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Daniel Taylor zwischen zwei Welten

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist Daniel Taylor zwischen zwei Welten?
  3. Die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Zwischen zwei Welten
  7. Vorschau

Was ist Daniel Taylor zwischen zwei Welten?

Daniel Taylor zwischen zwei Welten ist der zweite Teil eines dreiteiligen zeitgenössischen Fantasy-Jugendromans. Die Geschichte spielt in Little Peak, einer typischen Kleinstadt in Kalifornien. Es geht um spannende Abenteuer, große Gefühle und eine folgenschwere Entscheidung.

Daniel Taylor zwischen zwei Welten gibt es als E-Book und als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Die Autorin

Monica Davis ist eines der Pseudonyme einer deutschen Autorin, deren bürgerlicher Name Monika Dennerlein lautet. 1976 in Berchtesgaden geboren, verschlug es sie nach dem Abitur nach München, wo sie ein paar Jahre als Zahntechnikerin arbeitete, jedoch nie ihre Leidenschaft fürs Schreiben verlor. Seit sie sich voll und ganz der Schriftstellerei widmet, sind von ihr 26 Bücher, 6 Hörbücher und zahlreiche E-Books erschienen, die regelmäßig unter den Online-Jahresbestsellern zu finden sind.

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Gänsehaut überzog seinen Körper, als Daniel mit Marla durch den Korridor schritt, tiefer und tiefer in die Unterwelt hinein, die Heimat der Dämonen, zu denen er angeblich auch gehörte, zu deren Oberhaupt er bestimmt sein sollte. Fühlte er sich deshalb so seltsam vertraut in dieser Umgebung? Die Felswände des Ganges, die Dunkelheit, in der nur die flackernden Flammen der Fackeln etwas Licht spendeten … Er schien diesen Ort zu kennen, und dabei konnte er ja nach allem, was Marla ihm erzählt hatte, noch nie hier gewesen sein. Angst hatte er trotzdem. Was ist, wenn sie mich nicht mehr gehen lassen, wie komme ich dann von hier weg? Wieso hatte er dem Ganzen überhaupt so leichtsinnig zugestimmt? Damit er Blondie Mike eins auswischen konnte? Den anderen beweisen konnte, dass er tatsächlich mit dem toten Joe Adams gesprochen hatte? Damit Vanessa ihm glaubte oder weil er einfach neugierig war?

Nein: Tief in ihm drin gab es eine dunkle Seite, die danach lechzte, mehr über die Unterwelt und seine Bewohner zu erfahren. Der Wächter in ihm rang mit dem Dämon. Noch besaß der Wächter die Oberhand. Hoffte er, denn Daniel wusste ja nicht einmal, was Wächter genau waren und welche Fähigkeiten sie besaßen. Also fragte er Marla.

»Wächter sind unsere Erzfeinde«, sagte sie, »daher wundert es mich nicht, dass dich eigentlich keiner hier haben will.«

Also waren Wächter so ähnlich wie Engel, vermutete Daniel.

Marla hatte seine Gedanken gehört. »Genau. Sie sind die Guten, wir die Bösen. In deiner Welt.«

Was war seine Welt?

Vor großen Flügeltüren blieben sie stehen. Es sah beinahe so aus, als bestünde das Tor aus einer lebenden Substanz. Beim genauen Hinsehen erkannte Daniel Tausende schwarzer Schlangen, die in wellenförmigen Bewegungen darüberglitten. Er wich zurück, wobei sein Herz heftig klopfte. Fasziniert beobachtete er, wie sich die Reptilien neu formierten und er plötzlich sein Gesicht als lebendiges Relief vor sich hatte.

»Hier musst du allein weiter«, sagte Marla.

»Allein?« Daniel fühlte sich immer weniger mutig. »Ich hab gedacht, du kommst mit?«

»Ich darf diese Hallen nicht betreten«, erwiderte sie, ohne ihn anzublicken.

