Logo weiterlesen.de
COLLECTION BACCARA BAND 328

ANN MAJOR

Vom Feind verführt

Quinn will die Firma seines Rivalen übernehmen. Und seine Heirat mit dessen jüngster Tochter soll den Deal besiegeln. Aber als Kira ihn bittet, die Scheinehe mit ihrer kleinen Schwester abzusagen, trifft es ihn wie ein Blitz: Er begehrt Kira, sonst keine! Nach einer heißen Liebesnacht will er um ihre Hand anhalten. Doch sie ist verschwunden …

LEANNE BANKS

Zwischen Freundschaft und Verlangen

Brock hat zwar schon viel über Callie gehört, doch als er die Witwe seines Freundes aufsucht, ist klar: Diese Traumfrau übertrifft alle Vorstellungen. Tag für Tag zieht es ihn in ihr Haus am Meer, und bald muss der Womanizer sich eingestehen, wie sehr er Callie will. In seinem Bett – und in seinem Leben. Nur sein Pflichtgefühl verbietet ihm, sie zu verführen …

KARA LENNOX

Heiße Küsse, streng geheim!

Heftiges Verlangen überkommt Bryan Elliott, als Lucy nachts leicht bekleidet durch sein Apartment irrt. Längst schon hätte er sie verführt, stünde sie nicht unter seinem Schutz als Geheimagent. Aber darf man von einem Mann mit dem Decknamen „Casanova“ wirklich verlangen, einer so süßen Kronzeugin noch eine weitere Nacht zu widerstehen?

IMAGE

Vom Feind verführt

1. KAPITEL

Gute Taten bestraft der liebe Gott sofort.

Kira fragte sich, wann sie das endlich kapieren würde.

Bei ihrem Glück vermutlich nie.

Sie saß im Büro des Ölmilliardärs Quinn Sullivan und war viel zu nervös, um sich auf die Zeitschrift in ihren Händen zu konzentrieren. Wahrscheinlich hatte er sowieso keine Zeit für sie, schließlich gehörte sie zu der Familie, die er aus reiner Rachsucht vernichten wollte.

Dieser furchtbare, arrogante Mann.

Falls er ihr aber doch eine Audienz gewährte – wie in aller Welt sollte sie ihn nur von seinem Vorhaben abbringen, das Familienunternehmen Murray Oil zu zerstören und ihre Schwester Jaycee zu einer Heirat zu zwingen?

Kira ballte die Hände zu Fäusten, öffnete sie wieder und setzte sich dann darauf. Hohe Absätze klackten über den Marmorboden, und sie blickte erschrocken auf.

„Miss Murray, es tut mir so leid“, sagte die Sekretärin. „Ich hatte mich geirrt. Mr Sullivan ist doch noch im Haus. Er erwartet sie.“

„Im Ernst?“, krächzte Kira. Jetzt gleich?

Die Sekretärin schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. Kiras Mund wurde trocken. Sie begann sogar, etwas zu zittern, und sprang so hastig auf, dass die Zeitschrift auf den Boden fiel.

Insgeheim hatte sie gehofft, dass Quinn sich einfach weigern würde, sie zu empfangen. Ziemlich kindisch, wenn man bedachte, dass sie nur gekommen war, um ihm gehörig die Meinung zu sagen.

Einmal war sie ihm bereits über den Weg gelaufen – kurz nachdem er seine Absicht geäußert hatte, eine Murray-Tochter zu heiraten, um die Übernahme von Murray Oil weniger feindlich aussehen zu lassen. Ihr Vater hatte ihm daraufhin Jaycee ans Herz gelegt, vermutlich weil sie die Fügsamere seiner Töchter war. Und tatsächlich hatte Jaycee wie immer dem Wunsch ihres Vaters entsprochen. Kurz darauf war Quinn zum Dinner auf der Ranch eingeladen worden, um das Geschäft zu besiegeln.

Er kam zu spät. Ein so wohlhabender und arroganter Mann wie er lebte eben nach seinem eigenen Zeitplan.

Kira selbst war pünktlich erschienen, allerdings nicht passend gekleidet – was ihr einen unfreundlichen Kommentar von ihrer Mutter einbrachte.

„Jeans und ein zerrissenes Hemd? Das scheint mir kaum angebracht für ein Essen mit dem Mann, der so wichtig ist für das Wohl unserer Familie.“

Doch Kira hatte einfach keine Zeit mehr gehabt, sich umzuziehen. In dem Restaurant ihrer besten Freundin, in dem sie arbeitete, bis sie wieder eine Stelle als Kuratorin fand, war die Hölle los gewesen. Da Kiras Erklärungen bei ihrer Mutter aber ohnehin immer auf taube Ohren stießen, hatte sie beschlossen, die Jagdhunde ihres Vaters spazieren zu führen.

Die Tiere liefen nach draußen. Von der gerade untergehenden Sonne geblendet, sah sie nicht, wie der silberne Aston Martin um die Kurve schoss. Der Fahrer bremste scharf und verfehlte sie nur um wenige Zentimeter. Kira, die über die Hunde stolperte, landete in einer Pfütze.

Wild kläffend stürmten die Tiere zurück ins Haus und ließen sie mit Quinn allein. Sie rappelte sich hoch. Kaltes, schmutziges Wasser tropfte von ihrem Kinn.

Quinn stieg aus seinem teuren Wagen, kam in seinen edlen italienischen Slippern verärgert auf sie zu und betrachtete sie von Kopf bis Fuß. Dann zog er sie ungeachtet ihres verschmierten Gesichts, ihrer klappernden Zähne und der schmutzigen Kleider fest an sich.

„Sind Sie in Ordnung?“

Er war groß und hatte blaue Augen, deren Blick sie zu verbrennen schien. Seine Hände umklammerten ihre Oberarme wie Schraubstöcke. Trotz seiner offensichtlichen Verärgerung fühlte sie sich in seinen Armen wohl – viel zu wohl.

„Verdammt, ich habe Sie doch nicht angefahren, oder? Sagen Sie doch was!“

„Wie denn, wenn Sie mich so anschreien?“

Er lockerte den Griff etwas. „Dann geht es Ihnen also gut?“

Er trug ausgeblichene Jeans und ein weißes Hemd mit aufgerollten Ärmeln. Über einen Arm hatte er ein Kaschmir-Jackett gelegt.

Sie bemerkte sein rabenschwarzes Haar und die hohen Wangenknochen. Ihn umgab eine gefährliche Sinnlichkeit, die sie angenehm erschauern ließ.

Kira atmete stoßweise. Der Schreck über ihren Sturz saß ihr immer noch in den Gliedern. Und die Tatsache, dass der Feind so ein attraktiver Mann war, machte sie auch nicht gerade ruhiger.

„Ich fragte, ob Sie in Ordnung sind!“

„Das war ich, bis Sie mich gepackt haben.“ Ihre Stimme zitterte seltsam. „Sie tun mir weh!“ Das war gelogen, damit er sie endlich losließ.

Argwöhnisch kniff er die Augen zusammen. „Tut mir leid“, sagte er jetzt wieder mit barscher Stimme. „Wer zum Teufel sind Sie überhaupt?“

„Niemand Wichtiges“, murmelte sie.

Er hob die dunklen Augenbrauen. „Moment … ich habe Ihr Foto schon einmal gesehen … Sie sind die ältere Schwester. Die Kellnerin.“

„Nur vorübergehend … bis ich wieder eine Stelle als Kuratorin bekomme.“

„Stimmt ja. Sie wurden gefeuert.“

„Sie haben also Vaters Version gehört. Die Wahrheit ist, dass der Museumsdirektor meine professionelle Meinung grundsätzlich nicht so wichtig fand, wie ich es mir gewünscht hätte, aber entlassen wurde ich wegen finanzieller Einsparungen.“

„Ihre Schwester spricht immer in höchsten Tönen von Ihnen.“

„Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie die Einzige in unserer Familie ist, die das tut.“

Er legte sein Jackett um ihre Schultern. „Ich wollte Sie kennenlernen.“ Als sie zu ihm aufsah, fuhr er fort: „Sie zittern. Das Wenigste, was ich tun kann, ist, Ihnen meine Jacke anzubieten und Sie zum Haus zurückzufahren.“

Ihr Herz schlug viel zu schnell. Auf keinen Fall durfte sie auch nur eine weitere Sekunde in der Nähe dieses faszinierenden Mannes verbringen. Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin voller Matsch.“

„Glauben Sie, das macht mir etwas aus? Ich hätte Sie beinahe überfahren.“

„Haben Sie aber nicht. Also vergessen wir’s einfach.“

„Auf keinen Fall. Und jetzt ziehen Sie schon meine Jacke an, bevor Sie sich noch den Tod holen.“

Sie zog sein Jackett fest um ihre Schultern und machte auf dem Absatz kehrt. Es ist überhaupt nichts passiert, sagte sie sich immer wieder, als sie hastig durch den Wald zurück zum Haus lief.

