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COLLECTION BACCARA BAND 360

BARBARA DUNLOP

Leidenschaft auf den zweiten Blick

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Süße Geheimnisse jener Nacht

Ja, es gibt einen Mann in Sharis Leben: ihren kleinen Sohn Andre! Aber dann steht eines Tages ihr Ex-Liebhaber Grant vor ihrer Tür. Mit wild klopfendem Herzen sieht Shari, dass er sofort seine Ähnlichkeit mit Andre bemerkt. Doch mit seiner Reaktion hat sie nicht gerechnet. Denkt Grant wirklich, sie könnten einfach dort weitermachen, wo sie aufgehört haben?

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Heiraten? Bis vor Kurzem hätte Playboy Craig Richmond schallend über die Idee gelacht. Mit einem Mal ist jedoch alles anders. Denn aus einem gemütlichen Abend mit seiner besten Freundin Tess wurde unerwartet sinnliche Leidenschaft. Und obwohl Craig eigentlich nicht an die Liebe glaubt, gibt es plötzlich einen guten Grund, an Heirat zu denken …

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Leidenschaft auf den zweiten Blick

1. KAPITEL

Acht Sekunden – das schaffst du. Mit einem beherzten Satz schwang Travis Jacobs sich auf das Gatter des Pferchs, in dem der Stier unruhig umhertänzelte, den er gleich reiten würde. In der Arena mühte sich währenddessen ein anderer Cowboy damit ab, sich auf dem Rücken eines weiteren Prachtbullen zu halten.

Statt auf seinen Konkurrenten konzentrierte Travis sich ganz auf das Muskelpaket vor ihm, um Earls Verfassung einzuschätzen. Noch verhielt das Tier sich einigermaßen kontrolliert.

Er krempelte die Hemdsärmel auf, drückte seinen Stetson tief in die Stirn und schob die Rechte in einen alten, abgewetzten Lederhandschuh.

Ein Stöhnen ging durchs Publikum und wenig später ertönte das Signalhorn. Offenbar hatte sich der Cowboy vor ihm nicht die geforderten acht Sekunden auf dem Bullenrücken halten können.

Travis kontrollierte aufmerksam den korrekten Sitz des Flankengurts, wickelte sich den daran befestigten Lederriemen um die rechte Hand, atmete ein letztes Mal tief durch, schob sich langsam auf den Rücken des mächtigen Tiers und gab dem Mann am Tor ein Zeichen.

Das Gatter ging auf und Earl schoss in die Arena. Vom gleißenden Licht geblendet, tat der Stier einen enormen Satz. Unter dem begeisterten Gejohle des Publikums bockte er wild, während er gleichzeitig mit den Hinterbeinen ausschlug. Als das nichts half, schleuderte er seinen massigen Leib zur Seite, wand und schüttelte sich, als wollte er ein lästiges Insekt loswerden.

Sämtliche Muskeln zum Zerreißen angespannt, hielt Travis sich auf dem Rücken des tobenden Tiers. Die ersten vier Sekunden hatte er bereits geschafft. Der Lederriemen schnitt ihm schmerzhaft in die Rechte und sein Handgelenk kam ihm vor, als wäre es ausgekugelt. Bei jedem kraftvollen Sprung des Bullen durchzuckte Schmerz seine Wirbelsäule wie ein Messerstich. Gleichzeitig fühlte er sich so lebendig, wie lange nicht mehr, vollständig auf das Wesentliche reduziert. In diesem Augenblick zählte nichts als der Kampf mit dem Stier.

Earl machte eine abrupte Kehrtwende und hätte ihn beinahe abgeworfen. Mit knapper Not hielt Travis sich im Sattel, nur sein Stetson landete im Staub. Hoch konzentriert hörte er weder die Musik aus den Lautsprechern noch das Geschrei der Menge, nur sein eigener Pulsschlag dröhnte ihm in den Ohren.

Das Signalhorn ertönte einen Sekundenbruchteil vor dem Moment, als der Stier ihn mit einem wuchtigen Satz in die Arena schleuderte. Travis vollführte in der Luft einen Salto und schrammte knapp an Earls Hörnern vorbei. Im letzten Augenblick gelang es ihm, sich so zu drehen, dass er mit den Schultern auf dem Boden aufkam und über den Rücken abrollen konnte, wobei die Luft aus seiner Lunge gepresst wurde. Dennoch tanzte in der Menge ein Gesicht vor seinen Augen.

Danielle? Was, zum Teufel, tut die denn in Las Vegas?

In diesem Augenblick machte Earl kehrt und stürmte auf ihn zu. Travis kam auf die Füße und brachte sich hinter dem dafür vorgesehenen Zaun in Sicherheit, während Corey Samson in die Arena sprang. Er war einer der Stierkämpfer, die allgemein Clowns genannt wurden und deren Aufgabe es war, die Tiere abzulenken.

Noch einmal blickte Travis zur Zuschauertribüne hinüber, doch die Leute waren viel zu weit entfernt, als dass er einzelne Gesichter identifizieren könnte. Es wäre unmöglich, Danielle darunter auszumachen, das hatte er sich nur eingebildet. Nach Atem ringend lehnte er sich an den Zaun.

„Hey, Travis“, rief Corey aus der Arena und warf ihm seinen Stetson zu. Travis fing ihn geschickt auf.

Im selben Augenblick gaben die Schiedsrichter die Wertung bekannt: „Dreiundneunzig Punkte!“

Die Zuschauer jubelten auf, die Halle erstrahlte in einer prächtigen Lichtshow und laute Musik setzte ein. Travis schluckte. Er, als letzter Teilnehmer, hatte das Rodeo gewonnen und erhielt das Preisgeld in Höhe von zehntausend Dollar.

Glücklich setzte er seinen Hut auf, kletterte zurück in die Arena, verneigte sich vor dem Publikum und nahm die Glückwünsche seiner Konkurrenten und der Helfer entgegen.

„Du solltest Profi werden“, riet Corey ihm über den ohrenbetäubenden Lärm hinweg.

Travis lächelte. Er wusste, dass sein Gesicht auf sämtlichen Leinwänden in der Halle in Großformat zu sehen war. Die Vorstellung, als professioneller Rodeoreiter zu arbeiten, gefiel ihm durchaus. Man war – bis auf wenige Auftritte pro Woche – frei und ungebunden, konnte sich in Bars vergnügen, attraktive Frauen treffen, interessante Städte besuchen …

Allerdings war er seit Kurzem allein verantwortlich für die seit Generationen in Familienbesitz befindliche Rinderfarm in Colorado. Er hätte diesen Weg früher einschlagen müssen, bevor sein Bruder und seine Schwestern sich für Karrieren jenseits der Ranch entschieden hatten. Jetzt war es zu spät.

Der Eventmanager kam auf ihn zu, gratulierte ihm und überreichte ihm seine Preise: den Scheck und eine goldglänzende Gürtelschnalle. Travis winkte ein letztes Mal ins Publikum, dann verließ er zusammen mit Corey die Arena. „Wie lange bist du schon beim Rodeo?“, fragte er den Stierkämpfer neugierig.

„Fast zehn Jahre. Ich hab mit siebzehn angefangen.“

„Bist du es noch nicht leid?“

„Was denn? Das Abenteuer? Die Frauen? Keine Chance! Und wenn ich mal ’ne Pause brauche, besuche ich meine Eltern in New Mexiko.“

„Wolltest du nie dortbleiben?“ Travis hätte zu gern gehört, dass das Leben auf der Straße auf Dauer langweilig wurde, dass jeder sich irgendwann nach einem Heim sehnte, aber den Gefallen tat Corey ihm nicht.

„Nie! Allerdings habe ich da kürzlich eine hübsche Rothaarige kennengelernt. Bei Gelegenheit kehre ich zu ihr zurück. Und du?“

„Auf mich wartet kein hübsches, unschuldiges Ding.“ Aus einem unerfindlichen Grund sah er auf einmal wieder Danielle vor sich. Dabei stammte sie weder aus seiner Heimat noch war sie unschuldig. Mit achtundzwanzig Jahren war sie nur ein Jahr jünger als er. Sie hatte in Harvard Jura studiert, arbeitete in einer Anwaltskanzlei in Chicago, war eine der klügsten und elegantesten Frauen, die er kannte – und ließ ihn links liegen, wenn sie nicht gerade mit ihm stritt.

„Ein Grund mehr, das Leben zu genießen“, meinte Corey.

„Das habe ich vor.“ Zumindest in den kommenden Tagen. Der Scheck in seiner Tasche schrie förmlich danach, eingelöst und ausgegeben zu werden.

Corey schlug ihm kameradschaftlich auf den Rücken. „Lass uns zusammen die Klubs unsicher machen. Die Ladys reißen sich bestimmt um den Champion und um mich, weil ich dir das Leben gerettet habe.“

„Du willst dich als mein Retter hinstellen?“

„Haargenau!“

Es gab auf der ganzen Welt zwei Männer, denen Danielle Marin um keinen Preis begegnen wollte. Offenbar hatte es ausgerechnet diese beiden zum selben Zeitpunkt wie sie nach Las Vegas verschlagen, wo sie an einem internationalen Juristenkongress teilnahm. Über Randal Kleinfelds Anwesenheit wunderte sie sich nicht. Ein Mentor des jungen Staranwalts aus Washington hielt auf dem Kongress einen Vortrag. Mit Travis Jacobs hatte sie allerdings nicht gerechnet.

Als der Sprecher beim Rodeo seinen Namen ausrief, hatte sie noch gehofft, sich verhört zu haben. Dann war er auf dem wilden Stier in die Arena geritten, als wäre er auf dem Bullenrücken geboren. Sein Sieg war keine Überraschung. Was seine Ranch, sein Vieh anging, war Travis ein Genie. Mit dem markanten Gesicht und seiner Art, kurz angebunden und gradlinig, bildete er den direkten Gegenpol zum wortgewandten, aalglatten Städter Randal.

Nachdenklich nahm Danielle einen kräftigen Schluck Martini. Sie saß mit ihren Freundinnen im Foyer ihres Hotels, kaum eine Meile von der Arena entfernt.

„Hab ich euch nicht gesagt, dass so eine Rodeoshow eine tolle Sache ist?“, brüstete sich Nadine.

„Es war super!“, pflichtete Odette ihr begeistert bei. „Ich liebe knackige Cowboys!“

Die anderen lachten, und Danielle rang sich müde ein Lächeln ab. Es ist so ungerecht, dachte sie empört. Wieso war der unmöglichste Mann auf Erden nur dermaßen sexy? Und warum begehrte sie ihn wie keinen anderen?

