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Das Echo dunkler Tage

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Zitat
  7. 1
  8. 2
  9. 3
  10. 4
  11. 5
  12. 6
  13. 7
  14. 8
  15. 9
  16. 10
  17. 11
  18. 12
  19. 13
  20. 14
  21. 15
  22. 16
  23. 17
  24. 18
  25. 19
  26. 20
  27. 21
  28. 22
  29. 23
  30. 24
  31. 25
  32. 26
  33. 27
  34. 28
  35. 29
  36. 30
  37. 31
  38. 32
  39. 33
  40. 34
  41. 35
  42. 36
  43. 37
  44. 38
  45. 39
  46. 40
  47. 41
  48. 42
  49. 43
  50. Danksagung

Über die Autorin

Dolores Redondo wurde 1969 in San Sebastián (Baskenland) geboren. Die studierte Juristin und Restauratorin hat in Spanien bereits mehrere Kurzgeschichten und Kinderbücher sowie einen Roman veröffentlicht. DAS ECHO DUNKLER TAGE ist ihr Krimidebüt, derzeit arbeitet sie an einer Fortsetzung. Dolores Redondo lebt in der nordspanischen Region Navarra, die sie auch als Schauplatz ihrer Krimis gewählt hat.

Für Eduardo, der mich gebeten hat,
dieses Buch zu schreiben, und für Ricardo Domingo,
der es gesehen hat, als es noch unsichtbar war.

Für Rubén und Esther, die mich dazu bringen,
Tränen zu lachen.

Vergessen sie ein unfreiwilliger Akt. Je mehr man etwas hinter sich lassen möchte, desto mehr verfolgt es einen.

William Jonas Berkley

Dieser Apfel ist kein gewöhnlicher Apfel. Dieser Apfel kann Wünsche erfüllen.

Schneewittchen von Walt Disney

1

Ainhoa Elizasu war das zweite Opfer des Basajaun, auch wenn die Presse den Mörder damals noch nicht so nannte. Das kam erst später, als durchsickerte, dass bei den Leichen Tierhaare, Hautreste und merkwürdige Spuren gefunden worden waren, die nicht von einem Menschen zu stammen schienen. Vieles deutete darauf hin, dass es sich bei den Verbrechen um düstere Läuterungsrituale handelte: die aufgeschlitzte Kleidung, das rasierte Schamhaar und die in jungfräulicher Unschuld angeordneten Hände der Mädchen. Eine böse urzeitliche Kreatur schien ihr Unwesen zu treiben.

Wenn Amaia Salazar früh am Morgen zu einem Tatort gerufen wurde, befolgte sie stets das gleiche Ritual: Sie stellte den Wecker aus, damit James ausschlafen konnte, raffte ihre Kleidung zusammen, griff nach ihrem Handy und ging langsam die Treppe hinunter in die Küche. Dort zog sie sich an, trank einen Milchkaffee und schrieb ihrem Mann eine Nachricht. Musste sie so wie jetzt vor dem Morgengrauen losfahren, war ihr Kopf immer wie leer, ein weißes Rauschen, und obwohl sie an diesem frühen Morgen von Pamplona aus eine Stunde bis zum angegebenen Ort brauchte, befand sie sich die ganze Fahrt über in einem nebelhaften Wachzustand. Erst als sie eine Kurve zu eng nahm und die Reifen quietschten, wurde ihr bewusst, wie abwesend sie war. Danach konzentrierte sie sich stärker auf die gewundene Straße, die immer tiefer in den dichten Wald von Baztán führte. Fünf Minuten später sah sie ein Warnsignal und hielt an. Sie erkannte den Sportwagen von Dr. San Martín und den Geländewagen von Richterin Estébanez. Sie stieg aus, holte ein Paar Gummistiefel aus dem Kofferraum und zog sie an, während Subinspector Jonan Etxaide und Inspector Fermín Montes auf sie zukamen.

»Schlimme Sache, Chefin, ein junges Mädchen«, sagte Etxaide mit Blick auf seine Notizen. »Vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre alt. Als sie gestern Abend um elf noch nicht zu Hause war, haben die Eltern sie als vermisst gemeldet.«

»Schon so früh?«, fragte Amaia.

»Sie hatte um zehn nach acht ihren älteren Bruder angerufen, um ihm zu sagen, dass sie den Bus nach Arizkun verpasst hat.«

»Und der hat sich erst um elf gerührt?«

»Sie wissen doch, wie das ist: ›Unsere Alten werden dir die Hölle heißmachen.‹ – ›Bitte sag ihnen nichts! Vielleicht nimmt mich der Vater einer Freundin mit.‹ Also hat er den Mund gehalten und mit der Playstation gespielt. Als seine Schwester um elf immer noch nicht daheim war und die Mutter allmählich hysterisch wurde, hat er endlich den Mund aufgemacht. Die Eltern sind sofort zum Kommissariat von Elizondo gefahren und haben Alarm geschlagen. Ihrer Tochter müsse was passiert sein, sie gehe nicht ans Handy, und ihre Freundinnen hätten sie auch schon alle angerufen. Eine Streife hat sie dann gefunden. Die Schuhe des Mädchens stehen dort am Straßenrand.« Er leuchtete sie mit seiner Taschenlampe an: Auf dem Asphalt stand ordentlich nebeneinander ein Paar schwarze Lacklederschuhe mit halbhohen Absätzen.

Amaia ging näher heran und bückte sich, um sie genauer zu betrachten.

»Hat die jemand von uns so hingestellt?«

Etxaide sah in seinen Notizen nach.

»Nein, die standen schon so da, mit den Spitzen in Richtung Fahrbahn.«

»Sag den Kollegen von der Spurensicherung, sie sollen sich mal die Innenseite genauer ansehen. Wer die Schuhe so hingestellt hat, muss mit den Fingern reingefasst haben.«

Inspector Montes, der die ganze Zeit still dagestanden und auf die Spitzen seiner italienischen Markenschuhe gestarrt hatte, hob plötzlich den Kopf, als wäre er gerade aus dem Tiefschlaf erwacht.

»Salazar«, murmelte er und verschwand wortlos in Richtung Straßenrand.

»Was ist denn mit dem los?«

»Weiß nicht, Chefin. Wir sind zusammen aus Pamplona hergefahren, und er hat unterwegs kein einziges Mal den Mund aufgemacht. Mir scheint, er hat was getrunken.«

Diesen Eindruck hatte sie auch. Seit seiner Scheidung hatte sich Montes’ Gemütszustand stetig verschlimmert, was nicht nur in seiner neuen Leidenschaft für italienische Schuhe und bunte Krawatten zum Ausdruck kam. In den vergangenen Wochen war er besonders kalt und unnahbar gewesen, versunken in seine innere Welt, geradezu autistisch.

»Wo liegt das Mädchen?«, fragte sie.

»Am Fluss, den Abhang da runter«, erklärte Etxaide und sah sie entschuldigend an, als könnte er etwas dafür, dass das Mädchen dort lag.

Als sie in die Schlucht hinunterstiegen, die der Fluss in den Felsen gegraben hatte, sah Amaia unten schon die Scheinwerfer und Absperrbänder. Davor standen Richterin Estébanez und der Vertreter der Staatsanwaltschaft, unterhielten sich leise und sahen immer wieder zu der Stelle, an der die Leiche lag. Zwei Fotografen der Spurensicherung machten Aufnahmen aus allen Blickwinkeln und tauchten den Ort in ein Blitzlichtgewitter. Neben der Leiche kniete ein Kriminaltechniker des Instituts für Rechtsmedizin von Navarra und maß offenbar die Temperatur der Leber.

Zufrieden nahm Amaia zur Kenntnis, dass alle Anwesenden sich an die Vorschrift hielten und die Absperrung durch die Stelle betraten, die die ersten Beamten markiert hatten. Trotzdem fand sie, dass sich immer noch viel zu viele Leute dort tummelten. Sie wusste, dass ihr Gefühl etwas Absurdes, geradezu Lächerliches hatte und wahrscheinlich von ihrer katholischen Erziehung herrührte. Aber immer wenn sie sich einer Leiche näherte, wäre sie am liebsten allein gewesen, um wie auf dem Friedhof Andacht zu halten, ein Bedürfnis, das durch die professionelle Geschäftigkeit der Kollegen torpediert wurde.

Langsam ging sie auf den Ort zu, an dem man die Leiche gefunden hatte, nahm ihn näher in Augenschein. Rechts bestand das Ufer aus einer Fläche mit grauen Kieselsteinen, die vermutlich das Hochwasser der vergangenen Monate angeschwemmt hatte. Auf der anderen Seite ging das Ufer nach knapp vier Metern in dichten Wald über. Amaia wartete ab, bis der Polizeifotograf seine Arbeit verrichtet hatte, und stellte sich dann vor die Füße des Mädchens. Sie verdrängte alle Gedanken aus ihrem Kopf, richtete den Blick auf die Leiche und murmelte ein kurzes Gebet. So hielt sie es immer. Erst dann war sie imstande, einen Toten als das Werk eines Mörders zu betrachten.

Ainhoa Elizasu hatte zu Lebzeiten schöne kastanienbraune Augen gehabt, die nun ins Leere starrten. Ihr Kopf war leicht nach hinten geneigt und gab den Blick frei auf eine grobe Schnur, die sich so tief in den Hals gegraben hatte, dass sie kaum noch zu erkennen war. Amaia bückte sich, um sie genauer zu betrachten. »Sie ist nicht mal über Kreuz gelegt. Da hat offenbar jemand so lange an beiden Enden gezerrt, bis das Mädchen nicht mehr geatmet hat«, murmelte sie leise wie zu sich selbst.

