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Das Aktmodell

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

PROLOG

Ich liebte den Film Moulin Rouge, denn ich war fasziniert vom Paris der Jahrhundertwende, der Belle Époque.

Dabei stellte ich mir vor, so schlank und bezaubernd auszusehen wie Nicole Kidman, mich in einen attraktiven Kerl zu verlieben und beim Orgasmus in den höchsten Tönen zu singen. Ich dachte daran, wenn ich mir zum Lunch mal wieder Kräuter-Quiche mit fettarmem Käse bestellte und bei meinem Latte auf die Schlagsahne verzichtete.

Ich dachte daran, wenn ich in meinem Job langweiligen alten Männern mit lüsternem Blick und schwacher Libido Gewerbegrundstücke zeigen musste. Ich dachte daran, als ich vor dem Traualtar versetzt wurde und allein zu meinen Flitterwochen in Paris aufbrach – ohne Ehemann.

Irgendwann dachte ich nicht mehr daran, denn es passierte einfach. Und das mir! Autumn Maguire.

Alles begann mit

Désir (Begehren)

Ich bin keine Frau – ich bin eine Welt.

Wenn ich meine Hüllen fallen lasse,

wirst du auf meinem Körper

eine ganze Reihe von Geheimnissen entdecken.

Gustave Flaubert

(1821 – 1880)

1. KAPITEL

Paris heute – ein Künstleratelier im Quartier du Marais

Das Modell

“Ich soll mein T-Shirt ausziehen?”

“Ja, Mademoiselle.”

“Auch meine Yoga-Hose?”

Er nickt. “Ja, Mademoiselle.”

“Einen kleinen französischen Augenblick mal”, protestiere ich und starre dabei auf den alten Maler, dem eine filterlose Gauloise aus dem Mundwinkel hängt, als wäre sie ein Teil von ihm. Er zieht daran, ohne dabei die Augen von meinem nassen T-Shirt zu nehmen, das an mir klebt wie ein Post-it.

“Ich habe mich hierher geflüchtet, weil es draußen in Strömen regnet, und nicht weil ich mich zu einem Kurs für Strip Aerobics anmelden wollte.”

Meine Stimme klingt heiser und kommt von ganz hinten aus dem Kehlkopf. Meine Güte, bin das ich? Das müssen die Nerven sein!

Ich hatte den gleichen Frosch im Hals und musste ein Pfefferminzbonbon lutschen, nachdem David – mein Ex-Verlobter – mir eröffnet hatte, dass ich lausige Blowjobs gebe und er deshalb unsere Hochzeit platzen lässt. Der Idiot.

Als ob das Durchfallen beim Fortgeschrittenentest für orale Befriedigung einer der zehn Top-Gründe dafür wäre, mich zur Therapie zu schicken und mir den Ärger meiner Mutter wegen der bereits bezahlten und nicht zu stornierenden Hochzeitsreise nach Paris auf den Hals zu schicken.

Aber jetzt bin ich hier und spaziere am rechten Ufer der Seine im Regen entlang. Ich fühle mich wie Jean Valjean in quietschnassen Nike-Turnschuhen. Sitzengelassen und unglücklich!

Und wundere mich, wie ich mich von diesem goldzüngigen David – der genau wusste, wie er meinen Startknopf mit ebendieser Zunge drücken konnte – nur dazu habe überreden lassen können, alles mit meiner Kreditkarte zu bezahlen.

Seit dem College habe ich mich halb zu Tode geschuftet, um die Karriereleiter nach oben zu klettern, und dabei habe ich meinen Traum einer eigenen Kunstgalerie erst mal auf Eis gelegt. Jetzt stehe ich nicht nur ohne einen Ehemann da, sondern muss meine mühsam zur Seite gelegten Ersparnisse dafür benutzen, die Kleider und farblich passenden Stilettos von Jimmy Irgendwem für meine zwölf Brautjungfern zu bezahlen. Ganz zu schweigen von den zweihundert Pfund erstklassiger Steaks.

Nachdem ich meine endlos überzogene Kreditkarte zerschnitten hatte, schüttete ich die letzte Flasche Champagner in mich rein und warf mein traumhaftes weißes Vera Wang-Satinkleid in die nächste Mülltonne. Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf in das Geburtsland von Godiva-Schokolade, um den bitteren Nachgeschmack in meinem Mund etwas zu versüßen.

Und damit meine ich nicht, auf den Knien vor einem Typen zu hocken und an einem nach Himbeere schmeckenden Kondom zu lutschen. Ich denke eher an ein dramatisches, wundervolles, herzrasendes, vor Energie knisterndes Abenteuer. Ich will mich lebendig fühlen, begehrt.

Wem versuche ich hier eigentlich etwas vorzumachen? Ich möchte eine umwerfend schöne Sexgöttin sein!

Jugend und ein perfekter Körper sind nicht alles, wissen Sie.

Ha! Aber David denkt das. Aus diesem Grund liege ich jetzt auch nicht kuschelig an seinen Körper geschmiegt zwischen den seidigen Laken eines Pariser Hotels, sondern schleiche durch die Straßen wie eine Ratte durch das unterirdische Kanalisationssystem.

Du bist nicht jung, Mädchen, und du bist schon gar nicht schlank. Deshalb hast du David auch an diese Aphrodite verloren. Dünn wie ein Zahnstocher, noch nicht alt genug, um Alkohol zu trinken, aber dafür blond. Und auch noch deine Assistentin. Wie konntest du nur so dumm sein?

Dumm? Ich war völlig bescheuert, geisteskrank, eine komplette Idiotin, dass ich zugelassen habe, mir David von diesem Miststück wegnehmen zu lassen. Ich bin ganz klassisch verarscht worden.

Zisch! Wie zur Bestätigung schießt in diesem Augenblick ein Blitz durch die hohen, doppelt verglasten Fenster und trifft mich mitten ins Auge. Das Zimmer wird für einen Moment lang gespenstisch hell beleuchtet.

Ich blinzle einmal. Dann noch mal. Die Horrorfilm-Atmosphäre gruselt mich und bereitet mir eine Gänsehaut. Schlimmer kann es nicht mehr werden. Sturmwolken verdecken die Nachmittagssonne. Der strömende Regen trommelt gegen die Fenster. Donner kracht wie ein zu lauter Gettoblaster. Das alte Gebäude wird in seinen Grundfesten erschüttert. Ich zucke zusammen. Will ich wirklich wieder nach draußen in dieses Unwetter? Aus diesem Grund protestiere ich nicht, als der Alte mich auf eine Plattform scheucht, die im hinteren Teil des Studios steht.

“Beeilen Sie sich, Mademoiselle, wir verlieren sonst das Licht.”

Ein penetranter Tabakgeruch steigt mir in die Nase. Wer ist dieser Kerl überhaupt? Auf alle Fälle ist er kein malender Adonis, der eine Frau dazu verführt, vor ihm die Hüllen fallen zu lassen. Im Gegenteil! Er ist zu klein geraten, hat bereits eine Glatze und trägt einen Bauch vor sich her. Und er raucht wie ein Schlot.

“Schauen Sie sich diese Hände genau an, Monsieur. Ich kann Karate.” Natürlich übertreibe ich maßlos, aber bei den biederen Geschäftstypen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe, funktioniert das. Die denken ja auch, dass sportliche Betätigung etwas ist, was man einhändig zu Hause erledigt.

Übrigens, haben Sie bemerkt, wie beeindruckt der alte Maler war, als ich Ka-ra-té sagte, mit der Betonung auf dem té? Ich gebe zwar keine besonders guten Blowjobs, aber ansonsten habe ich keine Probleme mit dem Französischen. In der Schule hatte ich in diesem Fach sogar eine Eins. Ich kenne genügend Schimpfwörter, um den unfreundlichsten Taxifahrer fertigzumachen, von salaud, was so viel heißt wie Blödmann, bis quel casse-couilles, was für ein Arschloch.

“Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor, Monsieur”, rede ich weiter, wo ich nun endlich für einen kurzen Augenblick seine Aufmerksamkeit habe. “Ich würde nicht so aufgeweicht aussehen wie überkochte Pasta, wenn ich einen Schirm hätte, was aber leider nicht der Fall ist. Niemand aus der Sendung O. C. California besitzt so was. Das würde unserem Image schaden, ganz zu schweigen von den Einschaltquoten.”

Er zieht nun eine Grimasse. Bescheuert von mir. Als ob er meine Popkultur-Rhetorik verstehen könnte, mit der ich versuche zu erklären, wieso er mich nicht nackt sehen kann und warum ich lieber Selbstbräuner auftrage, anstatt mich am Strand in die Sonne zu legen. Ich erzähle ihm nicht, dass Cellulite und ich enge Verbündete sind, und ich verschweige außerdem, dass mein Magen sich gerade komisch anfühlt. Das kommt sicherlich von den fettigen Pommes, die ich auf dem Flohmarkt in mich hineingestopft habe.

“Dann sind Sie kein Modell, Mademoiselle?” Er unterstreicht seine Frage mit einer Geste, als ob er im Supermarkt Melonen betastet, um zu prüfen, ob sie reif genug sind.

“Nein.” Entschieden schüttle ich den Kopf.

“Schade.” Er hustet und drückt seine Zigarette auf einer leeren Untertasse aus. Dann mustert er mich von Kopf bis Fuß. Seine Augen wandern kritisch über meine rote Angels-Baseballkappe, mein weißes DKNY-T-Shirt, meine fliederfarbene Yoga-Hose mit den weißen Streifen an der Seite und meine bequemen Laufschuhe. “Ich würde Sie trotzdem gerne zeichnen.”

