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Das Bootshaus an der Werse

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Meine Erzählungen basieren auf persönlichen Erfahrungen, eigenen Erlebnissen und auf Beobachtungen von Menschen aus meinem privaten Umfeld, aus der Schule und aus der Arbeitswelt. Einiges ist so oder ähnlich passiert. Aber das meiste ist reine Phantasie. Alle Namen und Personen habe ich frei erfunden.

Jürgen von Harenne

Dieses Buch widme ich meiner Frau Gisela von Harenne und unseren Kindern Nicola und Manuel von Harenne

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 1

Montagmorgen viertel vor acht. Am Werse-Gymnasium in Gremmenfeld, einem Stadtteil von Münster, sind in der letzten viertel Stunde fünf Schulbusse vorgefahren. Aus allen Richtungen kommen die Schülerinnen und Schüler zur Schule. Die meisten fahren mit ihrem Fahrrad. Nur vereinzelt kommen sie zu Fuß oder werden von ihren Eltern mit dem Auto bis zum Parkplatz an der Schule gebracht.

Die Sonne scheint vom wolkenlosen blauen Himmel. Jetzt im Mai ist es morgens schon lange hell und warm. Nach den langen Wintermonaten genießen alle den Frühling. Endlich können sie die dicken Wintersachen in den Schrank packen und im Pullover oder einer leichten Jacke zur Schule gehen.

Bis zum ersten Schellen der Schulglocke bleiben die Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof. Die drei Freundinnen Nina, Barbara und Jasmin sind in einer Klasse der Jahrgangsstufe 11. Nina und Barbara treffen sich zuerst zu Hause bei Barbara und fahren gemeinsam mit ihren Fahrrädern zur Schule. Schon am Fahrradschuppen kommt Jasmin zu ihnen. Kaum haben sie ihre Räder abgestellt, umarmt Jasmin beide überschwänglich.

„Hallo“, ruft sie während sie beide nacheinander an sich drückt. Die meisten Schülerinnen und Schüler finden diese theatralische Begrüßung nach einem normalen Wochenende übertrieben.

Natürlich drücken gerade die Mädchen nach den Ferien oder wenn eine Schülerin länger gefehlt hat ihre Freundinnen. Aber diese provozierende Show, die Jasmin regelmäßig macht und nicht nur an einem normalen Montag, nehmen die meisten gar nicht mehr wahr. Offensichtlich braucht Jasmin das. Sie hat ein stark ausgeprägtes Geltungsbedürfnis. Ihre Eltern haben in der Innenstadt von Münster ein Modegeschäft. Sie sind reich. Jasmin trägt immer sehr schicke modische Sachen. Ihre Klassenkameradinnen Nina und Barbara bewundern sie. Sie lassen sich von Jasmin sehr stark beeinflussen.

Nach und nach kommen auch die Lehrerinnen und Lehrer zur Schule.

Das Lehrerehepaar Susanne und Oliver Sommer wohnt in Hahnbeck, einem anderen Stadtteil von Münster. Sie fahren täglich gemeinsam mit dem Auto zum Werse-Gymnasium in Gremmenfeld. Da sie keine Kinder haben, sind sie beide nach ihrer Heirat ganztags im Beruf geblieben. Susanne unterrichtet Deutsch und Geschichte, Oliver Mathematik und Musik.

Soweit es im Stundenplan möglich ist versuchen sie beide, dass ihre freien Stunden morgens und mittags nach der sechsten Stunde so liegen, dass sie gemeinsam mit dem Auto nach Hahnbeck fahren können. Weil das nicht immer möglich ist, verbringen sie die unterrichtsfreien Stunden im Lehrerzimmer für Stundenvorbereitungen, Besprechungen mit Kollegen und Klausurkorrekturen. Aber oft werden sie wie alle anderen Kollegen auch in diesen Springstunden für Vertretungen eingesetzt.

Heute, am Montag, hat Susanne Deutschunterricht in der Klasse 10.

Oliver geht nach dem zweiten Schellen zum Mathematikunterricht in den Raum der Klasse 11. Dort warten die Schülerinnen und Schüler schon auf ihn.

