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Das Ende der Einsamkeit

Cathy Williams

Das Ende der Einsamkeit

PROLOG

„Und was, zum Teufel, hast du dir dabei gedacht?“

Alessandro stürmte ins Schlafzimmer. Anders ließ es sich nicht beschreiben. Sein schönes, markantes Gesicht war wutverzerrt, und Megan verstand nicht, warum. Nun ja, sie konnte sich den Grund schon denken, aber das Ausmaß seines Zornes war ihr ein Rätsel.

„Dabei gedacht?“, wiederholte sie matt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.

Nachdem sie eine Stunde zuvor ziemlich unsanft ins Schlafzimmer von Alessandros Studentenwohnung abgeschoben worden war, war sie halb eingenickt, aber erschrocken vom Bett aufgesprungen, als sie die stampfenden Schritte hörte. So stand sie nun fast in Habachtstellung vor dem Fenster. Nach Alessandros Reaktion auf ihre völlig arglose und gutgemeinte Geburtstagsüberraschung hatte sie zwar nicht damit gerechnet, ihn strahlend und begeistert zu sehen, aber dass er so zornig war, irritierte sie doch.

„Du hast mich gut verstanden! Ich rede von deinem lächerlichen Gag!“

Die Stimme, die ihr sonst unvergleichlich sanft Zärtlichkeiten zuflüsterte, sodass Megan vor Sehnsucht dahinschmolz, klang jetzt eisig und abweisend.

„Das war kein lächerlicher Gag“, protestierte Megan gekränkt, „sondern eine Geburtstagsüberraschung. Ich dachte, sie würde dir gefallen.“

„Es sollte mir gefallen, dass du in ein wichtiges Treffen mit Leuten hineinplatzt, die mein Leben entscheidend verändern können, und aus einer Geburtstagstorte springst?“

Megan blickte stumm zu ihm auf. Himmel, er war so unglaublich schön! Selbst jetzt, da er so aussah, als wollte er sie erwürgen, war er geradezu sündhaft sexy. Ganze ein Meter neunzig atemberaubende Männlichkeit, nach der sich jede Frau umdrehte. Megan wollte ihm nur allzu gern seine schlechte Laune nehmen, denn es war doch sein Geburtstag, auch wenn er offensichtlich keine Lust hatte zu feiern.

Sie wagte ein kleines Lächeln. „Du hast ja keine Ahnung, wie anstrengend es ist, sich in so eine Geburtstagstorte zu zwängen. Ich kann dir die Narben zeigen!“ Was nicht übertrieben war.

Nach Megans genialem Plan hatte ihre Freundin Charlotte aus zwei Pappkartons ein tortenähnliches Gebilde gebastelt und ihr versichert, der eingebaute Klappmechanismus würde wie ein Uhrwerk funktionieren. Ein Knopfdruck und – Bingo! – Megan würde in ihrer ganzen Pracht erscheinen! Die blonden Locken zu schmeichelnden Wellen à la Marilyn Monroe gezähmt, ein Schönheitsfleck kokett auf eine Wange platziert, die vollen Lippen zu einem scharlachroten Schmollmund geschminkt.

Leider hatten die beiden Freundinnen nicht mit dem Berufsverkehr in Edinburgh gerechnet, der die Auslieferung zu einer Tortur von über einer Stunde machte. Außerdem hatte sich der ausgetüftelte Klappmechanismus als höchst widerspenstig erwiesen, sodass Megan trotz tauber Glieder in Alessandros engem Wohnzimmer eine verbissene Schlacht mit Unmengen Kreppband ausfechten musste.

Alles zusammengenommen führte zu einem unrühmlichen, reichlich chaotischen Auftritt, als sie aus einer Masse von verknäueltem Klebeband und zerknülltem rosa Seidenpapier hervorkroch – und sich peinlicherweise drei Herren im Nadelstreifenanzug neben ihrem sehr, sehr wütenden Freund gegenübersah.

„Ich sollte Marilyn Monroe darstellen“, erklärte sie nun forsch, als ihr Lächeln nicht die erhoffte Wirkung erzielte. Dabei deutete sie auf ihre Aufmachung, die allerdings sehr gelitten hatte.

