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Cotton Reloaded - 09

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book, Audio-Download (ungekürztes Hörbuch) und als Read&Listen E-Book (Text in Verbindung mit Hörbuch).

Der Autor

Alfred Bekker schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um das Reich der Elben, die »Drachenerde-Saga«,die »Gorian«-Trilogie und seine Romane um die Halblinge von Athranor machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und Ren Dhark. Außerdem schrieb er Kriminalromane, in denen oft skurrile Typen im Mittelpunkt stehen - zuletzt Der Teufel von Münster, worin er einen Helden seiner Fantasy-Romane zum Ermittler in einer sehr realen Serie von Verbrechen macht. Seine Webseite: www.alfredbekker.de.

1

»Hey, Leute, nicht so wild!«

Der junge Mann mit den asiatischen Gesichtszügen war gerade achtzehn, wirkte aber jünger. Geduldig gab er Autogramme. Und er schien daran gewöhnt zu sein, so routiniert wie er das machte. Sein Lächeln wirkte maskenhaft – aber es war auf jeden Fall fototauglich.

»Mr Park, bitte ein Stück nach links«, forderte ihn eine weibliche Stimme auf. »Strawberry Fields und die Dakota Apartments sollen mit ins Bild!«

Park folgte der Anweisung. Das gehörte zu seinem Job. Und für die Fans zu Hause waren diese Bilder wichtig. Man sollte sehen, wo er sich befand. Auf der Westseite des Central Parks nämlich.

Die Reporterin, die ihm das Mikro entgegenhielt, fragte: »Wie schätzen Sie die Chancen Ihres Teams ein, das E-Sport-Turnier von New Rochelle zu gewinnen?«

Der junge Mann grinste.

»Ehrlich gesagt, die sechshunderttausend Dollar Preisgeld könnte man uns auch gleich überweisen. Ich glaube nicht, dass ein anderes Team uns das Wasser reichen kann.«

»Hier in den USA hat der Computersport ja noch nicht dieselbe Bedeutung wie in Korea. Glauben Sie, die New Rochelle Games Competition kann dazu beitragen, diesem Sport auch hierzulande zum Durchbruch zu verhelfen?«

»Nun, ich habe gehört, dass es auch in den USA und in Europa schon einige Turniere mit mehr als einer halben Million Dollar Preisgeld gab.«

»Das ist richtig, aber mit der E-Sport-Liga in Korea oder Taiwan kann man das doch wohl noch nicht vergleichen, oder?«

»Ehrlich gesagt …«

Parks Gesicht erstarrte.

Mitten auf seiner Stirn war ein Loch entstanden.

Blut strömte ihm übers Gesicht. Seine Augen waren weit aufgerissen. Einen Sekundenbruchteil später entstand ein zweites Einschussloch, während ein Ruck durch den Körper des jungen Mannes ging.

Die bulligen Leibwächter rissen ihre Waffen heraus, die sie bis dahin verdeckt getragen hatten, und warfen sich vor Park. Die Reporterin wurde zu Boden gestoßen.

Einer der Leibwächter schrie auf, als eine Kugel ihn an der Schulter traf. Die Wucht des Geschosses ließ ihn eine halbe Drehung vollführen. Das Projektil riss die Schulter seines Jacketts auf. Das Blut schoss aus der Wunde.

»Wo ist dieser Scheißkerl?«, rief ein anderer Bodyguard.

*

Jerry Cotton betrat das unterirdische Großraumbüro des G-Teams, der geheimen Spezialabteilung des FBI, die unweit des FBI Field Office New York in einem unscheinbaren einstöckigen Bürogebäude untergebracht war, getarnt als Softwarefirma »Cyberedge«.

Cotton war spät dran.

»Sie brauchen sich gar nicht erst zu setzen«, hörte er seine Partnerin sagen. Agent Philippa »Phil« Decker stand vor Cottons Schreibtisch, die Arme in die Hüften ihres eleganten Hosenanzugs gestemmt. Dann deutete sie in Richtung des mit Glaswänden abgeteilten Büros ihres Chefs. »Mr High erwartet uns.«

Cotton blickte auf die Uhr an seinem Handgelenk.

