Logo weiterlesen.de
Crissa Stone Bundle - Vol. 1

Wallace Stroby

KALTER
SCHUSS
INS HERZ

Aus dem Amerikanischen übersetzt
und mit einem Nachwort von Alf Mayer

PENDRAGON

„Es gibt gar keine moralischen Phänomene, sondern nur
eine moralische Ausdeutung von Phänomenen.“

„Jenseits von Gut und Böse“, Friedrich Nietzsche

„Merk dir das bis zu deinem Sterbetag, Kid,
das einzige Verbrechen auf der Welt ist es, pleite zu sein.“

„Oklahoma“ Smith, zitiert nach John Seybold

Willkommen in der Welt von Crissa Stone

„Kalter Schuss ins Herz“ alias „Cold Shot to the Heart“ begann als mein Versuch, jenen Klassikern der Kriminalliteratur Tribut zu zollen, deren Werke ich in den mich prägenden Jahren so geliebt hatte. Schriftsteller wie Dashiell Hammett, Donald E. Westlake/Richard Stark, Lawrence Block, Dan J. Marlowe, John D. Mac-Donald und andere.

In meinem vorangegangenen Roman „Gone ‚til November“ hatte ich eine Hälfte aus der Sicht eines alternden Auftragskillers aus Newark, New Jersey, geschrieben. In einer Provinzstadt in Florida gerät er mit einem weiblichen Hilfssheriff in einen tödlichen Konflikt, als er sich das Geld aus einem schiefgelaufenen Drogendeal holen will. Sara Cross, die Heldin dieses Romans, war die einzige Frau in einer durchweg männlich besetzten Polizeistation. Ich mochte die Idee einer starken, aber verletzlichen Frau, die sich in einer Männerwelt behauptet.

Meinen vierten Roman wollte ich dann ausschließlich aus der Sicht eines Berufsverbrechers schreiben (wie viele meiner Lieblingsautoren das getan hatten). Daraus wurde eine professionelle Diebin namens Crissa Stone. Sie würde gewissermaßen eine Anti-Sara-Cross sein – deswegen die umgekehrten Initialen –, aber auch sie würde in einem männlichen Umfeld zu überleben versuchen, in diesem Fall in der Welt des Verbrechens.

Diese Entscheidung erlaubte es mir, über eine Hommage hinaus zu etwas Originärerem zu gelangen. Anders als bei den traditionell männlichen einsamen Wölfen, den Protagonisten der Hardboiled-Literatur, wollte ich, dass Crissa Beziehungen hat, dass sie Bündnisse eingeht, dass die Ereignisse ihre Spuren hinterlassen und dass sie nur im äußersten Fall zu Gewalt als Lösung greift.

In „Kalter Schuss ins Herz“ braucht Crissa viel Geld, um ihren Lover und Mentor aus einem texanischen Gefängnis zu holen. Das bringt die eigentlich vorsichtige Crissa dazu, bei einem Job einzusteigen, den sie normalerweise vermeiden würde. Crissa ist seitdem übrigens ganz schön herumgekommen. In ihrem zweiten Buch, „Raub um Mitternacht“ („Kings of Midnight“) gerät sie an einen Mafioso alter Schule, in „Shoot the Woman First“ an einen Detroiter Drogendealer und einen korrupten Cop, im jüngsten Roman, „The Devil’s Share“, an Kunstschätze aus dem Irak und ein Killer-Team von Ex-Soldaten.

Ich hoffe, dass Ihnen dieses erste Abenteuer mit Crissa Stone gefällt (das Alf Mayer so trefflich und lakonisch übersetzt hat), und dass Sie mit ihr auf der Reise bleiben.

Crissa ist etwas ganz Besonderes. So viel Geld, das es zu stehlen gilt, und so wenig Zeit …

Wallace Stroby

1

Drei Minuten nachdem sie durch den Haupteingang gekommen war, hatte Crissa den Manager und die zwei Angestellten mit den Gesichtern auf dem Boden, die Hände mit Kabelbindern auf den Rücken gefesselt.

Sie nahm ihnen ihre Waffen ab – stupsnäsige Revolver in Gürtelholstern – und warf sie in den Abfalleimer an der Wand. Alle drei hatten sie offen getragen, aber nicht versucht, an sie heranzukommen. Sie hatte die Glock in der Hand gehabt, war schnell um den Schalter herum, hatte auf den Boden gedeutet. Ohne Protest waren sie auf die Knie gegangen, die Hände hinter dem Kopf. Sie wussten, wie so etwas lief. Ihr Leben war ihnen mehr wert als das Geld.

Sie steckte die Glock weg, ging zurück und sperrte den Eingang zu. Regen schlug schräg aus dem grauen Himmel, lief das verspiegelte Fenster hinunter. Erst 16:00 Uhr, aber schon beinahe Nacht. Sie hatten das Neonschild angemacht.

SCHECKWECHSEL BARGELD ÜBERWEISUNGEN ZAHLTAGKREDITE. Sie betätigte einen Wandschalter und das Schild summte, wurde dunkel. Sie drehte das altmodische Türschild auf GESCHLOSSEN.

Die Männer hatten sich nicht gerührt, als sie zurück hinter den Tresen kam. Alle drei waren sie Latinos, seiner älter und grauer. Der Manager. Sie lagen still, warteten darauf, dass es vorbei war.

Sie ging ins Hinterzimmer – Tisch, Archivschränke, ein großer grüner Honeywell-Safe. Die Safetür stand offen, wie erwartet. Die Bürobeleuchtung ging aus, der Computer auf dem Tisch summte und starb.

Sie lauschte an der eisernen Feuertür, hörte draußen in der Straße das Geräusch eines Autos. Zwei Mal schlug sie mit behandschuhten Knöcheln an die Tür. Nach einer Weile kam ein einzelnes Antwortklopfen zurück. Sie legte ihre Hand auf den Alarmriegel, hielt inne. Wenn die Hintertür mit einem eigenen Unterbrecher verbunden war – einem, den sie nicht gefunden hatten –, gab es Probleme.

Sie atmete durch und drückte auf den Riegel. Das Schloss klickte, die Tür schwang auf. Charlie Glass türmte sich im Regen auf, in einem grauen Trenchcoat wie dem ihren, die Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen. Sie trat beiseite, um ihn einzulassen, sah den Toyota-Geländewagen in der Straße, die Scheibenwischer eingeschaltet, die Ladetür offen, Smitty am Lenkrad.

Glass kniete vor dem Safe, wortlos, nahm eine Leinentasche aus seinem Mantel und schlug sie auf.

Sie ging nach vorn, wo die Männer lagen. Einer der Angestellten hob den Kopf vom Boden, um sie anzuschauen. Der Manager zischte ihn an.

„Silencio“, sagte sie. „No se mueva.“

Sie ging zum Fenster, schaute hinaus. Der Regen prasselte heftig, stob vom Gehsteig hoch. Niemand da draußen unterwegs. Autos rasten vorbei, die Scheinwerfer an.

Ein kurzer Pfiff von hinten. Sie sagte „Relájese. Es casi sobre“zu den Männern auf dem Boden und ging wieder ins Hinterzimmer.

Die Tasche lag geöffnet auf dem Tisch, halb mit Geldbündeln gefüllt. Glass war dabei, den DVD-Rekorder auf dem Regal mit dem Schraubenzieher zu öffnen. Er wurde von drei Überwachungskameras gespeist, zwei vorne, die andere hier hinten. Sie schaute sich um, sah den zweiten Rekorder auf einem anderen Regal, in der entgegengesetzten Ecke, nahe überm Boden. Er war ihr beim ersten Mal entgangen.

„Reserve“, deutete sie. Er nickte, nahm die Scheibe aus dem geöffneten Schacht. Während er sich an den zweiten machte, begann sie, die Schubladen zu öffnen. Die dritte war voll silberner DVDs in schmalen Plastikhüllen, mit schwarzem Stift datiert.

„Hab sie“, sagte sie. Sie war vor einer Woche in diesem Laden gewesen, würde auf dem entsprechenden Überwachungsvideo zu sehen sein. Sie nahm alle an sich, um sicher zu sein, warf sie in die Tasche, über das Geld. Er steckte die anderen beiden Disks dazu, zog sie zu, warf sie sich über die Schulter.

Hinaus in den Regen. Glass verstaute die Tasche hinten im SUV, stieg dazu und zog die Kofferraumtür hinter sich zu. Sie ging um das Fahrzeug herum zur Beifahrertür, stieg ein. Smitty fuhr los, ohne ein Wort zu sagen. Am Ende der Straße schaltete er die Scheinwerfer ein, bog nach links in die Straße ab.

„Irgendwelche Probleme?“

„Nein.“ Sie nahm die lange dunkle Perücke ab, legte sie sorgfältig zusammen, steckte sie in den schwarzen Müllsack zu ihren Füßen. Sie klappte den Sonnenschutz herunter, schaute in den Spiegel, fuhr sich durch ihr kurzgeschnittenes Haar, wo die Perücke es glatt gedrückt hatte.

Sie waren auf einer befahrenen Straße, früher Stoßverkehr, durch den Regen etwas verlangsamt. Smitty hielt an einer roten Ampel, sie saßen da, das Klicken der Scheibenwischer der einzige Laut. Er begann mit kurzen behandschuhten Fingern aufs Lenkrad zu klopfen, sah zur Ampel hoch. Er war Mechaniker, hatte den Geländewagen am Vortag auf dem Langzeitparkplatz am Flughafen gestohlen. Der Diebstahl war vermutlich bis jetzt noch nicht entdeckt worden, aber sie war sich des Risikos bewusst, dieses Fenster an Blöße, bis sie sich wieder in Sicherheit befanden.

Sie schaute nach hinten. Glass lag unter einer Decke, die Tasche ebenfalls außer Sicht. Er war schwarz, glatzköpfig und über einsneunzig groß, schwer zu übersehen. Er würde außer Sicht bleiben, bis sie die Stadt hinter sich hatten.

„Alles klar?“, fragte sie.

„Yoh.“

„Dauert noch ein wenig.“

Als die Ampel umsprang, fuhren sie einen Block weit, bogen dann zur großen gelben Brücke ein, die den Monongahela überspannte. Ein Frachtkahn tuckerte tief unter ihnen, Schaum sprudelte hinter ihm her. Regen fegte über die Wasseroberfläche.

Sie ließ ihr Seitenfenster halb hinunter, fühlte den nassen Wind auf ihrem Gesicht, nahm ihren ersten tiefen Atemzug, seit sie den Laden betreten hatte. Sie ließ ihn langsam wieder heraus, schloss ihre Augen, zwang ihren Herzschlag langsamer zu werden.

„Mann, muss ich pissen“, sagte Smitty.

Als sie ihre Augen nach einer Weile öffnete, waren sie in den Hügeln, Bäume auf beiden Seiten der Straße. Sie bewegte ihren Nacken, um die Steife loszuwerden, stellte die Lüftung so ein, dass die Wärme direkt auf ihre Füße blies.

„Ich meine, richtig pissen“, sagte Smitty.

Fünf Minuten später bogen sie zur Tankstelle ein, hielten an der zerplatzten Betoninsel, wo einst die Zapfsäulen gestanden hatten. Sie stieg aus, der Wind zerrte an ihr. Sie ging zu den geschlossenen Rolltoren, griff an dem rechtsseitigen Tor nach unten, zog es bis zu ihrer Brust hoch und duckte sich darunter.

Innen war alles, wie sie es verlassen hatten. Ihr gemieteter Taurus und der Acura von Glass standen nebeneinander in der anderen Bucht, Nasen in Richtung Ausfahrt. Sie schob das Tor ganz hoch, trat zur Seite, als Smitty einfuhr. Während er den Motor abstellte, griff sie die Halterung und nutzte ihr Gewicht, um das Tor zuzuziehen.