Drei Stunden zuvor war ihr der schwarze Badeanzug mit dem aufregenden Dekolleté, kombiniert mit schwarzen Netzstrümpfen, hochhackigen schwarzen Pumps und langen schwarzen Handschuhen, noch sehr sexy vorgekommen. Aber ein Handschuh war irgendwo in den Überresten der Geburtstagstorte verloren gegangen, die Pumps hatte sie abgestreift, und die Netzstrümpfe waren zerrissen. Die glamouröse Marilyn-mit-dem-gehauchten-Geburtstagsständchen war zu einer traurigen Witzfigur mutiert.

„Ich dachte, du würdest dich freuen.“ Ihre Stimme klang schon deutlich weniger zuversichtlich. „Oder es zumindest lustig finden.“

„Megan …“ Alessandro seufzte. „Wir müssen … reden.“

Sie atmete auf. Ja, natürlich, reden. Er war der faszinierendste Mann, den sie kannte, und sie war gern bereit mit ihm zu reden, solange er nur wollte. Vor allem, weil er sie schon nicht mehr so eisig und abweisend ansah. „Sicher, natürlich können wir reden. Obwohl …“, sie ging langsam zu ihm, „… ich könnte mir auch Aufregenderes vorstellen.“

Zärtlich und bewundernd streichelte sie seine breite Brust. „Habe ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich es vorziehe, wenn du Hemden trägst? Ich liebe es, sie aufzuknöpfen. Wobei dieses schwarze T-Shirt zugegebenermaßen auch sehr sexy ist.“ Das war es zweifellos. Eng anliegend, betonte es Alessandros muskulösen Oberkörper auf atemberaubende Weise.

Alessandro nahm ihre Hände und hielt sie fest. „Ich sagte, reden, Megan. Und hier drinnen können wir nicht reden.“

„Sind deine Freunde fort?“

„Das waren keine Freunde.“ Er ließ sie los, wandte sich ab und verließ das Schlafzimmer, sodass sie gezwungen war, ihm zu folgen. Megan in der Nähe eines Bettes war eine Kombination, die es ihm unmöglich machte, einen klaren Gedanken zu fassen. Zumal, wenn sie ein sexy Outfit trug, das jede Rundung ihres hinreißenden Körpers unterstrich. „Und zieh dir etwas an“, fügte Alessandro deshalb, ohne sich umzublicken, hinzu.

„Schon gut, also die Leute, die deinem Leben eine neue Richtung geben werden.“ Im Vorbeigehen griff sich Megan eines seiner Hemden. Alessandro trug nur weiße Hemden, was sie eigentlich sehr langweilig fand. Zu Abwechslung hatte sie ihm ein schreiend buntes Hawaii-Hemd geschenkt, das er allerdings bislang noch nie angezogen hatte. Vermutlich hatte er es ganz hinten in seinem Schrank vergraben.

Wortlos ließ er sich jetzt auf dem Sofa nieder, das eine ganze Seite des bescheidenen Raumes einnahm, den nur ein sehr optimistischer Mensch als „Wohnzimmer“ bezeichnen konnte. Tatsächlich war es kaum mehr als ein winziger Schuhkarton. Aber Alessandro hatte ihr oft genug gesagt, dass er nicht umsonst wie ein Sklave schuftete, um sich sein Studium zu finanzieren. Sobald er seinen Abschluss in der Tasche hatte, würde er sein Schicksal in die Hand nehmen und nicht mehr zurückblicken.

Megan wiederum wollte nicht allzu intensiv darüber nachdenken, wohin ihn dieses „Schicksal-in-die-Hand-Nehmen“ führen würde. Aller Wahrscheinlichkeit nach geradewegs aus ihrem Leben. Aber wer konnte es wissen? Grenzenlos optimistisch und zum ersten Mal bis über beide Ohren verliebt, schob sie alle Gedanken an die Zukunft beiseite. Sie war neunzehn und hatte mit ihrer eigenen College-Ausbildung genug zu tun. Da lag es ihr fern, an den Tag zu denken, da sich ihre und Alessandros Wege trennen würden.

