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COLLECTION BACCARA BAND 338

BRENDA JACKSON

Ein erotischer Gefallen

Eine umwerfend schöne Frau betritt Jareds Büro. Und eine unglaublich wütende! Denn Jareds Kanzlei vertritt ihren Ex, der seinen Ring zurückfordert. Was Dana Rollins nicht einsieht! Jared beschwichtigt – und versteht nicht, wie man diese erotische Traumfrau überhaupt gehen lassen kann. Er ahnt nicht, wie bald er eine Chance bei Dana bekommen soll …

MARIE FERRARELLA

Wie verführt man einen Traummann?

Er braucht Calista! Wie ein Blitzschlag trifft Jake Castro diese Erkenntnis. Aber dafür gibt es nur eine Erklärung, versucht er sich zu beruhigen: Als Nanny kümmert sie sich einfach fantastisch um seine kleine Tochter. Doch wenn das der einzige Grund ist – warum muss er dann selbst nachts an Calista und ihre verführerischen Kurven denken?

CHARLENE SANDS

Höchstgebot für deine Liebe

Fassungslos starrt Eliza den Ölbaron Reese Parker an. Atemberaubende 35.000 Dollar hat er auf der Wohltätigkeitsauktion für ein Dinner mit ihr geboten! Nur sie und er. Wie in jenem süßen Sommer vor sechs Jahren, als jede Nacht ihrer grenzenlosen Leidenschaft gehörte. Bis Eliza floh. Doch jetzt hat Reese sie eingeholt …

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Ein erotischer Gefallen

PROLOG

Jared Westmoreland schaute von seinem Gesetzestext auf, als er vor seiner Bürotür laute Stimmen vernahm.

„Warten Sie!“, hörte er seine Sekretärin sagen. „Sie können nicht einfach unangemeldet in das Büro von Mr Westmoreland platzen.“

Sekunden später flog die Tür auf und eine hinreißende Frau stürmte herein – vollkommen aufgebracht.

Jareds Pulsschlag beschleunigte sich. Unwillkürlich durchfuhr ihn ein kaum zu unterdrückendes Verlangen, als er aufstand und hinter seinem Schreibtisch hervortrat.

Die Frau war atemberaubend. Ihr offensichtlicher Ärger tat ihrer Schönheit keinen Abbruch. Üppige dunkelbraune Locken umrahmten ihr Gesicht, sie hatte wunderschöne braune Augen, volle, sinnliche Lippen und niedliche Grübchen. Ihr kurvenreicher Körper in eleganter, maßgeschneiderter Kleidung machte ihre Schönheit vollkommen.

„Mr Westmoreland, ich habe versucht, sie aufzuhalten…“

„Schon in Ordnung, Jeannie“, beruhigte Jared seine Sekretärin, die hinter der Fremden in sein Büro gerannt kam.

„Soll ich den Sicherheitsdienst rufen?“

„Nein, das wird nicht nötig sein.“

Jeannie Tillmann, die seit mehr als fünf Jahren für ihn arbeitete, schien nicht überzeugt zu sein. „Sind Sie sicher?“

Er schaute hinüber zu der wütenden Frau, die beide Hände in die Hüften gestemmt hatte, und ihn anfunkelte. „Ja, das bin ich.“

Jeannie nickte zögernd, drehte sich um, verließ das Büro und zog die Tür hinter sich zu.

Jared wandte sich nun seinem hübschen Störenfried zu. Er war sich ziemlich sicher, dass sie nicht zu seinen Klienten zählte. Ein so schönes Gesicht hätte er bestimmt nicht vergessen.

Dana Rollins erwiderte Jareds musternden Blick und bemühte sich, ihre Nervosität vor ihm zu verbergen. Sie hatte schon einiges über Jared Westmoreland, Atlantas millionenschweren Staranwalt, gehört. Jetzt stand er vor ihr und alle Gerüchte schienen sich als wahr zu erweisen.

Er war ein Traum von einem Mann: groß, geschmackvoll gekleidet, mit dunkelbraunen Augen, männlich-markanten, aber empfindsam wirkenden Gesichtszügen und kurzem schwarzem Haar.

Aber sie konnte sich nicht weiter mit seinem anziehenden Äußeren befassen, denn sie war aus quasi geschäftlichen Gründen hier.

„Sie haben sicherlich einen Grund, warum Sie in mein Büro eingedrungen sind, Miss…?“

„Rollins“, erwiderte sie kurz angebunden. Seine Worte brachten sie auf den Boden der Tatsachen zurück. „Ja, es gibt einen Grund. Diesen hier!“ Sie zog einen Umschlag aus ihrer Handtasche. „Vor knapp einer Stunde habe ich dieses Einschreiben von Ihnen erhalten, in dem Sie mich auffordern, Luthers Verlobungsring zurückzugeben. Ich habe versucht, ihn anzurufen, aber mir wurde mitgeteilt, dass er nicht in der Stadt sei. Sie können mir das sicher erklären.“

Jared nahm ihr den Brief aus der Hand und überflog den Inhalt. Rasch war ihm klar, worum es ging. Er schaute sie an. „Ich vermute, Sie wollen den Ring nicht zurückgeben, Miss Rollins?“

„So ist es. Luther hat mir eröffnet, dass er noch nicht bereit sei, sein Leben als Single aufzugeben, und unsere Hochzeit abgesagt – eine Woche vor dem offiziellen Termin! Neben der peinlichen Demütigung, dies meinen Freunden zu erklären und die Verlobungsgeschenke zurückzugeben, habe ich alle Kosten für die Hochzeit am Hals. Und um Salz in die Wunde zu streuen, erhielt ich dieses Schreiben von Ihrer Kanzlei.“

Jared seufzte. Offensichtlich hatte sie noch nicht erkannt, dass Luther Cord ihr einen Gefallen getan hatte.

„Miss Rollins, ich schlage vor, dass Sie Ihren eigenen Anwalt konsultieren, der Ihnen die Richtigkeit meiner Worte bestätigen wird. Mein Klient hat das Recht, Sie um die Rückgabe des Verlobungsrings zu bitten. Ein Verlobungsring ist ein Geschenk unter Vorbehalt. Wird die Verlobung gelöst – aus welchem Grund auch immer –, rechnet man mit der Rückgabe des Ringes, so wie Sie die Hochzeits- und Verlobungsgeschenke zurückgegeben haben.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust und schaute ihn rebellisch an. „Ich weigere mich, den Ring zurückzugeben. Es geht einfach ums Prinzip.“

Jared schüttelte den Kopf. Damit hatte es am allerwenigsten zu tun. Gesetz war Gesetz. „Miss Rollins, leider wäre das ein aussichtsloser und teurer Kampf für Sie. Wollen Sie wirklich zusätzlich noch Anwaltskosten zahlen?“

Er wusste, dass die Erwähnung von Kosten sie wieder klar denken lassen würde, daher fügte er noch hinzu. „Ich weiß, dass das alles sehr schmerzhaft für Sie ist, aber ich rate Ihnen, diese Geschichte hinter sich zu lassen und nach vorn zu schauen. Sie sind eine schöne Frau und ich bin überzeugt davon, dass es da draußen einen Mann gibt, der Ihrer wert ist. Luther Cord ist es offensichtlich nicht. Vielleicht haben Sie einfach noch mal Glück gehabt.“

Jared war sich im Klaren darüber, dass sie das nicht hören wollte, aber es war ihm ein Bedürfnis, ehrlich zu ihr zu sein. Mehr konnte er in dieser Angelegenheit nicht tun, schließlich war Luther Cord sein Klient. Eigentlich hatte er bereits zu viel gesagt. Aber aus irgendeinem Grund wollte er, dass sie ihren Liebeskummer so rasch wie möglich überwand.

Eine Weile sagte Dana Rollins kein Wort, aber Jared sah, dass sie über seine Worte nachdachte. Dann zog sie eine kleine weiße Schachtel aus ihrer Handtasche und händigte sie ihm aus.

Sie schaute ihn ernst an und sagte freundlich: „Ich bedanke mich für Ihren Ratschlag, auch wenn er eine bittere Pille ist. Hiermit gebe ich den Ring zurück.“

Er öffnete die Schachtel und betrachtete den glitzernden Diamantring, bevor er das Kästchen auf seinen Schreibtisch stellte. „Sie tun das Richtige, Miss Rollins.“

Sie nickte und reichte ihm die Hand. „Weitere Schulden zu machen, ist das Letzte, was ich momentan gebrauchen kann. Luther ist es nicht wert.“

Er ergriff die ihm dargebotene Hand. Es gefiel ihm, wie sie sich in seiner anfühlte. „Ich hoffe, dass sich alles zum Guten für Sie wendet“, meinte er aufrichtig.

Dana schaute ihm in die Augen und lächelte. Obwohl ihr seine Worte nicht behagt hatten, war sie ihm dankbar für seine Ehrlichkeit.

Ihrer Erfahrung nach zeichneten sich die wenigsten Anwälte durch Mitgefühl und Freundlichkeit aus. „Es wird schon werden. Ich habe Sie durch meinen Überfall bei Ihrer Arbeit gestört. Das tut mir leid.“

„Sie haben mich nicht gestört“, entgegnete Jared. „Und betrachten Sie meinen Ratschlag einfach als Gefälligkeit.“

Sie lächelte. „Danke. Vielleicht kann ich mich eines Tages dafür revanchieren. Sie haben etwas gut bei mir.“

Als sie sich umdrehte und sein Büro verließ, dachte Jared bei sich, dass Dana Rollins eine der sinnlichsten Frauen war, die er je getroffen hatte.

1. KAPITEL

Ein Monat später

Jared Westmoreland hatte einen nervenaufreibenden Vormittag. Angefangen hatte alles mit der Nachricht, die seine Mutter Sarah ihm am Vorabend auf dem Anrufbeantworter hinter­lassen hatte.

Er sollte seinen fünf Brüdern mit gutem Beispiel vorangehen und in weiblicher Begleitung zum Abendessen erscheinen, das sie und seine Tante Evelyn anlässlich der Geburtstage seines Vaters und seines Onkels am Ostersonntag ausrichteten.