»Ich bin pünktlich.«

»Das bestreite ich ja gar nicht. Aber er wartet trotzdem.«

»Das ist kein Maßstab. Er ist immer der Erste und Letzte. Ich …«

»Und Sie müssen immer das letzte Wort haben, was?«, unterbrach Decker ihn in einem Tonfall, der ihn daran erinnerte, dass sie zwar ein Team bildeten, sie aber ein paar Jahre länger beim FBI und deswegen seine Seniorpartnerin war. Und das ließ sie ihn in schöner Regelmäßigkeit spüren.

Mr High stand hinter der Glaswand seines abgeteilten Büros. Eine Hand steckte in der weiten Tasche seiner Flanellhose, die andere hielt einen Telefonhörer ans Ohr. Sein tiefschwarzes, bis auf die Augenbrauen haarloses, hageres Gesicht wirkte ernst. Sein Mund bewegte sich, aber durch die Abtrennung konnte man nichts von dem Gespräch hören. Der Chef des G-Teams wirkte hoch konzentriert. Als er auf Cotton und Decker aufmerksam wurde, zog er die Hand aus der Tasche und machte ein Zeichen, das an Eindeutigkeit nicht zu überbieten war:

Beeilung!

Als Cotton und Decker das Büro betreten hatten, beendete ihr Chef gerade sein Gespräch.

»Guten Morgen, Agents«, sagte er knapp. »Wie ich sehe, haben Sie auch darauf verzichtet, sich einen Kaffeebecher mitzubringen. Gut so. Sie hätten ohnehin keine Zeit, ihn zu trinken.«

»Was liegt an, Sir?«, fragte Decker.

John D. High deutete auf einen Großbildschirm und aktivierte ihn mit einer Fernbedienung.

Es war ein Ausschnitt aus einer TV-Sendung. Oben links war die Kennung eines der zahllosen Spartenkanäle zu sehen, die man in New York im Kabelnetz hat. Darunter ein paar Schriftzeichen, die Cotton die Stirn runzeln ließen. Sieht chinesisch aus, dachte er. Oder japanisch.

High verzichtete auf jede Vorrede. Deckers Frage hatte er schlichtweg ignoriert, und jetzt kam er ohne Umschweife zur Sache.

»Das sind Aufnahmen, die bei Strawberry Fields vor den Dakota Apartments im Central Park aufgenommen und live von einem Kabelkanal für koreanische Einwanderer gesendet wurden.«

Wenn in New York von Asiaten die Rede war, dachte man immer zuerst an Chinesen oder Japaner. Dabei stammte ein erheblicher Teil der Bewohner des Chinatown-Viertels in Manhattan aus Korea oder Vietnam. In ganz New York gab es ungefähr einhunderttausend Koreaner. Genug, um sie mit einem eigenen TV-Kanal zu unterhalten.

Eine koreanische Reporterin hielt einem jungen Landsmann ein Mikro unter die Nase und unterhielt sich mit ihm in ihre Muttersprache.

»Interessantes Gespräch«, frotzelte Cotton.

»Ich hatte nicht erwartet, dass Sie Koreanisch können, Agent Cotton«, sagte Mr High streng. »Der Interviewte ist Park Dae-Young, ein Star der koreanischen E-Sport-Liga. Er gehört zu einem Starteam, das zur Games Convention hier in New Rochelle eingeflogen wurde.«

»Soviel ich weiß, sind Proficomputerspieler in Korea Superstars, so wie bei uns Football- oder Baseballspieler«, warf Cotton ein.

»Stimmt.« Mr High nickte. »Man spielt dort in Mannschaften, sogenannten Clans. Die Rechner werden verlinkt, und das Ganze wird über Riesenleinwände übertragen. Ich persönlich halte Computerspiele für Zeitverschwendung und kann mir auch nicht vorstellen, was interessant daran sein kann, anderen bei diesen Spielen zuzuschauen. Aber es gibt offenbar auch hierzulande genug Leute, die Interesse daran haben, um die große Eisenhower Hall in New Rochelle damit zu füllen. Und jetzt schauen Sie bitte hin.«

Cotton und Decker blickten auf den Schirm. Sie sahen, wie Parks Körper zuckte, als sich auf seiner Stirn ein Einschussloch bildete. Sekundenbruchteile später zückten die Bodyguards ihre Waffen und ließen gehetzt die Blicke schweifen.

