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Collection No. X – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses E-Book
  3. Über die Autorinnen
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Liebeskünste
  7. Verbotener Tanz
  8. Gefährliche Verführung

Lust auf Liebe – Shadows of Love, die erotische Liebesromanserie: in sich abgeschlossene Geschichten mit vielen Höhepunkten und Happy-Endings. Junge Frauen treffen auf mächtige Männer, die sie emotional und erotisch in ihren Bann ziehen. Doch die Männer haben dunkle Geheimnisse …

Über diese Folge

Cara Bach »Liebeskünste«:

Die unerfahrene Galeristin Gina Theiß erhält ihren ersten großen Auftrag: Sie kann mit dem bekannten Maler Roman Hagen zusammenarbeiten. Doch Roman führt Gina nicht nur in die Kunst der Malerei ein …

July Cullen »Verbotener Tanz«:

Die junge Balletttänzerin Élaine bewirbt sich um einen von fünf Plätzen im Ensemble der „Bluebell Girls“, dem legendären Damenballett des Pariser Lido. Sie gibt sich dem künstlerischen Leiter und Trainingspartner, Maximilien de Saint-Verrier, jedoch nicht nur tänzerisch hin …

Astrid Pfister »Gefährliche Verführung«:

Natascha Winter, die neue Pflegedienstleistung in einem großen Dortmunder Krankenhaus, beobachtet heimlich den Krankenpfleger Marco Bachmann: Sie verdächtigt ihn des Medikamentendiebstahls. Und auch ihr Herz hat er bereits gestohlen …

Die einzelnen Episoden erscheinen jeden Monat neu, als Romanheft und E-Book. Für alle Fans von »Colours of Love«.

Über die Autorinnen

Cara Bach hat vor einigen Jahren in Bayern den Ort gefunden, an dem sie ihrer heimlichen Leidenschaft, dem Schreiben, ungestört nachgehen kann. Vor allem die Themen Liebe, Erotik und Abenteuer haben es der ehemaligen Weltenbummlerin und Dolmetscherin angetan. Sie nimmt die Leser ihrer Geschichten stets aufs Neue mit ins Reich der Sinne und der Sinnlichkeit.

July Cullen ist das Pseudonym der Autorin Kira Licht, die bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Sie lebt, liebt und schreibt in der wunderschönen Revierstadt Bochum. Wenn sie nicht gerade liest, geht sie in ihrer Freizeit gern bummeln, ins Kino oder Theater. Als July Cullen schreibt sie erotische Romane und Novellen.

Astrid Pfister, Jahrgang 1980, lebt im Ruhrgebiet. Sie schreibt Texte verschiedener Genres, mit denen sie viele Leser anspricht. Bislang wurden zwölf Romane und über 70 ihrer Kurzgeschichten in Anthologien und Heftromanen veröffentlicht.

Cara Bach
July Cullen
Astrid Pfister

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Collection No. 2

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Cara Bach

Liebeskünste – Shadows of Love

An der Tür klingelt es Sturm. Ich schlucke eine Verwünschung hinunter, steige triefend aus der Dusche, greife nach meinem Bademantel und wickele mir schnell ein Handtuch um die nassen Haare. Erbost über die Störung reiße ich die Tür auf.

Auf der Schwelle steht meine Mutter, die Augen vom Weinen gerötet.

»Mama! Was ist passiert?«, frage ich erschrocken.

Ich lasse sie eintreten und führe sie in mein winziges Wohnzimmer. Hastig räume ich Kleidung, Bücher, Taschen, Hefte, Skizzen, Farben und Laptop beiseite, damit meine Mutter auf dem Sofa Platz nehmen kann.

Sie zerknüllt ein feuchtes Taschentuch zwischen ihren Fingern, mit dem sie sich immer wieder über die Augen fährt. »Dein Onkel Harry ist gestorben!«, schluchzt sie.

Fassungslos sinke ich auf den altersschwachen Schreibtischstuhl. »Gestorben? Wann denn, und wie? Ich wusste gar nicht, dass er krank war!«

Onkel Harry ist oder war mein Patenonkel und der Bruder meiner Mutter. Er war kinderlos, und zwischen uns bestand eine besonders innige Verbindung, denn Harry war der lustigste und beste Onkel, den eine Nichte sich wünschen kann. Immer hatte er eine Nascherei parat, wenn ich ihn als Kind besuchte; dem Teenager steckte er heimlich dann und wann einen Geldschein zu. »Fürs Kino oder für ein hübsches T-Shirt«, raunte er leise, damit meine Eltern nichts bemerkten. Stets hatte er ein offenes Ohr für meine kleinen Sorgen und großen Nöte.

Mein Name ist Gina Theiß, Kunststudentin im 7. Semester an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit meine Beziehung mit meinem Sandkastenfreund Timo vor zwei Jahren in die Brüche ging, bin ich Single und lebe ziemlich beengt in einer unordentlichen kleinen Studentenbude. Ich bin ein Einzelkind, streng erzogen und sehr behütet aufgewachsen. Umso mehr genieße ich meine hart erkämpfte Freiheit, denn es hat mich zahllose Diskussionen und noch mehr Nerven gekostet, bis mein Vater mich endlich aus unserer ländlichen Idylle in die für seinen Begriff lasterhafte Großstadt ziehen ließ. Ihm wäre es lieber gewesen, ich hätte einen »ordentlichen« Beruf gelernt, Bankkauffrau oder Erzieherin zum Beispiel, denn mit meinem Kunststudium hat er sich noch immer nicht abgefunden.

Ganz anders mein Onkel Harry. Von Anfang an hat er mich ermutigt, meinen Neigungen zu folgen, und die gingen nun einmal in Richtung Malerei und Grafik. Er ist es gewesen, der meinem Vater gut zugeredet hatte und ihn schließlich davon überzeugen konnte, dass ein Kunststudium für mich das einzig Richtige war. Onkel Harry wäre selbst gerne Künstler geworden, seine besondere Leidenschaft galt der Bildhauerei, aber ihm war ein Studium aus finanziellen Gründen verwehrt gewesen. Stattdessen betrieb er in Schwabing eine kleine Galerie, die vor allem Kunstwerke unbekannter junger Maler ausstellte und zum Kauf anbot. Große Reichtümer hat er damit nicht erworben, aber er hat sein Geschäft mit viel Liebe und noch mehr Kunstverstand betrieben, und sein Name hat in der Münchener Szene einen guten Klang. Auf jeden Fall war er ein glücklicher und zufriedener Mensch, der für seinen Beruf lebte und über einen riesigen Freundes- und Bekanntenkreis verfügte.

Ich kann nicht begreifen, dass dieser lebensfrohe, unerschütterliche Mann tot sein soll.

»Wie ist er gestorben?«, frage ich noch einmal. Als ich sehe, dass meine Mutter noch immer weint und sich gar nicht beruhigen kann, gehe ich in die Küche und schaue mich nach etwas Trinkbarem um. Es ist noch ein Rest heißes Wasser auf dem Herd, also brühe ich rasch einen Kamillentee auf.

Als ich ihn vor meiner Mutter abstelle, blickt sie mit tränenüberströmtem Gesicht auf. »Man hat ihn in seiner Galerie gefunden. Er saß in seinem alten Ohrensessel, die Zeitung auf den Knien und schien friedlich zu schlafen. Als Frau Gubitz, seine Angestellte, mittags ins Geschäft kam und ihn wecken wollte, war er schon seit Stunden tot!«

Sie schluchzt wieder in ihr Taschentuch, und auch mir steigen Tränen in die Augen. Erst nach und nach beginne ich zu begreifen, dass ich nie mehr mit ihm über Rodin, Beuys oder Moore diskutieren, nie mehr seine rauchige Stimme und sein ansteckendes Lachen hören werde, und eine maßlose Traurigkeit überkommt mich.

