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Das Erbe von Gullrock Hall

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Prolog
  7. 1
  8. 2
  9. 3
  10. 4
  11. 5
  12. 6
  13. 7
  14. 8
  15. 9
  16. 10
  17. 11
  18. 12
  19. 13
  20. 14
  21. 15
  22. 16
  23. 17
  24. 18
  25. 19
  26. 20
  27. 21
  28. 22
  29. 23
  30. 24
  31. 25
  32. 26
  33. 27
  34. 28
  35. 29
  36. 30
  37. 31
  38. 32
  39. 33
  40. 34
  41. 35
  42. 36
  43. Epilog
  44. Danke

Über dieses Buch

Ein windumtostes Stück Land an der walisischen Küste und ein dunkles Geheimnis, über das auch nach hundert Jahren noch geredet wird.

Iris Rhys lebt in Boston und arbeitet als Restaurateurin für das Museum of Fine Arts. Nach einem Kongress in London beschließt sie, Ogmore-by-Sea in Wales zu besuchen – die Heimat ihrer Vorfahren. In dem kleinen Dorf an der walisischen Südküste erfährt sie, dass sie ein kleines Cottage geerbt hat. Doch je länger sie in dem Dorf bleibt, desto deutlicher wird, dass ein dunkles Geheimnis ihre Familie umgibt. Sie entscheidet sich zu bleiben, um den bösen Gerüchten entgegenzutreten. Einzig der junge Anwalt Gabriel steht auf ihrer Seite, obwohl seine Familie die Amerikanerin nur zu gern wieder loswerden würde. Kann sie mit seiner Hilfe das Geheimnis lüften? Und hält dieser mysteriöse Ort für sie eine glückliche Liebe bereit, nach der sie sich so sehnt?

Über die Autorin

Geboren und aufgewachsen in Bayern, verließ Sophie Oliver nach dem Abitur ihre Heimat, um zu studieren und die Welt zu erkunden. Mittlerweile ist sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und lebt mit Familie und Hund auf dem Land. Sophie liebt die bunte Vielfalt, Schräges genauso wie Schönes sowie »all things British«. Ihre Lebensneugierde drückt sie in ihren Romanen und Kurzgeschichten aus, wobei sie sich darüber freut, in verschiedenen Genres schreiben zu dürfen.

Prolog

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Dezember 1918

In der Dunkelheit einer stürmischen Winternacht kämpfte sich eine junge Frau durch den Regen. Der Saum ihres Kleides war durchnässt und so schwer, dass sie Mühe hatte zu laufen. Ein eisiger Wind blies ihr ins Gesicht. Sie zog das Wolltuch fester um Kopf und Schultern und marschierte tapfer weiter.

Unter dem geschützten Eingangsportal der Kirche hielt sie kurz inne, um zu verschnaufen. Dann setzte sie ihren Weg durch die Reihen der Gräber fort. Vor einer schlichten Steinplatte blieb sie stehen. Gestern hatte sie einen Kranz aus Stechpalmenblättern hier abgelegt, aber der Sturm hatte ihn längst weggeweht, er war verschwunden. Genauso, wie auch sie selbst bald verschwunden sein würde.

Sie legte eine Hand auf den Grabstein und senkte den Kopf.

»Ich nehme dich in meinem Herzen mit«, flüsterte sie. »Du wirst immer bei mir sein.«

Ein junger Mann trat neben sie. Auch seine Kleidung war durchnässt, und er beugte sich unter dem schweren Seesack auf seinem Rücken. Trotz des heftigen Regens stellte er ihn neben sich auf den Boden, nahm für einen Moment seine Mütze ab und blickte stumm auf das Grab hinunter.

»Wir müssen gehen«, sagte er. »Es ist Zeit.«

»Wieso?«, rief sie wütend und verzweifelt. »Wieso müssen wir uns davonstehlen wie Diebe in der Nacht? Wieso müssen wir unsere Heimat verlassen? Es ist so ungerecht!«

Er nahm ihren Arm und hakte ihn bei sich unter. Mit der anderen Hand schulterte er mühsam den Seesack wieder. Dann zog er Elen behutsam mit sich, weg vom Friedhof, die Dorfstraße entlang und weiter, bis die Dunkelheit die beiden jungen Menschen verschluckte.

»Ich weiß«, sagte er mehr zu sich selbst als zu ihr, »es ist ungerecht. Aber wir haben keine andere Wahl, wenn wir weiterleben wollen.«

Sie liefen bis zum Morgengrauen, dann hatten sie Cardiff erreicht. Im Hafen bestiegen sie einen Trampdampfer, der sie mit nach Liverpool nahm. Von dort würden sie mit der S.S. Cedric nach New York reisen. Die Frau gab ihrem Begleiter die beiden Fahrscheine für die Passage nach Amerika. Die Tickets waren mit Blutgeld bezahlt, sie schämte sich dafür. Sie konnte dem jungen Mann nicht in die Augen sehen, als er die Fahrkarten wortlos entgegennahm.

Was auch immer sie sich von ihrer Zukunft erhofft hatte, es blieb im Hafen von Cardiff zurück.

Mittlerweile war es Tag geworden, der Sturm hatte sich beruhigt und freundlichem Wetter Platz gemacht. Bei strahlendem Sonnenschein lief das Schiff aus, als ob der Himmel sie verspotten wollte. Ein letztes Mal blickten sie zurück, um sich die Farben ihrer Heimat einzuprägen, die in der klaren Morgenluft wie frisch gewaschen wirkte. Es würde für ein Leben reichen müssen.

Später dachte die junge Frau oft daran zurück. Wenn sie die Augen schloss, spürte sie den Wind auf der Haut, roch das Salz der walisischen See und sah grüne Weiden und schiefergraues Bergland vor sich. Am deutlichsten aber erinnerte sie sich an den Klang von Ioans Stimme, während er ihr ins Ohr flüsterte, dass er sie für immer lieben werde.

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Juni 2016

Mit elegantem, durch und durch britischem Akzent hatte das Navigationssystem des Mietwagens Iris versichert, dass die Fahrt vom Flughafen in Cardiff nach Merthyr Mawr achtunddreißig Minuten dauern würde. Wer wollte das infrage stellen? Zumal es für amerikanische Verhältnisse, wie Iris sie kannte, ein Katzensprung war. Deswegen war sie einigermaßen zuversichtlich gestartet, obwohl sie sich beim Fahren auf der ungewohnten linken Straßenseite ein wenig unsicher fühlte. Hinzu kam, dass die Fahrbahnbreiten in Wales sich doch deutlich von denen in den USA unterschieden. Iris glaubte nicht, irgendwo in Boston und Umgebung jemals derartig schmale Straßen gesehen zu haben.

Nach eineinhalb Stunden begann sie, die freundliche Computerstimme anzuzweifeln. War sie nicht schon dreimal an dieser Kreuzung vorbeigekommen? Die Umgebung wirkte trotz der Nähe zur walisischen Hauptstadt sehr ländlich, einsam beinahe. Kilometerlang säumten Wiesen und Felder den Weg, dazwischen lag wie hingetupft das eine oder andere Gehöft. Ortschaften hatte Iris schon länger nicht mehr passiert. Die Sonne ging unter, und mit ihr schlief auch der Wind ein, der sie am Flughafen begrüßt und bis hierher begleitet hatte.