Bevor Daniel sie nach dem Grund fragen konnte, öffneten sich die Flügel und gaben die Sicht frei auf eine große, von Fackeln erleuchtete Halle, die ganz aus schwarzem Marmor zu bestehen schien. Zögernd blieb Daniel stehen, aber Marla schubste ihn an und zwang ihn zum Weitergehen. Schwerfällig setzten sich seine Beine in Bewegung, wobei das Grummeln in seinem Magen heftiger wurde. Sogar sein Herz schien mit dem Pumpen nicht mehr hinterherzukommen, je tiefer er in die Halle schritt. Er war nun ganz allein in einer ihm völlig fremden Welt. Daniel hatte das Gefühl, dass er nie wieder das Tageslicht sehen würde. Ihn fröstelte.

Nachdem sich der Eingang hinter ihm beinahe geräuschlos geschlossen hatte, hörte er plötzlich Stimmen in seinem Kopf, die ihm Macht und Ansehen versprachen – andere Dämonen versuchten, sich seine Gunst durch angebotene Gefälligkeiten zu erschleimen. Und dann gab es noch einen, der ihm die ewige Verdammnis an den Hals wünschte.

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»Da bist du ja endlich!«, hallte Metistakles’ Stimme durch die Gewölbe.

Marla zuckte zusammen. Sie war so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass sie den Oberen nicht gesehen hatte, der in ihrem Gemach auf dem Bett lag. Wie die anderen Mitglieder des Hohen Rates hatte er seinen Schädel kahl rasiert und trug ein langes graues Gewand, das ihn beinahe wie einen wandelnden Leichnam aussehen ließ, wäre sein Gesicht nicht von teuflischer Schönheit gewesen.

Marla erschauderte und wunderte sich zugleich, warum er nicht bei den anderen war, die gerade ihren Bruder prüften. Sie hatte gehofft, ein wenig Zeit und Ruhe für sich zu haben, um einmal grundlegend über einige Dinge in ihrem Leben nachdenken zu können.

Metistakles winkte sie heran und Marla ging auf ihn zu, wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen. Mittlerweile wusste sie, dass sie sich ihm nicht ohne Konsequenzen widersetzen konnte.

»Wie geht es mit Silvan voran?«, fragte er. Der Blick aus seinen eisblauen Augen brachte Marla zum Frösteln, obwohl es in ihrem Gemach angenehm warm war.

»Gut«, antwortete sie mechanisch, weil sie wusste, was jetzt kam. Sie sah es in seinen Iriden, die immer dunkler wurden, wenn er wütend war, und sich wie eine Spirale drehten.

»Gut? Das war eine glatte Lüge!«, knurrte er und versetzte ihr einen mentalen Schlag.

Ein heftiger Stich, der sie auf die Knie zwang, zuckte durch Marlas Gehirn. Sie unterdrückte einen Laut und versuchte, den beißenden Schmerz zu ignorieren, der langsam in ein dumpfes Pochen überging. Marla hatte nie gelernt, wie sie ihre Gedanken ganz vor den Oberen verschließen konnte. Die hatten dafür gesorgt, dass sich nicht alle dämonischen Fähigkeiten bei ihr entwickelten. Als Strafe für das Versagen ihrer Mutter Kitana. Daher hatte sie Metistakles nichts entgegenzusetzen.

»Silvan ist jetzt beim Hohen Rat. Warum seid Ihr nicht dort, Herr?«, wagte sie vorsichtig zu fragen. Vielleicht würde er gleich verschwinden.

Aber Marlas Hoffnungen erfüllten sich nicht.

»Ich bin hier derjenige, der die Fragen stellt!« Metistakles stand auf und zog sie zu sich, wie all die letzten Monate zuvor, seit er von ihrem Vater Obron die Erlaubnis bekommen hatte, ihre Erziehung weiterzuführen.

Marla hatte gedacht, sie dürfe von Metistakles lernen, denn außer den nötigsten Fähigkeiten, wie Portale zu erzeugen, beherrschte sie kaum dämonische Fertigkeiten. Stattdessen musste sie stillhalten, ihm Gehorsam leisten, wann immer er wollte. Er zeigte ihr, wo ihr Platz war, ließ sie lediglich niedere Arbeiten verrichten, Botengänge machen. Er hielt sie absichtlich dumm. Sie durfte nichts lernen außer Demut.

