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Cotton Reloaded - Folge 6

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. 8
  14. 9
  15. 10
  16. 11
  17. 12
  18. 13
  19. 14
  20. 15
  21. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book, Audio-Download (ungekürztes Hörbuch) und als Read&Listen E-Book (Text in Verbindung mit Hörbuch).

Der Autor

Peter Mennigen, wuchs in Meckenheim bei Bonn auf. Er studierte in Köln Kunst und Design, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. Seine Bücher wurden Bastei Lübbe, Rowohlt, Ravensburger und vielen anderen Verlagen veröffentlicht. Neben erfolgreichen Büchern und Hörspielen schreibt er auch Drehbücher für Fernsehshows und TV-Serien.

1

Alles begann damit, dass Spaziergänger Leichenteile am Strand von Chappaquiddick fanden. Die Insel liegt etwa hundertfünfzig Meilen nordöstlich von New York, ist sechs Quadratmeilen klein und von weniger als zweihundert Seelen bewohnt. Zwei Fähren und eine Brücke verbinden das Eiland mit der wenige hundert Yards entfernten Nachbarinsel Martha’s Vineyard.

Vielleicht wäre es nie zu dem grausigen Fund gekommen, hätten einige Touristen nicht das Verbotsschild ignoriert, das das Betreten des betroffenen Strandabschnitts untersagte. Auch hatten die außergewöhnlich heftigen Herbstürme der vergangenen Wochen ihren Teil zu der Entdeckung beigetragen, denn Wind und Wasser hatten die im Sand verscharrten Leichenteile freigelegt.

Daraufhin nahm die zuständige Polizeibehörde von Dukes County die Ermittlungen auf. Zunächst ging man von nur einem Todesopfer aus, das dem Grad der Verwesung nach schon mehrere Jahre unter dem Sand gelegen haben musste. Nachdem im Umkreis von zwanzig Fuß weitere Knochen von mindestens einem halben Dutzend Menschen gefunden wurden, nahm der Fall eine weitaus größere Dimension an, als den Ermittlern lieb war. In den nächsten vier Tagen spürte man noch elf verscharrte Körper auf. Die Fundorte der Schädel und Gebeine lagen manchmal kaum mehr als vier Fuß auseinander.

Und ein Ende der Suche war nicht in Sicht.

*

»Mein Gott, Cotton«, erschrak Special Agent Philippa »Phil« Decker beim Anblick des G-Man. »Was ist denn mit Ihnen passiert? Sie sehen aus, als wären Sie in einen Schredder gefallen.«

»So fühle ich mich auch«, stöhnte Cotton, während er seine Reisetasche in den Kofferraum des FBI-Dienstwagens wuchtete und die Heckklappe schloss. Das Klackgeräusch löste in seinem Gehirn eine Eruption aus. Vorsichtig, wie auf rohen Eiern, bewegte er sich zur Beifahrertür. Mit viel Fingerspitzengefühl gelang es ihm, die Tür beinahe lautlos zu öffnen. Verkatert bis in die Haarspitzen taumelte er auf den Beifahrersitz.

Während Cotton lässig mit Shirt, Jeans und Lederjacke bekleidet war, hatte Decker ihre schlanke Figur in einen dunklen, eleganten Hosenanzug gehüllt.

Cotton litt unter den Nachwehen eines Undercover-Einsatzes vom vergangenen Abend. Bei einem Treffen mit aserbaidschanischen Terroristen war der Wodka in Strömen geflossen. Es hatte Stunden gedauert, bis er genug Beweismaterial aufgezeichnet hatte, um den in Position lauernden FBI-Agents das Zeichen zum Zugriff zu geben.

»Sie machen sich ja keine Vorstellung, welche Mengen an hochprozentigem Alkohol manche Menschen konsumieren können«, stöhnte er, während er die Tür möglichst leise zuzog und sich dann ungelenk anschnallte. »Damit meine Tarnung als russischer Waffendealer nicht aufflog, musste ich bei einer White-Russian-Orgie mitmachen.«

Decker zog die Stirn vielsagend in Falten, bevor sie einen Gang einlegte, Gas gab und das HQ des G-Teams hinter sich ließ. Die Fenster des Fahrzeugs waren dunkel getönt, um das Sonnenlicht abzumildern. Trotzdem löste es hämmernde Schmerzen im Kopf des Beifahrers aus, sobald der einen Blick nach draußen warf. Er nestelte eine Sonnenbrille aus seiner Brusttasche und setzte sie auf.

