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Das Armageddon-Vermächtnis

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Buch Eins
  6. Kapitel Eins
  7. Kapitel Zwei
  8. Kapitel Drei
  9. Kapitel Vier
  10. Kapitel Fünf
  11. Kapitel Sechs
  12. Kapitel Sieben
  13. Kapitel Acht
  14. Kapitel Neun
  15. Kapitel Zehn
  16. Kapitel Elf
  17. Kapitel Zwölf
  18. Kapitel Dreizehn
  1. Buch Zwei
  2. Kapitel Vierzehn
  3. Kapitel Fünfzehn
  4. Kapitel Sechzehn
  5. Kapitel Siebzehn
  6. Kapitel Achtzehn
  7. Kapitel Neunzehn
  8. Kapitel Zwanzig
  9. Kapitel Einundzwanzig
  10. Kapitel Zweiundzwanzig
  11. Kapitel Dreiundzwanzig
  12. Kapitel Vierundzwanzig
  13. Kapitel Fünfundzwanzig
  14. Kapitel Sechsundzwanzig
  15. Kapitel Siebenundzwanzig

Über den Autor

David Weber ist ein Phänomen: Ungeheuer produktiv (er hat zahlreiche Fantasy- und Science-Fiction-Romane geschrieben), erlangte er Popularität mit der HONOR-HARRINGTON-Reihe, die inzwischen nicht nur in den USA zu den bestverkauften SF-Serien zählt. David Weber wird gerne mit C. S. Forester verglichen, aber auch mit Autoren wie Heinlein und Asimov. Er lebt heute mit seiner Familie in South Carolina.

Buch Eins

Die Gruppenantenne war so groß wie ein sehr großer Asteroid oder ein sehr kleiner Mond, und sie hatte den Stern der Klasse G6 schon sehr, sehr lange umrundet. Ihr Rumpf – von einer dicken Staubschicht überzogen, außer an den Stellen, an denen elektrostatische Felder dafür sorgten, dass die Sonnenkollektoren frei blieben – war kugelförmig und bestand aus einer goldbronzenen Legierung; er war fast völlig ebenmäßig, nur hier und dort gab es kleine, abgerundete Ausstülpungen, nirgends jedoch Stab- oder Teleskopantennen, wie man sie vielleicht an einem Objekt aus dem Zeitalter des klassischen Radios und des Funkverkehrs erwartet hätte. Doch schließlich hatten diejenigen, die diese Gruppenantenne gebaut hatten, schon mehrere Jahrtausende vor dem Bau eben dieser Antenne nichts derart Primitives wie ein Funkgerät mehr verwendet.

Das Vierte Imperium hatte diese Antenne vor 52.186 Erdjahren hier gelassen, ihre elektronischen Sinne wurden nur von einem Minimum an Energie angetrieben, und doch war dieser einsame Wächter nicht tot. Er hatte nur geschlafen, und nun flackerten Funken neuer Energie durch Kilometer über Kilometer seiner Molekularschaltungen.

Interne Stasisfelder wurden deaktiviert, ein Computer aus dem Jahrtausende währenden Schlaf geweckt. Stärkere Energieimpulse zuckten hin und her, Testprogramme lieferten Berichte ab, und der Zentrale Kommandocomputer stellte fest, dass sieben Komma drei Prozent seiner Primärsysteme ausgefallen seien. Wäre der Zentrale Kommandocomputer an derartigen Dingen interessiert gewesen, so wäre er vielleicht zu dem Ergebnis gekommen, dass eine derart niedrige Fehlerrate schon fast einem Wunder gleichkam; doch dieser Computer verfügte nicht einmal über die Grundlagen eines eigenen Bewusstseins. Er aktivierte einfach die betreffenden Sekundärsysteme, und ein neuer Programmsatz erwachte zum Leben.

Es war nicht das erste Mal, dass die Gruppenantenne erwachte; seit sie allerdings das letzte Mal den Befehl dazu erhalten hatte, waren mehr als vierzig Jahrtausende vergangen. Doch diesmal, so stellte der Zentrale Kommandocomputer fest, war der Befehl, der ihn geweckt hatte, nicht Teil einen Systemtests, den die Konstrukteure durchführen wollten. Dieses Signal kam von einer weiteren Gruppenantenne, aus einer Entfernung von mehr als siebenhundert Lichtjahren im galaktischen Osten, und es war zugleich deren Todesschrei gewesen.

Das HyperCom des Zentralen Kommandocomputers leitete das Signal an einen anderen Empfänger in mehr als eintausend Lichtjahren Entfernung weiter, an eine Kommunikationszentrale, die schon uralt gewesen war, als der erste Cromagnon-Mensch seine ersten Schritte auf der Erde machte, und erwartete eine Antwort. Doch diese Antwort kam nicht. In all seiner Einfallslosigkeit war der Zentrale Kommandocomputer ganz allein auf sich gestellt, und deswegen wurden weitere autonome Programme aktiviert. Das Signal, das an den schweigenden Kommandanten weitergeleitet worden war, wurde nun durch eine Reihe anderer Signale ersetzt, die allesamt sehr viel kürzere Distanzen zu überwinden hatten, und weitere Gruppenantennen rührten sich und erwachten und murmelten verschlafen vor sich hin.

Der Zentrale Kommandocomputer bemerkte die gewaltigen Löcher, die die Zeit in ein einst in wohldurchdachter Weise geflochtenes Netzwerk gerissen hatte, doch diese Löcher gingen ihn nichts an, und so wandte er sich den Dingen zu, für die das nicht galt. Weitere Kraftwerke wurden eingeschaltet, rissen die Gruppenantenne endgültig aus dem Tiefschlaf, und das Gebilde verwandelte sich in ein strahlendes Funkfeuer, das nun in jedem nur erdenklichen Bereich des elektromagnetischen Spektrums und des Gravitonenspektrums Signale abstrahlte, und das mit einer größeren Leistung als manche dicht besiedelte Welt des Imperiums. Jetzt war sie zu einem Wegweiser geworden, zu einer riesigen Reklametafel, die jedem, der in ihre Richtung schaute, ihre Existenz weithin sichtbar kundtat.

Und dann wartete der Zentrale Kommandocomputer wieder.

Monate vergingen, dann Jahre, und dem Zentralen Kommandocomputer war es egal. Etwas mehr als sieben Jahre vergingen, bis er ein neues Signal auffing, das ihn vom Sterben einer weiteren Gruppenantenne in Kenntnis setzte. Diese war weniger als vierhundert Lichtjahre entfernt gewesen. Was auch immer für die Zerstörung seiner einsamen Schwester verantwortlich war, es kam näher, und wieder sandte der Zentrale Kommandocomputer einen Bericht an seine Erbauer. Und wieder erhielt er keine Antwort. Niemand erteilte ihm neue Anweisungen oder neue Befehle. Und so erfüllte der Zentrale Kommandocomputer weiter die Aufgabe, die zu erfüllen er programmiert worden war, wies die schweigenden Sterne weiterhin auf seine Anwesenheit hin, wie ein Mann, der in einem dunklen Zimmer sitzt und lauthals schreit. Und dann, etwas mehr als fünfzehn Jahre, nachdem der Zentrale Kommandocomputer erwacht war, gaben ihm die Sterne doch noch Antwort.

Seine empfindlichen Instrumente orteten die eintreffende HyperWelle schon Wochen, bevor sie ihn tatsächlich erreichte. Wieder einmal gab er alle Befunde an die, die ihm seine Befehle gaben, weiter, und wieder erhielt er keine Antwort. Der Zentrale Kommandocomputer dachte über dieses Schweigen nach; denn der Bericht, den er zuletzt abgesandt hatte, war ein Bericht, auf den seiner Programmierung gemäß eine Antwort hätte unbedingt erfolgen müssen. Doch seine Programmierer hatten den unwahrscheinlichen Fall berücksichtigt, die eigentlichen Empfänger könnten das Signal nicht erhalten haben. Und so ging der Zentrale Kommandocomputer sämtliche Menüpunkte seiner Programme durch, suchte die entsprechende Befehlsdatei heraus und konfigurierte sein HyperCom auf omnidirektionale Signalabstrahlung. Das Signal, das gezielt ans Hauptquartier ergangen war, verstummte und wurde nun durch das Signal Warnung! An alle Schiffe‹ ersetzt, das damit an sämtliche Schiffe der Raumflotte gerichtet war.

Und immer noch erhielt der Zentrale Kommandocomputer keine Antwort; doch diesmal gab es kein Backup-Programm, das ihm weitere Anweisungen hätte erteilen können, denn diese Möglichkeit hatten die Konstrukteure nicht in Betracht gezogen. Also strahlte die Gruppenantenne die Warnmeldung immer weiter aus und ließ sich nicht davon beirren, dass sie keine Antwort erhielt.

Die HyperWelle näherte sich, und der Zentrale Kommandocomputer analysierte Schwingungsmuster und Geschwindigkeit, fügte diese neuen Daten der Warnung hinzu, deren Erhalt niemand bestätigte, und beobachtete ohne jede Neugier, dass die Welle in einer Entfernung von achtzehn Lichtminuten zu dem Stern, den die Gruppenantenne umrundete, plötzlich verschwand. Dann stellte der Zentrale Kommandocomputer fest, dass sich neue Energiequellen näherten, jetzt mit Unterlichtgeschwindigkeit, und fügte auch die Daten der Anordnung dieser Energiequellen seiner Warnung hinzu.

Die Antriebsfelder näherten sich der Gruppenantenne; diese Felder umschlossen zylinderförmige Schiffsrümpfe von zwanzig Kilometern Länge. Das waren keine Schiffsrümpfe, die das Imperium verwendete. Dennoch erkannte der Zentrale Kommandocomputer sie und erwähnte in seiner Warnmeldung jetzt auch die Identität der Besucher.

Die Schiffe kamen immer noch mit achtundzwanzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit näher, näherten sich der Gruppenantenne, deren Signale ihre Aufmerksamkeit erregt hatten, und der Zentrale Kommandocomputer sang und winkte ihnen zu und köderte sie, während auf passive Datenaufnahme gestellte Sensoren sie ausgiebigst untersuchten und sämtliche Daten weiterleiteten, die sie nur aufnehmen konnten. Die Besucher kamen auf Angriffsreichweite heran und aktivierten ihre Zielerfassungssysteme, aber niemand eröffnete das Feuer, und Impulse durchzuckten frische Logik-Bausteine, als der Zentrale Kommandocomputer auch diese Information abspeicherte.

Die Schiffe näherten sich der Gruppenantenne auf eine Distanz von weniger als fünfhundert Kilometern, und ein Traktorstrahl – ein sehr primitiver Traktorstrahl, aber dennoch effektiv – griff nach ihr. Als das geschah, griff der Zentrale Kommandocomputer auf den Satz von Notinstruktionen zu, die für eben diesen speziellen Fall tief in seinem Innersten abgespeichert waren.

Materie traf auf Antimaterie, und die Gruppenantenne verschwand in einem brodelnden, gleißenden Energieball, heller als die Sonne, die sie zuvor umrundet hatte. Die Detonation war viel zu gewaltig, um sie noch mit dem Wort ›Explosion‹ beschreiben zu können, und verwandelte ein halbes Dutzend der Schiffe in ihrer Nähe in nackte Atome, riss ein gutes Dutzend weiterer Schiffe in schimmernde Splitter und nahm – ganz genau so, wie die Konstrukteure der Gruppenantenne das beabsichtigt hatten – den Überlebenden jegliche Möglichkeit, den Kenntnisstand oder die Technologie derer abzuschätzen, die sie erbaut hatten.

Der Zentrale Kommandocomputer hatte seine letzte Aufgabe erfüllt, und er wusste nicht, ja, er interessierte sich auch gar nicht für die Frage, warum – nach sechzigtausend Jahren! – die Achuultani wieder zurückgekehrt waren.

