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COLLECTION BACCARA BAND 339

CATHERINE MANN

Geheimauftrag: Verführung

Skandal! Wurden in Chicagos High Society Spendengelder unterschlagen? Troy Donavan, bekannt als „Bad-Boy-Millionär“, ermittelt im Geheimauftrag der CIA. Viele gehören zum illustren Kreis der Verdächtigen. Auch die Eventmanagerin Hillary Wright, die Troy in ihrer Schönheit fast aufreizend unschuldig vorkommt, als er sich im Flieger neben sie setzt …

RACHEL BAILEY

Wenn du mich wieder so berührst

Die sinnlichen Nächte mit Pia hat JT nie vergessen – aber auch nicht den Schmerz, als seine „Prinzessin“ ihn verließ. Nur weil er damals arm war und nicht in ihre Welt passte? Den wahren Grund hat sie ihm nie genannt. Als sie sich Jahre später wiederbegegnen, will er endlich wissen, warum. Und ob es wirklich vorbei ist. Denn er begehrt sie immer noch …

KATHIE DENOSKY

Alles auf Liebe?

Ein Trip im Privatjet, eine Luxussuite, Champagner und Kaviar für zwei. Spielcasinobesitzer Blake lässt nichts aus, um die attraktive PR-Assistentin Sasha zu verführen. Allerdings nur, weil er sie für die Geliebte seines verhassten Halbbruders hält, dem er eins auswischen will! Gefühle sind nicht im Spiel. Redet er sich zumindest ein …

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Geheimauftrag: Verführung

PROLOG

North Carolina, Militärinternat

vor 17 Jahren

Sie hatten ihm den Kopf rasiert und ihn in ein Militärinternat gesteckt. Konnte man sich etwas Schlimmeres vorstellen? Da er erst fünfzehn war, lagen noch einige Jahre vor ihm, bis er die Schule beenden würde. Er hatte also genug Zeit, es herauszufinden.

Troy Donavan stand im Türrahmen der ihm zugewiesenen Baracke und suchte den Raum mit den Augen nach seinem Spind ab. Ungefähr die Hälfte der Doppelbetten war belegt von Jungs, deren Haare ebenso kurz rasiert waren wie seine – auch in diesen Punkt hatte sein Vater sich durchgesetzt. Endlich war das lange Haar seines Sohnes ab, für das sich Dr. Donavan so geschämt hatte. Obwohl der angesehene Arzt sich kaum weniger geschämt haben dürfte, als sein Sohn dabei erwischt wurde, wie er in den Computer des Verteidigungsministeriums eindrang.

Jetzt war er in sein „Gefängnis“ nach North Carolina gebracht worden, das beschönigend als Militärinternat bezeichnet wurde. Sein Vater hatte dafür gesorgt, dass der Richter einem Vergleich zustimmte. Troy schloss die Hand fest um den Riemen seiner Tasche, um den Impuls zu unterdrücken, die nächstliegende Fensterscheibe einzuschlagen.

Er schritt die Reihe der Doppelbetten ab, bis er in der letzten Reihe ein Bett fand, das mit seinem Namen gekennzeichnet war. Er warf seine Tasche auf das leere untere Bett.

Jemand ließ seinen Fuß, der in einem makellos sauberen Schuh steckte, vom oberen Bett herunterbaumeln. „Du bist also der Robin-Hood-Hacker“, hörte er eine sarkastische Stimme von oben. „Willkommen in der Hölle.“

Das fing ja gut an. „Danke. Und nenn mich nicht so.“

Troy richtete sich auf, um zu sehen, wer ihn da so freundlich willkommen hieß.

Der Junge, der oben lag, trug eine Brille und las.

Troy hasste es, wenn jemand ihn mit dem Namen ansprach, den die Presse ihm gegeben hatte. Er hatte zwar mit illegalen Mitteln die korrupten Machenschaften von Angehörigen des Verteidigungsministeriums und einer Gruppe von Kongressmitgliedern aufgedeckt, aber eigentlich war es ihm nur darum gegangen, die Aufmerksamkeit seiner Eltern zu erringen.

Ganz egal aus welcher Perspektive man das Ganze betrachtete, er war kein Gutmensch oder Robin Hood, verdammt noch mal.

Er öffnete seine Tasche, die Unterwäsche und mehrere Uniformen enthielt, und versuchte, nicht in den kleinen Spiegel, der an der Tür seines Spinds hing, zu blicken. Er hatte sich noch nicht an seinen kahlen Anblick gewöhnt.

Wenn er nur seinen Computer hätte. Direkte soziale Kontakte waren nicht seine Stärke. Der vom Gericht beauftragte Psychiater hatte gesagt, dass er Schwierigkeiten habe, sich auf andere Menschen einzulassen, und deshalb in die Cyberwelt geflüchtet sei. Der Möchtegern-Freud hatte recht gehabt.

Und jetzt saß er fest in dieser bescheuerten Baracke mit einer ganzen Gruppe von anderen Menschen.

Er setzte sich neben seine Tasche auf das Bett. Irgendwie musste er hier weg. Eine Hand tauchte von oben auf und hielt ihm ein tragbares Videospiel hin.

Es war zwar kein Computer, aber immerhin elektronisch. Er nahm das ihm hingehaltene Gerät und ließ sich nach hinten auf sein Bett sinken. Der Junge von oben machte keine einzige dumme Bemerkung mehr. Vielleicht war er doch nicht so übel.

Troy begann zu spielen.

1. KAPITEL

Hillary Wright brauchte dringend eine Ablenkung auf ihrem Flug von Washington D. C. nach Chicago.

Als sie sich auf den Fensterplatz sinken ließ, blies ihr die Lüftung recycelte Kabinenluft ins Gesicht. Schnell schloss sie die Kopfhörer an und machte die Augen zu. Sie wollte nur endlich in Chicago ankommen und den schlimmsten Fehler, den sie je in ihrem Leben gemacht hatte, vergessen machen.

Hillary wechselte mehrmals den Sender, bis sie etwas fand, das ihr gefiel. Passagiere drängelten sich durch den Mittelgang auf der Suche nach ihren Plätzen in den Reihen weiter hinten. Normalerweise hätte sie auch auf einem der günstigeren Plätze gesessen, aber heute flog sie zum ersten Mal erster Klasse. Auf Kosten der CIA. Eine vollkommen verrückte Vorstellung. Bis vor einem Monat kannte sie die CIA höchstens aus dem Fernsehen. Und jetzt musste sie dieser Organisation helfen, um nicht ins Gefängnis zu kommen.

Sie ließ sich tiefer in ihren Sitz sinken und legte den Arm über die Augen. Sie war so nervös, dass sie ihre erste Reise nach Chicago überhaupt nicht genießen konnte.

Früher hatte sie davon geträumt, der Kleinstadt in Vermont, in der sie aufgewachsen war, zu entkommen. Ihr Job als Event-Managerin in Washington war ihr zuerst wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen. Sie hatte interessante Menschen getroffen, über die sie ansonsten höchstens in der Presse gelesen hätte. Politiker, Filmstars und Angehörige der High Society.

Und ihren Freund, dessen exklusiver Lebensstil sie vollkommen geblendet hatte. So geblendet, dass sie nicht gesehen hatte, wer er wirklich war. Er hatte sich als Wohltäter aufgespielt und reiche Geschäftspartner dazu gebracht, Geld an gemeinnützige Organisationen zu spenden, die in Wirklichkeit gar nicht existierten.

Wie dumm sie gewesen war. Wieder einmal hatte sie dem falschen Mann vertraut, und jetzt musste sie zusehen, wie sie sich aus diesem Schlamassel wieder befreite.

Von nun an würde sie besser auf der Hut sein.

Sie lauschte der Musik und versuchte, die Außenwelt komplett auszublenden. Konzentrier dich auf deine Aufgabe. Bleib ruhig. Du musst nur dieses Wochenende überstehen.

Sie würde den Geschäftspartner ihres Exfreundes Barry auf der Party in Chicago identifizieren und eine offizielle Aussage bei Interpol machen. So würde sie dabei helfen, die Machenschaften einer internationalen agierenden Geldwäscheorganisation aufzudecken. Danach würde sie ihr altes Leben wieder aufnehmen.

Sie würde großartige Partys veranstalten, über die in den großen Tageszeitungen berichtet würde, und ihre Karriere würde sich kometenhaft entwickeln. Ihr Versager-Ex würde im Gefängnis in Klatschmagazinen über sie lesen und sich noch umschauen. Vielleicht würden sogar Fotos von ihr in den Magazinen erscheinen. Fotos, auf denen sie so heiß aussah, dass Barry in seiner Zelle Höllenqualen leiden würde.

Dieser Dreckskerl.

Sie presste Daumen und Zeigefinger an den Nasenrücken, um die Tränen zu unterdrücken.

Jemand tippte ihr auf die Schulter und unterbrach sie dabei, sich selbst zu bemitleiden. Sie zog einen Kopfhörer aus dem Ohr und als sie aufblickte sah sie … einen Anzug. Einen dunkelblauen Anzug und eine edle Krawatte mit einer Vintage-Krawattennadel.

„Entschuldigen Sie bitte, Madam. Sie sitzen auf meinem Platz.“

Eine ruhige und höfliche Stimme, die nicht den leisesten Anflug der schlechten Laune offenbarte, die viele Reisende zu haben schienen. Das Gesicht des Besitzers dieser Stimme lag im Schatten – das Sonnenlicht, das durch das Fenster hinter ihm schien, umrahmte seinen Kopf, sodass sie nur sein braunes Haar erkennen konnte, das so lang war, dass er es hinter die Ohren gesteckt hatte. Er trug eine Armbanduhr von Patek Phillipe und einen perfekt geschnittenen Caraceni-Anzug. Designer, die Hillary erst ein Begriff waren, seitdem sie in Washington für High-Society-Kunden gearbeitet hatte.

Und sie saß tatsächlich auf seinem Platz.