Cotton atmete erleichtert durch, als New York endlich hinter ihnen lag. Der Verkehr hatte sich im Schneckentempo durch die Straßen gequält. Von nun an ging es zügig Richtung Norden nach Massachusetts. Zwei Monate früher, und sie wären dort in den Genuss des Indian Summers gekommen, wenn die Laubwälder Neuenglands in einem feurigem Farbenrausch schwelgen.

Cotton legte den Kopf in den Nacken und hielt die Augen hinter der Sonnenbrille geschlossen.

»Wären Sie bitte so freundlich, mich nochmals über unsere Mission ins Bild zu setzen, Philippa?«, sagte er irgendwann. »Nach dem Blackout von gestern leidet mein Gedächtnis unter erschreckenden Lücken.«

»Sagt Ihnen Martha’s Vineyard etwas?«

»Sicher. Auf der Insel verbringt der halbe Ostküstenadel von Washington bis Boston seinen Urlaub oder Lebensabend. Und was genau sollen wir da machen?«

»Dem Hilfegesuch der örtlichen Behörden an das FBI nachkommen. Es geht um mysteriöse Leichenfunde. Genaueres erfahren wir vor Ort. Präzise gesagt, nicht auf Martha’s Vineyard, sondern auf der kleineren Nachbarinsel Chappaquiddick. Deren Bewohner sind etwas einfacher gestrickt und gelten auch als verschlossener.«

»Also wohnen da keine Promis?«

»Abgesehen von ein paar Schauspielern sind das alles Alteingesessene. Zwar leben die auch vom Tourismus, trotzdem mögen sie Fremde nicht besonders. Trauen ihnen nicht so recht über den Weg.«

Von Stamford aus folgten die Agents der Interstate 395 einer Küstenlinie entlang. Vorbei ging es an Bridgeport mit den für New England typisch weiß gestrichenen Kirchen und schmucken Häusern wie auf Weihnachtskeksdosen. Bei New Haven bogen sie auf die Interstate 95 Richtung Providence ab. Nach knapp drei Stunden Fahrt erreichten sie den Hafen von Rhode Island. Von dort setzte mehrmals täglich eine große Fähre nach Martha’s Vineyard über. Sie parkten ihr Fahrzeug auf dem Autodeck im Schiffsbauch. Zehn Minuten später fuhr die Fähre ihre Heckklappe hoch und legte ab.

Obwohl es bitterkalt war, verbrachte Cotton die Überfahrt auf dem Oberdeck. Die frische Seeluft tat ihm gut, machte den benebelten Kopf wieder frei. Er verharrte an der Reling, den Blick auf die grauen Wellen des Atlantiks gerichtet.

»Gegen einen heißen Grog hätte ich jetzt nichts einzuwenden«, sagte plötzlich eine Frauenstimme neben ihm.

Cotton drehte den Kopf und sah Decker, die sich einen Mantel übergezogen hatte. Mit den Unterarmen auf die Reling gestützt, ließ sie ihren Blick über die raue See schweifen.

»Sagten Sie nicht, wir führen auf eine Ferieninsel?«, erkundigte sich Cotton. »Wie es aussieht, sind wir fast die einzigen Passagiere an Bord.«

»Seien Sie froh, dass die Hauptsaison vorbei ist. Sie sollten mal erleben, was auf Martha’s Vineyard im Sommer los ist.«

»Wie haben die Bewohner von Chappaquiddick eigentlich auf die grausigen Funde reagiert?«

»Gar nicht, denn sie wissen von nichts. Die örtliche Polizei hält den Fall unter Verschluss, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Offiziell sucht man in dem betreffenden Küstenabschnitt nach Giftfässern von einem Tanker, die dort angeschwemmt sein sollen. Die Falschmeldung soll allzu Neugierige von dem Strand mit dem Massengrab fernhalten.«

Während der restlichen Fahrt sprachen die Agents nur noch wenig. Je näher sie Martha’s Vineyard kamen, desto verschlossener wirkte Decker, als hinge sie in Gedanken irgendwelchen dunklen Ereignissen aus ihrer Vergangenheit nach.