»Wenn möglich, bitte wenden«, wies Mister Navi sie an.

Schicksalsergeben seufzte Iris und tat, wie ihr geheißen. Sie bog in einen Weg ein, dessen Asphaltbelag nach ein paar Metern von Schotter abgelöst wurde, erblickte kurz ein einsames Cottage und holperte weiter über Schlaglöcher, bis sie schließlich vor einem weiteren Haus im Niemandsland zum Stehen kam, dessen Schild es als Colomen Ty auswies. Sackgasse. Ende der Straße. Zwar hatte Iris keine Ahnung, was Colomen Ty bedeutete, aber sie war sich sicher, dass dies nicht ihr Ziel war.

Mit einem weiteren Seufzer öffnete sie die Tasche neben sich auf dem Beifahrersitz und fischte eine herkömmliche Landkarte heraus, die sie in weiser Voraussicht am Flughafen noch gekauft hatte. Draußen wurde es immer dunkler. Sie knipste die Beleuchtung im Wageninneren an und versuchte, sich auf der Karte zu orientieren. So viele Straßen standen hier eigentlich nicht zur Auswahl. Iris begriff nicht, warum das GPS Schwierigkeiten damit hatte. Ab jetzt würde sie das Navigieren selbst übernehmen und die Anweisungen von Mister Navi ignorieren.

Ein paar Mal musste sie noch anhalten, um die Straßenkarte zurate zu ziehen, aber irgendwann, mittlerweile war es stockfinster, erreichte sie Merthyr Mawr.

Straßenlaternen gab es in dem kleinen Ort keine – Iris hatte gelesen, dass weniger als dreihundert Menschen hier lebten, nicht genügend für eine Nachtbeleuchtung, anscheinend. Alles wirkte wie ausgestorben. Lediglich über einer der Eingangstüren an der Durchfahrtstraße brannte Licht. Erleichtert stieß Iris die Luft aus, als sie das Schild darunter las: Tywod Cottage.

»Sie haben Ihr Ziel erreicht«, informierte Mister Navi sie überflüssigerweise, als ob es sein Verdienst wäre, dass sie die Nacht nicht auf offenem Feld zubringen musste.

»Vielen Dank«, sagte sie laut und schaltete die Zündung aus.

Mit ihrer Reisetasche in der Hand klopfte sie an die Tür des Hauses.

»Herzlich willkommen! Sie müssen Iris sein!« Freundlich lächelnd öffnete ihr eine Dame um die fünfzig und bat sie herein.

»Vielen Dank. Und Sie sind sicher Mrs Llewellyn?« Iris gab sich Mühe, den Namen korrekt auszusprechen, was ihr allerdings mehr schlecht als recht gelang.

»Nennen Sie mich Rosemary, bitte.« Wahrscheinlich wollte die arme Mrs Llewellyn weiteren Entstellungen ihres Namens vorbeugen. »Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer. Ich hatte Sie eigentlich schon vor einer Weile erwartet. Hatte Ihr Flug Verspätung?«

»Nein. Ich habe mich ein wenig verfahren.«

»Sie sind mit einem Mietwagen unterwegs? Wie praktisch!«

»Hm. Nach meiner heutigen Erfahrung dachte ich eigentlich, ich sollte ihn stehen lassen und die Gegend künftig lieber mit dem Bus erkunden …«

Rosemary warf Iris einen verständnisvollen Blick zu. »Wegen des Fahrens auf der linken Seite, nehme ich an. Als Amerikanerin ist das sicher ungewohnt für Sie.« Sie schloss die Tür hinter Iris und bedeutete ihr, eine schmale Treppe hinauf in den ersten Stock zu steigen.

»Sie sind momentan der einzige Gast in meiner Pension«, plapperte Rosemary fröhlich drauflos. »Deshalb bekommen Sie das beste Zimmer. Der Tourismus in der Gegend ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war. Die Leute fahren lieber rüber auf den Kontinent, in europäische Großstädte oder ans Mittelmeer. Wales scheint ein wenig aus der Mode gekommen zu sein. Na ja, wirklich viel los war bei uns eigentlich noch nie, wenn ich ehrlich bin. Wie lange wollen Sie denn hier bleiben?«

»Ich bin mir noch nicht sicher. Ein paar Tage?«

»Kein Problem. Sie können hier wohnen, so lange Sie wollen.«

Rosemary öffnete die erste Tür auf der linken Seite eines langen Ganges, der durch das gesamte Haus führte, und trat beiseite. Mit einem erwartungsvollen Lächeln wies sie ins Innere des Zimmers. Dabei fiel Iris auf, dass die Besitzerin der Pension kirschroten Lippenstift trug, sehr exakt aufgetragen, was sie ungewöhnlich mondän für die ländliche Umgebung wirken ließ. Es passte gut zu ihrem platinblonden Haar, das stufig bis auf ihre Schultern fiel. Sicher kein alltäglicher Look in diesem winzigen Ort. Iris fand Rosemary auf Anhieb sympathisch.

»Ist das hübsch!«, entfuhr es ihr, als sie das Zimmer betrat. Ein breites Messingbett nahm fast die gesamte Schmalseite des Raums ein. Die Decke war niedrig und sorgte für ein heimeliges Flair. Ein doppelflügeliges Fenster mit Bleiglasscheiben, die in viele kleine Rauten unterteilt waren, eine hölzerne Kommode mit passendem Kleiderschrank und ein kleiner Frisiertisch vervollständigten das nostalgische Interieur. Auf dem Bett lag eine gequiltete Tagesdecke in Blautönen, farblich passend zur Nachttischlampe, die ungewöhnlicherweise die Form einer Schwertlilie hatte.

»Ich musste Ihnen einfach dieses Zimmer geben«, sagte Rosemary verschwörerisch, »wegen der Lampe. Eine Iris. So wie Sie. Außerdem hat es ein eigenes Bad. Frühstück gibt es von sieben bis neun. Full English, kein kontinentales. Ich hoffe, Sie mögen herzhaftes Essen. Mittag- und Abendessen bekommen Sie entweder im Pelican Pub drüben in Ogmore, nur einen Steinwurf entfernt, oder in Ewenny, das dauert allerdings ein paar Minuten mit dem Auto. Der nächste Supermarkt befindet sich in Bridgend. Sollten Sie irgendetwas brauchen, sagen Sie mir Bescheid. Ich helfe Ihnen gerne.«

Während Iris auspackte, brachte Rosemary ihr eine Tasse Tee. Einfach so. Iris war überrascht von der Herzlichkeit ihrer Vermieterin.