Ich neige den Kopf etwas zur Seite und denke nach. Was hält mich eigentlich zurück? Hier in Unterwäsche Modell zu stehen ist schließlich auch nicht so viel anders, als auf einer Poolparty im Bikini herumzustolzieren, oder? Warum sollte ich es nicht einfach riskieren?

Ich nicke. “Okay. Dann habe ich gleich ein witziges Souvenir.”

Er lächelt und lässt dann die Bombe platzen. Direkt in meinem Schoß. “Bon. Sehr gut. Sie müssen nackt für mich Modell stehen.”

“Sind Sie sich sicher, dass Madonna auch so angefangen hat?”, frage ich sarkastisch, wobei ich vor Nervosität so stark an dem Bund meines Slips ziehe, dass er gegen meinen nackten Bauch zurückschnellt.

Autsch!

Meine nassen Kleider habe ich bereits ausgezogen, sie hängen über dem großen schwarzen Wandschirm in der Ecke. Ebenso wie meine Tasche mit meinem Geld und Ausweis.

“Mademoiselle?”

“Die Sängerin, verstehen Sie? ‘Like a Virgin’?” Ich lasse meine Hüften kreisen wie eine Popdiva. Aber irgendwie hat das wohl nicht den gleichen Effekt wie bei ihr.

Der alte Künstler zuckt nur mit den Schultern. “Es ist mir egal, ob Sie noch Jungfrau sind …”

Ich bin es nicht mehr, aber ich lächle trotzdem.

“… ich möchte Sie gerne zeichnen, Mademoiselle, und nicht mit Ihnen ins Bett gehen.”

Das war’s dann. Aus meinem Ego ist vollends die Luft raus. Schon mal ein benutztes Kondom gesehen?

Also gut! Ich winde mich aus meinem pinkfarbenen Schlüpfer und lasse ihn nach unten auf die Plattform gleiten. Geschafft! Ich bin nackt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, auch wenn ich meine Bikinizone nicht rasiert habe.

Es lebe mein nacktes Selbst!

Ich beobachte den alten Künstler, wie er sein Zeichenbrett mit einem feuchten Tuch abwischt. Was mache ich jetzt?, scheint sein Gesicht zu sagen.

Er hustet, wischt sich den Schweiß von der Stirn und zeigt auf meine Füße. Stimmt was nicht mit mir? Ich schaue nach unten. Oh! Ich stecke bis zu den Knöcheln in pinkfarbenem Nylon. Ich verlagere das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Die hölzerne Plattform knarrt. Ziemlich laut sogar. Ich sollte mich wohl besser beeilen. Okay, okay. Lässig kicke ich meinen Slip von der Plattform. Jetzt bin ich nur noch mit Schweiß bedeckt und ansonsten splitterfasernackt. Ich grinse.

Der alte Maler nickt, greift zu seiner Zeichenkohle und wartet offensichtlich darauf, dass ich eine verführerische Pose einnehme. Ich halte eine Hand vor mein Schambein. Das sieht bestimmt ziemlich blöd aus. Ich muss mich entspannen. Mutig sein. Ein kühler Schauer überläuft mich und führt dazu, dass meine Brustwarzen sich aufrichten. Jetzt weiß ich, wie sich Männer fühlen, wenn sie mitten in einem wichtigen Meeting einen Ständer bekommen. Allerdings können die das dann hinter der wöchentlichen Marktstatistik verbergen. Aber ich? Ich fühle mich so nackt wie ein fettarmer Burger ohne Brötchen.

Ich weiß, Sie sitzen wahrscheinlich grad in Ihrer bequemen Jogginghose auf dem Sofa, kneifen in Ihre Oberschenkel und schütteln den Kopf bei der Vorstellung, dass sich eine Frau in den Dreißigern vor irgendjemand anderem nackt auszieht als vor ihrem Frauenarzt.

Tragen Sie es mit Fassung. Es ist kein schöner Anblick.

Ich bin alles andere als schlank, und deshalb ist es noch skandalöser.

Es soll endlich mal was Aufregendes passieren in meinem Leben, selbst wenn es mich meinen neuen La Perla-Slip kosten sollte. Im Immobiliengeschäft passiert niemals etwas Spannendes, auch wenn ich die Hoffnung noch nicht völlig aufgegeben habe, irgendwann mal Donald Trump zu begegnen, wenn er sich gerade mal wieder zwischen einem Bankrott und seiner nächsten Frau befindet.

Leider habe ich nicht mehr allzu viel Zeit, mich als Model-Praktikantin zu bewähren. Ich bin vierunddreißig, und mein Bauch ist inzwischen nicht mehr süß und klein, seit David sich mit meinem Herz aus dem Staub gemacht und dabei meine Disziplin gleich mitgenommen hat.

Die Idee, hier nackt Modell zu stehen, erregt mich. Es ist der unwiderstehliche Drang, etwas Verbotenes zu tun, ohne dabei gleich meine Karriere aufs Spiel zu setzen. Es ist eine neue Seite meiner Persönlichkeit, die ich mich bisher nie getraut habe zu erforschen. Bis jetzt war mein Leben einfach schrecklich langweilig und konservativ in jeder Beziehung. Obwohl mich die Forderung des Malers zunächst mal schockiert hat, finde ich sie auch äußerst reizvoll. Außerdem würde ich David gerne beweisen, dass ich immer noch ziemlich scharf aussehe!

Ich knirsche mit den Zähnen. Allein schon der Gedanke an David lässt mich zusammenzucken. Wenn ich daran denke, wie er mich benutzt hat, um an diesen großen Immobiliendeal in Wyoming ranzukommen … Schon damals hätte ich mich eigentlich von ihm trennen müssen.

Aber leider konnte er mich mühelos um den Finger wickeln mit seiner “Ich tu das doch nur für uns”-Masche. Ich habe alle meine Bedenken in den Wind geschlagen und protestierte auch nicht, als er mein Höschen nach unten zog und mich mit seinen Lippen dort schneller überzeugte, als Worte es je gekonnt hätten.

Sogar meine Mutter warnte mich vor David und meinte, er sei auf der Suche nach scharfen Kurven mit einem dicken Konto. Ich habe natürlich nicht auf sie gehört. Dabei sollte sie es wissen, wo sie sich doch gerade von ihrem dritten Ehemann scheiden ließ.

Ich war nicht in der Stimmung für gut gemeinte Ratschläge, und deshalb schaltete ich mein Handy einfach aus. Meine Mutter kann mich nämlich mit ihren SMS in den Wahnsinn treiben. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich liebe meine Mutter, auch wenn sie Heiratsurkunden sammelt wie andere Frauen Rabattcoupons.

Nur zu Ihrer Information: Ich ließ meine Mutter glücklich und zufrieden auf der schicken Rue-Honoré zurück, wo sie sich eigenhändig um den Abbau der französischen Staatsschulden kümmern wird, während ich durch das Quartier du Marais schlenderte.

Ich war auf der Suche nach einem Poster oder einem Gemälde für meine eigene kleine Sammlung unentdeckter oder, um ganz ehrlich zu sein, billiger Talente, als ein Sommergewitter über die Stadt hereinbrach. Ein erfrischend kühler Wind kam von Westen auf und fegte über die mit blauen Schindeln gedeckten Dächer und durch die engen Gassen. Dicke Regentropfen zerplatzten wie mit Wasser gefüllte Luftballons auf dem Asphalt. In Sekundenschnelle war ich komplett durchnässt. Kein schöner Anblick. Ich suchte Unterschlupf in einem Künstleratelier, an dessen Tür ein verblichenes Schild verkündete: Das Haus Morand. “Das Wachsfigurenkabinett” wäre wahrscheinlich ein passenderer Name gewesen.

Wenn ich mich so umschaue hier, sieht das Haus eher wie die Kulisse zu einem Horrorfilm aus. Staubflusen in jeder Ecke, vergilbte Zeitungen auf den Stühlen und ein Bücherregal mit Kunstbüchern neben einem hohen, mit Elfenbein verzierten Wandschirm. Eine elektrische Herdplatte mit schmutzigen roten Töpfen steht auf einem chinesischen Tischchen, daneben Behälter mit Pinseln. Es riecht nach Terpentin.

Der alte Maler räuspert sich.

“Sind Sie so weit, Mademoiselle?”

Ich nicke.

Nässe rinnt an meinen Oberschenkeln hinunter und macht mich ganz nervös, vor allem wenn ich sehe, wie er seelenruhig raucht und vor sich hin summend auf mich wartet. Jetzt kann ich nicht mehr zurück. Ich atme tief aus. Das war’s dann. Mein Schicksal gehört der Leinwand. Ich fühle mich heiß, klebrig und verschwitzt. Und stelle mich in Positur.

Wer hätte gedacht, dass es so schwierig ist, zwanzig Minuten auf einer Stelle zu stehen? Vor allem da ich mich darauf konzentrieren muss, meine pulsierende Schamgegend zu ignorieren. Also gut, ich spreche hier von meiner Muschi. Jetzt muss ich es verschämt zugeben: Es macht mich tierisch an, so ganz nackt hier Modell zu stehen. Nein, der alte Maler baggert mich nicht an. Dazu ist er zu professionell.

