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Collection No. 1 – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses E-Book
  3. Über die Autorinnen
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Dunkle Leidenschaft
  7. Gefesselte Lust
  8. Heiße Schatten
  9. Leseprobe

Lust auf Liebe – Shadows of Love, die erotische Liebesromanserie: in sich abgeschlossene Geschichten mit vielen Höhepunkten und Happy-Endings. Junge Frauen treffen auf mächtige Männer, die sie emotional und erotisch in ihren Bann ziehen. Doch die Männer haben dunkle Geheimnisse …

Über diese Folge

Inka Loreen Minden »Dunkle Leidenschaft«:

Die Raumausstatterin Mia Ferris soll einige Räume im Schloss des Earl of Lindsay umgestalten – dem reichsten Junggesellen in ganz England! Ihre Arbeit erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch vollen Körpereinsatz …

Jasmin Eden: »Gefesselte Lust«

Die junge Redakteurin Helena Feldkamp tritt eine Stelle bei einem angesagten Berliner Stadtmagazin an. Von ihrem Vorgesetzten, dem Chefredakteur Jonah Winter, ist sie nicht nur sprichwörtlich gefesselt …

Jennifer Ambers: »Heiße Schatten«

Die erfolgreiche Gourmetköchin Valerie Blum bereitet auserlesene Köstlichkeiten für ihren neuen Arbeitgeber, den wohlhabenden Reeder Konstantin Steinburg, zu – doch nicht nur die vernascht er mit Hingabe …

Die einzelnen Episoden erscheinen jeden Monat neu, als Romanheft und E-Book. Für alle Fans von »Colours of Love«.

Über die Autorinnen

Inka Loreen Minden, schreibt auch unter den Pseudonymen Lucy Palmer, Mona Hanke (Erotik) und Monica Davis (Jugendbuch). Sie ist eine bekannte deutsche Autorin erotischer Literatur. Von ihr sind bereits zahlreiche Bücher erschienen, die regelmäßig unter den Online-Jahresbestsellern zu finden sind.

Neben einer spannenden Rahmenhandlung legt sie Wert auf eine niveauvolle Sprache und lebendige Figuren. Explizite Erotik, gepaart mit Liebe, Leidenschaft und Romantik, ist in all ihren Storys zu finden, die an den unterschiedlichsten Schauplätzen spielen.

Mehr über die Autorin auf ihrer Homepage:

www.inka-loreen-minden.de

Jasmin Eden reist gerne in exotische Länder und liebt das erotische Knistern zwischen zwei Menschen. Aus diesem Grund schreibt sie erotische Liebesromane – in ihren Geschichten vereint sie Romantik mit Erotik.

Jasmin Eden lebt gemeinsam mit ihrem Mann und jeder Menge Reiseführern in Berlin.

Jennifer Ambers, geb. 1971, nutzte die Nächte und Ausgangssperren in revolutionsgefährdeten Ländern, um zu schreiben und zu bloggen. Neben ihrer Autorentätigkeit arbeitet sie für die deutsch-arabische Entwicklungszusammenarbeit in Kairo und in Ludwigsburg.

Ihre Leidenschaft für erotische Spannungsromane hat sie mit der Bastei Lübbe Academy weiter professionalisiert. In ihrem beliebten Blog »Writing, Sex & Crime« können ihre Leser die Entstehung, Überlegungen und Hintergründe ihrer Romane in Echtzeit verfolgen: https://writing-sex-and-crime.blogspot.de.

Inka Loreen Minden
Jasmin Eden
Jennifer Ambers

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Collection No. 1

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Inka Loreen Minden

Dunkle Leidenschaft – Shadows of Love

Absolute Geheimhaltung und kein Wort an die Öffentlichkeit!, stand in seinem Brief. Dieser Satz hallt ständig durch meinen Kopf, während mich ein Taxi die Auffahrt zur Burg hinaufbringt.

Sterling Castle liegt idyllisch, aber einsam, zwischen grünen Hügeln und Tälern im Lake District Nationalpark. Wie graue Zähne ragen die Zinnen der vier Ecktürme in den blassblauen Himmel. In unmittelbarer Nähe befindet sich keine Ortschaft; dies ist ein idealer Platz zum Ausspannen, Wandern, Urlaub machen.

Doch ich bin zum Arbeiten hier.

Warum hat der Earl gerade mich ausgesucht? Sonderanfertigungen sind zwar meine Stärke und ich arbeite meist für die Reichen und Schönen, die sich in Malibu tummeln, aber in England gibt es sicherlich genügend Raumausstatter, die ihr Handwerk genauso gut beherrschen.

Je näher wir heranfahren, desto mehr Details erkenne ich an dem imposanten Gebäude. Hohe, teils vergitterte Fenster, Erker, Schießscharten. Der graubraune Mauerstein wirkt verwittert, dennoch strahlt das Anwesen etwas Mächtiges, Kraftvolles aus, wie es majestätisch auf dem Hügel thront. Aber es macht auch einen düsteren Eindruck. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Nachmittagssonne hinter einer dicken Wolke versteckt.

Dieses alte Gemäuer scheint genauso geheimnisvoll zu sein wie sein Besitzer, um den sich etliche Gerüchte ranken. Natürlich habe ich mich über Nathan Sterling, den Earl of Lindsay, informiert. Er ist einer der reichsten Männer Englands, fünfunddreißig Jahre alt, alleinstehend, sportlich, mit schwarzem Haar und hellgrauen Augen … kurz: Er sieht einfach unverschämt gut aus.

Nachdem seine Frau vor drei Jahren starb, hat er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Angeblich soll er sogar Schuld am Tod seiner Gattin haben, zumindest behaupten das diverse Klatschblätter. Diese Gerüchte halten das weibliche Geschlecht allerdings nicht davon ab, ungehemmt mit dem Earl zu flirten, sobald er Wohltätigkeitsveranstaltungen oder andere Events besucht. Wahrscheinlich haben sie es nur auf sein Geld abgesehen.

Als ich vor sieben Jahren noch in England lebte, habe ich die Geschichten des Adligen ebenfalls verfolgt und einiges über seine Affären mit Schauspielerinnen, Models und der Tochter eines Politikers gelesen. Auch dass er heimlich Autorennen fährt oder sich an ausschweifenden Partys beteiligt. Klatsch und Tratsch eben. Danach habe ich den Mann aus den Augen verloren und mir erst kurz vor der Abreise die neusten Artikel im Internet zu Gemüte geführt.

Angeblich vermehrt er sein Vermögen mit Aktiengeschäften oder steckt es in industrielle Großprojekte. Von Finanzgeschäften verstehe ich nichts, obwohl mathematisches Verständnis für meinen Beruf eine Grundvoraussetzung ist. Und ich habe die künstlerische Seele meiner Oma geerbt. Daher erkenne ich sofort die Schönheit dieser Traumlage und freue mich auf das neue Projekt. Nur diese seltsame Geheimhaltungsklausel verursacht mir Magengrummeln. Was hat es damit auf sich?

Leise seufzend lege ich die Finger ans kühle Fensterglas. Mia, worauf hast du dich eingelassen? So weit weg von Amerika … Wobei ich England vermisst habe, immerhin wurde ich hier geboren. Leider habe ich hier nur noch eine Tante, die in der Nähe von London wohnt. Meine Eltern starben vor ein paar Jahren. Erst Dad an einem Herzinfarkt, zwei Jahre später Mom an einem Schlaganfall. Ich bin ihr einziges Kind; meine Mutter war fast fünfzig, als sie mich bekommen hat. Sie hat nicht damit gerechnet, überhaupt noch schwanger werden zu können. Na ja, ich schlage mich gut allein durch und hab mit meinen siebenundzwanzig Jahren schon viel erreicht, habe mir ein gut laufendes Unternehmen aufgebaut und kann daher den Betrieb auch mal Kerry überlassen. Sie ist eine tolle Mitarbeiterin und wird alles managen, solange ich weg bin.

Aber ich bin wohl kein bisschen besser als diese leichten Frauen, die hinter dem Vermögen des Earls her sind. Ich habe den Job auch nur angenommen, weil mir Nathan Sterling sehr viel Geld dafür geboten hat.

Gut, meine Heimat wollte ich ebenfalls schon lange wieder besuchen, aber der Auftrag hat den Ausschlag gegeben. Zwar verdiene ich gut, doch so eine Gelegenheit lasse ich mir trotzdem nicht entgehen.