Wie immer am Montagmorgen haben sie schon auf dem Schulweg und auf dem Schulhof ihre wichtigsten Wochenenderlebnisse ausgetauscht. Wenn sie in ihre Klassenräume schlendern, sind die Jugendlichen relativ ruhig. Nach den Anstrengungen vom Wochenende mit sehr wenig Schlaf sind die meisten ziemlich müde und träge. Oliver und seine Lehrerkollegen kennen das. Am Montag in der ersten Stunde kann man von ihnen noch nicht viel erwarten.

In der Klasse 11 gibt Oliver Sommer Unterricht für den Grundkurs Mathematik. In dem Kurs sind 15 Schülerinnen und Schüler. Oliver ist wegen seiner offenen und lockeren Art bei fast allen Schülern beliebt. Er versucht, den Matheunterricht so interessant zu gestalten, dass er auch bei den Jugendlichen, die Mathe hassen, erreicht, dass sie sich etwas am Unterricht beteiligen.

Die Tische und Stühle sind in der Klasse so angeordnet, dass die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen zusammensitzen. Oliver Sommer geht durch den Raum und setzt sich mal hier mal dort zu ihnen auf eine Tischkante oder einen freien Stuhl.

Zuerst fragt er die Klasse:

„Na, wie war euer Wochenende? Bei dem herrlichen Wetter konntet ihr euch bestimmt gut erholen.“

„Erholung ist gut“, brummt direkt vor ihm Markus. „Die Discos machen doch erst auf, wenn es schon dunkel ist.“

„Na ja“, sagt Herr Sommer zu Markus. „Aber du kannst uns doch sicher sagen, was wir in der letzten Stunde in Mathematik durchgenommen haben.“

Markus schüttelt den Kopf. Er gehört nicht zu den Schülern, die dem Fach Mathematik irgendetwas Positives abgewinnen können. Mathe ist ein notwendiges Übel.

Oliver Sommer geht weiter durch den Raum und wendet sich an die anderen:

„Wer von euch bringt uns zurück in die Wirklichkeit und sagt uns, bei welchem Thema wir in der letzten Stunde stehen geblieben sind?“

Jetzt zeigen Lena und Nina auf.

Herr Sommer ist erstaunt und wartet: „Wie, das wissen nur zwei Schülerinnen?“

Er schaut wartend in die Klasse:

„Ah, es sind doch mehr als nur zwei. Erkan, du weißt es also auch.“

„Ne, ne“, antwortet Erkan. „Ich wollte nur schlau wirken.“

Die anderen müssen laut lachen.

„Also gut“, sagt Oliver Sommer amüsiert, „Wer will außerdem noch schlau wirken?“ Pause.

Oliver Sommer fährt fort: „Also wissen es doch nur zwei.“

Oliver geht zum Platz von Lena:

„Lena, dann sag‘ du dem Kurs, was wir am Freitag in der letzten Stunde vor dem Wochenende durchgenommen haben.“

Lena gehört zu den Schülerinnen und Schülern, die nicht ständig besonders auffallen müssen. Sie beteiligt sich ruhig und aufmerksam am Unterricht. Sie mag die offene souveräne Art ihres Mathelehrers.

Oliver Sommer ist das nicht entgangen. Er spürt, dass Lena ihn sehr mag.

Im Verlauf seines Berufslebens als Lehrer am Werse-Gymnasium hat er immer mal wieder Jungen und auch Mädchen unterrichtet, die ihn mögen oder sogar richtig für ihn schwärmen. Damit kann er umgehen.

Oliver ist vor einem halben Jahr 40 Jahre alt geworden. Er ist attraktiv, hat schwarzes Haar und eine sehr sportliche Figur. Er kann sich sehr schnell auf die Art von Jugendlichen einstellen.

Seine Frau Susanne und er arbeiten schon fast zehn Jahre hier am Werse-Gymnasium. Susanne ist 41 Jahre alt. Sie ist blond und schlank. Auch sie wirkt sportlich und attraktiv. Bei den Schülerinnen und Schülern gilt sie als streng und nicht so locker wie ihr Mann Oliver.

Seitdem sie verheiratet sind, wünschen sie sich ein Kind. Dafür würde Susanne für ein oder zwei Jahre in der Schule kürzer treten und eine Stundenreduzierung beantragen. Da sie schon jetzt in ihrem Haus in Hahnbeck die Haushaltshilfe Jana beschäftigen, könnte sich Susanne ganz um ein eigenes Kind kümmern. Jana ist gebürtige Serbin, lebt aber schon seit ihrer Kindheit mit ihren Eltern und Geschwistern in Deutschland. Jana kommt an vier Tagen in der Woche für jeweils drei Stunden.

