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Cotton Reloaded - Sammelband 04

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über dieses Buch
  4. Die Autoren
  5. Impressum
  6. Cotton Reloaded 10 - Projekt Omega
  7. Cotton Reloaded 11 - Tod auf Bestellung
  8. Cotton Reloaded 12 - Survival

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

Dieser Sammelband enthält die Folgen 10-12 von COTTON RELOADED.

Über dieses Buch

Eine neue Zeit. Eine neue Mission. Ein neuer Held: Erleben Sie die Geburt einer neuen Legende! COTTON RELOADED ist das Remake der erfolgreichen Kultserie „Jerry Cotton“.

Drei spannende Thriller in einem Band:

Projekt Omega: Die Frau des Stabchefs des Weißen Hauses wird von einem Unbekannten erpresst. Ihre dunkle Vergangenheit führt Cotton und seine attraktive Kollegin Decker tief ins New Yorker Pornomilieu.

Tod auf Bestellung: Ein als Pizzaboote verkleideter Serienmörder zieht eine blutige Spur durch das Einsatzgebiet des G-Teams. Alle seine Opfer haben eins gemeinsam: Sie sind Organspender mit einem seltenen genetischen Profil. Cotton lässt einen Datensatz mit einem perfekten Spender erstellen. Und wartet unter der Adresse auf den Killer.

Survival: Ein Überlebenstraining in den Wäldern im Nordosten der USA entwickelt sich für die Agenten des FBI zum wahren Albtraum. Als sie die Leichen einer weiteren Einsatztruppe entdecken wird klar: Die Jagd ums Überleben hat begonnen.

Die Autoren

Peter Mennigen wuchs in Meckenheim bei Bonn auf. Er studierte in Köln Kunst und Design, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. Seine Bücher wurden bei Bastei Lübbe, Rowohlt, Ravensburger und vielen anderen Verlagen veröffentlicht. Neben erfolgreichen Büchern und Hörspielen schreibt er auch Drehbücher für Fernsehshows und TV-Serien.

Alexander Lohmann, geboren 1968 in München, studierte nach einer Ausbildung zum Informatiker Germanistik und Geschichte und war als Redakteur bei Zeitschriften tätig. Die Lektüre des »Herrn der Ringe« weckte schon früh seine Liebe zur Fantasy, die er in mehrere eigene Romane umsetzte. Seine Vorliebe für spannungsreiche Gegensätze brachte ihn auch zu COTTON RELOADED. Alexander Lohmann lebt als freier Autor, Lektor und Übersetzer in Leichlingen.

COTTON RELOADED

Projekt Omega

Peter Mennigen

1

Die Abenddämmerung färbte den Himmel über Washington blutrot. Vor dem Weißen Haus verscheuchten Scheinwerfer die Schatten der hereinbrechenden Nacht und übergossen die weißen Fassaden mit ihrem Flutlicht. Am südlichen Hauptportal hatten vier dunkel gekleidete Agents des Secret Service Aufstellung genommen, Bodyguards des Präsidenten. Regungslos und breitbeinig standen sie da – massige Männer, bereit, beim kleinsten Anzeichen von Gefahr die großkalibrigen Waffen unter ihren Jacketts hervorzuzaubern. Ihre Augen waren starr geradeaus gerichtet, scheinbar ohne etwas Bestimmtes anzuvisieren. In Wahrheit musterten sie misstrauisch einen jungen Mann im eleganten Smoking. Er stand wenige Schritte entfernt an der Außentreppe, die zur Zufahrt hinunterführte. Seinem FBI-Ausweis nach lautete sein Name Jeremiah Cotton.

Der G-Man war mittags mit dem Flieger aus New York gekommen. Den größten Teil des Nachmittags hatte er in seinem Hotelzimmer verbracht und am Laptop Bürokram erledigt. Gegen 19 Uhr war er mit einem Taxi zum Weißen Haus gefahren.

Da lehnte er nun mit ausdruckslosem Gesicht an einer der sechs Außensäulen, die das markante, halbkreisförmige Vordach über dem Aufgang stützten. Zunehmend kämpfte er gegen eine nervöse Anspannung. Inzwischen spielte er ernsthaft mit dem Gedanken an einen strategischen Rückzug. Er fühlte sich hier wie ein Teil in einem falschen Puzzle. Er gehörte nicht in diese mondäne Welt.

Einmal im Jahr gab der amerikanische Präsident ein spezielles Bankett im Weißen Haus. Geladen waren ausschließlich Personen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten in besonderer Weise um die Sicherheit der Nation verdient gemacht hatten. Auf der Gästeliste fanden sich gewöhnlich hohe Tiere aus der Politik, vom Militär, den Police Departments und den Geheimdiensten. Entgegen dieser Tradition zählten dieses Jahr auch zwei Vertreter des niederrangigen Fußvolkes zum illustren Kreis der Auserwählten. Zwei Special Agents vom FBI namens Philippa Decker und Jeremiah Cotton.

Wenige Schritte vor Cotton bewegte sich ein Strom Limousinen der oberen Luxusklasse vorbei. Stoßstange an Stoßstange rollten sie über die Zufahrt heran und stoppten nacheinander in Höhe des Portals. Ein Hausdiener öffnete den festlich gewandeten Insassen die Tür. Anschließend brauste das Auto weiter, und das Prozedere wiederholte sich mit dem nächsten Fahrzeug.

Cotton brütete seit einer halben Stunde über seine Situation: Kein Mensch würde ihn auf dem Bankett vermissen, wenn er stattdessen den Abend in einer Bar in Brooklyn bei Livemusik und einem guten Single-Malt-Whisky verbrachte. Der nächste Flug nach New York ging in knapp einer Stunde. Mit etwas Glück könnte er die Maschine noch erwischen. Andererseits hatte er viel Mühe in sein Äußeres investiert. Wäre schade, wenn er jetzt einen Rückzieher machte.

Aus einem unerfindlichen Grund fühlte er sich plötzlich beobachtet, drehte sich um und erblickte seine Partnerin. Philippa »Phil« Decker stand an der Flügeltür, durch die die Gäste ins Weiße Haus strömten. Die Agentin hatte sich mächtig in Schale geworfen. Fast hätte Cotton sie in ihrem eleganten Cocktailkleid, das für ihre Verhältnisse bemerkenswert viel Haut offenbarte, nicht wiedererkannt. Vor allem das Dekolleté gewährte tiefe Einblicke, zumal sie im Dienst vorwiegend nüchterne Hosenanzüge trug.

Nach einem kurzen Blickkontakt ergab sich der G-Man in das Unvermeidliche. Schicksalsergeben zuckte er mit den Schultern, vergrub die Hände in den Hosentaschen und setzte sich Richtung Eingang in Bewegung.

»Ich bin mir nicht sicher, was gerade in Ihrem Kopf vorgeht«, sagte Decker, als er in Hörweite kam. »Aber es ist wohl besser, Sie halten es unter Verschluss.«

»Sagen Sie bloß, Sie führt die Sehnsucht zu mir.«

»Bedaure«, erwiderte Decker spröde. »Nicht die Sehnsucht, sondern Mr High. Unser Chef hegt die Befürchtung, Sie könnten sich verkrümeln.«

»Er hatte immer schon ein gutes Näschen«, murmelte Cotton.