Marla kniete immer noch vor ihm, und Metistakles griff in ihr Haar, um sie grob an sich zu reißen. Sofort zog Marla sich mental ganz tief in sich zurück. Dort hatte sie sich schon vor Wochen einen Ort geschaffen, an dem sie Metistakles’ Misshandlungen überstehen konnte. Denn sie konnte nirgendwohin fliehen. Metistakles würde sie überall finden, und seine Rache wäre grausam. Marla war seine Leibeigene, eine Sklavin seines Willens. Daher fügte sie sich in ihr Schicksal, in der Hoffnung, eines Tages wie versprochen aus seinen Diensten entlassen zu werden, wenn sie ihren Auftrag erledigt hatte. Falls sich ihr Bruder dafür entschied, in der Unterwelt zu bleiben, hätte sich der erste Teil der Abmachung erfüllt. Dann galt es nur noch mit Silvans Hilfe James Carpenter ausfindig zu machen und den Mann zu töten, der Marlas Mutter und daher auch ihr all das Leid eingebrockt hatte. Denn weil Silvan zur Hälfte ein Wächter war, konnte er James trotz des magischen Horus-Amulettes, das er immer bei sich trug und das ihn für dämonische Augen unsichtbar machte, sehen. Daher war Silvan für die Dämonen doppelt wertvoll.

Es war Kitana gewesen, die James das Horusauge gegeben hatte! Marla würde alles dafür tun, um den Fehler ihrer Mutter auszubügeln, damit sie endlich eine richtige Dämonin werden konnte, eine, die sich von Seelen ernähren durfte und somit viele Hundert Jahre leben konnte.

Ja, wenn das erledigt war, wäre sie endlich frei …

Nun befand sich Marla in ihrer geistigen Welt, ihrem ganz persönlichen Raum, der wie das Turmzimmer eines Märchenschlosses aussah, wo ihre Mutter, die Marla trotz ihrer Verachtung über alles liebte, wartete, um sie in die Arme zu schließen …

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Vanessa war so glücklich, als sie Danny im Pausenhof erblickte, dass sie sofort auf ihn zulief. Er stand etwas abseits hinter einem Baum verborgen und sah noch genauso gut aus wie am Tag zuvor: groß gewachsen mit breiten Schultern, und durch das eng anliegende schwarze T-Shirt zeichneten sich die Konturen seiner Brust ab. Ihm sind keine Hörner gewachsen, Gott sei Dank!, dachte Vanessa. Obwohl Daniel seine verspiegelte Sonnenbrille trug, wusste sie, dass er sie ansah. Sie spürte seine Blicke überall auf ihrem Körper. Vanessas Herz klopfte wild. Ich liebe ihn so sehr!

»Danny!« Überschwänglich fiel sie ihm um den Hals. »Ich bin so froh, dass du wieder da bist!« Er hatte nur die Vormittagskurse verpasst, doch für Nessa waren die letzte Nacht und die Stunden danach die längsten ihres Lebens gewesen. »Ich dachte, du würdest nicht mehr kommen.«

»Ach, Süße …« Dannys Küsse waren stürmisch und feucht. Er legte seine Arme um sie und drehte sich einmal mit ihr im Kreis. Vanessa scherte sich nicht darum, ob andere sie sahen. Im Augenblick existierte außer ihnen niemand sonst auf der Welt.

»Der Unnahbare und meine Freundin, hab ich’s mir doch gedacht!«, drang eine amüsierte Stimme an ihr Ohr, woraufhin sie sofort voneinander abließen.

»Colleen!« Vanessa freute sich, sie nach dem Wochenende wiederzusehen, und begrüßte sie mit einem breiten Lächeln. Sie hatten heute noch keinen gemeinsamen Kurs besucht, und Nessa platzte geradezu vor Neuigkeiten, doch zuerst wollte sie mit Daniel reden. Sie musste ihn auch fragen, wie viel sie ihrer besten Freundin verraten durfte.