Smitty ließ die Scheinwerfer an, stieg aus. Er hatte diesen Platz gefunden, die Tankstelle war seit Jahren verlassen, Hubbühnen und Lifte verschwunden, nur rostige Teile und alte Reifen zurückgeblieben. Sie öffnete die hintere Tür, Glass stieg aus, die Tasche dabei. Smitty ging an die hinterste Wand, öffnete seine Hose und begann, laut gegen den Beton zu urinieren.

Glass hob die Tasche auf den Kühler.

„Lasst uns reinschauen“, sagte sie.

Er räumte die DVDs beiseite und sie zählten das Geld, teilten es auf, schichteten die Bündel auf dem noch warmen Kühler auf. Smitty kam zurück, zog sich die Hose zu.

„Vierundneunzigfünf “, sagte sie, als sie fertig waren.

„Ich hab dasselbe“, sagte Glass. „Scheiße.“

„Vierundneunzig?“, fragte Smitty. „Bist du sicher? Ich dachte, wir reden von knapp dreihundert?“

„So wurde es mir gesagt“, meinte Glass. „Keine Ahnung, was da passiert ist.“

Crissa sah auf das Geld. Einunddreißigfünf pro Anteil. Kaum die Arbeit wert. Kein Wunder, dass sie es so leicht hergegeben hatten.

„Ich habe schon geahnt, dass es keine dreihundert sind, als ich es aus dem Safe zog“, sagte Glass, „wollte aber nichts sagen, bis wir es gezählt hatten. Sie müssen in der Nacht davor was von dem Geld weggeschafft haben.“

„Oder sie hatten irgendwo noch einen anderen Safe“, sagte sie, „und wir haben ihn übersehen.“

„Verdammt“, sagte Smitty.

„Ein Freitag“, meinte Glass. „Sie hätten im Geld schwimmen müssen. Ich muss meinen Typen kontaktieren, herausfinden, was da passiert ist.“

„Spar es dir“, sagte sie. „Wir gehen nicht zurück.“

„Verdammt“, sagte Smitty wieder.

„Vergiss es“, sagte sie. „Lass uns aufbrechen.“

Sie zerlegte die Glock, warf die Teile in ein offenes Altölfass, das an der Wand stand, schaute zu, wie sie versanken. Es war die einzige Waffe, die jemand von ihnen dabei gehabt hatte.

Glass war dabei, das Geld in drei Stapel zu teilen, hatte Gummibänder für die losen Scheine parat. Sie öffnete den Kofferraum des Taurus, nahm eine Reisetasche heraus. Glass hatte seinen eigenen Koffer aus dem Acura geholt und öffnete ihn auf dem Boden. Er begann ihn mit dem Geld zu füllen. Smitty studierte immer noch seinen Anteil auf dem Kühler.

„Zähle es, so oft du willst“, sagte sie, „es wird nicht mehr. Läuft manchmal so. Nichts dabei.“

Sie verstaute ihren Anteil in der Reisetasche, zog sie zu, trug sie zum Taurus zurück, wo sie neben einem anderen Koffer Platz fand. Gefaltet daneben lag ihre Lederjacke. Sie zog den Trenchcoat aus, legte ihn ab, zog das Leder an und schloss den Deckel.

„Es lief nicht, wie wir es geplant hatten“, sagte sie, „aber es war gute Arbeit. Von euch beiden.“

Smitty steckte sein Geld in einen Leinensportsack. Glass verstaute seinen Koffer im Acura.

„Das lief schief “, sagte er, „und das geht auf mich. Aber es ist kein schlechtes Ding, das wir da laufen haben.“

Sie schaute ihn an.

„Du, wie du vorne reingehst, unschuldig und alles“, meinte er. „Alles ist unter Kontrolle, bevor die noch wissen, was da passiert. Wenn du in der Gegend bleibst, können wir einiges an Arbeit tun.“

Sie schüttelte ihren Kopf.

„Du brichst da eine gute Strähne ab“, sagte er.

„Ein anderes Mal.“

Sie fand einen rostigen Bremsschuh, holte die Tüte mit der Perücke. Stopfte den Bremsschuh hinein, knotete die Tüte zu und versenkte sie im Altöl.

„Ich nehme die Disks mit“, sagte Glass, „verbrenne sie.“

„Gut.“

Wind schlug gegen die Rolltore. Smitty hatte den Sportsack hinter einen leeren Werkzeugschrank gezwängt und stapelte Reifen dagegen. Er würde den SUV irgendwo in der Stadt stehen lassen, Schlüssel im Zündschloss, und dann für das Geld zurückkommen. Er vertraute ihnen genug, um es vor ihren Augen zu verstecken. Er und Glass waren Hiesige. Wenn einer vom anderen stahl, würde das früher oder später geregelt werden. Ihre Welt war zu klein.

„Ich denke, das war’s“, sagte sie. „Wir sehen uns irgendwo.“

Glass ging zum anderen Rolltor, entriegelte es, begann es hochzuziehen. Sie stieg in den Taurus, ließ ihn an. Als die Tür hochging, erwartete sie Polizeiautos zu sehen, Blaulichter, Männer mit Waffen.

Der Hof war leer. Bäume bogen sich im Wind.

Als sie hinausfuhr, trat er beiseite. Sie stellte Wischer und Scheinwerfer an, steuerte aus dem Hof und auf die Straße.

Zwei Meilen weiter bog sie auf einen Lkw-Rastplatz gegenüber der Interstate-Auffahrt, hielt neben einem grünen Müllcontainer. Sie entriegelte den Kofferraum und stieg aus, der Regen prasselte im grauen Zwielicht. Sie knüllte den Trenchcoat zusammen, warf ihn durch den offenen Müllschlitz, setzte sich wieder hinter das Lenkrad. Dann fuhr sie vom Parkplatz ab, quer über die Straße, zur Auffahrt, fuhr nach Osten.

Eine halbe Stunde außerhalb von Pittsburgh verwandelte der Regen sich in Schnee. Sie war jetzt in den Bergen, auf kurvigen Straßen, die durch trockene Tunnel führten und dann wieder hinaus ins Wetter. Auch der Wind wurde schlimmer. Zwei Mal fühlte sie den Taurus auf dem nassen Asphalt abschmieren. Der Schnee kam fast horizontal, schon so viel auf der Straße, dass sie die Mittellinie nicht mehr sehen konnte. Zu ihrer Linken eine hohe Felswand, zu ihrer Rechten eine niedrige Leitplanke und ein langer Weg hinunter zu den Bäumen.

Die Wischer arbeiteten, das Eis verkrustete die Blätter. Ihre Finger schlossen sich fester ums Lenkrad. Sie hatte von dem aufziehenden Sturm gewusst, hatte ihm zu entkommen gehofft, wollte aus den Bergen heraus sein, bevor es ernst wurde. Jetzt, mit Schnee auf der Straße und sechs Stunden Fahrt vor ihr, konnte sie spüren, wie die Spannung in Rücken und Nacken zunahm.

Aus einem Tunnel heraus in einer Geraden bergab, brach das Heck des Taurus hinten nach links aus, rutschte auf die Gegenfahrbahn. Sie lenkte gegen, bremste und beschleunigte erneut, bis der Wagen wieder in der Spur war. Langsam stieß sie ihren Atem aus, ihre Hände feucht in den Handschuhen.

Die Windschutzscheibe beschlug, deshalb stellte sie die Klimaanlage auf HOCH. Die Scheiben wurden frei. Kein Gegenverkehr seit mehr als fünf Minuten. Der Sturm hielt sie alle zu Hause.

Sie fühlte, wie der Wind gegen den Wagen drückte, wie die Räder wieder rutschten. Vor ihr legte sich die Straße in eine Kurve und ein weiterer Tunnel öffnete sich. Beleuchtung drinnen, gekachelte Wände. Ihre Anspannung ließ nach, als sie fühlte, dass die Reifen auf dem trockenen Belag griffen. Der Tunnel schien ewig lang zu sein. Auf der anderen Seite war es dunkel wie die Nacht, in den Lichtkegeln wirbelte Schnee.

Die Tachonadel hing bei fünfunddreißig, als sie den Aussichtspunkt passierte und das braun-weiße Polizeiauto sah, das dort parkte. Sie ging auf dreißig herunter, sah in den Rückspiegel, sah den Wagen herausziehen, der Lichtbalken an.

Sie beobachtete ihn, wie er näher kam, warte darauf, dass er ausscherte und vorbeifuhr. Er hing im Rückspiegel, bemalte den Innenraum des Taurus rot, blau und gelb. Dann kurz die Sirene. Sie blinkte, bremste und fuhr an den Straßenrand, fühlte den Schnee unter den Reifen knirschen.

Der Wagen fuhr schräg an sie heran. Zwei Gestalten drin. Sie dachte an das Geld im Kofferraum. Nichts zu machen. Keine Fluchtmöglichkeit.

Sie machte ihr Warnlicht an, legte beide Hände oben auf das Lenkrad.

Sie ließen sie warten, während sie das Kennzeichen überprüften. Sie sah ihnen im Rückspiegel zu, der Fahrer an seinem Sprechgerät. Wind rüttelte am Taurus. Dann öffneten beide ihre Türen, stiegen aus – gelbe Regenjacken. Smokey-der-Bär-Hüte mit Plastikschutz. Staatspolizei. Sie sah sie näher kommen, jeder auf seiner Seite, die Köpfe gegen den Wind gesenkt. Der Fahrer hatte seine Jacke geöffnet. Seine Hand lag auf der gehalfterten Waffe.

Als er ihr Fenster erreichte, machte er eine rollende Bewegung mit seiner linken Hand. Der zweite Trooper stöberte mit dem Strahl seiner Taschenlampe auf dem Rücksitz.

Sie ließ ihre Seitenscheibe herunter. Der Polizist war jung, gedrungener Hals, die schusssichere Weste beulte sein Uniformhemd aus.

„Führerschein, Zulassung und Versicherungsschein bitte.“

„Es ist ein Mietwagen“, sagte sie. „Moment, ich hab den Vertrag.“

Sie löste ihren Gurt, knipste das Innenlicht an, lehnte sich über den Sitz, öffnete das Handschuhfach. Der Strahl der Taschenlampe wanderte über den Beifahrersitz, verharrte auf ihr. Sie holte den gelben Vertrag heraus, griff dann in eine Manteltasche wegen ihrer Brieftasche. Der Fahrer trat einen Schritt zurück, die Hand an der Waffe.

Sie kramte in ihrer Geldbörse, zog den beschichteten Connecticut-Führerschein heraus, der bekundete, dass ihr Name Roberta Summersfield sei, der gleiche Name wie auf dem Mietvertrag.

Ohne ein Wort zu sagen, nahm er Führerschein und Vertrag, schaute kurz darauf, ging zum Einsatzwagen zurück. Der andere Polizist umkreiste den Taurus, leuchtete mit der Taschenlampe die Karosserie entlang.

Sie legte ihre Hände flach aufs Lenkrad, damit sie nicht zitterten. Im Rückspiegel konnte sie den Fahrer sehen, wieder am Mikrofon. Der andere Polizist beobachtete sie durch die Windschutzscheibe. Ausdruckslos. Schnee trieb durch das offene Fenster, hing an der Innenseite der Tür, am Kragen ihrer Jacke. Schmolz.

Der Fahrer stieg wieder aus, kam an ihr Fenster, Führerschein und Mietvertrag in seiner linken Hand, die Rechte an seiner Waffe.

„Wohin soll es gehen, Ma’am?“

„Nach Hause. Waterbury.“

„Wo kommen Sie her?“

„Pittsburgh. Dienstreise.“

Er nickte, gab ihr die Dokumente zurück, schaute zum anderen. Er knipste die Taschenlampe aus, schüttelte seinen Kopf.