Schuldbewusst zuckte sie zusammen und tat so, als ob sie auf ihrem Ticket nach der Sitznummer schauen musste, obwohl sie längst wusste, was dort stand. Mein Gott, wie sie es hasste, am Gang zu sitzen. Sie hatte innerlich gebetet, dass der Sitz neben ihr frei bleiben würde. „Bitte entschuldigen Sie. Sie haben recht.“

„Wissen Sie was?“ Er legte seine Hand auf die Lehne des freien Sitzes. „Wenn Sie lieber am Fenster sitzen, bleiben Sie dort. Ich nehme einfach diesen hier.“

„Sind Sie sicher?“

„Keine Sorge.“ Er verstaute seine Aktentasche im Gepäckfach über ihren Köpfen, bevor er sich setzte.

Dann wandte er sich ihr zu und jetzt schien das Licht so, dass sie ihn ganz sehen konnte – und was sie da sah! Er war heiß! Ein kantiges Gesicht, lange Wimpern, die ihren Blick auf seine grünen Augen lenkten. Er war wahrscheinlich Anfang dreißig, was sie aus den kleinen Falten schloss, die um seine Augen erschienen, als er sie offen anlächelte.

Hillary legte den Kopf zur Seite, um ihn ausgiebiger zu betrachten. Er kam ihr bekannt vor, aber sie wusste nicht genau, woher … Sie schüttelte das Gefühl ab, ihn schon einmal gesehen zu haben. Auf den Partys, die sie in Washington geplant hatte, hatte sie so viele Leute getroffen. Ihre Wege konnten sich bei vielen Gelegenheiten gekreuzt haben. Allerdings hatte sie ihn bestimmt nicht von Nahem gesehen, denn sie hätte ihn bestimmt nicht vergessen.

Das Flugzeug setzte sich in Bewegung, und er schnallte sich an. „Sie fliegen nicht gerne.“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Sie wollen am Fenster sitzen, aber die Sichtblende ist heruntergelassen. Ihre Kopfhörer haben Sie schon angeschlossen und Sie halten sich an der Armlehne fest.“

Gut aussehend und aufmerksam. Hm …

Sie wollte ihn gern in dem Glauben lassen, dass sie nervös war, weil sie Angst vor dem Fliegen hatte. „Erwischt. Sie haben recht.“

„Möchten Sie vielleicht etwas trinken? Das hilft manchmal.“

Er streckte die Hand nach oben, um auf den Knopf über seinem Kopf zu drücken und die Stewardess zu rufen. Hillary griff nach seinem Handgelenk, um ihn aufzuhalten. Als sie ihn berührte, hatte sie das Gefühl, als wäre ihr ein leichter Stromschlag versetzt worden. Sie schienen beide statisch aufgeladen. Jedenfalls hoffte sie, dass das der Grund war …

Sie räusperte sich und kreuzte die Arme vor der Brust, um ihre Hände zu verbergen. „Das ist nicht nötig. Die Stewardess informiert gerade über die Sicherheitsvorkehrungen …“, sie sprach leiser, „… und versucht, uns mit Blicken zu töten, weil wir reden.“

Verschwörerisch lehnte er sich zu ihr hinüber. „Dann werde ich Sie ablenken, bis die Stewardess Zeit für uns hat.“

Er war ihr jetzt so nah, dass sie die bösen Blicke der Stewardess überhaupt nicht mehr wahrnahm. Sie war fasziniert von seinen grünen Augen, aus denen er sie mit unverhohlenem Interesse ansah.

Eine Wohltat für ihr Ego. Und eine hervorragende Ablenkung.

Auf einmal stellte das Paar, das vor ihnen saß, seine Rückenlehnen abrupt zurück und sie konnten sehen, dass sie sich heftig küssten.

„Ich kann gar nicht verstehen, warum die Stewardess uns böse anschaut und nicht die beiden.“

„Vielleicht feiern sie ihren Jahrestag.“ Fragend zog er eine Augenbraue nach oben.

Hillary schnaubte.

„Glauben Sie nicht an die Liebe?“

„Wollen Sie mir etwa erzählen, dass Sie an die wahre Liebe glauben?“ Sie dachte an seinen teuren Anzug, die Grübchen in seinen Wangen und seinen ungezwungenen Charme. „Bitte fassen Sie es nicht als Beleidigung auf, aber Sie scheinen mir nicht der Typ zu sein, der sich gern fest bindet.“

Ups, da war sie vielleicht doch etwas zu weit gegangen.

Er lachte jedoch nur leise und legte sich eine Hand auf die Brust.

„Es bricht mir das Herz, dass Sie so schlecht von mir denken“, erwiderte er melodramatisch.

Nun musste auch Hillary lachen. Sie schüttelte den Kopf und konnte nicht mehr aufhören. Dabei spürte sie, dass ihre Anspannung nachließ. Als sie bemerkte, dass er sie unverwandt ansah, wurde sie wieder ernst.

Er zeigte auf das Fenster. „Wir sind jetzt in der Luft. Sie können die Sichtblende öffnen und sich entspannen.“

Entspannen? Für einen Moment war sie verwirrt, doch dann fiel ihr wieder ein, dass er dachte, sie leide unter Flugangst. Und dann fiel ihr wieder ein, weshalb sie wirklich nervös war.

Barry, dieser Mistkerl. Und sein Komplize, den sie auf der Wohltätigkeitsveranstaltung an diesem Wochenende in Chicago identifizieren sollte. Sie hatte ihn nur zweimal gesehen und hoffte, dass er sie nicht wiedererkennen würde.

Sie begann, nervös mit dem Verschluss des Anschnallgurtes zu spielen. „Danke für Ihre Hilfe …“

„Troy.“ Er streckte die Hand aus. „Ich bin Troy, aus Virginia.“

„Und ich bin Hillary, aus Vermont.“ Sie bereitete sich innerlich auf den nächsten Stromschlag vor und schüttelte seine Hand. Ja, es fühlte sich wieder so an wie vorhin. Hitze zog sich von ihrer Hand ihren Arm hinauf. Trotz aller Vorsätze, Männer in nächster Zeit auf Abstand zu halten, konnte sie die körperliche Reaktion nicht unterdrücken. Andererseits, was war falsch daran, sich von jemandem angezogen zu fühlen?

Wenn sie an die Aufgabe dachte, die vor ihr lag, wurde sie nur wieder nervös. Also beschloss sie, sich lieber weiter von dem gut aussehenden Mann neben ihr ablenken zu lassen.

„Also, Troy, was verschlägt Sie nach Chicago?“

Troy hatte Hillary Wright sofort erkannt, als er das Flugzeug betreten hatte. Sie sah genauso aus wie auf dem Foto, das sich in ihrer Interpol-Akte befand. Einschließlich der Sommersprossen auf der Nase und dem roten Haar.

Auf dem Foto war jedoch nichts von ihrem Körper zu sehen, was ein grobes Versäumnis war. Sie war … sexy. Sie hatte Kurven und lange Beine und etwas Unschuldiges an sich. Normalerweise stand er nicht auf naive Frauen, aber wann hatte er sich jemals darum geschert, das Erwartete zu tun?

Genau deshalb war er heute hier, in diesem Flugzeug, in dem auch sie saß, anstatt dem Plan zu folgen, den sich die Agenten von Interpol und der CIA ausgedacht hatten. Er wollte sie kennenlernen, wenn sie noch nicht wusste, wer er war.

Beim Einchecken hatte er Glück gehabt. Der Fenstersitz neben ihr war noch frei. Es war fast zu einfach gewesen, und sie war vollkommen ahnungslos. Auf ihrer sommersprossigen Nase hätte ebenso gut „frisch vom Land“ stehen können.

Eine leicht nach oben geneigte Nase, die er gerne küssen würde, wenn er seinen Weg zu ihrem Ohrläppchen suchte. Von dem Foto wusste er, dass sie hübsch war, aber das Foto hatte die besondere Energie, die sie ausstrahlte, nicht einfangen können. Ebenso wenig wie die Unschuld.

Sie sollte sich nicht auf diesem Flug befinden.

Innerlich verfluchte Troy diejenigen, die bestimmt hatten, dass sie vor Ort sein sollte. Er hätte die Identifizierung in Chicago ohne Weiteres ohne sie vornehmen können, aber sie hatten darauf bestanden, dass sie dabei sein müsse, um sein Urteil zu bestätigen. Jetzt, da er sie gesehen hatte, war ihm klar, dass sie der Aufgabe am Wochenende allein nicht gewachsen war. Schließlich ging es um eine Gruppe von Betrügern, die im Schatten einer Wohltätigkeitsorganisation Geldwäsche betrieben und vor nichts zurückschreckten.

„Troy? Hallo?“ Hillary wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht. Er konnte sehen, dass ihre Fingernägel bis zum Nagelbett abgekaut waren. „Was haben Sie vor in Chicago?“

„Geschäfte.“ Das war die Wahrheit. „Ich arbeite mit Computern.“ Wieder wahr. Das reichte jetzt. Sie würde früh genug erfahren, wer er wirklich war … und sich dann bestimmt anders verhalten. Sich zurückziehen oder eingeschnappt sein. Die Leute verurteilten ihn entweder wegen seiner Vergangenheit oder seines Geldes. „Und was treibt Sie dorthin?“, fragte er, obwohl er es bereits wusste.

„Eine Wohltätigkeitsgala. Ich bin Event-Managerin und … mein Boss möchte, dass ich mir einen der Küchenchefs auf der Veranstaltung ansehe.“

Sie war eine lausige Lügnerin. Wenn er nicht bereits gewusst hätte, warum sie wirklich nach Chicago flog, hätte er spätestens jetzt bemerkt, dass etwas faul war an ihrer Geschichte.

„Einen Küchenchef… In Chicago … Und Sie arbeiten in Washington?“

„Ich bin auf Charity-Veranstaltungen spezialisiert. Mit der Planung der Gala in Chicago habe ich nichts zu tun. Ich will mir nur ein Bild davon machen, was die Konkurrenz so treibt. Es ist eine ziemlich große Angelegenheit, die sich über das ganze Wochenende zieht. Freitagabend geht es los. Verschiedene Partys und …“ Sie hielt verlegen inne. „Entschuldigen Sie, ich rede zu viel. Sie müssen ja nicht den ganzen Ablauf kennen.“

„Also sind Sie darauf spezialisiert, Partys für die Reichen und Berühmten auszurichten.“ Er lächelte aufgesetzt.