»Ich wollte nur kurz Hi sagen, bin schon wieder weg, denn Liebende soll man bekanntlich nicht stören.« Colleen grinste bis über beide Ohren. »Genießt die kurze Pause, wir sehen uns ja gleich in Kunst!«

Nachdem Colleen aus ihrem Blickfeld verschwunden war, sagte Vanessa: »Erzähl, wie ist es in der Unterwelt, wie sieht es dort aus?«

»Pst, nicht so laut!« Sie zogen sich tiefer in die Schatten der Bäume zurück, wo sie sich auf eine Bank setzten. Daniel ergriff Vanessas Hand und drückte sie leicht. »Wenn die anderen erfahren, dass ich ein halber Dämon bin, wird mir das echt zu viel mit dem Rampenlicht«, erklärte er mit einem schiefen Grinsen. »Und du weißt ja, wie schlecht ich helles Licht vertrage.«

Vanessa lachte. Sie war so glücklich, ihren Daniel wiederzuhaben. »Oh, da fällt mir ein, Mike stand heute Morgen vor meiner Tür.«

»Mike?« Daniels Gesicht verdüsterte sich sofort.

Ach, ist das süß, er ist eifersüchtig!, freute sie sich und erzählte weiter: »Die Sache mit Mike und der Botschaft hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Marla hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Du glaubst ja nicht, wer mich heute schon alles auf dich angesprochen hat, alle wollen mit dir reden, um noch mal die Geschichte von Joe zu hören.« Vanessa räusperte sich. »Mike ist felsenfest überzeugt, dass du bei ihm eingebrochen und den Zettel dort zurückgelassen hast.«

»So ein Quatsch!«

»Keine Sorge, ich habe gesagt, du hast ein wasserdichtes Alibi. Zuerst warst du ja im Krankenhaus und dann mit mir im Baumhaus. Ich hab ihm natürlich nicht erzählt, dass du zwischenzeitlich kurz verschollen warst, aber das ist unwichtig, du warst es ja nicht.«

Daniel strich behutsam mit dem Daumen über Vanessas Stirn, wo sie die Beule, die sie sich in Ednas Haus geholt hatte, mit Puder abgedeckt hatte. »Und was denkt die Polizei? Hat er ihnen seinen Verdacht mitgeteilt?«

»Nein, das hat er nicht«, sagte Vanessa, und Daniel atmete auf. »Er wollte wohl nicht für verrückt gehalten werden.«

Daniel gefiel nicht, dass Nessa mit diesem Schönling gesprochen hatte. Ob sie mal was mit ihm hatte? Er war zu feige, sie danach zu fragen. Ich will es auch gar nicht wissen. »Und, haben sie Joe entdeckt?«, fragte er stattdessen.

»Die Polizei war gestern Abend in Ednas Haus, und natürlich war die halbe Stadt anwesend. Als sie Joe herausgetragen haben, ist Edna weinend neben den Beamten hergelaufen. Sie hat ihnen erzählt, er hätte eines Morgens reglos neben ihr im Bett gelegen.«

»Na, dann hat der alte Joe ziemlich übertrieben, als er meinte, Edna hätte ihn in der Wanne ertränkt.« Danny grinste, aber Nessa blieb ernst.

»Edna hat ihn eingefroren, weil sie ihn so sehr geliebt hat und sich nicht von ihm trennen konnte. Und um weiterhin seine Rentenschecks einzukassieren. Ohne das Geld ist sie aufgeschmissen.« Vanessa seufzte. »Ich hab ein schlechtes Gewissen, Danny. Was ist, wenn die alte Frau in Zukunft nicht mehr über die Runden kommt? Außerdem hat sie jetzt ziemlich viel Ärger. Alles nur wegen uns. Edna wird eine Anzeige bekommen und alles zurückzahlen müssen. Hoffentlich muss sie nicht ins Gefängnis!«

»Hey, Süße, mach dir mal keine Vorwürfe.« Sanft zog Daniel sie in die Arme und legte sein Kinn auf ihren Kopf.