Sie öffnete das Fenster und blickte hinaus in die Dunkelheit, während sie den Tee trank. Viel war nicht zu sehen – und noch weniger zu hören. Für einen Stadtmenschen wie Iris war diese Stille etwas Besonderes, es fühlte sich an wie eine friedliche Umarmung. Iris spürte förmlich, wie die Anstrengungen der Reise von ihr abfielen. Sie atmete tief ein und aus, ließ die Schultern sinken und entspannte ihre Kiefermuskulatur. Hier war sie nun, in Merthyr Mawr, der Heimat ihrer Vorfahren. Von hier aus war ihr Urgroßvater nach Amerika aufgebrochen. Seit Generationen behauptete jeder in Iris’ Familie, nichts in Boston, den USA oder sonst wo auf der Welt wäre so unvergleichlich wie der salzgeküsste Wind und die wilde See an der Küste von Wales. Davon musste sie sich selbst überzeugen.

Weil sie nicht gerade darauf erpicht war, sich in der Dunkelheit auf die Suche nach dem von Rosemary erwähnten Pelican Pub zu machen, beschloss sie, das Abendessen ausfallen zu lassen. Sie war ohnehin müde. Allerdings stieg aus Rosemarys Küche ein derart verführerischer Duft nach gebratenen Zwiebeln zu ihr hoch, dass sie wie magisch angezogen ihr Zimmer verließ und die Treppe hinunterstieg. Rosemary hörte sie wohl, denn sie steckte den Kopf aus der Küchentür.

»Was ich Sie noch fragen wollte – sind Sie eigentlich wegen des Grundstücks hier?«

Überrascht hielt Iris inne. »Welches Grundstück?«

»Bryns Land.«

»Wer ist Bryn?«

»Na, Bryn Rhys. Selber Nachname wie der Ihre! Mit Ihren dunklen Locken und den hellblauen Augen gehören Sie ganz bestimmt zu den Rhys aus Merthyr Mawr, so viel ist sicher. Wir dachten uns schon, dass irgendwann mal einer von den amerikanischen Rhys hier auftauchen würde, um das Land zu verkaufen. Immerhin liegt es seit Bryns Tod brach.«

Iris machte ein paar Schritte auf Rosemary zu. Sie war vollkommen verdutzt.

»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen. Meine Vorfahren stammen zwar aus diesem Ort, aber ich habe keine Ahnung, ob es in Merthyr Mawr noch lebende Verwandte gibt oder Grundstücke oder sonst etwas. Ich war neugierig, deshalb bin ich hergekommen. Eigentlich war ich auf einer Fortbildung in London. Und Sie wissen ja, wie das mit uns Amerikanern ist, ich dachte, Wales wäre gleich um die Ecke, und ich mache einfach einen kurzen Abstecher …«

»Ich habe Cawl gekocht, das ist ein typisch walisischer Eintopf mit Lamm und Lauch. Dazu gibt’s selbst gebackenes Brot. Wenn Sie möchten, essen Sie mit mir, dann erzähle ich Ihnen etwas über den walisischen Zweig Ihrer Familie.«

Das ließ sich Iris nicht zweimal sagen und folgte Rosemary in die Küche. Auf einem mintgrün lackierten, gusseisernen und nostalgisch wirkenden AGA-Herd köchelte die Quelle des verführerischen Dufts vor sich hin, und Iris schnupperte begeistert.

Rosemary nahm zwei Teller aus einem Küchenbuffet, das aussah wie ein Original aus den Fünfzigerjahren, und stellte sie auf den Tisch am Fenster.

»Ich esse normalerweise hier«, sagte sie. »Macht keinen Sinn, alles rüber ins Esszimmer zu tragen und dann wieder hierher zur Spüle, wenn man allein ist.«

»Oh, ich finde Ihre Küche absolut entzückend«, beeilte sich Iris zu versichern.

An einem Bord hingen Teetassen, allesamt unterschiedlich, die meisten davon mit Blumenmustern, einige zeigten Waldtiere oder Wahrzeichen von London. Ein duftiger weißer Vorhang schirmte das Küchenfenster vor neugierigen Blicken von draußen ab, erlaubte aber eine gute Sicht auf den Weg, der vom Gartentor zur Eingangstür führte. Am weiß gestrichenen Holztisch standen zwei dazu passende Stühle, auf einem davon nahm Iris nun Platz.

»Ich mag es gerne traditionell britisch«, erklärte Rosemary.

»Wenn das meine Küche wäre, würde ich den ganzen Tag nur hier drin verbringen.«

»Das mache ich meistens auch. Ich bereite das Frühstück für die Gäste zu, höre Radio und lese Zeitschriften, um mich über den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Welt der Schönen und Reichen zu informieren. Im Winter ist der AGA ein Segen, er heizt die Küche kuschelig warm. Bei unseren oft verregneten Sommern ist er eigentlich ganzjährig praktisch«, fügte sie hinzu, während sie zwei Suppenteller mit dampfendem Eintopf auf den Tisch stellte. Dann setzte sie sich ebenfalls und schob Iris das Brotkörbchen hin. Trotz ihrer Müdigkeit war Iris so gut gelaunt wie lange nicht mehr. Es war eine goldrichtige Entscheidung gewesen, hierherzukommen.

»Die Familie Rhys hat schon immer in dieser Gegend gelebt«, begann Rosemary, nachdem sie aufgegessen hatten. Der Eintopf hatte himmlisch geschmeckt, und Iris war begeistert von dem selbstgebackenen Brot mit der dicken Kruste. Sie fühlte sich angenehm satt, wie von innen heraus gewärmt.

»Leider ist Bryn, der letzte Rhys, vor ein paar Jahren gestorben«, fuhr Rosemary fort. »Er war alt und hatte keine Kinder. Das Stück Land, das ihm gehörte, liegt am Ortsrand, draußen bei den Klippen. Wissen Sie, im Allgemeinen ist der Boden hier nicht besonders fruchtbar. Die Humusschicht ist dünn, darunter liegt Granitfelsen, und die Erde wird durch den starken Wind schnell abgetragen. Man muss sich ziemlich abmühen, um landwirtschaftliche Erträge zu erzielen. Deshalb nutzen die meisten Farmer ihre Grundstücke nur als Viehweiden. Als Felder würden sie nicht genug abwerfen.« Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. »Bei Bryns Land ist das anders. Trotz der Nähe zu den Klippen liegt es so geschützt, dass der Wind es nur an seinem äußersten Rand erreicht. Alles andere ist mit gutem Boden bedeckt. So fruchtbar, dass die Familie Rhys viele Jahre lang gut davon leben konnte. Aber jetzt kümmert sich niemand mehr darum, es wird wohl ziemlich verwahrlost sein. Ich könnte mir vorstellen, dass sich schnell ein Interessent findet, wenn Sie es verkaufen wollen.«

Rosemary schien sich absolut sicher zu sein, dass Iris zu den Erben des Grundstücks gehörte.

