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Cotton Reloaded - Sammelband 02

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über die Autoren
  4. Impressum
  5. Cotton Reloaded 04 – Die Verschwundenen
  6. Cotton Reloaded 05 – Der Infekt
  7. Cotton Reloaded 06 – Leichensee

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book und Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Dieser Sammelband enthält die Folgen 4-6 von COTTON RELOADED.

Die Autoren

Alexander Lohmann, geboren 1968 in München, studierte nach einer Ausbildung zum Informatiker Germanistik und Geschichte und war als Redakteur bei Zeitschriften tätig. Die Lektüre des »Herrn der Ringe« weckte schon früh seine Liebe zur Fantasy, die er in mehrere eigene Romane umsetzte. Seine Vorliebe für spannungsreiche Gegensätze brachte ihn auch zu COTTON RELOADED. Alexander Lohmann lebt als freier Autor, Lektor und Übersetzer in Leichlingen.

Linda Budinger, ist freie Autorin und Übersetzerin. Sie schreibt seit mehr als 20 Jahren Romane und Kurzgeschichten, vor allem im Bereich Fantasy und Phantastik. Mehrfach wurden Geschichten von ihr für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. Bekannt wurde sie durch Veröffentlichungen für das Rollenspiel »Das Schwarze Auge« und als Mitautorin der Bastei-Romanreihe »Schattenreich«. Die Autorin wohnt in Leichlingen.

Peter Mennigen, wuchs in Meckenheim bei Bonn auf. Er studierte in Köln Kunst und Design, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. Seine Bücher wurden Bastei Lübbe, Rowohlt, Ravensburger und vielen anderen Verlagen veröffentlicht. Neben erfolgreichen Büchern und Hörspielen schreibt er auch Drehbücher für Fernsehshows und TV-Serien.

COTTON RELOADED

Die Verschwundenen

Alexander Lohmann

Es war dunkel bei den Docks an der Upper Bay. Ein paar vereinzelte Lampen brannten am Rand des verwahrlosten Piers und vor den roten Backsteinbauten auf dem angrenzenden Grundstück. Ein Geruch nach Meer, Abgasen und faulendem Tang zog vom Hafen heran.

Das Tor war offen gewesen, wie er es versprochen hatte, und Laura Robinski huschte geduckt zwischen den rostigen Containern umher.

Mira, ermahnte sie sich. Sie hieß jetzt Mira Anthony, und ihr altes Leben war Geschichte. Nach all den Jahren hatte sie sich immer noch nicht daran gewöhnt.

Ein Geräusch ließ sie zusammenzucken. Eine schattenhafte Gestalt verbarg sich neben einem Stapel Paletten. Miras freie Hand fuhr zu ihrer Tasche.

Der Unbekannte in den Schatten wandte sich ab und schlurfte tiefer in die Finsternis hinein. Mira hörte ein leises Scheppern und sah schemenhaft die prall gefüllten Tüten in den Händen des Mannes. Der Kerl war nur ein Obdachloser, der bei Nacht in den ungesicherten Bereichen der Docks nach Abfällen suchte, die er in billigen Fusel umsetzen konnte.

Mira entspannte sich … so gut sie es vermochte.

Aus den geschäftigeren Teilen des Hafens von Brooklyn wehte Lärm herüber. Dort herrschte auch zu dieser Stunde noch Betrieb. Flutlicht waberte über den Dächern.

Die schäbigen Lagerhäuser allerdings, zwischen denen Mira sich bewegte, waren schon bei Tag eine zwielichtige, unsichere Gegend. Es gab Leerflächen aus brüchigem Beton und voll von Unkraut. Ein paar spärliche Container standen inmitten von Gerümpel und alten Baufahrzeugen, denen man nicht ansah, ob sie nur abgestellt waren oder als Schrott auf den Abtransport warteten. Jetzt, bei Nacht, lag alles verlassen da, und Mira stellte sich Schmuggler und andere Gangster vor, die sie bei ihrem Treiben störte.

Aber sie vertraute dem Mann, der sie herbestellt hatte. Ihm verdankte sie alles, und wenn er mit ihr in der Abgeschiedenheit dieses Ortes reden wollte, musste er gute Gründe dafür haben.

Sie blickte sich um. Komm zum Wasser, hatte er gesagt.

Mira ging zum Ende des breiten Piers. Ein besonders baufälliger Ziegelbau mit leeren Fenstern erhob sich links von ihr. Davor lagen die Überreste einer eingestürzten Blechbaracke. Ein abenteuerlicher Metallverhau führte vom Pier weiter auf das Wasser hinaus. Die Schatten zwischen den Trägern und Aufbauten dort waren undurchdringlich.

Mira presste die Tasche mit der Linken eng an den Körper. Ihre Rechte fuhr in die Öffnung.

»Hallo?«, flüsterte sie in die Schwärze hinein.

Ein Geräusch aus der Dunkelheit antwortete ihr. Sie wich zurück.

»Sind Sie das?« Mira fühlte einen Kloß im Hals.

»Alles klar, Miss Anthony.«

Die vertraute Stimme beruhigte sie. »Was ist los?«, fragte sie. »Ist etwas passiert?«

»Pssst!«, sagte der Mann. »Kommen Sie hier herein. Es muss nicht jeder mithören.«

Zögernd trat Mira näher. Ihre Augen gewöhnten sich an die Schatten, und sie sah die Umrisse des Mannes zwischen den rostigen Stahlträgern - ein kleiner Mann, kaum größer als sie selbst.

»Was ist los?«, fragte sie noch einmal.

Er zog sie zu sich in den dunklen Winkel unter der Stahlkonstruktion. Ihre Jacke schrammte über die scharfe Kante einer verwitterten Eisenplatte.

»Haben Sie eine Waffe dabei?«, fragte er.

Mira nickte. »Ja«, sagte sie dann laut, als ihr klar wurde, dass er die Geste unmöglich sehen konnte.

»Zeigen Sie her! Rasch!«

Mira nestelte die Pistole aus der Tasche. Obwohl sie den Griff schon seit Minuten umklammert hielt, bekam sie die Waffe kaum heraus. »Warum?«, stammelte sie. »Sind sie uns auf die Spur gekommen? Oh Gott! Sie haben mir doch versprochen, Sie würden sich um alles kümmern.«

»Das tue ich auch. Geben Sie her!«

Er nahm ihr die Pistole aus der Hand. »Eine .25er«, sagte er. »Wie süß!« Er schob den Schlitten zurück, grunzte und schaute in die Kammer. »Nicht mal durchgeladen.«

»Es sind sowieso …«, setzte Mira an.

Unvermittelt hob er die Waffe und zielte auf ihre Brust.

Sie verstummte.

»Sorry!«, sagte er. »Ich beende unsere Geschäftsbeziehung.«

Er drückte ab. Der Schuss knallte laut in dem schmalen Spalt zwischen der Stahlkonstruktion, wetterte zwischen den hohen Blechwänden und verhallte am Himmel.

Mira wirbelte herum. Ihr Herz schlug wild.

