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Das Geheimnis der Templer SANG REAL I: Neuanfang

Vielen Dank!

Mein allerherzlichster Dank gilt selbstverständlich zuallererst meinen Eltern, die mich immer unterstütz haben und immer bei mir sind, wenn ich sie brauche. Dann natürlich Reyhan Yıldırım, für ihr atemberaubendes Cover (wer mehr Meisterwerke von ihr sehen möchte, besucht bitte ihre Website: www.facebook.com/Reyhans-Artwork). Und last but not least Dan Aykroyd und Harold Ramis denn ohne ihren Film Ghostbusters wäre diese Geschichte niemals entstanden.

© 2016 Dennis Tebbe

Umschlag, Illustration: Reyhan Yıldırım

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback 978-3-7345-4869-7
e-Book 978-3-7345-4870-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die Geschichte des Templerordens

oder

Was bisher geschah...

Etwa 7 v.:

Geburt Jesu.

26:

Hochzeit von Jesus und Maria Magdalena in Kana.

27:

Jesus verbringt drei Jahre in Qumran (in der Wüste).

28:

Auftreten Johannes des Täufers.

31:

Jesus verlässt Qumran und wird für den König der Juden gehalten.

32:

Johannes der Täufer wird ermordet.

Jesus beansprucht den Titel des königlichen wie des priesterlichen Messias.

33:

Jesus wird durch Pontius Pilatus am Freitag, 3. April in Jerusalem gekreuzigt.

34:

Maria Magdalena bringt Jesu Tochter Sara, genannt die Schwarze, zur Welt.

42:

Maria Magdalena flüchtet zusammen mit ihrer Tochter und Josef von Arimathäa per Schiff

aus Alexandria und geht in der Nähe von Saintes-Maries-de-la-Mer an Land.

53:

Saras Sohn Josue, Vater des Fischerkönigs, wird geboren.

415:

Ehe Siegses, Chlodios Schwester, mit Erben Jesu, Sohn Merowech (* 416). Durch diese Heirat mit dem Stamm der Salfranken begründen die Rex Deus die Dynastie der Merowinger.

1099:

Die Kreuzfahrer erobern Jerusalem von den Mauren. Errichtung von christlichen Staaten und einem katholischem Patriarchat im Heiligen Land. Die Kreuzritter bestehen hauptsächlich aus französischen Truppen, angeführt durch den Adelsritter Gottfried von Bouillon, einem Nachfahren der Merowinger, unter dem auch das „Königreich Jerusalem“ ausgerufen wird. Gottfried stirbt ein Jahr später und sein Bruder Balduin I. wird neuer König von 1100 bis 1118.

1101:

Im Sommer dieses Jahres wird in Caesarea ein smaragdgrünes Gefäß (aus Glas) gefunden, in welchem Christus das Abendmahl gereicht haben soll. Die Genuesen erhalten es von Balduin I. für ihre Hilfeleistung als Geschenk. Spätere Geschichtsschreiber bringen dieses Gefäß mit dem Gral in Verbindung.

Papst Paschalis II. ruft zum erneuten Kreuzzug auf.

1103:

Errichtung der Felsenburg Mont Pelerin vor Tripolis durch Raimund IV. von Saint-Gilles.

1104:

In diesem Jahr findet ein geheimes Treffen der Familien Brienne, Joinville und Chaumont statt. Mit dabei ein Ritter, der gerade aus dem Heilligen Land gekommen war. Hugo von der Champagne bricht danach mit Hugo de Payens ins Heilige Land auf.

1108:

Aufruf der geistlichen und weltlichen Fürsten zur Christianisierung des Slawenlandes.

Rückkehr von Hugo de la Champagne aus dem Heiligen Land nach Frankreich.

1113:

Papst Paschalis II. erkennt den Johanniter-Orden offiziell an.

1114:

Hugo de Payens und Hugo von der Champagne unternehmen erneut eine Pilgerreise nach Jerusalem. De Payens lässt sich dort nieder.

1115:

An der Handelsstraße Mekka-Damaskus wird von Balduin I. die Festung Montreal gebaut.

Hugo von der Champagne kehrt nach einem knappen Jahr Aufenthalt in Jerusalem nach Frankreich zurück.

Hugo von der Champagne stiftet den Zisterziensern Land (dort errichtet Bernhard von Clairvaux ein Kloster).

Der Zisterzienser Stephan Harding (Abt von Citeaux) beauftragt Bernhard von Clairvaux ein Kloster in der Champagne zu errichten.

1117:

Balduin I. von Boulogne formuliert und diktiert in diesem Jahr die Verfassung der Templer in St.-Leonardd’Acre.

1118:

Hugo von Payens erhält von König Balduin II. die erste Ordensniederlassung im Jerusalemer Tempelbezirk, um mit seinen Rittern Pilger zu beschützen. In den weiteren Jahren kommt es durch die Templer zu ausführlichen Grabungen unter dem Tempelberg.

1120:

Eintritt des Grafen Fulk von Anjou in den Templerorden.

1124:

Hugo von der Champagne tritt dem Templerorden bei.

1127:

Hugo de Payens unternimmt als Meister des Tempels eine Werbereise nach Frankreich, ihn begleiten vier Ordensritter. Finanziert wird die Reise von Balduin II. Dubourg, dem König von Jerusalem.

1128:

Auf dem Konzil von Troyes kommt es unter tatkräftiger Mitwirkung des Zisterzienserabtes Bernhard von Clairvaux zur kirchlichen Anerkennung der Armen Ritter vom Grabe Christi; Bernhard verfasst eine Regel für sie, desgleichen ein enthusiastisches Werbetraktat, betitelt Zum Lob der neuen Ritterschaft

1129:

Belagerung von Damaskus. In der Entscheidungsschlacht erleiden die Kreuzfahrer eine vernichtende Niederlage durch einen Hinterhalt der Muslime. Hier erscheinen erstmals Templer als Soldaten (unter Hugo de Payens).

1130:

Die Templer erhalten die Grenzburg Granada (Spanien/Portugal) zur Verteidigung der Christenheit gegen die Mauren.

1140:

Der französische König Ludwig VII. befreit die Templer von allen Abgaben in Frankreich.

1142:

Johannes II. Komnenos, Kaiser von Byzanz, hält sich in der Templerfestung Bagheres auf. Der Grund seines Aufenthalts ist nicht bekannt.

1143:

Der Templerorden erhält die spanische Stadt Gerona inklusive der dazugehörigen Burg als Schenkung.

1146:

Bernhard von Clairvaux predigt den Kreuzzug in Vezelay in Burgund im Rahmen eines Hoftages.

1147:

130 Templer treffen sich unter Führung Eberhard de Barres, dem Meister von Frankreich, um den Aufbruch nach Jerusalem zu planen. Zu diesem Treffen stößt überraschend Papst Eugen III., der ihnen das rote Tatzenkreuz als Symbol des permanenten Kreuzzuges verleiht.

1153:

Tod von Bernhard von Clairvaux, dem Zisterzienser-Abt und charismatischen Prediger.

1156:

Bertrand de Blanquefort veranlasst Grabungen in den alten Goldminen von Rennes-le-Chateau.

1171:

Angriff auf die Festung Montreal (besetzt von Kreuzfahrern) durch Saladin. Den Sieg vor Augen zieht er plötzlich ab, dies bringt ihm bei seinen Landsleuten große Kritik ein. Erste Begegnungen mit den Armeen der Dämonen.

1174:

Vereinigung der gesamten islamischen Welt unter dem Kommando von Saladin.

1185:

In England werden die ersten Walkmühlen von Templern errichtet.

Tod von Balduin IV., dem König von Jerusalem, er stirbt an Lepra. Seine Schwester Sybille wird zur Königin gekrönt (Templer unterstützen die Entscheidung), da eine Frau nicht Herrscherin über Jerusalem werden sollte, wurde ihr Ehemann Guido de Lusignan zum König ernannt. Seine Frau Sybille setzte ihm persönlich die Krone auf.

1187:

Schlacht auf den Hügeln Hattin bei Tiberias. Ein Kreuzfahrerheer zieht gegen Saladins Armee und erleidet eine totale Niederlage; Templerteilnahme.

Ankunft der Sarazenen unter Saladin vor Jerusalem, die sofort mit der Belagerung der Stadt beginnen.

Öffnung der Stadttore Jerusalems und Übergabe der Stadt an die Sarazenen. Oberbefehlshaber der Christen war Johann von Ibelin. Der Dämon Baphomet kämpft gegen eine ganze Streitmacht unter dem Befehl des Dämonen Asmodis. Nachdem die feindlichen Armeen vernichtend geschlagen wurden, bittet Baphomet um eine Unterredung mit dem Befehlshaber der Ordenstruppen vor Ort. Der Dämon bietet sich als Verbündeter im Kampf gegen die feindlichen Armeen an. Der Befehlshaber akzeptiert unter zwei Bedingungen, niemand darf je von dieser Vereinbarung erfahren und Baphomet muss den obersten Rittern des Ordens alle Informationen geben, über die er verfügt. So erfahren sie von den Exilanten und den Jägern und es entsteht der innere Kreis des Ordens.

