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Darling, wir sind schwanger

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1. KAPITEL

Er hatte schon wieder von Whitney geträumt. Es war ein heißer, aufregender Traum gewesen.

Das war ihm früher nie passiert. Sie war sein bester Freund, war es schon seit Kindheitstagen – na ja, jedenfalls war Whitney damals noch ein Kind gewesen. Doch obwohl sie fünf Jahre jünger war als er, war ihre Gegenwart ihm trotz ihres Temperaments nie lästig gewesen. Sie waren zusammen aufgewachsen, hatten sich gegen den Rest der Welt verbündet. Er hatte sich immer darauf verlassen können, dass Whitney ihm in nichts nachstand – meistens hatte sie ihn sogar übertroffen. Und das galt für ihre kleinen Basketballturniere genauso wie für ihre waghalsigen Rennen im Sportwagen entlang der Küste oder fürs Pokern und Billardspielen.

Whitney Emerson hatte jeden Spaß mitgemacht.

Sie war sein bester Kumpel gewesen, als er siebzehn war … und heute, fünfzehn Jahre später, war sie es immer noch.

Warum hatte er dann aber plötzlich erotische Träume von ihr?

Wahrscheinlich wegen dieser Fusion, die er demnächst eingehen würde.

Verflixt, er hatte wirklich keine Lust, jetzt darüber nachzudenken. Ihm stand der Sinn nur danach, mit einem Freund zu entspannen. Mit jemandem, auf den er sich verlassen konnte. Und obwohl er Whitney gar nicht so häufig sah, nicht einmal monatlich, wusste er einfach, dass sie dafür genau die Richtige war.

Das Verdeck des Porsches war unten, einen Blick hatte er immer im Rückspiegel, um jeden Polizeiwagen möglichst früh zu entdecken, und so schoss er den Highway entlang.

Er lockerte den Knoten seiner Seidenkrawatte und atmete tief die salzige Meeresluft ein, während ihm der milde Januarwind durchs Haar zauste. Das war genau das, was er am Wetter in Kalifornien so toll fand: Mitten im Winter gab es manchmal eine Hitzewelle. Er genoss den warmen Wind im Gesicht heute allerdings besonders, wahrscheinlich, weil er sich im Moment innen so kalt und leer fühlte. Er drückte noch mehr aufs Gas. Manchmal brauchte er das: ohne Verdeck so schnell zu fahren, als gäbe es keine Gesetze, keine Polizisten, die darauf lauerten, ihm wegen Geschwindigkeitsüberschreitung einen Strafzettel zu verpassen.

Es war bestimmt nicht so, dass er einen heimlichen Todeswunsch verspürte. Aber er fühlte sich ruhelos. Und er brauchte jemanden. Jemanden, der nichts von ihm erwartete, der nicht auf eine Entscheidung drang oder ihm einen Scheck zum Unterzeichnen vorlegte. Jemand, der ihm nicht ständig Bilanzen unter die Nase hielt und von ihm keine Wunder erwartete. Jemand, der kein Anwalt, kein Buchhalter, kein Steuerberater und kein Bankangestellter war. Und auch keine sogenannte Dame der besten Gesellschaft, die ihm durch die Blume zu verstehen gab, dass sie dringend eine Begleitung für ihren nächsten Opernbesuch brauchte.

Er brauchte eben jemanden wie Whitney Emerson.

Spontan traf er eine Entscheidung, riss das Steuer im letzten Moment herum und nahm die nächste Abfahrt. Dann flitzte er die Küstenstraße entlang, bis er ins Zentrum von Montgomery Beach kam, wo sich unter Schatten spendenden Bäumen in weitläufigen Alleen elegante Boutiquen und teure Galerien nebeneinanderreihten. Die Stadt, die nach seinen Vorfahren benannt worden war.

Es war völlig ausgeschlossen, dass er in derselben Stadt wie Whitney war und sie dann nicht einmal anrief. Heute Abend musste er sie einfach sehen. Er brauchte eine kleine Verschnaufpause mit einem richtig guten Freund.

Teure, geschwungene Paneele umrahmten Glasfenster und – türen, die so sauber waren, dass er durch sie in die Geschäfte und durch die rückwärtigen Fenster in die dahinter liegenden, geschmackvoll gestalteten Innenhöfe blicken konnte.