»Der Täter muss ganz schön viel Kraft haben. Spricht dafür, dass es ein Mann war«, befand Jonan Etxaide, der hinter sie getreten war.

»Sieht ganz so aus, wobei das Mädchen nicht sehr groß ist, eins fünfundfünfzig vielleicht. Und dünn. Könnte also auch eine Frau gewesen sein.«

Dr. San Martín verabschiedete sich mit einer Art Handkuss von Richterin Estébanez und kam zu ihnen.

»Inspectora Salazar, es ist immer wieder ein Vergnügen, Sie zu sehen, selbst unter diesen Umständen«, sagte er gut gelaunt.

»Ganz meinerseits, Dr. San Martín. Können Sie mir schon was sagen?«

Der Arzt nahm die Notizen entgegen, die ihm der Kriminaltechniker reichte, warf einen kurzen Blick darauf und ging vor der Leiche in die Hocke. Vorher sah er den jungen Jonan Etxaide prüfend an, als versuchte er seine Kompetenz einzuschätzen. Amaia kannte diesen Blick nur allzu gut. Es war erst wenige Jahre her, dass sie als Anwärterin auf die Inspektorenlaufbahn in der gleichen Situation gewesen war. Auch damals hatte Dr. San Martín, eine anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, sich das Vergnügen nicht nehmen lassen, sie in die Geheimnisse des Todes einzuweihen.

»Kommen Sie näher! Sie auch, Etxaide, vielleicht können Sie noch was lernen.«

Der Rechtsmediziner holte Chirurgenhandschuhe aus seiner Gladstone-Ledertasche und streifte sie sich über. Dann betastete er vorsichtig Kiefer, Hals und Arme des Mädchens.

»Was wissen Sie über den Rigor mortis, Etxaide?«

Der Subinspector kramte in seinem Gedächtnis. »Die Totenstarre setzt zuerst an den Augenlidern ein, circa drei Stunden nach dem Ableben«, begann er zu erklären wie zuletzt wahrscheinlich in der Schule, als er einem Lehrer Rede und Antwort hatte stehen müssen. »Dann breitet sie sich über Gesicht und Hals bis zur Brust aus und greift schließlich auf den ganzen Torso und alle Extremitäten über. Unter normalen Umständen ist die vollständige Totenstarre nach etwa zwölf Stunden erreicht. Dann beginnt sie sich wieder aufzulösen, in umgekehrter Reihenfolge, was circa sechsunddreißig Stunden dauert.«

»Nicht schlecht. Was noch?«, hakte der Arzt nach.

»Anhand der Leichenstarre lässt sich der ungefähre Todeszeitpunkt bestimmen.«

»Allein anhand der Rigor mortis?«

»Äh …«, stammelte Jonan.

»Nein«, fiel San Martín ihm ins Wort. »Der Grad der Totenstarre variiert je nach muskulärem Zustand, Zimmertemperatur oder, wie in unserem Fall, Außentemperatur. Extreme Ausschläge nach unten oder oben können dazu führen, dass nur der Eindruck einer Rigor mortis entsteht, große Hitze zum Beispiel. Manchmal liegt auch eine kataleptische Totenstarre vor. Wissen Sie, was das ist?«

»Wenn sich bei Eintritt des Todes die Muskeln, zum Beispiel die der Hände, derartig zusammenziehen, dass man ihnen Gegenstände kaum entreißen kann.«

»Genau. Ein forensischer Pathologe muss äußerst gründlich vorgehen. Er darf den Todeszeitpunkt nicht einfach so bestimmen, sondern muss alle Aspekte berücksichtigen, auch Hypostasen, Leichenflecken und so weiter. Haben Sie schon mal eine dieser amerikanischen Serien gesehen, in denen der Rechtsmediziner sich über eine Leiche beugt und nach zwei Minuten den Todeszeitpunkt bestimmt?«, fragte er und zog theatralisch eine Augenbraue hoch. »Blanker Unsinn. Zwar können wir inzwischen per Kaliumanalyse der Augenflüssigkeit den ungefähren Todeszeitpunkt bestimmen, aber Verlässliches lässt sich immer erst nach der Autopsie sagen. Lassen Sie sich das von einem Mann, der dreizehn Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, gesagt sein. Der Lebertemperatur nach zu urteilen, ist dieses Mädchen hier seit ungefähr zwei Stunden tot. Die Leichenstarre hat noch nicht eingesetzt.« Wie um seine Aussage zu bestätigen, berührte er noch einmal den Kiefer. »Das stimmt mit dem überein, was wir wissen: dem Anruf beim Bruder und der Vermisstenmeldung. Doch, ich würde sagen: knapp zwei Stunden.«

Amaia wartete, bis er aufgestanden war, und ging dann selbst neben dem Mädchen in die Hocke. Ihr entging nicht, wie erleichtert Etxaide war, dass er den Fragen des Rechtsmediziners nicht weiter ausgesetzt war.

Die Augen des Mädchens starrten ins Unendliche, der Mund war leicht geöffnet, als wäre sie überrascht worden oder als hätte sie noch einmal Luft holen wollen. Ein kindliches Erstaunen lag auf ihrem Gesicht. Ihre Kleidung war der Länge nach sauber durchtrennt und zu beiden Seiten aufgeklappt wie die Verpackung eines makabren Geschenks. Ein leichter Wind, der vom Fluss her wehte, strich ihr durch den gerade geschnittenen Pony. Ein Geruch nach Shampoo und Zigaretten stieg Amaia in die Nase. Sie fragte sich, ob das Mädchen geraucht hatte.

»Sie riecht nach Zigaretten. Hatte sie eine Handtasche dabei?«

»Angeblich ja, haben wir aber noch nicht gefunden. Unsere Leute durchkämmen gerade die Umgebung, einen Kilometer in diese Richtung«, erklärte Inspector Montes und zeigte zum Fluss.

»Fragt ihre Freundinnen, wo sie gestern waren und wer alles dabei war.«

»Sobald es hell wird, Chefin«, wandte Etxaide ein und klopfte auf seine Uhr. »Wir sprechen hier von Teenagern, die schlafen um diese Uhrzeit noch tief und fest.«

Amaia nahm die Hände der Toten in Augenschein. Sie waren weiß, nicht verschmutzt, die Handflächen zeigten nach oben.

»Habt ihr die Hände gesehen? Die wurden bewusst so hingelegt.«

»Das glaube ich auch«, stimmte ihr Montes zu. »Die müssen unbedingt fotografiert werden. Und kriminaltechnisch untersucht. Womöglich hat sie sich gewehrt. Die Fingernägel und Hände sehen zwar sauber aus, aber vielleicht haben wir Glück«.

Dr. San Martín beugte sich noch einmal über das Mädchen.

»Ich will der Autopsie nicht vorgreifen, aber ich würde tippen, dass sie erstickt wurde. So tief, wie sich die Schnur ins Fleisch gegraben hat, muss es sehr schnell gegangen sein. Die Stichwunden sind nur oberflächlich und wurden ihr beim Auftrennen der Kleidung zugefügt, mit einem äußerst scharfen Gegenstand übrigens, einer Klinge, einem Papiermesser oder einem Skalpell. Dazu kann ich nach der Autopsie mehr sagen. Fest steht jedenfalls, dass das Mädchen zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. Es hat nämlich kaum geblutet.«

»Was ist mit dem Schamhaar?«, fragte Montes.

»Hat er ihr wahrscheinlich mit dem gleichen Gegenstand abrasiert.«

»Vielleicht eine Art Trophäe, Chefin?«, meldete sich Etxaide zu Wort.

»Kann ich mir nicht vorstellen. Dann hätte er die Haare nicht einfach achtlos weggeschmissen«, wandte Amaia ein und zeigte auf mehrere Haarbüschel, die um die Leiche verteilt lagen. »Ich glaube eher, er wollte sie weghaben, um ihr dann das da draufzulegen.« Sie deutete auf das goldbraune Kuchenstück auf der glattrasierten Scham. Alle hatten es bereits bemerkt und betrachteten es angewidert.

»Das ist einfach eine Schweinerei. Können diese Irren nicht einfach töten und basta? Was muss in jemandem vorgehen, dass er so was macht?«, rief Etxaide.

»Darin besteht dein Job, mein Junge: Du musst dich in diese Schweine hineinversetzen«, belehrte ihn Montes. »Wurde sie vergewaltigt?«, fragte er dann Dr. San Martín.

»Ich denke nicht, aber um sicher zu sein, muss ich sie erst gründlich untersuchen. Die Inszenierung deutet allerdings auf einen sexuellen Hintergrund hin: die zerschnittene Kleidung, die entblößte Brust, die rasierte Scham, das Kuchenstück … Sieht aus wie Butterkuchen oder …«

»Das ist ein Txantxangorri«, erklärte Amaia, »ein typischer Kuchen aus der Gegend hier. Ist zwar kleiner als die, die ich kenne, aber es ist eindeutig ein Txantxangorri. Besteht aus Mehl, Eiern, Zucker, Hefe und Schmalz, das Rezept ist uralt. Jonan, sorg dafür, dass eine Probe entnommen wird. Und dass mir ja nichts davon nach außen dringt, die Sache mit dem Kuchen bleibt vorerst unter Verschluss.« Alle nickten.

»Wir sind fertig, Dr. San Martín, jetzt sind Sie dran. Wir sehen uns in der Rechtsmedizin.«

Amaia stand auf und warf einen letzten Blick auf das Mädchen, bevor sie den Aufstieg in Angriff nahm.