»Nervös?«

»Ich weiß nicht«, antwortete er wahrheitsgemäß, während sie eine Sicherheitsschleuse durchschritten und in das imposante Vestibül gelangten. »Weshalb sind wir hier? Was war das noch mal?«

»Weil wir die Welt gerettet haben«, erinnerte Decker ihn. »Und nicht nur einmal.«

»Wirklich? Dann geht es wohl in Ordnung, dass der Präsident uns einen Drink spendiert. Sie sehen übrigens grandios aus in dem Kleid.«

»Das ist das Mindeste, was man für den Preis erwarten darf. Normalerweise haben meine Sachen dreimal so viel Stoff und kosten dafür nur ein Drittel.«

»Ich könnte mich daran gewöhnen. Sollte ich als Dienstkleidung vorschlagen.«

Ehe Decker etwas erwidern konnte, gelangten sie zum »East Room«, dem großen Festsaal für Staatsempfänge. An der weit geöffneten Flügeltür wurden sie vom Präsidenten und der First Lady mit Handschlag begrüßt. Das Ritual nahm pro Gast keine Minute in Anspruch.

In Deckers Kielwasser betrat Cotton einen pompösen Salon. Die Wände waren in dezenten creme und lindgrünen Farbtönen gehalten. Antike Möbel, Teppiche und Gemälde werteten das Dekor des geschichtsträchtigen Saals zusätzlich auf.

Cotton entdeckte seinen Chef. John D. High war in ein Gespräch mit einem Senator vertieft. Um die beiden nicht zu stören, taten die Agents so, als hätten sie ihren Vorgesetzten nicht gesehen. Soweit Cotton es im Vorbeigehen mitbekam, bat der Senator den hochgewachsenen Mr High im Namen ihrer nicht existierenden Freundschaft um einen Gefallen. Dabei wusste jeder im G-Team, dass High den Politiker nicht ausstehen konnte.

Decker und Cotton bewegten sich vorsichtig weiter, vorbei an modebewusst gekleideten Ladys mit ihren männlichen Begleitern, die sich mit einfallslosen Smokings zufriedengaben. Die Gäste hatten kleine Gruppen gebildet und unterhielten sich angeregt.

»Ich bin zu jung für so was«, stöhnte Cotton beim Anblick der größtenteils silberhaarigen Fraktion seines Geschlechts.

»Was ist mit einem Drink?«, fragte Decker.

»Was soll damit sein?«

»Ein wahrer Gentleman versorgt eine Lady bei solchen Anlässen mit Alkoholischem, um sie bei Laune zu halten.«

»Dann werde ich mich schleunigst auf die Suche machen.« Cotton hielt Ausschau nach einer Bar. Am anderen Ende des Saals schlängelte sich eine Serviererin zwischen den Gästen hindurch. Routiniert jonglierte sie ein Tablett voller Cocktailgläser, in denen Eiswürfel klimperten. Cotton bahnte sich einen Weg zu der jungen Frau. Sie schenkte ihm ein Lächeln, als er zwei Drinks von ihrem Tablett nahm und sich bedankte.

Mit einem Glas in jeder Hand kehrte Cotton zu der Stelle zurück, wo er Decker zurückgelassen hatte. Sie war verschwunden. Offensichtlich wirkte sie zu anziehend auf die männlichen Gäste, um lange alleine zu bleiben. Cotton entdeckte sie vor einem offenen Kamin, umlagert von einer Traube gut aussehender Männer. Mit einem bezaubernden Lächeln nahm Decker die Avancen entgegen.

Wie es aussah, war Cotton nun auf sich allein gestellt. Begleitet von den dezenten Klängen eines Klaviers und dem Gefühl des Deplatziertseins balancierte er seine Cocktailgläser zu einer der hohen Terrassentüren. Mit dem Ellbogen drückte er geradezu artistisch eine der Klinken herunter, ohne dass ein Tropfen aus den Gläsern schwappte, und trat hinaus auf die Terrasse in die laue Nachtluft. Hinter sich schloss er die Tür auf ähnliche Weise, wie er sie geöffnet hatte.

Cotton atmete tief durch. Die Terrasse war menschenleer. Irgendwo plätscherte ein Springbrunnen. Der Himmel zeigte ein samtenes Nachtblau, voll glitzernder Sterne und einer Mondsichel über dem Horizont.

Der G-Man verharrte an der steinernen Balustrade mit Blick auf die Parkanlage und leerte die beiden Cocktails hintereinander. Sein Plan: Den öden Abend mittels großzügigen Umgangs mit Alkohol etwas weniger öde zu gestalten.

Beim Abstellen des zweiten Glases bemerkte er im Augenwinkel die Gestalt einer Frau in der Terrassentür. Ihre schlanke Silhouette hob sich schwarz wie ein Schattenriss vor dem erleuchteten Festsaal ab.

Neugierig wandte Cotton der Unbekannten den Kopf zu. Die nippte an ihrem Drink, während sie ihrerseits den G-Man taxierte.

»Guten Abend«, grüßte er. »Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?«

»Ich suche jemanden«, antwortete sie mit einer bemerkenswert dunklen und samtigen Stimme.

»Tut mir leid, da muss ich passen. Ich kenne auf der Party so gut wie niemanden.«

»Sind Sie nicht Jeremiah Cotton?«

»Wie der Zufall es will, bin ich es«, antwortete er und fragte sich verwundert, woher die Lady seinen Namen kannte.

Mit geschmeidigen Schritten trat sie auf ihn zu. Die dezente Terrassenbeleuchtung enthüllte eine blendend aussehende Frau in den Dreißigern mit feinen Gesichtszügen, hohen Wangenknochen und außergewöhnlich schönen Augen. Ihr Make-up war makellos, ebenso das eng geschnittene, knielange Kleid aus blassblauer Seide. Ihr kastanienfarbenes Haar hatte sie asymmetrisch frisiert. Auf der linken Seite war es straff zurückgekämmt, sodass ein Ohr frei blieb; rechts fiel es ungebändigt in schweren Locken über die Schulter. In der einen Hand hielt sie eine kleine, schwarz glänzende Handtasche, in der anderen ein halb volles Martiniglas.

»Ich würde gerne mit Ihnen reden.« Sie lächelte ihn an, doch es war ein bemühtes Lächeln, verkrampft und gezwungen.

»Worüber?«

»Es ist … Wie soll ich sagen … ein bisschen delikat.«

»Sind Sie sicher, dass ich der Richtige bin, dem Sie Ihr Herz ausschütten wollen? Wir kennen uns nicht und …«

»Es geht nicht nur um mich, auch um meinen Mann. Vielleicht sogar um die Sicherheit der Nation.«

»Sie machen mich neugierig. Wären Sie vielleicht so gütig und verraten mir Ihren Namen?«

»Ich heiße Joan Fallon und bin die Frau von Richard Fallon.«

Cotton horchte auf. Fallon war der engste Berater und Vertraute des Präsidenten.