Sie hätte sich niemals überreden lassen dürfen, zum Rodeo zu gehen. Doch es hatte nur eine harmlose Ablenkung vom anstrengenden Konferenztag sein sollen. Dass Travis Jacobs gerade in Vegas war, hatte sie nicht ahnen können.

„Ich würd’s gern einmal mit einem Cowboy treiben“, verkündete Nadine frech.

„Jederzeit“, meinte auch Odette.

„Von Nahem besehen sind sie staubig und ungehobelt“, warnte Danielle ihre Freundinnen. „Sie sprechen langsam, verwenden einen schlichten Satzbau und verfügen lediglich über ein beschränktes Vokabular.“

„Ungehobelt kann verdammt sexy sein und Staub lässt sich abwaschen“, tat Nadine ihren Einwand ab.

Insgeheim gab Danielle ihr recht. Sie hatte Travis einmal elegant gekleidet gesehen – es hatte ihren Herzschlag völlig aus dem Takt gebracht.

„Danielle kennt sich mit Cowboys aus“, erklärte Astra. „Sie verbringt viel Zeit in Colorado.“

„So viel Zeit auch wieder nicht.“ Sie versuchte, so selten wie möglich nach Lyndon Valley zu fahren. Die Jacobs-Ranch grenzte direkt an die von Caleb Terrell, ihrem wichtigsten Klienten. Glücklicherweise konnte sie den Großteil ihrer Arbeit für seine Firma Active Equipment von ihrem Büro in Chicago aus erledigen.

„Caleb ist ein Cowboy, drückt sich aber gut aus“, bemerkte Astra.

„Ich habe auch nur verallgemeinert“, gab Danielle zu. Sie hatte sich absichtlich die Welten vor Augen gerufen, die zwischen ihr und Travis lagen. Was Herkunft, Werte, Temperament und ganz besonders den Beruf anging, stand Randal ihr wesentlich näher.

Sie hatte ihn beim Jurastudium kennengelernt und sie waren schnell ein Paar geworden. Dann hatte Randal eine Stelle in Washington angenommen, sie eine in Chicago, und sie hatte sich von ihm getrennt, gegen seinen Willen. Von Fernbeziehungen hielt sie nichts, obendrein hatte sie gespürt, dass er nicht ihre große Liebe war.

Randal machte in Washington rasch Karriere. Die Kanzlei Nester und Hedley, für die er arbeitete, zählte Senatoren, Kongressabgeordnete und Industriebosse zu ihren Klienten. Die Kanzlei, zu der sie gehörte, spielte dagegen vergleichsweise in der Provinzklasse.

Umso überraschter war Danielle gewesen, als Nester und Hedley ihr kürzlich ein überaus großzügiges Jobangebot machten. Insgeheim mutmaßte sie, dass Randal seine Hand im Spiel hatte.

Sie war hin- und hergerissen. Der Job bot ihr die Chance, zur Partnerin in einer der renommiertesten Kanzleien im Land aufzusteigen. Andererseits wollte sie ihre Karriere nicht Randal verdanken – und keinesfalls wollte sie ihre alte Beziehung wieder aufleben lassen, was er sich womöglich erhoffte.

„Schönen guten Abend, die Damen.“ Ein Mann mit schwarzem Cowboyhut, blaugrün kariertem Westernhemd und verwaschener Jeans trat an den Tisch. Er sprach gedehnt wie ein Cowboy und kam Danielle vage vertraut vor. Einen Sekundenbruchteil später trat Travis hinter ihn. Er hatte den Stetson tief in die Stirn gezogen, seine dunklen Augen funkelten.

„Sie gehören doch zum Rodeo“, sagte Nadine erfreut.

„Und Sie haben das Turnier gewonnen!“ Astra deutete auf Travis.

„Sind Sie auch Bullenreiter?“ Nadine lächelte dem ersten Mann zu. „Ach nein, Sie sind einer der Clowns, ein Helfer.“

„Man nennt uns Clowns, aber eigentlich sind wir Stierkämpfer, Madam. Heute habe ich beispielsweise diesem hübschen Kerl hier das Leben gerettet.“ Mit dem Daumen wies er auf Travis.

„Nette Schnalle.“ Nadine lächelte Travis an und berührte mit einem Finger die glänzende Trophäe.

Danielle dagegen fand es einfach widerlich, wie er mit seinem Preis angab.

„Darf ich vorstellen: Travis Jacobs, Sieger im Bullenreiten“, sagte der erste Mann und nahm seinen Hut ab. „Und ich bin Corey Samson, Stierkämpfer der Extraklasse.“

„Hat er Ihnen wirklich das Leben gerettet?“, fragte Odette bewundernd.

„Gewiss doch“, bestätigte Travis. „Stierkämpfer gehören zu den gewandtesten und mutigsten Männern auf diesem wunderschönen Planeten.“

„Das war kein kurzer Satz, auch das Vokabular ließ nichts zu wünschen übrig“, raunte Nadine Danielle zu.

Travis schien es gehört zu haben, denn er taxierte sie mit einem finsteren Blick.

„Ich habe nur verallgemeinert“, rechtfertigte sie sich.

„Danielle tendiert bei der Klassifizierung von Diktionen zu einem pauschalen Verdikt“, entgegnete Travis mit Unschuldsmiene.

„Woher kennt er deinen Namen?“, fragte Astra prompt.

„Wir sind uns in Colorado begegnet“, erklärte Travis.

„Kurz“, stellte Danielle klar.

„Tanzen?“, fragte Corey, und Odette reichte ihm kichernd die Hand.

„Tanzen?“ Travis sah Danielle auffordernd an.

„Ich trinke noch.“ Sie hob ihr Glas und prostete ihm zu.

„Ich würde gern tanzen.“ Nadine ergriff die Gelegenheit.

„Ma’am.“ Galant tippte Travis an seinen Hut, nahm Nadines Hand und half ihr auf.

„Du kennst einen echten Bullenreiter?“, fragte Astra erstaunt, als die Paare zur Tanzfläche gingen.

„Das ist nur sein Hobby.“ Danielle bemühte sich, Travis nicht auf den Hintern zu starren.

„Dafür ist er verdammt gut.“

„Kein Wunder, er ist auf einer Ranch in Lyndon Valley aufgewachsen.“

Verwirrt sah Astra ihre Freundin an. „Machst du ihm das etwa zum Vorwurf?“

„Nein, aber er ist selbstgefällig und eine grässliche Nervensäge. Du solltest mal hören, wie er auf dem Unterschied zwischen einem Hereford-Rind und einem Black Angus herumreitet, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt.“

Astra verkniff sich das Lachen. „Hast du die verwechselt?“

„Sie sehen sich wirklich ähnlich. Außerdem macht er sich bei jeder Gelegenheit über mich lustig, und da wir uns immer nur auf der Ranch begegnen, ist er in seinem Element.“

„Du hast in Harvard studiert! Was stören dich seine Sticheleien?“

„Keine Ahnung. Er hat einen ganz anderen Erfahrungshorizont als ich und prahlt gern mit seinem Wissen. Andere Cowboys wie Caleb und Reed respektieren mich doch auch!“

„Nadine findet ihn offenbar nett.“

Sie sah zur Tanzfläche hinüber. „Die riesige Schnalle blendet sie.“

„Sie steht eben auf Sieger.“

Danielle sah Travis’ Hand auf Nadines Rücken, sein Lächeln und die Art, wie er ihre Freundin an sich zog. Unwillkürlich wünschte sie sich an Nadines Stelle und ein sehnsüchtiges Ziehen durchfuhr sie. Rasch schob sie die Vorstellung beiseite.

„Was ist los?“, fragte Astra. „Du bist ja rot geworden! Magst du den Bullenreiter vielleicht doch?“

„Kein bisschen.“

„Na, ich glaube schon. Und zwar mehr als nur ein bisschen.“

„Vergiss es.“ Danielle griff nach ihrem Glas. Es war leer. Sie winkte der Kellnerin. „Es ist nur eine harmlose Schwärmerei. Ich kämpfe dagegen an.“

„Tanz mit ihm.“

„Nie im Leben!“

„Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas.“

„Ich beabsichtige nichts zu tun, was besser in Vegas bleiben sollte.“

„Ich spreche nur vom Tanzen. Woran denkst du?“

„An gar nichts!“

Einmal waren Travis und sie kurz davor gewesen zu … was auch immer. Er hatte sie aus einem baufälligen Schuppen gerettet. Einen Moment lang hatte sie geglaubt, er würde sie küssen – zu ihrer Überraschung hatte sie es kaum erwarten können. Aus Verwirrung und Panik hatte sie ihm eine aus der Luft gegriffene Beleidigung an den Kopf geschleudert, woraufhin er sich wütend zurückgezogen hatte. Davon hatte sich ihre Beziehung bis heute nicht erholt.

„Dein Glas ist leer“, stellte Travis an Danielle gewandt fest, als er mit Nadine an den Tisch zurückkehrte. Er würde sich diese Chance nicht entgehen lassen, obwohl die Gefahr bestand, dass sie ihm einen Korb gab. Diese Frau faszinierte ihn. Sobald er sie nur ansah, wollte er sie berühren.

„Das ist eine Aufforderung zum Tanz.“ Astra bohrte Danielle einen Ellbogen in die Seite.

„Geh schon“, feuerte Nadine ihre Freundin an. „Die Band ist toll.“

Danielle schüttelte den Kopf. „Ich will nicht …“ Plötzlich brach sie ab. Wie gebannt starrte sie auf eine Stelle hinter ihm. Ihre Augen weiteten sich.

„Warum eigentlich nicht?“, sagte sie dann und stand auf.

Als Travis sich umblickte, sah er einen elegant gekleideten Mann Ende zwanzig, der ein zum Schlips passendes Einstecktuch trug, auf den Tisch zukommen.

„Danielle!“

„Tut mir leid, Randal. Ich tanze.“

Rasch hakte sie sich bei Travis unter und zog ihn mit sich davon.

„Was war das denn?“, fragte er, als sie die Tanzfläche erreichten.

„Was meinst du?“ Sie tat unwissend.

„Der Typ?“ Er nahm sie in die Arme.

