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Das Ende der Schöpfung?

Der Klimawandel

Das Ende der Schöpfung?

Band I - Die Fakten

Meiner Frau
und
meinen Söhnen gewidmet

John Casadesus

ISBN 978-3-7345-2380-9 (Paperback)

ISBN 978-3-7345-2381-6 (Hardcover)

ISBN 978-3-7345-2382-3 (e-Book)

© 2016 John Casadesus

Abbildung Front-Cover: Quelle NASA, File:BlueMarble-2001-2002.jpg

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Klimawandel – Die Grundfakten

Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur

Anstieg des Kohlenstoffdioxidgehalts der Atmosphäre

Rückgang des arktischen Meereises

Abschmelzen der weltweiten Gletscher

Anstieg des globalen Meeresspiegels

Veränderungen in der Tierwelt

Verlängerung der Vegetationsperioden

Ökosysteme

Arktis, Antarktis und Grönland

Ökosystem Weltmeere

Ökosystem Gebirge

Flora und Fauna

Tierwelt

Pflanzenwelt

Tropenwälder
Kalte Regenwälder
Holzverbrennung fördert Klimaerwärmung
Zerteilte Wälder sterben schneller
Waldschäden durch Trockenheit
Klimaerwärmung und Schädlinge
Krankheiten und Klimawandel
Klimaerwärmung und konkurrierende Pflanzenarten

Extreme Wetterereignisse

Fakten und statistische Daten zu extremen
Wetterereignissen

Berichte und Analysen zu extremen
Wetterereignissen zwischen 2002 und 2015

Einzelberichte von extremen
Wetterereignissen zwischen 2002 und 2015

Fazit

Extreme Wetterereignisse - Bilanz und Prognose

Nordatlantische Oszillation (NAO)

Hauptursache des Klimawandels

Der Treibhauseffekt

Treibhauseffekt und Kohlenstoffkreislauf

Treibhausgase

Kohlenstoffdioxid

Methan

Distickstoffmonoxid (Lachgas)

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW)

Fluorkohlenwasserstoffe (FKW)

Schwefelhexafluorid und Stickstofftrifluorid

Weitere zum Treibhauseffekt beitragende Stoffe

Entwicklung der weltweiten Triebhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen nach Sektoren

Treibhausgasemissionen nach Ländern

Das Kyoto-Protokoll

Kippelemente des Erdklimas

Eiskörper

Strömungssysteme

Ökosysteme

Fazit

Die Irrtümer der Klimaskeptiker

Das Ende der Schöpfung?

Einleitung

Globale Naturkatastrophen

Sibirischer Trapp

5 vor 12

Eiszeiten

Auftauchen des Homo sapiens sapiens

CO2-Gehalt und Eiszeiten

Die Schöpfung Gottes

Fazit

Bedeutende Zitate und Fakten

Stellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungen

Einleitung

2015 wärmstes Jahr seit 1880

Image

Quelle: NOAA, NASA

Für 2015 meldete die NOAA wieder einen neuen Temperaturrekord. Damit übertraf 2015 das bisherige Rekordjahr 2014 um weitere 0,16 °C und ist damit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880. Die weltweite Durchschnittstemperatur stieg auf 14,8 °C, 0,9 °C mehr als der langjährige Durchschnitt im 20.Jahrhundert (13,9 °C), der in der Infografik als Nulllinie dient. Die fortschreitende Erderwärmung wird damit eindrucksvoll bestätigt: 9 der 10 wärmsten Jahre seit 1880 fallen in den Zeitraum 2000 bis 2015. Diese starke Häufung am Ende der Zeitskala ist ein eindrucksvoller Beweis für die globale Erderwärmung infolge des Treibhauseffekts.

Und die Temperatur steigt weiter rasant: Die Monate Januar bis Juli 2016 waren mit Abstand die wärmsten Monate, die je seit 1880 gemessen wurden. Dabei markiert der Februar mit +1,35°C gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1951 – 1980 einen absoluten Temperaturspitzenwert, der weit außerhalb der Schwankungsbreite liegt...

Als Einstieg in das Thema Klimawandel zwei Zitat-Absätze aus der Enzyklika „laudato si“ von Papst Franziskus:

1. “Laudato si’, mi’ Signore – Gelobt seist du, mein Herr”, sang der heilige Franziskus von Assisi. In diesem schönen Lobgesang erinnerte er uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt: “Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.”

