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Daniel Taylor und das magische Zepter

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist Daniel Taylor und das magische Zepter?
  3. Die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Daniel Taylor und das magische Zepter

Was ist Daniel Taylor und das magische Zepter?

Daniel Taylor und das magische Zepter ist der dritte und somit finale Teil eines dreiteiligen zeitgenössischen Fantasy-Jugendromans. Die Geschichte spielt in Little Peak, einer typischen Kleinstadt in Kalifornien. Es geht um spannende Abenteuer, große Gefühle und eine folgenschwere Entscheidung.

Daniel Taylor und das magische Zepter gibt es als E-Book und als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Die Autorin

Monica Davis ist eines der Pseudonyme einer deutschen Autorin, deren bürgerlicher Name Monika Dennerlein lautet. 1976 in Berchtesgaden geboren, verschlug es sie nach dem Abitur nach München, wo sie ein paar Jahre als Zahntechnikerin arbeitete, jedoch nie ihre Leidenschaft fürs Schreiben verlor. Seit sie sich voll und ganz der Schriftstellerei widmet, sind von ihr 26 Bücher, 6 Hörbücher und zahlreiche E-Books erschienen, die regelmäßig unter den Online-Jahresbestsellern zu finden sind.

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»Es ist eine Falle, garantiert!«, rief James aus und fuhr sich hektisch durchs Haar, bevor er Vanessas Brief wieder an Anne reichte. »Verdammt, wenn wir nur wüssten, wo sie hin ist!«

Anne hatte gesehen, wie Vanessa etwas in den Briefkasten geworfen hatte und mit dem Fahrrad weitergefahren war. Seit Daniels Verschwinden stand Anne oft stundenlang am Küchenfenster, um auf die Einfahrt zu starren in der Erwartung, Danny käme plötzlich die Straße entlang. Sie konnte immer noch nicht begreifen, dass ihr Ziehsohn in der Unterwelt und selbst ein halber Dämon sein sollte. Das klang alles verrückt. Hätte James ihr nicht gezeigt, dass er Energie auf seiner Handfläche erzeugen und sich translozieren konnte, hätte sie ihm kein Wort geglaubt.

»Ich gehe zu den Barkleys«, entschied Anne. Sie musste wissen, wohin Vanessa gefahren war, um sich mit Daniel zu treffen. »Ich halte diese Ungewissheit nicht mehr aus!«

Als sie zur Tür ging, lief James ihr hinterher und hielt sie an den Schultern fest. »Und was willst du Vanessas Eltern sagen?«

»Lass mich nur machen«, erwiderte Anne sanft und drückte seinen Arm. Sie war froh, dass James jetzt bei ihr war, denn er gab ihr in dieser schweren Zeit den Halt, den sie brauchte. James sorgte sich ebenso sehr um seinen Sohn wie sie. »Wir schaffen das«, sagte sie leise, den Tränen nah, und legte eine Hand an seine Wange. Wenn Anne in James’ Augen sah, erblickte sie Daniel. Aber sie sah auch den Mann in James, einen Mann, zu dem sie sich schon immer hingezogen gefühlt hatte, und sie sah seinen eigenen Kummer. Sie waren sich in den letzten Tagen nahegekommen, obwohl Anne erst sehr verletzt gewesen war, als James ihr ziemlich spät die Wahrheit über sich gestanden hatte und auch, dass ihr Exmann Peter von Beginn an über Daniels Herkunft informiert war. James, ihr bester Freund aus Kindertagen, hatte ihr etwas vorgemacht. Nun verstand sie ihn jedoch: Er hatte das alles auf sich genommen, um seinen Sohn zu beschützen, um Anne zu schützen. Anne wollte sich nicht ausmalen, wie schwer es ihm gefallen sein musste, sein Kind zurückzulassen.

James umarmte sie und zog sie an sich. Er streichelte ihren Rücken und flüsterte nah an ihrem Gesicht: »Es tut mir leid. Das alles. Dich so traurig zu sehen, das …«

»Pst.« Sie legte einen Finger an seine Lippen. »Hör auf, dich zu entschuldigen. Du hast nichts falsch gemacht.«

Als ihr James einen zögerlichen Kuss auf den Mund drückte, stockte ihr Atem. Sein warmer Körper, sein Geruch – das alles wühlte Anne auf und machte sie zur selben Zeit glücklich. Wenn doch ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn sie James’ Frau geworden wäre … Du liebe Güte, was hatte sie nur für Gedanken!