Sein Cousin Storm hatte vor Kurzem geheiratet, und dabei war Jareds Mutter wieder einmal schmerzlich bewusst geworden, dass ihre sechs Söhne bisher noch kein ernsthaftes Interesse an festen Bindungen gezeigt hatten. Als ältester war er nun an der Reihe und sie war entschlossen, ihn in die richtige Richtung zu lenken.

Es spielte keine Rolle, dass er und seine Brüder erfolgreich waren und ihr Singleleben genossen. Sarah Westmoreland war überzeugt davon, dass sie nur wirklich glücklich werden konnten, wenn sie die Frau fürs Leben fanden und heirateten. Sein Bruder Spencer war der Einzige, den sie nicht mit diesem Thema nervte, da seine Verlobte vor drei Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen war.

Jared erhob sich von seinem Stuhl und ging hinüber zum Fenster. Neben der Verstimmung über den Anruf seiner Mutter hatte er sich auf dem Weg zur Arbeit über den dichten Verkehr aufgeregt. Er war viel zu spät gekommen.

Und als ob dies nicht schon reichen würde, hatte ihm gerade der Entertainer Sylvester Brewster telefonisch mitgeteilt, dass er sich von seiner dritten Ehefrau scheiden lassen wollte. Sylvester war gut fürs Geschäft, aber Jared konnte einfach nicht begreifen, warum sich sein Klient immer wieder auf Beziehungen einließ, die nicht von Dauer waren.

Das Telefon klingelte. Kann es noch schlimmer kommen? fragte er sich resigniert, ging zum Schreibtisch zurück und nahm den Hörer ab. „Was gibt es, Jeannie?“

„Mr Westmoreland, Ihre Mutter ist am Apparat.“

Jared schüttelte den Kopf. Ja, es konnte noch schlimmer kommen. „Stellen Sie durch. … Hi, Mom.“

„Hast du meine Nachricht abgehört, Jared?“

Jared verdrehte die Augen. „Ja, Mom.“

„Schön. Dann lege ich nächsten Sonntag noch ein Gedeck mehr auf.“

Jared hätte ihr gerne respektvoll, aber bestimmt erklärt, dass der Platz neben ihm vermutlich leer bleiben würde. Doch bevor er überhaupt dazu kam, fuhr seine Mutter bereits fort: „Vergiss nicht, du bist der Älteste und solltest mit gutem Beispiel vorangehen. Außerdem bist du auch nicht mehr der Jüngste.“

Sie tat so, als sei er bereits siebenundfünfzig und nicht erst siebenunddreißig. Davon abgesehen wusste seine Mutter, wie er über die Institution Ehe dachte. Himmel, er war schließlich Scheidungsanwalt!

Seine Erfahrung mit den ganzen Trennungsprozessen hatte ihm gezeigt, dass eine Ehe die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllte. Menschen heirateten, und die meisten ließen sich dann wieder scheiden. Es war ein Teufelskreis. Einerseits verdiente er damit Geld, andererseits machte es ihn krank. Obwohl es in seiner Familie viele glückliche Ehen gab, die schon lange Jahre hielten, waren diese für ihn die Ausnahmen und nicht die Regel.

Bei seinem Glück wäre er sicher der Erste in der Familie, dessen Ehe scheitern würde, und er hatte nicht vor, die Statistik zu bestätigen.

„Jared, hörst du mir zu?“

Er seufzte. Wenn sie diesen Ton anschlug, blieb ihm keine Wahl. „Ja, Mutter, aber ist es dir schon einmal in den Sinn gekommen, dass Durango, Ian, Spencer, Quade, Reggie und ich gerne Singles sind?“, fragte er, um einen höflichen Ton bemüht.

„Ist es einem von euch schon einmal in den Sinn gekommen, dass Vater und ich auch nicht jünger werden? Wir hätten gerne Enkel, solange wir noch geistig fit sind.“

Jared war fassungslos. Erst bedrängte sie ihre Söhne zu heiraten, jetzt war sie bereits bei Enkelkindern. Er war jedoch klug genug, sich nicht mit der dickköpfigen und fürsorglichen Sarah Westmoreland anzulegen. Das hätte ihm heute noch gefehlt. Eher würde er die Konfrontation mit einem uneinsichtigen Richter bei Gericht suchen, als mit seiner Mutter zu streiten. Dies war ein aussichtsloses Unterfangen, für das er momentan nicht genug Energie hatte.

„Mal sehen, was sich machen lässt“, schloss er.

„Danke, Junge. Um mehr bitte ich dich nicht.“

„Mensch Dana, komm doch mit uns.“

Dana Rollins blickte auf. Vor ihrem Schreibtisch stand Cybil Franklin und betrachtete sie entschlossen. Seit der Highschool war Cybil Danas beste Freundin und der Grund, warum sie vor drei Jahren von Tennessee nach Atlanta gezogen war, um eine Stelle als Landschaftsarchitektin bei Kessler Industries anzunehmen.

„Danke, Cybil, aber ich möchte nicht das fünfte Rad am Wagen sein. Mit dir und Ben das Wochenende in North Carolina zu verbringen, halte ich für keine gute Idee.“

Cybil verdrehte die Augen. „Wir machen doch nur einen Campingausflug in die Berge. Ich find’s schrecklich, dass du das Osterwochenende allein verbringen willst.“

Dana lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und lächelte. „Hey, ich bin siebenundzwanzig Jahre alt und komme ganz gut zurecht. Es macht mir nichts aus, Ostern allein zu verbringen.“ Es wird so wie jedes Jahr sein, seitdem Mom und Dad tot sind.

Ihre Eltern waren vor fünf Jahren auf dem Weg zu ihrer College-Abschlussfeier bei einem Autounfall ums Leben gekommen. An diesem Tag hatte sich alles verändert. Da es keine anderen Verwandten gab, war Dana nun völlig auf sich allein gestellt.

Nach der Begegnung mit Luther hatte sie gehofft, dass nun alles anders werden würde. Im Frühjahr hatten sie sich kennengelernt und sechs Monate später hatte er sie gefragt, ob sie ihn heiraten wollte.

„An Tagen wie diesen bin ich versucht, Luther Cord ausfindig zu machen und ihn umzubringen“, bemerkte Cybil ungehalten. „Wenn ich darüber nachdenke, was er dir angetan hat, werde ich richtig sauer.“

Dana lächelte nachsichtig. Der Gedanke an Luther machte sie nicht mehr wütend. Letzte Woche war er unerwartet bei ihr vorbeigekommen, um sie über seinen Umzug nach Kali­fornien zu informieren und ihr zu erklären, dass sein Rückzieher von der Hochzeit nichts mit ihrer Person zu tun hatte. Er habe sich mit seinen sexuellen Vorlieben arrangiert und liebe sie auf seine Art, aber nicht so, wie ein Ehemann seine Frau lieben sollte.

Im ersten Moment war sie erschüttert gewesen, aber schließlich war ihr klar geworden, dass sie die im Grunde offensichtlichen Anzeichen nicht hatte sehen wollen. Dana behielt Luthers Geständnis für sich, nicht einmal ihrer besten Freundin vertraute sie sich an.

„Es ist alles in Ordnung, Cybil. Es sind weder die ersten noch die letzten Feiertage, die ich allein verbringen werde.“

„Ich weiß, aber …“

„Cybil, lass es gut sein. Du musst dich beeilen, wenn du Ben pünktlich zum Essen treffen willst“, fiel ihr Dana ins Wort und hoffte, sie damit loszuwerden.

„Okay, aber ruf mich an!“

Dana seufzte erleichtert auf, nachdem Cybil das Büro verlassen hatte. Seit der Trennung von Luther steckte Dana ihre ganze Zeit und Energie in den Job. Arbeit war kein Ersatz für eine Familie und ein Privatleben, aber sie lenkte von der Einsamkeit ab. Sie warf einen Blick auf den Kalender, der auf ihrem Schreibtisch stand.

Es war kaum zu glauben, dass nächste Woche bereits Ostern war. Ihre Eltern hatten sich zu Festtagen immer etwas Schönes einfallen lassen. Und auch als sie schon auf dem College studiert hatte, war sie deshalb zu Ostern immer nach Hause gefahren. Beim letzten Mal hatten sie die Messe in der Sunrise Church besucht und anschließend ein köstliches Abendessen genossen, das ihre Mutter zubereitet hatte. Da wussten sie noch nicht, dass es kein Wiedersehen mehr geben würde.

Dana atmete tief durch und versuchte, die Erinnerungen beiseitezuschieben. Irgendwie würde sie auch diese Feiertage ohne ihre Eltern überstehen – es blieb ihr nichts anderes übrig.

„Was möchten Sie essen, Sir?“

Jared studierte die große Speisekarte, die hinter der Kasse an der Wand hing. „Hm, ich nehme ein Vollkorn-Sandwich mit Schinken und Käse, dazu Pommes und ein Glas Eistee.“

„Gerne. Ihre Bestellung ist gleich fertig.“

Jared nickte und schaute sich um. Normalerweise traf er sich mit Klienten zum Essen in einem Feinschmeckerrestaurant. Manchmal ließ er sich auch etwas ins Büro liefern. Heute hatte er jedoch beschlossen, den schönen Tag zu nutzen und den Block vom Büro zum Deli zu laufen. Der Laden war voll und er hoffte, noch einen Platz zu finden. Er konnte sich auch zu jemandem an den Tisch setzen. Als er sich im Raum umsah, fiel sein Blick auf eine vertraute Person, die ein Buch las, während sie genüsslich ihre Pommes aß.

Da saß Dana Rollins.

Es war einen Monat her, seit sie in sein Büro gestürmt war, aber er erinnerte sich noch lebhaft an die Gefühle, die sie in ihm ausgelöst hatte. Nun rauschte das Blut erneut schneller durch seine Adern und ihm wurde schlagartig bewusst, dass er vor lauter Arbeit seit mehr als acht Monaten mit keiner Frau mehr geschlafen hatte. Er stand auf sinnliche Frauen und Dana Rollins war ausnehmend attraktiv. Es war schon eine Ewigkeit her, dass ihn eine Frau so angezogen hatte. Jetzt hieß es, die verlorene Zeit aufzuholen.