Die Kamera machte einen wirren Schwenk.

Von da an sah man nichts mehr.

»Wie Sie sich denken können, hat Park diesen Anschlag nicht überlebt«, erklärte Mr High. »Das Ganze passierte gestern. Inzwischen haben wir das Ergebnis der ballistischen Untersuchung.«

»Und?«, fragte Decker.

High schaltete den Bildschirm aus, ging zu seinem Schreibtisch, ergriff eine Mappe und reichte sie Decker. »Ich habe die Daten an Sie beide weitergeleitet. Sie sind also nicht auf die Papierversion angewiesen.«

Decker schaute in die Mappe und furchte die Stirn.

»Es gibt offenbar einen Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen«, stellte sie fest.

»Was hat die Daddelei in New Rochelle mit dem organisierten Verbrechen zu tun?«, wunderte sich Cotton. »Geht es um Wettbetrug?«

»Sie haben es erfasst, Agent Cotton«, sagte Mr High. »In fast jedem Sport gibt es Wetten, Wettbetrug und alles, was damit zusammenhängt.«

Decker hatte inzwischen die Ergebnisse der ballistischen Tests überflogen. »Hier steht, dass die Tatwaffe bereits bei mehreren Schießereien in Chinatown benutzt wurde«, sagte sie.

»Richtig«, bestätigte Mr High. »Womit wir beim Kern der Sache sind. Dass Chinatown eine Hochburg der Triaden und der Wettmafia ist, brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen. Park und sein Team waren die Favoriten für das Turnier in New Rochelle. Agent Zeerookah überprüft bereits, ob jemand große Summen gegen Park und seine Mitstreiter gesetzt hat, sodass er jetzt einen Riesengewinn einstreichen kann.«

»Ich gehe jede Wette ein, dass es sich um Wettbetrug handelt, Sir«, konnte sich Cotton einen Kommentar nicht verkneifen.

Mr High fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.

Wenn er die Nacht mal wieder durchgearbeitet hat, sieht man ihm erstaunlich wenig davon an, ging es Cotton durch den Kopf.

»Das wird sich zeigen«, sagte Mr High. »Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb das G-Team sich mit dem Fall beschäftigen muss.«

»Sagen Sie jetzt nicht, ein Anruf des Präsidenten«, meinte Cotton.

Die Blicke, die John D. High und Decker ihm gleichzeitig zuwarfen, zeigten Cotton, dass er besser den Mund gehalten hätte.

»Ich dachte immer, Sie hätten nur einen guten Instinkt, Cotton«, sagte Mr High. »Aber anscheinend können Sie auch hellsehen.«

»Heißt das, er hat recht?«, fragte Decker irritiert.

»Ich erwähnte ja schon, was für einen hohen Status diese Profigamer in Südkorea besitzen. Park ist zu Hause so bekannt wie bei uns Tiger Woods oder Air Jordan. Außerdem gehört Park einer Familie an, die weitverzweigte Verbindungen hat. Kurz und gut: Allein das Gerücht, der nordkoreanische Geheimdienst könnte hinter dem Attentat stecken, würde ausreichen, um diplomatische Wellen aufzuwirbeln. Und wie Sie wissen, ist die Lage auf der koreanischen Halbinsel ohnehin angespannt genug, seit die Machthaber im Norden immer wieder Drohgebärden mit Atomversuchen und Raketentests machen, um Nahrungsmittellieferungen für ihr Volk zu erpressen.«

»Könnte der nordkoreanische Geheimdienst tatsächlich mit der Sache zu tun haben?«, fragte Cotton.

High zuckte mit den Schultern. »Sie sollten es jedenfalls nicht ausschließen.«

»Aber konkrete Anhaltspunkte in diese Richtung gibt es auch nicht?«, vergewisserte sich Decker.

»Bislang nicht. Aber die Sache hat eine weitere Dimension, die wir nicht außer Acht lassen dürfen.«

Cotton hob die Augenbrauen.

