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Das Feuer der Unschuld

1. KAPITEL

Im Leben eines jeden Mannes kam irgendwann der Moment, in dem es ernst wurde. Devon Carter starrte auf den funkelnden Diamantring, der in einem Etui auf violetten Samt gebettet war, und wusste, für ihn war dieser Moment nun gekommen. Er klappte den Deckel des Etuis zu und schob es in die Brusttasche seines Jacketts.

Noch hatte er die Wahl: Entweder ehelichte er Ashley Copeland, um endlich seinen Lebenstraum zu verwirklichen und gemeinsam mit Copeland Hotels das weltweit exklusivste Hotelressort zu errichten. Oder er musste sich von diesem Traum verabschieden.

Was hieß hier Wahl? Natürlich würde er ihr die Frage aller Fragen stellen!

Der Portier des Manhattaner Apartmentgebäudes, in dem er lebte, hielt ihm lächelnd die Tür auf, und Devon trat auf die Straße, wo sein Chauffeur bereits auf ihn wartete.

Heute Abend erwartete ihn die Nacht der Nächte. Heute Abend würde sich sein hartnäckiges Liebeswerben – die unzähligen Dinner, die erst schüchternen, dann leidenschaftlicheren Küsse – endlich auszahlen. Heute Abend würde er zur Höchstform auflaufen und Ashley Copeland einen Heiratsantrag machen.

Das Ganze war so aberwitzig, dass er dafür nur ein Kopfschütteln übrighatte. Devons Meinung nach war William Copeland verrückt, ihm einfach seine Tochter aufzudrängen. Dabei hatte er wirklich alles versucht, um den alten Herrn davon zu überzeugen, dass die Sache mit der Heirat keine gute Idee war.

Ashley war zwar reizend, aber Devon dachte noch nicht an eine Ehe. Na gut, vielleicht würde er in ein paar Jahren seine Meinung ändern. Vielleicht wäre er dann glücklich und zufrieden mit einer reizenden Frau und reizenden Kindern an seiner Seite.

Doch der alte Copeland hatte ihm einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht. Devon wurde das Gefühl nicht los, dass William bereits in dem Moment, als die beiden Männer sich zum allerersten Mal begegnet waren, entschieden hatte, ihn zu seinem Schwiegersohn zu machen. Er hatte ihm ohne Umschweife mitgeteilt, Ashley habe kein Händchen fürs Geschäft, sei viel zu weichherzig und besäße nicht im Geringsten das Zeug dazu, ein Familienunternehmen zu leiten. Deshalb war William auch jedem Mann gegenüber misstrauisch, der Ashley schöne Augen machte. Denn er war sich sicher, dass diese Männer es lediglich auf sein Vermögen abgesehen hatten. Doch der alte Herr wollte sein Geschäft und Ashley in guten Händen wissen. Und aus für Devon absolut unerfindlichen Gründen vertraute William ihm und hatte für sich entschieden, dass Devon der richtige Mann war.

Die Heirat mit Ashley war ein fester Bestandteil des Vertrages, der die Fusion von Devons Unternehmen Tricorp und Copeland Hotels besiegelte.

Allerdings hatte Devon sich verpflichten müssen, Ashley kein Sterbenswörtchen von dem Deal zu sagen. Der alte Copeland hatte sie zwar eiskalt verschachert, wollte aber natürlich nicht, dass sie davon erfuhr. Das wiederum hieß für Devon, dass er sich ziemlich lange mit diesem Spielchen hatte aufhalten müssen. Der Gedanke daran, was er alles unternommen hatte, um Ashleys Herz zu gewinnen, behagte ihm ganz und gar nicht. Denn er war ein geradliniger und zielstrebiger Mann, dem dieses ganze Theater widerstrebte.

Seiner Meinung nach sollten alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einließen, also auch Ashley. Das wäre fair und würde gar nicht erst zu falschen Hoffnungen, verletzten Gefühlen und Missverständnissen führen.

Bisher glaubte sie natürlich, hier ginge es um die große Liebe. Sie war eine warmherzige junge Frau, die ihre Zeit lieber in ihrem kleinen privaten Heim für herrenlose Tiere verbrachte als auf anstrengenden Vorstandssitzungen von Copeland Hotels.

