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Dämonenhasser Tony Ballard - Neue Abenteuer 13 - Zwei Horror-Romane

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Inhaltsverzeichnis

  • Dämonenhasser Tony Ballard - Neue Abenteuer 13 - Zwei Horror-Romane
  • Copyright
  • Das Höllenlicht
  • Der Zombie-Keller

Dämonenhasser Tony Ballard - Neue Abenteuer 13 - Zwei Horror-Romane

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

Dieses Buch enthält die Romane:


A.F.Morland: Das Höllenlicht

A.F.Morland: Der Zombie-Keller

Das Höllenlicht

Ekeliges Gewürm bewegte sich vor meinen fassungslosen Augen. Ich bin bestimmt einiges gewohnt, denn schließlich kämpfe ich nicht erst seit gestern gegen Geister, Teufel und Dämonen. Aber es gibt Grenzen, und die wurden hier und heute weit überschritten. Ein zähes, schleimiges Sekret klebte an den dicht gedrängten gelblich-weißen Maden.

Sie befanden sich in einer nicht besonders großen, quadratischen Versandhausschachtel, hatten schwarze Köpfe, waren so dick wie mein kleiner Finger und bedeckten etwas, das ich nicht sehen konnte.

Bestialischer Verwesungsgeruch stieg mir in die Nase. Ich konnte den aufsteigenden Brechreiz kaum noch unterdrücken, atmete so flach wie möglich und ging aufgewühlt in die Küche. Wenn ich wissen wollte, was sich in der Schachtel befand, musste ich sie umdrehen, ihren Inhalt in die Spüle kippen und ihn von diesem ekeligen Getier befreien.

Ein fetter Madenregen prasselte in die Vertiefung aus dunkelbraunem Granit, und dann plumpste etwas Schweres hinterher. Obwohl ich es noch nicht sah, wusste ich sofort, dass es sich mit Sicherheit um keine Melone handelte, denn diese zur Familie der Kürbisse gehörenden Früchte stinken höchstens nach Fäulnis, wenn sie verdorben sind, aber niemals nach Verwesung. Es war, wie nicht anders zu erwarten, ein Kopf .

*

Jan van Vermeer, der schwarze Ritter, hatte eine geniale Idee. Er besaß überall auf der Welt geheime Domizile, und in einem davon bat er untertänig um Loxagons Besuch, um ihn von seinem großartigen Einfall in Kenntnis zu setzen. In einem unterirdischen Gebetssaal hatte er hierfür die nötigen Voraussetzungen geschaffen.

Die nachtschwarzen Wände waren mit dem Blut frisch geschlachteter Tiere bestrichen und mit schwarzmagischen Symbolen, Zeichen und Piktogrammen dekoriert.

Auf sieben schweren Eisenkandelabern brannten jeweils sieben schwarze Kerzen und auf den schwarzen Marmorboden hatte der holländische Milliardär einen Ring aus weißem Zauberpulver gestreut, in dem sich sogleich gefährliche Höllenkräfte etablierten.

Kräfte, die nur dem Herrscher der Verdammnis nichts anhaben konnten. Jeder andere, auch van Vermeer, hätte großen Schaden genommen, wenn er damit in Berührung gekommen wäre. Manch einer hätte den Kontakt auch gar nicht überlebt. Gespannt wartete der schwarze Ritter auf das Eintreffen des Teufelssohns in diesem Zentrum der dämonischen Magie.

Tief in ein schwarzes Gebet versunken, kniete er am Rand des Pulverkreises. Zuerst bildete sich im Boden eine Öffnung, aus der roter Feuerschein hochstieg. Dann füllte sich der Raum mit gelbem Schwefeldampf.

Und schließlich entstieg dem Höllenschlund ein Wesen, das Asmodis einst mit einer Schakalin gezeugt hatte: Loxagon, der Teufelssohn, der sowohl seiner Mutter als auch seinem Vater ähnlich sah.

Mit infamer List und grausamer Tücke hatte er für Asmodis' Tod gesorgt und danach dessen Erbe angetreten, und es gab in den endlosen Weiten der Hölle niemanden, der ihm dieses Legat offen streitig zu machen wagte.

Er trug einen brennenden Umhang, stand in der Mitte des magischen Kreises und schaute mit gestrengem Blick auf den knienden Ritter hinunter.