„Gar nichts.“

Sie begannen zu tanzen, und Travis genoss es so sehr, dass er fasst gewillt war, ihr diese Ausflucht durchgehen zu lassen. Eine leichte Brise von der Terrasse zerzauste Danielles Haar. Sie sah wunderschön aus. „Du wolltest mir gerade einen Korb geben, hast es dir aber anders überlegt, als der Typ aufgetaucht ist.“

„Was führt dich eigentlich nach Vegas.“

„Heißt das, der Kerl geht mich nichts an?“

„Genau. Ich will nicht über ihn sprechen.“

„Soll mir recht sein.“

„Danke.“

Ihr leicht sarkastischer Tonfall war ihm vertraut. „Ich wusste nicht, dass du in Vegas bist.“

„Ich besuche einen internationalen Juristenkongress.“

„Ist es interessant?“

„Wenn man internationales Recht mag.“

„Meine Stärke ist es nicht … Wieso lächelst du?“

„Diesmal bist du in meiner Welt gelandet, Cowboy.“

Travis wusste nicht, was sie meinte, wollte aber lieber nicht nachfragen. Es würde ohnehin nur in einem Streit enden. Seiner Meinung nach war Vegas ebenso seine Welt wie ihre.

„Hast du mich reiten sehen?“, fragte er stattdessen.

„Meine Freundinnen haben mich überredet mitzugehen. Bullenreiten ist nicht gerade mein Lieblingssport.“

„Wo habt ihr gesessen?“

Verblüfft sah sie ihn an. „Wieso?“

Travis überlegte, ob er sie tatsächlich gesehen hatte, mochte ihr das aber nicht erklären. „Ich wollte nur wissen, ob ihr gute Sicht hattet.“

„In der vierten Reihe, gegenüber der Startbox.“

„Gute Plätze“, lobte er. Dann war es vielleicht doch keine Einbildung gewesen.

„Ich weiß nicht, ob es gut ist, so nah dran am Geschehen zu sein.“

„Versuchst du, mit mir zu streiten?“

„Das hat bisher immer funktioniert.“

Aus einem Instinkt heraus wandte er sich zum Tisch um. Danielles Bekannter ließ sie nicht aus den Augen. „Wer ist er?“

„Ich dachte, das Thema wäre erledigt.“

„Gehst du mit ihm oder so?“

„Nein.“

„Nein, du gehst nicht mit ihm, oder nein oder so?“

Verärgert ließ sie ihn los. „Tanzen war eine schlechte Idee. Ich gehe zurück.“

Als Danielle sich umdrehen wollte, hinderte Travis sie daran, indem er eine Hand an ihre Wange legte. „Sieh nicht hin. Er tötet mich gerade mit Blicken. Falls ich mit einem Angriff rechnen muss, wäre es fair, dass du mich warnst.“

Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Keine Angst.“

Travis zog sie an sich und sie tanzten weiter, enger diesmal. Ihre Brüste berührten seinen Oberkörper, ihre Schenkel streiften einander immer wieder. Er fand, dass Danielle perfekt in seine Arme passte. Genüsslich schnupperte er an ihrem Haar.

„Er heißt Randal Kleinfeld, ich kenne ihn von der Uni.“

„Wart ihr ein Paar?“

„Damals. Jetzt geht es ihm ums Geschäft. Seine Kanzlei hat mir einen Job in Washington angeboten.“

Washington, dachte Travis entsetzt. Sie würde Caleb als Klienten verlieren und nie wieder nach Lyndon Valley kommen. Das störte ihn gewaltig, sosehr er sich auch das Gegenteil einzureden versuchte. Dabei waren sie sich in den vergangenen zwei Jahren höchstens ein Dutzend Mal begegnet, jedes Mal hatten sie gestritten. „Wirst du annehmen?“

„Ich habe mich noch nicht entschieden. Daher möchte ich jetzt nicht mit ihm sprechen.“

Nachdenklich sah Travis zu Randal hinüber, der mit geballten Fäusten und gerunzelter Stirn zu ihnen herüberstarrte. Der Kerl war ihm durch und durch unsympathisch. Du willst mehr von Danielle als eine geschäftliche Beziehung, dachte er. Dagegen unternehmen konnte er allerdings nichts, denn Danielles Leben ging ihn nichts an.

2. KAPITEL

Am nächsten Morgen versuchte Danielle sich einzureden, dass es keine große Sache war, wie Travis ihr geholfen hatte, Randal zu entkommen. Er war mit ihr zum Lift getanzt und hatte dafür gesorgt, dass sie unbeobachtet einsteigen konnte. Sie hatte ihm da bereits gedankt, schuldete ihm also nichts weiter und musste ihn auch nicht noch einmal darauf ansprechen.

Es wäre ohnehin besser, ihm nie wieder zu begegnen. Beim Tanzen hatte sie gespürt, dass sein Körper so durchtrainiert, muskulös und sehnig war, wie sie es sich in ihren kühnsten Träumen ausgemalt hatte. Hochgewachsen und kräftig gebaut, mit einem ausgeprägten Kinn und einer zwar nicht perfekten, aber dafür umso männlicheren Nase und geheimnisvoll schimmernden dunklen Augen, zog es sie zu ihm hin wie zu keinem anderen. Und obwohl er noch am Nachmittag einen Bullen geritten hatte, duftete er so köstlich nach Shampoo, Aftershave und seiner ganz persönlichen Note, dass ihr Pulsschlag völlig aus dem Takt geraten war.

In seinen Armen hatte sie ein Prickeln am gesamten Körper erfasst und sie hatte mit hellwachen Sinnen jeden seiner Finger auf ihrem Rücken gespürt, ihre Brustwarzen waren hart wie Kirschkerne geworden. Eine Hand auf seine breiten Schultern zu legen, zu spüren, wie seine Muskeln arbeiteten, hatte sie erregt, und sie hatte sich danach gesehnt, zu erkunden, was sich unter dem Hemd befand.

Dennoch war der Tanz ein großer Fehler gewesen – fast so dumm, wie einen Wochenlohn im Spa auszugeben oder drei Stücke Schokoladentorte auf einmal zu essen.

Nun war sie auf dem Weg zum Sinatra-Saal zu einer Veranstaltung im Rahmen des Kongresses. Zuvor wollte sie sich in der Cafeteria im Foyer noch Kaffee und einen Muffin besorgen.

„Da bist du ja, Danielle“, hörte sie Randals Stimme. „Gestern Abend habe ich dich glatt verpasst.“

„Guten Morgen, Randal.“

„Gehst du auch zur Podiumsdiskussion?“

Eigentlich wollte sie verneinen, damit er sich nicht zu ihr setzte, doch wenn er sie später im Saal entdeckte, wäre es ihr grässlich peinlich. „Ja. Aber erst hole ich mir Kaffee.“ Sie bog zur Cafeteria ab.

„Gute Idee. Ich lade dich ein. Wie geht es dir in Chicago?“

„Gut. Wir haben unglaublich viel zu tun.“

„Hast du einen Brief von Nester und Hedley bekommen?“

„Habe ich.“ Sie reihten sich in die Schlange vor dem Schalter ein.

„Und, was sagst du zu ihrem Angebot?“

„Hast du irgendetwas damit zu tun?“

Abwehrend hob Randal die Hände. „So viel Einfluss habe ich leider nicht.“

Danielle betrachtete ihn eingehend. Sie wusste nicht recht, ob sie ihm glauben sollte. „Hast du mich den Partnern gegenüber erwähnt?“

„Wirklich nicht. Sie waren fasziniert von der Art, wie du den Zusammenschluss von Schneider und Pistar durchgezogen hast.“

Das Argument überzeugte sie nicht. „Wie haben sie davon erfahren?“

„Die ganze Branche spricht darüber. Die Fusion war kartellrechtlich schwierig durchzusetzen, deine Chancen standen schlecht.“

Die Schlange setzte sich in Bewegung, Kunden aus der Cafeteria drängten an ihnen vorbei nach draußen. Es roch nach Zimt und Zuckerguss und ihr lief das Wasser im Mund zusammen. Eigentlich wollte sie etwas Gesundes essen, aber die Süßigkeiten dufteten allzu verlockend.

„Erst vergangene Woche habe ich zu Laura gesagt …“

„Gehört sie zu den Partnern?“, unterbrach Danielle ihn.

„Nein, Laura ist meine Freundin.“

„Du hast eine Freundin?“

„Wundert dich das etwa?“

„Nein, ich …“ Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie davon ausgegangen, dass er an ihre alte Beziehung anknüpfen wollte.

„Schließlich bin ich jung, halbwegs intelligent, sehe nicht allzu schlecht aus und vor mir liegt eine glänzende Karriere.“

„Da hast du allerdings recht“, stimmte sie ihm halbherzig zu.

Randal lachte leise. „Du solltest wirklich nach Washington kommen. Da spielt die Musik.“

„Langweilig ist es in Chicago auch nicht.“

Endlich kamen sie an die Reihe.

„Hast du dort nicht schon alles erreicht?“ Randal bestellte zwei Kaffee, einen mit Milch und Zucker, einen schwarz für sie. „So trinkst du ihn doch noch?“

Danielle nickte. „Ich hätte gern einen Blaubeermuffin dazu.“

„Für mich auch einen.“ Randal zückte seine Brieftasche.

„Du musst mir den Kaffee nicht ausgeben.“

„Das würdest du nicht sagen, wenn du die vielen Nullen auf meinem Bonusscheck gesehen hättest. Komm zu uns. Das Gehalt, das die Partner dir anbieten, ist erst der Anfang.“

„Ich denke drüber nach.“ Sie nahm den Kaffee und ihren Muffin.

„Gut.“

Randal lächelte und wirkte dabei für einen Augenblick mehr als freundlich. Das erregte ihren Argwohn, doch sie unterdrückte den Impuls rasch. Randal hatte eine Freundin. Die Vorstellung, er könnte ihr nach den langen Jahren noch nachtrauern, war ohnehin lächerlich.

Als sie weitergingen, berührte er jedoch ihren Arm. Unwillkürlich wich sie zur Seite aus. Was immer sie beide einmal verbunden hatte, es gehörte der Vergangenheit an. Sie war definitiv keine von der Sorte Frauen, die den Ex begehrten, sobald er eine andere hatte.

An ihrem Muffin knabbernd, ging sie neben Randal weiter zum Vortragssaal, da nahm sie aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung wahr. Sie sah genauer hin, stockte, und eine Welle heißer Lust überschwemmte ihren Körper.