Nicht auszudenken, was geschehen würde, sollte sie jemals die Wahrheit erfahren. Vermutlich würde sie explodieren. Was durchaus verständlich wäre, denn wenn jemand das Gleiche mit ihm machen würde, würde er garantiert in die Luft gehen.

„So ein alter Esel“, murmelte Devon leise vor sich hin.

Sein Chauffeur brachte ihn zu einem imposanten Gebäude, das ausschließlich von der Copeland-Familie bewohnt wurde. William und seine Frau residierten im Penthouse im obersten Stockwerk, und Ashley lebte in einem kleinen Apartment in einer der unteren Etagen. Die anderen Stockwerke wurden von diversen Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen bevölkert.

Für Devon waren die Copelands ein absolutes Phänomen. Seit seinem achtzehnten Lebensjahr stand er auf eigenen Beinen und sorgte für sich selbst. Die einzige Erinnerung, die er an seine Eltern hatte, war ihre Ermahnung, er solle „sich zusammenreißen und es bloß nicht vermasseln“.

William Copelands Liebe und Fürsorge seinen Kindern gegenüber befremdete Devon. Und dass William ihn wie einen Sohn behandelte, seit er der Heirat mit Ashley zugestimmt hatte, war ihm irgendwie unangenehm.

Als Devon aus dem Wagen stieg, sah er, wie Ashley freudestrahlend auf ihn zugerannt kam. Ihre Augen glänzten.

Was hatte das zu bedeuten?

Er ging auf sie zu und sah sie streng an.

„Ashley, du sollst doch im Haus bleiben. Ich wollte dich abholen, schon vergessen?“

Als Antwort schenkte sie ihm ein frisches, strahlendes Lachen. Ihr langes blondes Haar war offen und nicht wie sonst zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie nahm ihn bei den Händen und lächelte ihn fröhlich an.

„Ach Devon, was soll schon passieren? Direkt hinter mir steht Alex und bewacht mich mit Argusaugen.“

Alex, der Portier, lächelte nachsichtig in Ashleys Richtung. Die meisten Menschen begegneten ihr mit diesem Lächeln: Es war geduldig, freundlich und leicht amüsiert. Aber fast jeder, der sie traf, war sofort von ihrem Charme und ihrer Lebhaftigkeit verzaubert.

Seufzend nahm Devon Ashleys Hände und legte sie sich an die Hüften. „Alex kann dich aber nicht ständig beschützen. Er hat auch noch andere Dinge zu erledigen.“

Mit strahlenden Augen schlang sie ihm die Arme um den Hals und überrumpelte ihn mit einer spontanen Liebesbekundung.

„Dafür bist du doch da, Dummerchen. Wenn du in meiner Nähe bist, dann geschieht mir bestimmt nichts.“

Bevor er etwas sagen konnte, drückte sie ihm einen Kuss auf den Mund. Himmel, diese Frau musste wirklich lernen, ihr Temperament zu zügeln.

Dennoch reagierte sein Körper auf das wilde Verlangen, das in dem Kuss lag. Sie schmeckte so süß und so verdammt unschuldig, dass er sich angesichts der geheimen Absprache mit William wie ein Mistkerl und Verräter fühlte.

Doch dann dachte er wieder daran, dass Copeland Hotels schon bald ihm gehören oder zumindest unter seiner Leitung stehen würde. Nicht mehr lange, und die ganze Welt würde auf ihn schauen. Gar nicht schlecht für einen Mann, dem sein halbes Leben lang eingeschärft worden war, er solle „es nicht vermasseln“.

Behutsam löste er sich von Ashley und blickte sie mit milder Strenge an.

„Das hier ist nicht der richtige Ort, Ash. Lass uns losfahren. Carl wartet bereits auf uns.“

Einen Moment lang sah Ashley enttäuscht drein, doch als sie Carl erspähte, lächelte sie wieder fröhlich.

Kopfschüttelnd sah Devon, wie sie seinen Chauffeur aufs Herzlichste begrüßte. Carl lächelte breit, sogar noch, als er Ashley in den Wagen half. Erst nachdem Devon eingestiegen war, nahm der Chauffeur wieder eine distanzierte Haltung an.