Jan van Vermeer gab sich betont devot. Er war zwar stark, und in seinen Adern floss schwarzes Dämonenblut, aber mit Loxagon konnte er sich kräftemäßig nicht messen. Das wusste er, und deshalb verhielt er sich dementsprechend unterwürfig. Denn nichts Schlimmeres konnte einem passieren, als sich Loxagons Unmut zuzuziehen und bei ihm in Ungnade zu fallen.

Allmächtiger Höllenherrscher“, sagte er knechtisch. „Es ist mir eine große Freude und eine unermessliche Ehre, dich in meinem Heim begrüßen zu dürfen.“

Er erhob sich langsam, trug schwarze Lederkleidung, sah aus wie ein viel beschäftigter Dressman. Wie extrem gefährlich er im Vergleich zu „normalen“ Menschen war, war ihm nicht im Entferntesten anzusehen.

Loxagon nahm die Gelegenheit wahr, sich nach der weißen Hexe Roxane zu erkundigen, die einen Vulkanausbruch im Gran Canyon nicht überlebt hatte, deren Leiche seitdem in einem Lavablock eingeschlossen war, den Jan van Vermeer in seinen Besitz gebracht hatte und den Mago, der Schwarzmagier und Jäger der abtrünnigen Hexen, haben wollte.

Der Block gehört mir nach wie vor“, gab der schwarze Ritter zur Antwort. „Er befindet sich gut gesichert an einem geheimen Ort.“

Wieso hast du ihn nicht Mago überlassen?“

Es passte mir nicht, wie er auftrat“, antwortete Jan van Vermeer wahrheitsgetreu. „Großspurig. Arrogant. Dünkelhaft. Keine Spur von Augenhöhe. Er tat so, als wäre der Lavablock sein Besitz, den ich ihm nicht vorenthalten dürfe. So benimmt man sich nicht, wenn man etwas haben möchte.“

Eure Sache“, sagte Loxagon. „Da mische ich mich nicht ein.“

Auch ein Schwarzmagier muss sich zu benehmen wissen“, sagte der reiche Niederländer grimmig. „Wenn er das einsieht, bin ich jederzeit gesprächsbereit. Die Tür ist nicht ganz zu. Wir können immer noch zu einer Einigung kommen. Aber auf einem anderen Niveau.“

Damit war dieses Thema für Loxagon abgeschlossen. Er wollte wissen, weshalb Jan van Vermeer ihn zu sich gebeten hatte. Der Holländer nickte.

Du weißt bestimmt vom Friedenslicht“, sagte der schwarze Ritter.

Dieses scheinheilige Getue ist mir seit langem ein Dorn im Auge.“

Es wird in Bethlehem entzündet, nach Europa gebracht und da feierlich verteilt. Österreich, Deutschland, Polen, Litauen, Weißrussland, Ukraine... Immer mehr Länder machen mit. Sogar in New York hat man das Licht schon auf dem Ground Zero aufgestellt.“

Was hast du vor?“, fragte Loxagon. „Willst du seine Verbreitung unterbinden?“

Nein“, antwortete Jan van Vermeer. „Ich möchte ein Pendant schaffen.“ Er streckte die linke Hand mit der Handfläche nach oben vor. „Friedenslicht.“ Er streckte die rechte Hand vor. „Höllenlicht.“ Er sah den Teufelssohn an. „Hier Friedenslicht, da Höllenlicht, ein brandgefährliches Gegenstück“, sagte er, von seinem Einfall sichtlich begeistert. „Du schaffst die Quelle. Ich sorge für die Verteilung des bösen Feuers.“ Er musterte den Höllenherrscher. „Was sagst du dazu?“

Ich halte das für eine hervorragende Idee.“

Der Niederländer strahlte. „Ich hatte gehofft, dass du das sagst.“ Er rieb sich grinsend die Hände. „Wir werden großes Unheil über die Menschheit bringen.“

Sie hat nichts Besseres verdient“, knurrte Loxagon voller Hass.

*

Mir fuhr ein Eissplitter ins Herz. Jemand hatte mir einen vor längerem abgeschnittenen und deshalb bereits verwesenden und von Maden angefressenen Kopf geschickt.

