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Cotton Reloaded - Sammelband 03

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über die Autoren
  4. Impressum
  5. Cotton Reloaded 07 – Das Kumo-Kartell
  6. Cotton Reloaded 08 – Killer-Apps
  7. Cotton Reloaded 09 – Todesspiel

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book und Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Dieser Sammelband enthält die Folgen 7-9 von COTTON RELOADED.

Die Autoren

Mara Laue begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Schreiben. Ihre ersten Veröffentlichungen waren Kurzgeschichten und Gedichte. Seit 2005 schreibt sie hauptberuflich, vorwiegend Krimi/Thriller, Science Fiction, Dark Romance, Fantasy und Lyrik sowie Theaterstücke. Sie war Mitautorin der SF-Romanserie »Sternenfaust« und hat zwei eigene Online-Mystery-Serien ins Leben gerufen, »Sukkubus«, das ab 2013 als Buchserie fortgesetzt wird, und »Schattenwolf«. Des Weiteren unterrichtet sie kreatives Schreiben in Workshops und Fernkursen und schreibt als Ghostwriter Biografien und Firmenchroniken. Wenn das Schreiben ihr Zeit dazu lässt, ist sie auch als Künstlerin und Fotokünstlerin tätig.

Peter Mennigen, wuchs in Meckenheim bei Bonn auf. Er studierte in Köln Kunst und Design, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. Seine Bücher wurden Bastei Lübbe, Rowohlt, Ravensburger und vielen anderen Verlagen veröffentlicht. Neben erfolgreichen Büchern und Hörspielen schreibt er auch Drehbücher für Fernsehshows und TV-Serien.

Alfred Bekker schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um das Reich der Elben, die »Drachenerde-Saga«,die »Gorian«-Trilogie und seine Romane um die Halblinge von Athranor machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und Ren Dhark. Außerdem schrieb er Kriminalromane, in denen oft skurrile Typen im Mittelpunkt stehen - zuletzt Der Teufel von Münster, worin er einen Helden seiner Fantasy-Romane zum Ermittler in einer sehr realen Serie von Verbrechen macht. Seine Webseite: www.alfredbekker.de.

COTTON RELOADED

Das Kumo-Kartell

Mara Laue

1

John Saito hatte sich Kumiko anders vorgestellt. Japanischer. Immerhin trug sie einen japanischen Namen, und er hatte bei der Eventagentur ausdrücklich eine Japanerin bestellt. Bei näherer Betrachtung lag das wenig japanische Aussehen wohl daran, dass Kumiko sich, wie viele Japanerinnen, die Augen hatte operieren lassen, damit sie größer und »westlicher« wirkten. Ihr schwarzes Haar, obwohl nur ohrenlang, war im klassischen Stil frisiert, und ihre Augen waren so dunkelbraun, dass sie beinahe schwarz wirkten.

Der Blick dieser Augen jagte Saito einen wohligen Schauder über den Rücken.

Kumiko verbeugte sich auf vollendete japanische Weise, die Hände flach auf die Oberschenkel gelegt. »Konban wa, Saito-san. Kumiko desu. O genki desu ka?«

Perfektes Japanisch, besser als sein eigenes, musste Saito zugeben. Okay, sie war Japanerin. Ohne jeden Zweifel.

»Guten Abend, Kumiko. Lassen Sie uns bitte Englisch sprechen. Setzen Sie sich. Möchten Sie einen Drink?«

Sie lächelte. »Wenn es Ihnen gefällt.«

John Saito füllte zwei Gläser mit Whisky und reichte ihr eins, ehe er im Sessel neben ihr Platz nahm. Er fühlte sich nervös, was nicht nur daran lag, dass er neben einer außergewöhnlich schönen Frau saß. Er räusperte sich.

»Sie kennen sich mit der Teezeremonie aus?«, vergewisserte er sich.

Die Frau neigte den Kopf und beugte sich leicht zu ihm hin, als böte sie ihm ihren Hals zum Kuss – oder Biss – dar. Der einzelne Ohrring, den sie trug, ein goldenes Ungetüm in Gestalt eines handtellergroßen Sterns, rutschte nach vorn, sodass er auf ihrer Wange zu liegen kam. Es sah zum Anbeißen aus.

»So desu. So ist es. Sie wünschen die Zeremonie in klassischem Stil? Ich habe alles Erforderliche mitgebracht.« Die Frau deutete auf die Sporttasche, die sie neben dem Sessel abgestellt hatte, und musterte John von oben bis unten. »Auch einen Kimono für Sie.«

Ihr Englisch war ebenso perfekt und akzentfrei wie ihr Japanisch.

Saito räusperte sich erneut. »Ihre Agentur hat mir mitgeteilt, dass ich auch gewisse … äh, Extras buchen kann. Ich müsste es allerdings mit Ihnen persönlich absprechen.«

Wieder neigte sie den Kopf auf diese unnachahmliche Weise, die ihn – zusammen mit dem Blick aus ihren unergründlichen Augen – wahnsinnig antörnte. Er bekam eine Erektion. Hoffentlich sieht sie es nicht, dachte er. Aber wer konnte bei einer solchen Frau kalt wie ein Fisch bleiben?

»Ja, ich kann Ihnen Extras bieten. Aber selbstverständlich zelebrieren wir nur die Teezeremonie.« Sie zwinkerte ihm zu.

»Selbstverständlich.« Saito lächelte erleichtert. »Und wie läuft es ab? Bezahle ich Sie vorher oder nachher?«

»Vorher, bitte. Dann können wir uns in Ruhe auf die Teezeremonie konzentrieren.«

Er nickte. »Sind fünfhundert Dollar angemessen?«

Sie maß ihn mit einem Blick, der bekümmert wirkte, lächelte und schwieg.

»Also gut, tausend Dollar. Dafür will ich aber auch was Besonderes.«

Sie neigte anmutig den Kopf. »Ich verspreche Ihnen ein unvergessliches Erlebnis, Saito-san.«

Ihre Stimme klang wie ein Streicheln. John Saito lächelte, holte das Geld aus seinem Safe im Arbeitszimmer, schob es in einen Umschlag und reichte ihn der Frau. Sie steckte ihn in ihre Handtasche, ohne nachzuzählen, und stand auf.

»Ich bereite alles vor, Saito-san.«

»Das Badezimmer ist da drüben.« Er deutete auf eine Tür. »Und das Ankleidezimmer dort.«

Die Frau nahm die Sporttasche und verschwand im Ankleidezimmer. Zehn Minuten später erschien sie wieder, gekleidet in einen Kimono, unter dem sie erkennbar nackt war. Saito wäre am liebsten auf der Stelle über sie hergefallen. Aber Kumiko hatte ihm etwas Besonderes versprochen, und das wollte er auskosten.

»Wo wünschen Sie die Teezeremonie zu zelebrieren, Saito-san?«

Er deutete auf eine japanische Sitzecke, zu der eine Vorrichtung gehörte, auf der man Tee kochen konnte. Die Frau reichte ihm einen zusammengelegten Kimono.

