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Cotton Reloaded - 24

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über dieses Buch
  4. Über den Autor
  5. Titel
  6. Impressum
  7. 1
  8. 2
  9. 3
  10. 4
  11. 5
  12. 6
  13. 7
  14. 8
  15. 9
  16. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book und als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Über dieses Buch

Nevada, Eldorado Canyon, Sommer 1934
Ein junger Cree-Indianer muss mitansehen, wie weiße Bauarbeiter seine ganze Familie und somit die letzten seines Stamms auslöschen. Auf der Flucht rettet er sich in eine Miene. Es dauert nicht lange, bis ihn der Hunger einholt. Aus lauter Verzweiflung ruft er die Geister seines Volks. Geister, die ihm helfen werden zu überleben und die Mörder seiner Familie grausam bestrafen …

Nevada, Las Vegas, heute
Die Special Agents Jeremiah Cotton und Philippa Decker sind bei einem Routineeinsatz in Las Vegas. Doch plötzlich prallt ein vermeintlicher Selbstmörder direkt vor ihren Füßen auf dem harten Asphalt auf. Er scheint vom Dach eines Hotels gesprungen zu sein. In Cottons Armen versucht der Sterbende vergeblich noch etwas zu sagen. Der G-Man ist sicher, irgendetwas ist faul an dieser Sache … Cottons Verdacht bestätigt sich, denn im Magen des Toten finden sie etwas, das zunächst niemand glauben kann.

Der Autor

Timothy Stahl, geboren 1964 in den USA, wuchs in Deutschland auf, wo er unter anderem als Chefredakteur eines Wochenmagazins und einer Jugendzeitschrift tätig war. 1999 kehrte er nach Amerika zurück. Seitdem ist das Schreiben von Spannungsromanen sein Hauptberuf. Mit seiner Horrorserie WÖLFE gehörte er 2003 zu den Gewinnern im crossmedialen Autorenwettbewerb des Bastei-Verlags. Außerdem ist er in vielen Bereichen ein gefragter Übersetzer. Er lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Las Vegas, Nevada.

1

Nevada, Eldorado Canyon, Sommer 1934

25 Meilen weiter nördlich bauten 3000 Männer den größten Staudamm Amerikas. Vielleicht, überlegte der Junge, sogar den größten der Welt. 3000 Männer, so viele konnte der Junge sich gar nicht vorstellen. So wenig, wie er sich unter der »ganzen Welt« etwas vorstellen konnte. Seine Welt sah überall so aus wie hier: Abgeschiedene Winkel eines Landes, das einst seinem Volk gehört hatte, bis die Weißen es Stück für Stück an sich rissen. Der Junge und sein Volk waren die Letzten ihrer Art.

Mit seiner Sippe, knapp zwei Dutzend Cree-Indianern, zog er durch die Ödnis Nevadas. Die Landstriche waren so einsam, dass man sich leicht vorstellen konnte, der einzige Mensch auf Erden zu sein. Schwer zu glauben, dass kaum als einen Tagesmarsch entfernt 3000 Menschen schufteten. In weitem Umkreis nichts als Staub und Fels, Grate und Klüfte, in denen sich die Gluthitze des Tages auch nachts noch hielt. Und mittendrin 3000 Weiße, die den Colorado River zum See stauen wollten, um selbst diese Wüste noch für sich nutzbar zu machen.

Der Junge richtete den Blick zum Himmel, während er auf halber Höhe eines Geröllhangs zwischen zwei Felsbrocken kauerte. Er schaute zu den Sternen, die dort blinkten. Wie viele mochten es sein? Dann blickte er wieder zu dem Lager hinunter, in das Rund zwischen den schlichten Tipis seiner Sippe, wo ein Feuer loderte, dessen flackernder Schein den Kreis ausfüllte.

Heute Nacht waren keine 3000 Weiße an der Baustelle, sondern zehn weniger. Denn diese zehn Mann waren hier. Sie waren zu den Cree gekommen, mit Fahrzeugen, deren Brummen sie angekündigt hatte, lange bevor sie zu sehen gewesen waren. Jetzt hockten die motorisierten Gefährte jenseits der Tipis in der Nacht, klobige Schattenrisse, wie lauernde Tiere mit glühenden Augen. Die Männer hatten den Platz zwischen den Tipis betreten. Es ging etwas von ihnen aus, das die Luft erfüllte. Eine Spannung von der Art, wie sie Gewittern vorausging: Sie ließ einem die Haut kribbeln, als liefen Ameisen darüber. Aber nicht genauso. Unangenehmer. Gefährlicher.

