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Darcy - Der Glückskater in Nachbars Garten

Inhalt

  1. Cover
  2. Darcy – Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Prolog
  8. 1. Die Nachricht
  9. 2. Darcy
  10. 3. Jeffrey
  11. 4. Emmas Ankunft
  12. 5. Jeffrey berät
  13. 6. Jeffrey allein zu Haus
  14. 7. Der erste Abend
  15. 8. Darcy und die Maus
  16. 9. Der Anruf
  17. 10. Darcy zieht ein
  18. 11. Bennys Besucher
  19. 12. Barbara & Benny
  20. 13. Jeffrey kocht
  21. 14. Ein Bettgenosse
  22. 15. Die Betriebsversammlung
  23. 16. In Nachbars Garten
  24. 17. Zitronen für Emma
  25. 18. Wochenende
  26. 19. Verregneter Sonntag
  27. 20. Das Picknick
  28. 21. Babysitter Jeffrey
  29. 22. Schock am Morgen
  30. 23. Der Entschluss
  31. 24. Abschied
  32. 25. Das Dinner
  33. In der nächsten Folge

Darcy – Die Serie

Darcy ist ein Glückskater. Ein Kater, der um die Welt streunt, plötzlich bei dir auftaucht und innerhalb weniger Wochen dein Leben verändern wird.

Denn wo auch immer er hinkommt, bewirkt er ein kleines Wunder – macht das Leben ein bisschen leichter, tröstet oder hilft, endlich loszulassen.

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Über diese Folge

Emma ist frisch getrennt und will mit ihrem Sohn Benny ein neues Leben in den Cotswolds beginnen. Ihre größte Sorge ist, wie der sensible Achtjährige auf den Ortswechsel reagieren wird. Doch dann taucht Glückskater Darcy auf und erleichtert Benny das Einleben. Über Darcy lernen die beiden auch ihren neuen Nachbarn Jeffrey kennen. Der weiß, dass Frauen in ihm eher den guten Kumpel sehen als einen Liebhaber. Dennoch verliebt er sich Hals über Kopf in Emma – was deren versnobter Schwester, die hin und wieder auf Benny aufpasst, wiederum so gar nicht schmeckt. Sie mischt sich ungefragt ein und macht Jeffreys romantische Hoffnungen zunichte.

Jeffrey versucht sich damit zu begnügen, für Emma und Benny nur ein guter Nachbar und Freund zu sein. Dabei ahnt er nicht, dass Emma ebenfalls Gefühle für ihn entwickelt hat, jedoch nicht weiß, wie sie ihm das beibringen soll.

Aber manchmal braucht die Liebe eben einen Schubs – mit Samtpfoten.

Über die Autorin

Gesine Schulz liebt Katzen, Krimis und Gärten. Ihre Schwäche für klassische Five o'Clock Teas hat sie von einem Großonkel geerbt, der Butler in London war. Derzeit lebt sie als freie Schriftstellerin im Ruhrgebiet. Ihr zweiter Schreibtisch steht in Irland, Schauplatz ihres Erfolgsbuchs »Eine Tüte grüner Wind«.

Prolog

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Im Wurf war er der Kleinste gewesen. Doch schon sieben Wochen nach seiner Geburt hatte er ordentlich zugelegt, und seine unverhältnismäßig großen Tatzen ließen darauf schließen, dass er zu einem stattlichen Kater heranwachsen würde.

Mit drei Monaten nahm er ohne Bedauern Abschied von seiner Mutter und den fünf Geschwistern und zog bei einem Menschenpaar ein, das sich ohne Zögern für ihn, »den kleinen Bunten da«, entschieden hatte.

Nach einigen Diskussionen darüber, welchen Namen er erhalten sollte, setzte sich die junge Frau durch. Sie liebte die Romane von Jane Austen, besonders den, in dem Elizabeth Bennet und Mr Darcy nach vielen Missverständnissen und Verwicklungen endlich zusammenfinden. »Wenn der Kater nicht Darcy heißen darf, dann nennen wir eben unseren Sohn so.« Sie legte die Hände auf ihren leicht gewölbten Leib. Woraufhin der Ehemann umgehend nachgab.