1190:

Belagerung der Templerburg Tomar in Portugal durch den Sultan vom Marokko.

1191:

Die Templer werden von den Adligen und Prälaten zu Hütern des Gottesfriedens für das Languedoc und die Provence ernannt.

Einnahme von Zypern durch Kreuzfahrer unter Richard I. Löwenherz, König von England und Philipp August II., König von Frankreich, nur aus dem eigentlichen Grund, um selbst Kontakt mit den Jägern aufzunehmen. Sie werden allerdings von Streitmächten der Exilanten überrascht und können nur kurz mit Baphomet sprechen. Löwenherz muss als Templer verkleidet fliehen.

Eroberung von Akkon nach zwei Jahren Belagerung durch Richard Löwenherz und Philipp August II., König von Frankreich. Danach wird Akkon französische Hauptstadt im Heiligen Land.

1192:

Kauf der Insel Zypern von Guido de Lusignan. Er kauft die Insel von den Templern für 25.000 Mark Silber.

1193:

Tod von Saladin in Damaskus.

1204:

Erstürmung der Mauern von Konstantinopel. Ein Feuer zerstört einen kompletten Stadtteil. Dieser Angriff gilt als entscheidend für die Eroberung von Konstantinopel durch christliche Kreuzfahrer. Die Tempelritter finden das „Buch der Toten“, das Necronomicon. Baphomet bittet sie dieses Buch unter allen Umständen unter Verschluss zu halten. Bei einem überraschenden Gegenangriff der Exilanten, stellt Baphomet erstmals eine Legion Dämonen unter den Befehl der Ritter.

1205:

Die Kirche nötigt Graf Raimund VI. von Toulouse gegen Katharer vorzugehen. Der widersetzt sich jedoch.

1207:

Transport der Bundeslade im Rahmen einer Prozession nach Aksum (Äthiopien), durch die Templer.

Exkommunikation von Raimund VI. von Toulouse, da er die Katharer nicht verfolgt.

1208:

Papst Innozenz III. kritisiert die Templer wegen Geisterbeschwörung scharf.

Ermordung des päpstlichen Legaten Pierre de Castenau im Languedoc, wofür Rom die Katharer verantwortlich macht. Papst Innozenz III. ordnet eine Strafexpedition gegen Katharer/Albigenser an. Daraus entwickelt sich der Kreuzzug gegen sie.

1209:

Erstürmung des Languedocs von einem Heer aus Nordfrankreich. Das Gebiet wurde regiert von dem Grafen von Toulouse und dem Hause Trencavel.

Das Blutbad von Béziers findet im Rahmen des Kreuzzuges gegen die Katharer statt. Chronisten berichten von 15-20.000 toten Katharern.

Einnahme von Carcassonne durch die Kreuzfahrer. In der Folge werden 400 Katharer verbrannt und 50 gehängt.

1215:

Unterzeichnung der Magna Charta auf der Wiese von Runnymede bei Windsor. Johann Ohneland, König von England, wurde von den Baronen und Prälaten des Landes, sowie der Londoner Bürgerschaft, wegen der Verteidigung der alten sächsischen Rechte und Freiheiten unter Druck gesetzt. Templer sind als Ratgeber des englischen Königs anwesend.

1217:

Templer beginnen im Heiligen Land mit dem Bau ihrer Festung Atlit.

1229:

Kaiser Friedrich II. zieht in Jerusalem ein. Die Stadt wird ihm kampflos übergeben.

1240:

Baubeginn der Templerburg Safed.

1243:

Erstürmung der Festung Montségur im Languedoc nach zehnmonatiger Belagerung, im Rahmen des Kreuzzuges gegen die Katharer. Mit dem Fall der letzten Bastion der Katharer erlischt ihr Widerstand.

1244:

Erstürmung Jerusalems durch ein türkisches Söldnerheer.

1266:

Eroberung der Templerfestung Safed durch mamelukkische Truppen; alle gefangenen Templer werden enthauptet. (Vermutlich fiel die Burg durch Verrat.)

1274:

Konzil von Lyon. Papst Gregor X. versucht die drei Ritterorden zu vereinigen.

1289:

Die Mameluken (unter dem kriegerischen Sultan Qalawun) nehmen Tripolis ein. Zuvor wurden die Templer von einem Spion unter den ägyptischen Emiren über den Überfall informiert. Der damalige Großmeister de Beaujeu warnt die Stadt, die jedoch nicht auf ihn hört.

1291:

Philipp IV. (der Schöne), König von Frankreich, geht gegen lombardische Bankiers vor, da diese ihm den Kredit verweigern.

1300:

Angriff auf Alexandria durch Kreuzfahrer, Johanniter und Zyprioten. Ferner wird das Nildelta und die syrische Küste bei Tortosa angegriffen. Dies bedeutete einen letzten verzweifelten Versuch noch einmal im Heiligen Land Fuß zu fassen, der jedoch scheiterte. Im Rahmen dieser Kämpfe erobern die Templer jedoch die vor Tortosa gelegene Insel Aruad und bauen sie sofort militärisch aus. Aruad soll für die Templer als Basis für weitere Vorstöße dienen.

1302:

Die Insel Aruad (besetzt von Templern mit ca. 120 Rittern, 500 Bogenschützen und 400 dienenden Brüdern) wird von Mamelucken angegriffen und nach kurzer, heftiger Gegenwehr von den zahlenmäßig weit überlegenen Mamelucken zurückerobert.

1305:

Papstwahl von Clemens V. (Bertrand de Goth).

1307:

Philipp IV. erlässt an die führenden Beamten des Landes den Befehl, alle Templer des Landes am 13.10. zu inhaftieren.

Die Flucht der Templerflotte (Schatz) aus Paris in Richtung Westen über die Seine.

Freitag. Beginn der Verhaftungswelle aller Templer in Frankreich, angeordnet von Philipp IV.

Philipp IV. lässt die Gründe für die Verhaftungswelle gegen die Templer öffentlich aushängen.

Philipp IV. verschickt an die Regenten der Christenheit Briefe mit der Aufforderung, es ihm in Sachen Templer gleichzutun.

1308:

Die letzten freien Templer fliehen über die Brücke von Alcántara über den Fluss Tajo (Portugal). Es ist der letzte Fluchtweg.

1309:

Gründung des Ordens „Ritter von Rhodos“, entsprungen aus den Johanniterrittern.

Johanniter erobern die Stadt Rhodos und errichten ein eigenständiges Fürstentum.

1310:

Die Deutschritter erwerben Pomerellen (das spätere Pommern).

54 sogenannte „rückfällige“ Templer werden in Paris auf Befehl des Königs verbrannt, um ein Zeichen für die verbliebenen Templer zu setzen.

1311:

Clemens V. erklärt die Ermittlungen gegen die Templer für abgeschlossen.

Konzil von Vienne. – Inhalt: Beschluss über das Schicksal des Templerordens.

1312:

Philipp IV. droht dem Papst mit dem Einmarsch von Truppen in Vienne, wenn auf dem stattfindenden Konzil nicht endlich eine Entscheidung in der Templerfrage fällt.

Bulle „Ad providam“: Der Orden der Templer wird dadurch von Papst Clemens V. offiziell aufgehoben.

1314:

Tod von Guido d’Auvergne (Templer), Gottfried de Charney (Templer-Präzeptor) und dem Großmeister Jacques de Molay. Sie werden in Paris auf der so genannten Judeninsel gegenüber von Notre-Dame verbrannt. Zuvor wurden sie zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, worauf sich de Molay und de Charney erhoben und widerriefen. Die Konsequenz, der Feuertod, war ihnen bekannt. Der von Jacques de Molay kurz vor seinem Martyrium zum 24. Großmeister ernannte Dämon Baphomet sammelt die verstreuten Reste der Templer und führt den Orden im Geheimen weiter. Der innere Kreis bleibt weiter mit ein paar Dutzend Ausgewählten bestehen. Baphomet und die Jäger schließen ihre Kräfte vollkommen zusammen, um weiter die Exilanten und ihre Verbündeten zu bekämpfen. Sie bauen ein geheimes Ordenshaus in Kilmartin in Schottland zu einer riesigen Festung um, die dem Templerorden als neues Hauptquartier dient.

Tod von Clemens V. (Bertrand de Goth). Er stirbt an der Ruhr.

Schlacht von Bannockburn – gewonnen durch die Intervention einer Templer-Streitmacht.

Tod von Philipp IV., in Fontainebleau stirbt er bei einem Jagdunfall.

1456:

Bau der Rosslyn Chapel als neuer Hauptsitz des Templer-Ordens.

1725:

Generalkonvent des Ordens in Nancy. Der Großmeister Baphomet bestätigt am 24. Juni die neuen Statuten. Der Templerorden hat nun offiziell seinen neuen Sitz in Nancy.