„Sir, Ihre Bestellung ist fertig.“

Jared drehte sich um und nahm das Tablett mit seinem Essen in Empfang.

„Danke.“ Rasch traf er eine Entscheidung und ging quer durch den Raum zu Danas Tisch. Sie war so in ihr Buch vertieft, dass sie ihn gar nicht bemerkte. Beide Ellbogen auf den Tisch gestützt, las sie vornübergebeugt und erlaubte ihm einen großzügigen Blick in ihren Ausschnitt. Es gefiel ihm, was er sah: feste, volle Brüste.

Da er nicht länger einfach so dastehen und sie anstarren konnte, räusperte er sich. „Miss Rollins?“

Überrascht schaute sie auf. „Oh, Mr Westmoreland, wie schön, Sie wiederzusehen“, sagte sie lächelnd. Ihre Grübchen verzauberten ihn.

„Ich freue mich auch, Sie wiederzusehen. Es ist ziemlich voll hier. Ob ich mich zu Ihnen setzen darf?“

„Natürlich“, erwiderte sie freudig und klappte ihr Buch zu.

„Vielen Dank.“ Jared ließ sich auf dem Stuhl ihr gegenüber nieder.

„Wie ist es Ihnen ergangen?“

„Gut. Ich habe Ihren Ratschlag befolgt und nach vorn geschaut.“

„Das freut mich zu hören, Miss Rollins.“

„Bitte nennen Sie mich Dana.“

„Nur wenn Sie Jared zu mir sagen.“

Er begann zu essen, schaute aber rasch wieder zu ihr und fragte.

„Was lesen Sie gerade?“

Sie nahm das Buch in die Hand und zeigte ihm den Einband. „Gedichte von Maya Angelou. Sie ist eine tolle Dichterin, ich mag ihre Werke sehr. Sie sind so erbaulich.“

Er nickte zustimmend, die Schriftstellerin war ihm bekannt.

„Lesen Sie viel, Jared?“

Schulterzuckend antwortete er. „Ich habe nicht viel Zeit dazu, aber wenn, dann lese ich die Romane meines Cousins. Er schreibt unter dem Pseudonym Rock Mason.“

Erstaunt schaute sie ihn an. „Sie sind mit Rock Mason verwandt?“

Jared lachte. „Ja. Sein wirklicher Name ist Stone Westmore­land.“

„Wow. Ich habe all seine Bücher gelesen. Er ist ein begnadeter Autor.“

Jared lächelte erfreut. „Das richte ich ihm gerne aus. Er und seine Frau Madison sind momentan zu Besuch bei unseren Cousins in Texas, aber nächstes Wochenende kommen sie zum Geburtstag unserer Väter zurück.“

„Der Geburtstag Ihrer Väter?“

„Unsere Väter sind Zwillinge und sie werden dieses Jahr sechzig. Da ihr Geburtstag auf Ostersonntag fällt, planen unsere Mütter eine große Feier.“

„Da werden bestimmt alle viel Spaß haben.“

„Den haben wir immer, wenn wir zusammenkommen. Wir sind eine große Familie. Was ist mit Ihnen? Haben Sie viele Angehörige?“

Er sah Traurigkeit in ihren Augen aufblitzen. „Ich habe keine Familie mehr. Ich bin ein Einzelkind und meine Eltern sind vor fünf Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen.“

„Das tut mir sehr leid.“

Sie schaute ihn an und sah die aufrichtige Anteilnahme in seinem Blick.

„Danke. Es war ein harter Schlag für mich, aber ich habe gelernt, damit zu leben. Da meine Eltern keine Geschwister haben und meine Großeltern auch bereits alle tot sind, habe ich keine Verwandten mehr.“

Es entging ihm nicht, wie sie sich auf die Unterlippe biss, um sich nicht von den schmerzlichen Erinnerungen übermannen zu lassen.

„Was machen Sie am Ostersonntag?“, fragte er sie spontan.

„Nichts. Ich gehe morgens in die Kirche und den Rest des Tages werde ich wahrscheinlich zu Hause mit Lesen und Nichtstun verbringen.“

„Und abends?“

Sie zuckte die Schultern. „Mache ich mir etwas in der Mikrowelle warm.“

Jared widmete sich wieder seinem Essen, aber so ganz konnte er sich nicht darauf konzentrieren. Gerade wegen seiner großen Familie hatte er sich immer auf die Feiertage gefreut, auch wenn die Einmischung seiner Mutter in letzter Zeit die Vorfreude etwas gedämpft hatte.

Plötzlich schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf. Seine Mutter rechnete fest damit, dass er eine Begleitung zum Abendessen mitbrachte. Warum nicht Dana? Wenn seine Mutter und seine Tante Evelyn sich zusammentaten, wurde das Essen ein Genuss. Weitaus besser als jede aufgewärmte Mahlzeit aus der Mikrowelle.

„Hätten Sie Lust, mich Ostersonntag zum Abendessen bei meinen Eltern zu begleiten?“

„Sie laden mich zum Essen bei Ihren Eltern ein?“, fragte sie perplex zurück.

„Ja.“

Verwirrt schüttelte sie den Kopf. „Warum? Wir kennen uns doch kaum.“

Jared musste mit der Wahrheit rausrücken. „Sie könnten mir aus der Klemme helfen.“

Fragend zog sie eine Augenbraue hoch. „Inwiefern?“

„Meine Mutter hat da so eine fixe Idee. Vor Kurzem haben einige meiner Cousins geheiratet. Da keiner ihrer sechs Söhne Anstalten macht, ihrem Beispiel zu folgen, setzt sie uns nun gehörig unter Druck. Vor allem natürlich mich als Ältesten. Sie erwartet, dass ich mit gutem Beispiel vorangehe und jemanden zum Dinner mitbringe. Und da Sie mir noch einen Gefallen schulden, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, ihn einzufordern.“

Dana blinzelte und stieß einen tiefen Seufzer aus. Jared sah ihr an, dass sie ihr Versprechen vergessen hatte.

„Aber Sie kennen doch sicher eine Menge Frauen, die Sie liebend gern begleiten würden“, wandte sie ein.

„Ja, das stimmt, aber wenn ich eine von ihnen frage, könnte sie denken, dass ich wirklich an einer ernsthaften Beziehung interessiert wäre … Geben Sie sich einen Ruck – meine Mutter und meine Tante sind hervorragende Köchinnen. Alles, was Sie tun müssen, ist, mich zu begleiten, meine Familie zu ertragen und mit uns feiern. Das ist viel verlangt, ich weiß, aber Sie würden mir einen großen Gefallen tun. Und ich hätte mit Sicherheit Ruhe vor meiner Mutter.“

Nervös kaute Dana auf ihrer Unterlippe. Er hatte ihr seine Lage offen und ehrlich erklärt. Aber sie spürte die körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen und hielt es daher für keine gute Idee, ihm zu nahe zu kommen. Allerdings schuldete sie ihm einen Gefallen und sie war dazu erzogen worden, ihr Wort zu halten. „Und es geht nur um dieses eine Mal?“

„Ganz bestimmt“, versicherte er ihr. „Aber um das durchzuziehen, brauchen wir eine glaubwürdige Geschichte. Ich rufe Sie diese Woche an und wir gehen die Fragen durch, die Ihnen meine Familie stellen könnte.“

„Was für Fragen?“, erwiderte Dana stirnrunzelnd.

„Ach, die üblichen. Wie lange wir uns schon kennen. Wann und wie wir uns getroffen haben. Wie ernst es uns ist. Und wahrscheinlich wird meine Mutter Sie ohne Umschweife fragen, ob Sie bereits bei mir eingezogen sind, ob Sie Kinder bekommen können und wie viele Sie haben wollen.“

Dana lachte schallend. Jared mochte den Klang.

„Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder?“, brachte sie mühsam hervor.

„Leider doch“, antwortete er. „Warten Sie nur, bis Sie meine Mutter persönlich kennenlernen. Einen ihrer Söhne zu verheiraten, ist ihr vorrangiges Anliegen.“

„Und Sie haben anscheinend etwas dagegen?“

„Ja. Ich habe genügend Scheidungsklagen bearbeitet, um zu wissen, dass die meisten Ehen nicht halten.“

Nachdenklich lehnte Dana sich in ihrem Stuhl zurück.

„Kommen Sie mit?“, fragte er erneut.

Sie überlegte und nickte dann zustimmend.

Jared strahlte. „Danke, Dana, dass Sie mir aus der Klemme helfen. Sie wissen gar nicht, wie viel es mir bedeutet, Ruhe vor meiner Mutter zu haben.“

2. KAPITEL

Dana schaute auf die Uhr. Sie war ein Nervenbündel. Jeden Augenblick konnte Jared klingeln.

Anfang der Woche hatten sie telefoniert und waren die Fragen durchgegangen, die seine Familie wahrscheinlich stellen würde. Allein seine Stimme zu hören, hatte ihr eine Gänsehaut verursacht. Endlich hatte sie sich wieder als Frau gefühlt, eine Empfindung, die sie seit ihrer Trennung von Luther vergessen hatte und jetzt nur widerwillig zuließ.

Ein neues Gefühlschaos fehlte ihr gerade noch. Sie wollte nie wieder so verletzt werden wie von Luther.

Als es an der Tür klingelte, sprang Dana auf. Sie atmete tief durch und rief sich in Erinnerung, dass sie Jared nach diesem Abend nicht wiedersehen würde und es keinen Grund gab, die Fassung zu verlieren. Sie öffnete die Tür.

Jared starrte Dana an und vergaß fast zu atmen. Wenn er sie anfangs für wunderschön gehalten hatte, übertraf ihre Erscheinung jetzt seine Erinnerung bei Weitem. Er hatte seinen durchaus gesunden Sexualtrieb eigentlich ganz gut unter Kontrolle, aber als er sie in ihrer figurbetonten Jeans und dem hübschen Top im Türrahmen stehen sah, fragte er sich, wie er den Tag überstehen sollte.

„Hallo, Jared, komm doch bitte herein.“

„Gerne … Du siehst … gut aus.“

Sie lächelte, trat einen Schritt zurück, um ihn hereinzulassen, und schloss die Tür.

