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Colours of Love - Verführt

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. 8
  14. 9
  15. 10
  16. 11
  17. 12
  18. 13
  19. 14
  20. 15
  21. 16
  22. 17
  23. 18
  24. 19
  25. 20
  26. 21
  27. 22
  28. 23
  29. 24
  30. Leseprobe Daringham Hall – Das Erbe

Über die Autorin

Kathryn Taylor begann schon als Kind zu schreiben – ihre erste Geschichte veröffentlichte sie bereits mit elf. Von da an wusste sie, dass sie irgendwann als Schriftstellerin ihr Geld verdienen wollte. Nach einigen beruflichen Umwegen und einem privaten Happy End erfüllt sich mit der erfolgreichen COLOURS OF LOVE-Reihe nun ihr Traum.

1

»Sophie?«

Matteos Stimme reißt mich aus dem leichten Schlaf, in den mich das monotone Geräusch des Automotors gelullt hat, lässt mich erschrocken hochfahren. Ich brauche einen Moment, bis ich mich orientiert habe, und stelle verwundert fest, dass wir uns schon mitten im dichten Stadtverkehr befinden. Als ich die Augen schloss, fuhren wir noch auf der M20 von Dover in Richtung London – ich muss also ziemlich lange weg gewesen sein, was mich irritiert. Auf Reisen kann ich so etwas sonst sehr selten, und ich hätte geschworen, dass ich auf dieser ganz sicher zu nervös dafür bin. Aber offensichtlich fordert die lange Strecke, die hinter uns liegt, jetzt doch ihren Tribut.

»Entschuldige, ich …«, meine Stimme ist belegt, deshalb muss ich mich erst räuspern, bevor ich weiterreden kann. »Ich wollte nicht schlafen.« Hastig richte ich mich auf, weil ich ganz schön tief in den Sitz gerutscht war, und schiebe eine Hand in meine langen schwarzen Haare, um sie wenigstens halbwegs zu richten, zupfe auch mein Kleid wieder zurecht. Aber ich fühle mich trotzdem zerknittert und ein bisschen aus der Fassung. Hoffentlich habe ich wenigstens nicht geschnarcht, denke ich ein bisschen entsetzt. »Warum hast du mich denn nicht geweckt?«

Matteo lächelt amüsiert, und mein Herz zieht sich sehnsuchtsvoll zusammen. Was es nicht soll. Doch ich kann einfach nichts dagegen tun.

»Das tue ich doch gerade«, sagt er, und ich verfluche mein verschlafenes Gehirn dafür, dass es mich nicht etwas Intelligenteres hat fragen lassen. »Laut Navi ist es jetzt nicht mehr weit bis zu euerm Auktionshaus. Und du wolltest deinem Vater Bescheid sagen, wenn wir da sind.«

»Oh.« Erst jetzt achte ich wirklich darauf, wo genau wir uns eigentlich befinden, und stelle erstaunt fest, dass wir tatsächlich schon auf der südlichen Umgehung fahren. Von hier aus sind es bis Kensington höchstens noch zwanzig Minuten. Also ist es vermutlich wirklich eine gute Idee, Dad vorzuwarnen, er wird nämlich sehr überrascht sein. So früh rechnet er sicher noch nicht mit uns.

Es sind immerhin über tausendzweihundert Meilen von Rom bis nach London, und ich hätte auch nicht erwartet, dass wir diesen sehr langen Weg mit dem Auto in gerade mal anderthalb Tagen hinter uns bringen würden. Aber Matteos Fahrstil ist immer sehr schnell und dazu noch erstaunlich effizient, deshalb haben wir es am Montagabend, nachdem er mich am Flughafen in Rom aufgehalten und mir mitgeteilt hat, dass er mich doch nach London begleitet, immerhin noch bis nach Florenz geschafft. Nach einer kurzen Übernachtung im Hotel ging es dann gestern früh weiter durch die Schweiz und Frankreich bis nach Lille. Heute Morgen sind wir zeitig weiter und waren schnell an der Fähre in Calais, sodass wir jetzt, um kurz nach eins, tatsächlich London schon erreicht haben.

Was gut ist. Schließlich haben wir durch die Tatsache, dass wir nicht fliegen konnten, schon ziemlich viel Zeit verloren. Und jede Minute ist kostbar.

Hastig tippe ich die Nummer des Auktionshauses in mein Handy. Dad nimmt fast sofort ab, hat offensichtlich auf meinen Anruf gewartet.

»Sophie! Gut, dass du dich meldest. Wo seid ihr denn jetzt?« Seine Stimme klingt oberflächlich ruhig, aber ich kenne sie gut und höre das leichte Zittern darin. Ich weiß, dass er sich große Sorgen macht, deshalb bin ich froh, ihn zumindest in einer Hinsicht beruhigen zu können.

»Wir sind gleich an der Battersea Bridge. Es dauert höchstens noch zwanzig Minuten.«

»Was, schon? Oh, sehr gut.« Erleichtert seufzt er auf. Dann ertönt ein Rascheln, und er redet gedämpft mit jemandem, offenbar mit der Hand über der Muschel.

»Dad?«

»Entschuldige«, sagt er plötzlich wieder laut und deutlich. »Nigel ist hier, wir waren zusammen beim Lunch. Er bleibt noch, bis ihr da seid. Er möchte unseren Ehrengast auch gern kennenlernen.«

Nigel, denke ich und habe plötzlich einen Kloß im Hals. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich ihm so bald schon wieder begegnen würde. Aber ich hätte mir denken können, dass er wie mein Vater auf meine Rückkehr wartet.

»Okay. Dann … bis gleich.« Ich beende den Anruf und lasse das Handy zurück in meine Tasche gleiten.

Jetzt wird es ernst, denke ich ein bisschen beklommen, während Matteo bereits schwungvoll in den nächsten Kreisverkehr biegt.

So richtig kann ich immer noch nicht begreifen, dass er wirklich mit mir hier ist, und spüre, wie mich plötzlich Nervosität erfasst. Weil ich keine Ahnung habe, was in den nächsten Tagen passieren wird. Ich weiß nur, dass von Matteo alles abhängt. Er kann uns retten oder ruinieren. Und wenn ich nicht aufpasse, dann wird er mir auch noch endgültig das Herz brechen, denke ich und betrachte ihn aus den Augenwinkeln.

Es gibt bestimmt Frauen, die Matteo Bertani nicht attraktiv finden – aber viele können das nicht sein, und ich gehöre auch definitiv nicht dazu. Mir gefällt einfach alles an ihm – seine für einen Italiener ungewöhnlich hellen, dunkelblonden Haare. Sein unwiderstehlich charmantes Lächeln, hinter dem er oft verbirgt, was er wirklich denkt und fühlt. Seine durchtrainierte Figur mit den breiten Schultern, die er durch seinen mühelos eleganten Kleidungsstil – ich kenne niemanden, der in einem Anzug so entspannt und lässig aussieht wie er – noch betont. Selbst sein einziger Makel, die breite gezackte Narbe, die am Hals beginnt und sich, wie ich jetzt weiß, bis weit über seine Brust zieht, macht ihn eigentlich nur interessanter. Und in dem ungewöhnlichen Goldton seiner bernsteinfarbenen Augen kann man sich wahnsinnig leicht verlieren. Was mir auch sofort wieder passiert, als Matteo merkt, dass ich ihn beobachte, und mich anlächelt.