»Mein Mann hält sein Privatleben, wozu auch ich gehöre, sehr privat. Ich gebe keine Interviews, lasse mich ungern von den Medien ablichten und begleite meinen Gemahl ausschließlich zu privaten Anlässen. Hätte ich nicht zufällig von ihm erfahren, dass Sie heute Abend auf diesem Bankett sind, wäre ich vermutlich gar nicht hier.«

»Wirklich? Ich fühle mich geehrt, aber …«

»Haben Sie ein Problem damit, wer ich bin?«

»Nein. Ich bin nur ein wenig verwirrt, wie ich der Frau eines der mächtigsten Männer unseres Landes helfen könnte.«

»Das versuche ich Ihnen gerade zu erklären, Mister Cotton.«

»Nennen Sie mich bitte Jeremiah.«

»Na schön, Jeremiah.« Sie sah ihn mit einem Ausdruck an, in dem sich Hoffnung und Verzweiflung die Waage hielten. »Aber zuerst müssen Sie mir versprechen, dass Sie mit niemandem darüber reden, was ich Ihnen anvertraue.«

»Wenn es sich um nichts Ungesetzliches handelt, kann ich Ihnen dieses Versprechen guten Gewissens geben. Also, wie kann ich Ihnen helfen, Ma’am?«

»Ich bin eine attraktive und im Vergleich zu meinem Mann junge Frau«, stellte sie selbstbewusst fest.

»Zweifellos.«

»Allerdings hat mein Äußeres auch eine Schattenseite.«

»Inwiefern?«

»Es gibt da einen dunklen Punkt in meiner Vergangenheit, von dem weder mein Mann noch jemand in seinem Umfeld weiß und auch niemals erfahren darf. Bevor ich Richard kennenlernte, war ich Schauspielerin in … nun ja, exotischen Filmen.«

»Exotisch? Meinen Sie damit etwa …?« Cotton lockerte mit einer Hand seine Krawatte, die er des feierlichen Anlasses wegen trug. Aus irgendeinem Grund schnitt ihm das ungewohnte Ding plötzlich die Luft ab.

»Ja, genau das meine ich. Bevor ich die Frau des Präsidentenberaters wurde, war ich Darstellerin in Schmuddelfilmen. Teils weil ich das Geld brauchte, teils aus der naiven Hoffnung heraus, dass mir diese Rollen den Weg zu einer seriösen Schauspielkarriere ebnen könnten. Bis vor Kurzem glaubte ich dieses Geheimnis sicher. Meine Filme waren Gott sei Dank nie ein großer Renner. Keiner kam je ins Kino. Die Machwerke verstaubten allesamt als billige Videokopien in den hinteren Regalreihen von Sexshops. Nachdem ich Richard kennengelernt hatte, habe ich vor einigen Jahren sämtliche Filme und Fotos aus dieser Zeit aufgekauft. Ich kannte ja die Regisseure und Fotografen von damals. Alles gescheiterte Existenzen, die von der Hand in den Mund leben. Deshalb waren sie nur zu gern bereit, mit meinen Ladenhütern noch etwas Geld zu machen. Also verkauften sie mir das Material. Im Handel befand sich zu dieser Zeit längst nichts mehr, dafür waren die Streifen zu betagt. Und die wenigen Exemplare, die den Weg über den Ladentisch gefunden hatten, waren vermutlich auch schon dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen.«

»Wunderbar, dann ist doch alles klar.«

»Das hatte ich auch geglaubt.« Sie wandte sich von Cotton ab und blickte hinaus in die Dunkelheit, die über der Parkanlage lag. »Bis ich vergangene Woche die Nachricht von einem noch existierenden Sexvideo mit mir in der Hauptrolle erhielt.« Tränen traten in ihre Augen. »Mein Mann würde mir diese Schande niemals verzeihen.«

»Erpresst man Sie um Geld?«

»Nein, es geht um Staatsgeheimnisse, die meinem Mann anvertraut sind. Präzise gesagt, geht es dem Erpresser um eine Akte mit dem Decknamen ›Projekt Omega‹, zu der mein Mann Zugang hat. Wahrscheinlich deponiert er sie zusammen mit anderen brisanten Dokumenten sogar in unserem Haustresor.«

»Haben Sie eine Ahnung, um was es sich bei diesem Projekt handelt?«

»Nein, mein Mann würde niemals über solche Vertraulichkeiten reden, auch nicht mit mir. Ich weiß nur, das ist eindeutig ein Fall für unsere Geheimdienste. Bloß wenn ich die ins Vertrauen ziehe, erfährt mein Mann unweigerlich von meiner Vergangenheit. Das bedeutete das Ende meiner Ehe und das Ende seiner Karriere.«

»Wie … äh, freizügig sind diese Filme denn?«

Sie biss die Zähne zusammen und schloss für einen Moment die Augen. »Wir reden hier nicht über harmlose Sexfilmchen, sondern über Filme, die man heute als Hardcore bezeichnen würde.«

»Verstehe. Haben Sie einen Verdacht, wer der Erpresser sein könnte?«

»Nein, er hat sich über meinen E-Mail-Account anonym gemeldet.«

»Gibt es einen Beweis für die Existenz dieses Videos? Möglicherweise blufft der Erpresser nur.«

»Und wenn es kein Bluff ist? Was würde dann aus mir und meinem Mann, wenn der Film an die Öffentlichkeit gelänge? Dazu darf es niemals kommen. Deshalb muss ich davon ausgehen, dass es diese Kopie tatsächlich gibt.«

»Aber wenn Sie dem Erpresser nachgeben und Staatsgeheimnisse verraten, wird das in Zukunft immer wieder passieren.« Cotton rieb sich nachdenklich das Kinn. »Falls dieser ominöse Film tatsächlich existiert, kann ich Ihnen den unmöglich beschaffen. Das Video ist Ihre Privatangelegenheit, dafür ist das FBI nicht zuständig. Würde ich mich einschalten, wäre das Amtsmissbrauch.«

»Verstehe.« Sie gab sich Mühe, den Tiefschlag zu verdauen, ohne dass die Tränen flossen. »Tut mir leid, dass ich Ihre kostbare Zeit verschwendet habe. Leben Sie wohl.«

»Moment, das gerade war die schlechte Nachricht. Die gute ist: Wenn ich das Ganze sehe, geht es bei der Geschichte nicht um ein Sexvideo, sondern um Erpressung und Landesverrat. Für beides ist das FBI zuständig. Wenn ich im Zuge der Ermittlungen auf ein anstößiges Video von Ihnen stoßen sollte, verschwindet es als Beweisstück für immer in der Asservatenkammer. Allerdings kann ich die Ermittlungen nicht im Alleingang durchführen.«

Sie holte erschrocken Luft. »Aber Sie haben versprochen …«

»Niemandem etwas von Ihrer Vergangenheit zu verraten.« Cotton nickte. »Sie haben mir vertraut, als Sie mir die Geschichte erzählt haben. Jetzt bitte ich Sie, mir zu vertrauen. Um Erfolg zu haben, muss ich meine Vorgesetzten und meine Partnerin einweihen. Für deren Diskretion lege ich die Hand ins Feuer. Ansonsten wird kein Mensch etwas erfahren, das verspreche ich Ihnen.«

Einen Augenblick lang war die Andeutung von Zweifel in ihrem Gesicht zu erkennen, dann gab sie mit einem stummen Nicken ihre Zustimmung.