Ich bin es, die sexuell frustriert ist, und nicht mal ein steifer Hals – oh, was würde ich für einen steifen Penis geben – oder Rückenschmerzen können mich davon abhalten, mir vorzustellen, wie mein Körper sich rhythmisch bewegt, während mein Geliebter an meiner Klitoris leckt, dann meine Lippen öffnet, um mit seiner Zunge tief in mich einzudringen, bevor er sich wieder meiner Perle widmet und das Spiel von Neuem beginnt. So lange bis ich es nicht mehr aushalte und sich meine Energie wellenförmig entlädt. Immer und immer wieder …

Mmm… träum weiter.

Hinter dem Wandschirm lege ich eine kleine Pause ein, um meine steifen Muskeln ein wenig zu massieren und den Schweiß zwischen meinen Beinen abzutrocknen. Es ist doch Schweiß, oder? Ich lächle und rieche an meinem Finger. Vielleicht auch nicht. Ich seufze tief auf und greife nach einem vergammelten und mit Farbe beschmierten Kittel, der an einem Kleiderhaken hängt. Er sieht aus, als ob er hier schon seit der Französischen Revolution hängt. Aber zumindest ist er trocken. Meine eigenen Kleider sind leider immer noch nass.

Tropf, tropf! Auf Zehenspitzen spaziere ich durch Wasserpfützen, die sich auf dem Holzboden gebildet haben. Ist hier ein Loch in der Decke? Ich schaue nach oben. Im Gegensatz zum restlichen Studio fällt hier Licht ein. Über meinem Kopf prasselt der Regen auf ein quadratisches Dachfenster. Ich zittere. Irgendwie unheimlich hier. Was der alte Maler wohl hinter dem schwarzen Vorhang versteckt hält? Vielleicht Dorian Gray in Jockey-Unterwäsche? Ich bin gerade dabei, den Vorhang neugierig zur Seite zu schieben, als mir ein besonderes Objekt auffällt. Es ist ungefähr zwanzig Zentimeter hoch, aus Bronze gearbeitet und sieht ziemlich grimmig aus: eine Statue, die eine mit Federn besetzte Krone auf dem Kopf trägt und einen Dreschflegel in der Hand hält. Aber besonders auffällig ist die Erektion, die er vor sich herträgt. Habe ich eben von Erektion gesprochen? So wie bei einem Penis? Einem Schwanz? Oh ja, genau das habe ich getan!

Das ist viel besser als irgendein Souvenir aus dem Hotel. Ich bin neugierig und umfasse den Penis der Statue mit meiner Hand. Keine Ahnung, wieso ich das mache, aber ich kann nicht anders. Ich lächle. Es ist eine ganze Weile her, dass ich solch ein hartes Glied in der Hand gehalten habe.

Ich schaue über den Wandschirm und frage den alten Maler nach dieser Statue.

“Sie halten ‘La Gaule’, die Erektion des ägyptischen Gottes Min, in der Hand.” Er schüttelt dabei sein Zigarettenpäckchen. Es ist leer.

“Er sollte Werbung für Viagra machen”, sage ich und versuche meine Unsicherheit zu überspielen. Die Statue sieht irgendwie süß aus, zumindest wenn man auf Ägypter mit stachligen Haaren steht.

“Min ist ein Fruchtbarkeitsgott, Mademoiselle. Sein Symbol ist der Blitz.”

In diesem Augenblick flammt ein Blitz auf. Wie passend!

Der alte Maler lässt sich davon nicht beirren und spricht ohne Unterbrechung weiter. Als ob er diese Geschichte schon hundertmal erzählt hat.

“Er hat die Gabe, Ihnen Jugend und Sexualität zu schenken …”, er macht eine kleine Pause und senkt dann die Stimme, “… wenn Sie bereit sind, den Preis dafür zu zahlen.”

“Welchen Preis, Monsieur?”

“Sie müssen Ihre Seele verkaufen, Mademoiselle.”

Ich hebe eine Augenbraue. “Meine Seele verkaufen?”

“Ja. Dann werden Sie jung und schön sein …”

“Ach kommen Sie …” Der spinnt doch, oder?

“… aber Sie dürfen sich niemals mehr verlieben.”

Nach dieser Geschichte mit David ist das sowieso nicht sehr wahrscheinlich. Aber neugierig bin ich trotzdem. “Was passiert, wenn ich mich doch verliebe?”

“Dann werden Sie sich wieder in ihr altes Selbst zurückverwandeln.”

Mit anderen Worten, ich werde wieder zu einer übergewichtigen Frau mittleren Alters. Nachdenklich lasse ich meine Finger über den, ähm, harten Penis der Statue gleiten. Nach Aussage des Malers steht sie zum Verkauf. Das bringt mich in Versuchung. Kein Kampf der Eitelkeiten mehr? Ein flacher Bauch? Freche Brüste? Was für eine faszinierende Idee das ist, das mit der sexuellen schwarzen Magie. Vögeln bis zum Umfallen …

Aber ist es das wirklich wert, sich der möglichen Peinlichkeit einer Flughafenkontrolle zu stellen? Ich schüttle meinen Kopf. Ich erinnere mich leider noch zu gut an das von anzüglichem Grinsen begleitete Abtasten, als meine Ex-Assistentin – ja, sie und David sind jetzt ein Paar – mir letzten Monat vor meinem Flug nach San Francisco einen Vibrator in Form eines Lippenstifts ins Handgepäck geschmuggelt hatte. So etwas muss ich nicht unbedingt noch einmal erleben.

Lächelnd sage ich dem alten Künstler, dass ich es mir noch mal überlegen werde. Der Alte zuckt mit den Schultern und verschwindet, um nach einem neuen Päckchen Zigaretten zu suchen. Ich schaue mich um, ob sonst noch etwas Ungewöhnliches hier herumliegt. Aber da ist nichts. Ein paar zersprungene Vasen, alte Bücher, eine Tiffanylampe und ein angekohlter roter Topf, der einen seltsamen Geruch verströmt. Nicht unangenehm, nur seltsam. Ich atme tief ein. Koriander, Wein … und ist das Ingwer, was ich da rieche?

Innerhalb weniger Sekunden legt sich ein Schleier über mein Gehirn, als ob die Weingeister sich in meinem Kopf versammelt hätten und ihn als Fass zum Rebenstampfen benutzten. Kommt das von der Flasche Pinot Noir, mit der ich die Pommes heruntergespült habe? Oder von dem seltsamen Geruch aus dem Topf? Die Mischung aus Frittierfett und Alkohol scheint mir nicht zu bekommen, und mir wird schwindelig. Meine Knie geben nach, und ich bewege mich wie in Zeitlupe. Ich versuche mich zu konzentrieren, aber alles verschwimmt vor meinen Augen. Was passiert, falls ich ohnmächtig werde? Oder in ein Koma falle? Ohne einen Prinzen, der mich mit einem französischen Kuss wieder aufweckt? Auf keinen Fall werde ich das zulassen! Ich gehe in die Knie, aber ich widerstehe der Versuchung, mich dem Sandmännchen in meinem Kopf hinzugeben und einzuschlafen. Stattdessen greife ich nach dem schwarzen Tuch und versuche wieder ins Gleichgewicht zu kommen als …

Wusch!

Meine Hände schweben in der Luft, als der Samtvorhang über mich fällt und ich fast darunter ersticke. Ich schnappe nach Luft und versuche mich von dem riesigen Fledermausumhang zu befreien, der mich vom Kopf bis zu den Zehenspitzen einhüllt. Lautes Atmen, heiser, panisch, dringt an mein Ohr, die Nackenhaare stehen mir zu Berge. Ich halte den Atem an und lausche. Wer ist das?

Ich atme aus. Verdammt noch mal, das bin ich selbst. Ich höre mich an wie ein Pornostar, der einen Orgasmus vortäuscht. Ich kann mich jetzt entspannen. Ich bin also nicht mit furchterregenden Geistern eingesperrt, die mich mit nächtlichem Stöhnen unterhalten wollen. Aber ich kann meinen Kopf nicht aus diesem Samtumhang befreien. Jedes Mal wenn ich in eine Richtung ziehe, zieht der Umhang in die andere, das macht mich ganz verrückt. Ich muss endlich diese Übelkeit loswerden. Ich konzentriere mich darauf, ganz tief ein- und auszuatmen. Eins, zwei, drei … ich schwöre, dass ich niemals mehr Pommes Frites in Rotwein eintunken werde. Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht?

Und dann … höre ich neben meinem lauten Atmen plötzlich noch ein anderes Geräusch. Lachen. Lachen? Ist der alte Maler wieder zurückgekehrt? Wahrscheinlich erstickt er gerade an seiner Zigarette sans filtre und amüsiert sich dabei köstlich. Na warte, ich gebe ihm was zu lachen, wenn ich endlich dieses Chaos aus Samt entwirrt habe und …

Ooohhh … halt. Das ist er nicht! Das Lachen ist tief und sexy und so nah an meinem Ohr, dass es mir Schauer die Wirbelsäule hoch- und runterlaufen lässt. Irgendetwas Unheimliches passiert hier. Schweißperlen bilden sich zwischen meinen Brüsten, winden sich über meinen Brustkorb und rinnen an meinen Schenkeln herunter. Verzweifelt versuche ich mich von dem Tuch zu befreien. Ich ziehe den Atem scharf durch die Nase ein. Die Rückseite meines Nackens ist feucht. Schließlich schaffe ich es, das schwere Material von meinem Gesicht zu ziehen … und dann sehe ich ihn.

Sein Blick durchbohrt mich. Seine dunkelblauen Augen faszinieren mich.

Ein lebensgroßes Gemälde von einem erwachsenen, über einsachtzig großen Mann.