Auf dem Rücksitz schmiegte Ashley sich sofort an Devon.

„Wo werden wir heute zu Abend essen?“, fragte sie.

„Lass dich überraschen.“

Wie nicht anders zu erwarten, löcherte sie ihn neugierig und aufgeregt.

„Verrate es mir, bitte!“, bat sie flehend.

Er lächelte. „Das wirst du dann sehen.“

Als sie ihrer Empörung mit einem winzigen Laut Luft machte, wurde sein Grinsen breiter. Das Gute an Ashley war, es war unglaublich leicht, sie zufriedenzustellen. Er kannte nur Frauen, die schmollten und zickig wurden, wenn man ihre Erwartungen nicht erfüllte.

Ashley hingegen schien immer glücklich zu sein, egal womit er sie überraschte. Deshalb war er sich auch sicher, dass der Ring, den er für sie ausgesucht hatte, ihren Geschmack traf.

Sie drückte sich enger an ihn und legte ihm den Kopf an die Schulter. Ihre spontanen Zärtlichkeitsbekundungen irritierten ihn immer wieder aufs Neue. Den Umgang mit Menschen, die so … anhänglich waren, war er einfach nicht gewohnt.

William Copeland wünschte sich einen Mann für Ashley, der ihr Naturell verstand und akzeptierte. Warum er glaubte, ausgerechnet er sei dieser Mann, würde Devon wohl nie verstehen.

Wenn sie erst einmal verheiratet waren, würde er versuchen, sie zu etwas mehr Zurückhaltung zu bewegen. Sie konnte doch nicht ewig mit dem Herz auf der Zunge durchs Leben laufen. Irgendwann würde sie böse verletzt werden.

Einige Minuten später stoppte Carl den Wagen vor dem Gebäude, in dem Devon wohnte, und stieg aus, um ihnen die Tür zu öffnen. Nachdem Devon ebenfalls ausgestiegen war, reichte er Ashley die Hand.

Fragend blickte sie ihn an.

„Du wohnst hier.“

Amüsiert verzog er den Mund. „Ganz genau. Na komm, das Dinner wartet.“

Er führte sie durch die offenen Türen zum Aufzug und fuhr mit ihr in die oberste Etage. Als die Aufzugtür sich wieder öffnete, traten sie direkt in sein Wohnzimmer. Zu seiner Zufriedenheit war alles so arrangiert, wie er es sich gewünscht hatte.

Das Licht war gedimmt und zauberte eine romantische Atmosphäre, im Hintergrund lief leichte Jazzmusik, und der Tisch vorm Fenster, das einen Ausblick über die ganze Stadt bot, war für ein Candle-Light-Dinner gedeckt.

„Oh Devon, wie wunderbar!“

Wieder flog sie ihm spontan in die Arme und drückte ihn überschwänglich. Und wie jedes Mal, wenn sie ihn umarmte, fühlte es sich seltsam an.

Er befreite sich aus ihrer Umklammerung und führte sie zum Tisch. Dann rückte er ihr den Stuhl zurecht und füllte Wein in die Gläser.

„Das Essen ist ja sogar noch warm“, rief sie verblüfft, nachdem sie ihren Teller berührt hatte. „Wie hast du das denn geschafft?“

Er lächelte. „Superkräfte?“

„Hm, der Gedanke, einen Mann mit Superkochkräften zu haben, gefällt mir.“

„Als ich dich abgeholt habe, war ein Koch hier.“

Ashley kräuselte ihre Nase. „Du bist furchtbar altmodisch, Dev. Das wäre überhaupt nicht notwendig gewesen. Ich hätte mir auch ein Taxi nehmen können.“

Er blinzelte überrascht. Altmodisch? Man sagte ihm eine Menge nach, aber altmodisch?

„Ein Mann sollte die Wünsche seiner Frau kennen. Ich habe dich gerne abgeholt.“

Im Schein der Kerzen erröteten ihre Wangen, ihre Augen glänzten.