»Wenn Sie sich umziehen wollen?«

Und ob er wollte! Er nahm den Kimono und ging ins Ankleidezimmer. Als er wieder herauskam, hatte die Frau einen Wasserkessel auf die Herdplatte in der japanischen Ecke aufgesetzt und die Teeschalen und übrigen Gerätschaften – Bambuspinsel, Teepulver – bereitgelegt. Sie kniete neben der Vorrichtung in einer Haltung, die die pure Verführung war. Gott, wie machte sie das? Und der Blick, den sie ihm dabei zuwarf …

Saito schluckte und kam ungeschickt ihrer Aufforderung nach, sich zu ihr zu setzen. Als er ihre Hand nehmen wollte, schob sie seinen Arm mit einer federleichten Berührung zurück.

»Erlauben Sie mir, Sie nach allen Regeln meiner Kunst zu verwöhnen, Saito-san.«

»Gern«, sagte er mit belegter Stimme. Schließlich hatte auch die Vorfreude auf den heißen Sex, den er gleich haben würde, etwas für sich.

Sie bot ihm tatsächlich eine Show, die ihresgleichen suchte. Wie eine Geisha spielte sie ihm auf einer Shakuhachi vor, der japanischen Achttonflöte, tanzte und sang und zelebrierte perfekt die Teezeremonie. Sie dichtete sogar ein haiku, eines jener Gedichte, die nur aus drei Zeilen zu je fünf, sieben und fünf Silben bestehen. Allerdings fand er den Inhalt ein wenig seltsam und unpassend für den Anlass.

Die Blume erblüht
ein letztes Mal voller Kraft.
Darauf folgt der Tod.

Doch als die Frau zu den »Extras« kam, verschwand Saitos Unbehagen. Sie lockte ihn zum Bett, zog ihm den Kimono aus und verpasste ihm eine erotische Massage nach allen Regeln der Kunst. Saito empfand eine sexuelle Spannung wie noch nie im Leben. Bei Gott, diese Kumiko verstand ihr Metier. Sie war die tausend Dollar wert, jeden Cent.

Als er meinte, es kaum noch auszuhalten, ließ sie endlich ihre eigenen Hüllen fallen. Saito bewunderte ihren perfekten Körper, die makellose Haut, die wunderschönen Beine mit den langen schlanken Muskeln einer Balletttänzerin.

Statt sich hinzulegen, drückte die Frau ihn aufs Bett, beugte sich über ihn und streifte ihm mit dem Mund ein Kondom über. Saito fühlte sich wie im siebten Himmel. Er stöhnte vor Lust, als sie sich über ihn kniete und sein Glied langsam in ihren Körper einführte, wobei sie ihn mit gezielten Muskelkontraktionen stimulierte und seine empfindlichsten Stellen streichelte. John Saito erbebte. Er hatte das Gefühl, in einem Meer aus purer Lust zu zerfließen, als sie ihr Becken langsam auf und ab bewegte. Er packte ihre Hüften, stieß in sie, strich über ihre Brüste, gab sich ihr hin, wie er sich nie zuvor einer Frau hingegeben hatte. Als er zum Höhepunkt kam, schloss er die Augen und genoss das Gefühl, sich endlos in sie zu ergießen. Es war wundervoll, so wundervoll, so …

Ein scharfer Schmerz in der Herzgegend ließ ihn nach Luft schnappen. Er riss die Augen auf und sah das lächelnde Gesicht der Frau. Sie hielt etwas Goldenes in der Hand, das aussah wie …

Saitos Blick wurde verschwommen. War das nicht ihr Ohrring? Er kniff die Augen zusammen, riss sie wieder auf. Ja, sie hielt den sternförmigen Ohrring in der Hand und lächelte auf eine Weise, die ihm einen kalten Schauder über den Rücken jagte. Reflexhaft riss er die Hand hoch, als er einen Stich am Hals spürte, und fuhr mit den Fingern über die Stelle. Als er die Hand vor die Augen hielt, sah er Blut.

Wieder durchzuckte greller Schmerz seinen Brustkorb und ließ ihn dumpf aufstöhnen. Er wollte schreien, brachte aber keinen Laut hervor. Bleierne Schwäche erfasste ihn.

»Wa…«

Ein noch heftigerer Schmerz durchraste vom Hals ausgehend seinen Körper. Gift, schoss es ihm durch den Kopf. Die Spitzen des Ohrrings waren mit Gift präpariert! Sie hatte ihn damit in den Hals gestochen. Die Blume erblüht ein letztes Mal voller Kraft. Darauf folgt der Tod. Jetzt begriff Saito, was die Frau damit gemeint hatte. Sie hatte von Anfang an geplant, ihn umzubringen.

»Warum …?«, brachte er mit ersterbender Stimme hervor.

Falls sie antwortete, hörte er es nicht mehr. Das Gift tat seine Wirkung. Nach einem letzten mörderischen Schmerz, der seinen Brustkorb zu zerreißen schien, hörte sein Herz auf zu schlagen.

*

Die vermeintliche Kumiko, die in Wahrheit Yuki hieß und alles andere war als eine Frau vom Escortservice, genoss John Saitos Todeskampf. Für sie war er wie ein weiterer, überwältigender Orgasmus. Ihr Atem ging keuchend, ihre Augen funkelten. Sie kostete das Gefühl aus, bis sein Körper erschlaffte. Dann schloss sie seine todesstarren Augen, löste sich von ihm und ging ins Bad, um ausgiebig zu duschen. Yuki war bewusst, dass sie in der ganzen Wohnung ihre Fingerabdrücke und DNA-Spuren hinterlassen würde, aber das störte sie nicht. Es gab keine Vergleichsproben, die man ihr hätte zuordnen können, weder bei der Polizei noch sonst wo, da man sie noch nie erwischt hatte. Außerdem kannte niemand ihre Identität, und das würde auch so bleiben.

Es lag jedoch sehr im Interesse ihrer Auftraggeber – ihrer wahren Auftraggeber –, dass die Behörden durch das bewusste Hinterlassen ihrer DNA und der Fingerabdrücke an verschiedenen Tatorten erfuhren, dass die Morde und Einbrüche, die sie beging, zu einer Serie gehörten. Warum ihre Auftraggeber Wert darauf legten, wusste Yuki nicht. Sie befolgte lediglich ihre Befehle. Außerdem: Was sie nicht wusste, konnte sie nicht preisgeben.

Nicht dass sie jemals etwas preisgegeben hätte. Sie und ihresgleichen waren wie die sprichwörtlichen Schatten, die man nicht hörte und nicht sah. Die den Häschern wie Wind zwischen den Fingern entschlüpften, wenn man sie zu fangen versuchte, und die aus nahezu jeder Situation einen Ausweg fanden.

Und falls nicht: Leben und Tod waren für Yuki dasselbe, und der Tod war der ultimative Ausweg. Diese Einstellung machte sie umso gefährlicher und unberechenbarer. Doch sie hatte nicht vor, diesen Weg zu beschreiten.

Yuki trocknete sich ab, zog sich an und sammelte die Sachen ein, die sie mitgebracht hatte. Anschließend ging sie in Saitos Arbeitszimmer und schaute sich um. An den Wänden hingen Gemälde unterschiedlicher Größe. Bei einem war die Wand vor der linken unteren Ecke dunkler als bei den anderen, was davon zeugte, dass sie oft von Händen berührt worden war. Sie zog an der Ecke, und das Bild klappte zur Seite. Dahinter war, wie sie vermutet hatte, ein Safe in die Wand eingelassen. Lächelnd schüttelte sie den Kopf. Wie einfallslos die Leute waren, wenn es um Verstecke für ihre Safes ging.