»Haben Sie Geschwister?«, fragte sie. »Cousins oder Cousinen? Was ist mit Ihren Eltern?«

Iris schüttelte den Kopf. »So, wie es aussieht, bin ich die Einzige der Rhys aus Merthyr Mawr, sowohl in der alten wie auch in der neuen Welt.«

»Na dann, meine Liebe! Worauf warten Sie noch? Gleich morgen früh fahren Sie zu Mister Williams, dem Anwalt in Porthcawl. Er ist zuständig für das Grundstück und wird Ihnen alles Weitere erklären. Immerhin haben Sie Anspruch auf das Land Ihrer Familie.«

Das Land ihrer Familie – wie sich das anhörte. Ein freudiger Schauer lief Iris über den Rücken. Es wäre in der Tat ein großes Geschenk, wenn sich nicht nur Hinweise auf ihre Vorfahren, sondern sogar etwas Handfestes finden ließe. Und was wäre konkreter als ein Grundstück? Ein fassbarer Beweis, dass ihre Familie tatsächlich einmal hier in Wales gelebt hatte, ein Ort, an dem Generationen vor ihr gestanden hatten und wo Iris vielleicht das erspüren konnte, wonach sie suchte – ihre Wurzeln.

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Juni 2016

Porthcawl kam Iris vor wie die Kulisse eines Agatha-Christie-Krimis. Eine breite, halbmondförmige Strandpromenade wurde auf der vom Meer abgewandten Seite von Art-déco-Gebäuden und nostalgisch anmutenden Laternen gesäumt. Viele der Häuser standen leer, alte Hotels zumeist, mit wohlklingenden Namen wie Esplanade oder Grand Aurora. Dazwischen lagen Pubs, Restaurants und Pensionen sowie der fantastische Grand Pavilion. Dabei handelte es sich um ein achteckiges, schneeweißes Gebäude aus den Dreißigerjahren, mit grauem Kuppeldach und einer lang gestreckten, imposanten und von Säulen unterbrochenen Fassade. Plakate wiesen auf das aktuelle Programm hin –Musicals, Theaterstücke oder Kinofilme.

Ein paar Süßigkeitenverkäufer hatten ihre Handwagen gegenüber auf der Promenade abgestellt, auch ein Luftballonverkäufer war darunter.

Staunend sog Iris die etwas morbide Atmosphäre in sich auf. Porthcawl hatte bessere Zeiten gesehen, das ließ sich nicht leugnen. Der Zahn der Zeit nagte an den Gebäuden, und eine augenscheinlich klamme Stadtkasse konnte das nicht aufhalten. Dennoch war das Seebad beeindruckend. Über dem Meer, das schaumgekrönt an den Steinstrand rollte, jagten weiße Wolken über den tiefblauen Himmel, trafen sich am Horizont mit Gewittergrau und wurden dann rasch vom immerwährenden Wind verblasen. Die Luft roch nach Seetang und gebrannten Mandeln.

An diesem Morgen waren nicht viele Menschen unterwegs. Zwei junge Mütter in Lauf-Outfits schoben ihre Kinder in sportlichen Buggys raschen Schritts die Promenade entlang. Ein paar Halbwüchsige, offensichtlich Schulschwänzer, drückten sich um einen Eisstand herum, und etliche ältere Leute flanierten oder saßen auf dunkelblau lackierten Bänken und genossen den Blick aufs Meer.

Auch Iris hätte beinahe die Zeit vergessen. Und den Grund ihres Besuchs. Sie hatte einen Termin bei dem Anwalt, den Rosemary ihr genannt hatte. Deswegen hatte sie zeitig die Pension verlassen und den Bus genommen. Eine weitere Überlandfahrt im Mietwagen auf unbekanntem Terrain war ihr wenig verlockend erschienen, obwohl Rosemary versichert hatte, das Ganze würde nicht länger als eine Viertelstunde dauern.

Die Kanzlei war nicht schwer zu finden. Sie befand sich im ersten Stock über einem Café an der Strandpromenade. Beim Betreten des Hauses duftete es herrlich nach frisch gebackenen Muffins. Eine dezente Messingtafel wies auf die Räumlichkeiten von Gabriel Williams, Rechtsanwalt und Notar, im Obergeschoss hin. Anscheinend war es hier nicht unüblich, mehrere Berufe innezuhaben. Rosemary hatte erwähnt, dass sie nicht nur ihre Frühstückspension betrieb, sondern auch für die lokale Zeitung tätig war. In Boston wäre so etwas schwer vorstellbar. Darüber dachte Iris noch nach, während sie das Vorzimmer betrat. Eine zierliche Sekretärin begrüßte sie, führte sie in einen Büroraum und bat sie, sich einen Moment zu gedulden.

»Mister Williams wird gleich bei Ihnen sein. Hätten Sie in der Zwischenzeit vielleicht gerne eine Tasse Tee?«

»Nein, vielen Dank, das ist sehr nett. Ich habe eben gefrühstückt.«

»Aber ein Tee geht doch immer, nicht wahr? Eine hübsche Bluse haben Sie an, steht Ihnen sehr gut.«

Wiederum fielen Iris die großen Unterschiede zu den USA auf. Niemand würde ihr in einem Bostoner Anwaltsbüro einen Tee anbieten, geschweige denn, ihr Komplimente wegen einer Bluse machen. Alles war streng getaktet und auf Effektivität ausgelegt. Und die Büroeinrichtung würde beeindrucken wollen, einen imposanten Vorgeschmack auf den Anwalt geben, gewissermaßen. Hier hingegen vermittelte das Mobiliar einen angenehm individuellen Eindruck. Ein wunderschöner antiker Schreibtisch war kombiniert mit modernen Besucherstühlen. Auf dem neu verlegten Parkett lag ein alter Perserteppich. Und im Stiftehalter auf dem Schreibtisch, der aussah, als wäre er original Art déco, steckten bunte Plastikkugelschreiber.

Nachdem die Sekretärin den Raum verlassen hatte, trat Iris ein wenig näher, um sehen zu können, ob der Stiftehalter tatsächlich aus Bakelit und Messing bestand, wie sie vermutete. Sie streckte einen Finger aus und fuhr vorsichtig über die Oberfläche. Gerade in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Nebenzimmer, und ein groß gewachsener Mann trat ein. Erschrocken zuckte Iris zurück.

»Art déco«, verkündete er, »Messing und Bakelit.«

»Das dachte ich mir«, erwiderte Iris verdutzt. »Sehr schön.«

Sie standen einen Augenblick stumm voreinander, bis der Mann die Hand ausstreckte. Sein Gesicht war ernst, trotzdem wirkte er freundlich. Wie Rosemary Llewellyn hatte auch er angenehm gebräunte Haut. Anscheinend hielt er sich nicht den ganzen Tag im Büro auf, sondern verbrachte reichlich Zeit an der frischen Luft.

»Gabriel Williams«, stellte er sich vor. »Und Sie sind bestimmt Iris Rhys.«

Während sie seine Hand schüttelte, konnte Iris nicht verhindern, dass ihr ein »Ich hatte Sie mir älter vorgestellt« entschlüpfte. Rasch zog sie ihre Hand zurück und hoffte, nicht allzu rot zu werden.

»Das nehme ich als Kompliment.« Von dem er wohl nicht geschmeichelt war, denn sein Gesicht blieb nach wie vor ernst.

Er trat an seinen Aktenschrank, nahm ein Schriftstück heraus und setzte sich damit hinter den Schreibtisch, allerdings erst, als Iris Platz genommen hatte. Seine guten Manieren passten zu seinem perfekt sitzenden Anzug.

