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Heiße Küsse in dunkler Nacht

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1. KAPITEL

Lacey Delaney hasste die Dunkelheit mehr als alles andere. Und noch weniger konnte sie es ausstehen, im Dunkeln allein zu sein.

Natürlich würde sie es nie zugeben, doch sogar mit einundzwanzig schlief sie noch mit einer Nachtlampe. Diese vertrieb nicht immer ihre Albträume, aber immerhin erwachte Lacey, wenn sie panisch nach Luft schnappte, nicht in völliger Dunkelheit.

Selbst in diesem Moment, als sie in ihrem relativ sicheren Auto saß, musste sie nur kurz die Augen schließen, um ihren lebendig begrabenen Vater vor sich zu sehen. Er war bei einem schrecklichen Grubenunglück ums Leben gekommen.

Vielleicht hatte ihre Freundin Julia recht und sie sollte sich wirklich einen Mann suchen, mit dem sie sich nachts so verausgabte, dass sie zu erschöpft war, um zu träumen. Doch leider hatten sie ihr Job als Ingenieurin bei StarPoint Technologies und ihre überängstliche Mutter bisher davon abgehalten, geeignete Männer kennenzulernen.

Katherine Delaney gab dem Begriff „Übermutter“ eine ganz neue Bedeutung. Laceys Mutter sorgte sich nicht nur um sie − Katherine würde alles tun, um ihre Tochter vor Unheil zu schützen.

Hier saß Lacey nun … allein in ihrem liegen gebliebenen Auto. Um sie herum: nichts als Dunkelheit. Wenn ihre Mutter sie so sehen könnte, würde sie einen Anfall bekommen.

Der Gedanke brachte Lacey zum Lächeln. Ihre Mutter war gegen die Reise nach Kentucky gewesen. Katherine hatte sie dazu gedrängt, den Auftrag an jemand anderen abzugeben. Aber je mehr Druck ihre Mutter ausgeübt hatte, desto sicherer war sich Lacey ihrer Sache geworden. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass ihr ganzes Leben von der Angst ihrer Mutter bestimmt wurde.

Lacey wusste, warum ihre Mutter sich so viele Sorgen um sie machte. Beim tödlichen Unfall ihres Vaters war Lacey gerade einmal acht Jahre alt gewesen. Und ihre Mutter lebte in der ständigen Angst, dass auch ihrer Tochter etwas Schreckliches passieren könnte. Im Laufe der Jahre hatte sich diese Sorge nicht gelegt, im Gegenteil. Katherine hatte es sich als Lebensziel gesetzt, ihre Tochter vor allem Bösen zu beschützen – selbst wenn es gar nicht existierte. Und für eine lange Zeit hatte Lacey das zugelassen.

Doch was am Anfang wie der Beschützerinstinkt einer Mutter gewirkt hatte, fühlte sich heute wie die vollständige Kontrolle über ihr Leben an. Mit jedem Tag verabscheute Lacey das Verhalten ihrer Mutter mehr.

Lacey liebte sie, aber sie wollte frei sein und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen genießen. Sie wollte ernst genommen werden. Und nicht wie jemand wirken, der ohne Babysitter nicht überlebensfähig war.

Unglücklicherweise brachte es ihre schmale Statur mit sich, dass jeder sie beschützen wollte, mit dem sie zusammenarbeitete. Mit der Zeit war sie müde geworden, jedem zu erklären, dass sie allein zurechtkam. Deshalb hatte sie sich als Freiwillige gemeldet, als ihr Arbeitgeber ihr die Möglichkeit geboten hatte, den neuen unterirdischen Empfänger STAR, der bald zu den modernsten GPS-Geräten der NASA zählen würde, in einem Feldversuch zu testen.

Zuerst war ihr Chef skeptisch gewesen, denn Laceys Erfahrungen beschränkten sich auf die Entwicklungsphase. Nie zuvor hatte sie praktische Tests durchgeführt. Aber Lacey wusste, wenn sie als Ingenieurin und Wissenschaftlerin anerkannt werden wollte, musste sie alle Aspekte ihrer Arbeit kennen. Und dazu zählte auch die Testphase. Sie hatte nur nicht gewusst, wie weit sie dafür reisen musste.

Der Parkplatz des Restaurants, in dem sie kurz zuvor halbherzig in einem Stück Braten herumgestochert hatte, war bis auf das Licht einer Lampe am Eingang vollständig in Dunkelheit gehüllt.