„Bin ich das denn?“

„Was?“

„Deine Frau.“

Da war es schon wieder, dieses sonderbare Gefühl. Eigentlich war er kein besonders eifersüchtiger Mann. Doch seit er sich entschieden hatte, sie zu heiraten, wurde ihm klar, dass er durchaus Besitzansprüche auf Ashley erhob.

„Ja“, sagte er sanft. „Nach diesem Abend wirst du wissen, dass du endgültig zu mir gehörst.“

Ein Prickeln schoss durch Ashleys Körper. Du liebe Güte, wie würde sie sich nach dieser Bemerkung bloß aufs Dinner konzentrieren können? Über den Tisch hinweg blickte Devon sie verlangend an. Wie eine Wildkatze, die ihre Beute fixierte. Zum Sprung bereit.

Seine wunderschönen, bernsteinfarbenen Augen nahmen sie völlig gefangen. Im Sonnenlicht sahen sie aus wie flüssiges Gold, im Schein der Kerze wirkten sie wie die eines Berglöwen. Was für ein aufregendes Gefühl! Insgeheim sehnte sie sich danach, dass Devon endlich den nächsten Schritt tun würde, um ihre Beziehung zu vertiefen.

Gleichzeitig fürchtete sie sich aber auch davor. Denn wie sollte sie einem Mann gerecht werden, der es schaffte, eine Frau bloß durch einen Blick und eine Berührung willenlos zu machen?

Während ihrer Verabredungen war er stets ein perfekter Gentleman geblieben. Zuerst waren seine Küsse nur ganz zart gewesen. Aber mit der Zeit waren sie immer leidenschaftlicher geworden, und sie hatte eine Ahnung davon bekommen, welcher Mann sich hinter der Fassade aus Höflichkeit und gutem Benehmen möglicherweise versteckte.

Ashley war überzeugt, es war ein sinnlicher und … leidenschaftlicher Mann.

Bei dem Gedanken wurde sie wieder von einem lustvollen Schauer erfasst. Sie hätte zwar nicht sagen können, warum, aber sie vertraute Devon. Würde es heute Abend geschehen? Würden sie in dieser Nacht eins werden?

„Hast du keinen Hunger?“, unterbrach Devon ihre Gedanken.

Sie blickte auf ihren Teller und war sich nicht sicher, ob sie überhaupt einen Bissen herunterbekommen würde. Ihr Mund war trocken, und vor lauter Vorfreude zitterte sie am ganzen Körper.

Sie spießte eine Garnele auf die Gabel und führte sie langsam zum Mund.

„Du bist doch keine Vegetarierin, oder?“

Sie musste lachen, als sie sein Gesicht sah. Dass er überhaupt auf diesen Gedanken kam.

„Das hättest du mir doch gesagt, oder?“

Sie nahm einen Bissen und kaute genüsslich, während sie die Gabel wieder beiseitelegte. Dann legte sie die Hand auf seine.

„Natürlich hätte ich es dir gesagt. Eine Menge Leute denken, ich sei Vegetarierin, weil ich so viel Zeit in meinem Tierheim verbringe.“

Angesichts der Erleichterung, die sich auf seinem Gesicht abzeichnete, musste sie lachen.

„Ich mag Hühnchen und Meeresfrüchte. Auf rotes Fleisch und Gänsestopfleber bin ich allerdings nicht so wild.“

Sie schüttelte sich.

„Ich werde es mir merken und es von deinem Speiseplan streichen“, sagte er grinsend.

Sie lächelte ihn an. „Weißt du, Devon, du bist gar nicht so steif, wie alle denken.“

Erstaunt zog er eine seiner fein geschwungenen Augenbrauen hoch. „Steif? Wer sagt, ich sei steif?“

Schnell nahm sie noch einen Bissen.

„Niemand“, murmelte sie, während sie kaute. „Vergiss es einfach.“

„Hat dich jemand vor mir gewarnt?“

Sein angespannter Tonfall behagte ihr nicht.

„Meine Familie macht sich eben Sorgen um mich“, sagte sie. „Jeder von ihnen hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt“, fügte sie verlegen hinzu.

„Deine Familie hat dich vor mir gewarnt?“

Wieso überraschte ihn das? Glaubte er denn wirklich, dass sämtliche Familienmitglieder eine Beziehung zwischen ihnen guthießen?