Mit ihrer Spezialausrüstung hatte Yuki in wenigen Sekunden die Kombination geknackt und den Safe geöffnet. Obwohl sie nur an einem dünnen, versiegelten Ordner interessiert war, der statt einer Aufschrift eine aufgestempelte rote Spinne trug, räumte sie trotzdem den Safe komplett leer. Es sollte für die Polizei keinen Zweifel geben, dass sich etwas darin befunden hatte, für das John Saito hingerichtet worden war.

Yuki steckte alles in ihre Sporttasche. Die Unterlagen würde sie ihren Auftragebern überreichen. Das Bargeld war ihr persönlicher Bonus, den sie behalten durfte: 8000 Dollar. Sie würde die Summe in ungleichen Beträgen und an verschiedenen Tagen von verschiedenen Städten aus auf die fünf Konten einzahlen, die sie im In- und Ausland unterhielt.

Die Safetür ließ sie weit offen. Die Ermittler sollten auf den ersten Blick sehen, dass irgendetwas aus dem Safe entfernt worden war.

Nun zum letzten Detail. Sie nahm einen schwarzen Permanentmarker und malte zwei Zeichen auf Saitos Stirn. Sobald die New Yorker Polizei diese Zeichen fotografiert hatte und in ihre Datenbanken eingab, würde sie feststellen, dass sie es mit einer Mordserie zu tun hatte, die in Cleveland ihren Anfang nahm und jetzt hier fortgesetzt wurde.

Yuki lächelte.

Trotz aller Hinweise, die sie auf Anweisung ihrer Auftraggeber an den Tatorten hinterlassen hatte, waren die Behörden noch immer nicht dahintergekommen, welcher Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen bestand.

Ihr konnte das egal sein. Sie verließ Saitos Wohnung und machte sich auf den Weg, um den nächsten Coup vorzubereiten.

2

Die Barfrau lächelte ihm zu, als sie ihm den Whisky hinschob und das Glas mit dem Wasser danebenstellte. Cotton lächelte zurück und reichte ihr einen Geldschein, der ein großzügiges Trinkgeld beinhaltete. Sie bedankte sich, legte den Kopf leicht schräg und strich sich mit einer aufreizenden Geste das Haar zurück, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

Die Frau flirtete mit ihm. Sie wirkte nett und war ausgesprochen attraktiv. Mit ihrem blonden Haar und der schlanken Figur, die erkennen ließ, dass sie Sport trieb, erinnerte sie Cotton ein bisschen an seine Partnerin Philippa Decker. Obwohl Phil um Klassen besser war als die Barfrau, überlegte Cotton, ob er auf den Flirt eingehen sollte.

Er trank einen Schluck Whisky und genoss den exquisiten Geschmack des Taliskers: pfeffrig scharf und rauchig mit einem Hauch von Süße und einer Ahnung von Meersalz im Duft. Die leichte Note nach Tang verlieh dem Talisker seinen unverwechselbaren Geschmack, der nicht jedermanns Sache war. Cotton liebte ihn. Ein kleiner Schluck Wasser hinterher entfaltete die noch verborgenen Komponenten. Es war ein überaus sinnliches Geschmackserlebnis.

Das Klingeln seines Smartphones unterbrach rüde diesen Genuss. Der Anruf kam von Decker.

»Was gibt’s?«

»Wir haben einen Fall. Ich bin unterwegs zum Tatort, ein Penthouse, 1240 Madison Avenue. Der Eigentümer, John Saito, wurde ermordet. Alles Weitere vor Ort.«

Decker wartete seine Antwort nicht ab, sondern unterbrach die Verbindung. Seufzend steckte Cotton das Phone ein. Damit hatte sich der potenzielle Flirt erledigt. Er trank den Rest des Taliskers, spülte mit dem Wasser nach und verließ die Bar. Eigentlich hatte er sich darauf gefreut, einen freien Tag haben und ausspannen zu können. Aber die Pflicht hatte Vorrang. Cotton wollte es auch gar nicht anders. Schließlich schliefen die Verbrecher auch nicht oder gönnten denen, die sie von Rechts wegen jagten, freie Tage.

»Ein andermal«, sagte er im Vorbeigehen zu der Barfrau, die sichtlich enttäuscht war, dass er ging.

Während er seinen Wagen in Richtung Innenstadt durch immer dichteren Verkehr steuerte, fragte er sich, was an dem Mord wohl so Besonderes sein mochte, dass das G-Team ermittelte. Mord in der Upper East Side war zwar nicht unbedingt die Regel – es gab schlimmere Pflaster in New York –, aber auch nicht so selten, dass gleich das FBI gerufen wurde, erst recht nicht das G-Team. Besonders da kein Ermittlungsleiter vom Morddezernat freiwillig das FBI rief, damit es seinen Fall löste und die Lorbeeren einheimste.

Als Cotton eine halbe Stunde später neben Phil Decker vor der Leiche stand, wusste er, warum der Fall vom FBI übernommen werden sollte. Der Tote lag auf seinem Bett und trug nichts am Leib außer einem Kondom und zwei asiatischen Schriftzeichen auf der Stirn.

»Wenigstens ist er glücklich gestorben.« Joe Brandenburg, Cottons ehemaliger Partner vom NYPD, gesellte sich zu ihnen.

Decker maß ihn mit einem kühlen Blick. »Ihr Humor ist mal wieder umwerfend.«

Brandenburg zuckte mit den Schultern. »Gibt es einen schöneren Tod für einen Mann? Ich wette, er hat nicht mal was gemerkt. Er hat diese Welt auf dem Höhepunkt von Lust und Leidenschaft verlassen.«

»An dir ist wahrhaft ein Dichter verloren gegangen, Joe«, kommentierte Cotton.

Decker würdigte Brandenburg keiner Antwort. Er war eine zwielichtige Gestalt. Man wusste nie so recht, was man von ihm halten sollte, und es hieß, dass er sich neben seinem Gehalt als Detective ein paar Dollars dazuverdiente – auf eine Weise, die für einen Cop zumindest fragwürdig war. Brandenburg machte keinen Hehl daraus, dass es ihm nicht passte, wenn das FBI an einem »seiner« Tatorte auftauchte. Aber er war mit Leib und Seele Polizist – ein Mann, der alles dafür gab, die Bürger New Yorks vor dem kriminellen Abschaum zu schützen, wie er nie müde wurde zu betonen.

»Wann wurde er gefunden und von wem?« Cotton blickte Brandenburg auffordernd an.

»Heute Vormittag, von seiner Haushälterin. Sie kommt jeden Tag zum Einkaufen und Saubermachen und hat einen Schlüssel für das Penthouse, weil ihr Chef meistens auf der Arbeit ist, wenn sie erscheint.« Brandenburg schnitt eine Grimasse. »Aber wir vom NYPD wissen durchaus, wie wir bei einem Leichenfund vorzugehen und wen wir zu befragen haben. Die Frau weiß nichts und ist im Moment sowieso völlig durch den Wind.«

Es klang bissig. Das G-Team hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren mit Brandenburg gearbeitet, sehr zu dessen Missfallen. Doch sie konnten keine Rücksicht darauf nehmen, was Joe Brandenburg gefiel oder nicht. Das NYPD verfügte nun mal nicht über die Befugnisse und Möglichkeiten des FBI, erst recht nicht des G-Teams.

