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Cotton Reloaded - Folge 5

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. 8
  14. 9
  15. 10
  16. 11
  17. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book, Audio-Download (ungekürztes Hörbuch) und als Read&Listen E-Book (Text in Verbindung mit Hörbuch).

Die Autorin

Linda Budinger, ist freie Autorin und Übersetzerin. Sie schreibt seit mehr als 20 Jahren Romane und Kurzgeschichten, vor allem im Bereich Fantasy und Phantastik. Mehrfach wurden Geschichten von ihr für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. Bekannt wurde sie durch Veröffentlichungen für das Rollenspiel »Das Schwarze Auge« und als Mitautorin der Bastei-Romanreihe »Schattenreich«. Die Autorin wohnt in Leichlingen.

1

Freitag, 4. Juli, Astoria Park, New York

Am dunklen Himmel von New York erblühten Blumen aus Silbersternen. Vom East River wehten Schwaden von Pulverdampf in den Astoria Park, der sich auf einer Strecke von beinahe tausend Yards am Ostufer der Meerenge entlangzog.

Feiersüchtige New Yorker säumten das Ufer, sammelten sich an der Hell Gate  und der Robert F. Kennedy Bridge. Sie reckten die Köpfe, um ja keinen Moment des Feuerwerks zum Unabhängigkeitstag zu verpassen. Familien bejubelten die Feuergarben und Bombetten genauso lauthals wie ihren Nationalfeiertag.

Doch nicht alle drängten aus den überhitzten Wohnungen, um zu feiern.

Jeremiah Cotton betrachtete das Foto auf dem Display seines Handys und dann den Mann, der vielleicht zehn Yards entfernt unter einer Laterne entlanglief.

Kein Zweifel, das war Miller, der Gesuchte.

Cotton sah sich nach Detective Joe Brandenburg um und machte ihn auf den Mann aufmerksam. Brandenburg nickte und klemmte sich hinter den Verdächtigen, während Cotton an das Hauptquartier des G-Teams durchgab, dass er Miller gefunden habe.

Ungefähr zehn Minuten vergingen. Cotton und sein ehemaliger Kollege vom New York Police Department wechselten sich alle paar Minuten mit der Observation ab, damit Miller keinen Verdacht schöpfte.

Miller war erst vor wenigen Stunden ins Visier des FBI gerückt und wirkte ahnungslos. Er schob sich mit gesenktem Kopf an den Sportanlagen des Parks vorbei und durch die aufgeregte Menge, als gäbe es für ihn kein Morgen.

Cottons Handy vibrierte, gerade als er Brandenburg ablösen wollte. Er aktivierte die Freisprechanlage und schnauzte: »Was?«

»Hier High. Was macht der Verdächtige?«

Beim Klang der kühlen Stimme seines Vorgesetzten ging Cotton automatisch aufrechter. »Wir sind an ihm dran, Sir«, sagte er leise. Gekonnt schlängelte er sich an einem küssenden Liebespaar vorbei.

»Wir haben unter Millers Adresse ein Labor voller toter Affen gefunden«, sagte John D. High. »Und zwei sterbende Mitarbeiter, die uns das geplante Attentat bestätigt haben. Einer davon war unser Tippgeber. Außerdem haben wir das Virus untersuchen lassen. Hunter hält es für hoch ansteckend. Es wird über die Luft übertragen. Und noch was, Cotton …«

»Ja, Sir?«

»Vermutlich hat der Typ eine Bombe bei sich.«

»Möglich, Sir, ja. Er hat eine Kühltasche dabei«, bestätigte Cotton. Keine Sekunde ließ er den Flüchtigen aus den Augen. »Und unter dem Mantel kann er Gott weiß was verbergen.«

Nichts wies darauf hin, dass Miller irgendetwas anderes als Grillfleisch oder Getränke in der Kühltasche transportierte. Doch Cottons siebter Sinn schlug Alarm. Ungeduldig lauschte er den Anweisungen seines Chefs und antwortete: »Okay, ich sag’s ihm«, bevor er das Gespräch beendete.