„Wir hatten eine Fahrerflucht auf dieser Straße“, sagte der Fahrer. „Wir überprüfen alle Fahrzeuge, auf die die Beschreibung passt.“

Sie steckte den Führerschein zurück.

„Sie aber haben größere Probleme“, sagte er.

Sie schaute ihn an. Der andere Trooper hatte sich nicht bewegt.

„Welche denn?“, fragte sie.

„Es wird fast die ganze Nacht schneien, an die fünfundzwanzig bis dreißig Zentimeter. Wir werden einige Straßen sperren. Mit einem so weiten Weg wie Sie ihn haben, empfehle ich Ihnen dringend, an der nächsten Ausfahrt abzufahren – das wird Salisbury sein – und ein Motel zu nehmen. Bis zum Morgen sollten die Straßen wieder frei sein.“

„Danke, das werde ich tun“, sagte sie. Sie legte den Vertrag ins Handschuhfach zurück, klappte es zu, atmete wieder. „Ich bin eh ein wenig nervös geworden, hier draußen.“

„Halbe Meile, auf Ihrer Rechten. Es ist eine abschüssige Ausfahrt, seien Sie vorsichtig. Gute Nacht dann.“ Er berührte seine Mütze.

„Werde ich haben“, sagte sie.

Sie sah sie zum Streifenwagen zurückgehen, einsteigen. Sie wendeten, das Blaulicht immer noch an, fuhren in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Sie beobachtete die Lichter, bis sie aus dem Rückspiegel verschwanden.

Als sie sich wieder fahrtüchtig fühlte, ließ sie die Scheibe hoch, steuerte auf die Straße zurück und fuhr in den Sturm.

2

Das Motel war ein Days Inn direkt am Highway, der Parkplatz fast voll. Schnee trieb an den Lichtmasten vorbei. Sie checkte als Roberta Summersfield ein, benutzte die auf diesen Namen ausgestellte Kreditkarte.

Das Zimmer lag im ersten Stock. Sie trug ihre Taschen hoch und war zwei Minuten später in der Dusche, ihre Kleidungsstücke auf dem Badezimmerboden verstreut. Das Wasser wurde schnell heiß. Sie duckte sich unter den Duschkopf, um den Wasserstrahl auf ihre angespannten Nackenmuskeln prasseln zu lassen. Die Hitze begann allmählich ihre Schultern zu lockern, die Anspannung in ihrer Kopfhaut.

Als sie fertig war, trocknete sie sich ab, zog Rollkragenpullover und Jeans an. Die Tasche mit dem Geld stellte sie oben in den Schrank.

Zwanzig Minuten später saß sie an der Hotelbar, ein Glas Rotwein und die Reste eines Hamburgers vor sich. Es war ihr erstes Essen seit dem Morgen.

An einem Tisch zu ihrer Linken saßen drei Geschäftsleute in den Vierzigern – Anzugjacken, Krawatten gelockert, sie alle übergewichtig. Sie sahen immer wieder zu ihr her, und sie wusste, dass sie Thema am Tisch war. Sie wusste auch, dass keiner von ihnen den Mut aufbringen würde, sie anzusprechen. Das würde ihr den Aufwand ersparen, sie abblitzen zu lassen falls sie es täten.

Ein Großbildschirm lief über der Bar, irgendeine ihr unbekannte lachsalvenorientierte Sitcom. Die Barfrau räumte das Geschirr ab, deutete auf das leere Weinglas. „Bitte“, sagte Crissa, und die Barfrau zog ein neues Glas aus dem Regal, schenkte aus der Flasche ein.

Um zehn gab es Nachrichten. Aufmacher war der Sturm, aber fünf Minuten später kamen sie zu dem Überfall. Eine junge Reporterin stand vor dem verdunkelten Laden, ins helle Licht der Kamerascheinwerfer getaucht, Schneegeglitzer, das gelbe Polizeiabsperrband hinter ihr.

Warum da jetzt jemanden hinausschicken, dachte Crissa. Ist doch alles vorbei.

Als die Reporterin sagte, dass die Räuber mit zweihunderttausend Dollar Bargeld entkommen waren, sagte Crissa „Blödsinn“.

Die Barfrau drehte sich um. „Was ist, Süße?“

Crissa schüttelte den Kopf. Die Barfrau schaute wieder auf den Bildschirm. Inzwischen waren sie beim Sport.

Jeder betrügt, dachte Crissa. Auf die eine oder andere Art. Wie Wayne gerne sagte: Nichts ist im Lot, wenn die Welt rund ist.

Sie spürte den Wein, den Nachhall des Adrenalins vom Tage, die Anspannung der Woche. So läuft es manchmal, hatte sie Smitty gesagt, und es war richtig, aber es trug nicht dazu bei, sich besser zu fühlen. Fünfunddreißig pro Nase war all die Vorbereitungen nicht wert, die sie hineingesteckt hatten, all die Risiken, die sie eingegangen waren. Es würde kaum für die Miete dieses Jahres reichen. Einen Teil davon würde sie eh zur Seite legen. Tortola, vielleicht, oder Green Turtle Cay in den Abacos. Ein Weihnachtsgeschenk für sie selber.

Es war zur Gewohnheit geworden. Ein paar Monate Normalität. Entspannung. Das Geld würde zur gleichen Zeit knapper werden wie die Langeweile zunahm. Sie würde auf eine Nachricht warten, einen Anruf aus Kansas City oder St. Louis oder Phoenix oder einem Dutzend anderer Städte. Sie würde sich anhören, was sie zu sagen hatten. Meist wäre sie dann wieder an der Arbeit – und der Kreislauf würde wieder beginnen. Nicht gerade viel an Zukunft, das wusste sie. Aber es war zurzeit das einzige Leben, das sie aushalten konnte.

Es war später Nachmittag, als sie New Jersey erreichte. Sie hatte die Autovermietung von unterwegs angerufen. Als sie den Taurus an der Mietstation in Newark abgab, wartete die Limousine schon. Der Fahrer, ein Sikh, lud ihr Gepäck in den Kofferraum, fragte nach der Adresse und sprach den Rest der Fahrt nicht mehr.

Der Himmel war grau und bewölkt, spuckte Schnee. Als sie die George-Washington-Brücke überquerten, lag die Stadt ausgebreitet vor ihnen. Sie nahmen den West Side Highway zur 125sten Straße, bogen am Broadway Richtung Süden ab. An der 108ten zog er nach links und hielt in der Ladezone vor ihrem Gebäude.

Reynaldo, der Türsteher, kam heraus, um sie zu begrüßen. Sie bezahlte den Fahrer in bar, gab ihm zwanzig Dollar Trinkgeld, hörte, wie der Kofferraum aufging.

Reynaldo hatte bereits ihre Taschen draußen, als sie unter dem Vordach ausstieg, Schnee trieb um sie herum. Er schloss den Deckel, die Limousine fuhr davon.

„Willkommen zurück“, sagte er. „Wie war Ihre Reise?“

„Hätte besser sein können.“

Als sie die Eingangstreppen hinaufgingen, huschte eine Katze aus dem Foyer und bremste vor ihr ab. Sie war tiefschwarz, das linke Ohr kurz, abgekaut und zerfranst. Die Katze sah sie einen Moment an, streifte an ihren Beinen vorbei und huschte auf die Straße.

„Ich weiß nicht, zu wem die gehört“, sagte Reynaldo. „Sie hängt hier schon die ganze Woche herum. Diese Katzen, sie bedeuten mala suerte. Unglück.

„Davon brauche ich nicht noch mehr.“

Er trug die Taschen durch die marmorgeflieste Halle, drückte den Knopf für den Aufzug. Es war warm hier drinnen, die Vorkriegsheizkörper zischten und dröhnten. Sie ging zu den Briefkästen, schloss den für 12C auf. Werbung, Kreditkartenangebote, Verbrauchsabrechnungen.

Als der Aufzug kam, sagte sie: „Von hier ab kann ich übernehmen“, gab ihm einen Fünfer. Sie fuhr zum zwölften Stock hoch, ging den leeren Flur entlang, setzte die Taschen vor ihrer Tür ab. Auf Knien suchte sie nach dem kleinen transparenten Klebestreifen, der die Tür mit dem Fußabstreifer verband. Er war unversehrt. Sie schloss die Tür auf, horchte einen Moment, bevor sie hineinging. In der Küche tickte die Uhr. Sonst war da nichts.

Sie legte die Post auf den Flurtisch, tippte den Alarmcode in die Wandtastatur, ging durch das Apartment, musterte die Räume. Keine Anzeichen, dass irgendjemand hier gewesen wäre, als sie weg war.

Du bist müde und paranoid, dachte sie – und jedes Mal wird es schlimmer.

Sie holte die Taschen herein und sperrte die Tür ab. Zwei Absperrbolzen und ein Polizeiriegel. Im Wohnzimmer drehte sie die Heizung auf, legte ihre Lederjacke ab, ließ sie auf dem Bett. Sie spürte jetzt die Meilen, den aufgestauten Stress der letzten Tage.

Sie war hungrig, aber beinahe alles im Kühlschrank war nicht mehr gut. Sie machte sich ein Sandwich. Truthahnaufschnitt und verwelkter Salat in einer abgestandenen Pita, aß es am Wohnzimmerfenster, sah auf die 108te Straße hinunter, über den Broadway hinaus.

Schnee schlug gegen die Scheiben, blieb auf der Feuertreppe liegen. Die Bar auf der anderen Straßenseite hatte schon für Weihnachten dekoriert, rot und blau blinkende Kerzen über den Neon-Bierreklamen. Ein paar Leute standen draußen, rauchten. Einer nach dem anderen warf seinen Zigarettenstummel in den Schnee und ging wieder hinein, während andere herauskamen, um ihre Plätze einzunehmen.

Jenseits der Straßenecke konnte sie das Dreieck vom Straus Park sehen, wo Broadway und West End Avenue zusammenkamen, das Gras schon schneebedeckt. Ein Obdachloser lag auf einer Bank, eine Decke über sich gezogen, um so viel Schlaf zu kriegen wie nur möglich, bevor die Polizei ihn aufgriff und uptown schickte.

Sie aß das Sandwich zur Hälfte, warf den Rest weg, holte eine Flasche Château d’Arcins Haut-Médoc aus dem Regal über dem Kühlschrank. Machte sie auf, goss sich ein Glas ein, trug es ins Schlafzimmer, fuhr ihren Laptop auf dem Schreibtisch hoch. Sie nippte am Wein, ging auf die Seite der Pittsburgh Post Gazette. Es gab einen Hinweis auf den Raubüberfall, aber nichts, was die Fernsehnachrichten nicht auch gebracht hätten. Die vier Absätze endeten mit einer Crime-Stoppers-Nummer.

Sie klappte den Laptop zu, ging mit dem Glas zurück ins Wohnzimmer. An der Wandanlage schaltete sie das Radio an. Es war bereits auf WQXR eingestellt, die Klassikstation, eine Bach-Cello-Suite füllte den Raum. Es war ein Stück, das sie erkannte, aber nicht beim Namen wusste.

Im Schneidersitz auf dem Hartholzboden sitzend, zog sie die Reisetasche auf, schüttete das Geld heraus. Sie trank den Wein und zählte es erneut. Einunddreißigtausendfünfhundert. Kein Dollar mehr. Viel Risiko für einen kleinen Lohn.

Es schneite jetzt heftiger, der Wind wirbelte den Schnee im Straßenlicht herum. Sie packte das Geld in die Tasche zurück, zog sie zu, holte die Flasche aus der Küche.

Sie löschte alles Licht im Apartment, saß auf dem Futon, die Beine unter sich gezogen, die Flasche auf dem Boden. Die Lichter von der anderen Straßenseite erhellten das Zimmer in blinkendem Blau und Rot. Es war jetzt wärmer hier drinnen, die Heizkörper arbeiteten, die vertrauten Geräusche von Zuhause.