1844:

Baphomet bestimmt Heinrich Heine zu seinem Nachfolger im Amt des Großmeisters.

1848:

Die Saint-Clair-Charta bestätigt die Saint-Clairs als Großmeister.

1934:

Durch das magistrale Dekret vom 10. Oktober werden alle Befugnisse dem Regentschaftsrat des Ordens mit Sitz in Nancy übertragen. Raphael de Saint-Clair wird neuer Großmeister und erhält alle Rechte.

1939:

Bedingt durch die Kriegseinwirkung und die Besetzung Lothringens, verlegt der Großmeister Raphael den Sitz des Ordens nach München in Deutschland, nach dem Krieg zieht der Orden in die Birkenleiten.

1940:

Die Templer schließen sich der französischen Résistance an und unterstützen sie im zweiten Weltkrieg.

1944:

Durch gezielte Sabotageaktionen gelingt es den Templern zusammen mit der Résistance SS-Verfügungsdivisionen immer wieder in Kämpfe zu verwickeln und sie dadurch so lange aufzuhalten, damit der Erfolg der Landung der Alliierten in der Normandie sichergestellt ist.

1988:

Die Ordensgemeinschaft erwirbt ein 1880 gebautes, historisches Schlösschen im altdeutschen Stil und baut es für seine Zwecke aus.

1990:

Am 22. September übernimmt Michael de Saint-Clair das Amt des Großmeisters von seinem Vater Raphael de Saint-Clair.

2000:

Daniel de Saint-Clair erfährt, dass der Templerorden immer noch existiert und wird von seinem Großvater, dem ehemaligen Großmeister Raphael de Saint-Clair, zum Tempelritter geschlagen.

2007:

Durch einen Anschlag wird der Rat der Templer vernichtet, in Folge dessen wird Daniel de Saint-Clair zum jüngsten Großmeister in der Geschichte des Templerordens ernannt.

Hilden

Mittelstraße

Es war die schlechteste aller Zeiten, dessen war sich Daniel de Saint-Clair absolut sicher. Denn wie ließe es sich sonst erklären, dass er in einer Gesellschaft lebte, in der Sanftheit für ein Zeichen der Schwäche gehalten wurde. Dass die heutige „zivilisierte“ Welt nicht das war, was sie vorgab zu sein, sah man daran, dass, obwohl man doch angeblich in einer Demokratie lebte, an den Schulen Diktatur herrschte. Eine Diktatur der Sadisten. Und dass es heute nicht viel zivilisierter oder menschlicher zuging als damals im sogenanntem dunklen Mittelalter: Menschen, die in bestimmten Bereichen zu viel wussten oder sich einfach anders verhielten wurden von der Gemeinschaft ausgestoßen, gefoltert oder gar als Hexen verbrannt. Die Mehrheit würde jetzt sicher sagen, dass es so etwas heute in Deutschland nicht mehr gäbe, aber genauer betrachtet sah das anders aus. Schüler die eine individuelle Persönlichkeit aufzeigten und nicht „mit dem Strom schwammen“, waren „anders“. Ebenso hatten Schüler mit großem Wissensspektrum, Ehrgeiz oder die allgemein die Schule ernst nahmen eine Sonderstellung: Sie waren Streber. Wieder vermutete er Stimmen, die behaupteten, dass deswegen doch keiner umgebracht wurde. Wirklich nicht?

Wie ging es denn auf unseren Schulen zu? Für die wenigsten Schüler war ein Schultag auch ein angenehmer Tag, denn welcher Schüler war davon begeistert, früh aufstehen zu müssen und das zu lernen, was ihn nicht interessierte.

Denn unser Bildungssystem basierte fast ausschließlich auf der Absorption von Fakten. Vom Tage ihrer Einschulung an wurden Kinder mit Bänden von Fakten und Daten vollgestopft, die keinerlei praktischen Nutzen in unserem Leben hatten. Diese Fakten besaßen keine moralische Komponente, keinen sozialen Kontext, keinerlei Bezug zur Außenwelt. Sie hatten keine andere Existenzberechtigung als die, dass ihre Beherrschung einen Aufstieg ermöglichte. In der Schule lehrte man die Kinder nicht denken, sondern auswendig lernen.

Aber das meinte er gar nicht. Er meinte Schüler, die jeden Tag aufs Neue Angst vor der Schule haben mussten. Angst vor den dummen Sprüchen, den Beleidigungen, den Aggressionen und aber auch vor der Gleichgültigkeit der Mitschüler und Lehrer. Diese Schüler wurden jeden Tag aufs Neue ignoriert, bloßgestellt und verprügelt. Ihnen wurden ihre Schulsachen weggenommen oder zerstört. Kein Tag verging ohne einen Vorfall. Daniel nannte das Kind beim Namen: Die Schüler, die er meinte, waren Mobbingopfer!

Eigentlich sollte es doch gar nicht so schwer sein, etwas gegen dieses Phänomen zu unternehmen, denn schon das Grundgesetz Artikel 1 besagte:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Aber was geschah wirklich? Aus eigener Erfahrung wusste er: Nichts geschah! Sprach man eine Schule auf dieses Problem an, hieß es: „An unserer Schule gibt es kein Mobbing!“ Doch mal ehrlich; an jeder Schule gab es Mobbing, es wurde sogar vermutet, dass jede Klasse das Problem hatte. Es gab zu dem Thema viele

Statistiken, aber seiner Meinung nach, konnte keine dieser Statistiken stimmen, denn die Wenigsten trauten sich zuzugeben, dass sie gemobbt wurden.

Aber warum sahen denn alle weg? Warum griff keiner ein? Warum tat keiner seine Pflicht? Er wusste es nicht. Er konnte sich das nur so erklären, dass Mobbing, dadurch das es ein Problem war, welches kaum greifbar war, einfach noch unterschätzt wurde. Abgesehen davon waren die Grenzen zwischen Mobbing und normalen Zankereien unter Schülern fließend. Diese Tatsachen erklärten aber nicht, warum Schulen bei einem echten Mobbingproblem so abblockten. Er hatte von Schulleitern gehört, die sich persönlich angegriffen fühlten, als man sie um Hilfe bat. Ebenso schwer war es, mit Eltern von Mobbern zu reden. Meist bekam man zu hören: „Mein Kind tut so etwas nicht!“.

Im Prinzip lebte er also doch noch im Mittelalter. Wer gemobbt wurde, war von der Gesellschaft ausgestoßen, wurde gefoltert und manchmal sogar umgebracht, denn Mobbing war Mord auf Raten! Und genau wie im Mittelalter stand keiner auf und sagte: „GENUG!“

Auch bei Daniel war es nicht anders. Als eigentlich guter Schüler wurde er ausgegrenzt, mundtot gemacht, durfte sich nicht beteiligen, weil er für die anderen nur ein Klugscheißer war und angeblich alles besser wusste. Seine Schulsachen verschwanden oder wurden zerstört. Und was machten die Lehrer? Er war lästig und was lästig war musste weg. Einträge, Strafarbeiten, Unterrichtsausschluss waren die passenden Machtmittel. Was lernten die Täter? Man musste nur genug Druck und Macht ausüben, um seine Ziele zu erreichen – ungestraft! Seinen Eltern sagte man, sie seien schuld, Daniel wäre schuld, er müsse in psychologische Behandlung. Den durch die Schikanen

bedingten Leistungsabfall schob man auf Daniel: Er war faul, beteiligte sich nicht am Unterricht, störe den Unterricht und war natürlich fehl am Platze. Deswegen hasste er das Gefühl, Sonntagabend ins Bett zu gehen und schon ein gewisses Grauen vor dem nächsten Tag zu haben, weil er wieder in diese Klasse musste, in der sie waren, die alles taten, um ihm den Tag zur Hölle zu machen und er wusste, dass es seine Mitschüler mitbekamen sich aber nichts zu sagen trauten! Für Menschen, die nicht selbst schon Mobbing erlebt hatten, war es nicht leicht nachzuvollziehen wie schlimm so etwas war. Aber würde man sich vorstellen, jede einzelne Mobbingattacke wäre wie ein kleiner Nadelstich und man würde täglich von vielleicht über 20 anderen ständig gestochen, wäre klar, dass so etwas Einen fertigmachte. Es wirkte wie eine unendliche Folter. Doch Daniel musste das alleine ertragen, denn er hatte niemanden. Mit seinen Eltern darüber sprechen…undenkbar! Und so fügte er sich seinem Schicksal und fraß wieder den ganzen Kummer in sich rein! Und so ging das Tag für Tag, Woche für Woche…. Sie, das waren Bruno, Simon und Klaus. Bruno war seit einiger Zeit der Schrecken der Schule. Er besaß jede Menge Muskeln, und sein Hobby war es, alle zu terrorisieren, die schwächer waren als er. Simon und Klaus hatten nicht halb so viel Kraft wie er, waren dafür aber bullig und eiferten ihrem Vorbild nach. Für sie war es die größte Ehre, gemeinsam mit Bruno Jagd auf jüngere Schüler zu machen.