Der Mann hinter ihr fluchte. Sie hörte zwei weitere Schüsse, als sie aus dem Winkel zwischen den Eisenträgern, Blechen und Aufbauten heraus floh und um die Ecke huschte.

Sie hatte immer Angst vor Schusswaffen gehabt, und heute dankte sie Gott dafür, dass sie nur Platzpatronen geladen hatte. Als hätte sie geahnt, dass irgendwann jemand ihre eigene Waffe gegen sie einsetzen könnte …

Der Mann kam hinter ihr her. Mira hatte für ihren Ausflug an die Docks feste Schuhe angezogen. Aber ihr Verfolger war drahtig und viel besser trainiert. Er würde sie einholen, bevor sie die Straße erreichte. Sie brauchte ein Versteck!

Mira lief auf das Lagerhaus mit den leeren Fenstern zu. Der eingestürzte Verschlag versperrte ihr den Weg, ein Haufen Eisenbleche, die teilweise bis ins Wasser gerutscht waren.

»Mira!«, rief der Mann hinter ihr.

Als ob sie jetzt anhalten würde!

Sie stieg über den Schutt hinweg. Der Wind von der Bucht schlug ihr ins Gesicht. Sie spürte einen Hauch kalter Feuchtigkeit auf der Haut. Ihre Füße glitten auf dem Metall aus, das rau war von Rostnarben und zugleich schlüpfrig vor Nässe.

Dann fühlte sie einen bohrenden Schmerz zwischen den Schultern. Sie stolperte. Irgendetwas schepperte über die Metallteile und rutschte ins Wasser. Für Sekunden setzte ihr Denken aus. Als sie erkannte, was geschehen war, kam es ihr so unwirklich vor, als würde sie von außen in ihren Kopf hineinhorchen.

Der Mann hatte tatsächlich die Pistole nach ihr geworfen wie in einem zweitklassigen Film!

Und fast hatte er sie damit zu Fall gebracht.

»Hab ich dich, Schlampe«, brachte er keuchend hervor.

Sie hörte seine Schritte auf dem Metall. Seine Hand griff nach dem Saum ihrer Jacke. Mira sprang zur Seite - in das Hafenbecken hinein.

Sie stieß gegen Metall, das dicht unter der Wasseroberfläche lag. Der Aufprall trieb ihr die Luft aus den Lungen. Mira rutschte weiter. Der Boden verschwand unter ihren Füßen, und die Fluten schlugen über ihrem Kopf zusammen. Die Kälte traf sie wie ein Hammerschlag. Einen Schwall nach dem anderen verschluckte sie von dem trüben Hafenwasser, während sie sich zurück an die Oberfläche kämpfte. Es schmeckte bitter und nach Öl.

Sie keuchte. Sie strampelte. Sie rang hustend nach Atem, als sie den Wind und Tropfen an ihrer Wange spürte. Eine Strömung erfasste sie.

Die leichten Stiefel an ihren Füßen zerrten bleischwer an ihren Beinen. Immer wieder geriet sie mit dem Kopf unter Wasser, und wenn sie erneut auftauchte, brannte das Salz in ihren Augen.

Mira verlor die Orientierung. Sie spuckte Wasser und versuchte, etwas zu erkennen. Verzweifelt kämpfte sie sich auf das Licht und den Lärm der belebteren Docks zu. Sie hatte keine Kraft und keinen Atem mehr und konnte sich nicht mehr um ihren Verfolger kümmern. Hatte er aufgegeben? Hoffentlich, denn sie konnte sich nicht mehr über Wasser halten.

Mira erreichte eine Mole. Sie wusste nicht einmal, ob es dieselbe war, von der sie gesprungen war. Glatter Beton ragte ins Wasser, schleimige Holzpoller erhoben sich am Rand. Aber nirgendwo sah sie eine Leiter.

Sie ging wieder unter. Kämpfte sich noch einmal hoch, hustete und versank wieder, bevor sie auch nur Luft holen konnte. Ihre Kleidung schien sich an ihr festzuklammern und sie in die Tiefe ziehen zu wollen.

Ihre Finger glitten über den Beton. Inzwischen war es ihr egal, ob der Killer noch dort oben lauerte. Sie musste aus dem Wasser heraus. Aber in der Dunkelheit über dem Fluss sah sie keinen Ausweg.

Ihre Hilferufe ertranken in den Fluten, die ihr in die Kehle schwappten.

1

»Eine ertrunkene Frau im Hafen«, sagte Jeremiah Cotton. »Das ist wohl kaum ein Fall für das FBI, Sir.«

Er saß gemeinsam mit Philippa Decker im Büro seines Vorgesetzten, John D. High. Der Chef des G-Teams hatte die beiden Agents zu sich bestellt und ihnen soeben ihren neuesten Fall übertragen.

Philippa Decker griff nach den Papieren auf dem Tisch und schlug die Mappe auf. Cotton genoss derweil den Ausblick über die Steuerzentrale des Teams aus der Chefperspektive. Der weite Raum jenseits der gläsernen Trennwand war in helles Kunstlicht getaucht – eine High-Tech-Zentrale voller riesiger Monitore und all der Technik, von der Cotton zu seiner Zeit bei der New Yorker Polizei nur hatte träumen können.

Mr. High musterte ihn missbilligend. »Hätten Sie die Güte, mir zuzuhören, Special Agent Cotton? Dann erfahren Sie am schnellsten, warum der Fall bei uns gelandet ist.«

Cotton riss sich von dem Anblick der Zentrale los und räusperte sich. »Sicher, Sir. Verzeihung! Aber für einen Jungen aus der Provinz ist das alles hier immer noch ganz schön beeindruckend, Sir.«

John D. High verzog das Gesicht. »Die Tote im Hafen war nur der Anfang«, fuhr er fort. »Erst sah alles nach einem Routinefall für das Police Department aus. Die Tote hatte sogar ihre Handtasche mit sämtlichen Papieren bei sich.«

»Verstehe, Sir. Das ist allerdings nicht selbstverständlich.« Als ehemaliger Cop wusste Cotton genau: Ein Toter mit Papieren, der sich leicht identifizieren ließ, war ein Glücksfall.