Joe Brandenburg schaute sich kurz nach seiner Ablösung um. Bei der Gelegenheit nahm er eine Zeitung von der nächsten Parkbank, um sich dahinter zu verstecken, und blieb etwa fünfzehn Yards hinter der Zielperson.

Cotton suchte Blickkontakt zu ihm und tippte sich ans Ohr, zum Zeichen, dass er neue Anweisungen hatte. Im Gehen zog er unauffällig die Dienstwaffe und schloss zu Brandenburg auf.

In den Parks und Vorgärten grillten die Leute. Besucher des traditionellen Konzerts zum 4. Juli drängten heimwärts und pfiffen patriotische Melodien. Kinder zündeten Feuerwerkskörper und bewarfen sich kreischend mit Knallfröschen. Es war ein fröhliches Chaos, gut für eine Observation, aber die Hölle für eine Verfolgungsjagd.

An einen Anschlag mochte Cotton nicht einmal denken. Die Luft war schwer von Schwarzpulverdämpfen und dem Geruch brutzelnden Fleisches. Einen Moment lang fühlte Cotton sich an den schrecklichsten Tag seines Lebens zurückversetzt, den 11. September 2001, doch er schüttelte die Erinnerung ab wie ein Hund Wasser aus seinem Fell.

»Einladung zum Barbecue, Rookie?«, fragte Brandenburg, als Cotton neben ihm ging. Der stämmige Detective des NYPD trug einen Empfänger unter seiner Yankees-Baseballmütze und stand mit den anderen Polizeikräften in Verbindung.

Cotton schüttelte den Kopf. »Das war Mr High. Es wird ernst. Miller ist Virologe. Vor allem aber ist er ein Durchgeknallter mit radikalem Weltbild. Zwei Leute hat er schon umgebracht. Wenn nötig, sollen wir ihn ausknipsen, ehe er das Virus über die halbe Stadt verteilt. Außerdem könnte er eine Bombe bei sich haben.«

»Halleluja!« Brandenburg verdrehte die Augen. »Immer passiert so was, wenn ich mit dir unterwegs bin.«

»Ich hab eben den richtigen Riecher.« Es war purer Zufall, dass Cotton auf der 31. Straße unterwegs gewesen war, als das Hauptquartier den Tipp erhalten und sämtliche Agenten zum Einsatz gerufen hatte. Eine Verkehrskamera unweit des East River hatte den Verdächtigen aufgezeichnet.

Cotton war mit einem Dienstwagen zum Astoria Park gefahren und hatte sich dort an Joe Brandenburg gehängt, der mit seinen Männern routinemäßig die Feierlichkeiten überwachte. Bandenburg war einer der wenigen Außenstehenden, die von der Existenz des ansonsten streng geheimen G-Teams wussten.

Nun hielt Cotton seine Pistole an den Körper gedrückt und halb im Ärmel der Lederjacke versteckt. »Verstärkung ist unterwegs«, sagte er zu Brandenburg. »Aber ich könnte die Sache jetzt gleich beenden.«

»Heilige Scheiße, nein!« Brandenburg fuchtelte mit der gefalteten Zeitung herum. »Kein freies Schussfeld. Eine Massenpanik fehlt bei dem ganzen Affenzirkus gerade noch.« Dann sprach er in sein Ohrmikrofon. »Ich brauche sämtliche verfügbaren Officers im Astoria Park. Verdächtiger bewegt sich Richtung Strand … Was? Ja, nehmt die Absperrungen der verdammten Parade.«

Er wandte sich wieder an Cotton. »Sie schließen den Eingang und leiten die Leute weg vom Ufer. Wenn die Jungs kommen, drängen wir Miller in Richtung Tennisplatz und nehmen ihn hoch.«

»Ich fürchte, dafür ist es zu spät«, erwiderte Cotton angespannt und wies nach vorne.