Susanne Sommer weiß, dass Oliver sehr gerne Kinder mag. Wenn ihr Bruder Heinz und seine Frau Anke mit den zwei kleinen Jungen Sven und Frank bei ihnen zu Besuch sind, beschäftigt Oliver sich intensiv mit den Kindern. Die beiden zwei und vier Jahren alten Jungen mochten ihren Onkel von Anfang an und spürten sofort seine Zuneigung und sein Verständnis, weil er sich gern mit ihnen beschäftigt und ihre Wünsche akzeptiert.

Lena freut sich, dass Herr Sommer sie aufruft und sie bittet, den Stoff der letzten Mathestunde zu wiederholen:

„Wir haben Aufgaben mit gemischtquadratischen Gleichungen durchgenommen und die Ableitung der Lösungsformel.“

„Kannst du uns auch die Grundform der gemischtquadratischen Gleichung sagen?“ fragt Oliver Lena.

Lena strahlt: „x² + px +q = 0“.

Oliver lobt sie, geht zur Tafel und schreibt die Formel an die Tafel: „Danke Lena, das ist richtig. Für alle anderen habe ich das hier noch einmal aufgeschrieben.

Wer kann mir jetzt zu der Grundform auch die allgemeine Normalform der Formel sagen?“

Jetzt zeigen mehr als nur zwei Schüler auf.

„Markus. Du weißt es?“

„Ja: ax² + bx + c = 0“

„Richtig, Markus“, sagt Herr Sommer. „Dann will ich heute mit euch Aufgaben und Lösungswege für diese gemischtquadratischen Gleichungen besprechen.“

Oliver Sommer ist immer wieder begeistert, den Schülerinnen und Schülern Mathematik zu vermitteln. Er weiß aber auch, dass gerade hier im Grundkurs Jugendliche sind, die Mathematik für völlig überflüssig halten und das Fach als notwendiges Übel ansehen. Er hofft, dass er sie soweit motivieren kann, dass sie wenigstens ein Grundwissen bekommen.

***

In der sechsten Stunde gibt Oliver Sommer in der Klasse 11 Musikunterricht im Musikraum.

Er weiß, dass sich nur wenige Schülerinnen und Schüler für den theoretischen Musikunterricht interessieren. Er versucht deshalb, die Jugendlichen über die Musikstücke, die sie im Moment gerne im Radio, in der Disco oder auf ihren Handys hören, an die Musiktheorie und an die Notenlehre heran zu führen.

„Fast alle Stücke der aktuellen Popmusik sind nach den gleichen Strukturen komponiert“, erklärt er ihnen.

Er legt eine aktuelle DVD auf:

„Ich habe diese DVD mitgebracht, damit ihr das an diesem Beispiel hören könnt.“

Das erste Stück beginnt:

„Achtet bitte auf die ersten Akkorde“, sagt Herr Sommer und unterbricht nach den ersten Takten. Er geht zum Klavier und wiederholt den Beginn des Stückes von der DVD.

„Das Stück beginnt in F-Dur. Die Melodie mit den E-Gitarren und den gesamten Begleitinstrumenten beginnt im Grundakkord von F-Dur, mit F-A-C. Dieser Dreiklang ist die Tonika. Danach geht die Melodie über in den Dreiklang auf der Quart, der Subdominante von F-Dur, in B-D-F und danach in den Dreiklang auf der Quint, der Dominante C-E-G mit der Rückkehr zur Tonika F-A-C. Ich spiele diese Abfolge der vier Akkorde jetzt auf dem Klavier.“

Dann startet er noch einmal das erste Stück auf der DVD und spielt dazu passend auf dem Klavier die Abfolge der drei F-Dur-Akkorde.

Die Schülerinnen und Schüler sind erstaunt, wie einfach und klar Herr Sommer die Musik erklären kann. Mit diesem und ähnlichen Beispielen bringt er den Jugendlichen nach und nach immer mehr Musiktheorie mit den verschiedenen Tonleitern, den Taktarten, den Rhythmen und mit der Harmonie- und Akkordlehre bei.

Einige Jugendliche in seinem Musikunterricht spielen ein Instrument, Klavier oder Geige aber auch Klarinette, Trompete, Flöte und Schlagzeug für die Spielmannszüge bei Schützenfesten.

