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Cowboyspiele

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Ungezähmt M. Marie
  5. Unter dem Kreuz des Südens Cheyenne Blue
  6. Dürre Michael Bracken
  7. Der Sturm Tahira Iqbal
  8. Unsere Empfehlungen

Delilah Devlin (Hg.)

COWBOYSPIELE

und andere erotische Cowboy-Storys

Aus dem Englischen von
Jaqueline Arnold

Ungezähmt
M. Marie

»Als Nächstes kommt Kennedy Rawlings!«

Dawson Conway blinzelte in die strahlende Mittagssonne und sah in Richtung Rodeo-Arena, als der Sprecher den Namen des nächsten Wettbewerbers nannte. Über die staubige Arena hinweg sah er seinen Boss und Mrs Rawlings in der Menge. Das Paar im mittleren Alter stand eng beieinander nahe der Startbox.

Selbst aus der Distanz konnte der junge Rancharbeiter ihnen die Anspannung anmerken. Jake Rawlings stand aufrecht und steif da. Es kam selten vor, dass es ein Ereignis in ihrer kleinen Stadt gab, bei dem sein ansteckendes Lachen nicht in der Menge zu hören war, doch heute stand er schweigend da, ohne die Spur eines Lächelns auf dem Gesicht. Jake Rawlings starrte in den Ring, doch Dawson wusste, dass er vor seinem inneren Auge nichts als das Chaos und Durcheinander nach dem Unglück vom vergangenen Jahr sah.

Neben Mr Rawlings beobachtete seine Frau nervös, wie das Pick-up-Team dem erfolglosen Reiter der letzten Runde aus dem Ring half. Ihre linke Hand krallte sich in den Stoff ihres Jeansrocks, während sich ihre rechte Hand um den Unterarm ihres Mannes klammerte. Molly Rawlings war eine kräftige, starke Frau, doch an diesem Tag suchte sie Halt und sah zerbrechlich und verletzlich aus.

In all den Jahren, die er auf der Rawlings Ranch arbeitete, hatte Dawson sie nur ein einziges Mal so gesehen. Ihre damalige Schwäche hatte ihn zutiefst verstört, und als er sich nun daran erinnerte, musste er schnell zur Seite blicken.

Es würde ihm nicht guttun, wenn er sich heute an die Ereignisse von damals erinnerte.

Stattdessen konzentrierte er sich auf das übrige Publikum. In ihrer kleinen Stadt in der kanadischen Provinz Alberta hatte sich herumgesprochen, dass Kennedy in diesem Jahr wieder beim Frauenrodeo antreten würde, und das hatte viele Zuschauer angelockt.

Normalerweise kamen zu den Wettbewerben der Frauen kaum halb so viele Zuschauer wie zu den professionellen Rodeos, doch heute war der Veranstaltungsplatz zum Bersten gefüllt. Einige Zuschauer waren sicherlich gekommen, um Kennedy zu unterstützen, doch das Wispern, das auf ihren Namen folgte, und die Unruhe, die durch die Menge ging, verrieten Dawson, dass die meisten Zuschauer nur gekommen waren, um eine weitere Katastrophe zu sehen.

Um seinen Zorn nicht zu verraten, falls ihn die Rawlings oder einer der Veranstalter entdeckten, zog sich Dawson seinen abgetragenen Resistol über die Augen und verschränkte die Arme. Für die großen Rodeos heuerte ihn die Ranch gewöhnlich mit seiner gutmütigen Stute als Pick-up-Mann an, doch für ein Frauenrodeo hatten sie ihn noch nie gefragt, und er hatte es auch niemals angeboten. Mit hochgeschlagenem Jackenkragen und den Hut tief ins Gesicht gezogen stand er einfach nur in der südwestlichen Ecke der Koppel wie ein Wachposten bei der Arbeit, hielt Ausschau, wartete und sorgte sich.

Ein plötzlicher Moment der Stille, gefolgt von einer Welle aufgeregten Flüsterns kündigten ihren Auftritt an. Dawson schob den Rand seines Huts nach oben und sah, wie Kennedy auf der anderen Seite der Arena auftauchte. Wie alle Rawlings konnte man sie selbst in einer großen Menschenmenge unmöglich übersehen. Die Familie hatte eine einzigartige Art, sich zu bewegen, und auch Kennedys Schritte verrieten Selbstvertrauen, Furchtlosigkeit und einen wilden, unerschütterlichen Stolz.

Er grinste breit, als sie mutig quer durch die Menge ging. Die Schultern gestrafft, das Kinn kühn vorgestreckt, wiegten sich ihre Hüften bei jedem Schritt wie die einer echten vaquera. Mit neunzehn war Kennedy endlich in den langbeinigen, unbeholfenen Körper hineingewachsen, für den sie während ihrer Schulzeit gehänselt worden war. Sie war ein zähes, großes Mädchen von athletischer Gestalt. Genau wie das prämierte Vieh, das ihr Vater züchtete, hatte sie breite Schultern und war muskulös. Mit ihren rauen Manieren und ihrer herben Ausdrucksweise war sie bekannt dafür, mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg zu halten. Sie konnte hitzköpfig sein, und obwohl sie keineswegs leichtsinnig war, hatte sie eine starrköpfige Seite, die sich mit anderen messen wollte. Wie ihr Vater verfolgte sie die Ziele, die sie sich gesetzt hatte, mit Entschlossenheit und ging dabei bis an ihre Grenzen und manchmal auch darüber hinaus.

Es war ein Charakterzug, dem Jake Rawlings als junger Mann seine ersten Erfolg im Rodeo-Betrieb zu verdanken hatte. Und sie war die treibende Kraft hinter der Entscheidung der Kennedys, die Familientradition des Rodeo-Reitens weiterzuführen.