Travis lehnte an einer der mächtigen Marmorsäulen im Foyer. In Jeans und kariertem Westernhemd sollte er in der eleganten Umgebung eigentlich fehl am Platz wirken, tatsächlich störten sie aber eher die zahlreichen Kongressteilnehmer in ihren dunklen Designeranzügen.

„Wie schmeckt dein Muffin?“

Randal riss sie mit seiner Frage aus ihren Gedanken. „Lecker.“

Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Wir sollten uns beeilen.“

Danielle folgte ihm. Dabei überlegte sie, was Travis so früh am Tag in ihrem Hotel suchte. Er hatte am Vorabend erwähnt, dass er im Blonde Desert Hotel abgestiegen war.

In diesem Moment entdeckte er sie und nickte ihr lächelnd zu.

„Danielle?“ Randal drängte sie zur Eile.

„Ich komme schon.“ Sie nahm sich fest vor, nicht mehr an Travis zu denken, aber er ging ihr einfach nicht aus dem Sinn. Wenn ich seine Handynummer hätte, könnte ich ihn per SMS fragen, was er will, überlegte sie. Ob ich Caleb um seine Nummer bitte? Oder würde das seltsam wirken?

„Da lang geht es.“ Randal wies ihr die Richtung.

Die Referenten waren bereits im Saal und es gab nur noch wenige freie Plätze. Astra winkte sie zu sich. Danielle wählte den nächsten freien Stuhl, stellte ihre Aktentasche darunter und hängte die Handtasche über die Lehne. Randal nahm neben ihr Platz, und als Odette und Nadine kamen und weitere Stühle heranzogen, rückte er ihr so nahe, dass ihre Schultern sich berührten.

„Genau wie an der Uni“, scherzte er.

Dann ergriff auch schon der Moderator das Mikrofon, bat das Publikum um Ruhe und sprach einige einleitende Worte. Anschließend entspann sich rasch eine lebhafte Diskussion zwischen den hoch angesehenen Experten, die zur Podiumsdiskussion geladen waren. Dennoch schweiften Danielles Gedanken immer wieder ab. Sie fragte sich, ob Travis noch in der Lobby war und was ihn hergeführt haben mochte.

Zwei Stunden später gab sie sich geschlagen, stand leise auf, nahm ihre Handtasche und schlängelte sich an den anderen vorbei nach draußen. Die Aktentasche ließ sie unter ihrem Stuhl stehen, damit es aussah, als ginge sie lediglich zur Toilette.

Ich komme gleich wieder, nahm sie sich vor. Travis hatte vermutlich ohnehin längst das Weite gesucht.

Doch er stand immer noch im Foyer und unterhielt sich mit einer der Hostessen, die den Juristenkongress betreuten. Als sie auf ihn zuging, blickte er ihr schweigend entgegen.

Sie wusste nicht recht, was sie tun sollte. Sollte sie vorgeben, sie wäre auf der Suche nach den Toiletten oder dass sie ihn nicht bemerkte? Unmöglich, schließlich wollte sie herausfinden, wieso er hier war. Also ging sie geradewegs zu ihm.

Travis sah sie ausdruckslos an. „Hört sich gut an“, sagte er zu der blonden Hostess. „Ich gebe Ihnen später Bescheid.“ Dann nickte er ihr zu. „Hallo, Danielle.“

Die Blondine musterte sie neugierig und zog sich hinter ihren Tisch zurück.

„Was machst du denn hier?“, fragte Danielle ohne Einleitung.

„Ich wollte mir einen Kaffee holen, bin aber mit Melanie ins Gespräch gekommen.“

Danielle ignorierte die Frau völlig. „Ich meine, hier im Hotel? Du wohnst doch in einem anderen.“

„Das Emperor Plaza hat mir für meinen Sieg eine Gratissuite überlassen.“

„Hast du wieder einmal mit deiner Gürtelschnalle gewinkt?“

„Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Ist er auch dort drinnen?“ Er machte eine Geste zum Konferenzraum hinüber.

„Meinst du Randal?“

„Glaubst du immer noch, dass sein Interesse für dich ausschließlich beruflicher Natur ist?“

„Sicher.“ Inzwischen war es ihr peinlich, dass sie jemals eine andere Möglichkeit in Betracht gezogen hatte. Daher wunderte sie sich, als Travis spöttisch lächelte. „Was hast du denn?“

„Für eine kluge Frau bist du ziemlich dumm.“

„So? Dafür bist du für einen dummen Cowboy sogar sehr dumm.“

Travis zuckte nur mit den Schultern.

„Du machst aus einer Mücke einen Elefanten.“ Schuldbewusst sah sie zur Saaltür hinüber. Eigentlich sollte sie sich den Rest der Diskussion anhören.

„Das tue ich bestimmt nicht.“

„Er hat eine Freundin in Washington“, informierte sie ihn, um das Thema abzuschließen.

„Anscheinend macht er sich nicht viel aus ihr.“

Genervt verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Du weißt doch nicht das Geringste von den beiden!“

„Nur, dass er plant, sie zu betrügen.“

„Bist du etwa unter die Hellseher gegangen?“

„Lüsterne Blicke erkenne ich auch ohne Wahrsagerei.“

Plötzlich kam Danielle ein erschreckender Gedanke. „Habe ich womöglich irgendetwas getan oder gesagt, das ihn glauben lässt, ich hätte Interesse an ihm?“

„Hast du das denn?“

„Nein. Vielleicht hält er mich für eine der Frauen, die es nicht ertragen, wenn eine andere ihren Ex will. Wirke ich etwa unterschwellig eifersüchtig auf seine Freundin?“

„Bestimmt nicht. Das Interesse geht nicht von dir aus, sondern von ihm. Er wirkt, als wäre er sehr besitzergreifend.“

„Wir haben uns vier Jahre lang nicht gesehen.“

„Dennoch.“

In diesem Moment ertönte Applaus, dann öffneten sich die Türen zum Konferenzraum, und eine Menschenmenge ergoss sich ins Foyer.

„Da ist er auch schon. Bewegt sich direkt auf dich zu“, warnte Travis sie.

„Er bringt mir nur meine Aktentasche.“

„Die Ausrede kommt ihm bestimmt gelegen.“

„Er ist eben ein echter Gentleman.“

Travis lachte höhnisch.

„Du erträgst es wohl nicht, unrecht zu haben“, sagte sie triumphierend.

„Ich wette, er fragt dich gleich, ob du mit ihm zu Mittag isst. Und wenn du ihm dann sagst, dass du bereits mit mir verabredet bist, wird er versuchen, mich in meine Schranken zu weisen, indem er die Unterschiede zwischen uns betont und sich als bessere Gesellschaft anbietet.“

„Deswegen esse ich noch lange nicht mit dir!“

Randal trat zu ihnen, streifte Travis mit einem flüchtigen Blick und wandte sich direkt an sie. „Du hast deine Tasche stehen lassen.“

„Danke.“

„Travis Jacobs“, stellte Travis sich selbst vor und reichte ihm die Hand.

Randal zögerte einen Augenblick, ehe er sie ergriff. „Randal Kleinfeld. Danielle und ich haben gemeinsam in Harvard studiert.“ Er wandte sich wieder an sie. „Wohin möchtest du zum Lunch gehen?“

Danielle entging Travis’ triumphierender Blick nicht. Er forderte sie geradezu heraus, seine Theorie auf die Probe zu stellen. Wenn sie es täte, müsste sie mit ihm essen, andernfalls würde er das Thema nie mehr ruhen lassen. Doch falls Randal nicht versuchte, Travis auf seinen Platz zu verweisen, hätte sie gewonnen – und das war einen Lunch mit dem Cowboy wert.

„Tut mir leid“, sagte sie daher zu Randal. „Ich bin schon mit Travis verabredet.“

Randal musterte ihn abfällig, ehe er sich wieder ganz auf sie konzentrierte. „Willst du nicht wissen, was du in den vergangenen Minuten verpasst hast?“ Er lächelte und streifte Travis mit einem verächtlichen Blick. „Wir könnten die multilateralen Handelsbeschränkungen erörtern und Änderungsvorschläge für die Gesetzesvorlage ausarbeiten.“

„Danielle will mit mir die Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Stieren diskutieren“, konterte Travis scheinbar ernst.

Nur mit Mühe verkniff sie sich das Lachen.

„Ich möchte dich einigen Leuten aus meiner Kanzlei vorstellen“, erbot sich Randal. „Auf die Weise nutzt du die Pause effizienter.“

„Tut mir leid“, erklärte Danielle.

„Sie nutzen ihre guten Manieren aus!“, warf Randal seinem Konkurrenten Travis wütend vor.

„Ich spendiere ihr nur ein Essen.“

„Das ist nicht der springende Punkt.“

Um einem Streit zuvorzukommen, griff Danielle nach ihrer Tasche. „Danke fürs Bringen. Wir sehen uns später.“

„Gehen wir in den Jacques Alanis Signature Room?“, fragte Travis.

Es war das exklusivste, teuerste Restaurant in ganz Vegas. Er umfasste ihren Arm und zog sie mit sich in Richtung Ausgang. „Diesmal hast du ihm den Fehdehandschuh hingeworfen“, schimpfte sie, sobald sie außer Hörweite waren.

„Wenn er nichts weiter von dir will, sollte es ihm gleichgültig sein, wohin ich dich ausführe.“

„Und wir diskutieren die Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Bullen?“

„Er hat mit dem Juristengerede angefangen!“

„Juristen sprechen immer so.“

„Du nicht.“

Danielle zögerte. „Doch, wenn ich mit Juristen zusammen bin.“

„Du versuchst damit aber nicht, andere auszugrenzen und herabzusetzen.“

„Manchmal schon.“

„Gelegentlich verdiene ich es ja auch.“

Sie sah ihn überrascht an. Ehe sie etwas erwidern konnte, gab Travis dem Portier ein Zeichen. Gleich darauf fuhr eine weiße Stretchlimousine vor dem Hotel vor und der Portier öffnete ihnen den Wagenschlag.

„Soll das ein Witz sein?“

„Randal beobachtet uns immer noch. Ich versuche lediglich, ordentlich Eindruck zu schinden“, erklärte er.

Danielle glaubte ihm nicht. „Er ist bestimmt längst mit anderen unterwegs zum Lunch.“

„Nein.“ Travis nahm sie am Arm und half ihr in die Limousine. „Je gefährlicher ihm sein Rivale erscheint, desto rascher wird er sich verraten. Er ist nach wie vor hinter dir her.“

„Diese Aufschneiderei kostet dich ein Vermögen!“

„Wozu ist meine Siegerprämie da?“

„Du willst sie ausgeben, nur um mir zu beweisen, dass du recht hast?“

„Wieso nicht?“

„Gut, dann fahren wir eben zum Jacques Alanis Signature Room.“

Travis drückte dem Portier eine Banknote in die Hand und stieg ebenfalls ein. Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, da klingelte sein Handy. Er zog es aus der Brusttasche seines Westernhemds.