So war Darcy in einem Haus mit Garten mitten im Grünen aufgewachsen, hatte bei Katerkämpfen erste Blessuren davongetragen, Konkurrenten das Fürchten gelehrt und dafür gesorgt, dass sie die Grenzen seines Reviers respektierten. Als das Baby zur Welt kam und bei ihnen einzog, hatte er es ausgiebig beschnuppert und eine tiefe Zuneigung zu dem kleinen Wesen gefasst.

Im folgenden Sommer fuhr die junge Familie samt Darcy im Wohnwagen in die Ferien. Bei einem seiner Streifzüge über den Campingplatz stieg er frühmorgens in ein Wohnmobil, aus dem es köstlich nach gebratenem Fisch roch. Kurz darauf klappte die Tür zu, der Motor sprang an, und das Gefährt rumpelte vom Platz. Als die Tür nach endlos scheinenden Stunden geöffnet wurde, schoss Darcy hinaus ins Freie und verschwand in der Dunkelheit.

Seitdem suchte er den Weg zurück nach Hause. Meist war er auf vier Pfoten unterwegs, manchmal als blinder Passagier. Er hatte Glück.

Immer wieder führte sein Weg ihn zu Menschen, die ihn freundlich aufnahmen. Doch nirgends hielt es ihn lange. Er hatte ein Ziel. Er wollte heim.

1. Die Nachricht

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»Wisst ihr, was mit Jeffrey los ist?« Fred deutete mit seinem angebissenen Schinkensandwich auf die andere Seite des Baumarkt-Hofes. Vor einem der preiswerteren Gartenhäuschen saß Jeffrey mit hängenden Schultern auf der eingebauten Bank und schien den Boden anzustarren.

Kevin zuckte mit den Schultern. »Ärger mit dem Boss vielleicht?«

»Doch nicht Jeffrey! Du bist noch nicht lange hier, Kevin, aber glaub mir: Jeffrey Potts hat niemals Ärger. Mit niemandem.«

»Eine Seele von Mensch«, stimmte Margaret ihm zu und drückte ihre Zigarette aus. »Ich muss wieder rein. Sonst kriege ich noch Ärger mit dem Boss.«

Fred grinste. »Na, dann sieh dich mal vor!«

Margaret war schon Sekretärin vom alten Wiseman gewesen und hatte den Junior bereits gekannt, als der noch kurze Hosen getragen und in den Gängen mit Schrauben gespielt hatte.

Kevin sah wieder zum Gartenhäuschen hinüber. »Treibt keinen Sport. So was seh ich auf den ersten Blick.«

»Och, Jeffrey ist in Ordnung. Und kennt sich bestens aus. Übrigens auch mit Spezialschrauben.« Fred stieß dem jungen Kollegen einen Ellenbogen in die Rippen. »Ha, ha.«

»Schon gut, schon gut.« Kevin zog die dunklen Augenbrauen zusammen. »War ’n Anfängerfehler. Kann jedem passieren.«

»Sollte aber nicht. Was, wenn der Kunde mit der falschen Schraube gearbeitet hätte? Kann böse Folgen haben, so was. Falls du meinen Rat willst: Beschäftige dich in deiner Freizeit ab und zu mit dem Werkzeugkatalog statt jeden Abend in die Muckibude zu rennen.«

»Würde dir ab und zu auch guttun.« Kevin sah auf Freds Bierbauch, der sich unter dem gelben Overall abzeichnete. »Und Potts erst recht. Muss ja nicht gleich ein Sixpack werden wie meins.« Er stand auf. »Bis später.«

Fred sah ihm nach, bis die Glastüren hinter ihm zuglitten, dann erhob er sich von der Holzkiste, steckte sich das letzte Stück seines Sandwichs in den Mund und überquerte den Hof. »Was ist los, Kumpel?«

Jeffrey sah von dem Handy auf, das er in beiden Händen zwischen den Knien hielt. Sein rundliches Gesicht war gerötet, seine blauen Augen blickten erstaunt. »Shirley …«, sagte er leise. »Shirley ist weg. Sie schreibt, es ist aus. Sie hat mich verlassen.«

»Trennung per SMS?« Fred setzte sich neben Jeffrey auf die Bank. »Ich dachte, das gibt’s nur im Fernsehen. Ist ja ein Hammer.«

Jeffrey zuckte mit den Schultern.

