sehen und ihre Tatzen flogen nur so über den Waldboden. Kräftige Muskeln bewegten sich unter seidigem Fell. Geschmeidig saßen die beiden Reiter auf ihren Freunden und bildeten ein harmonisches Bild. Wild flogen ihre Haarmähnen hinter ihnen her und flatterten im Wind. Freudig blitzten die Augen und suchten doch immer wieder den Blick des Gefährten. Sie bildeten ein wunderschönes Bild, das junge Paar.

 

Ihre Freunde mussten sich anstrengen, mit ihnen Schritt zu halten und immer wieder traf ein wohlgefälliger Blick auf sie. Man konnte direkt sehen, wie sehr sie sich liebten und so mancher seufzte innerlich immer wieder auf bei ihrem Anblick und wünschte sich auch solch ein Glück. Der Morgen dämmerte schon, als sie beschlossen, ihr Lager aufzubauen. Müde stiegen die Freunde in einer geschützten Talsenke im Schatten eines hohen Berges von ihren Reittieren.»

 

Für die erste Etappe sind wir gut genug vorangekommen«, meinte Deikugon und strich Semiramis eine vorwitzige Haarsträhne aus der Stirn. »Wir Elfen lagern immer in der freien Natur. Wir machen uns ein schönes Lagerfeuer und bereiten uns ein weiches Bett aus Moos und Blättern. Dann kuscheln wir uns an unsere Panther und wärmen uns mit einer warmen Decke«, erklärte der Elf. »Aber ich schätze, ihr Magier habt da andere Sitten«, schmunzelte er und grinste die ehemaligen Zapeta Schüler frech an. Magnus griente ebenso frech zurück.

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