Er stellte den Motor ab, legte seine teure Sonnenbrille auf die Ablage und griff nach dem Handy. Schnell gab er die vertraute Nummer ein.

„Delaney’s Tux Shop. Was kann ich für Sie tun?“

„Du kannst mich zu Pizza und Bier einladen.“

Eine Sekunde lang herrschte Schweigen am anderen Ende, dann: „Dylan Montgomery! Wo bist du gerade?“

Großartig, er liebte es, wenn sie so begeistert klang! In ihrer Nähe fühlt er sich richtig wohl: „Schau mal aus dem Fenster, Süße.“

Er sah, wie sie rasch zum Schaufenster blickte, ihre Augen zusammenkniff und die Hand in die Hüfte stemmte, als ob sie verärgert wäre. Dann lächelte sie strahlend zu ihm hinaus. „Komm sofort rein, du Ungeheuer. Und übrigens, du bist an der Reihe, mich einzuladen.“

Dylan lächelte zurück, zog den Zündschlüssel ab und sprang elegant aus dem Porsche, um dann mit wenigen Schritten die Stufen zum Geschäft hochzueilen.

Der Platz, an dem das Geschäft lag, gehörte Karl Delaney, Whitneys Onkel. Wo immer er hinging, eilte ihm sein Ruf als Meisterschneider für die oberen Zehntausend voraus. Er hatte sich in Montgomery Beach niedergelassen, nachdem Whitneys Eltern und ihre Schwester bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren, denn er wollte vermeiden, dass Whitney zu dem Schock auch noch einen Umzug verkraften musste.

Sein Geschäft in San Francisco hatte er behalten, aber zusätzlich hatte er dieses hervorragend gelegene Grundstück gekauft und es in einen Einkaufsplatz für bevorstehende Hochzeiten, eine Braut-Plaza, verwandelt.

Die Plaza war eine geniale Idee gewesen. Alle Geschäfte, die etwas anboten, das eine Braut ansprechen könnte, waren um eine dreihundert Jahre alte Eiche gebaut, die im Mittelpunkt des Platzes stand und ihn mit ihren mächtigen Ästen beschattete. Eigentlich hatte Karl Delaney nichts anderes getan, als eine Verbindung der Kirche von Montgomery mit dem ersten Hotel der Stadt herzustellen.

Ein Einkaufsbummel genügte, und man konnte Brautkleider, Hochzeitsfräcke, sportliche Kleidung für die Flitterwochen, Aussteuergegenstände, Blumen, Hochzeitskuchen, Diamanten oder Einladungskarten kaufen. Man konnte Reisen buchen oder sogar bei einem Makler sein erstes Eigenheim erwerben. Dann heiratete man einfach in der Kirche am einen Ende und verbrachte die Hochzeitsnacht am anderen Ende des Platzes, in dem renommierten Hotel, dessen rückwärtige Treppenstufen direkt auf den weißen Strand hinausführten.

Und an der schönsten Stelle dieses Platzes war Delaney’s, oder genauer gesagt, Karl Delaney. Whitney erzählte den Leuten gern ein Märchen über Karls irische Abstammung, aber in Wirklichkeit war Karls Nachname das Ergebnis eines völlig überarbeiteten Immigrationsbeamten, der den komplizierten russischen Nachnamen „Delanistekhov“ zu „Delaney“ verkürzt hatte.

Es war stadtbekannt, dass Karl gern Ratschläge gab – ob man sie wollte oder nicht –, und zwar auf kleine Zettel geschrieben, die man dann ganz „zufällig“ in der Tasche des bei ihm gemieteten Fracks fand.

Ob es nun einen Bräutigam betraf oder Jugendliche, die sich vorgenommen hatten, bei einer Party Randale zu machen, oder ob es um die große Feier eines Politikers ging: Karl hatte zu allem eine feste Meinung und zögerte nicht, sie mitzuteilen. Wenn auch auf diese etwas ungewöhnliche Weise.

Selbst der überzeugteste Junggeselle fühlte den zarten Hauch der Romantik, wenn er zufällig diesen Platz betrat.

Vielleicht schlug Dylans Herz deshalb schneller, als er Delaney’s Frackgeschäft betrat.

