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Cotton Reloaded - Folge 3

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Unsichtbare Schatten
  7. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book, Audio-Download (ungekürztes Hörbuch) und als Read&Listen E-Book (Text in Verbindung mit Hörbuch).

Der Autor

Jan Gardemann, geboren 1961 in Hamburg, jobbte nach Erreichen des Fachabiturs im Bereich Grafik und Gestaltung, unter anderem im Hamburger Hafen und als Modedesigner. Er unternahm ausgedehnte Reisen durch Europa und später durch Afrikas Wüste und nach Bali. Seit 1991 arbeitet er als freiberuflicher Autor. Heute lebt er mit seiner Frau und ihren drei gemeinsamen Kindern in einem kleinen idyllischen Ort zwischen Hamburg und Hannover.

So glücklich wie an diesem Frühlingsmorgen hatte Tavy Lee sich schon lange nicht mehr gefühlt. Stolz stand die junge, flachsblonde Frau neben ihrem korpulenten Vater im überdachten Führerstand einer Barkasse und ließ den Blick über den Hudson River schweifen.

Rechts des Flusslaufs erhob sich das verkarstete Hochhausgebirge Manhattans, und entlang des ferneren Ufers auf der linken Seite erstreckte sich der mit frischem Grün überzogene Waldstreifen, hinter dem sich das Häusermeer von Jersey City verbarg.

Der Dieselmotor der Porto Alegro, wie Bob Lee seine Barkasse getauft hatte, hämmerte im stupiden Rhythmus und ließ den Metallboden unter Tavys Füßen erbeben. Das Boot hatte einen bis zur Oberkante mit Müll und Unrat gefüllten Leichter im Schlepp, den Tavys Vater bei einer Müllverbrennungsanlage in Westchester abliefern sollte. Der Dieselgeruch vermischte sich mit dem gammeligen Gestank, der von dem Leichter herüberwehte. Doch das störte Tavy nur wenig. Als sie noch klein gewesen war, hatte sie ihren Vater oft auf seinen Touren auf dem Hudson River begleitet. So kam es, dass das Geruchsgemisch eher nostalgische Gefühle bei ihr hervorrief als Ekel oder Widerwillen.

Soeben fuhren sie unter der George Washington Bridge hindurch. Tavy bewunderte die beiden hohen, monumentalen Pylonen aus Stahl, von denen es am New Yorker Ufer und drüben auf der New-Jersey-Seite jeweils einen gab. Diese Giganten ruhten auf gewaltigen steinernen Fundamenten. Die breite, an mächtigen Tragekabeln hängende Brücke, die sich mit einer Länge von etwa dreitausendfünfhundert Fuß über den Fluss spannte, wirkte auf Tavy von unten betrachtet bedrohlich und überwältigend zugleich. Das Geflecht aus Stahlträgern, mit dem die Brücke unterfüttert war, um die später hinzugefügte zweite Fahrbahnebene zu tragen, sah ungemein filigran aus. Kein Wunder, denn die Konstruktion befand sich etwa sechshundert Fuß über dem Kahn, der soeben unter ihr hinwegtuckerte. Angesichts des kolossalen Bauwerks kam Tavy das Boot ihres Vaters klein wie eine Nussschale vor.

»Ein toller Anblick, nicht wahr?«, rief Bob Lee über das Dröhnen des Motors hinweg. Er war ein kräftig gebauter Mann, der mit den Jahren etwas Speck angesetzt hatte. Sein von einem Dreitagebart überwuchertes Gesicht war wettergegerbt und übersät mit kleinen Falten.

Tavy nickte bestätigend. »Aber ich finde es noch viel toller, dass wir endlich mal wieder ein bisschen Zeit zusammen verbringen können, Daddy«, sagte sie und blickte ihren Vater dabei zärtlich an.

Lee lachte rau. »An mir liegt es nicht, dass wir uns nur noch so selten sehen.«

Als der alte Flussschiffer das betrübte Gesicht seiner Tochter bemerkte, lächelte er begütigend. Während er mit der Rechten das Steuerruder hielt, tätschelte er Tavy mit der anderen Hand ein wenig unbeholfen die Schulter. »Aber das ist schon in Ordnung, Kleines«, sagte er in aufgeräumter Stimmung. »Dein Studium ist wichtiger, als deinem alten Dad auf seinem rostigen Kahn Gesellschaft zu leisten. Deine Mom wäre stolz auf dich. Sie wollte immer, dass du eine gute Ausbildung erhältst und in deinem Leben nicht so hart schuften musst, wie deine Eltern es tun müssen.«

Die Erinnerung an ihre Mutter, die bei einem Unfall an Bord der Porto Alegro ums Leben gekommen war, schmerzte Tavy jedes Mal aufs Neue, obwohl dieses schreckliche Ereignis nun schon fünf Jahre zurücklag.