2

Von Vineyard Haven aus, der Anlegestelle auf Martha’s Vineyard, fuhren Cotton und Decker an Edgartown vorbei. Dort, in der größten Stadt der Insel, hatte ihnen das FBI zwei Zimmer gebucht. Doch bevor sie ihr Hotel aufsuchten, wollten sich die Agents erst einen Eindruck vom Fundort der Leichen verschaffen.

Auf Chappaquiddick erreichten sie ihr Ziel über einen gewundenen, holprigen Pfad, der direkt am Meer entlangführte, vorbei an noblen Strandhäusern, bis sie an einen unbewohnten Küstenabschnitt gelangten. Der Strand fiel flach zum Wasser hin ab, während sich zur Landseite sanft geschwungene Dünen erstreckten.

Als die Ausgrabungsstelle hinter gelben Absperrbändern in Sicht kam, drosselte Decker das Tempo und hielt schließlich an. Cotton stieg aus und ließ den Blick über die Dünen wandern. Alle paar Schritte ragten Sandhaufen neben ausgehobenen Löchern auf. Auf einigen hockten Möwen. Die Vögel guckten zu, wie zwei junge Männer in Overalls über ihren Polizeiuniformen mit Spaten Löcher aushoben.

County Sheriff Edmund J. Pearce beaufsichtigte die Arbeit seiner beiden Deputys. Er war ein großer, übergewichtiger Mann Ende vierzig, dem der Bierbauch wie ein halb leerer Weinschlauch über dem Gürtel hing. Grimmig musterte er die Ankömmlinge.

Decker marschierte zielstrebig auf ihn zu.

»He, bleiben Sie gefälligst hinter der Absperrung«, brüllte Pearce ihr verärgert entgegen. »Dieser Küstenabschnitt ist gesperrt. Das gilt auch für Journalisten.«

»Wir sind keine Journalisten«, erwiderte Decker und zückte ihren FBI-Ausweis. »Ich bin Special Agent Philippa Decker, und das ist mein Kollege, Special Agent Jeremiah Cotton.«

»FBI?« Pearce betrachtete den Ausweis missmutig. »Was wollen Sie denn hier?«

»Unsere Arbeit tun. Falls Sie nicht informiert sein sollten: Die Behörden von Martha’s Vineyard haben unsere Hilfe aus New York angefordert. Wir übernehmen ab hier.«

Der Sheriff baute sich mit vor Zorn gerötetem Gesicht vor ihr auf. »Ach ja? Schieben Sie lieber Ihren hübschen Hintern nach New York zurück. Meine Jungs und ich wissen, wie wir unseren Job machen müssen.«

»Ach wirklich? Wieso kann ich dann nirgendwo einen Gerichtsmediziner sehen, der die Ausgrabungen der Leichen überwacht und Spuren sichert?«

»Was denn für Spuren?«, blaffte der Sheriff sie an. »Lady, hier liegen nur morsche Knochen rum, da gibt es keine Spuren mehr. Abgesehen von ein paar vermoderten Lumpen, die an den Gerippen hängen.«

»Für Sie mögen das nur Knochen und Lumpen sein, für einen Experten sind es Spuren, die fachmännisch gesichert werden müssen.« Decker starrte dem Sheriff fest in die Augen, ohne zu blinzeln. »Deshalb werden Sie Ihre Buddelei auf der Stelle einstellen und die Arbeit Fachleuten vom FBI überlassen, die ich heute noch anfordern werde.«

»Ach ja?«, fuhr er sie wutschnaubend an. »Verschonen Sie mich mit Ihren Experten. Wir machen die Dinge hier oben auf unsere Art. Und wenn Ihnen das nicht passt, dann können Sie mich mal …«

»Bei allem Respekt, Sheriff, aber wir sind nicht den weiten Weg von New York gekommen, um Ihnen beim Zerstören von Beweisen zuzusehen.« Genervt vom Kompetenzgerangel zog Decker ihr Smartphone aus der Jackentasche. »Ich rufe mal kurz bei Ihren Vorgesetzen auf Martha’s Vineyard an, dann klären wir die Zuständigkeiten an Ort und Stelle.«

Ihre Drohung zeigte Wirkung. Der Sheriff hatte die Botschaft kapiert. In seinem Gesicht zuckte es.