Ich grinse und entspanne mein Gesicht. Jetzt weiß ich endlich, was unter diesem Tuch versteckt war. Ein wahrer Augenschmaus. Die Arme vor der Brust verschränkt, die Beine weit gegrätscht, in hautengen Hosen, unter denen sich sein beeindruckender Schwanz abzeichnet. Und er …

Lacht?

Ich bekomme Gänsehaut auf meinen Armen. Je mehr ich darüber nachdenke, was ich gehört habe, desto sicherer bin ich, dass ich es mir nur eingebildet habe. Dieses Lachen hat eine so tief in meiner Seele schlummernde, sexuelle Begierde geweckt, dass ich zwischen Einbildung und Realität nicht mehr unterscheiden kann. Schau ihn dir an! Er ist bloß gemalt. Berühre ihn. Nein, nicht dort … hier! An seiner Hand. Die ist ganz kalt. Siehst du? Es ist kein Mensch, und jetzt sieh zu, dass du aus diesem Gruselkabinett rauskommst. Oh, hätte ich fast vergessen. Geht ja nicht. Ich bin ja nackt.

Na und? Er kann dich doch eh nicht sehen.

Ich lächle. Stimmt!

Also spricht ja auch nichts dagegen, mit ihm ein wenig zu flirten und Spaß zu haben.

Mit den Augen auf das Bild gerichtet, fahre ich mit meinen Fingerspitzen die Kurven meiner Brüste nach. Spielerisch umfasse ich sie mit meinen Händen. Ich reize meine braunen Nippel, bis sie sich stolz nach vorne recken. Langsam werde ich mutiger, befeuchte meine Lippen mit der Zunge und lasse meine Finger langsam über meinen Bauch und dann weiter nach unten zwischen meine Beine gleiten. Ich wiege meinen Körper anmutig, stilvoll. Das ist wahre Kunst.

Kunst? Also wirklich … als lebenslange Cosmopolitan-Leserin weiß ich, dass es sich hierbei um eindeutige Signale für Sex handelt. Von wegen Kunst … Ich bin ziemlich nass und spüre ein wohliges Ziehen in der Leistengegend, als ich den alten Maler hereinschlurfen höre.

Er ist zurück.

Ich höre ihn ein Streichholz anreißen. Er zündet sich eine weitere Gauloise an. Eine Rauchschwade schlängelt sich über den Wandschirm. Den Adonis auf dem Bild scheint das nicht zu stören. Er lächelt weiterhin. Und ich? Bekomme einen Hustenanfall.

Ohne den Blick von dem sexy Pin-up zu nehmen, rufe ich mit betont beiläufiger Stimme: “Ich habe ein Bild gefunden, das mir gefällt.”

“Mademoiselle?”

“Ich meine den attraktiven Kerl in den engen schwarzen Hosen, der sich unter dem schwarzen Vorhang versteckt hatte.” Ich fahre mit der Zunge über meine Unterlippe. Oh, là, là …

“Ah … Sie haben Paul Borquet gefunden.”

“Wer ist er?”

“Zu seiner Zeit galt er als Genie, Mademoiselle. Das Bild ist ein Selbstporträt, das er in seinem Studio in Montmartre angefertigt hat.”

“Ich habe noch nie von ihm gehört.”

“Nach seinem merkwürdigen Verschwinden im Jahr 1889 hat die Kunstszene ihn allmählich vergessen. Schon vor Jahren habe ich ihn mit dem Tuch verdeckt.”

“Verdeckt? Aber wieso denn das?”, frage ich neugierig. Ich lehne meine Hüfte gegen den verlorenen Künstler. Unsere Schenkel berühren sich. Von ihm geht ein Charisma aus, das Raum und Zeit zu überwinden scheint. Oder bin ich einfach nur geil?

“Die Modelle verschwenden viel zu viel Zeit, ihn anzusehen …”, lacht der alte Maler. “… und sich selbst zu erregen.”

Sogar in diesem schlechten Licht kann ich den Grund dafür erkennen. Der Mann sieht dunkel, gefährlich aus. Eine Aura von roher Leidenschaft umgibt ihn, und ich fantasiere von Cafés in finsteren Seitengassen, hochprozentigem Alkohol und schweißtreibenden Nächten voll hemmungsloser Lust. Ein erotischer Held.

Meine Augen wandern zu der Ausbuchtung zwischen seinen Beinen, und was ich sehe, bestätigt meine Befürchtung. Ohne Zweifel wird sein Ego seiner Männlichkeit in nichts nachstehen. Er ist sehr attraktiv, mit gemeißelten Gesichtszügen, die aber trotzdem nicht völlig symmetrisch sind, was ihm ein leicht arrogantes Aussehen verleiht. Mit gegrätschten Beinen steht er selbstbewusst da, das lange Haar fällt lockig über seinen offenen Kragen und bildet einen interessanten Kontrast zu seinen Brustmuskeln, die sich unter dem weißen Rüschenhemd abzeichnen.

Allein sein Anblick lässt das Blut in meinen erogenen Zonen schneller fließen. Der Kerl macht mich einfach verrückt. Ich rufe mir in Erinnerung, dass es nur ein Gemälde ist. Dann schleicht sich ein Gedanke in meinen Kopf. Wie es wohl wäre, mit ihm Liebe zu machen?

Wieso eigentlich nicht?

Nachdem David mir einen Korb gegeben hat, wird es ja wohl erlaubt sein, sich zu holen, was man braucht, selbst wenn es von einem zweidimensionalen Muskelpaket in engen Hosen ist.

In einer provozierenden Geste wickle ich den Samtstoff um meinen Körper, lasse ihn meinen Rücken hinuntergleiten und wackle aufreizend mit meinem Po. Ich überlege, wie es sich wohl anfühlt, mit meinen Fingern über seine Brust zu streichen, seine heiße Haut zu berühren, um ihn dann an dem fliederfarbenen Schal, den er sich um den Hals geschlungen hat, näher an mich heranzuziehen. So nah, dass ich seinen moschusartigen Geruch einatmen kann, bevor ich meine Wange an den Stoff seines nachtschwarzen Mantels drücke.

Hemmungen steigen in mir auf und verfliegen gleich wieder, so als ob mir jemand mit einem langen, tiefen Kuss den Atem raubt. Mit einem Zungenkuss. Meine Gedanken werden von dem Begehren beherrscht, von ihm geküsst zu werden.

Ein Schauer überkommt mich. Schweiß rinnt meinen Nacken herunter. Was mache ich hier eigentlich? Liebe mit einem Mann, der vor über hundert Jahren gestorben ist? Jetzt schnappe ich wirklich über. Ich sollte hinauslaufen in den Regen und mir ordentlich den Kopf durchspülen lassen.

Blitze tanzen über den kunstvoll verzierten Wandschirm und bringen die elfenbeinfarbene Oberfläche zum Leuchten. Ich zucke zusammen und drehe dem Bild den Rücken zu. Ich werde ihn nicht ansehen. Ganz bestimmt nicht. Der Donner grollt in meinen Ohren, als ob Paul Borquet meine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte.

“War er ein Impressionist?”, frage ich neugierig.

“Paul Borquet war einer der Besten, Mademoiselle”, sagte der alte Maler. “Monet, Renoir, Toulouse-Lautrec, sie alle bewunderten die Arbeit dieses jungen Künstlers. Und seinen Mut!”

Aus dem Augenwinkel versuche ich doch wieder einen Blick auf Paul Borquet zu erhaschen. Ich weiß, ich sollte es lassen, aber ich kann nicht anders.

“Mut?”, frage ich. Zugegeben, er war ein richtiges Alphatier. Interessant. Sehr interessant und genau das, was ich nicht brauche. Noch so ein Muskelpaket, der Steroide isst wie andere Menschen Gummibärchen.

“Er starb in den Flammen, Mademoiselle, als er versuchte, seine Geliebte zu retten.”

Das hört sich zwar ziemlich heldenhaft an, aber mein Bedarf an Machos ist gedeckt. Also wieso kann ich trotzdem nicht aufhören, ihn anzustarren? Das kann ich Ihnen genau sagen. Hier wurde nicht mit Licht und Schatten gearbeitet, um irgendwelche Makel zu verdecken. Ich kenne mich mit Kunst aus. Dieses Bild hat Energie. Es vibriert. Er verstand etwas von Farben und ihrer Wirkung in unterschiedlichem Licht. Lebendig schimmernd nimmt er die Fläche zwischen den Rahmenleisten ein. Wie ein Schnappschuss, unmittelbar und spontan, als ob er hier leibhaftig vor mir stehen würde.

“Paul Borquet”, murmle ich und sauge dabei an meinem Daumen. Ob er im Bett so gut ist wie mit dem Pinsel? Ein sexueller Hunger überfällt mich und lässt mich ganz tief in mich hineinspüren.

Während ich meine Lippen befeuchte, überlege ich, wie er wohl nackt aussieht. Mit meinen erhitzten Handflächen reibe ich über meine Oberschenkel, stelle mir vor, wie die taufeuchte, glänzende Flüssigkeit aus seinem Penis tropft. Ich koste diesen Moment genüsslich aus. Die breiten Pinselstriche, mit denen der Künstler sich gemalt hat, deuten auf eine verrückte Aggressivität in seinem Charakter hin, die mich erregt, mich schaudern lässt und gleichzeitig scharfmacht. Sehr scharf.