In einem Anflug von Melancholie richtete Tavy ihren Blick geradeaus auf den blauen Flusslauf, auf dem sich silbrig glänzend die Morgensonne spiegelte, die sich erst wenige Handbreit über den Horizont erhoben hatte. Der vor ihnen liegende Schatten der George Washington Bridge verdunkelte das Wasser jedoch Unheil verkündend.

Unwillkürlich drehte Tavy sich um und spähte zur Brücke empor, unter der die Porto Alegro soeben hindurchgefahren war.

Als sie den menschlichen Körper sah, der in diesem Moment aus Richtung der Brücke direkt auf die Barkasse herabstürzte, stieß sie einen durchdringenden Schrei aus.

»Was hast du, Kleines?«, rief ihr Vater besorgt.

Im selben Moment schlug der Körper mit einem dumpfen Laut auf dem Müllberg im Leichter auf. Der Mann, der wie ein Geschoss aus einer Höhe von mehr als sechshundert Fuß heruntergefallen war, drang beim Aufprall tief in den weichen Unrat ein und verschwand.

»Ein Selbstmörder!«, rief Tavy entsetzt. »Er ist von der Brücke gesprungen und im Leichter gelandet!«

Bob Lee zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen. Es kam nicht eben selten vor, dass sich ein Lebensmüder von der George Washington Bridge stürzte. Aber musste er ausgerechnet auf seinem Schleppzug landen und ihm diesen Tag verderben, der so vielversprechend begonnen hatte?

Tavy, die benommen zur Brücke hinaufspähte, glaubte auf einem der dicken Tragekabel eine Bewegung wahrzunehmen. Ihr blieb jedoch keine Zeit, ihren Vater auf das Phänomen aufmerksam zu machen, denn plötzlich gab es in dem Leichter eine Explosion, die so heftig war, dass die Druckwelle die junge Frau von den Beinen riss und gegen das Ruder schleuderte.

Das Letzte, was Tavy sah, bevor sie in Bewusstlosigkeit versank, war ihr Vater, der neben ihr lag –und Fetzen aus zerrissenem Unrat, die wie ein Regen aus Hunden und Katzen auf die Porto Alegro niederprasselten.

*

Auf Höhe der George Washington Bridge zum Ufer des Hudson River zu gelangen, war auf der Manhattan-Seite der Brücke nicht ganz einfach. Um sich einen langen, umständlichen Fußweg zu ersparen, fuhr Special Agent Jeremiah Cotton mit dem Dienstchevy kurzerhand vom Henry Hudson Parkway auf einen Schotterplatz im Schatten des monumentalen Brückensockels, um den Wagen dort abzustellen.

Special Agent Philippa Decker, seine Partnerin, die auf dem Beifahrersitz saß, warf ihrem jüngeren Kollegen mit ihren grünen Augen einen fragenden Blick zu.

»Von hier aus müssen wir nur noch eine Straße, die Uferböschung und einen Fußgängerweg überqueren, um ans Ufer zu kommen«, erklärte Cotton, da ihm der Blick seiner Partnerin nicht entgangen war.

Er stoppte den Wagen vor der Brückenmauer und stellte den Motor ab.

»Gibt es denn keine andere Möglichkeit, an unser Ziel zu gelangen?«, fragte Decker.

»Wir hätten auch bis zum nächsten Übergang des Hudson River Greenway fahren können«, erwiderte Cotton. »Aber der ist bekanntlich nur zu Fuß zu erreichen. Vom Übergang bis zurück zur Brücke hätten wir eine Strecke von knapp einer Meile zurücklegen müssen und kostbare Zeit verloren.«

Er deutete auf die Einsatzfahrzeuge der City Police, die auf dem Schotterplatz abgestellt waren. »Es geht schneller, den Weg zu nehmen, den auch die Kollegen vom NYPD eingeschlagen haben. Und der führt nun mal direkt die Böschung hinunter zum Fluss.«

Decker, die sich von ihrem jüngeren Kollegen nicht gerne belehren ließ, stieg wortlos aus. Wenig später standen die beiden Special Agents am Fahrbahnrand und warteten auf eine Gelegenheit, auf die gegenüberliegende Seite der stark befahrenen Straße zu wechseln.