Vielleicht lag es aber auch an Whitney, die gerade um den Ladentisch herumlief und dabei wie ein aufgeregtes Schulmädchen wirkte.

Allerdings sah sie überhaupt nicht wie ein Schulmädchen aus.

Dylan blieb wie angewurzelt stehen und verschluckte sich beinahe. Sie trug ein lavendelfarbenes Top und einen eng anliegenden Rock. Obwohl das Material ihrer Kleidung nicht durchsichtig war, garantierte der dezent durchbrochene Stoff, dass jeder Mann unruhig wurde.

Bevor Dylan wieder ganz zu sich kam und sich in Erinnerung rufen konnte, dass es seine alte Freundin Whitney war, die ihn auf diese verführerischen Gedanken brachte, warf sie sich ihm in die Arme.

Automatisch fing er sie auf, wirbelte sie einmal herum und fühlte sich plötzlich wie zu Hause. Endlich.

Es überraschte ihn selbst, dass er auf einmal schwer schlucken musste. Schließlich umarmte er Whitney noch einmal und setzte sie wieder ab.

„Oh Dylan, ich bin so froh, dass du wieder zu Hause bist. Wie lange bleibst du? Wie geht es dir?“

„Hey, Slim, immer mit der Ruhe.“

„Immerhin warst du drei Monate nicht mehr hier. Meine Güte, wir haben ja so viel zu bequatschten. Wie lange kannst du bleiben?“

„Ich bin nur auf der Durchreise.“ Er konnte einfach nicht aufhören, ihre seidig-glänzende Kleidung anzustarren. „Das ist ja ein scharfes Outfit.“

Sie strahlte wie die Sonne, als sie vor ihm hin und her tanzte und eine Pirouette drehte. „Gefällt’s dir? Ich habe ein paar neue Stoffe ausprobiert.“

Er zog die Augenbrauen hoch. „Ist das ein Material, aus dem man normalerweise Nachthemden herstellt?“

„Ach, hör auf.“ Sie gab ihm einen Klaps auf den Arm. „Wenn du nur auf der Durchreise bist, was machst du dann hier?“

„Ich habe gerade ein entsetzlich langweiliges Geschäftstreffen hinter mir, das drei Tage gedauert hat. Und im Anschluss daran musste ich noch Golf spielen! Dann fuhr ich die Küstenstraße entlang und dachte plötzlich: Dylan, du bist viel zu schlecht gelaunt. Und schon musste ich an dich denken.“

Whitney lachte fröhlich. „So ist es richtig. Denkst du an mich, denkst du an gute Laune.“

In letzter Zeit denke ich noch an etwas ganz anderes, gestand er sich heimlich ein und vergrub die Hände in den Hosentaschen, um nicht schon wieder in Versuchung zu kommen, Whitney anzufassen. Was war bloß los mit ihm?

„Was hältst du davon – wollen wir zusammen einen Happen essen gehen, bevor ich mich wieder auf den Weg mache?“

„Fährst du etwa heute Abend noch zurück nach San Francisco?“

„Das hatte ich vor.“

Whitney schüttelte den Kopf. „Du arbeitest zu viel. Und was ist mit deiner Mutter? Sie wird traurig sein, wenn sie erfährt, dass du ganz in der Nähe warst, aber nicht angerufen hast.“

Sofort meldete sich sein schlechtes Gewissen. Seit dem Tod seines Vaters hatte er seine Mutter nur selten besucht. Randolph Dylan Montgomery Sr. war ein sehr autoritärer Mann gewesen, und manchmal hatte Dylan das Gefühl, als ob sein Vater immer noch vom Grab aus das Leben seiner Familie kontrollierte.

Der Geschäftszusammenschluss, auf den er im Moment zusteuerte, war jedenfalls etwas, das sein Vater angestrebt hatte.

„Hallo!“ Whitney wedelte ihm vor dem Gesicht umher. „Ist wer zu Hause?“

„Ich habe nur gerade an Mom gedacht.“ In gewisser Weise stimmte das ja auch. Randolph hatte ihr das Leben auch oft schwer gemacht. „Weißt du, wenn du ihr nicht sagst, dass ich hier gewesen bin, dann wird sie auch nicht traurig sein.“

„Aha“, ertönte da eine dunkle Stimme aus dem Hintergrund. „Aber was, wenn ich es ihr verrate, junger Mann?“

Dylan lächelte und drehte sich zu dem untadelig gekleideten Mann mit den leuchtend blauen Augen herum. Karl Delaney war auch mit zweiundsechzig Jahren noch sehr attraktiv, dazu groß, schlank und sehr charmant. Wie oft hatte Dylan als Junge gewünscht, dass Karl sein Vater wäre!