»Führerschein und Kreditkarten wiesen die Frau als Mira Anthony aus«, warf Decker ein. Sie hörte gleichzeitig zu und blätterte in den Unterlagen. »Aber dabei ist es nicht geblieben.«

»Allerdings nicht«, fuhr John D. High fort. »Zunächst einmal konnte die Polizei nicht herausfinden, wie diese Mira Anthony überhaupt nach New York gekommen war. Ihr letzter verwertbarer Aufenthaltsort, den man aus den Papieren erschließen konnte, war das freundliche Städtchen Collinsville in Alabama.« Er blickte Cotton an. »Als Junge aus der Provinz kennen Sie solche Orte, Special Agent Cotton, nicht wahr?«

Cotton, der aus einem Kaff in Iowa stammte, fühlte sich ein wenig ernüchtert. »Könnte man so sagen, Sir«, erwiderte er. »New York kann ein gefährliches Pflaster sein, wenn man zum ersten Mal hier vorbeischaut.«

Ein leichtes Lächeln umspielte Mr. Highs Mundwinkel. »Ich glaube, Miss Mira Anthony aus Collinsville hätte kaum noch etwas erschüttern können. Wie die New Yorker Polizei nämlich von ihren Kollegen dort erfuhr, ist Miss Anthony bereits vor sechs Jahren verstorben. Seitdem ruht sie friedlich und ungestört auf dem Friedhof ihrer Heimatstadt, die sie zu Lebzeiten niemals verlassen hat.«

»Die Papiere der Frau waren gefälscht«, stellte Decker fest. »Sie reiste unter dem Namen einer Toten.«

»Okay«, sagte Cotton. »Das ist ein Fall fürs FBI. Aber seit wann befasst sich das G-Team mit falschen Papieren?«

Mr. High winkte ab. »Darüber sind wir hinaus. Ihre ehemaligen Kollegen bei der New Yorker Polizei, Special Agent Cotton, haben noch mehr herausgefunden, bevor wir ihnen den Fall aus den Händen nahmen. Beispielsweise, wer unsere Tote tatsächlich war: Laura Robinski, eine freie Buchhalterin und Finanzexpertin, die hier in New York tätig gewesen ist. Sie verschwand vor drei Jahren von der Bildfläche. Man vermutete, dass sie an Geldwäschegeschäften für die Mafia beteiligt war und einen ihrer Klienten um mehrere Millionen Dollar hintergangen hat.«

»Ich glaube, ich erinnere mich an den Fall«, sagte Philippa Decker. Ihre Stimme klang nachdenklich. »Damals stand die Frage im Raum, ob Laura Robinski untertauchen konnte oder ob die Leute, die sie betrogen hat, sie verschwinden ließen.«

»Nun«, sagte High, »diese Frage ist jetzt wohl beantwortet. Mrs. Robinski kam seinerzeit als vermisste Person zu den Akten. Wir hatten ein DNA-Profil von ihr. Wenn unsere Tote es nicht geschafft hat, ihr Erbgut ebenfalls zu fälschen, wissen wir nun, dass Laura Robinski drei Jahre lang unter falschem Namen lebte.«

»Aber jetzt haben ihre früheren Arbeitgeber sie doch noch erwischt«, schloss Decker.

»Das war aber auch selten dämlich von dieser Frau«, sagte Cotton. »Die Mafia in New York zu betrügen und dann in der Stadt zu bleiben.«

»Dämlich ja«, bemerkte John D. High, »aber professionell dämlich. Sie hatte nicht einfach nur gefälschte Papiere, sondern eine völlig falsche Identität. Mit allem, was dazugehört. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles.«

»Was gehört denn alles dazu?« Cotton grinste. »Entschuldigen Sie die Frage, aber das könnte interessant für mich sein, wenn ich hier mal aufhören will und Sie mich nicht gehen lassen wollen.«

»Keine Sorge.« Mr. High seufzte. »Ich mache mich persönlich für Ihre vorzeitige Pensionierung stark, wenn Sie mir weiterhin so viel Ärger bereiten wie bei Ihren ersten Auftritten hier.

Was nun diese Laura Robinski alias Anthony angeht: Ihre neuen Papiere waren mit den passenden Fotos bei allen zuständigen Stellen korrekt registriert. Mira Anthony hatte sogar noch eine Sozialversicherungsnummer, als wäre sie niemals verstorben. Selbst bei den Steuerbehörden ist sie weiterhin registriert. Jemand hat sich die Mühe gemacht, ihre Spur im Internet zu polieren und Bilder der Toten zu tauschen oder zu löschen. Und zur Abrundung hat man Laura Robinski noch eine kleine Schönheitsoperation spendiert. Sie ist in jeder Hinsicht zu Mira Anthony geworden, und diese Identität war wasserdicht.«

»Anscheinend nicht«, murmelte Decker. Sie musterte die Bilder der Toten. »Als sie ins Wasser ging, hat ihre falsche Identität sich sehr schnell aufgelöst.«

Mr. High verzog das Gesicht. »Jedenfalls ist das Ihr neuer Fall. Sie haben die Unterlagen. Die Beweismittel liegen in der Forensik. Sie werden den Tod von Laura Robinski aufklären.« Er blickte die beiden Agents an und klang ganz so, als würde er eine unumstößliche Tatsache konstatieren. »Vor allem beunruhigt es mich, dass da jemand falsche Identitäten für wer weiß wen aufbauen kann – mit Einträgen, die bis in die Behörden reichen. Ich will, dass Sie die Organisation aufdecken, die dahintersteckt, mitsamt den Verbindungen, die es Laura Robinski ermöglicht haben, drei Jahre lang als Mira Anthony zu leben.«

*

Als Erstes schauten Cotton und Decker bei Sarah Hunter in der Forensik vorbei. Vor dem Labor streiften sie sich sterile Kittel und Handschuhe über. Alles sah penibel aufgeräumt aus. Polierte Labortische und Rollwagen standen neben Schränken mit Glasfront, hinter denen Flaschen und Instrumente zu sehen waren.

Cotton schaute sich um. »Liegt unsere wieder aufgetauchte Tote hier irgendwo?«

Sarah Hunter, die Kriminaltechnikerin des Teams, schüttelte den Kopf. »Die habe ich in der städtischen Pathologie gelassen. Sie ist nicht mehr die Frischeste, und ich will sie nicht so oft hin und her verlegen. Aber ihre Sachen sind hier.«

Sie öffnete einen Schrank und verteilte chromglänzende Tabletts auf den Tischen. Die Gegenstände darauf sahen traurig und verdreckt aus: Eine verschrumpelte Handtasche aus einstmals weißem Leder, Kleidungsstücke, allerhand Plastikkarten und verblasste Papiere. Schlüssel, ein Ring, eine Brosche und ein paar andere Kleinteile lagen auf einem kleineren Tablett. Die Besitztümer der Toten waren längst getrocknet, doch die Spuren des Hafenwassers waren nicht zu übersehen.

»Was hat die Obduktion denn ergeben?«, fragte Decker, während sie sich den Gegenständen zuwandte.

»War es überhaupt ein Mord?«, fragte Cotton.

Hunter zuckte die Achseln. »Es fällt schwer, an einen Unfall zu glauben, wenn man die Umstände bedenkt«, sagte sie. »Allerdings weist auch nichts darauf hin, dass sie ermordet wurde. Der Tod durch Ertrinken wurde bei der Obduktion bestätigt. Es gibt nur eine einzige Verletzung, eine leichte Prellung neben dem rechten Schulterblatt. Die Verfärbungen und der Bluteintritt ins Gewebe deuten darauf hin, dass das Trauma unmittelbar vor ihrem Tod erfolgt ist. Aber sie könnte sich auch irgendwo gestoßen haben, als sie ins Wasser fiel.«

»Oder sie wurde ins Wasser geschubst«, stellte Cotton fest.