Kapitel Eins

Es regnete im Quartier des Kommandanten.

Um genau zu sein, regnete es in dem mehr als einen Hektar großen Atrium des Wohnbereichs, in dem der Kommandant residierte. Leitender Flottenkapitän Colin MacIntyre, selbst ernannter Gouverneur der Erde und derzeitiger Kommandant des Imperialen Planetoiden Dahak, saß auf seinem Balkon, die Füße in einer heißen Wanne, während Flottenkapitän Jiltanith, seine hochgewachsene, schlanke Erste Offizierin, sich dafür entschieden hatte, ihren ganzen Körper in Wasser zu tauchen. Ihre nachtblaue Uniform hatte sie, fein säuberlich zusammengefaltet, zur Seite gelegt; nun lehnte sie sich zurück, und ihr langes, schwarzes Haar umspielte ihre Schultern.

Dichte, schwarze Holo-Gewitterwolken zogen über den virtuellen Himmel, in der Ferne grollte der Donner, und Blitze zuckten am ›Horizont‹, und doch wirkte Colins Blick auf eine nicht zu bestimmende Art abwesend, während er zuschaute, wie das Wasser von dem schimmernden Kraftfeld-Dach des Balkons abprallte. Seine Aufmerksamkeit war auf etwas anderes gerichtet, er konzentrierte sich auf die Daten, die ihm der Zentrale Kommandocomputer des Schiffes über seinen implantierten Neuralzugang übertrug.

Seine Miene verhärtete sich, während der Report vor seinem geistigen Auge abgespielt wurde, von dem Augenblick an, da die Schiffe der Achuultani aus dem Hyperraum traten, bis zu dem Punkt, an dem die Gruppenantenne sich selbst opferte. Der Bericht endete, und Colin schüttelte den Kopf und blickte zu Jiltanith hinüber, um zu schauen, wie sie darauf reagierte. Sie hatte die Lippen zusammengepresst, ihre Augen, schwarz wie Ebenholz, waren kalt, und einen winzigen Moment lang sah er nicht die hinreißende Frau, sondern die tödliche Kampfmaschine, in die sich seine Erste Offizierin im Gefecht stets verwandelte.

»War es das, Dahak?«, fragte er.

»Es ist in jedem Falle das Ende der Übertragung, Sir«, erwiderte eine tiefe, freundliche Stimme aus dem Nichts. Wieder grollte der Donner, ein in düsterer Weise angemessener Kontrapunkt, dann sprach die Stimme ruhig weiter. »Diese Einheit befand sich in der tertiären Antennen-Phalanx, etwa einhundertzehn Lichtjahre im galaktischen Osten der Erde. Es befinden sich keine weiteren entsprechenden Anlagen zwischen dieser Position und der Erde.«

»Mist!«, flüsterte Colin, dann seufzte er. Als er noch NASA-Pilot gewesen war, war sein Leben so viel einfacher gewesen. »Naja, auf jeden Fall haben wir ein paar neue Daten erhalten.«

»Wahrlich«, stimmte Jiltanith ihm zu, »aber wozu, teurer Colin? Was wir da an Wissen unser Eigen nennen, das ist schon spärlich genug, und doch vermögen wir nicht einmal dieses Wissen zur Heimat zu senden, denn die Erde verfügt nicht über ein HyperCom!«

»Ich schätze, wir könnten einfach umdrehen und es persönlich vorbeibringen«, sprach Colin seine Gedanken laut aus. »Wir sind gerade einmal zwei Wochen unterwegs …«

»Niemals«, widersprach Jiltanith sofort. »Wenn wir nun wenden, so wirft uns dies ganze sechs Wochen zurück: Denn wir verlieren schließlich auch die Zeit, die wir benötigten, zu diesem Ort hier zu gelangen.«

»Flottenkapitän Jiltanith hat Recht, Kommandant«, merkte nun auch Dahak an, »und auch wenn diese Daten zweifelsohne nützlich sind, so bieten sie doch keinerlei grundlegende Erkenntnisse, die für die Verteidigung der Erde unerlässlich wären.«

»Hmmm.« Colin zupfte sich an der Nasenspitze, dann seufzte er. »Wahrscheinlich habt ihr beide Recht. Es wäre etwas anderes, wenn sie tatsächlich angegriffen hätten: Dann hätten wir uns ein Bild davon machen können, was die so an Ausrüstung haben, aber so …« Er zuckte mit den Schultern. »Verdammt, ich wünschte, sie hätten es getan! Wir könnten weiß Gott ein paar Informationen darüber gebrauchen, was für Waffen die haben!«

»Das ist wahr«, stimmte Dahak ihm zu. »Doch die Daten, die von der Gruppenantenne eingetroffen sind, lassen nicht auf signifikante Fortschritte der allgemeinen Technologie der Achuultani schließen, also ist davon auszugehen, dass auch ihre Waffen sich nicht in signifikantem Maße verändert haben.«

»Ich wünschte ja schon fast, es gäbe Anzeichen der Veränderung«, grollte Colin. »Ich kann einfach nicht mit der Vorstellung leben, dass sie nach sechzigtausend Jahren nicht irgendetwas Neues haben sollen!«

»Das ist zugegebenermaßen nach menschlichen Begriffen durchaus anormal, Sir, aber es ist in jeder Hinsicht konsistent mit sämtlichen Indizien, die bisherige Angriffe überstanden haben.«

»Wahrlich«, stimmte Jiltanith zu, ließ sich tiefer in die Wanne gleiten und runzelte die Stirn, »und doch ist es kaum denkbar, Dahak. Wie viele Rassen verbringen derart viel Zeit mit dem Krieg, mit der Ausrottung anderer Rassen, und entwickeln dennoch niemals neue Waffen für die Erfüllung ihrer selbst auferlegten Aufgabe?«

»Unbekannt«, erwiderte der Computer so ruhig, dass Colin das Gesicht verzog. Trotz des Selbst-Bewusstseins, über das Dahak verfügte, mangelte es ihm im Vergleich zu einem Menschen immer noch an Fantasie.

»Na gut, und was wissen wir dann also?«

»Die Daten dieser Übertragung bestätigen die Berichte der Gruppenantennen, die zuvor zerstört worden sind. Weiterhin lassen, auch wenn keine taktisch nutzbaren Informationen gewonnen wurden, die Daten der Sensoren darauf schließen, dass die maximale Unterlicht-Geschwindigkeit, die seitens der Schiffe der Achuultani erreicht werden kann, weniger als halb so groß ist wie die dieses Schiffes hier, was zumindest einen taktischen Vorteil unserer Streitkräfte vermuten lässt – ungeachtet eines Vergleichs der Leistungsfähigkeit der verfügbaren Waffensysteme. Zudem sehen wir erneut ihre relativ geringe Geschwindigkeit auch im Hyperraum bestätigt. Mit ihrer aktuellen Geschwindigkeit werden sie Sol in zwei Komma drei Jahren erreichen, ganz in Übereinstimmung mit unseren bisherigen Extrapolationen.«

»Schon richtig, aber ich bin nicht gerade glücklich über die Art und Weise, wie die sich hierher vorgearbeitet haben. Wissen wir, ob sie versucht haben, irgendeine der anderen Gruppenantennen zu untersuchen?«

»Negativ, Kommandant. Ein HyperCom, wie es auf derartigen Gruppenantennen installiert wird, besitzt eine omnidirektionale Reichweite von maximal dreihundert Lichtjahren. Die Berichte sämtlicher zuvor zerstörten Gruppenantennen wurden über die Antennen der tertiären Phalanx weitergeleitet, und sie alle bestanden ausschließlich aus der Bestätigung, dass sie tatsächlich durch Schiffe der Achuultani zerstört wurden. Dies ist die erste direkte Datenübertragung, die wir erhalten haben. Sie enthält deutlich mehr Observationsdaten.«

»Jou.« Colin dachte einen Moment nach. »Aber die passen nicht sonderlich gut zu dem, was wir bisher über ihre Vorgehensweise wissen, oder?«

»Nein, das tun sie nicht, Sir. Laut unseren Aufzeichnungen besteht die übliche Taktik der Achuultani darin, die Gruppenantenne unmittelbar nach deren Ortung zu zerstören.«

»Genau das meine ich. Wir haben verdammt viel Glück gehabt, dass diese Antennen überhaupt noch da waren, um uns zu berichten, dass die Achuultani kommen, aber ich kann mir nicht helfen: Das Imperium ist mir ein bisschen zu clever, wenn’s darum geht, diese Dinger einzurichten. Die Achuultani heranzulocken, um möglichst viele Daten zu erhalten, das ist ja alles gut und schön, aber die Kerle waren ja auch auf der Suche nach Informationen! Was, wenn die jetzt ihre Taktik verändern oder sich beeilen, weil sie glauben, irgendjemand würde auf sie warten?«

»Mich deucht deine Besorgnis übermäßig«, gab Jiltanith nach kurzem Nachdenken zurück. »Gewiss, bewusst muss ihnen sein, dass eine fremde Macht Wachen aufgestellt hat, um eigene Grenzen zu schützen, doch welche Erkenntnis mögen sie sonst noch errungen haben? Wie sollten sie erraten, wo sich diese Grenzen in Wirklichkeit befinden oder wann ein Schiff sie übertreten darf? Angesichts so mangelhaften Wissens müssen sie immer noch jeden Stern erkunden, den sie passieren!«

Wieder zupfte sich Colin an der Nase, dann nickte er, doch er wirkte nicht gerade glücklich. Was die Jiltanith und Dahak vorbrachten, klang in sich schlüssig, und es gab auch nichts, was er, der Kommandant, hätte tun können, selbst wenn Jiltanith sich täuschte. Es gehörte aber nun einmal zu seinem Job, sich Sorgen zu machen. Nicht, dass er um diesen Job gebeten hätte!

»Gern geschehen, Kommandant«, sagte das Raumschiff, und Colin schüttelte den Kopf und grinste dann Jiltanith an.

»Freust du dich schon auf die Krankenstation, ’Tanni?« Er sagte es mit einem gespielt-sardonischen Unterton, um ihre Sorgen ein wenig zu lindern.

»Du hast wahrlich einen absonderlichen Sinn für Humor, Colin«, gab sie düster zurück, nahm aber den Themenwechsel mit einem Lächeln zur Kenntnis. »Solange ich mich nur zu erinnern vermag, habe ich diesen Tag herbeigesehnt – wahrhaftig, und doch sahen meine Augen ihn stets nur mit umwölkter Hoffnung! Und nun, da er naht, und wenn es gilt, die Wahrheit zu sagen, spüre ich einen Schatten der Furcht, der über meinem Herzen liegt. ’s ist fürwahr gar unpassend, dass du so darüber spottest!«

»Ich weiß«, erwiderte er mit einem schalkhaften Grinsen, »aber es macht einfach viel zu viel Spaß, um es zu lassen.«

Sie stieß ein Schnauben aus und hob in einer spielerischen Drohgebärde die tropfnasse Faust, und doch zeigte ihr Blick ebenso viel echtes Verständnis für ihn wie Freude an dem kleinen Spaß zwischen ihnen. Jiltanith war noch ein Kind gewesen, ihre Muskeln und ihre Knochen noch nicht weit genug entwickelt, um sie mit der vollständigen Biomechanik-Ausstattung zu versorgen, die allen Angehörigen der Raumflotte zustanden, als die Meuterei unter Führung von Flottenkapitän (des Maschinenleitstands) Anu dazu führte, dass die Dahak im Orbit der Erde zurückgelassen wurde, während die Besatzung des Raumschiffs auf der Erde strandete. Der Widerstand gegen Anu, den ihr Vater über Jahrtausende hinweg organisiert hatte, war schuld daran, dass sie diese Erweiterungen bis zum heutigen Tage nicht erhalten hatte. Denn die medizinischen Anlagen an Bord des Unterlicht-Kampfraumers der Parasiten-Klasse Nergal waren nicht in der Lage gewesen, Jiltanith damit auszustatten. Vor der Meuterei hatte Jiltanith Neuralzugänge erhalten, dazu Implantate, mit denen die Empfindlichkeit all ihrer Sinne gesteigert worden war, und auch eine Regenerationsbehandlung, allerdings waren das die Eingriffe, die als einfach zu bezeichnen waren. Bei Colin selbst lag die Operation, bei der er seine eigenen Erweiterungen erhalten hatte, noch nicht allzu lange zurück, sodass er Jiltaniths Besorgnis voll und ganz verstehen konnte … und sie necken gegen den Schrecken schien ihm ein guter Plan.