»Da wäre nur noch eins.« Cotton beugte sich zu ihr vor. »Welchen Künstlernamen hatten Sie damals?«

»Heather Heart«, antwortete sie, verdutzt über die unerwartete Frage. »Spielt das eine Rolle?«

2

Decker flog am nächsten Morgen nach New York zurück. Cotton und High mussten vormittags einen Termin bei der Washingtoner Vertretung des FBI wahrnehmen. Deshalb saßen sie erst kurz vor Mittag in der ersten Klasse einer Boeing. Eigentlich wollte High sich während des Rückflugs nach New York etwas Entspannung gönnen. Daraus wurde nichts. Als die Maschine vom Flugsteig zur Startbahn rollte, brachte Cotton den Fall Joan Fallon zur Sprache. Während des Flugs hatten sie ausreichend Gelegenheit, verschiedene Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Ursprünglich hatte Cotton vorgehabt, auch Decker in die Sache einzuweihen, hatte sich aus einem Bauchgefühl heraus aber anders entschieden. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Cotton berichtete High von seiner Begegnung mit Mrs Fallon auf dem Bankett. Er erzählte ihm alles, von dem Vorleben der Gattin des Präsidentenberaters bis hin zu der Forderung des Erpressers nach Staatsgeheimnissen, zu denen ihr Mann Zugang besaß.

Der Chef des G-Teams war klug und erfahren genug, um die Brisanz des Falles in seiner ganzen Tragweite zu erkennen. Wenn sie das Problem mit üblichen FBI-Methoden lösen wollten, wäre das Unternehmen wohl unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Erst mussten sie die Hintergründe der Leute kennen, die als Strippenzieher bei der Erpressungsgeschichte infrage kamen. Um den Ruf des Opfers und ihres Mannes nicht zu schädigen, war dabei neben Fingerspitzengefühl eine Menge Kreativität gefragt. Und zwar in einem Ausmaß, bei dem herkömmliche Polizeiarbeit an ihre Grenzen stieß.

Cotton hatte bereits ein paar Ideen ausgearbeitet, wie sie vorgehen sollten. Allerdings hing die Umsetzung entscheidend von Decker ab. Ihr kam bei der geplanten Aktion eine tragende Rolle zu. Ob sie dabei mitziehen würde, erschien mehr als fraglich.

Obwohl High einen ziemlich vollen Terminkalender hatte, wies er diesem Fall umgehend oberste Priorität zu. Für den Abend setzte er ein Meeting im HQ an. Nur er, Cotton und Decker.

*

Als Cotton am Abend im HQ eintraf, war Decker bereits bei Mr High im Büro. Beide saßen sich an seinem Schreibtisch gegenüber. Nach kurzer Begrüßung nahm Cotton auf dem freien Stuhl an der rechten Schreibtischseite Platz. Dabei versuchte er sich nicht von Philippa Deckers zornigem Blick einschüchtern zu lassen.

Decker stand nicht der Sinn nach Höflichkeitsfloskeln, deshalb kam sie gleich zur Sache: »Unser Chef hat mir gerade Ihren Vorschlag erläutert, Cotton. Ich soll eine Karriere im Sexgewerbe anstreben? Das ist hoffentlich bloß einer Ihrer schlechten Scherze. Ich denke nicht im Traum daran, mir als Prostituierte an einer Straßenecke den Hintern für sabbernde Freier abzufrieren.«

»Da müssen Sie mich falsch verstanden haben«, sagte High. »Wir beabsichtigen Sie als angehende Pornoqueen ins Rotlichtmilieu einzuschleusen.«

»Pornoqueen?« Ihr Gesicht lief dunkelrot an. »Ich? Wow, mein Jungmädchentraum wird endlich wahr.«

»Sarkasmus ist jetzt wenig hilfreich, Special Agent.« High warf ihr einen tadelnden Blick zu. »Sie sollen natürlich nur so tun, als wollten Sie …«

»Oh, da bin ich ja beruhigt«, fiel Decker ihm ins Wort. »Und Agent Cotton? Ist er als Nebendarsteller vorgesehen, oder was?«

Cotton blickte seinen Chef an. »Wäre das machbar, Sir?«

Er konnte es kaum glauben, aber Mr High schien zu grinsen.

Decker sprang auf und beugte sich so weit über die Schreibtischplatte nach vorne, dass ihre Nasenspitze keine drei Zoll von Cottons entfernt war. Ihrem Gesichtsausdruck nach fiel es ihr extrem schwer, die Hände nicht um seinen Hals zu legen und zuzudrücken.

»Ihr Vorschlag ist diskriminierend, Cotton!«, fuhr sie ihn an. »Also zügeln Sie Ihre schmutzige Fantasie und vergessen Sie mich bei der Sache. Versuchen Sie Ihr Glück bei einer Praktikantin. Vielleicht finden Sie ja eine, die sich für solche Nacktaufnahmen nicht zu schade ist.«

High saß regungslos auf der anderen Seite des Schreibtisches. Das Kinn auf die Hände gestützt, ließ er Deckers Wortschwall mit stoischem Gleichmut über sich ergehen.

Nachdem sie geendet hatte, knüpfte er dort an, wo er vorhin unterbrochen worden war: »Womit wir zum heiklen Teil dieser Mission kämen.«

Statt weiter Cotton in die Mangel zu nehmen, nahm Decker wieder Platz und blickte ihren Chef düster an.

»Für mich war die angedachte Rolle als Pornoqueen der heikle Teil dieser Mission, Sir«, sagte sie. »Ich wüsste nicht, was noch kommen könnte, das heikler wäre.«

»Bei dem Erpressungsopfer handelt es sich um Joan Fallon«, ließ High die Katze aus dem Sack. »Die Frau des Präsidentenberaters Richard Fallon. Sie wird wegen ihrer zweifelhaften Vergangenheit als Schauspielerin erpresst, wobei es nebenbei auch um die nationale Sicherheit geht.«

Decker klappte die Kinnlade herunter. »Joan Fallon war Pornodarstellerin?«

Peinliche Stille breitete sich aus, bis High wieder das Wort ergriff und die Agentin beschwor: »Was dieses pikante Detail angeht, möchte ich Sie um äußerste Diskretion bitten. Diese Information unterliegt der höchsten Geheimhaltungsstufe. Außer der Betroffenen wissen nur wir drei davon. Und ich will, dass es so bleibt. Ansonsten wären nicht nur Mr und Mrs Fallon, sondern die gesamte Administration in Washington kompromittiert, bis hinauf zum Präsidenten. Offiziell gilt unsere Ermittlungsarbeit einem Erpresser, der es auf Staatsgeheimnisse abgesehen hat. Was Ihre vorgesehene Rolle bei dem Fall angeht, Decker: Sehen Sie die professionell als ein rein berufliches Engagement zum Wohle Ihres Landes.« Bevor die Agentin wieder mit irgendeinem Einwand kommen konnte, beendete High rasch das Meeting: »Dann wäre das geklärt. Cotton, Sie sondieren das Gelände. Klopfen Sie ein bisschen die Schmuddelszene von New York City ab. Wir müssen herausfinden, ob tatsächlich noch eine Kopie von einem von Mrs Fallons Filmen existiert und wenn ja, wer sie besitzt. Dann hätten wir vermutlich auch den Erpresser. Ein Dossier mit allen relevanten Informationen über die einflussreichsten Hintermänner der Rotlichtbranche schicke ich auf Ihren Rechner. Und Sie, Decker, besorgen sich morgen eine passende Garderobe für den Einsatz. Nichts für ungut, aber in Ihren Hosenanzügen gehen Sie beim besten Willen nicht als Sexmieze durch.«

»Als was?« Decker zuckte zusammen.