Daniel rannte, so schnell er konnte. Das war leider nicht schnell genug. Seine Verfolger rückten näher und näher.

„Du entkommst uns nicht, Kleiner!“, hörte Daniel Bruno höhnen. „Freust du dich schon auf den Tauchgang in der Toilette?“

Simon und Klaus stimmten in das Lachen ihres Anführers ein. Vor zwei Tagen hatte Daniel es mit eigenen Augen gesehen. Die drei hatten einen anderen Jungen aus seiner Klasse gepackt und seinen Kopf in die Kloschüssel gesteckt. Unter schallendem Gelächter hatte Bruno dann die Spülung gedrückt. Dabei stellten es die drei immer so schlau an, dass sie niemals von einem Lehrer ertappt wurden. Und wenn es jemand wagte, sie zu verpfeifen, musste er mit schrecklichen Racheaktionen rechnen. Daniel spürte bereits Brunos heißen Atem. Er roch nach Salami, von der er während eines Schultages meistens eine halbe Stange verdrückte. Daniel verließ die Kraft. Er war weder stark, noch hatte er viel Ausdauer. Er zählte auch nicht gerade zu den Mutigsten. Überhaupt fühlte er sich meistens als Versager. Der ewige Spott seines großen Bruders Alessio trug sehr dazu bei. Es war aus! Brunos feuchte, fleischige Hand klatschte auf Daniels Schulter. Doch mit letzter Kraft gelang es Daniel, sich dem Griff zu entwinden und mit ein paar schnelleren Schritten noch einmal zu entkommen. Bruno schnaubte wütend. Vor Daniel tauchte ein cremefarbenes Gebäude auf. Er kannte das Haus. Es war das Altenheim, in dem sein Großvater lebte, den Daniel noch nie gesehen hatte. Sein Vater hatte sich vor langer Zeit mit seinem Großvater zerstritten, und seither sprachen sie kein Wort mehr miteinander. Mit letzter Kraft hechtete Daniel zur Eingangstür des Hauses und drückte die Klinke herunter. Mit einem Geräusch, das an ein tiefes Seufzen erinnerte, schwenkte die Tür nach innen auf. Daniel stolperte in eine Vorhalle, aus der ihm kühle Luft

entgegenschlug. Bruno und die beiden anderen wollten ihm nach, aber Daniel schlug ihnen die Tür vor der Nase zu. Der Knall schien durch das ganze Haus zu hallen. Eine Frau in grauer Krankenschwesterntracht kam ihm entgegen. Ihr Gesicht war verkniffen, die Lippen dünn wie zwei Striche.

„Was soll der Krach?“, schimpfte sie. „Hinaus, hier hast du nichts zu suchen.“

„Do.… doch.“, stotterte Daniel. „Ich ... ich will meinen Großvater besuchen.“

„Und wer soll das sein?“

„Er heißt ...“

Daniel machte eine kurze Pause. Er kannte nicht einmal den Vornamen seines Großvaters. Da er aber der Vater seines Vaters war, mussten beide den gleichen Nachnamen habe.

„Er heißt de Saint-Clair.“

Überrascht hob die Krankenschwester eine Augenbraue.

„Du bist der Enkel von Herrn de Saint-Clair? Er wohnt seit über zehn Jahren hier und hat noch nie Besuch bekommen.“

Verlegen blickte Daniel auf seine Schuhspitzen.

„Das ... das hat Gründe.“, sagte er ausweichend.

„Du findest ihn in Zimmer 412, oben im vierten Stock. Allerdings weiß ich nicht, ob er dich sehen möchte.“ Daniel konnte das verstehen.

„Er hat in den über zehn Jahren, die er hier ist, kaum ein Wort gesprochen. Vielleicht hätte sich seine Familie um ihn kümmern sollen?“

Die Schwester starrte Daniel vorwurfsvoll und durchdringend an. Um ihr zu entkommen, nickte ihr Daniel kurz zu und lief dann die Treppe nach oben. Keuchend erreichte er den vierten Stock. Er blickte den

langen, düsteren Korridor hinunter und ging langsam von Zimmer zu Zimmer. Im Haus war es sehr still. Nur ab und zu war ein Husten oder ein Räuspern zu hören. Und dann stand Daniel vor der Tür Nummer 412. Eigentlich wollte er umdrehen und wieder gehen. Aber der Gedanke an Bruno, der bestimmt vor dem Haus auf ihn lauerte, hielt ihn zurück. Auf einmal war Daniel neugierig. Er wollte seinen Großvater unbedingt kennen lernen. Wer war der Mann, mit dem er nie hatte sprechen dürfen? Zaghaft klopfte Daniel an die Tür.

„Komm nur herein, ich habe dich bereits erwartet, Daniel!“, hörte er eine Stimme von drinnen sagen.

Daniels Herz begann zu rasen. Hatte die Schwester ihn vielleicht telefonisch verständigt? Langsam öffnete er die Tür und warf einen vorsichtigen Blick in das Zimmer. Eines stand fest: Hier gab es kein Telefon. In einem hohen Lehnstuhl saß ein alter Mann mit schneeweißem Haar und ebenso weißem Vollbart. Er trug ein langes, helles Gewand. Als er Daniel sah, huschte ein Leuchten über sein müdes Gesicht.

Hilden

Altenheim

„Mach die Tür zu.“, forderte der Großvater seinen Enkel auf. „Und komm zu mir.“

„Woher haben Sie gewusst ...?“, begann Daniel.

„Ich bin dein Großvater, also sag ‚du’ zu mir.“, unterbrach ihn der alte Mann schmunzelnd.

Daniel nickte und begann noch einmal.

„Woher hast ... du gewusst, dass ich vor der Tür stehe?“

Der Großvater legte eine Hand auf seine Brust.

„Ich habe es gespürt. Denn nur du kannst mein Nachfolger werden.“

Er deutete auf einen Fußhocker.

„Setz dich, ich habe dir viel zu erzählen.“

In Daniels Kopf überschlugen sich die Gedanken. Noch immer raste sein Herz. Vor allem aber stellte er etwas Seltsames fest: Obwohl er den alten Mann zum ersten Mal sah, hatte er das Gefühl, ihn schon immer zu kennen.

„Meine Kraft geht zu Ende.“, begann der Großvater. „Es ist Zeit, Abschied zu nehmen.“

„Aber ... ich habe dich doch gerade erst kennen gelernt!“, rief Daniel erschrocken.

„Daniel, hör mir genau zu. Was ich dir zu sagen habe, wird dein Leben verändern.“

War der Mann vielleicht verrückt? Daniel beugte sich ein bisschen weiter nach hinten.

Sein Großvater schien Gedanken lesen zu können:

„Nein, ich bin nicht verrückt. Vielleicht etwas anders als andere, aber nicht verrückt. Daniel, es gibt nicht nur die Welt, in der du lebst und die wir alle kennen.“

Was sollte das bedeuten?

„Ganz nahe, vielleicht direkt neben dir, befindet sich eine zweite Welt. Eine andere Welt. Es ist eine Welt voller Geheimnisse, Gefahren und Wunder.“

Stumm hörte Daniel zu. Die Stimme seines Großvaters war weich und trotzdem voller Kraft. Sie drang tief in sein Herz. Obwohl alles völlig unglaublich klang, zweifelte Daniel an keinem Wort.

„Doch gibt es in dieser anderen Welt auch böse Mächte. Ihr einziges Ziel ist es, deine Welt zu erobern und dem Bösen zum Sieg zu verhelfen. Immer wieder versuchen sie, aus ihrer Dimension auszubrechen, und es gibt nur uns, die sie daran hindern können.“

Uns“, wiederholte Daniel betont. „Wer ist uns?“

„Manches ist Legende, aber wenigstens so viel ist Tatsache. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts pilgerten Christen nach Jerusalem, wo sie zahlreiche Verluste durch Angriffe der Sarazenen zu beklagen hatten. Alleine bei einem Angriff 1118 wurden 300 Pilger getötet. Die Ritter des ersten Kreuzzuges waren schon lange wieder zurückgekehrt. Also wer sollte die neuen Siedler und Pilger schützen? Die Antwort – eine neue Art Mönchskrieger. Im selben Jahr bot Hugo von Payens seine Dienste Balduin II., dem König von Jerusalem, an. Er und acht seiner Ritter waren bereit, die Pilger zu beschützen. Der König akzeptierte das Angebot und war von ihren Leistungen so beeindruckt, dass er ihnen als Hauptquartier einen seiner Palastflügel zur Verfügung stellte. Zu Zeiten der Muslime diente dieser Flügel als al-Aqsa-Moschee, der an derselben Stelle erbaut wurde, an dem einst der heilige Tempel von Salomo stand. So war es Hugo von Payens, der dem Orden seinen Namen gab; die Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem – die