»Okay, lassen wir die Spielchen, schließlich sind wir alle hier, um ein Verbrechen aufzuklären«, lenkte er widerwillig ein. »Und zwar möglichst rasch und diskret. Wenn bekannt wird, dass wir an diesem Strand einen Friedhof entdeckt haben, fallen die Reporter wie die Heuschrecken über den Tatort her. Ich habe das Neunundsechzig erlebt. Damals, als Senator Edward Kennedy auf der Dike Bridge verunglückte, wobei seine Geliebte ums Leben kam. War ein ziemlicher Skandal.«

»Über wie viele Leichen sprechen wir hier eigentlich?«, fragte Cotton.

»Achtzehn, wobei sich die Zahl erhöhen kann. Wir durchkämmen immer noch die Dünen. Inzwischen haben wir das Suchgebiet von anfangs zwanzig Yards im Quadrat auf einhundert ausgedehnt.«

»Der Täter besitzt auf jeden Fall gute Ortskenntnisse«, stellte Decker fest. »Er hat für die Entsorgung seiner Opfer einen dünn besiedelten und für den Besucherverkehr gesperrten Küstenabschnitt gewählt.«

»Deshalb haben wir die Toten nicht schon früher entdeckt«, erklärte Sheriff Pearce.

»Gibt es Verdächtige?«, wollte Cotton wissen.

»Nein.«

»Weiß man etwas über den Todeszeitpunkt der Opfer?«

»Einige liegen bestimmt schon seit Jahrzehnten hier. Manche vielleicht seit drei oder vier Jahren.«

»Aufgrund der bisherigen Faktenlage können wir wohl von einem Serienmörder ausgehen«, sagte Decker.

»Der heute noch aktiv sein könnte«, ergänzte der Sheriff.

»Konnten schon einige der Opfer identifiziert werden?«

»Nein. Wir wissen bloß, dass es ausschließlich Frauen sind. Die Stoffe an den Skeletten waren zwar schon ziemlich vermodert, aber noch als Kleider, Röcke oder Unterwäsche identifizierbar.«

»Gab es in den vergangenen Jahren Fälle von vermissten Frauen auf den Inseln?«

»Nein, bei uns gab es seit Jahrzehnten keine Vermisstenmeldung.«

»Also handelt es sich bei den Opfern vermutlich um Urlauberinnen«, resümierte Decker. »Wohin wurden die bisher exhumierten Leichen gebracht?«

»In die Pathologie von Edgartown«, antwortete der Sheriff.

»Veranlassen Sie bitte, dass alle sterblichen Überreste umgehend zum FBI nach New York überführt werden. Unsere Experten sollen die forensischen Untersuchungen durchführen.«

»Wird veranlasst.« Pearce hob den Kopf und blickte mürrisch aufs Meer hinaus. »Sonst noch was, Ma’am?«

»Es wäre nett, wenn Sie uns Ihren Namen verraten würden«, erwiderte sie in eisigem Tonfall.

»Pearce. Edmund James Pearce.«

»Danke, das wäre dann im Moment alles, Mister Pearce. Packen Sie jetzt Ihren Kram hier zusammen und fahren Sie nach Hause. Wir kehren nach Martha’s Vineyard zurück. Morgen nehmen wir die Ermittlungen auf.« Decker gab ihm ihre Visitenkarte. »Wenn etwas Wichtiges sein sollte, rufen Sie mich an. Auf der Karte steht die Nummer meines Smartphones. Und direkt darunter finden Sie die Adresse des FBI in New York, wohin die Leichen zur Autopsie geschickt werden sollen.«

Pearce steckte die Karte ein, ohne sie eines Blickes zu würdigen, drehte sich mit zusammengebissenen Zähnen um und stapfte frustriert zu den beiden Deputys zurück.

»Das nenne ich ein konstruktives Gespräch«, meinte Cotton auf dem Weg zum Auto. »Ich fürchte, mit der örtlichen Polizei haben wir es uns gerade gründlich verdorben.«

»Wenn ich zu Anfang kein Zeichen setze und das Ruder aus der Hand gebe, tanzt uns dieser Provinz-Ordnungshüter die ganze Zeit auf der Nase herum.«

Cotton warf im Vorbeigehen einen Blick in eines der Löcher, das frisch ausgehoben worden war. Tief unten ragte ein merkwürdig gebogenes Ding aus dem Sand, das sich bei näherer Betrachtung als Teil eines menschlichen Rückgrats entpuppte.