Verärgert presste sie die Lippen zusammen, bevor sie antwortete. „Denken Sie doch, was Sie wollen. Ich brauche Ihre Zustimmung nicht.“

Eine gute Einstellung. Warum also musste er sie so auflaufen lassen? Weil sie so verdammt hübsch aussah, wenn ihre Augen wütend funkelten?

Selten waren Menschen so direkt. Allerdings konnte man sich damit auch ganz schön in Schwierigkeiten bringen.

Er wusste genau, wovon er sprach. Als er damals mit fünfzehn verurteilt worden war, hatte es seine ganze Anstrengung erfordert, die Auflagen des Gerichts zu erfüllen. Allerdings hatte das Militärinternat auch viel Positives in seinem Leben bewirkt. Er hatte Freunde gefunden und gelernt, sich an Regeln zu halten. Als er nach einer Weile wieder am Computer arbeiten durfte, hatte er angefangen, Software zu entwickeln, und sein Unternehmen gegründet, das ihm heute mehr Geld einbrachte, als sein Vater, der erfolgreiche Arzt aus gutem Hause, jemals verdient hatte.

Aber die Erlaubnis, wieder am Computer zu arbeiten zu dürfen, hatte ihren Preis. Jede seiner Bewegungen wurde vom FBI überwacht. Man befürchtete, dass er es wieder versuchen würde, jetzt, nachdem er einmal den Kick erlebt hatte, den der Einbruch in ein hochgesichertes System auslöste. Und in der Tat war die Verlockung groß.

Als er einundzwanzig war, trat man mit einem Angebot an ihn heran. Wenn er jemals wieder ein solches Hochgefühl erleben wolle, müsse er seine Fähigkeiten gelegentlich der US-Abteilung von Interpol zur Verfügung stellen.

Damals hatte er widerwillig zugestimmt, aber jetzt, mit zweiunddreißig Jahren, gefiel es ihm sogar, der „Mann auf Abruf“ zu sein, der für besonders heikle Operationen eingesetzt wurde.

Mit der Zeit bat man ihn sogar um Hilfe, wenn es um mehr als seine Computerkenntnisse ging. Sein Wohlstand öffnete ihm die Türen der Reichen und Mächtigen, und wenn Interpol einen Kontakt in diesen Kreisen brauchte, rief man ihn an. Seine Hauptaufgabe bestand jedoch immer noch darin, im Hintergrund seine Computerkenntnisse zu nutzen. Bei Aktionen wie der, die an diesem Wochenende bevorstand, wurde er höchstens einmal im Jahr eingesetzt, um seine Tarnung nicht zu gefährden.

Und genau diese Gefahr bestand jetzt, wenn Hillary Wright an der Operation teilnahm, weil sie ihre Rolle nicht überzeugend spielen würde.

Das war ihm klar gewesen, sobald er ihre Akte gelesen hatte, auch wenn es anscheinend niemandem sonst aufgefallen war. Verstehe wer will, dass man ihn zwar ein Genie nannte, aber nicht auf seinen Rat hörte. Deshalb hatte er es arrangiert, dass er sie vorher im Flugzeug traf. Er würde das ganze Wochenende nicht von ihrer Seite weichen und sicherstellen, dass sie die Operation nicht gefährdete.

Zugegeben, die Vorstellung, das Wochenende an ihrer Seite zu verbringen, war nicht unangenehm.

Zum ersten Mal seit Jahren war er nicht gelangweilt. Diese Frau hatte etwas, das ihn faszinierte, und es gab noch vieles, was er noch nicht von ihr wusste. Er würde also für den Rest des Fluges neben ihr sitzen und sich mit ihr unterhalten.

Bestimmt würde sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen, sobald sie wusste, wer er war. Jemand wie sie würde sich nicht mit einem Mann von seinem Ruf einlassen, besonders nicht so kurz nachdem sie sich an ihrem Ex die Finger verbrannt hatte. Aber sie würde wahrscheinlich auch niemals erfahren, weshalb er tatsächlich an der Operation teilnahm.

Trotzdem stand seine Entscheidung fest, dieses Wochenende nicht von ihrer Seite zu weichen. Sie brauchte seine Hilfe, ob sie es wusste oder nicht.

Eine Stewardess kam zu ihnen herüber. „Kann ich Ihnen etwas zu trinken bringen? Vielleicht ein Glas Wein?“

Hillarys Lächeln gefror ihr auf dem Gesicht und alle Unbeschwertheit verschwand. Die Erwähnung von Alkohol weckte schmerzliche Erinnerungen. „Nein danke.“

Auch Troy schüttelte den Kopf. „Nein, vielen Dank.“ Er wandte sich zu Hillary um. „Sind Sie sicher, dass Sie nichts trinken wollen? Keinen Wein? Viele Leute trinken, um sich von ihrer Angst abzulenken.“

Sie richtete sich kerzengerade auf. „Ich trinke nicht“, antwortete sie bestimmt.

„Nie?“

Sie wollte nicht enden wie ihre Mutter, die mehrmals im Jahr in einer Entzugsklinik landete, während ihr Vater darauf hoffte, dass es dieses Mal klappen würde. Was es nie tat.

Sie wollte diesem Schicksal entgehen und hatte ihrem Zuhause den Rücken gekehrt, sobald sie alt genug war. In Washington hatte sie ein neues Leben anfangen wollen. Ein Leben, das sie sich weder von einem Drink noch von einem charmanten Mann zerstören lassen würde.

„Nie“, erwiderte sie. „Ich trinke niemals.“

„Dafür gibt es einen Grund“, stellte er fest, während er mit seinen Platinmanschettenknöpfen spielte.

„Den gibt es.“ Und um ehrlich zu sein, brauchte sie gar keinen Alkohol, weil sein Geruch vollkommen ausreichte, sie schwindelig zu machen.

„Aber den verraten Sie nicht.“

„Jedenfalls keinem völlig Fremden.“ Sie war mittlerweile gut darin, ihre schmutzigen Familiengeheimnisse zu verbergen. Das Planen von hochkarätigen Galas in Washington war ein Kinderspiel im Vergleich dazu, was es sie als Teenager für Anstrengungen gekostet hatte, die Fassade aufrecht zu erhalten.

Sie mochte aussehen wie ein naives Mädchen vom Land, aber das Leben hatte schon einiges dazu beigetragen, sie abzuhärten. Was der Grund dafür sein mochte, dass sie dem unbeschwerten Vergnügen, das ihr die vergangene Stunde mit Troy bereitet hatte, nicht recht traute.

Er war ganz anders, als sie zunächst gedacht hatte. Während des ganzen Fluges hatten sie sich … unterhalten. Über Künstler, die ihnen gefielen, Essen und Musik. Sie hatten herausgefunden, dass sie beide Jazzmusik und schlechte Horrorfilme mochten. Entgegen ihrer Erwartung war er sehr belesen und hatte einen scharfen Sinn für Humor. Seine Augen verrieten zwar, dass er an ihr interessiert war, aber ansonsten ließ er sich nichts davon anmerken.

Troy sah sie prüfend an, als er ihr nachdenkliches Schweigen bemerkte. „Stimmt etwas nicht?“

„Sie versuchen gar nicht, mich anzumachen“, platzte sie heraus.

Für einen kurzen Moment sah er überrascht aus, bis er sein draufgängerisches Grinsen aufsetzte. „Möchten Sie das denn?“

„Um ehrlich zu sein, gefällt es mir so ganz gut.“

Sie lehnte sich zurück und wartete, dass er aufhören würde zu grinsen. Er begriff doch hoffentlich, dass sie nicht versuchte, ihn anzumachen. Oder versuchte sie es doch?

Normalerweise stand sie nicht auf Männer wie ihn. Er trug das Haar zu lang und hatte mehrere feine Narben im Gesicht, die ihn so aussehen ließen, als ob er des Öfteren in Schwierigkeiten geriet. Eine dieser Narben durchzog eine Braue, eine andere hatte er am Kinn. Und eine weitere, fast verborgen von ein paar Haarsträhnen, an der Stirn.

Jedoch hatte sich Barry, der immer wie aus dem Ei gepellt und vollkommen respektabel aussah, in Wirklichkeit als das genaue Gegenteil entpuppt.

Troy sah Hillary tief in die Augen. „Sie amüsieren sich nicht besonders häufig, oder?“

Wer hatte dazu schon Zeit? Sie hatte in den vergangenen drei Jahren hart daran gearbeitet, sich ein neues Leben fernab der provinziellen Enge ihrer Heimatstadt aufzubauen, wo jeder wusste, dass sie die Tochter einer Trinkerin war.

Und dann hatte Barry ihren guten Ruf beschädigt, indem er Geld für Stipendien gestohlen hatte. Jetzt musste sie beweisen, dass sie nichts mit seinen schmutzigen Geschäften zu tun gehabt hatte. Sonst würde ihr niemand mehr vertrauen und sie würde zu allem Überfluss ihren Job verlieren.

Sie zupfte an ihrem Rocksaum.

„Wollen Sie damit sagen, dass ich eine Langweilerin bin?“

„Ich sage nicht, dass Sie eine Langweilerin sind. Aber ein Workaholic. Ihre Aktentasche ist gefüllt mit Dokumenten, die nach Arbeit aussehen. Sie haben nicht ein Buch oder Magazin dabei. Und die abgekauten Fingernägel an Ihren schönen Händen sprechen eine deutliche Sprache – Sie stehen unter Stress.“

Hillary hatte versucht, Arbeit und Beziehung miteinander zu vereinbaren, was leider nicht besonders gut funktioniert hatte. Danke, Barry, dass du so ein verdammter Betrüger bist! Ein schlechter noch dazu, wenn man bedachte, wie leicht er sich hatte erwischen lassen. Und sie selbst war so beschäftigt mit ihrer Arbeit gewesen, dass sie nicht bemerkt hatte, dass er sie nur benutzte, um erst an ihre Kunden ranzukommen und sie dann auszunehmen.