Dylan streckte ihm die Hand entgegen. „Hallo, Karl. Du willst doch nicht, dass Mom sich über mich ärgert, oder?“

Karl schüttelte ihm die Hand, während sein Blick über Dylans Anzughosen, das Seidenhemd und den gelockerten Schlips flog, um dann zustimmend zu nicken. Es war eine Angewohnheit von ihm, alle Leute auf ihre Kleidung hin zu begutachten.

„Und was mache ich, wenn sie herausfindet, dass du bei uns im Geschäft gewesen bist? Deine Mutter ist zwar fast eine Heilige, aber ich möchte nicht in ihrer Nähe sein, wenn sie über etwas erbost ist.“

Obwohl Dylans Mutter eine zierliche kleine Person war, konnte sie einem sehr zusetzen, wenn sie es für nötig hielt. Natürlich nicht wie sein Vater. Grace Montgomery verzuckerte jede Kritik mit Charme und Liebe.

„Ach, komm, Onkel Karl, verrate uns nicht“, bat Whitney ihn. „Ich habe Dylan noch nicht mal etwas von meiner Reise nach Paris erzählt.“

Karl seufzte, aber um seine Mundwinkel zuckte es bereits. „Ja, natürlich. Dann bin ich eben heute mit Blindheit geschlagen.“

Er wandte sich um. „Gut, zieht mal beide los, und geht zusammen essen. Ich bin allerdings sicher, dass irgendwer in der Stadt den Porsche erkennen und deiner Mutter davon berichten wird.“

„Onkel Karl?“

„Ja, mein Täubchen?“

„Übertreib es nicht.“ Whitney nahm sich ihr Jackett hinter dem Ladentisch hervor und zog es über. Karl lachte. „Geht endlich.“

Er bekam von seiner Nichte einen Kuss auf die Wange, dann hakte Whitney sich bei Dylan unter und zog ihn aus dem Geschäft. „Worauf hast du Appetit?“

„Irgendetwas Einfaches. Ich muss mich dringend entspannen.“

„Wollen wir zu Hank’s gehen?“

Hank’s bedeutete frisches Bier, köstliche Sandwiches und ein riesiger Bildschirm mit der aktuellsten Sportübertragung. „Perfekt.“

„Wollen wir zu Fuß gehen oder fahren?“

„Wie wäre es, wenn wir zu dir fahren und von dort aus laufen?“

„Okay.“ Hank’s lag nur einen Block von Whitneys Wohnung entfernt. Obwohl es zum Abend hin langsam kühl wurde, verspürte Dylan den Wunsch, sich die Beine zu vertreten.

Während der kurzen Fahrt zu Whitneys Haus genoss er die vertraute Atmosphäre, die ihn umgab. Montgomery Beach war ein schönes Städtchen mit stilvollen Gebäuden, die von reichen Leuten erbaut worden waren. Der Wald reichte bis an den Strand heran, und wenn man dachte, man sei in einem Bergdorf, öffnete sich einem plötzlich unverhofft der Blick über malerische Klippen hinaus aufs Meer. Wer hier wohnte, hatte die besten aller Welten dicht beisammen.

Als Whitney fröhlich lachte, wandte er sich zu ihr. Sie tat das häufig, aus reiner Freude am Leben. Der Wind fuhr ihr durch das kastanienbraune Haar, und sie band es rasch zu einem Pferdeschwanz zusammen. Durch die anmutige Bewegung ihrer Arme zeichnete sich ihr hübscher Busen noch deutlicher unter ihrem Oberteil ab. Dylan spürte, wie er innerlich erstarrte. „Pass auf die Fußgänger auf!“, rief sie.

Er trat auf die Bremse und blickte hastig zurück auf die Straße. Auf keinen Fall würde er sich noch einmal ablenken lassen! „Entschuldigung. Ich glaube, ich muss mich wirklich etwas ausruhen. Normalerweise fahre ich vorsichtiger.“

Whitney legte die Hand auf die Brust, um ihr hastig schlagendes Herz zu beruhigen.