Dort angekommen stellte sie überrascht fest, dass er vor der Tür auf sie wartete, die kläffenden Hunde an der Leine. Erneut schob sie ihre schmutzige Kleidung als Entschuldigung vor, um nach Hause zu gehen und das Abendessen ausfallen zu lassen. Das Abendessen, bei dem ihr Vater offiziell die Verlobung von Quinn und ihrer Schwester bekannt geben wollte.

Ja, Quinn Sullivan wollte sich an den Menschen rächen, die sie am meisten auf der Welt liebte, aber das war nicht der Grund, warum sie auf keinen Fall mit ihm an einem Tisch sitzen konnte. Wie hätte sie das Essen durchstehen sollen, wenn ein einziger Blick von ihm reichte, um ihren ganzen Körper zum Beben zu bringen?

Sie hob die Zeitschrift auf, die zu Boden gefallen war, legte sie sorgfältig auf den Tisch – und atmete tief durch. Was ihre Nerven leider auch nicht beruhigte.

Im Gegenteil. Ihr Herz begann wild zu hämmern, als Quinn Sullivans Sekretärin sich umwandte und „Folgen Sie mir“ sagte.

Kira schluckte schwer. Sie hatte überhaupt keine Ahnung, wie sie einem so mächtigen und gefährlich aufregenden Mann gegenübertreten sollte.

Sie musste sich beeilen, um hinter der schlanken, blonden Sekretärin nicht zurückzubleiben, deren alberne zehn Zentimeter hohe Pfennigabsätze laut auf dem polierten Marmorboden klackten. Zwang er dieses arme Mädchen dazu, so geschmacklose, verstümmelnde Schuhe zu tragen?

Nach ihrem ersten Zusammentreffen hatte sie sich über ihn informiert. Er schien zu glauben, dass Kiras Vater kräftig profitiert hatte, als sein eigener Vater aus der gemeinsamen Firma ausgestiegen war. Und nicht nur das: Er schob ihrem Vater auch die Schuld am Selbstmord seines Vaters in die Schuhe – falls es überhaupt ein Selbstmord gewesen war.

Quinn hatte nach dem Tod seines Vaters in Armut gelebt und alles daran gesetzt, reich und erfolgreich zu werden. Immer stand er im Rampenlicht, niemals besuchte er eine Party ohne eine umwerfende Frau am Arm.

Durch ihre Recherchen war sie zu der Überzeugung gelangt, dass es in Quinns Schlafzimmer eine Art Drehtür geben musste. Offenbar reichten ihm ein paar Nächte mit ein und derselben Frau völlig aus. Gerade wenn eine seiner Geliebten das Gefühl bekommen konnte, ihm etwas zu bedeuten, ließ er sie fallen, um sich mit einer anderen Blondine zu treffen, die noch schöner war als ihre Vorgängerin.

Soweit Kira wusste, ging es in seinem Leben nur darum, zu gewinnen, und nicht etwa um tiefere Gefühle. Er besaß Häuser, Autos, Jachten, Kunstwerke – und blonde Schönheiten. Somit brauchte sich niemand Illusionen darüber zu machen, wie die Ehe mit Jaycee laufen würde. Er hatte sicher nicht vor, den treu sorgenden Ehemann für Kiras zauberhafte blonde Schwester zu geben.

Selbstverständlich hatte Kira zuerst ihren Vater angefleht, ihre kleine Schwester nicht für seine beruflichen Zwecke zu benutzen, doch der war unerbittlich geblieben. Sie kannte die Einzelheiten der Übernahme von Murray Oil nicht, aber ihr Vater war der Ansicht, dass Quinn einen brillanten Vorstandsvorsitzenden abgeben würde. Und dass er, wenn Jaycee ihn nicht heiratete, weitaus unzumutbarere Forderungen stellen würde. Ganz abgesehen davon, dass die Mitarbeiter einen Außenstehenden ablehnen würden. Auch wenn Quinns Vater früher Mitinhaber der Firma gewesen war, wussten sie, dass sein Sohn einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Familie Murray und Murray Oil führte. Seine Abneigung gegen alles, was mit den Murrays zu tun hatte, war in den Medien jahrelang breitgetreten worden. Nur wenn er Jaycee heiratete, würden die Mitarbeiter glauben, dass zwischen den beiden Familien endlich Frieden herrschte und für das Unternehmen keine Gefahr mehr bestand.

Kira war wild entschlossen, die Hochzeit zu verhindern. Doch wie sollte sie das anstellen? Sie blieb stehen, obwohl die Sekretärin weitereilte, aber es gab kein Zurück mehr.

Hastig holte sie die junge Frau ein, die sich wahrscheinlich nur deshalb so schnell bewegte, weil sie genauso große Angst vor diesem gefühllosen Kerl hatte wie Kira.

Als die Sekretärin die Bürotür öffnete, drang Quinns für einen Mann überraschend schöne Stimme an Kiras Ohr. Ihre Knie wurden weich, und sie blieb wie angewurzelt stehen.

Oh nein, jetzt passierte das schon wieder.

Sein dunkles Timbre verursachte ein Kribbeln in ihrem Bauch und an ihren verborgensten weiblichen Stellen.

Sie atmete tief durch, bevor sie den Blick hob. Quinn wirkte sehr entspannt, wie er auf seinem Stuhl saß, die Beine weit von sich gestreckt. Er hatte ihr den Rücken zugekehrt und telefonierte.

Sie durfte sich keinesfalls in diesen Mann verlieben.

Auf seinem Tisch stand ein silbergerahmtes Foto seines Vaters. Die gleichen tiefblauen Augen, das schwarze Haar und die kantigen Gesichtszüge wie bei seinem Sohn. Hatte Quinn dieses Foto aus Liebe aufgestellt oder um sich immer wieder seiner Rachepläne zu vergegenwärtigen?

„Ich sagte Ihnen doch, dass Sie kaufen sollen, Habib“, bekräftigte er. „Wozu noch reden? Tun Sie’s einfach.“ Er legte auf.

Zumindest war er genauso unfreundlich, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Trotz seiner schönen Baritonstimme würde es ihr nicht schwerfallen, ihn zu hassen.

Seine Sekretärin hustete leise, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.

Quinn wirbelte in seinem großen schwarzen Lederstuhl herum und erstarrte, als er Kira erblickte. Dann entließ er seine Sekretärin mit einem knappen Nicken.

Sein stählerner Blick traf Kira mit voller Wucht. Ihr wurde schrecklich heiß, genau wie beim letzten Mal.

Als er sie anlächelte, schien ihre Welt ins Wanken zu geraten. Dabei hatte er sie nicht einmal berührt. Er war atemberaubend attraktiv. Dunkel, groß, schlank und durchtrainiert, zynisch und wild – selbst in diesem ordentlichen Büro mit der tüchtigen Sekretärin im Vorzimmer.

Kurz hatte Kira das Gefühl, dass er sich freute, sie zu sehen. Fühlte er sich zu ihr vielleicht genauso hingezogen wie sie sich zu ihm?

Unmöglich.

Im Bruchteil einer Sekunde erlosch das Leuchten in seinen Augen, und sein Gesicht verhärtete sich wieder. Er musterte sie mit gerunzelter Stirn. „Ich schulde Ihnen noch eine Entschuldigung dafür, dass ich Sie bei unserer ersten Begegnung so angeschrien habe“, sagte er gedehnt. „Ich war nervös wegen der Übernahme von Murray Oil und der Verlobung. Ich wollte einen guten Eindruck auf Sie und Ihre Familie machen. Nur ein paar Zentimeter, und ich hätte Sie überfahren. Ich war wirklich erschrocken, deswegen habe ich so verärgert reagiert.“

„Sie schulden mir gar nichts“, entgegnete Kira kühl.

„Jedenfalls kann ich es Ihnen nicht verdenken, dass Sie mir in den letzten Wochen aus dem Weg gegangen sind.“

„Ich bin Ihnen nicht aus dem Weg gegangen“, murmelte sie und dachte an all die Familienmahlzeiten, die sie hatte ausfallen lassen, nur um ihm nicht zu begegnen. „Ich hatte zu tun.“

„Als Kellnerin?“

„Richtig! Ich helfe bei meiner besten Freundin Betty aus, während ich mich bei verschiedenen Museen bewerbe. Ein Restaurant auf dem San Antonio River Walk war schon immer ihr größter Traum. Ich habe in den Semesterferien häufig als Bedienung gearbeitet und verfüge somit über einige Erfahrung.“

Er lächelte. „Finde ich gut, dass Sie Ihrer Freundin helfen, ihren Traum zu verwirklichen, während Ihre eigene Karriere so ins Stocken geraten ist. Das ist sehr nett.“

„Wir sind zusammen aufgewachsen. Betty ist die Tochter unserer Haushälterin. Meine Mutter hat immer gehofft, dass ich irgendwann aus dieser Freundschaft herauswachse.“

„Es gefällt mir, wie großzügig und loyal Sie sind.“ Er zögerte kurz. „Die Fotos werden Ihnen nicht gerecht. Und meine Erinnerung an Sie auch nicht.“

Er musterte sie aus seinen blauen Augen so anerkennend, dass ihre Wangen sich plötzlich ganz heiß anfühlten. „Vielleicht weil ich beim letzten Mal mit Matsch bedeckt war.“

„Trotzdem kommt es mir merkwürdig vor, dass eine Museumskuratorin als Kellnerin arbeitet, wenn auch nur vorübergehend. Sie haben Kunstgeschichte in Princeton studiert und, soweit ich weiß, mit Auszeichnung abgeschlossen.“

„Hat Daddy Ihnen meine ganze Lebensgeschichte erzählt?“

„Falls er über Sie gesprochen hat, dann nur, weil ich neugierig war und ihn gefragt habe.“

Nicht gut. Sie konnte sich vorstellen, dass ihre Eltern sich bei den Mahlzeiten enttäuscht darüber geäußert hatten, wie es nach der Universität mit ihr weitergegangen war.