»Ich kann dir aber ein paar Informationen geben«, fügte Brandenburg mürrisch hinzu.

»Wäre nett«, sagte Cotton.

»Der Mann ist seit gestern Abend tot. Um sieben hat er noch quicklebendig sein Büro in Downtown verlassen. Er war ein überbezahlter Anwalt. Wenn du mich fragst, ist er so vielen Leuten auf den Schlips getreten, dass die Liste der Verdächtigen endlos sein dürfte.«

Cotton fragte ihn aber nicht. Er nickte dem Rechtsmediziner zu, der neben dem Bett stand und sich Notizen machte, ehe er an die Leiche herantrat und sie von allen Seiten betrachtete. Saito war durchtrainiert, Mitte dreißig und wirkte von der Konstitution her nicht wie jemand, der ohne jeden Grund tot umfiel. Auch nicht bei wildem Sex. An der linken Seite des Halses entdeckte der Rechtsmediziner Reste von verschmiertem Blut. Er brachte sein Gesicht näher heran, um es genauer zu betrachten. Unter dem Blut war ein winziger Kratzer zu sehen, nur ein paar Millimeter lang. Eine andere Verletzung gab es nicht, zumindest nicht am sichtbaren Teil des Körpers.

Er beugte sich über den Hals des Toten, schnupperte an der Wunde und nahm einen Geruch wahr, der ihn an den Duft von Blumen erinnerte. Er runzelte die Stirn.

»Auf den ersten Blick sieht es nach Herzinfarkt aus«, erklärte der Rechtsmediziner. »Genaueres kann ich aber erst nach der Obduktion sagen.«

Decker trat zu ihm. »Bevor Sie mich jetzt fragen, warum das unser Fall ist, Cotton: Es gibt bereits weitere Opfer, die mit diesem Zeichen auf der Stirn gefunden worden sind.« Sie wies auf den Kopf des Toten. »Es gab unterschiedliche Todesarten, aber bei allen Opfern haben wir dieses Zeichen gefunden.« Sie deutete zur offenen Tür eines Nebenzimmers. »Außerdem wurde der Safe ausgeräumt.«

Cotton konnte von seinem Standort aus sehen, dass die Tür eines Safes, der hinter einem Gemälde in die Wand eingelassen war, offen stand.

»Noch was?«, fragte er.

»Alle Toten sind Japaner oder japanischstämmige Amerikaner. Zwei der Opfer arbeiteten in der japanischen Botschaft in Washington und im Konsulat in Maryland. Sie wurden auf dem Gelände der Botschaft beziehungsweise des Konsulats ermordet. Sie können sich denken, wie heiß die Sache schon deshalb ist.«

Cotton nickte. Er nahm sein Smartphone und rief Zeerookah im HQ an. Der Agent mit den indianischen Wurzeln, die sich unter anderem in seinem Namen ausdrückten, war der Analyst des G-Teams und ein wahres Computergenie. Niemand konnte Informationen schneller erlangen oder analysieren als »Zeery«.

»Hallo, Cotton«, meldete er sich. »Ich habe deinen Anruf erwartet. Was kann ich für dich tun?«

»Ich brauche die Fotos sämtlicher Leichen dieser Mordserie.« Cotton schaltete das Gespräch auf den Lautsprecher, damit auch Decker hören konnte, was Zeerookah zu sagen hatte.

»Und alle anderen Informationen, die wir schon haben, ich weiß«, ergänzte Zeerookah. »Kommt sofort. Und hier ist noch ein kleine Dreingabe: Ich habe die Anrufe von Saitos Smartphone und seine E-Mails bereits überprüft. Demnach hatte er gestern Abend eine Verabredung mit einer Dame von einer Eventagentur, mit der er eine Teezeremonie feiern wollte. Name des Etablissements: Lady Celia’s Events Management. Gebucht hat er eine gewisse Kumiko. Lady Celias Adresse habe ich euch gerade geschickt.«

»Danke. Kannst du feststellen, was die Schriftzeichen auf der Stirn der Toten bedeuten?«

»Schon geschehen. Es sind japanische Kanji-Zeichen. Sie bedeuten kumo – Spinne. Bisher habe ich aber noch nicht herausfinden können, welche Bedeutung sie in diesem Zusammenhang haben.«

»Danke, Häuptling«, sagte Cotton und rief die Bilder auf, die Zeerookah auf sein Handy geschickt hatte.

Alle Toten, die nicht aus einiger Entfernung erschossen oder an anderen Orten als ihren Wohnungen oder Hotelzimmern getötet worden waren, lagen nackt in ihren Betten oder auf der Couch – einer lag auf einem Fell vor dem Kamin – und hatten wie Saito unmittelbar vor ihrem Tod Sex gehabt.

»Der Mörder ist höchstwahrscheinlich eine Frau. Zumindest in der Hälfte der Fälle.«

Decker nickte. Sie kannte die Bilder offenbar schon. »Entweder das, oder sie hat einen Komplizen.« Sie zuckte mit den Schultern. »Möglicherweise trifft beides zu.«

Cotton sah sich das Arbeitszimmer an, wo die Spurensicherung gerade die Fingerabdrücke vom Safe nahm. Der Safe war völlig leer. Cotton fragte sich, was darin gewesen sein mochte. Und in den Safes der anderen Opfer. Was konnte so bedeutsam sein, dass sie dafür hingerichtet worden waren?

Immerhin zeigten ihm die Bilder, dass die Opfer nicht zur Yakuza gehört hatten, wie anfangs vermutet. Yakuza-Mitglieder besaßen ausnahmslos großflächige Tätowierungen. Die Toten hatten keine Tattoos, oder nur so kleine, dass sie nichts mit der Yakuza zu tun haben konnten.

Was aber verband die Opfer – außer ihrer ethnischen Zugehörigkeit –, dass man sie der Reihe nach hinrichtete? Und wer mochte der Nächste sein? Und weshalb hatte der Mörder »Spinne« auf die Stirn der Toten geschrieben?

»Warten wir ab, was Zeerookah noch alles ausgräbt«, sagte Decker. »Nehmen wir uns erst einmal diese Lady Celia zur Brust.« Sie wandte sich an den Rechtsmediziner. »Würden Sie uns eine Blutprobe des Toten geben, Doc?«

Der Mann nickte und hatte eine Minute später eine Probe in ein Röhrchen gefüllt, das er Decker reichte. Sie steckte es mit einem kurzen Dank und einem Lächeln ein und ging zur Tür. Cotton folgte ihr.

»Ja, das ist mal wieder typisch«, knurrte Brandenburg bissig. »Herkommen, schnüffeln und dann ohne ein Wort verschwinden. Und wir vom Fußvolk dürfen hier weitermachen, bis ihr feinen Pinkel zurückkommt und unsere Ergebnisse einkassiert. Statt uns mal zu sagen, was Sache ist, sind wir die Letzten, die von euch was erfahren.«

Decker lächelte. »Sie haben es erfasst, Joe. Genauso läuft’s. Übrigens: Der Fall gehört uns. Unsere Leute müssen jeden Moment hier sein. Händigen Sie ihnen bitte Ihre bisherigen Ergebnisse aus.«

Brandenburg brummte etwas, das sich wie »Ihr könnt mich mal« anhörte, und drehte ihnen demonstrativ den Rücken zu.