„Danke. Ich muss nur noch meine Tasche holen“, sagte sie und ging auf eine Tür zu, die vermutlich zu ihrem Schlafzimmer führte. Er war dankbar für diese Pause, um sich zu sammeln. Diese Frau war einfach unbeschreiblich sexy.

Um sich abzulenken, schaute er sich im Wohnzimmer um. Es war in hellen Farben gehalten und geschmackvoll mit teuren Möbeln eingerichtet. Plötzlich schmiegte sich etwas an sein Bein.

„Hallo, wo kommst du denn her?“, fragte er lächelnd, bückte sich und hob eine hübsche schwarze Katze hoch.

„Ich bin fertig“, rief Dana und kam ins Zimmer. Sie lachte, als sie ihn mit dem Tier auf dem Arm sah. „Wie ich sehe, hast du Tom bereits kennengelernt.“

Jared grinste. „Ach, das ist sein Name?“

„Ja. Ich habe ihn, seit er ganz klein war. Er ist völlig verwöhnt, aber ein guter Gesellschafter.“

„Ein prachtvoller Kerl“, bemerkte Jared und streichelte den Kater.

„Pst. Sag das nicht zu laut. Er ist schon verwöhnt genug“, flüsterte Dana.

Jared setzte Tom wieder auf dem Boden ab. „Dann mal los.“

„Herzlich willkommen, Dana. Ich freue mich sehr, dass Jared Sie mitgebracht hat.“

Sogleich fühlte sie sich von kräftigen Armen umfangen, die wohl Jareds Mutter gehörten. Dana hatte eine freundliche Begrüßung erwartet, aber mit so viel Herzlichkeit hatte sie nicht gerechnet.

„Vielen Dank für die Einladung“, erwiderte Dana, als Sarah Westmoreland sie losließ. Sie suchte Jareds Blick. Dana fragte sich, was er wohl dachte. Irgendwie fühlte sie sich befangen und dachte an den Augenblick, als Jared sie abgeholt hatte. Wie lässig und sinnlich er selbst in Jeans und Polohemd ausgesehen hatte.

„Ihr zwei könnt euch später noch tief in die Augen schauen“, bemerkte Sarah vergnügt. „Jetzt kommt herein. Alle können es kaum erwarten, Dana kennenzulernen.“

Jared kam wieder zu sich. Seine Mutter sollte bloß nicht auf den Gedanken kommen, dass Dana mehr war als eine Verabredung.

„Ich nehme an, dass wir die Letzten sind“, meinte er und legte eine Hand auf Danas Rücken, während seine Mutter sie durch die Eingangshalle führte.

„Quade ist noch nicht da, aber er hat angerufen und Bescheid gesagt, dass er unterwegs ist.“

Jared nickte. Sein Bruder Quade arbeitete für den Geheimdienst und konnte nicht oft an Familientreffen teilnehmen. Trotzdem war er wie alle Westmorelands ein Familienmensch.

Aus dem Wohnzimmer war bereits fröhliches Stimmengewirr zu hören. Wieder sah er zu Dana hinüber. Sein Blick blieb unwillkürlich an ihren vollen Lippen hängen. Wie sie sich wohl unter seinen anfühlen würden?

„Du meine Güte, Jared. Hör endlich auf, Dana so anzustarren“, schalt ihn seine Mutter lachend.

Verdammt. Es war ihm selbst gar nicht aufgefallen. Außerdem vergaß er immer wieder, wie aufmerksam seine Mutter war. Ihr entging einfach nichts.

Sarah Westmoreland lächelte und zum ersten Mal fragte er sich, ob es nicht ein Fehler gewesen war, Dana einzuladen. Wenn seiner Mutter schon auffiel, dass er den Blick nicht von ihr abwenden konnte, was würden erst die anderen Familienmitglieder denken? Er durfte sich nicht anmerken lassen, wie angetan er von ihr war.

„Wird aber auch Zeit, dass du kommst.“

Ruckartig drehte Jared den Kopf und runzelte die Stirn. Sein Bruder Durango, der sich für unwiderstehlich hielt und nur von Frauen die Finger ließ, die bereits vergeben waren, hatte ihn angesprochen, aber Dana dabei angesehen.

„Durango“, sagte Jared, als sich sein Bruder zu ihnen gesellte. Dieser nickte ihm zu, konzentrierte sich aber gleich wieder auf Dana.

„Wer ist denn diese Schönheit?“, fragte er breit grinsend.

„Das ist Jareds Mädchen“, mischte sich Sarah Westmoreland ein. „Also halt dich zurück.“

Jareds Mädchen. Jared fuhr sich über die Stirn. Worauf hatte er sich da bloß eingelassen?

„Sind Sie sicher, dass Sie nicht noch ein Stück Geburtstagskuchen möchten, Dana?“

„Danke, aber ich kann wirklich nicht mehr. Das Essen war köstlich, Mrs Westmoreland.“

Dana war völlig überwältigt gewesen, als Jared sie ins mit Girlanden und Luftballons geschmückte Wohnzimmer geführt und seiner Familie vorgestellt hatte. Rasch wurde klar, dass die Westmorelands nicht nur ein riesiger Familienclan, sondern eine große Gemeinschaft waren. Die Liebe und Zuneigung untereinander war sofort spürbar.

Noch nie hatte Dana so viele Verwandte auf einem Haufen gesehen und sie war ein bisschen neidisch auf diese große Familie.

Anfangs waren alle neugierig gewesen, da Jared noch nie eine Frau zu Familientreffen mitgebracht hatte, aber nach ein paar Fragen, die Dana zur Zufriedenheit aller beantworten konnte, behandelten sie sie wie ein Familienmitglied. Als Jareds Bruder Quade schließlich verspätet eintraf, ebbte das Interesse an ihrer Person für einen Moment ab.

Storms Ehefrau Jayla war mit Zwillingen schwanger und die Frauen luden Dana ein, sie beim Kauf der Erstausstattung am kommenden Wochenende zu begleiten. Dana erfand eine Ausrede und lehnte dankend ab, da sie wusste, dass Jared kein weiteres Zusammentreffen mit ihr und seiner Familie plante.

Sie schaute zu Jared hinüber, der mit einigen seiner Brüder und Cousins zusammenstand. Ungewollt machte ihr Herz einen Satz. Jared schien ihren Blick zu spüren, denn er sah auf und ihre Blicke trafen sich. Dana bekam eine Gänsehaut und ihr stockte der Atem – schnell brach sie den Blickkontakt ab.

Um sich abzulenken, schaute sie aus dem Fenster. Jareds Eltern hatten ein riesiges Grundstück und ihr großes zweistöckiges Haus im Südstaatenstil war einfach überwältigend. Von einer Fensterfront aus blickte man auf einen See. Es war spät am Nachmittag und dämmerte bereits.

„Ich muss kurz unter vier Augen mit dir reden“, flüsterte ihr plötzlich Jared ins Ohr. Dana zuckte zusammen. Sie hatte ihn nicht kommen gehört und sein warmer Atem streifte ihren Nacken. Der Geruch seines Aftershaves jagte ihr wohlige Schauer über den Rücken.

Irritiert fragte sie sich, worüber er wohl mit ihr reden musste, als er ihre Hand nahm, sie in die Küche führte und die Tür hinter ihnen schloss. Er lehnte gegen den Küchentisch und einen Augenblick lang sahen sie sich schweigend an, bis Jared sich räusperte.

„Als ich dich abholte, habe ich vergessen, dir das hier zu geben.“ Jared wusste, dass er dies auch auf der Rückfahrt hätte tun können, aber aus irgendeinem Grund wollte er eine Weile mit ihr allein sein.

„Luther Cord hat mir am Freitag eine Eilsendung zugeschickt, mit der Bitte, sie dir zu überreichen. Nach seiner Ankunft in Kalifornien hat er es sich offensichtlich anders überlegt und entschieden, dass du ihn doch behalten sollst.“

Fragend zog Dana eine Augenbraue hoch, als Jared in die Hosentasche griff und eine kleine weiße Schachtel hervorholte, die sie sofort wiedererkannte.

„Mein Verlobungsring?“, fragte sie überrascht. Jared musste lächeln, als er ihren erstaunten, aber erfreuten Gesichtsausdruck sah.

„Ja, er gehört dir“, erwiderte er und überreichte ihr die Schachtel.

„Ich habe es geahnt. Sie ist die Richtige.“

Erschrocken fuhr Jared herum. Im Türrahmen stand seine Mutter und strahlte über das ganze Gesicht.

„Ich bin zufällig an der Küche vorbeigegangen, als ich das Wort ‚Verlobungsring‘ hörte. Oh, Jared, du machst mich so stolz und glücklich“, stieß seine Mutter zwischen Lachen und Freudentränen hervor. Dann umarmte sie Dana. „Willkommen in unserer Familie.“

In Jareds Kopf drehte sich alles, bis ihm schlagartig klar wurde, welche Rückschlüsse seine Mutter gezogen hatte. Er war gerade im Begriff, die Situation richtigzustellen, als die Küchentür aufflog und die ganze Familie hereinströmte.

„Was ist hier los?“, fragte Jareds Vater, als er seine Frau in Tränen aufgelöst vorfand.

Wieder nahm Jared Anlauf, etwas zu sagen, aber seine Mutter kam ihm zuvor. „Jared und Dana haben sich gerade verlobt. Er hat ihr einen Ring geschenkt. Ich bin so glücklich. Ich kann es noch gar nicht glauben, dass mein ältester Sohn endlich heiratet.“

Jared und Dana wurden mit Glückwünschen überhäuft. Er suchte ihren Blick und bemerkte, dass sie genauso fassungslos war wie er. Er versuchte, ihr zu signalisieren, dass er die Dinge klarstellen würde. Eigentlich hätte er das auf der Stelle tun müssen, aber er konnte sich nicht erinnern, wann seine Mutter das letzte Mal so glücklich gewesen war, und er wollte sie nicht enttäuschen.