»Also«, begann er. »Sie haben meiner Sekretärin am Telefon gesagt, Sie wollten Anspruch auf den Besitz der Familie Rhys erheben?«

»Falls ich die einzige noch lebende Nachfahrin sein sollte, dann ja, sehr gerne.«

»In Merthyr Mawr sind Sie das mit Sicherheit. Das weiß ich, weil meine Familie ebenfalls von dort stammt. Ich bin in der Gegend aufgewachsen und kenne alle, die da wohnen. Es sind ja auch nicht allzu viele Leute …«, setzte er hinzu. »Ich brauche ein Dokument, das Ihre Identität bestätigt, einen Ausweis oder einen Reisepass. Und dann sollte uns jemand aus Amerika eine beglaubigte Kopie ihres Familienstammbuchs schicken, vorzugsweise Ihr Anwalt. Wenn Sie mir Namen und Adresse geben, kann ich alles für Sie in die Wege leiten.«

»Das ist nett von Ihnen, vielen Dank.« Iris kramte in ihrer Handtasche und streckte ihm ihren Pass hin.

»Ich bitte Sie, das ist schließlich mein Job. Sobald die Besitzurkunde auf Sie überschrieben wurde, kann ich Ihnen dabei helfen, das Grundstück zu verkaufen. Wie lange wollen Sie in Wales bleiben?«

»So lange wie nötig.«

»Na, dann lassen Sie uns zu Ihrem Land hinausfahren. Bestimmt möchten Sie es sich ansehen.« Er gab ihr den Ausweis zurück, nachdem er ihn kopiert hatte.

Mittlerweile hatte sich Iris damit abgefunden, dass die Dinge in Wales anders liefen als zu Hause. In Boston jonglierten die Anwälte mit Terminen im Minutentakt. Nie und nimmer würde einer von ihnen sich die Zeit nehmen, einem Klienten sein Grundstück persönlich zu zeigen. Hier rief Gabriel Williams seiner Sekretärin beim Hinausgehen lediglich zu: »Ich werde eine Weile weg sein. Wenn etwas ist, erreichen Sie mich auf dem Handy.«

Sie fuhren mit seinem Wagen, einem schlammbespritzten Range Rover, der so gar nicht zu Mister Williams’ polierten Schuhen passen wollte. Die Fahrt zurück nach Merthyr Mawr ging wesentlich schneller als mit dem Bus, der quasi an jedem Weiler gehalten hatte, das musste Iris zugeben.

Unmittelbar außerhalb des Ortes führte ein Weg durch ein Wäldchen und weiter hinaus auf eine Ebene, die auf zwei Seiten durch niedrige Hügel begrenzt wurde. Am Horizont konnte Iris erkennen, wie das Land schroff bis hinunter zum Meer abfiel.

»Das ist es?«, fragte Iris und deutete auf die üppig wuchernde grüne Wiese.

Mister Williams nickte.

»Es ist ja riesig!«

Iris stieg aus dem Wagen und lief den Feldweg entlang, der zu einer Baumgruppe am Anfang des Grundstücks führte. Der Wind zerrte an ihrer Strickjacke, sodass sie sie fester um sich schlang und ihre Arme darüber verschränkte.

»Da steht ein Häuschen. Gehört das etwa dazu?«

Das kleine Gebäude lag fast versteckt inmitten der Baumgruppe. Es sah aus, als würden sich die Äste schützend darum legen und es festhalten. Bestimmt war der Abstand früher größer gewesen, aber im Lauf der Jahre war alles weiter zusammengerückt. Der dicke Stamm einer Eibe hatte beinahe den Schuppen erreicht, der an die Rückseite des Gebäudes angebaut war.

»Ja. Das ist Bryns Cottage. Darin hat er bis zu seinem Tod gelebt. Und vor ihm wohl seine Mutter, seine Großeltern und die Urgroßeltern davor. Es steht schon, weiß Gott wie lange, hier.«

Er zog einen Schlüssel aus seiner Tasche.

»Wenn Sie wollen, gehen wir hinein. Es gehört immerhin Ihnen.«

»Warum sind Sie da so sicher? Ich könnte eine Betrügerin sein. Möchten Sie nicht lieber abwarten, bis meine Ansprüche offiziell bestätigt werden?«

Eine Windbö zerzauste Gabriels hellbraunes Haar. Mit einem Mal sah er viel legerer aus. Und als er Iris nun zum ersten Mal anlächelte, hätte sie schwören können, er amüsierte sich über sie.

»Das brauche ich nicht«, erwiderte er. »Ihre dunklen Locken verraten Sie. Und vor allem Ihre Augen. Husky-Blau. Wie alle Rhys. Die Leute im Dorf behaupten, die Familie Rhys hätte Augen so blau wie die walisische See bei Sonnenschein, weil der Erste von ihnen aus dem Meer stammte.«

»Wie bitte?«

»Er soll ein Selkie gewesen sein.«

Iris starrte ihn verständnislos an.

»Selkies sind magische Wesen, die in Gestalt einer Robbe im Meer leben«, erklärte Mister Williams, als wäre es die normalste Sache der Welt. »Wenn sie an Land gehen, legen sie ihr Robbenfell ab und verwandeln sich in Menschen. Die Legenden über sie erzählt man sich hauptsächlich in Schottland, aber auch in Wales soll es ein paar Selkies geben. In ihrer menschlichen Form werden ihnen übrigens große Schönheit und raffinierte Verführungskünste nachgesagt.«

»Also diese Geschichte als Erklärung für meine Augenfarbe gefällt mir viel besser, als mit einem Schlittenhund verglichen zu werden!«

Gabriel Williams lachte. »Mit Ihren Augen und Ihrem Nachnamen werden alle Leute im Ort sofort wissen, wer Sie sind.«

Mit einem auffordernden Nicken hielt er Iris den Schlüssel hin, aber sie schüttelte den Kopf und lief anstatt in Richtung des Hauses erst einmal über die Wiese. Sie ging so weit nach vorn zum Rand der Klippe, bis sie über den Wind hinweg die Wellen rauschen hörte, die sich unter ihr am Felsen brachen, und sie die hochspritzende Gischt sah. Kurz schloss sie die Augen und sog die Meeresluft tief in ihre Lungen. Als sie spürte, wie Gabriel Williams neben sie trat, sah sie ihn an.

»In meiner Familie gibt es auch eine Geschichte. Man erzählt sich, dass wir aus einem Land zwischen Wind und Wasser kommen. So hat mein Urgroßvater es immer genannt. Es heißt, von seinem Haus aus konnte er als junger Mann alles sehen, was er liebte. Seine Familie, seinen Besitz, den Atem Gottes, der über seine Felder strich, und das unendliche Blau in der Ferne. Ich konnte mir einen derartigen Ort nie vorstellen. Bis heute. Das war kein Märchen, es gibt ihn wirklich! Ich möchte das Cottage noch nicht betreten, weil ich das Gefühl habe, wenn ich seine Tür öffne, schließe ich damit noch viel mehr auf. Dinge, die mich betreffen. Das klingt verrückt, oder, Mister Williams?«

»Bitte, nennen Sie mich Gabriel. Und nein, das klingt nicht verrückt. Sondern typisch walisisch.«

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November 1914

Das Mädchen saß stumm auf dem Pferd und blickte in die Ferne. Ioan bemühte sich, das Tier so durch den Matsch des Feldwegs zu führen, dass möglichst wenig davon aufspritzte. Nicht nur, um ihre Kleidung zu schonen, sondern in erster Linie die seine. Aber auch so konnte er bereits fühlen, wie der kalte Schlamm sich einen Weg durch die dünne Stelle an seinem Schuh bahnte, wahrscheinlich war mittlerweile ein richtiges Loch darin.