2

Inspector Montes trug eine brombeerfarbene Seidenkrawatte, die auffällig und zweifellos teuer war. In Kombination mit seinem lilafarbenen Hemd verlieh sie ihm durchaus eine gewisse Eleganz, aber auch eine schockierende Ähnlichkeit mit einem Polizisten aus Miami Vice. So ähnlich dachten wohl auch die beiden Beamten, die mit ihnen im Fahrstuhl fuhren, wie Amaia an den spöttischen Blicken ablas, die sie einander beim Aussteigen zuwarfen. Montes hatte es offenbar ebenfalls bemerkt, ging aber eingehüllt in die Duftwolke seines Armaniparfüms weiterhin stoisch die Notizen auf seinem Organizer durch.

Die Tür des Konferenzraums war schon zu. Als Amaia gerade die Hand nach der Klinke ausstreckte, wurde sie von innen geöffnet, als hätte der Beamte die ganze Zeit dort gestanden und auf sie gewartet. Er trat beiseite und gab den Blick frei auf einen großen, hellen Raum, in dem mehr Leute versammelt waren, als sie erwartet hatte. Der Comisario saß am Kopfende, zwei Stühle rechts von ihm waren noch frei. Er forderte sie auf, Platz zu nehmen, und machte, während sie den Raum durchquerten, alle miteinander bekannt.

»Neu hinzugekommen sind Inspectora Salazar und Inspector Montes. Und hier am Tisch versammelt sind Inspector Rodríguez von der Kriminaltechnik, Dr. San Martín von der Rechtsmedizin, Subinspector Aguirre vom Drogendezernat, Subinspector Zabalza und Inspector Iriarte vom Kommissariat in Elizondo. Der Zufall wollte es, dass die beiden Letzteren gestern, als die Leiche gefunden wurde, nicht vor Ort waren.«

Amaia gab allen die Hand und nickte denen, die sie bereits kannte, freundlich zu.

»Inspectora Salazar, Inspector Montes: Ich habe diese Versammlung anberaumt, weil dieser Fall vermutlich weitere Kreise ziehen wird, als wir ursprünglich dachten«, sagte der Comisario, setzte sich und forderte alle Anwesenden auf, es ihm nachzutun. »Inspector Iriarte hat sich heute Morgen mit uns in Verbindung gesetzt, um uns etwas mitzuteilen, was für den Fall, den Sie gerade bearbeiten, von Wichtigkeit sein könnte.«

Inspector Iriarte beugte sich vor und legte seine großen Hände auf den Tisch, die wie geschaffen schienen für Aizkolari, den baskischen Nationalsport des Holzhackens.

»Vor einem Monat, am fünften Januar«, erklärte Iriarte mit Blick auf sein kleines, in schwarzes Leder gebundenes Notizbuch, das in seiner großen Hand fast verschwand, »fand ein Schäfer aus Elizondo, der seine Tiere zum Tränken führen wollte, am Fluss die Leiche der siebzehnjährigen Carla Huarte. Verschwunden war das Mädchen in der Silvesternacht. Sie hatte mit Freunden die Diskothek Crash Test in Elizondo besucht und war gegen vier Uhr morgens mit ihrem Freund von dort im Auto aufgebrochen. Eine Dreiviertelstunde später kam er allein wieder zurück und erklärte einem Freund, Carla und er hätten sich gestritten und sie sei wütend ausgestiegen und zu Fuß weitergegangen. Besagter Freund überzeugte ihn davon, dass er sie suchen müsse, und eine Stunde später trafen sie an der Stelle ein, an der Carla ausgestiegen war. Von dem Mädchen keine Spur. Trotzdem waren die beiden nicht sonderlich beunruhigt, weil die Gegend ein beliebter Treffpunkt für Pärchen und Kiffer ist und das Mädchen Gott und die Welt kannte. Sie gingen davon aus, dass irgendjemand sie mitgenommen hatte. Im Auto des Jungen fanden wir später Haare des Mädchens und den Träger eines Push-up-BHs. Jetzt komme ich zu dem Punkt, der für Sie interessant sein könnte.« Er atmete tief durch und sah Montes und Amaia an. »Carla wurde rund zwei Kilometer von der Stelle entfernt gefunden, an der die Leiche von Ainhoa Elizasu lag. Auch sie wurde mit einer Gepäckschnur erwürgt, auch bei ihr wurde die Kleidung vorne aufgeschlitzt.«

Amaia sah Montes bestürzt an.

»Ich erinnere mich, in der Zeitung davon gelesen zu haben. War auch ihre Scham rasiert?«

Iriarte sah zu Subinspector Zabalza, der daraufhin das Wort ergriff. »Es war keine Scham mehr vorhanden. Tiere hatten sie weggebissen, den Abdrücken und Haaren nach zu urteilen drei unterschiedliche Arten: ein Wildschwein, ein Fuchs und vermutlich ein Bär.«

»Ein Bär?«, rief Amaia ungläubig.

»Da sind wir uns nicht sicher. Wir haben Proben an das Pyrenäische Institut für Sohlengänger geschickt, aber das kann dauern.«

»Wurde auch Kuchen gefunden?«

»Nein. Was aber nicht heißt, dass da keiner war. Die Tiere könnten ihn gefressen haben, was auch die Bisse in der Schamgegend erklären würde.«

»Wies die Leiche noch an anderen Stellen Bissspuren auf?«

»Nein, nur Kratzer, offenbar von Klauen.«

»Schamhaarreste neben der Leiche?«

»Auch nicht, allerdings lag das Mädchen von den Füßen bis zur Hüfte im Wasser. Außerdem hat es in den Tagen nach ihrem Verschwinden sintflutartig geregnet. Wenn da Haare waren, wurden sie weggeschwemmt.«

»Ist Ihnen die Ähnlichkeit zwischen diesen beiden Fällen gar nicht aufgefallen?«, fragte Amaia Dr. San Martín.

»Wissen Sie, wie viele Leichen mir pro Jahr unter die Finger kommen? Da gibt es oft Gemeinsamkeiten, ohne dass ein tatsächlicher Zusammenhang besteht. Bevor ich falschen Alarm auslöse, wollte ich erst noch mal einen Blick in meinen Autopsiebericht werfen. Außerdem schien Carla Huarte das Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Sie war vollgepumpt mit Drogen und Alkohol, hatte mehrere Knutschflecken am Hals, und die Bissspur an ihrer Brust stimmte exakt mit der Zahnreihe ihres Freundes überein. Darüber hinaus haben wir Hautreste unter ihren Fingernägeln gefunden, die von ihm stammten und zu einem tiefen Kratzer an seinem Hals passten.«

»Samenspuren?«

»Nein.«

»Was hat dieser Freund ausgesagt? Wie heißt er überhaupt?«, fragte Montes.

»Miguel Angel de Andrés. Er hat ausgesagt, sie hätten gekokst und Ecstasy eingeworfen und auch einiges getrunken«, erklärte Inspector Aguirre grinsend. »Was ich ihm sofort abgenommen habe, denn als wir ihn am Dreikönigstag festnahmen, wurde er positiv auf vier verschiedene Substanzen getestet, darunter auch Kokain. Seiner Version nach fuhren sie vom Crash Test zu diesem Pärchentreff, um sexuellen Verkehr zu haben. Sie machten sich gegenseitig heiß, doch plötzlich wollte sie nicht mehr, woraufhin er sich aufregte und sie in Streit gerieten. Das Mädchen stieg aus und rannte wütend davon. Als er später mit einem Freund noch mal hinfuhr, war sie bereits weg.«

»Wo ist dieser Kerl jetzt?«, fragte Amaia.

»Im Gefängnis von Pamplona, wo er auf seinen Prozess wegen sexueller Nötigung und Mordes wartet. Eine Kaution wurde nicht zugelassen, weil er wegen Drogendelikten vorbestraft war«, erklärte Aguirre.

»Mir scheint, wir müssen diesem Miguel Angel de Andrés einen Besuch abstatten und ihn noch mal verhören. Vielleicht hat er das Mädchen doch nicht umgebracht«, sagte Amaia.

»Dr. San Martín, würden Sie uns bitte den Autopsiebericht zu Carla Huarte zukommen lassen?«, sagte Montes.

»Selbstverständlich.«

»Wir bräuchten vor allem die Fotos vom Fundort.«

»Ich schicke Ihnen alles so schnell wie möglich zu.«

»Wir sollten auch die Kleidung des Mädchens noch mal analysieren lassen, schließlich wissen wir jetzt, wonach wir suchen«, gab Amaia zu bedenken.

»Inspector Iriarte und Subinspector Zabalza leiten die Ermittlungen von Elizondo aus«, sagte der Comisario. »Inspectora Salazar, Sie sind doch auch von dort, oder?«

Amaia nickte.

»Ich bin mir sicher, dass die beiden Kollegen Sie tatkräftig unterstützen werden«, sagte er und erhob sich. Die Versammlung war beendet.

3

Miguel Angel de Andrés saß gekrümmt da, als trüge er eine große Last auf seinen Schultern. Seine Hände ruhten schlaff auf den Knien, Hunderte von rötlichen Äderchen schimmerten durch die Gesichtshaut, unter den Augen lagen tiefe Ringe. Von der Haltung auf dem Zeitungsfoto, das ihn mit herausforderndem Blick neben seinem Auto stehend zeigte, war nichts mehr zu sehen. All seine Selbstsicherheit, das Machogehabe, ja sogar ein Teil seiner Jugend schienen sich in nichts aufgelöst zu haben. Er starrte auf einen Punkt in der Ferne, von dem er sich nur mühsam löste, als Amaia und Jonan Etxaide den Verhörraum betraten.