Da ihr Handy keinen Empfang hatte, war sie froh gewesen, dass der Besitzer des Restaurants wenigstens vor dem Schließen des Lokals den Abschleppdienst angerufen hatte. Bevor er nach Hause gefahren war, hatte er sich sogar noch vergewissert, dass sie allein zurechtkam, bis irgendein Kerl namens Sully – wahrscheinlich der Fahrer des Abschleppwagens – erschien.

Seufzend saß sie nun hinter dem Steuer des Mietwagens und ließ die Tür in der Hoffnung offen, dass eine kühlende Brise hineinwehte. Es war wirklich heiß. Natürlich war es das in New England im Sommer ebenfalls. Aber in Kentucky hielt man es vor Hitze schon Anfang Juni kaum aus.

Lacey lehnte den Kopf an die Stütze des Sitzes, hörte den Insekten in den umliegenden Bäumen bei ihrem nächtlichen Konzert zu und beobachtete fasziniert die unzähligen Glühwürmchen.

Normalerweise machte ihr die Hitze nichts aus. An diesem Abend war es allerdings anders. Sie würde zu dem jämmerlichen kleinen Motel zurückkehren, in dem sie am frühen Abend eingecheckt hatte, und keinen Schlaf finden. Sie war nicht verwöhnt, aber die einzigen anderen Gäste, die sie gesehen hatte, waren umherziehende Minenarbeiter gewesen, die das klare Ziel verfolgten, sich sinnlos zu betrinken.

Da nur ein winziges Schloss ungebetene Gäste davon abhielt, ihr Zimmer zu betreten, würde Lacey sicherheitshalber ihre Kleidung beim Schlafen anbehalten. Sie freute sich jetzt schon darauf, denn im Raum würden unerträgliche Temperaturen herrschen. Die Klimaanlage war nämlich kaputt.

Ihre Handtasche lag neben ihr auf dem Beifahrersitz. Lacey durchsuchte sie und zog einen Notfallsatz Unterwäsche heraus, den ihre Mutter für sie eingepackt hatte – nur für den Fall, dass die Fluggesellschaft das Gepäck verlor. Außerdem holte sie einen E-Reader und eine Flasche Wasser heraus.

Sie blies sich eine Strähne aus dem Gesicht und trank einen großen Schluck.

Währenddessen beschloss sie, dass sie nicht mehr als eine Nacht in dem Motel bleiben würde. Morgen würde sie sich mit Sheriff Hathaway treffen. Er war ihre Kontaktperson während ihres Aufenthalts in Black Stone Cap.

Sie würde ihn fragen, ob er außer des lausigen Blackwater Inns noch eine mögliche Bleibe für sie kannte. Wenn es überhaupt eine andere gab. Das Motel befand sich wirklich mitten im Nirgendwo. Im Telefonbuch ihres Zimmers hatte sie jedenfalls keine weitere Unterkunft gefunden.

Sie erinnerte sich erneut daran, dass sie nicht zum Vergnügen hier war. Es war egal, wo sie schlief. Sie hatte einen Job zu erledigen. Und selbst ein schäbiges Motelzimmer würde sie nicht davon abhalten.

StarPoint Technologies hatte von der NASA den Auftrag erhalten, ein GPS-Gerät zu entwickeln, das unter Tage funktionierte und Signale durch metertiefe Steinschichten senden und empfangen konnte. Lacey hatte die vergangenen drei Jahre damit verbracht, dieses Gerät zu entwerfen und zu entwickeln. Sie hatte es liebevoll auf den Namen STAR getauft.

Da die Entwicklungsphase nun beendet war, musste das Gerät nur noch getestet werden, bevor es an die NASA übergeben werden konnte. Für Lacey bot sich damit die Chance, sich nicht nur als praktische Wissenschaftlerin zu beweisen, sondern auch einmal aus ihrem Heimatort herauszukommen. Sie konnte alles tun, was sie wollte – in einem gewissen Rahmen.

Sie wollte sich nicht weiter einschränken lassen. Sie würde ihren Job erledigen. Allerdings hatte sie auch vor, sich auf dieser Reise zu amüsieren. Ihre Freundin Julia hatte recht. Es war nicht gut für Lacey, dass ihre Mutter so viel Einfluss auf ihr Leben hatte – selbst wenn die Absicht dahinter noch so gut war. Dies war Laceys Gelegenheit, auf eigenen Beinen zu stehen und ihre Fähigkeiten zu testen.