Ich spülte einen Großteil des Gewürms in den Abfluss und schaltete den Schredder ein, damit er die dicken Protein-Bomben zerstückelte.

Der Kopf lag mit dem Gesicht nach unten im Spülbecken. Ich sah nur nasses Haar. Und viele Stellen, in die sich die Maden schon hineingefressen hatten.

Öffnungen mit ausgefransten Rändern. Zumeist kreisrund. Aber nicht immer. Es gab auch anders geformte Löcher. Manche ähnelten Miniatur-Landkarten. Ich griff mir neongrüne Gummihandschuhe und stieß meine Hände hinein. Ohne sie wollte ich den stinkenden Schädel nicht anfassen.

In dem Moment, als ich ihn mit angehaltenem Atem und extrem angespannten Nerven umdrehen wollte, sagte meine Frau hinter mir: „Tony!“

Ich erschrak zutiefst, fuhr herum, starrte sie entgeistert an und kam mir vor wie jemand, der dabei ertappt worden war, wie er etwas Verbotenes tun wollte.

Schatz!“, entfuhr es mir.

Vicky stand in der offenen Küchentür. Das honigblonde Haar fiel in weichen Wellen auf ihre wohlgerundeten Schultern. Sie trug ein hübsches Kleid mit waagrechten weißen und dunkelblauen Streifen.

Ich war dabei gewesen, als sie es vor zwei Tagen gekauft hatte. Ihre schlanken Füße steckten in weißen Sneakers. Sie sah mich mit ihren großen veilchenblauen Augen höchst verwundert an. Als wäre ich ein absoluter Fremdkörper in der Küche.

Was tust du?“, fragte sie. Gleichzeitig wollte sie die Küche betreten.

Ich streckte ihr beschwörend beide Hände entgegen. „Bleib, wo du bist!“

Warum?“

Glaube mir, es ist besser...“

Vicky rümpfte die Nase. „Was ist das für ein Gestank? Wieso trägst du Gummihandschuhe?“

Wenn erst mal die Neugier einer Frau geweckt ist, hat man als Mann nur noch schlechte Karten. Sie kam näher, obwohl ich es nicht wollte. Ich verstellte ihr den Blick in die Spüle. Sie wollte wissen, was ich vor ihr versteckte.

Nichts“, log ich, obwohl mir klar war, wie unsinnig das war.

Was soll die lächerliche Geheimniskrämerei?“ Vicky versuchte mich ein wenig zur Seite zu drücken. Sie hätte es nicht geschafft, wenn ich nicht nachgegeben hätte. Als sie den Schädel erblickte, zog sie die Luft scharf ein. „O mein Gott!“, kam es heiser über ihre Lippen. „Wessen Kopf ist das, Tony?“

Das weiß ich noch nicht.“

Woher hast du ihn?“

Ein Bote hat ihn gebracht.“

Ein Bote? Wann?“

Vorhin.“

Seit wann liefern Boten abgetrennte Köpfe?“

Was für eine Frage, dachte ich und drehte mich wieder um. „Vielleicht wäre es doch besser, du würdest jetzt die Küche verlassen, Schatz“, sagte ich ernst. „Das ist bestimmt kein schöner Anblick. Das Gesicht war von dicken, hungrigen Maden bedeckt. Ich rechne damit, dass sie es ziemlich arg zerfressen haben.“

Dreh den Kopf um, Tony“, verlangte meine Frau. „Ich verspreche dir, nicht in Ohnmacht zu fallen.“

Ich nickte. „Okay. Ich habe dich gewarnt.“

Nun mach schon.“ Es hörte sich für mich an, als wollte Vicky sagen: „Mach schon, ehe mich der Mut verlässt.“

Ich hätte es am liebsten bleiben lassen, aber das ging nicht. Ich musste wissen, wessen Kopf man mir da zugespielt hatte. Also atmete ich tief ein und griff mit beiden Händen nach dem Schädel. Vicky biss sich gespannt auf die Unterlippe. Ich drehte den Kopf um und erblickte das, was ich erwartet hatte: eine Visage, die kaum noch vorhanden war. Die Augen schienen für die Viecher eine besondere Delikatesse gewesen zu sein, denn davon war überhaupt nichts mehr vorhanden.

Aber sie hatten auch die Nase und die Lippen weggefressen, und durch große Löcher in den Wangen schimmerte das Weiß der Zähne.