»Eine der bekanntesten Persönlichkeiten eines befreundeten Landes«, fuhr High fort, »wird auf einem öffentlichen Platz in New York erschossen. Offenbar war es nicht möglich, die Sicherheit dieser Person zu gewährleisten. Das ist für unsere Regierung mehr als peinlich. Ich vermute, in Washington wird dieser Aspekt sehr wichtig genommen.«

»Welche Einheit des NYPD hat den Fall zuerst bearbeitet?«, fragte Decker, wie immer mit klarem Blick für das, was als Nächstes wichtig war.

»Captain Rutherford vom dritten Morddezernat des achtzehnten Reviers«, gab Mr High Auskunft.

»Drittes Morddezernat? Das Achtzehnte muss ja ein schlimmes Pflaster sein«, meinte Cotton.

»Nicht schlimmer als andere«, sagte Mr High. »Es ist eine Folge der Umstrukturierung der Polizeieinheiten in kleinere, effizientere Teams, die vom NYPD zurzeit erprobt wird. Sprechen Sie mit Rutherford, und dann sehen Sie weiter.«

»In Ordnung, Sir«, sagte Decker und nickte Cotton zu. »Ich denke, wir haben keine Zeit zu verlieren, oder?«

»Da haben Sie ausnahmsweise recht«, murmelte Cotton.

*

 

Captain Rutherford war ein grauhaariger Mann mit eingefallenen Gesichtszügen. Ein Cop kurz vor der Pension. Die Augen waren so grau wie sein zerknitterter Anzug. Die Krawatte hing ihm wie ein Strick um den Hals, und die Anzahl der Überstunden sah man ihm an den Ringen unter den Augen an. Es mussten viele sein.

»Kommen Sie rein«, sagte Rutherford. »Ich hoffe, Sie haben noch einen Parkplatz gekriegt; die sind hier bei uns so knapp wie sonst gar nichts.«

»Haben wir schon gemerkt«, sagte Decker.

Das Achtzehnte war in einem Brownstone-Haus untergebracht, fünf Minuten vom Central Park entfernt. Es gab kein unterirdisches Parkdeck, und die Fläche, die zum Abstellen von Fahrzeugen zur Verfügung stand, wurde zusätzlich minimiert, weil zurzeit dringend notwendige Bauarbeiten durchgeführt wurden.

»Kaffee?«, fragte Rutherford.

»Gerne«, sagte Cotton.

»Ich auch«, fügte Decker hinzu.

»Ist aber dünn«, warnte Rutherford. Er ging zur brodelnden Kaffeemaschine, füllte zwei Becher und gab sie den beiden Agents. Für Rutherford waren Decker und Cotton normale FBI-Leute. Von der Existenz des G-Teams ahnte der Chief des Achtzehnten nicht einmal etwas.

Rutherford nahm sich selbst einen Becher, nippte daran und verzog das Gesicht. Entweder, er hatte sich die Zunge verbrannt, oder das Gebräu war wirklich sehr dünn. Nachdem Cotton den ersten Schluck genommen hatte, wusste er die Antwort.

»Kennen Sie beide eigentlich einen gewissen Joe Brandenburg?«, fragte Rutherford.

»Flüchtig«, sagte Cotton. Schließlich war er ja auch nur mein Partner, als ich noch in der Uniform des NYPD auf Streife ging, fügte er in Gedanken hinzu.

»Wir haben schon mal mit ihm zu tun gehabt«, erklärte Decker, sachlich wie immer.

»Er hat mich vor Ihnen gewarnt, Cotton«, erklärte Rutherford. »Er ist nicht auf meinem Revier, aber früher haben wir längere Zeit zusammen gearbeitet, und ich gebe sehr viel auf sein Urteil.«

»Das verstehe ich jetzt nicht so ganz«, meinte Cotton.

Rutherford verzog das Gesicht. »Er hat ausdrücklich Sie erwähnt, Agent Cotton. Sie müssen ihm irgendwann einmal unangenehm aufgefallen sein.«

»Ich glaube, Joe Brandenburg hat allgemein ein Problem damit, wenn das FBI einen Fall übernimmt«, mischte Decker sich ein und blickte Rutherford fest an. »Aber es soll ja mehrere gegeben, die so denken.«

»Wenn Sie es sagen, Agent Decker«, murmelte der grauhaarige Cop.

»K

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