»Um wie viel wollen wir wetten, dass diese Kumiko heute nicht zur Arbeit erschienen ist und überraschend gekündigt hat?« Decker sah Cotton auffordernd an.

Er grinste. »Um nichts. Die Wette gewinnen Sie.«

»Ich bin gespannt, was Lady Celia uns zu sagen hat.«

*

Lady Celia’s Events Management residierte in einem Geschäftsgebäude in der Park Row. Bereits im Eingangsbereich zeugten Poster und lebensgroße Fotos davon, welche Events für teilweise berühmte Persönlichkeiten die Agentur bereits ausgerichtet hatte. Auf einem posierte der Bürgermeister auf einer Benefizparty, auf einem anderen war Ken Follett bei einer Lesung zu sehen; daneben hing das Plakat dieser Veranstaltung, die schon ein paar Jahre zurücklag. Oberflächlich sah alles nach einer ganz normalen Eventagentur aus. Der Name – »Lady Celia’s« – sagte aber jedem einschlägigen Kunden, dass er hier nicht nur Events bestellen, sondern auch Sex kaufen konnte.

Lady Celia war sofort zu sprechen, kaum dass Cotton und Decker am Empfang ihre FBI-Ausweise vorgezeigt hatten. Es stellte sich heraus, dass die blonde, elegant gekleidete Mittvierzigerin gebürtige Britin und tatsächlich eine Lady war: Sie hieß Lady Cecilia Collingsworth, lebte allerdings schon seit zwanzig Jahren in den Staaten und war längst eingebürgert.

»Ich kann mir gar nicht vorstellen, was das FBI von mir will«, betonte sie, nachdem sie Decker und Cotton in ihr Büro geführt hatte. Mit einer Handbewegung bot sie ihnen Platz an. Sie selbst setzte sich hinter einen monströsen Schreibtisch aus glänzendem Holz. »Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich eine ehrbare Eventagentur führe und dass hier keine kriminellen Machenschaften stattfinden, die das FBI oder eine andere Behörde interessieren könnten. Wir organisieren für unsere Klienten sowohl Großevents wie auch private Kleinveranstaltungen oder kulturelle Einzelunterhaltungen. Meine Damen und Herren sind handverlesene Experten auf dem Gebiet, die Kunden zu unterhalten und ihnen einen angenehmen Abend oder auch einen ganzen Tag zu bereiten. Und zwar ausschließlich in kultureller Hinsicht.«

Cotton lächelte spöttisch. »Selbstverständlich. Ich bin sicher, dass eine Überprüfung Ihrer Bücher und Ihrer Kunden diese Aussage bestätigen wird. Hören Sie, Ma’am, wir sind nicht an Ihrem Geschäft interessiert und auch nicht daran, Ihnen das Leben schwer zu machen.«

»Beschäftigen Sie eine Frau namens Kumiko?«, warf Decker ein, bevor Lady Celia Cotton antworten konnte.

»Ja.« Ihr Gesicht wurde besorgt. »Ist ihr etwas zugestoßen?«

Weder Decker noch Cotton gingen darauf ein. Stattdessen fragte Decker: »Ist sie heute zur Arbeit erschienen?«

Lady Celia lächelte. »Sie haben eine völlig falsche Vorstellung davon, wie meine Agentur arbeitet.« Sie deutete zur Tür zum Großraumbüro, durch das sie gekommen waren. »Hier koordinieren wir nur die Einsätze unserer Angestellten und beraten die Klienten. Die einzigen Mitarbeiter, die hier in der Zentrale zur Arbeit erscheinen, sind die Berater und die Operators. Die übrigen Angestellten kommen nur einmal die Woche zu den Nachbesprechungen und Briefings.«

»Was ist mit Kumiko?«, fragte Cotton mit Nachdruck. Es war offensichtlich, dass Lady Celia durch ihre Abschweifungen versuchte, ihn und Decker davon zu überzeugen, dass ihr Etablissement ehrenwert sei und keinen gesetzeswidrigen Aktivitäten nachging.

Die Frau maß ihn mit einem strafenden Blick, ehe sie etwas auf ihrem Computerbildschirm aufrief. »Kumiko hatte gestern Abend einen Auftrag, dessen Beginn und Abschluss sie bestätigt hat. Ein neuer Klient wünschte eine originalgetreue japanische Teezeremonie. Kumikos nächste Buchung ist für morgen Nachmittag angesetzt. Ich erwarte nicht, vor morgen Mittag von ihr zu hören.« Sie blickte von Cotton zu Decker. »Würden Sie mir endlich erklären, was Ihre Fragen sollen? Ist Kumiko etwas zugestoßen?«

»Ihr wohl nicht, aber ihrem Kunden John Saito«, antwortete Decker. »Er ist tot. Und wie es aussieht, wurde er von der Frau ermordet, mit der er unmittelbar zuvor Sex gehabt hat.«

Lady Celia wurde blass. »Falls Kumiko eine solche … äh, Dienstleistung angeboten hat, werde ich sie auf der Stelle hinauswerfen. Bei der Einstellung unterschreiben alle Angestellten, dass ihnen bewusst ist, dass solche Aktivitäten sie den Job kosten.«

Cotton verzog das Gesicht. Der Ruf ihres Etablissements kümmerte Lady Celia offensichtlich mehr als der Tod ihres Kunden. »Wie lange arbeitet Kumiko schon für Sie?«

»Seit gut zwei Jahren, und es gab noch nie Probleme mit ihr oder eine Beschwerde. Noch nie!«

Deckers Smartphone klingelte. Es war Zeerookah. »Was gibt’s?«, fragte sie nach einem kurzen Blick auf das Display. Sie lauschte einen Moment, blickte wieder auf das Display und hielt es Lady Celia hin. »Das ist ein Bild der Überwachungskamera in Mr Saitos Haus. Diese Frau war gestern bei ihm. Ist das Kumiko?«

Lady Celia warf einen Blick auf das Bild und schüttelte den Kopf. »Nein. Diese Frau habe ich noch nie gesehen.«

Decker hielt Cotton das Bild hin, das offenbar von der Überwachungskamera im Foyer des Apartmenthauses aufgenommen worden war. Die Frau blickte direkt in die Kamera. Trotz ihrer klassischen japanischen Frisur, bei der es sich um eine Perücke handeln konnte, sah sie eher wie eine Weiße aus. Falls sie die Mörderin war, hatte sie entweder nicht gewusst, dass das Foyer überwacht wurde, oder es war ihr egal. In letzterem Fall war sie entweder überaus selbstsicher oder extrem leichtsinnig. Schließlich musste sie damit rechnen, dass man anhand der Aufnahme nach ihr fahndete. Und bei der gerade in New York nahezu flächendeckenden Überwachung des Straßenverkehrs müsste sie relativ schnell zu finden sein.

Lady Celia rief ein Bild in ihrem Computer auf und drehte den Monitor so, dass Cotton und Decker es sehen konnten. »Das ist Kumiko.« Das Bild zeigte eine junge Japanerin, die höchstens Anfang zwanzig sein konnte.