„Weißt du, dass du toll aussiehst?“, wollte er wissen.

Wieder lachte sie laut. „Na ja, ich bin siebenundzwanzig und mittlerweile kein kleines Mädchen mehr.“

In der Tat, dachte Dylan. Er fuhr auf den Parkplatz vor ihrem Bungalow, der, mit viel Glas und Holz gebaut, etwas von der Straße entfernt lag und – obwohl er im Grunde mitten in der Stadt war – eine gewisse exklusive Privatsphäre garantierte. In zwei Monaten würden die Blumenrabatten, die entlang der Terrasse angelegt worden waren, farbenprächtig erblühen.

Dylan hatte ihr vor zwei Jahren beim Einzug geholfen, und mit Schaudern erinnerte er sich an die Schlepperei. Whitney war sehr gutmütig, aber sie hatte auch eine künstlerische Ader und sehr genaue Vorstellungen davon, wie sie ihr Zuhause gestalten wollte. Und um diese Vorstellungen zu verwirklichen, hatte Dylan jedes Möbelstück mindestens zweimal umstellen müssen.

„Warum lächelst du?“, fragte Whitney, während sie aus dem Wagen stieg.

„Erinnerungen.“

„Aha. Davon gibt’s eine ganze Menge. Welche?“

„Der Tag deines Einzugs.“

Sie hakte sich bei ihm unter. „Ach, komm, fang nicht wieder damit an. Du hättest deine Möbel auch mehrmals umgestellt.“

„Nein, hätte ich nicht. Das ist der Job des Innenarchitekten.“

„Du bist ein echter Snob. Nicht jeder hat dermaßen viel Kohle wie du.“

„Na, ich habe aber gehört, dass du langsam aber sicher an mich herankommst.“

„An deinen Kontostand? Wohl kaum.“

„Sei nicht so pessimistisch. Du warst in Paris, hast studiert. Das wird sich in der Zukunft schon noch auszahlen.“

Zukunft ist hier das Schlüsselwort. Im Moment ist bei mir eher Plus-Minus-Null angesagt. Aber irgendwann werde ich besser und berühmter sein als die Stardesigner. Und das wird dann mein Konto beweisen.“

Er lächelte und legte einen Arm um ihre Schultern.

Wenig später betraten sie Hank’s. Leckerer Grillgeruch ließ Dylan das Wasser im Munde zusammenlaufen. „Das liebe ich so an dir, Slim. Du weißt, was du willst, und dann gehst du geradewegs darauf zu.“

„Dir ist doch wohl klar, dass du dich soeben selbst beschrieben hast, oder?“

„Wir nehmen uns nicht viel, wie dein Onkel immer zu sagen pflegt.“ Verflixt, es war ganz schön schwierig, das verlockende Schwingen ihrer Hüften, die beim Laufen gegen seine stießen, zu ignorieren.

Es war unmöglich.

Whitney kannte viele der Gäste bei Hank’s und begrüßte sie mit Namen. Auf dem Weg zu einem Ecktisch rief sie dem Barkeeper quer durch den Raum zu: „Zwei Bier, Larry.“ Dabei zeigte sie auf Dylan.

Larry kam auf sie zu. „Schön, dass du mal wieder im Lande bist, Dylan.“

„Danke, Larry. Ich konnte unmöglich herkommen und nicht was Leckeres bei dir essen.“

„Wollt ihr beide das Angebot des Tages?“

„Gleich“, antwortete Whitney. „Wir fangen erst einmal mit dem Bier an.“

Alle Männer im Raum drehten sich nach Whitney um und warfen ihr bewundernde und anerkennende Blicke zu. Sie war so temperamentvoll, so fröhlich und so unwiderstehlich sexy, dass sie das Restaurant gleichsam erleuchtete und dabei die Fantasie der Männer anheizte.

Ihr besonderer Charme lag aber darin, dass sie sich ihrer Wirkung nicht bewusst war. Wenn Dylan es ihr gesagt hätte, wäre sie völlig erstaunt gewesen, dann hätte sie ihn ausgelacht und es auf seine gestressten Nerven geschoben.