„Ich bin sehr gut in meinem Job. Und ich werde einen anderen finden. Ich wüsste nicht, warum ich meiner besten Freundin so lange nicht aushelfen sollte. Leider ist mein Vater anderer Ansicht. Aber wir sind selten einer Meinung.“

„Es ist Ihr Leben, nicht seins.“

Während des Gesprächs bemerkte sie, dass er einen eleganten grauen Anzug trug, der seinen muskulösen, schlanken Körper perfekt umhüllte. Sie wünschte sich auf einmal, etwas Hübscheres angezogen zu haben, riss sich dann aber zusammen. Warum wollte sie für einen Mann gut aussehen, den sie eigentlich hassen sollte? Zumal sie sich auch sonst keine Gedanken über ihr Aussehen machte?

Am Morgen hatte sie ihr langes dunkles Haar zu einem schlichten Pferdeschwanz gebunden, trug enge Jeans, ein weites Hemd und einen langen roten Schal.

Interessiert ließ er seinen Blick über sie wandern. Als er endlich wieder in ihr Gesicht sah und lächelte, biss sie sich auf die Unterlippe, um sein Lächeln nicht aus Versehen zu erwidern.

Er stand auf, und mit einem Mal fühlte sie sich so weiblich und anziehend wie noch nie in ihrem Leben. Er kam auf sie zu, nahm ihre Hand und schüttelte sie sanft.

„Ich bin sehr froh, dass Sie mir noch eine zweite Chance geben.“

Warum fühlten sich seine Finger so warm an, warum seine Berührung und sein Blick so herrlich vertraut? Als sie ihre Hand zurückriss, blitzte in seinen Augen ein Schmerz auf, den sie nicht sehen wollte.

„Deswegen bin ich nicht hier.“

„Aber Sie sind mir wirklich aus dem Weg gegangen, oder nicht?“

„Bin ich“, gestand sie und bereute es umgehend.

Als er fragte, ob sie einen Kaffee oder ein Wasser trinken wolle, lehnte sie dankend ab und sah durch das Fenster, wie die Sonne langsam hinter der Skyline von San Antonio unterging. Sie durfte ihm keinesfalls öfter als nötig in die Augen sehen, denn sie fühlte sich von Minute zu Minute stärker zu ihm hingezogen. Bestimmt würde er das merken und irgendwie gegen sie verwenden.

Mühsam rief sie sich in Erinnerung, dass sie ihn nicht leiden konnte. Warum fühlte sie sich dann so erhitzt und atemlos, als ob nicht genug Sauerstoff im Raum wäre?

Das nennt man sexuelle Anziehungskraft. Reine Chemie. Vollkommen irrational.

Höflich schob er ihr einen Stuhl hin. Dann setzte er sich wieder auf seinen eigenen, schlug die langen Beine übereinander und starrte sie an. In dem eleganten Büro war es mit einem Mal unheimlich still. Sie hatte das Gefühl, in der Falle zu sitzen.

„Nun, welchem Umstand verdanke ich das Vergnügen Ihres Besuchs heute Nachmittag … oder sollte ich Abend sagen?“

Sofort bekam sie ein schlechtes Gewissen. Warum war sie nur zu solch einer späten Uhrzeit gekommen?

Draußen wurde es bereits dunkel, sein Gesicht – halb im Schatten – wirkte hart und kantig und verschärfte nur noch das Gefühl, mit ihm allein in diesem Zimmer in großer Gefahr zu schweben.

Obwohl sie am liebsten vor ihm geflohen wäre, war sie wild entschlossen, zu tun, was nun einmal zu tun war.

„Ich möchte nicht, dass Sie Jaycee heiraten“, platzte sie heraus.

Er legte seine Fingerspitzen aneinander und beugte sich über den Tisch. „Nein? Wie seltsam.“

„Ist es nicht. Sie dürfen sie nicht heiraten. Sie lieben sie nicht. Sie beide sind viel zu unterschiedlich, um einander zu lieben wie … Mann und Frau.“

Sein intensiver Blick schien sie zu durchbohren, ihr den Atem zu rauben. Und wieder fühlte sie sich ihm durch eine dunkle, verbotene, primitive Macht verbunden.

Ihr Herz begann, wild zu hämmern. Die meisten Männer fanden ihren langen, dünnen Körper nicht besonders anziehend, und sie war überzeugt, nichts Besonderes an sich zu haben. War es möglich, dass er sie trotzdem genauso begehrte wie sie ihn?

„Sie lieben sie nicht“, sagte sie mit zitternder Stimme.

„Lieben? Nein. Ich liebe sie nicht. Wie könnte ich? Ich kenne sie ja kaum.“

„Na also!“

„Ihr Vater hat sie mir vorgeschlagen, und sie hat zugestimmt.“

„Weil sie immer tut, was er ihr sagt.“

„Sie hingegen wären wohl nicht so einfach bereit gewesen, mich zu heiraten.“ Er hielt kurz inne. „Liebe bedeutet mir nichts. Doch frage ich mich jetzt, ob ich die richtige Braut gewählt habe. Ich möchte Sie besser kennenlernen.“

Sie dachte an die Drehtür in seinem Schlafzimmer und die endlose Parade üppiger Blondinen, die durch sie hindurchging. War er wirklich so niederträchtig, dass es ihm nichts ausmachte, die Schwester seiner künftigen Frau zu verführen und ihr dann ebenfalls den Laufpass zu geben?

„Es ist kein Geheimnis, was Sie von meinem Vater halten“, sagte sie leise mit wachsendem Argwohn. „Warum wollen Sie dann seine Tochter heiraten?“

„Aus rein geschäftlichen Gründen. In den Medien geistern diese ganzen Gerüchte herum, dass ich Murray Oil zerstören will, weil es einmal meinem Vater gehört hat.“

„Klingt logisch.“

„Ist es aber nicht. Ich würde niemals so viel Geld für ein Unternehmen zahlen, nur um es zu vernichten.“

„Aber Sie glauben, dass mein Vater den Ruf Ihres Vaters erst ruiniert und ihm dann seine Anteile abgekauft hat. Und deswegen haben Sie es darauf angelegt, alles, was er sich aufgebaut hat, zu zerstören. Alles, was er liebt, Jaycee eingeschlossen.“

Er fühlte Ärger in sich aufsteigen und erwiderte kalt: „Mein Vater hat Murray Oil aufgebaut, nicht Ihrer. Allerdings hieß die Firma damals Sullivan and Murray Oil. Ihr Vater hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt, als meiner am Boden lag. Er hat ihm seine Anteile für fünf Cent pro Dollar abgekauft.“

„Mein Vater hat daraus erst das Unternehmen gemacht, das es heute ist.“

„Nun, jetzt trete ich an seine Stelle und werde der Firma zu noch größerem Erfolg verhelfen. Die Hochzeit mit einer Murray-Tochter wird die vielen Angestellten davon überzeugen, dass kein rachsüchtiger Fiesling, sondern ein Familienmitglied das Ruder übernimmt.“

„Das wären gleich zwei Lügen. Sie sind ein Fiesling, und Sie sind kein Familienmitglied.“

„Noch nicht. Aber in wenigen Wochen werde ich Jaycee heiraten und dann werden wir … eine Familie sein.“

„Niemals. Nur über meine Leiche!“, stieß sie erbost hervor.

„Ich hasse die Vorstellung, dass Ihrem wunderschönen Körper etwas zustoßen könnte.“ Er zögerte. „Okay. Sagen wir mal, ich nehme Sie beim Wort. Sie sind hier, um Ihre Schwester vor mir zu retten. Sie würden lieber sterben, als zuzulassen, dass sie mich heiratet. So weit richtig?“

„So weit ja.“

„Was würden Sie noch tun, um mich aufzuhalten? Bestimmt fällt Ihnen etwas weniger Drastisches, aber dafür viel Angenehmeres ein, das Sie opfern könnten, damit ich es mir anders überlege.“

„Ich … ich weiß nicht, was Sie meinen.“

„Nun, angenommen, ich verzichte auf die Hochzeit mit Ihrer süßen Schwester, die Ihrer Ansicht nach so wenig zu mir passt – was bekomme ich dafür?“

„Müssen Sie denn immer etwas bekommen?“

Er lächelte. „Immer. Ganz eindeutig. Die Hochzeit mit Ihrer Schwester ist eine geschäftliche Angelegenheit. Und als Geschäftsmann erwarte ich eine Entschädigung, wenn der Deal platzt.“ Mit seinen blauen Augen fixierte er sie, bis ihr Puls wie verrückt hämmerte.