Unverwandt betrachte ich das Gemälde, wiege meine Hüften, träume davon, dass der Pinsel dieses verschollenen Impressionisten über meinen Bauch gleitet, zwischen meine Schenkel, um mich dann dort mit seinen weichen Borsten zu kitzeln. Mit seinen Fingern streicht er sanft über meinen ganzen Körper, hält hier inne und da, nimmt sich alle Zeit der Welt. Dann leckt er mich mit seiner Zunge und dringt mit seinem Finger sanft in mich ein. Rein und raus. Rein und raus.

Ich schwanke, schüttle mich, stöhne und kann meine Gier kaum noch unter Kontrolle halten. Der intensive Geruch von Ölfarbe vermischt sich mit dem süßen Duft meiner Lust, und ich bewege mich im Rhythmus einer Musik, die nur ich in meinem Kopf höre. Ich könnte schwören, dass Paul Borquet mir zublinzelt. Ich trete einen Schritt zurück, dann noch einen. Seine Augen scheinen mich zu verfolgen. Ein heftiges Verlangen steigt in mir auf und möchte befriedigt werden.

Ich beuge mich vor, berühre meine Brüste, spiele mit meinen Brustwarzen, wiege meine Schultern vor und zurück. Ich beginne mit meiner Muschi zu spielen und fordere den Mann auf dem Porträt heraus, mich zu küssen. Ich tue so, als ob ich mich über den verschollenen Künstler knie und meine Beine um seinen Hals schlinge. Seine langen Haare kitzeln die Innenseite meiner Schenkel, als ich meinen sanften Hügel auf seinen Mund presse und mich an seinen Lippen reibe. Es kribbelt und vibriert zwischen meinen Beinen. Schmelzende, schweißnasse Hitze schlängelt sich nach unten zu meiner Möse. Ein leichtes, aber trotzdem brennendes Gefühl durchströmt mich, als er den sensiblen Punkt meiner Klitoris mit seiner Zunge kitzelt. Ich ziehe meine Muskeln zusammen. Meine Muschi ist eng und heiß, obwohl ich noch nicht gekommen bin. Ich will, dass er mich fickt. Ich will seinen Schwanz umklammern, als ob er ganz tief in mir wäre. Ich will ihn da für immer spüren! Mein Mund ist trocken. Ich lecke meine rosa glänzenden Lippen, stöhne laut auf.

Kann ich die Grenze überschreiten? Kann ich in meiner Fantasie zu einem Orgasmus kommen?

Ich lächle. Niemand sieht mich hinter dem Wandschirm. Niemand außer Paul Borquet mit seinen breiten Schultern, seinem ausgeprägten Bizeps, seiner schlanken Taille und seinen harten, muskulösen Oberschenkeln. Und seinem knackigen Hinterteil!

Mein Herzschlag dröhnt in meinen Ohren. Ich werfe all meine Hemmungen über Bord, schnappe mir die Statue des ägyptischen Gottes Min und halte sie zwischen meine nackten Brüste. Seine harte Erektion vergräbt sich in meinem Dekolleté, während ich wild meinem Höhepunkt entgegensteuere. Warmer süßer Saft fließt aus mir heraus, und melodische Wellen der Lust summen durch meinen Körper. Ein nahtlos ineinander übergehender Geräuschteppich aus Brummen, Schnurren, Seufzen und Stöhnen schwebt durch die Luft. Einige Laute hören sich an wie heftiges Atmen, andere sind lauter, und wieder andere erinnern an ekstatischen Lustschmerz.

All diese Geräusche intensivieren meinen Orgasmus, lassen ihn länger anhalten, als ich es bisher je erlebt habe. Ich habe meine Augen nicht geschlossen, sondern starre immer noch auf Paul Borquet. Ich wünsche mir, ich würde seine Arme um mich spüren, seine Küsse auf meiner heißen Haut, seinen Körper fest an meinen gepresst.

“Du würdest mir nicht entkommen, wenn ich jung und schön wäre”, flüstere ich auf Französisch und verlagere mein Gewicht auf das andere Bein. Die hölzerne Plattform gibt ein wenig nach und knarrt unter meinen feuchten nackten Füßen. Über meinem Kopf zucken die Blitze, stechen in meine Augen wie eine Tausend-Watt-Glühbirne. “Ich würde dafür sorgen, dass du dich in mich verliebst …”

Ich schreie laut auf, als ein elektrischer Schlag die Bronzestatue trifft, die ich zwischen meinen Brüsten halte. Ein heißer Stromstoß schießt in mein Hirn, die Haare an meinen Armen stehen zu Berge, und meine Augäpfel scheinen sich nach außen zu wölben.

Am Rande meines Bewusstseins höre ich den alten Maler rufen, dass er Hilfe holen geht, aber ich kann nicht antworten, mich nicht konzentrieren. Die Muskeln in meinem Körper spannen sich an, und ich fühle, wie ich nach oben gehoben und durch Zeit und Raum gezogen werde, als wenn mich jemand durch die Luft schleudert. Ein seltsames Kältegefühl breitet sich in mir aus, als ob ich in einen Wirbel geraten bin. Elektrische Blitze zischen über meine Haut, in meinen Körper hinein und wieder heraus, schneller als ich mit den Wimpern zucken kann.

Was passiert hier mit mir?

Das ist nicht meine gewohnte Welt. Ich mag es ruhig und geordnet. Nicht wild und verrückt. Auf mir tanzen die elektrischen Blitze eine Choreografie von Licht und Schatten und folgen den Linien meines Schweißes. Ich bin atemlos und mehr als nur ein wenig verwirrt. Ich fühle mich regelrecht verhext, und mein Ausflug nach Paris wird immer mehr zu einer Rocky Horror Picture Show mit französischen Untertiteln. Das kann doch wohl nicht wahr sein!

Ein lauter Donnerschlag knallt in meinen Ohren und dann … gehen die Lichter aus.

Dunkelheit. Die feuchte Luft verströmt einen starken moschusartigen Geruch. Männlich.

Er kommt näher … immer näher … Ja, jetzt höre ich dieses erotische Lachen wieder, und jemand bläst heiße Luft in mein Ohr. Ich zittere. Ich drehe meine Finger um die Statue, bis sie zu brennen anfangen. Meine Brustwarzen versteifen sich, als ob jemand sie sanft gekniffen hätte. Ich werde schon wieder erregt und seufze tief auf. Jemand drückt meine Brüste zusammen, saugt an ihnen und stöhnt. Wer? Wo steckt er? Ich kann weder meine Augen öffnen noch schlucken, sprechen, meine Beine oder Hände bewegen, ihn berühren noch sonst irgendetwas tun.

Alles was ich zustande bringe, ist ein verzweifeltes Schnappen nach Luft. Ich liege einfach nur da …

Wo?

Wo bin ich eigentlich?

2. KAPITEL

Paris 1889

Der Künstler

Ich kann nicht malen, ich kann mich nicht bewegen. Alors, ich kann kaum glauben, was ich gesehen habe. Ich könnte schwören, dass eben ein seltsamer Blitzstrahl die Nacht erhellte und mir eine rothaarige Schönheit zeigte. Vollkommen nackt flirtete sie mit mir, provozierte sie mich, neckte mich mit den verführerischen Gesten ihrer zarten Schultern.

Ich starre immer noch in die hauchzarte Dunkelheit, die eine Ecke meines Zimmers verhüllt. Ein Schauer durchfährt meinen Körper, schießt über die eine Seite meines Gesichts nach oben, windet sich dann über meine Wirbelsäule nach unten und vermischt sich mit dem langsamen und brennenden Pulsieren in meinen Lenden. Bereit zu explodieren. Nein, ich muss verrückt sein. Oder im Delirium. Was da gerade passiert ist, macht mich ganz benommen. Wie ein Blitzstrahl, der durch meinen Körper schießt.

Langsam atmete er aus, blinzelte und versuchte die merkwürdigen Kopfschmerzen zu ignorieren, die wahrscheinlich auf zu viel Absinth zurückzuführen waren. Zumindest redete er sich das ein. Endlich hatte er die Kontrolle über sich wiedergefunden. Notdürftig.

Mit der Spitze seines Spazierstocks schlug er einen eigenartigen Takt gegen sein Bein. Ein seltsamer Rhythmus seiner Seele, den nur er empfinden konnte. Er umfasste den Stock fester und versuchte sich zu sammeln.

Wie konnte so etwas möglich sein? Weder eine Kerze noch eine Lampe beleuchteten die Ecke seines Zimmers, in der er die Rothaarige gesehen hatte. Auch kein Mondlicht schien durch das offene Fenster. Er hatte niemanden gehört, der durch die schwere Holztür gekommen war. Das einzige Geräusch in seinem Ohr war ein sanftes Flüstern.

“Ich würde dafür sorgen, dass du dich in mich verliebst”, säuselte sie verführerisch. Sie kicherte ein wenig und versuchte erst gar nicht, ihr lustvolles Stöhnen hinter gespielter Unschuld zu verbergen.

Dann fiel sie zu Boden, jegliches Leben schien aus ihr zu entweichen. So wie das abendliche Sonnenlicht sich über den Heugarben auf dem Kornfeld verflüchtigt und nur noch tiefe Schatten zurücklässt.

Kalt. Einsam. Er stöhnte.

Heute Nacht, bei der Arbeit in seinem Studio, hatte er das untrügliche Gefühl, beobachtet zu werden. Als ob ihn jemand lüstern betrachtete. Ihn auszog. Er grinste. Das musste die Rothaarige gewesen sein. Ein vertrautes Kribbeln setzte ein, ließ ihn sich vor Erregung winden. Als ob Tausende von karminroten Lippen, feuchten Lippen, ihren Lippen, ihn küssten und den langen Schaft seines Penis leckten. Hoch und runter, ihn mit der Zunge umkreisend.