Sie zog ihr Jackett aus und setzte sich an den Ecktisch.

Wieder musste Dylan sieh zwingen, ihr nicht auf den Oberkörper zu starren. „Ist dir ohne dein Jackett nicht zu kalt?“

„Nein, besonders dann nicht, wenn ich dich zu einer Runde Billard herausfordere und dir zeige, wie man wirklich spielt.“

Er nahm neben ihr Platz und fragte sich, was plötzlich über ihn gekommen war. Vielleicht war es ja doch keine so gute Idee gewesen, sie anzurufen. Ganz offensichtlich musste er sich mal wieder um sein Liebesleben kümmern. Immer nur arbeiten brachte ihn anscheinend auf dumme Gedanken. Auf Tagträume, in deren Mittelpunkt neuerdings Whitney stand.

Sobald die Kellnerin die Biere brachte, nahm er einen großen Schluck.

Whitney beobachtete ein paar Typen, die Billard spielten. Dylan fühlte, wie der Tisch zitterte, und einen Moment lang dachte er, dass ein leichtes Erdbeben das Gebiet erschütterte. Dann fiel ihm allerdings ein, dass er ja mit Whitney hier war: Es war eine ihrer Besonderheiten, dass sie, wenn sie aufgeregt war, viel Stress hatte oder sich besonders konzentrierte, mit dem Fuß wippte, ohne darüber nachzudenken.

Die Schüssel mit den Chips rutschte hin und her, und die Kerze machte ein kleines Tänzchen.

Dylan streckte die Hand aus und berührte Whitneys Knie. Das hatte er in seinem Leben bestimmt schon tausendmal gemacht.

Das Zucken, das sie beide gleichzeitig durchfuhr, war jedoch unmissverständlich.

In diesem elektrischen Schlag lag nichts Vertrautes. Was zwischen ihnen durch diese Berührung ausgelöst wurde, war etwas völlig Neues.

Whitney wirbelte herum und starrte ihn an. Er hätte schwören können, dass eine kleine Flamme in ihren strahlend grünen Augen aufleuchtete. Ihre Wangen röteten sich. Ihre Lippen öffneten sich leicht.

Doch dann unterbrach sie die gespannte Stimmung mit einem Lachen und nahm einen Schluck Bier. „Offensichtlich habe ich zu viel Energie. Wie wäre es mit einem Spielchen?“

„Tolle Idee“, murmelte er zu sich selbst.

„Wie bitte?“

„Klar, lass uns Billard spielen.“ Krieg dich wieder ein, befahl er sich selbst. Er hatte an ein anderes Spielchen gedacht … „Spielen wir um einen Einsatz?“

„Na, logisch. Was denkst du denn? Dass ich plötzlich ein anderes Mädchen geworden bin?“

Genau das, dachte Dylan. Oder er hatte sich verändert? „Was ist los, Whit? Wirst du frech? Du weißt, dass ich dich mit einer Hand hinter den Rücken gebunden schlage.“

„Ha, davon träumst du wohl. Wir spielen um zwanzig Dollar. Und wie immer bekomme ich für jedes Mal, wenn du auf dem Tisch entlangschrammst, eine Fußmassage. Willst du anfangen?“

„Ladys first.“

Sie lächelte. „Du bist ja so ein Gentleman, Montgomery. Und übrigens, du schuldest mir noch etwas von unserem letzten Spiel.“

„Ja, ja. Ich zahle schon noch. Aber vielleicht willst du ja heute um alles oder nichts spielen?“

„Oh, ich werde reich und meine Zehen kribbeln jetzt schon vor Begeisterung“, erwiderte sie schlagfertig.

Als sie sich zum ersten Stoß über den Tisch beugte, sah Dylan, wie sich unter dem leichten Stoff ihres Rocks ihr winziger Slip abzeichnete. Plötzlich kribbelte bei Dylan etwas ganz anderes als die Zehen.

Die Vorstellung, wie sie in ihren Dessous aussah, half ihm nicht gerade dabei, sich abzuregen.

Wie kam er nur dazu, sich Gedanken über Whitney Emersons Unterwäsche zu machen? Genervt über sich selbst, trank er noch einen Schluck Bier.