Der Junge fror trotz der Wärme, die von den Felsklötzen ausstrahlte, zwischen denen er sich auf Geheiß seiner Mutter versteckt hatte, als die Weißen gekommen waren. Eine ungute Ahnung umschlich ihn wie ein namenloser böser Geist. Die Hand in der Hosentasche, knetete er das elastische Lederband seiner Steinschleuder. Er hatte Weiße gesehen, die Ähnliches mit Perlenketten taten, die sie »Rosenkranz« nannten. Er wusste nicht, warum sie es taten, aber es beruhigte ihn.

»… und klaut euch aus unserem Hab und Gut zusammen, was wir uns hart erarbeiten müssen, was?«, blaffte der Wortführer der Weißen die Cree an, die reglos vor ihren Zelten standen. »Weil ihr zu faul seid, selbst einen Finger krumm zu machen!«

Es hätte dieser Worte nicht bedurft, um die Feindseligkeit der Weißen zu zeigen. Offen trugen sie ihre Waffen zur Schau: Revolver und Gewehre. Der Junge grübelte. Wenn er die Worte richtig deutete, warfen die Weißen den Cree vor, sie bestohlen zu haben. Das konnte der Junge nicht glauben. Andererseits wunderte er sich nicht zum ersten Mal darüber, wo seine Sippe all die Dinge her hatte, die nicht aus dem Boden oder an Sträuchern und Bäumen wuchsen.

»Rückt unsere Sachen heraus und verschwindet«, verlangte der Sprecher der Dammbauer. »Dann passiert keinem was.«

Weiße und Indianer standen einander gegenüber. Erst jetzt bemerkte der Junge, dass fünf seiner Stammesbrüder fehlten. Und entlang der Grenze zwischen Feuerschein und Finsternis lösten sich genau fünf Schatten lautlos aus der Nacht. Fünf Cree richteten veraltete Schießprügel hinterrücks auf die Weißen.

Der Junge sah, wie seine Mutter, die mit den anderen vor den Tipis stand, an den fremden Männern vorbeischaute. Einer von ihnen bemerkte es. Sein Blick folgte dem ihren, und er stieß einen lauten Warnruf aus, der mit dem Krachen des ersten Schusses zusammenfiel. Wer ihn abgab, ob Cree oder Weißer, bekam der Junge nicht mit.

Im nächsten Moment feuerten beide Parteien aus allen Rohren. Schreie gellten.

Sekunden später war es vorbei. Pulverdampf hing wie Nebel in der Luft und stieg dem Jungen beißend in die Nase. Die Echos der Schüsse und Schreie verliefen sich im Labyrinth der Erd- und Felsspalten.

Stille senkte sich über die zerfurchte Canyonlandschaft, schwer wie Blei.

Totenstille?

Der Junge lauschte. Nein, da waren Geräusche. Wer hatte überlebt?

Der Junge spähte den Hang hinunter und fand im Licht des Feuers die Antwort.

Die Weißen.

Das Herz schlug heftig in der schmalen Brust des Jungen. Hatten sie ihn bemerkt? Ihn, den Letzten seiner Sippe und einzigen Zeugen des Massakers im Eldorado Canyon?

*

Eldorado Canyon, heute

Das Keuchen und die Schritte des alten Mannes, bei denen er immer wieder Staub und Geröll lostrat, waren die einzigen Geräusche. Das hieß jedoch nicht, dass er allein war in dieser Landschaft aus Erdspalten und Felskämmen, die nach Westen hin zu einer kurzen Kette niedriger Berge anstieg, durch die sich die Stollen einer aufgelassenen Goldmine bohrten. Es hieß nur, dass die anderen sich lautlos zu bewegen verstanden. Denn dass sie da waren, wusste der alte Mann. So wie er wusste, dass sie Jagd auf ihn machten.

Er hielt kurz inne, sah sich keuchend um. Wohin? Überall ragten Wände aus Erdreich und Fels auf. Einige waren steil, beinahe senkrecht, andere waren Hänge, die man ersteigen konnte. Sie bildeten Kessel und Schluchten. Hinter jeder Kehre konnten die Jäger in den Schatten der Nacht lauern.

Der alte Mann musste nach oben, hinauf auf die Hügelrücken, auf die das Mondlicht fiel. Dort konnte sich niemand vor ihm verbergen. Dort würden seine Verfolger sich zeigen müssen.