»Es reicht, wenn wir bis zum Waldrand gehen, danach kannst du wieder umdrehen«, wies ihn das Mädchen an.

»Warum laufen wir nicht noch ein Stück weiter, bis vor zu den Sanddünen? Wollen Sie die nicht sehen, Miss Margaret? Das Wetter scheint nicht umzuschlagen, da können wir es wagen. Was meinen Sie?«

»Du musst nicht so tun, als würde es dir Spaß machen, mit mir durch den Dreck zu stapfen, nur weil mein Vater es dir aufgetragen hat.«

»Ihr Herr Vater meinte lediglich, ich solle einen Spaziergang mit Ihnen machen, damit Sie ein wenig an die frische Luft kommen.«

»Na, davon gibt es hier reichlich«, brummte Margaret und schlug den Kragen ihrer Reitjacke hoch. Für ihre vierzehn Jahre war sie auffällig klein und schmächtig. Das ganze Dorf wusste, wie es um die Gesundheit von Sir Gareth’ Tochter bestellt war, dass sie nicht alt werden würde. Alis Elwyn, die Frau des Hufschmieds hatte sogar behauptet, Margaret würde es nur deshalb noch relativ gut gehen, weil sie im Herrenhaus lebte und von allen verhätschelt wurde. Wäre sie ein Bauernkind, hätten die Tylwyth Teg, das Feenvolk, sie längst geholt.

Eine harsche Bemerkung, wobei Alis Elwyn dafür bekannt war, gegen alle einen Groll zu hegen, denen es besser ging als ihrer Familie. Und daran schieden sich die Geister. Im Vergleich zu den Kleinbauern, Arbeitern oder gar Tagelöhnern hatten es die Elwyns nicht schlecht erwischt. Sogar der Baronet musste ihre Dienste in Anspruch nehmen, und Alis sorgte dafür, dass ihr Mann sich seine Arbeit gut vergüten ließ. So gut, dass nicht nur er selbst und seine Frau eine wohlgenährte Leibesfülle zur Schau tragen konnten, sondern auch ihre Tochter Catriona bereits als drall zu bezeichnen war. Anders als manch mageres Dorfmädchen hatte Catriona mit ihren achtzehn Jahren ausladende Hüften, die verführerisch hin und her wogten, wenn sie durch den Ort schritt.

Dennoch sah Alis die Sache bekannterweise anders: In ihren Augen waren die Elwyns arme Schlucker, die vom Rest der Welt ausgenutzt wurden. Viele schimpften sie missgünstig, Ioan fand sie lediglich griesgrämig. Nicht alle Menschen waren mit einem fröhlichen Gemüt gesegnet, dafür konnte niemand etwas. Seine entspannte Weltsicht entsprang Ioan Morgans unerschütterlichem Optimismus ebenso wie seiner offenen Herzlichkeit. Was hatte er davon, sich über andere aufzuregen oder über seine Armut zu lamentieren? Darüber, dass er allein in einem winzigen Cottage lebte und nicht im Herrenhaus? Die Dinge waren eben, wie sie waren. Der liebe Gott hatte sich sicher etwas dabei gedacht.

»Trotzdem will ich nicht mitleidig von dir durch die Gegend geführt werden«, brach Margaret trotzig in seine Gedanken ein.

»Da täuschen Sie sich, Miss Margaret. Von mitleidig kann keine Rede sein. Wenn ich nicht mit Ihnen spazieren gehen dürfte, müsste ich jetzt die Ställe ausmisten. Da ist mir das hier bei Weitem lieber.«

Margaret lachte laut auf. »Ioan! Wie uncharmant! Soll das heißen, dass du meine Gesellschaft einem Haufen Pferdemist vorziehst?«

Auch er musste grinsen. »Natürlich! Das war doch nicht uncharmant, nur ehrlich. Was ist Ihnen denn lieber? Jemand, der Ihnen Honig um den Mund schmiert oder jemand, der Ihnen die Wahrheit sagt?« Er blieb stehen, hielt das Pferd am Zaumzeug fest und sah sie prüfend an.

Ihre hellen Augen musterten ihn jetzt wieder ganz ernst, ein nachdenklicher Zug lag um ihren kleinen Mund. Sie war ein hübsches Kind, mit glattem braunem Haar und blasser Haut. Wenn sie ein wenig öfter draußen sein würde, bekäme sie bestimmt Sommersprossen auf der Nase. Hätte Ioan Margarets Alter nicht gekannt, hätte er sie auf zehn Jahre geschätzt. Die Schatten unter ihren Augen zeugten davon, wie schlecht es ihr ging. Ihm gegenüber ließ sie sich freilich nichts anmerken. Kerzengerade saß sie auf dem Pferd. Auch wenn er es eben abgestritten hatte, tat sie ihm selbstverständlich doch leid. Das arme Wesen brachte Tag um Tag im Herrenhaus zu, umsorgt von einer altjüngferlichen Nanny, jede Aufregung wurde von ihr ferngehalten. Lediglich einmal am Tag durfte sie eine Runde auf dem Pferd drehen, geführt von einem Stallburschen und dick eingemummelt in Jacken und Schals, damit sie sich nur ja keine Erkältung holte. Wie soll sie jemals etwas vom richtigen Leben erfahren, fragte sich Ioan, wenn sie wie ein kleines Kind behandelt wird?

»Die Wahrheit wäre mal etwas Neues«, gab sie zu. »Von meiner Familie bekomme ich nämlich ausschließlich jenen Honig um den Mund geschmiert, von dem du eben sprachst.«

»Na, sehen Sie. Also, wie ist es? Wollen wir zu den Dünen gehen?«

»So weit vorn war ich noch nie. Mutter meint, der Wind dort sei zu stark für mich.«

Ioan zupfte am Ende von Margarets Schal. »Ich glaube kaum, dass der Wind Ihnen etwas anhaben kann. Sie sind verpackt wie ein Weihnachtsgeschenk.«

»Dann los!«

Sie durchquerten ein kleines Wäldchen, das ziemlich abrupt einer atemberaubenden Sandlandschaft Platz machte. Ockerfarbene Hügel, vereinzelt gesprenkelt mit grünen Grasinseln, erstreckten sich bis zum Strand. Manche hatten vom Wind abgetragene Kanten und sahen aus wie erstarrte Wellen, andere wirkten wie halbrunde Zwergenbehausungen oder große Fuchsbauten.