»Und, was hat dein Vater gesagt?«

»Er freut sich schon darauf, dich kennenzulernen«, sage ich und bin froh, dass er wieder nach vorn auf die Straße schauen muss. Dann fällt mir jedoch siedend heiß ein, dass ich ihn noch gar nicht gefragt habe, ob ihm dieser Besuch nach der langen Fahrt überhaupt recht ist. »Aber wenn du zu müde bist und dich lieber ausruhen willst, bevor wir zu Lord Ashbury fahren, dann müssen wir auch nicht am Auktionshaus vorbei.«

Matteos Lächeln vertieft sich. »Auf die paar Minuten mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Oder sehe ich aus, als ob ich gleich zusammenbreche?«

Nein, wahrlich nicht, denke ich und erwidere sein Lächeln, froh darüber, dass ich Dad nicht enttäuschen muss.

»Okay, dann …« Meine Augen weiten sich entsetzt. »Pass auf!«

Ein weißer Vauxhall hat die Vorfahrt missachtet und zieht direkt vor uns aus einer Seitenstraße auf die Fahrbahn. Es passiert so plötzlich, dass mir nicht mal Zeit bleibt zu schreien, und ich bin ganz sicher, dass uns nur noch Sekunden von einem Zusammenstoß mit dem anderen Wagen trennen.

Doch ich unterschätze Matteos Fahrkünste. Er reagiert blitzschnell, reißt sein Alfa-Sportcabrio so heftig nach rechts, dass ich mit der Schulter gegen die Tür gedrückt werde. Die Reifen kreischen protestierend und haben bei dem scharfen Bogen, den wir fahren, wahrscheinlich kaum noch Kontakt zum Boden. Es ist knapp, richtig knapp, aber irgendwie schafft Matteo es, unbeschadet an dem Vauxhall vorbeizukommen. Als er genauso scharf wieder nach links lenkt, um nicht in den Gegenverkehr zu geraten, werde ich in die andere Richtung geschleudert, und diesmal ist es seine Schulter, die meinen Fall abfängt. Für einen Moment schlingert der Wagen bedrohlich, weil so viele Fliehkräfte auf ihn wirken, dann hat Matteo ihn unter Kontrolle und fährt wieder auf der Spur.

»Cretino!«, flucht er und wirft einen wütenden Blick in den Rückspiegel, als hinter uns ein lautes Hupen ertönt – offenbar findet der andere Fahrer, dass wir den Fehler gemacht haben und nicht er.

Ich bin noch so geschockt, dass ich gar nichts sagen kann, registriere nur dankbar, dass Matteo den Wagen bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit am Straßenrand anhält, weil ich wirklich das Bedürfnis habe, kurz durchzuatmen.

Er hat sich auch erschrocken, das sehe ich an seiner linken Hand, mit der er das Steuer immer noch so fest umklammert hält, dass die Knöchel weiß unter der Haut hervortreten. Aber er hat sich viel besser im Griff als ich, meine Hände zittern nämlich, als ich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr streiche. Was Matteos aufmerksamen Blick nicht entgeht.

»Alles in Ordnung?«, fragt er besorgt und legt die Hand an meine Wange. Es ist ganz sicher nur eine spontane Geste, etwas, über das er nicht nachdenkt. Doch als seine Finger meine Haut berühren, kann ich für einen Moment nicht atmen.

Nein, denke ich. Nichts ist in Ordnung. Gar nichts.

Weil sofort alles wieder da ist. Ich fühle nicht nur seine Hand an meiner Wange, sondern auch seine Lippen auf meinen, spüre seinen heißen, harten Körper, der sich gegen meinen presst, und schmecke ihn, atme ihn, schmelze innerlich dahin bei der Erinnerung an die Zeit in seinen Armen und will ihn sofort wieder mit einer Heftigkeit, die mich richtig schockiert.

Wahrscheinlich wird sich das nie ändern, denke ich bestürzt. Aber wir sind nicht mehr in Rom, und die Zeit, die ich mit ihm verbringen konnte, ist vorbei. Er hat es selbst gesagt. Die wenigen Wochen, die wir zusammen hatten, waren alles, was ich von ihm bekommen kann. Zu mehr ist er nicht bereit – und mehr kann ich ihm auch nicht entgegenkommen.

Ich hatte auf der Fahrt lange Zeit, über alles nachzudenken, und egal, wie ich es drehe und wende und wie weh mir das tut: Matteo passt nicht in mein Leben – und ich nicht in seins. Die Entfernung zwischen uns ist einfach zu groß, und zwar nicht nur räumlich. Es geht nicht, und deshalb muss ich irgendeinen Weg finden, meine Gefühle für ihn zu kontrollieren.

Was aber offensichtlich nur möglich ist, wenn er – wie auf dem Weg hierher – Abstand zu mir wahrt. Wir hatten getrennte Hotelzimmer, und wenn wir uns abends voneinander verabschiedet haben, hat er mir nicht mal die in Italien sonst üblichen Wangenküsse gegeben. Er hat mich die ganze Zeit überhaupt nicht berührt – bis jetzt. Und ich wünschte ehrlich, er hätte es nicht getan. Denn dann hätte ich mich vielleicht der Illusion hingeben können, dass ich mich nicht immer noch auf verdammt dünnem Eis bewege, was ihn angeht.

»Ja, alles in Ordnung«, lüge ich und hasse mich dafür, dass ich enttäuscht bin und nicht erleichtert, als er seine Hand wieder zurückzieht und weiterfährt.

Wir schweigen die nächsten Minuten, bis endlich die Battersea Bridge vor uns auftaucht, die uns über die Themse direkt in das noble Chelsea bringt. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis nach South Kensington, und schon kurze Zeit später fahren wir auf der King’s Road, an der unser Auktionshaus liegt.

»Du kannst hinter dem Haus parken«, sage ich, als wir das »Conroy’s« erreichen, und Matteo lenkt das Auto über die Einfahrt auf den Hof neben dem großen, freistehenden Gebäude, das sich durch seinen auffälligen gelben Klinker von den umliegenden Häusern abhebt.

Beim Anblick unserer Auktionshalle geht mir das Herz auf. Das Gebäude, der Hof, das alles ist mir zutiefst vertraut. Das hier ist das Zentrum meiner Existenz, der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und um den sich mein ganzes Leben dreht. Ich will mir gar nicht vorstellen, dass wir das alles vielleicht verlieren könnten.

Das wird nicht passieren, beruhige ich mich selbst. Matteo wird das Gemälde untersuchen, das wir an Lord Ashbury verkauft haben, und wenn er feststellt, dass es tatsächlich von Enzo di Montagna stammt, dann ist unser guter Ruf wieder hergestellt. Dann können wir diese ganze unschöne Geschichte einfach vergessen. Wenn nicht … Den Gedanken verbiete ich mir.