„In den Signature Room kommst du bestimmt nur im Jackett“, warnte Danielle ihn.

„Ein anständiges Trinkgeld genügt, schließlich sind wir in Vegas.“ Er warf einen Blick aufs Handy. „Stört es dich, wenn ich rangehe? Es ist Caleb.“

Erst jetzt fiel Danielle ein, wie eng Travis mit Caleb befreundet war, und sie erkannte, dass es ein Riesenfehler war, die Einladung zum Essen anzunehmen. Im Grunde war Travis ja ihr Erzfeind.

„Hallo, Caleb“, sagte er, dann hörte er eine Weile zu.

Sie sah aus dem Fenster, während sie durch die belebten Straßen von Vegas fuhren.

„Sind alle einverstanden?“, fragte er.

Danielle überlegte, ob es auf der Jacobs-Ranch wohl ein Problem gab.

„Das ist doch eine gute Idee … Ich kümmere mich um alles.“ Gleich darauf zwinkerte er ihr verschwörerisch zu und sagte: „Sie ist hier? Tatsächlich?“

Danielle hielt erschrocken die Luft an. Aus einem unerfindlichen Grund wollte sie nicht, dass Caleb wusste, dass sie in diesem Moment mit Travis zusammen war.

„Ich halte Ausschau nach ihr“, versprach er gerade. „Bis Donnerstag.“ Er beendete das Gespräch breit grinsend. „Caleb hat mir eben erzählt, dass du in Vegas bist.“

Mühsam rang Danielle nach Worten. Sie wollte Travis nicht vor den Kopf stoßen, andererseits sollte auch niemand auf dumme Ideen kommen.

„Keine Sorge, ich verrate nichts.“

Offenbar schien er ihre Gedanken zu lesen. „Es gibt nichts zu verraten“, sagte sie empört, da klingelte ihr Handy.

Travis deutete auf ihre Handtasche. „Geh schon ran.“

„Danke.“ Sie zog den Apparat hervor, drückte den Annahmeknopf und warf Travis einen vielsagenden Blick zu. „Hallo, Caleb.“

Lächelnd schüttelte Travis den Kopf.

„Wie läuft der Kongress?“, erkundigte sich Caleb.

„Es ist sehr interessant hier.“ Und das gleich in vielerlei Hinsicht.

„Freut mich. Hör mal, ich bin Donnerstag in Vegas. Wir schmeißen eine Junggesellenparty für Alex. Du hast vielleicht gehört, dass er Mandys Cousine Lisa heiratet?“

„Ich erinnere mich.“

„Weißt du, wer gerade noch in Vegas ist?“

„Wer denn?“, fragte sie schuldbewusst.

„Travis. Er bereitet die Party vor. Wir anderen kommen erst Donnerstag nach. Ich würde dich dann gern treffen und einiges mit dir besprechen, falls du es einrichten kannst.“

„Kein Problem.“ Eigentlich hatte sie am Dienstag nach Chicago zurückkehren wollen, aber Active Equipment war ihr wichtigster Klient. Wenn Caleb rief, war sie zur Stelle.

„Mandy sagt, dass er gestern das Bullenreiten gewonnen hat.“

„Gut für ihn. Grüß deine Frau von mir.“

„Du bist im Emperor Plaza abgestiegen?“

„Ja.“

„Dann lasse ich Travis dort Zimmer für uns buchen.“

„Gute Idee.“

„Finde ich auch. Bis Donnerstag.“

„Bye, Caleb.“ Sie legte auf und ließ die Hand in den Schoß sinken, da klingelte Travis’ Handy erneut.

„Das ist bestimmt wieder Caleb“, sagte sie. „Du sollst Zimmer im Emperor Plaza buchen.“

Grinsend nahm Travis ab. „Hallo noch mal … natürlich. Ich gebe dir Bescheid. Soll ich Stripperinnen organisieren?“

Angewidert wandte Danielle sich ab, aber Travis lachte nur.

„Schon klar. Ich würde mich auch nicht mit ihr anlegen wollen.“

In diesem Moment fuhr die Limousine vor dem Restaurant vor, hielt an und der Chauffeur öffnete die Tür. Warme Luft und Verkehrslärm drangen ins Wageninnere.

„Ich muss Schluss machen, bin mit ’ner heißen Braut zum Essen verabredet.“

„Sehr witzig“, murmelte Danielle, ergriff die Hand, die der Chauffeur ihr reichte, und stieg aus. Travis folgte ihr mit ihrer Aktentasche.

Nachdem er den Fahrer bezahlt und dem Oberkellner ein großzügiges Trinkgeld in die Hand gedrückt hatte, wurden sie an einen Tisch auf der Aussichtsterrasse im zweiten Stock geführt. Es war wunderschön dort, ein Sonnenschirm bot Schutz vor der Mittagssonne, Blumenkästen zierten das Geländer, und sie konnten die prächtigen Wasserspiele vor dem Hotel auf der gegenüberliegenden Straßenseite beobachten. Das blütenweiße Tischtuch wurde von einem bunten, flachen Blumengebinde gehalten und wehte sanft im Wind, Silberbesteck und Kristallgläser funkelten im Sonnenlicht um die Wette.

Danielle streifte ihren grauen Blazer ab, und sofort nahm ein aufmerksamer Kellner ihn ihr ab und breitete eine Leinenserviette über ihren Schoß.

Nach einem raschen Blick auf die Uhr meinte sie: „Ich muss um ein Uhr dreißig wieder im Hotel sein.“ Es war fast zwölf.

Sie studierten die Speisekarte, die ein Kellner ihnen reichte, während ein zweiter die Wassergläser füllte. Dezente Musik drang aus einem Lautsprecher, von der Straße war das gleichmäßige Brausen vorüberfahrender Autos zu hören sowie gelegentlicher Jubel, wenn Wasserfontänen besonders hoch in den Himmel schossen. Obwohl es erst Mittag war, befanden sich etliche der zumeist jungen Touristen bereits in Partystimmung.

„Sag, dass das mit den Stripperinnen ein Scherz war“, bat sie.

„Es war einer. Allerdings hätte ich welche gebucht, wenn Alex es gewünscht hätte.“

„Willst du bei deinem Junggesellenabschied Stripperinnen dabeihaben?“

„Nein“, antwortete Travis wie aus der Pistole geschossen.

„Sagst du das nur mir zuliebe?“ Der Travis, den sie in den vergangenen zwei Jahren kennengelernt hatte, war ungehobelt und frech. Sie konnte ihn sich gut auf einem ausgelassenen Herrenabend vorstellen.

Er stützte die Ellbogen auf den Tisch und sah sie freimütig an. „Wenn ich heirate, erwarte ich, anschließend regelmäßig eine atemberaubende Frau nackt zu sehen. Da interessiere ich mich bestimmt für keine andere.“

„Gute Einstellung.“

„Danke. Schließlich habe ich ja auch reichlich Erfahrung.“

„Siehst du denn so oft nackte Frauen?“, fragte sie scherzend.

„Ich spreche vom Verlieben.“

Überrascht sah sie ihn an. „Du bist verliebt?“ Seit wann? Wieso wusste sie nichts davon? Und weshalb krampfte sich gerade alles in ihr schmerzhaft zusammen?

„Ich habe miterlebt, wie sich Caleb, Reed, Seth und Alex Hals über Kopf verliebt haben, und weiß ziemlich genau, was mich erwartet.“

„Dann bist du also nicht verliebt?“ Der Aufruhr in ihrem Inneren legte sich allmählich.

„Noch nicht.“ Nachdenklich betrachtete er seine Hände. „Doch falls es passiert, werde ich die Zeichen deuten können. Und du?“ Er drehte den Spieß um. „Warst du jemals verliebt?“

„Ich war mit Männern zusammen, die ich mochte – manche sogar sehr“, gestand Danielle zögernd. „Aber Liebe? Die würde ich nicht einmal erkennen, wenn ich ihr geradewegs in die Arme liefe.“

„Soll ich dir die Symptome beschreiben oder soll ich dich lieber in die Arme nehmen?“

Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus.

Travis grinste. „Du wirst ja rot.“

„Nur, weil du schrecklich ungehobelt bist.“ Als er lachte, musste sie an Nadines Bemerkung denken. Ungehobelt kann sexy sein. Sogar sehr sexy.

3. KAPITEL

Als Travis abends im Foyer Danielle erblickte, befand sich Randal an ihrer Seite, ganz wie er es erwartet hatte.

Sie trug ein schulterfreies, mit glitzernden Strasssteinen besetztes schwarzes Cocktailkleid. Das Oberteil schmiegte sich eng an ihre Brüste, der Rock lief von der Taille weit aus. Dazu hatte sie Diamantohrringe, eine Kette und aufreizende hochhackige Sandaletten kombiniert. Sie wirkte elegant und damenhaft, mit den großen braunen Augen und den vollen roten Lippen aber zugleich unschuldig und jung. Das weckte seinen Beschützerinstinkt und gleichzeitig sein Verlangen. Am liebsten hätte er sie gepackt, sie in sein Hotelzimmer getragen und …

Randal wich ihr nicht von der Seite, obgleich andere Juristen offensichtlich mit ihr plaudern wollten.

Mal sehen, wie lange du das durchhältst, dachte Travis und schlenderte selbstbewusst auf die Gruppe zu. In dem anthrazitgrauen Anzug, dem weißen Hemd und der eleganten Krawatte, die er am Nachmittag in der hoteleigenen Boutique erstanden hatte, konnte er mühelos mit den Anwälten mithalten, wie ihm bewusst war. Auch einen Haarschnitt und eine Rasur hatte er sich gegönnt.

„Travis!“ Nadine entdeckt ihn und winkte ihn zu sich.

Danielle machte große Augen, als sie ihn sah. Travis hoffte, dass es nicht nur seinem überraschenden Auftauchen zuzuschreiben war, denn sie waren nicht miteinander verabredet. Dass sich die Juristen zum Start ins Nachtprogramm im Foyer treffen würden, hatte er schlichtweg erraten.