Sarah Westmoreland fing wieder an, vor Freude zu weinen. „Jared, du hast mich heute sehr glücklich gemacht. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet du deine Meinung übers Heiraten geändert hast? Aber ich habe die Zuneigung zwischen euch beiden von Anfang an gespürt.“

Dana sah den Blick in Jareds Augen, der ihr versicherte: Vertrau mir. Ich kläre das, aber gönnen wir meiner Mutter diesen Augenblick des Glücks. Sie nickte schweigend und bedeutete ihm, dass sie seine Beweggründe verstand. Doch von allen Missverständnissen, von denen sie je gehört hatte, war dieses wirklich das unglaublichste. Die Krönung aller Missverständnisse.

„Wir müssen jetzt leider gehen“, sagte Jared. Er fasste Dana an der Hand und zog sie aus der Küche.

„Aber … wir haben doch noch gar nicht auf die gute Neuigkeit angestoßen!“, rief ihnen seine Mutter hinterher, als er auf die Haustür zueilte.

Er drehte sich zu seinen Verwandten um und hätte ihnen am liebsten gesagt, dass es auch nichts zu feiern gäbe. Sie waren ihnen bis zur Tür gefolgt und umringten sie.

Angesichts der „Bin ich froh, dass du es bist und nicht ich“-Blicke seiner Brüder runzelte er die Stirn und rief: „Bis morgen.“ Dann verließ er ohne ein weiteres Wort sein Elternhaus, Dana an der Hand.

„Es tut mir leid, was gerade passiert ist“, sagte Jared zerknirscht, als sie im Auto saßen. Seine Lüge hatte ungewollte Formen angenommen. „Ich habe es nicht übers Herz gebracht, meiner Mutter die Wahrheit zu sagen. Sie war so glücklich.“

Dana nickte verständnisvoll und Jared sah in ihrem Blick, dass sie ihn wirklich verstand.

„Danke.“

„Du musst dich nicht bei mir bedanken. Das war ein besonderer Tag für deine Familie. Ich habe bemerkt, wie glücklich deine Mutter über unsere vermeintliche Verlobung war.“

Jared war unendlich erleichtert. „Ich werde morgen mit ihr reden und die Dinge richtigstellen.“

„Einverstanden.“

Zufrieden startete er seinen Wagen und fuhr aus der Einfahrt seiner Eltern. Als sie an der ersten Ampel hielten, fiel sein Blick auf Danas Verlobungsring, den sie am Ringfinger trug. Ihre Mutter hatte darauf bestanden, dass sie ihn ansteckte.

Es behagte ihm ganz und gar nicht, dass sie Luther Cords Ring trug. „Was hast du mit dem Ring denn jetzt vor?“, fragte er betont unbeteiligt.

Dana betrachtete ihre Hand. „Ich verkaufe ihn und bezahle davon dann meine Schulden. Ich bin überrascht, dass Luther ihn mir zurückgegeben hat.“

Jared kannte des Grund dafür. Während des letzten Gesprächs mit Cord hatte er seinem Klienten empfohlen, ihr den Ring zu überlassen, damit sie die durch die geplatzte Hochzeit entstandenen Kosten begleichen konnte, auch wenn er gesetzlich nicht dazu verpflichtet war. Offensichtlich hatte der Mann seinen Vorschlag beherzigt.

Die Ampel wurde grün, und Jared schaute zu Dana hinüber. Sie hatte die Augen geschlossen und den Kopf gegen die Kopfstütze gelehnt. Unwillkürlich musste er lächeln. Es war ein anstrengender Tag für sie gewesen. Er war an seine große Familie gewöhnt, aber für eine Fremde war sie wahrscheinlich ziemlich anstrengend.

„Bereust du es, mitgekommen zu sein?“ Diese Frage konnte er sich nicht verkneifen. Doch ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie den Kopf wandte und ihn ansah. „Nein. Es hat mir sehr gefallen, Jared. Der herzliche Umgang in deiner Familie hat mich an die Zeit mit meinen Eltern erinnert. Daher habe ich die letzten Stunden sehr genossen.“

Auch er hatte den Tag gerne mit Dana verbracht. Sie war ein sehr angenehmer Mensch und im Vergleich zu den meisten seiner Verabredungen hatte sie nicht ständig seine Aufmerksamkeit gefordert oder wie eine Klette an ihm gehangen.

Ihm war aufgefallen, wie leicht sie sich in seine Familie integriert hatte. Und wie schnell sie diese für sich eingenommen hatte. Daher verstand er nur zu gut, warum seine Mutter glaubte, er wäre in sie verliebt.

Jared umklammerte das Lenkrad fester. Anzunehmen, er habe sich in sie verliebt, war eine Sache, aber davon auszugehen, sie seien verlobt, eine ganz andere. Wie kam seine Mutter nur darauf? Sie wusste doch, wie er über die Ehe dachte. Glaubte sie wirklich, dass es einer Frau gelingen könnte, ihn umzustimmen, nachdem er die Geschichte so gründlich durchdacht hatte?

Kurze Zeit später bog er in Danas Auffahrt ein und hielt vor dem Haus. Sie war eingeschlafen und schlummerte friedlich auf dem Beifahrersitz. Nur ungern weckte er sie, aber er hatte keine Wahl. Um sie nicht zu erschrecken, beugte er sich zu ihr hinüber und flüsterte sanft.

„Dana, wir sind da.“

Langsam öffnete sie die Augen.

„Ich bringe dich noch zur Tür“, sagte er und bezwang den Impuls, sie in seine Arme zu ziehen und zu küssen. Sie atmete tief durch und nickte. „In Ordnung.“

Er stieg aus, ging hinüber zur Beifahrerseite und half ihr galant aus dem Wagen. Gemeinsam gingen sie zur Eingangstür.

Sie drehte sich zu ihm. „Nochmals vielen Dank, Jared, für diesen wunderschönen Tag. Es war etwas ganz Besonderes.“

Er nickte, wollte ihr sagen, dass sie etwas Besonderes sei, aber er ließ es besser. Sie hatten nur diese eine Verabredung und dabei sollte es bleiben. „Danke für deine Begleitung. Ich werde meine Mom morgen aufklären.“

„Gut.“

Sie schloss die Haustür auf, drehte sich aber noch einmal zu ihm um.

„Möchtest du noch auf einen Drink mit reinkommen?“

Das wollte er nur zu gern, aber nicht wegen des Drinks. Schon den ganzen Tag wollte er etwas ganz Bestimmtes tun.

„Sehr gern.“

Er folgte ihr ins Haus, aber als sie auf die Küche zusteuerte, legte er ihr die Hand auf den Arm.

„Ich kann mir keinen schöneren Abschluss für diesen Tag vorstellen als diesen“, sagte er sanft, beugte sich vor und küsste sie.

Er musste es einfach tun, ebenso wie er atmen musste.

Heftiges Verlangen durchströmte Dana, als ihre Lippen sich berührten. Unbekannte, wundervolle Empfindungen wurden wach, als er sie an sich zog und ihren Mund mit seiner Zunge eroberte. Die unmittelbare Nähe seines Körpers berauschte sie. Leidenschaftlich vertiefte er seinen Kuss.

Widerstrebende Gefühle beherrschten sie, ein Teil von ihr wollte sich ihm entziehen, ein anderer wollte sich ihm hingeben.

Dies war der perfekte Abschluss des Tages. Von Anfang an hatten sie sich zueinander hingezogen gefühlt, und das Gegenteil vorzutäuschen, wäre reine Zeitverschwendung.

Da sie sich zum letzten Mal sahen, konnten sie doch zumindest diesen einen Augenblick genießen. Aufseufzend schlang sie die Arme um seinen Nacken und erwiderte seinen Kuss rückhaltlos. Heiß wie glühende Lava rauschte das Blut durch Jareds Adern. Nie hatte er eine Frau so sehr gewollt. Stöhnend löste er sich Minuten später von ihren Lippen.

„Du bist unfassbar schön, Dana“, flüsterte er ihr ins Ohr, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren und bedeckte ihren Hals mit zarten Küssen.

Sein Kompliment berührte Dana tief. Das hatte noch kein Mann zu ihr gesagt. „Danke.“

„Du brauchst mir nicht zu danken. Es ist nur die Wahrheit“, sagte er und löste sich langsam von ihr. „Danke für deine Hilfe.“

„Keine Ursache, es hat mir Spaß gemacht. Deine Familie ist toll.“

Er nickte.

Nun hatte er keinen Grund mehr, sie wiederzusehen. Er durchforstete sein Hirn nach einem Vorwand, noch einmal bei ihr vorbeizuschauen, aber ihm fiel keiner ein. Enttäuscht fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. Der Abschied fiel ihm schwer.

„Wo ist Tom?“, fragte er und sah sich suchend um, um seinen Aufbruch noch aufzuschieben.

„Vermutlich in meinem Bett.“

Verdammter Glückspilz! Jared sah Dana an und wusste, dass er besser gehen sollte, bevor er sie wieder in seine Arme zog und küsste.

„Auf Wiedersehen, Dana.“

„Auf Wiedersehen, Jared.“

„Pass auf dich auf.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ ihre Wohnung.

3. KAPITEL

Gegen zehn Uhr am nächsten Morgen schaute Jared bei seinen Eltern vorbei. Sein Neun-Uhr-Termin war abgesagt worden, sodass er die Gelegenheit nutzen wollte, um das Missverständnis aus der Welt zu räumen.

„Mom! Dad!“, rief er, während er durch das Wohnzimmer in Richtung Küche ging.

„Ich bin hier draußen“, antwortete sein Vater.

Jared öffnete die Küchentür und betrat die Sonnenterrasse, die sein Vater letztes Jahr gefliest hatte. Dieser war gerade damit beschäftigt, seinen alten Ford Mustang zu polieren.