„Na ja, nicht alle. Schon gar nicht Daddy. Er vertraut dir blind. Und Mom auch. Gibt er dir grünes Licht, tut sie es auch.“

Allmählich wirkte er wieder entspannter. „Aber wer dann?“

Sie zuckte die Schultern. „Mein Bruder will, dass ich vorsichtig bin. Allerdings hat er das bisher bei jedem Mann gesagt, mit dem ich ausgegangen bin.“

Erstaunt blickte er sie an, als er sein Weinglas hob. „Aha?“

„Ja, weißt du, für ihn bist du so etwas wie ein Schürzenjäger. Ein Spieler. Der mich nur ins Bett kriegen will.“

Errötend senkte sie den Kopf. Wie konnte sie nur solchen Blödsinn reden? Wie peinlich!

„Ja, klingt wie ein typischer älterer Bruder“, erwiderte Devon höflich. „In einem Punkt hat er sogar recht: Natürlich will ich dich in mein Bett kriegen. Nur … wenn du erst einmal darin liegst, wirst du da nicht mehr so schnell rauskommen.“

Mit den Lippen formte sie ein lautloses Oh.

Er lächelte. Es war ein lässiges, selbstbewusstes und sehr männliches Lächeln.

„Iss, Ashley. Wir … widmen uns einander dann … später.“

Pflichtbewusst aß sie ihren Teller leer.

Was taten Frauen in solchen Situationen? Offensichtlich war er entschlossen, sie zu verführen. Würde sie cool bleiben? Sollte sie offensiv reagieren? Sich für ihn ausziehen?

Beinahe hätte sie losgekichert. Du liebe Güte, ihre Fantasie ging mit ihr durch!

Dann spürte sie plötzlich Hände auf ihren Schultern. Devon stand hinter ihr. Wie und wann war er bloß dahin gekommen?

„Entspann dich, Ash“, sagte er sanft. „Komm her.“

Mit zitternden Knien erhob sie sich. Er strich ihr mit einem Finger über die Wange hinauf zur Schläfe und wickelte spielerisch eine Haarsträhne darum.

Dann legte er ihr einen Arm um die Taille und die andere Hand in den Nacken. Dabei ging er alles andere als zurückhaltend vor. Der Kuss, der folgte, war wie Feuer, war pure Leidenschaft.

Es war so erregend und überwältigend, dass es Ashley fast um den Verstand brachte. Wie konnte ein einziger Kuss das bewirken?

Mit der Zunge streifte er ihr über die Lippen, erst zärtlich, dann entschlossener. Es war ein süßer Zwang, seiner Forderung nachzukommen und den Mund zu öffnen.

In Devons Umarmung schmolz Ashley dahin. Ihr Körper schien zu vibrieren, ihr Puls hämmerte wie verrückt. In sich spürte sie plötzlich überwältigendes Verlangen. Sie wollte diesen Mann. Manchmal hatte sie das Gefühl, ihr ganzes Leben lang nur auf ihn gewartet zu haben.

„Devon“, flüsterte sie.

Er sah sie an, ohne sie loszulassen.

„Ja, Liebes?“

Ihr Herz klopfte.

„Es gibt da etwas, was du wissen solltest.“

Fragend blickte er sie an.

„Du weißt, du kannst mir alles sagen.“

Ashley schluckte gegen den Kloß im Hals an. Nie hätte sie gedacht, dass es ihr so schwerfallen würde, ihm die Wahrheit zu sagen. Vielleicht sollte sie besser den Mund halten und es einfach geschehen lassen. Aber nein, dies war ein bedeutsamer Abend. Devon verdiente es, dass sie es ihm sagte.

„Ich … ich habe vorher noch nie mit einem Mann geschlafen. Du … bist der erste.“

Ein dunkler, fast animalischer Ausdruck trat in seine Augen. Einen Moment lang schwieg er. Dann presste er sie an sich und küsste sie leidenschaftlich.

Als er wieder von ihr abließ, sah er zufrieden aus. Zufrieden und wild.

