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Crux, ein Rätselhafter Planet: SF-Erzählungen

Gerd Maximovic

Crux, ein Rätselhafter Planet: SF-Erzählungen





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

CRUX, EIN RÄTSELHAFTER PLANET

Novellen und Erzählungen

Band 2

von Gerd Maximovic

IN ALTER RECHTSCHREIBUNG

© dieser Digitalausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

CRUX, EIN RÄTSELHAFTER PLANET, NOVELLEN UND ERZÄHLUNGEN (Band 2) by Gerd Maximovič 2014

Cover: Steve Mayer

Der Umfang dieses Ebook entspricht 73 Taschenbuchseiten.

Die Edition Bärenklau bietet in mehreren Bänden die Möglichkeit für den eBook-Leser das breite Schaffen des Autors wiederzuentdecken. In seinen Novellen und Erzählungen spannt sich der Bogen von der ausgebeuteten Erde in den nahen Weltraum, bis in die unendlichen Weltraumtiefen.

Das Ebook beinhaltet folgende Novellen und Erzählungen:

CRUX

DER SCHÖNE McCORMICK

CRUX

Den Namen des Planeten Crux hörte sie zum ersten Mal, als Holbein, ihr Chef bei der galaktischen Administration, Silven ausgerechnet am Abend des dritten Advent anrief. Sie lag mit Paul im Bett und war wie lange nicht geschäftig. Sie ließ es klingeln, bis ihr, da sie schon ein wenig betrunken war, einfiel, daß es ja die Geheimnummer sein mußte und er über den angeschlossenen Detektor leicht sehen konnte, daß sie da sei.

Sie schloß daraus, daß sie nicht voll auf dem Posten war. Der Dienst eines Raumscouts ist anstrengend. Sie wissen, daß es, seit die Menschheit in die umliegenden galaktischen Regionen ausschwärmt, eine Fülle von Fragen gibt, mit denen sich die Mitglieder der Spezialtruppe plagen. Seit wir das Tor zum Universum aufgestoßen haben, erleben wir nicht nur phantastische und atemberaubende Dinge, sondern im Gefolge der Wunder, auf die wir stoßen, scheinen sich uns auch Tatsachen zu enthüllen, die uns zumindest so lange, wie wir sie nicht vollständig durchschauen, beängstigend und ekelhaft vorkommen mögen.

Auch was den Verkehr mit einem menschlichen Partner angeht, so könnte er durchaus aus einer bestimmten Perspektive als ekelhaft erscheinen; doch gilt das nur dann, wenn man nicht selbst aktiv ist oder falsch an ihn herangeht. Sie war also etwas betrunken, als sie den Knopf am Fernsprecher drückte und Holbein ansah.

„Tut mir wirklich leid, Silven“, sagte er, „daß ich Sie um diese Zeit störe. Aber Sie können sich denken, daß etwas Wichtiges vorliegt."

Sie nickte.

Er blätterte unter der Optik in einem Ordner. „Der Name Crux - sagt er Ihnen etwas?"

Sie verneinte.

Er raschelte mit den Papieren, während er brummte: „Entfernung seiner Sonne, G-Typ, etwa fünfzig Lichtjahre. Herausführend aus der Galaxis. Gute Zwischenraumwege. Drei Planeten. Crux, der dritte Planet, ist von ihnen der interessanteste. Fast wie die Erde. Wir haben auf ihm zwei Raumschiffe verloren. Das zweite, der GALILEO, hörte vor einer Woche auf zu senden. Er wurde übrigens nur tätig, weil er zufällig in der Region vorbeikam.

Der ALGREN ist sei drei Wochen verschollen. Wir vermuten ein Unglück. Sie hatten nicht einmal Gelegenheit, die Notsignale zu setzen. Man ist, wegen der vermuteten Schwierigkeit des Falles, an die Spezialtruppe herangetreten.“

"Aber bei fünfzig Lichtjahren brauche ich, gute Winde vorausgesetzt, drei Tage.“

"Zeit genug“, sagte Holbein, „um nach dem rechten zu sehen."