„Schön, wer waren die überhaupt?“ Sie setzte sich neben ihn und schlug die Beine übereinander. Es kribbelte ihr in den Fingern, seine Wange zu berühren. Noch immer konnte sie es kaum glauben, dass sie sich gleich beim ersten Mal in einen Mann verliebt hatte, der in jeder Hinsicht so perfekt war.

Das Liebesleben ihrer Freundinnen schien dagegen völlig chaotisch – ihre Gemütszustände schwankten ständig zwischen Euphorie und Depression, während sie unaufhörlich darauf zu warten schienen, dass irgendein Typ anrief. Alessandro hatte ihr das nie zugemutet. Er hatte ihre Unschuld als ein Geschenk angenommen, das er zu schätzen wusste, hatte ihre Liebe nie als selbstverständlich hingenommen und ihr keinerlei Versprechungen gemacht, die er nicht zu erfüllen beabsichtigte.

„Das waren … ziemlich wichtige Leute, Megan.“ Er wandte sich ihr zu, um sie eingehend zu betrachten. Seidiges flachsblondes Haar umschmeichelte zerzaust ihr Gesicht. Die Wangen waren zart gerötet, denn offensichtlich hatte er sie bei einem Nickerchen ertappt. Nur Megan konnte innerhalb von Sekunden einschlafen, egal, was um sie her passierte. In einer völlig lächerlichen Aufmachung. Nachdem sie sich kurz zuvor restlos zum Gespött der Leute gemacht hatte.

„Tut mir leid“, sagte sie zerknirscht, bevor sie sich doch vorbeugte und seine Wange streichelte. „Ich kann ja verstehen, dass du etwas verärgert warst, als ich so unangemeldet aufgetaucht bin. Das hätte jedem einen Schreck versetzt … schon gar einem so alten Mann, wie du es jetzt bist, Alessandro!“, fügte sie augenzwinkernd hinzu. „Fünfundzwanzig! Praktisch schon passé! Ist dir eigentlich klar, dass du in null Komma nichts die Rente beantragen wirst?“

Ihr warmes, herzliches Lachen hatte er von Anfang an unwiderstehlich gefunden, als er es zum ersten Mal in dem überfüllten Club gehört hatte, in den ihn einer seiner Studienkollegen abgeschleppt hatte, um ihn von seinen Büchern wegzulocken. Wann immer er seitdem dieses Lachen hörte, und das war ziemlich oft, musste er selber lächeln. Jetzt allerdings nicht.

„Also, idealerweise hätte ich einen dramatischen Auftritt gehabt. Ich wäre wie ein Schachtelmännchen in Gestalt von Marilyn Monroe anmutig herausgesprungen und hätte dich mit meinem sexy Outfit umgehauen. Dann hätte ich ‚Happy Birthday‘ für dich gesungen …“

„Leider …“, Alessandro rückte mit verschlossener Miene von ihr ab, „…leider hättest du für deine kleine Überraschung keinen schlechteren Zeitpunkt wählen können.“

„Nun …“ Megan, die sich eigentlich immer so entspannt und wohl in seiner Gesellschaft fühlte, verspürte eine gewisse Verunsicherung. „Ich wusste doch nicht, dass du Gäste erwartest. Du hast mir gesagt, du würdest arbeiten, und da habe ich gedacht, dass es nett wäre, dich zu überraschen. Du arbeitest sowieso viel zu viel.“

„Ich tue, was ich tun muss, Megan. Wie oft soll ich dir das noch sagen?“

„Schon gut, ich weiß. Du hasst diese Bude und arbeitest so hart, um sie hinter dir lassen zu können und etwas aus deinem Leben zu machen.“

„Ich beabsichtige, mehr als nur etwas aus meinem Leben zu machen.“ Sein Vater hatte sich damit begnügt. Er war der Armut in Italien entflohen in der Hoffnung, dass die Straßen von London mit Gold gepflastert wären, um letztendlich festzustellen, dass sie hier wie überall auf der Welt auch nur geteert und asphaltiert waren. Und so waren die Talente seines Vaters, vor allem seine enorme mathematische Begabung, die Alessandro als Junge so beeindruckt hatte, mit der Zeit in der geistlosen Eintönigkeit von Hilfsarbeitertätigkeiten verloren gegangen.