Nadine umarmte ihn fröhlich. „Sie sehen toll aus!“

„Danke gleichfalls.“ Nicht zuletzt um Randal zu ärgern, lächelte er Danielle besonders herzlich zu „Guten Abend, Danielle.“

„Hallo, Travis.“

„Randal.“ Er nickte dem Mann zu, ehe er Astra und Odette begrüßte. Dann fiel sein Blick auf ein älteres Paar.

„Claude und Catherine Hedley“, stellte Danielle die beiden vor. „Travis Jacobs aus Colorado, ein Freund von Caleb Terrell, dem CEO von Active Equipment, einem meiner wichtigsten Klienten.“

„Nehmen Sie auch an dem Kongress teil, Mr Jacobs?“, erkundigte sich Catherine höflich.

„Nennen Sie mich bitte Travis. Und nein, ich bin kein Jurist.“

„Er ist Bullenreiter“, mischte Randal sich ein.

„Ich bin Rancher.“ Travis schüttelte Claude die Hand. „Mein Land grenzt an das von Caleb.“

„Gestern hat er das Rodeo gewonnen“, warf Odette ein.

„Travis’ Familie ist aktiv in der Politik und der New Yorker Kunstszene engagiert, außerdem gehört ihr eine expandierende Brauerei“, erklärte Danielle.

„Mein Schwager leitet die Brauerei. Ich kümmere mich ausschließlich um die Ranch.“ Mehr scheinen, als er war, wollte Travis nicht.

„Nennen Sie mich Claude. Ihre Familie strebte offenbar nach Höherem.“

„Seine Schwester ist die berühmte Balletttänzerin Katrina Jacobs“, warf Astra ein. Als Travis sie verblüfft ansah, erklärte sie. „Das weiß ich aus dem Internet.“

„Danielle, bringen Sie Ihren reizenden Freund doch mit zum Empfang im Botanischen Garten“, bat Catherine.

„Travis möchte bestimmt lieber seine Leute vom Rodeo treffen“, mischte sich Randal ein.

„Die Verabredung ist leider gerade geplatzt.“

„Also kommen Sie mit uns“, entschied Catherine. „Ich glaube, ich habe Ihre Schwester schon tanzen sehen.“

„Sie ist seit Jahren beim Liberty Ballett.“

„Dann war sie es wirklich.“

Gemeinsam gingen sie zu den Limousinen, die vor dem Hotel warteten. Randal zog Danielle unterwegs beiseite und zischte ihr wütend zu: „Was soll das? Sieh zu, dass du ihn loswirst! Die Hedleys sind ausgesprochen wichtig für dich.“

„Wie soll ich das denn machen? Außerdem haben sie mir bereits ein Angebot unterbreitet.“

„Das ist nur der erste Schritt.“

„Catherine hat Travis eingeladen, nicht ich.“

„Alles, was er sagt und tut, fällt auf dich zurück.“

Travis, der aufgeholt und Randals Bemerkung gehört hatte, verkniff sich einen bissigen Kommentar.

Die Gruppe musste sich auf die Limousinen aufteilen, und trotz aller Bemühungen endete Randal im ersten Wagen bei den Hedleys, während er mit Danielle und ihren Freundinnen in den zweiten stieg. Ihre Abfahrt verzögerte sich, sodass die erste Gruppe bereits im Festsaal war, als die zweite den Botanischen Garten erreichte.

Travis gab dem Chauffeur ein großzügiges Trinkgeld und half den Damen aus dem Auto. Die riesigen alten Bäume im Garten waren mit Lichterketten behängt, großblättrige Pflanzen durch bunte Strahler in fantasievolle Kunstwerke verwandelt. Orangefarbene Laternen säumten den Weg zum Festsaal.

Sie überquerten gerade eine lila angestrahlte Brücke, als Danielle neben ihn trat. „Was genau hast du vor?“

Er zögerte kurz und entschied sich für die Wahrheit. „Ich will Randal rasend vor Eifersucht machen.“

„Deswegen verbringst du deinen Abend mit einem Haufen spießiger Juristen?“

„Du bist doch nicht spießig! Außerdem wird er schon noch einen Annäherungsversuch wagen, warte nur ab. Dann weißt du Bescheid.“

„Was weiß ich dann?“

Travis zählte an seinen Fingern ab: „Dass er bereit ist, seine Freundin zu betrügen. Dass es ihm nicht um den Job geht. Dass er dich in sein Leben zurückholen will, in sein Bett.“

„Selbst wenn es so wäre – was kümmert es dich?“

Travis ließ sich mit der Antwort Zeit. „Mich stört, dass er dich belügt.“

Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. Schließlich schüttelte Danielle den Kopf. „Das ergibt keinen Sinn.“

„Cowboys handeln eben gern instinktiv.“

Am Treppenaufgang zum Festsaal blieb sie stehen und sah ihn an. Astra und Nadine betraten den Saal. „Und was sagt dein Instinkt dir gerade?“

Küss sie, lange und fest. Das durfte er leider nicht tun. „Dass Randal nicht gut für dich ist, und ich der Einzige bin, der ihn aufhalten kann.“

„Das schaffe ich selbst!“

Travis lächelte. Zwar hatte sie recht, aber seine Methode war schneller und würde verhindern, dass sie verletzt wurde. „Er ist raffiniert, und du bist viel zu nett.“

„Findest du? Wir streiten doch ständig!“

„Nur, weil es dir sicherer erscheint.“

„Sagt dir das auch dein Instinkt?“

„Genau. Und der ist unfehlbar.“

Im Festsaal überließ Danielle ihn sich selbst, Travis würde schon zurechtkommen, denn sie wurde sofort von den Seniorpartnern von Nester und Hedley in Beschlag genommen. Die interessierten sich insbesondere für ihre Erfahrungen mit den aufstrebenden Märkten in Südamerika und sie sollte in ihrer Kanzlei eine Abteilung aufbauen und leiten, die sich auf diese Region konzentrierte. Die Aussicht faszinierte sie, obendrein gewann sie den Eindruck, dass Randal wirklich nichts mit dem Angebot zu tun hatte.

Kurz nach dreiundzwanzig Uhr landete Danielle erschöpft an der Bar und bestellte ein Mineralwasser. Ihre Kehle war staubtrocken, ihre Füße schmerzten.

„Er beobachtet dich“, raunte Travis ihr ins Ohr und setzte sich neben sie.

„Randal hat bislang noch kein Wort mit mir gesprochen.“

„Er weiß zu jedem Zeitpunkt, wo du bist.“

„Erstens glaube ich dir nicht. Zweitens habe ich mit seinen Bossen geredet. Die hat er beobachtet, nicht mich.“

„Mach dir doch nichts vor.“ Der Kellner brachte ihr Wasser, und Travis bestellte ein Bier von DFB, der Familienbrauerei. „Wie ist es gelaufen?“, erkundigte er sich.

„Es scheint ihnen ernst zu sein. Sie wissen, was ich für Active Equipment und andere Klienten getan habe, und bieten mir die Leitung ihrer Südamerika-Abteilung an.“ Im Geiste ging sie die Unterhaltung noch einmal durch. Claude Hedley hatte ihre künftige Position als bedeutend bezeichnet. Sie würde ein Spitzengehalt beziehen und dürfte eigenständig Schwerpunkte in ihrer Arbeit setzen.

„Wirst du den Job annehmen?“

„Ich denke noch drüber nach.“ Plötzlich fiel ihr ein, dass er ein enger Freund von Caleb war, und sie sah ihn erschrocken an. „Aber … du …“

Travis verstand sofort. „Ich soll Caleb nichts erzählen.“

Unwillkürlich legte sie ihm eine Hand auf den Unterarm. „Ich würde dich niemals bitten, ihn zu belügen, doch es wäre mir lieb, wenn du es nicht von dir aus erwähnst.“

„Dein Geheimnis ist bei mir sicher.“

„Danke. Es tut mir leid, dass ich dich in diese Situation gebracht habe.“

„Es war ja keine Absicht.“

„Ich habe einfach nicht zu Ende gedacht.“ Wieso hatte sie Travis überhaupt von dem Angebot erzählt?

„Ist das untypisch für dich?“

„Sehr.“

„Da kommt Randal ja.“ Travis blickte auf seinen Arm. „Er fühlt sich bedroht, weil du mich berührst. Nun will er sein Revier abstecken.“

Erst jetzt bemerkte Danielle, dass ihre Hand immer noch auf seinem Arm lag. Er fühlte sich warm, stark und lebendig an, so gut, dass sie ihre Finger nicht fortziehen wollte.

„Denk dir nichts dabei, wenn ich gleich dein Haar anfasse“, warnte Travis sie.

Ehe sie etwas entgegnen konnte, strich er zärtlich mit den Fingern über ihre Wange und schob ihr eine Haarsträhne hinters Ohr. Die Berührung durchzuckte sie wie ein Stromschlag. Ein süßes Prickeln durchrieselte ihren Körper und brennendes Verlangen machte sich bemerkbar.

„Du hast offenbar Eindruck gemacht“, dröhnte in diesem Moment Randals Stimme neben ihr. Er legte ihr einen Arm um die Schultern und tätschelte sie.

Travis ließ sie los. „Hallo, Randal.“

„Oh, Travis.“ Randal tat, als würde er ihn jetzt erst bemerken. „Wie kommen Sie in unseren Kreisen zurecht?“

„Ganz gut.“

„Was haben sie gesagt. Aber wichtiger, was hast du gesagt?“, wandte Randal sich sofort wieder an sie.

„Sie hat sich noch nicht entschieden“, warf Travis ein.

Randal funkelte ihn wütend an. „Ich spreche mit Danielle.“

„Das hat sie mir gesagt.“

„Travis!“ Auch Danielle war jetzt verärgert. Travis mochte ja seine Theorien haben, das gab ihm jedoch nicht das Recht, einen Streit anzuzetteln. „Ich soll eine Südamerika-Abteilung aufbauen“, erzählte sie Randal.

„Großartig! Im September übernehme ich die Europa-Abteilung. Wir befinden uns dann auf einer Hierarchiestufe, unsere Büros liegen auf derselben Etage wie die der Partner. Einen besseren Einstieg in eine Kanzlei gibt es nicht! Du bekommst ein unbegrenztes Spesenkonto und Zusatzleistungen. Und die Arbeit ist wahnsinnig spannend.“

„Randal“, unterbrach sie ihn. „Diese Werbesprüche höre ich schon den ganzen Abend.“

Travis lachte leise, und Randal fuhr ihn zornig an: „Möchten Sie etwas beitragen?“

„Nicht nötig. Sie machen das sehr gut.“ Travis leerte sein Glas.