Decker blickte Lady Celia ernst an. »Dann stellt sich die Frage, wie diese andere Frau anstelle von Kumiko den Termin bei Saito wahrnehmen konnte.«

»Sie glauben doch nicht etwa, Kumiko hätte mit dieser Frau und dem Mord zu tun?« Lady Celia schüttelte den Kopf. »Das halte ich für ausgeschlossen.«

Cotton sah es genauso, auch wenn er es nicht so vehement ausschloss wie Lady Celia. Saito war nicht der erste Tote mit den asiatischen Schriftzeichen auf der Stirn. Es wäre ein unglaublicher Zufall, wenn die Attentäterin ausgerechnet mit der echten Kumiko bekannt sein sollte, mit der Saito ein Schäferstündchen vereinbart hatte.

»Sie sagten, Kumiko hätte ihren gestrigen Einsatz bestätigt, Beginn und Ende. Sind Sie sicher, dass es Kumiko war?«

Lady Celia zögerte. »Bevor Sie mir das Bild von dieser Frau gezeigt haben, hätte ich das auf Anhieb bejaht. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.« Sie rief Kumikos persönlichen Terminkalender auf ihrem Bildschirm auf. »Hier sehen Sie, dass Mr Saito für den gestrigen Abend eine Japanerin zu einer Teezeremonie bestellt hat. Hier«, sie deutete auf das Symbol eines Schmetterlings in einem gesonderten Feld neben dem Termin, »hat Kumiko mit ihrem Symbol bestätigt, dass sie den Termin akzeptiert hat. Und hier«, sie zeigte auf eine Uhrzeit in einem Feld unter dem Schmetterling, »bestätigt sie, dass sie in einer Stunde aufbrechen wird.«

Demnach hatte Kumiko vorgehabt, um sieben Uhr aufzubrechen. Vorausgesetzt, sie selbst hatte die Eintragung vorgenommen und nicht die Frau, die sich für sie ausgegeben hatte. Die Verabredung war für acht Uhr eingetragen. Demnach hatte Kumiko für den Weg von ihrer Wohnung zu Saito eine Stunde eingeplant.

»Dieses System ist mit einem Timer programmiert«, fuhr Lady Celia fort. »Wenn die Bestätigung zum Aufbruch nicht bis spätestens zwei Stunden vor dem Termin eingegangen ist, gibt es einen Alarm. Dann rufen wir an und fragen nach, ob alles klargeht. Es ist schon vorgekommen, dass eine Dame oder ein Herr einen Termin bestätigt, aber dann doch vergessen hat. Im Notfall reichen die zwei Stunden aus, um einen Ersatz zu organisieren. Wir haben für den Fall immer Leute auf Abruf, die kurzfristig einspringen können. Aber mit Kumiko hat es noch nie Probleme gegeben.« Lady Celia runzelte die Stirn und deutete auf das dritte Feld neben dem Termin, das einen Schmetterling mit einer Uhrzeit zeigte: 0.47 Uhr. »Hier hat Kumiko das Ende des Auftrags bestätigt.« Sie blickte Cotton und Decker an. »Das verstehe ich nicht.«

Cotton verstand nur allzu gut. »Ich nehme an, Ihr System gibt auch Alarm, wenn ein Auftrag nicht innerhalb einer gewissen Zeit als beendet angezeigt wird.«

Lady Celia nickte. »Das ist zur Sicherheit unserer Angestellten. Gerade bei Neukunden kommt es hin und wieder vor, dass sie unsere Angebote mit sexuellen Dienstleistungen verwechseln, die wir absolut nicht anbieten. Manche dieser Kunden werden gewalttätig, wenn ihre diesbezüglichen Wünsche nicht erfüllt werden.«

Allein die vehemente Betonung des Wortes »absolut« hätte Cotton erkennen lassen, dass es eine Lüge war, zumal Lady Celias Stimme und ihr Tonfall es ohnehin bestätigten.

»Deshalb melden unsere Leute mit dieser zusätzlichen Bestätigung, dass alles in Ordnung ist. Wenn wir nichts von ihnen hören, rufen wir sie an. Wenn sie sich innerhalb einer Stunde danach nicht gemeldet haben, informieren wir die Polizei.«

Das war zwar eine nette Geste, wie Cotton fand, aber falls eine der Angestellten tatsächlich von einem Kunden mit Gewalt bedrängt würde, wäre es längst zu spät für sie, wenn Lady Celia endlich geruhte die Polizei zu rufen. Die Frau wäre im schlimmsten Fall schon lange tot, bevor die Cops von einem potenziellen Verbrechen erfuhren und eingreifen konnten. Aber er und Decker waren nicht hier, um dem Escortservice das Handwerk der illegalen Vermittlung von Prostitution zu legen. Sie hatten eine Mörderin zu fassen. Die hatte offenbar an Kumikos Stelle bestätigt, dass der Auftrag erledigt war, damit in der Agentur niemand Verdacht schöpfte.

Cotton suchte das Foto aus dem Speicher seines Handys, das er von den Schriftzeichen auf Saitos Stirn gemacht hatte, und hielt es Lady Celia hin. »Sagen Ihnen diese Zeichen etwas?«

Sie blickte darauf und schüttelte den Kopf. Cotton beobachtete sie genau, damit ihm nicht die kleinste verräterische Regung entging. Ein Zucken der Lider, ein kurzes Weiten der Augen, ein intensiveres Einatmen – das alles waren Reflexe, die darauf hingedeutet hätten, dass Celia den Schriftzug erkannt hatte. Doch sie zeigte nur ehrliches Nichterkennen.

»Lady Celia, wir brauchen die Adresse von Kumiko. Sofort.«

*

Kumiko Tanaka wohnte in einem Apartment 42 Crescent Street in Brooklyn. Ein sauberes Haus mit sauberen Leuten als Mietern. Als niemand auf Cottons und Deckers Klopfen und die Aufforderung reagierte, ihnen zu öffnen, trat Cotton die Tür ein. Mit gezogener Waffe gingen er und Decker den Flur entlang ins nächste Zimmer. Es war leer. Sie schauten in jeden Raum, wobei sie sich gegenseitig Deckung gaben.

Sie fanden Kumiko im Schlafzimmer. Die junge Frau lag reglos in ihrem Bett. Außer ihr hielt sich niemand in der Wohnung auf. Decker tastete am Hals nach dem Puls.

»Sie lebt.«

Cotton griff sofort zum Smartphone und rief die Ambulanz. Da Kumiko trotz Deckers Versuchen, sie wieder zu Bewusstsein zu bringen, nicht aufwachte, war sie offenbar mit irgendeinem Medikament oder Rauschgift betäubt worden.

Decker betrachtete die junge Frau nachdenklich. »Fällt Ihnen was auf, Cotton? An ihrer Haltung.«

Cotton nickte. Die war ihm sofort aufgefallen. Kumiko lag in einer perfekten stabilen Seitenlage, in die man Bewusstlose bei Erster Hilfe bettete. Das war ungewöhnlich. Falls die Frau, die sich für Kumiko ausgegeben hatte, Saitos Mörderin war, die skrupellos den Mann getötet hatte, mit dem sie zuvor geschlafen hatte, dann passte es nicht, dass Kumiko noch lebte. Auftragskiller töten jeden, der ihnen bei ihren Jobs im Weg ist. Erst recht Personen, die sie identifizieren könnten. Selbst wenn sie jemanden nur außer Gefecht setzten – auf welche Weise auch immer –, war es ihnen egal, ob der Betreffende überlebte oder nicht. Ein betäubtes Opfer in die Seitenlage zu bringen, um sicherzustellen, dass es die Attacke überlebte, passte überhaupt nicht ins Bild.