„Troy, ich liebe meine Arbeit. Sie nicht?“

Was genau machte er eigentlich mit Computern? Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie fast ausschließlich über sie gesprochen hatten und schon bald landen würden, ohne dass sie mehr über ihn erfahren hatte.

„Arbeiten macht Spaß. Genauso wie Urlaub machen. Wenn Sie es sich aussuchen könnten, wohin würden Sie fliegen, wenn Sie nicht arbeiten müssten?“

„Nach Europa“, antwortete sie sofort, ohne auch einen Moment darüber nachdenken zu müssen. Dann fiel ihr auf, dass er schon wieder das Gespräch geschickt von sich abgelenkt hatte.

„Das ist ziemlich weit gefasst“, stellte er fest. Durch das Fenster konnte man schon Chicagos Innenstadt erkennen.

„Einfach irgendeinen Ort, der weit weg ist. Weit weg von Chicago und der Gala.“

„Ah, der gute alte Fluchtgedanke. Den kenne ich gut. Als ich im Internat war, habe ich mir immer vorgestellt, wo ich hingehen und leben würde, wenn ich wieder frei wäre. Irgendwohin, wo es ganz anders wäre.“

Internat? Interessant, endlich gab er etwas von sich preis. „Macht man nicht genau deshalb Urlaub? Um dem Alltag zu entkommen?“

„Sie haben recht.“ Er lächelte und sah sie direkt an. „Wo kommen Sie ursprünglich her? Damit ich mir eine Vorstellung von Ihrem Alltag machen kann, wenn ich unsere Flucht plane.“

Unsere? „Sie meinen das natürlich hypothetisch …“

„Hypothetisch? Nein, nein. So zerstören Sie ja den Traum.“

„Ach so. Entschuldigung.“ Irgendwie gelang es ihm, sie in seine Fantasie hineinzuziehen. Und warum nicht? Schließlich war es nicht mehr als eine harmlose Gedankenspielerei. „Ich komme aus einer kleinen Stadt in Vermont, die keiner kennt. Nach Washington zu gehen, war schon eine ziemliche Umstellung – und jetzt fliege ich nach Chicago.“

„Sie sehen aber nicht so aus, als ob Sie sich darüber freuen.“

Dieser Mann war viel zu scharfsinnig. Sie musste ihn dringend wieder auf Abstand bringen. „Sie haben wohl vergessen, dass ich unter Flugangst leide … Und jetzt ist der Moment, in dem Sie mich nach meiner Telefonnummer fragen sollten.“

„Würden Sie mir die denn geben?“

„Nein“, erwiderte sie und glaubte fast selbst daran. „Ich habe gerade keinen Bedarf, jemanden kennenzulernen. Also können Sie aufhören, Ihren Charme an mich zu verschwenden.“

„Kann ein Mann sich nicht einfach nett unterhalten?“

Sie musste lächeln. „Haben Sie das gerade wirklich gesagt?“

Troy ließ sich in seinen Sitz fallen und sie merkte, dass sie in seiner Achtung gestiegen war. „In Ordnung, Sie haben recht. Ich würde Sie gerne nach Ihrer Nummer fragen … ich bin nämlich Single, falls es Sie interessiert … aber da Sie recht deutlich gemacht haben, dass meine Annäherungsversuche Sie kaltlassen, werde ich mich damit zufriedengeben, mein gebrochenes Herz und mein angekratztes Ego durch Ihre Gesellschaft trösten zu lassen.“

Nicht schlecht. Er war sehr charmant und so selbstbewusst, dass er kein Problem damit hatte, sich über sich selbst lustig zu machen. „Üben Sie solche Antworten oder sind Sie einfach gut im Improvisieren?“

„Sie sind eine kluge Frau. Ich bin sicher, dass Sie das herausfinden werden.“

Er gefiel ihr. Verdammt. „Sie sind lustig.“

„Und Sie sind bezaubernd. Es war mir ein Vergnügen, neben Ihnen zu sitzen.“

Waren sie schon gelandet? Sie sah sich um, als ob sie gerade aufgewacht sei und bemerkte, dass die anderen Passagiere sich bereits von ihren Plätzen erhoben. Das Flugzeug stand.

Troy stand auf und nahm ihre schwarze Reisetasche aus dem Gepäckfach über ihnen. „Ist das Ihre?“

„Ja, danke.“ Sie richtete sich auf und stand neben ihm. Dicht neben ihm. Die anderen Passagiere im Gang drängelten und schoben sie gegen ihn, sodass ihre Brüste an seine Brust gepresst wurden.

Seine harte Brust. Der Anzug bedeckte einen schlanken, perfekt durchtrainierten Körper. Hillary atmete seinen Duft ein und fühlte sich plötzlich ganz schwindelig.

Trotz der Nähe machte er immer noch keine Anstalten, sie anzufassen oder zweideutige Bemerkungen zu machen. „Ich wünsche Ihnen viel Spaß in Chicago.“

Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte, dem übermächtigen Bedürfnis zu widerstehen, ihn an seiner Seidenkrawatte zu sich heranzuziehen.

Die Stimme der Stewardess erklang aus den Lautsprechern. „Bitte gehen Sie zurück auf Ihre Plätze. Es gibt eine kurze Verzögerung, bevor Sie das Flugzeug verlassen können.“

Hillary setzte sich so eilig wieder hin, dass sie sich beinahe den Kopf gestoßen hätte. Troy nahm langsam Platz. Währenddessen öffnete die Stewardess die Flugzeugtür. Die Gangway war bereits an das Flugzeug herangerollt worden, wie Hillary durch das Fenster erkennen konnte. Die Maschine war nicht weit entfernt vom Terminal. Neben dem Flugzeug stand ein schwarzer offiziell aussehender Geländewagen, aus dem jetzt zwei ganz in Schwarz gekleidete Männer mit Sonnenbrillen ausstiegen. Eilig liefen sie die Stufen der Treppe hinauf und betraten den Flieger.

Die beiden Männer kamen in ihre Richtung.

Ihr wurde schlecht vor Aufregung. War etwas passiert? Sie hatte Troy erzählt, dass sie nervös sei, weil sie Angst vor dem Fliegen hatte. Würde der wahre Grund jetzt bekannt und ihre Lüge auffliegen?

Die Männer in den dunklen Anzügen hielten neben ihrer Sitzreihe an. „Troy Donavan?“

Troy Donavan?

Ihr drehte sich fast der Magen um. Oh Gott, sie kannte diesen Namen. Sie wartete darauf, dass er widersprach … eigentlich wusste sie aber bereits, dass er das nicht tun würde.

„Ja, der bin ich. Gibt es ein Problem, meine Herren?“

Troy Donavan.

Er hatte es bestätigt. Wenn man der Presse glauben durfte, war er das genaue Gegenteil eines netten Mannes und ganz bestimmt nicht irgendein Computerfreak auf dem Weg zu einer geschäftlichen Verabredung. Vielmehr machten ihn seine Vorliebe für wilde Partys und sein ausschweifender Lebensstil regelmäßig zum Thema der Gesellschaftsseiten.

„Mr Donavan, bitte folgen Sie uns.“

Troy warf ihr einen entschuldigenden Blick zu, bevor er sich erhob und sich den beiden Männern gegenüberstellte. „Sie hätten mich auch einfach am Gate abholen können.“

Der ältere der beiden Männer schüttelte den Kopf. „Kommen Sie, wir haben es eilig.“

„Mir bleibt wohl kaum etwas anderes übrig.“ Unter dem Stoff des Anzugs konnte man sehen, wie sich die Muskeln in Troys Armen zusammenzogen, als er die Hände neben dem Körper zu Fäusten ballte.

Was zum Teufel war hier los?

Die „Men in Black“ nahmen Troys Aktenmappe aus italienischem Leder aus dem Gepäckfach und setzten ihm einen Fedora auf. Den Hut, den er auf vielen Pressefotos trug. Hätte sie diesen Hut schon vorher gesehen, hätte sie sofort gewusst, wer er war.

Obwohl sie damals erst zehn Jahre alt gewesen war, wusste sie natürlich, was er getan hatte. Es gab zwar Stimmen, die sagten, er habe eigentlich nur die Aufgabe der Regierung erledigt, aber es gab nichts daran zu rütteln – er hatte das Gesetz gebrochen. Und wenn er erwachsen gewesen wäre, hätte er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbracht.

Stattdessen hatte er seine Strafe in einem Militärinternat abgesessen, um anschließend mit seiner Computerfirma Millionen zu verdienen und sich im internationalen Jetset zu bewegen. Und sie war auf seinen verlogenen Charme reingefallen. Er hatte ihr sogar gefallen. Sie hatte wirklich nichts von Barry gelernt.

Hillary biss sich auf die Lippe. Wieso hatte sie sich wieder täuschen lassen? Sie war hier, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen – und nicht, um sich in Zukunft in weitere Schwierigkeiten zu bringen.

Troy streckte die Hand nach seiner Aktentasche aus, aber der ältere der beiden Männer hatte auf einmal Handschellen in der Hand.

Troy hob eine Augenbraue. „Ist das wirklich notwendig?“

„Ich fürchte, ja.“ Klick. Klick. „Troy Donavan, Sie sind verhaftet.“

2. KAPITEL

„Waren die Handschellen wirklich nötig?“ Troy hielt seine gefesselten Hände nach oben und streckte sich auf der Rückbank des gepanzerten Geländewagens aus, als sie vom Flughafen wegfuhren. Sein Mentor und früherer Schulleiter des Militärinternats, Colonel Salvatore, saß neben ihm und grinste süffisant.