Ehe sie ihrer Empörung über die in ihren Ohren frauenfeindliche Bezeichnung Luft machen konnte, stand Cotton bereits neben ihr, packte sie unter dem Arm und hievte sie vom Stuhl hoch.

»Kein Problem, Sir«, versprach er High, während er Decker aus dem Büro schob. »Wir kümmern uns um alles.«

Kaum waren die beiden Agents in dem angrenzenden Großraumbüro, bugsierte Decker ihren Partner in eine Ecke, wo keiner sie sehen oder hören konnte. Es war schon nach einundzwanzig Uhr. Der Korridor vor ihnen war leer bis auf zwei uniformierte Wachmänner am hinteren Ende.

»Wie stellt ihr Komiker euch meinen Undercover-Einsatz eigentlich vor?«, machte sie ihrem noch längst nicht verrauchten Ärger erneut Luft. »Soll ich mich etwa vor laufender Kamera entblättern, wenn irgendein schmieriger Regisseur ruft: ›Ausziehen‹?«

»So weit wird es nicht kommen«, behauptete Cotton. »Sie werden sich vor keiner Kamera entblättern müssen. Sie müssen sich nur wie eine angehende Pornoqueen gebärden und kleiden.«

»Darf ich fragen, mit welcher Rolle Sie zur Lösung des Falles beitragen wollen?«

»Als Ihr Manager. Auf diese Weise habe ich immer ein aufmerksames Auge auf Sie.«

»Das mit dem ›aufmerksamen Auge‹ kann ich mir gut vorstellen.« Decker atmete tief durch. »Ich schlafe jetzt erst mal eine Nacht über Ihren Vorschlag. Vielleicht sehe ich die Sache morgen mit anderen Augen. Ist zwar unwahrscheinlich, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.«

*

Cotton fuhr mit seinem Dienstwagen nach Brooklyn. In seinem Apartment wärmte er sich eine tiefgefrorene Pizza in der Mikrowelle auf. Nach dem Essen checkte er den Anrufbeantworter. Die rot blinkende Leuchtdiode signalisierte einen gespeicherten Anruf. Er drückte den Abspielknopf, worauf eine leicht hysterische Frauenstimme aus dem Lautsprecher drang: »Wir waren heute Abend verabredet, schon vergessen? Ich nicht. Ich hocke hier nämlich seit Stunden in dem dämlichen Restaurant und lass mich von Schnepfen in männlicher Begleitung mitleidig belächeln. Wenn du in Zukunft noch mal ausgehen willst, streich mich von deiner Liste. Am besten, du tust uns beiden den Gefallen und rufst mich nie wieder an.«

Nachdem Cotton die Mitteilung mit einem Anflug von schlechtem Gewissen abgehört hatte, ging er in die Küche und setzte die Kaffeemaschine in Gang.

Keine Frage, sein Job wirkte sich nicht zum Vorteil auf sein Privatleben aus. Seine sozialen Kontakte mit dem schönen Geschlecht entwickelten sich zurück, von »häufig« zu »sporadisch«, und waren auf dem besten Wege, sich in »nicht existent« aufzulösen. Von solchen Nebenwirkungen hatte ihm bei seinem Einstellungsgespräch beim FBI niemand etwas verraten.

Er trat mit einer Tasse Cappuccino und einem Stapel Post, den er im Briefkasten gefunden hatte, auf den Balkon hinaus und nahm an einem kleinen Tisch Platz. Eine Weile saß er da und blickte in die samtene Nacht hinaus. Die Luft war immer noch behaglich lau. Aus einem Fenster in der Nachbarschaft erschallte das laute Gelächter einer Frau. Im Neonlicht von Straßenlaternen spielten Jungendliche auf einem Hinterhof Basketball.

Mechanisch begann er die Briefe zu sortieren. Zwischen Werbesendungen hatten sich ein paar Rechnungen verirrt. Die Umschläge landeten allesamt ungeöffnet auf der Tischplatte. Cotton war zu angespannt, um sich aufs Lesen zu konzentrieren. Stattdessen schwenkten seine Gedanken zu dem Undercover-Einsatz. Beunruhigende Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Sie drehten sich ausnahmslos um Decker.

Einsätze in der Rotlichtszene bargen eine ganze Reihe unerfreulicher Eventualitäten: Bandenfehden, Revierkämpfe, Ehrenkodexe und Imponiergehabe, das aus banalsten Gründen in eine tödliche Auseinandersetzung umschlagen konnte. Und in dieser Schlangengrube sollte Decker jetzt ermitteln. Nicht als Agentin des FBI, die aufgrund ihres Status über einen gewissen Schutz verfügte, sondern in der Rolle einer auf Abwege geratenen Frau. Niemand konnte voraussagen, wie hoch das Risiko und der Mangel an Kontrolle bei diesem Einsatz wirklich sein würden.

An diesem Morgen war Cotton noch zuversichtlich gewesen, dass sie über den Einstieg in die Rotlichtszene Mrs Fallons Film aufspüren könnten, falls es ihn überhaupt gab. Inzwischen war er nicht mehr so hoffnungsvoll, wie er sich Decker und High gegenüber gegeben hatte.

Möglicherweise wäre das ein guter Grund, die Strategie nochmals zu überdenken. Andererseits steckten sie für einen Rückzieher schon zu tief in den Vorbereitungen. Außerdem fehlte es an Alternativen, einem »Plan B«.

Cotton schluckte schwer. Falls sein Plan schiefging und Decker bei dem Einsatz etwas zustoßen sollte, ging es auf seine Kappe.

3

Der nächste Morgen begann sonnig und warm, mit einem tiefblauen Himmel. Cotton hatte die Nacht kaum ein Auge zugetan, zu sehr hatte ihn die Sorge um Decker beschäftigt.

Entsprechend zerschlagen saß er im HQ. Mit rotgeränderten Augen las er am Computer Highs Dossier über die Größen in der Schmuddelfilmbranche. Das meiste war belangloser Kram, den er entweder schon kannte oder dessen Informationsgehalt ohne Relevanz für den Fall »Joan Fallon« war. Dann aber stieß er auf etwas, das seine Aufmerksamkeit weckte. Bis vor etwa zehn Jahren war ein gewisser Eric Styles die große Nummer in der New Yorker Sexfilmbranche gewesen. Mehr als eine Dekade hatte er Pornos am Fließband produziert, bis er plötzlich von heute auf morgen aus dem Geschäft verbannt worden war. Dass Styles sein Revier nicht freiwillig geräumt hatte, lag auf der Hand. Irgendwer hatte ihn verdrängt und sich den lukrativen Markt unter den Nagel gerissen.

Diese neue Nummer eins musste über sehr überzeugende Argumente verfügt haben. Über die Identität des Betreffenden gab das Dossier keine Auskunft. Die interessierte Cotton im Moment auch weniger als eine andere Information: Eric Styles lebte immer noch in New York und hielt sich als Inhaber eines Sexshops über Wasser. Nach seinem sozialen Absturz sann er womöglich immer noch auf Rache.