Ihr Stoß, der die Kugeln in alle Richtungen rollen ließ, unterbrach seine Gedanken so abrupt, dass er Bier auf seinen Schlips verkippte.

„Na, hast du deinen Mund verfehlt, Montgomery?“, fragte sie liebevoll spottend.

„Haha.“ Er schwor sich, von jetzt an nur noch auf das Spiel statt auf Whitneys Po zu achten. Aber schon die nächste Frage brachte ihn wieder aus der Fassung.

„Erzähl mal, wie geht’s denn deinem Liebesleben?“

Mit trockenem Mund erwiderte er: „Danke, aber so etwas habe ich im Moment nicht. Und deinem?“

Sie lachte. „Das Gleiche. Ich arbeite so viel, dass ich dafür keine Zeit habe.“

„Keine Anrufe mehr von diesem Devlin?“

„Nein. Er hat aufgegeben. Und ich glaube, dass ihm Onkel Karl heimlich einen seiner berühmten Zettel hat zukommen lassen.“

„Gut. Er hat sowieso nicht zu dir gepasst. Ich fand es verdächtig, dass er jedes Mal, wenn er mit dir ausgegangen ist, sein Geld vergessen hat.“

Whitney strich ihm liebevoll über die Wange. „Ich habe dir doch erzählt, dass ich nur mit ihm ausgehe, weil er so gut aussieht. Und wie ist es mit deiner Suzy-Q weitergegangen?“

Sie lehnte sich gegen den Billardtisch und sah ihn erwartungsvoll und etwas verführerisch an. Hastig nahm Dylan einen weiteren Schluck Bier.

„Suzanne ließ mich sausen, als ich eine Verabredung mit ihr vergessen hatte und sie vergeblich auf mich in der Oper wartete. Zum zweiten Mal.“

„Oh Dylan, du hast es einfach vergessen? Das war aber nicht nett von dir.“

„Nein, war es auch nicht. Ich glaube, ich werde langsam vergesslich.“ Er zwang sich, auf die Kugel zu sehen. Whitney stand jetzt am anderen Ende des Tisches. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte er ihre Nähe genossen.

Aber genau in diesem Augenblick rutschte der Spaghettiträger ihres Oberteils herunter und bot ihm einen verführerischen Ausblick auf ihr Dekolleté. Diesmal musste Dylan die Zähne zusammenbeißen. „Whitney, dein Träger ist gerutscht!“

Sie blickte hoch und sah ihn sekundenlang verständnislos an. Dann lächelte sie langsam verstehend und riss die Augen unschuldig auf. „Lenke ich dich etwa ab?“

„Das weißt du ganz genau.“ Von wegen unschuldig. Kumpel oder nicht, schließlich war er immer noch ein Mann. Und sie war eine außergewöhnlich attraktive Frau.

„Entschuldigung, Dylan. Und übrigens …“

Er seufzte und hielt mitten im Stoß inne. „Ja?“

„Sei nicht so streng mit dir selbst. Mit zweiunddreißig bist du von Altersvergesslichkeit noch weit entfernt.“

„Dankeschön. Wenn du jetzt bitte freundlicherweise zur Seite treten könntest, damit ich diesen Stoß ausführen kann, bevor ich zweiundneunzig bin?“

Sie trat einen Schritt zur Seite. Aber noch allzu deutlich hatte er ihr tiefes Dekolleté vor Augen, und der Stoß misslang.

Sie grinste frech. „Och, das tut mir aber leid.“

Na warte, dachte er. Dieses Spielchen beherrsche ich auch. Er trat von hinten an sie heran und lehnte sich zart gegen sie, sodass sich ihre Körper von der Taille bis zum Knie berührten.

Sie richtete sich kerzengerade auf. „Was, zum Teufel, soll das?“, fragte sie und stieß ihm empört ihren Ellenbogen in den Magen.

Leicht angeschlagen trat er zurück. Aber er hatte genau gehört, wie atemlos ihre Stimme geklungen hatte. Und außerdem misslang ihr der Schuss ebenfalls.

„Das war deine Schuld“, sagte sie anklagend.

„Du hast damit angefangen.“ Doch beim nächsten Stoß verließ ihn sein Glück wieder, und er verfehlte das Ziel.

Sie sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und formte die Lippen zu einem mitleidigen „O“.

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