Tempelritter. Der Zweck des Ordens bestand darin, Pilgern den Zugang zu den heiligen Stätten zu garantieren und Palästina für die Christenheit zu erobern. Vom Hauptsitz Jerusalem spannte sich ein Netz, das zahlreiche Niederlassungen umfasste. Die Zahl der Templer wuchs und sie wurden so reich, dass sogar Könige zu ihnen kamen, um sich Geld zu leihen. Aber auf dem Gipfel ihrer Macht gerieten sie mit dem König von Frankreich in Konflikt. König Philipp IV. befahl am Freitag, den 13. Oktober 1307 die Verhaftung aller Mitglieder des Templer-Ordens. Das ist auch der Grund, warum heutzutage Freitag, der 13. Als Unglückstag angesehen wird. Schon Tage zuvor waren an alle „Dienststellen“ des Landes versiegelte Umschläge mit Haftbefehlen versandt worden. Aber der Orden war gewarnt – aus einem nicht mehr bekannten Grund wussten die Templer von der bevorstehenden Bedrohung. Und als die Männer des Königs eintrafen, sahen sie, dass die sagenumwobenen Schätze und die gewaltige Flotte der Templer, die in La Rochelle vor Anker lag, einfach verschwunden waren. Diejenigen, die der Verhaftung und Folter durch die Inquisitoren entfliehen konnten, gingen hauptsächlich nach Schottland, wo sie jahrhundertelang in der unwegsamen Wildnis von Argyll im Geheimen arbeiteten, um Gerechtigkeit in die Welt zu bringen und die Menschenrechte zu fördern. Viele Templer tauchten rechtzeitig in den Untergrund ab und selbst im Untergrund sorgten die Ritter für den Schutz der Blutlinie.“

„Welcher Blutlinie?“, fragte Daniel tonlos.

Irgendetwas ... geschah mit ihm. Daniel spürte eine merkwürdig vibrierende Resonanz im Körper, als hätte sein Großvater mit dem letzten Satz eine neue Wahrheit in seinem Innern in Schwingung versetzt. Sein Großvater zögerte und ließ den Blick nervös über die Regale schweifen, als erwarte er von dort Hilfe. Dann gab er sich einen Ruck und beantwortete die Frage.

„Es gibt eine Legende ...“, begann er zögernd. „Die besagt, ... in den Adern der Templer fließe das Sang Real, das Heilige Blut. Sie seien die direkten Nachfahren des Herrn, das heißt, sie seien die Kinder der Kinder, die … die Jesus mit Maria Magdalena gezeugt haben soll. Als nun Jesus gekreuzigt wurde, floh Maria mit Kind oder Kindern, mit dabei war Josef von Arimathäa, nach Gallien und ließ sich dort nieder. Die Kinder trugen königliches Blut, das ihres Vaters Jesus Christus, in sich und vermischten sich mit einem damaligen Adelsgeschlecht. Diesem Adelshaus entstammten die Merowinger, die sich ihres berühmten Vorfahren bewusst waren und ihr Geheimnis bewahrten. Sie wollten warten, bis sie mächtig genug waren und ihren Anspruch auf die Krone der Welt geltend machen konnten. Die Gründer des Templerordens und der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux kamen alle aus einem Teil Frankreichs und waren merowingischer Abstammung. Man sagt weiter, sie hätten besondere Kräfte und nur, wer dieses Blutes ist, wird in der Lage sein, die magische Kraft des Großmeisterschwertes richtig zu nutzen.“

Er zog aus den tiefen Falten des Stoffes eine Tasche hervor. Die Tasche war aus abgeschabtem, braunem Leder und ziemliche zerschlissen. Fast liebevoll streichelte der Großvater darüber, öffnete sie dann und holte einen goldenen Kugelschreiber heraus.

„Von nun an sollst du es immer bei dir tragen. Es wird dir alles zeigen, was für dich wichtig ist. Es wird dich stark machen, wenn du Stärke brauchst. Es wird dir Klarheit verschaffen, wenn du nicht weiterkommst.“

Daniel zuckte überrascht zusammen, als er den Kugelschreiber mit seinen Fingern berührte. Es war, als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen.

„Es? Du nennst den Kugelschreiber immer ‚es’. Es heißt doch der Kugelschreiber.“, verbesserte er seinen Großvater.

Der alte Mann lächelte milde und forderte seinen Enkel auf, ganz vorsichtig auf den Knopf des Kugelschreibers zu drücken. Der erste Versuch klappte nicht, da der Knopf klemmte. Erst beim zweiten Mal schaffte es Daniel. Die Folge war überwältigend. Mit einem scharfen Zischen verwandelte sich der Kugelschreiber in ein langes Schwert. Erschrocken sprang Daniel auf und ließ es fallen. Federnd und wippend blieb es in der Luft schweben. Das Metall strahlte hell und golden. Das Schwert war mit mehreren Edelsteinen besetzt, die um die Wette blitzten. Der Griff aber war das Prachtvollste. Ein Tatzenkreuz befand sich an der Stelle, an der der Griff in die Klinge überging. Das Schwert schwebte zum Großvater und ließ sich langsam in seine Hände sinken.

„Nein, dort steht dein neuer Träger!“, sagte dieser ruhig.

Da erhob sich das Schwert wieder und bewegte sich auf Daniel zu. Es kostete diesen einige Überwindung, stehen zu bleiben.

„Daniel, ich schlage dich hiermit zum Tempelritter! Das Schwert des Großmeisters gehört dir. Geschmiedet aus der heiligen Lanze des Longinus. Nütze seine Kraft, aber missbrauche sie nie!“

Langsam senkte sich die Schneide und berührte Daniel auf der linken und auf der rechten Schulter. Ein warmes

Gefühl durchströmte ihn. Die Tasche aus abgewetztem Leder war aber noch nicht leer. In ihr befanden sich noch ein großes, in Leder gebundenes Buch und ein brauner Umschlag.

„Du musst dir bald deine Gefährten suchen, die dich bei deiner Aufgabe unterstützen werden.“

„Werde ich kämpfen müssen?“, fragte Daniel.

„Du wirst Mut, Klugheit und Geschick beweisen müssen. Das Böse kannst du nicht mit einem Schwerthieb besiegen.“

„Aber wo ist diese andere Welt? Wie komme ich dorthin?“

Zum ersten Mal wagte Daniel es, nach dem Schwert des Großmeisters zu greifen. Der Griff schmiegte sich in seine Hand.

„Du brauchst sie nicht zu finden, sie wird dich finden!“, erklärte der Großvater.

In Daniels Ohren klang das alles noch immer völlig verrückt. Vielleicht hielt er hier auch nur Zaubertricks in Händen. Vielleicht war sein Großvater ein Betrüger.

„Daniel, ich bin kein Betrüger!“

Der Junge zuckte erschrocken zusammen. Sein Großvater schien tatsächlich Gedanken lesen zu können.

„Ich weiß, dass aus dir ein hervorragender Tempelritter werden wird. Hör auf deine innere Stimme, sie wird dir den Weg zeigen. Von heute an ist es deine Aufgabe, die Mächte des Bösen aufzuhalten, wenn sie unsere Welt erobern wollen.“

Das Gespräch schien den Großvater angestrengt zu haben.

Er seufzte tief und sagte nach einer kurzen Pause: „Jetzt musst du gehen.“

„Aber ich komme wieder!“, versprach Daniel.

Ein stummes Lächeln war die einzige Reaktion. Es war nicht schwierig, das Schwert wieder verschwinden zu lassen. Es genügte, die Spitze des Schwertes mit der anderen Hand leicht nach unten zu drücken. Schon schob es sich zusammen und wurde wieder zu einem unscheinbaren, goldenen Kugelschreiber. Daniel legte das Schwert in die Ledertasche und hängte sie sich um.

„Leb wohl, Daniel!“, sagte der Großvater zum Abschied.

Daniel wusste nicht, was er tun sollte. Er hätte seinen Großvater gerne umarmt, wagte es aber nicht. Schließlich gab er sich einen Ruck und tat es doch.

„Alles, was du brauchst, ist in dir!“, gab ihm der Großvater mit auf den Weg. „Und jetzt geh.“

In der Tür drehte sich Daniel noch einmal um. Sein Großvater schien auf einmal noch viel älter, müder und zerbrechlicher.

„Und noch etwas: Niemals darfst du deinem Vater das Schwert zeigen.“

„Warum nicht?“, wollte Daniel wissen.

„Das musst du selbst herausfinden! Aber hab keine Angst. Du wirst nicht allein sein. Niemals in deinem Leben. Ich werde immer bei dir sein, auch wenn du mich nicht sehen kannst, solange du dich an das erinnerst was ich dir beigebracht habe. In gewisser Weise werden wir nie getrennt sein, denn du wirst immer ein Teil von mir bleiben. Das ist alles, was ich dir mitgeben kann, Ritter des Tempels Salomos. Viel Glück auf deiner Reise.“

Bevor Daniel noch weitere Fragen stellen konnte, fiel die Tür hinter ihm von allein zu und drängte ihn auf den Gang hinaus. Wie benommen wankte Daniel zur Treppe. Wäre nicht die Ledertasche gewesen, die an seiner Schulter hing, er hätte alles für einen Traum

gehalten. Als er auf die Straße hinaustrat, kehrte die Wirklichkeit sofort wieder zurück. Zwei kräftige Hände legten sich auf seine Schultern.