Ich kurble im Taxi das Fenster herunter und atme die frische Landluft ein, während wir eine Allee entlangfahren. Die Burg liegt nur noch wenige Meter vor uns. Groß. Gigantisch.

Ein Windstoß wirbelt die Baumkronen durcheinander und Laub segelt auf die Straße. Es riecht nach Herbst.

Schon passieren wir ein gigantisches Mauertor, vor dem im Mittelalter bestimmt ein Eisengitter angebracht war, und rollen in den Burghof. Kies knirscht unter den Reifen, als der Fahrer bremst.

Wow, Sterling Castle ist eine waschechte Ritterburg. Es kommt mir vor, als würde ich mich tatsächlich in einer früheren Zeit befinden. Fast glaube ich, das Wiehern von Pferden und das Hämmern eines Hufschmiedes zu hören. Nur der Carport mit den drei teuren Autos sticht heraus. Der schnittige weiße Bentley, der silberfarbene Porsche Cabrio und der schwarze BMW X5 gehören sicher dem Earl. Daneben stehen weitere Fahrzeuge, wahrscheinlich die der Angestellten.

Aus einem Vorbau eilt ein älterer Herr mit grauem Haar – ich schätze ihn auf über fünfzig Jahre – und ein etwas jüngerer Mann. Beide tragen dunkle Anzüge und weiße Handschuhe. Das müssen der Butler und ein weiterer Bediensteter sein.

»Willkommen, Ms Ferris«, begrüßt mich der Butler, nachdem er mir die Autotür geöffnet hat. »Ich bin Mr Harper. Wir hatten telefoniert.«

Mit Mr Harper hatte ich nach meiner Zusage telefonisch alles Weitere geregelt, während ich vom Earl bisher nur den einen Brief mit dem Auftrag bekommen habe.

»Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug?«

Ich begrüße ihn ebenfalls und ergreife seine Hand, mit der er mir aus dem Wagen hilft. Mein Rock sitzt eine Spur zu eng. Ich sollte endlich abnehmen. »Es war alles bestens, Mr Harper, vielen Dank.«

Er beeilt sich, den Taxifahrer zu bezahlen, bevor ich das übernehmen kann, und ich bedanke mich bei ihm.

Mr Harper lächelt mich an. »Der Earl hätte Sie gerne persönlich abgeholt, aber seine Geschäfte lassen ihn heute kaum zu Luft kommen. Er hat aber versprochen, in einer Stunde Feierabend zu machen, um für Sie da zu sein.«

Das passt mir gut, dann habe ich Zeit, mich umzuziehen. Mein Kostüm ist leicht zerknittert, meine Haare bestimmt ein einziges Durcheinander. So möchte ich ihm nicht entgegentreten.

Der jüngere Angestellte trägt meine drei Koffer zum Eingang, und der Butler weist ihn an, alles ins Gästezimmer zu bringen.

Wie viel Personal ein Earl wohl hat? Ich werde bestimmt die meisten seiner Bediensteten kennenlernen, immerhin soll ich mindestens einen Monat bleiben.

Ich schaue hinauf zum Wehrgang, den Zinnen und dem düsteren Himmel. Alles wirkt wie ausgestorben, nicht mal einen Vogel sehe ich. Es ist still im Innenhof, nur das Motorengeräusch des wegfahrenden Taxis ist zu vernehmen.

»Wer wohnt alles auf Sterling Castle?«, frage ich Mr Harper, während er mich in die Burg führt. Wir betreten eine große Empfangshalle, deren Boden wie ein Schachbrett gefliest ist. Dunkelrote, teils mit Holz vertäfelte Wände werden von marmornen Bögen, Wandteppichen und Ritterrüstungen unterbrochen.

»In diesem Südteil wohnen nur der Earl und ich, aber ich habe mein Quartier im Erdgeschoss. Die restlichen Angestellten sind im Nordteil untergebracht. Der Earl beschäftigt zwei Köchinnen, eine Hauswirtschafterin, einen Hausmeister, einen Gärtner und eine Handvoll weiteres Personal, wie seinen Privatsekretär, der jedoch gerade Urlaub hat. Und bei besonderen Anlässen begleitet ihn manchmal ein Bodyguard.«

Bodyguard – wow! »Hat er keinen Chauffeur?«, frage ich zwinkernd.

Mr Harper wirft einen Blick aus dem Fenster. »Der Earl liebt es, selbst zu fahren.«

Ob an den Geschichten, er würde Rennen fahren, doch etwas dran ist?

Weiter geht es eine breite Treppe nach oben in den ersten Stock. Zu beiden Seiten erstrecken sich lange Gänge, in denen wie Laternen geformte Lampen ein mattes Licht spenden. Auch dort stehen Rüstungen, und ein roter Läufer bedeckt den alten Steinboden. Die Burg ist zum Glück nicht so groß, dass ich mich darin verlaufen könnte, trotzdem erscheint sie mir riesig für nur einen Mann.

Ein Hausmädchen kommt uns mit einem Stapel gefalteter Wäsche entgegen und nickt uns zu, ansonsten wirkt auch hier alles seltsam verlassen.

»Hier ist Ihr Zimmer, Ms Ferris«, sagt der Butler und lässt mich durch eine Tür in einen großen Raum treten. Meine Koffer stehen bereits vor einem gigantischen Himmelbett mit dicken, kunstvoll geschnitzten Pfosten. An den dunkelgrün tapezierten Wänden hängen Landschaftsbilder, vor den beiden Fenstern weiße Vorhänge. Es gibt eine weitere Tür, die wohl ins Badezimmer führt, eine Fernsehecke mit Sofa und einen Schreibtisch. Das Zimmer sieht gemütlich aus. Hier kann man es aushalten.

Mr Harper zeigt mir einen Kühlschrank mit Erfrischungsgetränken, der in einem Sideboard eingebaut ist. Darauf steht eine Schale mit Obst. Dann deutet er auf ein Telefon neben dem Türrahmen. »Wenn Sie etwas brauchen oder zum Beispiel Tee, Kaffee oder ein Stück Kuchen möchten, wählen Sie die Eins. Sie werden direkt mit meinem Handy verbunden.« Lächelnd klopft er auf die Tasche in seinem Jackett.

Was für ein Service! »Vielen Dank, Mr Harper.« Ich könnte nach den dürftigen Snacks im Flugzeug durchaus schon wieder etwas essen, bin aber zu nervös. Ich kann es kaum erwarten, den Earl kennenzulernen.

»Wo finde ich das Arbeitszimmer?«, frage ich schnell, bevor der Butler das Zimmer verlässt.

»Ich hole Sie in einer Stunde ab und bringe Sie hin.«

♡♡♡

Hastig dusche ich, lege neues Make-up auf und schlüpfe in ein knitterfreies Kostüm. Vor dem Ankleidespiegel drehe ich mich und schnaube mein Bild an. Auch dieser Rock schmiegt sich eng an meinen Po, und die Bluse spannt ein wenig über meinem Busen. Ich sollte endlich wieder mit Joggen anfangen, oder ich darf mich bald neu einkleiden. Ich bin zwar nicht gerade dick, aber von einer Modelfigur weit entfernt. Besonders unter meinen großen Brüsten habe ich zu leiden. Manch eine Frau mag mich dafür beneiden, aber wenn alle Welt einem zuerst darauf starrt, ist das kein schönes Gefühl. Hinzu kommt mein draller Hintern … Gewiss falle ich nicht in das Beuteschema des Earls.

Himmel, was mache ich mir für Sorgen? Ich muss dem Mann nicht gefallen, nur meine Arbeit muss überzeugen. Davon abgesehen: Was sollte ein Adliger auch von einer einfachen Bürgerlichen wollen?

♡♡♡

Mr Harper kommt pünktlich; ich schnappe mir meine Handtasche, und er geleitet mich auf demselben Gang weiter. »Hier befinden sich übrigens die Wohnräume des Earls«, sagt er leise, als wir an der nächsten Tür vorbeigehen.

Sofort schießt mir Hitze ins Gesicht. Mein Herz klopft ohnehin aufgeregt genug. Warum weist mich der Butler darauf hin? Ich bin gewiss keine dieser Frauen, die sich an den reichsten Junggesellen Englands heranschmeißen wird. In Geld zu schwimmen wäre zwar schön, doch ich komme gut zurecht; meine Firma wirft genügend ab.

Mia, tadele ich mich, du hattest bereits Fantasien, die in diese Richtung gingen.