Ich setze mich neben meine Mutter, drücke sie an mich, und gemeinsam trauern wir um einen liebenswerten, wunderbaren Menschen, der eine unschließbare Lücke in unserem Leben hinterlässt.

Es bleibt mir und Mama überlassen, die Formalitäten zu regeln. In einer stillen Trauerfeier werden wir Abschied nehmen von einem geliebten Familienmitglied, gemeinsam mit vielen anderen Menschen, die meinen Onkel geschätzt und geachtet haben.

»Gina, hier sind die Schlüssel zu Harrys Wohnung. Wärst du bereit, morgen mit mir hinzugehen? Allein schaffe ich es nicht.«

Ich weiß, dass meine Mutter es noch nicht übers Herz gebracht hat, die Wohnung ihres verstorbenen Bruders zu betreten. Ich nehme den Schlüsselbund an mich und nicke: »Natürlich begleite ich dich, Mama. Wann sollen wir uns treffen?«

♡♡♡

Pünktlich am nächsten Morgen stehe ich vor dem Wohnhaus, in dem Onkel Harry in den letzten Jahrzehnten gelebt hat. Als meine Mutter aus dem Auto steigt, gehe ich zu ihr und hake mich bei ihr ein. Gemeinsam steigen wir die drei Stufen zu Harrys Gartenwohnung empor.

Als ich aufschließe, umfängt uns Stille und abgestandene Wärme. Der Geruch von verwelkten Blumen und alten Büchern hängt schwer in der Luft. Sofort gehe ich zur Terrassentür und öffne sie weit, um frische Luft hereinzulassen. Ich atme tief durch und sehe mich um.

Der Ordentlichste war Onkel Harry nicht; überall liegen Stapel von Büchern, Bildern, Collagen, Zeitschriften und Papieren wild durcheinander. In mehreren Vasen lassen die Blumen schon die Köpfe hängen, auf den Möbeln liegt eine Staubschicht. Plastiken, Skulpturen und Schnitzereien in allen erdenklichen Größen und Materialien nehmen jeden freien Fleck ein.

»Puh!« Bestürzt sehe ich mich um und betrachte das Chaos, das sich über alle Räume erstreckt. »Wir werden Wochen brauchen, um das hier alles zu ordnen und zu sichten!«

»Warum ist mir nie aufgefallen, wie viel Plunder Harry in den letzten Jahren angehäuft hat?« Resigniert betrachtet meine Mutter die Unordnung.

Nur zögernd machen wir uns an die Arbeit. Es ist bereits später Nachmittag, als meine Mutter, die seit geraumer Zeit vor einer hohen Vitrine kniet und einen Papierstapel nach dem anderen aus dessen Tiefen hervorholt, sich erhebt. »Mir reicht’s mit all dem Staub und Krempel; ich brauche dringend eine Tasse Kaffee und einen Imbiss«, meint sie.

Sofort stimme ich zu, denn auch meine Kehle ist ausgedörrt, und mein Magen knurrt vernehmlich.

Doch bevor ich mir die Hände wasche, werfe ich noch einen Blick auf die Papiere, die meine Mutter aus der Vitrine gezogen hat. Obenauf liegt ein großer brauner Umschlag mit meinem Namen darauf.

»Schau mal!« Ich zeige ihn meiner Mutter. »Ein Brief von Onkel Harry an mich!« Ein wenig ratlos drehe ich das Kuvert in meinen Händen hin und her.

»Mach es auf!«, ruft meine Mutter aufgeregt.

Ich öffne den Umschlag und ziehe ein an den Ecken schon leicht vergilbtes Blatt Papier heraus.

»Testament«, steht da in Großbuchstaben.

»Harry hat ein Testament hinterlassen? Ich hätte nicht gedacht, dass er so vorausschauend war …« Meine Mutter schaut mir über die Schulter und liest:

»Meine sämtlichen Bücher und Kunstgegenstände, das komplette Mobiliar sowie alle Wertsachen vermache ich meiner Nichte und Patentochter Gina Theiß. Sie soll auch mein Bargeld und meine Wertpapiere erhalten. Am meisten am Herzen liegt mir jedoch meine Galerie. Sie soll ebenfalls in die Hände meiner Nichte Gina übergehen, denn sie allein besitzt genügend Kunstverstand, um das Geschäft in meinem Sinn weiterzuführen. Alle Formalitäten sind geregelt; die nötigen Unterlagen liegen im Notariat F. Meyer.«

Mein Herz hämmert bis zum Hals, mir ist zum Weinen zumute. Onkel Harry hat mir nicht nur sein weltliches Hab und Gut hinterlassen, sondern mit diesem Erbe auch die Botschaft, dass er mich sehr geliebt hat.

»Du meine Güte! Ich wusste nicht, dass Harry über Bargeld und Wertpapiere verfügt. Was willst du denn jetzt machen, Kind?« Der Gesichtsausdruck meiner Mutter zeigt, dass sie unschlüssig ist, ob sie erschrocken oder begeistert sein soll.

»Keine Ahnung! Es kommt so überraschend. Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass er mir mal die Galerie und all seinen Besitz vererben wollte …« Meine Stimme ist rau von all den ungeweinten Tränen.

Rasch packen wir ein paar Dinge ein, die wir mitnehmen wollen, und verlassen die Wohnung. Den Umschlag mit dem Testament halte ich fest umklammert, aus Angst, er könnte abhanden kommen.

♡♡♡

Mein Vater ist überrascht und wenig begeistert.

»Du bist keine Geschäftsfrau, Gina!«, gibt er zu bedenken, und ich muss ihm insgeheim recht geben. »Zur Leitung einer Galerie gehört mehr als Kunstverstand. Vor allem braucht man eine gehörige Portion Geschäftssinn und Erfahrung! Du hast dich bisher ausschließlich mit deinem Studium beschäftigt. Hast du denn Ahnung von Steuererklärungen, Buchführung und Bilanzen?«

»Nein, aber dafür gibt’s schließlich Fachleute! Darum muss ich mich nicht selbst kümmern!«, entgegne ich trotzig.

»Ich finde, du solltest die Galerie verkaufen«, sagt mein Vater. »Der Gewinn aus dem Verkauf ermöglicht dir einen goldenen Start ins Berufsleben. Überleg es dir gut, bevor du eine übereilte Entscheidung triffst.«

Ich verstumme, doch ich weiß jetzt schon, dass ich es nicht übers Herz bringen werde, Onkel Harrys Galerie, an der er mit jeder Faser seines Herzens hing, einem Fremden zu überlassen. Mehr als alles andere hat er sich gewünscht, dass ich sein Lebenswerk fortführe, und genau das habe ich auch vor.

♡♡♡

Die nächsten Tage verbringe ich damit, den Notar aufzusuchen, mich beim Nachlassgericht um einen Erbschein zu bemühen und die Galerie in Augenschein zu nehmen.

Natürlich kenne ich dort jedes Bild und jede Statue, denn ich habe oft in dem winzigen Büro hinter dem Verkaufsraum mit Onkel Harry Tee getrunken. Allerdings habe ich die Exponate immer aus dem Blickwinkel der bewundernden Kunststudentin wahrgenommen, nie aus dem der Eigentümerin. Gibt es einen festen Kundenstamm? Hat mein Onkel viele Werke verkauft und wenn ja, an wen? Offensichtlich konnte er gut von seinen Einkünften leben.

All diese Gedanken kreisen in meinem Kopf, als ich an einem regnerischen Sommernachmittag die Tür des Ladens öffne. Ein melodiöses Klingeln kündigt meinen Besuch an. Ich schaue mich um. Im Dämmerlicht wirkt die Galerie düster, verlassen und wenig einladend. Weshalb ist mir vorher noch nie aufgefallen, wie trüb die Beleuchtung ist?