»Hallo, Miguel Angel!«

Er antwortete nicht, seufzte nur und sah sie an.

»Ich bin Inspectora Salazar, und das hier ist Subinspector Etxaide. Wir würden gern mit dir über Carla Huarte sprechen.«

Als wäre er unendlich müde, hob er den Kopf und flüsterte: »Was ich zu sagen hatte, habe ich gesagt, das können Sie alles nachlesen. Ich habe sie nicht umgebracht, und das ist die Wahrheit. Lassen Sie mich in Frieden, und reden Sie mit meinem Anwalt!« Er ließ den Kopf wieder sinken und starrte auf seine trockenen, blassen Hände.

»Na gut, das war jetzt ein etwas holpriger Start«, sagte Amaia. »Dann will ich’s mal anders versuchen. Ich glaube nicht, dass du Carla umgebracht hast.«

Überrascht blickte Miguel Angel auf.

»Ich glaube, dass sie noch lebte, als du weggefahren bist, und dass sich erst danach jemand an sie herangemacht und sie getötet hat.«

»Ja«, stammelte Miguel Angel und begann zu zittern, Tränen liefen ihm übers Gesicht, »so muss es gewesen sein. Ich war’s jedenfalls nicht, das müssen Sie mir glauben. Ich habe sie nicht umgebracht.«

»Ich glaube dir«, sagte Amaia und schob ihm über den Tisch ein Päckchen Taschentücher zu, »und ich werde dir helfen.«

Der Junge faltete die Hände und flehte: »Bitte holen Sie mich hier raus!«

»Das werde ich, aber vorher musst du mir behilflich sein«, sagte sie sanft.

Miguel Angel wischte sich die Tränen ab und nickte.

»Erzähl mir von Carla. Wie war sie?«

»Eine Wahnsinnsfrau, superhübsch, total aufgeschlossen, hatte jede Menge Freunde.«

»Wie habt ihr euch kennengelernt?«

»In der Schule. Ich bin allerdings schon raus aus dem Laden und arbeite. Bis das hier passiert ist, habe ich mit meinem Bruder Dächer geteert. Anstrengender Job, aber die Kohle stimmt. Carla war sitzengeblieben und hätte die Schule am liebsten geschmissen, aber ihre Eltern waren dagegen.«

»Du sagst, sie hatte viele Freunde. Hatte sie neben dir noch andere Männer?«

»Quatsch«, sagte er so heftig, als hätte er neue Energie getankt. »Sie war mit mir zusammen und mit sonst keinem.«

»Wie kannst du dir da so sicher sein?«

»Bin ich eben. Fragen Sie ihre Freundinnen, Carla war total in mich verknallt.«

»Hattet ihr Sex?«

»Und wie!«, sagte er grinsend.

»Carlas Leiche hatte Bissspuren von dir auf der Brust.«

»Das habe ich bei meiner Aussage doch erklärt. Carla stand auf so was. Und ich auch. Die etwas härtere Tour. Na und? Ich hab sie nicht geschlagen oder so, war alles nur Spiel.«

»Du sagst, dass sie immer für Sex zu haben war«, schaltete sich Etxaide ein und warf einen kurzen Blick auf das Protokoll von damals. »Andererseits hat sie dich in dieser Nacht abblitzen lassen, worüber du ziemlich sauer warst. Passt irgendwie nicht zusammen, findest du nicht?«

»Immer wenn Drogen mit im Spiel waren, konnte ihre Stimmung von einer Sekunde auf die andere kippen: gerade noch geil, dann plötzlich paranoid. Natürlich war ich angepisst, als sie auf einmal nicht mehr wollte, aber ich habe sie zu nichts gezwungen und schon gar nicht ermordet. Außerdem kam das öfters vor.«

»Hast du sie dann auch immer mitten in der Pampa aus dem Auto geworfen?«

Miguel Angel sah ihn wütend an und schluckte, bevor er antwortete.

»Nein, das war das erste Mal. Und ich habe sie auch nicht aus dem Auto geworfen, sondern sie ist freiwillig ausgestiegen und wollte ums Verrecken nicht wieder einsteigen, dabei habe ich sie echt angefleht. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und bin abgedüst.«

»Du hattest Kratzspuren am Hals«, sagte Amaia.

»Hab ich doch schon gesagt, sie stand auf so was. Manchmal war mein Rücken ein richtiges Schlachtfeld, da können Sie unsere Freunde fragen. Die haben sich jedes Mal totgelacht, wenn wir in der Sonne lagen und sie die Bissspuren gesehen haben. Wölfin haben sie sie genannt.«

»Wann hattet ihr zum letzten Mal Sex?«

»Am Tag davor. Wir haben immer gevögelt, wenn wir uns gesehen haben. Wie gesagt, sie fuhr total auf mich ab.«

Amaia stand auf und winkte den Wärter herbei.

»Eins noch. Wie war ihre Scham?«

»Scham? Meinen Sie ihre Muschi?«

»Ja, genau«, bestätigte Amaia ungerührt. »Wie war die?«

»Rasiert, bis auf ein paar Resthärchen direkt drüber«, sagte er grinsend.

»Warum hat sie sich rasiert?«

»Wir mochten halt Spielchen, ich zum Beispiel stand total auf …«

Als Amaia und Etxaide zur Tür gingen, stand Miguel Angel auf.

»Inspectora Salazar.«

Der Wärter gab ihm zu verstehen, dass er sich wieder setzen sollte. Amaia drehte sich um.

»Warum jetzt doch und vorher nicht?«

Amaia sah Etxaide an, bevor sie antwortete. Sie überlegte, ob dieser Gockel eine Erklärung verdient hatte. Hatte er, entschied sie.

»Weil ein weiteres Mädchen tot aufgefunden wurde und die Umstände sich gleichen.«

»Da sehen Sie’s! Wann komme ich hier raus?«

Amaia wandte sich wieder Richtung Ausgang.

»Du hörst von uns.«

4

Amaia sah aus dem Fenster. Sie hatte die Hände auf die Scheibe gelegt, die mit den mikroskopisch kleinen Tröpfchen ihres Atems besprenkelt war. Hinter ihr begann sich der Saal zu füllen, wurden Stühle gerückt, schwoll Gemurmel an. Es war kalt. Im Februar war Pamplona eine graue, feuchte Stadt, in der sich das letzte Tageslicht schnell verflüchtigte. Eine Sehnsucht nach Sommer erfüllte Amaia, aber der Sommer schien so fern, als gehörte er einer anderen Welt an, einem Universum aus Licht und Wärme, in dem tote, ins eisige Flussbett geworfene Mädchen nicht vorkamen. Jonan Etxaide trat neben sie und reichte ihr einen Milchkaffee. Sie bedankte sich mit einem Lächeln und umklammerte die Tasse, damit sich die Wärme besser auf ihre starren Finger übertrug. Dann setzte sie sich. Montes schloss die Tür, das allgemeine Gemurmel erlosch.

»Was haben Sie rausgefunden, Fermín?«, fragte sie Montes.

»Ich war in Elizondo und habe sowohl mit den Eltern der beiden Mädchen als auch mit dem Schäfer gesprochen, der Carla Huartes Leiche gefunden hat. Von den Eltern habe ich nicht viel erfahren. Die von Carla haben mir erzählt, sie hätten die Freunde ihrer Tochter nicht leiden können, weil sie ständig ausgegangen seien und viel getrunken hätten. Sie sind felsenfest davon überzeugt, dass dieser Miguel Angel sie umgebracht hat. Etwas haben sie noch erzählt: Carla verschwand an Silvester, die Eltern meldeten sie aber erst am vierten Januar als vermisst. Carla war am ersten Januar achtzehn geworden, und sie hatten angeblich gedacht, sie wolle, wie mehrfach angedroht, von zu Hause ausziehen. Erst als sie bei Carlas Freundinnen anriefen, sei ihnen klar geworden, dass sie verschwunden war.

Die Eltern von Ainhoa Elizasu stehen unter Schock. Sie halten sich gerade hier in Pamplona auf und warten auf die Freigabe der Leiche. Ainhoa sei ein wunderbares Mädchen gewesen, es sei ihnen unbegreiflich, wie jemand ihr so etwas antun konnte. Der Bruder war ebenfalls keine große Hilfe, er macht sich schwere Vorwürfe, weil er nicht sofort Bescheid gegeben hat. Ainhoas Freundinnen haben ausgesagt, dass sie erst durchs Dorf gezogen sind und dann bei einer von ihnen zu Hause waren. Ainhoa ist irgendwann aufgefallen, wie spät es schon war. Sie ist Hals über Kopf aufgebrochen, aber weil die Bushaltestelle gleich um die Ecke lag, hat keiner sie begleitet. Niemand hat etwas Verdächtiges gesehen, es gab keinen Streit, und Ainhoa hatte noch keinen Freund und war sowieso noch nicht an Jungs interessiert.

Aufschlussreicher war da schon das Gespräch mit dem Schäfer. José Miguel Arakama heißt der Mann, ist ein ganz schön schräger Typ. Zunächst hatte er seiner ursprünglichen Aussage nichts hinzuzufügen, aber dann ist ihm doch noch ein merkwürdiges Detail eingefallen. Damals hat er der Sache keine Bedeutung beigemessen, weil sie nicht mit dem Fund der Leiche in Zusammenhang zu stehen schien.«

»Jetzt rücken Sie schon raus damit«, drängte Amaia ungeduldig.