„Ab heute wirst du zu mir gehören, Ashley. Und ich bin sehr froh darüber, dein erster Mann sein zu dürfen.“

„Ich auch“, flüsterte sie nervös.

Er beugte sich vor, küsste ihre Brauen und ließ die Lippen einen Moment lang auf ihrer Stirn ruhen.

Dann ließ er die Hände an ihren Schultern hinabgleiten und streichelte ihr sanft über die Arme. „Hab keine Angst. Ich werde sehr vorsichtig sein, Liebes, und ich werde dafür sorgen, dass du jeden Moment genießen kannst.“

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und umschlang seinen Nacken. „Liebe mich, Devon. Denn ich habe so lange auf dich gewartet.“

2. KAPITEL

Nachdem Devon Ashleys Brauen sanft geküsst hatte, nahm er sie auf den Arm und trug sie in das große Schlafzimmer.

Seufzend legte Ashley ihm den Kopf an die Brust. „Ich habe immer davon geträumt, dass ich, wenn der große Moment gekommen ist, auf Händen zum Bett getragen werde. Auch wenn das wahrscheinlich vollkommen dämlich klingt.“

Leise lachte er auf. „Freut mich, dass ich dir jetzt schon eine deiner Fantasien erfüllen kann.“

Sie wurde rot, gleichzeitig aber auch von einem erregenden Schwindel erfasst, als sie sich vorstellte, wie er sie langsam auszog. Das war Nummer zwei ihrer heimlichen Fantasien.

Nachdem so viele ihrer Mitschülerinnen in der Highschool und auf dem College berichtet hatten, wie bedeutungslos ihr erstes Mal gewesen war, hatte Ashley sich geschworen, dass ihre Erfahrung anders sein würde. Gut möglich, dass sie dadurch etwas wählerisch geworden war, doch sie hatte sich in den Kopf gesetzt, sich nur dem richtigen Mann im richtigen Moment hinzugeben. Und Devon Carter war schlichtweg perfekt. Fast schon zu perfekt.

Nachdem er sie sanft abgesetzt hatte, blickte Ashley sich nervös in dem riesigen Schlafzimmer um. Es war so groß, dass man Gefahr lief, darin zu verschwinden. Ganz zu schweigen von dem maßangefertigten, imposanten Bett. Wer brauchte so ein großes Bett? Es sei denn, er veranstaltete regelmäßig zügellose Orgien mit zehn Frauen gleichzeitig.

„Ich werde dich jetzt ausziehen, Liebes“, sagte er mit rauer Stimme. „Ich werde es ganz langsam tun, und solltest du dich unwohl fühlen, dann sag es mir sofort. Wir haben die ganze Nacht vor uns. Kein Grund zur Eile also.“

Er klang so zärtlich und war so geduldig, dass ihr Herz dahinschmolz. Gleichzeitig konnte sie es kaum abwarten, dass ihre Körper miteinander verschmolzen.

Gedulde dich gefälligst. Du verlierst nur ein Mal deine Unschuld!

Richtig, es würde noch unzählige Gelegenheiten zu heißem, zügellosem Sex geben. Aber sie würde nur diese eine Nacht haben, an die sie sich ihr Leben lang erinnern würde.

„Dreh dich um, damit ich dein Kleid öffnen kann.“

Mit geschlossenen Augen tat sie, was er von ihr verlangte. Behutsam schob er ihr das Haar über die Schulter und zog den Reißverschluss auf. Sie spürte, wie der Stoff an ihr herunterglitt, und hielt das Kleid schnell am Ausschnitt fest, bevor es tiefer rutschen konnte.

Devon strich ihr mit der Hand über die Schulter und küsste ihren Nacken. „Entspann dich.“

Er hatte gut reden. Vermutlich hatte er das hier schon etliche Male getan. Dieser Gedanke verstimmte sie. Daher drängte sie die Frage, wie viele Bettpartnerinnen Devon bereits gehabt hatte, schnell beiseite.

Er drehte sie um und sah ihr in die Augen. Bei dem Lächeln, das er ihr schenkte, wurde sie ganz schwach. Behutsam löste er ihr die Hände, mit denen sie krampfhaft den Stoff festhielt. Das Kleid fiel auf den Boden, und sie stand schließlich nur noch im Slip vor ihm.