»Eines Tages, du Gockel, wirst du zu laut krähen!«

»Nö. Ich bin der Kommandant, und mit dem Dienstgrad …«

»… kommen auch die Privilegien«, fiel sie ein und schüttelte unheilvoll den Kopf. »Dieser Satz wird dich dereinst noch verfolgen!«

»Das glaub ich sofort.« Er lächelte sie an und war versucht, die eigene Uniform abzustreifen und sich zu ihr in die Wanne zu gesellen … hätte er sich nicht ein wenig Sorgen darüber gemacht, wohin das wohl führen mochte. Nicht, dass er etwas gegen die Vorstellung hätte, es könnte zu etwas führen; aber sie hatten schließlich noch viel Zeit (vorausgesetzt, sie überlebten die nächsten zwei Jahre). Momentan jedoch konnte sich eben keiner von ihnen beiden leisten, ihr Verhältnis zueinander auf irgendeine Art zu verkomplizieren.

»Naja, ich muss zurück ins Büro«, sagte er stattdessen. »Und Sie, Frau Erster Offizier, sollten sich wieder in Ihre eigenen Gemächer zurückziehen und sich ein wenig Schlaf gönnen. Vertrau mir – das, was Dahak sich unter ›langsamer Rekonvaleszenz von der Erweiterungsoperation‹ vorstellt, ist etwas anderes, als du oder ich mit diesen Worten meinen würden.«

»Du vielleicht«, gab sie zuckersüß zurück.

»Ich werde dich daran erinnern, wenn du morgen herumstöhnst und mein Mitleid willst.« Er nahm die Füße aus der Wanne und aktivierte einen kleinen Teil seiner eigenen Biotechnik. Das Wasser, das gerade eben noch seine Füße benetzt hatte, perlte jetzt von einem Kraftfeld auf seiner Haut ab, und nachdem er die Tropfen einfach nur abgeschüttelt hatte, zog er die Socken an und schlüpfte in seine glänzenden Stiefel.

»Wirklich, ’Tanni: Ruh dich ein bisschen aus! Du wirst es brauchen.«

»Wahrlich, ich zweifle nicht an deinen Worten«, seufzte sie und aalte sich in der Wanne, »und doch deucht mich dies ein Vorgeschmack des Himmels! Ich werde mir noch ein wenig Zeit lassen, glaube ich.«

»Mach nur!«, ermunterte er sie und lächelte erneut, dann trat er über die Kante des Balkons hinweg und setzte einen Fuß auf einen Presser, der ihn bereits erwartet hatte. Sanft wurde er zum Boden des Atriums hinuntergetragen, und seine implantierten Kraftfelder dienten Colin als unsichtbarer Regenschirm, als er nun durch den Regen auf die Tür beziehungsweise Luke am anderen Seite seines privaten Parks eilte.

Diese öffnete sich, als Colin sich ihr näherte, und er trat hindurch in eine gähnende, grell erleuchtete Leere, einen Abgrund von mehr als eintausend Kilometern. Innerlich bereitete er sich auf das vor, was nun kommen würde, und doch wusste er, dass er deutlich weniger ruhig wirkte, als ihm das lieb war – und er fühlte sich noch viel, viel weniger ruhig, als er dann hinabstürzte – mit einer vom einen Augenblick auf den anderen erreichten Geschwindigkeit von etwas mehr als zwanzigtausend Kilometern in der Stunde.

Die Dahak hatte die Transitschächte aus Rücksicht auf ihren Kommandanten und die Besatzung, die weitestgehend aus Terrageborenen bestand, deutlich verlangsamt, und doch wusste Colin, dass der Computer nicht verstand, warum sie alle eine derartige Angst vor der Geschwindigkeit hatten. Es war schon schlimm genug an Bord der Unterlicht-Kampfschiffe der Parasiten-Klasse, doch die größten dieser Schiffe waren kam schwerer als achtzigtausend Tonnen. In etwas derart Winzigem hatte man kaum die Zeit, sich seiner Gefühle bewusst zu werden, ehe die Reise auch schon wieder beendet war. Allerdings brauchte man selbst bei der auf der Dahak eingesetzten Geschwindigkeit fast zehn Minuten, um einmal den gewaltigen Rumpf des Schiffes zu durchqueren, und dadurch, dass man keinerlei Möglichkeit hatte, die eigene Geschwindigkeit in irgendeiner Weise subjektiv nachzuempfinden, wurde es fast noch schlimmer.

Die Kabine des Kommandanten jedoch war kaum einhundert Kilometer von Kommando-Eins entfernt – an Bord der Dahak war das wirklich keine Entfernung! –, und die ganze Reise dauerte gerade einmal achtzehn Sekunden. Was eigentlich nicht viel mehr als siebzehn Sekunden zu lang ist, dachte Colin, während er abrupt zum Stehen kam. Noch etwas wackelig auf den Beinen trat er in einen Gang hinaus, der mit einem dickflorigen Teppich ausgelegt war, und war sehr froh, dass niemand von seiner Mannschaft anwesend war, der hätte sehen können, wie sehr seine Knie zitterten, während er auf die massive Luke zuging, die zu Kommando-Eins führte.

Das Basrelief des dreischädligen Drachen, das Wappen der Dahak, schaute ihn an, den explodierenden Stern fest mit der erhobenen Vorderpfote gepackt. Einen Augenblick lang schienen Colin diese Augen zu beobachten, ein Blick voller unerschütterlicher Treue, einer Treue, die auch die Jahrtausende überdauert hatte, und dann glitt die Luke – fünfzehn Zentimeter imperialen Panzerstahls – zur Seite. Nur Augenblicke später öffneten und schlossen sich in kurzer Folge ein weiteres Dutzend Luken, während Colin weiter auf die gewaltige, nur matt beleuchtete Kugel zuschritt, die das Kommandodeck darstellte.

Die Steuerkonsolen schienen im Weltraum selbst zu schweben, umgeben von den atemberaubend perfekten Holo-Projektionen der Dahak. Die nächstgelegenen Sterne bewegten sich erkennbar. Dachte man allerdings ein wenig darüber nach, kam einem die Künstlichkeit dieser Projektionen nur allzu deutlich zu Bewusstsein. Die Dahak raste mit maximalem Schub ihres Enchanach-Antriebs durch das All; und bei siebenhundertzwanzigfacher Lichtgeschwindigkeit wäre die unmittelbare Beobachtung des Weltraums erkennbar verzerrt – mindestens.

»Kommandant auf Brücke!«, verkündete Dahak, und Colin verzog das Gesicht. Er musste wirklich etwas gegen Dahaks Manie unternehmen, mit allen Mitteln die Würde seines Kommandanten zu unterstreichen!

Die sechs Mitglieder der aktuellen Brückenwache, einer absoluten Minimalbesatzung, wollten sich gerade erheben, doch mit einer Handbewegung hielt Colin sie davon ab und ging zur Konsole des Kommandanten hinüber. Sterne zogen unter seinen Füßen vorbei, und Flottenkapitän Tamman, sein Taktischer Offizier und zweiter Stellvertreter, erhob sich von dem Sessel, der vor dieser Konsole stand.

»Kommandant«, grüßte er ebenso förmlich wie Dahak, und Colin gab sein Vorhaben, die Formalismen an Bord ein wenig einzuschränken, vorerst auf.

»Ich übernehme, Kapitän.« Dann ließ Colin sich auf den nun freien Sessel sinken und spürte, wie dieser sich unter ihm an seine, Colins, individuellen Körperformen anpasste. Es gab keine Veranlassung für Tamman, seinem Kommandanten einen Lagebericht vorzulegen; Colins eigener Neuralzugang zur Konsole selbst griff gerade genau auf diesen Bericht zu.

Mit einem milden, zufriedenen Lächeln schaute Colin zu, wie der Taktische Offizier sich zurückzog. Tamman war ein Altersgenosse von Jiltanith, eines der vierzehn ›Kinder‹ der Imperialen an Bord der Nergal, die den verzweifelten Sturm auf Anus Enklave überlebt hatten. Alle hatten sich dann Colin an Bord der Dahak angeschlossen, und dafür war er verdammt dankbar. Anders als die Terrageborenen konnten sie unmittelbar auf ihre Computer zugreifen und sie so verwenden, wie das allgemein im Imperium gehandhabt wurde; und so hatte Colin einen kleinen, zuverlässigen Kern biomechanisch erweiterter Offiziere, die ein Auge auf die einhundert begnadigten Meuterer halten konnten, die wiederum den aktiven Hauptteil der aktuellen Besatzung der unter Colins Kommando stehenden Dahak darstellten. Beizeiten würde Dahak auch alle Terrageborenen an diesen Standard anpassen; doch angesichts der Tatsache, dass die Besatzung aus insgesamt einhunderttausend Mann bestand, würde es sogar mit den Dahak zur Verfügung stehenden medizintechnischen Mitteln eine Weile dauern, diese Aufgabe zu erfüllen.

Entspannt lehnte sich Colin MacIntyre in dem bequemen Kommandosessel zurück, und sein mildes Lächeln schwand, als er bemerkte, dass in dem abgerufenen Bericht wieder die Sterne auf ihn zurasten und die Schiffe der Achuultani ihn verfolgten. Wie in einer Endlosschleife wurde der Bericht der Gruppenantenne immer und immer wieder abgespielt, und das, was Colin vor seinem inneren Auge zu ›sehen‹ bekam, erfüllte ihn mit tiefstem Entsetzen. Klar: Er hatte gewusst, dass die Achuultani kamen. Jetzt allerdings sah er sie ›mit eigenen Augen‹. Jetzt wurden sie real, greifbar, und das Gleiche galt auch für die schreckliche Aufgabe, vor der er und seine Mannschaft standen.

Die Dahak befand sich jetzt in mehr als siebenundzwanzig Lichtjahre Entfernung von der Erde, doch der nächstgelegene Stützpunkt der Flotte des Imperiums war mehr als zweihundert Lichtjahre weit entfernt gewesen, als die Dahak seinerzeit in die Umlaufbahn um die Erde eingeschwenkt war. Der eigentliche Herrschaftsbereich des Imperiums lag noch weit, weit dahinter. Aber den ungeheuren Entfernungen zum Trotz und trotz der Bedrohung, die stetig auf Colins Heimatplaneten zuhielt, hatte die Besatzung der Dahak gar keine andere Wahl, als sich auf diesen weiten Weg zu machen, denn nur das Imperium konnte ihnen die Hilfe zukommen lassen, die sie so dringend benötigten, um die Erde vor den immer näher rückenden Raumschiffen des Feindes zu retten.

Die Dahak hatte allerdings schon seit mehr als fünfzigtausend Jahren keinen Kontakt mehr mit dem Imperium aufnehmen können. Was, wenn es längst kein Imperium mehr gab?

Die Vorstellung schon war so entsetzlich, dass diese Frage nur höchst selten Gegenstand von Diskussionen wurde – sogar Colin selbst hatte es bisher meist vorgezogen, diese Frage zu verdrängen, und doch spukte sie ihm immer wieder durch den Kopf. Schließlich hatte Dahak sein HyperCom repariert, nachdem sich die erforderlichen Ersatzteile in der Enklave der Meuterer, die diese seinerzeit in der Antarktis eingerichtet hatten, gefunden hatten. Und sobald die Reparaturarbeiten abgeschlossen waren, hatte Dahak damit begonnen, einen Hilferuf ins All zu senden – auch jetzt strahlte er ihn beständig ab.