»Kannst du etwa auch meine Gedanken lesen?«, fragte sie. »Ich bin nämlich kein Dämon, ganz sicher nicht!«

Daniel schmunzelte. »Nein, das bist du nicht.« Und ich bin sehr froh darüber. »Aber ich habe manchmal das Gefühl, etwas von dir zu empfangen. Vor ein paar Tagen, als du mir vorgesagt hast, kam es mir so vor, als würdest du mir in den Kopf schreien, und als wir uns im Baumhaus geküsst haben, da konnte ich sogar spüren, was du gefühlt hast. Meine Sinne sind viel schärfer als früher.«

»Und am See dachte ich, du würdest mich um Hilfe rufen!« Vanessa riss die Augen auf. »Das ist seltsam. Vielleicht kannst du ja manchmal menschliche Gedanken aufnehmen, weil du ein Mensch mit dämonischen Fähigkeiten bist.«

»Schon möglich.«

»Und jetzt spann mich nicht länger auf die Folter, erzähl endlich!«

»Was soll ich groß erzählen?« Dass ich mir vor Angst fast in die Hosen gemacht habe?, überlegte er. Nee, total uncool. »Es war unspektakulär. Als ich durch Marlas Portal gegangen bin, kam es mir so vor, als wäre ich nur durch einen Ring gestiegen. Ohne Druckunterschied oder so. Sehr seltsam. Wir sind erst einen endlos langen Gang entlanggelaufen und dann zu einer großen Halle mit Marmorsäulen gekommen; die ganze Halle war aus schwarzem Marmor. Zuerst dachte ich, ich wäre in irgendeinem historischen Museum gelandet. Wir waren wohl unter der Erde, zumindest hatte der Raum keine Fenster, nur so ein Kuppeldach, und überall standen Gefäße mit brennenden Flüssigkeiten rum, auch Fackeln und Kerzen.«

»Dann haben die da unten wohl keine Elektrizität?«, fragte Nessa.

»Keine Ahnung, dieser Raum auf jeden Fall nicht.«

Vanessa umklammerte seine Hand so fest, dass es beinahe unangenehm war. Er spürte, wie sie mit ihm litt. Ich hatte einen Mordsschiss, war zugleich aber neugierig, dachte er und erzählte weiter: »Dort gab es so eine Art Podest, auf dem die Oberen hockten. In der Mitte Xandros, auf seinem schwarzen Herrscherthron, und an einer Seite zwei, an der anderen ein kahlköpfiges Mitglied des Hohen Rates. Xandros – das ist praktisch deren Boss – war ganz in Schwarz gekleidet, in so ein Kapuzencape. Darum konnte ich sein Gesicht nicht sehen. Er hat mich an den Imperator aus Star Wars erinnert.«

»Igitt, ich glaube, ich wäre vor Angst gestorben.«

Meine Rede, ging es Daniel durch den Kopf, wobei er sich schüttelte. »Xandros saß die ganze Zeit bewegungslos auf seinem Thron und hat kein Wort gesprochen. Ich konnte allerdings spüren, wie er gedanklich mit den Oberen kommunizierte.«

»Konntest du etwas abfangen?«

»Nein, keine Chance, dafür hab ich bemerkt, wie Xandros in meinem Kopf rumgestöbert hat wie auf einem Wühltisch.«

»Was hat er sich für Informationen geholt?«

Daniel zuckte mit den Schultern. Ich befürchte, alles, was er sich holen konnte. Aber er wollte Vanessa keine Angst machen. Sie hatte in letzter Zeit genug mitgemacht. Der tote Joe würde ihr wohl noch länger nachhängen.

»Ich glaube nicht, dass er gefunden hat, wonach er sucht.« Daniel hatte Xandros’ Wut fühlen können. »Auf jeden Fall haben sich mir die drei Oberen der Reihe nach vorgestellt, nur konnte ich ihre Namen nicht behalten. Einer klang wie Ypsilon, ein anderer wie Antheus. Sie haben mir unendliche Macht angeboten, doch zuvor sollte ich mich beweisen. Ich hätte so ’ne Art Probezeit durchlaufen müssen.« Daniel erzählte Vanessa nicht, was er von irgendeinem der Dämonen empfangen hatte. Die hasserfüllten Gedanken waren bis in den kleinsten Winkel seines Gehirns eingedrungen: »Silvan ist ein Verräter an unserer Rasse. Er ist unwürdig, den Titel zu tragen, dieses Schmutzblut! Ich werde diese Made zerquetschen!«

Daniel befürchtete, dass er sich vor diesem Dämon am meisten in Acht nehmen musste. Leider wusste er nicht, wer das gedacht hatte. »Ich hatte ständig das Wort Zepter im Kopf.«