Grundgütiger“, flüsterte Vicky neben mir.

Ich wollte dir das ersparen.“

Vicky schloss die Augen und drehte sich um. „Wessen Kopf könnte das sein, Tony?“, kam es tonlos aus ihrer Kehle.

Obwohl das Gesicht fast völlig zerstört war, keimte in mir ein Verdacht. „Ich glaube...“ Ich brach ab, versuchte mich zu sammeln. „Ich glaube...“ Ich hatte einen dicken Kloß im Hals, schluckte mehrmals, um ihn los zu werden. Und als ich meine Vermutung dann endlich aussprechen wollte, hielt mich das Klingeln meines Smartphones davon ab. „Ja?“, meldete ich mich mit einer Stimme, die mir selbst fremd war.

Entschuldigung, falsch verbunden“, sagte am andern Ende Tucker Peckinpah.

Ich räusperte mich. „Sie sind richtig, Partner.“

Oh, Tony. Ich habe Ihre Stimme nicht erkannt. Tut mir leid.“

Schon okay.“

Ist alles in Ordnung?“, fragte der Industrielle. „Sie klingen so – so – so anders.“

Es ist leider nichts in Ordnung, Partner“, sagte ich und erzählte ihm von der makabren Lieferung, die ich bekommen hatte. Natürlich wollte auch er sofort wissen, um wessen Kopf es sich handelte. „Ich habe bloß eine vage Vermutung“, erklärte ich.

Heraus damit!“, verlangte der sechzigjährige Milliardär, mit dem mich eine über viele Jahre hinweg bewährte Partnerschaft verband.

Ich richtete meinen Blick auf Vicky und sagte: „Also ich vermute, dass es sich um den Kopf des Höllen-Renegaten Elowar handelt.“

*

Es genügte Jan van Vermeer, die Idee gehabt zu haben. Umsetzen sollte das Ganze jemand anders. Eine Person seines Vertrauens.

Damit wollte er sich nicht belasten. Mann? Frau? Das war ihm nicht so wichtig. Was zählte, war einzig und allein der Erfolg. Loxagon schuf in den schottischen Highlands unter den Mauerfragmenten einer zerstörten und entweihten Kirche eine Feuerstelle, die nie erlöschen würde.

Höllenflammen würden dort von nun an ewig aus einer Felsspalte züngeln, und von hier sollte das Pendant des Friedenslichts in alle Welt getragen werden, um die Menschheit zu vergiften.

Der schwarze Ritter stellte eine Liste von Personen auf, denen er vertraute. Geschäftsleute, Künstler, Bankiers, Manager, Rechtsanwälte, namhafte Kriminelle...

Sie waren überall zu Hause. In Europa, Asien, Amerika, Afrika, Australien. Anwärter auf schwarzes Blut in ihren Adern. Heiß darauf, ihm zu Diensten sein zu dürfen.

Sobald die Liste der verdorbenen Aspiranten fertig war, begann er zu sieben. Wem lag der verantwortungsvolle Job am meisten?

Wer konnte das beste moralische Rüstzeug in die Waagschale werfen? Wer verfügte über das nötige organisatorische Talent? Jan van Vermeer strich die Liste mehr und mehr zusammen. Schließlich blieben drei Namen übrig: Harold McConnor in Inverness. Ludo Samek in Prag. Und Linda Sommarström in Stockholm. Die Recherchen des schwarzen Ritters führten zu folgendem Ergebnis: McConnor schied aus, weil er sich kürzlich einer Herzoperation unterziehen musste. Und Samek war wegen verbotener politischer Aktivitäten in Tschechien zu einer längeren Haftstrafe verurteilt worden. Aber die Schwedin war verfügbar und mit Sicherheit keine schlechte Wahl.

Der schwerreiche Niederländer ließ seinen Privat-Jet startklar machen. Ziel: Stockholm/Arlanda. 25 Millionen Fluggästen wurden hier jedes Jahr abgefertigt.

Ein schweres Gewitter machte die Landung zu einer extrem holperigen Angelegenheit, doch das störte Jan van Vermeer nicht im Geringsten.

Schließlich war er schon lange kein Mensch mehr, und als Schwarzblütler konnte ihm selbst die schlimmste Flugzeugkatastrophe nichts anhaben.