Matteo parkt den Wagen neben Nigels dunkelblauen Bentley, der ebenfalls im Hof steht, und als ich die beiden so unterschiedlichen Autos nebeneinander sehe, wird mir plötzlich mulmig.

»Dad ist übrigens nicht alleine«, erkläre ich Matteo, während wir auf den Eingang zugehen, weil ich plötzlich das Gefühl habe, ihn – und mich – vorbereiten zu müssen. »Nigel Hamilton ist auch da. Er … möchte dich auch gerne kennenlernen.«

Matteo hebt die Brauen.

»Der Nigel, der dir in Rom Nachrichten geschickt hat?«

Überrascht nicke ich. Er hat das eigentlich nur einmal mitbekommen, und ich dachte, er hätte es längst vergessen. Aber da habe ich mich offenbar getäuscht.

»Ja, genau – der Nigel«, erwidere ich und drücke mit Schwung die schwere Flügeltür auf, die in die Eingangshalle des Auktionshauses führt.

»Ein Freund von dir?«, hakt Matteo nach.

»Ja«, erwidere ich knapp. Das hatte ich ihm in Rom schon gesagt. Doch damit gibt er sich nicht zufrieden.

»Ein Freund oder dein Freund?«

Ich bleibe stehen, lasse die Tür wieder zufallen und begegne seinem Blick, in dem jetzt ein misstrauischer Ausdruck liegt, den ich ziemlich unangebracht finde. Schließlich sind wir nicht zusammen – nicht mehr jedenfalls –, also bin ich ihm auch keine Rechenschaft schuldig.

»Ein Freund«, antworte ich trotzdem.

»Und woher kennst du ihn?«

Allmählich hat das Ganze etwas von einem Verhör. »Ist das wichtig?«

»Ist es ein Geheimnis?«

Er sieht mich so durchdringend an, dass ich für einen Moment glaube, dass er eifersüchtig ist. Aber da ist auch noch etwas anderes in seinem Blick – etwas Abwehrendes, Hartes, das mich schlucken lässt.

»Nein, ist es nicht«, verteidige ich mich, obwohl er eigentlich gar kein Recht hat, mich anzuklagen. »Ich kenne ihn von früher. Nigels Vater Rupert war sehr gut mit Dad befreundet. Nach seinem Tod hatten wir Nigel aus den Augen verloren. Aber vor einiger Zeit habe ich ihn wiedergetroffen, und seitdem sind wir wieder eng befreundet.«

»Ist er auch Kunsthändler?«

»Nein, er ist Banker. Aber er tut trotzdem viel für uns – was Dad und ich sehr zu schätzen wissen.«

Matteo hebt die Brauen. »Ein selbstloser Banker. Interessant«, sagt er mit einem eindeutig sarkastischen Unterton, und irgendwie fühle ich mich ein bisschen ertappt. Denn dass Nigel unsere Beziehung durchaus nicht nur freundschaftlich sieht und mehr daraus werden lassen möchte, ist mir bewusst. Aber das will ich nicht ausgerechnet mit dem Mann diskutieren, mit dem ich in Rom den heißesten Sex meines Lebens hatte. Deshalb ignoriere ich Matteos Bemerkung und drücke ein weiteres Mal die Flügeltür am Eingang auf, flüchte mich in das große Foyer, das dahinter liegt.

»Wir müssen hier entlang«, erkläre ich, damit er nicht auf die Idee kommt, mir noch mehr Fragen zu stellen, und halte auf die Tür zu, die in den Bürotrakt führt. Dort vermute ich Dad und Nigel, und ihre Stimmen dringen tatsächlich aus Dads Büro, dessen Tür einen Spalt aufsteht. Die beiden sind so in ihr Gespräch vertieft, dass sie überrascht aufblicken, als ich die Tür ganz öffne und den kleinen Raum betrete.

»Sophie! Endlich!«, ruft Dad und springt von seinem Stuhl auf. Er umarmt mich fest, und ich schmiege meine Wange an den vertrauten rauen Tweedstoff seines Anzugs.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so lange aus London weg war – in den letzten Jahren ging das wegen Mums Krankheit höchstens mal für ein paar Tage oder eine Woche, und als ich ihn jetzt betrachte, fällt mir auf, dass seine schwarzen Haare an den Schläfen sehr grau geworden sind. Obwohl die Sache mit dem Enzo sicher ein Schlag für ihn war, kann das nicht über Nacht passiert sein. Also liegt es wohl am ungewohnten Abstand, den ich nach den Wochen in Rom zu allem hier habe, dass ich das plötzlich wahrnehme. Was sofort mein schlechtes Gewissen zurückbringt, weil ich ihn für Wochen mit allem allein gelassen habe.

Nigel, der im Besuchersessel auf der anderen Seite des Schreibtisches saß, hat sich ebenfalls erhoben, und als er auf mich zutritt, um mich zu begrüßen, stelle ich fest, dass ich auch ihn nach der aufregenden Zeit in Rom anders sehe. Distanzierter. Aber irgendwie auch objektiver.

Wobei das Ergebnis für ihn gar nicht schlecht ausfällt, denke ich, fast ein bisschen erstaunt. Er ist Mitte dreißig, also etwas älter als Matteo, aber genauso groß, und sieht in seinem dunklen Anzug sehr distinguiert aus. Der selbstbewusste Charme, der Matteo so anziehend macht, fehlt ihm zwar, aber mit seinen dunklen Haaren und den grauen Augen ist er dennoch attraktiv, strahlt etwas Beständiges, Sicheres aus, das mir immer sehr gefallen hat.

»Schön, dass du wieder da bist, Sophie«, sagt er, und ich lasse mich auch von ihm umarmen, gebe ihm einen schnellen Kuss auf die Wange, bevor ich mich Matteo zuwende, der hinter mir in das kleine Zimmer getreten ist.

»Darf ich vorstellen«, erkläre ich nervös. »Das ist Matteo Bertani – und das sind mein Vater und Nigel Hamilton.«

Die Männer schütteln sich die Hand, doch die Atmosphäre im Raum ist mit einem Mal sehr steif – was nicht an Matteo liegt, der unbefangen lächelt. Dad und Nigel wirken dagegen ziemlich irritiert, offenbar entspricht Matteo so gar nicht dem Bild, das sie sich von dem Kunstexperten gemacht haben, der das Auktionshaus retten soll. Falls sie einen introvertierten Wissenschaftler erwartet hatten, dann kann ich ihre Überraschung sogar verstehen. Matteo ist vieles, aber ganz sicher nicht unauffällig. Mit seiner Statur und seinem Aussehen könnte er genauso gut ein Modell aus einem der Bertani-Kataloge sein, in denen das international bekannte Design-Label seiner Familie seine exklusiven Produkte präsentiert.

Nigel scheint das richtig zu stören, denn er betrachtet Matteo mit gerunzelter Stirn, während Dad nur überrascht ist. Er fängt sich jedoch sofort wieder, wahrscheinlich, weil ihm wieder einfällt, welche wichtige Rolle Matteo für die Zukunft unseres Geschäfts spielt.

»Signore Bertani, wie schön, dass Sie extra den weiten Weg hierher gefunden haben! Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet«, betont er.