»Fräulein Theiß!« Frau Gubitz, Onkel Harrys Mitarbeiterin, kommt mir mit ausgestreckter Hand aus dem Büro entgegen. »Schön, dass Sie es einrichten konnten und Zeit für ein Treffen gefunden haben!« Herzlich schüttelt sie mir die Hand und führt mich ins Hinterzimmer. Wie üblich breitet sich dort ein kunterbuntes Chaos aus. Obwohl ich selbst keine Ordnungsfanatikerin bin, übersteigt das Durcheinander in diesem Büro sogar meine Toleranzgrenze.

Nachdem ich einen Stapel Papiere und Kataloge zur Seite geräumt habe, nehme ich auf dem abgewetzten Gobelinsessel Platz.

Frau Gubitz lässt sich hinter dem alten Eichenschreibtisch nieder. Bevor ich das Wort ergreifen kann, räuspert sie sich und streicht sich verlegen über ihre silbergrauen Locken.

»Fräulein Theiß, bevor wir mit der Übergabe beginnen, habe ich Ihnen etwas zu sagen.« Sie hält inne und überlegt einen Augenblick. »Nehmen Sie es bitte nicht persönlich, aber zukünftig werden Sie auf meine Mitarbeit verzichten müssen.« Sie atmet tief durch und schaut mich um Verständnis bittend an. »Fast fünfundzwanzig Jahre habe ich mit Ihrem Onkel zusammengearbeitet. Es war nicht immer einfach, das dürfen Sie mir glauben. Er konnte recht schwierig und eigenwillig sein, aber ich habe seine Arbeit und vor allem seine Person stets hochgeschätzt. Nun habe ich fast das Rentenalter erreicht, und ich bin der Meinung, ich sollte Platz machen und jungen Menschen ihre Chance geben. Für Sie wird es ein Neuanfang sein; eine alte Frau wie ich würde dabei nur stören!« Sie knetet ihre im Schoß liegenden Hände, und ich fühle beinahe physisch, wie schwer ihr diese Worte fallen.

Darum beuge ich mich vor und ergreife ihre Hand: »Liebe Frau Gubitz, Sie haben meinen Onkel so viele Jahre begleitet, Sie müssen nicht gehen! Ich würde mich freuen, wenn Sie und Ihre fundierten Kenntnisse der Galerie auch weiterhin erhalten blieben. Möchten Sie es sich nicht doch noch einmal überlegen?«

Doch sie schüttelt traurig den Kopf. »Nein. Die Umstellung würde mir zu schwer fallen. Sie verstehen das sicher. Aber ich bleibe gerne, bis Sie sich eingearbeitet haben. Ich zeige Ihnen alles, was Sie wissen müssen, um die Galerie in Harrys Sinn weiterzuführen«, sagt sie leise, während sich ihre Augen mit Tränen füllen.

Ich stehe auf, gehe um den Schreibtisch herum, nehme sie in den Arm und versuche sie zu trösten. »Ohne Ihre Hilfe bin ich aufgeschmissen! Es wäre gut, wenn Sie noch eine Weile bei mir blieben«, murmele ich und drücke die alte Dame an mich.

Sie schluckt, nickt und wischt sich über die Augen.

Ich rücke den Sessel an den Schreibtisch heran. Onkel Harry hat nichts von Computern gehalten; alle Aufzeichnungen sind in schön geschwungener Handschrift geschrieben und fein säuberlich in Ordnern abgeheftet. Hier erkenne ich die Arbeit von Frau Gubitz, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Onkel einen derart akribischen Schriftverkehr pflegte.

Die nächsten zwei Stunden verbringen wir gebeugt über Geschäftsunterlagen. All diese Dinge sind Neuland für mich, und ich zwinge mich zur Konzentration, denn Ablage, Buchhaltung und Bilanzen gehören nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Frau Gubitz hingegen geht ganz in ihrer Aufgabe auf. Sie erklärt, notiert Hinweise und Tipps für mich und wird nicht müde, mir endlose Zahlenkolonnen zu präsentieren. Zum Schluss zeigt sie mir die Kundenkartei, die ich flüchtig überfliege.

Schließlich erhebe ich mich mit schmerzendem Rücken und brennenden Augen. Zahlen tanzen durch meinen Kopf, und meine Kehle fühlt sich rau und trocken an.

Artig bedanke ich mich bei Frau Gubitz und verabrede mich mit ihr für den nächsten Tag. Noch längst hat sie nicht alles Wissenswerte an mich weitergegeben; es gibt noch so vieles zu besprechen. Aber für heute reicht es mir.

♡♡♡

Während ich die Straße entlangschlendere, bemerke ich mein Spiegelbild in einem der Schaufenster und stutze. Hm! Jeans, ein einfaches T-Shirt, Sneakers, die Haare zum schlichten Pferdeschwanz gebunden. Wirklich keine besonders glamouröse Aufmachung. Ob man mich in diesem Aufzug ernst nehmen wird als Galeristin? Wohl kaum. Und mein Kleiderschrank gibt nicht viel Spektakuläres her. Außer einem Sommerkleid und zwei kurzen Röcken findet sich dort nichts anderes als praktische Alltagskleidung, geeignet für den Hörsaal, aber sicher nicht für eine angesagte Kunstgalerie.

Spontan ändere ich meine Pläne und steuere einen kleinen Laden an, der für preiswerte Second-Hand-Markenkleidung bekannt ist. Durch Onkel Harrys großzügiges Erbe verfüge ich unverhofft über genügend Bargeld, um mir ein paar schöne Dinge leisten zu können.

Die Boutique liegt versteckt in einem Hinterhof, doch das Sortiment ist exklusiv. Ich staune über das umfangreiche Angebot an eleganten Abendkleidern, schicken Kostümen, Hosenanzügen, Jacken, Mänteln und sogar Trachtenmoden. Selbst Handtaschen, Schals, Seidentücher und Schuhe stapeln sich in den Regalen. Begeistert probiere ich ein Teil nach dem anderen und entscheide mich schließlich für ein tiefblaues Armani-Kostüm in der Farbe meiner Augen, einen stylischen Hosenanzug von Bogner, ein auffälliges rotes Seidenkleid, das sich wie eine zweite Haut an meinen Körper schmiegt, zwei Paar Pumps und eine modische Handtasche. Zu guter Letzt überredet mich die Verkäuferin noch zum Kauf von drei weißen Spitzenblusen, die ihrer Meinung nach hervorragend zu Kostüm und Hosenanzug passen.

Mit vier Tüten beladen verlasse ich hochzufrieden die Boutique, folge abermals einer plötzlichen Eingebung und betrete den Friseursalon im Vorderhaus. Ich bin irgendwie in Stimmung, meinen Typ komplett zu verändern, die biedere Studentin soll in eine aparte Geschäftsfrau verwandelt werden.

Skeptisch betrachtet der Friseur meinen zusammengebundenen Schopf, löst die Spange und kommentiert trocken: »Ein Pferdeschwanz ist eine Frisur für ein Pony, nicht für eine schöne junge Frau!«

Voller Elan schreitet er zur Tat. Meine Zotteln weichen einer seidigen Mähne, die weich über meine Schultern fließt. Nach nur neunzig Minuten blickt mir eine völlig veränderte Frau aus dem Spiegel entgegen, und der Friseur ist außer sich vor Begeisterung über sein Werk und meine Verwandlung.

»Ein wenig Make-up würde Ihren aparten Typ noch mehr zur Geltung bringen. Nur ein Hauch Mascara und Lidschatten, etwas Rouge und Lipgloss, und Sie wären absolut unwiderstehlich«, meint er mit Kennermiene. Noch bevor ich zugestimmt habe, steht schon ein junges Mädchen mit einer riesigen Lackkassette neben mir. Einige Pinselstriche, ein wenig Farbe auf Wangen und Mund, und ich erkenne mich kaum wieder.