»Wie wir bereits wissen, ist diese Gegend ein beliebter Pärchentreff. Eine regelrechte Müllhalde sei das, meinte der Schäfer, überall lägen Zigarettenkippen und benutzte Kondome herum, sogar Slips und BHs. Besonders aufgefallen ist ihm aber eine Paar Schuhe: rot, hochhackig, nagelneu.«

»Passt exakt zu der Beschreibung von denen, die Carla Huarte an Silvester trug und die nie gefunden wurden«, bemerkte Iriarte.

»Und das ist noch nicht alles. Der Mann ist sich sicher, dass er die Dinger am ersten Januar gesehen hat, weil er an dem Tag gearbeitet hat. Und obwohl er seine Schafe nicht bis an den Fluss führte, konnte er die Schuhe deutlich erkennen. Oder um es in seinen Worten auszudrücken: ›Sie standen da, als hätte sie jemand fein säuberlich abgestellt, wie wenn man schlafen geht. Oder schwimmen‹«, las er aus seinen Notizen vor.

»Die Schuhe wurden tatsächlich nicht bei Carlas Leiche gefunden?«, fragte Amaia und sah im Bericht nach.

»Jemand muss sie mitgenommen haben«, sagte Iriarte.

»Und zwar nicht der Mörder. Es scheint fast so, als hätte sie jemand dort hingestellt, damit die Leiche gefunden wird«, überlegte Montes laut. Er hielt kurz inne. »Beide Mädchen gingen aufs Gymnasium von Lekaroz. Sie kannten sich vom Sehen, hatten aber keinen Umgang miteinander, dafür war der Altersunterschied zu groß. Carla Huarte wohnte im Stadtteil Antxaborda. Salazar, du müsstest das Viertel doch kennen, oder?« Amaia nickte. »Ainhoa wohnte im Nachbardorf.«

Montes beugte sich über seine Notizen. Amaia fiel auf, dass er sich irgendein klebriges Zeug in die Haare geschmiert hatte.

»Was ist denn mit Ihren Haaren passiert?«

»Das ist Gel« antwortete er und strich sich über den Nacken. »Ich war gerade beim Friseur. Können wir jetzt weitermachen?«

»Natürlich«

»Mehr habe ich nicht. Und ihr?«

»Wir haben mit dem Freund von Carla gesprochen«, ergriff Amaia das Wort, »und interessante Dinge erfahren. Zum Beispiel, dass Carla auf harten Sex stand, Kratzen, Beißen, leichte Schläge und so, was von ihren Freundinnen bestätigt wurde, denen Carla alles haarklein erzählt hat. Das würde die Kratzer und die Bissspur auf ihrer Brust erklären. Laut ihrem Freund war Carla aufgrund ihres Drogenkonsums emotional labil und hat sich in jener Nacht regelrecht in eine Paranoia hineingesteigert. Das stimmt mit seiner ursprünglichen Aussage und auch mit dem toxikologischen Bericht überein. Außerdem hat er uns erzählt, dass sie sich die Schamgegend rasierte, weswegen wir bei der Leiche auch keine Haare gefunden haben.«

»Chefin, wir haben jetzt auch die Fotos vom Fundort.«

Jonan legte sie nebeneinander auf den Tisch. Alle drängten sich um Amaia und beugten sich vor, um besser sehen zu können. Carlas Leiche war an einer Stelle gefunden worden, an der der Fluss häufig über das Ufer trat. Das rote Partykleid und die ebenfalls rote Unterwäsche waren von der Brust bis zur Schamgegend aufgeschnitten. Die Schnur, mit der man sie erwürgt hatte, war nicht zu sehen, weil der Hals zu stark angeschwollen war. An einem Bein hing ein Fetzen, den alle zuerst für Haut hielten, dann aber als die Überreste einer Strumpfhose identifizierten.

»Dafür, dass die Leiche fünf Tage im Freien lag, ist sie ziemlich gut erhalten«, bemerkte einer der Kriminaltechniker. »Was zweifellos an der Kälte lag. In der Woche war es nie wärmer als sechs Grad, und nachts sank die Temperatur sogar unter null.«

»Habt ihr bemerkt, wie die Hände liegen?«, fragte Iriarte.

»Nach oben gedreht, wie bei Ainhoa Elizasu.«

»Carla trug ein kurzes rotes Kleid ohne Träger, dazu eine weiße Plüschjacke, die nicht gefunden wurde«, las Amaia vor. »Der Mörder schnitt die Kleidung von oben bis unten durch und klappte sie zu beiden Seiten auf. In der Schamgegend fehlt ein circa zehn Quadratzentimeter großes Stück Haut und Gewebe.«

»Wenn der Mörder ein Stück von diesem Txantxangorri draufgelegt hat, würde das erklären, warum die Tiere nur dort zugebissen haben.«

»Und warum bei Ainhoa nicht?«, fragte Montes.

»Weil nicht genug Zeit war«, meldete sich Dr. San Martín zu Wort, der gerade zusammen mit seinem Assistenten den Raum betreten hatte. »Entschuldigen Sie die Verspätung, Inspectora Salazar!« Er setzte sich.

»Alle anderen hier sind wohl Luft, oder was?«, grummelte Montes.

»Tiere trinken für gewöhnlich am frühen Morgen, und im Gegensatz zu Carla lag Ainhoa nur etwa zwei Stunden am Fundort. Ich habe jetzt den Autopsiebericht, und es gibt Neuigkeiten. Beide Mädchen wurden mit einer Schnur erwürgt, jeweils mit ungewöhnlich großer Kraft, und haben sich nicht gewehrt. Bei beiden wurde mit einem äußerst scharfen Gegenstand die Kleidung aufgeschnitten, was zu oberflächlichen Stichwunden an Brust und Bauch geführt hat. Ainhoas Schamhaare wurden abrasiert, wahrscheinlich mit demselben scharfen Gegenstand, und neben die Leiche geworfen. Auf ihre Genitalien hatte der Täter ein Stück süßen Kuchen gelegt.«

»Einen Txantxangorri«, bestätigte Amaia, »ein typisches Gebäck aus der Gegend.«

»Bei Carla Huarte wurde kein Kuchen gefunden, aber auf Ihren Hinweis hin haben wir ihre Kleidung näher untersucht und tatsächlich Spuren von Zucker und Mehl gefunden.«

»Das Mädchen könnte auch was Süßes zum Nachtisch gegessen haben, und dabei könnten Krümel auf dem Kleid zurückgeblieben sein«, wandte Jonan Etxaide ein.

»Möglich, aber zumindest bei ihr zu Hause gab es an diesem Abend keinen Nachtisch, das habe ich überprüft«, erwiderte Montes.

»Das reicht nicht, um eine Verbindung zwischen beiden Fällen nachzuweisen«, sagte Amaia und warf ihren Kugelschreiber auf den Tisch.

»Da ist noch was«, sagte San Martin und sah seinen Assistenten verschmitzt an.

»Worauf warten Sie?«, drängte Amaia und stand auf.

»Auf mich«, sagte der Comisario, der soeben den Raum betreten hatte. »Bleiben Sie ruhig sitzen. Dr. San Martín, erzählen Sie den anderen, was Sie mir gerade erzählt haben.«

Der Assistent des Rechtsmediziners pinnte eine Grafik an die Tafel, auf der mehrere bunte Spalten mit Zahlenreihen zu sehen waren, offenbar eine Vergleichsstudie. San Martín erhob sich und sprach mit der Autorität eines Mannes, der entschlossenes Auftreten gewohnt war.

»Unsere Analysen haben ergeben, dass bei beiden Verbrechen die gleiche Art von Schnur verwendet wurde, was noch nicht viel aussagt, weil diese Marke in jedem Baumarkt erhältlich ist und auf vielen Bauernhöfen und Baustellen zum Einsatz kommt.« Er legte eine theatralische Pause ein und grinste. »Wesentlich aussagekräftiger ist da schon«, fuhr er fort und sah erst den Comisario und dann Amaia an, »dass beide Stücke von derselben Rolle stammen, genauer gesagt, nacheinander von derselben Rolle abgeschnitten wurden.« Er zeigte zwei Fotos in hoher Auflösung, auf denen deutlich zu sehen war, dass die Schnittflächen zueinanderpassten.

»Wir haben es also tatsächlich mit einem Serientäter zu tun«, flüsterte Amaia.

Aufgeregtes Murmeln erfüllte den Raum, verstummte aber schlagartig, als der Comisario das Wort ergriff.

»Inspectora Salazar, Sie sind doch aus Elizondo, nicht wahr?«

»Ja, meine ganze Familie lebt dort.«

»Aufgrund Ihrer Erfahrung und Ortskenntnisse scheint es mir angebracht, dass Sie die Ermittlungen leiten. Sowohl wir hier in Pamplona als auch die Kollegen in Elizondo werden Sie tatkräftig unterstützen.«

Er verabschiedete sich und verließ den Raum.

»Glückwunsch«, sagte Iriarte und schüttelte Amaia lächelnd die Hand.

»Gratuliere, Inspectora Salazar«, schloss sich Dr. San Martín an.

Amaia entging nicht, dass Montes sitzengeblieben war und sie missmutig ansah, während die anderen aufgestanden und zu ihr gekommen waren. Sie musste sich der vielen Hände, die ihr auf die Schulter klopften, geradezu erwehren.