»Noch habe ich nichts getan, für das Sie sich bedanken müssten«, erwidert Matteo, und ich höre trotz seines Lächelns die Warnung in seiner Stimme, erkenne sie in seinem Blick, der jetzt auf mich gerichtet ist. Er ist unbestechlich und wird seine ehrliche Meinung zu dem Gemälde sagen – auch wenn es tatsächlich nicht von Enzo stammen sollte.

»Dennoch«, beharrt Dad, dem diese Zwischentöne entgehen. Oder vielleicht ignoriert er sie auch absichtlich. »Es ist eine Erleichterung für uns, dass Sie zugestimmt haben, die Expertise für uns zu übernehmen.«

»So etwas tue ich tatsächlich selten«, bestätigt ihm Matteo, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen, und mir läuft ein Schauer über den Rücken, weil in seinem Blick plötzlich etwas liegt, das ich darin während der gesamten Fahrt nicht gesehen habe – ein herausforderndes Funkeln, das mein Herz schneller schlagen lässt.

»Das müssen Sie ja auch nicht, oder?« Nigel lächelt zwar, als er das sagt, doch es erreicht seine Augen nicht. »Wie ich hörte, ist Ihre Familie sehr vermögend.«

Seine Stimme klingt aggressiv, fast anklagend, und ich werfe ihm einen erstaunten Blick zu. Es stimmt, die Bertanis sind mit ihrem Design-Konzern weltweit erfolgreich, und natürlich ist Matteo deshalb finanziell unabhängig. Aber Nigel lässt es so klingen, als wäre die Tatsache, dass er trotzdem der Tätigkeit nachgeht, die ihm am Herzen liegt, irgendwie anrüchig. Dabei zeigt das doch nur, mit welcher Passion Matteo seine kunstgeschichtlichen Forschungen betreibt, und das spiegelt sich auch in der Anerkennung, die er sich vor allem in seinem Fachgebiet – den Werken des Renaissance-Malers Enzo di Montagna – in recht kurzer Zeit erworben hat.

Matteo wirkt jedoch nicht verärgert, sondern mustert Nigel mit einem leichten Lächeln, das fast schon etwas Herablassendes hat.

»Nein, das müsste ich nicht.«

»Und warum tun Sie es dann?« In Nigels Augen liegt jetzt ein herausforderndes Funkeln, das Matteo nicht entgehen kann. Tut es auch nicht, denn ich sehe, dass auf seiner Wange ein Muskel zuckt, obwohl immer noch ein Lächeln auf seinen Lippen liegt. Er vertieft es sogar noch, und dreht den Kopf zu mir, hält meinen Blick fest.

»Weil es Menschen gibt, für die es sich lohnt, eine Ausnahme zu machen«, sagt er dann und legt leicht den Arm um mich, sodass seine Hand auf meiner Hüfte ruht.

2

Nigel starrt mich wie gebannt an, scheint nicht fassen zu können, was er sieht, und Dad räuspert sich mehrfach, was er immer tut, wenn ihn eine Situation überfordert.

Das nehme ich jedoch nur am Rande wahr, denn ich bin selbst völlig perplex, spüre Matteos leichte Berührung Rücken und versinke dann in seinen Bernstein-Augen, in denen jetzt ein ganz anderer Ausdruck liegt. Einer, der mir den Atem nimmt …

»Nun, dann ist es wirklich ein Glück, dass Sophie es geschafft hat, Sie zu überreden«, sagt Dad und reißt mich – endlich – aus meiner Erstarrung. Hastig trete ich einen Schritt zur Seite und fühle, wie meine Wangen heiß werden.

»Konntest du eigentlich diesen Bildband auftreiben, den ich dir am Telefon genannt hatte?«, frage ich meinen Vater hastig, und er reagiert sofort – worauf ich spekuliert hatte.

»Ja, natürlich.« Er dreht sich zu seinem Schreibtisch um und deutet auf ein großes, schweres Buch, das dort am Rand bereit liegt. »Es müsste genau das sein, was Signore Bertani haben wollte.«

Das weckt Matteos Interesse. »Darf ich es mir ansehen?«

»Bitte.« Mein Vater nickt auffordernd, und als Matteo an den Schreibtisch tritt, erkenne ich an dem Leuchten in seinen Augen sofort, dass es das richtige Buch ist.

»Ja, das habe ich gemeint«, stellt er zufrieden fest und blättert kurz darin.

Er braucht diese besonders seltene Ausgabe als Referenz für die Expertise und wusste zum Glück, dass die British Library hier in London ein Exemplar besitzt. Deshalb hatte ich Dad beauftragt, es schon mal zu beschaffen.

»Benötigen Sie sonst noch irgendetwas?«, erkundigt sich Dad, doch Matteo schüttelt den Kopf.

»Nein, vielen Dank. Ich habe einiges aus Rom mitgebracht, und falls ich sonst noch etwas brauche, kümmere ich mich darum.«

Und vermutlich kriegt er dann auch, was er will, denke ich, denn bei unserem überstürzten Aufbruch in Rom habe ich live erleben können, wie effektiv er sein kann, wenn er etwas organisiert. Ich hatte meinen Koffer, den ich in Rom am Flughafen schon eingecheckt hatte, in Rekordzeit wieder zurück. Und das lag nicht an dem Geld, das er für solche »Gefallen« zahlen kann, sondern eindeutig daran, dass die Damen vom Bodenpersonal seinem Charme nicht widerstehen konnten. Wenn er das immer so macht, kann ich mir nicht vorstellen, dass er Schwierigkeiten haben wird, an die Dinge zu kommen, die er für die Expertise benötigt.

»Wie lange werden Sie für die Begutachtung brauchen, was denken Sie?«, erkundigt sich Dad, und ich spüre seine Anspannung. Die Situation belastet ihn, und er möchte das alles möglichst schnell aus der Welt geschafft haben.

Matteo zuckt mit den Schultern. »Ich weiß es nicht, das kommt ganz darauf an. Aber einige Tage wird es schon dauern.«

Wenn wir Glück haben, denke ich beklommen. Normalerweise ist das Erstellen einer Expertise schon deshalb sehr aufwändig, weil es mit der genauen Untersuchung und Einschätzung des Werkes nicht getan ist. Auch der Weg des Bildes muss möglichst lückenlos zurückverfolgt und mit den entsprechenden Dokumenten belegt werden. Bei einem so alten Gemälde wie dem Enzo kann das schwierig sein, und wir können tatsächlich nur hoffen, dass Matteo es schnell genug schafft, bevor das Gerücht die Runde macht, dass wir Bilder als Originale anbieten, die keine sind – eine absolute Katastrophe für unser Auktionshaus.

»Wir sollten uns besser wieder auf den Weg machen«, dränge ich, weil ich es plötzlich eilig habe, und blicke bedeutungsvoll zu der antiken Uhr, die über Dads Bürotür hängt. »Matteo will sich bestimmt noch ausruhen, bevor wir nachher zu Lord Ashbury fahren, und ich wollte kurz nach Mum sehen.«

»Sie wartet auch schon auf dich«, bestätigt mir mein Vater, was mein schlechtes Gewissen wegen meiner langen Abwesenheit noch verstärkt.