»Sensationell!« Darüber sind sich Meister und Azubi einig und beglückwünschen sich gegenseitig zu ihrer Leistung, die graue Maus in eine Femme fatale umgestylt zu haben.

Tatsächlich fühle ich mich wie neugeboren. Am liebsten würde ich auf der Stelle in Kostüm und Stilettos steigen, um diesen völlig neuen Stil auszukosten. Doch bevor ich mich hemmungslos dem ungewohnten Luxus hingebe, habe ich noch etwas zu erledigen.

Leise bimmelt die Türglocke, als ich das Antiquariat betrete. Es befindet sich nur eine Kundin im Laden, die in einer Bücherkiste wühlt und mich keines Blickes würdigt. Hinter dem altmodischen Ladentisch lehnt eine junge Frau, die gelangweilt in einem Magazin blättert.

»Hi, Karen!«, begrüße ich sie.

Sie hebt den Blick und starrt mich ungläubig an. Dann lacht sie: »Gina! Wie siehst du denn aus? Ich hab dich im ersten Augenblick gar nicht erkannt. Du hast dich ja völlig verändert. Aber nicht schlecht, das muss ich schon sagen. Was liegt an?«

Seit unserer gemeinsamen Schulzeit sind Karen und ich unzertrennlich; sie ist meine beste Freundin und das genaue Gegenteil von mir: wohlgerundet, sommersprossig und mit feuerroten Haaren, die aussehen wie explodierte Stahlwolle. Im Gegensatz zu mir ist sie frech, schlagfertig und manchmal ziemlich respektlos. Es ist nicht leicht, Karen zu beeindrucken oder gegen ihren Starrsinn zu argumentieren. Aber als mich das Studium nach München verschlug, beschloss sie ohne nachzudenken, mit mir in die Großstadt zu ziehen. Für ein Kunststudium konnte sie sich nicht erwärmen, Betriebswirtschaft lag ihr und ihrer pragmatischen Art wesentlich mehr.

»Hast du einen Moment Zeit?«, frage ich leise.

»Schau dich um! Sieht es hier nach Kundenandrang aus?« Karen seufzt übertrieben laut. »Hier ist es so tot wie auf dem Waldfriedhof. Wenn täglich fünf Kunden in dieses Mausoleum spazieren, kann man schon froh sein. Ich frage mich wirklich, wie der Inhaber auf seine Kosten kommt?«

Um ihre Eltern finanziell zu entlasten, jobbt Karen seit zwei Jahren in diesem Antiquariat. Der geringe Verdienst reicht allerdings kaum für die Miete, und sie jammert ständig, dass am Ende ihres Gehalts noch so viel Monat übrig bleibt.

»Du weißt doch, dass ich Onkel Harrys Galerie geerbt habe. Seine Mitarbeiterin hat gekündigt; sie glaubt, sie sei zu alt. Hättest du nicht Lust, ihren Job zu übernehmen?« Der Gedanke ist mir während des Friseurbesuchs gekommen und ich wollte ihn sofort in die Tat umsetzen.

Karen ist wie elektrisiert: »Du meinst, ich sollte in deiner Galerie arbeiten? Mit dir als Chefin?« Ohne zu überlegen sagt sie: »Das wäre wirklich der Hammer! Du und ich als Galeristinnen! Ich fasse es nicht!«

Sie umarmt mich stürmisch und strahlt dabei übers ganze Gesicht. »Ich würde heiße Würstchen auf dem Marienplatz verkaufen, wenn ich endlich aus dieser Gruft herauskäme.« Ihr Lachen ist ansteckend. »Aber du weißt ja, dass es nicht so einfach ist, einen Aushilfsjob zu ergattern!«

»Super! Ich wusste, dass du mich nicht hängenlässt.« Wir grinsen uns verschwörerisch an. »Deine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse kommen gerade recht. Es wird einiges für dich zu tun geben.«

»Kein Problem! Mir ist alles lieber als das hier!« Mit ausholender Geste deutet sie auf den halbdunklen Raum, der mittlerweile leer ist, nachdem die einzige Kundin den Laden verlassen hat.

Wir besprechen noch rasch die Details, dann verabschiede ich mich und mache mich auf den Heimweg. Nach einem Tag im Nachlassgericht, der Galerie und meinen anderen Unternehmungen bin ich erschöpft und freue mich auf ein heißes Bad und einen ruhigen Abend auf der Couch.

♡♡♡

Am nächsten Morgen trage ich sorgfältig ein wenig Make-up auf, bürste die neue Frisur, bis sie sich glänzend um meinen Kopf legt und schlüpfe in eine der neuen Blusen. Obwohl ich dazu Jeans und Collegeslipper trage, wirkt das Outfit gepflegt und pfiffig. Meinen Studentenlook habe ich erfolgreich abgelegt. Gut gelaunt steige ich in meinen VW-Käfer und mache mich auf den Weg in die Galerie.

Dort werde ich bereits von Frau Gubitz und Karen erwartet. Die beiden haben sich in meiner Abwesenheit miteinander bekannt gemacht und plaudern, jede ein Haferl Kaffee vor sich, angeregt übers Geschäft.

Ich schaue mich in der Zwischenzeit um. Im Ladenlokal muss sich einiges ändern. Im Gedanken mache ich mir Notizen über Malerarbeiten, einen neuen Fußbodenbelag, Halogenstrahler, eine hippe Dekoration und vor allen Dingen die Anschaffung eines Computers. Alles Verstaubte, Altbackene soll schlichter Eleganz weichen. Als einziger Blickfang sollen die ausgestellten Kunstwerke dienen, kein unnötiger Kram soll von ihnen ablenken.

Während ich meine Ideen in mein Smartphone eintippe, schrillt im Büro das Telefon. Frau Gubitz hebt ab, lauscht und antwortet dann sehr geschäftsmäßig: Einen Moment bitte! Das sollten Sie besser mit der Chefin selbst besprechen!«

Aufgeregt gestikuliert sie in meine Richtung. Ich gehe zu ihr, nehme ihr den Hörer aus der Hand und melde mich: »Hier Gina Theiß. Was kann ich für Sie tun?«

»Guten Tag! Mein Name ist Miriam Liebig. Sind Sie Harrys Nachfolgerin?«

Als ich dies bestätige, fährt sie fort: »Meine Agentur vertritt Roman Hagen.« Sie wartet auf eine Reaktion.

»Roman Hagen? Sie meinen den Maler?« Gespannt halte ich den Atem an.

»Genau den. Ich würde gerne in Ihrer Galerie vorbeikommen, um mit Ihnen persönlich zu sprechen. Wann wäre es Ihnen möglich?«

Am liebsten würde ich »Jetzt sofort!« in den Hörer rufen, doch ich halte mich zurück. Keinesfalls will ich übereifrig erscheinen, so, als würde ich nach einem Auftrag gieren.

Zu meiner Überraschung fragt sie: »Passt es Ihnen schon heute?«

»Aber ja!« Hoffentlich höre ich mich nicht zu enthusiastisch an.

»Also dann, um fünfzehn Uhr in der Galerie.«

Mein »Auf Wiedersehen« hört sie nicht mehr; sie hat bereits aufgelegt.