Sie würde drei Tage mit dem örtlichen Suchtrupp verbringen und diesem die Nutzung der GPS-Geräte erklären. Eine weitere Woche war für Tests mit STAR in den Kohleminen eingeplant. Allerdings würde sie auch Freizeit haben und sich Sehenswürdigkeiten anschauen können.

Einen Teil des Fluges von Boston nach Roanoke hatte sie damit verbracht, einen Reiseführer über Kentucky zu studieren. Besonders gut gefiel ihr die Empfehlung, an einer abendlichen Kneipentour mit kostenlosen Proben von Kentuckys bestem Bourbon teilzunehmen. Auch die Zipline-Tour über den Baumkronen interessierte sie. Aber natürlich hätte sie nur genug Freizeit, wenn die Tests gut verliefen.

Die Gelegenheit, STAR in den örtlichen Kohleminen zu testen, war zu gut gewesen, um sie sich entgehen zu lassen. Die Minen um Black Stone Cap boten perfekte Bedingungen für die Tests. Außerdem ermöglichten sie es Lacey, sich zu vergewissern, dass das Gerät in sehr großen Tiefen funktionierte. Sie schuldete es ihrem Vater. Wenn sie nur einen einzigen Minenarbeiter vor dessen schrecklichem Schicksal bewahren konnte, würde sie zufrieden sein.

In diesem Moment erleuchteten Scheinwerfer den Parkplatz. Lacey hob den Kopf und erkannte einen riesigen Abschleppwagen. Es schienen nur wenige Minuten seit dem Anruf vergangen zu sein. Der Wagen kam von der Seite auf sie zu und blieb neben ihrem stehen. Die Scheinwerfer blendeten sie so sehr, dass sie sich die Hände vor die Augen halten musste.

Sie konnte den Mann hinter dem Steuer nicht erkennen. Aber sie spürte, dass er sie musterte. Jetzt wusste sie, wie sich ein Reh fühlte, das vom Scheinwerferlicht eines Autos erfasst wurde.

Sie war allein und verletzlich. Mitten im Nirgendwo. Und sie konnte sich nur vorstellen, wer sie da gerade betrachtete.

Lacey hatte auf dem College einen Kurs in Selbstverteidigung absolviert. Sie wusste, wie sie sich jemanden vom Hals halten konnte. Doch als sich die Tür des Abschleppwagens öffnete, handelte sie schnell. Sicher war sicher. Rasch schloss sie die Tür ihres Autos und verriegelte sie. Ein Mann erschien vor ihr im Licht seines Wagens.

Lacey stockte der Atem.

Der Mann war schlank und dennoch muskulös. Seine Schultern waren breit und seine Hüften schmal. Bei solch einem Körper kam einer Frau sofort Sex in den Sinn. Das Licht hinter ihm warf Schatten auf sein Gesicht. Doch Lacey nahm an, dass es genauso beeindruckend war wie sein Körper.

Der Mann kam näher. Und während Lacey erstarrte, beugte er sich nach vorn, um sie näher zu betrachten. Als sie in die blausten Augen blickte, die sie jemals gesehen hatte, schlug ihr Herz schneller. Nie zuvor war ihr so ein Farbton untergekommen. Selbst in diesem schwachen Licht erkannte sie ein Türkis, das sie an tropische Strände und warmes Meer erinnerte.

„Ma’am?“ Seine Stimme wirkte tief und war klar durch das Autofenster zu vernehmen. Besorgt sah er sie an. „Alles in Ordnung bei Ihnen?“

Sie erkannte seine Stimme. Es handelte sich um den Mann, mit dem sie zuvor telefoniert hatte. Sie wollte die Fenster öffnen, um mit ihm zu sprechen, aber da die Zündung und somit die Elektronik nicht funktionierte, war das zwecklos. Wenn sie sich mit ihm unterhalten wollte, musste sie entweder durch das Fenster schreien oder die Tür öffnen. Im Inneren des Autos war es jetzt schon unerträglich heiß.

Lacey musterte den Mann einen Augenblick lang, holte tief Luft und öffnete schließlich die Tür.

Der Mann beugte sich zu ihr, legte eine Hand auf das Autodach und die andere auf den Türrahmen. Er lächelte ihr zu. Wahrscheinlich dachte er, dass dies heute sein Glückstag war. Seine weißen Zähne strahlten in der Dunkelheit. Er trug ein verblasstes schwarzes T-Shirt, das seine Muskeln betonte. Seine Bizepse beeindruckten sie.

„Sie haben einen Abschleppwagen gerufen?“, fragte er lässig. Tiefe Kerben zeichneten sich auf seinen Wangen ab.