Ungeduldig presste sein harter Ständer gegen seine engen Hosen. Er war aufgeregt, erregt von dieser rothaarigen Frau. Er fühlte, wie sein Penis weiter gegen den Stoff drängte, geschwollen vor ungestilltem Verlangen.

Aber erst einmal musste er herausfinden, ob die Frau nicht nur in seiner Einbildung existierte.

Mit leichter Angst im Herzen näherte Paul Borquet sich der dunklen Ecke in seinem Zimmer. Angst davor, dass die Rothaarige nur eine Illusion sein könnte. Denn was sollte sie sonst sein? Das Flüstern an seinem Ohr war aus weiter Entfernung an ihn herangedrungen, sich langsam auflösend wie das lange Seufzen eines jungen Mädchens nach ihrem ersten Höhepunkt.

Er atmete tief ein.

Das wunderschöne Mädchen lag auf dem Boden, bewegungslos. Sie war aus Fleisch und Blut.

Und sie war nackt. Der blasse Schimmer ihrer Haut entzückte ihn, ihr Gesicht verzauberte ihn, ihre Brüste wurden von ihrem Arm nach vorn gedrückt, und eine Hand lag so zwischen ihren Schenkeln, als ob sie ihn dazu auffordern wollte, ihre süße Frucht zu verwöhnen. Die Perfektion ihrer schmalen Hüften und ihrer langen Beine entzückten sein künstlerisches Auge. Er konnte sich an ihr nicht sattsehen.

Seltsam, als ob sich eine unsichtbare Hand auf ihn gelegt hätte, konnte er sich auf nichts anderes konzentrieren als auf diese Rothaarige. Nicht auf das Modell, das oben in dem kleinen Studio auf ihn wartete, nicht auf sein unvollendetes Bild, nicht einmal auf sein Verlangen nach mehr Absinth. Er war nach unten gerannt, um seinen Durst mit diesem grünen Likör zu stillen, als diese sonderbaren Lichtblitze ihn in dieses Zimmer zogen.

Dann hatte er sie erblickt.

Nichts anderes war mehr von Bedeutung.

Er atmete tief ein, und der Hauch ihres erotischen Parfums umfing ihn für einen sinnlichen Moment so real, dass seine Hand zu zittern begann, als er den Puls an ihrem Hals fühlte. Seine dunklen blauen Augen weiteten sich. Ja, das Blut pochte noch in ihren Adern, allerdings war ihre Haut so heiß, als ob eine züngelnde Flamme über ihren Körper tanzte, ohne ihn zu verbrennen. Er konnte sich nicht zurückhalten, ihr Gesicht zu berühren, ihre Lippen, ihre Brüste. Das Verlangen, ihre aufgerichteten Brustwarzen zwischen seinen flinken Fingern zu drehen, erhitzte seine Lenden. Er sehnte sich danach, sie zu lecken und an ihnen zu knabbern. Er stöhnte und wünschte sich, seinen Kopf in ihrem porzellanweißen Fleisch zu vergraben und ihren weiblichen Duft einzuatmen. Süß und stechend. Erotisch.

Er musste sie malen. Unbedingt.

Er schloss seine Augen in ekstatischer Folter. Der Wunsch, diese schöne Rothaarige zu berühren, hatte ihn aus seiner depressiven Stimmung gezogen. Davor hatte er melancholisch in seinem Studio gesessen, in sich versunken und still, den Kopf auf die Brust gesunken, die Haare wild ins Gesicht hängend, sich mit Absinth betrinkend. Jede Nacht saß er so da und verfluchte die Kunstszene, weil sie sein Genie nicht erkannte.

Am späten Nachmittag hatte er sich aus seinem Rausch aufgerafft und war in den Louvre gegangen, um die Werke von Delacroix, Poussin und den holländischen Meistern des siebzehnten Jahrhunderts zu studieren. Das war immer eine willkommene Entspannung, wenn die Kopfschmerzen und Albträume sein Hirn marterten und er seinen Pinsel nicht mehr länger ruhig halten konnte.

Anschließend war er in sein enges Studio im Quartier Marais zurückgekehrt, im Haus der Comtesse, seiner einstigen Geliebten. Er hatte seine Farben vorbereitet, aber nichts geschah. Überhaupt nichts. Sein kreativer Drang war wie tot. Er konnte nicht mehr in die hintersten Ecken seines Geistes vordringen und die unendliche Weite seiner Vorstellungskraft entdecken. Dieses mystische Gefühl, das es ihm ermöglichte, seine Gefühle auf die Leinwand zu bringen. Aber er würde nicht aufgeben. Er konnte nicht.

Er sog den Atem ein, eine plötzliche Sehnsucht nach dem Geruch von Farbe und dem Geräusch flinker Pinselstriche, die in sein Ohr flüsterten, überfiel ihn. Mit gespenstischer Klarheit formte sich in seinem Geist das wunderschöne Bild der Rothaarigen, und er sah die kräftigen Farben bereits vor sich auf der Leinwand.

Rot. Blau. Gelb. Anstößige Farben, leidenschaftliche Farben. Lebendige Farben, die den Moment einfingen.

Sein Herz schlug schneller, ein zarter Schleier legte sich über seinen logischen Verstand, der Schleier des Wahnsinns. Er begleitete ihn oft in seiner Kunst. Einerseits kämpfte er darum, genug Bilder zu verkaufen, damit er sich neue Farben leisten konnte. Andererseits versuchte er doch vor allem ein Gefühl, einen Gedanken oder ein Bedürfnis auf der Leinwand auszudrücken.

Konnte nicht Hoffnung durch einen Stern am Himmel ausgedrückt werden? Der Hunger einer Seele nach Liebe durch einen leuchtenden Sonnenuntergang? Die Schönheit aller Frauen durch die strahlenden Augen einer einzigen Frau?

Er war sich sicher, diese eine Frau in der Rothaarigen gefunden zu haben.

Wie war sie zu ihm gekommen? Sie war hier in seinem Zimmer, dieses verführerische Geschöpf der Nacht. Und da es so war, musste sie eine Anhängerin des Okkulten sein, geschult in schwarzer Magie. Er berauschte sich an der Idee, mit ihr die passende Partnerin für seine Erkundungen der verschiedenen mystischen und sexuellen Spielarten gefunden zu haben. Daran, dass sie ihn begleiten könnte auf seinen Ausflügen in die hedonistische, exzessive Unterwelt von Paris, wo Frauen nackt tanzten und die dekadenten Männer kokett herausforderten.

Er nannte es seinen Cirque Erotique, seinen erotischen Zirkus, wo auf ausschweifenden Feiern in Privathäusern junge Mesdemoiselles ohne Höschen auf Fahrrädern von Zimmer zu Zimmer fuhren und so den Herren einen vorzüglichen Blick auf ihre bloß gelegten Hinterbacken gönnten. Oder andere sich als Liebessklavinnen anboten und starke Drogen konsumierten, um die eigene Lust zu steigern, während sie den Bitten ihres Herrn nachkamen. Und wieder andere sich für wollüstige Dreier zur Verfügung stellten und dabei stets darauf achteten, dass die Herren den doppelten Spaß hatten.

Er liebte diese Welt, liebte es, den Frauen zuzusehen, wie sie liebten und erregten, verführten und verführt wurden. Eine Welt, in der die Magie in jedem Kuss zu finden war und in der jeder Kuss magisch war. Eine Welt, die ihn fesselte und überwältigte.

Die Welt der Schwarzen Künste.

Das Mädchen stöhnte. Sie bewegte sich. “Oohh…”

Einen Arm hatte sie über die Brust gelegt und presste damit ihre üppigen Rundungen zusammen. Ihm stockte der Atem. Der Anblick ihres weißen Fleisches entzückte sein Auge, aber sein Verstand riet ihm, sie zuzudecken. Ansonsten würde sie sich vielleicht noch erkälten.

Er war mit der Garderobe der Hausherrin nur zu gut bekannt, und so brauchte er nicht lange, um einen Kapuzenumhang aus rotem Samt für die schöne Unbekannte zu finden. Er bedeckte den nackten Körper des Mädchens mit dem Mantel, dann hob er sie auf und schwelgte in dem Gefühl ihres federleichten Körpers in seinen Armen. Ihre Hand entspannte sich, und der Gegenstand, den sie darin gehalten hatte, fiel auf den Teppich.

Seine Kehle zog sich zusammen. Nein, das konnte nicht sein. Doch es war seine eigene Statue des ägyptischen Gottes Min. Hatte sich das Mädchen heimlich ins Haus geschlichen, um sie zu stehlen? Welche anderen Schätze hatte sie gesucht? Juwelen? Goldstücke? Seidengewänder? War sie in Wirklichkeit nichts weiter als eine Diebin und nicht die Göttin, für die er sie gehalten hatte?

Er sollte sie auf die Straße werfen und vergessen. Diese Frauen waren sinnliche Geschöpfe, die für ihre Dienste Küsse und verbotenen Sex versprachen. Nackte junge Frauen in den Fängen der Leidenschaft, küssend, lutschend, den Mann mit seidenen Tüchern fesselnd, Augenbinden und Penisringe einsetzend, um seine Erektion so lange zu halten, bis er jedes Mädchen befriedigt und sie in orgiastischem Glück hatte aufschreien lassen.

War sie so eine?