Allein in der Finsternis trank sie ihren Wein und beobachtete den Schnee.

3

Als Eddie der Heilige das Rehabilitationszentrum verließ, lehnte Terry Trudeau davor auf dem Kotflügel eines grauen El Camino und rauchte eine Zigarette.

Leichter Schnee wirbelte herum, der aufgeplatzte Gehsteig war bereits damit bedeckt. Eddie zog seine vom Staat gestellte Windjacke höher zu, verlagerte den ausgebeulten Müllsack auf seiner Schulter.

„Hey“, sagte Terry. „Ich dachte, die lassen dich hier nie wieder heraus.“

Eddie besah sich den El Camino, schüttelte langsam seinen Kopf. Terrys Lächeln verschwand.

„Fünf Jahre drin“, sagte Eddie, „und du willst, dass ich in so einer Scheißkarre davonreite?“

„Es ist das einzige …“

„Komm her.“

Eddie erwischte ihn am Hals, zog ihn näher. Terry wehrte sich, aber Eddie hielt ihn fest, küsste ihn auf den Kopf, stieß ihn mit einer Hand weg. Terry fiel auf den El Camino zurück.

„Wie lange bist du schon hier draußen?“

„Halbe Stunde vielleicht.“ Terry warf seine Zigarette weg, hob seine Hände. Eddie warf ihm den Sack zu.

„Vorsichtig damit. Du hast mein ganzes Leben da drin.“

Er hatte einen Mohawk gehabt, als Eddie ihn zuletzt gesehen hatte. Jetzt war das Haar kurz und ungepflegt. Er war dünner, trug eine ärmellose Jeansjacke über einem Kapuzenshirt. Seine rechte Augenbraue war gepierct.

„Lass uns verschwinden“, sagte Terry. „Dieser Ort macht mich nervös.“

Eddie ging zur Beifahrertür. Terry stieg ein, verstaute den Sack hinter dem Sitz, lehnte sich vor und entsperrte die Beifahrertür.

Eddie sah zu dem Bewährungszentrum zurück, in dem er die letzten sechs Monate seiner Haftzeit verbracht hatte. Ziegelsteinwände, Gitter an den Fenstern. Ein schwarzer Junge mit Dreadlocks stand draußen, rauchte eine Zigarette, beobachtete sie. Eddie starrte ihn an, bis er wegsah.

Terry ließ den Motor an, die Auspuffschwaden keuchten weiß in der kalten Luft. Eddie stieg ein. Als sie wegfuhren, sagte Terry: „Wie fühlt es sich an?“

„Fühlt sich gut an. Fahr.“

Er sah aus dem Fenster auf das vorbeiziehende Newark. Warenhäuser, Industriehöfe mit Stacheldrahtzäunen, Straßenzüge mit bröckelnden Sandsteinhäusern. Kahle Bäume, aufgetürmter Müll.

Terry zog ein Päckchen Kools aus einer Jackentasche, hielt es ihm hin.

„Ich habe aufgehört“, sagte Eddie. „Drinnen. Gibt es Heizung in dieser Karre?“

„Klar.“ Terry machte sich am Armaturenbrett zu schaffen. Warme Luft kam aus den Schlitzen. Er schüttelte eine Zigarette aus der Packung, ein leichtes Zittern in seiner Hand, fummelte an dem Feuerzeug herum.

„Ich mache dich nervös?“, sagte Eddie.

„Wie meinst du das?“

„Du brauchst eine Zigarette, um dich abzuregen?“ „Nein, ich …“

„Dann steck sie weg.“

Terry versuchte, die Zigarette zurück in die Packung zu stopfen, verbog sie.

„Was hast du mit dir angefangen?“, fragte Eddie.

„Bin klargekommen. Hab eine Weile auf dem Bau gearbeitet, bis es schlechter lief.“

„Auf dem Bau? Du warst immer ein guter Einbrecher. Was ist passiert?“

„Ich hab das lange nicht gemacht, Eddie. Ich bin raus aus dem Spiel.“

„Blödsinn. Was machst du zurzeit?“

„Gelegenheitsjobs. Was sich so ergibt.“

„Klingt, als ob du deine Fähigkeiten verkommen lässt.“ Eddie beugte sich herüber, schnippte an Terrys Augenbrauenring. „Was ist das?“ Der zog seinen Kopf beiseite. „Machst du dir keine Sorgen, dass einer auf der Straße dir das Ding rausreißt?“, fragte Eddie.

„Niemand wird das tun.“

„Weil du ein Bad Ass bist?“

„Das hab ich nicht gesagt.“

„Es sieht scheiße aus.“

Terry wurde still.

„Entschuldige“, sagte Eddie, schaute aus dem Fenster. „Es waren lange fünf Jahre. Meine sozialen Fähigkeiten sind ein wenig eingerostet.“

„Schon in Ordnung. Wo fahren wir hin?“

„Fahr Richtung Süden auf der Turnpike. Ich sag dir, wo du halten musst.“

„Du musst dich bei deinem Bewährungshelfer melden? Wenn du dich eingerichtet hast?“

„Ich brauche keine Stempel mehr, Kid. Deswegen habe ich sechs Monate in dem Scheißloch verbracht. Kein Bewährungshelfer. Keine Drogentests. Nichts davon. Ich bin frei und sauber.“

„Du hast einen Platz zum Schlafen?“

„Hast du mich nicht grade aus dieser Tür kommen sehen? Ich habe nichts.“

„Die Sache ist … ich bin jetzt mit Angie zusammen.“

„Wer ist Angie?“

„Meine Freundin. Wir leben zusammen.“

„Wo?“

„Keansburg. Es ist nicht viel Platz, weißt du.“

„Mach dir keine Sorgen. Ich werde ein Motel finden.“

Sie waren auf der Lastwagenspur der Turnpike, fuhren an Raffinerien, Hochspannungsmasten, Öllagertanks vorbei.

„Wenn sie nicht da wäre …“, sagte Terry.

„Ich sagte, mach dir keinen Kopf.“

Ein Lastzug mit Anhänger brauste vorbei. Der El Camino schwänzelte im Seitenwind. Sie passierten ein Lagerhaus mit einer Reklametafel. WILLKOMMEN IN CARTERET stand darauf.

„Wie war es?“, fragte Terry.

„Was?“

„Drinnen. War es diesmal anders? Ich meine, anders, als damals für uns?“

„Wie immer. Gleiche Scheiße. Du reißt deine eigene Zeit ab, kümmerst dich um dich selbst. Genau, wie ich es dir beigebracht habe.“

„Haben es die Nigger dir schwer gemacht?“

„Nicht mehr als einmal.“

„Ich wäre dich besuchen gekommen, aber …“

„Lass es.“

Dunkelheit jetzt im Osten, die Nacht kam schnell.

„Wo willst du hin?“, fragte Terry. „Es gibt Motels auf der Turnpike, aber die auf der Route 35 sind vermutlich billiger.“

„Fahr weiter. Ein paar Stopps, die ich zuerst machen will.“

„Ich habe Angie gesagt, dass ich um sieben zurück bin. Sie kotzt, kann kaum stehen, so schwindlig ist ihr.“

„Was ist los? Ist sie so krank, dass du sie nicht alleine lassen kannst?“

„Sie ist schwanger.“

Eddie schüttelte den Kopf, schaute aus dem Fenster. „Und ihr beide seid Speed-Junkies, richtig? Hervorragend.“

„Ich zieh mir nichts mehr rein, Eddie. Ich versuche, all diesen Scheiß hinter mir zu lassen.“

„Was auch immer. Egal. Fahr auf die Raststätte. Ich will dort telefonieren.“

„Ich habe ein Handy.“

„Ich will ein Münztelefon. Aber während ich das tue, kannst du deine Alte anrufen.“

„Warum?“

„Um ihr zu sagen, dass du es nicht schaffen wirst.“

Sie hatten in einer Straße geparkt, die von Schrottplätzen und Karosseriewerkstätten gesäumt war, nirgends brannte Licht. In der Ferne erleuchteten alle paar Minuten die Fackeln einer Raffinerie den Himmel. Stöße von blauen und gelben Flammen, die die Wolken zum Glühen brachten.

„Ich bin drinnen fünfundfünfzig geworden“, sagte Eddie. „Hast du das gewusst?“

„Scheiße, Eddie, nein.“

„Ja, im August. Ich war einer der ältesten Scheißkerle dort, abgesehen von den Lebenslänglichen. Fünfundfünfzig Jahre alt, und du machst es dir in einer Zelle, die fünfeinhalb mal neun ist. Sogar das hat mir nach einer Weile keinen Spaß mehr gemacht. Nichts mehr. Was für ein Leben, huh?“

Flammen glühten auf der Windschutzscheibe, verblassten.

„Erzähl mir noch mal von Casco“, sagte Eddie. „Was genau hat er gesagt?“

„Nur das, was ich dir geschrieben habe …Dass er mich nicht kenne, nichts mit mir dealen würde.“

„Du hast ihm gesagt, dass ich dich geschickt habe?“

„Natürlich.“

„Dann hätte das reichen sollen.“

„Zur Hölle, Eddie. Er kannte mich nicht. Ich mache ihm keinen Vorwurf.“

Eddie schaute auf seine Uhr. Es war beinahe acht.

„Was willst du tun?“, fragte Terry.

„Mein Geld holen.“

„Jesus, Eddie, du bist gerade ein paar Stunden draußen. Was soll die Eile?“

„Beruhige dich, Kid. Es wird keinen Ärger geben. Wir sind alle vernünftige Menschen.“

„Woher weißt du, dass er da ist?“

„Er ist da.“

Eddie öffnete seine Tür. „Los geht’s“, sagte er. „Lass uns einen Spaziergang machen.“

Das „L & C Autoteile“-Zeichen war dunkel, aber es war Licht im Büro, jemand bewegte sich. Vor dem Gebäude waren ein Abschleppwagen und ein Cadillac geparkt. Sie standen hinter dem Abschleppwagen, außerhalb des Lichts der Straßenlampe, kalter Wind fauchte sie an.

„Er weiß, dass du kommst?“, fragte Terry.

Eddie antwortete nicht. Eine Meile entfernt rollte auf dem hochgelegenen Teil der Turnpike der Verkehr vorbei.

„Ich meine, du hast ihn angerufen, um es ihm zu sagen, nicht?“

„Du solltest das Zeug lassen, es macht dich verrückt.“

Dort drinnen gingen Lichter aus.

Eddie sah sich um, entdeckte eine leere Heineken-Flasche, die in einem Schneehaufen steckte. Er zog sie heraus, wischte sie ab, wünschte sich, dass er Handschuhe hätte.

Casco kam heraus, ein großer Mann in Mantel, Schal und Hut. Er drehte sich um, um die Tür abzuschließen.

„Warte hier“, sagte Eddie und überquerte leise den Hof. Er kam hinter Casco hoch, presste ihm den Flaschenhals in den Rücken.

„Sperr wieder auf “, sagte er.

Casco erstarrte.

„Es gibt nichts zu holen im Büro“, sagte er ruhig. „Wir machen hier keine Bargeschäfte.“

„Sperr auf und geh rein. Gib den Sicherheitscode ein. Und zwar gleich den richtigen.“

„Eddie? Bist du das?“

„Tu es.“

Casco drehte den Schlüssel im Schloss, öffnete die Tür. Eddie schubste ihn hinein.

„Code“, sagte er.

Die Tastatur an der Wand blinkte rot. Casco gab Zahlen ein, bis ein entferntes Beep zu hören war. Das Licht auf dem Tastaturfeld wurde grün.

„Geh weiter“, sagte Eddie.

„Ist das notwendig?“ Casco drehte sich nicht um.