„Guten Morgen, Dad.“

„Hallo, mein Junge. Was für eine nette Überraschung am Montagmorgen!“

„Mein Gerichtstermin wurde abgesagt. Wo sind denn die anderen?“

„Durango ist gestern Nacht bei Stone geblieben und Ian und Spencer treffen sich mit ihren Cousins zum Frühstück bei Chase. Quade musste heute früh mit der ersten Maschine zurück nach Washington, und Reggie ist bei der Arbeit.“

Jared nickte und schaute sich um. „Ich muss mit Mom reden. Ist sie oben?“

Sein Vater seufzte tief. „Nein, sie hat einen Termin beim Arzt.“

Jared runzelte die Stirn. „Stimmt etwa irgendetwas nicht?“

Sein Vater zuckte mit den Schultern. „Ich hoffe nicht, aber du kennst doch deine Mutter. Wenn etwas nicht stimmt, bin ich der Letzte, der es erfährt. Sie glaubt, wenn sie mir alles erzählt, komme ich um vor Sorge. Ich wüsste gar nichts von ihrem Termin, wenn der Arzt nicht eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter hinterlassen hätte, um sie daran zu erinnern. Anscheinend haben sie beim Check-up letzte Woche einen Knoten entdeckt.“

Jared war besorgt. Vor drei Jahren hatte man bei seiner Mutter Brustkrebs diagnostiziert. Nach einer Reihe von Chemotherapien und Bestrahlungen war sie als geheilt entlassen worden.

„Moms Auto steht noch in der Einfahrt. Wer hat sie zum Arzt gefahren?“

„Ich habe es ihr angeboten, aber sie hatte sich bereits mit Tante Evelyn verabredet. Du kennst die beiden doch. Sie können nicht ohne einander.“

Jared nickte. Jeder in der Familie kannte die Geschichte, wie die beiden Frauen, die seit der Highschool-Zeit beste Freundinnen waren, die Westmoreland-Zwillinge geheiratet hatten und so Schwägerinnen geworden waren.

„Ist es etwas Ernstes?“, fragte er. Die alten Erinnerungen kamen hoch. Die Chemobehandlungen hatten seine Mutter damals sehr geschwächt und sie noch kranker gemacht, als sie eh schon gewesen war.

Sein Vater, seine Brüder und er hatten den Fehler begangen, ihr nicht von der Seite zu weichen und sie wie eine Invalidin zu behandeln. Das hatte die Sache auch nicht besser gemacht und war wohl der Grund dafür, dass sie niemandem von dem aktuellen Untersuchungstermin erzählt hatte. Vermutlich wären sonst alle mit ihr zum Arzt gegangen.

„Um ehrlich zu sein, Jared, habe ich mir langsam Sorgen gemacht. Ich sah, dass sie beunruhigt war, auch wenn sie versucht hat, es vor mir zu verbergen. Aber seit gestern ist alles anders.“

Fragend zog sein Sohn eine Augenbraue hoch. „Seit gestern? Wieso?“

„Du hast sie unendlich glücklich gemacht, als du deine Verlobung mit Dana bekannt gegeben hast.“

Jared war versucht zu sagen, dass er und Dana eigentlich nichts verkündet hatten und seine Mutter lediglich voreilige Schlüsse gezogen hatte.

„Eure Verlobung hat ihr neuen Lebensmut gegeben. Sie will um jeden Preis durchhalten, egal was ihr der Arzt heute sagen wird, und dafür bin ich dankbar. Du weißt doch, wie deprimiert sie beim letzten Mal war, als sie sich den ganzen Behandlungen unterziehen musste. Sollte das wieder der Fall sein, was ich nicht hoffe, wird sie umso mehr kämpfen, da sie sich auf einen wichtigen Tag freuen kann.“

„Auf welchen Tag?“

„Auf den Tag, an dem du Dana heiraten wirst“, erwiderte James Westmoreland lächelnd. „Seit gestern Abend hat sie kein anderes Gesprächsthema. Sie mag Dana und ist davon überzeugt, dass sie dir eine gute Frau sein wird. Genau wie ich. Du hast gut gewählt, Jared, und dein Timing hätte nicht besser sein können. Sollte deine Mutter wieder an Krebs erkrankt sein und sich neuen Behandlungen unterziehen müssen, wird sie alles nur Denkbare für ihre Gesundheit tun, um deine Hochzeit planen zu können.“

„Meine was?“

„Deine Hochzeit. Ich danke dir, mein Junge, dass du deiner Mutter einen Grund zum Kämpfen gegeben hast, gleichgültig, was kommen mag. Mit dem Wissen, dass einer ihrer Söhne endlich heiratet und ihr einen Enkel schenkt, wird sie jede Situation meistern können.“

Fassungslos schwieg Jared. Eins war klar – unter diesen Umständen konnte er seiner Mutter auf gar keinen Fall die Wahrheit über sich und Dana sagen.

Dana traute ihren Augen nicht, als sie durch den Türspion sah.

Gestern hatte sie sich von Jared verabschiedet. Warum stand er nun schon wieder vor ihrer Eingangstür?

Vor Aufregung konnte sie kaum atmen. Ihr Puls raste. Sofort hatte sie den leidenschaftlichen Kuss wieder lebhaft vor Augen. Statt sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, hatte sie den ganzen Tag an Jared Westmoreland denken müssen, daran, wie gut er küssen konnte und in welchen Dingen er vermutlich auch noch ein wahrer Meister seines Fachs war.

Durch den Türspion musterte sie ihn von Kopf bis Fuß. Er trug einen Anzug. Offensichtlich kam er direkt aus dem Büro. Sein Auftritt wirkte beherrscht und professionell. Gleichzeitig war er umwerfend männlich und zog sie magisch an. Sie atmete tief durch, entschlossen, sich zusammenzureißen, und öffnete die Tür.

„Jared?“ Sie merkte selbst, wie atemlos das klang, und fragte sich besser nicht, wie es auf ihn wirken mochte. Sein durchdringender Blick war nicht dazu angetan, sie zu beruhigen.

„Dana, es tut mir leid, dass ich dich erneut belästige, aber ich muss etwas Wichtiges mit dir besprechen.“

Fragend schaute sie ihn an. Es klang ernst. „Komm herein.“

Sie führte ihn ins Wohnzimmer. „Möchtest du etwas trinken?“

„Nein danke, alles bestens“, erwiderte er, obwohl er das Gegenteil empfand. Das Gespräch mit seinem Vater hatte seine Pläne durchkreuzt.

Aus den Augenwinkeln sah Jared, wie Tom vom Sofa aufsprang und in die Küche raste. Jared nahm auf der Couch Platz und konnte kaum den Blick von Dana lösen, als sie sich ihm gegenüber in einen Sessel setzte. Ihr kurzer Rock brachte ihre endlos langen, schlanken Beine zur Geltung. Zudem fesselte ihn der Anblick ihrer festen Brüste, deren Rundungen sich unter ihrer Bluse abzeichneten.

„Jared? Du wolltest etwas Wichtiges mit mir besprechen.“

Ihre Worte brachten ihn zum Grund seines Besuches zurück und er begegnete ihrem fragenden Blick. „Ich war heute Morgen bei meinen Eltern, um das Missverständnis aufzuklären, doch es kam anders. Meine Mutter war nicht zu Hause. Also konnte ich nur mit meinem Vater sprechen.“

„Aber du hast ihm die Wahrheit gesagt.“

„Nein.“

Diese Antwort überraschte Dana. „Wie bitte?“

„Es gibt ein Problem … ein großes Problem“, erklärte Jared und entschied, ihr alles von Anfang an zu erzählen.

„Vor drei Jahren wurde bei meiner Mutter Brustkrebs festgestellt. Der Knoten wurde entfernt und sie musste sich acht Wochen lang einer Chemotherapie und Bestrahlungen unterziehen. Sie hatte gute und schlechte Tage, aber mein Vater, meine Brüder und ich waren beeindruckt, wie tapfer sie alles durchgestanden hat.“

Jareds Aufrichtigkeit berührte Dana. Sie konnte sich vorstellen, was für eine schwere Zeit das für ihn und seine Familie gewesen sein musste. Nachdem sie gestern alle kennengelernt hatte, war ihr rasch klar geworden, wie sehr Sarah Westmoreland geliebt wurde.

„Jedenfalls“, fuhr Jared fort, „habe ich heute Morgen mit Dad gesprochen, und bevor ich sagen konnte, dass es kein ‚Wir‘ gibt, hat er mir erzählt, dass die Ärzte einen neuen Knoten in ihrer Brust gefunden haben. Sollte er bösartig sein, werden weitere Chemotherapien notwendig.“

„Oh nein“, entfuhr es Dana. Sie stand auf, ging zum Sofa hinüber und setzte sich neben Jared. Tröstend legte sie die Hand auf seinen Arm. „Das tut mir sehr leid, Jared“.

Langsam stand er auf und schob die Hände in die Hosentaschen. Ihre Berührung verwirrte ihn. Er musste sich konzentrieren.

„Mir auch“, sagte er langsam. „Wie ich meine Mutter jedoch kenne, wird sie wieder tapfer kämpfen, und ich kann es ihr etwas leichter machen.“

„Wie?“

Jared schaute sie an. „Es ist verrückt, aber in der jetzigen Situation würde ich alles für meine Mutter tun, auch lügen. Für das Leben meiner Mutter nehme ich jede Lüge in Kauf.“

Dana runzelte die Stirn und fragte sich, was er damit meinte.

„Jared, was für eine Lüge?“, fragte sie, während sie aufstand und sich vor ihn stellte. Seine Gesichtszüge verhärteten sich. Für einen Augenblick wich er ihrem Blick aus, dann schaute er auf. Der Schmerz in seiner Miene ließ ihren Atem stocken.

„Jared, was für eine Lüge?“, hakte sie erneut nach.

Er zögerte für einen Moment.

„Über uns. Mein Vater hat mir gesagt, wie glücklich meine Mutter darüber ist, dass ich mich endlich entschlossen habe zu heiraten. Unter den gegebenen Umständen will ich ihr dieses Glücksgefühl nicht nehmen.“

Verwirrt trat Dana einen Schritt zurück. „Worauf willst du hinaus?“ Sie war nicht sicher, ob sie ihm noch folgen konnte.

„Ich will dir einen Vorschlag machen“, sagte er und suchte ihren Blick.

Dana schluckte. „Worum geht es?“

Verlegen lächelte er. „Dass wir weiterhin so tun, als ob wir verlobt wären – meiner Mutter zuliebe.“

Wie betäubt starrte Dana ihn an und suchte in seinem Blick nach einem Anzeichen für einen Scherz. Aber sie konnte keinen finden. Es war ihm bitterernst. Ihr Mund wurde trocken und ihr Herz begann zu rasen. Sie atmete langsam und hörbar aus.