Schwer atmend hielt der alte Mann auf einen der Hänge zu. Es machte ihm mehr Mühe als erwartet, ihn zu erklettern. Immer wieder rutschte er weg, musste mit den Händen Halt suchen. Seine Nägel rissen ein, wenn die Fingerkuppen an dem rauen Stein abglitten.

Zwei Schritte vor, einer zurück. Und mit jedem Schritt schlug sein ohnehin angegriffenes Herz schmerzhafter in der Brust, als wollte es sich mit einem Messer aus seinem Käfig aus Rippen befreien.

Das Verlangen, sich dem Schicksal zu ergeben, wurde beinahe übermächtig, doch der Überlebenswille des Alten war stärker als gedacht. Er kämpfte buchstäblich um sein Leben, setzte alle Kraft daran – auch Reserven, von denen er bisher nichts geahnt hatte, weil er sie nie benötigt hatte. Er hatte ein abenteuerliches Leben geführt und stets neue Herausforderungen gesucht, aber seine Existenz hatte dabei nie auf dem Spiel gestanden. Allenfalls das der Guides, die ihn für viel Geld an die exotischsten Orte der Welt geführt und heil wieder ins Flugzeug gesetzt hatten.

Er zwang seine abschweifenden Gedanken zurück auf den Pfad, auf den es ankam, den Hang hinauf, hoch zu den Kämmen dieses unbelebten Terrains.

Kaum zu glauben, dass Las Vegas, das Mekka der Vergnügungssüchtigen und Spieler, nur wenig mehr als 40 Meilen weiter im Südwesten lag. Der Widerschein des Lichterspektakels dieser Wüstenstadt malte jenseits der Grate einen künstlichen Horizont an den Rand der Nacht, hinter dem es niemals dunkel wurde. Hunderttausende Menschen vergnügten sich in Vegas, Abermillionen Besucher jedes Jahr.

Doch dieser von Leben kündende Lichterstreif hätte ebenso gut eine Fata Morgana sein können, denn die relative Nähe der vielen Menschen nützte dem alten Mann gar nichts. Keuchend wühlte er sich den Hang hoch. Genauso gut hätte die Stadt auf der anderen Seite der Erde oder auf einer anderen Welt liegen können. In seiner Situation war die Zivilisation unerreichbar fern. Schließlich war er zu Fuß und wurde von Jägern gehetzt, die nie aufgeben würden. Weil sie wussten, dass er ihnen nicht entkommen konnte.

Dann war er oben.

Endlich.

Im Staub kniend, auf die Hände gestützt, schaute der alte Mann sich um. Sein Atem ging röchelnd. Speichel troff ihm in langen Fäden von den Lippen. Das Herz schlug so heftig, dass es zu zerreißen drohte.

»Noch nicht«, keuchte der alte Mann. So durfte er nicht sterben. Nicht an Schwäche, nicht an Herzversagen.

Ihm war schwindlig, und sein Blick verschwamm. Vielleicht schien ihm der Horizont aus Licht, den die ferne Stadt in die Nacht projizierte, deshalb zum Greifen nah. Beinahe hätte er sich dazu hinreißen lassen, die Hand danach auszustrecken, wäre in diesem Moment nicht hinter ihm das Knirschen von Stein erklungen.

Wie aus dem Boden gewachsen stand die Gestalt da, nicht weit von ihm entfernt, aber durch eine Kluft von gut vier Metern von ihm getrennt. Eine Distanz, die niemand ohne Anlauf überwand. Auch nicht in der eigentümlichen Verkleidung, die der Gestalt das Gefühl geben mochte, über größere Kräfte zu gebieten, als ein Mensch sie besaß.

Der Mond hauchte den Augen des Hirschschädels, den der Fremde sich über den Kopf gestülpt hatte, täuschendes Leben ein. Der starre Blick hart wie Stahl und schien den alten Mann zu sezieren.

Er rappelte sich mühsam auf, ruderte mit den ausgestreckten Armen, um auf dem schmalen Kamm das Gleichgewicht zu halten.

Sein Gegenüber auf dem anderen Grat hielt die Bewegung offenbar für einen Versuch, ihn zu beschwichtigen, ihn anzubetteln, von seinem Vorhaben abzulassen, denn die als Tier maskierte Gestalt heulte den Nachthimmel an, lachend wie eine Hyäne zuerst, dann klagend wie ein Schakal.