3

Cotton fuhr mit Decker über die Brücke zurück nach Martha’s Vineyard. Ihr Hotel befand sich im Herzen von Edgartown, einer malerischen Stadt mit viktorianischen Häusern und gusseisernen Straßenlampen. Sie parkten den Wagen in einer nahen Tiefgarage. Anschließend checkten sie am Empfang des Hotels ein und ließen das Gepäck auf ihre Zimmer bringen.

Eine Stunde später traf Cotton sich mit Decker in einem kleinen Bistro neben der Rezeption. Sie waren die einzigen Gäste. Aus einem Lautsprecher rieselte Loungemusik. Die Agents nahmen an einem Tisch Platz und bestellten jeder einen Espresso.

»In den Nachrichten kam vorhin, dass für die nächsten Tage ein Schneesturm in dieser Gegend erwartet wird«, wusste Decker zu berichten. »Das setzt uns bei der Ermittlung etwas unter Zeitdruck.«

»Wie gehen wir weiter vor?«

»Ich habe gerade mit Mr High telefoniert und ihn über den Stand unserer Ermittlungen informiert. Im Moment ist es ihm leider unmöglich, ein Team Forsensiker herzuschicken. Das wird frühestens in drei Tagen geschehen. Er lässt aber umgehend die FBI-Datenbanken checken, ob in den vergangenen vierzig Jahren Urlauberinnen auf Chappaquiddick oder Martha’s Vineyard verschwunden sind. Das wird bei länger zurückliegenden Fällen ein schwieriges Unterfangen sein. Viele Spuren sind bestimmt längst vom Zahn der Zeit zerstört. Aber einen anderen Ansatzpunkt haben wir nicht. Wir beide sehen uns morgen mal Chappaquiddick an und befragen diskret die Einwohner, ohne dabei etwas von den Leichenfunden durchblicken zu lassen.«

»Ich frage mich, wieso in all den Jahren niemand misstrauisch geworden ist, wenn so viele Frauen nicht von ihrer Reise nach Hause zurückgekehrt sind.«

»Vergessen Sie nicht, dass es bis jetzt keine Hinweise auf ein Verbrechen gab«, sagte Decker. »Für das plötzliche Verschwinden von Leuten kann es viele Gründe geben. Es muss nicht immer Mord oder Entführung im Spiel sein. Manche brechen alle Brücken hinter sich ab, um als Aussteiger irgendwo ein neues Leben zu beginnen.«

Cottons Blick verriet Skepsis. »Sollte Ihre Theorie von den ermordeten Urlauberinnen richtig sein, würde der Täter seine Opfer auf Chappaquiddick aussuchen, töten und dann verscharren. Ist Ihnen noch nicht der Gedanke gekommen, dass die Frauen nicht zwangsläufig auf den Inseln ermordet worden sein müssen?«

»Meinen Sie, irgendwer karrt die Leichen mit einem Auto oder einem Boot bei Nacht und Nebel vom Festland her an?«

»Warum nicht?«

»Wäre ziemlich kompliziert.«

»Ja, aber auch effektiv. Wäre uns der Zufall nicht zu Hilfe gekommen, wer weiß, wie viele Jahre die Ermordeten noch unentdeckt an dem Strand geblieben wären.«

Nachdem sie den Fall zur Genüge durchgekaut hatten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen, verließen sie das Hotel und machten sich auf die Suche nach einem Restaurant. Auf der Straße blies ihnen ein eisiger Wind salzige Meerluft entgegen. Es war bereits später Nachmittag, und die Dunkelheit brach über die Insel herein. Neben einem Buchladen und einer kleinen Einkaufspassage fanden sie ein ansprechendes Restaurant.

Die Agents hatten Glück, ein Tisch am Fenster war noch frei. Sie bestellten einen Fischteller, der hauptsächlich aus Shrimps und Austern bestand, dazu einen passenden Wein. Als der Kellner ihre leeren Teller abräumte, ertönte der Klingelton von »Mission Impossible« aus Deckers Handtasche.

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