„Haben wir dich endlich!“, zischte ihm Bruno ins Ohr. „Freu dich schon auf dein Bad!“

Unauffällig ließ Daniel die Hand in die Ledertasche gleiten und holte den Kugelschreiber heraus. Auf einmal fühlte sich Daniel stark. Echt stark. Jetzt konnten die drei etwas erleben. Sie sollten sehen, wen sie vor sich hatten. Um Gnade würden sie ihn anflehen. Winseln würden sie. Er drückte auf den Knopf des Kugelschreibers. Doch er bekam ihn nicht runter. Also drückte er ein zweites Mal. Vorhin hatte es auch nicht sofort geklappt. Der Knopf klemmte. Daniel drückte und drehte. Aber ohne Erfolg.

„Was haben wir denn da?“, fragte Bruno grinsend und schnappte Daniel den Kugelschreiber aus der Hand.

„Gib ihn zurück, er gehört mir!“, keuchte Daniel.

„Hol ihn dir!“

Bruno warf ihn Simon zu, der ihn fing und Daniel damit vor der Nase herumfuchtelte. Als Daniel danach greifen wollte, warf er ihn Klaus zu. So ging das immer weiter. Daniel stolperte zwischen den dreien herum, die sich an seinem verzweifelten Gesicht weideten. Noch schlimmer aber als das Spotten der Jungen war für Daniel die Enttäuschung. Er hätte es gleich wissen müssen. Es gab keine Schwerter, die in Kugelschreibern steckten. Das Tor des Altenheimes wurde aufgerissen und die Frau in der Schwesterntracht trat heraus.

Sie schimpfte: „Was soll der Krach?“

Überrascht blickten Bruno und seine beiden Helfer zu ihr auf. Daniel nützte diesen Moment, entriss Klaus den Kugelschreiber und rannte los. Er machte riesige Schritte, um schneller voranzukommen. Rannte und rannte, um Häuserecken und blindlings über Straßen. Autos hielten mit quietschenden Bremsen. Er wurde angehupt.

Und hinter ihm grölte Bruno: „Du entkommst uns nicht!“

Daniel flüchtete in eine Hauseinfahrt, stolperte durch einen dunklen Durchgang und kam in einen Innenhof. Wütend schleuderte er den Kugelschreiber zu Boden. Ein alter, abgeschlagener, goldener Kugelschreiber. Als Daniel ihn sich genauer besah, bemerkte er zwei Augen, die aus der Tiefe des Metalls zu leuchten schienen und ihn vorwurfsvoll anstarrten. Als wollten sie sagen: „Was hast du nur angerichtet!“

„Mein Bruder hat schon Recht. Ich bin ein Versager!“, seufzte Daniel und ließ den Kugelschreiber in die Ledertasche gleiten.

Langsam verließ er den Hof und lief allein durch die stillen Gassen. Als Daniel aufsah, stand er vor dem Altenheim. Sollte er seinem Großvater von seinem schlimmen Fehler berichten? Noch immer spürte Daniel das tiefe Vertrauen, das er zu dem alten Mann gefasst hatte, obwohl er ihn kaum kannte. „Ich rede mit ihm.“, beschloss er und betrat die Halle. An der Treppe stand die Frau in der grauen Krankenschwesterntracht. Sie sah Daniel traurig an. „Sie sieht mir an, dass ich ein Versager bin.“, dachte Daniel. Er zog den Kopf ein und wollte an ihr vorbei. Doch die Frau hielt ihn zurück. Daniel sah sie fragend an. Plötzlich fiel ihm ein, was sie meinen konnte.

„Großvater? Ist etwas mit ihm?“

Die Frau nickte.

„Er ist gestorben. Er hatte nur noch auf dich gewartet.“

„Nein!“, flüsterte Daniel.

Tief aus ihm kam ein weiteres, verzweifeltes: „Nein!“

Er drängte sich an der Frau vorbei und stürzte nach oben. Er wollte es nicht wahrhaben. Der Großvater konnte ihm das nicht antun. Er konnte ihn doch nicht allein lassen. Daniel riss die Tür des Zimmers auf und stürzte hinein. Wie angewurzelt blieb er stehen. Die Wahrheit traf ihn wie ein Keulenschlag. Sein Großvater war nicht mehr da. Das lange, weite, helle Gewand lag über der Lehne des Sessels, in dem er gesessen hatte. Verzweifelt schlug Daniel die Hände vor das Gesicht.

„Nein, nein, nein!“, schluchzte er immer wieder. „Bitte nicht!“

Tränen verschleierten seinen Blick. Daniel verließ fluchtartig den Raum und stürzte aus dem Haus. Er wollte nur noch nach Hause und sich in seinem Zimmer verkriechen.

So unauffällig wie möglich versuchte Daniel, die Wohnung zu betreten. Er wollte nur in sein Zimmer und sich dort verkriechen.

„Bist du das, Daniel?“, kam die Stimme seiner Mutter aus dem Wohnzimmer.

„Ja, ich bin es.“, seufzte er. „Ich ... ich muss Hausaufgaben machen.“

Die Toilettenspülung wurde gezogen und hinter Daniel öffnete sich eine Tür. Sein großer Bruder trat heraus und grinste schief, als er ihn sah.

„Nah, wie war deine Dusche?“, fragte er.

„Wieso ...?“

Daniel verstand nicht, woher Alessio von Brunos Vorhaben wissen konnte.

„Davon redet die ganze Schule. Ich hätte es ja herrlich gefunden, wenn die Aktion öffentlich stattgefunden hätte. Zusehen macht da bestimmt Spaß.“

„Du nervst.“, knurrte Daniel. „Du nervst tierisch.“

„He, was hast du denn da? Eine kleine Erinnerung an den Kindergarten?“

Alessio riss Daniel die Ledertasche von der Schulter und öffnete sie. Er fischte den Kugelschreiber heraus und verzog das Gesicht.

„Ach, wie niedlich. Ein Kugelschreiber. Daniel verwendet einen Kugelschreiber, damit er schöner schreibt, nicht wahr?“

„Gib das her!“, zischte Daniel.

„Hol’s dir doch!“

Alessio hielt Tasche und Kugelschreiber in die Höhe. Da er sehr groß war, musste Daniel springen, um sie ihm zu entreißen.

„Hopp, hopp, hopp, Daniel spriiiing!“, spottete Alessio. “Unser kleines Hoppelhäschen.”

Die Eingangstür wurde aufgesperrt, und Herr de Saint-Clair betrat die Wohnung. Er hatte ungefähr Alessios Größe und lachte nie. Um die Mundwinkel hatte er einen verbitterten Zug, und noch nie hatte er an Daniel ein gutes Haar gelassen.

„Was soll das?“, fragte er mürrisch.

„Brüderchen braucht Bewegung, weil er sonst Fett ansetzt.“, erklärte Alessio.

Er hatte beim Vater so etwas wie einen Freibrief, durfte alles und bekam nicht einmal Ärger, wenn er gegen Verbote verstieß. Bei Daniel war das anders. Er schaffte es praktisch nie, seinem Vater etwas recht zu machen. Immer gab es einen Grund, an ihm herumzumäkeln. Außerdem war Herr de Saint-Clair übermäßig streng mit seinem jüngeren Sohn. Alessio lief los und lockte Daniel mit der Tasche.

„Na komm, hol dir dein Kindergarten-Täschchen!“, rief er feixend.

Er verschwand damit im Wohnzimmer, und Daniel folgte ihm wütend.

„Könnt ihr bitte aufhören euch zu streiten.“, beschwerte sich Frau de Saint-Clair.

Alessio schlüpfte hinter das Sofa. Um endlich an seine Sachen zu gelangen, sprang Daniel einfach auf die weichen Sitzkissen und griff nach der Tasche. Doch seine Finger griffen ins Leere.

„Bist du verrückt? Hol sofort den Staubsauger und putz das Sofa!“, schimpfte Daniels Mutter.

„Aber Alessio ...“, beschwerte sich Daniel.

„Kein aber!“, schnitt ihm die Mutter ungehalten das Wort ab.

Lachend schwenkte Alessio die Tasche. Den Kugelschreiber hatte er in die Brusttasche seines Hemdes gesteckt. Verblüfft beobachtete Daniel, wie dieser von allein aus der Tasche schlüpfte und über Alessios Kopf schwebte. Als der große Bruder Daniel wieder mit Spott überschüttete, klopfte ihm der Kugelschreiber kräftig auf den Schädel. Empört blickte sich Alessio um. Wer hatte das getan? Er konnte nicht erkennen, was ihm auf den Kopf geschlagen hatte. Daniel nutzte die Gelegenheit und entriss Alessio die Tasche. Der Kugelschreiber sauste von allein hinein und Daniel hörte, wie er auf das Buch fiel. So schnell er nur konnte, flüchtete Daniel in sein Zimmer, warf die Tür zu und schloss ab. Von draußen klopfte sein Vater.