Denn für eine andere Arbeit war er nicht qualifiziert gewesen, und in der englischen Provinz hatte man wenig Nachsicht mit einem Mann geübt, der die englische Sprache nur gebrochen sprach. Ungeachtet der Tatsache, dass seine Frau Engländerin war … eine sprichwörtliche „englische Rose“ mit genauso wenigen Qualifikationen wie ihr italienischer Mann. Eine englische Rose, deren zarte Hände durch die zahllosen Putzjobs frühzeitig gealtert waren, durch die sich die kleine Familie wenigstens einmal im Jahr einen kurzen Urlaub an der kalten britischen Küste leisten konnte.

Es bedrückte Alessandro, an seine Mutter zu denken, die er nur die ersten zehn Jahre seines Lebens gehabt hatte. Und es bedrückte ihn noch mehr, an den Vater zu denken, der treu und brav fünfundzwanzig Jahre lang für dieselbe Spedition geschuftet hatte, um genau dann entlassen zu werden, als er zu alt war, um noch eine neue Arbeit zu finden.

Bis zu seinem letzten Atemzug hatte er seinem Sohn immer wieder versichert, wie wundervoll sein Leben gewesen sei.

Doch Alessandro sah das anders. Fehlende Chancen und die Grausamkeit einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen nach Zeugnissen bemaß, hatten dafür gesorgt, dass die Talente seines Vaters verschwendet worden waren. Deshalb hatte Alessandro sich schon früh geschworen, sich diese Zeugnisse zu verschaffen und damit zu denen aufzusteigen, die die Welt kontrollierten, statt wie sein Vater kontrolliert zu werden.

Gedanken, die er für sich behielt. „Die drei Männer“, sagte er stattdessen, „die das zweifelhafte Vergnügen deines Auftritts hatten, spielen eine maßgebliche Rolle in meiner Zukunftsplanung.“

„Du meinst, die Nadelstreifentruppe?“

Er presste die Lippen zusammen. „Werde endlich erwachsen, Megan.“

Diese Aufforderung, mit so ungewohnter Kälte ausgesprochen, verletzte Megan tief. Ja, Alessandro und sie waren völlig gegensätzlich. Schon unzählige Male hatten sie herzlich darüber gelacht. Aber Alessandro hatte sie immer mit liebevoller Nachsicht behandelt, wenn sie ihn etwa mit improvisierten Picknicks im Park von seinen Büchern weglockte, oder ihr allenfalls lachend geraten, besser keine Karriere als Sängerin ins Auge zu fassen, wenn sie ihn spontan in eine Karaoke-Bar abgeschleppt hatte. Nie jedoch hatte er sie aufgefordert, erwachsen zu werden … und schon gar nicht in so einem Ton.

„Es sollte doch nur ein kleiner Spaß sein, Alessandro. Wie sollte ich denn ahnen, dass so wichtige Leute da sein würden? Und wofür brauchst du überhaupt einen Plan? Das Leben ist doch kein Schachbrett!“

„Doch, genau das ist es, Megan. Ein Schachbrett. Und mit unseren Zügen bestimmen wir, wie unser Leben letztendlich aussieht.“

„Ich weiß ja, dass du mit deinem Leben Großes vorhast, Alessandro, aber …“ Megan betrachtete ihn nachdenklich. „Man kann nicht alles planen. Ich hoffe auch sehr, dass ich einmal eine gute Lehrerin sein werde …“

„Irgendwo in einer kleinen Dorfschule.“

„Was ist schlecht daran?“

„Nichts.“ Alessandro seufzte. Wenn er in ihr offenes Gesicht und ihre ausdrucksvollen Augen blickte, kam er sich wie ein Monster vor. Aber dieses Gespräch musste sein. Unerwartet schnell kam die Zukunft mit der unaufhaltsamen Gewalt eines Güterzuges auf ihn zu und ließ ihm keine Wahl. „Hast du je überlegt, nach deinem Abschluss irgendwo anders zu unterrichten?“