Am Werse-Gymnasium gibt es ein klassisches Schulorchester mit Streichern und Holzbläsern und zusätzlich ein Bläserorchester mit den Blechbläsern, den Trompeten, Waldhörnern, Posaunen, den Flöten und Klarinetten.

Oliver Sommer leitet das Schulorchester. Der Dirigent des Blasorchesters ist sein Kollege Peter Hinze.

Seine Schülerin Lena aus dem Mathematikgrundkurs der Klasse 11 ist in seinem Musikkurs und natürlich schon lange im Schulorchester. Sie spielt seit sechs Jahren, seit ihrem zehnten Lebensjahr, Oboe. Ihr Oboe-Lehrer ist Herr Hoth. Er ist Berufsmusiker und spielt im städtischen Orchester bei Konzerten, Oratorien, Operetten und Opern.

Wie in Mathematik ist Lena auch in Musik eine Musterschülerin. Sie ist begeistert, dass ihr Lehrer Oliver Sommer in der Klasse 11 beide Fächer, Mathe und Musik, unterrichtet. So kann sie ihren Lieblingslehrer fast jeden Tag sehen.

Nach der Musikstunde geht Oliver zu Lena:

„Lena, du denkst daran, dass heute Abend um 18.oo Uhr Orchesterprobe ist?“

„Ja, natürlich.“

„Wir proben in dem großen Raum des Pfarrheimes neben der Kirche. Unserer Aula in der Schule ist besetzt. Dort proben die Abiturklassen für ihre Abschlussfeier.“

Lena strahlt:

„Ich weiß. Ich bin pünktlich da.“

Mittags nach der siebten Stunde gehen Susanne und Oliver Sommer zusammen aus dem Lehrerzimmer zu ihrem Auto.

„Das war wieder so ein typischer Montag“, stöhnt Susanne. „Bis die Bande morgens mal richtig wach wird, muss man im Unterricht alle Register an Tricks und an Motivation ziehen. Wie war’s bei dir?“

„Am Montag gleich die erste Stunde Mathematik in der 11 ist mühsam. Aber nachher ging’s einigermaßen. Du denkst ja daran, dass ich heute Abend um sechs Uhr noch Orchesterprobe mit unserem Schulorchester habe. Wir müssen heute in das Pfarrheim neben der Kirche ausweichen. In der Aula proben die Abiturienten.“

„Das ist ja blöd. Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Dann versuche wenigstens, die Probe so kurz wie möglich zu halten. Der Tag war ja schon anstrengend genug.“

Oliver setzt sich ans Steuer:

„Gleich nach dem Mittagessen lege ich mich auf die Couch und ruhe mich ein wenig aus.“

„Es ist schon nach zwei“, sagt Susanne. „Ich mache sofort, wenn wir zu Hause sind, für jeden eine Pizza warm. Welche möchtest du?“

„Fungi oder Salami, das ist mir eigentlich egal“, erwidert Oliver und fährt los.

Susanne überlegt, was sie in den nächsten Tagen erledigen muss: „Am Samstagabend kommen Julia und Klaus zu Besuch.“

„Ach ja“, sagt Oliver. „Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Dann müssen wir uns überlegen, was wir morgen dafür noch einkaufen. Ich glaube, wir haben noch genügend Wein und Bier im Keller. Hoffentlich ist es am Samstag so warm und trocken wie heute. Ich muss unbedingt den Rasen mähen. Der ist wieder furchtbar schnell gewachsen. Das mache ich am besten am Samstag ab drei Uhr nach der Mittagspause.“

Kapitel 2

Abends essen Susanne und Oliver meistens nur eine Scheibe Brot und einen Joghurt. Oliver trinkt dazu gern kalte Milch. Für Susanne macht er eine Kanne Pfefferminztee. Wenn sie abends nichts Besonderes mehr vorhaben, gucken sie um acht Uhr im ersten Programm die Nachrichten.

Heute fällt für Oliver das Abendessen aus. Schnell isst er um halb sechs eine Banane und verabschiedet sich von Susanne:

„Tschüss bis später.“

„Versuch, die Probe pünktlich zu beenden, damit du möglichst um acht Uhr zu den Nachrichten wieder zu Hause bist.“

„Ich will’s versuchen“, sagt er, gibt Susanne einen Kuss, geht zum Auto und fährt los.