„Wie wäre es … ähm … mit dem befriedigenden Gefühl, einmal im Leben etwas Gutes getan zu haben?“

Er lachte. „Das ist eine wirklich erfrischende Idee von einer sehr charmanten Frau. Aber wie den meisten Menschen ist es mir vor allem wichtig, mich zu vergnügen.“

„Nun, ich besitze kein Geld.“

„Ich will Ihr Geld nicht.“

„Was wollen Sie dann?“

„Ich denke, das wissen Sie“, sagte er in sanftem Ton. „Sie. Sie interessieren mich. Ich glaube, wir könnten einander jede Menge Freude bereiten … unter den richtigen Umständen.“

Das Feuer, das sie in seinen Augen sah, jagte ihr einen Schauer durch den ganzen Körper. Sie hatte das Risiko, diesen Mann noch einmal zu treffen, wirklich unterschätzt.

„Um genau zu sein, bin ich überzeugt, dass wir beide vom ersten Moment an wussten, was wir wollen“, sagte er.

Er wollte sie.

Obwohl er Jaycee versprochen war, zögerte er keine Sekunde, sich an deren dünnere, weniger hübsche und ältere Schwester heranzumachen. Vielleicht versüßte es ihm ja die Rache, wenn er mit der Schwester seiner Braut ins Bett stieg. Oder vielleicht war er einfach nur ein Mann, der hinter jeder Frau her war, auf die er gerade Lust hatte.

„Ich habe Hunger“, fuhr er fort. „Warum unterhalten wir uns nicht beim Abendessen weiter?“

„Nein. Auf keinen Fall. Nach allem, was Sie gesagt haben, weiß ich, was für ein Mensch Sie sind.“

„Machen Sie Witze? Sie hatten Ihr Urteil doch schon gefällt, bevor Sie hier aufgetaucht sind. Selbst wenn ich den Heiligen gespielt hätte, wäre ich in Ihren Augen immer noch der Teufel. Und trotzdem fühlen Sie sich zu mir hingezogen. Geben Sie es zu.“

Überwältigt von seiner Dreistigkeit zischte sie: „Das ist nicht wahr.“

Aber warum musste sie dann die ganze Zeit wie hypnotisiert dieses wunderschöne Grübchen in seinem Kinn anstarren?

„Haben Sie einen Freund? Oder bereits eine Verabredung für heute Abend, die Sie erst absagen müssen?“

„Nein“, gestand sie.

„Gut.“ Er lächelte sie erfreut an. „Dann ist ja alles klar.“

„Was?“

„Sie und ich gehen essen.“

„Nein!“

„Wovor haben Sie Angst?“, fragte er mit einer tiefen, samtigen Stimme, die keinen Zweifel daran ließ, dass er mehr im Sinn hatte als ein gemeinsames Abendessen. Und am liebsten hätte sie sich auf ihn gestürzt wie die Motte auf das Licht, trotz ihrer Schwester und obwohl sie wusste, dass Quinn ihre Familie zerstören wollte. Entschieden schüttelte sie den Kopf.

„Sie sind hergekommen, um mir diese Hochzeit auszureden. Und ich habe Ihnen zugehört.“

„Aber?“

Er grinste unverschämt. „Wenn Sie Ihre Schwester vor dem großen bösen Wolf retten wollen – nun, hier ist die Gelegenheit.“

2. KAPITEL

„Können wir in ein Restaurant gehen, das von Ihrem Büro aus zu Fuß zu erreichen ist?“

„Sie haben doch nicht etwa Angst davor, mit mir allein in einem Auto zu sitzen?“

„Nein, es ist einfach praktischer, irgendwo in der Nähe zu essen. Außerdem sind Sie ein beschäftigter Mann.“

„Nicht zu beschäftigt für die wichtigen Dinge im Leben.“

Er schlug vor, am Fluss entlangzugehen, dessen dunkles Wasser im Licht der Bars und Restaurants glitzerte.

Kurz darauf stieß er die Tür eines der besten mexikanischen Restaurants in ganz San Antonio auf, als ein Mann und eine Frau hintereinander hinausstürzten. „Entschuldigung, Miss“, murmelte der Mann.

Quinn legte schützend einen Arm um Kiras Hüfte und zog sie fest an sich, um das andere Paar vorbeizulassen. Sie atmete seinen männlichen Geruch ein. Hitze jagte durch ihren Körper. Lächelnd zog er sie noch enger an sich. „Sie fühlen sich einfach zu gut an“, murmelte er.

Natürlich hätte sie weglaufen sollen, aber der Märzabend war kühl, und spontan drückte sie sich an seinen warmen, starken Körper. Der rote Schal um ihren Hals zog sich wie zur Warnung leicht zusammen, sie zerrte ihn herunter und rang nach Luft.

Er lachte. „Nicht nur Sie sind von der Heftigkeit unserer Gefühle überrascht. Ich halte Sie genauso gern im Arm, wie Sie von mir umarmt werden wollen. Um genau zu sein, ist das alles, was ich will … Sie festhalten. Macht mich das zu einem schlechten Menschen?“

„Hören Sie schon auf! Warum habe ich mich bloß zu diesem Essen überreden lassen?“

„Weil es das einzig Richtige war und ich darauf bestanden habe. Wir können uns auch etwas zum Mitnehmen bestellen und in mein Loft gehen, das übrigens ganz in der Nähe liegt. Sie sind Kuratorin. Ich bin Kunstsammler. Ich besitze einige Stücke, die Sie interessieren könnten.“

„Darauf würde ich wetten! Keine gute Idee.“

Wieder lachte er.

Auch in dem überfüllten, hell erleuchteten Restaurant fühlte sie sich kein bisschen sicherer.

Ich bestelle einen Taco und ein Glas Wasser. Wir sprechen über Jaycee, und ich verschwinde wieder. Was soll schon schiefgehen, solange ich diese Gefühle für ihn einfach im Keim ersticke?

Als der Ober sagte, dass sie eine halbe Stunde warten müssten, schien Quinn sich nicht daran zu stören. Im Gegenteil. „Wir warten an der Bar“, erklärte er lächelnd.

Dann schob er sie in einen großen Raum mit einer holzverkleideten Bar, die von der barocken Eleganz der Hotels aus dem 19. Jahrhundert inspiriert war.

Eine junge rothaarige Bedienung zählte die verschiedenen Tequila-Sorten auf. Quinn bestellte zwei Margaritas, die mit einem teuren Tequila zubereitet werden sollten, für den er angeblich eine Schwäche hatte.

„Ich möchte lieber ein Mineralwasser“, sagte sie.

„Wie Sie wünschen.“ Quinn orderte für sie ein Glas Wasser, ohne die zweite Margarita abzubestellen.

Als die Drinks serviert wurden, hob er sein Glas an die Lippen und leckte den salzigen Rand ab. Sie beobachtete die Bewegung seiner Zunge und stellte sich vor, wie sie über ihre Haut leckte.

„Ich finde unser erstes gemeinsames Dinner verdient einen Toast.“

Sie griff nach ihrem Wasserglas.

„Den Tequila sollten Sie wirklich probieren.“

Sie sah in seine Augen und zögerte. Und dann, beinah ohne ihr Zutun, streckte sie eine Hand nach dem eisgekühlten Cocktailglas aus.

„Sie werden es nicht bereuen“, versprach er. „Auf uns. Auf die Neuanfänge im Leben!“ Er grinste, seine blauen Augen leuchteten.

Der erste Schluck schmeckte salzig, süß und sehr stark. Sie wusste, dass sie nicht trinken sollte, doch die Wärme, die sie durchfuhr, war angenehm. Die Musiker begannen, La Paloma zu spielen, eines ihrer Lieblingslieder. War das ein Zeichen?

„Ich bin froh, dass Sie zumindest einen Schluck probiert haben“, sagte er und blickte etwas zu lange auf ihre Lippen. „Es wäre eine Schande, einen so leckeren Cocktail nicht zu kosten.“

„Sie haben recht. Er schmeckt wirklich gut.“

„Und deswegen sollten sie ihn trinken. Man lebt nur einmal. Jeder Moment, der vorbeigeht, ist vorbei. Man sollte das Beste daraus machen.“

„Allerdings.“ Sie trank noch einen Schluck. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Geschäftsmann zugleich ein Philosoph ist.“

„Sie wären überrascht, wie ich wirklich bin. Sie müssten sich nur die Mühe machen, mich näher kennenzulernen.“

„Das bezweifle ich.“

Sein Gesichtsausdruck wurde hart, sein Blick verfinsterte sich. Hatte sie ihn etwa verletzt?