„Warum sollte ich? Du weißt doch, dass St. Nick’s mir schon eine Stelle angeboten hat, wenn ich fertig bin.“ Megan freute sich bereits darauf, an dieser „kleinen Dorfschule“ zu unterrichten. Sie war nicht von so ehrgeizigen Plänen beseelt wie Alessandro und sah ihre Zukunft dennoch sehr rosig. „Wo sollte ich denn deiner Meinung nach unterrichten?“

„Wie wär’s mit einer Schule in London?“

„Was soll das eigentlich, Alessandro? Liegt es daran, dass du immer noch wütend auf mich bist, weil ich dich vor diesen Leuten blamiert habe? Lass es gut sein … Warte, ich hole uns beiden ein Glas Wein.“ Ehe er widersprechen konnte, stand sie auf, rekelte sich sexy, warf ihm über die Schulter einen verführerischen Blick zu und verschwand in der winzigen Küche, um zwei große Gläser Wein einzuschenken.

Insgeheim hatte sie gehofft, ihn bei ihrer Rückkehr schon ausgezogen vorzufinden wie eigentlich immer, wenn sie es darauf anlegte, ihn zu verführen. Doch diesmal war alles anders. Alessandro war vom Sofa aufgestanden, und seine unbehagliche Miene verriet, dass er das Gespräch noch nicht für beendet hielt.

Was immer diese drei Männer ihm gesagt hatten, es hatte ihn ganz offensichtlich etwas zu nachdenklich gemacht … weshalb Megan es gerade für ihr Pflicht hielt, ihn auf andere Gedanken zu bringen. Zumal sie unbewusst ahnte, dass sie gar nicht wirklich hören wollte, was Alessandro ihr zu sagen hatte.

Entschlossen stellte sie die Weingläser auf den kleinen, ramponierten Tisch vor dem Fenster, zog Alessandros Hemd wieder aus und warf es achtlos auf einen Stuhl.

„Megan …“ Alessandro wandte sich ab. „Das ist kein guter Zeitpunkt dafür.“ Er erstarrte, als er sie näher kommen hörte, und malte sich ihr verführerisches Lächeln aus.

„Erzähl mir nicht, du wärst jetzt zu alt für Sex“, neckte sie, schlang die Arme um seinen muskulösen Oberkörper und schob die Hände unter sein T-Shirt, um ihn aufregend zu streicheln.

Alessandro erschauerte, wütend auf sich, weil er es nicht über sich brachte, sie wegzuschieben, obwohl es um ihret- wie um seinetwillen notwendig gewesen wäre. Als sie sich von hinten an ihn presste und er ihre vollen Brüste fühlte, drehte er sich leise aufstöhnend um. Mit geschlossenen Augen stand er da, all seine Beherrschung aufbietend, um dieser Verlockung nicht zu erliegen.

Neun Monate war er jetzt mit ihr zusammen, lebte praktisch mit ihr, obwohl ihr College über zwanzig Meilen entfernt war. Draußen auf dem Land, denn Großstädte machten ihr Kopfschmerzen, wie sie ihm oft genug versichert hatte. Sie besaß etwas Unwiderstehliches.

Jetzt nahm sie seine Hand und führte sie zu einem der beiden schmalen Träger ihres schwarzen Badeanzugs. „Wenigstens war die Torte nicht echt“, flüsterte sie verführerisch. „Stell dir vor, ich wäre über und über mit Biskuits und Sahnecreme bedeckt herausgesprungen!“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihre Lippen an seinen Hals zu pressen, und obwohl Alessandro nicht wie sonst leidenschaftlich über sie herfiel, reagierte er doch.

Megan ließ die Hand an ihm hinabgleiten und fühlte erregt, wie sehr er sie tatsächlich begehrte … auch wenn er aus irgendeinem merkwürdigen Grund dagegen ankämpfte. „Liebe Güte“, hauchte sie sinnlich, „du hättest das alles von mir ablecken müssen …“

Diese Vorstellung war zu viel. Verlangend blickte Alessandro in das tiefe Dekolleté, das ihm die Erfüllung all seiner erotischen Wünsche versprach. Verdammt, ich bin auch nur ein Mann! dachte er resigniert, schob die Finger unter die Träger des Badeanzugs und streichelte Megans seidige Haut.