Und wie die Gruppenantennen vor ihm erhielt auch er keine Antwort.

Kapitel Zwei

Vizegouverneur Horus, ehemaliger Kommandant des Unterlicht-Kampfraumers Nergal und derzeit Vizekönig der Erde, stieß leise einen saftigen Fluch aus und sog an seinem verletzten Daumen.

Er ließ die Hand sinken und betrachtete mit säuerlicher Miene die Trümmer. Er arbeitete schon seit Jahrhunderten mit terranischen Geräten, und er wusste, wie zerbrechlich sie waren. Bedauerlicherweise stand inzwischen auch wieder imperiale Technik zur Verfügung, und er hatte vergessen, dass die Gegensprechanlage auf seinem Schreibtisch terranischen Ursprungs war.

Die Tür zu seinem Büro öffnete sich, und General Gerald Hatcher, Leiter des Generalstabs des Planeten Erde (vorausgesetzt, dass sie diese Organisation jemals auf die Beine gestellt bekamen!) streckte den Kopf durch die Tür und warf einen Blick auf das zersplitterte Tastfeld der Gegensprechanlage.

»Wenn Sie meine Aufmerksamkeit erregen wollen, Herr Gouverneur, dann ist es einfacher, mich anzupiepsen, als unbedingt Sirenen einzusetzen.«

»Sirenen?«

»Na ja, das hatte ich zumindest zuerst gedacht, als meine Gegensprechanlage plötzlich angefangen hat zu kreischen wie am Spieß. Hat Ihnen das Tastfeld irgendetwas getan, oder waren Sie einfach angepisst?«

»Die Menschen von Terra«, meinte Horus mit Nachdruck, »müssen wohl immer einen Spruch auf Lager haben, was?«

»Das ist eine unserer liebenswerteren Eigenschaften.« Hatcher lächelte Jiltaniths Vater an und setzte sich dann. »Ich nehme an, Sie wollten mich sprechen?«

»Ja.« Horus wedelte mit einem Stapel Computerausdrucke. »Haben Sie die hier gesehen?«

»Und das wären …?« Horus hörte auf zu wedeln, und Hatcher verrenkte sich fast den Hals in dem Versuch, die Überschrift zu erkennen. Dann nickte er. »Jou. Was ist damit?«

»Diesen Berichten zufolge ist der Zusammenschluss der Militärs bereits einen Monat hinter den Zeitplan zurückgefallen!«, begann sich Horus zu ereifern, dann jedoch hielt er inne und studierte Hatchers Gesichtsausdruck. »Warum sind Sie nicht überrascht oder peinlich berührt oder irgendetwas in dieser Art, General?«

»Weil wir deutlich besser vorangekommen sind, als ich erwartet habe«, gab Hatcher zurück. Horus seufzte resigniert und setzte sich wieder, als er das Funkeln in Hatchers Augen sah. Der General, so ging es ihm durch den Kopf, hat sich entschieden zu schnell und zu leicht damit abfinden können, dass sich auf seinem Heimatplaneten Außerirdische aufhalten!

»Ich nehme an«, fuhr der General unerschrocken fort, »ich hätte Ihnen sagen sollen, dass wir ganz bewusst einen Zeitplan aufgestellt haben, der sich keinesfalls einhalten lässt. Dann haben wir auf jeden Fall eine Entschuldigung, ein paar Leute anzubrüllen, egal wie gut die vorangekommen sind.« Er zuckte mit den Schultern. »Das ist nicht gerade nett, aber wenn man von einem Vier- oder Fünf-Sterne-General angebrüllt wird, dann kommt man normalerweise zu dem Schluss, dass man sich doch noch ein bisschen mehr anstrengen können sollte. Ist schon was Tolles, diese Brüllerei.«

»Ich verstehe.« Horus blickte ihn aufmerksam an. »Sie haben Recht – und hätten mir Ihre Einschätzungen früher mitteilen sollen. Oder sollten Sie etwa die Absicht gehabt haben, mich anzubrüllen?«

»Gott bewahre«, murmelte Hatcher.

»Das beruhigt mich aber«, versetzte Horus trocken. »Aber ich darf Ihrer Reaktion entnehmen, dass Sie mit den gemachten Fortschritten eigentlich ganz zufrieden sind, ja?«

»Angesichts der Tatsache, dass wir hier versuchen, militärische Strukturen miteinander zu verschmelzen, die, wie eng sie als Verbündete auch zusammengearbeitet haben, darauf in keinerlei Hinsicht ausgelegt sind, sind Frederick, Vassily und ich durchaus zufrieden damit, wie schnell das alles geht. Aber die Zeit rennt uns davon.«

Horus nickte. Sir Frederick Amesbury, Vassily Chernikov und Hatcher stellten das, was Vassily sehr gerne als Horus’ militärische Troika bezeichnete, und sie alle arbeiteten wie besessen an einer fast unmöglichen Aufgabe. Ihnen blieben jedoch kaum zwei Jahre, bis die ersten Aufklärer-Verbände der Achuultani die Erde erreichen würden.

»Wo liegt die größte Schwierigkeit?«, fragte Horus.

»Bei der Asiatischen Allianz natürlich.« Hatcher verzog das Gesicht. »Der Stichtag ist schon fast da, und die sitzen immer noch zwischen den Stühlen! Die haben sich noch nicht entschieden, ob sie sich uns anschließen oder uns doch lieber bekämpfen wollen. Das ist unglaublich ärgerlich, aber überraschend kommt das nicht. Ich glaube nicht, dass Marschall Tsien sich offen gegen uns zu stellen gedenkt; aber er lässt sich auf jeden Fall über Gebühr Zeit, und keines der anderen einflussreicheren Mitglieder der Allianz wird sich rühren, solange er keine Entscheidung getroffen hat.«

»Spricht irgendetwas dagegen, in diesem Fall zu verlangen, die Allianz solle ihn absetzten?« Obwohl als Frage formuliert, klang der Satz nicht so.

»Weil wir das nicht können. Er ist nicht einfach nur deren Erster Mann: Er ist zugleich der Beste, den die haben. Und das wissen die auch. Viele ihrer politischen Führungskräfte waren Anus Marionetten und die seiner Spießgesellen – und sind ums Leben gekommen, als ihr die Enklave eingenommen habt -. Tsien ist in der Tat der Einzige, dem das Militär der Allianz noch vertraut. Und so sehr er uns auch hassen mag, er ist dabei weit weniger militant als viele seiner Untergebenen.« Hatcher zuckte mit den Achseln. »Wir haben ihn gebeten, sich persönlich mit uns zu treffen, und das hat er wenigstens schon mal akzeptiert. Dann ist es an uns, unser Bestes zu geben, denn er ist verdammt gerissen, Horus! Bestimmt ändert er bald seine Meinung über uns, spätestens, sobald er erst die Vorstellung losgeworden ist, der Westen habe ihn doch irgendwie besiegt.«

Wieder nickte Horus. Aus dem Blickwinkel von Tsien und seinen Leuten gehörte jeder der obersten Generäle dieser neuen politischen Gruppierung zum ›Westen‹. Dass Anu und seine Bande von Meuterern die verschiedensten Regierungen und terroristischen Vereinigungen infiltriert hatten, um die Erste und die Dritte Welt gegeneinander auszuspielen, war etwas, das auch bei den Bewohnern der westlichen Welt erst allmählich durchsickerte. Es würde gewiss noch eine Zeit lang dauern, bis die Gegenseite dies ebenfalls emotional zu akzeptieren bereit wäre. Einige politische Führungen, etwa die aus dem religiös-fanatischen Lager in Ländern wie Iran oder Syrien, hingegen wären dazu niemals bereit gewesen, und so waren ihre Militärs eben entwaffnet worden … bedauerlicherweise nicht ohne Verluste.

»Außerdem«, fuhr Hatcher fort, »ist Tsien nun einmal ihr Oberster Befehlshaber, und wir brauchen ihn. Wenn das hier wirklich klappen soll, dann haben wir gar keine andere Wahl: die verschiedenen Völker werden … nein, vergessen Sie, wie ich das gesagt habe: Wir werden die Militärs aller Völker der Erde unter einem einzigen gemeinsamen Befehlsaufbau vereinigen müssen. Wir können der Allianz nicht ausschließlich nicht-asiatische Offiziere aufs Auge drücken und erwarten, dass das klappt.«

»Also gut.« Horus warf die Ausdrucke wieder in den Eingangskorb auf seinem Schreibtisch. »Ich werde eine Erklärung herausgeben lassen, in der ich meine Bereitschaft zu einem persönlichem Treffen mit Tsien erkläre – sofern Sie, General, der Meinung sind, das könne hilfreich sein. Ansonsten gehe ich Ihnen aus dem Weg und lasse Sie das machen! Ich habe noch genug andere Sorgen.«

»Als ob ich das nicht wüsste! Tauschen möchte ich mit Ihnen im Moment wirklich nicht.«

»Ihre Selbstlosigkeit überwältigt mich geradezu«, murmelte Horus, und wieder musste Hatcher lächeln. »Und wie läuft der Rest?«

»So gut, wie das zu erwarten war.« Horus zuckte mit den Schultern. »Ich wünschte, wir hätten ungefähr das Tausendfache an imperialer Ausrüstung, aber die Lage wird langsam besser, jetzt wo die Orbit-Fabrikationsanlagen in Schwung kommen, die die Dahak für uns zurückgelassen hat.

Dass diese Fabrikationsanlagen sich momentan noch selbst zu replizieren haben, frisst einen Großteil von deren Kapazitäten. Nur einen kleineren Teil der Gesamtproduktion macht die Erzeugung von Baumaterial und Baugerätschaften aus. Trotzdem sollten wir klarkommen. Das Ganze verhält sich eben wie eine geometrische Folge, verstehen Sie? Das ist einer der Vorzüge dieser vollautomatischen Anlagen: Bei denen muss man sich eben nicht um so unbedeutende Kleinigkeiten wie ›Erholungspausen‹ oder ›Mittagessen‹ kümmern.

Wir liegen fast noch im Zeitplan, was das Aufstellen der Technologie-Basis betrifft, die Anu seinerzeit mitgebracht hat, und das an Technologie, was uns die Dahak zur Verfügung gestellt hat, läuft sogar schon. Wir stoßen natürlich auf ein paar Probleme, aber das ist ja zu erwarten, wenn man eine völlig neue Industrie-Infrastruktur aufbaut. Um ehrlich zu sein, mache ich mir am meisten Sorgen um die planetaren Verteidigungszentren, aber darum kümmert sich Geb.«

Geb, zuvor der Leitende Ingenieur der Nergal, derzeit eines der führenden Mitglieder des aus dreißig Männern und Frauen bestehenden Planetaren Rates, der Horus dabei half, den ganzen Planeten zu regieren, arbeitete derzeit neunzehn Stunden am Tag als Oberster Bauleiter der Erde. Hatcher beneidete ihn ganz und gar nicht um diesen anstrengenden Job. Es gab eben viel zu wenige Imperiale, die das imperiale Baugerät hätten bedienen können, das inzwischen schon zur Verfügung stand. Und wenn auch Bauarbeiter mit rein terranischer Ausrüstung den Druck auf die Imperialen so weit als möglich zu vermindern suchten, konnte man sich angesichts der ungeheuren Aufgabe, die es zu erledigen galt, des Eindrucks nicht erwehren, Kulis müssten die Hauptlast der Arbeit tragen.