Ioan führte das Pferd sicher einen Abhang hinunter, dann über die Dünen bis an die Furt eines Flusses, der an dieser Stelle ins Meer mündete und das Dorf Ogmore auf der einen von Merthyr Mawr auf seiner anderen Seite trennte.

Der Herbstwind pfiff über sie hinweg, Margaret steckte die Nase in die Luft und rief: »Herrlich! Es sieht wundervoll aus, so wild und frei! Wir sollten öfter herkommen! Viel schöner als die Feldwege hinter Gullrock Hall!«

»Ich hab’s Ihnen doch gesagt!«

Der Strand war fast menschenleer. Nur eine schlanke Gestalt zeichnete sich in der Ferne ab. Als sie näher kam, winkte sie ihnen zu.

»Wer ist das?«, fragte Margaret.

»Elen Rhys.«

»Was macht sie da?«

Gerade bückte sich die junge Frau, um etwas vom Sand aufzuheben, dabei verrutschte ihr Kopftuch, und sofort haschte der Wind nach ihren langen dunklen Locken, um damit zu spielen. Lachend stellte sie ihren Korb ab, um das Tuch wieder zu richten, dann winkte sie noch einmal herüber und ging weiter.

»Sie sammelt Treibholz. Nach einem Unwetter wie gestern Abend ist die Ausbeute immer besonders gut.«

»Warum holt sie sich kein Holz aus dem Wald?«

»Der gehört Ihrem Herrn Vater. Den Leuten aus dem Dorf ist es verboten, dort Bäume zu schlagen. Nach einem Sturm gibt es zwar auch da immer ein wenig Bruchholz, aber das ist schnell eingesammelt. Außerdem lebt Elen in dem kleinen Cottage über den Klippen, da liegt der Strand für sie näher.«

»Dann kennst du sie?«

Ioan nickte. Sein Blick folgte der jungen Frau, wie sie sich gelegentlich anmutig bückte und über den Sand in Richtung Merthyr Mawr wanderte. Sie war der Grund, weshalb er heute unbedingt hatte herkommen wollen. Weil er wusste, dass sie hier sein würde, weil er gehofft hatte, sie zu sehen. Später würde Ioan sie treffen, aber jede Sekunde, die er von Elen getrennt zubringen musste, sehnte er sich nach ihr. Wie gut, dass Sir Gareth ihn auf einen Spaziergang mit seiner Tochter geschickt hatte, so konnte er die Zeit bis zum Wiedersehen verkürzen.

Beschwingten Schrittes führte er das Pferd zurück nach Gullrock Hall, dem Herrenhaus seines Arbeitgebers, des Baronets of Llwyd.

»Sie wohnt also nicht im Ort bei den anderen Leuten, diese Elen Rhys?«, forderte Margaret seine Aufmerksamkeit für sich. »Nicht in Merthyr Mawr?«

»Nein. Das Cottage auf den Klippen ist seit vielen Generationen im Besitz ihrer Familie.«

»Du sprichst von den Selkie-Leuten?«

»Aber Miss Margaret!« Ioan musste lachen. »Was sind denn das für Ammenmärchen? Bei der Familie Rhys handelt es sich um ganz normale Menschen. Wo haben Sie überhaupt so etwas gehört?«

Sie wurde rot. »Von Dilys.«

»Dilys wer?«

»Ich weiß nicht. Sie arbeitet bei uns in der Küche.«

»Dilys Sayer! Ich hätte es mir denken können, diese Klatschbase.«

Margaret kicherte.

»Sie sollten nichts auf das geben, was dumme Mädchen wie Dilys erzählen.«

»Ich weiß. Aber ihre Geschichte war einfach zu aufregend! Sie hat mir erzählt, dass vor vielen Jahren ein Selkie-Mann dem Meer entstieg, seine Robbenhaut ablegte und mit seinen blauen Augen und den dunklen wilden Locken so verführerisch aussah, dass ihm alle Frauen in Merthyr Mawr verfielen. Deswegen durfte er sein Haus nur außerhalb des Ortes bauen, auf den Klippen, damit die Frauen sich nicht heimlich nachts zu ihm schleichen konnten, sondern bei ihren Männern bleiben mussten …«

»… weil der Weg hinaus zu weit und zu gefährlich war. Angeblich stürzte eine Frau, die sich trotzdem von daheim weggestohlen hatte, über die Klippe ins Meer, und ihr Körper wurde nie gefunden. Ich kenne diese Legende.« Gutmütig schüttelte Ioan den Kopf. »Und die Rhys kennen sie auch. Sie lachen darüber, weil jedes Wort davon erfunden ist. Aber wenn Sie sich für gute Geschichten interessieren, Miss Margaret, sind Sie bei mir an der richtigen Adresse. Ich kenne einige.«

Auf dem restlichen Heimweg gab Ioan die Erste davon zum Besten, und als sie das Herrenhaus erreicht hatten und er Margaret vom Pferd hob, teilte sie ihm mit, dass sie morgen wieder mit ihm spazieren reiten würde. Nicht mit dem ersten Stallburschen wie sonst immer, der wäre ihr zu langweilig, mit dem wollte sie überhaupt nicht mehr gehen.

Jener andere Stallbursche hatte in der Zwischenzeit sämtliche Boxen ausgemistet und die Pferde gefüttert. Er war nicht davon begeistert zu hören, dass seine bequemen nachmittäglichen Ausflüge nun von Ioan übernommen würden.

4

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November 1914

Es war dunkel, als sich Elen endlich davonschleichen konnte. Ein blasser Mond stand am Himmel. Er war dreiviertel voll und leuchtete ihr den Weg. Sie hatte alles getan, was ihr Vater ihr aufgetragen hatte, Treibholz gesammelt, das Abendessen für die Familie gekocht und sogar noch die Hühner versorgt. Dann hatte sie ihm und ihrem Bruder eine gute Nacht gewünscht, war nach oben in die Schlafkammer gestiegen, heimlich aus dem Fenster geklettert und losgerannt. Sicher wartete Ioan schon auf sie. Wie immer trafen sie sich an ihrem geheimen Ort, in den Ruinen von Ogmore Castle. Diese lagen etwa in der Mitte des Weges zwischen Ioans und Elens Cottages, und es gab weit und breit keinen magischeren Platz für zwei Verliebte. Die Leute im Dorf kamen nachts nie hierher. Abergläubisch wie sie waren, fürchteten sie sich vor den Geistern, die in der Burg angeblich umgingen.

Von Merthyr Mawr kommend musste Elen den Fluss überqueren. Eine Brücke gab es nicht, nur die uralten Stepping Stones, Trittsteine, die an einer flachen Senke von einem Ufer ans andere führten. Ihre Oberfläche war von unzähligen Füßen und dem gezeitenabhängigen Flusswasser im Lauf der Jahrhunderte glatt poliert worden. Trotzdem lief Elen leichtfüßig darüber, über die letzten beiden sprang sie sogar. Sie hätte die Stepping Stones auch in völliger Dunkelheit überschreiten können, so oft hatte sie sie schon passiert.