Ich kann einfach nicht weg aus London, denke ich und blicke einen Moment lang auf den Boden, fühle wieder dieses Gewicht, das oft auf meinen Schultern lastet. Ganz egal, was ich tue – mein Leben findet hier statt und nicht in Rom oder irgendwo sonst. Ich würde mir etwas vormachen, wenn ich glaube, dass es eine Alternative gibt.

Als ich den Kopf wieder hebe, begegne ich Nigels Blick, der mich ernst und fast streng ansieht.

»Könnte ich dich unter vier Augen sprechen, Sophie?«

Das hat mir gerade noch gefehlt. Trotzdem schlucke ich das Nein herunter, das mir auf der Zunge liegt, und lächle ein bisschen – er kann schließlich nichts dafür, dass ich gerade so angespannt bin.

»Natürlich.«

Mein Vater und Matteo, die schon auf dem Weg zur Tür waren, sind stehengeblieben, doch Dad findet offenbar auch, dass Nigel und ich etwas zu klären haben.

»Kommen Sie, ich zeige Ihnen noch kurz unsere Ausstellungshalle«, bietet er Matteo an, dem nichts anderes übrig bleibt, als Dad zu folgen. Er tut es jedoch nur zögernd und sieht über die Schulter zu mir zurück, bevor sich die Tür hinter ihm schließt.

»Du nennst ihn beim Vornamen? Und er … darf dich anfassen?«, fragt Nigel, sobald wir allein sind, und sieht mich wieder so vorwurfsvoll an, wie er eben geklungen hat. Vorwurfsvoll und enttäuscht. Eifersüchtig.

Was mich betroffen macht. Irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, dass seine Gefühle für mich eher rational begründet sind. Dass er mich schätzt und in mir eine Partnerin sieht, die grundsätzlich gut in sein Leben passen würde. Eine so heftige Reaktion hätte ich deshalb nicht von ihm erwartet – und im Grunde verärgert sie mich auch, weil sie ihm nicht zusteht. Er hat zwar viel für mich und meinen Vater getan, und dadurch ist unsere Freundschaft im letzten Jahr sehr eng geworden. Doch es war trotzdem niemals mehr als Freundschaft, deshalb bin ich ihm keine Rechenschaft schuldig.

»Wir haben uns in Rom näher kennengelernt, ja«, erkläre ich. »Wäre das nicht so, dann hätte er die Expertise wahrscheinlich nicht übernommen – und wo wären wir dann?« Nigels aufgebrachter Blick ändert sich nicht, und er ist mir unangenehm, deshalb wechsle ich das Thema. »Hat Lord Ashbury sich an die Verabredung gehalten und noch nichts an die Presse gegeben?« Diese Frage finde ich sehr viel wichtiger als die, wie nahe ich Matteo stehe.

Nigel nickt. »Aber er wartet schon sehr ungeduldig auf den Wunder-Professor aus Italien«, sagt er, immer noch ziemlich gereizt. »Wenn dieser Bertani auch mal eine Ausnahme hätte machen können, was das Fliegen angeht, dann wäre dieser Spuk vielleicht schon längst vorbei. Aber nein, er musste ja mit dem Auto anreisen und das Ganze unnötig verzögern.«

Das kann ich auf keinen Fall so stehen lassen.

»In zwei Tagen ist so eine Expertise nicht zu schaffen, Nigel. Selbst wenn er direkt angefangen hätte, wäre er jetzt noch nicht fertig. Und wenn deine Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen wäre, würdest du vielleicht auch nicht mehr so gerne fliegen.«

Betroffen sieht Nigel mich an. »Ist ihm das passiert?«

Ich nicke und spüre einen schmerzhaften Stich. Denn dass Matteo keinen Flieger mehr betritt, hat mir noch mal vor Augen geführt, wie sehr ihn der Tod seiner Frau Giulia immer noch belasten muss. Sie stürzte vor sechs Jahren zusammen mit ihrem Fluglehrer in einer kleinen Sportmaschine ins Meer und kam dabei ums Leben. Er redet nie darüber, genauso wenig wie über den Unfall, bei dem er sich ungefähr zur gleichen Zeit diese furchtbare Narbe auf der Brust zugezogen hat. Aber beides hat etwas damit zu tun, dass er – abgesehen von seiner Familie – niemanden mehr wirklich an sich heranlässt. Ich hätte dieses Geheimnis gerne ergründet, aber ich fürchte, dazu werde ich keine Gelegenheit mehr haben.

»Das tut mir leid für ihn«, sagt Nigel, dessen anfängliche Betroffenheit jedoch schon wieder verschwunden ist. »Aber dann wäre er vielleicht besser in Italien geblieben. Es gibt schließlich genügend andere Kunstexperten, die sich auch mit Enzo-Gemälden auskennen und bereit sind, nach London zu fliegen, wenn sie gebraucht werden.«

»Aber Lord Ashbury akzeptiert nur Matteos Meinung, das weißt du doch«, erinnere ich ihn. »Was ich übrigens verstehen kann – er ist definitiv der Beste auf diesem Gebiet.«

Nigels Miene wird noch finsterer. »Du magst diesen Bertani ja wirklich sehr.«

Er sagt es zwar ruhig – Ausbrüche in irgendeiner Form sind einfach nicht seine Art –, aber es klingt dennoch wie eine Anklage, drängt mich in eine Ecke, in der ich gar nicht stehen will.

»Matteo hilft uns, obwohl er das – worauf du vorhin zu Recht hingewiesen hast – nicht müsste. Ich habe also keinen Grund, ihn nicht zu mögen«, erkläre ich Nigel kühl und mache aus meiner Verärgerung keinen Hehl. Was ihn – endlich – einlenken lässt.

»Entschuldige.« Er tritt einen Schritt auf mich zu und streicht mit den Händen über meine Oberarme, sieht mich zerknirscht an. »Du hast natürlich recht. Wir sollten froh sein, dass er sich die Zeit für die Expertise genommen hat. Ich schätze, ich bin einfach ein bisschen eifersüchtig. Du warst so lange weg, und jetzt, wo ich dich endlich wiederhabe, muss ich dich schon wieder teilen.«

Er lächelt sein altvertrautes Lächeln, das mir schon durch so viele stressige Tage geholfen hat, und für einen kurzen, verzweifelten Moment wünschte ich, dass alles wieder so sein könnte wie vor meiner Reise nach Rom. Einfach. Überschaubar. Berechenbar.

Aber ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, denke ich mit einem Kloß im Hals. Bevor ich Matteo traf, hätte ich mir durchaus vorstellen können, dass aus Nigel und mir mal ein Paar wird. Er ist eigentlich der ideale Mann für mich, weil er so verlässlich ist in allem, was er tut. Bei ihm weiß ich immer, woran ich bin – und ich dachte, dass ich das brauche. Doch es ist einfach nicht mehr da, dieses angenehme, sichere Gefühl, das ich in seiner Nähe sonst empfunden habe. Stattdessen stört es mich, dass er auf einmal solche Besitzansprüche an mich stellt.