Ashley wurde knallrot. Warum hatte sie bloß nicht den trägerlosen BH angezogen? Allerdings fühlte sie sich auch ein bisschen verrucht, weil sie sonst nichts weiter trug.

Außerdem hatte sie ja gewusst, dass dies die Nacht der Nächte werden würde.

Besser gesagt: gehofft.

„Du bist so sexy“, raunte Devon, während er den Blick über ihren Körper wandern ließ.

Gott sei Dank hatte sie sich für den Seidenslip und nicht für die weiße Baumwollunterwäsche entschieden, die sie manchmal trug, wenn es ihr nicht darauf ankam, sich sexy und attraktiv zu fühlen.

„Du bist so schön, Ash. So verdammt schön.“

Allmählich wurde sie ruhiger und konzentrierte sich auf das verführerische Glitzern in seinen Augen. Diese bernsteinfarbenen Augen, in deren Tiefen Lust und Verlangen schimmerten.

Er zog sie an sich und küsste sie. Erst heiß und fordernd. Dann wieder zart. Als müsse er sich zwingen, nicht über sie herzufallen.

Dabei wollte sie ja, dass er über sie herfiel.

Sie mochte noch Jungfrau sein, doch das hieß nicht, dass ihr Lust, Erregung und Verlangen fremd waren. Und ihr Verlangen nach Devon grenzte fast schon an Verzweiflung.

In der Vergangenheit hatte es ihr durchaus nicht an Verehrern gemangelt. Bei dem einen oder anderen hatte sie sogar überlegt, mit ihm den letzten entscheidenden Schritt zu gehen, sich letztlich aber dagegen entschieden, weil sie sich nicht sicher genug gewesen war.

Nicht so bei Devon. Als er sich ihr mit dieser rauen und unglaublich verführerischen Stimme vorgestellt hatte, war es bereits um sie geschehen gewesen. Die letzten Wochen hatte sie nur diesem einen Moment entgegengefiebert. Jetzt, wo er gekommen war, zitterte Ashley erwartungsvoll am ganzen Körper.

Als Devon sich von ihr löste, sah sie ihn mit verklärtem Blick an. Dann strich er ihr über die Wange und küsste sie wieder. Und wieder.

Er ließ die Zunge zwischen ihre Lippen gleiten und liebkoste sie. Gierig nahm Ashley seinen köstlichen Geschmack auf, und ihr Hunger nach ihm wuchs.

„Du machst mich ganz verrückt“, keuchte er leise.

Sie lächelte. Die Wirkung, die sie auf diesen unglaublichen, sinnlichen Mann ausübte, erfüllte sie plötzlich mit Genugtuung und weiblichem Selbstbewusstsein.

Mit den Lippen strich er über ihre Wangen und zog eine Spur aus Küssen bis zu ihrem Hals hinab, den er mit sanftem Knabbern verwöhnte.

Köstliche Schauer rannen ihr über den Rücken, als er ihr erst die Arme, dann die Ellbogen langsam küsste.

Als er vor ihr auf die Knie ging, war sein Mund nur noch Millimeter von ihren Brustspitzen entfernt. Leise keuchte sie auf, denn sie sehnte sich verzweifelt danach, von ihm dort berührt zu werden. Mit den Lippen, der Zunge … ganz egal womit. Nur sollte er es tun, denn sonst würde sie bestimmt verrückt werden.

Doch stattdessen liebkoste er die Stelle über dem Bauchnabel. Ashley schnappte nach Luft, als er sich langsam wieder aufrichtete und seinen Weg nach oben fortsetzte, bis er zu der Stelle kam, wo ihr Herz wie wild schlug.

Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Dein Herz rast“, raunte er.

Ashley entgegnete nichts. Ihr Herz raste nicht, es war kurz davor, zu explodieren.

Nun konnte sie nicht mehr länger stillhalten und schob die Finger in sein kurzes hellbraunes Haar.

Er schaute ihr in die Augen. „Hast du Angst?“

„Und wie“, gab sie zu.

Sanft umarmte er sie und zog sie an sich.

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