Seine Crew wäre bei einem Absturz ums Leben gekommen. Er nicht. Deshalb beunruhigte ihn das tobende Unwetter mit Blitz, Sturm, Hagel und Starkregen überhaupt nicht. Es war eine persönliche Meisterleistung des Piloten, den Vogel heil runter zu bringen.

Jan van Vermeer beglückwünschte ihn dazu.

Die Landung war hart, aber herzlich“, scherzte der Kapitän. Man sah ihm an, wie erleichtert er war. Van Vermeer ging von Bord. Wenig später saß er in einem Taxi, das ihn ins Zentrum von Stockholm brachte.

*

Elowar...

Er hatte es nicht geschafft, in die Hölle zurückzukehren und seinen Schwur, Loxagon, den Teufelssohn, zu entmachten, zu erfüllen. Irgendjemand musste ihn abgefangen und enthauptet haben.

Warum hat man ausgerechnet dir seinen Kopf geschickt?“, fragte Vicky verständnislos. Ich telefonierte nicht mehr mit Tucker Peckinpah.

Vielleicht, um mich zu verhöhnen und mir zu zeigen, wie zwecklos alles war, was wir für Elowar getan haben“, vermutete ich. „All die Strapazen und Risiken, die wir auf der Prä-Welt Coor auf uns genommen haben, waren letztendlich für die Katz. Vergebene Mühe. Wir haben etliche Male unser Leben aufs Spiel gesetzt, damit Elowar wieder der wurde, der er einmal gewesen war. Und was haben wir erreicht? Nichts.“ Ich zeigte verbittert auf den zerfressenen, stinkenden Kopf. „Nur das.“ Meine Hände steckten nach wie vor in den Gummihandschuhen. Ich ballte sie grimmig zu Fäusten. „Wenn ich wüsste, wer das getan hat, würde ich mit ihm das Gleiche machen, ohne mit der Wimper zu zucken.“

Wut, Hass und Ratlosigkeit brannten in meinen Eingeweiden. Ich wusste nicht, was ich mit Elowars Kopf tun sollte. Ich konnte den Teufelsschädel nicht einfach in den Abfalleimer werfen. Während ich noch hin und her überlegte, was geschehen sollte, läutete es an unserer Penthouse-Tür, und als ich sie öffnete, stand Tucker Peckinpah mit einer blau-weißen Kunststoffkühlbox vor mir. So schnell? Hatte er die Zeit gerafft?

Wo ist der Kopf?“, wollte er wissen.

Was haben Sie vor?“

Ich lasse ihn untersuchen.“

Von wem?“, fragte ich.

Von Experten.“

Was versprechen Sie sich davon?“

Sie werden herausfinden, wer Elowar getötet hat.“

Da müssten sie zaubern können.“

Das können sie“, behauptete der Industrielle allen Ernstes.

Ich zweifelte zum ersten Mal an seinem Verstand. Verdammt, was war nur los mit diesem Mann? Ich hatte bisher geglaubt, ihn fast so gut wie mich selbst zu kennen. Doch das war auf einmal überhaupt nicht mehr der Fall. Was hatte ihn so sehr verändert?

Man wird den Schädel komplett auseinandernehmen“, erklärte er, „und das verweste Fleisch an eigens dafür gezüchtete Tiere verfüttern. Sobald diese es gefressen haben, werden sie ein magisches Hologramm schaffen, das die Person zeigt, die Elowar enthauptet hat.“

Es war irre, was Peckinpah da zum Mund rausließ. Zaubernde Experten. Tiere, die imstande waren, Hologramme zu schaffen. Verrückt. Unglaublich. Unvorstellbar. Ich kniff die Augen zusammen.

Kann es sein, dass Sie mich auf den Arm nehmen, Partner?“, fragte ich argwöhnisch.

Ganz und gar nicht“, antwortete er ruppig und wollte an mir vorbeigehen.

Ich stellte mich ihm in den Weg. „Stopp!“

Verdammt, was soll das, Tony?“, fragte er ungehalten. „Muss ich Sie darauf hinweisen, dass Sie sich in meinem Penthouse aufhalten?“ Er war laut geworden und schlug sich empört mit der Faust gegen die Brust. „Das ganze Haus gehört mir. Sie dürfen nur so lange hier wohnen, wie es mir passt. Ich kann Sie jederzeit rausschmeißen.“

Man muss ihn einer Gehirnwäsche unterzogen haben, durchzuckte es mich. So unmöglich und feindselig hat er sich mir gegenüber noch nie verhalten.