„A…aber das geht nicht.“

Entschlossen schaute er sie an. „Doch. Mir ist erst heute klar geworden, wie viel es meiner Mutter bedeutet, dass wenigstens einer ihrer Söhne heiraten will. Ich verstehe es zwar nicht, aber ich respektiere es und will alles in meiner Macht Stehende tun, um sie glücklich zu sehen.“

„Auch heiraten?“

Jared runzelte die Stirn. „Ich hoffe, dass ich nicht so weit gehen muss, Dana. Aber die Annahme, ich sei verlobt, wird ihr zumindest helfen, das Schlimmste zu überstehen.“

„Und dann?“

„Dann werde ich ihr sagen, dass es mit uns nicht geklappt hat und wir unsere Verlobung gelöst haben. So etwas passiert.“

Dana musste sich setzen und sank aufs Sofa zurück. „Glaub mir, damit kenne ich mich aus, Jared.“

Er seufzte tief. „Tut mir leid. Ich verlange viel von dir, gerade im Hinblick auf die gescheiterte Beziehung zu Luther, aber ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.“

Das rührte sie zutiefst. Sie lehnte sich zurück und dachte über seine Worte nach. Sein Opfer imponierte ihr. Er hatte sehr deutlich gemacht, dass er nicht die geringste Absicht hatte zu heiraten. Daher war sie überzeugt davon, dass er in keine der üblichen Fallen tappen würde, die zu einer Heirat führten, ob vorgetäuscht oder nicht.

Doch aus Liebe zu seiner Mutter würde er es tun. Sie hob das Kinn und strich mit den Händen nervös über ihren Rock.

„Wenn ich mitmachen würde, Jared, was erwartest du dann von mir?“

Jared war aufgestanden und setzte sich nun ihr gegenüber in den Sessel. Er war froh, dass sie seinen Vorschlag wenigstens in Betracht zog. „Im Gegensatz zu dir war ich noch nie verlobt. Wie lief es bei dir und Cord?“

Dana seufzte. „Am Anfang habe ich mir tatsächlich vorstellen können, mit ihm alt zu werden. Aber inzwischen muss ich zugeben, dass ich ihn aus den falschen Gründen heiraten wollte. Liebe hatte damit nichts zu tun. Er war gutaussehend, erfolgreich.“

„Und schwul.“

Überrascht schaute Dana auf. „Das wusstest du?“

Jared zuckte die Schultern. „Ich war mir erst nicht sicher, bis ich dich kennengelernt habe. Als du in mein Büro kamst, war mir sofort klar, dass kein heterosexueller Mann dich gehen lässt.“

Dana musste lachen über dieses Kompliment. „Danke. Ich hatte bis vor Kurzem noch keine Ahnung von Luthers sexuellen Vorlieben. Bis er mir die Wahrheit gesagt hat. Ich kann froh sein, dass unsere Verlobung gelöst wurde.“

„Du bist über ein Jahr mit ihm ausgegangen und hattest keine Ahnung?“

Dana schüttelte den Kopf. „Nicht die geringste. Erst später habe ich begriffen, dass alle Anzeichen darauf hingedeutet haben, ich sie aber ignoriert habe.“

Jared schaute sie fragend an. „Welche Anzeichen?“

Dana erwiderte seinen Blick. „Sex, zum Beispiel.“

Es wurde still im Raum und leicht befangen fragte er mit gepresster Stimme. „Sex?“

„Ja, Sex. Wir haben entschieden, dass wir erst nach der Hochzeit miteinander schlafen.“

„Ahaa“, antwortete Jared ungläubig. „Wer ist denn auf diese Idee gekommen?“

Dana biss sich verlegen auf die Lippe, bevor sie antwortete. „Es war Luthers Vorschlag und ich habe mitgemacht, weil ich sowieso denke, dass Sex völlig überschätzt wird.“

Jared konnte kaum glauben, was er hörte. Da war er ganz anderer Ansicht, und es interessierte ihn brennend, wie sie zu dieser Schlussfolgerung gekommen war. „Ist das so?“

„Ja.“

Seine Neugier siegte über seine Diskretion. „Wie kommst du denn darauf?“

„Ich bin keine Jungfrau mehr, Jared. Ich habe mit Männern geschlafen und ehrlich gesagt habe ich dabei keine Erfahrung gemacht, die mich vom Hocker gehauen hat.“

Er fragte sich, was das für Typen gewesen sein mochten, die sie enttäuscht hatten. Jared schaute sie an und hielt ihren Blick fest. „Vielleicht war der Richtige einfach noch nicht dabei.“

Seine sanft gesprochenen Worte jagten heißkalte Schauer über Danas Rücken, bevor sich ein Prickeln in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Zwangsläufig schoss ihr die Frage durch den Kopf, ob sie ihre Meinung nach einer Nacht mit ihm revidieren würde, aber das würde sie wohl nie erfahren. Doch schon der Gedanke daran erregte sie.

Sie räusperte sich. „Glaub mir, zweimal war genug. Am College ist ein Flop normal, aber vor ein paar Jahren war ich mit jemandem zusammen und es hat nichts an meiner Meinung geändert.“

Erstaunt darüber, dass sie einen so wichtigen Teil ihres Lebens einfach so abtun konnte, lehnte er sich im Sessel zurück. „Vor einigen Jahren? Wie lange ist das denn schon her?“

„Drei, fast vier Jahre.“

„Willst du mir ernsthaft sagen, dass du seit vier Jahren mit keinem Mann mehr geschlafen hast?“ Er musste sich verhört haben.

Dana wunderte sich, wie sie auf dieses überaus persönliche Thema gekommen waren, entschied sich aber, ihm trotzdem wahrheitsgemäß zu antworten.

„So ist es.“

Dann wechselte sie schnell das Thema. „Verrat mir doch bitte, wie du dir unsere Verlobung vorstellst?“

Er beobachtete, wie sie sich mit der Zunge über die Lippen fuhr. Und als ob das nicht schon genug sei, schlug sie die Beine übereinander. Was würde er dafür geben, sie zu berühren, zu streicheln …

Verdammt. Er verfluchte sein Pech. Die Anziehungskraft dieser Frau war überwältigend und jetzt musste er noch mehr Zeit mir ihr verbringen. Aber die Bedürfnisse seiner Mutter hatten Vorrang.

Trotzdem … er verspürte einen gewaltigen Druck. Unruhig rutschte er im Sessel hin und her. Ein paar sexy Spielstunden würden ihm definitiv guttun und eine rein physische Beziehung ohne Gefühle wäre genau nach seinem Geschmack. Aber so kurz nach ihrer geplatzten Verlobung konnte er ihr so ein Arrangement nicht vorschlagen.

Er räusperte sich. „Was hast du denn mit Cord so unternommen? Bisher weiß ich nur, dass du eine besondere Aktivität ausgelassen hast.“

Dana strich ihren Rock glatt. Als sie ihre Schultern hob, lenkte das Jareds Aufmerksamkeit auf ihre Brüste. Er musste sich zwingen, nicht aufzuspringen, einfach zu ihr zu gehen, ihr Top hochzuheben, den BH zu lösen – sofern sie einen trug – und ihre zarte Haut zu streicheln, bevor er sich mit Lippen und Zunge um ihre Brustwarzen kümmern würde.

„Luther und ich sind oft ausgegangen“, sagte sie endlich und holte ihn damit zurück in die Realität. „Wir haben Konzerte besucht, waren im Theater und auf Partys. Er war Vertriebsbeauftragter und hatte viele gesellschaftliche Verpflichtungen.“

Jared dachte an seine Klienten. Wegen seiner Arbeitsbelastung hatte er die Pflege der Kundenkontakte zurückgefahren. „Das können wir auch machen. Meine Mutter veranstaltet jedoch häufig Familientreffen und hätte uns sicher gerne dabei. Kommst du damit klar?“

Dana dachte an den gestrigen Tag mit seiner Familie und daran, wie sehr, fast zu sehr, sie diesen genossen hatte. „Kein Problem. Du hast eine tolle Familie, aber es ist mir unangenehm, sie zu täuschen.“

„Es ist für eine gute Sache.“ Er verzog den Mund zu einem breiten Grinsen. „Und eine Verlobung mit mir ist nicht das Schlechteste. Ich bin ein ziemlich anständiger Kerl.“

Anständig zu bleiben, war das Letzte, woran Dana dachte. Allein sein Anblick erregte sie. „Wie lange wird unsere Verlobung vermutlich dauern?“

„Das hängt vom Gesundheitszustand meiner Mutter ab. Wenn die Untersuchung ohne Befund bleibt, ist der Spuk schnell vorüber. Sollte sich Mom weiteren Behandlungen unterziehen müssen, wie beim letzten Mal, sprechen wir wahrscheinlich von mindestens acht Wochen. Ist dir das zu lang?“

Dana seufzte. Jede Minute, die sie mit ihm verbrachte, war zu viel. „Hm, nein, das wird gehen.“

Jared gefiel das unsichere Flackern in ihrem Blick nicht, obwohl es nur seine eigenen Gefühle widerspiegelte. Er schluckte sein Unbehagen hinunter, erhob sich vom Sessel und schob verlegen die Hände in die Hosentaschen. „Also, bist du bereit, weiterhin meine Verlobte zu spielen?“

Dana zögerte, bevor sie antwortete. Sie spielte mit dem Feuer, aber unter den gegebenen Umständen konnte sie ihn nicht abweisen.

„Einverstanden.“

Nun fiel Jared ein Stein vom Herzen. Er ging zu ihr und ergriff ihre Hände, wobei er sie zu sich hochzog.

„Danke, Dana. Jetzt stehe ich in deiner Schuld.“

Diese Vorstellung hatte eine erregende Wirkung auf Dana. Nervös fuhr sie sich mit der Zunge über die trockenen Lippen und bemerkte neckend: „Das gefällt mir. Und ich werde nur um eine Gefälligkeit bitten, die du auch einlösen kannst.“

Das ließ für ihren Geschmack viele Möglichkeiten offen.