»Sehen wir uns heute Abend?« Seine Stimme klingt hoffnungsvoll. »Ich reserviere uns einen Tisch im ›Oyster’s‹, so wie immer, ja?«

Ich schüttele den Kopf. »Nein, lieber nicht. Ich weiß nicht, wie lange es bei Lord Ashbury dauert. Und außerdem bin ich nach der langen Fahrt wirklich müde.« Weshalb ich seine Frage auch ein kleines bisschen unsensibel finde.

»Schade«, sagt er niedergeschlagen, und plötzlich will ich nur noch flüchten aus dieser merkwürdigen Situation. Demonstrativ sehe ich auf die Uhr.

»Wir müssen wirklich weiter, sonst wird das alles zu knapp«, sage ich und hoffe, dass Nigel mich diesmal nicht aufhält. Tut er auch nicht, sondern folgt mir in den Flur.

Dad und Matteo stehen in der Eingangshalle, haben ihren Rundgang also offenbar beendet, und Matteo lächelt gerade über etwas, das mein Vater sagt. Was mich auf eine merkwürdige Weise berührt, vielleicht, weil ich ihn mir hier, in dieser Umgebung, nie wirklich vorstellen konnte. Ich dachte, er würde niemals Teil meines Londoner Alltags sein, und es ist ein bisschen schwer zu begreifen, dass er es jetzt ist – zumindest für eine Zeitlang.

»Wollen wir dann?«, frage ich, als wir die beiden erreichen, was Matteo die Brauen heben lässt.

»Ich warte nur auf dich«, erklärt er und bringt mich mit einem weiteren charmanten Lächeln in Verlegenheit.

Kann er sich nicht einfach weiter so distanziert verhalten, wie er es auf der Fahrt getan hat? Das war zwar schmerzhaft, aber damit konnte ich umgehen. Doch wenn er mich so anstrahlt, dann gerät alles wieder durcheinander, was ich gerade mühsam geordnet hatte. Was gar nicht gut ist.

»Eigentlich kann ich dich auch nach Hause bringen«, bietet Nigel mir unvermittelt an, fast so, als hätte er meine Gedanken gelesen. »Ich komme auf dem Weg zur Bank ohnehin bei dir vorbei. Dann muss Signore Bertani nicht extra noch einen Umweg fahren.«

»Das ist kein Problem«, sagt Matteo sofort und mit entschiedener Stimme, und als wir ihn alle überrascht anblicken, zuckt er mit den Schultern. »Sonst müssten wir das Gepäck umladen – und das lohnt sich doch nicht.« Ein pragmatisches Argument, aber das Funkeln in seinen Augen verrät mir, dass es auch etwas damit zu tun hat, dass er nicht will, dass Nigel mich bringt.

»Er hat recht«, erkläre ich Nigel, der Matteos Blick ziemlich eisig erwidert, und lege meine Hand auf seinen Arm, sehe ihn bittend an. Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, ist, dass die beiden sich streiten.

Zum Glück erkennt Nigel das und lässt das Thema fallen. Begeistert ist er jedoch nicht darüber, dass er Matteo das Feld überlassen muss, und auch mein Vater, der das alles sehr genau beobachtet hat, blickt jetzt stirnrunzelnd zwischen mir, Matteo und Nigel hin und her.

»Wir sehen uns dann morgen«, sage ich zu Dad und umarme ihn noch mal zum Abschied. Das tue ich auch bei Nigel, aber flüchtiger, dann gehe ich mit Matteo zügig in Richtung Ausgang, der mir wieder die Hand leicht in den Rücken legt.

Dad und Nigel folgen uns noch bis zum Auto. Das Verdeck des Cabrios war bis jetzt geschlossen, doch Matteo lässt es zurückfahren, weil der Himmel sich aufgeklart hat und die Juni-Sonne ziemlich warm scheint.

»Du meldest dich sofort, wenn es etwas Neues gibt, ja, Sophie?«, ruft Dad mir zu, als Matteo schon zurücksetzt und wendet, und ich verspreche es ihm, winke den beiden noch mal. Dann fädelt Matteo sich, nachdem ich ihm kurz den Weg zu mir erklärt habe, wieder in den dichten Verkehr auf der King’s Road ein.

»Warum hast du das gemacht?«, frage ich ein bisschen ungehalten. »Wieso hast du es eben in Dads Büro so klingen lassen, als hätten wir etwas miteinander?«

Matteo wirft mir einen kurzen Blick zu und zieht den Mundwinkel nach oben. »Wir hatten etwas miteinander, Sophie. Und ich bin deinetwegen hier – das war nicht gelogen«, entgegnet er ungerührt, was mir komplett den Wind aus den Segeln nimmt. Soll das heißen, er will unsere Affäre wieder aufnehmen? Und will ich das, falls es so ist?

»Ich wünschte trotzdem, du hättest das etwas anders formuliert«, beharre ich, was mir einen weiteren Blick von ihm einträgt, den ich nicht deuten kann. Es schwingt jedoch definitiv etwas darin mit, das mich sehr nervös macht, deshalb starre ich für den Rest der Fahrt durch das Seitenfenster.

Zum Glück ist es nicht weit bis nach Lennox Gardens, eigentlich nur ein paar Straßen, und weil Matteo natürlich zügig fährt – um nicht zu sagen rasant; in dieser Hinsicht merkt man ihm den temperamentvollen Italiener wirklich an –, dauert es nur wenige Minuten, bis wir vor den rot geklinkerten Häuserreihen ankommen, die um die hübsche Grünanlage herum liegen, nach der die Straße benannt ist.

»Hier ist es.« Ich deute auf die richtige Hausnummer – die hohen, zweistöckigen Häuser mit den vielen hübschen Erkern bilden eine geschlossene Front, und die Eingänge ähneln sich sehr. Eigentlich unterscheiden sie sich nur durch die Art, wie die schmiedeeisernen Zäune vor den Abgängen in das Kellergeschoss und die Haustüren angestrichen sind.

Matteo parkt ein Stück weiter die Straße hoch in einer freien Parkbucht und holt meinen Koffer aus dem Wagen.

»Du brauchst ihn mir nicht reinzutragen«, sage ich und will ihm den Koffer abnehmen, doch er gibt ihn mir nicht, sieht mich nur an, als hätte ich den Verstand verloren. Offenbar kommt es für ihn überhaupt nicht in Frage, mich mein Gepäck alleine tragen zu lassen, und mir bleibt nichts anderes übrig, als ihm den Weg zu zeigen.

»Der Koffer hat übrigens Rollen, man kann ihn ziehen«, sage ich ein bisschen gereizt, weil Matteo ihn trägt, anstatt das zu tun, wofür die vier runden Dinger darunter erfunden wurden, und weil es mich gegen meinen Willen beeindruckt, wie wenig ihn das Gewicht zu stören scheint – so leicht ist der Koffer nämlich nicht. Aber mich hat er ja auch schon oft getragen, ohne dass es ihm etwas ausgemacht hätte, denke ich, verbiete mir die Erinnerung an das, was danach meistens passiert ist, jedoch sofort wieder. »Und ich bringe ihn sonst auch alleine ins Haus«, füge ich ein bisschen trotzig hinzu.

»Jetzt hast du dafür ja mich«, erwidert Matteo, unbeeindruckt von meinem emanzipatorischen Anflug, und grinst so unverschämt, dass mein Magen sofort wieder auf Talfahrt geht.