Geb und Horus hatten die Idee verworfen, das Baugerät imperialen Ursprungs neu zu konfigurieren – oder neu zu bauen –, damit auch biomechanisch nicht erweiterte Terrageborene dies würden einsetzen können. Imperiales Baugeräte war darauf ausgelegt, dass diejenigen, die es benutzten, mit Hilfe ihrer Implantate eine direkte Verbindung dazu herstellen konnten, und das abzuändern würde die Effizienz der Gerätschaft drastisch vermindern. Außerdem, in derselben Zeit, die nötig war, die Geräte entsprechend anzupassen, sollte es möglich sein, auch hinreichend viele Terrageborene biomechanisch zu erweitern: Dann jedoch wären diese Modifikation am Gerät letztendlich unnötig.

Und das erinnerte Horus noch an einen weiteren Punkt.

»Wir sind jetzt so weit, dass auch Nicht-Militärs erweitert werden könnten.«

»Wirklich?« Hatchers Miene hellte sich sichtlich auf. »Das ist ja prima!«

»Ja, aber zugleich verschlimmert das auch wieder ein anderes Problem. Jede Person, die wir den entsprechenden Operationen unterziehen, wird mindestens einen Monat ausfallen – realistischer sind zwei oder drei Monate –, weil man sich zunächst einmal an die Implantate und den Umgang damit gewöhnen muss. Also müssen wir jedes Mal, wenn wir einen von unseren Top-Leuten modifizieren, für diesen Zeitraum auf ihn verzichten.«

»Da sagen Sie mir nichts Neues«, brummte Hatcher säuerlich. »Ist Ihnen klar … ja, natürlich ist es das! Aber es ist irgendwie schon peinlich für die ganzen hohen Tiere, dass sie im Vergleich zu ihren Untergebenen solche Schlappschwänze sind. Erinnern Sie sich noch an meinen Adjutanten, Allen Germaine?« Horus nickte. »Ich bin gestern am Walter-Reed-Erweiterungszentrum vorbeigegangen, um ihn zu besuchen. Da saß er also und machte fröhlich Knoten in Stahlstäbe, die mindestens einen Zentimeter dick waren, einfach nur, um ein bisschen zu üben, und auf der anderen Seite war ich, in meinem Körper, der so langsam in die besten Jahre kommt, und fühlte mich auf einmal unendlich schlapp. Und ich war bisher immer der Ansicht, ich sei für mein Alter verdammt fit! Und in ein paar Wochen ist der wieder zurück im Büro. Das wird dann erst deprimierend!«

»Ich weiß.« Horus Augen blitzten. »Aber damit werden Sie sich vorerst einfach abfinden müssen. Ich kann keinen meiner wichtigsten Männer für die Eingriffe entbehren, solange nicht alles reibungslos und nach Plan läuft.«

»Na, das nenne ich mal eine effiziente Motivation!«

»Nicht wahr?«, merkte Horus mit einem verschlagenen Grinsen an. »Ach, und wo wir gerade davon sprechen, dass alles nach Plan läuft: Was halten Sie von den Verteidigungssystemen, die ich vorgeschlagen habe?«

»Nach dem, was ich von der dahinter stehenden Technologie verstanden habe, sieht das für mich ganz gut aus, aber es wäre mir lieber, wenn wir unsere Verteidigung-Systeme im Orbit noch etwas würden in die Tiefe ausbauen können. Ich habe mir die Daten über die Vorgehensweise der Achuultani angesehen, die von der Dahak geschickt worden sind – das ist übrigens auch noch was, was ich unbedingt haben will: so einen Neuralzugang! –, und mir gefällt ganz und gar nicht, wie begeistert diese Achuultani von Projektilwaffen sind. Können wir wirklich etwas aufhalten, was so groß ist wie … wie der Ceres meinetwegen, von denen noch mit Schutzschilden bestückt, bevor die uns das entgegenschleudern?«

»Geb zumindest ist überzeugt davon, aber wahrscheinlich würde das viele Gefechtsköpfe erfordern. Deswegen brauchen wir ja so viele Abschussvorrichtungen.«

»Schön und gut, aber falls die sich für einen systematischen, methodischen Angriff entscheiden, dann werden sie zuerst alle Peripher-Waffen ausschalten! Das ist die klassische Belagerungstechnik, egal von welchen Waffen dabei die Rede ist, und deswegen möchte ich etwas mehr Distanz zwischen den Verteidigungsgürteln, um das Aufreiben der Orbital-Anlagen zu verlangsamen.«

»Einverstanden. Aber zuerst müssen wir die inneren Verteidigungsanlagen in Position bringen, deswegen treibe ich ja auch den Aufbau des PVZ so voran! Diese sollen den planetaren Schutzschild aufbauen, und die Geschützbatterien brauchen wir genauso dringend! Nicht einmal imperiale Energiewaffen können wirklich effizient die Atmosphäre durchdringen. Setzt man sie aber dort ein, stellen diese Energiewaffen lustige Dinge mit dem Strahlstrom in der Troposphäre und der Ozonschicht an. Das ist einer der Gründe, weswegen es einfacher ist, hübsche, atmosphärelose Monde und Asteroiden zu verteidigen.«

»Hm-hmm.« Hatcher zupfte an seiner Oberlippe. »Ich fürchte, ich habe mich in letzter Zeit zu sehr mit Truppenbewegungen und dem Befehlsaufbau befasst: Über Hardware-Probleme habe ich mich nicht so auf dem Laufenden gehalten, wie nötig gewesen wäre. Vassily ist unser ›Mann fürs Praktischem Aber liege ich mit der Vermutung richtig, das geschilderte Problem liegt in den Hyper-Abschussvorrichtungen?«

»Volltreffer! Um genau zu sein: bei den HyperWerfern. Da wir uns nicht auf Strahlenwaffen verlassen können, brauchen wir Raketen, aber Raketen ziehen eben wieder ganz eigene Probleme nach sich. Wie Colin so gerne sagt: ›Alles hat seine Vor- und Nachteile‹.

Unterlicht-Raketen kann man von jedem beliebigen Punkt aus abfeuern, aber die lassen sich recht leicht abfangen, vor allem über interplanetarische Entfernungen hinweg. HyperRaketen kann man nicht abfangen, allerdings kann man die auch nicht durch die Atmosphäre schicken. Selbst Luft besitzt eine gewisse Masse, und die Masse, mit der eine HyperRakete in den Hyperraum eintritt, ist entscheidend dafür, wo sie wieder in den Normalraum zurückkehrt. Deswegen bringen Kampfschiffe ihre HyperRaketen ja immer innerhalb ihrer Schilde in Position, bevor sie sie abschießen.«

Hatcher beugte sich vor und lauschte aufmerksam. Vor der Meuterei war Horus Geschütz-Spezialist gewesen; was auch immer er zu diesem Thema zu sagen hatte: Der General wollte keine Silbe davon verpassen.

»Das können wir nicht von einem Planeten aus tun. Na ja, wir könnten schon, aber planetare Schutzschilde sind etwas anderes als die Schilde eines Kampfraumers! Zumindest bei bewohnten Planeten. Die Schilddichte ist abhängig von der Schildfläche; über ein gewisses Maß hinaus kann man einen Schild nicht weiter verdichten, wie viel Energie man auch hineinsteckt. Um den Schild zur Abwehr auch wirklich großer Projektile dicht genug zu machen, müssten wir den Schild bis in unsere Mesosphäre hinein kontrahieren. Die meisten kleineren Waffen können wir auch dann noch abwehren, wenn der Schild über die Atmosphäre hinausreicht, aber nicht die richtig großen Brocken! Und wir können nicht einfach davon ausgehen, dass wir es nicht mit schweren Geschossen zu tun bekommen werden. Eigentlich dürfte eben der Einsatz schwerer Geschosse sogar genau der Grund sein, aus dem wir unsere eigenen Raketen von planetaren Stützpunkten aus werden abfeuern müssen.«

»Und wenn der Schild kontrahiert wird, dann befänden sich die Raketen außerhalb, sodass die Achuultani sie einfach ausschalten könnten.«

»Ganz genau. Also müssen wir einplanen, die Raketen unmittelbar bei Abschuss in den Hyperraum zu schicken; und das bedeutet, dass wir Werfer brauchen, die groß genug sind, das gesamte HyperFeld einzuschließen – also etwa das Dreifache des Volumens der jeweiligen Rakete selbst –, oder die Werfer reißen Stücke aus dem Verteidigungszentrum heraus, wenn sie losjagen.« Horus zuckte mit den Schultern. »Da eine schwere HyperRakete etwa vierzig Meter lang ist, und der Werfer luftdicht abgeschlossen und außerdem jederzeit innerhalb von Sekundenbruchteilen evakuierbar sein muss, ist wohl klar, dass allein schon der Bau von diesen Dinger eine wirklich innovative Ingenieurleistung verlangt.«

»Ich verstehe.« Nachdenklich legte Hatcher die Stirn in Falten. »Wie weit sind Sie bisher hinter dem Zeitplan zurückgefallen, Horus? Wir werden diese Werfer brauchen, um unsere Orbital-Verteidigung zu decken, egal was passiert.«

»Ach, bisher stecken wir noch nicht in Schwierigkeiten. Geb hatte in seinen Plänen von vorneherein einen gewissen Zeitverlust einkalkuliert, von dem er meint, er könne den auch wieder aufholen, sobald erst einmal mehr imperiales Gerät online gegangen ist. Lassen Sie uns noch sechs Monate, dann sollten wir wieder ganz im Zeitplan liegen! Selbst gemäß der pessimistischsten Schätzung, die Dahak abgegeben hat, bleiben uns noch zwei Jahre, bis die Achuultani eintreffen, und bei der ersten Angriffswelle sollten wir es nur mit etwa eintausend Aufklärern zu tun bekommen. Wenn wir denen eine hinreichend starke Abreibung verpassen, dann bleibt uns schätzungsweise ein weiteres Jahr, in dem wir unsere Verteidigung ausbauen können, bevor die Hauptflotte eintrifft. Und es steht zu hoffen, dass wir selbst bis dahin auch über weitere Kriegsraumer verfügen.«

»Das steht zu hoffen«, pflichtete Hatcher ihm bei. Er versuchte, möglichst zuversichtlich zu klingen, doch Horus und er wussten genau, was hier auf dem Spiel stand. Sie wussten, dass sie eine gute Chance hatten, die Aufklärer der Achuultani abzuwehren. Aber wenn Colin nicht die Hilfe fand, die sie unbedingt brauchten, dann hatte die Erde gegen die Hauptangriffswelle des Feindes nicht den Hauch einer Chance.

Der kalte Winterwind und der dunkle, wolkenverhangene Himmel über den Betonautobahnen von T’ai-yuan erschien Marschall Tsien Tao-ling seine eigene Stimmung angemessen widerzuspiegeln. Seit zwölf Jahren führte der massige Tsien, in seinem Uniformmantel stets eine eindrucksvolle Gestalt, teilnahmslos das Militär der Asiatischen Allianz; er hatte sich diesen Posten aufgrund seiner Entschiedenheit, seiner Hingabe und nicht zuletzt seiner Fähigkeiten verdient. Seine Macht war bisher nahezu uneingeschränkt gewesen – in diesen Zeiten eine wahre Seltenheit. Und nun war es eben diese Macht, die wie eine schwere Eisenkette auf ihm lastete, an der er zu einer Entscheidung gezerrt wurde, die er nicht treffen wollte.

In einem Zeitraum von weniger als fünfzig Jahren hatte sein Heimatland alle erwähnenswerten Länder Asiens vereint – nur die Japaner und die Filipinos fehlten, und beide konnte man kaum noch als ›Asiaten‹ bezeichnen. Die Aufgabe war nicht einfach gewesen; der Preis, der dafür hatte gezahlt werden müssen, war hoch, und es war auch nicht ohne Blutvergießen abgegangen. Die Allianz indes hatte eine Militärmaschinerie auf die Beine gestellt, die sogar der Westen zu respektieren gezwungen war. Viel der Arbeit, die dafür hatte erledigt werden müssen, war sein eigenes Werk gewesen, die Frucht seines Eides, sein Volk, die Partei und den Staat zu verteidigen, und nun mochte seine eigene Entscheidung dafür sorgen, dass all die Bemühungen, all die Opfer sich als vergebens erwiesen.