»Zepter?« Vanessa hob die Brauen. »Das ist ein Herrschersymbol.«

Daniel nickte. »Egal – ich habe ihnen gesagt, dass ich ablehne.«

Er hörte Vanessa aufatmen. »Und dann haben sie dich einfach gehen lassen?«

»Na ja, Sirina hat einen Aufstand gemacht.«

»Deine zukünftige Frau ist also ein Biest?«

»Ja.« Daniel lachte befreit. Es tat gut, langsam von diesem düsteren Thema wegzukommen. Das würde ihn sicher bis in die Träume verfolgen. »Nur gut, dass ich das schon vorher herausgefunden habe, findest du nicht?«

»Warum bist du nicht bei ihnen geblieben? Immerhin haben sie dir ein Wahnsinnsangebot gemacht. Nicht jeder wird von heute auf morgen Herrscher über ein ganzes Reich.«

Ja, Daniel hatte wirklich einen Moment gezögert, aber eine innere Stimme hatte ihn eindringlich gewarnt, keinen Fehler zu begehen. Außerdem konnte er das Flüstern der Oberen in seinem Kopf hören: Er ist noch nicht so weit, er hat sich noch nicht wirklich entschieden …

»Ich glaube, hier in Little Peak ist es doch nicht so schlecht, wie ich letzte Woche noch dachte.«

»Nur deswegen? Das ist echt alles?« Die Blicke aus Nessas mandelbraunen Augen bohrten sich in ihn.

»Na ja, die Sonne würde mir fehlen, auch wenn ich sie nicht mehr so gut vertrage.«

Sie runzelte die Stirn. »Du bist aber anspruchslos.«

»Meinen Computer würde ich natürlich wahnsinnig vermissen«, sagte er, wobei er sich um einen ernsten Gesichtsausdruck bemühte, »aber ich hatte mir schon vorgestellt, da unten ein paar Dinge neu zu regeln, wenn ich Herr …«

»D a n n y!«

Er lachte laut auf und schloss Vanessa fest in die Arme. »Nur deinetwegen verzichte ich auf den Herrscheranspruch, du süße Streberin, weil ich ohne dich nicht mehr leben kann. Was hast du denn gedacht?«

»O Daniel, das ist das Schönste, was je einer zu mir gesagt hat.« Freudestrahlend küsste sie ihn. »Ich hab dich so lieb, Danny Dämon.«

»Du bist das Schönste, und ich hab dich viel lieber!« Er grinste breit.

Nessa konnte ihm nur noch »Schleimer« entgegenhauchen, bevor sich ihre Lippen abermals trafen. Diese Küsse hätten ihm auch gefehlt. Bestimmt schmeckte keine Dämonin so gut wie Vanessa.

»Meinst du, sie lassen dich jetzt in Ruhe?«, fragte sie atemlos, nachdem sie wieder Luft bekam.

»Nein, ich glaub nicht.« Durch die mentale Verknüpfung hatte er seltsame Schwingungen aufgefangen, die ihn vermuten ließen, dass in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen war. Daniel erschauderte.

Der Rat hatte ihm zugesagt, seine dämonischen Fähigkeiten komplett zu aktivieren und ihn im Umgang damit zu schulen. Das hätte ihn schon sehr gereizt, doch der Preis war es ihm nicht wert. Außerdem müsste er dafür die zwei wichtigsten Menschen aufgeben: Vanessa und Mom, die zwar nicht seine richtige Mutter war, es aber in seinem Herzen immer sein würde. Ich habe Mom viel zu selten gesagt, wie sehr ich sie liebe. Das sollte ich nachholen. Daniel konnte ihr seine Gefühle nicht so gut zeigen, doch er war sich sicher, dass sie wusste, wie viel sie ihm bedeutete. Er durfte sie jetzt nicht allein lassen, nachdem Pa sie gerade verlassen hatte, nur dass Peter Taylor gar nicht sein richtiger Vater war. Es würde wohl demnächst hitzige Diskussionen darüber geben, warum er nicht schon viel eher etwas über seine Adoption erfahren hatte. Ich werde meinen richtigen Dad finden,

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