Cotton sah sich ebenso wie Decker in der Wohnung um. An verschiedenen Haken, die außen an der Tür des begehbaren Kleiderschranks angebracht waren, hingen die Sachen, die Kumiko offenbar hatte anziehen wollen. In einem Sessel stand eine Sporttasche. Darin befanden sich Schminkutensilien, eine Packung Kondome, ein Handtuch, zwei Kimonos und eine flache Box. Cotton öffnete sie vorsichtig und fand darin in passgenauen Halterungen die Utensilien für eine Teezeremonie: Teeschalen, Bambusbesen, einen flachen Wasserkessel, ein Päckchen pulverisierten grünen Tee. Offenbar war das Set kürzlich benutzt worden, denn das Teepäckchen war angebrochen.

Decker checkte den Laptop, der auf dem Tisch stand. Doch der war passwortgeschützt. Damit würde sich Zeerookah beschäftigen dürfen. Wie Cotton den IT-Crack kannte, würde er kaum eine Minute brauchen, um das Passwort zu knacken. Doch auch ohne zu wissen, was der Laptop offenbarte, sah alles danach aus, als hätte Kumiko tatsächlich nichts mit dem Mord an Saito zu tun. Offenbar hatte die Attentäterin sich Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft, Kumiko betäubt und ihren Platz bei Saito eingenommen. Vielleicht konnte die Japanerin ihnen Näheres sagen, sobald sie zu sich kam.

Die Ambulanz traf ein, und Kumiko wurde ins Krankenhaus gebracht. Cotton und Decker fuhren ins HQ, um den Laptop bei Zeerookah abzugeben und zu erfahren, ob er inzwischen mehr herausgefunden hatte. Denn bis jetzt war die ganze Sache noch sehr mysteriös.

3

Simon O’Leary schaltete den Laptop aus und stützte das Kinn auf die gefalteten Hände. Ein kaltes Gefühl der Angst hatte sich in ihm festgesetzt und breitete sich langsam in seinem Körper aus. Er hatte einen Fehler begangen. Genau genommen sogar zwei. Aber, verdammt, fünf Jahre lang war alles gut gegangen. Wer hätte denn ahnen können, dass die Yakuza nicht weiterhin stillhalten würden, nachdem sie ihn und seine Geschäfte so lange ignoriert hatten.

Sein erster Fehler: Er hatte sich zu sicher gefühlt.

Der zweite und bei Weitem schwerwiegendere Fehler war, dass er offensichtlich Spuren hinterlassen hatte, denen jemand folgte und dabei selbst eine Spur hinterließ – eine sehr tödliche Spur. Zweifellos war das beabsichtigt, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Zu seinem Glück verfolgte er die Meldungen der Lokalzeitungen in den Städten, in denen seine Leute lebten. Andernfalls hätte er von der Säuberungsaktion – denn nichts anderes war es – noch lange nichts erfahren. Schließlich lautete die oberste Prämisse für seine Leute, dass sie nur im äußersten Notfall Kontakt zu ihm aufnehmen durften. Die Mitglieder seiner Organisation kannten sich nicht einmal untereinander.

Sie erhielten anonym ihre Aufträge und ihr Geld und verschickten die Waren versteckt in ganz legalen Sendungen an Empfänger, von denen sie nicht wussten, ob sie der Organisation angehörten oder nicht. Auch den Anwälten in ihren Reihen war nicht bekannt, wer Mitglied war. Ihre Aufgabe bestand darin, die Lücken des Zollrechts auszunutzen und notfalls jemanden aus der Organisation zu verteidigen, der bei einer Straftat erwischt worden war. Sie erfuhren aber nie, welcher von den Aufträgen, die O’Leary ihnen zuschusterte, tatsächlich mit der Organisation zu tun hatte.

Da bis auf den ersten Ermordeten keines der Opfer in letzter Zeit Kontakt mit ihm aufgenommen hatte, blieb die drängende Frage, woher die Yakuza wusste, wer er war. Und falls sie es noch nicht wusste, würde sie es sehr bald herausfinden.

Was hatte er übersehen? Er musste etwas übersehen haben, sonst wäre man ihm nicht auf die Schliche gekommen.

Die Berichte, die er online verfolgte, seit er von dem ersten Mord erfahren hatte, zeigten ihm, dass sich die Schlinge um seinen Hals immer enger zog. Der Killer hatte sich nicht nur damit begnügt, die Leute umzubringen. Er hatte jedem Toten das japanische Wort »Kumo« auf die Stirn geschrieben, das O’Leary sich als Decknamen und geheimes Codewort gewählt hatte.

Verdammt, wie hatten die das rausgefunden?

Außerdem hatte der Killer die Safes der Opfer ausgeräumt. Und da die Toten höchstwahrscheinlich Dokumente darin aufbewahrt hatten, kannte die Yakuza jetzt die Notfallpläne. Die waren zwar für jedes Mitglied individuell ausgearbeitet worden, aber wenn man alle diese Pläne besaß und analysierte, mochte ein findiger Kopf durchaus die richtigen Schlüsse ziehen und den Weg zu ihm finden. Eine Katastrophe.

Daran musste die Schlampe von der Polizei schuld sein, die sich bei Yamato eingeschlichen hatte. Die war zwar längst tot, aber niemand wusste, wie viel sie herausgefunden und wem sie was verraten hatte.

Verdammt, verdammt, verdammt!

O’Leary fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. Er musste zu seinem eigenen Notfallplan greifen, um dem Schicksal seiner Leute zu entgehen. Sollte er die anderen kontaktieren und sie warnen? Nur das nicht! Das konnte genau das sein, wozu man ihn provozieren wollte. Jeder Kontakt zu seinen Leuten konnte den Killer direkt zu ihm führen.

Er zuckte zusammen, als die Tür zu seinem Arbeitszimmer geöffnet wurde. Seine Frau steckte lächelnd den Kopf herein.

»Schatz, die Kinder warten darauf, dass ihr Daddy ihnen ihre Gutenachtgeschichte vorliest. Du hast es versprochen.«

Das hatte er. Aber es passte ihm gar nicht. Er hatte andere Sorgen und musste schnellstmöglich eine Lösung für sein Problem finden, ehe er selbst die nächste Leiche wurde. Ein entsetzlicher Gedanke.

Seine Frau blickte ihn besorgt an. »Was ist los?«

Sie kam zu ihm und setzte sich auf die Lehne seines Sessels. »Sag schon.« Sie legte den Arm um seine Schultern und strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. Normalerweise liebte er diese Geste und genoss sie; jetzt ging sie ihm auf die Nerven. Er machte sich von ihr frei.