Cotton erkannte seine Chance. Wenn er die Sache richtig anpackte, war Styles möglicherweise der Schlüssel, der ihm die Tür in die Rotlichtszene öffnete. Andernfalls stieß er wahrscheinlich auf eine Mauer aus Misstrauen und Ablehnung. Mit einem alten Hasen wie Styles an seiner Seite konnte dieses Hindernis umgangen werden.

Das Klingeln des Telefons riss ihn aus seinen Überlegungen. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Decker.

»Guten Morgen, Cotton«, sagte sie. »Sie sehen aus, als hätten Sie die Nacht über kein Auge zugetan.«

Schlaftrunken schwenkte der G-Man seinen Bürostuhl herum, bis er Decker im Blickfeld hatte. Sie saß am anderen Ende des Großraumbüros an ihrem Schreibtisch und blickte in seine Richtung. »Muss ja eine wahnsinnig heiße Mieze gewesen sein, die Ihnen den Schlaf geraubt hat.«

»Dem kann ich nicht widersprechen«, gestand er, ohne zu erwähnen, dass es sich bei der »heißen Mieze« gewissermaßen um seine Gesprächspartnerin handelte. »Womit kann ich Ihnen dienen?«

Decker beugte sich vor, schirmte die Sprechmuschel mit einer Hand ab und flüsterte: »Ich habe ein ernsthaftes Problem. Dürfte ich Sie um Rat bitten?«

Cotton stutzte. Dass seine Partnerin ihn um einen Ratschlag bat, kam in etwa mit derselben Häufigkeit vor wie ein Schneesturm zur Mittagszeit in der Sahara.

»Worum geht es denn?«

»Gewissermaßen um eine Art Bildungslücke. Sie könnten mir ein paar Anregungen geben.«

»Was für Anregungen?«

»Was die Arbeitsplatzbeschreibung einer Pornoqueen angeht. In Sachen Sexfilme bin ich … nun ja, unerfahren. Ich habe mir nie so was angesehen. Im Gegensatz zu Ihnen, nehme ich an.«

»Sie haben noch nie einen Sexfilm gesehen?«, vergewisserte er sich ungläubig. »In Ihrem Alter?«

»Was soll das heißen, in meinem Alter?« Ihre Stimme bekam einen lauernden Tonfall.

»Konzentrieren wir uns lieber auf Ihre Bildungslücke, die sich leicht schließen lässt«, brachte Cotton das Gespräch rasch auf das eigentliche Thema zurück. »Ich lasse Zeerookah etwas Anschauungsmaterial für einen Crashkurs besorgen.«

»Ich kann es kaum erwarten.« Damit legte sie auf, schnappte sich Mantel und Handtasche und rauschte im Stechschritt aus dem Büro.

Cotton bahnte sich einen Weg durch das Labyrinth von Schreibtischen zu Zeerookahs Arbeitsraum. Der IT-Experte saß wie immer an seinem Computerterminal, das dem Kommandopult des Raumschiffs Enterprise hätte Konkurrenz machen können. Gebannt starrte er auf einen 40-Zoll-Monitor, über den kryptische Zahlenkolonnen huschten.

Wenn Zeerookah sich auf seinen Monitor konzentrierte, vergaß er die Welt um sich herum. Das Einzige, was er niemals vergaß, war sein Bauch. Davon zeugten ein halbes Dutzend ausgedienter Pizzakartons und Colabecher, die die Konsole verunstalteten.

»Hallo, Zeery«, hörte er Cottons Stimme in seinem Rücken. »Darf ich dich kurz stören?«

»Was kann ich für dich tun, was offenbar nicht warten kann, bis ich meine Arbeit erledigt habe?«, seufzte Zeerookah.

»Ich wollte dich bitten, mir ein paar Sexfilme zu besorgen.«

»Was?« Zeerookah fuhr herum wie von der Tarantel gestochen.

»Was die Auswahl angeht, vertraue ich deinem erlesenen Geschmack«, fügte Cotton rasch hinzu. »Ich bräuchte die Filme allerdings schnell, möglichst sofort.«

Zeerookahs immer größer werdende Augen klebten förmlich auf dem Bittsteller. »He, Alter, du scheinst es ja bitter nötig zu haben. Hätte ich bei einem Frauenflüsterer wie dir gar nicht gedacht.«

»Ich brauche die Filme für Feldstudien.«

»Na klar, wofür sonst?« Übers ganze Gesicht strahlend, wuchtete Zeerookah sich aus seinem Drehstuhl. »Unser Job wird von Tag zu Tag interessanter. Soll noch einer behaupten, das G-Team hätte bei seinen Einsätzen keinen Spaß.«

»Und lass dir eine Quittung über die Filme geben«, rief Cotton ihm hinterher.

Doch das bekam Zeerookah nicht mehr mit. Er war bereits zur Tür hinaus.

*

Am späten Vormittag verließ auch Cotton das HQ und fuhr mit seinem Dienstwagen zum Theatre District am Times Square. Von dort bog er in die 42nd Street. In der schmuddeligen Seitenstraße lagen die Dinge etwas anders als im »Mittelpunkt New Yorks« mit seinen prächtigen Leuchtreklamen. Nur wenige Ecken von dem Touristenmagneten entfernt fand man sich unvermittelt in der Halbwelt des New Yorker Rotlichtmilieus wieder. Statistisch war dies eine der gefährlichsten Gegenden der Stadt. Zumindest was Kleinkriminalität wie Diebstahl und Körperverletzung anging. Das Areal galt als Sammelbecken für Hehler, Zuhälter und Kleinganoven sämtlicher Couleur.

Cotton setzte den Wagen in eine Parklücke und stieg aus. Bei Tag wirkte die Gegend noch trostloser als bei Dunkelheit, wenn grellbunte Neonreklamen für billigen Sex warben.

Die Straße selbst bestand aus einer Ansammlung schiefer, aneinandergeschmiegter Altbauten, deren abgeblätterte Fassaden zu schmal für ihre Höhe wirkten. Jedes Gebäude war eine Klasse für sich in puncto Hässlichkeit. Die meisten Läden hatten noch geschlossen. Hinter vergitterten Fenstern im Parterre reihten sich Sexshops, Massagesalons, Stripbars und Hardcore-Kinos Wand an Wand. In den oberen Etagen wohnte niemand, sofern er woanders eine Bleibe finden konnte.

Cotton verriegelte die Wagentüren elektronisch und sah sich verstohlen um, ob jemand ihn beobachtete. Doch er weckte lediglich das Interesse einiger streunender Katzen, die überquellende Abfalltonnen nach Essensresten durchwühlten. An einem Straßenschild standen zwei Straßenkehrer, die eigentlich die Gosse vom Müll befreien sollten. Stattdessen lamentierten sie über ihr Pech, das sie angeblich ihr Leben lang begleitete.

Cotton steckte den Autoschlüssel in die Tasche seiner Lederjacke. Lässig überquerte er die Fahrbahn, deren Asphalt von Rissen in Gestalt gigantischer Spinnennetze überzogen war.

Er wirkte, als wäre er nicht sicher, wohin er gehen sollte. Nichts an seinen Bewegungen war auffällig, und genau das beabsichtigte er auch. Nicht weil er fürchtete, mit hiesigen Kriminellen aneinanderzugeraten. Mit denen würde er fertig. Er wollte nur keine Neugierde wecken. Es sollte so aussehen, als hätte ihn der Zufall in diese Straße verschlagen und keine polizeiliche Ermittlung.