Lacey fragte sich, was nicht mit ihr stimmte. Sie war sprachlos. „Ähm, ja.“ Sie schluckte. „Das habe ich. Mein Auto springt nicht mehr an.“

Plötzlich beugte er sich noch weiter zu ihr und war nun auf Augenhöhe mit ihr. Sie erkannte, dass er sein dunkles Haar ziemlich kurz trug.

Im nächsten Moment streckte er die Hand aus und griff neben ihr linkes Bein. „Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich einen Blick riskiere.“

Ein heißer Schauer jagte ihr über den Rücken. Und das lag nicht an den hohen Temperaturen. Einen verrückten Moment lang dachte sie, er würde den Rock ihres kurzen Sommerkleids hochziehen. Und sie würde sich nicht einmal dagegen wehren.

Doch er betätigte nur fachmännisch einen Hebel unter dem Lenkrad und öffnete die Motorhaube. Erst als Lacey das Klicken hörte, wurde ihr bewusst, dass sie den Atem angehalten hatte.

Rasch richtete sich der Mann auf und ging zur Vorderseite des Autos, um die Motorhaube zu öffnen. Anschließend zog er eine kleine Taschenlampe aus seiner Hosentasche.

Lacey lehnte sich in ihrem Sitz zurück. Ihr war unglaublich heiß. Nie zuvor hatte sie so einen unverschämt gut aussehenden Mann getroffen. Und es war nicht nur sein Äußeres, das sie fesselte. Sein Blick zog sie vollkommen in den Bann.

Sie versuchte, ihre Gedanken zu verdrängen. Was dachte sie sich nur? Er war doch der Fahrer eines Abschleppwagens! Julia hätte bestimmt vor Freude getanzt.

Trotz seiner faszinierenden Augen war er bestimmt nicht besser als die lüsternen und betrunkenen Minenarbeiter im Blackwater Inn.

Aber als sie sich seinen schlanken und muskulösen Körper und diesen intelligenten Blick in Erinnerung rief, wurde ihr klar, dass sie sich irrte. Er war überhaupt nicht wie die anderen Männer. Jemand wie er ließ sich Zeit, wenn er mit einer Frau schlief, und stellte ihre Bedürfnisse vor seine. Er war ganz bestimmt selbstsicher, verspielt und vielleicht sogar ein wenig verrückt.

Einen Moment lang ging die Fantasie mit ihr durch. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich mit ihm in einer Berghütte mit Fellen auf dem Boden. Sein muskulöser Körper ruhte leicht in der Dunkelheit auf ihrem. Der Mann flüsterte ihr sinnliche Worte ins Ohr und küsste ihren Hals, ihre Lippen …

Plötzlich kam er wieder zu ihr zurück und stellte sich vor sie. „Ma’am, haben Sie etwas dagegen, wenn ich versuche, das Auto zu starten?“

„Oh! Natürlich nicht.“ Seinen Blick meidend, stieg sie aus dem Auto. Anschließend beobachtete sie, wie er sich auf den Fahrersitz setzte und den Schlüssel drehte.

Nichts.

Er versuchte es erneut und lehnte sich nachdenklich zurück. Schließlich sah er sie lächelnd an. „Scheint so, als wären Sie tatsächlich auf meine Dienste angewiesen.“

Augenblicklich beschleunigte sich ihr Puls. Wenn er nur wüsste!

Sie spürte, dass er sie aus seinen türkisfarbenen Augen ansah, und wandte sich ihm zu. In seinem Blick war eine Begierde zu erkennen, die ihr den Atem stocken ließ. In diesem Moment wurde ihr klar, dass er an ihr interessiert war. Dann sah er weg.

„W…wissen Sie, was nicht mit dem Motor stimmt?“, erkundigte sie sich und räusperte sich. Plötzlich fühlte sich ihr Hals furchtbar trocken an.

„Am besten, ich zeige es Ihnen.“ Er stieg aus dem Auto und bedeutete ihr mitzukommen. Als er eine Hand auf ihren Rücken legte, spannte sich ihr ganzer Körper an. Eine einzige Berührung von ihm reichte, um ihre Körpertemperatur noch weiter ansteigen zu lassen.

Ein Kribbeln durchfuhr ihren Körper. Sie fühlte sich seltsam. In einem Moment sehnte sie sich nach ihm, im nächsten war sie ängstlich. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie fröstelte, war innerlich aber von Wärme erfüllt. Und alles nur, weil dieser Mann sie kurz berührt hatte!