Seine weichen Lippen streiften noch einmal über ihre – dann war der wundervolle Augenblick schon vorüber.

»Bitte beeil dich«, sagte er rau und ließ sie los.

Anne ging allein hinüber zum Nachbarhaus, mit weichen Knien und ganz benommen von dem Kuss, dennoch froh, dass James nicht mitgekommen war. Die Barkleys kannten ihn nicht, was vielleicht zu Tratsch geführt hätte, worauf Anne jetzt verzichten konnte. Auch wenn sie wusste, dass die Barkleys hinter ihrem Rücken nie schlecht über sie reden würden – dazu kannte Anne sie zu gut –, war es doch besser so. Falls andere Nachbarn sie zusammen mit James sahen, würden sie unweigerlich folgern, dass sie einen neuen Mann an ihrer Seite hatte.

Plötzlich stieg Wut in ihr auf. Ja, warum eigentlich nicht? Warum sollte sie keinen Freund haben dürfen, immerhin war sie verlassen worden!

Ihr Herz pochte wild. Sie und James … Daran wagte Anne nicht einmal zu denken, obwohl sie viele Jahre ihres Lebens pausenlos daran gedacht hatte. Ob er überhaupt mit ihr zusammen sein wollte? Was wusste sie schon von ihm, außer dass er einmal ein Wächter gewesen war und daher diese seltsamen Fähigkeiten hatte? Passte sie überhaupt zu ihm? Immerhin war sie eine gewöhnliche Frau. Außerdem war da die Angst, sich neu zu binden und abermals enttäuscht zu werden.

Der Kuss war sicherlich nicht nur freundschaftlicher Natur gewesen, denn ihre Lippen brannten immer noch. Und erst das Ziehen hinter ihrem Brustbein … O je, war sie etwa dabei, sich erneut in James zu verlieben?

Sie schüttelte den Kopf, als ob das helfen würde, ihre Verwirrtheit loszuwerden, und klingelte bei Vanessas Eltern.

Als Mr. Barkley öffnete, schob er seine Brille an der Nase hoch und hob die Brauen. »Anne?«

»Hallo Richard, entschuldige die späte Störung, aber darf ich kurz mit Vanessa sprechen? Daniel ist immer noch krank, und ich möchte nicht, dass er in der Schule so viel verpasst. Vielleicht kann mir Vanessa sagen, welchen Stoff sie gerade durchnehmen.« Das war eine sehr gute Notlüge, wie Anne fand. Sie hatte Daniel für unbestimmte Zeit krankgemeldet, und das war auch die Version, die Vanessa ihren Eltern erzählt hatte.

Sogar Anne hatte sich bei ihrer Arbeitsstelle im Peak Hill Medical Hospital krankgemeldet, da sie in ihrer jetzigen Verfassung unmöglich ihrem Job nachgehen konnte.

Richard trat zur Seite. »Natürlich, Anne, komm rein. Vanessa ist auf ihrem Zimmer.«

Die Barkleys hatten also keine Ahnung, dass ihre Tochter nicht im Haus war.

»Wie geht es Daniel denn?« Brenda war in den Flur getreten, um Anne zu begrüßen.

»Schon etwas besser, aber die Grippe hat ihn doch ziemlich mitgenommen.« Annes Herz wurde schwer. Es widerstrebte ihr, Brenda zu belügen. Im Laufe der letzten Jahre waren sie so etwas wie Freundinnen geworden.

»Vanessa!«, rief Richard ins Treppenhaus, sodass Anne zusammenzuckte. »Kommst du mal bitte runter? Anne ist da!«

»Lass nur, ich kann auch zu ihr hochgehen«, beeilte sie sich zu sagen.

Richard nickte und schon erklomm Anne die Stufen. Sie kannte sich hier gut aus, da sie immer die Blumen goss, wenn die Barkleys in den Urlaub fuhren.