Er betrachtete ihr liebliches Gesicht, die Fülle und Schönheit ihrer Brüste, die elegante Kurve ihres sich hebenden und senkenden Brustkorbs. Ihre helle Haut zeichnete sich so weiß und rein gegen den leuchtend roten Umhang ab. Er würde verrückt werden, wenn er sie nicht malen konnte, und deshalb würde er sie behalten. Aber er würde vorsichtig mit seinen Gefühlen sein. Sehr vorsichtig.

Er bettete sie auf ein roséfarbenes Sofa und legte ein rotes Seidenkissen unter ihren Kopf. Er berührte ihre Wangen, die gerade Linie ihrer Nase, die vollen Lippen und ihre Brüste. Er ließ seine Finger über die zarten Konturen ihres flachen Bauches und die Innenseiten ihrer Schenkel wandern, bevor sie sich in den gelockten roten Haaren verloren, die ihre Scham bedeckten.

Sein Traum lag in seinen Armen, seine bezaubernde Mademoiselle. Doch eine Sache konnte er sich nach wie vor nicht erklären. Wieso hatte sie die Statue des Min gestohlen? Aus welchem Grund? Wusste sie von ihren geheimnisvollen Kräften? Ja?

Er schon.

Sein Interesse für das Okkulte war geweckt worden, als die Besitzerin des roten Samtumhangs, die wunderschöne und reiche Comtesse, ihm die kleine Statue geschenkt hatte. Nicht nur als Bezahlung für das Porträt, das er von ihr gemalt hatte, sondern vor allem für sein Engagement in ihrem Boudoir. La Comtesse behauptete, dass die Statue in der Pyramide eines mächtigen, für seine sexuellen Heldentaten berühmten Pharaos gefunden worden war. Die Statue hatte magische sinnliche Kräfte, in die sie ihn nur zu gern einweihen wollte, wie ihre einladende Pose auf dem Bett deutlich machte. Er hielt ihr Gesicht zwischen seinen Händen, senkte dann seinen Mund auf ihre Lippen herab, um sie tief zu küssen, bis sie endlich ihre Beine um seine Hüften schlang und ihre Knöchel hinter seinem Rücken kreuzte. Er ließ sich in sie hineingleiten, um dann mit seinem Schwanz in einem Rhythmus, der langsam begann und immer schneller wurde, in sie hineinzustoßen, bis sie von so vielen Orgasmen geschüttelt wurde, dass sie das Bewusstsein verlor.

Die Comtesse zu vögeln war nicht das einzige lustvolle Spiel, dessen er sich erfreute. Von Zeit zu Zeit fanden in den großen Herrenhäusern des Quartier Marais ausschweifende Orgien statt, und er nahm nur zu gern daran teil, lediglich in einen roten Umhang gekleidet, der seinen nackten, muskulösen Körper bedeckte. Sein Gesicht versteckte er hinter einer Fuchsmaske, aber trotzdem meinten viele junge Frauen ihn genau an dem zu erkennen, was er nicht verbergen konnte.

Seinem Schwanz.

Lang, hart und perfekt geformt.

Sein bevorzugter Trick auf solchen ausschweifenden Festen bestand darin, seinen Spazierstock zu verstecken und die eifrigen jungen Damen einzuladen, unter den Schwingen seines Umhangs danach zu suchen. Sie ließen ihre Finger, ihre Lippen, sogar ihre melons, die prallen Brüste, über jede Stelle seines Körpers gleiten, bis sein Penis sie gefunden hatte und ihre conasses, ihre Mösen, mit lustvoller Magie füllte.

Hélas, tu es bien monté”, flüsterten die Frauen und gaben ihm damit zu verstehen, dass er gut bestückt war. Er begab sich mitten in den Pulk nackter Frauen, presste sich an sie, pumpte, stieß mit seinem Schwert zu, hart und aufs Höchste erregt. Sein attraktives Gesicht hielt er verborgen, beobachtete durch die Löcher der Maske die willigen Frauen, die nur darauf warteten, von ihm befriedigt zu werden.

Aber nicht heute Nacht. Heute war er vor Leidenschaft für seine Kunst entbrannt. Langsam breitete sich Hitze in seinem Körper aus, und er hatte eine Vision von dem, was jetzt zu tun war. Heute musste er malen.

Sie. Die Rothaarige.

Aber zunächst mal musste er die Blondine loswerden, die immer noch in seinem Studio auf ihn wartete.

“Gefalle ich Euch denn gar nicht, Monsieur?”, fragte eine feminine Stimme. Sie betonte das Wort “gefallen” und zog dabei eine süße Schnute. Aber das konnte ihn heute nicht beeindrucken.

“Tut mir leid, aber ich habe meine Meinung geändert, Lillie.” Er knöpfte seine dunkelblaue farbbekleckste Jacke zu und zog den pflaumenfarbenen Schal enger um seinen Hals. Der Schal war sein Markenzeichen, und er passte gut darauf auf.

Er zwang sich, das Modell anzusehen, ein hübsches Mädchen von Madame Chapets Maison Tolerée, einem bekannten Bordell.

Lillie de Pontier war das hübscheste der Mädchen aus diesem Haus in der Rue des Moulins. Er hatte sie unter den drei Frauen ausgewählt, die sich auf einem Himmelbett miteinander vergnügten, sich streichelten, liebkosten, küssten und sich gegenseitig die Brüste leckten.

Es hatte ihr gefallen, von ihm ausgewählt zu werden, denn sie hatte sich an ihn gedrängt, blies ihm warme Luft ins Ohr und rieb ihr knackiges Hinterteil an seinen Lenden. Aber jetzt hatte er genug von ihr. Er war nervös. Aufgekratzt. Die Rothaarige würde bald aufwachen. Er musste Lillie über die Hintertreppe nach draußen bringen, damit die beiden Frauen sich nicht begegneten. Er war nervös, denn er hatte nicht viel Zeit.

“Ich werde Euch kostenlos zeigen, Monsieur, wofür ganz Paris viel Geld bezahlen würde.” Lillie löste ihren schwarzen Strapshalter, und die roséfarbenen Strümpfe rutschten wie zwei sich windende Schlangen an ihren cremefarbenen Schenkeln herunter.

“Zieh deine Strümpfe wieder hoch, Lillie.”

Das Mädchen ignorierte ihn und beugte sich zu ihm herüber. Er bemerkte die Schweißperlen zwischen ihren nackten Brüsten. Einen Moment lang konnte er seine Augen nicht von ihr abwenden. Sie trug nur ein Korsett aus pfauenblauem Satin, das sich eng um ihre schmalen Hüften legte und ihre unverhüllten Brüste nach oben drückte. Ihr beachtlicher Busen dehnte sich in alle Richtungen, und das gefiel ihm. Ihre milchig weißen Brüste erregten ihn und versprachen lustvolle Momente. Eine etwas verknitterte pinkfarbene Schleife um ihren Hals vervollständigte den Effekt.

Er streckte den Arm aus, um die Schleife zu öffnen …

Doch dann hielt er abrupt inne, die Hand noch ausgestreckt. Er hörte Geräusche, die von unten kamen. War das ein Stöhnen? Von der Rothaarigen?

“Eure private Vorführung wird gleich beginnen, Monsieur”, schnurrte Lillie mit heiserer Stimme. Ihre langen weißen Finger zogen einen der Strümpfe weiter nach unten. Sie wackelte verspielt mit ihren Zehen, bevor sie langsam ihre Beine spreizte und ihm einen kurzen Blick auf ihr Schamhaar freigab. Ein goldgelbes Dreieck zwischen perfekten Schenkeln.

Sa chatte. Ihre Möse. Gepflegt und aufreizend. Das hatte er nicht erwartet. Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, und ihre Augen schienen ihn zu fragen: Nun, was hältst du davon?

“Du bringst mich in Versuchung, Lillie, aber ich …”

Hörte er da nicht jemanden umhergehen? Schubladen öffnen und sie wieder laut zuschieben?

“Ich bin die Beste aus Madame Chapets Haus.” Lillie saugte an der Fingerspitze ihres Zeigefingers und berührte dann die Innenseite ihrer Schenkel. Ihre Finger glitten wie beiläufig hoch und runter, immer näher an ihre zarte Muschi heran.

“Ich kann den Hengst so lange reiten, wie es dem Gentleman beliebt.”

Sie schlug in die Luft wie mit einer unsichtbaren Reitgerte, und für einen Moment geriet Paul Borquet in Versuchung.

Sogar sehr.

Die aufgestaute Leidenschaft in seinen Lenden schrie geradezu nach Erlösung. Er stellte sich vor, wie er auf einem Stuhl saß und Lillie über sein Knie legte, mit seinem Spazierstock die Rundungen ihrer wohlgeformten Waden und Schenkel entlangglitt. Dann würde er leicht auf ihren nackten Hintern schlagen, bevor er sie umdrehte und nahm, ihren Mund weit geöffnet, seine Zunge ihre Lippen leckend, überall würde er sie berühren, ihre Brüste, ihre Taille, ihre Schenkel. Jede Stelle ihres Körpers.

Aber er ignorierte das Verlangen in ihren Augen, das ihm ganz genau verriet, was sie sich wünschte. Baiser. Liebe mich. Heute Nacht.

Er schüttelte den Kopf. Nein, das konnte er nicht, obwohl sie wunderschön war. Das chinesische Reispuder ließ ihre engelsblasse Haut sanft schimmern, ihre delikat geschwungenen Augenbrauen waren von dunkler Farbe betont. Tiefblauer Lidschatten war über ihren Lidern verteilt und verstärkte das Leuchten ihrer Augen. Er konnte genau erkennen, wo sie mit dem Fell eines Hasenfußes pinkfarbenes Rouge auf ihren Wangen, auf ihren Ohrläppchen und über das Kinn verteilt hatte. Ein Hauch von künstlichem Gold bestäubte ihr Haar. Ein wenig übertrieben, aber effektvoll.