♡♡♡

»Was war das denn?« Karens Augen funkeln vor Aufregung. »Frau Gubitz meint, dass Roman Hagens Agentin am Telefon war. Sag bloß, dass der Meister persönlich sich für unsere Galerie interessiert! Der Mann ist so berühmt, dass sogar eine Kunstbanausin wie ich ihn kennt!«

Als ich nicke, sagt Karen entschlossen: »Also, mich bringen heute keine zehn Pferde weg. Ich bleibe hier sitzen, bis er persönlich hereinspaziert. Eigentlich hab ich mir für heute Nachmittag tausend andere Dinge vorgenommen, aber die können warten! Ich hab noch nie einen Promi kennengelernt, und schon gar nicht bin ich mit einem auf Tuchfühlung gegangen.«

»Und das wirst du auch heute nicht«, dämpfe ich ihre Begeisterung. »Ich glaube nicht, dass Roman Hagen selbst erscheint, er wird seine Agentin schicken. Sie hat mit keinem Wort erwähnt, dass ihr Klient sie begleitet.«

»Aber genau das könnte passieren!«, mischt sich Frau Gubitz ins Gespräch. »Wissen Sie denn nicht, dass der Maler und Harry gute Bekannte waren? Er hat sogar einige seiner frühen Werke für ihn verkauft. Herr Hagen war auch bei der Trauerfeier anwesend. Haben Sie ihn denn nicht erkannt?«

Ich schüttle den Kopf. Weder habe ich den berühmten Maler dort erwartet und erst Recht habe ich mich nicht nach ihm umgeschaut. Mir war noch nicht einmal bewusst, dass mein Onkel solche wichtigen Bekanntschaften pflegte. Vielmehr dachte ich bis eben, dass vor allem junge, brotlose Künstler zu seinen Schützlingen zählten.

Als hätte die alte Dame meine Gedanken erraten, sagt sie ernst: »Ihr Onkel war in der Kunstszene sehr bekannt und außerordentlich beliebt. Viele Künstler sind ihm zu großem Dank verpflichtet; er hat geholfen, wo er nur konnte. Roman Hagen war nicht immer eine Berühmtheit. Während seiner Anfangszeit in München konnte er sich kaum Farben und Leinwand leisten. Harry hat sich ihm gegenüber stets großzügig gezeigt. Herr Hagen war dafür dankbar und hat es Harry nie vergessen!«

Da ein so wichtiger Termin ansteht, nehme ich Besen und Schaufel und drücke den anderen beiden Staubwedel und Eimer in die Hand. Zu dritt beginnen wir mit der Reinigung des Ladenlokals. Penibel achte ich darauf, meine Kleidung nicht zu beschmutzen, denn ich will schließlich bei den bevorstehenden Verhandlungen einen guten Eindruck hinterlassen.

Kurz vor drei Uhr beenden wir unsere Aufräumarbeiten. Ich kann keine große Verbesserung feststellen, aber immerhin ist die Galerie nun sauber, das Büro einigermaßen aufgeräumt. Ich bitte die beiden anderen, sich im Hinterzimmer aufzuhalten und mich das Gespräch mit Frau Liebig allein führen zu lassen. Dann wasche ich mir noch schnell die Hände, überprüfe im Spiegel Make-up und Frisur, lege hastig ein wenig Lipgloss auf und streiche die Bluse glatt. Ich bin bereit für den großen Augenblick.

Pünktlich um fünfzehn Uhr öffnet sich die Tür. Eine schlanke, hochgewachsene Dame in einem streng geschnittenen Kostüm und mit leicht verkniffener Miene betritt die Galerie. Ihr folgt ein Mann, den ich auf den ersten Blick für ein Männermodel halte. Auch er ist groß, misst bestimmt über einen Meter fünfundachtzig, und wirkt athletisch und durchtrainiert. Sein dunkles Haar ist modisch zerzaust, der Blick auf seinem leicht gebräunten Gesicht wirkt gelangweilt, fast eine Spur arrogant. Die Kleidung ist elegant und lässig zugleich: dunkle Hosen, weißes Hemd; den edlen Kaschmirpullover trägt er locker über die Schulter geworfen. Ihn umgibt eine Aura von selbstsicherer Blasiertheit; er ist durch und durch der Typ ›Latin Lover‹.

Während mir die Dame die Hand reicht und sich als Miriam Liebig vorstellt, tasten die dunklen Augen des Mannes über mein Gesicht und meine Gestalt. Beinahe körperlich spüre ich seinen intensiven Blick auf meiner Haut, und meine Knie werden weich. Als hätte er es bemerkt, heben sich seine Mundwinkel um wenige Millimeter zu einem Beinahe-Lächeln. Ohne den Blick von mir abzuwenden und ohne mir die Hand zu geben, murmelt er: »Roman Hagen.« Seine Stimme passt zu seinem Aussehen, sie ist dunkel und sehr, sehr sexy.

»Erfreut, Sie kennenzulernen.« Ich klinge wie ein Schulmädchen, die Stimme hoch und piepsig.

Mir ist es fast ein wenig peinlich, die beiden in das winzige Büro zu bitten, das wenig luxuriös wirkt vor so viel Eleganz. In diesem Moment wünsche ich mir brennend, etwas anderes als Jeans und Bluse zu tragen, denn neben ihnen komme ich mir vor wie Aschenputtel. Frau Liebig scheint nichts zu bemerken, aber Roman Hagens Augen kleben förmlich an mir, und ich fühle mich in seiner Gegenwart gehemmt und unsicher.

»Herr Hagen hat darauf bestanden, mich hierher zu begleiten. Wie Sie bestimmt wissen, war er ein Bekannter Ihres Onkels. Er wollte sich selbst davon überzeugen, dass die Galerie in gute Hände übergeben wurde.« Die Agentin lächelt, doch ihr Blick ist sachlich kühl und abschätzend. »Haben Sie sich schon vertraut gemacht mit dem Geschäft?«

Ich versichere, dass ich mein Bestes gebe, gestehe aber ein, dass ich ein Neuling bin in diesem Geschäft.

»Nun ja …« Sie zögert und wirft ihrem Klienten einen fragenden Blick zu. »Herr Hagen wäre bereit, Ihnen zwei seiner Porträts zum Verkauf zu überlassen. Sehen Sie sich dazu in der Lage, oder überfordert Sie ein derartiger Auftrag?«

Mir stockt der Atem. Zwei Gemälde von Roman Hagen! Das wäre ein nahezu unglaublicher Einstieg in das Geschäft als Kunstgaleristin, fast wie ein Sechser im Lotto.

Bisher hat der Künstler zu den Verhandlungen geschwiegen. Doch jetzt beugt er sich vor, und sein durchdringender Blick bohrt sich in meinen.

Bevor ich antworten kann, erklärt er mit Nachdruck: »Natürlich ist sie dazu in der Lage, Miriam! Schließlich ist sie Harrys Nichte, und er hat mir immer erzählt, wie tüchtig sie ist. Lassen wir sie ihr Können unter Beweis stellen.« Seine Augen wandern über mein Gesicht nach unten und bleiben an meinem Dekolleté haften. »Ich bin sicher, Frau Theiß wird meine Erwartungen in keinster Weise enttäuschen.« Bei diesen Worten mustert er mich vielsagend, und mir wird heiß und kalt.

»Gut«, sagt Miriam Liebig. »Dann bereite ich die Verträge vor und schicke Sie Ihnen zu! Alles Weitere können wir besprechen, sobald Sie die Unterlagen geprüft haben.«

Die beiden erheben sich, und dieses Mal nimmt Roman Hagen meine Hand in seine. Sein Händedruck ist warm und fest, seine Finger umfassen meine, um sie nicht wieder loszulassen. Mit unbefangener Geste führt er sie an seine Lippen und haucht einen zarten Kuss darauf. »Bis bald«, sagt er, und ein letztes Mal streichelt mich sein Blick.

Ich höre und sehe weder den Gruß seiner Agentin noch das Schließen der Tür. Gebannt starre ich den beiden hinterher, bis sie sich schließlich im Strom der Passanten verlieren.

