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Cotton Reloaded - 13

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. Epilog
  11. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book und als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Der Autor

Jürgen Benvenuti wurde 1972 in Bregenz, Vorarlberg, geboren. Nach Aufenthalten in Berlin und Barcelona lebt er jetzt in Wien. Neben seinen Romanen, die unter anderem bei Bastei Lübbe, dtv und im Wiener Falter Verlag erschienen sind, hat er auch zahlreiche Rezensionen und Artikel in diversen Zeitungen, Zeitschriften und Online-Magazinen veröffentlicht. Ab und zu wagt er außerdem einen Abstecher ins Filmgeschäft.

1

Kein Zögern, kein Zaudern. Wenn es losging, gab es nur eine Richtung: Vorwärts.

Dienstag, kurz vor Mitternacht. Vom Novembersturm getrieben, der am frühen Abend über New York aufgezogen war, prasselte der eisige Regen mit voller Wucht gegen den schwarzen Dodge Challenger, in dem die Special Agents Cotton, Decker und Dillagio nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit darauf warteten, dass die Operation endlich losging. Cotton wusste, dass die Nervosität und die Ungeduld ihnen einen Streich spielten; sie hatten den Dodge vor weniger als zehn Minuten hier geparkt, rund 250 Yards von der lang gezogenen, gedrungenen Lagerhalle entfernt, die fast bis zur Flushing Bay hinunterreichte. Etwas mehr als eine Meile nördlich, auf der anderen Seite der Bucht, lag Riker’s Island, im Westen befand sich der LaGuardia Airport und östlich von ihnen, eine knappe Viertelmeile Luftlinie entfernt, standen ein paar Getränke-Abfüllanlagen. Ein wahrlich lauschiges Plätzchen.

Cotton blinzelte in die Dunkelheit.

Das hinterste der drei vergitterten Fenster in der Lagerhalle war erleuchtet, und einmal war ein dunkler Schemen hinter den halb heruntergelassenen Jalousien vorbeigehuscht – vermutlich Bobby Gold, ihre Zielperson. Ansonsten tat sich nichts. Gar nichts.

»Shit, was treiben die Typen da draußen eigentlich?«, fluchte Dillagio, der auf der Rückbank lümmelte und unmelodisch vor sich hin summte. Über seiner speckigen Lederjacke trug er eine schusssichere Weste, deren seitliche Befestigungsriemen nachlässig herunterhingen. Kein Problem. Steve Dillagio nahm es mit diesen und anderen Dingen nicht allzu genau.

»Ich vermute, sie sondieren das Gelände«, sagte Philippa Decker, die auf dem Beifahrersitz saß und ein kleines Hightech-Funkgerät in ihrer schmalen Hand hielt. Mit ihren blonden Haaren, den intelligenten Augen und der dunklen Kampfuniform wirkte sie wie eine Mischung aus Model, Anwältin und Ninja.

»Steve hat recht«, sagte Cotton, der hinter dem Lenkrad kauerte und sich unwohl fühlte in der ungewohnten, eng anliegenden Montur, die zudem einen unangenehmen Kunststoffgeruch verströmte. »Das SWAT-Team sollte sich wirklich ein bisschen beeilen. Wenn die so weitertrödeln, ist Gold wahrscheinlich über alle Berge.«

»Das sind Profis, die arbeiten nun mal gründlich«, sagte Decker mit einem matten Lächeln Richtung Cotton, der immer noch der Rookie des G-Teams war und diese Art des Spottes schon zur Genüge kannte.

»Auch wir sind Profis, Schätzchen«, sagte Dillagio gedehnt.

»Ich bin nicht dein Schätzchen«, antwortete Decker schnippisch, »und werde es auch nie sein. Verstanden?«

Dillagio deutete einen saloppen Salut an. »Nicht künstlich aufregen. Ohne mich wären wir heute gar nicht hier. Ihr solltet mir dankbar sein.«

Er hatte recht. Schließlich war es Steve Dillagio mit seinen weitreichenden Kontakten gewesen, den Sandy Overmeyer an diesem Nachmittag angerufen und damit die ganze Aktion ins Rollen gebracht hatte.