»Morgen fahren wir in aller Frühe nach Elizondo, wir müssen unbedingt beim Begräbnis dabei sein. Ich werde bei meiner Familie unterkommen. Ihr könnt hin- und herfahren, es sind ja nur fünfzig Kilometer, und die Straße ist gut ausgebaut.«

Bevor sich die Versammlung endgültig auflöste, kam Montes zu ihr und sagte: »Eine Frage: Muss ich Sie jetzt Chefin nennen?«

»Fermín, machen Sie sich nicht lächerlich, das ist doch nur vorübergehend und …«

»Schon gut, Chefin, ich habe gehört, was der Comisario gesagt hat. Sie haben meine volle Unterstützung.«

Er salutierte ironisch und verließ den Raum.

5

In Gedanken versunken schlenderte Amaia durch die Altstadt von Pamplona nach Hause. Sie wohnte in einem restaurierten Altbau in der Mercaderes-Straße, in dessen Untergeschoss in den Dreißigerjahren eine Regenschirmfabrik untergebracht gewesen war. Davon zeugte noch ein altes, aber gut lesbares Schild, das mit dem Slogan warb: Qualität und Eleganz in Ihrer Hand – Regenschirme von Izaguirre. James hatte das Haus gekauft, angeblich weil die Größe und Helligkeit der Werkstatt ideal waren, um dort sein Bildhaueratelier einzurichten. Aber Amaia wusste, dass der eigentliche Grund ein anderer war: die Festwoche von San Fermín mit ihrem traditionellen Stierlauf. Wie so viele Amerikaner liebte er dieses Spektakel, liebte er Hemingway, liebte er diese Stadt. Ihr war diese Liebe immer etwas kindisch vorgekommen, aber jedes Mal, wenn sich die Festwoche näherte, flammte sie neu in ihm auf. Zu ihrer Erleichterung nahm James nicht selbst am Stierlauf teil, aber er ging die achthundertfünfzig Meter lange Strecke von der Santo-Domingo-Gasse bis zur Stierkampfarena täglich ab, merkte sich jede Kurve, jeden Pflasterstein, jede Stelle, an der man stolpern konnte. Sie mochte seine gute Laune in den Tagen vor dem Fest, wenn er seine weiße Kleidung aus der Truhe holte und ein rotes Tuch kaufte, obwohl er schon unzählige davon besaß. Als sie ihn kennenlernte, lebte er seit zwei Jahren in Pamplona, in einer schönen Wohnung in der Altstadt. Zum Arbeiten hatte er ein Atelier in der Nähe des Rathauses gemietet. Vor ihrer Heirat führte James sie zu dem Haus in der Mercaderes-Straße. Sie fand es wunderbar, nur viel zu groß und viel zu teuer. Aber das war kein Problem für James, der sich zu dieser Zeit in der Kunstwelt bereits einen gewissen Namen gemacht hatte. Außerdem stammte er aus einer reichen Familie, deren Firma in den USA Marktführer im Bereich der Produktion von Arbeitskleidung war. Sie kauften also das Haus, und James richtete in der ehemaligen Werkstatt sein Atelier ein. Sobald Amaia Inspectora bei der Mordkommission wäre, wollten sie dafür sorgen, dass Kinder es mit Leben erfüllten.

Seit Amaias Beförderung waren nun schon vier Jahre vergangen. Jedes Jahr hatte die Festwoche stattgefunden, jedes Jahr war James noch etwas berühmter geworden, aber ein Kind hatte einfach nicht kommen wollen. Unbewusst legte Amaia eine Hand auf ihren Bauch. Sie ging schneller, überholte eine Gruppe rumänischer Einwanderer, die sich auf der Straße stritten, und lächelte, als sie durch die Gitterstäbe der Eingangstür hindurch erkannte, dass im Atelier noch Licht brannte. Sie sah auf die Uhr: kurz vor halb elf, und James arbeitete immer noch. Sie schloss auf, legte die Schlüssel auf den antiken Tisch, der als Sideboard diente, und ging den Teil zum Atelier entlang, der einst den Eingangsbereich gebildet hatte. Der Originalboden aus großen Kieselsteinen war noch erhalten, ebenso die Falltür, die zu einem zugemauerten Gang führte, in dem früher Wein und Öl gelagert worden waren.

James säuberte gerade einen grauen Marmorstein in einem Becken mit Seifenlauge. Er lächelte, als er sie sah.

»Ich muss nur noch schnell diese Kröte hier aus dem Wasser ziehen, dann bin ich bei dir.«

Er legte den Brocken auf ein Gitter, bedeckte ihn mit einem Tuch und trocknete sich die Hände an der weißen Kochschürze ab, die er immer zur Arbeit trug.

»Wie geht’s, mein Schatz? Müde?«

Er legte seine Arme um sie, und wie immer wurde sie schwach. Durch den Pullover hindurch roch sie seinen Duft und brauchte einige Zeit, bis sie antworten konnte.

»Es geht schon, aber es war ein seltsamer Tag.«

Er trat einen Schritt zurück, damit er ihr in die Augen sehen konnte.

»Erzähl!«

»Es hat sich rausgestellt, dass vor einem Monat schon mal ein Mord passiert ist, und zwar ebenfalls im Gemeindegebiet von Baztán. Offenbar besteht zwischen beiden Fällen ein Zusammenhang.«

»Und der wäre?«

»Es handelt sich um denselben Täter.«

»Um Gottes willen! Das bedeutet ja, dass da draußen eine Bestie rumläuft, die junge Mädchen ermordet!«

»Die fast noch Kinder sind. Übrigens hat mir der Comisario die Ermittlungen übertragen.«

»Herzlichen Glückwunsch, Inspectora«, sagte er und gab ihr einen Kuss.

»Es sind nicht alle so erfreut. Fermín zum Beispiel musste ganz schön schlucken, um nicht zu sagen, er war stinksauer.«

»Mach dir keine Gedanken, du kennst ihn doch: Er ist in Ordnung, aber er macht gerade eine schwere Zeit durch. Das wird wieder, schließlich mag er dich.«

»Da bin ich mir nicht so sicher.«

»Aber ich. Er mag dich wirklich. Hunger?«

»Hast du was gekocht?«

»Na klar! Küchenchef Wexford hat die Spezialität des Hauses zubereitet.«

»Was soll das sein?«, fragte Amaia lächelnd.

»Das weißt du nicht? Frechheit! Spaghetti mit Pilzen natürlich. Und dazu eine Flasche Chivite Rosé.«

»Mach den Wein schon mal auf, ich springe nur noch schnell unter die Dusche.«

Sie gab ihm einen Kuss und ging ins Bad. Als sie unter dem Strahl stand, schloss sie die Augen und ließ sich das Wasser übers Gesicht laufen; dann legte sie Hände und Stirn an die kühlen Kacheln und genoss das heiße Plätschern auf Nacken und Rücken. Die Ereignisse des Tages waren so plötzlich auf sie eingestürmt, dass sie noch nicht hatte überlegen können, welche Folgen dieser Fall für ihre Karriere oder auch nur den nächsten Tag haben könnte. Ein kühler Luftzug wehte sie an, als James in die Dusche trat. Sie blieb reglos stehen, das heiße Wasser schien jeden zusammenhängenden Gedanken in den Abfluss zu spülen. James stellte sich hinter sie und küsste sie sacht auf die Schultern. Sie neigte den Kopf zur Seite und bot ihm ihren Nacken dar wie in alten Vampirfilmen, in denen arglose Jungfrauen ihren Hals bis zur Schulter entblößten und in Erwartung eines überirdischen Genusses die Augen verdrehten. James küsste die Stelle sanft und drückte seinen Körper an den ihren, drehte sie zu sich um und suchte ihren Mund. Die Berührung seiner Lippen genügte, um jeden Gedanken, der nicht ihm galt, in den hintersten Winkel ihres Hirns zu verbannen. Erregt streichelte sie seinen Körper, ergötzte sich an der weichen Festigkeit seines Fleisches, ließ sich weiterhin sanft von ihm küssen.

»Ich liebe dich«, flüsterte James ihr ins Ohr.

»Ich liebe dich auch«, flüsterte sie zurück und lächelte, weil sie es tief in sich spürte: Sie liebte ihn mehr als alles andere auf dieser Welt. Wenn sie sich geliebt hatten, hielt sich noch stundenlang ein Lächeln auf ihrem Gesicht, als bräuchte es nur einen Moment mit ihm, um alle Übel dieser Welt zu vertreiben.

Nur wenn sie mit ihm allein war, fühlte sie sich wirklich als Frau. In ihrem Beruf war ihre weibliche Seite zweitrangig, da konzentrierte sie sich vollständig darauf, ihre Aufgaben möglichst gut zu erledigen; aber auch in ihrer Freizeit kam sie sich nicht sehr weiblich vor, wegen ihrer hohen Statur, ihres schlanken, drahtigen Körpers, ihres nüchternen Kleidungsstils. Besonders in Gesellschaft anderer Frauen erging es ihr so, den Gattinnen von James’ Freunden zum Beispiel, die alle kleiner und zierlicher waren als sie und deren schmale, sanfte Hände noch nie eine Leiche berührt hatten. Amaia trug auch nie Schmuck, außer dem Ehering und winzigen Ohrringen, die eher für kleine Mädchen gedacht schienen, wie James einmal bemerkt hatte. Die blonden langen Haare, die sie immer zu einem Pferdeschwanz zusammenband, und ihr spärliches Make-up trugen das Übrige dazu bei, dass sie eher ernst und männlich wirkte, was James an ihr liebte und was sie daher kultivierte. Außerdem wusste Amaia, dass nur ihr bestimmtes Auftreten andere Frauen davon abhielt, boshafte Bemerkungen über ihre Kinderlosigkeit zu machen. Sie litt fürchterlich darunter, dass sie noch keine Mutter war.