»Warum hast du uns denn nicht hereingerufen? Ich wollte doch Roman Hagen kennenlernen!« Karens nörgelnde Stimme reißt mich aus meiner Erstarrung. »Mist! Jetzt hab ich ihn verpasst …« Sie eilt ans Fenster. »Da sperrst du Frau Gubitz und mich in diesem miefigen Hinterzimmer ein, und dann vergisst du, uns dem Künstler vorzustellen. Verdammt, Gina, wenn du nicht meine beste Freundin wärst, würde ich dich jetzt auf der Stelle erwürgen!«

»Keine Sorge, Karen.« Nur langsam finde ich ins Hier und Jetzt zurück. »Du wirst noch reichlich Gelegenheit haben, Herrn Hagen kennenzulernen. Seine Agentin bereitet den Vertrag vor; wir werden zwei seiner Bilder zum Verkauf anbieten!«

»Du Teufelsweib!« Voller Begeisterung knufft mich meine Freundin in die Seite. »Ich glaub es nicht! Du hast diesem sogenannten Malergenie einen Vertrag abgeschwatzt?«

Ohne zu antworten, trete ich ans Fenster, obwohl ich weiß, dass Roman Hagen schon längst aus meinem Blick verschwunden ist.

Roman Hagen! Allein der Klang seines Namens bringt meinen Herzschlag aus dem Rhythmus. Einem Mann wie ihm bin ich noch nie begegnet, noch nie hat es einer geschafft, mich derart zu verwirren und in meine Gedanken einzudringen.

Männer haben mich in der Vergangenheit kaum interessiert. Nachdem sich meine fünfjährige Beziehung mit Timo totgelaufen hatte, ist mir kein einziges interessantes Exemplar über den Weg gelaufen, für das ich mehr als freundschaftliches Interesse aufbringen konnte. Meine erotischen Erfahrungen, falls man sie überhaupt so nennen kann, beschränken sich auf den eher ungeschickten und wenig fantasievollen Beischlaf mit Timo, und seit nunmehr zwei Jahren lebe ich vollkommen enthaltsam.

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Während der nächsten Tage verfolgen mich Romans respektlose Blicke, seine Lippen auf meiner Haut und die verführerische Stimme bis in den Schlaf. Eines Morgens wache ich auf und spüre eine erregende Feuchte zwischen meinen Schenkeln. Vage erinnere ich mich an einen Traum, in dem Roman mich leidenschaftlich geküsst und mir mit heißen Händen die Kleider abgestreift hat.

Beschämt verdränge ich die aufsteigenden Lustgefühle und nehme mir vor, von nun an in Roman Hagen lediglich den Klienten zu sehen. Meine jungmädchenhafte Schwärmerei für ihn werde ich ganz schnell vergessen.

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Es dauert nicht lange, bis Miriam Liebigs Vertragsunterlagen auf meinem Schreitisch liegen. Ich studiere sie sorgfältig, bevor ich unterschreibe. Dann bemerke ich, dass Roman Hagen anscheinend vergessen hat, seine Signatur unter den Vertrag zu setzen.

Ich greife zum Telefon und rufe die Agentur an. Dort teilt man mir mit, dass Herr Hagen meinen Besuch wünscht, da offensichtlich noch einige Fragen mit mir persönlich zu klären sind. Nachdem der Termin abgesprochen ist, notiere ich mir seine Adresse, bedanke mich und lege auf. Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und atme tief durch.

Morgen Abend werde ich zu ihm nach Starnberg fahren.

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Mit klopfendem Herzen steige ich aus dem Auto und gehe, während ich den üppig wuchernden Garten bewundere, auf das Schlösschen zu, in dem der Maler wohnt.

Der schwache Duft von Rosen hängt in der schwül-warmen Luft. Am Horizont ziehen die ersten schiefergrauen Gewitterwolken auf. Den Umschlag mit den Verträgen halte ich krampfhaft an meine Brust gedrückt, als ich die ausgetretenen Steinstufen hinaufsteige. Mit vor Nervosität feuchten Händen streiche ich mein Kleid glatt und wünsche nun insgeheim, ich hätte ein weniger provokantes Kleidungsstück gewählt.

Vergebens halte ich nach einer Klingel Ausschau. Schließlich betätigte ich den altmodischen schmiedeeisernen Klopfer und zucke erschrocken zusammen, als dieser übermäßig laut auf die Eichenholztür kracht. Dann breitet sich Stille aus. Nichts regt sich auf der anderen Seite der Tür. Schon beuge ich mich vor, um noch einmal gegen die Tür zu hämmern, als diese unvermittelt aufgerissen wird.

Der Schlossherr steht vor mir, muskulös, braungebrannt, das dunkle Haar jungenhaft zerzaust. Er ist barfüßig, trägt aber eine edle schwarze Kaschmirhose, darüber ein lässig geschnittenes weißen Hemd. Sekundenlang stehen wir uns stumm gegenüber, dann streckt er mir die Hand entgegen:

»Herzlich willkommen in meiner Raubritterburg, Frau Theiß! Ich habe Sie bereits erwartet!«

Ganz Gentleman tritt er beiseite, um mir den Vortritt zu lassen – aber vielleicht auch, um in Ruhe meine in fließende rote Seide gehüllte Rückseite betrachten zu können. Mir seines durchdringenden Blickes allzu sehr bewusst, stolpere ich vor Aufregung in den für mich ungewohnten High Heels und falle fast, doch er packt meinen Oberarm mit sicherem Griff.

»Nicht so stürmisch! Oder haben Sie etwa vor, mir bereits im Flur zu Füßen zu fallen?« Er lächelt spitzbübisch.

»Verzeihung«, murmele ich verlegen und werde über und über rot.

Meinen Arm fest umklammert, führt er mich in einen Raum, dessen Fenster sich zum Garten und See hin öffnen. Dieser Raum wird eindeutig von einem Mann bewohnt; seine Ausstattung wirkt durch und durch maskulin, vom hohen Kamin an der Längsseite des Raumes bis hin zu den wuchtigen Ledersesseln und dem dazu passenden englischen Sofa, umgeben von Beistelltischen mit Intarsienarbeit. Auf der gegenüberliegenden Seite, vor einem deckenhohen Bücherregal, steht eine leere Staffelei. Diverse Arbeitsutensilien liegen unordentlich im Raum herum. In einer Ecke befindet sich eine Bar, großzügig bestückt mit Flaschen in allen Größen und Farben.

Sobald wir uns gesetzt haben, reiche ich ihm den Umschlag. Der Maler öffnet ihn und entnimmt die Vertragsunterlagen. Er wirft nur einen flüchtigen Blick darauf, greift dann nach einem Stift und setzt schwungvoll seine Unterschrift darunter.

»Sollten Sie den Vertrag nicht erst einmal lesen, bevor Sie ihn unterschreiben?« entfährt es mir.

Er schaut hoch. »Wieso? Haben Sie etwa vor, mich über den Tisch zu ziehen? Muss ich mir Sorgen machen?«, fragt er amüsiert. Seine Augen funkeln schelmisch auf.

»Selbstverständlich nicht! Was denken Sie denn von mir?«, fauche ich.

»Oho! Da scheint ja richtig Feuer zu lodern unter dem damenhaften Äußeren.« Mit unergründlicher Miene betrachtet er mich von oben bis unten. »Keine Sorge, meine Agentin hat mich bereits informiert, dass sie den Vertrag selbst aufgesetzt hat, und mir grünes Licht gegeben.«

Er gibt mir die Papiere zurück, erhebt sich mit einer geschmeidigen Bewegung und schlendert hinüber zur Bar. Dort wartet ein Eiskübel mit einer Flasche Champagner, den er sich unter den Arm klemmt. Mit der anderen Hand schnappt er sich geschickt zwei Sektflöten und kommt damit an den Tisch zurück. Geübt öffnet er die Flasche und schenkt die Gläser voll. Dann reicht er mir ein Glas und hebt das seine.