Nein, unmöglich.

Vielleicht sollte sie noch einen Schluck von dieser wirklich fantastischen Margarita nehmen. Das konnte doch nichts schaden. Aus dem zweiten Schluck wurde ein dritter, dann noch einer und noch einer, und jeder einzelne rann ihr schneller die Kehle hinunter als der vorherige.

Quinn ließ sie keine Sekunde aus den Augen, während er Geschichten aus seiner Jugend erzählte, aus der Zeit, bevor sein Vater gestorben war. Sein Vater hatte mit ihm Baseball gespielt, war mit ihm jagen und fischen gegangen und hatte ihm bei den Hausaufgaben geholfen. Die Scheidung seiner Eltern und den Tod seines Vaters erwähnte er mit keinem Wort.

„Klingt, als sei er ein toller Vater gewesen“, sagte sie wehmütig. „Ich fürchte, meinen kann ich nie zufriedenstellen. Wenn er mir früher etwas vorgelesen hat, habe ich zu sehr gezappelt, und er verlor die Geduld. Wenn er mich zum Angeln mitgenommen hat, wurde mir langweilig oder zu heiß. Ich habe den Fischeimer umgestoßen oder aus Versehen die Angelschnur zerrissen. Einmal bin ich zu schnell aufgestanden und habe das Boot zum Kentern gebracht.“

„Nun, vielleicht nehme ich Sie lieber nicht zum Angeln mit.“

„Er wollte eben lieber einen Sohn haben. Meiner Mutter konnte ich es genauso wenig recht machen. Sie bevorzugte immer Jaycee, die sich so hübsch anzieht und gern auf Partys geht. Das ist auch heute noch so. Meinen Eltern gefällt nicht, was ich aus meinem Leben mache.“

„Nun, aber sie haben keine Kontrolle über Sie, oder? Die hat übrigens niemand. Nicht einmal wir selbst. Denn gerade, wenn wir glauben, alles im Griff zu haben, werden wir gewöhnlich vom Blitz getroffen“, sagte Quinn in so sanftem Ton, dass ihr Herz höherschlug. „Wie heute Abend.“

„Was meinen Sie damit?“

„Uns.“

Sie betrachtete sein Grübchen. „Flirten Sie mit mir?“

Er legte seine Hand auf ihre. „Wäre das so schrecklich?“

Als sie schließlich ihren Tisch zugewiesen bekamen und er die Bestellung aufgegeben hatte, war nicht nur jegliche Angst vor ihm verschwunden. Sie amüsierte sich sogar.

Als Quinn sagte, wie schade es sei, dass sie sich nicht schon früher kennengelernt hatten, entgegnete sie wahrheitsgemäß: „Ich denke, Sie wollen meine Schwester nur heiraten, um sich an uns allen zu rächen. Das kann ich einfach nicht zulassen.“

Er runzelte die Stirn. „Und Sie lieben Ihre Schwester so sehr, dass Sie heute in mein Büro kamen, um mich von einer Hochzeit abzuhalten.“

„Es war dumm von mir, so damit herauszuplatzen.“

„Ich fand es süß, und ich bewundere Ihre Ehrlichkeit. Es war richtig, zu kommen. Sie haben mir einen riesigen Gefallen getan. Ich hatte mich verrannt. Aber ich möchte jetzt nicht über Jaycee sprechen, sondern über Sie.“

„Aber werden Sie über die … Hochzeit nachdenken?“

„Ganz bestimmt.“ Er wirkte so überzeugend, dass sie sich etwas entspannte und noch einen Schluck von der Margarita trank.

Als er ihre Hand ergriff, jagte ein köstlicher Schauer durch ihren Körper. Für einen Augenblick verschränkte sie ihre Finger mit seinen und hielt sich an ihm fest wie an einem Rettungsring. Doch als ihr klar wurde, was sie da tat, riss sie sich schnell los.

„Warum haben Sie solche Angst vor mir, Kira?“

„Weil Sie Jaycee vielleicht trotzdem heiraten und ihr Leben ruinieren“, log sie.

„Jetzt, wo ich Sie kenne, ist das unmöglich.“

Kira atmete schneller. Grübchen hin oder her, er war noch immer der Feind. Das durfte sie nicht vergessen.

„Halten Sie mich wirklich für so kaltschnäuzig, dass ich Ihre Schwester heirate, obwohl ich Sie begehre?“

„Aber was werden Sie wegen Jaycee unternehmen?“

„Das sagte ich doch schon. Sie spielt keine Rolle mehr, seit Sie in meinem Büro aufgetaucht sind.“

„Aber sie ist schön … und blond.“

„Ja, aber Ihre Schönheit spricht mich mehr an. Wissen Sie das nicht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Sie gehen nur mit Blondinen aus.“

„Dann ist es höchste Zeit, das zu ändern.“

„Ich werde Ihnen jetzt ein Geheimnis anvertrauen. Ich habe mir mein Leben lang gewünscht, blond zu sein … damit ich den anderen in meiner Familie ähnlicher sehe, vor allem meiner Mutter und meiner Schwester. Ich dachte, dass ich dann endlich das Gefühl hätte, dazuzugehören.“

„Sie sind schön.“

„Ein Mann wie Sie würde doch alles sagen, um …“

„Ich lüge Frauen niemals an. Wissen Sie wirklich nicht, wie bezaubernd Sie sind? Sie sind so anmutig, Sie bewegen sich wie eine Ballerina. Es ist wunderbar, wie tief Sie empfinden können. Und es gefällt mir, dass Sie jedes Mal rot werden, wenn Sie befürchten, ich könne Sie berühren.“

„Wie ein kleines Kind.“

„Nein. Wie eine aufgeschlossene, leidenschaftliche Frau. Das mag ich … viel zu sehr. Und Ihr Haar … es ist lang und weich und glänzt wie Seide. Einen feurigen Schimmer hat es außerdem. Ich würde am liebsten meine Finger darin vergraben.“

„Aber wir kennen uns kaum. Und ich hasse Sie schon so lange.“

„Die Murrays sind auch nicht gerade meine liebsten Menschen, aber ich merke langsam, dass ich mich geirrt habe. Und ich glaube nicht, dass Sie mich wirklich so sehr hassen, wie Sie behaupten.“

Kira starrte ihn an, versuchte, in seinem Gesicht einen Hinweis darauf zu finden, dass er sie anlog, dass er sie zu verführen versuchte wie all die anderen Frauen. Doch sie entdeckte lediglich Wärme und Offenheit in seinem Blick. Und Verlangen. Niemand hatte sie jemals mit solcher Leidenschaft betrachtet oder ihr das Gefühl gegeben, so schön zu sein.

Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich nach einem Menschen gesehnt, der ihr das Gefühl gab, etwas Besonderes zu sein. Und ausgerechnet Quinn Sullivan sollte derjenige sein?

„Ich dachte, Sie wären furchtbar … und wirklich böse.“

Er hob die Augenbrauen. „Autsch.“

„Wie konnte ich mich nur so in Ihnen täuschen?“ Doch fragte sie sich noch immer, ob sie nicht zu naiv reagierte. Er war mit so vielen schönen Frauen zusammen gewesen und hatte sie wieder verlassen. Er hatte sich an ihrem Vater rächen und ihre Schwester für seine Pläne benutzen wollen. Vielleicht war sie in dem Moment, in dem sie sein Büro betrat, ebenfalls Teil seiner teuflischen Absichten geworden.

„Ich war töricht“, sagte er.

„Und ich brauche mehr Zeit, um über all das nachzudenken. Wie gesagt, vor ein oder zwei Stunden habe ich Sie noch von ganzem Herzen verabscheut – zumindest dachte ich das.“

„Weil Sie mich nicht gekannt haben. Zum Teufel, vielleicht habe ich mich selbst nicht gekannt, denn jetzt ist alles anders.“

Sie empfand genauso. Aber sie wusste, dass sie es langsamer angehen und erst einmal über alles nachdenken musste.

„Ich habe kein glückliches Händchen mit Männern“, flüsterte sie.

„Deren Problem.“ Er nahm wieder Ihre Hand. „Und mein Glück.“

Ihre Tacos wurden serviert, und obwohl sie herrlich dufteten, rührte sie kaum etwas an. Ihre ganze Aufmerksamkeit war auf Quinn und seine wunderschöne Stimme gerichtet.

Als einer der Musiker an ihren Tisch kam, bestellte Quinn verschiedene Lieder bei ihm, unter anderem La Paloma. Während der Mann für sie sang, streichelte Quinn ihr Handgelenk und ihre Finger. Seine sanften Berührungen ließen sie wohlig erschauern.

Ihre Blicke trafen sich. Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, ihn schon immer zu kennen. Als wäre er bereits ihr Liebhaber, ihr Seelenverwandter. Es war verrückt, so etwas für einen Mann zu empfinden, den sie kaum kannte, doch nach dem Essen ließen sie das Dessert ausfallen.