Hunter verzog das Gesicht. »Kann sein. Die Verletzung ist jedenfalls nicht so schwerwiegend, dass es sie behindert hätte. Sie ist allem Anschein nach aus eigener Kraft ertrunken, wenn man das so sagen kann.«

Cotton breitete die Kleidungsstücke der Toten aus, als ein leiser Ausruf Deckers ihn aufhorchen ließ. Cotton und Hunter wandten sich der Kollegin zu. Decker hielt einen Schlüsselbund in die Höhe, an dem ein kleiner gelber Plüschvogel traurig herabhing. Sein Kunstgefieder war verklebt. Drei große Schlüssel waren neben dem Vogel an dem Metallring befestigt.

»Die Polizei konnte keinen davon zuordnen«, erklärte Hunter. »Es sind Wohnungs- oder Zimmerschlüssel, doch sie tragen keine Herstellermarkierung. Es gibt Hunderttausende Schlösser in der Stadt, zu denen sie passen könnten. Sie sehen absolut unauffällig aus.«

»Das ist der Sinn der Sache«, sagte Decker. »Aber seht ihr den hier?« Sie zeigte ihren Begleitern den Schlüssel, den sie zwischen ihren weiß behandschuhten Fingern hielt. »Er ist ein bisschen dicker, als man erwarten sollte, und hat einen magnetischen Kern.«

»Magnetisch?« Cotton kniff misstrauisch die Augen zusammen. »Woran merken Sie das? Er haftet jedenfalls nicht an den Tabletts oder an den anderen Schlüsseln.«

»Haben Sie schon mal erlebt, dass Ihre Kreditkarte mit dem Magnetstreifen hängen bleibt?«, fragte Decker. »Mit dem Schlüssel ist es genauso. Die Schließanlage kann den Code im Inneren auslesen, und dabei sieht er fast so aus wie ein normaler Schlüssel. Understatement ist chic in gewissen Kreisen, und in diesem Fall sorgt das noch für zusätzliche Sicherheit. Zufällig kenne ich die Firma, die diese Schlüssel herstellt. Und die Firma kennt ihre Kunden – klein, aber fein.«

Cotton beäugte den Schlüssel misstrauisch. Für ihn sah er aus wie ein x-beliebiger Wohnungsschlüssel. Es waren nicht einmal die eingefrästen Punkte darauf, die er von anderen Sicherheitsschlössern kannte.

»Und wie haben Sie ihn erkannt, wenn nicht mal die Polizei von New York etwas darüber weiß?«

Decker lächelte und zog einen ähnlichen Schlüssel aus der Tasche. »In meinem Job lernt man Sicherheit schätzen«, sagte sie. »Kommen Sie mit! Wir rufen bei der Firma an und lassen die Schlüsselnummer prüfen. Mit etwas Glück stehen wir bald mitten in dem Leben, das Laura Robinski in den letzten drei Jahren geführt hat.«

*

Kaum hatte Cotton eine Adresse, schwang er sich in seinen Dienstwagen und fuhr los.

Decker blieb im HQ des G-Teams und kümmerte sich um einen Durchsuchungsbefehl, um den Techniker der Sicherheitsfirma SealEt, um ein Team der Spurensicherung und alles andere, was für den ordnungsgemäßen Ablauf notwendig war. Aber Cotton glaubte nicht, dass sie diesen Fall lösen würden, indem sie am Schreibtisch Papiere wälzten.

Er fuhr am Silver Lake Park auf Staten Island entlang und betrachtete die Umgebung – schmucke Einfamilienhäuser oder kleinere Gebäude sowie einige wenige große Komplexe mit zumeist backsteinroten Fassaden. Es gab viel Grün dazwischen und rings um den See, der inmitten des Parks funkelte.

»Da sage noch mal einer, Verbrechen lohnt sich nicht«, murmelte Cotton vor sich hin.

Jedenfalls, wenn man auf eher kleinstädtischen Charme stand.

Hier also hatte Laura Robinski ihre letzten Tage verbracht.

Cotton parkte den Dienstwagen am Straßenrand und betrat ungeduldig das Haus. Er wedelte dem Concierge mit der Dienstmarke zu, ignorierte den Aufzug und nahm die Treppe.

Als er im dritten Stock auf den Flur trat, kam ihm ein Mann entgegen – ein älterer Bursche mit grauem Bartstreifen am Kinn. Er war klein, schlank und sportlich gekleidet. Alles, was er trug – Turnschuhe, Kapuzenjacke und der schmale Rucksack auf seiner Schulter -, sah nagelneu aus.

Cotton war schon an dem Mann vorbei, als er plötzlich innehielt und sagte: »Augenblick mal!«

Der Mann, der vor dem Aufzug stand, drehte sich um.

Cotton zeigte seinen Ausweis. »FBI«, sagte er. »Kennen Sie die Frau in Apartment 302?«

Der ältere Mann schüttelte den Kopf.

»Ich kann Ihnen ein Foto …«

Der Mann unterbrach ihn: »Tut mir leid. Ich bin nur als Kurier unterwegs und habe gerade eine Sendung für 304 ausgeliefert. Ich bin zum ersten Mal hier im Haus.«

Mit einem Pling! hielt der Aufzug, und der Mann stieg ein. Cotton blickte ihm nachdenklich hinterher, wandte sich dann ab und ging den Flur entlang. Er hatte das Gefühl, dass er den Mann noch etwas hätte fragen sollen, kam aber nicht darauf, was.

Kurz entschlossen klingelte er an der Tür von Apartment 304. »M. Anderson«, verriet das Türschild. Nach wenigen Sekunden wurde er ungeduldig und läutete noch einmal. Wieder meldete sich niemand. Er klopfte an.

»Hallo? Ist jemand zu Hause?«, rief er.

Ich habe gerade eine Sendung für 304 ausgeliefert …

Wenn der Kurier die Wahrheit gesagt hatte, musste jemand zu Hause sein.

An der Sache stimmte etwas nicht – und im selben Augenblick fiel Cotton auch ein, was ihm an dem Mann so seltsam vorgekommen war: Der weiße Streifen, der unter dem Jackenärmel hervorgelugt hatte. Cotton hatte dieses Detail kaum bewusst wahrgenommen, aber es war nicht irgendein Shirt gewesen, das der Mann unter der Kleidung getragen hatte. Es war der Ärmel einer Schutzkleidung, wie auch die Spurensicherung sie verwendete!

»Verdammt!« Cotton machte auf dem Absatz kehrt und rannte zur Treppe.

Aber der Vorsprung des angeblichen »Kuriers« war viel zu groß, und nach wenigen Schritten überlegte Cotton es sich anders. Er lief zum Fenster am Ende des Flurs. Dahinter befand sich die Feuertreppe. Cotton öffnete die Notentriegelung und sprang auf das Stahlgerüst, das sich über die gesamte Flanke des Apartmenthauses zog.

Mit langen Sprüngen eilte er die Feuertreppe hinunter, nahm immer drei, vier Stufen auf einmal. Es schepperte bei jedem Schritt, und das ganze Außengerüst vibrierte. Auf dem letzten Absatz war die Nottreppe hochgezogen. Cotton nahm sich nicht die Zeit, sie herunterzulassen. Er schwang sich über die Brüstung, hielt sich mit den Armen fest und ließ sich auf den Boden fallen.