»Auf gute Zusammenarbeit, Frau Galeristin! Ich hoffe, Sie beweisen so viel Gespür für gute Geschäfte wie Ihr Onkel!«

»Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit«, entgegnete ich lahm.

Leise klirrend stoßen die Gläser aneinander. Dabei streifen seine Finger wie unabsichtlich die meinen, und ich zucke zusammen, als hätte ich einen elektrischen Schlag erhalten. Meine Brustwarzen versteifen sich und zeichnen sich überdeutlich unter dem dünnen Seidenstoff ab. Verlegen verschränke ich die Arme vor der Brust und ärgere mich in diesem Moment darüber, dass ich auf den BH verzichtet habe.

Meinem Gegenüber ist die Reaktion auf seine Berührung nicht entgangen, denn seine Blicke bleiben ungeniert an meinem Dekolleté hängen.

Unsicher schaue ich ihn an und frage mich, was wohl in diesem Moment in seinem Kopf vorgeht. Er trinkt und beobachtet mich weiter aufmerksam über den Rand seines Glases hinweg – wie eine Katze auf der Lauer.

»Sie trinken ja gar nichts«, meint er schließlich, erhebt sich von seinem Platz und setzt sich ganz dicht neben mich. Er duftet nach teurer Seife und nach Mann, sehr sinnlich und ein wenig animalisch. Meine Unruhe wächst.

Ganz selbstverständlich legt er mir den Arm um die Schultern und führt mir das Glas an die Lippen. »Haben Sie etwa Angst, ein wenig Champagner ließe Sie die Kontrolle verlieren?«, fragt er, die Lippen dicht an meinem Ohr.

Ich schüttele den Kopf und trinke hastig. Ein Tropfen rinnt an meinem Kinn hinab, er beugt sich vor und wischt ihn mit einer zärtlichen Bewegung beiseite. Mir wird ganz heiß.

Von fern grollt der Donner, und die ersten Blitze huschen über den Himmel.

Roman zieht mich noch näher zu sich heran und raunt: »Da braut sich ein regelrechter Orkan zusammen. Es wäre besser, wenn Sie hierbleiben, bis sich das Wetter beruhigt hat.«

Ich mache mich los, stehe auf und gehe ans Fenster, um meine Fassung wiederzugewinnen. Die Nähe seines Körpers, die Berührung seiner warmen Hände, seine rauchige Stimme verwirren mich mehr und mehr. Einerseits faszinieren mich dieser Mann und seine unwiderstehliche Erotik, andererseits habe ich Angst vor seiner Forschheit und Arroganz.

Mittlerweile hat das Gewitter an Heftigkeit zugenommen. Ströme von Regen ergießen sich aus einem schwefelfarbenen Himmel, Donner kracht und über dem See zucken unzählige Blitze, die Wasser und Umgebung für kurze Sekunden in ein magisch gleißendes Licht tauchen.

Angezogen von diesem Naturschauspiel, starre ich gebannt aus dem Fenster. Mehr denn je ist mir bewusst, wie eng sich der Seidenrock an meinen Körper schmiegt. Wahrscheinlich zeichnen sich die Konturen meines Hinterns in allen Einzelheiten unter dem weichen Stoff ab. Ich spüre Romans intensiven Blick auf meinem Rücken, fast so, als würde er mich berühren.

»Ich liebe Gewitter! Diese entfesselte Gewalt, diese ungezügelten Mächte der Natur …«, murmele ich wie hypnotisiert.

»Aha, eine kleine Abenteurerin also, die auf Gefahr und Leidenschaft steht … Die meisten Frauen fürchten sich vor Sturm und Gewitter.«

Lautlos hat er seinen Platz vor dem Kamin verlassen und ist hinter mich getreten, so dicht, dass ich seinen warmen Atem wie einen Federhauch im Nacken spüre. Gänsehaut überzieht meinen Körper, angefangen von den Zehen, über Schenkel, Geschlecht, Brust und Schultern bis zu den Haarwurzeln. Ein wohliges Frösteln überkommt mich, obwohl mein Gesicht wie im Fieber glüht. So stehen wir, ganz nah beieinander, für eine kleine Ewigkeit.

Dann berührt er mich. Zuerst glaube ich, mich getäuscht zu haben, so leicht ist sein Finger, mit dem er von meinem Hals die Wirbelsäule hinab bis an meine Pobacken fährt, dorthin, wo sich die runden Hügel teilen. Für einen Moment vergesse ich zu atmen. Dann beginnt er, mein Hinterteil mit sanft kreisenden Bewegungen zu massieren, langsam, so langsam, als hätte er alle Zeit der Welt. Seine warmen Lippen streichen dabei über meinen Hals, schieben eine Haarsträhne beiseite und fahren zart an meinem Ohr entlang.

»Ist deine kleine Muschel genauso samtweich wie deine Ohrmuschel?«, flüstert er.

Ich will antworten, doch ich bringe nur ein leises, wollüstiges Stöhnen zustande. Mein Verstand ist ausgeschaltet, ich kann nicht mehr denken, nur noch fühlen.

Ganz langsam, fast genüsslich wandern seine kräftigen Künstlerhände über Hüften und Bauch bis an meine Brust. Mit beiden Daumen schiebt er den leichten Stoff mühelos zur Seite und fängt gemächlich an, meine Brustwarzen zu reizen. Er hält mich umfasst, drückt sich eng an meinen Rücken, und überdeutlich spüre ich seine ständig wachsende Erregung, die sich lüstern gegen meinen Hintern presst. Meine Scham wird feucht.

Unvermittelt hebt er mich hoch und dreht mich in seinen Armen zu sich herum. Sein Gesicht ist ganz dicht über meinem, ich erhasche einen kurzen Blick auf seine vor Erregung angespannten Züge, dann senken sich seine Lippen auf meine. Seine Zunge leckt und saugt, schiebt sich in meinen Mund, probiert und schmeckt. Noch nie habe ich einen so intensiven, leidenschaftlichen Kuss erlebt. Mein Körper steht in Flammen.

Ohne den Kuss zu unterbrechen, trägt er mich hinüber zum Sofa und legt mich darauf nieder. Während seine Zunge weiterhin meinen Mund erkundet, gleiten seine Hände unter meinen Rock und ziehen meinen Tangaslip nach unten. Für einen Moment lässt er von mir ab und nimmt einen langen schmalen Gegenstand vom Tisch. Ich versuche, den Kopf zu heben, doch sofort berühren seine gierigen Lippen wieder die meinen.

Dann spüre ich ein sanftes Streicheln auf meinen Schenkeln, leicht wie eine Daunenfeder. In langsam kreisenden Bewegungen gleitet es immer weiter nach oben. Am Eingang meiner geheimen Pforte hält es inne, um sich sodann zwischen meine Venuslippen zu schlängeln, langsam, liebkosend, lockend. Immer weiter bewegt es sich in mein Inneres, so zart und doch so aufreizend, dass ich ein heiseres Stöhnen nicht mehr zurückzuhalten vermag. Meine Hüften heben sich meinem Geliebten entgegen, ich fiebere nach Erlösung.

»Genießt du den Seidenhaarpinsel, meine Süße? Ist dein enges Möschen nun bereit für mich? Komm, lass mich hinein, Du bist ja schon ganz feucht und weit offen«, wisperte er mir ins Ohr.