 

Es ist, wie gesagt, etwas anderes, sich eine Sache vorzustellen, wie wenn man sie ausführt. Die Fahrt zu Crux bei guter Strömung, die aus dem galaktischen Zentrum rollte, verlief zügig. Der Planet hatte etwas von einer Versprechung; er hüllte sich, wenn Silven schlief, in einen Zauber, als ob das Rätsel, das wir mitunter im Weltraum erfahren, lebendig wäre. Man verändert sich, wenn man in ein fremdes System eintaucht. Wie die Menschen, mit denen man umgeht, einen Eindruck bewirken, so hinterlassen auch alle Himmelskörper und Kulturen, die wir draußen kennenlernen, ihre Spuren.

Die Papiere, die Silven während der Überfahrt studierte, waren nicht sehr ergiebig. Vom ALGREN hieß es, daß er sich auf einer routinemäßigen Forschungsreise befunden habe und daß Crux nur einer von vielen Planeten auf seinem Weg war (und zwar ein unbedeutender Abstecher, von dem man sich wenig versprochen hatte). Es war lediglich verzeichnet, daß die periodischen Signale vom ALGREN nach etwa zwei Tagen verstummten. Was Erdkontrolle aufregte, war, daß auch der Empfangsteil, mit dem man ein Raumschiff über beliebige Distanzen anrufen konnte, blockierte.

Der GALILEO war, da man ihn gezielt und Komplikationen erwartend eingesetzt hatte, von vornherein vorsichtig an die Welt herangegangen. In den Protokollen fand sich der ausdrückliche Hinweis, daß man den Fehler des ALGREN (vermutlich meinte man eine gewisse Sorglosigkeit) nicht wiederholen wolle. Nach der Beschreibung Castors, des Kapitäns des GALILEO, schwebte Crux schimmernd im Raume. Er habe etwas, meinte er an einer Stelle poetisch, von einer grünäugigen Frau an sich, die sich der Männer bediente, um ihren Vorteil zu wahren.

Silven sann eine Weile darüber, welche Erfahrungen Castor wohl in seinem Leben gemacht hatte, daß er zu einem solchen Schluß kam. Sie glaubte den Planeten nach den Informationen schon recht gut zu kennen - seine atembare Atmosphäre, die angenehme Schwerkraft, den Dschungel und die Wüsten; den gigantischen Ozean, der vier Fünftel seiner Oberfläche einnahm.

Noch in den Schlaf (nach einer Partie Rommee) verfolgten sie Castors Worte: „Ich glaube, daß unsere Welt ein wenig krank ist. Wir sind mit Mißtrauen geboren, und mißtrauisch werden wir sterben. Ich glaube nicht, daß diese Haltung dem Universum gegenüber gesund ist. Wir sollten anders an die Sterne herangehen. Ich bin mir dieser These jetzt, da wir Crux umkreisen, sicher. Früher hatte der Verstand für mich immer Vorrang. Jetzt träume ich manchmal von weißen Kerzen, die auf einem Altar brennen. Ich meine, daß wir Menschen und andere Formen uns unbefangen zusammenschließen müssen. Es soll Schluß sein mit dem Kampf und Krieg, wie wir ihn von der Erde her kennen.“

Wenige Minuten vor der Landung sprach er mit lallender Stimme (er räumte ein, sie hätten etwas getrunken; auch die Worte des ersten Navigators, der sich einmal meldete, klangen so). "Wir hatten immer das Bedürfnis, den ewigen Frieden suchen zu müssen. Einen Menschen, eine Person, ja, jetzt möchte ich sagen, eine Daseinsform, mit der wir auskommen könnten. Jemand oder etwas, an dessen Schulter wir uns anzulehnen wagen dürften. Wie gerne möchte ich mich treiben lassen. An dem Punkt, wo ich jetzt stehe, ist der endlose Kampf und die Aufregung sinnlos. Was gewinnt die Menschheit, wenn sie die Sterne erobert? Das einzige, was wir wissen mußten, ist, daß es dort draußen gut ist.“

Etwa fünf Minuten nach der Landung: "Wir haben die Bordapotheke geplündert. Doktor Carlisle gab Ratschläge, welche Medikamente in bestimmten Fällen wirken. Ich habe einen außerordentlichen Appetit auf alle Mittel, die das Fleisch erhalten. Jemand sagte im Scherz, daß man auf diese Weise Schweinshälften frisch einpökelt. Ein anderer meinte, daß man so den Nährstoff aufbläht. Das Präparat wäre, um Lebensmittel zu konditionieren, auf der Erde längst verboten.“