„Um ehrlich zu sein, Troy, sie sind notwendig. Die Dame, die die Gala veranstaltet, hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, eine Junggesellenversteigerung zu veranstalten. Und angesichts deiner bewegten Vergangenheit hielt sie die Idee, dich in Handschellen vorzuführen, für sehr passend. Außerdem werden die Fotos in der Presse zu deinem Badboy-Image beitragen und somit auch uns nutzen.“

Immer ging es darum, was ihnen nutzte.

Colonel Salvatore war derjenige gewesen, der ihn für die Arbeit mit Interpol angeworben und ihm so die Chance geboten hatte, seine Tat wiedergutzumachen.

Mit fünfzehn hatte er sich nicht schuldig gefühlt, aber mit der Zeit begriff er, dass seine Tat weitreichende Folgen hatte. So hatte er beispielsweise unwissentlich zwei verdeckte Ermittler auffliegen lassen, deren berufliche Karrieren er mit seiner Aktion zerstört hatte.

Er hätte das, was er herausgefunden hatte, lieber den Behörden melden als an die Presse weitergeben sollen. Aber letztlich dachte er damals nur an sich selbst und daran, wie er seinen Vater ärgern konnte. Inzwischen war er klüger und froh darüber, dass er die Möglichkeit erhalten hatte, seinen Fehler wieder auszubügeln.

Außerdem musste er zugeben, dass er auch den Nervenkitzel genoss, den die Tätigkeit mit sich brachte.

Troy bewegte seine Hände in den Handschellen. „Sie hätten warten sollen. Es gab keinen Grund, Hillary Wright zu erschrecken. Die Dame war so schon nervös genug.“

Er konnte nicht vergessen, wie sie ihn aus ihren blauen Augen entsetzt und gleichzeitig enttäuscht angesehen hatte. Ebenso wenig konnte er ihr Lachen vergessen und den warmen Ausdruck in ihren Augen, wenn sie lächelte.

Salvatore seufzte und strich sich mit der Hand über das kurzgeschorene Haar. „Wenn du wie verabredet mit dem Privatflugzeug gekommen wärst, wäre das alles nicht passiert. Hör auf, darüber nachzudenken, was Hillary Wright von dir denkt. Nach dem Wochenende wirst du sie nie wiedersehen.“

Troy dachte daran, dass er Hillary bald wieder entgegentreten würde. Was sie wohl von ihm denken würde? „Eine Junggesellenversteigerung, ja? Aber die Lady erwartet hoffentlich nicht von mir, dass ich eine Runde über den Laufsteg stolziere.“

„Seit wann machst du dir Sorgen darüber, was für einen Eindruck du auf andere machst?“

„Und seit wann benutzen Sie Unschuldige wie Hillary für Ihre Zwecke?“, gab er ärgerlich zurück und bemerkte erstaunt, wie stark sein Bedürfnis war, sie zu beschützen. Wenigstens würde er eine Gelegenheit bekommen, ihr zu erklären, was im Flugzeug passiert war. Wenn er ihr schon nichts über seine Zusammenarbeit mit Interpol erzählen durfte, würde er ihr wenigstens erklären, dass die Veranstalter der Gala ihn zu absoluter Geheimhaltung verpflichtet hatten und er ihr deshalb nichts von der bevorstehenden „Verhaftung“ erzählt hatte.

Salvatore grinste. „Hat hier jemand schlechte Laune?“

Troy strafte ihn mit Nichtachtung.

Als sie sich dem Innenstadtbereich näherten, schüttelte Troy seine Handschellen. „Können Sie mir die Dinger endlich abnehmen?“

Er hasste es, eingesperrt zu sein und Salvatore wusste das ganz genau. Wenn er die Handschellen allerdings jetzt ansah, dachte er daran, wie er sie im Zusammenhang mit Hillary einsetzen könnte. Vielleicht würde er sie an sein Handgelenk ketten und dann sehen, was weiter passierte.

„Die Veranstalterin hat den Schlüssel.“

„Sie machen Witze.“ Das konnte er nicht ernst meinen. „Die Veranstaltung beginnt doch erst in ein paar Stunden.“

„Habe ich jemals einen besonderen Sinn für Humor gehabt?“

„Der Punkt geht an Sie.“ Troy ließ die Hände in den Schoß fallen. Wenn das so war, konnte er genauso gut versuchen, die Rundfahrt durch Chicagos City zu genießen. Er würde befreit werden, irgendwann, und dann würde er sich um Hillary kümmern. Jetzt saß er hier erst einmal mit Salvatore fest.

Offenbar war Salvatore nicht nur hier, um Troy zu unterstützen, sondern hatte von der CIA auch den Auftrag, auf Hillary aufzupassen.

„Ich bin neugierig, Colonel. Wie kann Hillary Wright uns helfen? Was weiß sie?“

„Sie soll den Geschäftspartner ihres Exfreundes identifizieren. Außerdem wollen wir und die CIA sichergehen, dass sie wirklich unschuldig ist.“

Vielleicht war sein Beschützerinstinkt völlig fehl am Platz und sie war am Ende gar nicht so unschuldig, wie er dachte. Konnte er sich so getäuscht haben? Jedenfalls würde er ihren Panzer gerne durchbrechen und ihr näherkommen. „Also geht es eigentlich nur darum, sie auf die Probe zu stellen?“

Der Colonel überging Troys verärgerte Frage einfach. „Wo wir gerade von Hillary Wright sprechen. Wie hast du es überhaupt geschafft, noch ein Ticket für den Flug zu bekommen?“

„Das fragen Sie mich?“ Troy hob gespielt erstaunt eine Augenbraue.

Salvatore schaute grimmig. „Das Internet ist nicht dein persönlicher Spielplatz. Manchmal weiß ich wirklich nicht, warum ich mich noch mit dir abgebe.“

„Weil ich gut bin. Ich werde diesen geheimnisvollen Typen identifizieren. Entweder persönlich oder über das Sicherheitssystem des Hotels. Und ich werde dafür sorgen, dass er sich diesmal nicht den Kameras entzieht. Diesmal kriegen wir den Bastard.“

Vor einem Monat, kurz bevor sie Barry Curtis erwischt hatten, hatte er den Mann für einen kurzen Moment zu sehen bekommen. Hätten sie damals bloß beide drangekriegt … „Jedenfalls werde ich für meinen Teil dafür sorgen, dass Hillary Wright nichts zustößt.“

„Solange du dafür sorgst, dass ihr euch bedeckt haltet, habe ich damit kein Problem. Ich verlange nur, dass du ausnahmsweise kein Aufsehen erregst.“

„Gut, einverstanden“, stimmte er schnell zu. Vielleicht zu schnell, denn Salvatore sah ihn misstrauisch an. Er musste ihn ablenken. „Noch eine Sache.“

„Was gibt es noch?“

„Ich bin strikt dagegen, Hillary da hineinzuziehen. Sie ist zu naiv. Schicken Sie sie nach der Party heute Abend zurück nach Washington.“

Troy würde sich etwas ausdenken, wie er sie in Washington erreichen würde. Er wollte sie wiedersehen, ohne dass irgendwelche geheimen Aufträge mit im Spiel waren.

„Wenn sie mit Barry Curtis zusammen war, ist sie mit Sicherheit nicht so unschuldig, wie du denkst. Entweder kann sie sich dieses Wochenende entlasten – oder eben nicht.“

„Ein schlechtes Urteilsvermögen ist das einzige, dessen sie sich schuldig gemacht hat.“ Da war Troy sich sicher. Was er allerdings nicht wusste, was ihm aber wesentlich mehr Sorgen bereitete, war, ob sie immer noch etwas für diesen Widerling empfand.

Verdammt noch mal, wieso bedeutete ihm diese Frau so viel, obwohl er sie gerade erst getroffen hatte? „Ich bleibe heute Abend an ihrer Seite und setze sie morgen früh ins Flugzeug.“

Salvatore schnalzte mit der Zunge. „Es tut mir leid, mein Junge, aber ab jetzt tust du besser, was ich sage.“

Troy sah ihn wütend an und die beiden schwiegen, bis der Geländewagen vor einem hochaufragenden Hotelgebäude hielt.

Salvatore legte die Hand auf den Türgriff, als der Fahrer Troys Tür öffnete. „Die Party kann beginnen.“

Hillary stand im Aufzug des Hotels und versuchte, die schweißnassen Handflächen an ihrem schlichten schwarzen Kleid unauffällig zu trocknen. Das Kleid war trägerlos und reichte fast bis zum Boden. Nervös fuhr sie sich durchs Haar, das ihr offen über die Schultern fiel und an einer Seite mit einer silbernen Spange zurückgesteckt war.

Als sei sie nicht vorher schon nervös genug gewesen wegen des Wochenendes, hatte sie auf dem Flug auch noch mit dem berüchtigten Troy Donavan flirten müssen.

Als Mädchen hatte sie immer davon geträumt, einmal in einem Fünf-Sterne-Hotel wie diesem in einer großen Stadt zu übernachten. Oft verbrachte sie Stunden vor dem Computer, um der Realität und ihrer betrunkenen Mutter zu entfliehen. Im Netz reiste sie an unbekannte Orte und in fremde Länder.

Sie beschäftigte sich mit erlesener Küche, lernte Rezepte und plante ganze Menüs und Speisefolgen für Partys, um ihrer einsamen Welt zu entkommen. Wenn auch nur in Gedanken.

Kaum war sie volljährig geworden, hatte sie einen Kredit aufgenommen und war auf ein College gegangen, um Event-Management zu studieren. Vor drei Jahren hatte sie dann den Job in Washington angenommen. Irgendwann wollte sie ihr eigenes Unternehmen führen.

Die Fahrstuhltür öffnete sich. Hillary lächelte dem Liftboy zum Dank kurz zu, bevor sie in das großzügige Foyer trat. Als sie den Eingang zu dem festlich erleuchteten Ballsaal vor sich sah, krampfte sich ihr Magen vor Aufregung zusammen. Ich muss nur dieses Wochenende überstehen, dachte sie. Sie würde die notwendige Identifizierung vornehmen und so beweisen, dass sie unschuldig war.

Sie zwang sich, weiterzugehen und reichte dem Mann im Smoking, der an der Tür stand und aufpasste, dass sich kein Unbefugter Zutritt zu der exklusiven Veranstaltung verschaffte, ihre Einladung.