Auf dem Rasen rollte er sich ab, rannte um die Ecke und stand wieder vor dem Eingang des Hauses. Keuchend schaute er links und rechts die Straße entlang: Ein paar Autos auf der Straße, ein Passant, der in einiger Entfernung mit einem Hund unterwegs war, aber keine Spur von dem Kurier in der Kapuzenjacke.

Cotton betrat das Haus ein weiteres Mal durch die Vordertür. Der Concierge blickte überrascht von seiner Zeitung auf und starrte ihn an.

»Ist hier gerade ein Mann durchgekommen?«, fragte Cotton. »Klein, um die fünfzig, sportlich gekleidet?«

»Äh … nein«, stammelte der Pförtner. »Aber … sind Sie nicht vorhin erst raufgegangen?«

»Stimmt«, sagte Cotton trocken. »Und jetzt bin ich wieder da. Gibt es noch einen weiteren Ausgang?«

»Ja«, sagte der Pförtner. »Den Keller … Wir haben einen Fahrradkeller mit eigenem Eingang hinter dem Haus. Warum fragen Sie?«

Cotton blickte auf die Bildschirme, die an der Seite der Pförtnerloge standen. »Sie zeichnen auf?«, fragte er.

*

Philippa Decker traf eine Stunde später ein. In der Zwischenzeit hatte Cotton zu seiner Enttäuschung herausgefunden, dass die Überwachungsanlage, deren Monitore so unbeachtet am Empfang standen, nicht aufzeichnete. Und niemand schien von der Ankunft und dem Verschwinden des angeblichen Kuriers etwas mitbekommen zu haben.

Als Decker endlich da war, mussten sie im dritten Stock noch einmal fünfzehn Minuten vor der Tür warten, bis der Rest der Truppe erschien.

»Das Schloss sieht jedenfalls unbeschädigt aus«, stellte Decker fest.

»Genau wie die Kellertür«, sagte Cotton. »Was immer für ein Typ das war, er ist hier reingekommen, ohne etwas zu beschädigen.«

»Vielleicht hatte das gar nichts mit unserem Fall zu tun«, dachte Decker laut nach. »Vielleicht war der Kerl nur ein ganz gewöhnlicher Einbrecher, den Sie gestört haben. Oder ein Hausbewohner, der es eilig hatte und Sie schnell abwimmeln wollte.«

»Ja, klar«, sagte Cotton. »Und zufällig trug er einen faser- und biosicheren Anzug als Unterwäsche. Das glauben Sie doch selbst nicht.«

»Nein«, gab Decker zu. »Eigentlich nicht. Warten wir ab, was wir in der Wohnung vorfinden.«

»Warum haben Sie nicht einfach Laura Robinskis Originalschlüssel mitgebracht?«, fragte Cotton. »Dann könnten wir jetzt sofort in die Wohnung.«

Decker betrachtete ihn missbilligend von der Seite. Ihr Blick blieb auf dem Schmutzstreifen hängen, der vom feuchten Gras an Cottons Hose zurückgeblieben war.

»Der Schlüssel, den wir bei der Ertrunkenen gefunden haben, ist ein Beweismittel. Glauben Sie mir, es ist leichter, die Sicherheitsfirma anzurufen, dass sie einen Techniker schickt, als die Entnahme von Beweismitteln aus dem geschützten Bereich zu veranlassen.«

Cotton schnaubte. »Wenn ich jedes Mal ein Formular ausfüllen müsste, bevor ich hinter einem Verdächtigen herlaufe, würden wir nie jemanden schnappen.«

»Sie haben diesen Verdächtigen nicht geschnappt«, sagte Decker.

Der Techniker öffnete das Schloss nicht mit einem einfachen Nachschlüssel, wie Cotton erwartet hatte, sondern verkabelte ein Gerät mit der Tür. Als er sie entriegelt hatte, traten sie vorsichtig ein.

So unscheinbar das Haus von außen wirkte, so gediegen war die Einrichtung im Inneren. Überall blitzten Chrom und getönte Glasflächen. Schwere Ledersessel und geschnitzte Truhen standen auf kostbaren Teppichen. Cotton sah Accessoires aus den teuersten Geschäften New Yorks. An den Wänden hingen abstrakte Drucke.

Laura Robinski mochte ihre Räumlichkeiten geschmackvoll eingerichtet haben, aber Cotton empfand das Apartment als kalt und unpersönlich.

Und es war eindeutig durchwühlt worden.

»Wir sind nicht die Ersten hier drin«, merkte Decker an.

»Oder Laura Robinski war fürchterlich schlampig«, sagte Cotton.

Sämtliche Schränke und Schubladen standen offen. Geschirr, Wäsche, Vasen, Lebensmittel, Kleingeräte – alles war ausgeräumt, aber nicht wild über den Boden verstreut, sondern ordentlich in kleinen Stapeln abgelegt.

»Wenn das ein Einbrecher war«, sagte Cotton, »ist er der ordentlichste Halunke, den ich je gesehen habe.«

Die Spurensicherung machte sich an die Arbeit. Auf Deckers Bitte hin nahm sich der Techniker von SealEt die Schließanlage vor, indem er seinen Laptop an das System anschloss und die letzten Zugriffe herunterlud.

»Können Sie herausfinden, wann die Tür zuletzt geöffnet wurde?«, fragte Cotton. »Dann wüssten wir, ob unser Freund mit dem Rucksack tatsächlich hier drin war, und wann er in die Wohnung eingedrungen ist.«

Der Techniker schüttelte den Kopf. »Tut mir leid. Wir können nur feststellen, ob jemand den Schlüsselcode geändert hat. Und das war hier nicht der Fall.«

Decker und Cotton suchten die Nachbarn im Haus auf, um mehr über die frühere Bewohnerin von Apartment 302 in Erfahrung zu bringen. Aber Laura Robinski hatte ein unauffälliges, zurückgezogenes Leben geführt. Sie hatte ihre Nachbarn flüchtig gegrüßt, wenn man sich zufällig auf dem Flur begegnet war, hatte ansonsten aber keine Kontakte gepflegt und kaum jemals Besuch empfangen.

Über den rätselhaften Mann mit dem Rucksack wusste niemand etwas.

Als die beiden Agents alle möglichen Zeugen befragt hatten, war die Spurensicherung noch immer beschäftigt. Währenddessen schauten Cotton und Decker sich noch einmal um, nahmen den ein oder anderen Gegenstand in die Hand, den die Forensiker freigegeben hatten, und versuchten, weitere Eindrücke von der Wohnung zu gewinnen.

»Ich hoffe, die Proben aus dem Hausflur ergeben etwas«, sagte Cotton. »Da trug unser Mann wenigstens keine Handschuhe und keine Kapuze mehr.«

»Da mache ich mir keine großen Hoffnungen«, erwiderte Decker. »Wer mit einem Schutzanzug herumläuft, ist auch sonst vorsichtig. Aber die Spuren, die man nicht findet, können manches verraten.«

Cotton runzelte die Stirn. »Okay, dann sagen Sie mir, was wir nicht gefunden haben.«

»Keine Spuren am Schloss. Und der Techniker hat festgestellt, dass nach Robinskis Tod niemand die Anlage neu programmiert hat. Wer immer hier hereingekommen ist, hatte einen Schlüssel.«

Cotton nickte.