Eine Stunde später saß sie ihm in seinem Loft gegenüber und nippte an einem Kaffee, während er Brandy trank. Vergeblich versuchte sie zu überspielen, wie beeindruckt sie von seiner Kunstsammlung und dem atemberaubenden Blick über die nächtliche Stadt war. Unwillkürlich musste sie an ihr kleines vollgestopftes Apartment denken.

„Ich wollte mit Ihnen schon von der ersten Sekunde an allein sein“, sagte er.

Sie rutschte unbehaglich auf dem cremeweißen Sofa herum. „Nun, ich nicht.“

„Das denke ich schon. Sie haben es sich nur nicht eingestanden.“

„Nein.“ Sie stellte die Tasse ab. „Also, was ist nun mit Jaycee? Sind Sie sicher, dass es vorbei ist?“

„Absolut.“ Er lachte. „Ich muss gestehen, dass ich jedes Mal, wenn ich mit Jaycee bei Ihren Eltern zum Essen war, darauf hoffte, Sie zu sehen.“

Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er die Wahrheit sagte.

„Ich habe Ermittlungen über Sie einholen lassen“, erklärte er.

„Weshalb?“

„Das habe ich mich auch gefragt. Ich glaube, Sie haben mich sogar mit Matsch im Gesicht fasziniert. Gleich morgen früh werde ich mich ganz offiziell von Jaycee trennen. Was bedeutet, dass Sie gewonnen haben. Sind Sie jetzt zufrieden? Sie haben bekommen, was Sie wollten.“

Er bedachte sie mit einem warmen und strahlenden Lächeln. Wie ein Kind, das einen neuen Spielkameraden gefunden hat, war sie einfach nur froh, in seiner Nähe zu sein. Doch das durfte sie ihm gegenüber keinesfalls zugeben.

Anscheinend hatte er ihre Gedanken gelesen, denn er stand auf und kam auf sie zu. „Ich habe das Gefühl, dass ich seit dem Tod meines Vaters völlig allein war … bis ich dich traf.“ Er hatte unvermittelt zum Du gewechselt. „Und jetzt will ich nicht mehr ohne dich leben.“

So verrückt es auch war, ihr ging es genauso. Wie in einem Traum ergriff sie die Hände, die er ihr hinhielt.

„Durch dich wurde mir klar, wie einsam ich bin“, sagte er.

„Sehr schön gesagt.“

„Und es stimmt.“

„Aber du bist so erfolgreich, während ich …“

„Überleg doch nur, was du gerade tust: Du hilfst einer Freundin dabei, ihren Traum zu verwirklichen.“

„Mein Vater findet, dass ich mein Potenzial nicht nutze.“

„Du wirst deinen Weg finden … wenn du Geduld hast.“ Er hob ihr Kinn an und blickte in ihre Augen. Wieder hatte sie das unheimliche Gefühl, ihn schon ewig zu kennen.

„Guter Gott“, murmelte er. „Hör nicht auf mich. Ich weiß überhaupt nicht, was Geduld ist. Jetzt zum Beispiel … ich sollte dich gehen lassen … aber ich kann nicht.“

Er zog sie hoch, um sie an sich zu pressen. Doch das reichte ihr nicht. Sie wollte sich auf seine Lippen stürzen. Sie glaubte, in Flammen zu stehen, riss sich den Schal herunter, die Bluse und den BH. Und als er sie küsste, wollte sie nichts anderes, als ihm zu gehören.

„Ich komme mir gerade auch nicht besonders geduldig vor“, stieß sie heiser hervor.

Gib dich diesem Mann nicht hin, ermahnte sie eine innere Stimme. Denk an all die Blondinen. Denk an seinen Rachefeldzug!

Obwohl sie vollkommen die Kontrolle verloren hatte, fragte sie sich, ob er die wunderschönen Dinge zu allen Frauen sagte, die er ins Bett bekommen wollte. Ob er das, was er jetzt tat und fühlte, schon tausendmal zuvor getan und gefühlt hatte? Waren Nächte wie diese vollkommen normal für ihn, während sie selbst nie zuvor eine solche Leidenschaft empfunden hatte?

Doch als er sie küsste und küsste, mit unglaublich wilder Gier, klammerte sie sich zitternd an ihn. Er war eine verwundete Seele – genau wie sie.

Er hob sie hoch, trug sie in sein großes, von silbernem Mondlicht durchflutetes Schlafzimmer. Über die Schulter sah sie ein riesiges schwarzes Bett, umgeben von weißem Marmor und kostbaren weißen Teppichen.

Er war ein erfolgreicher, milliardenschwerer Geschäftsmann und sie nur eine Kellnerin. Plötzlich bekam sie es wieder mit der Angst zu tun.

Er setzte sie ab, und als sie einen Schritt zurücktrat, sagte er: „Du kannst dich im Badezimmer weiter ausziehen, wenn dir das lieber ist. Wir können aber auch aufhören, und ich fahre dich zu deinem Auto. Ganz wie du willst.“

Sie hätte gehen und sein galantes Angebot annehmen sollen. Stattdessen wandte sie sich zu der Tür, auf die er gezeigt hatte. Allein in dem beigefarbenen Marmorbadezimmer mit den goldenen Armaturen erkannte sie ihr eigenes Spiegelbild nicht wieder – das erhitzte Gesicht, das zerzauste Haar und die glänzenden Augen.

Die junge, strahlende Frau in dem großen Spiegel war schön wie eine verzauberte Prinzessin. Sie sah erwartungsvoll aus, aufgeregt. Vielleicht war es doch richtig hierzubleiben. Vielleicht war das der Anfang eines neuen Lebens, der erste Schritt in eine glückliche Zukunft, von der sie bisher nur geträumt hatte.

Als sie in seinem weißen Bademantel zurück ins Schlafzimmer kam, lag er bereits im Bett. Bewundernd betrachtete sie seine gebräunten Schultern. Noch nie hatte sie einen Mann gekannt, der auch nur halb so attraktiv war wie er. Noch nie hatte sie so etwas Machtvolles gespürt wie die herrliche berauschende Hitze, die ihr gesamtes Sein erfüllte, als er sie hungrig anstarrte.

„Ich bin nicht so talentiert, was Sex betrifft“, sagte sie. „Du hingegen bist wahrscheinlich sehr gut … natürlich. Du bist in allem gut.“

„Komm her“, flüsterte er.

„Aber …“

„Komm einfach zu mir.“

Sie ließ den Bademantel fallen und floh in seine Arme, bevor sie es sich noch anders überlegen konnte. Nichts war mehr wichtig, als sich an seinen großen, starken Körper zu schmiegen. Die Wärme, die er unter der Bettdecke ausstrahlte, war köstlich und einladend.

Er wartete einen Augenblick, bevor er sich behutsam auf sie legte und sich mit beiden Ellbogen auf der Matratze abstützte, um ihr Luft zum Atmen zu lassen. Dann übersäte er ihre Lippen und Wangen, ihre Lider und Augenbrauen mit Küssen, die sie fast um den Verstand brachten.

„Nimm mich“, flehte sie, erfüllt von einem Verlangen mit bisher ungekannter Intensität. „Ich möchte dich in mir spüren. Jetzt.“

„Ich weiß.“ Er lachte. „Ich bin genauso ausgehungert wie du. Aber hab Geduld, mein Liebling.“

„Du hast eine seltsame Art, deinen Hunger zu zeigen.“

„Wenn ich tue, worum du mich bittest, wäre es in einer Sekunde vorbei. Doch dieser Augenblick, unser erstes Mal, ist etwas ganz Besonderes für mich.“

War sie etwas Besonderes?

„Wir sollten es genießen und hinauszögern und voll auskosten.“

„Vielleicht will ich ja, dass es schnell vorbei ist. Vielleicht ist dieses Verlangen einfach unerträglich.“

„Und ich möchte es noch vergrößern. Was bedeutet, dass wir unterschiedliche Ziele haben.“

Er nahm sie nicht. Unendlich zärtlich und quälend langsam ließ er seine Lippen über ihren Hals und ihre Schultern streifen, bis sie am ganzen Körper Gänsehaut hatte. Er leckte über ihre harten, aufgerichteten Brustwarzen und liebkoste mit seiner Zunge ihren Nabel. Ihre Nervenenden schienen in Flammen zu stehen. Dann küsste er ihren Bauch und wanderte tiefer zu ihrer intimsten weiblichen Stelle. Als er sanft darüberleckte, stockte ihr der Atem.

„Entspann dich“, flüsterte er.

Mit langsamen heißen Küssen brachte er sie fast um den Verstand. Sie zerschmolz unter seinen Lippen, bebte und wimmerte um Erlösung.

Bis zu dieser Nacht war sie eine Fremde in der Welt der Liebe gewesen. Bei allen anderen Männern – nicht dass es besonders viele gewesen wären – hatte sie nur mechanisch mitgemacht, eine Rolle gespielt und immer nach etwas Bedeutsamen gesucht, ohne es je zu finden.