»Vielleicht, wenn ihr noch mal miteinander redet?«

»Sie hat heute Morgen alle ihre Sachen gepackt und mitgenommen, schreibt sie. Es ist vorbei.«

»Tut mir leid«, sagte Fred nicht ganz aufrichtig. Er hatte die junge Frau von Anfang an mit Misstrauen beäugt. »Sagt sie, warum?«

»Sie ist wieder mit Carlos zusammen.«

»Diesem Rausschmeißer auf Mallorca?«

»Sie haben sich versöhnt.« Jeffrey zog ein kariertes Taschentuch aus der Tasche seines Overalls und schnäuzte sich. Er könnte heulen vor Erleichterung. »Sie geht zu ihm zurück. Die Bar gehört jetzt ihm. Wahrscheinlich ist sie schon in der Luft.« Jeffrey sah in den bedeckten Himmel. »Sie war ja letzte Woche mit einer Freundin dort. Angeblich, um die Frühlingswärme zu genießen. Wahrscheinlich ist sie ihm da wieder begegnet.« Möglich auch, dass sie schon vorher wieder Kontakt miteinander hatten und sie überhaupt nur deshalb hingeflogen ist, dachte Jeffrey.

»Hm«, murmelte Fred. Wenn das mit der Freundin überhaupt stimmte. Doch das sagte er nicht laut. Er gab sich einen Ruck. Besser, es kam gleich alles auf den Tisch. »Was ist mit dem Baby? Wann soll es noch kommen?«

»Im September.« Jeffrey steckte sein Handy ein. »Aber –«

»Regle das mit dem Sorgerecht und den Besuchszeiten bloß bald. Am besten wohl übers Sozialamt.«

»Aber –«

»Oder über einen Anwalt. Mach das, Jeffrey!« Das würde ihm auch was zu tun geben.

»Fred, hör zu! Das Kind ist nicht von mir.«

Fred starrte ihn an. »Nicht? Oh Mann. Jeffrey. Ich – ich … Oh Mann.« Fred kratzte sich am Ohr. Er schüttelte den Kopf. »Tut mir echt leid. Was ist, soll ich dem Boss sagen, dir ist nicht gut? Willst du nach Hause gehen?«

Jeffrey kniff die Augen zusammen. Das hatte er nun davon. Wie kam er da nun wieder raus? Am besten gar nicht. Viel zu kompliziert. Außerdem ging es die anderen nichts an. Da musste er durch … und versuchen, wegen des Mitleids, das die Kollegen an ihn vergeuden würden, kein schlechtes Gewissen zu haben, und die freundlich-herablassenden Blicke, die ihn treffen würden ertragen. Das Getuschel hinter seinem Rücken. »Danke, Fred, aber es geht schon. Ich bleibe lieber hier.« Er nahm die randlose Brille ab und fuhr sorgfältig mit dem Taschentuch über die Gläser. »Geh schon mal vor. Ich komme gleich nach.«

Fred zögerte. »Die anderen werden wissen wollen, was los ist. Margaret und Kevin haben dich hier wie vom Donner gerührt sitzen sehen, und du weißt, so was ist in der Firma schnell rum.«

»Sag’s ihnen ruhig.«

»Okay.«

Jeffrey sah Fred hinterher, froh, es nicht selbst verkünden zu müssen. Erstaunen würde die Nachricht wahrscheinlich niemanden. Jeffrey wusste, sie alle hatten sich darüber gewundert, dass er, ausgerechnet er, die gut zwanzig Jahre jüngere Shirley erobert hatte. Wie alle Männer im Pub hatte er sich nach der lebhaften Blonden umgedreht, vor Weihnachten, als er mit ein paar Kollegen auf ein Bier dort gewesen war. Er lehnte den Hinterkopf gegen die Holzwand. Wobei »erobert« … Na ja, das Wort traf es nicht wirklich. Aber schnell war es gegangen. Schon am Weihnachtsabend hatte sie in seinem Bett gelegen. Nach Silvester war sie eingezogen. Seitdem standen ihre Kosmetika im Badezimmer verstreut. Und im Schlafzimmer auf seiner Kommode, sogar auf der Fensterbank. Das Gästezimmer hatte sie quasi zu einem begehbaren Kleiderschrank umfunktioniert. Sein Schreibtisch darin war meist unter Kleidern, T-Shirts und Dessous begraben. Jetzt wahrscheinlich nicht mehr. Jeffrey versuchte, sich vorzustellen, wie es sein würde, die Haustür aufzuschließen, und Shirley wäre nicht mehr da, ebenso plötzlich weg wie sie eingezogen war.