Mr Harper hat bestimmt keine Hintergedanken, sondern erklärt mir nur, wo welche Räume liegen …

Urplötzlich fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, wie ich den Earl ansprechen soll. Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, weil ich immer nur mit Mr Harper telefoniert habe.

Wie ist das bei Adligen … Wie hat er in seinem Brief unterschrieben?

Er heißt Nathan Sterling und ist der Earl of Lindsay. »Mr Sterling« kommt dann wohl nicht in Frage. Mylord? Lord Lindsay?

Als ich mich beim Butler informieren möchte, stehen wir bereits vor einer weiteren Holztür. Er klopft an, ein kräftiges »Herein!« ertönt und meine Knie werden noch weicher.

»Ms Ferris, Sir«, sagt Mr Harper.

»Danke, Henry.«

So klingt also ein Earl. Die Stimme gefällt mir. Sie besitzt ein melodiöses Timbre.

Als der Butler mich hereinlässt und ich meinen Auftraggeber zum ersten Mal live sehe, gerät mein Herzschlag ins Stocken. In natura ist er noch viel attraktiver. Charmant lächelt er mich an, wobei ihm eine dicke Strähne seines schwarzen Haares in die Stirn fällt. Er streicht sie zurück und erhebt sich hinter seinem massiven Schreibtisch.

Mit ausgestreckter Hand kommt er auf mich zu. »Willkommen auf Sterling Castle, Ms Ferris. Ich freue mich sehr, dass Sie hier sind.«

Sein einnehmendes Lächeln geht mir durch und durch. Fasziniert starre ich ihn an, versuche jedes Detail seiner Ausstrahlung in mich aufzunehmen. Mein Blick fällt auf das winzige Grübchen in seinem Kinn, die einen Tick zu große, aber gerade Nase und die gepflegten Zähne.

Ich habe erwartet, den Earl in einem Anzug vorzufinden, eher steif – typisch adlig eben. Aber er trägt ein helles Hemd, das er ein Stück hochgekrempelt hat und gebräunte, leicht behaarte Unterarme entblößt, sowie eine Jeans. Sie steht ihm unverschämt gut und betont seine langen Beine.

»Lord Lindsay …«, bringe ich heiser hervor, ohne nachzudenken, ob ich den Earl nun korrekt anspreche.

Bitte, Mia, mach bloß keinen Fehler!

Als er meine Hand ergreift, überläuft mich ein Prickeln. Seine Rechte ist warm und groß, die Finger schlank. Der Earl überragt mich um einen Kopf, deshalb habe ich seinen Hals und den Ausschnitt des Hemdes vor Augen. Es steht einen Knopf zu weit offen und enthüllt ein Stück Männerbrust, nicht behaart. Ob er sich dort rasiert?

Hilfe, was habe ich plötzlich für Gedanken? Mir wird heiß und bestimmt leuchte ich wie eine rote Ampel.

»Bitte, nennen Sie mich Nathan.« Durchdringend schaut er mich an. »Wir werden für lange Zeit eng zusammenarbeiten.«

»Mia«, hauche ich und lasse seine Hand los. Danach räuspere ich mich, um den Frosch in meinem Hals zu verscheuchen. Wie unprofessionell ich mich benehme – unglaublich! »Ihre Burg ist faszinierend«, fahre ich fort. »Welche Räume sollen denn neu gestaltet werden?« Ich kann es kaum erwarten, meinen Arbeitsplatz zu sehen und der verwirrenden Ausstrahlung dieses Mannes zu entfliehen. Und wie er riecht! Er benutzt ein leicht rauchig-balsamisches Männerparfüm, von dem es mir ganz schwindlig wird. Oder setzt er diesen Duft als Waffe ein, um Frauen herumzubekommen? Kein Wunder, dass alle ihn anhimmeln, er besitzt definitiv das gewisse Etwas. Das kann sogar ich erkennen, obwohl ich nicht viel Erfahrung mit Männern habe.

»Zuvor bitte ich Sie, diesen Vertrag zu unterschreiben.« Er winkt mich zu seinem Tisch und holt ein Blatt aus der Schublade. Teures Papier, versehen mit dem Familienwappen, das mir auf einigen Schilden in der Halle bereits aufgefallen ist: eine Eiche, um die sich ein Drache windet.

Hastig überfliege ich das Schreiben. Es ist ein Geheimhaltungsvertrag, damit nichts über meine Arbeit nach außen dringt.

Mein Wort reicht ihm nicht, er möchte es schriftlich. Ich fühle mich ein wenig gekränkt. Ich bin ein Profi in meinem Job, und er kann auf meine Diskretion zählen, aber er kennt mich ja nicht.

»Noch können Sie gehen«, sagt er ruhig, »wobei ich es sehr schade fände, wenn Sie den Auftrag ablehnten.« Sein Blick trifft mich wie ein Wüstenwind, heiß und ungestüm. Wieso sieht er mich derart an? Als ob er mein Innerstes nach außen kehren möchte. Dabei betrachtet er mein Gesicht und nicht meine auffälligen Brüste, oder er versucht es wenigstens.

Aber es sind seine Worte, die mein Herz einen Satz machen lassen. Noch können Sie gehen …

»Sie verwickeln mich doch in nichts Illegales?« Möchte er mich bezirzen? Er flirtet mit mir, gewiss! Das macht mich beinahe wütend, weil er sein gutes Aussehen und seinen Charme als Waffe missbraucht. Bekommt er mit diesem verwegenen Piratenlächeln alles von seinen Weibchen?

Obwohl ich zugeben muss, dass mich der Earl ebenfalls schwach macht, möchte ich standhaft bleiben. So eine bin ich nicht!

Er schmunzelt. »Keine Angst, es ist nichts, das Ihnen zum Schaden gereicht. Ich möchte der Presse nur nicht noch mehr Klatsch liefern.«

Da stimme ich ihm nickend zu. Ein Mann, auf den die Öffentlichkeit ständig ein Auge hat, verdient genauso Privatsphäre.

»Weitere Fragen?« Seine Brauen heben sich und seine Mundwinkel zucken. Zarte Fältchen liegen darum, genau wie um seine sturmgrauen Augen. Der Earl ist ein Mann in den besten Jahren und entlockt mir beinahe ein Seufzen.

Noch weiß ich nicht, wie ich ihn einschätzen soll, aber er macht mich verdammt neugierig. Was soll die Presse nicht erfahren? Dass er auf Nippes und rosa Plüschmöbel steht?

Als ich nichts erwidere, fügt er hinzu: »Natürlich dürfen Sie sich in der Burg frei bewegen oder sie verlassen, um in die Stadt zu fahren. Allerdings brauchen Sie meinem Butler nur Bescheid zu geben, falls Sie etwas benötigen. Er kann Ihnen alles besorgen. Die nächste Ortschaft ist mehrere Meilen entfernt.«

Er möchte mich unbedingt. Warum gerade mich? Wieso hat er niemanden aus der Gegend beauftragt? Aber die Frage kann ich selbst beantworten: Weil ich England in einem Monat wieder verlassen werde und hier niemanden kenne, dem ich mögliche Geheimnisse weitererzählen könnte.

Bis auf meine Tante. Ob er weiß, dass ich in Birmingham geboren und aufgewachsen bin?

Mutig setze ich meine Unterschrift neben seinen Namen. Mia Ferris. Er hat nur mit Nathan Sterling unterschrieben. Beinahe komme ich mir vor, als würde ich einen Ehevertrag unterzeichnen.

Während ich mich über den Tisch beuge, bemerke ich aus den Augenwinkeln, wie der Earl mich erneut mustert. Diesmal gleitet sein Blick ungeniert über meine Kurven. Macht er das bei allen Frauen? Ich komme mir wie ein Ausstellungsstück vor.

Hitze durchströmt mich vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen, während er um mich herumgeht. Starrt er mir auf den Hintern?

Als plötzlich der Riemen meiner Handtasche von der Schulter gleitet, streckt er blitzschnell den Arm aus und schiebt den Träger wieder zurück an seinen Platz. Dabei spüre ich seine Berührung durch meine Bluse wie einen Stromschlag.