Geisterhaft fing sich das Mondlicht in den belaubten Ästen der Bäume. Miller kniete auf einem kleinen, grasbewachsenen Hügel und klappte die Kühlbox auf. Trockeneisdampf quoll heraus. Er zog eine Gasmaske hervor und streifte sie sich über den Kopf. Im stroboskopartigen Flackern eines Römischen Lichts wirkte er wie ein fremdartiges, riesiges Insekt.

Dann griff er in die Kühlbox.

»Halt mir den Rücken frei, Joe«, rief Cotton. Ein direkter Kopftreffer würde Miller außer Gefecht setzten.

Cotton schätzte Entfernung und Schusswinkel ab, hob den Arm und visierte Miller an. Im selben Moment wurden mehrere Passanten auf die merkwürdige Gestalt mit der Maske aufmerksam.

Cotton drückte ab, verzog den Schuss aber im letzten Moment, weil ihm zwei Jugendliche von einer Mauer direkt in die Schussbahn sprangen. Rinde spritzte von dem Baumstamm, neben dem Miller kniete. Ein älterer Mann, der aus einem Handwagen mit Pinguin-Logo Eis verkaufte, starrte Cotton schockiert an und warf sich in Deckung.

Nur die unmittelbar Beteiligten hörten den Schuss, für alle anderen klang es wie ein Teil des Feuerwerks. Doch wenige Leute genügten, um eine Panik auszulösen. Schreie mischten sich unter den allgemeinen Beifall, und die ersten Feiernden rannten verwirrt und kopflos umher.

Der Virologe hob drei miteinander verbundene Flaschen aus dem Kühlbehälter. Darunter pappte ein Päckchen Plastiksprengstoff.

Ich muss diesen Irren ausschalten, ehe er den Zünder betätigt, schoss es Cotton durch den Kopf.

Er zielte, atmete aus.

In diesem Moment durchraste ein höllischer Schmerz seinen Arm. Ein Projektil riss ihm die Waffe aus der Hand. Die Pistole schlitterte über den Weg und verschwand auf Nimmerwiedersehen unter einem dunklen Strauch hinter einem Dutzend Leuten.

Cotton duckte sich hinter eine Bank, umklammerte seine schmerzende Hand und fluchte in sich hinein. Miller hatte einen Partner, vermutlich einen Gewehrschützen auf der Brücke! Okay, diesen Kerl musste er Joe Brandenburg überlassen. Sicher war Joe schon an dem Burschen dran. Cotton sah den Cop in einem Pulk von Parkbesuchern ganz in der Nähe hektisch in sein Mikro sprechen.

Cotton war jetzt unbewaffnet und würde das Feuer des Heckenschützen auf sich ziehen. Wenn dabei auch nur eine Kugel die Falschen traf … der blanke Horror.

Aber nichts zu tun war keine Option.

Cotton spurtete los.

Er setzte die Schulter als Rammbock ein und bahnte sich wie ein Footballspieler einen Weg durch die aufgescheuchte Menge, als er auf Miller zustürmte. Er flankte über eine Begrenzung und erwartete jeden Augenblick den Einschlag der Kugel des Gewehrschützen zwischen den Schulterblättern. Er flog über die Rasenfläche, seine Absätze bohrten sich in den weichen Boden.

Noch zehn Yards.

Miller wandte sich Cotton zu. Seine Miene war unlesbar hinter dem spiegelnden Glas der Maske. Unverdrossen machte er sich an den Verschlüssen der Flaschen zu schaffen.

Cotton sah die Reflexion einer Klinge. Miller setzte ein Messer als Hebel an den Deckel der ersten Flasche. Cottons Hand schmerzte noch höllisch von dem Schuss, der ihm die Pistole aus den Fingern geprellt hatte, aber darauf durfte er keine Rücksicht nehmen.