Sie kriegen Elowars Kopf nicht“, zischte ich. Ich wollte nicht, dass irgendwelche seltsame Tiere das Fleisch des Höllen-Renegaten fraßen.

Das wollen wir sehen“, blaffte der Industrielle mit böse funkelnden Augen.

Ich verlor die Beherrschung. „Gehen Sie! Verschwinden Sie! Hauen Sie ab! Hinaus mit Ihnen, sonst mache ich Ihnen Beine!“

So hatte ich noch nie mit Peckinpah gesprochen. Es war aber auch noch nie nötig gewesen. Bislang hatten wir uns immer hervorragend vertragen.

Dass es jetzt zu diesem Bruch kam, tat mir zwar leid, aber es war nicht meine Schuld. Plötzlich wollte Peckinpah gewissermaßen mit dem Kopf durch die Wand rennen.

Er rempelte meine Frau zornig zur Seite. Das passte mir nicht. Was waren denn das für Manieren? Ich stieß ihn wütend zurück.

Und als er mir die Kühlbox mit voller Wucht gegen den Schädel schmetterte, sah ich Rot. Mein erster Faustschlag traf seinen Kinnwinkel.

Er ließ die Plastikbox fallen. Doch das reichte mir nicht. Er hatte mich in Rage versetzt und das sollte er jetzt zu spüren bekommen.

Ich schlug ihn hart, kraftvoll und brutal. Links, rechts. Mal eine Gerade, mal ein Schwinger, mal ein Aufwärtshaken. Er schwankte, torkelte, fiel aber nicht. Also machte ich weiter. Ich wollte ihn auf dem Boden sehen.

Tony!“, rief Vicky.

Ich machte weiter.

Tony, hör auf!“

Ich dachte nicht daran. Der Alte musste fallen.

Er hat genug, Tony!“

Aber ich nicht!“, keuchte ich, und dann brachte ich ihn endlich zu Fall. Ich wollte ihn sogleich mit einem Fußtritt gegen den Schädel brutal bedienen, doch Vicky ließ es nicht zu. Verdammt, warum nicht? Auf wessen Seite stand sie?

Tony!“, rief sie eindringlich. „Tony! Tony! Tony! Hör auf! Wach auf!

Ich riss die Augen auf, und sofort war alles anders. Tucker Peckinpah war weg. Ich befand mich im Schlafzimmer, im Bett, lag auf dem Rücken, Vicky lag halb auf mir, hielt mich fest, schüttelte mich und rief immer wieder meinen Namen.

Niemand hatte mir Elowars von Maden zerfressenen, nach Verwesung stinkenden Kopf in einem Versandhauskarton geschickt. Das war gottlob alles nur ein Produkt meiner überdrehten nächtlichen Fantasie gewesen.

Ein grässlicher Albtraum, der absolut nichts mit der Realität zu tun hatte. Meine Güte, ich kann nicht sagen, wie erleichtert ich war, als mir das klar wurde.

Vicky ließ von mir ab. „Was war los? Was hast du geträumt?“

Das willst du nicht wissen.“

Doch, will ich“, erwiderte meine Frau. „Heraus damit!“, verlangte sie energisch. „Du hast so wild um dich geschlagen, dass ich davon munter wurde.“

Du wirst nicht weiterschlafen können, wenn ich es dir erzähle.“

Ich will es hören“, sagte Vicky bestimmt.

Also erzählte ich ihr den Traum. Natürlich in allen Einzelheiten. Fast ein bisschen boshaft. Sie hatte es ja so gewollt.

Danach war sie ein wenig blass um die Nase. Aber sie würde daraus mit Sicherheit nichts lernen, sondern beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation wieder genauso beharrlich bohren, bis sie alles erfuhr. Selbst wenn es noch so unerträglich war. So war Vicky nun mal.