„Hinein.“ Eddie drehte die Flasche. „Ist dein Büro abgesperrt?“

„Ja.“

„Ist da ein zusätzlicher Alarm?“

„Nein.“

„Sperr auf.“

Casco öffnete die Tür. Eddie schob ihn hinein, fand den Wandschalter. Fluoreszierende Birnen summten und flackerten. Billige Wandverkleidung, ein Metalltisch, ein grauer Safe in einer Ecke. Fotos von Rennpferden an der Wand.

„Was ist das?“, fragte Casco. „Es ist keine Pistole.“

„Es ist mein Schwanz“, sagte Eddie und drückte Casco vorwärts. Casco drehte sich um, sah die Flasche.

„Jesus Maria, Eddie.“ Er atmete aus. „Du hast mich zu Tode erschreckt.“

„Entschuldige.“ Eddie lächelte, stellte die Flasche auf den Tisch. „Ich sah dich da draußen zusperren, konnte nicht widerstehen.“

„Ich dachte, du bist irgendein Junkie.“ Er nahm seinen Hut ab, legte ihn auf den Tisch. „Du hättest anrufen sollen. Ich hätte dich anderswo treffen können.“

„Habe ich.“

„Du warst das vorhin? Angerufen und aufgelegt? Worum ging es da?“

„Ich wollte nur sicherstellen, dass du hier bist. Ich war in der Gegend, dachte, ich schau vorbei.“

„Wann bist du rausgekommen?“

„Ist etwa zwei Stunden her.“

„Und ich bin der Erste, den du aufsuchst? Fühle mich geehrt.“

Er öffnete seinen Mantel und lockerte den Schal, setzte sich schwer in den Drehstuhl hinter dem Tisch.

Eddie schaute hinaus, sah Terry durch die Eingangstür linsen, winkte ihn herein.

„Wer ist da draußen?“, fragte Casco.

„Mein Partner. Du kennst ihn.“

„Wenn du es sagst. Schön und gut, dich zu sehen, weißt du, aber das war nicht cool, wirklich nicht.“

„Sorry.“

Terry kam herein, stand in der Tür. Casco sagte: „Tu mir einen Gefallen, Sportsfreund. Schließ die Haustür. Ich brauche niemanden, der da noch von der Straße reinkommt.“

Terry sah zu Eddie. Der nickte. Terry ging nach vorn.

Casco öffnete die unterste Schublade, holte eine Flasche Johnny Walker Black Label und drei Plastikgläser heraus.

„Nur dass du es weißt“, sagte er, „ich bin um neun mit Louise zum Abendessen in der Stadt verabredet. Wir haben reserviert.“

„Zeit genug.“ Eddie lehnte sich gegen die Wand, Hände hinter dem Rücken verschränkt, federte sich leicht von der Wandverkleidung ab. Casco schenkte ein, hielt die Flasche über dem dritten Glas, sah zu ihm hoch. Eddie nickte. Casco goss ein, verschloss die Flasche wieder.

Als Terry zurückkam, hob Casco sein Glas. „Prost.“

Sie tranken. Es war der erste richtige Schnaps, den Eddie seit fünf Jahren hatte. Er lief warm und weich hinunter. Terry hustete.

„Was ist falsch, Kid?“, fragte Casco. „Du hast das gute Zeug noch nie gehabt?“

Eddie hatte den Scotch ausgetrunken, fühlte wie die Wärme sich in ihm ausbreitete. Er stellte das Glas ab. Casco füllte es erneut, dann seines.

„So“, sagte er. „Was kann ich für dich tun?“

„Ich bin hier wegen meinem Geld.“

Casco nickte, lehnte sich zurück. „Dein Geld.“

„Ja, richtig.“

„Kein Problem. Muss nur meinen Broker anrufen und dann zur Bank. Wenn du gleich alles brauchst, werde ich am Montag früh als Erstes einiges herumschieben, um dir einen Barscheck zu geben.“

„Nee“, Eddie schüttelte seinen Kopf, hob sein nachgefülltes Glas. „Heute Abend.“

„Du verarschst mich, oder?“

„Warum sollte ich?“

„Es ist acht Uhr abends an einem Freitag. Wie soll ich an dein Geld kommen?“

Eddie trank den Scotch, lehnte sich wieder an die Wand.

Casco verschränkte die Arme. „Eddie, mit allem schuldigen Respekt, ich habe das Geld investiert, so wie ich es dir versprochen hatte. Ich habe es nicht gerade in irgendeinem Hinterhof vergraben, wo ich es ausbuddeln und dir übergeben kann.“

„Investiert? Wo? Wie?“

„Verschieden. Ich kann dir all den Papierkram zeigen, die Belege. Ich habe es behandelt, als wäre es mein eigenes Geld. Ich bin Geschäftsmann, Eddie, keine Bank. Ich hab dir das gesagt, als du es mir gegeben hast.“

„Vierzig Riesen.“ Er schwenkte den restlichen Scotch in seinem Glas.

„Das ist es, so viel war es“, sagte Casco. „Aber das war vor fünf Jahren, Eddie. Seitdem hat sich viel verändert.“

„Was heißt das?“

„Ich vergesse, du warst ja weg. Schau, wir beide haben was einstecken müssen.“

„Erklär mir das.“

„Jesus, Eddie. Sogar in Rahway musst du gehört haben, was auf den Märkten los war. Shit, ich kenne Leute, die alle ihre Ersparnisse verloren haben. Ihre Betriebsrente, ihre Pensionen, einfach alles. Jeder hat was abgekriegt. Wurde niedergemacht.“

„Wie viel hast du verloren?“

„Viel. Aber das ist nicht der Punkt.“

Eddie trank den Scotch aus.

„Schau“, sagte Casco. „Wir haben darüber gesprochen, als du es mir gebracht hast. Bevor du reingingst. Du hast gewusst, dass ich das Geld zum Arbeiten schicke. Du warst ganz dafür.“

„Und jetzt bin ich draußen.“

„Eddie, wie einfach muss ich dir das erklären?“

„Halt mich verdammt noch mal nicht für dumm.“

„Eddie, mache ich nicht …“ Er gab auf. „Hör zu. Du bist draußen, du brauchst dein Geld. Das verstehe ich. Aber es sind keine vierzig Riesen. Nicht mehr.“

„Wie viel ist es?“

„Ich muss in das Portfolio schauen. Aber, so wie der Markt war … ist es vermutlich jetzt die Hälfte.“ „Die Hälfte?“

„Wie gesagt, ich habe all die Aufstellungen“, sagte Casco. „Jeder Cent davon nachweisbar und belegt. Tino hatte auch Geld bei mir angelegt. Frag ihn. Er wird dir sagen, wie es war.“

„Das hat nichts mit Tino zu tun.“

„Was ich sagen will ist, jeden hat es getroffen. So ist es gelaufen.“

„Warum hast du Terry das nicht gesagt? Als er des Geldes wegen kam?“

„Terry? Wer zur Hölle ist Terry?“ Er drehte sich in seinem Stuhl. „Bist du das, Kid?“ Er sah Eddie wieder an. „Hör zu. Versetz dich in meine Lage. Ein Kerl, den ich noch nie gesehen habe, kommt rein und sagt mir, er gehöre zu dir. Und ich soll ihm einfach zehn Riesen von deinem Geld geben?“

„Ich habe es gebraucht. Für einen Rechtsanwalt.“

„Dann hättest du mich anrufen sollen, es mir sagen. Jesus, Eddie, da kommt so ein Kid rein, Schorf auf den Armen, die Nase läuft, kratzt sich die ganze Zeit. Er war so weggedröhnt, ich war nicht bereit, ihm auch nur irgendwas zu geben.“

Terry stellte sein halbvolles Glas ab. „Ich werde draußen warten.“

„Hey, Kid, nimm’s nicht krumm“, sagte Casco.

„Nein“, sagte Eddie. „Bleib.“

Terry drehte sich herum, verharrte im Türrahmen.

„Er hat meinen Namen gesagt“, meinte Eddie. „Das hätte reichen müssen.“

„Ich denke, du bist gerade unvernünftig“, sagte Casco.

„Bin ich das?“

„Dies ist kein Straßenecken-Bullshit. Dies ist Geschäft.“

Eddie kratzte sich sein Kinn. Er hatte sich am Morgen rasiert, aber die Stoppeln waren zurück.

„Du hast recht“, sagte er nach einer Weile. „Es ist Geschäft. Ich entschuldige mich. Was ist in dem

Safe?“

„Was?“

„Der Safe da drüben. Was ist da drin? Wie viel?“

„Handgeld. Vierhundert vielleicht. Deins, wenn du magst, aber es ist kaum wert, das Ding aufzumachen. Gib mir ein oder zwei Tage, und ich werde so viel von deinem Geld locker machen, wie ich nur kann. Kannst alles in bar zurückhaben, wenn du das willst.“

Eddie sah zu Terry. „Was denkst du?“

Terry zuckte die Achseln.

„Hör zu, Kid. Es tut mir leid“, sagte Casco. „Wie ich gesagt hab, ich kannte dich nicht die Bohne. Ich meinte es nicht respektlos und mir tut es leid, wenn ich dich in die Bredouille gebracht habe.“ Er sah zu Eddie. „Besser?“

„Der Safe.“

„Eddie, hör auf, dich so zu benehmen. Lass uns Tino ans Telefon holen, jetzt gleich. Wir drei können das besprechen.“

„Mach ihn auf.“

„Warum tust du das? Ich hab dich immer anständig behandelt. Warum kannst du nicht das Gleiche tun?“

Eddie stellte sein leeres Glas auf den Tisch.

„Jesus“, sagte Casco. „Wenn du dich dann besser fühlst.“

Er rollte mit dem Stuhl zum Safe, holte eine Lesebrille aus seiner Hemdtasche, setzte sie auf. Er beugte sich über die Wählscheibe, begann daran zu drehen.

Eddie kam um den Tisch herum, stand hinter ihm. Casco bekam die Kombination das erste Mal nicht richtig hin, musste sich seine Hand am Hosenbein abwischen, begann erneut.

„Du machst mich nervös, wenn du da so stehst“, sagte er.

Eddie legte seine Hände auf Cascos Schultern, knetete die Muskeln.

„Easy“, sagte er. „Entspann dich.“

Casco zog die Schultern ein, um dem Griff zu entkommen. „Mir geht’s gut.“

Eddie nahm seine Hände weg, trat zurück. Casco drehte die Scheibe ein letztes Mal, begann am Griff zu ziehen.

„Wart mal“, sagte Eddie. „Irgendetwas da drin, von dem ich vorher wissen sollte, bevor du ihn öffnest?“

„Nein. Genug mit dem Drama, okay?“ Er zog an der Tür.

„Geh weg“, sagte Eddie.

Casco rollte seinen Stuhl zur Seite. Eddie kniete nieder. Kassenbücher drinnen, ein dicker Ziehharmonikaordner. Er blätterte durch die Seiten.

Casco sah zu Terry. „Was ist, redest du nicht?“

Eddie löste den Gummiverschluss am Ordner, öffnete ihn, sah das Geld mit den Banderolen. Er schüttete es auf den Boden. Geldbündel. Fünfziger und Zwanziger.

„Es ist weniger, als es aussieht, Eddie. Ein paar Tausend vielleicht …“

Wo der Ordner gewesen war, lagen eine dunkle Automatik und eine Schachtel Munition. Er nahm die Pistole heraus. Es war eine Star 9mm, klein aber solide, mit geriffeltem Griff. Er warf das Magazin aus, sah, dass es gefüllt war.

„Ich wusste nicht mal, dass die da drin war“, sagte Casco. „Ich schwöre. Sie gehört einem meiner Jungs. Er trägt sie, wenn er Spätschicht hat.“

Eddie legte die Pistole und die Munition auf den Safe und stand auf, die Knie knackten. Er spürte die Kälte in seinen Gliedern. Er presste die Handflächen gegen seinen unteren Rücken, streckte sich.

„Komm, Eddie, genug davon. Du gehst zu weit, und das weißt du.“

Eddie stocherte in den Geldbündeln.