„Mach wieder auf, bei uns werden keine Türen abgeschlossen!“

Daniel stellte sich taub.

„Das gibt Hausarrest.“, warnte ihn der Vater.

Na und? Dann gab es eben Hausarrest.

Daniels Vater wartete eine Minute und verkündete dann: „Drei Tage Hausarrest. Du hast es nicht anders gewollt.“

Gewollt! War Daniel eigentlich hier gewollt? Schon als kleiner Junge hatte er sich immer wie ein Stiefkind gefühlt. Er gehörte nicht dazu. Er war anders als Alessio und seine Eltern. Vor allem der Bruder und der Vater ließen ihn immer wieder spüren, wie wenig sie von ihm hielten. „Da triffst du deinen Großvater, der vielleicht der wunderbarste Mensch ist, dem du je begegnet bist, und dann verlierst du ihn sofort wieder.“, dachte Daniel traurig. Er hockte auf seinem Bett, die Beine angezogen, und lehnte an der Wand. Immer wieder seufzte er tief.

Hilden

Bonni

Obwohl er in dieser Nacht nicht sehr viel geschlafen hatte, war Daniel am Morgen nicht müde. Er stand ausgeruht auf und streckte sich ausgiebig, öffnete das Fenster und ließ sich die Frühsommersonne ins Gesicht scheinen. Bevor er nach dem Frühstück das Haus verließ, holte er noch die Tasche mit dem Kugelschreiber. Er hatte beschlossen, sie von nun an immer bei sich zu tragen. Großvaters Aufforderung, sich Gefährten zu suchen, fiel ihm wieder ein. „Gefährten“ – was für ein Wort! Gab es so etwas nicht nur zu Robin Hoods Zeiten? Und überhaupt? Wo sollte er solche „Gefährten“ finden? Daniel hatte kaum Freunde. Er war als Fußballspieler sehr beliebt, weil er ein guter Stürmer war. Aber richtige Freunde hatte er auch dabei nie gefunden. Er bekam keine Einladungen zu Partys, und während sich die anderen trafen, um ins Kino zu gehen oder etwas Anderes zu unternehmen, blieb Daniel meistens allein daheim und vertiefte sich in Abenteuerspiele, las oder hörte Musik. Er fuhr mit dem Fahrrad zur Schule und dachte dabei ständig an die „Gefährten“. Musste er sie finden? Wieso sollte er nicht allein kämpfen? Er stellte sein Rad im Hof ab und ging in seine Klasse. Daniel saß in der ersten Reihe allein in einer Bank. Nur wenn Klassenarbeiten waren, war der Platz neben ihm sehr gefragt, da er meistens alles wusste, schnell fertig war und dann auch noch die Aufgaben der anderen löste. In der Ledertasche bewegte sich etwas. Daniel ließ die Hand hineingleiten und spürte, wie sich der Kugelschreiber an seine Finger schmiegte. Er nahm ihn heraus und sah ihn fragend an. Was war los? Das Tatzenkreuz in der Kappe glänzte seltsam. Daniel konnte weder glauben noch fassen, was ihm der Kugelschreiber zeigte. Um zu überprüfen, ob seine Beobachtung überhaupt stimmte, näherte er sich den beiden Klassenkameraden, auf die er aufmerksam gemacht worden war. Nein, das war unmöglich. Das konnte es nicht geben. Daniel weigerte sich, das zu glauben. Niemals konnten sie seine Gefährten werden. Der Kugelschreiber hatte ihm Simon und Ganna gezeigt. Simon!!! Simon, der größte Fan und Anbeter von Bruno. Und Ganna!!! Daniel hatte schon öfter ihren Blick im Rücken gespürt. Ging er an ihr und ihren Freundinnen vorbei, begannen sie immer zu tuscheln. Bestimmt machten sie sich über ihn lustig. Was sollte das? Trieb der Kugelschreiber mit ihm seine Scherze? Wollte er ihn absichtlich in Schwierigkeiten bringen? „Vergiss es!“, dachte Daniel. In der ersten Stunde stand Mathematik auf dem Stundenplan. Daniel kritzelte alles ab, was der Lehrer an die Tafel schrieb. Mit seinen Gedanken war er aber ständig bei Simon und Ganna. Mittlerweile war ihm klar, dass der Kugelschreiber ihn nicht ohne Grund auf die beiden aufmerksam gemacht hatte. Bis zur sechsten Stunde schaffte es Daniel nicht, eine Entscheidung zu treffen. Dafür stellte er erleichtert fest, dass Bruno und seine Freunde offensichtlich das Interesse an ihm verloren hatten. Den ganzen Schultag lang hatten sie sich nicht um ihn gekümmert und hatten ihn übersehen, als wäre er aus Luft. Als Daniel aus der Schule kam und nach Hause radelte, erwartete ihn jedoch eine böse Überraschung. Hinter der ersten Ecke versperrte ihm eine kleine Gruppe von Schülern den Weg. Daniel musste bremsen und absteigen. Die Gruppe teilte sich und heraus traten Bruno, Simon und Klaus. Freudig rieb sich Bruno die Hände.

„Wie schön, dass wir uns endlich wiedersehen!“

Unter den anderen Schülern sah Daniel auch seinen Bruder Alessio, der aber keine Anstalten machte, ihm zu helfen. Daniel drehte sich um und wollte flüchten, aber auch von hinten kamen Jungen und Mädchen. Alle freuten sich schon auf das Spektakel, das Bruno ihnen gleich bieten würde.

„Ich habe mich anders entschieden.“, erklärte Bruno. „Ich werde dich nicht mit dem Kopf voran in die Toilette stecken.“

Daniel wusste, dass jetzt nur etwas noch viel Schlimmeres kommen konnte.

„Wir bringen dich dorthin, wo du hingehörst. Zu den Ratten in den Kanal!“, dröhnte Bruno.

Sofort sprangen Simon und Klaus los und öffneten einen Gullydeckel. Bruno winkte die anderen näher, damit sie einen Blick in den Schacht werfen konnten. Der Boden war mit Brotresten bedeckt, die Bruno nach der großen Pause hineingeworfen hatte. Jetzt wimmelte es nur so von Ratten, die sich gierig über die Abfälle hermachten.

„Runter mit ihm, runter mit ihm!“, verlangten die anderen im Chor.

Simon und Klaus packten Daniel und schleppten ihn zum offenen Kanalschacht.

„Lasst mich, nicht!“, flehte Daniel und war gleichzeitig wütend, weil er so wehrlos war und seine Stimme einfach jämmerlich klang.

Er starrte Simon in das runde, pausbackige Gesicht. Täuschte er sich, oder war in Simons Augen tatsächlich so etwas wie Mitleid aufgeblitzt?

„Was ist, macht schon!“, drängte Bruno.

Klaus riss an Daniels Arm, verdrehte ihn auf den Rücken und beförderte ihn mit einem brutalen Tritt zur Öffnung in der Straße.

„Aaaaa!“

Daniel verlor den Boden unter den Füßen und stürzte in das Gewimmel der Ratten. Der Schacht war nicht sehr tief und er landete in weichem Matsch. Quiekend stoben die Ratten auseinander. Der Gestank, der von unten aufstieg, raubte Daniel fast den Atem. Über sich hörte er das schallende Gelächter der anderen. Ihre Köpfe bildeten eine Kuppel über dem Schacht, über den Simon und Klaus gehorsam den Deckel schoben.

„Los, jetzt den Wagen!“, kommandierte Bruno.

Es dauerte nicht lange, und die anderen wichen zur Seite. Hilflos musste Daniel mit ansehen, wie das Hinterrad eines Autos auf den Gullydeckel gerollt wurde.

„Zum Glück vergisst Blinzli immer den Gang einzulegen, und seine Handbremse scheint’s auch nicht mehr zu bringen!“, hörte er Klaus lachen.

Blinzli war ein Geographielehrer, der einen nervösen Tick hatte und ständig blinzelte. Er war genau das, was man sich unter einem zerstreuten Professor vorstellte.

„Viel Spaß noch.“, wünschte Bruno Daniel, und dann machte sich die johlende Meute aus dem Staub.

Langsam wurde es wieder still in der Straße. Daniel zitterte am ganzen Körper. Erstens hatte er schreckliche Angst vor den Ratten, und zweitens fühlte er sich unendlich gedemütigt. Das Schwert fiel ihm ein. Er holte den Kugelscheiber aus der Ledertasche, die er sicherheitshalber unter der Jacke trug, und drückte auf den Knopf. Sofort schoss das goldene Schwert des Großmeisters heraus. Sein warmes Licht erfüllte den Kanalschacht. Es war nicht genug Platz, um das

Schwert zu schwingen. Daniel konnte es nur in die Höhe halten. Ganz langsam und vorsichtig bewegte sich Daniel vorwärts und suchte nach einem Weg aus dem Kanal.