Oh ja, dachte er und schritt rascher aus, das ist ganz genau der richtige Himmel für mich!

General Quang eilte ihm hinterher, mit seiner Fistelstimme trug er einen aussichtslosen Kampf gegen den Wind aus. Tsien war ein gewaltiger Mann, fast zwei Meter groß, selbst wenn er keine Schuhe trug – er stammte aus der Provinz Yunnan. Quang hingegen war nicht nur kleinwüchsig, sondern auch noch Vietnamese, und alle großen Reden über die asiatische Solidarität täuschten nicht darüber hinweg, dass die Südchinesen und ihre vietnamesischen ›Brüder‹ einander nicht ausstehen konnten. Tausend Jahre Feindschaft ließen sich nicht so einfach vergessen, und ebenso wenig die Zeit, in der Vietnam nur eine Marionette der Sowjets gewesen war, und die Tatsache, dass Quang eine nur mit äußerst eingeschränkter Kompetenz gesegnete Heulsuse war, die allerdings leider in der Partei über beträchtliche Kontakte verfügte, machte es nur noch schlimmer.

Quang gab auf, er schnaufte vor Anstrengung, und der Marschall gestattete sich innerlich ein Lächeln. Er wusste, dass der kleinere Mann es verabscheute, wie lächerlich es aussah, wenn er versuchte, sich den großen Schritten des Marschalls anzupassen, und genau das war der Grund, warum Tsien immer besonderen Wert darauf legte, bei Treffen mit Quang sich mit besonders raumgreifenden Schritten vorwärts zu bewegen. Doch am meisten, das musste er sich selbst gegenüber eingestehen, missfiel es ihm, einen Narren wie Quang Dinge aussprechen zu hören, die er in letzter Zeit selbst gedacht hatte.

Und was ist mit mir? Ob seines eigenen Gedankens runzelte Tsien die Stirn. Ich bin ein Diener der Partei, ich habe geschworen, den Staat zu beschützen – aber was soll ich tun, nachdem nun die Hälfte des Zentralkomitees verschwunden ist? Kann es wahr sein, dass so viele von ihnen Verräter waren – nicht nur dem Staat gegenüber, sondern der ganzen Menschheit? Doch weshalb sollten sie denn sonst verschwunden sein? Und wie soll ich mich entscheiden, wenn meine eigene Entscheidung auf einmal so alles entscheidend geworden ist?

Er blickte zu dem schnittigen Fahrzeug auf, das ihn auf der Rollbahn erwartete. Der Rumpf aus einer bronzefarbenen Legierung schimmerte im Licht dieses wolkenverhangenen Nachmittags nur wenig, und die Frau mit der olivbraunen Haut, die neben der offenen Luke stand, sah nicht ganz aus wie eine Orientalin. Der Anblick rief etwas in ihm hervor, was er nur selten verspürte: Unsicherheit. Und das ließ ihn wieder an das denken, was Quang gesagt hatte. Er seufzte und hielt inne, und dank jahrelanger Übung blieb seine Miene völlig ausdruckslos.

»General, was Sie hier vorbringen, ist mir nicht neu. Man hat diese Argumente gründlich abgewogen, sowohl Ihre Regierung als auch die meine« – zumindest das, was davon übrig geblieben ist, Idiot! – »und die Entscheidung ist gefallen. Solange seine Bedingungen nicht völlig über ein akzeptables Maß hinausgehen, werden wir den Forderungen dieses Planetaren Gouverneurs nachkommen.« Vorerst zumindest.

»Die Partei wurde nicht gut beraten«, murmelte Quang. »Das ist ein Trick.«

»Ein Trick, Genosse General?« Tsiens schmales Lächeln war ebenso frostig wie der Wind. »Ihnen ist vielleicht schon aufgefallen, das kein Mond mehr an unserem Nachthimmel steht? Sie sind vielleicht schon auf die Idee gekommen, dass jemand, der über ein derart großes und leistungsfähiges Kriegsschiff verfügt, es nicht nötig hat, sich Tricks zu bedienen? Sollten Sie nicht schon von selbst auf diese Gedanken gekommen sein, so müsste ich Ihnen raten, sich genau darüber einmal Gedanken zu machen, Genosse General!« Mit dem Kinn deutete er auf den geduldig auf der Landebahn stehenden imperialen Kutter. »Dieses Fahrzeug hier könnte diesen ganzen Stützpunkt in Schutt und Asche legen, und nichts, was wir haben, würde es auch nur orten können, geschweige denn aufhalten. Glauben Sie wirklich, dass der Westen, jetzt, da er über hunderte noch viel mächtigere Waffen verfügt, uns nicht einfach würde entwaffnen können, so wie er das bei den Verrückten in Südwestasien schon getan hat?«

»Aber …«

»Ersparen Sie mir Ihre Anmerkungen, Genosse General!«, fiel ihm Tsien scharf ins Wort. Vor allem, weil das, was du sagst, meinen eigenen Bedenken erschreckend nahe kommt! Ich habe hier eine Aufgabe zu erfüllen, und du machst es mir nicht gerade leichter. »Wir haben zwei Möglichkeiten: den Forderungen nachkommen oder selbst die armseligen Waffen verlieren, über die wir derzeit verfügen. Es ist möglich, dass sie es ehrlich meinen, dass diese Gefahr, von der sie sprechen, tatsächlich existiert. Sollte das der Fall sein, so würde Widerstand uns allen ein viel entsetzlicheres Schicksal bescheren als Entwaffnung oder Besatzung. Sollten sie lügen, so haben wir vielleicht wenigstens die Möglichkeit, ihre neue Technologie mit eigenen Augen zu sehen, ja, sie vielleicht sogar selbst zur Hand nehmen und nutzen zu dürfen.«

»Aber …«

»Ich werde es nicht noch einmal sagen, Genosse General!« Jetzt klang Tsiens Stimme mit einem Mal sehr sanft, und Quang erbleichte. »Es ist schon schlimm genug, wenn Subalternoffiziere Befehle in Frage stellen; bei Offizieren im Generalsrang werde ich das nicht dulden! Habe ich mich klar genug ausgedrückt, Genosse General?«

»J-ja«, brachte Quang hervor, und Tsien hob eine Augenbraue und bedachte ihn mit einem eisigen Blick. Quang musste schlucken. »Genosse Marschall«, fügte er dann noch schnell hinzu.

»Ich bin erleichtert, zu hören, dass Sie mich verstanden haben«, gab Tsien, nun sehr viel freundlicher, zurück, und sie setzten sich wieder in Bewegung, gingen wieder auf den Kutter zu. Schweigend ging Quang weiter, doch der Marschall konnte den Unmut und Widerstand des Mannes neben ihm regelrecht spüren. Quang und seinesgleichen, vor allem die aus der Parteibasis, waren gefährlich. Sie waren durchaus in der Lage, etwas äußerst Dummes zu tun, und der Marschall beschloss, beizeiten dafür zu sorgen, dass Quang ein weniger heikles Aufgabengebiet erhielt. Vielleicht das Kommando über die Überwachungsflüge und die Stützpunkte der Boden-Luft-Marschflugkörper vor dem japanischen Meer. Dieser einst sehr prestigeträchtige Posten war inzwischen völlig bedeutungslos, aber Quang würde wahrscheinlich einige Monate brauchen, um genau das zu bemerken.

Und in der Zwischenzeit konnte Tsien sich mit dem befassen, was wirklich wichtig war. Er kannte diesen Amerikaner, diesen Hatcher, nicht, der für diese … Wesen sprach, die das Kommando über die Erde übernommen hatten. Aber Chernikov war er bereits begegnet. Chernikov war Russe, und deswegen konnte man ihm schon aus Prinzip nicht trauen. Chernikovs Professionalität hatte Tsien fast gegen seinen Willen durchaus beeindruckt, und er schien Hatcher und diesen Briten, diesen Amesbury, zu respektieren. Vielleicht war Hatcher ja tatsächlich aufrichtig. Vielleicht war sein Angebot einer Zusammenarbeit, eines gleichen Anteils an dieser neuen, planetenweiten Militärorganisation, tatsächlich echt. Immerhin hatte es deutlich weniger ungeheuerliche Forderungen seitens seiner politischen Herren und Meister, dieses ›Planetaren Rats‹, gegeben, als Tsien befürchtet hatte. Vielleicht war das ein gutes Zeichen.

Das wäre auch besser so. Alles, was er Quang entgegnet hatte, war völlig korrekt gewesen; die militärische Vormachtstellung der Gegenseite machte Widerstand völlig hoffnungslos. Doch Asien befand sich nicht das erste Mal in seiner Geschichte in einer hoffnungslosen Situation, und wenn diese Westler die gewaltige Anzahl an Arbeitskräften etwa, die Asien zu bieten hatte, effizient nutzen wollten, dann musste Asien früher oder später auch etwas von dieser neuen Militärtechnologie in die Hände fallen.

Tsien hatte dieses Argument vor einem Dutzend verängstigter, wütender Jungspunde vorgebracht, und doch war er sich nicht sicher, ob er überhaupt selbst davon überzeugt war; und es verärgerte ihn regelrecht, dass er sich nicht einmal sicher war, ob seine Zweifel nun rationaler oder emotionaler Natur waren. Nach so vielen Jahren der Feindschaft war es schwer, mit kalter Logik an einen wie auch immer gearteten Vorschlag des Westens heranzugehen, und doch, tief in seinem Herzen, glaubte er nicht, dass sie logen. Das Maß ihrer aktuellen Überlegenheit war einfach zu groß. Sie waren zu besorgt, zu beunruhigt darüber, dass diese ›Achuultani‹ kamen, als dass diese Bedrohung nur vorgeschoben, nur eine Erfindung sein konnte.

Die Pilotin, der immer noch vor der Maschine wartete, salutierte und gestattete ihm, vor ihr an Bord zu gehen, dann nahm sie hinter den Instrumenten Platz. Das kleine, fast lautlose Fahrzeug schoss himmelwärts, dann jagte es davon, beschleunigte vom einen Augenblick auf den anderen auf achtfache Schallgeschwindigkeit. Tsien spürte nicht das Geringste von der Beschleunigung, doch ein anderes Gewicht legte sich schwer auf seine Seele – die Last der Unausweichlichkeit. Es wehte der Wind, der Veränderung mit sich bringt, wirbelte über die ganze Welt, wie ein Taifun, und der Versuch, sich gegen diesen Wind zu stellen, war nicht mehr als eine Mauer aus Stroh. Was auch immer Quang und seinesgleichen fürchteten, wie auch immer er, Tsien, selbst darüber denken mochte, sie mussten sich von diesem Wind tragen lassen oder untergehen.

Wenigstens war Chinas Kultur alt, und es gab zwei Milliarden Chinesen. Wenn die Versprechen dieses Planetaren Rates ernst gemeint waren, wenn alle Weltbürger tatsächlich in gleichem Maße Chancengleichheit und Zugang zu Wohlstand haben würden, dann verlieh allein diese Tatsache seinem Volk immensen Einfluss.

Er lächelte in sich hinein. Vielleicht hatten diese oberflächlichen Westler vergessen, dass China auch wusste, wie man Angreifer unterwarf, die man nicht besiegen konnte.

Kapitel Drei

Höflich erhoben sich General Hatcher und seine Kollegen, als Marschall Tsien den Konferenzsaal betrat – mit gestrafften Schultern und ausdrucksloser Miene. Für einen Chinesen ist das wirklich ein verdammt großer Bursche, dachte Hatcher, schließlich war Tsien sogar größer als Vassily, und dabei breit genug, dass Hatcher zweimal hineingepasst hätte.