Randal starrte ihn an, bis etwas anderes seine Aufmerksamkeit erregte. „Dort drüben steht Nester.“ Er drückte Danielles Schulter und raunte ihr in verschwörerischem Ton ins Ohr: „Ich spreche ihn an, drei Minuten später stößt du dazu.“ Damit ging er davon.

Travis sah Danielle fragend an. „Und?“

Sie war am Ende ihrer Kräfte angelangt. Ihre Füße waren geschwollen und schmerzten, ihr Make-up drohte zu verlaufen und sie hatte keine Lust, den stundenlangen Monologen des selbstverliebten alten Mannes zuzuhören, für die er berüchtigt war. Sobald sie den Job erst einmal antrat, war es unvermeidbar, noch aber war es nicht so weit.

„Ich verschwinde“, sagte sie.

Travis half ihr auf und führte sie zum nächstgelegenen Ausgang.

Zu dieser späten Stunde war es ruhig im Garten, es hatte sich deutlich abgekühlt. Travis zog sein Jackett aus und legte es ihr galant um die Schultern. Seite an Seite schlenderten sie den gepflasterten Pfad entlang.

„Ich bin Mr Nester erst einmal begegnet, habe aber gehört, dass er ein echter Langweiler ist. Das ertrage ich jetzt nicht, ich bin viel zu müde.“ Sie blieb stehen, streifte die hochhackigen Sandalen ab und ging barfuß auf dem Rasenstreifen neben dem Weg weiter. „Meine Füße bringen mich um!“

„Soll ich dich tragen?“

Die Vorstellung, in seinen Armen zu liegen, erschien ihr wahnsinnig verlockend, dennoch schüttelte sie den Kopf. Langsam spazierten sie am Ufer eines Bächleins entlang und über die purpurrote Brücke in Richtung Ausgang.

„Wie geht es in Chicago weiter, falls du kündigst?“

„Meine Klienten, darunter auch Active Equipment, werden auf die übrigen Anwälte verteilt.“

„Bereitet dir das Kopfschmerzen?“

„Ich fühle mich schon schuldig“, gab sie zu. „Dabei sind meine Kollegen durchweg kompetent.“

„Dann hältst du dich also nicht für unersetzlich?“

Lächelnd gab sie zu: „Ich wünschte, ich wäre es.“

„Manche Leute müssen bleiben, wo sie gebraucht werden“, murmelte Travis leise vor sich hin.

„Findest du, dass ich Caleb im Stich lasse?“

„Ich spreche nicht von dir.“

„Von wem denn?“

Unvermittelt blieb er stehen. Zarter Blumenduft erfüllte die Nachtluft, kein Laut war zu hören bis auf das Plätschern des Bachs.

„Von mir.“

„Du willst doch nicht etwa aus Lyndon Valley fortgehen?“, fragte Danielle entsetzt. Für sie repräsentierte Travis Lyndon Valley. Seine Geschwister kamen und gingen, wie es ihnen gefiel, er war immer da und kümmerte sich um alle.

Er schüttelte den Kopf. „Ich wollte damit nur sagen, dass ich unmöglich fortgehen kann. Ich werde auf der Ranch gebraucht.“

„Und du brauchst die Ranch.“ Sie dachte laut.

„Kann sein.“

„Findest du, dass ich die Menschen im Stich lasse, die auf mich zählen.“

„Würdest du bleiben, wenn du wüsstest, dass du sie mit deinem Wechsel verletzt?“

„Worauf willst du hinaus?“ Danielle fand zwar, dass sie gute Arbeit für Caleb und ihre anderen Klienten leistete, aber ihr Fortgang würde deren Geschäfte nicht beeinträchtigen.

Nachdenklich sah Travis in die Baumwipfel hinauf. „Auf Verantwortung. Verpflichtungen, die einen Mann in die Enge treiben und seine Freiheit beschneiden.“

Noch immer begriff sie nicht. „Gehst du jetzt unter die Philosophen, Cowboy?“

Er lächelte schief. „Ich versuche nur, dir bei der Entscheidungsfindung zu helfen.“

„Möchtest du, dass ich in Chicago bleibe?“

„Du solltest zumindest deine Möglichkeiten kennen.“

In diesem Moment fiel eine Tür krachend ins Schloss und sie hörten Stimmen.

„Er wird doch nicht nach mir suchen“, sagte sie mehr zu sich als zu Travis.

„Und ob!“

Travis nahm sie an der Hand und zog sie mit sich übers Gras hinter eine Hecke, die sie vom Weg abschirmte. Danielle blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. In Gedanken war sie immer noch bei seinen Worten. „Travis, willst du denn die Ranch verlassen?“

„Nein.“

„Aber du hättest gern die Wahl!“

Er schwieg.

„Sag es ihnen“, riet sie ihm.

„Was denn? Dass Katrina ihre Ballettschuhe an den Nagel hängen und Seth sein Bürgermeisteramt aufgeben soll? Dass Mandy nicht bei Caleb in Chicago leben darf, oder dass Abigail ihren Zach zwingen muss, die Brauerei zu verkaufen? Die Ranch ist seit fünf Generationen in der Familie.“

Danielle verstand seinen Standpunkt nur zu gut. „Du hast eine Menge zu schultern.“

„Meine Schultern sind breit. Aber kein Wort davon zu Caleb!“

„Ich werde doch nicht dein selbstgerechtes Ehrgefühl ankratzen.“

„Ich bin nicht selbstgerecht!“

„Dann eben ein Ehrenmann.“ Sie rückte ein Stück an ihn heran. Er duftete köstlich. Dazu faszinierte sie der Gedanke an seine breiten, muskulösen Schultern und nicht nur der.

„Ich bin Pragmatiker.“

„Du sagst, Cowboys handeln instinktiv“, erinnerte sie ihn, hob das Kinn, leckte sich verführerisch über die Lippen und überlegte, ob sie noch deutlicher werden musste.

„Stimmt.“

„Und was sagt dir dein Instinkt in diesem Moment?“

Travis umfasste ihre Taille und zog sie an sich. „Dass ich dich küssen soll. Das sagt er mir allerdings schon lange. Ich weiß nicht, ob ich ihm in diesem Punkt trauen kann.“

„Tu es.“

„Und meine anderen Instinkte?“

„Da gibt es noch mehr?“

„Sie raten mir, dich ins Gras zu werfen und dich im Mondlicht zu lieben.“

Das verschlug ihr den Atem, ihre Knie wurden weich. Es klang unglaublich verlockend. „Eins nach dem anderen“, flüsterte sie heiser, erhob sich auf die Zehenspitzen und schlang ihm die Arme um den Nacken.

„Jawohl, Ma’am.“

Dann lagen seine Lippen auf ihren, warm und fest, feurig und drängend. Travis zog Danielle an sich und schob eine Hand in ihr Haar. Die Sandaletten rutschten ihr aus den Fingern, als sie sich an ihn presste und seine Zunge mit ihrer zum zärtlichen Spiel begrüßte.

Travis erforschte ihren Mund nach allen Regeln der Kunst, während Danielle sich an ihn schmiegte und sich von einer Welle der Lust davontragen ließ. Über ihnen raschelten die Blätter im Wind und das Gras unter ihren Füßen war kühl. Umso heißer brannte Travis’ Hand auf ihrer Wange, auf ihrem Nacken, ihrer bloßen Schulter.

Nach einer Weile löste er sich von ihr und wich tief durchatmend zurück.

Danielle blinzelte verwirrt.

„Wir müssen aufhören“, stieß er mühsam hervor.

„Ich weiß.“ Sie spielten mit dem Feuer.

„Auch wenn es himmlisch war, dich zu küssen. Das war mir schon immer klar.“

4. KAPITEL

„Das war fantastisch!“, rief Travis, als er und Corey aus den staubverkrusteten Strandbuggys kletterten, die sie im Desert High Rentals gemietet hatten. „Das machen wir!“

Corey hob zustimmend die Daumen. „Entweder das oder Paintball-Shooting.“

Sie gingen zu dem weiß gekalkten Bürogebäude, neben dem zahlreiche weitere Strandbuggys parkten.

„Vielleicht können wir beides unterbringen.“

Travis hatte Corey gebeten, ihm dabei zu helfen, Aktivitäten für den bevorstehenden Junggesellenabschied zu testen, und Corey hatte sich nur zu gern dazu bereit erklärt.

Die Fahrt mit dem Heißluftballon hatten sie übereinstimmend als viel zu lahm abgetan. Beim Fallschirmspringen würden nicht alle Gäste mitmachen. Außerdem hatten sie noch einige Bus- und Bootstouren ausprobiert und Spielkasinos. Da sie den Abend bei Bier, Barbecue und einer Footballübertragung im Emperor Plaza Hotel ausklingen lassen wollten, sollte der Tag mit sportlichen, spannenden Aktivitäten gefüllt sein.

„Wann könnt ihr morgens starten?“

„Die meisten Jungs sind Cowboys und ans frühe Aufstehen gewöhnt. Natürlich kommt es aber auch darauf an, wie spät es am Donnerstagabend wird.“

Die Gäste würden nachmittags anreisen, abends wollten sie ein paar Bars am Strip aufsuchen und vielleicht eine Runde Poker spielen.

„Geht morgens zum Paintball. Wer am Vorabend zu viel getrunken hat, bekommt dabei wieder einen klaren Kopf.“

Travis grinste. Lieber ein zu dicht gedrängtes Programm als zu wenig, fand er. „Gut. Erst Paintball, dann ein Strandbuggyrennen in der Wüste und abends das Footballspiel im Hotel. An uns sind zwei Partyplaner verloren gegangen!“ Sie betraten das Büro und gaben dem Angestellten am Schalter Helme und Buggyschlüssel zurück.

„Wie war’s“, fragte er.

„Großartig! Wir würden am Freitagnachmittag gern mit einer größeren Gruppe wiederkommen.“

Der Mann zog einen Buchungsblock heran. „Wie viele Personen?“

„Dreißig – sagen wir lieber fünfunddreißig.“

„Braucht jeder einen eigenen Buggy?“

„Davon gehe ich aus.“

Der Angestellte öffnete die Hintertür und rief: „Mickey, kannst du für Freitag fünfunddreißig Buggys bereitstellen?“

Travis verstand die Antwort nicht. „Hoffentlich klappt’s“, raunte er Corey zu. „Auf die Floßfahrt hab ich nämlich keine Lust.“

„Die Seilrutsche war auch langweilig.“

„Geht in Ordnung“, meldete in diesem Moment der Angestellte. Er kritzelte etwas auf seinen Block. „Falls es sich um ein Firmenevent handelt, sollten Sie vorab Ihre Versicherung kontaktieren.“ Er händigte Travis eine Broschüre aus.