4. Acht Jahre nach Pacem in terris sprach der selige Papst Paul VI. 1971 die ökologische Problematik an, indem er sie als eine Krise vorstellte, die „eine dramatische Folge“ der unkontrollierten Tätigkeit des Menschen ist. „Infolge einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur läuft er Gefahr, sie zu zerstören und selbst Opfer dieser Zerstörung zu werden.“ Auch vor der FAO sprach er von der Möglichkeit einer „ökologischen Katastrophe als Konsequenz der Auswirkungen der Industriegesellschaft“ und betonte „die Dringlichkeit und die Notwendigkeit eines radikalen Wandels im Verhalten der Menschheit“, denn „die außerordentlichsten wissenschaftlichen Fortschritte, die erstaunlichsten technischen Meisterleistungen, das wunderbarste Wirtschaftswachstum wenden sich, wenn sie nicht von einem echten sozialen und moralischen Fortschritt begleitet sind, letztlich gegen den Menschen.“

Mit der Enzyklika „laudato si“ hat Papst Franziskus als erstes katholisches Kirchenoberhaupt engagiert in die aktuelle Klimadebatte eingegriffen. Er machte klar, dass vor dem Hintergrund der erdrückenden und beunruhigenden Faktenlage es oberste Pflicht eines jeden Christen sowie jedes Menschen guten Willens ist, sich nicht nur engagiert für den Klimaschutz einzusetzen, sondern auch selber aktiv mit seinem Verhalten für die Erhaltung von Gottes Schöpfung beizutragen.

Was die Weltgemeinschaft angesichts der äußerst besorgniserregenden Klimawandel-Entwicklung der letzten 35 Jahre bisher an wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung mittels Begrenzung der globalen Treibhausgas-Emissionen sowohl verbindlich vereinbart als auch bisher umgesetzt hat, entspricht in keinster Weise der Dramatik der Fakten. Eine wichtige Rolle spielt hierbei bis heute der massive Widerstand seitens von Unternehmen und Staaten, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Kohle beruht. Die panikartigen Abwehrreaktionen führten dabei so weit, dass Klimawissenschaftler über Jahre massivem Psychoterror ausgesetzt waren und sind. Leider erinnert dies fatal an dunkelste Zeiten der Menschheitsgeschichte, als man Menschen, die unbequeme Wahrheiten sagten, einsperrte oder umbrachte. (In manchen Staaten ist dies leider auch heute noch der Fall...).

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Grund ist u.a. die zum großen Teil hohe Komplexität der Folgen der Erderwärmung. Dies erleichterte es u.a. sogenannten „Klimaskeptikern“, durch gezielte Desinformation über Jahre Verwirrung in der Weltöffentlichkeit zu erzeugen.

Dieses Buch soll zum einen durch eine umfassende und detaillierte Dokumentation der Klimafakten jegliche eventuell noch bestehenden Zweifel an dem durch Menschen verursachten Klimawandel ausräumen. Zum anderen sollen die vielfältigen potentiellen Gefahren eines fortschreitenden Klimawandels aufgezeigt werden. In Band 2 werde ich dann auf die große Chance der Menschheit eingehen, mit einer Kombination aus Zukunftsinvestitionen, Innovationen, technologischem Fortschritt, intelligenter Energieeffizienz, kluger Kooperation und sinnvoller Koordination, nur kleinen Einschränkungen des Komforts und der Lebensweise sowie einer zielgerichteten Gesetzgebung die globale Erderwärmung zu begrenzen.

Warum gibt es Hoffnung? „Ist doch eh alles zu spät…“ Vollkommen untergegangen in der allgemeinen Medien-Berichterstattung ist vor ein paar Monaten die erste Meldung einer sensationellen Entwicklung: Die Ozon-Löcher über Arktis und Antarktis schrumpfen seit wenigen Jahren! Vor dem Hintergrund, dass die Zerstörung der schützenden Ozonschicht katastrophale Auswirkungen auf das gesamte Leben auf der Erde gehabt hätte, ist es unverständlich, dass diese Meldung nicht bei allen Zeitungen groß auf dem Titelblatt erschienen ist.