„Allein der Gedanke daran macht mich verrückt“, sagte er rau, bevor er die Träger herunterstreifte und beim Anblick ihrer hinreißenden Brüste jeglichen Wunsch zu reden vergaß. Voll und straff, luden sie mit ihren rosigen Spitzen buchstäblich dazu ein, liebkost zu werden.

Alessandro zog Megan zum Sofa, streifte die Schuhe ab und legte sich hin. Als Megan sich rittlings auf ihn setzte und sich mit ihrer heißen Mitte an seinen Schoß presste, glaubte er sich fast im Himmel. Da beugte sie sich vor und bot ihm die vollen Brüste einladend dar.

Stöhnend gab Alessandro sich geschlagen, umschloss eine der harten Spitzen mit dem Mund, um sich nach inniger Liebkosung genauso ausgiebig auch der anderen zuzuwenden. Doch schnell genügte ihm das nicht. Es drängte ihn danach, Megan nackt in den Armen zu halten. Mit wenigen, ungeduldigen Bewegungen zog er ihr den Badeanzug aus, hinderte sie jedoch daran, als sie versuchte, ihm sein T-Shirt auszuziehen.

„Aber ich will dich auch sehen“, protestierte Megan.

Ohne zu antworten, drückte er sie auf das Sofa zurück und schob ihre Beine auseinander. Im nächsten Moment vergaß sie jeglichen Protest, als er den Mund in ihren Schoß presste und sie mit unglaublich erotischen Liebkosungen dem ersehnten Höhepunkt entgegenbrachte.

„Alessandro!“ Schwer atmend krallte sie die Finger in sein dichtes, dunkles Haar und zog ihn zu sich herauf. Die Augen entrückt geschlossen, spürte sie, wie er den Reißverschluss seiner Hose öffnete, und war sich nicht einmal sicher, dass er die Hose überhaupt ausgezogen hatte, als er schon tief und machtvoll in sie eindrang. Wild und heftig liebten sie sich, kamen mit einem Aufschrei der Lust fast gleichzeitig, bevor sie sich keuchend und erschöpft in die Arme sanken.

Ungewohnt schweigsam schob Alessandro Megan schließlich sacht von sich fort, um sich die Jeans wieder anzuziehen. Dann holte er eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und trank mit großen Schlucken.

„Zieh dich an, Megan. Dann reden wir.“

Eiskalte Angst jagte ihr über den Rücken. Reden? Worüber? hätte sie am liebsten gefragt, aber sein verschlossenes Gesicht hieß sie schweigen. Wortlos verschwand sie im Schlafzimmer und kramte die wenigen Kleidungsstücke hervor, die von ihr in seiner Studentenwohnung vorhanden waren: ein Paar Jeans und ein Sweatshirt.

Alessandro hatte sich inzwischen an den Tisch gesetzt, sodass Megan sich befangen wie bei einem Vorstellungsgespräch fühlte, als sie sich ihm gegenübersetzte.

„He, wenn es immer noch um meine Überraschungstorte geht, dann gebe ich dir mein Ehrenwort, dass ich so etwas nie wieder tun werde. Ich werde mir die Haare zehn Mal waschen müssen, um das Klebeband wieder herauszubekommen!“

Doch Alessandro erwiderte ihr übermütiges Lächeln nicht. Es würde ein schwieriges Gespräch werden, noch zusätzlich verkompliziert durch die Tatsache, dass sie sich nicht hätten lieben dürfen. Er hatte sich diese egoistische Schwäche erlaubt, was er nun zutiefst bereute. „Es hat nichts mit deiner Überraschungstorte zu tun, Megan, sondern mit den drei Männern, die vorhin hier waren. Man wollte mich wieder einmal abwerben.“

Tatsächlich war es für ihn keine große Überraschung gewesen. Er war gut. Nicht zum ersten Mal hatten sich Headhunter im Auftrag großer Unternehmen für ihn interessiert. Doch bislang hatte er alle Angebote abgelehnt, unbeirrt entschlossen, seinen Weg zu machen. Dieses Angebot allerdings war für seine zukünftige Karriere zu wichtig, um es zu ignorieren.