Pressefotografen flankierten den Eingangsbereich, um Fotos von den Gästen zu machen. Geblendet von den Blitzlichtern erkannte sie trotzdem sofort zwei Filmstars, eine Opernsängerin und drei bekannte Politiker, als sie den Saal betrat. Die Partys, die sie organisiert hatte, waren nichts gegen diese Gala – und das, obwohl ihre Standards hoch waren.

Kristallkronleuchter tauchten den Saal und den vergoldeten Stuck an Decken und Wänden in stimmungsvolles Licht und überall im Raum waren vergoldete Kerzenleuchter verteilt. Im Hintergrund des Stimmengewirrs hörte man eine Geige und eine Harfe spielen. Auf der Bühne stand ein Flügel, daneben war ein Mikrofon aufgestellt worden.

Dieser Ball, für den eine Eintrittskarte zweitausend Dollar kostete, wurde veranstaltet, um Geld für Stipendien zu sammeln. Offiziell jedenfalls. Auch Barry hatte solche Veranstaltungen genutzt, um angeblich Geld für Stipendien aufzubringen. Die Spenden kamen jedoch nie bei denjenigen an, für die sie bestimmt waren, sondern landeten auf einem Schweizer Konto.

Ein bitterer Geschmack stieg ihr in den Mund. Sie rief sich selbst zur Ordnung, indem sie sich daran erinnerte, woher sie kam und was sie sich vorgenommen hatte, in ihrem Leben zu erreichen.

Die Männer trugen Smoking oder Uniform, die Frauen lange Abendroben. Die meisten von ihnen waren so mit wertvollem Schmuck behängt, dass damit unzählige Stipendien hätten vergeben werden können. Hillary blickte sich suchend im Raum um, bis sie ihn sah. Ihren Kontakt.

Colonel Salvatore.

Ihr Anwalt hatte sie miteinander bekannt gemacht. Der Colonel war offensichtlich für verschiedene international agierende Organisationen tätig. Die CIA hatte ihr versichert, dass er während der gesamten Operation in Chicago auf sie aufpassen würde, damit ihr nichts geschah.

Der Colonel stellte sich neben sie und bot ihr seinen Arm an. „Ms Wright, Sie sind früh. Wenn ich gewusst hätte, dass Sie schon fertig sind, hätte ich Sie hinunterbegleitet.“

„Ich habe es nicht länger ausgehalten. Ich will es endlich hinter mich bringen.“ Sie hakte sich locker bei ihm unter. „Ich hoffe, Sie verstehen das.“

„Natürlich.“ Er führte sie durch den Ballsaal in Richtung der Sitzreihen, die um einen Laufsteg aufgestellt waren.

Sie erinnerte sich, von einer Versteigerung gehört zu haben. Verschiedene berühmte Leute hatten persönliche Gegenstände gespendet, deren Verkaufserlös an die Stiftung gehen sollte.

Aber wer weiß, vielleicht ging es auch hier wieder nur um Geldwäsche. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie wirklich noch zur Zynikerin werden.

Salvatore dirigierte sie zu zwei Sitzplätzen, die für ihn reserviert waren. Die Plätze befanden sich in der fünften Reihe, damit sie nicht zu viel Aufsehen erregten und trotzdem freie Sicht auf die zwei großen Leinwände hatten, auf denen die Anwesenden, die sich langsam zu ihren Plätzen bewegten, abwechselnd in Großaufnahmen gezeigt wurden. Eine Dame der Chicagoer High Society hatte sich inzwischen auf die Bühne begeben. Sie würde die Versteigerung moderieren.

Hillary sah sich die Gesichter auf den Leinwänden genau an, um den Mann zu entdecken, den Barry ihr damals als seinen „stillen Teilhaber“ vorgestellt hatte. Den Behörden gegenüber verweigerte Barry jede Aussage, seitdem er sich einen guten Anwalt genommen hatte.

Während nach und nach Gebote für exklusive Urlaubsreisen, Schmuck und sogar private Konzerte abgegeben wurden, wanderten Hillarys Gedanken immer wieder zu Troy Donavan. Wie unbeschwert die Unterhaltung mit ihm gewesen war. Für einen kurzen Moment hatte sie fast glauben können, dass das Leben unkompliziert und vergnüglich war.

Aber natürlich war es das nicht. Sie hätte sich keinen komplizierteren Menschen aussuchen können. Troy war das perfekte Beispiel für die kalte und unbarmherzige Wirklichkeit. Nichts geschah ohne Hintergedanken, und alles hatte seinen Preis.

Die Dame, die den Vorsitz bei der Versteigerung übernommen hatte, trat näher an das Mikrofon. Ihre goldenes bodenlanges Abendkleid raschelte, als sie über das Podium ging. „Und bevor wir jetzt den Tanz eröffnen, steht uns noch eine ganz besondere Versteigerung bevor.“ Sie deutete mit ihrer beringten Hand auf die Leinwände. „Wenn ich Sie darum bitten darf, Ihre Aufmerksamkeit kurz auf die Bildschirme zu richten. Einige von Ihnen werden die Bilder sicher schon vorhin im Fernsehen gesehen haben.“

Troy Donavans Gesicht erschien auf der Leinwand.

Oh mein Gott.

Hillary krampfte die Hände so fest um ihre Handtasche, dass ihr der Verschluss fast in die Handfläche schnitt. Schnell sah sie zum Colonel hin, um zu sehen, ob er bemerkt hatte, wie panisch sie wurde. Ihre Begleitung saß jedoch vollkommen ungerührt mit vor der Brust verschränkten Armen da und beobachtete das Geschehen auf der Bühne so wie alle anderen.

Auf der Leinwand konnte Hillary jetzt noch einmal sehen, was vorhin geschehen war. Groß und in Farbe. Troy, wie er in Handschellen aus dem Flugzeug stieg, auf dem Kopf den Hut, der sein Markenzeichen war. Troy, der von den Männern in Schwarz zu dem Geländewagen eskortiert wurde. Vor der Gala hatte Hillary es so eilig gehabt, sich für die Veranstaltung fertig zu machen, dass sie den Fernseher in ihrem Zimmer gar nicht angestellt hatte.

Die Dame fuhr fort. „Sie fragen sich bestimmt, was das mit unserem heutigen Abend zu tun hat, nicht wahr? Machen Sie sich bereit …“

Das Licht ging aus. Im Ballsaal wurde es stockdunkel. Viele Leute schnappten erstaunt nach Luft. Eine Frau schrie kurz auf.

Es gab eine Rückkopplung, bevor die Auktionatorin weitersprach. „Unser letztes Angebot bei der Versteigerung des heutigen Abends ist …“

Ein Scheinwerfer ging an und warf einen Lichtkegel auf die Bühne.

In ihm stand Troy Donavan, bekleidet mit einem Smoking statt des Anzugs, den er vorher getragen hatte, aber immer noch in Handschellen. Locker um den Hals gelegt, trug er einen weißen Seidenschal. Hillary konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Wie hätte sie auch? Schon im Anzug sah er blendend aus – im Smoking war sein Anblick atemberaubend.

„Genau“, sagte die Dame bekräftigend, und ihre großen Diamantohrringe reflektierten das Licht wie Diskokugeln. „Troy Donavan bietet sich selbst als Begleitung für dieses Wochenende an. Allerdings muss er erst freigekauft werden. Er ist ein böser, böser Junge gewesen, meine Damen. Und passen Sie bloß auf, dass er Ihre Software nicht in die Hände kriegt.“

Alle lachten, außer Hillary. Sie war fassungslos. Mit den Händen umklammerte sie die Armelehnen ihres Stuhls so fest, dass die Finger taub wurden. Die Verhaftung war nichts als ein Publicitygag für die Gala gewesen. Sie hatte den ganzen Nachmittag daran denken müssen, dass er nun in einer Gefängniszelle saß. Und ja, obwohl sie verärgert gewesen war, hatte er ihr auch leidgetan.

Aber jetzt war sie nur noch wütend. Ihm musste doch bewusst gewesen sein, wie die ganze Szene im Flugzeug auf sie wirkte. Warum hatte er nichts gesagt, um sie zu beruhigen? Er hätte sich wenigstens zu ihr hinunterbeugen und „Sorry“ flüstern können.

Sie sollte erleichtert sein, dass er nicht wie sie in Schwierigkeiten steckte. Aber das konnte sie nicht. Er war schließlich der Robin-Hood-Hacker.

Der sich offenbar immer noch einen Spaß daraus machte, andere zum Narren zu halten.

Die Versteigerung begann und ließ sich, wie nicht anders zu erwarten, glänzend an. Bestimmt die Hälfte der Frauen und auch einige Männer überschlugen sich förmlich, um das Wochenende mit ihm zu ersteigern. Die Schlacht um ihn ging weiter, bis die Gebote über siebzigtausend Dollar erreicht hatten. Dann wurde es ruhiger und nur noch drei Bieter waren im Rennen.

Im Moment lag eine Frau in einem engen silberfarbenen Kleid vorn, die mit klobigen Saphiren behängt war und deren stark gestraffte Haut darauf schließen ließ, dass sie bereits einige Schönheitsoperationen hinter sich hatte.

Ihre ärgste Konkurrentin war eine junge Frau, bei der es sich anscheinend um eine Collegestudentin handelte. Zweimal hatte sie ihren Daddy schon darum gebeten, das Gebot zu erhöhen.

Die dritte Bieterin war eine in schlichtem Schwarz gekleidete Dame, die gelassen ihre Gebote erhöhte.

Das Collegegirl gab auf, nachdem ihr Vater der Auktionatorin mit einem Zeichen bedeutet hatte, dass er nicht weiterbieten würde. Trotzdem stiegen die Gebote noch um weitere zehntausend Dollar. Geld, das benachteiligten Schulkindern zugutekommen würde, die auf Stipendien angewiesen waren. Das hier war doch alles ein Riesenspaß, oder?