Bis zum Pfarrheim an der Kirche in Gremmenfeld fährt Oliver mit dem Auto von Hahnbeck aus über eine Kreisstraße im Außenbezirk von Münster ungefähr 20 Minuten.

Die ersten Schülerinnen und Schüler sind schon dabei, ihre Instrumente auszupacken und sich etwas einzuspielen.

Lena kommt fast zur gleichen Zeit wie Oliver zum Pfarrheim.

„Du bist zu Fuß?“ fragt Oliver überrascht.

„Ja, mein Bruder hat mich mit seinem Auto mitgenommen.“

„Und wie kommst du dann nach Hause?“

„Zu Fuß natürlich. Ich wohne ja nur drei Straßen weiter. Zu Fuß bin ich von hier aus in zehn Minuten zu Hause.“

Oliver ist erstaunt, wie Lena sich schlicht aber gekonnt angezogen hat. Weil es jetzt in dieser Woche im Mai schon angenehm warm ist, trägt sie ein mittelblaues enges Minikleid. Es hat am Hals einen kleinen runden Ausschnitt und halblange Ärmel.

Obwohl Oliver seine Schülerin fast täglich in der Schule sieht, fällt ihm hier auf, dass Lena unter dem engen, körpernah geschnittenen Kleid einen BH trägt, der ihre Formen dezent betont. Sie ist erst 16 Jahre alt, wirkt aber ganz und gar nicht kindlich sondern wie eine junge Dame. Ihre halbhohen schwarzen Pumps unterstreichen diesen Eindruck. Das blaue Kleid passt sehr gut zu ihren blonden Haaren.

Lena ist sich ihrer Ausstrahlung auf Jungen aber besonders auf Männer durchaus bewusst. Sie genießt es still.

Lenas Aussehen erinnert Oliver daran, wie Susanne mit achtzehn ausgesehen hat. Sie ist auch blond und hat etwa die gleiche Größe wie Lena.

Zusammen gehen Oliver Sommer und Lena in den Saal des Pfarrheimes zu den anderen Musikern. Die meisten haben die Stühle schon so aufgestellt, dass die Streicher vorn beim Dirigenten sitzen, dahinter die Holzbläser, 2 Flöten, 2 Oboe, 2 Klarinetten und 2 Fagott. Dahinter die Blechbläser, die Hörner und Trompeten und die Pauken.

Schon bei den letzten Proben in der Schulaula hat Oliver mit dem Orchester die Sinfonie Nr. 29 von Mozart eingeübt. Wie immer verwendet er bei den Proben die meiste Zeit mit den Streichergruppen. Die Bläser sind gut ausgebildete Solisten und kennen ihre Partitur. Ihnen muss Oliver nur selten Anweisungen für besondere Akzente geben.

Wie immer beginnt die Probe mit dem Stimmen der Instrumente. Oliver klopft mit dem Taktstock auf sein Notenpult und schaut zu Lena:

„Ruhe bitte. Lena, bitte dein A.“

Weil die Oboe nicht oder nur ganz gering gestimmt werden kann, gibt sie für das ganze Orchester den Kammerton A an. Danach richten alle anderen Musiker ihre Instrumente aus. Mehrmals wiederholt Lena den Ton. Vor allem bei den Streichern dauert es ein paar Minuten, bis sie ihre Geige oder ihr Cello gestimmt haben.

Während dieser Zeit fällt Olivers Blick immer wieder auf Lena. Ihr Minikleid ist beim Sitzen hochgerutscht. Bewundernd nimmt er wahr, wie attraktiv sie ist und dass sie schön geformte Beine hat. Sie sieht sehr weiblich und kess aus.

Lena spürt, dass ihr Auftreten auf einige Jungen und vor allem auf ihren Lehrer Oliver Sommer Wirkung zeigt. Sie genießt die Bewunderung. Die neidischen Blicke einiger Mädchen im Orchester sind ihr egal.

Während der Probe konzentriert sich Oliver ganz auf die Musik und auf das Spiel der Musiker und auf den Ausdruck, mit dem sie diese Musik von Mozart vortragen. Immer wenn er den Holzbläsern den Einsatz gibt, fällt sein Blick auf Lena in ihrem sexy blauen kurzen Kleid. Ab und zu treffen sich dabei ihre Blicke. Oliver Sommer lässt sich aber nicht ablenken. Er ist voll auf den Vortrag der Sinfonie konzentriert.