Overmeyer war neunzehn, stammte aus einem Kaff in Utah und studierte an der NYU Journalismus. Seit knapp zwei Monaten absolvierte sie ein Praktikum beim angesagten No Stars Just Stripes Magazine, das sich seit Jahrzehnten einen Namen mit großen, sozialkritischen Reportagen machte. Overmeyer hatte es dank ihrer Hartnäckigkeit tatsächlich geschafft, den berühmt-berüchtigten Dealer Roberto González – genannt Bobby Gold – zu einem Interview zu überreden. Besser noch: Er würde sie mitnehmen in eine seiner Lagerhallen, in denen er nicht nur die Drogen bunkerte und straßenfertig verpackte, sondern in denen er auch lebte. Dank dieser ständigen Wechsel der Wohnorte hatte es Gold in den Jahren seiner kriminellen Tätigkeit geschafft, den Strafverfolgungsbehörden immer einen Schritt voraus zu sein. Er hatte sein Imperium ausgebaut, hatte Konkurrenten eingeschüchtert und aus seinem Territorium vertrieben. Wer sich nicht einschüchtern oder vertreiben ließ, wurde eiskalt ermordet. Vorzugsweise mit einem Schnitt durch die Kehle, ausgeführt mit einem Jagdmesser mit gezackter Klinge. Bobby Golds Spezialität.

Doch irgendetwas war bei dem Interview schiefgegangen. Vielleicht hatte Sandy gedämmert, dass sie mit ihrem Artikel, so kritisch er auch ausfallen mochte, aus einem Mörder und Dealer eine Art Held machen würde. Vielleicht war es auch der Anblick der Kuriere gewesen – viele von ihnen noch halbe Kinder –, die für Bobby Gold den Stoff transportieren mussten und die aufgrund ihrer Minderjährigkeit nicht strafrechtlich belangt werden konnten, falls man sie erwischte. Oder es gab noch einen anderen Grund, den sie Dillagio bei ihrem Gespräch nicht genannt hatte. Jedenfalls hatte Sandy Overmeyer gegen die wichtigste Regel des Journalismus verstoßen. Die eiserne Regel. Und zwar ganz bewusst.

Schütze. Deine. Quelle.

Sie hatte ihre Quelle nicht geschützt. Sie hatte sie verraten.

Nach dem Interview war Sandy grübelnd durch die Straßen von Queens gelaufen und hatte sich schließlich zu einer Entscheidung durchgerungen. Sie hatte Steve Dillagio, den sie wenige Wochen zuvor bei der Recherche für eine andere Story kennengelernt hatte, angerufen und ihm den Aufenthaltsort von Bobby Gold verraten. Dillagio hatte umgehend Mr High kontaktiert, und gemeinsam mit dem Rest des G-Teams und einer SWAT-Einheit hatten sie einen Schlachtplan entworfen, um den Dealer und Mörder Bobby Gold endlich dingfest zu machen.

»Wir sind gleich soweit«, knarzte eine Stimme aus Deckers Funkgerät und riss Cotton aus seinen Gedanken. »Haltet euch bereit.«

»Na endlich«, murmelte Dillagio, richtete sich träge auf und streckte sich ausgiebig.

»Musst du immer den Clown spielen?«, fragte Decker, die ihn im Innenspiegel beobachtete, mit angesäuertem Gesicht.

»Ich bin nun mal ein lustiger Vogel«, antwortete Dillagio mit einem entwaffnenden Grinsen.

»Du bist eine Nervensäge«, konstatierte Decker.

»Ich unterbreche nur ungern euer Geplänkel«, mischte sich Cotton ein, »aber vielleicht sollten wir uns lieber auf unseren Job konzentrieren.«

Decker wollte etwas entgegnen, blieb aber stumm und schüttelte bloß genervt den Kopf. Cotton wusste – spürte –, dass Decker angespannt war und ihr kleiner Schlagabtausch mit Dillagio nur dem Zweck diente, ein bisschen Dampf abzulassen. Mr High hatte ihr die Leitung des Einsatzes anvertraut, und da der Chef des G-Teams ein Perfektionist war, konnte diese Verantwortung selbst eine erfahrene Agentin wie Philippa Decker gehörig unter Erfolgsdruck setzen.