Sofort richte ich mich auf und übergebe ihm das Schreiben. »Wir sind im Geschäft.«

Der Earl … Nathan … lächelt so breit, dass seine hellen Zähne aufblitzen. Für einen Moment kommt der Junge in ihm durch; er wirkt erleichtert und beinahe schelmisch, als würde er etwas aushecken. Er verstaut das Schriftstück in seiner Schublade. Mit einem weiteren Handschlag besiegeln wir unsere Geschäftsbeziehung, wobei er raunt: »Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.«

»Ich mich auch«, erwidere ich und grinse ihn unsicher an. Jetzt wird es ernst. »Aber nun bin ich wirklich neugierig zu erfahren, welche Räume ich umgestalten soll.«

»Meine Spielzimmer. Kommen Sie, ich zeige sie Ihnen.«

Spielzimmer?

Während ich sein Büro verlasse, stellt sich eine gewisse Enttäuschung bei mir ein. Ich hatte gehofft, prunkvolle Räume in der Burg neu zu gestalten. Einen repräsentativen Salon, sein Arbeitszimmer, die Bibliothek … Aber egal, er bezahlt mich ausgezeichnet – ich würde ihm sogar neue Toiletten entwerfen. Mein Gehirn läuft auf Hochtouren. Womit könnte so ein Mann wie Nathan spielen? Soll ich ihm ein Billardzimmer einrichten? Dart? Tischfußball? Oder beherbergt diese Burg womöglich ein kleines Casino?

Kein Wort an die Öffentlichkeit, hat er gesagt. Dann ist es ihm also peinlich. Spielt er etwa mit Modelleisenbahnen? Autos? Oder hat er ein ausgefallenes Hobby? Soll ich einen Golfplatz im Rittersaal planen? Das wäre doch etwas Außergewöhnliches.

»Da wir in den Keller müssen, kann ich Ihnen auf dem Weg dorthin gleich die Burg zeigen«, sagt er, als wir durch den Gang schreiten.

Was könnte er denn im Keller haben? Wein? Ein Schwimmbad?

Meine Neugier wächst ins Unermessliche.

»Wann wurde die Burg errichtet?«, frage ich, um mich abzulenken, und freue mich über die Führung.

»Im 14. Jahrhundert, aber sie wurde im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut, erweitert und modernisiert, nur die Kellergewölbe sind weitgehend im Originalzustand erhalten.«

»Haben Ihre Vorfahren die Burg erbaut?«

»Nein, Sterling Castle ist erst seit zwei Jahrhunderten im Besitz meiner Familie und wurde immer an den ältesten Sohn vererbt.«

Hoffentlich habe ich keinen wunden Punkt getroffen, denn Nathans Lächeln ist verschwunden. Hastig fährt er sich durchs Haar.

Soweit ich mich erinnere, starben seine Eltern vor einigen Jahren. Insofern weist unsere Vergangenheit Ähnlichkeiten auf. Auch er hat nun niemanden mehr. Nathans Vater war ein passionierter Segelflieger. Als er mit seiner Gattin Urlaub machte, geriet das kleine Flugzeug in einen Sturm und zerschellte an einem Berghang.

Erst die Eltern verloren, dann die Frau. Er ist ein Einzelkind, hat keine näheren Verwandten … Am liebsten möchte ich seine Hand nehmen, denn er wirkt ein wenig verloren. Wenn der Earl … Nathan … keine Nachkommen zeugt, ist es wohl vorbei mit der Erbfolge.

Auf einmal lächelt er mich offen an. »Wie gefällt Ihnen die Gegend? Ist es Ihnen nicht zu einsam hier?«

»Gar nicht. Es ist eine willkommene Abwechslung zum hektischen Stadtleben und trockenen Klima in Südkalifornien.«

»Waren Sie von den letzten großen Waldbränden betroffen?« Neugierig schaut er mich an.

»Das Feuer kam nah an Malibu heran, aber wir hatten Glück.«

»Hier dürfen Sie sich auf viel Regen freuen«, sagt er schmunzelnd.

Ich lächle zurück. »Ich glaube, ich werde die Zeit bei Ihnen trotzdem genießen.«

Bei Ihnen … Mensch, Mia!

Er grinst diabolisch. »Das hoffe ich.« Seine dunkle Stimme lässt erneut ein wohliges Prickeln über mein Rückgrat laufen. Was für ein Mann!

Majestätisch und geschmeidig wie ein Tiger läuft er neben mir die Treppen nach unten. Manchmal nimmt er zwei Stufen auf einmal, und ich komme in den Genuss, seinen knackigen Hintern zu bewundern.

»Machen Sie viel Sport?« Ich unterdrücke das Bedürfnis, mir auf die Lippen zu beißen, aber die Worte haben meinen Mund verlassen, bevor ich über sie nachgedacht habe. Langsam verliere ich den Verstand.

Er nimmt es gelassen und antwortet mir mit seinem typisch charmanten Lächeln: »Ein wenig Krafttraining, und falls es meine Geschäfte zulassen, gehe ich täglich laufen.«

»Haben Sie hier einen Fitnessraum?«

»Ja, gleich neben dem Weinkeller.«

Hm, ob ich den neu gestalten soll? Aber was wäre daran verwerflich? »Vielleicht fange ich auch wieder mit dem Joggen an«, sage ich, ohne ihn anzusehen, und fixiere im Vorbeigehen das kunstvoll geschmiedete Geländer, damit er mein knallrotes Gesicht nicht bemerkt. »Meine Laufschuhe habe ich jedenfalls eingepackt.«

»Dann kann ich Ihnen einen wunderbaren Rundweg empfehlen …«

Plötzlich sind wir mitten ins Gespräch vertieft und unterhalten uns über alles Mögliche, während Nathan mir ein paar Räume der Burg zeigt. Die Eingangshalle kenne ich bereits, weiter geht es in den ehemaligen Rittersaal. Er dient nun als Speisezimmer. Die Steinwände sind bestimmt fünf Meter hoch, und an der Decke sehe ich kunstvolle Bögen und dunkle Holzbalken. Daran hängen schmiedeeiserne Leuchter mit elektrischem Licht. Auf dem glatt polierten Boden steht eine lange Tafel, und in dem mannshohen Kamin brennt ein Feuer.

Interessiert lasse ich die Finger über den teuren Marmor des Kaminsimses gleiten. »Wunderschön.«

»Hm«, brummt Nathan neben mir, wobei er nur mich ansieht.

Als ich ihm in die Augen blicke – verdammt, warum müssen sie von solch intensivem Grau sein? –, weicht er einen Schritt zurück. »Heute Abend gibt es Roastbeef. Meine Köchin macht das beste weit und breit. Ich hoffe, Sie haben Hunger mitgebracht?«

»Für gutes Essen bin ich immer zu begeistern«, erwidere ich.

»Prima, ich mag nämlich keine Frauen, die ständig Kalorien zählen.« Erneut brennen sich seine Blicke in mich. Flirtet er mit mir? Oder ist er immer so?

»Ein wenig Sport würde mir nicht schaden.« Mann, Mia, verrate ihm doch gleich, dass du Minderwertigkeitskomplexe hast!

»Sie sind perfekt, wie Sie sind«, raunt er.

Oh mein Gott! Welche Richtung nimmt das Gespräch?

Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass neben mir ein Earl steht, ein Adliger, mein Auftraggeber! Doch er flirtet ungeniert, lächelt, starrt mich an. Ich bin das nicht gewohnt und fühle mich wie ein Schulmädchen. Für ihn ist das gewiss normal, in der Öffentlichkeit gibt er ja auch den unwiderstehlichen Casanova.

Allein deshalb sollte ich mich von ihm fernhalten. Wenn ein solcher Mann immer noch ungebunden ist, stimmt etwas nicht.

Als wir weitergehen, atme ich erleichtert auf. Nathan führt mich durch Salons bis zur großzügigen Bibliothek, in der sich Bücher bis unter die Decke stapeln. Sogar zwei hohe Erkerfenster sind von Regalen eingerahmt. Kein Millimeter freie Wand ist erkennbar, nur Bücher, wohin das Auge reicht. Und in den Erkern liegen große Kissen, sodass man direkt am Fenster lesen kann.

»Wow!« Ist das schön hier. Tief inhaliere ich den Geruch von altem Papier, Leder und Druckerschwärze.

Nathan steht dicht hinter mir, sodass ich die Hitze spüre, die sein Körper ausstrahlt. »Sie können herkommen, wann Sie wollen.«

»Danke, das Angebot werde ich sicher annehmen.« Warum geht der Mann auf Tuchfühlung? Und wann bekomme ich endlich die Räume zu sehen, die ich umgestalten soll? Man könnte den Eindruck gewinnen, er möchte es hinauszögern.