Er beugte sich über den Motorraum und leuchtete ihn mit seiner Taschenlampe aus. Als er sprach, hörte sie seiner warmen und tiefen Stimme zu. Währenddessen genoss sie den Anblick seiner engen Jeans. Sie stellte sich vor, wie sie seine muskulösen Beine streichelte.

Im nächsten Moment war sie entsetzt über sich selbst. Was stimmte nur nicht mit ihr? Sie führte sich auf wie ein pubertierender Teenager. Es war ja nicht so, dass sie nie einen gut aussehenden Mann als Partner gehabt hatte. Allerdings war sie seit Jahren mit keinem mehr im Bett gewesen.

Dank ihrer klammernden Mutter und ihres zeitaufwendigen Jobs hatte sie einfach keine Möglichkeit gehabt, irgendeine Art von Beziehung zu beginnen. Trotzdem war sie bisher nicht an den Punkt gekommen, dass sie dem ersten attraktiven Fremden um den Hals fallen würde. Allerdings war es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass sie es könnte, wenn sie nur wollte. Dieser hier würde ganz sicher nicht Nein sagen.

Plötzlich fiel ihr auf, dass der Fremde nicht mehr redete. Stattdessen beobachtete er sie, die Arme vor der Brust verschränkt. Er schien darauf zu warten, dass sie in die Realität zurückkehrte.

„Tut mir leid“, murmelte Lacey. „Was haben Sie gerade gesagt?“

Er lächelte. Wahrscheinlich wusste er, was ihr durch den Kopf gegangen war. „Ich habe gesagt, dass es danach aussieht, als sei die Isolierung Ihres Kabelbaums abgenutzt.“

„Oh.“ Verwirrt blickte sie ihn an. „Was bedeutet das?“

Die Kerben auf seinen Wangen wurden tiefer. „Nun, wenn die Verkabelung nicht richtig sitzt, kann es zu Reibung und schließlich zu Hitzeentwicklung kommen.“ Er entfernte sich vom Auto und trat einen Schritt auf sie zu. „Wenn das passiert“, sagte er mit heiserer Stimme, „werden die Kabel heiß und alles einschließlich der Hauptantriebswelle kann schmelzen.“

Lacey blinzelte. Ihre Wangen glühten. „Wirklich?“ Sie wich seinem sehnsuchtsvollen Blick aus. „Es entsteht Hitze?“

„Genau. Sie sind definitiv auf meine Dienste angewiesen.“

Lacey wandte sich von ihm ab, presste eine Hand an ihre Brust und versuchte, normal zu atmen. „Gut. Es ist ein Mietwagen. Was auch immer kaputt ist, die Mietwagenfirma wird es bezahlen. Ich rufe die Hotline an und gebe dort Bescheid, wo sie das Auto abholen können.“ Sie holte tief Luft und wandte sich ihm wieder zu. „Muss ich jetzt bezahlen? Oder soll das die Mietwagenfirma erledigen, wenn jemand zum Abholen kommt?“

Er zuckte mit den Schultern. „Die Mietwagenfirma übernimmt normalerweise die Bezahlung. Ich gebe Ihnen eine Visitenkarte.“

Sie sah ihm zu, wie er zu seinem Wagen ging und in der Fahrerkabine zu suchen begann.

Er fluchte leise. „Ich weiß, dass sie hier irgendwo sind. Ah!“ Er kam zurück und reichte ihr eine Visitenkarte. „Geben Sie der Mietwagenfirma diese Nummer.“

Lacey las die Karte. Ein Firmenname stand darauf. Sully’s Towing Service. Aber kein Vorname. Sie versuchte, sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen, und sah zu ihm hoch. „Danke. Warten Sie einen Moment. Ich hole nur schnell meine Sachen aus dem Auto.“ Rasch ging sie zum Kofferraum, öffnete ihn und griff nach dem kleinen Koffer mit den GPS-Geräten.

Währenddessen beugte sich der Mann ins Wageninnere. Lacey konnte nicht anders: Sie musste auf seinen Po starren. Als der Fremde sich schließlich wieder aufrichtete, bemerkte sie, dass er ihre Unterwäsche, ihren Notizblock und ihre Tasche in den Händen hielt.

„Die sollten Sie nicht vergessen“, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen.

Der feine Slip aus Satin wirkte lächerlich klein in seiner großen Hand. Plötzlich sah sie vor ihrem inneren Auge, wie er ihn über ihre Hüften streifte. Ihr Blick traf seinen. Als der Mann ihr die Sachen reichte, wurden erneut diese Kerben in seinem Gesicht sichtbar.