»Wir gehen rein«, sagte die Stimme aus dem Funkgerät, leise diesmal.

Dann: »Go go go.«

Cotton beugte sich nach vorne, starrte hinaus in die regengetränkte Dunkelheit und versuchte, irgendetwas zu sehen. Viel war da nicht zu erkennen. Zwei geisterhafte Schatten glitten links und rechts auf die Lagerhalle zu. Dann erhob sich plötzlich ein dritter Schemen direkt vor der Tür und verschwand nach einer Sekunde wieder in der feuchten Finsternis.

Ein gleißender Blitz erhellte für einen Sekundenbruchteil den schwarzen Himmel, gefolgt von einem dumpfen, satten Geräusch. Selbst auf diese Entfernung und geschützt durch den Wagen hatte Cotton den Eindruck, dass seine Ohren schmerzten. Das SWAT-Team hatte ein paar seiner Spielzeuge zum Einsatz gebracht.

»Los geht’s«, sagte Dillagio und öffnete die Tür des Dodge.

»Nein. Wir warten auf das Okay vom Einsatzleiter des SWAT-Teams, wie ausgemacht«, sagte Decker mit tonloser Stimme. »Erst dann gehen wir raus.«

»Ich hab wohl bessere Ohren als du, Schätzchen«, sagte Dillagio, »denn ich hab das Okay gehört. Laut und deutlich.« Er wandte sich an Cotton, der nervös hinter dem Lenkrad hockte. »Was ist mit dir, Kumpel? Hast du es auch gehört?«

Cotton zögerte eine Sekunde, warf einen Blick zu Decker, die ihn blass vor Anspannung anstarrte, zuckte dann mit den Schultern und sagte: »Verdammt, ja, ich hab’s auch gehört. Packen wir’s an.«

Mit einem unterdrückten Fluch folgte Decker ihren beiden Kollegen aus dem Dodge. Die halb gefrorenen Regentropfen prasselten auf sie herab wie Schrotkörner aus der Flinte eines geistesgestörten Gottes. Sie zerplatzten auf ihren Gesichtern, ihren Händen, explodierten auf Hals und Nacken.

Decker wischte sich den Regen aus den Augen, blickte sich rasch um, sondierte die Lage. Hielt den Zeigefinger hoch und deutete erst auf Cotton, dann nach links.

Cotton kapierte. Er duckte sich, so tief es ging, und bewegte sich in Richtung Lagerhalle.

Decker hob erneut den Zeigefinger. Diesmal galt das Zeichen Steve Dillagio. Nach rechts.

Dillagio nickte und verschwand in der Dunkelheit.

Decker atmete tief durch und schlich geduckt nach vorne, direkt auf die aus den Angeln hängende Tür der Lagerhalle zu.

Gedämpfte Schüsse drangen aus dem Innern, begleitet von aufblitzendem Mündungsfeuer.

*

Verdammt, dachte Cotton, was geht da drin vor sich?

Er hatte den Eingang der Halle erreicht. Die verbeulte und teilweise geschwärzte Metalltür dröhnte unter dem Ansturm der vom Wind gepeitschten Regentropfen. Cotton richtete sich ein wenig auf, packte seine Waffe fester und ging mit langsamen, aber entschlossenen Schritten in den dunklen Betonschlauch, der sich vor ihm erstreckte. Ein paar Meter vor sich konnte er einen Lichtstreifen dicht über dem Boden ausmachen, ansonsten herrschte völlige Finsternis. Sein Herz hämmerte, Adrenalin glühte durch seinen Körper. Er hörte ein Keuchen, dann das Geräusch rennender Füße. Nylonuniformen raschelten in der Dunkelheit, Waffenstahl klackerte leise.

Bamm!

Was, zur Hölle, war das?, fragte sich Cotton. Ein Schuss? Nein, es klang eher wie eine zufallende Tür.

Cotton drehte sich vorsichtig um. Konnte in der Dunkelheit zwei Gestalten rechts und links hinter sich eher erahnen als erkennen. Decker und Dillagio. Sie blickten ihn fragend an.

Was ist hier los?

Cotton zuckte unsicher mit den Schultern. Keine Ahnung.