»Marschall«, sagte er und streckte ihm die Hand entgegen. Tsien ergriff sie nach nur einem Sekundenbruchteil des Zögerns, doch sein Handschlag war fest. »Danke, dass Sie gekommen sind! Nehmen Sie doch bitte Platz!«

Bewusst wartete Tsien ab, bis sich alle seine ›Gastgeber‹ gesetzt hatten, dann nahm auch er Platz und legte seine Aktentasche akkurat auf den Tisch. Hatcher wusste, dass Frederick und Vassily Recht hatten, darauf zu bestehen, dass er, als einziges Gründungsmitglied dieser neuen Vereinigung Oberster Stabschefs der Erde, das nicht bereits zuvor Verbindungen zu den Imperialen gehabt hatte, als ihr Vorsitzender auftrat. Allerdings wünschte er sich immer noch, er hätte ablehnen können. Dieser schweigende Mann mit der harten, ausdruckslosen Miene war der einflussreichste Militär auf dem ganzen Planeten, er war für den Erfolg ihres Planes absolut unerlässlich, und er sah – das sollte nicht verschwiegen werden – ganz und gar nicht glücklich aus.

»Marschall«, ergriff Hatcher schließlich das Wort, »wir hatten Sie gebeten, mit uns zusammenzutreffen, damit wir ohne den … Druck miteinander würden sprechen können, der sich aus der Anwesenheit von Zivilisten ergibt – von welcher Seite auch immer, Ihrer oder unserer. Wir werden Sie nicht auffordern, hinter dem Rücken Ihrer Parteivorsitzenden auf irgendeinen Handel einzugehen. Aber es gibt gewisse pragmatische Gegebenheiten, denen wir uns alle gleichermaßen zu stellen haben. Dass Sie Schwierigkeiten überwinden müssen, um allein diesen Umstand anerkennen zu können, wissen wir nur allzu gut. Wir hoffen …«, er schaute dem Marschall geradewegs in die dunklen, unergründlichen Augen, »… Sie verstehen, dass es uns nicht anders geht.«

»Ich verstehe nur allzu gut«, entgegnete Tsien, »dass meine Regierung und andere, denen gegenüber wir verpflichtet sind, vor ein Ultimatum gestellt wurden.«

Hatcher gelang es gerade noch, nicht gequält das Gesicht zu verziehen. Das präzise, akzentfreie Englisch des Marschalls ließ seine fast tonlos hervorgebrachten Worte nur noch weniger vielversprechend klingen. Gleichzeitig jedoch gaben diese Worte Hatcher eine Richtung vor, in der er argumentieren könnte, um den Marschall zu überzeugen. Er sprang ins kalte Wasser, bevor er sich noch aus Gründen der Vorsicht für eine andere Taktik entscheiden konnte.

»Also gut, Marschall Tsien, ich akzeptiere Ihre Wortwahl. Tatsächlich stimme ich Ihnen sogar in Ihrer Bewertung der Lage zu.« Er glaubte, im Blick seines Gegenübers einen Funken Überraschung bemerkt zu haben, und sprach mit ruhiger Stimme sofort weiter. »Aber wir gehören dem Militär an. Wir wissen, was geschehen kann, wenn dieses Ultimatum abläuft, und, so hoffe ich doch, wir sind alle realistisch genug, die Wahrheit zu akzeptieren, so wenig sie uns auch erträglich erscheinen mag, und unser Bestes zu tun, damit zu leben.«

»Ich bitte um Verzeihung, General Hatcher«, erwiderte Tsien, »aber die Wahrheit, die sich Ihre Länder gezwungen sehen, anzuerkennen, erscheint mir doch ein wenig erträglicher zu sein, als die Wahrheit, die Sie uns oder unseren Verbündeten anbieten. Unseren asiatischen Verbündeten. Ich sehe hier einen Amerikaner, einen ConEuropäer, einen Russen – ich sehe keinen Chinesen, keinen Koreaner, keinen Thai, keinen Kambodschaner, keinen Malayen. Ich sehe nicht einmal einen Ihrer Japaner.« Beredt zuckte er mit den Schultern.

»Nein, das tun Sie nicht – noch nicht«, gab Hatcher mit ruhiger Stimme zurück, und Tsiens Blick wurde noch schärfer. »Allerdings wird sich General Tama, der Imperiale Stabschef Japans, uns anschließen, sobald er seine derzeitigen Amtsgeschäfte übergeben hat. Das Gleiche gilt für Vizeadmiral Hawter von der Royal Australian Navy. Wir hoffen, dass auch Sie, Marschall, sich uns anschließen und Sie drei weitere Mitglieder dieser Körperschaft nominieren.«

»Drei?« Tsien runzelte leicht die Stirn. Das war mehr, als er erwartet hatte. Das würde bedeuten: vier Mitglieder der Allianz gegen nur fünf der Westmächte. Aber war das genug? Nachdenklich rieb er mit dem Zeigefinger über die Tischplatte. »Das ist kaum eine angemessene Verteilung, wenn man die jeweiligen Bevölkerungszahlen zugrunde legt, und doch …«

Er beendete den Satz nicht, und Hatcher war sofort bereit, in diese Bresche zu springen.

»Wenn Sie die Nationen bedenken, die die Männer, die ich gerade eben erwähnt habe, repräsentieren, dann werden Sie, so bin ich überzeugt, zugeben müssen, dass die Verteilung, wenn man die tatsächliche militärische Macht zugrunde legt, durchaus nicht unangemessen ist.« Erneut erwiderte er bewusst Tsiens Blick und hoffte dabei, der andere könne sehen, wie ernst es ihm war. Der Marschall stimmte ihm nicht zu, doch er widersprach auch nicht, und bedächtig sprach Hatcher weiter.

»Ich darf Sie vielleicht auch noch daran erinnern, Marschall Tsien, dass Sie hier weder einen Vertreter des Radikal-Islamischen Blocks sehen, und ebenso wenig einen Vertreter der Hardliner der Ersten Welt, und das wird auch so bleiben. Sie sagen, wir würden die Westmächte vertreten, und wenn man unsere Geburtsorte dabei in Betracht zieht, dann ist dem auch so. Aber wir sind hier als Repräsentanten von Flottenkapitän Horus in seiner Eigenschaft als Vizegouverneur der Erde, und von den fünf Personen, die ich gerade eben aufgezählt habe, gehörten zuvor nur Marschall Chernikov und General Tama – die beide seit langer Zeit persönliche und familiäre Verbindung zu den Angehörigen des Imperiums haben – bereits zuvor zu den Stabschefs ihrer jeweiligen Nation. Wir sehen uns einer Bedrohung gegenüber, wie sie dieser Planet noch nie zuvor erlebt hat, und unser einziges Ziel besteht darin, auf diese Bedrohung angemessen zu reagieren! Zu diesem Zweck haben wir die ausgetretenen Pfade der üblichen Weisungsketten verlassen, als es darum ging, eine Auswahl zu treffen. Sie sind der ranghöchste Offizier, den wir gebeten haben, sich uns anzuschließen, und ich muss noch einmal betonen, dass wir Sie gebeten haben, sich uns anzuschließen. Wenn es erforderlich sein sollte, dann werden wir – und Sie sind sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass wir auch dazu in der Lage sind – Sie zwingen. Doch was wir ersehnen, ist ein Bündnis mit Ihnen.«

»Vielleicht«, entgegnete Tsien, doch seine Stimme verriet, wie nachdenklich er war.

»Marschall, die Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr«, fuhr der Amerikaner mit sanfter Stimme fort. »Wir mögen das bedauern oder auch begrüßen, aber es ist nun einmal Tatsache. Ich werde Ihnen nichts vorlügen. Wir haben Sie gebeten, sich uns anzuschließen, weil wir Sie brauchen. Wir brauchen Ihr Volk und Ihre Ressourcen, als Verbündete, nicht als Vasallen, und Sie sind der Einzige, dem es gelingen kann, Ihre Regierung, Ihre Offiziere und Ihre Männer davon zu überzeugen, das dem so ist! Wir bieten Ihnen eine vollständige, gleichberechtigte Partnerschaft an, und wir sind bereit, Ihnen auch gleichberechtigten Zugang zu imperialer Technologie, ob nun militärischer oder ziviler Natur, zuzusichern, und dazu vollständige lokale Autonomie. Was, das möchte ich hinzufügen, nicht mehr und nicht weniger ist als das, was unseren eigenen Regierungen von Gouverneur MacIntyre und Vizegouverneur Horus zugesichert wurde.«

»Und was ist mit der Vergangenheit, General Hatcher?«, fragte Tsien ruhig. »Sollen wir fünf Jahrhunderte westlichen Imperialismus vergessen? Sollen wir vergessen, wie ungerecht der Reichtum der Welt bisher verteilt wurde? Sollen wir, so wie es manche getan haben«, kurz wanderte sein Blick zu Chernikov hinüber, »unsere Verpflichtung der Revolution gegenüber vergessen und stattdessen die Autorität einer Regierung akzeptieren, die nicht einmal von unserer Heimatwelt stammt?«

»Marschall Tsien«, erwiderte Hatcher ruhig, »ganz genau das ist es, was Sie und wir vergessen sollten! Wir werden nicht so tun, als seien alle diese Dinge niemals geschehen, aber Sie, Marschall, sind dafür bekannt, in der Geschichte bewandert zu sein. Sie wissen, wie sehr die Nachbarn Chinas im Laufe der Jahrhunderte unter China haben leiden müssen. Wir können die Vergangenheit ebenso wenig ungeschehen machen, wie das Ihr eigenes Volk kann. Aber wir können Ihnen einen Anteil daran zusichern, eine Zukunft zu errichten – vorausgesetzt, diesem Planeten bleibt überhaupt noch eine Zukunft! Und das, Marschall Tsien, ist der springende Punkt: Wenn wir uns nicht zusammentun, dann wird es keine Zukunft geben, für keinen von uns!«

»Aha! Aber bisher haben Sie noch nichts darüber gesagt, wie diese … Körperschaft organisiert werden soll. Neun Mitglieder. Diese werden die gleichen Befugnisse erhalten … zumindest theoretisch?« Hatcher nickte, und der Marschall rieb sich das Kinn – eine sonderbar zierliche Geste bei einem derart massigen Mann. »Das scheinen mir übermäßig viele Personen zu sein, Genosse General. Wäre es möglich, dass Sie die Absicht haben, diese Körperschaft … ich denke ›künstlich aufzublasen‹ ist der richtige Ausdruck … um den Anschein der Gleichberechtigung zu erwecken, während in Wirklichkeit Sie die Fäden in Händen halten?«

»Es wäre möglich, aber dem ist nicht so. Vizegouverneur Horus verfügt über sehr viel größere Erfahrung in Militärdingen als jeder Einzelne von uns hier und wird daher den Posten des Verteidigungsministers selbst übernehmen. Die Aufgabe der Körperschaft wird es sein, als seine Ratgeber zu fungieren und jede nur mögliche Unterstützung zu gewähren. Jeder Einzelne von uns wird mit spezifischen Aufgabenbereichen und Verantwortlichkeiten betraut werden – davon wird es mehr als genug geben, das versichere ich Ihnen! –, und die Position des Stabschefs wird turnusmäßig gewechselt.«

»Ich verstehe.« Tsien legte die Hände auf seine Aktentasche und betrachtete seine Fingerknöchel, dann blickte er wieder auf. »Wie viel Freiraum wird man mir bei der Auswahl meiner Kandidaten zugestehen?«

»Unbegrenzten Freiraum.« Hatcher achtete sorgsam darauf, seine Stimme nicht zu hoffnungsfroh klingen zu lassen. »Einzig der Vizegouverneur wird darüber entscheiden, ob sie akzeptabel sind. Für den Fall, dass ein Kandidat oder mehrere Kandidaten abgelehnt werden, steht es Ihnen frei, so lange weitere Kandidaten zu benennen, bis eine Einigung zwischen der Asiatischen Allianz und dem Vizegouverneur erzielt ist. Meines Wissens ist das einzige Kriterium, das der Vizegouverneur anlegt, die Bereitschaft der betreffenden Offiziere, sich als Teil seines Kommandoteams einzufügen, und er wird diese Bereitschaft mithilfe eines Treuegelöbnisses unter Zuhilfenahme eines imperialen Lügendetektors verifizieren.« Er sah, wie Arger in Tsiens Augen aufblitzte, und sprach ohne jede Hast weiter. »Ich möchte bitte hinzufügen, dass bei jedem von uns in gleicher Weise die Bereitschaft zur Zusammenarbeit verifiziert wird, in Gegenwart sämtlicher unserer Kollegen, Sie selbst und die von Ihnen nominierten Kandidaten eingeschlossen.«

Der Zorn in Tsiens Augen verschwand, und nun nickte er langsam und bedächtig.