„Wie viel ist das?“

„Scheiße, ich weiß es nicht. Ich stecke es da hinein, wenn ich es nicht brauche. Ich zähle es nicht immer. Es kann nicht viel sein.“

„Sieht wie zehn, vielleicht zwanzig Riesen aus.“

„Wenn du es sagst.“

„Was dich zu einem Lügner macht.“

„Wenn du es willst, nimm es. Eine Anzahlung auf das, was ich dir schuldig bin.“

Eddie nahm die Pistole an sich, trat vom Safe weg. „Zähl es“, sagte er zu Terry. „Ich kann mich nicht mehr bücken.“

Terry schob das Geld zusammen. Sie sahen zu, als er es zählte. Seine Lippen bewegten sich, während er durch die Scheine blätterte, die Stapel auf dem Schreibtisch in eine Reihe legte. Er ging ein zweites Mal darüber und sagte: „Fünfundzwanzigtausend.“

Eddie sah zu Casco. „Handgeld?“

„Wie ich sagte, ich pass nicht auf, was drin liegt.“

Eddie nahm die Pistole. „Die ist nett.“

„Eddie, das ist scheiße. Wie lange kennen wir uns? Zwanzig Jahre? Glaubst du nicht, dass wir ein wenig zu alt sind für diesen Quatsch?“ Sein Gesicht war fahl im hellen Licht.

Eddie schob Terry mit dem Fuß den Ordner zu. „Leg es wieder hinein.“

„Ich denke, wir sollten wirklich Tino anrufen“, sagte Casco.

„Sag’s mir noch mal. Was wirst du am Montag tun?“

Casco atmete aus, Spannung fiel von ihm ab. „Als Erstes rufe ich am Morgen meinen Broker an, besorg mir einen Ausdruck von allem, damit du sehen kannst, wohin das alles ging, auf den Cent. Ich mache das Geld flüssig, besorge dir einen Barscheck auf mein Konto.“

„Ich will es bar.“

„Ja, dachte ich mir. Ich werde den Scheck selber einlösen. Die Transfers brauchen ein paar Tage, aber ich werde dir das Geld von meinem eigenen Konto geben. Du wirst nicht darauf warten müssen.“

„Gut. Irgendetwas anderes, was ich in dem Safe übersehen habe?“

„Nichts. Nur Papiere. Buchhaltung.“

„Lass mich in eins dieser Hauptbücher schauen.“

„Das würde dir nichts sagen.“

„Ich bin einfach neugierig.“

Casco stöhnte, rollte seinen Stuhl zum Safe zurück.

„Tino wird das nicht mögen“, sagte er.

„Ist das ’ne Drohung?“

„Nein. Ich weiß nur nicht, warum wir das machen.“

„Du bist lustig.“

Casco beugte sich vor, holte ein rotes Hauptbuch heraus, das der Länge nach mit einem Gummiband verschlossen war. Er schaute zu Eddie, legte es auf den Safe.

„Was ist das da hinten?“

„Wo?“

„Hinten, auf diesem Regal.“

„Ich sehe da nichts.“

„Geh runter und schau nach.“

„Eddie, ich habe ein kaputtes Knie.“

„Du bist jünger als ich. Du wirst das überstehen.“

„Ich schwöre, Eddie …“ Er kniete sich nieder, stöhnte. „Ich sehe überhaupt nichts.“

„Ganz da hinten.“

Als Casco sich vorbeugte, sein Gesicht im Safe, setzte Eddie ihm einen Fuß zwischen die Schulterblätter, um ihn dort zu halten, und schoss ihm zwei Mal in den Hinterkopf. Terry schreckte auf. Der Schuss hallte von den Wänden wider. Messinghülsen klackerten auf den Boden. Eddie nahm seinen Fuß weg. Cascos Körper sackte nach vorne, rollte dann langsam zur Seite, Gesicht nach oben. Terry sah weg. Eddie schob die noch warme Pistole in seinen Gürtel, steckte die Schachtel Patronen in seine Jackentasche.

Dann beugte er sich vor, zog Cascos Brieftasche heraus, warf sie auf den Tisch.

„Schau nach, was drin ist.“

Als er keine Antwort erhielt, drehte er sich um, sah Terry erstarrt, das Gesicht ganz weiß.

„Was?“, fragte Eddie.

Terry schüttelte den Kopf, sagte nichts.

Eddie zeigte auf den Ordner. „Nimm das. Die Hälfte gehört dir.“

Als Terry sich nicht bewegte, ging Eddie zu ihm hinüber, umfasste seinen Nacken und drückte ihn.

„Sieh mich an“, sagte er. „Du musst dich für mich zusammenreißen.“

Terry nickte, sah immer noch auf Cascos Leiche. Eddie ließ ihn los.

„Damit dir eines klar ist“, sagte er. „Hier ging es nicht ums Geld. Es ging ums Prinzip.“

4

„Es sieht immer mehr nach Weihnachten aus“, sagte Walt Rathka.

Crissa setzte die Tüte vom Spielzeugladen FAO Schwarz neben seinen Tisch, öffnete ihren Schal. Schneeregen schlug an das große Bürofenster, von der Fifth Avenue stieg zwölf Etagen tiefer der Kampfruf der Hupen hoch.

„Nimm Platz“, sagte er. „Werde trocken. Häng deine Sachen auf. Entschuldige, dass Monique nicht da ist, um sie dir abzunehmen.“

Er ging zu seinem Stuhl zurück. Er war in den späten Fünfzigern, trug Schlips und Anzug, rote Hosenträger. Sie konnte sein Rasierwasser riechen, wusste, dass es an die achtzig Dollar die Unze kostete.

„Wann bist du zurückgekommen?“

„Gestern.“

Sie machte es sich in dem roten Ledersessel vor seinem Schreibtisch gemütlich. Sie hatte Kopfweh vom Wein des gestrigen Abends, hatte die Flasche beinahe ganz niedergemacht. Es hatte sie entspannt, aber nicht genug, um schlafen zu können, also hatte sie eine halbe Lunesta genommen. Jetzt spürte sie die Nachwirkungen, ein Spannen um die Augen und eine Benommenheit, die auch nach zwei Tassen Tee bei West Way nicht weggegangen war.

„Erfolgreiche Einkaufstour?“, fragte er.

„Nicht besonders. Aber ich konnte etwas für die Zwillinge besorgen.“

„Großzügig von dir. Meine Tochter glaubt, ich verwöhne sie zu sehr.“

„Dafür sind Kinder da.“

„Das sagt meine Frau auch. Irgendwelche Komplikationen?“

„Keine, von denen ich weiß.“

„Gut. Ich mach mir manchmal Sorgen um dich, Crissa.“

„Tu’s nicht. Komm schon, schau mal rein.“

Er zog die Tüte näher, holte die Plüschtiere heraus, einen blauen Hund und ein rosa Kaninchen. Darunter lag eine Lage Seidenpapier. Er zog es beiseite, um die gebündelten Scheine zu sehen, kippte die Tüte ein wenig für einen besseren Blick auf die Stapel.

„Es ist nicht viel“, sagte sie. „Ich hatte gehofft, erfolgreicher zu sein.“

Er legte Papier und Tiere zurück. „Die Zwillinge werden sie mögen, da bin ich mir sicher.“

„Wie kommt unser Projekt voran?“

„Das in Alabama? Wie geplant. Die Bauarbeiten sollten Anfang nächsten Jahres beginnen. Oder übernächstes. Schwer zu sagen. Den Firmen geht es aber gut, stabil, wie man es sich nur wünschen kann. Tatsächlich …“

Er öffnete eine Schublade, schob einen DIN-A4Umschlag über die Schreibtischunterlage. Drinnen befand sich ein blassblauer Scheck über zwanzigtausend Dollar, ausgestellt von einer Landentwicklungsgesellschaft in Anniston auf Christine Steiner. Unter diesem Namen hatte sie ein Konto bei der Bank of America.

„Deine vierteljährliche Beratungsgebühr“, sagte er. „Legal und korrekt abgerechnet. Du kannst damit tun, was du willst.“

„Danke.“ Sie schloss den Umschlag, deutete auf die Tüte.

„Du solltest das verstauen.“

„Werde ich. Du wirkst müde, Crissa.“

„Lange Fahrt. Schlechtes Wetter.“

„Du bleibst eine Weile in der Stadt?“

„Für die nächste Zeit, ja. Falls nichts dazwischenkommt.“

„Gut. Ich habe von der Grundstücksmaklerin in Connecticut gehört. Sie sagt, die Hammersteins sind dabei, eine Entscheidung wegen des Hauses zu treffen. Wie ich höre, liegt dein Angebot sehr weit oben. Du bist immer noch interessiert, richtig?“

„Wenn die Bedingungen gut sind. Wenn sie noch lange herummachen, lasse ich es. Es gibt andere Häuser.“

„So habe ich es ihr gesagt. Sie meinte, sie wollten mehr über deinen Hintergrund wissen. Ich sagte, wenn du bereit bist, sechzig Prozent anzuzahlen, besonders in dieser Konjunkturlage, was interessiert da dein Hintergrund? Sie werden sich bewegen, denke ich.“

„Was ist mit der Texas-Geschichte?“

Er lehnte sich zurück.

„Nun, das …“, sagte er.

„Ich gehe bald runter, um ihn zu sehen. Ich muss ihm etwas sagen.“

Er verschränkte seine Arme. „Ich fürchte, das sieht nicht gut aus zurzeit.“

„Definiere das.“

„Wie du weißt, hatte er einige Probleme, seit er dort in Gewahrsam ist. Es gab einen Kampf mit einem anderen Gefangenen.“

„Das war Selbstverteidigung.“

„Ich bin sicher, dass es das war. Aber selbst wenn, es wird ihm schaden bei seiner Bewährungsanhörung im März. Mein Kollege da unten sagt, er habe jemanden im Regierungsgebäude, der uns helfen könnte, aber er will mehr Geld im Voraus, um seinen Mann ausreichend zu motivieren und die richtigen Räder zu ölen.“

„Du meinst Hände.“

„Das auch.“

„Dieser Anwalt, traust du ihm?“

„So weit das geht. Ob dieser Mann so viel Gewicht im Justizministerium von Texas hat, wie er uns glauben machen will, das weiß ich nicht. Ich denke, vor der Anhörung werden wir das nicht herausfinden.“

„Wie viel diesmal?“, fragte sie.

„Für diesen Mann im Ministerium? Zweifünfzig sagt er. Ich schätze, das bedeutet zwei für seinen Mann und fünfzig für ihn.“

„Zu all dem dazu, was wir ihm schon gegeben haben …“

„Ich weiß. Da kommt was zusammen. Wenn ich eine Zulassung hätte in Texas, wäre ich jetzt selbst da unten, um die Bäume zu schütteln und jeden Vorteil zu nutzen. Aber wir haben keine Wahl. Wir müssen ihm vertrauen.“

„Zweihundertfünfzigtausend sind eine Menge. Ich weiß nicht, ob ich das im Moment zusammenbrächte. Nicht in bar.“

„Es ist dein Ding. wie immer.“

Sie sah aus dem Fenster, in den Regen.

„Wayne wird einundfünfzig im April“, sagte sie. „Ich weiß.“

„Dieser Ort bringt ihn um.“

„Ich kann versuchen, ihn auf zweihundert zu drücken, aber ich weiß nicht, ob er da mitmacht.“

Verdammtes Texas, dachte sie. Es würde sie nie loslassen.