Oben angekommen, lief sie schnurstracks in Vanessas Zimmer. Die Einrichtung im Haus der Barkleys hatte sich zwar in den letzten Jahren kaum verändert, aber zumindest Vanessa hatte dafür gesorgt, dass ihr Zimmer mit der Zeit ging. Anne erinnerte sich noch daran, wie die Wände mit Postern ihrer Idole geschmückt waren und Plüschtiere auf ihrem Bett gesessen hatten. Die Poster waren nun verschwunden, und anstatt Plüschtieren zierten Grünpflanzen den kleinen Raum. Während bei Daniel immer noch der hellblaue Teppichboden aus Kindertagen den Boden verschandelte, hatte es Nessa letztes Jahr durchsetzen können, dass sie einen Parkettboden gelegt bekam. Da Richard und Brenda in einer großen Firma arbeiteten, konnten sie sich das leisten, wenngleich sie selten zeigten, dass sie vermögender waren als ihre Nachbarn und auch Vanessa jedes Mal um ihr Taschengeld kämpfen und Sonderwünsche hieb- und stichfest begründen musste.

Anne seufzte und sah sich weiter im Zimmer um. Dort, auf dem Schreibtisch! Ihr Herz machte einen Freudensprung, als sie den Zettel mit der Botschaft las, die eindeutig von Daniel stammte. Vanessa musste sie auf dem Schreibtisch vergessen haben, oder aber sie hatte den Zettel absichtlich dort liegen gelassen, damit ihre Eltern wussten, wo sie nach ihr suchen mussten, falls sie nicht zurückkam.

»Warum bist du denn nicht zu mir gekommen?«, murmelte Anne, als sie aus dem Zimmer rannte, sich möglichst schnell und unauffällig von den Barkleys verabschiedete und zu James hinübereilte. Ihr Herz war voll Kummer und Sorge, weil Daniel nicht bei ihr vorbeigesehen hatte.

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»Nessa, hör auf, nach mir zu treten!«, zischte jemand an ihrem Ohr.

Sofort blieb sie reglos stehen. Die Hand wurde von ihrem Mund genommen und der Griff um ihren Brustkorb lockerte sich, sodass sie sich umdrehen konnte.

»Danny!« Schluchzend warf sie sich Daniel um den Hals und drängte sich an ihn. »Du hast mich zu Tode erschreckt!« Weinend vergrub sie ihr Gesicht an seiner Schulter. Sie konnte einfach nicht damit aufhören. Die Erleichterung, ihn zu sehen, war riesig. Tief sog sie seinen Geruch ein, aber der hatte sich verändert. Nicht unangenehm … er roch nur anders. Dunkler.

Auch Daniel schien sich verändert zu haben. Anstatt sie ebenso herzlich zu begrüßen, stand er stocksteif da.

Vanessa hob den Kopf, um seine Wangen zu umfassen. Sie fühlten sich kalt an. Danny schien noch bleicher geworden zu sein, denn sein Gesicht stach aus der Dunkelheit hervor. Vanessa hatte so viele Fragen an ihn und wusste überhaupt nicht, mit welcher sie anfangen sollte. »Geht’s dir gut?«

Daniel nickte bloß, seine Miene starr; allerdings schaute er ihr unverwandt in die Augen.

»Wo warst du so lange? In der Unterwelt?«

»Hmm«, brummte er und kratzte sich am Kopf. Dann kniff er die Lider zusammen, als hätte er Kopfschmerzen. »Wie lange war ich denn weg?«

»Schon über eine Woche!«

»So kurz?« Daniels Augen wurden groß. »Mir kam es viel länger vor.«

»Und mir erst«, hauchte Vanessa und schmiegte sich fest an ihn. »Die Ferien sind vorüber, alle fragen nach dir, und du weißt doch, wie schlecht ich lügen kann.« Nie wieder wollte sie ihn loslassen. Alles, was zwischen ihnen gestanden hatte, war vergessen. Sie war einfach froh, dass er lebte und zurückgekommen war.

»Die Zeit in der Unterwelt muss anders ticken«, murmelte Daniel in ihr Haar.