Ja, denke ich mit einem inneren Seufzen. Nur für wie lange …

Ohne sein Lächeln zu erwidern, öffne ich das kleine Törchen neben dem Haupteingang, wo eine Treppe hinunter in das Souterrain führt. Meine Eltern wohnen oben im Haupthaus, doch ich bin vor ein paar Jahren in die Wohnung hier unten gezogen. So bin ich für mich und kann mich trotzdem um Mum kümmern, wenn es nötig ist.

Meine Hände zittern ein bisschen, aber ich schaffe es, die Haustür gleich beim ersten Versuch aufzuschließen. Matteo folgt mir durch den Flur und an dem Treppenaufgang vorbei, der in den Bereich meiner Eltern hinaufführt, bis zu meiner Wohnungstür, die ich zum Glück auch problemlos aufbekomme.

Im Apartment riecht es nicht abgestanden, was ich wahrscheinlich Jane, der Haushälterin meiner Eltern, zu verdanken habe. Sie wird während meiner langen Abwesenheit nach dem Rechten gesehen und die Zimmer gelüftet haben, und sie hat wahrscheinlich auch die frischen Schnittblumen in die Vase auf dem Esstisch gestellt.

Aber ansonsten ist alles noch genauso, wie ich es verlassen habe: das kleine Wohnzimmer mit der offenen Küche an einer Seite und die zwei angrenzenden Zimmer, von denen ich eins als Schlaf- und eins als Arbeitszimmer nutze. Abgesehen vom Bad, der kleinen Abstellkammer und der Terrasse im Innenhof, auf die man durch das Wohnzimmerfenster blickt und die ich für mich ganz allein habe, war es das schon – die Wohnung ist nicht groß, aber für mich bietet sie genug Platz, und ich liebe sie schon deshalb, weil sie mir ein kleines Stückchen Unabhängigkeit in meinem täglichen Spagat zwischen dem Geschäft und der Betreuung meiner Mutter bietet.

Jetzt, wo Matteo im Wohnzimmer steht und allein durch seine Größe den Raum dominiert, kommt sie mir allerdings sehr klein vor. Und so empfindet er das vermutlich auch, weil er anderes gewohnt ist – er hat in Rom eine sehr große, wunderschöne Villa mitten in der Stadt, und selbst wenn Kensington zu den teuren Vierteln von London gehört, ist das hier mit der Art, wie er lebt, nicht zu vergleichen.

Doch schlimm scheint er es nicht zu finden, im Gegenteil.

»Schön hast du es hier«, sagt er und lässt den Blick anerkennend über meine Möbel gleiten – fast alles Erbstücke aus meiner Familie, die kombiniert mit modernen Accessoires eine stylische Kombination ergeben, auf die ich ziemlich stolz bin. Dass Matteo, der aus einer der berühmtesten Designer-Familien Italiens stammt, sie ebenfalls gelungen findet, freut mich sehr.

Die Auswahl an Bildern, die an der Wand hängen, scheint ihn jedoch eher zu verwundern. Es sind fast alles Werke junger, noch unbekannter Künstler, die ich so vielversprechend fand, dass ich sie gekauft habe.

»Ich wusste gar nicht, dass du so ein Faible für moderne Kunst hast.«

»Habe ich auch gar nicht – jedenfalls nicht nur«, sage ich mit einem traurigen Lächeln, weil er den Finger gleich zielsicher in die Wunde gelegt hat. »Ich musste die älteren und wertvolleren Bilder nur alle verkaufen.«

Er runzelt die Stirn. »Warum?«

»Aus den Gründen, aus denen man sich manchmal von etwas trennen muss.« Über diesen Punkt spreche ich nicht gerne, aber ein Geheimnis ist es nicht, deshalb kann er es ruhig wissen. »Wir hatten vor einiger Zeit eine schwierige Phase, in der die Geschäfte im Auktionshaus nur schleppend liefen. Deshalb brauchten wir Geld und haben einige Bilder aus unserer privaten Sammlung versteigert.«

Das ist die Kurzversion der Krise, durch die wir vor gut einem Jahr plötzlich kurz vor der Insolvenz standen. Hätte Nigel uns damals nicht geholfen, indem er dafür gesorgt hat, dass sein Bankhaus uns zu günstigen Konditionen weitere Kredite gewährt, dann gäbe es das renommierte »Conroy’s«, das bereits in der vierten Generation in Familienbesitz ist, vielleicht gar nicht mehr. Und jetzt, wo wir uns davon gerade erholt haben, könnte es schon wieder eng für uns werden …

Als ich aufblicke, sehe ich direkt in Matteos Augen, die mich aufmerksam mustern. Zu aufmerksam.

»Das ist sehr schade. Du hast sicher daran gehangen.«

In seiner Stimme schwingt echtes Mitgefühl mit, und ich muss den Blick abwenden, weil mir zu meinem Entsetzen plötzlich Tränen in den Augen brennen.

Ich vermisse die Bilder wirklich, besonders die beiden Skizzen von John William Waterhouse, die ich von meinem Großvater geerbt und immer schon sehr geliebt habe. Und mit einem Mal kommt das alles zurück, die Hilflosigkeit und die Angst, die in diesen schlimmen Monaten meine Begleiter waren. Eigentlich dachte ich, dass ich das schon hinter mir gelassen habe, aber die Wunden sind noch frisch und drohen durch die Vorwürfe, mit denen wir uns jetzt auseinandersetzen müssen, wieder aufzureißen. Ich hasse es einfach, dass ich selbst gar nichts tun kann, um die Situation zu ändern. Das war damals so und jetzt wieder, und das macht mich einfach fertig.

»So schlimm ist es nicht«, erkläre ich Matteo trotzdem und schlucke die Tränen herunter, weil ich vor ihm auf gar keinen Fall weinen will. Mein Lächeln ist jedoch offenbar zu gequält, als dass er mir glauben würde, und in seinen Augen liegt weiter dieser verstörend verständnisvolle Ausdruck. So als würde er mich gerne in den Arm nehmen und trösten. Was auf gar keinen Fall geht, denke ich und leugne erschrocken, dass ich es ziemlich schön fände, wenn er das tun würde. Ich wäre gerne mal schwach. Aber das geht nicht, und schon gar nicht bei Matteo. Deshalb räuspere ich mich.

»Du solltest jetzt fahren, wenn du dich noch einrichten willst, bevor wir zu Lord Ashbury müssen.« Ich versuche, vernünftig zu sein und ihm nicht zu tief in die Augen zu blicken. Was gar nicht so leicht ist. »Soll ich …«, ich schlucke, habe meine Stimme dann jedoch wieder im Griff, »… dir erklären, wie du von hier am besten zurück nach Chelsea kommst?«

Ein Lächeln erscheint auf seinen Lippen.

»Nicht nötig, dafür habe ich ja das Navi.« Er beugt sich noch ein bisschen weiter zu mir. »Außerdem muss die Stadt, in der ich mich nicht zurechtfinde, erst noch gebaut werden. Ich gehe dir also nicht verloren.«

Wie gebannt starre ich auf seinen Mund, der meinem plötzlich ganz nah ist, und möchte ihn küssen. Ich möchte das sogar so sehr, dass ich hastig einen Schritt zurücktrete.