Nach wenigen Minuten erreichte er sein Ziel. Er verweilte einige Sekunden vor einem Schaufenster, das eine Patina aus schwarzbraunem Staub überzog. Hinter der Scheibe lockten vom Sonnenlicht ausgeblichene Sexfilmcover mit falschen Versprechungen von Liebe und Glück.

Cottons Interesse galt allerdings weniger dem Sexshop, als dessen Inhaber Eric Styles, den Mr Highs Dossier als ehemalige Größe in der lokalen Sexbranche beschrieben hatte.

Der G-Man drückte die Ladentür gegen den Widerstand des von Verwitterung und Feuchtigkeit verzogenen Rahmens auf und betrat einen schmalen Verkaufsraum. Die Luft, die ihm entgegenschlug, war ein stickiges Gemisch aus Schweiß, Zigarettenqualm und einem undefinierbaren Gärgeruch. Das spärliche Ambiente beschränkte sich auf einen abgewetzten Filzteppich und einen wuchtigen Verkaufstresen aus den Anfangstagen der Holzverarbeitung. Darauf thronte eine Kasse, die bereits in der Disco-Ära ihre besten Tage hinter sich gehabt hatte. Die Wand dahinter war mit deckenhohen Regalen zugestellt, vollgestopft mit DVDs. Die übrigen Wände dekorierten Filmplakate posierender Frauen, die außer Ohrringen nichts am Leibe trugen und nur aus der Entfernung wirklich gut aussahen. An der Kopfseite führte ein enger Durchgang zu den Kabinen, in denen man sich mit Videos oder einer Peepshow vergnügen konnte.

Der Ladenbesitzer war allein und sortierte neue Filme auf DVD aus einem Karton in ein Regal. Die meisten Leute, die ihn kannten, hielten Eric Styles für einen hässlichen Fettsack; ganz falsch lagen sie damit nicht. Styles war um die fünfzig und hatte ungepflegte Zauselhaare. Seine Beine steckten in einer Hose aus schwarzem Kunstleder. Über seinem schwabbeligen Bierbauch spannte sich ein Metallica-Shirt. Seine nackten Arme zierte eine Vielzahl verstörender Tattoos. An den Füßen trug er lädierte Stiefel aus Schlangenleder-Imitat.

Er drehte sich zum Ladenbesucher um und fragte: »Kann ich etwas für Sie tun?« Seine Stimme klang rau wie eine rostige Türangel.

»Ich suche einen Film«, antwortete Cotton.

»Was Bestimmtes?«

»Haben Sie ›Iwo Jima‹ mit John Wayne?«

»Wollen Sie mich veräppeln?«

»War nur ein Scherz.« Cotton ließ den Blick über die Wände mit den Plakaten gleiten. Er überlegte kurz, ob er sein Glück mit einem Schuss ins Blaue wagen sollte und folgte dann einem Impuls: »Haben Sie was mit Heather Heart?«

»Heather Heart? Nie gehört. Ist wohl neu im Geschäft. Ich kann ja mal im Computer checken, ob von der was lieferbar ist.«

»Die Arbeit können Sie sich sparen. Ihre Videos sind out of print.«

»Tja, dann kann ich auch nicht weiterhelfen. Möchten Sie was anderes zur Entspannung daheim, oder eine unserer Kabinen aufsuchen?«

Statt auf das Angebot einzugehen, kam Cotton zum eigentlichen Grund seines Besuches.

»Sie verkaufen hier eine Menge Mist.« Mit dem Kinn deutete er in Richtung der Plakate. »Lässt sich damit überhaupt Geld verdienen?«

»Mit einer textilfreien Tussi lässt sich immer Geld verdienen. Wieso?«

Cotton erzählte, er wolle in New York als Sexfilmproduzent einsteigen und habe gehört, Styles sei eine große Nummer in der Branche gewesen. Vielleicht könne er ihm ja mit ein paar Insidertipps weiterhelfen.

Styles brachte ein müdes Grinsen zustande. »Sie wollen in diese Branche einsteigen? Sind Sie dafür nicht noch ein bisschen zu grün hinter den Ohren?«

»Lassen Sie das meine Sorge sein, Mister.«

»Okay. Also, um in die Branche einzusteigen, gibt es drei Möglichkeiten: Erstens, man sucht sich einen Verleiher, der den Streifen in die Kinos bringt. Zweitens, man brennt den Streifen selbst auf DVD und vertickt die Kopien eigenhändig in Sexshops. Drittens, man vergisst die Idee schnell wieder. Möglichkeit eins und zwei könnten nämlich dazu führen, dass man sich als Fischfutter im Hudson wiederfindet. Das ist ein knallhartes Geschäft. Die Leute, die es kontrollieren, mögen keine Konkurrenz. Schon gar nicht von Neulingen. Investieren Sie Ihre Kohle lieber an der Wall Street. Vermutlich werden Sie da mehr Geld verlieren als gewinnen, aber immerhin behalten Sie Ihr Leben. Und noch ein zusätzlicher Tipp: Verschwinden Sie aus meinem Laden, und lassen Sie sich nie wieder blicken.«

Cotton dankte für die gut gemeinten Ratschläge und verließ den Sexshop mit den Worten: »War nett, Sie kennenzulernen. Allerdings würde ich nicht darauf wetten, dass wir uns nicht mal wiedersehen.«

Die Saat hatte der G-Man ausgebracht. Für die Ernte musste er bis morgen warten.

*

Decker hatte ihre Ausrüstung für den anstehenden Undercover-Job zusammengestellt. Zu diesem Zweck war sie in exotischen Boutiquen gewesen, in die sie normalerweise nie einen Fuß setzen würde. Sie erwarb einige extrem gewagte Outfits von der Art, wie sie sich die Garderobe einer Pornoqueen vorstellte. Da sie auf keinerlei praktische Erfahrungen zurückgreifen konnte, verließ sie sich bei der Zusammenstellung der Kollektion ganz auf ihren Instinkt. Sie verstaute die Tüten und Taschen mit ihrer Ausbeute in ihrem Dienstwagen und fuhr zum HQ des G-Teams zurück, gespannt auf Cottons fachmännisches Urteil, ihre Auswahl betreffend.

Am frühen Nachmittag hatte auch Zeerookah seine Einkaufstour beendet. Mit einem neutralen Plastikbeutel unter dem Arm betrat er das HQ.

Cotton saß bereits wieder an seinem Schreibtisch. Er tippte gerade die letzten Anmerkungen eines Berichts über seinen Besuch in Styles’ Sexshop. Zeerookah blieb völlig außer Puste vor ihm stehen.

»Geschafft«, keuchte der IT-Experte und kramte umständlich eine DVD nach der anderen aus seiner Tüte. Die Filme waren in neutrale schwarze Amaray-Hüllen verpackt. Deshalb musste Zeerookah eine nach der anderen aufklappen, damit er den jeweiligen Titel auf dem DVD-Aufdruck ablesen konnte. Die gesichteten Hüllen stapelte er auf dem Schreibtisch.

»Ist der Vorführraum frei?«, fragte Cotton.