Daniels Vater legte auf Pünktlichkeit den allergrößten Wert. Wenn Daniel zu spät zum gemeinsamen Mittagessen kam, hatte er mit einer Strafe zu rechnen.

„Zu Tisch!“, hörte Daniel seine Mutter rufen.

„Daniel ist noch nicht da!“, sagte Alessio unschuldig, als wäre ihm das gerade erst aufgefallen. „Bestimmt trödelt er wieder herum.“

Herr de Saint-Clair brummte verärgert. Da trat Daniel strahlend aus seinem Zimmer. Zum Glück war der Gullymatsch an seinen Schuhen getrocknet und abgefallen. Überhaupt fühlte er sich gestärkt.

„Mahlzeit!“, sagte er.

Alessio war von seinem Anblick so verblüfft, dass er sich neben seinen Stuhl setzte und hart auf dem Boden landete.

„Wie ... wie bist du rausgekommen?“, wollte er wissen.

„Rausgekommen, wo?“, fragte Daniels Mutter, die gerade eine Schüssel mit Spaghetti brachte.

Daniel schwieg. Herr de Saint-Clair hatte das Gespräch von der Tür aus verfolgt und trat zu den Jungen.

„Was geht hier vor?“, verlangte er zu erfahren.

Noch immer sagte Daniel nichts. Er starrte nur stumm zu Alessio. Sein Vater folgte dem Blick.

„Alessio?“

„Äh ... nichts ... nur ein Scherz zwischen uns!“, stotterte der große Bruder verlegen.

Der Vater schüttelte den Kopf und seufzte. Er verstand seine Kinder nur selten. Als sie sich zu Tisch setzten, machte Alessio ein sehr betretenes Gesicht.

Nach dem Essen ging er an Daniel vorbei und sagte leise: „Cool, dass du dichtgehalten hast. Hätte ich dir nicht zugetraut.“

Daniel lächelte nur. Aus der Diele holte er sich das schnurlose Telefon und zog sich damit in sein Zimmer zurück. In einer Schreibtischschublade hatte er eine Liste mit den Namen, Adressen und Telefonnummern aller Klassenkameraden. Nachdem er mehrere Male tief durchgeatmet hatte, wählte er Gannas Nummer. Ihre Mutter war am Apparat.

„Kann ich bitte Ganna sprechen?“

„Moment, ich hole sie. Wer spricht denn?“

„Daniel ... Daniel de Saint-Clair!“

„Ach wie nett, dass du anrufst. Ganna wird sich freuen.“, sagte ihre Mutter, die ein bisschen geschwätzig wirkte. „Sie hat mir schon oft von dir erzählt. Warum hast du sie nicht zu der Party letzten Samstag begleitet? Sie hätte sich das so gewünscht.“

Daniel traute seinen Ohren nicht.

„Verwechseln Sie mich nicht?“

„Na, hör mal, es gibt nicht so viele Jungen, die Daniel de Saint-Clair heißen.“, sagte die Mutter kopfschüttelnd. „Und meine Ganna erzählt mir alles. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Fast wie Schwestern.“

„Aha!“

Mehr brachte Daniel vor Verwunderung nicht heraus. Als Ganna den Hörer nahm, hörte er sie vor Aufregung leise schnaufen.

„Hi.“, begrüßte sie ihn.

„Hallo!“

Daniel wusste auf einmal nicht, was er sagen sollte.

„Es war sehr gemein, was Bruno mit dir gemacht hat. Ich ... ich habe nicht zugesehen!“, sagte Ganna schnell.

„Ich muss mit dir reden!“, platzte Daniel heraus. „Ich ... ich muss dir etwas Unglaubliches zeigen. Ich möchte ... dass du ... dass du ...“

„Dass ich was?“

„Ach, können wir uns nicht treffen?“

„Klar, heute Nachmittag?“

Daniel fiel sein Hausarrest ein. Aber irgendwie würde er schon fortkommen.

„Heute Nachmittag. Kennst du die Ruine im Stadtwald?“

„Klar!“

„Dort treffen wir uns. Um vier Uhr.“

Als er das Telefon abschaltete, atmete er tief durch. „Ich habe ganz schön Mut.“, bewunderte er sich selbst. Den brauchte er ganz besonders für das zweite Telefonat. Bei Simon hob eine Frau ab, die sich als seine Oma vorstellte. Daniel erinnerte sich, gehört zu haben, dass Simon bei ihr wohnte.

„Daniel? Du bist der Daniel, den dieser widerliche Bruno in den Gully gestoßen hat?“, polterte sie los.

„Äh ... ja, der bin ich.“, sagte Daniel kleinlaut.

„Ich bin wirklich froh, dass Simon sich von diesem Bruno immer fernhält. Es wäre mir wirklich nicht recht, wenn er mit einem so brutalen Kerl Umgang hätte.“

Daniel schluckte. Was sollte er jetzt sagen?

„Simon war ganz verzweifelt, weil er dir gern geholfen hätte, aber er sagt, gegen Bruno traut sich keiner etwas zu unternehmen.“

„Das ... das stimmt. Kann ich ihn jetzt vielleicht sprechen?“

„Bruno?“

„Nein, Simon natürlich!“

Die Oma rief ihn. Als sie ihrem Enkel sagte, wer am Apparat war, hörte Daniel heftiges Getuschel.

„Sag ihm, ich bin nicht da.“, verlangte Simon.

„Warum? Du wolltest ihm doch helfen.“, sagte seine Oma verständnislos und drückte ihm den Hörer in die Hand.

Simon wagte nicht einmal seinen Namen zu sagen.

„Warum erzählst du deiner Oma solche Lügen?“, fuhr ihn Daniel an.

„Moment, ich gehe in mein Zimmer!“, sagte Simon.

Daniel hörte Schritte und eine Tür.

„Was willst du?“, fragte Simon leise, aber sehr aufgeregt. „Mich erpressen? Sag wie viel, ich zahle jeden Preis. Oma Lisa darf nichts erfahren. Aber ich muss das tun. Ich muss bei Bruno mitmachen.“

„Wieso?“, wollte Daniel wissen.

„Weil er sonst mit mir das Gleiche anstellt wie mit dir.

Kapierst du nicht? Dabei sein ist die beste Verteidigung!“, erklärte Simon.

„Sehr schlau.“, spottete Daniel.

„Also, wie viel?“

Daniel tat so, als ob er auf Simons Angebot eingehen wollte.

„Das ... das kann ich dir vielleicht am Nachmittag sagen. Um vier bei der Ruine im Stadtwald.“

„Ich komme. Aber bitte kein Wort zu Oma Lisa!“, flehte Simon mit ängstlicher Stimme.

Nachdem er aufgelegt hatte, blickte Daniel verwundert und irgendwie belustigt vor sich hin. Beide Gespräche erschienen ihm wie ein Wunder. Oft waren die Dinge ganz anders, als man glaubte. Aber was würde wohl um vier bei der alten Ruine sein? Konnte Daniel die beiden anderen tatsächlich ins Vertrauen ziehen? Sollte er ihnen das Geheimnis der Templer verraten?

Hilden

Jaberg

Ganna war wütend, als kurz nach ihr auch Simon bei der alten Ruine auftauchte.

„Was willst du hier?“, fauchte sie ihn unfreundlich an. „Daniel hat mich herbestellt!“, erklärte Simon, der ohne Bruno fast schüchtern war.

„Daniel? Dich?“

Ganna konnte es nicht fassen.

„Der hat sie wohl nicht alle.“

Daniel hatte seinen Vater lange anbetteln müssen, bis dieser den Hausarrest in eine Woche Küchendienst umgewandelt hatte. Daher kam er auch zu spät. Simon kauerte auf einem Stein, Ganna lief gereizt hin und her.

„Was soll das?“, fragte sie aufgebracht und deutete auf Simon.

„Hallo!“, grüßte Daniel.

„Sag schon, wie viel?“, drängte Simon.

Alles, was sich Daniel ausgedacht hatte, war verschwunden. Nein, niemals konnten diese beiden seine Gefährten werden. Unter keinen Umständen durfte er ihnen irgendetwas von den Templern verraten. Er drückte die Ledertasche unter seiner Jacke fest an sich, als könnte Simon oder Ganna sie ihm stehlen. Verlegen blickte Daniel von einem zum anderen.

„Hast du die Sprache verloren?“, schimpfte Ganna.

„Nein ... ja ... äh ... also ...“

Daniel wusste einfach nicht, was er sagen sollte. Er spürte, wie etwas aus der Tasche kroch und sich in seinen Bauch bohrte. Er griff danach und bekam den Kugelschreiber zu fassen. Was tat er? Wieso hatte das Ding so viel Eigenleben? Er zog die Hand, mit der er den Kugelschreiber hielt, unter der Jacke hervor und kratzte sich damit am Kopf. Es war pure Verlegenheit. Ganna war so groß wie er, hatte lange, hellbraune Haare und etwas Freches, Mutiges im Gesicht. Simons Gesicht war fast so kugelrund wie der Vollmond.

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