Diese positive Entwicklung zeigt exemplarisch, was eine entschiedene global bindende Vereinbarung bewirken kann. Nachdem zu Beginn der siebziger Jahre die Wissenschaft entdeckte, dass FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), die damals in hohem Maße als Treibgas in Spraydosen verwendet wurden, die Ozonschicht zersetzen, brauchte die Weltgemeinschaft nur einige Jahre, um in den 80er Jahren ein weltweites Verbot der Produktion und des Einsatzes von FCKW zu beschließen.

Viele ähnliche Erfolgsgeschichten gab es seither, wie z.B. die einst von der Autoindustrie heftig bekämpfte Einführung des geregelten Katalysators in Deutschland bzw. Europa per Gesetz mit Argumenten wie: „Die Katalysatoren halten nur bis 160 km/h“, „der Umsatz bricht ein“, „die Autos werden zu teuer“, „Altautos sind nicht nachrüstbar“, „die Autoindustrie kann die Einführung bis 1986 nicht finanzieren“ … Alle diese Gegenargumente der Autoindustrie von 1983 haben sich als kompletter Unfug in Folge herausgestellt, absolut nichts hat sich von den Katastrophen-Szenarien der Autobosse bewahrheitet. Im Gegenteil, nach Einführung des geregelten Katalysators ab 01.01.1986 erlebte die Autobranche einen nie geahnten Nachfrageboom, Porsches bretterten nach wie vor mit 250km/h über die Autobahn, Altautos waren nach kurzer Zeit nachrüstbar... Der ADAC vollzog innerhalb weniger Jahre einen 180°-Schwenk und setzte sich 1990 schließlich an die Spitze der Katalysator-Bewegung.

Die größte Erfolgsstory ist jedoch - trotz aller Mängel - das sogenannte „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG), ohne das es die grüne Revolution bei der Energieversorgung Deutschlands nicht gegeben hätte. Mittlerweile wird über 30% des Strombedarfs aus nichtfossilen und nicht atomaren Energieträgern gedeckt. Deutschland ist damit in Sachen Klimaschutz zum Vorreiter und Vorbild für die gesamte Welt geworden.

Was erwartet den Leser in diesem Buch? Zur Einstimmung habe ich das aktuelle Klimageschehen in einem Bericht kurz zusammengefasst:

Klimabericht 2014:

Alarmierende Meldungen sandte die WMO - die Weltorganisation für Meteorologie - im Januar 2015 über den Globus. Das Jahr 2014 markierte einen weiteren Wärmeweltrekord: Seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im Jahr 1880 war die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde noch nie so hoch. Noch nie waren die Ozeane so warm wie 2014. Auch die Vielzahl von extremen Wetterereignissen im letzten Jahr war außergewöhnlich. Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde NASA sowie der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) bestätigten diese Beobachtungen auf einer Pressekonferenz. Damit fallen die zehn wärmsten Jahre - mit Ausnahme von 1998 - alle in den Zeitraum ab dem Jahr 2000.

Für die NASA analysierten Experten des Goddard Institute of Space Studies (GISS) die Messreihen der globalen Oberflächentemperatur. „2014 ist das letzte Jahr in einer Reihe warmer Jahrzehnte“, konstatiert GISS-Direktor Gavin Schmidt. „Zwar können chaotische Wetterereignisse die Reihenfolge individueller Jahre beeinflussen, doch der Langzeittrend lässt sich klar einem Antrieb des Klimasystems zuordnen, der von den Treibhausgas-Emissionen durch den Menschen bestimmt wird.“ [1]

Bemerkenswert sind vor allem die jüngsten Messergebnisse aus den Ozeanen: „Mittelt man die Temperaturwerte für den Atlantik, den Pazifik, den Indischen Ozean und das Mittelmeer, dann sieht man: Genauso wie die Kontinente erwärmen sich auch die Meere immer weiter. 2014 war bisher das Jahr mit der höchsten globalen Meeresoberflächen-Temperatur“, so der Meteorologe Omar Baddour, Leiter der Abteilung für Datenmanagement bei der WMO. „Die Daten der WMO zeigen, dass die Weltmeere in 2014 Rekordmengen an Wärmeenergie gespeichert haben, die sie in der Folgezeit wieder an die Atmosphäre abgeben können und damit die Erderwärmung weiter beschleunigen.“ [2]