»Das … ist gut. Ich brauche dich nämlich«, sage ich und bereue es sofort, als sein Lächeln sich vertieft und dieses sexy Grübchen auf seiner Wange erscheint, das ich ziemlich unwiderstehlich finde. Herrgott, Sophie, was redest du denn da? »Für … die Expertise«, schiebe ich schnell noch nach.

»Nur dafür?«, sagt er rau, und seine Bernstein-Augen funkeln so verführerisch, dass ich für eine Sekunde dem Gefühl nachgeben möchte, das mich zu ihm hinzieht. Doch dann habe ich plötzlich Angst davor, mich noch mal fallen zu lassen. Ich will ihn, wirklich. Aber was, wenn ich dann wieder auf diese Mauer treffe, die er um sich gezogen hat und an der er offenbar keine Frau mehr vorbeilässt. Das ist alles, was du bekommen kannst, hat er gesagt. Eine Affäre. Sex. Und das reicht mir nicht. Noch zu keinem Mann habe ich mich jemals so hingezogen gefühlt wie zu ihm. Er ist wie eine Droge, nach der ich süchtig werden könnte, und deshalb muss ich vernünftig sein und lieber ganz verzichten. Weil ich ihn nicht bekommen kann. Nicht ganz. Nicht für immer. Und nur ein bisschen zerstört mich vielleicht.

»Matteo, ich …«

Mein Handy klingelt plötzlich in meiner Handtasche, die ich auf dem zierlichen Chesterfield-Sessel abgestellt habe, und rettet mich.

Hastig will ich mich an ihm vorbeischieben, doch Matteo kommt mir zuvor, dreht sich um und geht mit langen Schritten zur Tür. Offenbar hat er nicht vor, mir beim Telefonieren zuzuhören.

»Ich mache mich auf den Weg.« Sein Lächeln ist knapp und ein bisschen schief. »Reicht es, wenn ich dich um vier Uhr wieder abhole?« Er wartet mein Nicken noch ab, dann ist er durch die Tür und hat sie hinter sich wieder geschlossen.

Jetzt laufe ich doch zum Sessel und hole mein Handy heraus, das immer noch unerbittlich den Klingelton abspielt.

Es ist meine Freundin Sarah.

»Ich habe gerade mit deinem Vater telefoniert. Dann hast du ihn also tatsächlich mitgebracht?«, ruft sie aufgeregt, als ich mich melde. »Ich dachte, er wollte die Expertise nicht übernehmen.«

Sie kennt Matteo, weil sie vor zwei Jahren mal eine Weile in Rom Kunstgeschichte studiert und an einigen seiner Kurse an der Uni teilgenommen hat. Und sie weiß auch als einzige, dass Matteo und ich uns sehr nahegekommen sind.

»Er hat es sich anders überlegt«, erkläre ich ihr, was sie hörbar freut.

»Hah, wusste ich es doch. Du bedeutest ihm mehr, als er zugeben will.«

»Das glaube ich nicht«, widerspreche ich ihr. »Und deswegen ist er auch nicht hier.«

»Ach nein? Warum denn dann? Weil der Auftrag so lukrativ ist?« Sie klingt amüsiert. »Matteo Bertani gehört zu einer der reichsten Familien Italiens, Sophie, also erzähl mir nicht, dass er nur wegen dieser Expertise quer durch Europa gereist ist«, sagt sie, was Hoffnung in mir weckt, obwohl ich mir das lieber verbieten würde. Aber Hoffnung auf was?, denke ich dann. Ist das, was ich mir wünsche, mit Matteo überhaupt möglich?

Sarah ist schon beim nächsten Punkt, der sie interessiert. »Wo wohnt er denn? Bei dir?«

»Nein, natürlich nicht – er zieht so lange zu seiner Mutter nach Chelsea«, erwidere ich.

Das hat mich ehrlich gewundert, als ich es erfahren habe, denn eigentlich dachte ich, dass Matteo überhaupt keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter hat, die gebürtige Engländerin ist. Sie verließ die Familie, als Matteo noch jung war, und ließ ihre drei Söhne in Italien zurück. Matteo scheint ihr das jedoch vergeben zu haben, denn er klang liebevoll, als er sie auf der Fahrt erwähnt hat. Und sonst würde er ja auch wohl kaum während seines Aufenthalts in London bei ihr wohnen wollen.

»Und wie lange bleibt er?«, will Sarah wissen.

»Nur so lange, bis die Expertise fertig ist.« Ich seufze, weil sie so enthusiastisch klingt. »Sarah, aus Matteo und mir wird kein Paar. Das würde niemals funktionieren, dafür sind wir viel zu verschieden. Ganz abgesehen davon, dass er das auch gar nicht will.«

Sarah lächelt, das höre ich ihrer Stimme an. »Na, ein bisschen Zeit bleibt dir ja noch, um herauszufinden, ob das tatsächlich stimmt.«

Als wir aufgelegt haben, lasse ich mich erschöpft in den Sessel sinken und starre aus dem Fenster auf den kleinen Innenhof mit den bepflanzten Blumenkübeln.

Weil ich einfach nicht mehr weiß, wie ich mich fühlen soll. Als Matteo mir auf dem Flughafen in Rom eröffnet hat, dass er doch mit nach London kommt, war ich glücklich. Wegen der Hilfe, die wir so dringend von ihm brauchen, aber auch, weil ich ihn noch nicht gehen lassen musste. Aber seitdem ist auch die Angst zurückgekehrt, die Angst, dass er mir noch viel schlimmer wehtun könnte, als er es schon getan hat. Ich hätte ihn gerade fast wieder geküsst, und meine Knie werden ganz weich, wenn ich nur daran denke. Doch was, wenn ich diesem Gefühl nachgebe? Was soll ich tun, wenn er dann wieder geht und ich feststelle, dass er mein Leben so durcheinandergebracht hat, dass ich die Teile nicht mehr zusammensetzen kann, wie sie waren?

Ein Klopfen an meiner Wohnungstür reißt mich aus meinen Gedanken, und sofort schlägt mein Herz schneller, weil ich denke, dass Matteo noch mal zurückgekommen ist. Doch als ich die Tür aufmache, steht nicht er davor, sondern meine Mum.

»Hallo, Sophie«, sagt sie und umarmt mich, geht dann an mir vorbei in die Wohnung.

Sie sieht schick aus, trägt ein hellblaues Kostüm, und auch ihre blonden Haare liegen sehr schön, fast so, als wenn sie noch etwas vorhätte. Der Schnitt ist neu und etwas kürzer als vorher, und das steht ihr gut, lässt sie jünger wirken als vierundfünfzig. Doch mir fällt vor allem auf, wie ausgeglichen sie wirkt. Ihre Bewegungen, ihre Blicke – bilde ich mir das ein oder ist sie tatsächlich ganz entspannt?

Mit gerunzelter Stirn suche ich in ihrem Gesicht nach den üblichen Anzeichen dafür, dass sie wieder einen ihrer manischen Schübe hat.

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