Der Fahrtwind der vorbeifahrenden Autos wirbelte Deckers blondes, schulterlanges Haar hoch. »Jetzt!«, rief sie, als sie einen Freiraum erspähte, der es ihnen erlaubte, die Straße halbwegs risikolos zu überqueren. Sie packte Cotton am Jackenärmel und zerrte ihn hinter sich her über die Fahrbahn.

Der Fahrer eines herannahenden Lincoln drückte entnervt auf die Hupe. Doch als der Wagen auf Höhe der beiden Agents angelangt war, hatten sie die gegenüberliegende Fahrbahnbegrenzung längst erreicht.

Geschickt kletterte Cotton über den hüfthohen Begrenzungswall aus Beton. Als er auf der steil abwärts führenden Böschung sicheren Stand gefunden hatte, reichte er Decker galant die Hand, um ihr über das Hindernis zu helfen.

Die schlanke, hochgewachsene Agentin musterte Cotton unterkühlt, ergriff seine Hand dann aber doch und stieg über den Betonwall hinweg.

Der ausgetretene Trampelpfad, der schnurgerade die dicht mit Buschwerk bewachsene Böschung hinunterführte, verriet, dass diese Abkürzung zum Greenway und der Aussichtsplattform unterhalb der Brücke nicht eben selten benutzt wurde. Während Cotton das steile Gefälle gekonnt hinabstieg, musterte Decker ihn unwillkürlich.

Cottons Bewegungen verrieten Kraft und Ausdauer. Er war ein paar Zentimeter kleiner als sie, strahlte aber eisernen Durchsetzungswillen und rastlose Energie aus.

Doch für Deckers Verhältnisse war Cotton viel zu unbeherrscht und impulsiv. Er würde noch eine Menge Erfahrungen sammeln müssen, ehe ein gestandener Special Agent aus ihm wurde. Die Anlagen dazu hatte er, das hatte er schon während seiner Dienstjahre als Officer beim NYPD gezeigt.

Schließlich erreichten sie den Hudson River Greenway, einen schmalen, zu beiden Seiten mit einem Geländer abgezäunten Fußweg, der über mehrere Meilen dem Verlauf des Ufers folgte.

Anstatt sich nach links zu wenden und zur Aussichtsplattform zu gehen, wo sich ein kleiner roter Leuchtturm erhob, kletterte Cotton über das Geländer auf den Uferfelsen. Decker tat es ihm gleich, sodass ihr Partner keine Gelegenheit bekam, die kameradschaftliche Geste zu wiederholen und ihr beim Klettern die Hand zu reichen.

Um den Leuchtturm herum und auch auf dem Weg hatte sich eine kleine Menschenmenge gebildet. Neugierig spähten die Leute zur Barkasse hinüber, die in der Nähe das steinigen Ufers ankerte.

Der Leichter, den die Barkasse in Schlepp genommen hatte, sah verwüstet aus. Die Reling und die Bordwände oberhalb der Wasserkante waren zerfetzt, der Bug mit Müll und Unrat bedeckt. Müllfetzen lagen auch auf der Barkasse verstreut. Der Unrat gehörte zur Fracht, die der Leichter geladen hatte.

Ein Patrouillenboot der City Police hatte auf der dem Ufer abgewandten Seite der Barkasse festgemacht. Mehrere uniformierte Cops hielten sich auf den Booten auf.

»Wie kommen wir da rüber?«, fragte Decker ein wenig ratlos und winkte, um die Kollegen auf der Barkasse auf sich aufmerksam zu machen. Doch die waren offenbar zu beschäftigt oder hielten die beiden Gestalten am Ufer für Schaulustige. Jedenfalls reagierten sie nicht, sondern machten unbeirrt mit ihrer Arbeit weiter.

In diesem Moment erspähte Cotton unter den uniformierten Cops einen untersetzten, bedrohlich aussehenden Mann in Zivil. Er hatte dunkles Haar, war mit Jeans und einer braunen Lederjacke bekleidet und trug die in einem Holster steckende Dienstpistole offen zur Schau.