Decker fuhr fort: »Außerdem haben wir keinen einzigen Bogen Papier in der Wohnung entdeckt. Nicht mal Banknoten. Der teure Schmuck aber ist noch da. Das war kein Raub. Da wollte jemand alles verschwinden lassen, was uns etwas über die Frau hätte verraten können. Laura Robinski war kein zufälliges Opfer.«

Sie beobachteten, wie ein Kriminaltechniker ein Stück nach dem anderen aus Robinskis gut gefülltem Schmuckkästchen holte, es unter UV-Licht hielt und auf Fingerabdrücke prüfte, dann mit Klebestreifen Proben für eine Laborauswertung von der Oberfläche nahm und zuletzt jedes Objekt eintütete.

Cotton seufzte. »Ich habe mich getäuscht«, sagte er. »Verbrechen lohnt sich doch nicht.«

»Was?« Decker blickte ihn fragend an.

»Wie viele Millionen hat Laura Robinski angeblich bei der Mafia unterschlagen?«, erwiderte Cotton. »Es muss eine Menge gewesen sein, wenn sie sich diese neue Identität leisten konnte, diese Wohnung und wer weiß was. Aber was hatte sie davon?«

Mit einer Geste durchmaß er die Räumlichkeiten. »Hier drin kommt man sich vor wie in einer Hotelsuite, finden Sie nicht auch? Laura Robinski war nach drei Jahren immer noch jederzeit auf dem Sprung. Und sie war allein. Wenn sie die Zeit hätte zurückdrehen können – hätte sie dieselbe Entscheidung wie damals noch einmal getroffen, bevor sie untergetaucht war? Wohl kaum. Wenn man nach den Spuren urteilt, die sie uns hinterlassen hat, war ihr Leben ziemlich öde.«

*

Cotton und Decker fuhren nach Manhattan zurück. Inzwischen war es dunkel geworden, doch in der Stadt, die niemals schläft, herrschte noch immer reges Treiben. Sie kamen an kleinen Läden und Bistros vorüber. Bunte Lichter fielen von dort auf die Straße. Viele New Yorker waren zu Fuß oder mit dem Wagen unterwegs. Es herrschte Feierabendverkehr.

Nachdem sie ihre Dienstwagen in der Tiefgarage des Cyberedge-Gebäudes abgestellt hatten, sagte Cotton: »Schluss für heute, okay? Als Nächstes müssen wir bei SealEt überprüfen, wer alles Nachschlüssel erhalten hat. Aber da erreichen wir vor morgen früh niemanden. Wie wär's mit einem Kaffee zum Abschluss des Tages?«

Decker schüttelte den Kopf. »Ich hatte etwas anderes im Sinn.«

»Und was?« Cotton blickte sie überrascht an.

»Wie wär's mit einem Besuch in der Black Diamond Bar? Da war ich schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr.«

»Gute Idee«, sagte Cotton. »Gehen wir.«

Die Black Diamond Bar lag in Midtown Manhattan, gerade mal einen Steinwurf vom Broadway entfernt. Cotton kannte die Bar nur allzu gut aus seiner Zeit als Streifenpolizist. Mit den bulligen Türstehern, den leicht bekleideten Mädchen und den düsteren, in mattes Rotlicht getauchten Nischen im Inneren wirkte sie wie ein letztes Überbleibsel des alten Broadway – ein Schmutzfleck, wie manche von Cottons früheren Kollegen meinten, der allen Säuberungsversuchen seit den Achtzigern widerstanden hatte.

Cotton zeigte den Gorillas am Eingang nachlässig seine Marke. Sie schauten kaum hin und winkten ihn durch. So früh am Abend war der Club kaum besucht; bunte Lichtpünktchen drehten ihre einsamen Runden auf der Tanzfläche, und die Musik aus den Lautsprechern ließ Cotton an verstaubte Grammofonplatten denken, während eine Liveband gerade ihre Instrumente auf der Bühne aufbaute.

Jemand musste den Besitzer herbeigerufen haben. Nick Skalsky war ein hochgewachsener Mann mit markanter Nase. Sein schwarzes Haar war mit so viel Gel nach hinten gekämmt, dass er damit die Tanzfläche hätte bohnern können. Er trug einen Anzug, der fast als Smoking durchgehen konnte, auch wenn das gestreifte Hemd unter dem Jackett den Eindruck empfindlich störte.

»Signore Cotton!« Er breitete beide Arme aus. »Miss …«

Er lächelte Philippa Decker an. Seine Zahnreihe glänzte hell im Kunstlicht.

»Decker«, stellte Cotton seine Begleiterin vor. »Und was soll der falsche Akzent? Geht Skalsky inzwischen als italienischer Name durch?«

Skalsky hob beschwichtigend beide Hände. Sein Lächeln schwankte nicht.

»Ich will nur die goldenen Zeiten beschwören, als der Broadway noch echten Glanz hatte.«

»Skalsky glaubt gerne«, erklärte Cotton seiner Kollegin, »dass er in den Goldenen Zwanzigern die besseren Geschäfte gemacht hätte.«

Cotton wusste genau, das Diamond war nicht der einzige Club, den Skalsky in der Stadt besaß, nicht einmal der größte. Aber es war der Ort, an dem er sich am liebsten aufhielt und wo er am ehesten seine Marotten auslebte.

Decker lächelte Skalsky an, mit einem spöttischen Zug um die Mundwinkel. »In den Zwanzigern wäre Ihr Schuppen illegal gewesen. Es sei denn, Sie hätten den Alkohol weggelassen.«

»Ich gebe zu, diese Epoche hatte ihre Schattenseiten«, räumte Skalsky theatralisch ein. »Aber der Swing! Das Leben war damals einfach authentischer.«

 »Wie wahr!« Cotton grinste. »Heutzutage ist nur wenig echt an dem Laden. Nicht einmal der Name des Besitzers.«

»Ja, ich habe davon gehört«, sagte Decker. »Sie haben eine Vorliebe für falsche Identitäten, Mr. Skalsky, nicht wahr? Oder sollte ich sagen, Mr. Lang?«

Skalsky zog nun doch einen Schmollmund. »Ich würde es eher als Künstlername bezeichnen. Es hat alles seine Richtigkeit, meine Papiere sind in Ordnung. Was wollen Sie überhaupt, Signore Cotton? Ich dachte, Sie machen sich endlich mal einen schönen Abend und führen Ihre Freundin aus. Stattdessen bringen Sie eine Kollegin mit und spielen fieser Cop und böser Cop. Das enttäuscht mich sehr.«

»Könnte sein, dass wir Sie noch mehr enttäuschen müssen.« Decker zog ein Foto aus der Tasche und hielt es Skalsky hin. »Kennen Sie diese Frau?«

Es war ein Bild der Toten. Skalsky zuckte mit keiner Wimper. Er nahm das Foto in die Hand und drehte es so, dass er es in dem schummrigen Licht besser sehen konnte.