Ich stand auf, duschte und wechselte meinen durchgeschwitzten Schlafanzug. Als ich wieder neben Vicky lag, flüsterte sie: „Du hast recht, Tony. Jetzt kann ich nicht weiterschlafen.“

Ich habe es dir gesagt.“

Sie seufzte. „Ja, tut mir leid.“ Sie schmiegte sich an mich. „Wie es Elowar wohl im Moment geht?“

Gut“, antwortete ich. „Hoffe ich.“ Ihre Hand lag auf meiner Brust. Mein Herzschlag beschleunigte allmählich. Ich spürte die angenehme Wärme ihres Körpers und roch den betörenden Duft ihres Haares, und da wir im Moment beide nicht an Schlaf denken konnten...

Hinterher sagte Vicky glücklich und entspannt lächelnd: „Man sollte es nicht eheliche Pflicht, sondern eheliches Vergnügen nennen.“

Ich grinste. „Wo du recht hast, hast du recht.“

*

Linda Sommarström leitete nicht nur die größte PR-Firma des Landes. Sie gehörte ihr auch. Das hatte sie Jan van Vermeer zu verdanken, denn von ihm stammte das Geld, das sie für die Gründung des Unternehmens gebraucht hatte. In nur fünf Jahren war Stiga (Aufstieg) in Schweden zur unangefochtenen Nummer eins geworden, und diese Top-Position konnte der Agentur niemand mehr streitig machen.

Dafür sorgte Linda Sommarström mit allen Mitteln. Selbst vor Erpressung, Entführung und Mord schreckte die schöne Schwedin nicht zurück. Deshalb traute Jan van Vermeer ihr so gut wie alles zu.

Auch die organisierte Einführung und Verteilung des Höllenlichts.

Er betrat den schlanken Stiga -Tower im Herzen der Stadt. Die dunkelhäutige Empfangsdame erkannte ihn sofort. Er war nicht zum ersten Mal hier.

Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, hieß ihn herzlich willkommen und meldete ihn an. Er fuhr mit dem Expresslift bis ganz nach oben, und als er aus der Kabine stieg, kam ihm Linda Sommarström mit ausgebreiteten Armen entgegen. Sie trug ein elegantes eierschalenfarbenes Kleid, das ihre atemberaubende Figur sehenswert umschmeichelte.

Ihr makelloses Gesicht war dezent geschminkt. Ihr schulterlanges Haar glänzte seidig. Sie sah aus wie ein Engel, war aber das genaue Gegenteil und auf dem besten Weg eine Schwarzblütlerin zu werden.

Jan, was für eine freudige Überraschung.“ Sie umarmte und küsste ihn. „Ich hatte keine Ahnung, dass du in Stockholm bist.“

Bin eben erst eingetroffen“, erwiderte der Holländer.

Und dein erster Weg führt dich gleich zu mir. Das ehrt mich.“

Ich bin nur deinetwegen nach Schweden gekommen.“

Das freut mich umso mehr.“

Das Büro war geschmackvoll eingerichtet. Das Panoramafenster erlaubte einen Blick auf den Königspalast. Die attraktive Schwedin zeigte auf eine Sitzgruppe aus weißem Leder und forderte den Niederländer auf, Platz zu nehmen.

Was darf ich dir anbieten?“, erkundigte sich die Stiga -Chefin.

Nichts. Danke. Ich möchte gleich zur Sache kommen.“

Sie setzten sich. Linda schlug die langen, wohlgeformten Beine übereinander. Sie wäre jederzeit bereit gewesen, mit dem gut aussehenden Holländer ins Bett zu gehen, aber er hatte noch nie erkennen lassen, dass er daran interessiert gewesen wäre.

In dieser Hinsicht war er stets sehr reserviert, und sie akzeptierte das, versuchte nicht, sich ihm wie ein billiges Flittchen an den Hals zu werfen. Passierte es, war es gut. Wenn nicht, auch gut. Linda Sommarström musterte den schwarzen Ritter abwartend.

Ich habe eine große Aufgabe für dich“, eröffnete er der Schwedin.

Das freut mich.“

Die Idee stammt von mir“, sagte Jan van Vermeer nicht ohne Stolz. „Ich habe sie mir von Loxagon absegnen lassen. Er ist davon begeistert und hat bereits die nötige Voraussetzung geschaffen.“

Worum geht es?“

Um ein Pendant zum Friedenslicht.“ Jan van Vermeer machte Linda Sommarström mit seiner Idee näher bekannt.

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