Er schlich geduckt den Betonschlauch entlang, als ihm plötzlich ein dunkler, massiger Schatten in den Weg trat. Ehe er reagieren konnte, hatten ihn zwei starke Hände gepackt.

»Alles in Ordnung«, sagte eine Männerstimme aus der Dunkelheit. »Ich gehöre zum SWAT-Team. Wir haben ihn.«

»Gut«, erwiderte Cotton, befreite sich aus dem Zugriff des Mannes und steckte seine Waffe ins Holster.

»Was treibt ihr da vorne eigentlich?«, maulte ein hörbar genervter Dillagio von hinten.

»Alles in Ordnung«, antwortete Cotton. »Sie haben ihn.«

»Wie wär’s mit ein bisschen Licht?«, fragte Decker.

»Zu Befehl, Ma’am.«

Die Deckenbeleuchtung – drei dreckverkrustete Neonröhren – erwachte summend und flackernd zum Leben. Cotton brauchte ein paar Sekunden, ehe seine Augen sich an die relative Helligkeit gewöhnt hatten. Dann erfasste er das Szenario in wenigen Sekunden mit geübten Blicken.

Die Lagerhalle bestand aus einem langen, schmalen Raum, dessen rechte Wand mit schlichten Metallregalen zugestellt war, eines neben dem anderen, bis ganz nach hinten. In jedem Regalfach lagen Päckchen mit weißem und beigefarbenem Pulver, die fein säuberlich mit Plastikfolie umwickelt waren. Ein stechender Geruch nach Essig hing in der Luft, der vom Heroin herrührte, wie Cotton wusste. Außerdem war ein muffiger Gestank auszumachen, wie feuchte Wolle, der vom Kokain und dem Crack ausging.

Gegenüber von den Regalen, auf der linken Seite der Halle, waren ein paar Holztische und Klappstühle aus Plastik aufgestellt. Auf den Tischen standen Waagen, daneben lagen Papiertütchen und taschenbuchgroße Stücke Alufolie. Verpackungsmaterial für den Straßenverkauf des Dopes.

Cotton ging weiter. Dillagio und Decker folgten ihm.

Ganz hinten, in der linken Ecke der Halle, befand sich ein Kabuff aus Spanplatten, dessen Tür offen stand und den Blick auf eine Art Büro freigab. Ein Schreibtisch, auf dem eine verbeulte Lampe mit wattschwacher Birne brannte – die einzige Lichtquelle in dem Kämmerchen -, ein Stuhl und ein Schlafsofa. Sogar ein kleines Waschbecken war eingebaut worden. Der Boden war mit einem grauen Industrieteppich bedeckt.

Auf diesem Teppich lag bäuchlings eine Leiche, männlich, soweit Cotton es erkennen konnte, in Jeans, knöchelhohen Turnschuhen und dunklem Kapuzenpullover, auf dem Kopf eine schwarze Wollmütze. Zwischen den Schulterblättern des Toten schimmerten drei münzgroße Flecken in der Farbe von feuchtem, rostigem Metall. An den Rändern der Einschusslöcher war der Pullover leicht angesengt.

Einer der Männer des SWAT-Teams lehnte entspannt an der Wand und wiegte sein imposantes Sturmgewehr lässig in der Armbeuge. Der Einsatzleiter, der neben der Tür stand, reichte Cotton eine Brieftasche. »Die steckte in seiner Jeans.« Er deutete auf die Leiche. »Es ist auch ein Ausweis drin. Das ist unser Mann.«

»Wo ist euer Kollege?«, fragte Cotton. »Ihr wart doch zu dritt.«

Der Einsatzleiter zeigte ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, und meinte: »Der sichert die Hintertür. Keine Sorge. Wir haben alles unter Kontrolle.«

Cotton warf einen letzten, zweifelnden Blick auf die schlanke Statur des Toten, dann musterte er den Ausweis.

Shit.

»Was ist los?«, fragte Decker.

Cotton reichte ihr den Ausweis. Sie warf einen Blick darauf und schüttelte verärgert den Kopf.

»Wo liegt das Problem?«, erkundigte sich nun auch Dillagio, reckte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, einen Blick auf den Ausweis zu ...

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