Vanessa seufzte. Hatte er sie denn nicht vermisst? »Bleibst du jetzt hier?«, wagte sie zu fragen, auch wenn sie die Antwort längst kannte. Daniel hatte sich verändert, das spürte sie mit jeder Faser ihres Seins.

»Nein. Ich bin gekommen, weil ich eine Aufgabe zu erfüllen habe.«

Das Zepter … Die Dämonen hatten ihn also schon manipuliert? Sie hob den Kopf und blickte ihn an. »Was für eine Aufgabe?«, fragte sie, um sicherzugehen. Alles in ihr schrillte. Er verließ sie wieder? Und warum klang seine Stimme so kalt?

»Es ist ein Test, ob ich als Herrscher geeignet bin«, sagte er. »Und ich werde nicht versagen. Nie mehr.«

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»Da steht ihr Fahrrad!«, rief Anne und deutete mit dem Strahl ihrer Taschenlampe auf Vanessas Mountainbike, das an einer Stange lehnte. »Vanessa? Daniel!«

James besah sich die Stelle hinter dem Trimm-dich-Gerät näher. »Hier sind Zweige abgebrochen. Vielleicht sind sie in den Wald gegangen?«

Annes Puls raste, das Blut rauschte in ihren Ohren. »Daniel?!«, schrie sie panisch und schreckte zwei Waldkäuzchen auf. Wenn sie ihr Kind nicht bald zurückbekam, würde sie noch durchdrehen! Sie stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Anne heftete sich an James’ Fersen und kämpfte sich mit ihm durch die Sträucher.

»Hier verliert sich die Spur«, sagte er. »Sie müssen durch ein Portal verschwunden sein.«

Mittlerweile wusste Anne, wie sich Dämonen fortbewegten. Sie hatte James haargenau über alles ausgefragt, besonders über Daniel.

Ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. »Heißt das jetzt, dass Daniel und Vanessa verschwunden sind?«

»Ich weiß es nicht.« James klang verzweifelt. Immer wieder fuhr er sich durchs Haar und ließ den Lichtstrahl der Lampe über den Waldboden gleiten.

»Ich kann nicht mehr«, flüsterte Anne und schloss die Augen. Die plötzliche Schwäche und Übelkeit, die sich in ihren Körper schlich, war übermächtig. Anne spürte gerade noch, wie James sie umarmte und fest an sich zog, bevor sie das Bewusstsein verlor.

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»Danny, das kann nicht dein Ernst sein!« Schnaubend setzte sich Vanessa im Baumhaus auf die Matratze am Boden. Sie zitterte, doch Silvan beobachtete sie lediglich mit kühlem Interesse. Das war also das Mädchen, das ihn beinahe davon abgehalten hätte, seine Ausbildung zu vollenden? Die Oberen hatten ihn gewarnt, er solle nicht auf sie hören. Vanessa würde versuchen, ihn zu manipulieren. Die Oberen hatten recht behalten. Vanessa hatte tatsächlich versucht, ihm einzubläuen, dass die Dämonen lediglich an das Zepter wollten und ihn danach wohl töten würden. Als Silvan sich dazu nicht geäußert hatte, hatte sie über das Baumhaus zu meckern angefangen.

Sie runzelte die Stirn und blickte auf die Campingtoilette, die Wasserkanister und die Tasche mit Lebensmitteln. Er hatte das alles schon vor Tagen besorgt. Warum?

Kurz flackerte ein Bild in seinem Kopf auf: Vanessa, die nicht Vanessa war und auf die er geschossen hatte … Sobald er es einigermaßen beherrscht hatte, Portale zu erzeugen, war er sofort hierhergekommen, hatte die Campingtoilette aus der Garage seiner Mutter geholt und den Vorratsschrank geplündert … Daran konnte er sich kaum noch erinnern!

Sein Gehirn schien jeden Moment zu explodieren. Es schmerzte höllisch. Er musste endlich seine Aufgabe erledigen! Der Griff um das Messer, das er in seiner Manteltasche versteckte, verstärkte sich.

Vanessas Nörgeln machte ihn wütend. Er ergötzte sich an ihrem Ärger und ihrer Furcht. Im Wald hatte er ihr einen gehörigen Schrecken eingejagt.