Jared starrte wie gebannt auf Danas Mund. Sie standen so nah beieinander, dass er nur den Kopf neigen musste, um sie endlich zu küssen.

„Was machen wir als Erstes?“

Fragend blickte er sie an. Ihm lag auf der Zunge, dass er nichts gegen einen leidenschaftlichen Kuss einzuwenden hätte, aber er besann sich rechtzeitig. „Was?“

Sie lächelte, und er fragte sich, ob sie seine Gedanken erraten hatte, da sein Blick noch wie gebannt an ihren Lippen hing.

„Ist in Kürze ein neues Familientreffen geplant?“

Langsam atmete er aus. Gut, dass sie gefragt hatte. Fast wäre es ihm entfallen. „Richtig. Bis auf Quade sind meine Brüder noch bis Sonntag in der Stadt. Er musste zurück nach Washington und ist bereits heute Morgen abgeflogen. Meine Familie plant eine Grillparty am Samstagabend.“

Dana nickte. Seit der Begegnung mit Jareds Familie wusste sie, dass Quade für den Geheimdienst tätig war. Durango war Wildhüter und in Montana zu Hause. Ian, der in Memphis lebte, war Schiffskapitän und schipperte mit einem luxuriösen Flussdampfer über den Mississippi. Spencer, der in der malerischen und ruhigen Gemeinde von Sausalito im sonnigen Kalifornien wohnte, arbeitete als Finanzberater. Jared und sein jüngster Bruder Reggie waren die Einzigen, die in Atlanta lebten.

„Weiß deine Familie bereits, wie es um deine Mutter steht?“

Jared schüttelte den Kopf. „Nein. Und wie ich Mom kenne, wird sie uns so wenig wie möglich und wenn überhaupt nur das Nötigste erzählen. So will sie uns Kummer ersparen. Aber ich werde ihnen sagen, was ich weiß. In einer Stunde treffen wir uns bei meinem Cousin Chase. Quade rufe ich dann später an.“

„Wirst du ihnen die Wahrheit über uns sagen?“

Jared schüttelte den Kopf. „Nein. Je weniger es wissen, desto besser. Ich möchte nicht das Risiko eingehen, dass sich einer von ihnen verplappert. Außerdem will ich vermeiden, dass meine Mutter den geringsten Verdacht schöpft, dass unsere Verlobung nur vorgetäuscht sein könnte.“

Dana nickte zustimmend. Plötzlich fiel ihr etwas ein. „Der Ring!“

„Was ist damit?“, fragte Jared stirnrunzelnd und schaute auf ihre linke Hand, die sie ihm hinhielt. Es war ihm schon aufgefallen, dass sie ihn nicht trug.

„Ich habe ihn nicht mehr. In meiner Mittagspause habe ich ihn zum Juwelier gebracht. Ich brauchte das Geld, um ein paar Rechnungen zu bezahlen.“

Jared rieb sich nachdenklich den Nacken. Es störte ihn wenig, dass sie Cords Ring nicht mehr trug, aber er war das Symbol ihrer Verlobung. „Wo hast du ihn hingebracht?“

„Zu Garbellas Juwelierladen. Ob sie ihn noch haben?“

Jared schaute auf seine Armbanduhr. Garbella war ein bekanntes Geschäft, das auch von vielen Prominenten besucht wurde. „Selbst wenn, der Laden hat jetzt zu. Ich rufe morgen früh gleich als Erstes dort an. Sollten sie ihn noch haben, kaufe ich ihn zurück.“

„Und wenn nicht?“

„Dann kaufe ich dir einen anderen.“

„Aber deine Familie kennt diesen Ring. Es wird ihnen sicherlich seltsam vorkommen, wenn ich plötzlich ein anderes Modell trage.“

Dieser Einwand erschien Jared plausibel. „Dann werde ich mir einen guten Grund einfallen lassen, warum ich dir einen anderen gekauft habe.“

Er sah erneut auf die Uhr. „Ich muss gehen, wenn ich meine Brüder pünktlich zum Essen treffen will.“

Dana begleitete ihn zum Ausgang, wobei sie es vermied, ihn anzusehen. An der Tür hob sie den Kopf und schaute ihn an. Seine Augen wirkten plötzlich dunkler – so wie gestern, bevor er sie geküsst hatte.

„Ich rufe dich morgen an“, sagte er rau. „Darf ich dich im Büro anrufen?“

„Kein Problem. Warte kurz, ich hole meine Visitenkarte.“

Jared beobachtete, wie sie rasch den Raum bis zum Tisch durchquerte, und unterdrückte ein bewunderndes Pfeifen. Heißes Verlangen durchfuhr ihn, als er seinen Blick anerkennend über ihren Körper wandern ließ. Dana sah in ihrem kurzen Rock ausgesprochen sexy aus. Sie hatte definitiv die richtige Figur für ihn.

„Hier sind meine Kontaktdaten“, sagte sie, als sie wieder vor ihm stand.

Er nahm ihr die Karte aus der Hand und spürte ein Zittern, als ihre Hände sich berührten. „Danke.“

Sie räusperte sich, als er keine Anstalten machte zu gehen. „Ist noch was, Jared?“

Ihre Frage brachte es auf den Punkt. „Wir sollten unsere Vereinbarung besiegeln und ich halte diese Art für angemessener als einen Handschlag.“

Unvermittelt beugte er sich zu ihr hinab und küsste sie. Sie seufzte genießerisch und er spürte, wie ihre Brustwarzen an seiner Brust hart wurden. Das törnte ihn so an, dass er den Kuss noch vertiefte.

Er geriet in einen gefährlichen Sog von Empfindungen, die er nicht mehr kontrollieren konnte und die ihn nicht mehr klar denken ließen. Er konnte seine Hände nicht bei sich behalten und strich verlangend über ihre Hüften. Mit den Fingern zeichnete er die Konturen des Tops nach, das ihn bereits seit seiner Ankunft wahnsinnig machte. Die Frau war die pure Versuchung, sie war überwältigend.

Nur langsam löste er sich von ihr und bezwang mit schier unmenschlicher Willenskraft seine Lust und sein Verlangen. Dana Rollins zu verführen, war nicht Teil seines Vorschlags, aber….

„War das klug?“, murmelte sie, die Lippen noch feucht und gerötet von seinem Kuss.

„Ganz ehrlich? Ja! Das war das Beste, was ich heute gemacht habe“, antwortete er lächelnd.

Jared schaute sich in Chases Restaurant um, während er an seinem Getränk nippte. Das Treffen mit seinen Brüdern war gut gelaufen. Alle waren sich einig gewesen, dass sie ihre Mutter dieses Mal nicht so bedrängen wollten. Auch hielten sie das Timing von Jareds Verlobung für perfekt, obwohl sie sichtlich froh darüber waren, dass es um ihn ging und nicht um sie.

„Geht es dir gut?“

Er hob den Blick und schaute in die dunklen Augen seines Cousins Dare. Er und Dare waren altersmäßig nur wenige Monate auseinander und immer eng befreundet gewesen.

„In Anbetracht der Umstände geht es mir gut.“

Dare nahm ihm gegenüber Platz. „Durango hat mir und Chase erzählt, was mit Tante Sarah los ist. Wir sind alle für euch da, wenn ihr uns braucht, aber ich bin ziemlich optimistisch, dass alles gut ausgeht.“

Jared fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Das hoffe ich sehr. Ich weiß noch nicht einmal, wie Moms Termin heute ge­laufen ist. Ich war vorhin kurz bei ihr, aber jede Frage war zwecklos. Sie wollte über nichts anderes reden als die Verlobung.“

Dare lachte. „Du musst schon zugeben, das hat der Familie etwas zum Tratschen gegeben. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet du heiraten würdest?“

Jared runzelte die Stirn. „Es ist nur eine Verlobung, Dare.“

Dare nickte. „Stimmt, aber falls du es nicht weißt: Die meisten Verlobungen enden mit einer Hochzeit. Du wirst Dana heiraten.“

Jared nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas, als er Dares kritischem Blick begegnete. Als erfolgreicher Anwalt hatte er eines gelernt. Er wusste, wer schweigen konnte und wer nicht.

„Diese Verlobung ist nicht echt.“

Dare richtete sich in seinem Stuhl auf. „Wie bitte?“

Jared erzählte seinem Cousin die ganze Geschichte, angefangen bei seiner ersten Begegnung mit Dana.

„Verdammt, eine vorgetäuschte Verlobung. Du erinnerst dich noch, was passierte, als Shelly und ich so taten, als ob wir verlobt wären. Es wurde eine ernste Sache daraus.“

Jared starrte Dare an. „Das wird mir nicht passieren. Du weißt doch, wie ich über die Ehe denke.“

Dare lachte leise. „Na klar, und du kennst auch meine Einstellung. Aber inzwischen kann ich mir ein Leben ohne Shelly nicht mehr vorstellen.“

„Ihr zwei hattet eine gemeinsame Geschichte. Und dann habt ihr auch noch AJ.“

Dare hatte von ihrem Sohn nichts gewusst, bis Shelly nach zehn Jahren in ihre Heimatstadt zurückgekehrt war.

„Nichtsdestotrotz haben Shelly und ich uns erst neu kennenlernen und herausfinden müssen, was wir wollten. Erst dann haben wir erkannt, dass wir uns immer noch lieben.“

Jared schnaubte verächtlich. „Im Job erlebe ich die Ehe ständig von ihrer hässlichsten Seite. Zwei Menschen, die sich ewige Liebe geschworen haben, bis dass der Tod sie scheidet, stehen sich vor Gericht hasserfüllt gegenüber und wollen den anderen bis aufs letzte Hemd ausnehmen.“

Er lachte bitter, bevor er fortfuhr. „Morgen vertrete ich einen Mann vor Gericht, der sich mit seiner zukünftigen Exfrau über die Vormundschaft für den Hund streitet.“

Traurig schüttelte Dare den Kopf. „Jared, lass dich von deinen Job nicht negativ beeinflussen.“

Jared seufzte tief. „Das ist schon passiert, Dare. Die Sache mit Dana mache ich nur Mom zuliebe. Meine Einstellung zur Ehe ändert sich dadurch absolut nicht.“

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