Ihre Liebe fürs Rodeo war dort, wo sie herkam, nichts Ungewöhnliches. Schon immer stammte eine große Anzahl von Teilnehmerinnen am Frauenrodeo aus ihrer Stadt, und eine Handvoll dieser Mädchen nahm auch an Profi-Wettbewerben teil. Ihre Familie hätte sie sicherlich unterstützt, wenn auch Kennedy eine Profi-Karriere angestrebt hätte, doch sie hatte sich gegen die Vorstellung gesträubt. Bei den Profis gab es zu viele Einschränkungen. Frauen konnten nur an einer Handvoll Veranstaltungen teilnehmen, bei denen es sich meistens um Zeit-Disziplinen handelte. Auch wenn Kennedy ein Naturtalent beim Tonnenrennen und Team Roping war, schlug ihr Herz doch für etwas anderes.

Sie brannte für die Roughstock Events, die Punkte-Disziplinen, und blühte auf, wenn es riskant und gefährlich wurde und sie sich angesichts der rohen Stärke der Wildpferde und Bullen beweisen konnte.

Aus all diesen Gründen hatte Kennedy den Ruf, wild und furchtlos zu sein. Selbst ihre Eltern dachten so von ihr. Doch Dawson wusste es besser. Sie hatte kein so dickes Fell, wie sie vorgab.

Dawsons Gedanken wanderten zur vergangenen Nacht zurück.

Am Ende seiner Schicht hatte er noch einmal nach dem Vieh gesehen und war dann auf dem Weg zum Haupthaus gewesen, als ein Schatten vor ihm auf den Weg fiel.

Kennedy lehnte an einer Seite der Scheune ein paar Meter vor ihm, ohne zu lächeln.

Er hatte sich nicht weiter um ihren Gesichtsausdruck gekümmert. Die Tatsache, dass sie bereits so lange vor der Scheune gewartet hatte, dass ihre ungeduldigen Schritte eine ansehnliche Furche in der Erde hinterlassen hatten, sagte mehr über ihre Stimmung aus als ihr finsterer Gesichtsausdruck. Sie wollte ihn unbedingt sehen. Ihre Widersprüchlichkeit ließ Dawson lächeln. Sie kannten sich seit Jahren. Die sechs Jahre, seit er auf der Ranch arbeitete, plus zehn Jahre gemeinsame Schulzeit. Sie waren zusammen aufgewachsen.

Schon als Kind hatte sie ihre Gefühle hinter einer grimmigen Miene verborgen, doch er hatte sich davon nicht im Geringsten abschrecken lassen. Er hatte schon immer wissen wollen, was für ein Typ Mädchen sich hinter den harten Blicken und barschen Worten verbarg.

Er warf ihr ein fröhliches Lächeln zu und tippte sich an den abgenutzten Hut. »’n Abend, Miss Rawlings.«

Im abnehmenden Licht sah er, wie sie mit den Augen rollte, aber gleichzeitig ein wenig lächelte. »Halt die Klappe, Dawson«, grummelte sie, als sie an ihm vorbeiging und in die Scheune schlüpfte.

Der amüsierte Rancharbeiter drehte sich um und folgte ihr. Ihre Anwesenheit machte ihn neugierig, auch wenn er wusste, dass sein Gehaltsscheck und ein warmes Abendessen im Haus auf ihn warteten.

Er zog die Scheunentür hinter sich ins Schloss und betrachtete sie. Sie schien ruhelos und nervös. Ihre Schultern unter dem dünnen Flanellhemd waren angespannt, und sie hielt ihren Stetson in der linken Hand und schlug sich bei jedem zweiten Schritt zerstreut mit ihm gegen den Oberschenkel. Sie ging an den Boxen der Tiere vorbei und schien gar nicht zu bemerken, wie sich die Köpfe hoben und sie mit leisem Wiehern begrüßt wurde.

Leise folgte er ihr, wobei er jedes Tier, an dem er vorüberkam, streichelte. Langsam begann er, sich Sorgen zu machen. Normalerweise war Kennedy immer für die Tiere da, besonders für die Pferde. Als sie in der Kammer mit dem Sattel- und Zaumzeug verschwand, beschleunigte er seinen Schritt.

Auf der Schwelle des kleinen Raums hielt er inne und sah, wie sie zur gegenüberliegenden Wand ging, stehen blieb und das Zaumzeug anstarrte, das ordentlich in einer Reihe hing.

»Suchst du etwas Bestimmtes?«, fragte er mit besorgtem Blick.

Sie sah über ihre Schulter, doch sie antwortete nicht. Sie starrten einander eine ganze Weile lang an, bevor Dawson ein persönlichere Frage wagte. »Willst du über morgen sprechen?«

Endlich kam Leben in Kennedys Augen. »Da gibt es nichts zu reden. Mir geht’s gut!«, schnappte sie. Er konnte sehen, wie sich ihr Körper anspannte.

Das war es also, was ihr Sorgen machte. Dawson trat einen Schritt zurück, wie um sich zu entschuldigen, und hob beschwichtigend die Hände. »Tut mir leid, Ken. War nicht so gemeint. Ich wollte nur helfen.«

»Ich brauche keine Hilfe.« Ihre Stimme klang barsch.

Er nickte und lehnte sich gegen den Türrahmen. »’türlich nicht. Schließlich bist du ein Profi.«

Sie antwortete auf seinen neckenden Ton mit einem weiteren kurzen Schnauben, aber diesmal lag weniger Zorn in ihrem Blick, als sie ihn ansah.

Er wusste, wohin ihre Gedanken wanderten.

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