»Ich will nicht, dass dir etwas passiert!«, stieß er heftig hervor und setzte sich neben sie. Vielleicht beruhigten sie diese Worte. Menschen wollten so etwas hören, oder nicht?

Vanessa seufzte. »Du hast dich so verändert! Wo ist mein Daniel?«

»Dein Daniel ist nicht hier.« Er lachte düster. Ob er sich ein wenig mit ihr vergnügen sollte, bevor er sie tötete? Irgendwie gefiel ihm das Mädchen. Sie war süß, und ihre Angst schürte seine Lust.

Ihre Augen wurden groß, als er sie auf die Matratze schubste und sich auf sie legte.

»Daniel!«, rief sie und versuchte, ihn von sich zu drücken.

Dass sie sich wehrte, gefiel ihm ebenfalls. Er würde ihr zeigen, wie stark er geworden war, dass nichts und niemand ihn aufhalten konnte – zumindest kein Mensch. Er krallte seine Finger in ihr Haar und hielt sie so auf die Matratze gepresst. Vanessa atmete hektisch, Tränen sammelten sich in ihren Augen.

»Danny, was tust du?«, wisperte sie. »Bitte, nicht!«

Er war nicht mehr ihr Danny. Nie wieder. Sein Herz klopfte stürmisch, vor Aufregung und Lust. Dieses Mädchen roch nach Angst und Vanille. Eine erregende Mischung. Silvan drückte seinen Unterleib hart gegen ihren.

Vanessa schluchzte und zitterte unter ihm, doch sie blieb ansonsten reglos liegen. »Ich will meinen Daniel zurück«, sagte sie leise. »Ich weiß, dass er da drin ist.«

Seine Finger in ihrem Haar lockerten sich. Er schloss die Augen, inhalierte weiterhin ihren Duft und fuhr mit der Nase über ihre feuchte Wange.

Vanessa wimmerte. »Was haben sie da unten mit dir gemacht?«

Sein Umhang verrutschte, und er spürte Gewichte in der Tasche: die Steine, die Marla ihm gegeben hatte. Zu Vanessas Schutz.

Ein weiterer Stich fuhr durch seinen Kopf. Vanessa … beschützen …

Er setzte sich auf und holte einen hühnereigroßen Stein aus der Tasche. Er sah aus wie ein farbloser Kristall.

Wohnen … Vanessa … Ja, Silvan erinnerte sich schwach daran, dass er Vanessa im Baumhaus verstecken wollte.

Silvan schaute sie an. Sie saß zusammengekauert in der Ecke, die Arme um die Knie geschlungen, und starrte zitternd zu ihm.

Der Kristall in seiner Hand machte den Schmerz in seinem Kopf erträglicher. Einer der Dämonen wollte Zugang zu seinem Kopf, doch das gelang ihm nicht. Ob es an dem Stein lag? Silvan hasste es, wenn jemand in seinen Verstand eindringen wollte!

Hastig stand er auf und verteilte die vier Kristalle in je einer Ecke des Baumhauses. Sie begannen hellblau zu leuchten, und plötzlich war der Druck in seinem Kopf verschwunden. Er zwinkerte, ihm war schwindlig.

»Daniel, was ist denn los?«

Er hörte Vanessa wie aus weiter Ferne und taumelte mit geschlossenen Augen zu ihr. »Ich weiß es nicht.« Er ließ sich neben sie auf die Matratze fallen und verfluchte sich, weil er Nessa so große Angst eingejagt hatte. Wieso hatte er sie dermaßen erschrecken müssen?

Daniel atmete tief ein. Irgendwie strengte ihn sein neues Dasein ganz schön an.

»Bitte bleib hier, bis ich eine bessere Lösung weiß«, murmelte er. Daniel hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, hatte sich heimlich davongeschlichen, um Vanessa einen sicheren Unterschlupf bieten zu können.

Er erklärte ihr, wozu die magischen Kristalle gut waren. Sie schützten vor Eindringlingen jeder Art. Nur diejenigen konnten in das Baumhaus – egal ob Mensch, Tier oder Dämon –, die sich gerade im Inneren befanden, als die Kristalle ausgerichtet wurden.