Unmittelbar am anderen Flussufer zeichneten sich die gezackten Umrisse der Burgruine gegen den tintendunklen Nachthimmel ab. Wie Zähne im Maul eines schnarchenden Riesen standen die Überreste von Türmen und Mauern inmitten der weiten Landschaft. Aus den umliegenden Feldern stieg Herbstnebel auf, umschmeichelte die Steine und verlieh der Burg etwas Gespenstisches. Elen hatte heute kein Auge dafür. Fröstelnd schmiegte sie sich in ihr Wolltuch, dann schritt sie über die altersschwache Holzbrücke, die den Burggraben überspannte und in den Hof hineinführte.

Ioan wartete meistens im Keep, dem Hauptturm, der auch nach vielen hundert Jahren noch immer imposant emporragte. Dort, in den Resten der Wohnräume des Erdgeschosses, waren sie vor neugierigen Blicken geschützt. Diese waren zwar zu dieser Uhrzeit nicht zu befürchten, aber man wusste ja nie …

Etwas außer Atem bog Elen um die Kurve und kletterte über Mauerteile hinein in den Turm. Von Ioan war nichts zu sehen. Erneut zog sie ihren Schal ein wenig straffer, weil die Novembernacht empfindlich frisch war. Als plötzlich ein Vogel aufflatterte, der sich offenbar auf einem Mauervorsprung einen Schlafplatz gesucht hatte und von ihr gestört worden war, fuhr sie zusammen. Und als sich dann noch zwei Arme von hinten um sie schlossen, hätte sie beinahe laut aufgeschrien. Rasch drehte Ioan Elen zu sich um und verschloss ihren Mund mit einem Kuss.

»Bist du verrückt?«, stieß sie hervor, als Ioan sie kurz losließ, um aus seinem mitgebrachten Korb eine Decke zu nehmen. »Mich so zu erschrecken!«

»Man sollte sich auch nicht nachts in verwunschenen Ruinen herumtreiben. Was ist, wenn die White Lady dich erwischt?«, neckte er sie.

»Die White Lady hätte sicher ein mitleidiges Herz für mich. Außerdem – du glaubst ebenso wenig an Geistergeschichten wie ich. Im Gegensatz zu den meisten Leuten im Dorf.«

»Gut für uns. Mit neugierigen Tratschtanten oder naseweisen Kindern ist hier in einer nebligen Herbstnacht wie dieser also nicht zu rechnen.«

Tatsächlich hatte der Mondschein mittlerweile seine liebe Mühe, die aufsteigenden Schwaden zu durchdringen und war nicht viel mehr als ein sanftes, milchiges Schimmern. Ioan breitete die Decke über sie beide, und sie setzten sich eingemummelt nebeneinander auf einen Mauerrest. Mit einem zufriedenen Seufzen legte er seinen Arm um Elens Schulter und zog sie an sich. In der unwirklichen Atmosphäre wirkten seine dunklen Augen schwarz und unergründlich und verliehen dem scharf geschnittenen Gesicht mit den hohen Wangenknochen etwas Geheimnisvolles. Elens Herz setzte einen Schlag aus. Wann immer Ioan sie so anblickte, verschlug es ihr den Atem. In seinem Lächeln lag so viel Liebe, dass sie wusste, es würde für ein ganzes Leben reichen – und vielleicht auch noch für das nächste. Wenn nur ihr Vater nicht so engstirnig wäre …

Ioan schien ihre Gedanken zu lesen. »Hattest du wieder Ärger mit deinem alten Herrn?«

»Es ist immer dasselbe. Ich bin zu jung. Du bist zu arm. Wir sind zu arm. Du bist zu jung. Seine Argumente drehen sich im Kreis. Er will uns seine Einwilligung einfach nicht geben, und da ich noch nicht volljährig bin, kann ich nichts dagegen machen.«

Er küsste sie wieder. Dieses Mal weniger leidenschaftlich als vorhin, dafür sanft und zärtlich. Selig sank sie gegen seine Brust. In seinen Armen, von seinem Körper gewärmt und von der Wolldecke gegen Wind geschützt, fühlte sie sich geborgen wie in einem kleinen Nest. Warum durfte es nicht für immer so sein?

»Wir könnten durchbrennen und heimlich heiraten«, schlug er vor.

Nur halb im Scherz, das wusste sie. Wäre sie einverstanden, würde er Merthyr Mawr lieber heute als morgen mit ihr verlassen, hatte Ioan Elen mehrfach versichert.

»Und wovon sollen wir leben?«

»Ich weiß es nicht. Aber ich würde das Risiko eingehen. Irgendwie würden wir es schaffen, da bin ich mir sicher. Aber es gäbe noch eine andere Möglichkeit.«

»Und welche?«

»Ich könnte mehr Geld verdienen. Genug, um deinem Vater zu beweisen, dass ich eine Familie ernähren kann. Dann müsste er einer Hochzeit zustimmen.«

Elen setzte sich ein wenig auf. »Wie sollte das gehen? Du bist zweiter Stallbursche bei Sir Gareth. Der ist genauso geizig wie seine hochwohlgeborenen Vorfahren und wird dir bestimmt nicht mehr zahlen.«

»Außer ich leiste etwas Besonderes. Heute zum Beispiel durfte ich Miss Margaret auf ihrem Pferd spazieren führen.«

»Ich weiß. Du verrückter Kerl musstest das arme kranke Kind bis vor ans Wasser schleppen. Wie ein winziges, verlorenes Vögelchen sah sie aus auf dem riesigen Braunen.«

»Aber es hat ihr Spaß gemacht! Sie fand den Ausblick grandios, die Luft herrlich. Und ich glaube, sie hat noch nie jemanden Treibholz sammeln sehen. Sie scheint absolut weltfremd zu sein. Jedenfalls zeigte sie sich sehr interessiert an dir.«

»Tatsächlich?«

»Natürlich! Wer würde eine wunderschöne Selkie-Frau mit wasserblauen Augen nicht faszinierend finden?«

»Ioan!« Elen kniff ihn in die Seite. »Nicht auch noch Miss Margaret! Was ist nur los mit den Leuten?«

»Aber so habe ich herausgefunden, dass sie sich für Geschichten interessiert. Auf dem Rückweg habe ich ihr die Legende von Owain und der Lady of the Fountain erzählt. Sie konnte gar nicht genug davon hören. Also werde ab jetzt ausschließlich ich Miss Margaret auf ihrem Pferd spazieren führen, auf ihren eigenen Wunsch. Nach einer Weile, wenn sie mehr an die frische Luft kommt und dazu gut unterhalten wird, wird sie nicht mehr so blass aussehen und ihrem Vater davon berichten, wie zuträglich unsere Spaziergänge ihrer Gesundheit sind.«

»Und Sir Gareth wird dir in ewiger Dankbarkeit deine gute Tat in Gold vergüten«, führte Elen den Gedanken ironisch zu Ende. »Ach, Ioan. Mehr als ein Dankeschön ist von dem alten Knauser nicht zu erwarten. Wenn überhaupt. Aber ich finde es sehr anständig von dir, wenn du dich Miss Margarets ein wenig annimmst. Soviel ich weiß, ist sie wirklich ein armes Geschöpf …«

»Ich könnte mich natürlich auch freiwillig melden«,

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