Auf Dauer war es ihr mit ihm hier in Stroud zu langweilig gewesen. Gestritten hatten sie nicht, kein einziges Mal. Und für sie war es keine große Sache gewesen. Junge Leute zogen für eine Weile mit jemandem zusammen und trennten sich wieder. Na und? Wobei siebenundzwanzig eigentlich so jung auch nicht mehr war. Dreiundzwanzig wäre sie, hatte sie gesagt, und er hatte es geglaubt, bis er mal zufällig ihren Führerschein gesehen hatte, nachdem ihre Handtasche von der Kommode gefallen war und der Inhalt sich über den Boden ergossen hatte. Shirley, die nicht nur wegen ihres Alters geschwindelt hatte. Die er in dem Glauben gelassen hatte, er habe ihr das abgenommen. Das mit dem Alter und das mit dem Baby von ihm.

2. Darcy

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Er rannte um sein Leben. So kam es ihm vor. Die Kinder, drei Jungen und ein Mädchen, johlten hinter ihm her.

Er war unvorsichtig gewesen. Sie hatten ihn auf der niedrigen Gartenmauer eines der Vorgärten entdeckt. Mehrere Minuten hatten sie einander beäugt, die Kinder und er. Dann hatten sie ihn in sanfter Stimme zu sich gelockt, leise, freundlich und mit einem Burger-Brötchen, das einer der Jungen noch nicht ganz aufgegessen hatte. Der Kleine hatte sich hingehockt und das Brötchen mit ausgestrecktem Arm in Darcys Richtung gehalten. Darcy war nach einiger Überlegung von der Mauer auf den Bürgersteig gesprungen. Andere Menschen waren nicht in der Nähe. Wenige Autos parkten am Straßenrand. Es herrschte Nachmittagsruhe.

»Na, komm«, rief der Junge. »Lecker Burger.«

Der Duft des noch warmen Hackfleischs stieg Darcy in die Nase. Er hatte Hunger. Als der Junge ihm nichts hinwarf, sondern nur weiter lockend den Arm ausgestreckt hielt, näherte sich Darcy langsam und vorsichtig. Bedächtig setzte er eine Tatze vor die andere. Auch die anderen Kinder verhielten sich ruhig und bewegten sich kaum.

Immer näher kam er dem saftigen krümeligen Stückchen Fleisch, das zwischen den angebissenen Brötchenhälften hervorlugte. Mit jedem Schritt wurde das Aroma intensiver. Darcy war nun so nah, dass er schielte, als er das Objekt seiner Begierde betrachtete. Er öffnete das Maul, um sich ein Stückchen von dem angebotenen Brötchen zu schnappen – als der Junge den Burger zur Seite warf und sich mit grapschenden Händen und einem schrillen »Ich hab ihn!« auf Darcy stürzte, ihm ins Fell griff und ihn festhielt. Plötzlich waren überall Hände. Das aufgeregte Kreischen tat seinen Ohren weh. Jemand packte eines seiner Hinterbeine. Darcy wand sich, fauchte, schlug mit einer Tatze. Das Kind schrie auf und ließ los. Noch ein Tatzenhieb, eine zurückzuckende Hand, und Darcy gelang es, den vielarmigen Fängern zu entkommen. Er rannte. Die Kinder verfolgten ihn unter Gejohle, gaben aber auf, als er zwischen den Gitterstäben eines Vorgartentors verschwand. Darcy lief um das Haus herum und suchte im rückwärtigen Garten unter den tief hängenden Zweigen einer Tanne Schutz. Er verharrte eine Weile auf dem weichen Nadelbett, lauschte, spähte umher.

Die Stimmen der Kinder entfernten sich. Die Terrasse war leer. Aus dem Haus drangen keine Geräusche. Eine Amsel flog zeternd davon. Ein Rotkehlchen saß in einem Futterhäuschen und beäugte Darcy misstrauisch, ehe es wieder anfing, Körner zu picken.