Wie ein Quarterback stürmte Cotton zwischen den Mann und die Flaschen. Er versetzte Miller einen Fausthieb und schleuderte ihn mit dem Schwung seines Körpers weg von den Behältern.

Miller sprang auf und führte das Messer in einem stumpfen Winkel auf Cotton zu. Die Klinge durchtrennte seinen Jackenärmel und schlitzte ihm den rechten Arm auf. Der Schmerz fuhr wie eine Feuernadel von der Wunde bis in die Schulter. Cotton wischte das Messer aus Millers Griff und rammte dem Mann den Ellbogen ins Gesicht. Miller stürzte auf den Rücken und trat wütend nach den Flaschen.

Sofort warf Cotton sich über die Konstruktion und schirmte sie vor den Tritten ab.

Miller sprang vor, deckte ihn mit einem wütenden Hagel ungezielter Schläge ein, die jedoch nur Cottons Rücken trafen. Mit tauben Fingern schob Cotton die Biobombe zurück in den Kühlbehälter. Jedes bisschen Schutz konnte für Tausende von Menschen den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

Miller hatte sich inzwischen aufgerappelt und hechtete zum Messer, stolperte jedoch. Schnell wie eine Kobra fuhr Cotton herum. Mit einem Ellbogenstoß gegen den Unterarm des Gegners parierte er die Klinge. »Wo ist der Zünder?«, keuchte er und riss dem Virologen mit der linken Hand die Maske vom Gesicht. »Gib auf, Mann!«

In diesem Moment sah er die Zündvorrichtung im Gras. Sie war aus der Manteltasche seines Gegners gefallen. Miller folgte Cottons Blick und grinste. Er hatte nichts mehr zu verlieren, und das wusste er.

Miller griff zu.

Verdammt, ich hasse Fanatiker! Cotton täuschte an, drehte sich zur Seite und hämmerte Miller die rechte Faust gegen das Knie. Miller knickte weg. Seine Hand verfehlte das Ziel.

Stattdessen schloss sich Cottons Linke um den Zünder, als hielte er ein rohes Ei.

Dann näherten sich schnelle, schwere Schritte. Handschellen klickten, und Brandenburg klärte Miller über seine Rechte auf.

Es war vorbei.

2

Montag, 14. Juli, Cyberedge-Gebäude, Hauptquartier des G-Teams. John D. Highs Büro

»Schön, Sie wieder hier zu sehen, Cotton«, sagte der Chef des G-Teams, der geheimen Spezialeinheit des FBI, der Cotton seit Kurzem angehörte.

»Danke, Sir«, antwortete Cotton.

Mr High stand von seinem Schreibtischstuhl auf und streckte dem jüngsten Mitglied seiner Spezialtruppe die Hand entgegen. Cotton wollte einschlagen, doch High beugte sich leicht vor. Statt der Hand drückte er Cottons rechten Arm unterhalb des Ellbogens.

Cotton zuckte bei dem aufflammenden Schmerz zusammen. Wieder einmal staunte er über John D. High. Den Adleraugen seines Vorgesetzten entging so gut wie nichts.

»Dann sind Sie sicher ganz okay?«

»Ja, Sir.« Cotton hielt dem prüfenden Blick des dunkelhäutigen, hochgewachsenen Mannes stand.

High deutete auf einen Stuhl und setzte sich dann selbst. Mit zwei Tastaturanschlägen holte er ein Dokument auf den Bildschirm.

Verstohlen rieb Cotton sich über die Verletzung. Der Schnitt, den Miller ihm im Park verpasst hatte, war immer noch offen, ringsum gerötet und berührungsempfindlich.

»Sie haben sich also vor drei Tagen selbst aus dem Krankenhaus entlassen«, sagte John D. High. »Gegen den Rat der Ärzte.«

»Ich bin wieder gesund.« Cotton war nach einer Woche in der Quarantänestation die Decke auf den Kopf gefallen. Niemand rückte mit der Sprache heraus, wieso er überhaupt im Krankenhaus bleiben sollte.

»D

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