Zudem gab es 2014 eine große Überraschung: Zwischen Juni und Oktober waren Nordatlantik und Nordpazifik ungewöhnlich warm, ja sogar unerklärlich warm: „Das ist auch der Grund dafür, dass die Ozeane in diesem Jahr insgesamt besonders warm sind. Warum die Meerestemperaturen auf der Nordhalbkugel derzeit so hoch sind - diese Frage versuchen Forscher jetzt zu beantworten. Im Moment wissen wir es noch nicht.“ Bemerkenswert war in 2014 auch die Vielzahl von extremen Wetterereignissen. Es wurden z.B. viel mehr Überschwemmungen als in den vergangenen Jahren auf fast allen Kontinenten registriert, in Afrika, Europa, Asien, Südamerika und in den USA.

Damit verbunden waren Rekord-Niederschläge: Auf dem Balkan fiel im September zweieinhalb mal so viel Regen (+150%) wie sonst üblich, in Südfrankreich die drei- bis vierfache Menge (+200-300%). Die Türkei litt sogar unter mehr als dem Fünffachen der normalen Niederschlagsmenge (+400%). In Marokko schüttete an nur vier Novembertagen die gesamte Regenmenge eines ganzen Jahres vom Himmel. Dies ist ein eindeutiges Anzeichen für einen allgemein erhöhten Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre infolge der globalen Erderwärmung.

Die GISS-Temperaturangaben beruhen auf Messungen von 6.300 weltweit verteilten Wetterstationen, Bojen und Schiffen. Hinzu kommen Daten von Forschungsstationen in der Antarktis. Einflüsse wie den „Wärmeinseleffekt“ in Städten, in denen höhere Temperaturen herrschen als auf dem platten Land, rechnen die NASA-Forscher heraus. Den Temperaturanstieg geben sie im Vergleich zu der globalen Durchschnittstemperatur der Jahre 1951 bis 1980 an, die als Referenzwert dient.

Allerdings beobachteten die Klimatologen starke regionale Temperaturabweichungen weltweit, u.a. aufgrund von extremen Wetterereignissen. So war es in Teilen des Mittleren Westens und an der Ostküste der USA ungewöhnlich kühl, während Alaska und die drei westlichen Staaten Kalifornien, Arizona und Utah laut NOAA jeweils die wärmsten Perioden seit Aufzeichnungsbeginn 1880 hatten.

Sehr beunruhigend am neuen Temperaturrekord ist, dass 2014 kein El-Niño-Jahr war. Bei diesem Klimaphänomen verschieben sich die pazifischen Windsysteme. Als Folge davon schwächt sich der kalte Humboldtstrom vor der Westküste Südamerikas ab und eine Schicht warmen Oberflächenwassers wandert von Südostasien durch den tropischen Ostpazifik nach Südamerika. Vor dessen Küsten erwärmt sich das Meer, während in australischen und indonesischen Gewässern die Wassertemperatur sinkt. Dieses Wetterphänomen beeinflusst das Wetter weltweit. In der Regel zeichneten sich El-Niño-Jahre in der Vergangenheit durch hohe weltweite Durchschnittstemperaturen aus.

Im vergangenen Jahrzehnt häuften sich die kalten La-Niña-Ereignisse, der wärmere El Niño trat dagegen seltener auf – zuletzt von Juli 2009 bis Ende April 2010. Er ging mit einem kräftigen Anstieg der Temperaturen im Pazifik einher, was dazu beitrug, dass 2010 zum neuen Wärme-Rekordjahr wurde. In den Folgejahren gab es nun eine große Überraschung: La Niña war so ausgeprägt wie noch nie die beherrschende Klimalage im Pazifik. Während der kalten La-Niña-Phasen kehren sich die Verhältnisse um; dies führt zu Starkregen und Überschwemmungen in Australien – wie 2011 in Queensland, wo die ergiebigsten Niederschläge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurden.

Dieser Bericht über das weltweite Klima in 2014 gibt einen Vorgeschmack auf das, was den Leser in diesem Buch erwartet. Was an obigen Ausführungen auffällt, ist, dass das gesamte Wettergeschehen doch ziemlich komplex und gleichzeitig unübersichtlich ist. In der Regel ist das weltweite Klima in El-Niño-Jahren warm und in La-Niña-Jahren kühl. Das Jahr 2014 scheint sich jedoch an dieses Gesetz nicht gehalten zu haben. Auch die ungewöhnliche Aufheizung der nördlichen Ozeane gibt im Moment Rätsel auf.