»Okay!« Als hätte er meine Gedanken gelesen, tritt er plötzlich von mir zurück. »Und nun zeige ich Ihnen den Keller.«

Wir verlassen die Bibliothek, doch anstatt ins Treppenhaus zurückzukehren, führt er mich in ein unscheinbares Zimmer, in dem lediglich ein Klavier steht. Der Raum ist holzvertäfelt und wirkt wenig bewohnt. Es ist kühl hier.

»Spielen Sie?«, frage ich und deute auf das Instrument.

Er schüttelt den Kopf und antwortet knapp: »Gehörte meiner Frau.« Schnurstracks geht er auf ein Wandpaneel zu und drückt dagegen. Mit einem leisen Klick öffnet sich eine Geheimtür.

Nathan hat da unten doch kein Labor und macht irgendwelche verrückten Experimente? Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, und ich kralle die Finger in meine Handtasche. »Da geht’s aber nicht zum Weinkeller, oder?«

»Nein. Und das ist auch nicht der gewöhnliche Zugang zum Keller.« Sein Lächeln ist verschwunden und er wirkt ein wenig angespannt, als er »nach Ihnen« sagt und mich die Steintreppen nach unten gehen lässt.

Himmel, worauf habe ich mich eingelassen? Vor Aufregung wollen mich meine Beine kaum tragen. Zum Glück fällt die Tür nicht hinter uns zu.

Indirektes violettes Licht bestrahlt den engen Abgang, der mich an das London Dungeon erinnert. Hat er da unten sein privates Gruselkabinett? Oder baut er Marihuana an? »Jetzt machen Sie mich aber wirklich neugierig.« Meine Stimme zittert ein wenig, aber sonst halte ich mich ganz gut, finde ich, denn meine Anspannung steigt mit jedem Schritt, den es tiefer geht.

Am Ende der Treppe stehe ich in einem Gang aus rohen Steinen. Unverkennbar befinden wir uns weit unter der Burg. Immerhin gibt es hier Strom; altertümlich aussehende Laternen spenden ein schwaches Licht. Als wären wir tatsächlich im London Dungeon.

Nathan geht voran. Rechts vom Gang im Abstand von etwa fünf Metern befinden sich Holztüren. Sie sehen massiv aus und wurden definitiv viel später angebracht.

»Die meisten Räume sind noch leer, aber Fußbodenheizung, Strom- und Wasseranschlüsse sind vorhanden. Ich wünsche mir verschiedene Themenzimmer, mindestens drei«, erklärt er. »Und diesen Raum möchte ich komplett umgestaltet haben.« Er öffnet die vierte Tür und betätigt einen Schalter.

Als das Licht aufflammt, bleibt mir die Luft weg. Ich bin in einem Verlies gelandet! Ketten, Ösen und Seile hängen von den Steinwänden. Es gibt sogar ein riesiges schwarzes Andreaskreuz, an dem ein Mensch festgebunden werden kann, und seltsame andere Möbelstücke aus massivem Holz oder Metall, die eher wie Turngeräte aussehen. In einer beleuchteten Glasvitrine liegen … kleine Peitschen? Oh Gott, ich stehe in einer Folterkammer!

Aber als ich das Bett mit dem lila Himmel sehe und einen genaueren Blick in die Vitrine werfe, in der sich auch diverse Dildos und Vibratoren befinden, dämmert es mir. Das ist ein SM-Studio! Dies ist also Nathans Geheimnis: Er hat ganz spezielle sexuelle Vorlieben. Daher die Verschwiegenheitsklausel.

Als ich den ersten Schock verdaut habe, werde ich wütend. Dieser dreiste Kerl! Wie kann er es wagen … Am liebsten möchte ich ihm meine Handtasche ins Gesicht schleudern.

»Sie haben mich allen Ernstes aus Kalifornien kommen lassen, damit ich Ihnen ein Sado-Maso-Zimmer einrichte?« Ich versuche, meine Stimme ruhig klingen zu lassen, aber ihm wird das Zittern darin nicht entgangen sein.

»Sie sollen kreative Ideen haben, Ihre Firma hat einen sehr guten Ruf. Und ich hätte hier gerne vieles anders gestaltet. Nicht so düster. Vielleicht orientalisch angehaucht.« Wie cool er zwischen den Gerätschaften steht, die Hände lässig in den Jeanstaschen vergraben und kein bisschen peinlich berührt, während ich vor Scham am liebsten im Boden versinken möchte.

»Nun, Mia, was sagen Sie? Schaffen Sie das?«

Dann stimmen also die Gerüchte, dass er in gewissen Etablissements gesehen wurde. An was für einen Mann bin ich nur geraten?!

»Sie wirken ein wenig indigniert«, sagt er schließlich in die entstandene Stille hinein.

Langsam finde ich die Sprache wieder. »Nun, es ist nicht das, was ich erwartet habe.« Tief atme ich durch und versuche, mich zusammenzureißen, da er mir beinahe leidtut, wie er mich so zerknirscht ansieht. »Tatsächlich habe ich etwas anderes erwartet. Etwas völlig anderes!« Mein Ton klingt schärfer als beabsichtigt. Ich muss raus, muss mich sammeln, brauche frische Luft, bevor ich etwas sage, was ich später bereue.

Rasch drehe ich mich um und verlasse den Raum.

Nathan folgt mir auf den Fersen. »Warten Sie, Mia!«

»Sie haben mich unter völlig falschen Tatsachen hergelockt!« Meine Worte hallen von den kahlen Wänden wider und ich erschrecke, wie laut ich geworden bin. Bisher hat mich noch kein Auftrag aus der Ruhe gebracht, aber hier fehlen mir die Worte. Außerdem macht es mich wütend, dass ich von dieser Materie nicht die geringste Ahnung habe. Ich hatte erst einen Freund, und die Beziehung dauerte nur wenige Monate. Sex ist mir ohnehin nicht wichtig, dazu habe ich einfach keine Zeit. Ich habe meine Firma aufgebaut, mich in die Arbeit gestürzt, komme erst spätnachts nach Hause und möchte dann nur ins Bett.

»Habe ich nicht«, sagt er ruhig. Er greift nach meinem Arm und zwingt mich zum Anhalten.

»Was?« Mit wild pochendem Herzen wirbele ich zu ihm herum, bereit, ihm wüste Beschimpfungen an den Kopf zu werfen, doch seine Nähe raubt mir erneut den Atem.

»Ich habe Ihnen nichts vorgemacht, Mia.«

Wie unschuldig er schauen kann! Kein Wunder, dass ihm die Frauen reihenweise verfallen, er hat sämtliche Tricks auf Lager.

Aber gut, er hat recht. Im Brief stand nur, dass ich ein paar Räume der Burg umgestalten soll. Er hat nicht erwähnt, welche. Dieser Schuft!

»Wieso wollen Sie das alles überhaupt verändern?«, möchte ich wissen. »Es sieht doch aus wie neu und passt thematisch zusammen.«

»Weil es mich an meine Frau erinnert«, erwidert er barsch.

Ich sehe den Schmerz in seinem Gesicht. Er hat sie geliebt.

Ein Stich durchzuckt meine Brust. Ich wollte ihn nicht verletzen, aber jetzt ist es zu spät. Auf einmal ist er derjenige, der wütend ist. Er kneift die Lider zusammen und schaut mich scharf an. »Stoße ich Sie ab?«

Stumm schüttle ich den Kopf.

»Finden Sie meine Neigung pervers?«

Immer noch hält er mich fest, und ich gehe unwillkürlich rückwärts. Er macht mir ein wenig Angst. Wir sind allein hier unten, es ist düster, und er ist aufgebracht … Ich könnte mich losreißen, nach oben laufen – doch ich kann den Blick nicht von ihm nehmen. Diese Trauer und die Sehnsucht in seinen wunderschönen grauen Augen gehen mir ans Herz.

»Sie müssen meine Vorlieben nicht gutheißen, Mia, nur Ihre Arbeit erledigen.« Er kommt so nah, dass ich mit dem Rücken gegen die Wand stoße. »Ich werde Ihnen die Wahrheit erzählen, Mia. Ich möchte mich endlich wieder lebendig fühlen und meine Gelüste auskosten. In meinen eigenen vier Wänden, wo niemand erfährt, was ich treibe. Aber dort drin erinnert mich alles an Sarah. Sie hat all die Möbel mit mir ausgesucht und das Zimmer eingerichtet, wir hatten viel Spaß zusammen. Doch das ist Vergangenheit. In Zukunft suche ich mir eine Spielpartnerin, mit der ich unverbindlich Vergnügen haben kann.«

Er stützt die Arme seitlich neben meinem Kopf ab und hält mich mit seinem Körper an der Wand gefangen. »Ich bin nicht tot, Mia, ich habe Bedürfnisse. Ja, sie mögen einigen Leuten nicht zusagen, aber ich sehe nichts Verwerfliches darin, solange es beiden gefällt.«

Als er endet, bleibt er stehen, rückt keinen Millimeter von mir. Abwartend schaut er mich an, studiert mich ohne Scheu. Er ist so willensstark und stur – unglaublich!