„Er muss noch sieben Jahre absitzen“, sagte sie. „Wenn er keine Bewährung bekommt, stirbt er da drin. Das lasse ich nicht zu. Was immer wir tun müssen, was immer es kostet, das machen wir.“

„Verstehe.“

„Sag deinem Mann, er wird die zweifünfzig bekommen. Aber nimm ihn für ein paar Rückversicherungen in die Mangel, er soll ein paar Namen nennen.“

„Wenn er es denn tut.“

„Dräng ihn trotzdem.“

„Betrachte es als getan.“

Sie erhob sich. Er stand auf, ging zur Tür, wartete, als sie Jacke und Schal anlegte. Den Umschlag steckte sie in eine Innentasche.

„Ich rufe dich an, sobald ich Rückmeldung habe“, sagte er. „Du hast schon eine neue Nummer?“

„Bald. Ich werde sie Monique geben.“

Er machte ihr die Tür auf, streckte seine Hand aus. Sie nahm sie.

„Wenn du mit ihm sprichst …“, sagte er.

„Ja?“

„Sag ihm, wir tun unser Bestes.“

„Das werde ich“, sagte sie.

Sie nahm die Subway uptown, der Einser-Zug voller Touristen und Weihnachtseinkäufer. Keine Sitze frei. Sie arbeitete sich zum Ende des Abteils durch, hielt sich an der Griffstange fest. Ihr gegenüber saßen zwei asiatische Mädchen, kaum im Teenageralter, die ihre Plastik-Cellokoffer festhielten. Zu ihrer Linken stand ein gut gekleideter Mann in den Vierzigern, Anzug und Mantel, das dunkle Haar grau gesprenkelt. Er griff nach oben, um die Stange über ihrem Kopf zu fassen, schenkte ihr ein amüsiertes Lächeln und sah weg.

Vier Leute stiegen an der 50sten Straße aus, aber doppelt so viele drängten sich herein, drückten sie näher an den Mann. Die Hitze im Abteil brachte sie schon bald ins Schwitzen, immer noch nagte der Kopfschmerz an ihr.

An der 59sten drängten noch mehr Leute herein, darunter ein Mann um die zwanzig, der ein Fahrrad hochkant schob. Zwei Mal schlossen die Türen auf dem Hinterrad, stießen an und öffneten sich wieder. Er zog das Fahrrad weiter herein, umarmte den Rahmen wie ein Liebhaber, die Leute machten wortlos Platz. Als die Türen sich schlossen, sah er in Crissas Augen, schaute weg. Sie studierte ihn dennoch, halb aus Gewohnheit, halb aus Langeweile. Er war glatt geschoren, trug eine Brille mit schwarzen Rändern. Der Moby-Look, ein Stil, dem dieser Tage anscheinend die Hälfte der Männer unter fünfzig in dieser Stadt verfallen war.

Der Zug ruckelte aus der Station, die Leute schwankten in der Bewegung, der Mann im Anzug stieß hart gegen sie. „Entschuldigung“, sagte er. Er erneuerte seinen Griff an der Haltestange, für einen Augenblick streifte sie seine Hand.

An der 66sten stiegen die asiatischen Mädchen aus, manövrierten ihre Cellokoffer durch die Menge und auf den Bahnsteig. Sofort waren ihre Sitze belegt. Als die Türen sich an der 72sten öffneten, gab es ein allgemeines Aufstöhnen, weil noch mehr Leute hereindrückten. Sie erhaschte einen Blick auf einen Cop auf dem Bahnsteig, ein angeleinter Deutscher Schäferhund zu seinen Füßen.

Sie fuhren aus der Station, und als die Bahn beschleunigte, schwankte der Mann im Anzug erneut gegen sie. Er sah sie an und lächelte. „Entschuldigung.“

Genug davon, dachte sie. Zu viele Stopps noch, um das mitzumachen. Sie ließ die Stange los, bewegte sich durch das Abteil, quetschte sich an dem Mann mit dem Fahrrad vorbei, erreichte die Verbindungstür und zog sie auf.

Der nächste Wagen war nicht besser. Am entgegengesetzten Ende fand sie einen Platz neben einem mexikanischen Arbeiter, der seinem iPod lauschte. Er rückte zur Seite, um ihr Platz zu machen. Sie griff die Stange mit der linken Hand, beobachtete, wie die Tunnelwände hinter den Fenstern verschwammen.

97ste, noch vier Haltestellen, drei, wenn sie an der 103ten ausstieg und den Rest zu Fuß ging. Leute stiegen aus, genauso viele schienen wieder einzusteigen, um die Lücke zu füllen, die gerade entstanden war. Eine alte Frau nieste laut.

Crissa blickte zu den Türen, ihre Kopfschmerzen waren jetzt schlimmer. Jemand rempelte sie von hinten an, zog sich zurück. Sie wandte sich nach links, sah den Mann im Anzug. Er hielt ihrem Blick stand, lächelte.

Sie sah weg. Der Wagen war zu voll für sie, um sich weiter weg zu bewegen. Der Zug fuhr in eine enge Kurve, die Beleuchtung flackerte, die Passagiere hielten sich fest und der Mann verkürzte den Abstand, stieß wieder an ihre Hüfte, hielt dieses Mal länger dagegen, ehe er sich zurückzog.

„Lassen Sie das“, sagte sie. Nur wenige Zentimeter waren zwischen ihnen, als sie sich zu ihm umdrehte. Er deutete nach unten. Sie schaute hin, sah, wie die Erektion seine Hose ausbeulte.

Sie fühlte Hitze im Gesicht, schaute weg. Niemand um sie herum hatte den Austausch mitbekommen. Sie versuchte nach links zu rücken, konnte nicht.

Der Wagen rumpelte und schwankte, als er in die nächste Kurve ging und Fahrt aufnahm. Sie wusste, was passieren würde, wie der Scheitelpunkt der Kurve alle durcheinanderwerfen würde, bevor die Gleise wieder geradeaus gingen. Sie griff die Stange fester.

Wieder blinkten die Lichter. Aus den Augenwinkeln heraus sah sie den Mann zurückweichen, bereit, sich von der Bewegung des Zuges mittragen zu lassen. Auch er wusste, was kommen würde.

Der Zug fuhr kreischend in die Kurve. Als der Mann in ihre Richtung kam, ließ sie die Stange los, drehte sich halb um die eigene Achse und stieß ihren Ellenbogen hart nach vorne, fühlte den Zusammenprall, spürte, wie seine Nase nachgab. Als der Zug aus der Kurve kam, fiel er nach hinten, die Menge hielt ihn aufrecht. Leute stießen ihn irritiert von sich.

Der Zug glitt in die Station, die Türen glitten auf. Sie stieg aus, schaute zurück, lauter Menschen um sie herum. Sie sah den Mann langsam fallen, seine Augen ohne Halt, Blut lief ihm aus der Nase. Er sackte auf den Boden. Ein hispanisches Mädchen in einer pinkfarbenen Plastikjacke stieg aus, sah auf ihn runter, sagte „Krass“. Die Türen schlossen sich, der Zug fuhr ab.

Crissa ging die Stufen hoch, auf den Broadway hinaus. Es war jetzt fast dunkel, der Regen prasselte.

Halb den Block hinunter bemerkte sie den Blutstreifen an ihrem rechten Ellenbogen. Sie nahm ein Kleenex aus ihrer Tasche, wischte am Leder, bis es sauber war.

Als sie den Broadway überquerte, wandte sie sich nordwärts in den Wind, warf das blutige Tuch in einen Papierkorb. 87ste Straße. Zweiundzwanzig Blocks noch. Sie zog ihren Schal enger. Der Weg wird dir gut tun, dachte sie. Du kannst das Training gebrauchen.

5

Am nächsten Tag hatten die Wolken sich verzogen, der Morgen war klar und kalt. Sie frühstückte bei West Way, las über Eiern und Schinken fast die ganze New York Times, nahm sich einen zweiten Kaffee für den Weg.

Zurück im Apartment, ruhelos und voller Koffein, stieg sie in ihren rot-schwarzen Puma-Trainingsanzug, machte ein paar Dehnübungen auf dem Wohnzimmerboden. Sie musste laufen, um ihren Kopf klarzukriegen und nachzudenken.

Als sie die Lobby verließ, saß die schwarze Katze mit dem zerfransten Ohr hinter einem steinernen Blumentopf. Sie floh, als sie sie sah.

Es fühlte sich gut an, die Straße zu spüren. Der Himmel war leuchtend blau, die Luft scharf. Sie joggte einen Block den Broadway entlang nach Süden, der Straßengeruch streng, angebrannte Brezeln und Falafel, Busabgase. Graue Schmiere in den Abflussrosten war alles, was vom Schnee geblieben war.

Sie überquerte an einer Ampel die Straße, hielt auf der 107ten nach Westen Richtung Riverside Drive, wurde bergab schneller. An der Ecke joggte sie im Stehen, wartete auf grünes Licht und lief Richtung Park.

Die Sonne brach sich im Hudson River, als sie nach Süden auf der Promenade unterwegs war, Läufern und Radfahrern auswich, an Geschwindigkeit zulegte. Ein Schwarm Tauben stieg auf, als sie sich ihnen näherte.

Sie bemaß die halbe Meile aus dem Gedächtnis, drehte um, joggte eine Weile auf der Stelle und begann den Rückweg. Ihr Atem malte Wölkchen in die eisige Luft.

Sie überlegte, wie lange es wohl dauern würde, Zweihundertfünfzig aufzutreiben und was sie dafür von dem Anwalt in Texas bekommen würde. Oder ob das alles nur eine Masche war, Geld für leere Versprechungen und keine Resultate. Geld, das sie nie wiedersehen würde.

Sie lief bis zur 114ten, wich Skateboardern aus, verließ dann den Park, überquerte wieder den Riverside, um den langen Weg nach Hause zu nehmen. Nach Osten auf der 114ten unterwegs, kam sie an Gruppen von schnatternden Columbia-Studenten vorbei und an Leuten, die ihre Hunde ausführten, auf der Amsterdam Avenue bog sie nach Süden.

Die Nachbarschaft war hier eine andere, weniger schick. Vor einem Schnapsladen rief ihr eine Gruppe dominikanischer Teens etwas nach. Sie ignorierte sie, widerstand dem Drang, schneller zu werden, wollte nicht, dass sie eine Reaktion bemerkten. An der Ecke zur 112ten und Amsterdam wurde sie langsamer, wie sie es dort immer tat, und schaute zu Diego’s hinüber. Es war die letzte Bodega in der Nachbarschaft, die verspiegelten Scheiben übersät mit Werbung für Telefonkarten, Geldüberweisungsdienste, Zigaretten. Und dort in der linken unteren Ecke die Corona Bierreklame, eine schwitzende goldfarbene Flasche unter einer Palme. Nur irgendein weiteres Schild in der zugekleisterten Scheibe – aber heute stand es auf dem Kopf.

Sie lief weiter, die letzten vier Blocks, bog zurück auf die 108te, wurde langsamer, als sie ihr Zuhause erreichte.

Das Zeichen stand nur zwei oder drei Mal im Jahr so herum. Eine Botschaft von Hector. Es bedeutete nur eine Sache. Arbeit.

Ihr Telefon hatte kaum mehr Guthaben, also holte sie ein anderes vom Schreibtisch im Schlafzimmer und brach es aus der Plastikverpackung. Sie kaufte sie, wann immer es sich ergab, stets an anderen Orten, immer mit Bargeld.

Sie aktivierte das Telefon, wählte Hectors Nummer, bekam seinen Anrufbeantworter. Sie sagte „Ich“, und beendete den Anruf.

Als er zurückrief, war sie auf einer Yogamatte im Wohnzimmer, dehnte den beginnenden Muskelkater aus ihren Beinen.

„Du bist in der Stadt?“, fragte er.

„Bin gerade zurückgekommen. Hab deine Botschaft gesehen.“

„Lust auf Mittagessen?“

„Schweres oder leichtes Mittagessen?“

„Leicht jetzt, schwerer vielleicht später, wenn du magst, was serviert wird.“

„Wann?“

„Frei gerade?“

Sie schaute auf ihre Uhr. Ein Uhr dreißig.