Dennoch … Die Art und Weise, wie die Leute hier mit Geld um sich warfen, machte Hillary betroffen. Warum schrieben sie nicht einfach einen Scheck aus, ließen die ganze Veranstaltung ausfallen und spendeten das so gewonnene Geld auch noch? Allerdings hätte sie selbst dann keinen Job mehr.

Wer war sie denn, so über diese Menschen zu urteilen? Oder über Troy?

Sie wollte den Blick von seinem draufgängerischen Grinsen abwenden, das sie vorher so gewinnend gefunden hatte, aber es gelang ihr nicht. Sie ärgerte sich über sich selbst, weil sie bemerkte, dass sie den Verlauf der Versteigerung nicht gleichgültig verfolgte und sich dabei ertappte, wie sie sich wünschte, dass die operierte Lady gewinnen möge. Bei ihr war die Gefahr, dass sie ihn verführen könnte, am geringsten. Und wenn er auf solche Frauen stand, war es umso leichter, ihn zu vergessen.

Die lässige Frau in Schwarz könnte ihm schon eher gefallen. Sie hätte Hillarys Cousine sein können. Und wenn diese Frau ihm gefiel, hatte er es vielleicht wirklich ernst gemeint, als er im Flugzeug mit ihr flirtete.

Während Hillary noch nachdachte, rief die Auktionatorin: „Zum Ersten, zum Zweiten … und zum Dritten“. Die „Lady in Black“ erhielt den Zuschlag. Damit hatte sie für neunundachtzigtausend Dollar ein Wochenende mit Troy Donavan ersteigert. Aus seinem Grinsen ließ sich schließen, dass er alles andere als unzufrieden mit dem Ausgang der Versteigerung war.

Es war lächerlich, wie enttäuscht Hillary war. Verdammt noch mal. Sie hatte lediglich eine Stunde lang im Flugzeug mit ihm geplaudert. Aber sie konnte nicht leugnen, dass sie sich sofort von ihm angezogen gefühlt hatte. Und zwar so, wie sie es noch bei keinem anderen Mann erlebt hatte. Aber das führte sie auf ihre momentane Verfassung zurück. Nach dem Schlag, den Barry ihr versetzt hatte, lagen ihre Gefühle blank.

Die Auktionatorin ging unter lautem Rascheln ihres goldenen Taftkleides zu Troy und öffnete die Handschellen, die er sich in die Brusttasche seines Smokings steckte. Er küsste ihr die Hand, bevor er das Mikrofon übernahm.

„Ladies und Gentlemen“, begrüßte er die Anwesenden mit der gleichen unbekümmerten Stimme, die Hillary vorhin im Flugzeug so anziehend gefunden hatte, als er ihr beruhigend zugesprochen hatte. „Es freut mich, dass ich heute zu einem guten Zweck beitragen darf – ganz im Sinne Robin Hoods und ohne, dass ein einziger Computer mit im Spiel ist.“

Es ließ sich nicht abstreiten, die Zuschauer liebten ihn. Er war charmant und draufgängerisch zugleich, und sie lagen ihm zu Füßen. Nur Colonel Salvatore schien sich von Troys Charme nicht beeindrucken zu lassen. Er wirkte skeptisch.

„Wie Sie alle wissen, bin ich nicht dafür bekannt, mich an die Spielregeln zu halten. Und das soll heute Nacht nicht anders sein.“ Er deutete mit dem Kopf auf die Frau in Schwarz, die den Zuschlag erhalten hatte. „Ich habe meine Assistentin dort drüben darum gebeten, für mich zu bieten, damit ich die Möglichkeit habe, meine Begleitung für das Wochenende selbst auszusuchen.“

Die Menge reagierte erstaunt und vereinzelt ließen sich Laute des Unmuts vernehmen.

„Ich weiß …“, Troy zuckte mit den Schultern, „… das ist nicht ganz fair, aber ich kann immerhin nicht beschuldigt werden, die Gebote künstlich in die Höhe getrieben zu haben, da ich schließlich selbst den Zuschlag erhalten habe.“

Die Auktionatorin beugte sich zum Mikrofon hinüber. „Und ich möchte hinzufügen, dass es eine sehr großzügiges Gebot war.“ Sie nickte Troy zu. „Fahren Sie bitte fort.“

„Da wir alle wegen eines guten Zwecks hier sind, hoffe ich, dass mein Angebot von der Dame, die ich auswähle, angenommen wird. Denn schließlich wäre es nicht fair, wenn die Junggesellenversteigerung nicht in beide Richtungen gelten sollte.“

Die Menge reagierte zustimmend auf sein unschlagbares Argument und feuerte ihn an. Langsam stieg Troy die Stufen hinab, das Mikrofon immer noch in der Hand. Die Männer und Frauen neben Hillary riefen immer lauter, während Troy weiter ins Mikro sprach. Er hielt kurz an in der ersten Reihe, lief dann aber weiter zur zweiten und schließlich zur dritten, während die Zuschauer voller Spannung darauf warteten, welche Frau er wählen würde. Der Lichtkegel folgte ihm und beleuchtete jeden Winkel seines attraktiven Gesichts.

Plötzlich blieb er stehen.

Troy hatte das Ende der fünften Reihe erreicht. Hillarys Reihe. Er stand neben Colonel Salvatore. Der ältere Herr, ihre Kontaktperson, sah Troy grimmig an.

Und er hatte allen Grund dazu. Troy machte es ihr unmöglich, an diesem Wochenende unauffällig zu bleiben. Und das war ihr Auftrag. Andererseits konnte er ja nicht wissen, wie viel Ärger er dadurch verursachte, dass er den Scheinwerferkegel auf ihre Reihe lenkte.

Troy streckte die Hand aus und sah Hillary direkt in die Augen. „Bitte seien Sie meine Begleitung.“

3. KAPITEL

Hillary wurde übel und gleichzeitig spürte sie eine fürchterliche Wut in sich aufsteigen. Was spielte er nun schon wieder für ein Spiel? Sie verstand die Welt nicht mehr.

Allerdings war ihr sehr wohl bewusst, dass alle Augen auf ihr ruhten. Als ihr Blick auf die Leinwand fiel, starrte ihr eigenes entsetztes Gesicht ihr in Überlebensgröße entgegen.

Ungerührt ließ Troy sich auf die Knie sinken.

Zum Teufel mit seiner Vorliebe für theatralische Auftritte.

„Hillary, …“, seine Stimme dröhnte aus den Lautsprechern, „… denken Sie an die Kinder und ihre Stipendien. Seien Sie an diesem Wochenende meine Begleitung.“

Am liebsten hätte sie ihm in seinen arroganten Hintern getreten.

Troy wandte sich dem Colonel zu. „Ich gehe doch recht in der Annahme, dass Sie es mir nicht übelnehmen, wenn ich Ihnen Ihre Begleiterin entführe?“

Der Colonel räusperte sich und antwortete: „Sie ist meine Nichte. Ich vertraue darauf, dass Sie sie anständig behandeln.“

Nichte? Was für ein Blödsinn. Aber Hillary war es egal, das hier war eh alles vollkommen verrückt.

Sie spürte eine Hand im Rücken, die sie stützte. Salvatore. Sie lief rot an vor Scham und wandte sich hilfesuchend an ihn.

Salvatore lächelte, ohne dass das Lächeln seine hellblauen Augen erreichte. „Du solltest aufstehen und den Tanz mit Mr Donavan eröffnen, Hillary.“

Genau. Sie sollte sich bewegen, damit die Leute aufhörten, sie anzustarren. Sie nahm sich fest vor, nichts zu empfinden, als sie Troy die Hand gab … aber dennoch wurde ihr flau im Magen.

Du bist doch keine sechzehn mehr, du dumme Gans! schalt sie sich. Aber das Gefühl seiner warmen Haut, die rau und weich zugleich war, ließ ihren Körper auf ihn reagieren, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Dabei hatte sie sich immer eingebildet, sich selbst gut unter Kontrolle zu haben. Von dem Moment an, in dem sie begriffen hatte, was für ein verkommener Betrüger Barry war, hatte sie nichts als Abscheu gefühlt, wenn er sie berührte.

Sie wusste, dass Troy ein Lügner, ein Gauner und ein Playboy war, aber ihr Körper wollte nichts lieber, als sich von ihm über die Tanzfläche führen zu lassen.

Außerdem hatte er fast neunzigtausend Dollar bezahlt, um das Wochenende mit ihr zu verbringen. Obwohl sie sich ärgerte, war sie beeindruckt. Und sie fühlte sich geehrt.

Der Pianist setzte an zu spielen, und eine Sängerin begann, ihre Version eines Liebeslieds aus den Vierzigerjahren in das Mikrofon zu hauchen.

Troy geleitete Hillary in die Mitte der noch leeren Tanzfläche. Das Licht der Scheinwerfer erhitzte ihre ohnehin schon heißen Wangen. Er nahm sie sanft, aber bestimmt in die Arme und führte sie im Rhythmus der Musik. Natürlich war er ein hervorragender Tänzer.

„Gibt es irgendwas, das Sie nicht können?“, sprudelte es aus ihr hervor.

„Das ist nicht als Kompliment gemeint, oder?“

„Ich will nicht unhöflich sein, aber ich bin hier, um zu arbeiten, und habe keine Zeit für Ihre Spielereien.“

„Glauben Sie mir, das hier ist keine Spielerei.“ Er zog sie näher an sich heran.

Sie atmete heftig ein, als er sie eng an seinen muskulösen Körper presste. Er war ganz bestimmt kein Bürohengst. Er war ein gut gebauter, durchtrainierter Mann. Ihre Kehle wurde trocken, und ihr Puls fing an zu rasen.