„Und bei einer privaten Veranstaltung?“

„Normale Unfallversicherungen kommen für Schäden beim Buggyfahren nicht auf. Besorgen Sie sich besser eine Event-Versicherung.“

„Dann rechnen wir es über die Firma ab.“ Travis schüttelte ihm die Hand. „Vielen Dank für Ihre Hilfe.“

„Nicht weit den Highway runter liegt das South Rim“, sagte Corey, als sie über den glühenden Asphalt zum Auto gingen, das Travis für den Tag gemietet hatte. „Die haben klasse Burger und Steaks und mindestens zehn Sorten Bier vom Fass. Ihr könntet am Freitagmittag dort essen. Möchtest du es ausprobieren?“

„Gute Idee. Ein Bier kommt mir jetzt gerade recht.“ Es war fast fünf Uhr, und er hatte ohnehin nichts Besseres vor. Im Hotel würde er doch nur Ausschau nach Danielle halten. Er hätte sie am Vorabend nicht küssen dürfen, aber allein mit einer wunderschönen, begehrenswerten Frau in dem romantischen Garten …

In Gedanken versunken ließ er den Motor an und fuhr los.

In der Nacht hatte er den Kuss immer wieder durchlebt. Er hätte gern viel mehr mit Danielle angestellt, hatte sich jedoch gerade noch rechtzeitig zusammenreißen können. Schließlich arbeitete sie sowohl für seinen Schwager Caleb als auch für die Stiftung seiner Schwester Katrina – und seit er sie kannte, stritt er mit ihr.

Im Grunde hatte sich nichts zwischen ihnen geändert, denn sexy hatte er sie schon immer gefunden, während Danielle ihn für ungehobelt und unzivilisiert hielt. Sie teilte seinen Humor nicht und hielt ihn für einen beschränkten Hinterwäldler aus Colorado.

Damit hat sie ja auch recht, gestand er sich ein. Keine noch so starke sexuelle Anziehung konnte daran etwas ändern. Daher durfte nichts weiter passieren.

Frustriert schlug er aufs Lenkrad.

„Was ist los?“, fragte Corey verwirrt.

„Nichts.“

„Willst du lieber nicht ins South Rim fahren?“

„Doch. Ich bin hungrig und verdammt durstig.“ Er drückte aufs Gaspedal, die Beschleunigung presste Corey in den Sitz.

„Wenn du überschüssige Energie loswerden musst, wärst du besser eine weitere Runde Buggy gefahren“, schimpfte der.

Travis wusste genau, was ihn quälte. Dagegen half kein noch so schnelles Fahrzeug. Er lächelte schief und beschleunigte erneut, behutsamer diesmal. „Ich glaube, ich genehmige mir gleich einen Whisky“, rief er über den Motorenlärm.

„Hast du Ärger mit einer Frau?“ Vorsichtshalber klammerte Corey sich an den Handgriff.

„So ähnlich.“

„Zu Hause?“

„Nein, hier in Vegas.“

„Du bist doch gerade erst zwei Tage hier!“

„Ich bin eben schnell.“

„Pass auf, da vorne kommt die Ausfahrt. Der Parkplatz liegt gleich rechts hinter dem Motel.“

Travis bremste ab, blinkte und fuhr vom Highway auf den Parkplatz neben dem Restaurant. Das lang gezogene, flache Gebäude lag direkt an einem Canyon. Die Holzdielen auf der Veranda quietschten unter ihren Stiefeln, als sie auf die breite rote Eingangstür zugingen. Der Raum war gemütlich eingerichtet. Vor der Bar aus auf Hochglanz poliertem Redwoodholz standen bequeme Ledersessel um mehrere massive Tische, in einer Ecke gab es sogar drei gepflegte Billardtische. Rockmusik in angenehmer Lautstärke erklang aus Lautsprechern an der Decke und es duftete köstlich nach gegrillten Hamburgern. Glastüren führten auf eine Terrasse, von der aus man einen herrlichen Blick über den Canyon hatte.

Etwa ein Drittel der Plätze war besetzt, auch draußen saßen Leute. Zwei Männer spielten friedlich Billard, die übrigen Gäste wirkten fröhlich und entspannt.

„Setzt euch, wohin ihr mögt“, forderte die Kellnerin sie freundlich auf.

„Wollen wir eine Runde spielen?“, schlug Corey vor und ging zu einem der freien Billardtische.

„Warum nicht?“ Travis warf seinen Hut auf einen Stuhl und krempelte die Hemdsärmel auf. Dabei bemerkte er, wie staubig er war. Rasch suchte er den Waschraum auf und zuckte beim Blick in den Spiegel entsetzt zusammen. Er wusch sich, so gut es ging. Als er zu ihren Plätzen zurückkehrte, hatte die Kellnerin bereits geeistes Wasser und die Speisekarten gebracht. Travis bestellte ein Bier und wählte dann einen Queue aus.

„Hallo! Ich bin Sandy.“ Eine Blondine trat an den Billardtisch, ihre brünette Freundin beobachtete sie von ihrem Tisch aus.

„Travis. Nett, dich kennenzulernen. Das ist Corey.“

„Meine Freundin Linda sitzt dort drüben.“

„Wo kommt ihr denn her“, erkundigte sich Corey.

„Aus San Diego, Kalifornien. Und ihr?“

„Ich arbeite als Stierkämpfer bei einer Rodeoshow.“

„In rotem Cape und goldbetresster Jacke?“

Bei der Vorstellung konnte Travis sich nur mit Mühe das Lachen verkneifen.

„Du meinst spanische Toreros. Hier trägt man Jeans, die Stierkämpfer retten die Cowboys, die von den Stieren abgeworfen werden.“ Corey deutete auf ihn. „Erst Samstagnacht habe ich diesem Kerl das Leben gerettet.“

Sandy sah Travis aus großen Augen an. „Echt wahr?“

„Ja.“ Travis ordnete die Billardkugeln auf dem Tisch an.

Nun stand auch Linda auf und gesellte sich zu ihnen. „Dann sind Sie Bullenreiter?“

„Ich bin Rancher“, erwiderte er. „Acht Kugeln?“, fragte er Corey.

„Acht. Und was macht ihr?“, wollte Corey wissen.

„Wir arbeiten als Servicekräfte bei Hochzeiten und Firmenevents.“

„Wenn das kein Zufall ist!“ Corey trat an den Tisch und führte seinen ersten Stoß aus, versenkte aber keine der Kugeln. „Wir planen nämlich gerade eine Party – einen Junggesellenabschied.“

„Dann macht ihr bestimmt den Strip unsicher.“

„Außerdem gehen wir zum Paintball-Schießen und machen ein Buggyrennen.“

Travis sandte ein Stoßgebet zum Himmel, dass Corey das geplante Essen im South Rim nicht erwähnte. Die Frauen wirkten nett, aber die Party war nicht zum Aufreißen gedacht.

„Ist einer von euch der Bräutigam?“, wollte Linda wissen.

Grinsend schüttelte Corey den Kopf. „Wir sind nur die Partyplaner.“

„Der Bräutigam ist ein Freund von mir“, erklärte Travis und versenkte einige Kugeln. Der nächste Stoß ging jedoch daneben und Corey kam an die Reihe.

Sandy stellte sich neben ihn. „So, Mr Bullenreiter-Rancher. Bist du …“

„Möchten Sie Essen bestellen?“, unterbrach die Kellnerin sie, und Travis wandte sich erleichtert zu ihr um.

„Ich nehme einen Cheeseburger.“

„Für mich das Gleiche“, rief Corey und vollführte einen perfekten Stoß.

Travis kehrte zum Tisch zurück und trank einen Schluck Bier. Er war froh über die Unterbrechung, denn auf einen Flirt war er nicht aus. Seine Gedanken kreisten um Danielle, und er fragte sich, ob Randal sie wohl gerade anmachte.

Dann war er wieder mit Billard an der Reihe.

Während Corey mit den beiden Frauen flirtete, räumte er sämtliche Kugeln ab. „Der Lunch geht auf dich“, rief er fröhlich, als die Kellnerin die Burger servierte.

„Du bist der mit dem dicken Scheck“, beschwerte Corey sich. „Und ich …“

„Ich weiß, du hast mir das Leben gerettet.“ Travis stellte sein Queue zurück ins Regal. „War nett, mit euch zu plaudern“, verabschiedete er sich von Sandy und Linda und setzte sich an den Tisch.

Zum Glück begriff Corey, dass er keine Lust auf die Gesellschaft der Frauen hatte.

„Was ist nur los mit dir?“, fragte er verwundert.

„Ich will in Ruhe essen.“

„Dabei hab ich mir solche Mühe gegeben, sie aufzureißen!“

„Sie sind eben nicht mein Typ.“

„Hübsch, nett, gut gebaut – was gefällt dir nicht an ihnen? Vielleicht solltest du mir von deiner Lady in Vegas erzählen. Wenn sie dir die Stimmung verhagelt, muss ich es ausbaden.“

„Da gibt es nichts zu erzählen.“

„Ist sie verheiratet?“

„Nein, und trotzdem muss ich die Finger von ihr lassen. Das hat was mit ihrem Job zu tun.“

„Lässt sich da nichts machen?“

„Nein.“

„Dann vergiss sie und sieh nach vorne.“

„Mach ich.“ Zuvor würde er Danielle allerdings noch Randals Motive klarmachen. Randal durfte nicht siegen, wo er aufgeben musste.

Das Golfturnier der Juristen war vorüber, Randal hatte den vierten Platz belegt. Er hätte vermutlich auch eine bessere Platzierung erreichen können, doch wie er ihr einmal anvertraut hatte, sollte ein junger Anwalt den älteren den Sieg überlassen.

Zum Abschluss des Kongresses war im Garten des Hotels ein erlesenes Buffet aufgebaut worden. Es duftete köstlich nach Rosmarin und Salbei, vom Dessertbuffet wehte ein Hauch von Vanille und Zimt herüber. Weiße Leinentücher bedeckten die Tische, geschickt platzierte Scheinwerfer und Fackeln sorgten für ...

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