Gegen halb acht beendet er die Orchesterprobe:

„Für heute ist es genug. Vielen Dank für euren Einsatz. Ich bin hochzufrieden, dass ihr diese Sinfonie so sauber und ausdrucksstark spielt. Ich denke, bis zur Aufführung in drei Wochen brauchen wir nur noch die Generalprobe.“

Die Schülerinnen und Schüler packen ihre Instrumente ein und verlassen nach und nach das Pfarrheim.

Oliver nimmt seine Tasche mit den Noten, geht noch einmal durch den ganzen Raum und schaut nach, ob alles sauber ist und niemand etwas vergessen hat und geht zu seinem Auto.

Oliver sieht, dass einige Jugendliche noch am Eingang stehen und sich unterhalten. Die meisten sind aber wohl schon auf dem Weg nach Hause. Er steigt in seinen Wagen und fährt los. Nach wenigen Metern sieht er Lena mit ihrer Oboentasche in der Hand:

„Hallo Lena. Wie weit hast du es noch bis nach Hause?“

„Ach, das ist nicht weit. In einer viertel Stunde bin ich zu Hause.“

„Du wohnst doch auf der Teichstraße gleich hinter dem Park. Das ist aber von hier aus noch ganz schön weit.“

„Das macht mir nichts aus.“

Oliver überlegt, dass es jetzt um acht Uhr abends hier im Wohnviertel ziemlich leer und einsam ist. Außerdem muss Lena zur Teichstraße durch den Park gehen. Das ist nicht ungefährlich. Wenn er Lena jetzt nicht mitnimmt und ihr würde auf dem Weg etwas passieren, müsste er sich sein Leben lang Vorwürfe machen, dass er sie nicht eben nach Hause gebracht hat.

„Weißt du was“, sagt er zu Lena. „Komm steig ein. Ich bring dich nach Hause. Ich muss ja nach Hahnbeck und da kann ich wohl den kleinen Umweg zur Teichstraße fahren.“

Lena freut sich und steigt ein: „Danke, das ist furchtbar nett.“

In ihrer ganzen Art, ihrem Aussehen und ihrem Selbstbewusstsein erinnert ihn Lena immer wieder an Susanne, als er sie vor zwanzig Jahren kennenlernte. Susanne ist nicht viel größer als Lena und hatte auch lange blonde Haare.

An diesem Abend im Mai ist es noch angenehm warm. Lena hat keine Jacke. Sie trägt nur ihr blaues Minikleid.

Beim Einsteigen auf den Beifahrersitz rutscht ihr enges Kleid soweit nach oben, dass ihre nackten Beine nicht mehr bedeckt sind. Als sie sich auf ihrem Sitz hinkniet und sich über ihre Sitzlehne beugt, um ihre Tasche und den Oboenkasten auf den Rücksitz zu legen, rutscht ihr Minikleid so hoch, dass Oliver neben sich ihren runden, festen Po mit dem schmalen hellblauen transparenten Slip sieht. Oliver spürt ein eigenartiges Knistern in der Luft. Langsam setzt sich Lena wieder hin. Offensichtlich hat sie das alles mit Berechnung getan. Denn sie versucht danach nicht, ihr hochgerutschtes Minikleid wieder etwas herunter zu ziehen.

Der Anblick der freizügigen Schülerin neben sich in seinem Auto irritiert Oliver ein wenig. Er genießt zwar die Anwesenheit dieser attraktiven, jungen Frau in seinem Auto, gleichzeitigt ärgert er sich, dass er innerlich von der erotischen Ausstrahlung so berührt ist. Es ist doch schließlich Lena, seine Schülerin.

Offensichtlich genießt es Lena, dass sie ihren Lehrer mit ihrem hochgerutschten Kleid und ihren nackten, wohlgeformten Beinen leicht aus der Fassung gebracht hat.

Noch ein wenig irritiert fährt Oliver los. Schon nach wenigen Metern legt Lena ihre Hand auf Olivers Bein.

Oliver nimmt langsam ihre Hand und legt sie stumm zurück auf ihren Schoß.

Beide schauen nach vorn auf die Straße, als wenn nichts geschehen wäre.

Dann legt Lena wieder ihre Hand auf Olivers Oberschenkel.