»Also gut, General Hatcher, ich bin bevollmächtigt, Ihr Angebot anzunehmen, und das werde ich auch tun. Ich weise Sie mit Nachdruck darauf hin, dass ich das nicht ohne Bedenken tue, und das es schwer werden wird, viele meiner Offiziere davon zu überzeugen, meine Entscheidung auch zu akzeptieren. Es widerstrebt uns in jeder Hinsicht, alles, wofür wir gearbeitet haben, aufzugeben, sei es nun angesichts der Westmächte oder von Mächten aus dem Weltall, und doch haben Sie zumindest teilweise Recht. Die Welt, wie wir sie kennen, hat zu existieren aufgehört. Wir werden uns Ihren Bemühungen anschließen, diesen Planeten zu retten, um ihm dann ein neues Antlitz zu geben. Wir tun dies nicht ohne Zweifel und nicht ohne Misstrauen – etwas anderes zu behaupten, hätte nur Zweck, säße ich einem Narren gegenüber: Wir sind bereit, es zu tun, weil wir müssen. Aber bedenken Sie: mehr als die Hälfte der Bevölkerung dieses Planeten sind Asiaten, meine Herren!«

»Wir verstehen, Marschall«, entgegnete Hatcher leise.

»Das glaube ich Ihnen, Genosse General«, merkte Tsien an und lächelte – es war das erste Mal, seit er diesen Raum betreten hatte, und es war nur der geisterhafte Anflug eines Lächelns. »Das glaube ich Ihnen.«

Geb, Ratgeber auf Lebenszeit, schüttelte sich den Staub aus seinem dichten, weißen Haar, als hinter ihm schon wieder eine Sprengladung gezündet wurde. Es war vergeblich. Die Luft war dünn, doch dieser verdammte Staub ließ sie viel, viel dicker wirken, und seine Kopfhaut war mit frischem Kiesstaub bedeckt, noch eher er auch nur die Hand ganz hatte sinken lassen.

Geb schaute zu, wie ein weiterer der Unterlicht-Schiffe der Parasiten-Klasse, die Dahak zur Verteidigung der Erde zurückgelassen hatte – er war sich recht sicher, dass es der Zerstörer Ardat war –, über der sich nun langsam herabsenkenden Staubwolke schwebte, und der Rumpf des Schiffes, das immerhin achtzigtausend Tonnen wog, wirkte geradezu zwergenhaft im Vergleich zu der gähnenden Öffnung, in der Steuerungssysteme, Lagerräume, Schildgeneratoren und all die anderen komplexen Hilfssysteme untergebracht sein würden, wenn die Bauarbeiten erst einmal abgeschlossen waren. Mit ihrem Traktorsystem riss die Ardat Bruchstücke von mehreren Tonnen Gewicht aus der Bergwand heraus, und dann hob das Schiff ab und schwebte nach Westen, trug eine weitere Ladung Abraum in sein nasses Grab im Pazifik. Noch bevor die Ardat außer Sicht war, wimmelte es auf der frisch freigelegte Gesteinsfläche schon vor Bauarbeitern, allesamt Terrageborene; Schutzmasken verdeckten ihre Gesichter. Und dann dröhnten auch schon die Bohrer, als die nächste Reihe Sprengladungen vorbereitet wurde.

Geb betrachtete die Szenerie mit gemischten Gefühlen: Stolz und Abscheu. Diese völlig Ebene Fläche nackten Felses war einst die Kuppe des Berges Chimborasso gewesen, des höchsten Berges Ecuadors, doch das war, bevor die Entscheidung, in seinem Inneren das planetare Verteidigungszentrum Escorpión einzurichten, das Schicksal des erloschenen Vulkans besiegelt hatte. Zwei Tage später waren die Unterlicht-Kampfraumer Shirhan und Escal eingetroffen, und während die Escal über der hoch aufragenden Kuppe schwebte, griff die Shirhan auf ihre Haupt-Energiezellen zu und fräste die oberen dreihundert Meter Erdreich und Gestein ab. Mit ihrem Traktorsystem hielt die Escal die zahllosen Megatonnen an Trümmern fest, während die Shirhan weiterarbeitete, hob diese Trümmer an, sodass ihre Presser sie dann aus dem Weg schaffen und über dem Ozean abwerfen konnten. Die beiden Kampfraumer hatten genau dreiundzwanzig Minuten dafür gebraucht, die Kuppe des Vulkankegels in eine absolut waagerechte Mesa in knapp sechstausend Metern Höhe zu verwandeln. Dann machten sie sich auf den Weg, um den nächsten Berg zu verstümmeln, der auf ihrer Liste stand.

Anschließend waren die Bautrupps gekommen, und seitdem hatten sie gewaltig geschuftet. Imperiale Technologie hatte in einem Maße dafür gesorgt, dass die Auswirkungen ihrer Arbeit auf die lokale Ökologie sich auf ein Minimum beschränkte, wie es mit rein terranischen Methoden nicht einmal ansatzweise möglich gewesen wäre. Geb allerdings hatte noch in Erinnerung, wie der Chimborasso ausgesehen hatte, bevor seine Arbeiter gekommen waren. Die Schändung dieser herrlichen Landschaft, die hier betrieben wurde, widerte ihn an; was hingegen hier erreicht wurde, erfüllte ihn mit Stolz.

Das PVZ Escorpión, eine von sechsundvierzig derartigen Basen, die auf der ganzen Oberfläche des Planeten entstehen sollten, jede einzelne Base ein Bauprojekt, das auch die Pharaonen hätte einschüchtern können, und jedes einzelne dieser Projekte sollte in exakt achtzehn Monaten beendet sein. Es war eine unmögliche Aufgabe … und trotzdem gingen sie sie an.

Geb trat einen Schritt zur Seite, als er neben sich das Heulen eines Gravitonenantriebs hörte. Die untersetzte Imperiale mit der olivbraunen Haut, die hinter den Instrumenten des

Hochgeschwindigkeitsbohrers saß, nickte ihm kurz zu, doch aus ihrer Sicht war er, seinem deutlich höheren Rang zum Trotz, nur ein weiterer Schaulustiger, der ihr im Weg stand, und so trat er noch weiter zurück, als sie ihre gewaltige Maschine in Position brachte. Sie überprüfte die Koordinaten, die in ihr Trägheitsleitsystem eingespeichert waren, und glich sie sorgfältig mit den Konstruktionszeichnungen ab. Als sie dann den Bohrkopf anwarf und ausrichtete, flackerte ein schmerzhaft-grelles, gleißendes Licht auf.

Der Hochgeschwindigkeitsbohrer blieb immer exakt einen halben Meter über dem Boden, und Gebs Implantate zitterten beinahe unter diesem Ansturm gebündelter Energie. Ein heißer Wind wallte aus dem rapide tiefer werdenden Schacht auf: Er brachte dichte Wolken feinst zermahlenen Gesteins mit, die sich mit der erstickenden Staubglocke vereinte, die bereits über der Baustelle hing, und Geb trat noch weiter zurück. Hinter ihm dröhnte eine weitere Explosion, und Geb schüttelte den Kopf. Er staunte stets aufs Neue über die schieren Unmengen dämonischer Energie, die über diesen armen, wehrlosen Berg hereingebrochen war. Jede einzelne Sicherheitsvorschrift, die es nur gab – imperiale und terranische gleichermaßen – war bis hart an die Grenze der Selbstzerstörung gelockert worden, und die fast übermenschliche Arbeit ging Tag und Nacht weiter, bei jedem Wetter, vierundzwanzig Stunden am Tag. Vielleicht mochte ein Hurrikan die Arbeit kurz unterbrechen; sonst allerdings ließ man sich hier durch nichts und niemanden stören.

Es ist schon schlimm genug für meine Imperialen, dachte er und schaute zu, wie konzentriert die völlig staubverkrustete Frau arbeitete, aber wenigstens werden die durch ihre biotechnischen Erweiterungen unterstützt! Für die Terrageborenen galt das nicht, und deren primitive Werkzeuge verlangten ihren Muskeln ohnehin schon viel mehr ab. Doch Horus standen weniger als fünftausend Imperiale zur Verfügung; kaum dreitausend davon konnten für diese Arbeiten freigestellt werden, und die PVZs waren nur ein Teil dessen, was zu erledigen von allen Seiten gefordert wurde, Aufgaben, die Geb und seine Assistenten irgendwie erledigen mussten. Da biomechanisch erweiterte Arbeiter und deren Maschinen nur in derart spärlichem Maße zur Verfügung standen, blieb Geb gar keine andere Wahl, als behelfsmäßig auf die viel primitiveren Werkzeuge zurückzugreifen, die Terra zu bieten hatte. Wenigstens konnte er Ausrüstung, Baumaterial und Treibstoff nach Bedarf mittels Traktorsystemen einfliegen lassen.

Ein Ein-Mann-GravFlitzer setzte neben Geb auf. Tegran, der leitende Imperiale auf dieser Baustelle, stieg ab und stapfte dann mit schweren Schritten durch den umherwirbelnden Staubsturm auf Geb zu und schob dann die Schutzbrille hinauf, um besser zuschauen zu können, wie der Hochgeschwindigkeitsbohrer sich in das Gestein fraß.

Tegran war sehr viel jünger als Geb, zumindest biologisch gesehen; doch sein Gesicht wirkte ausgezehrt, und er hatte deutlich abgenommen, seit er aus der Stasis gekommen war. Das überraschte Geb nicht. Tegran hatte sich niemals an den Völkern der Erde vergangen; doch wie die meisten Imperialen, die aus den Stasis-Anlagen befreit wurden, die Anu in seiner Enklave eingerichtet hatte, trieb er sich immer weiter, bis zum Zusammenbrach, zu Höchstleistungen, nur um sich vom Stigma seiner Vergangenheit, der Vergangenheit der Meuterer, reinzuwaschen.

Der Bohrkopf kam zum Stillstand, und die Frau, die den Hochgeschwindigkeitsbohrer bediente, trat von dem senkrecht verlaufenden Schacht zurück. Ein Vermessungsteam, allesamt Terrageborene, eilte darauf zu, maß und sondierte, und schließlich hob sein Leiter die Hand, den Daumen zustimmend gereckt. Die staubbedeckte Frau wiederholte die Geste, dann machte sie sich auf den Weg zur nächsten avisierten Bohrstelle, und Geb wandte sich Tegran zu.

»Nett«, sagte er. »Ich komme auf etwas weniger als zwanzig Minuten, um einen einhundertfünfzig Meter tiefen Schacht zu bohren. Gar nicht schlecht.«

»Hmm«, erwiderte Tegran nur. Er ging zu der Kante des fünfzig Meter breiten Schachtes hinüber, in dem schon bald eine Hyper-Raketen-Abschussvorrichtung untergebracht werden sollte, und betrachtete nachdenklich die glasartigen Seitenwände.

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