Daniel war ein wenig enttäuscht von Vanessa – er hätte mehr Dankbarkeit erwartet. Oder begriff sie den Ernst der Lage nicht?

Natürlich nicht. Aber wie konnte er ihr sagen, dass die Dämonen sie tot sehen wollten?

Sie klammerte sich an seinem Arm fest. »Sag mir endlich, was los ist!«

Ja, er war ihr eine Antwort schuldig, auch wenn Nessa die wahrscheinlich nicht gern hörte. »Ich muss … soll dich … töten, um Herrscher zu werden.«

»Was?!« Aus ihrem Gesicht wich alle Farbe. »D-deswegen also d-das Messer?«

Mist, er hatte gar nicht bemerkt, dass es nicht mehr in der Tasche lag! Reumütig schaute er auf seine Hand, in der er nicht nur das Messer hielt, sondern eine braune Haarsträhne.

»Wo hab ich die her?«, fragte er, ehrlich verblüfft.

Vanessa zuckte zurück. »Du hast sie mir doch eben abgeschnitten, als du mich auf die Matratze geworfen hast!«

Was? Er hatte ihr eine Haarsträhne abgeschnitten? Als Beweis, dass er seinen Auftrag ausgeführt hatte? Das würde den Dämonen nicht genügen.

Vanessa fuhr sich durchs Haar und sprang auf, Furcht sprach aus ihren braunen Augen. »Danny, du darfst nicht mehr zurückgehen. Sie verändern dich und du merkst es nicht mal. Sie manipulieren dich!«

»Ich brauche noch Blut von dir«, erwiderte er leise, ohne sie anzublicken.

Er musste zurück, der Drang war beinahe übermächtig, doch um keinen Preis der Welt wollte er Vanessa verlieren. Sie war so süß und unschuldig. Wenn er Herrscher war, würde er sich Vanessa holen und sie zu seiner Braut machen.

Marla hatte ihm versichert, dass der Hohe Rat nicht in seine Gedanken eindringen konnte, solange er sich in dem magischen Schutz der Kristalle befand. Marla war es auch gewesen, die ihm genau erklärt hatte, wie die Steine funktionierten.

Die Erinnerung daran war so unwirklich wie ein Traum.

Nur noch ein paar Tage, dann wäre er Herrscher und er würde mit Vanessa an seiner Seite diesen Haufen Abschaum regieren.

Daniel feixte innerlich. Er würde ganz andere Seiten aufziehen; alles würde sich ändern. Alle würden tun, was er sagte!

»D-du brauchst mein B-blut?«, stammelte Vanessa, wobei sie so weit zurückwich, bis sie mit dem Rücken gegen die Wand stieß.

Daniel erhob sich ebenfalls, blieb aber stehen, um sie nicht noch mehr zu erschrecken. »Ein paar Tropfen würden reichen.« Verdammt, er wollte nicht, dass sie vor ihm Angst hatte! Daniel fühlte sich gerade sehr verwirrt. Tat er wirklich das Richtige? War es all das wert? Hey, er war ein Dämon! Wieso fühlte er sich erneut so zerrissen?

»Bloß ein paar Tropfen, nur ein kleiner Pieks.«

»Und dann?«, flüsterte sie.

»Werde ich verschwinden.«

»Du gehst tatsächlich wieder? Aber … Danny! Das kannst du nicht!« Vanessa schüttelte den Kopf, erneut liefen ihr Tränen über die Wangen. »Deine Mom macht sich furchtbare Sorgen!«

»Sie ist nicht mal meine richtige Mutter«, murmelte er, doch ein Knoten zog sich um seinen Magen zu, als er an sie dachte. Er vermisste sie … irgendwie.

Vanessas Angst schien wie weggeblasen, als sie ihm mit zusammengezogenen Brauen sagte: »Falls du es schon nicht für die Frau tun willst, die dich dein ganzes Leben lang geliebt hat wie ein eigenes Kind, dann wenigstens für deinen richtigen Vater!«

Sein Kopf fuhr hoch. »James? James Carpenter?«

»Ja, genau der! Wenn James nicht da wäre … Daniel, deine Mom ist fix und fertig!« Sie trat einen weiteren Schritt auf ihn zu.

»B

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