Sie aßen zu Abend, plauderten noch ein wenig und gingen früh ins Bett. Es war ihr unbegreiflich, wie mühelos James die Sorgen des Tages abstreifen und einschlafen konnte, sobald er sich hingelegt hatte. Sie brauchte immer ewig, bis sie sich entspannte. Manchmal las sie stundenlang, bevor sie endlich müde wurde. Außerdem wachte sie bei dem kleinsten Geräusch auf, meist mehrmals pro Nacht. Nachdem man sie zur Inspectora befördert hatte, war sie ein Jahr lang tagsüber derartig angespannt gewesen, dass sie abends vollkommen erschöpft in einen tiefen, traumlosen Schlaf gesunken war, nur um zwei oder drei Stunden später mit einem steifen Rücken wieder aufzuwachen, der so schmerzte, dass sie nicht wieder einschlafen konnte. Mit der Zeit hatte die Verspannung nachgelassen, aber sie schlief weiterhin schlecht. Normalerweise ließ sie eine kleine Lampe im Treppenhaus brennen, deren Licht bis ins Schlafzimmer drang, damit sie nachts, wenn sie von quälenden Bildern aus dem Schlaf gerissen wurde, sofort wusste, wo sie war. Vergeblich versuchte sie, sich auf ihr Buch zu konzentrieren. Schließlich gab sie auf und ließ es auf den Boden gleiten, machte das Licht aber noch nicht aus. Sie starrte zur Decke und ging in Gedanken den kommenden Tag durch, an dem der Trauergottesdienst und die Beerdigung von Ainhoa Elizasu stattfinden würden. Bei Verbrechen dieser Art kannte der Mörder meist seine Opfer, ja wohnte oft ganz in deren Nähe und sah sie täglich. Manchmal legte er eine unfassbare Dreistigkeit an den Tag, trieben ihn eine übersteigerte Selbstsicherheit und ein krankhaftes Vergnügen dazu, sich sogar an den Ermittlungen zu beteiligen, an der Suche nach den Vermissten, an Gedenkfeiern; oder eben bei der Beerdigung zu erscheinen, wo er dann Betroffenheit zur Schau stellte. Vorerst durfte sie nichts ausschließen, selbst engste Familienmitglieder kamen als Täter in Frage. Jedenfalls waren der Trauergottesdienst und die Beerdigung ein guter Ansatzpunkt, dort konnte sie Witterung aufnehmen, Reaktionen beobachten, Kommentare aufschnappen. Natürlich würde sie dort auch auf ihre Schwestern und Tante Engrasi treffen. Zum letzten Mal war sie am Weihnachtsabend zu Hause gewesen, Flora und Ros hatten sich damals heftig gestritten. Sie seufzte lautstark.

»Wenn du nicht aufhörst, laut nachzudenken, werde ich nie einschlafen«, murmelte James schläfrig.

»Tut mir leid, mein Schatz. Habe ich dich geweckt?«

»Macht nichts«, sagte er lächelnd und setzte sich auf. »Aber willst du mir nicht erzählen, was dir durch den Kopf geht?«

»Du weißt ja, morgen muss ich nach Elizondo. Ich habe mir überlegt, ob ich nicht einige Tage dortbleiben soll, dann kann ich besser mit den Familien und Freunden der Opfer reden und mir einen allgemeinen Eindruck verschaffen. Was meinst du?«

»In Elizondo ist es bestimmt eiskalt.«

»Kann schon sein, aber das macht mir nichts aus.«

»Von wegen, ich kenne dich doch! Wenn du kalte Füße hast, kannst du nicht schlafen, und das wäre fatal für die Ermittlungen.«

»James …«

»Wenn du willst, komme ich mit und wärme sie dir«, schlug er vor und zog eine Augenbraue hoch.

»Meinst du das ernst?«

»Klar meine ich das ernst. Mit meiner Arbeit bin ich in letzter Zeit gut vorangekommen, und außerdem würde ich deine Schwestern und deine Tante gern mal wiedersehen.«

»Wir würden bei ihnen übernachten.«

»Prima.«

»Ich werde sehr beschäftigt sein und kaum Zeit für dich haben.«

»Dann spiele ich eben mit deiner Tante und ihren Freundinnen Mus oder Poker.«

»Die werden dich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.«

»Ich habe jede Menge Kohle.«

Sie lachten, und Amaia überlegte laut, was sie alles in Elizondo unternehmen könnten, bis sie bemerkte, dass James eingeschlafen war. Sie küsste ihn sanft auf die Stirn und zog ihm die Decke über die Schultern. Dann stand sie auf und ging auf die Toilette. Als sie sich säuberte, bemerkte sie die roten Flecken auf dem Klopapier. Sie sah in den Spiegel, Tränen traten ihr in die Augen. Mit den offenen Haaren, die ihr bis über die Schultern fielen, sah sie jünger und verletzlicher aus als sonst. Wie das kleine Mädchen, das sie einmal gewesen war.

»Wieder nichts, mein Schatz«, flüsterte sie und wusste, dass nichts sie würde trösten können. Sie nahm eine Beruhigungstablette und legte sich zitternd ins Bett.

6

Auf dem Friedhof hatte sich fast das ganze Städtchen eingefunden. Viele hatten sich freigenommen, manche sogar ihren Laden zugemacht, um der Bestattung beizuwohnen. Das Gerücht, das zweite Mädchen könnte vom selben Täter ermordet worden sein, machte die Runde. Im Trauergottesdienst, der zwei Stunden zuvor in der Santiago-Kirche abgehalten worden war, hatte der Pfarrer in seiner Predigt vom Bösen gesprochen, das im Tal lauere. Und später, beim Responsorium am offenen Grab, war die Atmosphäre düster und angespannt gewesen, als schwebte über den Köpfen der Anwesenden ein Fluch, dem niemand entkommen konnte. Die Stille wurde lediglich von Ainhoas Bruder unterbrochen, der von seinen Cousinen gestützt werden musste, weil er von Weinkrämpfen geschüttelt wurde und tief aus seinem Inneren heisere Klagelaute aufstiegen. Die Eltern, die gleich daneben standen, schienen ihn überhaupt nicht zu beachten. Sie hielten sich eng umschlungen und weinten still, starrten unverwandt auf den Sarg, in dem die Leiche ihrer Tochter lag. Jonan Etxaide war auf ein altes Familiengrab gestiegen und filmte die Zeremonie von oben. Montes hatte sich hinter den Eltern postiert und beobachtete die Leute, die dem Grab am nächsten standen. Subinspector Zabalza hatte am Eingang Stellung bezogen und fotografierte aus einem getarnten Auto heraus alle, die sich dem Friedhof näherten, selbst die, die andere Gräber aufsuchten oder vor dem Eingang kleine Grüppchen bildeten und plauderten oder sich einfach nur an den Zaun lehnten.

Amaia entdeckte Tante Engrasi, die sich bei Ros untergehakt hatte. Sie fragte sich, wo ihr Faulpelz von Schwager war; bestimmt lag er noch im Bett. Freddy hatte in seinem Leben nicht viel auf die Reihe gekriegt. Sein Vater war gestorben, als er fünf war, und eine hysterische Mutter und ein ganzes Heer von alten Tanten hatten ihn zu sehr verwöhnt. Am letzten Weihnachtsabend war er nicht einmal zum Essen erschienen. Ros hatte keinen Bissen angerührt, sondern die ganze Zeit mit aschgrauem Gesicht zur Tür gestarrt und immer wieder Freddys Nummer gewählt, dessen Handy aber ausgeschaltet gewesen war. Alle hatten versucht, die Sache herunterzuspielen. Nur Flora hatte keine Gelegenheit ausgelassen, ihre Meinung über Freddy kundzutun, was schließlich in einen Streit ausgeartet war. Ros war während des Essens aufgestanden und gegangen, während Flora und ein resignierter Víctor noch den Nachtisch abgewartet hatten und dann ebenfalls aufgebrochen waren. Seither waren alle noch mehr miteinander verkracht als sonst.

Nachdem die Trauergäste Ainhoas Eltern ihr Beileid bekundet hatten, trat auch Amaia an das Grab. Friedhofsangestellte hatten gerade eine Platte aus grobem Marmor darübergeschoben, auf der Ainhoas Name noch nicht eingemeißelt war.

»Amaia.«

Sie hatte Víctor schon von weitem kommen sehen. Er hatte sich durch die Trauergemeinde gekämpft, die den Eltern hinterherströmte wie ein Hochwasser führender Fluss. Sie kannte ihn schon von klein auf, seit er und Flora ein Paar geworden waren. Obwohl die beiden schon seit zwei Jahren getrennt waren, würde Víctor immer ihr Schwager bleiben.

»Wie geht’s?«, fragte Víctor.

»Gut. Soweit das unter diesen Umständen möglich ist.«

»Oh, natürlich«, sagte er und sah betroffen zum Grab. »Ich freue mich trotzdem sehr, dich zu sehen.«

»Ich mich auch. Bist du allein hier?«

»Nein, mit Flora.«

»Ich habe euch gar nicht gesehen.«

»Wir dich schon …«

»Und wo ist meine Schwester?«

»Du kennst sie ja … Sie ist schon gegangen, nimm’s ihr nicht krumm.«

Tante Engrasi und Ros kamen den Kiesweg entlang auf sie zu. Víctor begrüßte sie herzlich und brach dann auf. Am Eingangstor drehte er sich noch einmal um und winkte ihnen zu. »Ich verstehe nicht, wie er es mit der aushält.«

»Tut er ja nicht, schließlich sind sie getrennt«, sagte Amaia.