»Klar kenne ich sie«, sagte er. »Ich wäre kein guter Gesellschafter in meinen Clubs, wenn ich mir keine Gesichter merken könnte. Das ist die kleine Laura … Laura Robinski, die mir bei der Buchführung geholfen hat. Ist sie wieder aufgetaucht?«

»Wie man es nimmt«, stellte Decker trocken fest. »Mit dem Gesicht nach unten im Hafenbecken treibend. Man erzählt sich, sie hätte bei Ihnen Geld unterschlagen.«

Skalsky zuckte die Achseln. »Mag sein. Unser neuer Buchhalter kann Ihnen sicher mehr darüber erzählen. Aber in unserem bescheidenen Etablissement hat sie sich bestimmt nicht genug unter den Nagel reißen können, dass sie davon drei Jahre lang untertauchen konnte.«

»Es heißt, Laura Robinski hätte nicht nur die offiziellen Bücher Ihrer Clubs betreut. Da sollen eine Menge Dollars durch ihre Finger gegangen sein, die Sie der Polizei gegenüber nicht erwähnen wollten. Glücksspiel, Schmuggel, Drogen …«

»Gerüchte, nichts als Gerüchte!«, rief Skalsky. »Auf der Straße wird viel geschwatzt, wenn so ein Mädchen plötzlich verschwindet.«

Er musterte Decker. Sein Mund war schmal geworden, sein Blick kühl. Er gab das Foto zurück.

»Wenn Sie hier sind, um mich irgendwie mit dem Tod von Robinski in Verbindung zu bringen, müssen Sie schon mehr vorweisen. Ich habe die Frau seit drei Jahren nicht gesehen. Was mich betrifft, ist sie einfach nur verrückt geworden, vielleicht eine Zeit lang durch die Straßen gestromert. Und wenn man sie jetzt aus dem Hafenbecken gefischt hat … Pech für sie.«

*

Nachdem Cotton sich von Decker getrennt hatte, fuhr er eine Weile durch die abendlichen Straßen von New York. Das beruhigte ihn jedes Mal und half ihm beim Nachdenken. Der Verkehr und die Lichter hatten eine beinahe hypnotische Wirkung.

Decker mochte glauben, dass sie auf der richtigen Spur war: Laura Robinski hatte mehrere Leute betrogen, die dem organisierten Verbrechen nahestanden. Eine Zeit lang hatte sie sich erfolgreich verstecken können, bis die Betrogenen sie aufgespürt hatten. Und genau diese Leute, für die Robinski früher gearbeitet hatte, wollte Decker nun unter die Lupe nehmen.

Cotton war nicht davon überzeugt. Zu vieles an dem Fall passte nicht zusammen. Und da war dieser Identitätsdiebstahl, der Mr. High so sehr beunruhigte. Klar, die Mafia mochte zu so etwas in der Lage sein. Aber wie hätte Robinski die Möglichkeiten der Mafia nutzen sollen, wenn sie vor ihr auf der Flucht war?

Nein, da gab es noch einen anderen Zusammenhang, den sie bisher nicht entdeckt hatten.

Da Cottons Heimweg nach Brooklyn ihn nah genug an die Docks heranführte, wo man Laura Robinski gefunden hatte, beschloss er, sich dort ein wenig umzusehen – bei Dunkelheit, ganz so, wie die Tote diesen Ort in den letzten Augenblicken ihres Lebens erlebt hatte.

Cotton fuhr einen großen Bogen in Ufernähe, von der Columbia bis zur Beard Street. Dabei hielt er die Augen offen und versuchte abzuschätzen, wo Robinski das Hafengelände betreten hatte. Schließlich ließ er den Wagen stehen und ging zu Fuß an den Docks entlang.

Er wusste, wo man die Tote gefunden hatte – aber niemand hatte eine Ahnung, wie sie zum Wasser gelangt war. Womöglich war sie gar nicht dort ins Hafenbecken gefallen, wo man sie gefunden hatte. Vielleicht hatte der Tidenhub ihre Leiche von ganz woanders in die Docks getrieben.

Dennoch. Da war dieses verwahrloste Gelände ganz in der Nähe des Fundortes. Es sah verlassen aus – genau der richtige Ort, wo des Nachts unbemerkt Dinge vor sich gehen konnten, die vor den Augen der Gesetzeshüter verborgen bleiben sollten. Cotton beschloss, dort eine Runde zu drehen.

Der Pier erinnerte eher an einen Schrottplatz als an eine Lagerfläche. Die Lagerhallen sahen verkommen aus. Nur wenige Lichter brannten rings um das Gelände, und der Bereich zwischen den Containern und im Schatten der baufälligen Aufbauten lag im Finstern. Kaum vorstellbar, dass Laura Robinski freiwillig hier langgegangen war.

Unvermittelt flammte eine Taschenlampe auf und strahlte Cotton mitten ins Gesicht.

»Halt!«, rief eine Stimme. »Was wollen Sie hier?«

Cotton riss die Arme hoch. Der Mann war hinter einem offenen Container hervorgesprungen, so plötzlich, dass Cotton nicht mehr reagieren konnte. Er sah nicht einmal, ob der Kerl mit der Taschenlampe bewaffnet war. Er musste Zeit gewinnen.

»Was machen Sie hier?«, fragte er.

»Ich arbeite hier, Mann«, entgegnete der andere und senkte die Lampe ein wenig. Cotton erkannte Umrisse hinter dem Licht – es sah fast nach einer Uniform aus. Er blinzelte.

»Nur die Ruhe, Mister«, sagte Cotton. »Ich bin von der Polizei. Ich wollte mich hier nur mal umsehen.«

»Wegen der Toten, hm?«

Der Mann nahm die Lampe herunter. Cotton stellte fest, dass es sich um einen Nachtwächter handelte. Er blieb misstrauisch. Erst als Cotton ihm seine Marke zeigte, wurde der Mann redseliger. Er stellte sich als Ray Phillips vor, ein rundlicher, ein wenig ältlicher Schwarzer mit Halbglatze. Er hatte wenig von einem Polizisten an sich, auch wenn seine Uniform vermutlich ein solches Auftreten bewirken sollte.

»Seit dem Zwischenfall laufe ich weit mehr als die üblichen Runden«, sagte er. »Furchtbar, das. Furchtbar.«

»Hatten Sie in der Nacht Dienst, als die Frau ertrunken ist?«, fragte Cotton.

Der Wachmann nickte. »Aber ich habe erst einen Tag später davon erfahren. Nachdem die Leiche aus dem Wasser gezogen wurde.«

»Sie haben in der Nacht selbst also nichts mitbekommen? Sie wissen nicht einmal, ob die Tote vorher hier auf dem Gelände war?«

»Nein. Das hab ich Ihren Kollegen ja schon gesagt. Da muss ich in der Wachstube gewesen sein.« Er blinzelte. Cotton sah ihm an, dass er etwas verschwieg.