„Wow, Alessandro, das ist ja fantastisch! Wir sollten feiern.“ Aber irgendwie schien er nicht in Feierlaune. „Du siehst nicht besonders begeistert aus.“

Er zuckte Schultern. „Denen ist es noch nicht klar, aber sie werden feststellen, dass sie mich mehr brauchen, als ich sie brauche.“

Megan lachte. „Also, mangelndes Selbstbewusstsein kann man dir wirklich nicht vorwerfen.“

Ihr ansteckendes Lachen weckte in ihm Gefühle, die er bewusst ignorierte. „Man hat mir einen Job angeboten.“ Er stand auf, um die räumliche Distanz zwischen ihnen noch zu vergrößern. „In London.“

Die beiden Worte genügten, um das Lächeln aus ihrem Gesicht verschwinden zu lassen. „London? Aber du kannst nicht nach London gehen.“ Was ist mit uns? „Was ist mit deinem Magisterabschluss?“

„Der wird erst einmal in den Hintergrund rücken. Ich kann ihn in meiner Freizeit nachholen, im Moment zählt nur meine Zukunft.“

Megan war zutiefst erschüttert. Sie hatte fest darauf gebaut, Alessandro noch einige Monate um sich zu haben, bis sie innerlich bereit war, sich dem letztendlich Unvermeidlichen zu stellen. Verzweifelt überlegte sie, ob vielleicht eine Fernbeziehung funktionieren würde. Jedes zweite Wochenende die lange Zugfahrt, und dann blieben ihnen noch die Ferien. Natürlich war das alles andere als ideal, aber … „Wann?“

„Sofort.“ Alessandro wartete schweigend, bis Megan die Bedeutung dieses Wortes in seiner ganzen Endgültigkeit begriffen hatte. Es tat ihm weh, in ihr unglückliches Gesicht zu blicken.

„Sofort … das heißt, wirklich sofort …?“

„Gerade genug Zeit, meine wenigen Habseligkeiten zu packen und die Vergangenheit für immer hinter mir zu lassen.“

„So schlecht war sie auch wieder nicht“, flüsterte Megan beklommen. „Was … was ist mit uns?“

Sein Schweigen sagte mehr als alle Worte.

„Wir … wir können uns doch noch sehen, oder nicht? Okay, London ist ziemlich weit weg, aber heutzutage sind Fernbeziehungen doch gar nicht so selten. Vielleicht ist es sogar ganz romantisch, wer weiß? Wir könnten uns, sooft es geht, an den Wochenenden treffen …“ Ihr Geplapper verstummte. Wieder herrschte angespanntes Schweigen.

„Es würde nicht funktionieren“, sagte Alessandro schließlich sachlich.

„Warum nicht? Willst du es denn nicht einmal versuchen?“ Beschwörend blickte sie ihn an, doch sein Gesicht, verschlossen und abweisend, war das eines Fremden.

„Es hat keinen Sinn, Megan.“

„Keinen Sinn? Wie kannst du das sagen, Alessandro? Fast ein ganzes Jahr haben wir praktisch zusammengelebt! Wie kannst du sagen, es hätte keinen Sinn, wenn wir versuchen würden, zusammenzubleiben? Ich … wir … ich liebe dich, Alessandro. Du bist der erste Mann, dem ich mich hingegeben habe. Du weißt, wie viel mir das bedeutet hat.“

Seine Miene verfinsterte sich. „Und ich habe dieses Geschenk immer wertgeschätzt.“

Es klang, als hätte er ihre Beziehung bereits der Vergangenheit zugeordnet.

„Dann sag mir, dass du nicht gehst.“

„Das kann ich nicht.“ Verächtlich deutete er auf den winzigen Raum um sich. „Das hier war ein Kapitel meines Lebens, Megan, und jetzt ist es Zeit, das Buch weiter zu schreiben.“

„Mit anderen Worten, ich war nur ein Kapitel deines Lebens. Du hattest deinen Spaß, aber alles hat einmal ein Ende.“

„Alles hat wirklich irgendwann ein Ende, Megan. Dein Leben ist hier, bei deiner Familie und deiner Anstellung als Lehrerin auf dem Land. Du weißt doch genau, wie sehr du die Großstadt hasst.

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