Ohne eine Antwort abzuwarten, legt er den Pinsel zurück und öffnet den Reißverschluss seiner Hose. Er trägt keine Unterwäsche, ist nackt unter dem dünnen Stoff. Langsam hebt er seinen Körper über meinen. Seine Härte drückt gegen meinen Schenkel, an meine Vagina, dann schiebt er sich Zentimeter für Zentimeter in mich hinein. Er küsste mich hungrig, während seine Stöße immer heftiger und hitziger werden. Tiefer und tiefer gleitet er in die Tiefen meines Körpers, immer lustvoller und wilder werden seine Stöße. Plötzlich höre ich mich vor Lust laut aufschreien, fühle mich von einer brennenden Woge emporgehoben, mein ganzes Fühlen konzentriert sich auf einen Punkt in meiner Körpermitte, ich erglühe und erschauere zur gleichen Zeit. Romans Augen sind fest geschlossen, sein Gesichtsausdruck entspannt, als er sich in meinem Schoß ergießt. Ich presse die Augen ganz fest zusammen, weil sich eine Träne aus dem Augenwinkel löst und an meiner Schläfe entlangrollt. Fast zärtlich küsst Roman sie weg.

Dieser wunderbare Mann hat mir soeben meinen ersten sexuellen Höhepunkt geschenkt.

Als sein Atem ruhiger wird, streift er seine verbliebene Kleidung ab und zieht mir das Kleid über den Kopf. Dann stützt er sich auf einen Ellbogen und betrachtet mich versonnen.

»Du weinst ja«, meint er verwundert, während er nicht aufhört, meinen Leib zu streicheln. »Habe ich dir wehgetan?«

Da ich noch nicht in der Lage bin zu sprechen, schüttele ich nur stumm den Kopf.

»Hat es dir etwa nicht gefallen? Soll ich aufhören?« Er beugt sich über mich. Weich streichen seine Lippen über meine Schläfen, Augen, Nase, Mund und Hals. Erst an meinen Brüsten hält er inne. Mit der Zunge umspielt er die Brustwarzen, bis sie sich ihm steil entgegenrecken. Er knabbert, saugt und leckt, während seine Finger meine kleine Pforte reizen, bis ich mich erneut keuchend vor Lust winde.

Plötzlich packt er meine Handgelenke und hält mich mit dem Gewicht seines Körpers fest. Nun liege ich offen und wehrlos vor ihm.

»Hmm, meine hilflose Beute! Jetzt bist du mir ausgeliefert und ich kann mit dir treiben, was ich will«, schnurrt er und macht sich erneut über meine hocherregten Brustwarzen her.

Als ich meine, es nicht mehr länger ertragen zu können, sondern vor Lust zu explodieren, lässt er ab von meinen Brüsten, und seine Lippen wandern über meinen Bauch. Mit spitzer Zunge umkreist er meinen Nabel, bohrt und leckt, dann gleitet er tiefer. Ich liege ganz still, während er mit seiner Zunge vorsichtig nach dem verborgenen Eingang tastet, bevor er hart hineinstößt.

Er trifft genau den richtigen Punkt. Erneut glaube ich, mein Körper würde schmelzen, die Hitze breitet sich wellenartig von meinem Unterleib bis in die Zehenspitzen und die Kopfhaut aus. Ich schreie und winde mich unter ihm, doch er lässt nicht nach, hält mich weiter fest und bearbeitet meine Lustknospe hart mit seiner Zunge. Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich eine derartige Begierde empfunden, es ist, als würde mein Innerstes nach außen gekehrt.

Diesmal dauert es eine geraume Weile, bis Kopf und Körper zur Ruhe kommen.

Nach einer Weile steht mein Liebhaber auf, um sich ein Glas Champagner einzugießen. Er hält es mir entgegen, doch erschöpft lehne ich ab. Während er mit in den Nacken gelegtem Kopf genüsslich trinkt, habe ich Gelegenheit, seinen nackten Körper zu studieren. Er ist makellos, absolut perfekt. Die Muskeln zeichnen sich, wie von einem Bildhauer modelliert, unter der braunen Haut ab, die Beine sind lang und wohlgeformt, die Brust breit, Gesäß und Geschlecht wie die einer griechischen Statue, das Gesicht ebenmäßig, das Haar dicht und dunkel. Noch nie habe ich einen schöneren Mann gesehen, noch nie habe ich einen Mann so sehr begehrt wie ihn.

»Und? Hast du dir alles genau angesehen? Ich hoffe, ich halte deiner Prüfung stand?« Mit einem winzigen Lächeln schaut er, halb belustigt, halb nachdenklich, auf mich nieder.

»Ich … Du … So etwas habe ich noch nie erlebt«, ist alles, was ich zu sagen vermag.

»Den Eindruck hatte ich auch«, entgegnet er trocken.

Dann setzt er sich auf die Sofakante und betrachtet mich gedankenverloren. Ich richte mich auf und will meine Arme um seinen Hals schlingen, doch er erhebt sich, streift sich Hemd und Hose über und geht ans Fenster. Mit einem Mal ist er wieder Roman Hagen, der große Maler, unnahbar und abweisend.

Während ich verlegen meine Kleidung zusammensuche, höre ich, wie draußen ein Wagen vorfährt. Eine Autotür wird heftig zugeschlagen. Dann klingt es Sturm, einmal, zweimal, dreimal.

»Warte hier auf mich, ich bin gleich zurück«, befielt Roman. Ein Blick in sein Gesicht sagt mir, dass sich hier unwillkommene Gäste ankündigen. Schnell schlüpfe ich in Slip und Kleid und streiche meine Haare glatt. Doch die Neugier lässt mir keine Ruhe. Ich gehe zum Fenster und starre mit zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit. Direkt vor dem Treppenaufgang steht ein teurer Sportwagen, vom Fahrer keine Spur.

Auf Zehenspitzen schleiche ich zur Tür und lausche. Auf dem Flur höre ich erregte Stimmen, eine davon eindeutig die von Roman. Die andere Stimme ist weiblich, hoch und schrill. Offensichtlich ist da draußen ein heftiger Streit im Gange, doch ich kann nicht verstehen, was gesagt wird. Nur der wütende Tonfall ist unverkennbar. Dann knallt irgendwo im Haus laut eine Zimmertür. Danach Stille.

Es dauert einige Minuten, bis Roman zurückkommt. Seine Miene ist verschlossen und unergründlich. »Ah, du bist ja schon angezogen? Das Gewitter ist vorbei. Du kannst also gefahrlos nach Hause fahren.« Er sieht mich nicht an, sondern gießt sich noch ein Glas Champagner ein und leert es in einem Zug. »Ich wäre jetzt nämlich lieber allein.«

Mir ist, als hätte ich einen Schlag in den Magen erhalten. Er schickt mich weg! Ich bin also nichts als ein One-Night-Stand für ihn, eine schnelle Nummer, die Mann nebenbei mitnimmt, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und ich habe sie ihm geboten, widerstandslos und ohne nachzudenken, weil ich mich verliebt habe in diesen Mistkerl.

Im Vorbeigehen schnappe ich mir Tasche und Autoschlüssel, meine Pumps halte ich in der Hand, um schneller weglaufen zu können. Hoch erhobenen Hauptes rausche ich grußlos an Roman vorbei, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen.

Noch nie in meinem Leben bin ich so gedemütigt worden.

Draußen ist es mit meiner Beherrschung vorbei. Es gelingt mir kaum, das Auto aufzuschließen, so sehr zittern meine Hände. Ich werfe noch einen Blick auf die Edelkarosse neben mir, dann starte ich den Motor, und mit einem Kavaliersstart schießt mein kleiner VW-Käfer hinaus auf die Straße. Trotzig wische ich mir die Tränen ab, doch es kommen immer wieder neue. Erst als ich bereits die Münchner Stadtgrenze passiert habe, fällt mir ein, dass ich die Vertragsunterlagen in Romans Wohnzimmer vergessen habe.

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