Echos – oder echte Schakale – antworteten aus der Wüstennacht.

Der alte Mann versuchte, festeren Stand zu finden. Dabei trat er an die falsche Stelle – auf ein Stück Erdboden, das vermutlich noch nie eines Menschen Fuß berührt hatte. Die Kante des Hügelkamms bröckelte ab. Der alte Mann verlor das Gleichgewicht. Mit einem Schrei, der ihm wie rostige Ketten in Hals und Brust rasselte, stürzte er den jenseitigen, steileren Hang hinunter. Zwei-, dreimal überschlug er sich. Er hörte ein Knacken wie von einem brechenden Ast. Der Schmerz in der Schulter setzte eine Sekunde später ein. Die Schreie des alten Mannes wurde lauter. Instinktiv spreizte er Arme und Beine und kam unter einer vorspringenden Felsnase zum Liegen – an einer Stelle, an der er von oben nicht mehr zu sehen war.

Irgendwann verklang das Klackern der Steine, die den Hang hinunterkullerten und am Grund der Schlucht liegen blieben. Diesmal gelang es dem alten Mann sogar, die Luft anzuhalten – was kein Kunststück war, denn nach dem brutalen Sturz tat jeder Atemzug höllisch weh.

Über ihm knirschten Schritte. Die Gestalt mit dem Hirschschädel?

In diesem Augenblick erklang ein anderes Geräusch hinter ihm unter dem Felsvorsprung, wo die undurchdringliche Finsternis wie etwas Festes, Kompaktes nistete.

Ein Rasseln von verhärtetem Horn.

Klapperschlange!, durchzuckte es den alten Mann.

Schon schoss der kleine Schädel des giftigen Tieres aus der Schwärze hervor und genau auf ihn zu. Trotzdem verfehlte ihn die Schlange. Im nächsten Moment wurde der Kopf des Reptils unter einem niederstampfenden, in Fell gehüllten Fuß zerquetscht.

Einen Sekundenbruchteil zuvor hatte der alte Mann sich von einer kräftigen Hand gepackt gefühlt, die ihn unter dem Felsen hervorgezerrt hatte. Die Hand hatte ihn losgelassen, doch die Gestalt, der sie gehörte, stand noch da und ragte über ihm wie ein Riese in den mondhellen Himmel. Das Gesicht war hinter einer Maske aus Federn verborgen; dazu trug er eine Kette, die aus aneinandergeknüpften, hässlichen Geierköpfen mit nackten Hälsen bestand.

Während nun auch die andere Gestalt, die mit dem Hirschschädel, den Hang herunterkam, senkte sich die Hand, die den alten Mann eben noch gerettet hatte, von Neuem auf ihn herab. Sie steckte in einem Handschuh aus Leder und Federn. Die Fingerkuppen waren mit spitzen, offenbar echten Raubvogelschnäbeln und –krallen besetzt. Die Hand verharrte über der Brust des alten Mannes, öffnete und schloss sich wie ein bizarres Maul.

Dann biss sie zu.

Daran aber starb der Alte nicht.

Seine Schmerzensschreie verwehten im Eldorado Canyon, als die Jäger ihn aufbrachen wie ein erlegtes Wild.

*

Eldorado Canyon, Sommer 1934

Nein, sie konnten ihn nicht hören. Der Atem von zehn weißen Männern, die gerade zu Mördern geworden waren, war lauter als der eines Jungen, der am Entsetzen über das Massaker an seiner Sippe zu ersticken drohte.

Immer noch zwischen den Felsen hockend, zitterte er von Kopf bis Fuß. So sehr, dass sich unter ihm ein faustgroßer Stein löste und den Hang hinunterrollte, begleitet von Geräuschen, die sich wie Schüsse anhörten.

Der Junge erstarrte. Diese Laute waren im Lager zu hören, wo die Weißen gerade auf die Toten blickten, als könnten sie das Blutbad nicht fassen, das sie angerichtet hatten. Aber nur bis zu diesem Moment. Jetzt hoben sie in einer zeitgleichen Bewegung die Köpfe. Ihre Blicke huschten den Hang herauf.

»Da ist noch einer!«, rief einer von ihnen.

»Wo?«, fragte ein anderer.

Sehen konnten sie ihn im Dunkeln offenbar nicht. Wie konnte er diesen Vorteil nutzen?

Ein Schuss krachte, wahllos abgefeuert.

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