Und er hat mir den Wind aus den Segeln genommen. Nur, was soll ich jetzt sagen? In meinem Kopf purzelt alles durcheinander. Ich sehe ihn nackt in diesem Verlies, wie er eine Frau – seine Frau – am Andreaskreuz auspeitscht.

»Es gibt Leute, denen gefällt es, gefesselt und … geschlagen zu werden?«, frage ich vorsichtig. Natürlich habe ich davon gehört, aber mir fällt im Moment nichts anderes ein, und dieses Schweigen zwischen uns macht mich verrückt. Die Situation ist bizarr. Ich stehe mit dem begehrtesten und reichsten Mann von ganz England in seinem Keller und unterhalte mich über SM und Gefühle und … ach!

»Ja, solche Menschen gibt es, aber das ist nicht das, was ich möchte. Ich beziehe meine Lust nicht daraus, eine Frau zu schlagen, sondern ich möchte ihr höchsten Genuss verschaffen. Sie soll sich fallen lassen können, sich in meine Hände begeben. Ich möchte sie verwöhnen, will sie unter mir stöhnen, nach mehr flehen hören. Und falls sie nach Schmerzen bettelt, dann wird sie nur Lustschmerz zu spüren bekommen.« Er atmet schwer und drückt mich mit seinem Brustkorb unnachgiebig gegen die Wand. Seine Kraft beeindruckt mich, sein starker Körper erregt mich, lässt das Adrenalin durch meine Adern peitschen.

»Habe ich mich verständlich ausgedrückt?«, setzt er hinzu.

Seine Ehrlichkeit schockiert mich, doch sie zeigt mir, welches Vertrauen er in mich legt. Er entblößt seine Seele vor mir, woraufhin ich mich nur noch mehr zu ihm hingezogen fühle. Er ist so ein attraktiver und interessanter Mann, aber verletzt bis ins Mark. Ob die alte Wunde jemals heilen wird? Wie sehr muss er seine Frau geliebt haben. Fast beneide ich sie. Sarah durfte Nathans Liebe spüren. Ihr gehört sein Herz auch über den Tod hinaus.

Ich möchte diese Wunde schließen, ihn ganz machen.

»Gut, ich werde mein Bestes geben«, sage ich heiser und kann den Blick nicht von seinem Mund nehmen, der direkt vor meinen Augen liegt. Seine Lippen sind schön geschwungen und viel zu nah … Eine feine Narbe zieht sich durch die Unterlippe, und am Kinn erkenne ich ebenfalls eine, dort, wo sich fast jeder Junge eine Verletzung holt.

Plötzlich streifen seine Lippen meine Wange. »Ich möchte Sie küssen, seit Sie mein Arbeitszimmer betreten haben.«

»Was?«, hauche ich, und mein Puls überschlägt sich. Damit habe ich trotz dieser intimen Nähe nicht gerechnet. »Warum?«

»Braucht es immer einen Grund?« Nathans Lider senken sich; er knabbert an meinem Kinn. »Noch können Sie mich aufhalten, und ich werde Sie nie wieder anfassen, aber danach gibt es kein Zurück.«

Kein Zurück … Was möchte er? Ein unverbindliches Abenteuer?

Dass er sich nicht mehr binden will, hat er klargemacht. Aber was möchte ich? In einem Monat werde ich wieder in meiner Firma sein, weit weg von ihm. Wir werden uns nicht mehr sehen. Und niemand wird etwas erfahren. Von uns, von diesem Job. Ich habe unterschrieben. Ob ich mich darauf einlassen soll?

Mein Herz schlägt so wild, dass der Puls in meinen Ohren donnert. Dieser Mann macht mich neugierig, und er hat meine Lust geweckt.

Ja, ich will.

Langsam drehe ich den Kopf, meine Lippen nähern sich seinem Mund.

»Mia …«, raunt er und küsst mich. Zu Beginn ist er zögerlich, sanft, doch dann keucht er auf und erforscht mich mit seiner Zunge, während sich seine Gestalt an mich presst. Sein Mund ist heiß und feucht, er schmeckt nach Pfefferminze.

Ich stehe nur da, lasse es geschehen und komme ihm zögerlich entgegen. Seine Nähe, dieser Kuss … Ich bin verwirrt.

Wie betäubt verharre ich an der Wand, lasse die Arme hängen und beinahe meine Handtasche fallen.

Er berührt mich nur mit Zunge und Lippen, obwohl ich mich nach seinen Händen auf meinem Körper sehne. Meine Brustspitzen prickeln, in meinem Schoß pocht es. Himmel, was stellt dieser Mann mit mir an? Als hätte er bei mir einen Schalter umgelegt, beginne ich zu leben. Zu fühlen. Zu genießen.

Gerade, als ich meine Hände an seine Hüften legen möchte, weicht er zurück. Nur ein Stück, um mich zu betrachten.

Ich möchte den Blick abwenden, bin unsicher und schäme mich ein bisschen, doch ich bleibe standhaft und starre ihm mutig entgegen. Mein Herz rast, meine Muskeln bestehen aus Brei. Wozu habe ich mich hinreißen lassen?

Immer wieder frage ich mich, was er an mir findet, warum er mich küssen wollte. Er kann doch jede haben! Ist es, weil er viel arbeiten muss, kaum seine Burg verlässt und ich als einzige Frau, die nicht zu seinem Personal gehört, greifbar bin?

»Du brauchst keine Angst vor mir zu haben«, sagt er.

»Habe ich nicht.«

Seine Mundwinkel zucken. »Dann bleibst du also?«

Ich nicke. »Aber ich habe keine Ahnung von dieser … Materie. Daher weiß ich nicht, ob ich den Auftrag zu deiner Zufriedenheit ausführen kann.«

»Da gibt es nicht viel zu verstehen. Ich kann dir zeigen, wozu die Geräte gut sind.« Schon fasst er meine Hand und führt mich zurück ins Verlies.

Als wir den Raum erneut betreten, ziehe ich geschäftig einen Notizblock aus meiner Handtasche. »Okay, was stellst du dir denn ungefähr vor?« Der Kuss brennt immer noch auf meinen Lippen und bringt mich durcheinander. Beinahe entgleitet mir der Stift.

»Wie gesagt, vielleicht etwas im orientalischen Stil, auf jeden Fall möchte ich weg von dieser Kerkeroptik. Zuerst soll dieser Raum neu gestaltet werden und wenn Zeit bleibt, mindestens zwei weitere …«

Er redet und erklärt, und ich mache mir Notizen, bringe Farbvorschläge ein, notiere mir Ideen für Muster, Lampen und Teppiche. Dabei muss ich ihn immer wieder ansehen, wie er so selbstsicher zwischen den SM-Möbeln umherschreitet. Mein Puls schlägt allein bei seinem Anblick schneller. Nathan hat die Ärmel seines Hemdes noch ein Stück weiter hochgerollt, sodass ich seine Unterarme bewundern kann, die leichte Behaarung, die zart gebräunte Haut, die Muskeln.

Schließlich kommen wir zu den Geräten, und ich lasse tatsächlich den Stift fallen, als Nathan mir befiehlt, ich solle mich vor das Andreaskreuz stellen.

»Gib mir mal deine Sachen.« Er nimmt mir meine Handtasche ab, bückt sich nach dem Stift und verstaut ihn mitsamt Block darin, bevor er sie zur Seite legt. Dann hebt er meine Arme an. »Keine Angst, ich werde dich nicht fesseln, du sollst nur eine ungefähre Vorstellung bekommen, wie man sich daran fühlt.« Er führt meine Hände zu zwei Ösen, an denen ich mich festhalten kann, danach schiebt er sein Knie zwischen meine Schenkel und raunt: »Spreiz deine Beine ein Stück.«

»I-ich kann nicht, der Rock ist zu en … Nathan!«

Er hat den Stoff einfach nach oben geschoben!