Er fährt rechts an den Straßenrand und hält dort den Wagen an. Wieder nimmt er ihre Hand und sagt:

„So kann ich nicht weiter fahren. Lena. Ich mag dich wirklich sehr gern. Aber ich bin dein Lehrer und außerdem bin ich verheiratet.“

Im gleichen Moment beugt sich Lena zu ihm herüber und fällt ihm mit beiden Armen wortlos um den Hals. Oliver ist im ersten Moment so überrascht, dass er überhaupt nicht reagiert. Lena drückt ihn fest an sich und flüstert direkt neben seinem Kopf:

„Ich liebe dich.“

Oliver schießt alles Mögliche durch den Kopf:

„Eine 16 jährige Schülerin. Mit ihr kann und will er kein Verhältnis anfangen. Was kann er in dieser Situation tun? Er muss Lena unbedingt zur Vernunft bringen aber wie? Er möchte nicht, dass sie ihm hier eine Szene macht und dass jemand etwas mitbekommt.“

Er lässt Lena kurz gewähren und schiebt sie dann vorsichtig zurück auf ihren Sitz.

Beide schweigen.

Dann platzt es aus Lena heraus: „Ich liebe dich schon lange und du liebst mich doch auch. Das spüre ich.“

Oliver versucht ganz ruhig und sachlich zu bleiben: „Lena, ich mag dich wirklich sehr gern. Aber wir können uns nicht ineinander verlieben. Ich bin dein Lehrer. Ein Verhältnis mit einer Schülerin hat für mich negative Konsequenzen. Du kannst mich nicht zu deinem Geliebten machen. Außerdem kannst du mich nicht duzen.“

„Du sagst doch auch DU zu mir.“

„Ja sicher, aber ich duze alle Schülerinnen und Schüler. Das ist normal.“

„In der Oberstufe müssen alle Schülerinnen und Schüler mit SIE angesprochen werden“, antwortet Lena trotzig.

Oliver hofft, dass er Lena wieder zurück in die Wirklichkeit geholt hat. Sie sitzt jetzt ruhig auf ihrem Sitz. Er fährt los, um Lena zur Teichstraße zu bringen.

Plötzlich beugt sie sich wieder zu ihm herüber, umarmt ihn und küsst ihn auf den Mund. Oliver ist entsetzt und hält sofort wieder an:

„Lena, hör‘ damit auf. Ich bitte dich, das bringt doch nichts.“

Enttäuscht dreht Lena ihren Kopf zur Seite und schweigt beleidigt. Oliver hat den Eindruck, dass sie weint oder ihm das vielleicht nur vorspielt. Auf jeden Fall lässt Lena ihn jetzt in Ruhe.

Zur Teichstraße ist es nicht mehr weit. Als Oliver dort anhält, gibt Lena ihm wortlos einen Kuss auf die Wange, steigt aus, öffnet die hintere Seitentür, nimmt ihre Tasche und die Oboe und geht zu ihrem Haus.

Oliver sagt noch leise: „Tschüss.“

Lena aber geht schnell zur Tür ohne sich umzuschauen. Zügig fährt er los. Er will möglichst um acht Uhr zu Hause sein.

Auf der Fahrt nach Hahnbeck wird ihm erst richtig bewusst, was er gerade erlebt hat. Er kommt sich vor wie im falschen Film.

Ihm geht alles Mögliche durch den Kopf.

Wie wird sich Lena ihm gegenüber in der Schule verhalten? Vielleicht bleibt sie vernünftig und lässt das Ganze auf sich beruhen. Vielleicht war das nur ein plötzliches Gefühl, dass sie glaubte, in ihn verliebt zu sein. Er ist schon lange Lehrer und hat immer mal wieder Schülerinnen gehabt, die ihn anhimmelten. Allerdings hat er so etwas wie heute Abend noch nicht erlebt.

Er nimmt sich vor, diesen stürmischen Anfall von Lena im Unterricht einfach zu ignorieren und ganz normal seinen Unterricht zu halten.

Ein anderes Problem ist für ihn seine Frau Susanne. Normalerweise besprechen sie miteinander alles, was in der Schule passiert. Soll er ihr erzählen, dass er Lena im Auto nach Hause gebracht hat und dass sie ihn umarmt und geküsst hat?

Wenn er Lena im Auto soweit zur Vernunft gebracht hat, dass sie ihn in Ruhe lässt, würde er Susanne mit der Episode nach der Orchesterprobe nur unnötig beunruhigen.