Darcy entspannte sich und begann, sein zerzaustes Fell zu glätten.

3. Jeffrey

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Jeffrey strich sich mit einer Hand die feinen braunen Haare glatt und stand auf, als er ein junges Paar Hand in Hand auf sich zukommen sah.

»Entschuldigung«, sagte die Frau. »Können Sie uns helfen? Wir interessieren uns für ein Gartenhaus.«

»Da sind Sie bei mir richtig.« Wie von selbst verzogen sich Jeffreys Lippen zu einem Lächeln. »Ich bin Jeffrey Potts.« Er war zurück im Berater-Modus, in seinem Element. Mit einer weit ausholenden Geste wies er auf alle am Rande des Hofes stehenden Gartenhäuschen. »Sie sehen hier elf unserer beliebtesten Modelle.« Mit dem zweitkleinsten fing er an, ging mit dem Paar hinein, erläuterte Details, wies auf Besonderheiten hin. Und vor allem erforschte er die Bedürfnisse.

Nein, einen überdachten Sitzplatz brauchten sie eigentlich nicht, sagte die Frau. Bei Regen sei da ja die Hausterrasse nicht weit.

Jeffrey nickte, fragte nach der Gartengröße, fertigte eine Skizze an. »Wie wollen Sie das Häuschen nutzen? Möchten Sie auch mit mehreren Leuten drin sitzen? Als Werkraum? Oder in erster Linie zum Aufbewahren der Gartengeräte?«

Er begleitete sie von Haus zu Haus, öffnete Türen, zeigte Fenster. Beobachtete Reaktionen und beantwortete Fragen. Schon beim fünften Haus wusste er Bescheid. »Verzeihen Sie, kann es sein, dass Sie eigentlich gar kein Gartenhaus brauchen?«

Die beiden sahen erst ihn, dann einander an.

»Was ich meine«, sagte Jeffrey, »ist Folgendes. Wenn ich es recht verstehe, sitzen Sie entweder im Garten oder auf der Terrasse, wo Sie auch grillen.«

»Stimmt.«

»Der Rasenmäher und die Gartengeräte haben in der Garage Platz und sind durch eine Hintertür leicht erreichbar.«

»Richtig.«

»Sie haben beide keine Hobbys, die einen gesonderten Raum erfordern.«

Sie nickten.

»Weshalb wollen Sie dann ein Gartenhaus kaufen?«

»Tja«, sagte der Mann.

»Fast alle unsere Nachbarn haben eins«, warf die Frau ein. »Das neue im Garten neben uns sieht aus wie ein kleines Schweizer Chalet, wie ein Puppenhaus. Karierte Gardinen. Die Fensterkästen hat sie gestern mit Stiefmütterchen bepflanzt. Das schaut so niedlich aus.«

Puppenhaus. Aha. »Darf ich fragen, ob Sie Kinder haben?«

Die Frau lächelte. »Noch nicht. Aber wir sind heftig in der Planung.« Sie hängte sich bei ihrem Mann ein. »Nicht wahr, Schatz?« Er grinste. »Wir wollen mindestens zwei.«

»In dem Fall«, sagte Jeffrey, »sollten Sie überlegen, den Platz für die Bedürfnisse der Kinder einzuplanen. Für einen Sandkasten, später eine Schaukel, ein Planschbecken. Vielleicht eine Rutsche. Darf ich Ihnen etwas in der Richtung zeigen?«

Willig folgten sie ihm in die Halle. In der Abteilung »Kinderparadies« stand auf knallgrünem Kunstrasen alles, was ein Kinderherz sich für Garten oder Hof wünschen konnte: gefüllte Sandkästen in verschiedenen Größen, Rutschen, Klettergerüste, Kindermöbel.