»Kommen Sie, Phillips«, sagte er. »Wenn Sie uns noch irgendwie weiterhelfen können … Ich bin mir sicher, Sie finden auch keine Ruhe hier, solange wir den Fall nicht aufgeklärt haben.«

»Ja, nun …« Phillips zögerte. »Mir ist nichts aufgefallen. Aber der alte Jamie weiß vielleicht mehr.«

»Wer ist das?«, fragte Cotton.

»Ein Obdachloser. Er streunt abends oft hier herum und sucht nach Sachen, die zurückgeblieben sind. Abfällen. Er ist in Ordnung. Nimmt nichts mit, was jemand vermissen könnte.«

»Und dieser Jamie hat etwas gesehen?«

»Er hat die Frau gesehen, als sie noch lebte. Sie lief zwischen den Containern herum. Kam von der Straße und ging geradenwegs zum Wasser. Jamie hat sich verdrückt und weiß nicht genau, was dann geschah. Aber er glaubt, die Frau habe sich mit jemandem getroffen. Und er hat Schüsse gehört.«

»Schüsse?« Davon stand nichts in den Akten. »Und Sie haben nichts davon mitbekommen?«

»Wenn es zwischen den Mauern und den Aufbauten am Ende des Piers passiert ist, geht der Schall nach oben oder zu den Seiten. Da höre ich nichts, wenn ich in meiner Kammer sitze.«

»Und den Cops haben Sie nichts davon erzählt?«

»Als der Officer hier seine Fragen gestellt hat, wusste ich selbst noch nichts davon. Jamie habe ich erst später wiedergetroffen, und er ist nicht besonders redselig. Würde ihm nicht gefallen, wenn ich die Cops auf ihn aufmerksam mache und er belästigt wird. Armer Bursche …«

»Sie haben Informationen zurückgehalten«, sagte Cotton streng.

Phillips schaute verlegen drein. »Wissen Sie, Sir, im Grunde dürfte Jamie sich gar nicht hier herumtreiben. Wenn das rauskommt, kriege ich selbst Ärger. Und was er mir erzählt hat … Es klang nicht so, als würde das weiterhelfen. Er hat ja niemanden gesehen außer der Frau. Und was die Schüsse angeht … die Frau ist doch ertrunken, nicht wahr?«

2

Decker musterte Cotton, als sie am nächsten Morgen die Einsatzzentrale betrat.

»Meine Güte, Cotton! Haben Sie gestern noch ein paar andere Clubs besucht? Wenn Sie kein frisches Hemd anhätten, könnte ich glatt auf den Gedanken kommen, Sie wären gar nicht zu Hause gewesen.«

Cotton winkte ab. »Ich habe letzte Nacht noch ein bisschen gearbeitet. Aber es hat sich gelohnt.«

»Ach ja?«

»Ja. Ich war bei den Docks und habe einen Zeugen gefunden. Ich konnte herausfinden, wo unsere Tote sich zuletzt aufgehalten hat, und ich habe mich dort gründlich umgesehen.«

Er gähnte ein wenig schuldbewusst. Bis vier Uhr früh hatte er gemeinsam mit Wachmann Phillips Zoll um Zoll die Wege und die Anlegestellen abgesucht, in deren Umgebung der »alte Jamie« den Lärm gehört hatte. Der Obdachlose selbst hatte sich leider nicht blicken lassen.

»Und? Was haben Sie gefunden?«

»Patronenhülsen. Und ein Stück von Robinskis Jacke an den Pieraufbauten. Liegt jetzt bei Hunter im Labor.«

»Aber Laura Robinski wurde nicht erschossen.«

»Richtig«, stimmte Cotton seiner Kollegin zu. »Schon gar nicht mit den Patronen, die ich bei den Docks entdeckt habe.«

»Wie meinen Sie das?«

»Es waren Platzpatronen.«

»Platzpatronen? Das ergibt keinen Sinn«, befand Decker. »Wer lädt seine Waffe mit Platzpatronen, wenn er eine Zeugin umbringen will?«

»Es reicht auf jeden Fall, um jemanden zu erschrecken.« Cotton hatte in den letzten Stunden viel darüber nachgedacht. »Womöglich so sehr, dass der Betreffende in Panik ins Wasser springt – und schon sieht alles nach einem Unfall aus.«

Decker blickte zweifelnd drein. »Das wäre arg um die Ecke gedacht. Die Leute, die hinter Laura Robinski her waren, arbeiten nicht so. Ich glaube, wir sollten uns erst mal um den zweiten Schlüssel kümmern.«

»Ich habe heute Morgen schon dreimal bei dem Laden angerufen, aber es geht keiner ans Telefon!«

Cotton klang so beleidigt, dass Decker unwillkürlich lächeln musste. Tatsächlich dauerte es bis neun Uhr, ehe das Büro der Sicherheitsfirma besetzt war und sie in Erfahrung bringen konnten, wer Schlüssel zu Robinskis System erhalten hatte. SealEt hatte zwei Schlüssel geliefert. Keinen davon an Robinski selbst – eine Maklerin hatte sich um alles gekümmert.

*

Lydiah Bruckner wohnte auf Long Island, ein Stück außerhalb von New York an der »Goldküste« der Insel. Cotton und Decker verließen Manhattan über die Brooklyn Bridge und folgten von Queens aus der Interstate 495 nach Osten. Long Island war ein dicht besiedelter Landstrich, aber jenseits der Stadtgrenze verteilten sich die Bewohner auf kleinere Ortschaften, und die Gegend wurde aufgelockerter.

»Man sollte eigentlich meinen, dass sie als Maklerin näher bei ihren Kunden wohnt«, bemerkte Cotton.

»Ja. Auf der anderen Seite weiß sie als Maklerin vermutlich, wo man am schönsten wohnt, wenn man sich’s leisten kann«, antwortete Decker.

Sie erreichten die gesuchte Adresse im Norden von Lattingtown. Es war ein größeres Anwesen inmitten einer weitläufigen, bewaldeten Wohnsiedlung mit gutem Blick auf den Long Island Sound. Die neoklassizistischen Säulen der Villa leuchteten weiß zwischen den Bäumen hervor und sahen von ferne wie echter Marmor aus. Erst als Cotton und Decker die Auffahrt erreichten, erkannten sie, dass die Fassade aus lackiertem Holz bestand.

Hinter dem wuchtigen Portikus verbarg sich ein schlichteres, normales Landhaus mit angesetzter Garage. Lydiah Bruckner öffnete selbst die Tür – eine große Frau mit einem so massigen Körperbau, dass selbst Cotton sich von ihrer Gegenwart erdrückt fühlte. Er zeigte ihr seinen Ausweis.

»FBI. Tut mir leid, wenn wir stören, Mrs. Bruckner, aber wir wollten mit Ihnen über eine Ihrer Klientinnen reden. Dürfen wir hereinkommen?«

Sie hatten ihren Besuch nicht angekündigt, denn Cotton hielt viel vom ersten Eindruck: Wenn man gewisse Dinge das erste Mal zur Sprache ...

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