Außerdem kennt er ihre Reaktion: „Warum nimmst du Lena im Auto mit? Du bist immer viel zu gutmütig und naiv. Das musste ja mal passieren, dass du in solch eine Situation kommst.“

Er beschließt, Susanne heute Abend nichts davon zu erzählen. Er will keine Vorwürfe und Diskussionen und will sie nicht unnötig beunruhigen. Bald sind Sommerferien. Da will er abschalten, die Schule soweit das möglich ist vergessen und in Ruhe mit Susanne in Urlaub fahren.

Am nächsten Tag hat Oliver Sommer keinen Unterricht in der Klasse 11. Aber Susanne hat am Dienstag in der Klasse 11 Deutsch.

In der letzten Woche hat sie den Schülerinnen und Schülern angekündigt, dass sie heute in der Doppelstunde eine Deutsch-Klausur schreiben werden.

Während die Klasse mit der Klausur beschäftigt ist, korrigiert Susanne vorn an ihrem Pult Klausuren von anderen Klassen.

Plötzlich zeigt Sven auf:

„Ich habe eine Frage. „Wie schreibt man Gelegenheitsprostituierte?“

Einige aus der Klasse grinsen.

Weil Sven häufig so eigenartige Fragen stellt, antwortet Susanne ein wenig genervt:

„Sven, es gibt Sachen, die sollte man einfach wissen.“

Jetzt lachen alle und vor allem die Mädchen.

Nur Lena findet das überhaupt nicht lustig. Sie glaubt, dass alle lachen, weil einige ihrer Mitschülerinnen vielleicht bemerkt haben, wie sehr sie in ihren Mathe-Lehrer Oliver Sommer verliebt ist. Sie denkt, dass Sven sie ärgern will, wenn er ausgerechnet in der Deutschstunde bei Frau Sommer diese Frage stellt.

Susanne Sommer beendet die Unterbrechung:

„Bitte Ruhe. Konzentriert euch auf die Klausur.“

***

Am Mittwoch hat Oliver in der dritten Stunde wieder Mathe-Unterricht in der Klasse 11. Nach der Pause geht er mit gemischten Gefühlen zu dem Klassenraum. Er weiß nicht, wie Lena sich ihm gegenüber nach dem Vorfall am Montag verhält.

Die Stunde beginnt. Oliver Sommer sieht, dass der Platz von Lena leer ist.

„Weiß jemand, was mit Lena los ist? Ist sie krank?“

Ihre Freundin Andrea meldet sich:

„Lena war in den ersten beiden Stunden hier. Sie hat sich dann abgemeldet, weil sie sich nicht wohl fühlte.“

Oliver wird natürlich sofort klar, was der wirkliche Grund dafür ist, dass Lena in seiner Mathematikstunde fehlt. Offensichtlich hat sie den Vorfall nach der Orchesterprobe noch nicht überwunden. Schnell versucht er, nicht mehr an Lena zu denken und hält seine Mathestunde.

Mittags nach der Schule auf der Fahrt mit Susanne nach Hause muss er aber doch immer wieder an Lena und ihr Verhalten nach der Probe am Montag denken. Er möchte die Sache auf keinen Fall überbewerten und hofft, dass Lena sich beruhigt und genau wie er die Episode schnell vergisst. Irgendwie muss das normale Schulleben weitergehen. Bald sind die Sommerferien. Oliver ist der Meinung, dass nach den Ferien die Welt anders aussieht und sich Lena dann ihm gegenüber wie alle anderen vernünftig verhält.

Susanne sitzt am Steuer. Sie merkt, dass Oliver etwas beschäftigt:

„Was ist los, du bist so ruhig?“

„Ach nichts. Heute war es wieder sehr anstrengend. Ich bin froh, dass wir nur sechs Stunden hatten. Noch zwei Tage, dann haben wir Wochenende.“

„Morgen, am Donnerstag, habe ich nur fünf Stunden“, sagt Susanne.

„Dann ist es das Beste, wenn du morgen deinen Wagen nimmst und ich fahre mit diesem hier allein“, antwortet Oliver. „Ich habe nämlich auch noch die siebte Stunde Unterricht in der Klasse 8.“

„Es wird Zeit, dass es bald Ferien gibt.“ Susanne wirkt abgespannt.

Oliver nickt und fügt hinzu:

„In den nächsten Tagen haben die Abiturienten ihren letzten Schultag vor dem Abi.

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