Schweigend nahm sie ihre Sachen und zog mühsam den Koffer aus dem Kofferraum. Sofort eilte der Fremde zu ihr und holte ihn ohne Anstrengung heraus. Anschließend trug er ihn zu seinem Wagen und verstaute ihn hinter den Sitzen.

„Was tun Sie da?“, fragte Lacey.

Er schenkte ihr ein Lächeln, das sie fast umhaute. „Ich bringe Sie nach Hause.“

Als sie schließlich die Stimme wiederfand, quiekste sie: „Sie tun was?“

„Na ja, es würde mir nicht richtig vorkommen, Sie auf einem verlassenen Parkplatz zurückzulassen“, erwiderte er und fuhr sich durchs Haar. Dabei wirkte er sichtlich besorgt. „Wenn niemand bereits auf dem Weg zu Ihnen ist, bringe ich Sie, wohin Sie müssen.“ Er sah sie fragend an.

Lacey war klar, dass er nur logisch dachte. Er konnte sie nicht hierlassen. Es gab keine Möglichkeit, zum Motel zu gelangen. Trotzdem regten seine Worte ihre Fantasie an.

„Nein“, erwiderte sie schließlich. „Niemand holt mich ab. Ich bin nur etwas mehr als eine Woche hier.“

„Ach so“, sagte er bedeutungsvoll. „Warum springen Sie dann nicht in meinen Wagen, während ich Ihr Auto abschleppe?“

Zögernd tat Lacey, was er sagte. Er hielt ihr die Tür auf und reichte ihr eine Hand, um ihr in den Wagen zu helfen. Seine Haut war warm, und seine Finger schlossen sich fest um ihre.

Lacey sah ihm zu, wie er um den Wagen herumging und sich hinter das Steuer setzte. In der engen Fahrerkabine war seine Präsenz beeindruckend. Seine pure Männlichkeit betäubte ihre Sinne.

Plötzlich drehte er sich zu Lacey um und legte einen Arm um ihren Sitz. Anschließend sah er aus dem Fenster hinter ihnen und steuerte den Wagen auf ihr Auto zu.

Lacey atmete tief durch. Sie konnte ihn riechen. Eine Mischung aus maskulinem Duft und Aftershave. Sie musste sich nur leicht drehen, und ihre Lippen würden über seinen muskulösen Arm streichen, der hinter ihr auf dem Sitz ruhte.

Starr umklammerte sie ihre Handtasche mit beiden Händen und zwang sich dazu, nach vorne zu sehen. Doch am Ende landete ihr Blick auf seinen Oberschenkeln. Sie waren schlank und muskulös. Sie schluckte. Seine Hand auf dem Lenkrad war stark und groß. Seine langen Finger waren genauso gepflegt wie seine Fingernägel. Ihr fiel auf, dass er keine Ringe trug. Sie wusste nicht, warum, aber diese Tatsache löste Erleichterung bei ihr aus. Von der Seite sah sie ihn an und fragte sich, was er wohl über sie dachte.

Als Cole MacKinnon aus der Fahrerkabine sprang und begann, das Auto an seinen Abschleppwagen zu hängen, konnte er kaum fassen, was für ein Glück er hatte. Erst seit zwei Tagen war er wieder in Black Stone Gap. An diesem Abend hatte er aus einer Laune heraus Sully einen Besuch abgestattet.

Sein langjähriger Freund hatte auf einer anderen Leitung telefoniert. Aus diesem Grund war Cole spontan an das zweite Telefon gegangen, als es geklingelt hatte. Er hatte Sully schon früher einmal ausgeholfen. Ohne zu zögern, hatte er deshalb angeboten, diesen Auftrag zu übernehmen.

Er genoss es, den Samariter zu spielen. Doch als seine Scheinwerfer das Auto erfasst hatten, war er fast sprachlos beim Anblick der wunderschönen Frau auf dem Fahrersitz gewesen.

Sie hatte helle Haut und war schlank. Ihre Arme und Beine waren nicht bedeckt. Rotes Haar fiel auf ihre schmalen Schultern. In der drückenden Hitze von Kentucky wirkte sie so kühl wie ein Eisblock.

Als er den Hebel betätigt hatte, um die Motorhaube zu öffnen, wäre er am liebsten mit einer Hand über ihre Beine gefahren. Doch er hatte sich daran erinnert, dass er hier war, um ihr zu helfen. Er hatte überhaupt keine Absicht, sie zu verführen. Gar keine.

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