Darunter trage ich halterlose Seidenstrümpfe und einen weißen Stringtanga. Unverfroren mustert er meine Wäsche, bevor er in die Hocke geht, die Hände zwischen meine Beine schiebt und sie auseinanderdrückt.

Mein Inneres zieht sich zusammen, mein Kitzler pocht. Nathans warme Hände auf meiner Haut, an solch einer intimen Stelle, bringen mein Blut zum Kochen. Scharf hole ich Luft und bin fast enttäuscht, als er die Finger viel zu bald wegnimmt. Dabei befindet sich sein Kopf genau auf einer Höhe mit meinem Unterleib. Fast scheint es, als ob er an mir schnuppern möchte.

Scham brennt in meinem Gesicht, und ich schließe die Augen, während ich wie ein X vor ihm stehe.

»Und, wie fühlt sich das an?«, fragt er.

Als ich blinzle, sieht er zu mir auf. Er berührt mich nicht, doch er ist mir immer noch extrem nah.

»Beschreibe mir, was in dir vorgeht, Mia.«

»E-es ist mir peinlich, dass du mich so siehst.« Ich möchte meine Beine schließen, aber irgendwie gefällt mir seine Musterung auch wieder.

»Was genau ist dir peinlich? Du bist doch angezogen.« Mit dem Zeigefinger fährt er ein Mal über meinen Slip und streift meine Schamlippen.

Leise stöhne ich auf, presse kurz die Lider zusammen. Was macht er mit mir? Wieso lasse ich das zu? Ich muss verrückt sein!

»Bitte, Mia, sag mir, was du empfindest.«

»Es ist mir peinlich, dass du mich … dort unten so genau ansiehst.«

»Nenne das da unten beim Namen.«

»Meine …« Nein, ich kann es nicht sagen! Außerdem klingen alle Wörter für das weibliche Geschlecht irgendwie albern.

»Muschi? Möse? Pussy?« Sanft lächelt er mich an. »Du hattest noch nicht viele Beziehungen, vermute ich. Oder der richtige Mann war noch nicht dabei? Einer, der versteht, was du möchtest. Mit dem du offen über deine Wünsche reden kannst.«

»Hm.« Sex mit meinem letzten Freund hat mir tatsächlich nicht so viel Spaß gemacht, weil er nur auf seine Erfüllung bedacht war und ich mich nicht traute, meine Wünsche zu äußern. Die Beziehung war auch nur von kurzer Dauer.

»Gefällt es dir, so ausgeliefert vor mir zu stehen?«, fragt er.

Langsam schüttle ich den Kopf.

»Und warum wirst du dann feucht?«

»Was?!« Ich reiße die Augen auf und möchte nachsehen, doch er drückt seine Hand gegen meinen Bauch.

»Dein Slip hat einen Fleck.« Erneut fährt er mit dem Finger darüber, und meine inneren Muskeln ziehen sich zusammen. Es ist mir unsagbar peinlich, und trotzdem möchte ich gerade nirgendwo anders sein.

»Ich zeige es dir. Darf ich?«

Immer noch kniet er zwischen meinen Schenkeln. Unschuldig schaut er zu mir auf, obwohl er es faustdick hinter den Ohren hat.

Vorsichtig nicke ich.

Er schiebt meinen Tanga zur Seite, und ich spüre Nathans Atem an meiner Scham. Mein Kitzler pocht, wünscht sich, von ihm berührt zu werden, doch sagen werde ich das nicht. Ich kann nicht.

Ausgiebig betrachtet er mich, streichelt zart über meine Schamlippen. »Du hast eine schöne Pussy. So zierlich und unschuldig.«

Muss er laut denken? Leider führen seine Worte und das Spiel seiner Finger dazu, dass ich noch feuchter werde.

Als er plötzlich behutsam meinen Kitzler zusammendrückt, schreie ich auf. »Nathan!«

Er lacht leise. »Dachte ich mir, dass dir das gefällt. Du bist auch schon richtig nass.«

Bevor ich weitere Gedanken an irgendetwas verschwenden kann, schiebt er seinen Zeigefinger langsam in mich.

Nein, das … kann er doch nicht tun! Ich schnappe nach Luft, kralle die Finger um die Ösen und lege den Kopf zurück. Immer tiefer dringt Nathan in mich ein. Ich muss wirklich verrückt sein, das zuzulassen. Aber es fühlt sich herrlich an!

Sein Finger gleitet rein und raus, ich höre ein Schmatzen.

»Ich würde dich gerne lecken«, sagt er rau.

Ja, bitte!, möchte ich rufen, traue mich jedoch nicht.

Da zieht er sich zurück und steht auf. »Du darfst alle Wünsche äußern. Das möchte ich sogar.«

»Ich kann nicht«, flüstere ich. Dabei starre ich auf seinen Zeigefinger, den er mir vor die Nase hält. Er glitzert im matten Licht.

Wieso tut er das? Mein Gesicht brennt vor Scham.

»Du wirst noch lernen, mir zu sagen, was dir gefällt, Mia.« Grinsend wackelt er mit dem Finger. »Möchtest du ihn ablecken?«

»Nein!«

»Ah, das war eine klare Ansage.« Er lächelt verschmitzt. »Hast du schon mal probiert, wie du schmeckst?«

Dieser Mann ist so direkt! Er hat keine Scheu, ihm ist wohl nichts peinlich.

»Also nicht?«

»Nein«, hauche ich.

»Dann hast du was verpasst.« Er hält mir den Finger unter die Nase, doch ich drehe den Kopf weg. Mein Puls klopft wild, genauso wild wie mein Kitzler. Dort soll er mich lecken, mich dort noch einmal berühren.

Aber was macht er? Er schiebt sich den Finger in den Mund! Genussvoll schließt er die Augen und leckt meinen Saft ab. Dabei stöhnt er leise und fasst sich mit der anderen Hand an den Schritt. Er hat eine gewaltige Beule in seiner Jeans. Nathan ist erregt, bestimmt nicht weniger als ich.

»So«, sagt er nach wenigen Sekunden und dreht sich um.

Er kann doch jetzt nicht allen Ernstes aufhören? Mein Unterleib steht in Flammen, alles pocht und pulsiert – und er geht?!

»Aber …« Ich lasse die Arme fallen. Meine Finger tun ohnehin weh, weil ich die Ösen so fest umklammert habe. Trotzdem kann das nicht schon alles gewesen sein!

Hastig schiebe ich den Rock über meine Oberschenkel und gehe zu ihm.

»Du solltest dein Gesicht sehen.« Grinsend mustert er mich. »Du bist schon mittendrin in unserem Spiel. Ich berühre dich kaum, und trotzdem macht es dir Spaß.«

Natürlich, für ihn ist alles nur ein Spiel, das habe ich beinahe vergessen. Ich wende den Blick ab, doch er fasst an mein Kinn. Möchte er mich wieder küssen? Bitte, küsse mich.

Seine Lippen kommen näher, aber kurz bevor er mich berührt, lässt er mich los und sagt: »Lass uns ein anderes Gerät testen.«

Ich bin ein wenig enttäuscht, dass er mich nicht geküsst hat, aber eine andere Seite in mir freut sich. Das Spiel geht weiter.

»Nimm den Rock wieder hoch und leg dich dort drüber.« Er deutet auf eine seltsam anmutende Stahlkonstruktion, eine Art gebogene Liege mit einer tieferen und einer höheren Fläche, die mit Lederpolstern bezogen ist. Vorne und hinten sind Gurte angebracht. Mit ihnen kann man wohl Arme und Beine fixieren. Es braucht schon viel Vertrauen in einen anderen Menschen, wenn man sich festbinden lässt.

»Was ist das?«

»Ein Strafbock. Darauf mache ich dich fest, wenn du nicht gehorchst.«

»Was?«

Er lacht und schiebt meinen Rock erneut nach oben. Als ob ich ihm gehöre. »Man kann ihn auch zum Verwöhnen einsetzen. Leg dich bäuchlings drauf. Keine Angst, ich schnalle dich nicht fest.«

Nur weil Nathan derart locker mit der ganzen Sache umgeht, gehorche ich ihm. Trotzdem empfinde ich es als ein wenig erniedrigend. Denn kaum knie ich mich auf das gerade, tiefere Stück und lege mich mit dem Bauch auf die erhöhte Rundung, recke ich ihm ungewollt mein Gesäß entgegen. Ich fühle Nathans warme Hände auf meinen Pobacken. Der knappe Stringtanga entblößt beinahe alles.