„Eine Stunde“, sagte sie. „Gleicher Ort wie letztes Mal?“

„Bis dann“, sagte er und legte auf.

Das Hop Ling Restaurant lag in einem Viertel mit kleinen, krummen Straßen abseits der Mott Street, zwischen einem Spielzeugladen und einem Geschäft, das nichts anderes als bestickte Handtaschen verkaufte.

Sie ging die Treppe zum Eingang hinunter, drückte die Tür auf. Eine Welle von Hitze und Aroma kam ihr entgegen – frittiertes Essen, gedämpfter Reis. In dem niedrigen Raum gab es Nischen, eine Sperrholztheke, eine abgesperrte Tischreihe weiter hinten.

Hector saß in einer Nische in der hintersten Ecke, Gesicht zur Tür, trug eine grüne Fliegerjacke. Er war der einzige Nichtasiate im Raum. Die Hälfte der anderen Nischen war besetzt, Leute aßen konzentriert.

Auf dem Weg zu ihm musste sie flitzenden Kellnern ausweichen. Die Küchentüren schwangen auf und zu, Wortfetzen in hektischem Kantonesisch drangen heraus.

Sie schlüpfte ihm gegenüber auf die Bank. Ein silberner Teekessel befand sich auf dem Tisch, zwei Keramiktassen, ein paar überdimensionierter Speisekarten.

„Ich habe noch nicht bestellt“, sagte er. „Ich hab auf dich gewartet.“

Sie drehte sich ein wenig, um die Tür im Auge zu behalten. Er öffnete seine Speisekarte und legte sie flach auf den Tisch. Wie immer, wurde ihr Blick von dem Tattoo mit der gothischen Schrift auf seinem Hals angezogen, die Initialen seines Bruders Pablo, Geburts- und Todestag. Pablo hatte anfangs mit Wayne gearbeitet und dann seine eigene Einbrechercrew geführt, mit Hector als Kontaktmann. Er war von Bundesmarshalls getötet worden, als sie ihn in einem Motel in Atlantic City verhaften wollten.

„Wie war der Ausflug?“, fragte Hector.

„Nicht so gut.“

„Waren die Erwartungen zu hoch?“

„Ein wenig. Niemandes Schuld.“

„Zu dumm. Charlies Informationen sind normalerweise zutreffend.“

„Wie es halt läuft“, sagte sie. „Macht nichts.“

Aus der Innentasche ihrer Jacke nahm sie einen Umschlag, schob ihn unter seine Speisekarte, hielt drei Finger hoch, um ihm anzuzeigen, wie viel es war.

Wann immer er ihr Arbeit vermittelte, gab sie ihm zehn Prozent von ihrem Anteil. Es war das Arrangement, das sie die letzten drei Jahre hatten, seit sie in den Norden gekommen war.

„So mies, huh?“

„So mies.“

Er steckte den Umschlag in sein Jackett.

Ein älterer Kellner kam, nahm den Bleistift, der hinter seinem Ohr steckte und wartete, den Block in der Hand. Sie war nicht hungrig, aber es wäre zu auffällig, nichts zu essen. Sie bestellte eine scharfsaure Suppe. Hector deutete zu einem Spezial auf der handgeschriebenen Karte in der Plastikhülle. Der Kellner nahm ihre Speisekarten mit, ging ohne ein Wort.

„Ich sollte lieber etwas essen“, sagte Hector. „Ich muss später nach Peterson, meinem Schwager einige Möbel rücken helfen. Als ob mein Rücken nicht schon genug lädiert wäre.“

„Wie geht es den Mädchen?“

„Werden groß. Elita wird sieben im nächsten Monat. Ihre Heilige Erstkommunion wird im Frühling sein, in der Heiligen Antonius. Ihre Mutter sorgt sich schon. Ich meinte, Ay por dios, lasst uns erst mal Weihnachten überstehen.“ Er klopfte an sein Jackett. „Das wird helfen.“

„Ich war überrascht, dein Zeichen zu sehen. Ich bin erst seit Kurzem zurück.“

„Ich weiß. Aber ich wollte auch nicht warten.“

Er schenkte sich Tee ein, sah sie an. Sie nickte und er füllte ihre Tasse. Dampf stieg auf.

„Ich weiß nicht, ob mir schon wieder nach Reisen ist“, sagte sie.

„Das habe ich mir gedacht. Aber wenn ich nicht meinen würde, es sei deine Zeit wert …“

Sie lehnte sich zurück, um zuzuhören.

„Du erinnerst dich an den Kerl von Staten Island? Hat einen Elektronikladen.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Glatzkopf. Großer Kerl. Hier einen kleinen Bart“, er strich sich über das Kinn.

Er meinte Stimmer. „Ja, okay.“

„Er schaut nach Begleitern für eine Auswärtsgelegenheit.“

„Hat er gesagt, was es ist?“

„Nein, nur dass es das wert wäre. Bedeutet er schlechte Nachrichten für dich?“

„Nicht mehr als jeder andere.“

Ihr Essen kam, der Kellner stellte wortlos die dampfenden Teller vor ihnen ab und verschwand sofort wieder. Hector riss das Papier von seinen Stäbchen, zog sie auseinander.

„Er plant bald ein Seminar. Fragte mich, ob ich jemand mit Erfahrung kenne, der teilnehmen möchte.“ „Er hat meinen Namen erwähnt?“

Er schüttelte seinen Kopf, schob Reis und Huhn auf seinem Teller herum, der Geruch stieg auf.

„Keine Namen. Aber er weiß, mit wem ich rede.“

Sie nahm sich Nudeln aus einer Schüssel, rührte sie in ihre Suppe.

„Warum denkst du, ist es meine Zeit wert?“

„Er sagte, es könnte ein Bühne-Sieben-Projekt werden.“

„Das habe ich schon mal gehört.“

Bühne Sieben bedeutete siebenstellig oder mehr. Sie blies auf ihre Suppe, nahm einen Löffel. Es trieb ihr Wasser in die Augen.

„Wo?“

„Hat er nicht gesagt.“

„Wo ist das Seminar?“

„Überm Fluss, meinte er. Nicht weit. Ich habe nicht alle Einzelheiten.“

Jersey. Sie runzelte die Stirn. Sie mochte es nicht, irgendetwas so nahe an ihrem Zuhause zu machen, nicht einmal Vorbereitungen.

„Ist das, wo das Projekt ist?“

„Glaube ich nicht. Hätte ich das gedacht, hätte ich dich damit doch nicht belästigt.“

Sie rührte ihre Suppe um. Selbst wenn die Zahlen übertrieben waren, Stimmer war zuverlässig. Es könnte es wert sein, je nachdem, wie groß die Mannschaft war. Sie dachte an den Rechtsanwalt in Texas.

„Ich könnte mir das anschauen“, sagte sie. Löffelte die Suppe.

„Ich werde mich mit ihm in Verbindung setzen“, sagte er. „Wenn es immer noch gut klingt, rufe ich dich an.“

„Hat er gesagt, wie viele Teilnehmer er sucht?“

„Nein. Nur, dass das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag hoch sei. Nicht sehr arbeitsintensiv. Ich hatte den Eindruck, vielleicht drei oder vier.“

Sie trank Tee. Stimmer war ein Profi, aber anfallende Arbeit und benötigte Mannschaft wurden oft falsch eingeschätzt. Gier führte manchmal zu Unterbesetzung. Die Male, die es passiert war, hatte sie die Organisatoren vom Gegenteil zu überzeugen versucht. Gelang ihr das nicht, stieg sie aus.

Es stand immer noch aus, dass sie eine eigene Mannschaft zusammenstellte. Sie hatte beinahe nur mit Männern zu tun, viele von ihnen weigerten sich, Befehle von einer Frau anzunehmen. Mit Wayne als Anführer war sie seine rechte Hand gewesen, hatte Anweisungen gegeben, Vorschläge gemacht, und die anderen hatten mitgezogen. Jetzt war sie auf sich selbst gestellt.

„Also sage ich ihm, vielleicht?“, fragte Hector.

„Wenn mir gefällt, was ich höre. Erst will ich deinen Eindruck. Wenn du Näheres weißt und denkst, das ist es nicht wert, war es das. Ich will mir nicht seinen Vorschlag anhören, um dann Nein zu sagen. Das macht Leute nervös.“

„Könnte sein, dass er es mir nicht sagen will. Könnte nur mit dir reden wollen.“

„Dann hat er Pech gehabt“, sagte sie.

6

Als Terry vor dem Haus hielt, stand ein abgewetztes Schwinn-Rad auf der offenen Veranda.

„Wem gehört das Fahrrad?“, fragte Eddie.

„Das ist von Cody“, sagte Terry. „Er ist ein Freund.“

„Er hängt immer bei deiner Freundin herum, wenn du nicht zu Hause bist?“

„Er bleibt manchmal hier.“

„Was auch immer.“

Sie stiegen aus. Es war später Nachmittag, der Himmel grau. Eddie hatte sich von Cascos Geld neue Klamotten gekauft, die alten in einer Mülltonne hinter dem Motel entsorgt. Er trug einen schwarzen Trenchcoat und einen weißen Rollkragenpullover, den Mantel ließ er offen. Er mochte, wie er an ihm hing, wie ein Staubmantel.

Sie gingen den gekachelten Weg hoch. Die Veranda knarrte unter ihren Füßen.

„Wie lange lebst du schon hier?“, fragte Eddie.

„Ein paar Monate. Angie kennt den Besitzer.“

„Kennt oder bläst?“

„Wie meinst du das?“

„Egal.“

Als Terry die Tür öffnete, verzog Eddie das Gesicht bei dem Gestank, der ihnen entgegenkam. Marihuana, frittiertes Essen und Körpergerüche. Sie traten in den Flur, Treppe links, Wohnzimmer zur Rechten. Ein Schlafsack lag auf dem Boden, eine Couch mit verstellbaren Seitenlehnen, ein Fernsehsessel, aus dem die Füllung quoll. Auf dem Couchtisch leere Bierflaschen.

„Jesus“, sagte Eddie. „Lass die Tür offen.“

„Terry?“ Eine Frauenstimme von oben, dann langsame Schritte abwärts. Eddie sah hoch. Die Frau hatte strähniges Haar, trug ausgewaschene Jeans und ein T-Shirt. Sie war einmal hübsch gewesen.

„Angie“, sagte Terry, „das ist Eddie. Ich hab dir von ihm erzählt.“

„Hey“, rief eine Männerstimme hinten vom Flur. „Schließ die verdammte Tür.“

Eddie drehte sich zu Terry. Der sah auf den Boden.

Eddie durchquerte den Flur nach hinten zur Küche. Ein Mann mit langem, fettigem Haar und einem Metallica-T-Shirt saß am Tisch, löffelte Suppe aus einer Schale. Er sah auf, als Eddie hereinkam. Er hatte muskelbepackte Arme, blaue Schlangen-Tattoos wanden sich um geäderten Bizeps. Er aß gefängnismäßig, Ellbogen auf beiden Seiten der Schale, bereit, sein Essen zu verteidigen.

„Wer zur Hölle bist du?“, fragte er. „Cody?“

„Wer fragt das?“

Eddie sah sich um. Der Herd war mit Essen bekleckert, die Spüle voller Geschirr. „Raus.“

Cody sah ihn an, nahm einen weiteren Löffel voller Suppe, nahm sich Zeit. Terry sah vom Flur her zu.

„Du hast zehn Sekunden“, sagte Eddie. „Ab jetzt.“

„Du solltest dich abregen, Paps. Was glaubst du, mit wem du redest?“

„Neun.“

„Terry, wer ist das?“

„Acht.“

Eddie kam um den Tisch herum, nahm die Schale und warf sie in die Spüle, die Suppe lief über das Geschirr. Cody stieß sich vom Tisch ab, stand. Er war einen ganzen Kopf