Eines der Grundprobleme beim Thema „Klimawandel“ ist, dass die Folgen extrem umfangreich und gleichzeitig hochkomplex sind. Aus diesem allgemeinen Grundproblem ergeben sich zahlreiche Folgeprobleme. So ist es außer Klimawissenschaftlern - den Topexperten - praktisch keinem anderen Menschen möglich, die gesamte Tragweite und Brisanz des aktuellen Klimawandels aufgrund seiner außerordentlichen Komplexität - sowohl global als auch regional - auch nur annähernd sicher zu beurteilen.

Die Grundfakten der globalen Klimaerwärmung sind für jeden relativ einfach zu verstehen (s.S. 15-25). Eine große Herausforderung stellen die vielfältigen Folgewirkungen und Rückkoppelungseffekte dar, deren genaue Vorhersage sogar für Klimawissenschaftler manchmal schwierig ist. Aber wenn jemand aufgrund der unübersichtlichen Lage des globalen Klimageschehens überhaupt eine glaubwürdige faktenbasierte Aussage in diese Richtung machen kann, dann sind es die Klimaforscher. Die Politiker, d.h. die Entscheidungsträger für ein weltweites Klimaabkommen, haben praktisch keine andere Wahl, als den Topexperten zu glauben, wollen sie eine sinnvolle und nachhaltige Vereinbarung treffen. Wenn sie ihre Entscheidungen vorrangig auf ihr Gefühl und ihre eigene Meinung gründen, kann dies fatale Folgen für die Weltgemeinschaft haben, falls diese Meinung nicht mit den Fakten der Klimawissenschaft übereinstimmen sollte.

Dies ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Es soll u.a. als objektive Informationsquelle über alle Tatsachen und Hintergründe dienen, die mit dem aktuellen Klimawandel zu tun haben. Dabei waren folgende Punkte für mich wichtig:

1) Alle Klimafakten beruhen auf seriösen und international anerkannten Quellen der Klimawissenschaft.

2) Große, übersichtliche Bilder und Graphiken zur Veranschaulichung der Fakten; darunter sind 54 farbige Abbildungen

3) Klare, übersichtliche Gliederung des umfangreichen Stoffes

4) Wichtige Absätze sind fettgedruckt hervorgehoben. Dies erleichtert das Lesen und die Orientierung.

5) Klare wissenschaftliche Faktenorientierung

Damit erhält der Leser ein einzigartiges „Klimalexikon“, das ihn sachlich und fachlich über die aktuelle Faktenlage des Klimawandels umfassend und detailliert informiert. In Band 2 folgt dann unter dem Untertitel „Die Chancen“ u.a. eine ausführliche Bestandsaufnahme der emissionsfreien Energiequellen. Dies umfasst sowohl den aktuellen Stand der Technik und Anwendung als auch die wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten, die Erderwärmung mit Hilfe dieser Technologien zu begrenzen.

Der Klimawandel - Die Grundfakten

Folgende fundamentalen Fakten sind aufgrund umfangreicher, detaillierter Messergebnisse inkl. Vergleichsmessungen zahlreicher Klimaforscher, Institute sowie Organisationen seit langem unstrittig:

Die Durchschnittstemperatur auf der Erde hat sich in den letzten 200 Jahren um maximal 1°C erhöht.

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre hat sich in den letzten 200 Jahren fast verdoppelt.

Der Meeresspiegel ist im Verlauf der letzten 130 Jahre um ca. 25 cm angestiegen.

Der massive Anstieg der Treibhausgase in den letzten 40 Jahren korreliert mit der Temperaturerhöhung.

a) Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur

Man sieht an folgendem Diagramm der NASA sehr deutlich den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung 1880. Dabei markieren die schwarzen Punkte die jährliche globale Durchschnittstemperatur auf der Erde zum jeweiligen Zeitpunkt, während die rote Linie den gemittelten Temperaturverlauf darstellt. Auffallend an dem Diagramm sind die deutlich erkennbaren starken jährlichen Temperaturschwankungen.