"Ich war hart in meinem Leben", waren seine letzten Bemerkungen. "Ich habe gemacht, was immer ich für nötig hielt, um meine Aufgabe und Pflicht zu erfüllen. Ich habe nie eine Alternative dazu gesehen. Ich bin froh, daß diese Zeit vorbei ist. Wir dürfen uns glücklich schätzen, daß jetzt der Freund da ist. Er macht nicht viele Worte. Aber wir wissen, daß es gut so ist. Man muß die Dinge in sich hereinlassen. Der Glaube verändert. Der Verstand hat uns verdorben. Wer religiös ist, braucht nicht zu denken.“

 

Manche Menschen, sofern man sie nur ansieht, scheinen einen trügerischen Scharm zu entfalten. Den besten Eindruck gewinnt man, wenn man ihnen zum ersten Mal begegnet, wenn sie sich also noch nicht auf uns einstellen und ihre Fäden ziehen konnten. Im Gesicht auch eines jeden anderen intelligenten Wesens ist seine gesamte Vergangenheit eingegraben. Die Haltung entspricht seiner ganzen Veranlagung. Zudem ist man manchmal, wenn man auf andere Leute zugeht, auf eine solche Höchstleistung geschaltet, daß die Beschaffenheit des Gegenübers geradezu auf einen zufließt.

Würde man diesen Maßstab, den Silven in einem Buch gelesen hatte, auf Crux angewendet haben, so hätte sie besser die Finger von diesem Planeten gelassen. Aber das ging nicht, schon darum nicht, weil sie nicht wußte, was sie irritierte. Tatsächlich erschien ihnen die Welt, als sie mit einem grünen Schimmer durch den Raum rollte, von weißen Wolkenbändern umgeben, in einem trügerischen Glanze, ein wenig schillernd, so daß ihn das Auge nicht wirklich festhielt.

Aber das sind Märchen. Die dummen Empfindungen, dachte Silven, die man uns Frauen zuschreibt, weil wir angeblich emotionaler sind als Männer, als gäbe es nicht solche und solche unter beiden Geschlechtern und als wäre nicht erst die Mischung aus der Kraft des Mannes und der Sensibilität der Frau das, was die wirkliche Person hervorbringt. Sie las die Daten, die der Computer über den Planeten ausspuckte, während das Schiff näher glitt.

Sie hatten überschlagen, wie dicht sie an Crux herangehen sollten; sie wußten nicht, wovon die Gefahr ausging; es wäre also möglich gewesen, daß sie auch bereits in die Ferne wirkte; sie vermaßen das Magnetfeld; da ihnen nichts Beunruhigendes auffiel, erlaubten sie sich zumindest den Orbit. Schon während der ersten Umrundung empfingen sie die Wärmestrahlung des GALILEO und - wenig später - die etwas schwächere des ALGREN. Beide Schiffe lagen im Dschungel, an einem Flußlauf, und die Fotos, aus der Kreisbahn geschossen, zeigten, daß jedes von ihnen völlig unversehrt sein mußte, ohne aber einen Hinweis auf Menschen zu verraten.

Es gab keine Anzeichen intelligenten Lebens. Sie durchforschten den Leib des Planeten, fächerten ihre Bahn um ihn, bis sie jegliche Oberflächenformation ertastet hatten, aber sie fanden - von einer reichhaltigen Tierwelt abgesehen - nichts, womit sie Kontakt hätten aufnehmen, nichts, das ihnen auf den ersten Blick hätte gefährlich werden können.

Silven sagte, an diesem Punkte angekommen: "Ich nehme an, daß die Leute vom ALGREN und vom GALILEO ebenso wie wir gedacht haben. Wir werden also zunächst abwarten, welche Ergebnisse eine Robotexpedition zutage fördert. Dann gehe ich hinunter, falls sie keine Anzeichen einer Gefahr entdeckt. Anschließend sehen wir weiter. Einverstanden?"

 

Der Beobachter schien ein wenig zu wackeln, als er aus der Luke austrat. Er wirkte fast unschlüssig, wohin er sich wenden solle. Er war wie ein Neugeborenes, soeben den schützenden Leib der Mutter verlassend und nach einer Orientierung draußen suchend. Dann hatte der Infrarotstrahl gezündet, und das Geschoß fiel in die Tiefe, zielstrebig wie ein Rochen, der durch das Meer zieht; schon Sekunden später glühte er in der Atmosphäre des Crux-Planeten.

A

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