»Von wegen! Sie hält ihn immer noch an der Leine, damit er sich ja keine andere Frau sucht.«

»Besser hätte man es nicht ausdrücken können«, befand Tante Engrasi.

»Ich werde mal zu ihr gehen, dann sprechen wir weiter.«

Die 1865 gegründete Süßwarenfabrik Mantecadas Salazar war eine der ältesten Navarras. Sechs Generationen hatte sie schon ernährt, und Flora, die die Nachfolge ihrer Eltern angetreten hatte, war es gelungen, dem Geschäft die nötigen Impulse zu geben, um sich auch in den neuen Zeiten halten zu können. An der Marmorfassade hing noch das Originalschild, aber die breiten Fensterläden aus Holz waren verschwunden. Stattdessen bestimmten getönte Fensterscheiben aus dickem Glas die Front. Amaia ging um das Gebäude herum zur Tür der Backstube, die während der Arbeitszeiten stets geöffnet war. Trotzdem klopfte sie an, bevor sie eintrat. Mitarbeiter verpackten gerade Gebäck und plauderten miteinander. Amaia kannte einige von ihnen, grüßte sie und ging dann weiter zu Floras Büro. Auf dem Weg dorthin sog sie tief den süßen Duft von gezuckertem Mehl und zerlassener Butter ein, der jahrelang ein fester Bestandteil ihres Lebens gewesen war; wie ein genetischer Abdruck hatte er sich ihr in Haut und Haaren festgesetzt. Ihre Eltern hatten die Veränderungen bereits eingeleitet, aber letztlich war es Flora gewesen, die sie mit fester Hand umgesetzt hatte. Bis auf den Holzofen hatte sie alle Backöfen ausgetauscht, und statt der alten Marmortische, auf denen noch ihr Vater Teig geknetet hatte, gab es jetzt nur noch welche aus rostfreiem Stahl. Die Teigspender hatten alle ein Pedal, die unterschiedlichen Bereiche waren durch makellos gewienerte Glasscheiben getrennt. Wäre da nicht der durchdringende Geruch nach Sirup gewesen, hätte man eher an einen Operationssaal gedacht als an eine Backstube. Im Gegensatz dazu war Floras Büro überraschend gemütlich. Ein Eichenschreibtisch war das einzige Möbelstück, das an Arbeit erinnerte. Den Empfangsbereich bildete ein großer rustikaler Herd mit Abzugsrohr und einer Arbeitsplatte aus Holz. Abgeschlossen wurde das Ensemble durch ein breites, geblümtes Sofa und eine moderne Espressomaschine.

Flora machte gerade Kaffee und stellte Tassen und Teller hin, als kämen gleich Gäste.

»Ich habe dich erwartet«, sagte sie, ohne sich umzudrehen.

»Dann ist das hier wohl der einzige Ort, an dem du wartest. Auf dem Friedhof habe ich dich nicht mal von hinten gesehen.«

»Ich habe eben wenig Zeit, mein liebes Schwesterlein, schließlich muss ich arbeiten.«

»Wie wir alle, Flora.«

»Na ja, die einen mehr, die anderen weniger. Ros oder besser gesagt Rosaura, wie sie jetzt genannt werden will, hat offenbar jede Menge Zeit.«

»Ich weiß nicht, was du meinst«, antwortete Amaia teils überrascht, teils verärgert über Floras verächtlichen Ton.

»Unsere kleine Schwester hat mal wieder Probleme mit diesem Nichtsnutz von Freddy. In letzter Zeit hängt sie ständig am Telefon und versucht rauszufinden, wo er ist. Oder sie heult sich die Augen aus. Ich habe Tacheles mit ihr geredet, aber sie will ja nichts hören. Und dann, zwei Wochen ist das her, wie aus heiterem Himmel, erscheint sie plötzlich nicht mehr zur Arbeit, weil sie angeblich krank sei. Krank, dass ich nicht lache … Krank vor Wut vielleicht über diesen Weltmeister der Playstation, diesen Taugenichts, der ihr das Geld aus der Tasche zieht. Den ganzen Tag spielt er mit diesem Ding und zieht sich dabei einen Joint nach dem anderen rein. Der krönende Abschluss kam dann vor einer Woche, als unsere erlauchte Rosaura plötzlich hier auftaucht und von mir ausbezahlt werden will … Ich dachte, ich spinne! Sie meinte, sie könne nicht mehr mit mir zusammenarbeiten.«

Amaia sah ihre Schwester schweigend an.

»Statt dass dein kleines Schwesterlein diesem Idioten endlich den Laufpass gibt, soll ich sie auszahlen. Auszahlen!«, rief Flora entrüstet. »Sie müsste vielmehr mich entschädigen, dafür dass ich ihren ständigen Sermon ertragen musste, ihr Geheule, dieses Märtyrergesicht. Die leidende Seele hat sie gespielt, dabei hat sie sich das Leid selber eingebrockt. Und weißt du was? Besser so, ich habe zwanzig Angestellte, da kann ich so ein Gejammer nicht brauchen. Ich bin mal gespannt, ob man ihr bei ihrem neuen Job auch nur die Hälfte von dem durchgehen lässt, was sie sich hier erlaubt hat.«

»Flora, du bist ihre Schwester …«, sagte Amaia leise und nippte an ihrem Kaffee.

»Und für diese Ehre muss ich alles über mich ergehen lassen?«

»Nein, aber von einer Schwester darf man erwarten, dass sie mehr Verständnis hat.«

»Du meinst also, dass ich nicht verständnisvoll genug war?«, fragte Flora und hob beleidigt den Kopf.

»Ein bisschen mehr Geduld hättest du schon haben können.«

»Das schlägt dem Fass den Boden aus.«

Sie schnaubte und begann die Sachen auf ihrem Tisch zurechtzurücken.

»In den zwei Wochen, die sie nicht zur Arbeit erschienen ist, hast du sie da besucht? Hast du sie gefragt, was sie hat?«, setzte Amaia nach.

»Nein. Und du? Hast du sie vielleicht besucht und gefragt, was sie hat?«

»Habe ich nicht, hätte ich aber, wenn ich gewusst hätte, wie schlecht es ihr geht. Und komm schon, warum hast du sie nicht gefragt?«

»Weil ich die Antwort schon kannte: Dieser Scheißkerl ist an allem schuld. Wieso sollte ich nach etwas fragen, was jeder weiß?«

»Als es dir dreckig ging, haben wir auch alle gewusst, was los war, aber damals haben sich Ros und ich um dich gekümmert.«

»Und dann gemerkt, dass ich euch eigentlich nicht gebraucht habe. Ich habe nämlich das einzig Richtige getan und die Sache beendet. Wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.«

»Nicht jeder ist so stark wie du, Flora.«

»Quatsch. Die Frauen in dieser Familie waren immer stark«, sagte sie, zerriss lautstark ein Blatt und warf es in den Papierkorb.

Amaia spürte Floras Groll geradezu körperlich. Ihre Schwester hielt sie und Ros also für schwache, verschüchterte, irgendwie halbfertige Wesen und sah mit einer Mischung aus Verachtung und falschem Mitleid auf sie herab.

Während Flora die Kaffeetassen abwusch, fiel Amaias Blick auf großformatige Fotos, die aus einem Umschlag ragten. Sie zeigten Flora in Konditorkleidung, wie sie lächelnd einen klebrigen Teig knetete.

»Sind die für ein neues Buch?«

»Ja.« Floras Stimme klang jetzt etwas milder. »Eins davon soll auf den Umschlag. Die wurden mir heute zugeschickt.«

»Dann war dein letztes Buch also ein Erfolg.«

»Kann man so sagen, jedenfalls will der Verlag in dieser Richtung weitermachen: Konditorkunst für jedermann, Rezepte, die jede Hausfrau hinkriegt.«

»Stell dein Licht nicht so unter den Scheffel. Meine Freundinnen in Pamplona haben alle dein Buch und sind begeistert.«

»Wenn unserer Großmutter jemand gesagt hätte, dass ich mal berühmt würde, weil ich anderen die Zubereitung von Magdalenas und Rosquillas beibringe, hätte sie es nicht geglaubt.«

»Die Zeiten haben sich eben geändert. Heutzutage ist hausgemachtes Gebäck etwas ganz Besonderes.«

Es war nicht zu übersehen, dass Flora sich durch das Lob geschmeichelt fühlte und ihren Erfolg genoss. Lächelnd sah sie ihre Schwester an, als überlegte sie, ob sie sie in ein Geheimnis einweihen sollte oder nicht.

»Weißt du was? Mir wurde gerade eine Konditorsendung im Fernsehen angeboten. Aber nicht weitersagen.«

»Mein Gott, Flora! Toll, herzlichen Glückwunsch!«, rief Amaia.

»Noch habe ich nicht unterschrieben, der Vertrag liegt bei meinem Anwalt. Sobald er grünes Licht gibt … Ich hoffe nur, dass diese Mordfälle sich nicht negativ auswirken. Vor einem Monat dieses junge Mädchen, das von ihrem Freund umgebracht wurde. Und jetzt schon wieder eins.«

»Warum sollte sich das auf deine Arbeit auswirken? Du hast doch überhaupt nichts damit zu tun.«

»Auf die Arbeit selber nicht, aber auf mein Image und das von Mantecadas Salazar,

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