Dies hängt u.a. damit zusammen, dass CO2 und die anderen Treibhausgase nicht alleine für das Weltklima verantwortlich sind, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Stattdessen wird von einem Zusammenspiel externer Faktoren wie der Sonne und interner Rückkopplungen des hochkomplexen Klimasystems ausgegangen, bei denen neben den Treibhausgasen auch viele andere Faktoren eine Rolle spielen.

Deshalb ist es nicht überraschend, wenn es zeitweise zu einer Entkopplung zwischen steigendem CO2-Gehalt in der Atmosphäre und der globalen Durchschnittstemperatur kommt. Dies kann man an folgender Graphik sehr gut für den Zeitraum 1940-1975 erkennen. Diese vorübergehenden Abkühlungsphasen sind auf natürliche Schwankungen im Klimasystem zurückzuführen.

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Globaler Temperaturindex - Oberflächentemperaturen Land und See 1880-2014 - Quelle: NASA - Goddard Institute for Space Studies -https://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs/

Allerdings ergibt sich ein offensichtlicher logischer kausaler Zusammenhang zwischen dem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur und der starken Zunahme des CO2 und anderer Treibhausgase in der Atmosphäre in den letzten 120 Jahren. Dies zeigt das Diagramm über den CO2-Anstieg im nächsten Abschnitt deutlich (s.a.S. 256).

Wissenschaftler des IPCC simulieren seit Jahren mit extrem aufwendigen Rechenverfahren die Vergangenheit, Gegenwart sowie die Zukunft des Klimas auf der Erde. Damit ist es möglich, Projektionen für die wahrscheinliche Klimaentwicklung bis zum Jahre 2100 zu erstellen. Kernaussagen dieser Projektionen: Wenn sich die Menschheit in den nächsten 85 Jahren so verhält wie in der Vergangenheit, kann die Durchschnittstemperatur auf der Erde um bis zu 5°C ansteigen. Die Polkappen, das Grönlandeis sowie die weltweiten Gletscher könnten dadurch soweit abschmelzen, dass sich in Folge der Meeresspiegel um bis zu 1,5 m erhöhen würde. Nach neueren Modellberechnungen ist sogar ein Anstieg von bis zu 4 - 7 m bei einem kompletten Verschwinden des Grönlandeises möglich.

b) Anstieg des Kohlenstoffdioxidgehaltes in der Atmosphäre

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Das Bild zeigt den Verlauf der CO2-Konzentration in der Atmosphäre während der letzten 400.000 Jahre.[3][4][5][6][7] Quelle: Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/ File:VerlaufKohlendioxidgehalt-2012-08-05.png/File:Carbon_Dioxide_400kyr.png

Man sieht an dieser Kurve eindeutig eine sprunghafte Zunahme der Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre seit dem Beginn der Industrialisierung. Der CO2-Gehalt ist in diesem vergleichbar kurzen Zeitraum signifikant höher als zu jedem anderen Zeitpunkt während der letzten 400.000 Jahre. Mittlerweile gibt es schon Daten, die eine noch größere Zeitspanne (bis zu 2.000.000 Jahren) umfassen, während derer die CO2-Konzentration niedriger war als heute. Zum Vergleich: Vor ca. 100.000 Jahren trat der Homo sapiens sapiens auf die Bühne, vor ca. 5.000 Jahren wurden die großen ägyptischen Pyramiden errichtet, vor ca. 2.000 Jahren wurde Jesus Christus geboren. Aber erst in der im Vergleich dazu kurzen Zeitspanne von knapp 150 Jahren hat es diesen dramatischen Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gegeben.

Die obige Kurve reicht sehr weit in der Erdgeschichte zurück, bis zu 400.000 Jahre vor unserer Zeit. Obwohl sie eine sehr ähnliche Form hat, ist sie nicht mit der „Hockeyschläger“-Kurve von Mann (Mann et al. 1999) (s.S. 313 ff) zu verwechseln, welche die globalen Erdtemperaturen der letzten 1.000 Jahre zur Grundlage hat.

Die Dramatik dieser Fakten ist bis heute nicht ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt. Dabei belegt kaum eine andere Zeitgraphik den signifikanten Klimawandel so eindeutig.

c) Rückgang des arktischen Meereises