»Und hier«, sagte Jeffrey zu der jungen Frau, »unser beliebtes ›Wendy-Haus‹.«

»Oh, ist das süß! Ist es nicht total süß, Schatz?« Sie gingen um das Häuschen herum und spähten hinein. »Wir sehen uns hier noch ein bisschen um, Mister Potts. Haben Sie vielen Dank für ihre Beratung.«

Ihr Mann nickte. »Das mit dem Gartenhaus hat sich dann erledigt. Wenn es so weit ist, kommen wir ganz bestimmt wieder.«

»Tun Sie das. Ich würde mich freuen. Und … – viel Glück!« Jeffrey ließ die künftigen Eltern im Kinderparadies zurück und ging durch die breiten Gänge in Richtung der Büros. Seit dem Frühstück hatte er nichts gegessen. Er hatte sein Lunchpaket gerade auswickeln wollen, als Shirleys Nachricht eingetroffen und er nach draußen geflohen war. Nun hatte er Hunger. Zweimal wurde er unterwegs von Kunden angesprochen, die breite Einkaufswagen vor sich herschoben. Liebenswürdig half er aus, wies den Leuten den Weg. Weiter ging es durch die Holzabteilung, deren Geruch er liebte. Ein älterer Heimwerker, der im Baumarkt wohlbekannt war, stand vor der Theke, an der Pete gerade ein Brett vor die Kreissäge legte.

Er sah Jeffrey, hielt inne und verzog das Gesicht. »Tut mir leid, Kumpel. Echtes Pech.« Der Kunde sah interessiert zu Jeffrey hinüber.

Einen Moment musste Jeffrey überlegen, was Pete meinen könnte. Dann fiel es ihm wieder ein: Er war ja der verlassene Liebhaber, einer, dem beinahe ein Kuckuckskind untergeschoben worden wäre. Er war nun Jeffrey, der Bedauernswerte. Er hob eine Hand und lächelte. Zum Dank für ein Beileid, das völlig unangebracht war. Na ja.

Hinter der Glaswand zu den Büros sah er Margaret an ihrem Schreibtisch sitzen. Sie gab ihm ein Zeichen, zu ihr hereinzukommen. »Hör mal, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.« Die japanische Winkekatze auf der Fensterbank winkte vor sich hin.

»Schon gut, Margaret. Danke.«

»Du hast dich so auf den Kleinen gefreut …«

Jeffrey nickte. Das stimmte. Aber er hatte sich in letzter Zeit auch gefragt, wie es mit ihm und der lebhaften, lustigen, unruhigen, vergnügungssüchtigen Shirley gehen sollte, hatte überlegt, wie er ihr beibringen könnte, dass er das Zusammenleben mit ihr bei aller Sympathie auf Dauer zu anstrengend fand. Doch er kannte sich gut genug, um zu wissen, dass er nie so drastisch vorgehen und sie auf die Straße setzen könnte, schwanger und nur mit wechselnden Jobs in Boutiquen, Kneipen oder Cafés, denen sie stundenweise nachging und die unsicher und schlecht bezahlt waren.

»Aber es ist unterhaltsam, Pottsy«, hatte sie gerufen und eine Wange an seinem Arm gerieben, als er ihr mal vorgeschlagen hatte, sich auf eine feste Stelle zu bewerben. »Ich würde eingehen, wenn ich von neun bis fünf irgendwo sitzen müsste. Oder stehen. Ich brauche die Abwechslung, Pottsy, das weißt du doch.« Pottsy. Er hatte ihr den verhassten Spitznamen, den er seit der Schule nicht mehr gehört hatte, nicht abgewöhnen können.

»Jeffrey?«, vernahm er wie aus weiter Ferne Margarets Stimme. »Ist dir nicht gut? Willst du lieber nach Hause gehen? Ich regle das mit dem Boss.«

»Nein, nein, nicht nötig. Ich war nur für einen Augenblick mit den Gedanken woanders. Ich will rasch was essen, dann gehe ich wieder nach vorne.«

Tapfer, sagte Margarets besorgter Blick. »Dann mache ich dir aber einen Tee, ja? Schön stark und mit viel Zucker.«

»Oh, ich –«

»Doch, Jeffrey. Schön stark und mit viel Zucker. Das hilft bei Schock. Du hast einen erlitten. Übers Handy. Ts, ts … Manieren sind das! Geh schon rüber! Ich bringe dir den Tee.«

Jeffrey nickte ergeben und betrat das Büro, das er sich mit vier anderen Kollegen teilte. Zum Glück waren die alle im Verkaufsraum. Er ließ sich auf den gepolsterten Drehstuhl fallen und atmete auf. Lächelnd wickelte er sein Brötchen aus und betrachtete es.

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