»Du hast einen schönen Hintern.« Mit beiden Händen knetet er meine drallen Backen und fährt über die halterlosen Strümpfe. Ich habe gehört, dass manche Männer verrückt danach sein sollen. Nathan scheinen sie auch zu gefallen. Er walkt mich richtig gut durch. Hm, das ist wie eine Massage, davon könnte ich mehr haben. Nur dieses zur Schau stellen ist mir weiterhin peinlich.

Nathan natürlich nicht, denn erneut drückt er meine Beine auseinander und fährt mit der flachen Hand über meine Scham. Seine Finger schlüpfen unter den Stoff und gleiten durch meine feuchte Spalte. Er massiert meinen Kitzler, woraufhin ich das Gesicht in die Armbeuge drücke, um mein Stöhnen zu dämpfen. Es ist fremd, mich selbst zu hören. Auch das ist mir peinlich, und doch ist es wiederum dieses Gefühl, das meine Erregung steigert. Es gefällt mir, dass ein großer, starker Mann mich verwöhnt. Ein begehrenswerter, wunderschöner Kerl.

Seine Finger spielen an mir, reizen meinen empfindlichen Punkt und treiben meine Lust in die Höhe.

Mein Herz rattert gegen das Polster der Bank. Nathan bräuchte nur seine Hose zu öffnen, und er könnte mich nehmen. Der verdorbene Teil in mir, der bisher gut versteckt gelebt hat, wünscht sich das, doch mein Verstand sagt Nein. Ich habe diesen Mann doch gerade erst kennengelernt!

Aber er hält sich zurück und verwöhnt allein mich. Wenn dieser Vertrag nicht zwischen uns stehen würde – oder die Standesunterschiede –, könnte ich mich glatt in ihn verlieben.

Als plötzlich seine andere Hand auf meine Pobacke saust, sodass es klatscht, stoße ich einen Schrei aus. Nur weil ich überrascht bin, es hat nicht wehgetan.

»Würde es dir gefallen, wenn ich dir den Po versohle?« Seine Stimme klingt heiser und zittert vor Erregung.

»Ich denke nicht«, murmele ich. »Aber …« Mein Ehrgeiz bezüglich des Projekts ist geweckt. Da ich keine Ahnung von all diesen Spielarten habe, sollte ich sie mir wenigstens zeigen lassen.

»Aber?«, fragt er.

Als ich über meine Schulter sehe, steht Nathan mit in den Hüften gestemmten Händen und erhobenen Brauen hinter mir.

Ich räuspere mich und mein Kopf ist bestimmt tomatenrot. »Ich möchte deinen Auftrag so gut wie möglich umsetzen und deshalb nachfühlen, wie jemand in meiner Position empfindet.«

»Jemand in deiner Position?« Er schmunzelt. »Die nennt man Sub.«

Sub … Ich sollte mir Bücher zu dem Thema kaufen. »Ja, ich glaube, ich muss es am eigenen Leib erleben, damit ich richtig in die Materie eintauchen und die perfekten Möbelstücke entwerfen kann.«

»Ach so, ich verstehe«, sagt er amüsiert.

Soll er doch denken, was er will.

Ich schaue ihm nach, als er auf den Glasschrank zugeht, dort einen schwarzen Gegenstand herausholt und sich noch etwas in die hintere Jeanstasche steckt. Der Gegenstand sieht ein wenig aus wie eine Peitsche und besteht aus einem Griff und vielen Lederschnüren. »Das ist ein Flogger. Der ist zum Streicheln und Aufwärmen gut. Ich zeig es dir. Keine Angst, es tut nicht weh.«

Mit den Schnüren streichelt er mein Gesäß, zwischendurch lässt er die Riemen auf meine Haut klatschen. Dabei steigert er die Intensität der Schläge, bis mein Po brennt. Nicht nur der, mein ganzer Körper steht in Flammen.

Sanft schlägt er mit dem Flogger zwischen meine Beine, und als eine Schnur meinen Kitzler trifft, pocht er hart. Kaum zu glauben, allein die Schläge bringen mich fast zum Höhepunkt. Aber immer nur fast, es fehlt noch etwas. Nathan fehlt mir. Seine direkten Berührungen, seine Finger, sein Körper.

Nathan drückt meine Schenkel noch weiter auseinander. Wenn doch nur der Slip nicht wäre, damit Nathan meine nackte Scham treffen könnte.

»Du hast eine Seite in dir, die genau das möchte«, sagt er.

Er hat recht. Ich möchte das. Mich ihm hingeben, mich auf diese Weise von ihm verwöhnen lassen.

Meine Brüste spannen, pressen sich auf die Bank. Ich wünschte, er würde auch sie berühren. Wenn ich ihm das sagen würde, wäre er sicher sofort bereit, es zu tun. Aber ich kann nicht. Stattdessen verstecke ich mein Gesicht zwischen den Armen und unterdrücke mein Stöhnen. Er soll es nicht hören. Ich mag es nicht hören. Was denkt er nur von mir? Dass ich eine liederliche Frau bin? Verkommen bis ins Mark? Aber ich habe so etwas noch nie gemacht, wirklich nicht!

Endlich spüre ich wieder seine Hände an meinem Gesäß. Er streichelt meine sensibilisierte Haut, bläst darauf, kühlt sie. Dann küsst er meine Pobacken, zieht sie auseinander und verteilt sanfte Bisse auf meinen intimsten Stellen.

Ja, tiefer, bitte, Nathan! Reiß mir doch endlich diesen blöden Slip herunter!

Er keucht laut, sein Atem stößt gegen meinen feuchten String. Mit den Lippen beißt er durch den Stoff in meine Scham.

Ich stöhne auf. »Nathan …«

»Sarah …«

Sarah? Er sagt den Namen seiner Frau?

Plötzlich hört er auf, und ich schaue über meine Schulter, weil ich ihn nicht mehr bei mir spüre.

Er sieht auf den Boden, fährt sich über das Gesicht. »Es tut mir leid. Ich …« Rasch dreht er sich um und verlässt das Verlies.

»Nathan!« So schnell ich kann, klettere ich von dem Gestell, ziehe den Rock nach unten, schnappe meine Handtasche und eile ihm hinterher. »Nathan, warte!«

Ich treffe ihn im Gang. Er steht an der Wand, hat die Augen geschlossen und atmet schwer. Er ist immer noch erregt, seine Jeans kann die Erektion kaum verbergen.

Mein Puls rast. Was soll ich tun? Ich habe eine verwegene Idee … Soll ich mich trauen?

Dicht trete ich zu ihm und lege die Hand auf seine Brust. Durch das Hemd spüre ich die Hitze seiner Haut. Sein Brustkorb hebt und senkt sich schnell; die Lider hält er weiterhin zusammengekniffen. Wartet er ab, wie ich reagiere?

Mutig schmiege ich mich an ihn und küsse seinen Hals. Dabei lasse ich die Hand tiefer wandern, über seinen flachen Bauch bis zu der Beule in der Hose. Alles dreht sich vor meinen Augen, daher schließe ich sie. Ich bin verrückt, ihn dort zu berühren, einen Mann, den ich kaum kenne! Doch ich bin neugierig, wie er sich anfühlt, möchte ihn spüren. Nathan hat mich mit seiner Lust infiziert.

Mit sanftem Druck streichle ich über den Stoff, spüre den harten Schaft, der sich dagegendrängt. Am liebsten möchte ich seine Hose öffnen und ihn umfassen.

Er steht weiterhin beinahe reglos an der Wand, nur sein Atem rast.

»Ich bin nicht deine Frau, Nathan, und niemand kann sie dir zurückgeben.« Nach diesen Worten schlucke ich. Steht es mir zu, über Sarah zu sprechen? Wie wird er reagieren? Ich weiß, dass ich alles riskiere, aber ich möchte sein verwundetes Herz heilen. »Doch ich kann dir ein wenig Vergessen schenken. Und ich möchte von dir lernen, will mich in deine erfahrenen Hände begeben.« Oh Gott, habe ich das wirklich gesagt? Was macht dieser Mann mit mir? Aber bevor er zu einer anderen geht, soll er mich nehmen. Ich will ihn immer mehr, obwohl ich ihn niemals haben kann. Doch möchte man nicht immer das Unerreichbare?

Er schlägt die Augen auf, und der traurige Ausdruck darin ist verschwunden. Stattdessen brennt wieder dieses Feuer in ihnen. »Nicht hier.«

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