„Entspannen Sie sich und tanzen Sie.“ Sein warmer Atem strich ihr über das Ohr. „Dann verspreche ich auch, dass ich nicht mitsingen werde. Denn, um Ihre Frage zu beantworten, ich treffe keinen Ton.“

„Vielen Dank für Ihre Offenheit. Aber wie können Sie von mir erwarten, dass ich mich entspanne …“, zischte sie ihm zu, während sich ihre Füße im vollkommenen Einklang mit seinen bewegten. Bei jedem Schritt spürte sie seine muskulösen Beine an ihren. „Sie haben gerade dem ganzen Saal und einigen Reportern erzählt, dass Sie fast neunzigtausend Dollar ausgegeben haben, um das Wochenende mit mir zu verbringen. Mit mir. Einer Frau, die Sie seit nicht einmal einem Tag kennen. Wir haben uns vielleicht gerade mal eine Stunde unterhalten.“

Er führte Sie an den Rand der Tanzfläche, um anderen Paaren Platz zu machen, die sich inzwischen zu ihnen gesellt hatten. Hillary fühlte sich weniger beobachtet, als sie in der Menge tanzender Paare verschwanden.

„Also, Troy?“ Sie ließ nicht locker. „Was haben Sie vor?“

„Glauben Sie nicht an die Liebe auf den ersten Blick?“ Er vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und atmete ihren Geruch tief ein.

Sie stolperte und fiel fast in ein anderes Paar, bevor es ihr gelang, wieder Schritt zu fassen. Ihren Puls bekam sie allerdings nicht so leicht wieder unter Kontrolle. „Nein, ganz sicher nicht. Ich glaube an Begehren auf den ersten Blick, aber sicher nicht an Liebe. Sie sollten diese Gefühle nicht verwechseln.“

Ihren Worten zum Trotz atmete sie tief ein, um seinen unwiderstehlichen Duft noch einmal zu in sich aufzunehmen, jetzt, wo sie ihm so nah war. Sie schwankte und musste sich zusammenreißen, um nicht ihre Wange an seine zu legen und seine Bartstoppeln an ihrer Haut zu spüren. Der Drei-Tage-Bart ließ ihn keineswegs ungepflegt, sondern männlich und wahnsinnig sexy aussehen.

Bevor sie jedoch ihrem Verlangen hätte nachgeben können, wurde die Musik langsamer und sie legte ihre Wange für einen kurzen Moment an seine Brust.

„Hm“, sagte er zufrieden. „Sie geben also zu, dass Sie sich zu mir hingezogen fühlen.“

Natürlich tat sie das. Was allerdings nicht bedeutete, dass sie es ihm erzählen würde. „Nein. Ich sagte lediglich, dass Sie sich von mir angezogen fühlen.“

Er lachte leise und legte ihr eine große starke Hand um die Taille. „Ihr Selbstvertrauen ist unwiderstehlich.“

„Nicht mein Selbstvertrauen.“ Sie lehnte sich zurück und sah ihm in die Augen. „Warum hätten Sie dieses ganze Theater veranstaltet, wenn es Ihnen nicht darum gehen würde, Zeit mit mir zu verbringen? Andererseits sind Sie vielleicht einfach so reich, dass Ihnen dieser unglaubliche Betrag nichts bedeutet.“

Mit dem Finger zeichnete er die Linie ihres Kinns nach. „Ich wollte Zeit mit Ihnen verbringen.“

„Warum sind Sie nicht einfach wie jeder normale Mensch vorgegangen?“

„Wie hätte ich das tun sollen, wenn jemand anderes mich als Begleitung für dieses Wochenende ersteigert hätte?“

„Woher wussten Sie überhaupt, dass ich hier bin?“

„Ich habe Sie gesehen, als ich hinter der Bühne war. Meine Assistentin war schon hier, und es war ein Leichtes, ihr zu sagen, was sie tun sollte.“

„Der Ballsaal war doch voll mit Menschen.“

„Und wenn Sie in einem Fußballstadion gewesen wären, ich hätte sie überall gesehen“, erwiderte er mit Nachdruck und ließ seine Finger über die empfindliche Biegung ihres Nackens streichen. „Lassen Sie uns endlich aufhören zu streiten. Stattdessen sollten wir uns freuen, dass wir zusammen sind. Vorausgesetzt, dass Sie nicht vorhaben, vor all diesen Leuten unsere Vereinbarung zu brechen. Und ich muss Sie warnen, dass alle sehr enttäuscht wären, wenn der Wohltätigkeitsveranstaltung Ihretwegen neunzigtausend Dollar entgehen.“

Seine Berührung hätte sie fast von seinem Versuch, sie zu manipulieren, abgelenkt. Doch dann griff sie nach seinem Handgelenk und schob seine Hand zurück auf ihre Schulter. Ihre nackte Schulter. Vielleicht doch kein so guter Gedanke. „Die Leute werden es Ihnen auch verübeln, wenn Sie nicht für das Gebot Ihrer Assistentin aufkommen.“

„Jeder weiß, dass ich noch nie etwas darauf gegeben habe, was andere von mir denken.“ Er fuhr fort, sie mit seinen Fingern sanft zu berühren, und es fiel ihr schwer, der Verlockung nicht nachzugeben. „Aber Sie geben etwas darauf, was die Leute von Ihnen denken. Sich gegen mein Angebot zu wehren oder eine Szene zu machen … Sie würden Ihre Glaubwürdigkeit als Event-Managerin aufs Spiel setzen …“

„Ach hören Sie doch auf.“ Er sollte aufhören, sie zu necken. Zu berühren. In Versuchung zu führen. „Wir wissen doch beide, dass ich keine Szene machen werde und Sie Ihr Gebot auch zahlen werden. Halten Sie lieber den Mund und tanzen Sie.“ So hätte sie wenigstens Zeit, unauffällig die Gesichter der anderen Tänzer zu studieren.

Er schüttelte den Kopf. „Na, na, na. Meine Mutter hat mir beigebracht, dass es nicht nett ist, jemandem zu sagen, dass er den Mund halten soll.“

„Sie können einen wirklich zur Weißglut bringen.“

„Wenigstens bin ich Ihnen nicht gleichgültig.“

„Damit haben Sie recht.“ Sie atmete heftig aus. „Lassen Sie uns dieses Theater endlich beenden, damit ich tun kann, weswegen ich eigentlich hergekommen bin.“

„Sich den Küchenchef ansehen.“

„So ist es.“

Für einen kaum wahrnehmbaren Moment nahmen seine Augen einen merkwürdigen Ausdruck an, aber dann blickte er sie wieder so an, als wäre nie etwas gewesen. „Sie werden mich das ganze Wochenende begleiten müssen.“

Ein ganzes Wochenende seinen Berührungen standhalten müssen? Seiner witzigen und charmanten Art? Aus welchem Grund auch immer sie hier war, sie hatte keine Wahl. Sie konnte entweder versuchen, sich gegen ihn zu wehren, oder sich die absurde Situation zunutze machen.

Wenn sie als seine für das Wochenende „gekaufte Begleitung“ auftrat, hätte sie die Möglichkeit, sich unauffällig unter die Leute zu mischen und sich alle Gäste gut anzusehen. So würde sie vielleicht auch den geheimnisvollen Geschäftsfreund von Barry leichter identifizieren können.

Niemand würde sich fragen, weshalb sie hier war, und Colonel Salvatore hatte keine Einwände erhoben, als Troy sie zum Tanzen aufgefordert hatte. Die Leute würden sich jetzt vielmehr dafür interessieren, wer sie war als dafür, weshalb sie hier war. Eigentlich gab es doch keine bessere Tarnung.

Jetzt musste sie nur noch den fast unwiderstehlichen Drang unterdrücken, Troy in eine dunkle Ecke zu ziehen und leidenschaftlich zu küssen.

Während der letzten zwei Stunden hatte Troy überlegt, wie er Hillary unauffällig aus der Menge weglotsen konnte.

Und er musste zugeben, dass er es kaum abwarten konnte, endlich mit ihr allein zu sein, nachdem er ihren Körper einhundertzwanzig Minuten lang entweder beim Tanzen oder wie jetzt am Buffet ganz dicht neben sich gespürt hatte. Sie duftete ganz zart nach Pfefferminz und ihre weiblichen Rundungen raubten ihm fast den Verstand.

Aber er hatte natürlich einen Plan, den er verfolgen musste. Den ersten Teil hatte er bereits mit der Versteigerung erledigt. Dass Salvatore ihn den ganzen Abend fast mit Blicken getötet hätte, ließ sich leicht verschmerzen. Nichts hinderte Hillary daran, die Identifizierung vorzunehmen. Nur dass sie jetzt ihn als Bodyguard an ihrer Seite hatte.

Troy schob sie an der langen Tafel mit den Desserts vorbei, lotste sie in Richtung Bar, wo er Mineralwasser für sie beide bestellte, um sie dann hinauszuführen auf den großzügigen Balkon, auf dem Tische und Stühle aufgestellt waren. Der Außenbereich war stimmungsvoll beleuchtet, und der Wind trug die Geräusche des Sees zu ihnen herüber. Troy wählte einen Tisch an der Seite, um alles im Blick behalten zu können und gleichzeitig außerhalb des Radius der Überwachungskameras zu bleiben.

Niemand konnte sich ihnen unbemerkt nähern, und Hillary war in der Lage, die Partygäste unauffällig zu beobachten, um ihren Auftrag zu erfüllen. Sie wusste nicht, dass sie auf der gleichen Seite spielten und obwohl er nicht daran zweifelte, dass sie ehrlich war, durfte er sie nicht einweihen, bevor er und Salvatore sich endgültig von ihrer Unschuld überzeugt hatten.

Jazzmusik erklang durch die offenen Fenstertüren.

Sie nahm Platz und er setzte sich neben sie. Die Handschellen in seiner Tasche klirrten bei jeder Bewegung und erinnerten ihn an seine Fantasie, in der sie beide aneinandergefesselt waren. Die ganze Nacht. Er schob sein Glas auf dem Tisch von sich und betrachtete Hillary aus den Augenwinkeln. Eine Frau wie sie ließ sich nicht verstecken. Sie trug zwar ein schlichtes trägerloses Abendkleid und hatte ihr Haar einfach an einer Seite zurückgesteckt, aber neben den juwelenbehangenen Frauen in Designerroben stach sie durch ihre pure Präsenz hervor.

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