»Es ist nichts. Ich habe nur Kopfschmerzen. Kannst du den Kindern nicht vorlesen?«

Er sah ihr an, dass sie ihm die Kopfschmerzen nicht abkaufte. Aber sie kannte ihn zu lange und zu gut, als dass sie mit ihm eine Diskussion darüber begonnen hätte. Sie stand auf.

»Ich werde dich bei den Kindern entschuldigen. Dir ist klar, dass sie enttäuscht sein werden?«

»Ich kann es nicht ändern.« Lieber enttäuschte er seine Kinder, als kostbare Zeit zu vergeuden, die er besser nutzen sollte, um die Katastrophe abzuwenden, die im Laufschritt auf ihn zukam.

Er wartete, bis seine Frau das Zimmer verlassen hatte, ehe er sich zurücklehnte und überlegte, wie er am besten vorgehen sollte. Das Sicherste wäre, jemanden zu beauftragen, die geheimen Unterlagen von den noch lebenden Mitgliedern der Organisation zu stehlen. Andererseits barg das wiederum mehr als ein Risiko. Außerdem deutete das zielstrebige Vorgehen des Killers darauf hin, dass er bereits wusste, wer der Kopf der Organisation war. Er konnte sich also nicht darauf verlassen, dass das Vernichten der Akten verhinderte, dass der Killer in absehbarer Zeit vor seiner eigenen Tür stand. Nein, er musste anders vorgehen. Auch wenn das, was er plante, ihm allenfalls Zeit verschaffte.

*

»Agent Cotton, Agent Decker? Ich bin Dr. Sandra Doyle.« Die Ärztin reichte ihnen die Hand.

»Wie geht es Miss Tanaka?« Cotton hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf.

Dr. Doyle schien Ungeduld gewohnt zu sein, denn sie nahm keinen Anstoß an seiner Direktheit. »Den Umständen entsprechend gut. Man hat sie nur betäubt. Allerdings ist das Gift, das ihr verabreicht wurde, unserem Labor völlig unbekannt. Es enthält Tetrodotoxin und eine Reihe weiterer Komponenten, die wir in dieser Kombination noch nie gesehen haben.«

»Tetrodotoxin?« Decker runzelte die Stirn. »Das ist doch das Gift, das in Kugelfischen vorkommt.«

Dr. Doyle nickte. »Unter anderem. In zu hoher Dosierung ist es absolut tödlich. Wer immer dieses Gift gemixt hat, muss ein Meister seines Fachs sein. Es versetzt die Opfer in einen Tiefschlaf, der je nach Konstitution bis zu zwanzig Stunden anhält. Außerdem enthält es die Komponente eines Rohypnolderivates, die einen Gedächtnisverlust für die Zeit vor der Beibringung des Giftes bewirkt. Das bedeutet …«

»Dass Miss Tanaka sich an nichts erinnert.« Cotton ballte die Faust.

»So ist es leider.«

»Wie stehen die Chancen, dass sie sich später wieder erinnern kann?«, fragte Decker.

Dr. Doyle zuckte mit den Schultern. »Das kann ich nicht sagen. Da Rohypnol im Spiel ist, besteht die Möglichkeit, dass ihr Gedächtnisverlust bleibt. Aber die Hauptsache ist, dass sie lebt und dass ich sie dahingehend beruhigen konnte, dass sie nicht vergewaltigt wurde.«

Das wäre bei einer Frau als Täterin auch höchst unwahrscheinlich gewesen.

»Können wir mit ihr sprechen?«

»Ja. Aber erhoffen Sie sich keine erhellenden Antworten.«

Dr. Doyle führte sie zum Zimmer von Kumiko Tanaka. Die junge Frau saß im Bett gegen das hochgestellte Kopfteil gelehnt und blickte Cotton und Decker besorgt entgegen. Sie war ausgesprochen schön, auch wenn sie im Moment blass und krank aussah.

»Guten Tag, Miss Tanaka. Wie geht es Ihnen?« Decker lächelte gewinnend.

Cotton begnügte sich damit, ihr zuzunicken, und überließ es Decker, sie beide vorzustellen. Dafür war er derjenige, der ihr das Foto der Frau reichte, die sich für sie ausgegeben hatte.

»Haben Sie diese Frau schon mal gesehen?«

Kumiko besah sich das Bild eingehend, ehe sie den Kopf schüttelte. »Dr. Doyle sagte mir, dass ich betäubt wurde. Hat diese Frau das getan?« Ihre Stimme klang leise, aber melodisch. Sie sprach akzentfrei. Kein Wunder, denn ihre Überprüfung hatte ergeben, dass sie in New York geboren und aufgewachsen war.

»Höchstwahrscheinlich. Sie hat sich jedenfalls als Sie ausgegeben und ist zu Ihrem Termin mit John Saito gegangen. Sie erinnern sich an den Termin?«

Kumiko nickte. »Dafür habe ich mir am Nachmittag noch eine Schönheitsbehandlung geben lassen.« Sie runzelte die Stirn. »Ich weiß noch, dass ich nach Hause gegangen bin und mich hingelegt habe.«

»Erinnern Sie sich auch noch daran, dass Sie Lady Celia bestätigt haben, in einer Stunde zu dem Termin mit Mr Saito aufzubrechen? Ihre Bestätigung ging um fünf Uhr fünfzig in der Agentur ein.«

Kumiko blickte auf die Bettdecke und starrte eine Weile darauf, ehe sie den Kopf schüttelte. »Daran erinnere ich mich nicht.« Sie sah Cotton und Decker an. »Wie ist die Frau in meine Wohnung gekommen? Und was hat sie getan?«

»Da Sie sich nicht erinnern können, Miss Tanaka, besteht die Möglichkeit, dass Sie selbst ihr die Tür geöffnet haben.« Deckers Stimme klang sanft. »Alles andere hoffen wir im Zuge unserer Ermittlungen herauszufinden. Wir müssen Ihre Wohnung gründlich durchsuchen. Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, werden Sie in einem Hotel wohnen müssen, nachdem man Sie hier entlassen hat.«

Sie nickte. »Bekomme ich Schwierigkeiten?«

»Wegen der Prostitution, der Sie nachgehen?«, brachte Cotton es ungeschminkt auf den Punkt. »Nicht wenn Sie kooperieren. Erzählen Sie uns von Saito. Alles, was Sie über ihn wissen.«

Kumiko war noch eine Nuance blasser geworden und kam der Aufforderung unverzüglich nach, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass sie kooperierte. Leider konnte sie nicht viel über den Mann sagen. Ja, Saito hatte sie zu einer Teezeremonie gebucht. Die Buchung war über die Agentur getätigt worden. Ob er tatsächlich nur die Zeremonie mit ihr abhalten wollte oder noch andere Pläne gehabt hatte, wusste Kumiko nicht. Außer bei ihren Stammkunden wusste sie das nie im Voraus, und Saito war Neukunde gewesen, sodass sie auf alles vorbereitet gewesen war. Nein, sie wusste nichts über seine Vorlieben oder etwas Privates, da es ihr erstes Treffen gewesen sei. Saito hatte, soweit sie wusste, die Agentur auf ganz normalem Weg kontaktiert; Lady Celia müsste ihnen darüber genauere Auskunft geben können. Nein, Kumiko hatte zu niemandem außerhalb der Agentur über ihre Termine gesprochen und innerhalb der Agentur nur mit Lady Celia und dem Operator, Bill Havlock.

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