»Klar.« Zeerookah rieb sich die Hände. »Was dagegen, wenn ich mit recherchiere? Wonach genau suchen wir?«

»Nicht wir«, korrigierte der G-Man. »Von hier an übernehme ich. Und sabber mir nicht den Schreibtisch voll.«

Zeerookah wollte gerade Widerspruch erheben, als Decker sich zu ihnen gesellte und die Einkaufstüten auf Cottons Schreibtisch abstellte.

»Was ist das?« Neugierig musterte sie die DVD-Hüllen.

»Unser Anschauungsmaterial«, verriet Cotton. »Auf Zelluloid verewigte Zeugnisse berühmter Pornoqueens.«

»Oh.« Decker ergriff eine der Hüllen und betrachtete sie eingehend. »Wieso sind die Cover schwarz?«

»Damit die Käufer keine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses riskieren«, verriet Cotton. »Außerdem ist nicht jeder scharf darauf, dass andere etwas über seine Freizeitbeschäftigung erfahren. Wie war denn Ihre Ausbeute, was die Undercover-Bekleidung angeht?«

»Ich möchte Ihnen gerne eine kleine Kostprobe zeigen und Ihre Meinung darüber einholen. Das Ganze ist mir ein wenig unangenehm. Ein dummer Kommentar, und Sie können in Zukunft als Sopran auftreten.«

»Klar.« Cotton nickte, ein mulmiges Gefühl im Magen.

Decker öffnete die Tüten und brachte einen leopardengemusterten Catsuit sowie Pumps mit Zwölf-Zentimeter hohen Stilettoabsätzen zum Vorschein.

Zeerookah taumelte bei dem unerwarteten Anblick zurück. Beim Versuch, sich am Schreibtisch festzuhalten, rutschte sein Handballen versehentlich auf das Keyboard und drückte die Löschtaste. Aufgrund des aus Sicherheitsgründen deaktivierten Papierkorbs verabschiedete sich Cottons Bericht aus dem Arbeitsspeicher auf Nimmerwiedersehen ins Cyber-Nirwana.

»Und?« Decker biss sich auf die Unterlippe und wurde rot.

»Äh …« Cotton fehlten die Worte.

»Jetzt nicht gleich emotional werden«, riet sie ihm mit flammenden Wangen.

»Wie wär’s mit einer Anprobe?«, schlug Zeerookah vor. »Ich wäre gerne bereit, dir meinen Computerraum …«

»Ich geb dir einen freundschaftlichen Rat, Zeerookah«, fiel sie ihm ins Wort. »Sag nicht immer, was dir gerade durch den Kopf geht. Das kann manchmal nützlich sein. Also?«

»Die Sachen sind echt heiß, Philippa«, brachte er hervor.

Cotton erhob sich vom Schreibtisch und ergriff die Hüllen mit den Sexfilmen. »Na schön, die Vorstellung wäre beendet, Zeit für die nächste. Bereit für eine neue Erfahrung, Special Agent Decker?«

Nach dem Nonstop-Studium diverser Sexstreifen verließen die Agents den Vorführraum.

»Wie fanden Sie es?«, erkundigte sich Cotton.

»Ich kann es kaum erwarten, auf dem Gebiet tätig zu werden«, antwortete Decker säuerlich. »Zumal ich mir dann über eine Sache keine Gedanken mehr machen muss.«

»Und welche?«, fragte Cotton.

»Was ich zur Arbeit anziehen soll.«

4

Am nächsten Morgen trafen Cotton und Decker fast zeitgleich mit ihren Fahrzeugen auf dem Parkplatz des FBI-Geländes ein.

Kaum hatten die Agents das Großraumbüro betreten, bat sie High in sein Büro. Dort forderte er sie auf, an seinem Schreibtisch Platz zu nehmen.

High hatte wegen »Projekt Omega« Nachforschungen angestellt. Die offiziellen Quellen im Weißen Haus leugneten jegliche Kenntnis über die Existenz eines solchen Projekts. Highs Anrufe im Verteidigungsministerium brachten ihn auch nicht weiter. Der stellvertretende Verteidigungsminister bestritt vehement das Vorhandensein einer Akte mit diesem Codenamen. Allerdings war das einer anderen, glaubhaften Quelle aus dem Weißen Haus zufolge so nicht ganz richtig.

Ohne großes Wortgeplänkel kam High beim Meeting gleich zur Sache: »Ich habe eine gute, eine weniger gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die gute ist, dass sich der Erpresser bisher nicht mehr bei Mrs Fallon gemeldet hat. Ich hatte sie nach unserer letzten Unterredung angerufen und in unsere Vorgehensweise eingeweiht. Wir sind so verblieben, dass ich sie täglich auf dem Laufenden halte.«

»Dass ein Erpresser längere Zeit nichts von sich hören lässt, ist nicht ungewöhnlich«, wusste Decker aus Erfahrung.

»Wirklich?«, wunderte sich Cotton. »Ich denke, die wollen möglichst schnell an das Geld?«

»Dafür kann es viele Gründe geben. Ich hatte in der Vergangenheit mit etlichen Erpressern zu tun, die ihre ›Klienten‹ gerne zappeln ließen. Vor allem, wenn Profis an einer solchen Transaktion beteiligt waren. Dann gab es öfters eine Zeit lang Funkstille zwischen ihnen und dem Opfer. Die konnte Tage, manchmal sogar Wochen dauern. Diese Taktik dient der Verunsicherung des Opfers und gegebenenfalls der Polizei, wenn die eingeschaltet wurde.«

»Na schön.« Cotton lenkte den Blick zurück auf High. »So viel zu der guten Nachricht.«

High faltete bedächtig die Hände auf der Schreibtischplatte und fuhr fort: »Die weniger gute ist, dass sich die E-Mail des Erpressers nicht zurückverfolgen lässt. Ich habe Agent Zeerookah darauf angesetzt, allerdings ohne ihn einzuweihen, um was und wen es bei diesem Fall geht. Wie befürchtet, hatte unser Mister X seine Mail von einem neutralen Rechner geschickt und anschließend seinen Account gelöscht.«

»Und wie lautet die schlechte Nachricht?« Cotton lehnte sich im Stuhl zurück und schlug die Beine übereinander.

»Ich habe ein bisschen die Fühler ausgestreckt, worum es bei diesem Projekt Omega geht«, antwortete High. »Obwohl ich bei meinen Erkundigungen extrem vorsichtig war, ist das Ergebnis in etwa vergleichbar mit dem sprichwörtlichen Stich in ein Wespennest. Während Sie sich gestern mit Sexfilmen vergnügt haben, gaben sich in meinem Büro hohe Tiere von der CIA, der NSA und des Heimatschutzministeriums die Klinke in die Hand. Als der Letzte von denen endlich gegangen war, lagen Sie beide vermutlich schon längst in den Federn.«

»Hört sich so an, als hätten wir es bei diesem Projekt Omega mit etwas Großem zu tun«, schloss Decker.

»›Groß‹ umfasst es nicht ganz«, erwiderte High mit sorgenvoller Miene. »›Gigantisch‹ träfe es eher. Außer dem Präsidenten gehört Richard Fallon als sein engster Berater zu den wenigen Personen, die Zugriff auf die Daten von Projekt Omega haben. Die Akte enthält hochsensible Informationen über den Raketenabwehrschild in Europa, darunter die Abschusskoordinaten ...

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