La belle fille, diese schöne Frau, war in der Kunst der Illusion bestens bewandert. Und das war leider auch genau der Grund, wieso sie niemals zu seinem perfekten Modell werden würde, wieso er sie niemals auf seiner Leinwand zum Leben erwecken konnte. Weil alles an ihr Illusion war.

Mais non, es war eine andere Frau, die ihn begeisterte, die provozierender war, ausgefallener und sexuell erregender.

“Ich brauche dich heute Nacht nicht mehr, Lillie”, sagte er und verabschiedete sie. Aber er hätte es besser wissen müssen. Jemand mit Lillies Fähigkeiten gab nicht so schnell auf.

“Schaut mir zu, Monsieur”, flüsterte sie. Dabei spielte sie mit ihrem Schamhaar und tauchte einen Finger in ihre Muschel. “Schaut mir zu, wie ich auf meinem Musikinstrument eine Melodie spiele, die Euch gefallen wird.”

Es erstaunte ihn nicht, dass sie dabei sehr überzeugend zu stöhnen begann. Ohne Zweifel hatte sie viel Erfahrung damit. Aber er hatte jetzt einfach keine Zeit für Liebe. Es war ein sinnloses Gefühl, dass ihm nur die Energien aussaugte, die er zum Malen brauchte. Die Kunst war seine Mätresse. Niemals würde er eine Frau so sehr lieben wie seine Kunst. Niemals.

Er strich mit den Fingern über den Elfenbeingriff seines Gehstocks, der in der Form eines Liebespaares geschnitzt war. Sein eigener Penis war ebenso hart wie der des Mannes, der sich über die Frau beugte und in sie eindrang.

Auch Lillie musste seinen Ständer wahrgenommen haben, denn sie stöhnte noch lauter. Sie wiederholte einige Male, was für einen starken und muskulösen Körper er habe und welche Freude es ihr bereiten würde, ihr Gesicht zwischen seinen Schenkeln zu vergraben und ihn zu verwöhnen.

Er versuchte ihr offensichtliches Werben zu ignorieren. Irgendwie musste er sie jetzt loswerden. Aber wie? Seine schwitzenden Hände glitten an seinem Stock hoch und runter. Wieso war er so getrieben von seiner Leidenschaft, diese rothaarige Frau zu malen?

Er kannte die Antwort. Sie war die Verführerin, die ihm von den Göttern geschickt worden war, das perfekte Modell für sein Meisterwerk. Durch sie würde er seiner Kunst einen unverwechselbaren Stempel aufdrücken und den innersten Gefühlen seiner Seele Ausdruck verleihen. Er hätte nie gedacht, dass so eine Frau in dieser Welt existierte.

Aber noch ein anderes Verlangen trieb ihn an. Primitiv. Lüstern.

Er hatte keine Zeit mehr zu verlieren.

“Zieh deine Kleider an, Lillie”, befahl er dem Mädchen. “Ich kann heute nicht mehr malen.” Ihre Bluse lag in tausend kleine Falten zerknittert auf dem Boden, und ein roséfarbener Strumpf lag nachlässig obendrauf, ebenso wie ihr violettes Taftkleid, ihr Petticoat, die violetten Schnürstiefel und ein winziger Hut mit einem langen Schleier.

“Pardon, Monsieur?”, fragte sie.

“Du gehst jetzt.”

“Aber wir haben doch noch gar nicht gespielt …”

“Ich habe keine Zeit für Spiele. Ich habe eine andere Verabredung.”

“Um fünf Uhr morgens?”

“Tu was ich sage, oder Madame Chapet wird von deiner Ungehörigkeit erfahren.”

“Diese alte Hure? Die interessiert sich nur für Geld, und an mir verdient sie eine ganze Menge.” Lillie stieg wütend in ihren Petticoat und zog ihre Schuhe an, allerdings ohne sie zu schließen.

Unten wurde eine Tür zugeschlagen.

Sie lachte. “Wie ich höre, konnte Eure Verabredung nicht warten, Monsieur.”

Er geriet in Panik. “Nein! Sie darf nicht verschwinden. Auf keinen Fall!”

Paul ergriff seinen Stock und sein schwarzes Cape und schwang es sich um die Schultern, als wäre er ein Wesen der Dunkelheit, das sich auf der Wolke eines Traums in die Lüfte erhob.

Schnell sprang er die Treppen hinunter, öffnete die Tür und rannte nach draußen. Er verschmolz mit der Menge der Bettler, die zu dieser Stunde durch die Boulevards des Quartier Marais streiften, Kreaturen mit einem Korb auf dem Rücken, aber keinem Namen auf ihrer Seele. Kein Windhauch bewegte die klare, trockene Luft.

Wo konnte das Mädchen bloß sein?

Er hielt eine Lumpensammlerin an und fragte sie, ob sie eine junge Frau gesehen hätte, die in einem roten Samtcape aus seinem Haus gerannt war. Die Alte streckte ihre Hand aus, und nachdem er ihr einen Geldschein gegeben hatte, zeigte sie in Richtung Rue Saint-Merri.

Freude durchfuhr ihn und öffnete ihm die Augen für die Wahrheit. Sie war also keine Illusion. Sie war irgendwo hier draußen. Aber wo?

Den Griff um seinen Gehstock verstärkend, rannte er mit flatterndem Cape durch die Nacht. Er wusste, dass er keine andere Chance hatte, als sie zu finden.

Egal was er dafür tun musste.

3. KAPITEL

Oh Gott, was zum Teufel ist passiert?

Zzz-zap, zzz-zing, bumm!

Wie ein Donnerschlag ist die Energie durch mich hindurchgefahren und hat mir den wildesten Orgasmus aller Zeiten verschafft. Im Zentrum meiner Vagina hat es angefangen, tief in mir drin. Zischend wie ein heißer Feuerball, pulsierend, anschwellend, bis es mich vollständig ausfüllte. Dann schien meine Klitoris in Flammen zu stehen, und leuchtende Feuerwerkskörper explodierten vor meinen Augen.

Silber, rot und blau. Heiß, sexy, geil.

Es war eine außergewöhnliche, seelenschmelzende Erfahrung: Mein ganzer Körper zuckte mit jedem Schlag, meine Beine zuckten, als ich durch Zeit und Raum flog. Elektrische Schauer regneten auf mich herab, versengten meine Haut, ließen mich laut aufschreien. Mein lang gezogenes Stöhnen muss geklungen haben wie Weinen. Lange, rhythmische Schauer liefen über meinen Körper, erregten mich und kündigten meinen Höhepunkt an. Dann begann meine Muschi sich rhythmisch zusammenzuziehen, krampfte sich, um …

Moment mal. Wie konnte all das passieren ohne einen Penis, der mich ausfüllte? Der tief in mich eintauchte und mich völlig in Besitz nahm? Die Muskeln meiner Vagina versuchten ihn immer tiefer in mich hineinzuziehen.

Aber nein. Das habe ich mir alles nur eingebildet.

Oder doch nicht?

Paul Borquet.

Ich könnte schwören, dass ich durch die Schlitze meiner fast geschlossenen Augen gesehen habe, wie er sich über mich beugte. Sein männlicher Geruch heizte meinen Appetit auf Sex erneut an, und die Arroganz, mit der er sich nahm, was ihm gefiel, versetzte mich in einen frustrierten Zustand höchsten Aufruhrs. Ich fühlte seine Hände auf meinen Brüsten, sein Daumen rieb über meine steifen Knospen, während seine andere Hand über meine Taille nach unten strich und sich durch mein Schamhaar wühlte.

Oh, das war köstlich.

Er. Stöhnend, keuchend. Sein Körper steif, heiß, glänzend vor Schweiß.

Ich. Prickelnd. Strahlend. Zitternd und darauf brennend, dass er endlich die zarte Wölbung zwischen meinen Beinen berührte, meine Lippen zur Seite schob und einen Finger in mich einführte …

Doch dann war er plötzlich verschwunden.

Wohin?

Und wo zum Teufel bin ich?

Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich das herausfinde.

Mit schwingenden Armen mache ich mich auf den Weg. So ganz ohne Höschen reiben meine Schenkel aneinander. Mit brennenden Füßen laufe ich die Rue Saint-Merri entlang und schaue überall gleichzeitig hin.

Ich sehe ein paar elektrische Lichter, die die schmalen Gassen notdürftig beleuchten. Ansonsten sind es vor allem die Gaslaternen der größeren Häuser, die ein gelbes Licht über das Kopfsteinpflaster werfen und überall dunkle Schatten entstehen lassen. Ein außergewöhnlicher Hauch, kaum ein Nebel, bedeckt alles wie ein zarter Schleier.

An der Ecke steht ein Mann, der in einem großen Kessel rührt. Er nimmt seinen Fellhut ab und stellt den Kragen seines Mantels hoch, während er die heißen Maronen in seiner Pfanne wendet. Der Geruch von Nüssen weht über die Straße und verführt mich zum Anhalten, und fast stelle ich all die Fragen, die mir auf der Zunge liegen. Aber ich halte mich zurück. Ich will erst mehr sehen.

Ich werde nicht enttäuscht und sehe Pferdekarren, Leiterwagen, eine Kutsche und sogar ein einsames Fahrrad zu dieser frühen Stunde. Der Verkehr scheint hier keinen besonderen Regeln zu gehorchen.

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