»Da drüben ist Joe Brandenburg«, erklärte Cotton seiner Partnerin. Er steckte zwei Finger in den Mund und stieß einen durchdringenden Pfiff aus.

Als der Detective des NYPD sich zum Ufer umdrehte, winkte Cotton ihm kurz zu.

Brandenburg erwiderte den Gruß mit knapper Geste, wandte sich dann an einen der uniformierten Kollegen und rief ihm etwas zu. Der Cop nickte bestätigend und kletterte dienstbeflissen zum Polizeiboot hinüber, wo er den Blicken der beiden Agents entschwand.

Wenig später kam hinter der Barkasse ein motorisiertes gelbes Schlauchboot hervor. Der Cop, der den Außenbordmotor bediente, steuerte das Gefährt zielstrebig auf die beiden Special Agents zu.

Cotton schenkte Decker ein entwaffnendes Lächeln. »Beziehungen sind alles. Ohne die werden Sie es in Ihrem Job nicht weit bringen.«

»Sehr witzig«, giftete Decker. »Sie sollten sich besser nichts darauf einbilden, dass Sie diesen zweifelhaften Joe Brandenburg so gut kennen. Es wird gemunkelt, er sei in kriminelle Geschäfte verstrickt, um sein Gehalt ein wenig aufzubessern.«

Cotton winkte ab. »Das sind nur Gerüchte«, sagte er, obwohl er es besser wusste. »Ich kenne Joe Brandenburg seit Jahren. Wie Sie wissen, war er mein Partner beim NYPD. Ich habe viel von ihm gelernt. Ohne Brandenburg hätte ich es niemals geschafft, ins G-Team zu kommen.«

Das G-Team. Offiziell existierte diese Spezialeinheit des FBI, für die Cotton seit Kurzem arbeitete, gar nicht. Deshalb hielten die allermeisten Cops, bis auf eine Handvoll enger Vertrauter, Cotton und Decker für normale FBI-Agents. Joe Brandenburg war einer der wenigen, die Bescheid wussten.

Unterdessen war das Schlauchboot nahe ans Ufer herangekommen. Der Cop grüßte und warf Cotton ein Seil zu, das dieser auffing, um den Bug des Bootes dann mit einem kräftigen Ruck auf den ausgewaschenen Fels zu ziehen.

»Ladys first«, sagte Cotton und deutete einladend in das Schlauchboot.

Decker stieg ein. Cotton sprang hinzu und stieß das Boot dann mit dem Fuß vom Ufer weg.

Auf dem Weg zurück zum Patrouillenboot hüpfte das von dem Außenbordmotor angetriebene Schlauchboot aufklatschend über die Wellen. Gischt spritzte zu den Seiten weg und wehte der Besatzung als feuchter Dunst ins Gesicht.

Decker rümpfte die Nase. Erst jetzt hatte sie den Müll bemerkt, der entlang des Ufers im Wasser trieb.

Der Cop, dem die Geste nicht entgangen war, weil er die attraktive Agentin ungeniert musterte, rief über den Lärm des Motors hinweg: »Der Müll stammt aus dem Leichter. Der war bis zum Rand mit Abfall aus einer Hafenanlage in Brooklyn gefüllt und nach Westchester unterwegs. Dann ist die Ladung plötzlich hochgegangen, nachdem dieser Selbstmörder, der sich von der George Washington Bridge gestürzt hat, mitten in den Unrat gekracht ist.«

Der Mann, ein sehniger Puerto Ricaner, schüttelte den Kopf. »Ich habe bei den Patrouillen auf dem Hudson River ja schon viel erlebt, aber dieser Vorfall toppt alles.«

»Konnte bereits geklärt werden, was die Explosion ausgelöst hat?«, fragte Decker.

Der Cop zuckte mit den Schultern. »Die Kollegen von der Spurensicherung sind noch dabei, den Leichter zu untersuchen. Die Sache liegt erst knapp eine Stunde zurück. Allzu viel konnten wir noch nicht herausfinden.«

»Gibt es denn schon irgendwelche neuen Erkenntnisse – mal abgesehen davon, dass die Identität des mutmaßlichen Selbstmörders geklärt werden konnte?«, wollte Cotton wissen.

»Das fragen Sie am besten Detective Brandenburg«, erwiderte der Cop, während er das Schlauchboot um den Bug der Barkasse herumsteuerte. »Er leitet die Untersuchung.«

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