Bis jetzt, bis heute Nacht, bis sie ihn getroffen hatte.

Er knabberte sacht an ihren Brustwarzen, während er die verborgenen Lippen zwischen ihren Beinen streichelte – und immer weiter streichelte. Sie bäumte sich stöhnend auf und rang nach Luft. Gerade als sie glaubte, es nicht länger ertragen zu können, drang er in sie ein. Er war groß, stark, wunderbar. Mit einem leisen Schrei klammerte sie sich an ihn, als er in sie stieß, tiefer und fester. „Ja! Ja!“

Plötzlich keuchte sie auf. Er unterbrach seinen sinnlichen Rhythmus, schlang seine Arme um sie und hielt sie fest. Dann begann er, sich wieder zu bewegen, langsam, bis ihre Erregung den Gipfel erreicht hatte und sie von Ekstase geschüttelt wurde. Sie schrie seinen Namen.

Als sie ihre Fingernägel in seine Schultern bohrte, war auch er nicht mehr zu halten. Sie kam wieder und wieder, schluchzend. Sie wusste nicht, wie viele Höhepunkte sie erreichte, bevor auch er den Gipfel der Lust erreichte.

Sie sah den Schweiß in seinen Brauen glitzern. Sein ganzer Körper schien zu brennen, so wie ihrer.

„Mein Liebling“, flüsterte er heiser. „Meine süße Kira.“

Lange Zeit lag sie in seinen Armen, stumm und zu schwach, um sich auch nur zu rühren. Dann beugte er sich zu ihr und knabberte an ihrer Unterlippe.

Als er sie wieder liebte, war er so sanft, dass sie in Tränen ausbrach und sich auch hinterher noch lange an ihn klammerte. Beim zweiten Mal hatte er ein Kondom benutzt, und erst da war ihr klar geworden, dass sie es davor vergessen hatten.

Wie hatten sie nur so unvorsichtig sein können? Aber es war sinnlos, jetzt darüber nachzudenken. Außerdem war sie viel zu glücklich und zu entspannt, um sich Sorgen zu machen.

Anschließend lagen sie stundenlang im Bett. Sie hatten sich einander zugewandt und unterhielten sich. Er erzählte von der finanziellen Krise seines Vaters und wie Kiras Vater sich gegen ihn gestellt und alles nur noch schlimmer gemacht hatte. Von seiner Mutter mit ihren überzogenen Ansprüchen, die ihren Mann betrogen und so abgrundtief verletzt hatte, dass dessen Welt von einer Sekunde auf die andere zusammenbrach.

„Liebe ist gefährlich, weil sie so eine zerstörerische Kraft hat. Sie hat schon oft die Männer meiner Familie zerstört.“

„Aber wenn du mit Liebe nichts zu tun haben willst, warum warst du dann mit all den Frauen zusammen, von denen ich gelesen habe?“

„Da habe ich nicht nach Liebe gesucht, genauso wenig wie die Frauen.“

„Du hast sie nur benutzt?“

„Sie haben mich auch benutzt.“

„Das ist so zynisch.“

„So war mein Leben nun mal. Ich habe meinen Vater so sehr geliebt und furchtbar unter seinem Tod gelitten. Als er seine Firma verlor, hat meine Mutter sich schnell nach einem reicheren Mann umgesehen.“

„Und hat sie einen gefunden?“

„Mehrere.“

„Siehst du sie noch?“

„Nein. Ich war sowieso nur ein Unfall, den sie immer bereut hat. Sie mochte Kinder nicht besonders. Aber ich schicke ihr jeden Monat einen Scheck.“

„Also war mein Vater nicht das einzige Problem, das dein Vater hatte.“

„Nein, aber ein großes. Nicht mehr Inhaber von Sullivan and Murray Oil zu sein, war für ihn ein harter Schlag. Meine Mutter hat ihn deswegen verlassen und ihm auch noch den letzten Rest an Selbstachtung genommen. Er hat nicht mehr gegessen und geschlafen. Nachts konnte ich hören, wie er in seinem Zimmer auf und ab lief. Dann, eines Morgens, hörte ich einen Schuss. Ich habe ihn in der Garage gefunden, in einer Blutlache. Tot. Ich weiß immer noch nicht, ob es ein Unfall war oder … das, was ich befürchtete. Zuerst hatte ich Angst. Dann war ich wütend. Ich wollte irgendjemandem die Schuld geben und ihn rächen. Doch jetzt, wo ich am Ziel bin und Murray Oil zurückgewonnen habe, kommt es mir auf einmal nicht mehr wichtig vor.“

„Und für welches Ziel wirst du nun leben?“

„Das weiß ich nicht. Ich schätze, viele Menschen stehen morgens einfach auf und gehen zur Arbeit, kommen abends nach Hause und genehmigen sich ein paar Drinks, während sie sich durchs Fernsehprogramm zappen.“

„Du nicht.“

„Wer weiß? Vielleicht sind diese Menschen ja glücklich. Zumindest sind sie nicht vom Hass getrieben, wie ich es war.“

„Es muss schrecklich für dich gewesen sein.“ Als er sie sehnsüchtig ansah, zog sie ihn an sich und fuhr zärtlich durch sein Haar. „Du bist noch jung. Du wirst schon etwas finden, das deinem Leben Bedeutung gibt.“

„Nun, Liebe jedenfalls wird es nicht sein, das solltest du wissen. Du bist etwas ganz Besonderes, aber ich werde dich niemals lieben können, egal wie gut wir zusammenpassen. Ich bin nicht mehr in der Lage, Liebe zu empfinden.“

„So was in der Art sagtest du bereits.“ Sie versuchte, nicht verletzt zu klingen.

„Ich möchte nur ehrlich sein.“

„Ob wir selbst immer die Wahrheit kennen?“

„Liebling“, flüsterte er. „Verzeih mir, wenn das zu hart geklungen hat. Es ist nur … ich möchte dich nicht verletzten und dir Hoffnung auf etwas machen, das ich nicht geben kann. Ich habe schon genug Frauen unglücklich gemacht.“

Sie schlang ihre Arme um ihn und hielt ihn fest, den kleinen Jungen, der so viel verloren hatte, und den wütenden Mann, der von seinem Hass getrieben ein Vermögen verdient hatte.

„Mein Vater hatte mit dem Tod deines Vaters nichts zu tun“, wisperte sie.

„Da haben wir unterschiedliche Ansichten. Aber das Wichtigste ist, dass ich dich nicht für die Taten deines Vaters verantwortlich mache.“

„Nein?“

„Nein.“

Kurz darauf ließ er sie los und rollte sich auf seine Seite.

Kira lag stundenlang wach. Wie würde es mit ihnen weitergehen? Er hatte ihre Familie so viele Jahre lang gehasst. Konnte er dieses Gefühl wirklich loslassen? Und welchen Preis würde sie dafür zahlen, mit dem Mann geschlafen zu haben, der sie wahrscheinlich noch immer für seine Rache benutzte?

3. KAPITEL

Kira erwachte nackt neben Quinn. Sie stützte sich auf ihre Ellbogen und betrachtete ihn misstrauisch im gedämpften Licht des anbrechenden Morgens. All ihre Zweifel stürzten wieder auf sie ein.

Wie hatte sie es nur so weit kommen lassen können? Wieso hatte sie riskiert, schwanger zu werden?

Was wenn … nein, so viel Pech konnte sie nicht haben.

Davon abgesehen war es jetzt ohnehin zu spät. Und wenn sie nicht mit ihm geschlafen hätte, dann hätte sie nie erfahren, zu welch ekstatischen Gefühlen sie fähig war.

Das wenigstens wusste sie jetzt.

Er sah umwerfend gut aus mit seinem vollen, zerzausten Haar, den scharf gezeichneten Wangenknochen und dem sinnlichen Mund. Gestern Nacht hatte er ihr gezeigt, wie verletzlich er war. Als sie ihn jetzt betrachtete, stieg erneut Lust in ihr auf.

Gerade wollte sie ihm übers Haar streichen, als er seine Augen öffnete und sie mit einer Intensität ansah, die sie noch immer erschreckte. Im nächsten Moment wurde sein Gesicht entwaffnend weich.

„Guten Morgen, Liebling.“

Ein Schauer jagte durch ihren Körper, noch bevor er eine Hand ausstreckte, um ihren Kopf an sich zu ziehen und sie sanft auf die Lippen zu küssen. Sie konnte sich nicht erinnern, einen Mann jemals so begehrt zu haben wie ihn.

„Ich hab mir noch nicht die Zähne geputzt“, warnte sie ihn.

„Ich auch nicht. Ich erwarte nicht von dir, perfekt zu sein. Ich will dich einfach, das solltest du nach letzter Nacht wissen.“

„Letzte Nacht war wahrscheinlich ein Fehler“, murmelte sie.

„Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch eine Herausforderung. Oder etwas Gutes. Wie auch immer, jetzt ist es zu spät, sich Vorwürfe zu machen. Ich begehre dich nur noch mehr.“

„Aber für wie lange?“

„Es gibt für nichts eine Garantie.“

Er küsste sie leidenschaftlich, rollte sich auf sie und presste ihren Körper aufs Bett. Dann drang er tief in sie ein. Sie bäumte sich ihm entgegen, alle Zweifel lösten sich auf, während überwältigende Lust sie davontrug.

„Entschuldige“, sagte er danach. „Ich wollte dich so sehr.“

In letzter Sekunde hatte er noch daran gedacht, ein Kondom überzustreifen. Er hielt sie jetzt nicht zärtlich im Arm wie vor wenigen Stunden, er flüsterte ihr keine süßen Worte ins Ohr, sondern wirkte verärgert.

War er ihrer bereits überdrüssig? Würde in der nächsten Nacht eine neue Blondine in seinem Bett liegen? Bei diesem Gedanken schien sich ihre Kehle zuzuschnüren.

„Du kannst schon mal ins Badezimmer gehen. Ich koche Kaffee“, erklärte er barsch.

Plötzlich wollte er sie also loswerden. Da sie in den letzten Wochen so viel über ihn in Erfahrung gebracht hatte, sollte sie nicht überrascht oder gar verletzt sein, sondern dankbar für dieses unvergleichliche sexuelle Erlebnis. Alles andere spielte keine Rolle.

Und schließlich hatte sie auch ihren Stolz. Sie würde sich ihm bestimmt nicht an den Hals werfen – oder ihm zeigen, was und wie viel er ihr bedeutete. Unglaublich, in welchem Tempo der schlimmste Feind der Familie ihr Herz erobert hatte.

Wortlos stand sie auf und ging nackt über den dicken weißen Teppich zum Badezimmer. So gelangweilt er von ihr auch sein mochte, sie spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass er sie keine Sekunde aus den Augen ließ. Sie warf die Tür hinter sich zu und lehnte sich dagegen.

Nachdem sie ein paarmal durchgeatmet hatte, betrachtete sie im Spiegel ihr bleiches, schuldbewusstes Gesicht, das so gar nichts mehr mit der strahlenden Frau von gestern Nacht gemein hatte. Sie hatte doch gewusst, was für ein Mann er war. Wie hatte sie sich einem derart verbitterten Menschen so öffnen können, dem unversöhnlichen Feind ihres Vaters?

Was hatte sie nur getan?

Nachdem sie geduscht und sich angezogen hatte, ging sie in die Küche. Quinn, ebenfalls frisch geduscht, trug ein weißes Hemd und eine sorgfältig gebügelte dunkle Hose. Er hatte sich rasiert, sein glänzendes schwarzes Haar war gekämmt. Er sah so gepflegt aus, dass sie ihm am liebsten mit einer Hand durchs Haar gefahren wäre, um es zu zerzausen.

Er hatte den Fernseher eingeschaltet und sah sich, das Handy ans Ohr gedrückt, die Börsennachrichten an. Hinter ihm auf der weißen Küchentheke stand eine Kanne mit frisch gebrühtem Kaffee.

„Habib, Geschäft ist Geschäft“, blaffte er. „Ich weiß, dass du die Aktionäre und die Öffentlichkeit davon überzeugen musst, dass ich der Ritter in der weißen Rüstung bin. Deswegen will ich ja eine Murray heiraten. Was interessiert es Sie oder irgendjemanden sonst, wenn ich vielleicht die ältere der beiden Schwestern heirate? Von Jaycee einmal abgesehen, die aber bestimmt froh ist, wenn sie mit ihrem eigenen Leben weitermachen kann.“

Habib, wer auch immer er war, hatte offensichtlich Einwände, denn Quinns nächste Antwort klang noch wütender. „Ja, ich kenne die Familiengeschichte, aber da sonst niemand davon weiß, offenbar nicht einmal Kira selbst, spielt das überhaupt keine Rolle. Wenn ich also die ältere Schwester heirate und mit dieser Entscheidung die Aktionäre und Mitarbeiter glücklich mache, was zur Hölle stört es Sie?“

Der Mann schien erneut zu widersprechen. Quinns Ton wurde messerscharf. „Nein, ich habe sie noch nicht gefragt. Aber wenn es so weit ist, dann werde ich ihr das Gleiche sagen wie gestern. Nämlich, dass sie für die Freiheit von Jaycee einen Preis zahlen muss. Und sie hat keine andere Wahl, als zu tun, was für ihre Schwester und ihre Familie das Beste ist. Himmel, sie würde alles für diese Leute tun.“

Die eine Schwester oder die andere. Ihm war’s egal. Dass er über eine Hochzeit mit ihr in diesem kalten Ton sprach, schmerzte sie und machte sie wütend. So unwichtig war sie für ihn. Aber das hatte sie ja von Anfang an gewusst. Wieso tat es dann so weh?

Er hatte gesagt, sie sei etwas Besonderes. Nie zuvor hatte sie sich so geliebt gefühlt. Aber sie war eben nur eine hilfsbedürftige, romantische Idiotin. Sie schloss die Augen, drehte sich um und lief ins Schlafzimmer zurück. Er sollte nicht wissen, was sie gehört und wie sehr es sie verletzt hatte.

Er hatte alles im Voraus geplant. Die ganze Verführung. Er war nicht von seinen Gefühlen überwältigt worden wie sie. Er hatte einfach nur gemerkt, dass sie ihn sehr begehrte und diese Tatsache benutzt, um sie zu manipulieren.

Letzte Nacht, als er versprach, sich von ihrer Schwester zu trennen, hätte sie niemals geglaubt, auf welch grausame Weise er seine Absichten weiterverfolgen würde.

Quinn betrat das Schlafzimmer. „Gut, du bist schon angezogen“, sagte er mit seiner wunderschönen Stimme. „Du siehst umwerfend aus.“

Sie nickte.

„Ich habe Kaffee gekocht.“

„Riecht gut.“ Sie starrte aus dem Fenster.

„Hast du Zeit zum Frühstücken?“

„Nein!“

„Stimmt was nicht?“

Wenn er sie so hinterging, warum sollte sie dann ehrlich zu ihm sein? „Alles in Ordnung.“

„Sicher. Und deswegen bist du so kühl.“

„Ist das so?“

„Und da heißt es immer, dass die Männer sich am nächsten Morgen zurückziehen.“

Sie biss sich auf die Lippe, um ihn nicht anzuschreien.

„Aber ich verstehe das“, sagte er.

„Ich muss erst einmal kapieren, was letzte Nacht war.“

„Geht mir genauso.“

Dazu sagte sie nichts.

„Nun, der Kaffee ist in der Küche.“ Er wandte sich ab.

Da sie sich ohne Streit von ihm trennen wollte, folgte sie ihm in die Küche, wo er ihr einen dampfenden Becher mit Kaffee reichte.

„Nimmst du Milch? Zucker?“

Sie schüttelte den Kopf. „Wir wissen nicht das Geringste voneinander, oder?“

„Nach letzter Nacht möchte ich das bezweifeln, Liebling.“

Sie errötete. „Nenn mich nicht so.“

Er betrachtete sie nachdenklich. „Du scheinst wirklich sauer zu sein.“

Sie nippte nur an ihrem Kaffee.

„Um das mal festzuhalten: Ich trinke meinen schwarz, sehr schwarz“, sagte er. „Ohne Zucker. Das haben wir also gemeinsam. Und wir haben die letzte Nacht.“

„Nicht …“

„Ich würde sagen, das ist ein fantastischer Anfang.“

Bis zu dem Moment, in dem ich begriffen habe, was du vorhast, hätte ich das genauso gesehen. Am liebsten hätte sie ihm das Gesicht zerkratzt. Stattdessen presste sie die Fingernägel in ihre Handflächen und kaute wütend auf der Unterlippe.

„Hör mal, ich sollte jetzt besser gehen.“ Ihre Stimme klang so scharf, dass er sie überrascht ansah.

„Klar. Ich fahre dich. Dein Wagen steht ja noch in der Stadt.“

„Ich kann ein Taxi nehmen.“

„Nein! Ich fahre dich!“

Sie nickte stumm.

Kurze Zeit später rasten sie in seinem silbernen Aston Martin über die Autobahn, und dann musste sie mit ihm sprechen, um ihm zu erklären, wo genau sie ihren kleinen verbeulten Toyota abgestellt hatte. Als er hinter ihrem Wagen hielt und sie unter dem Scheibenwischer einen Strafzettel flattern sah, stöhnte sie auf.

Quinn stieg aus, eilte um seinen Wagen herum und riss ihre Tür auf, bevor sie sie selbst öffnen konnte.

„Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?“, fragte er.

Sie schnappte sich den Strafzettel und wollte in ihren Wagen steigen, als er sie von hinten in seine Arme nahm. Er fühlte sich so stark und warm an, dass sie ein Seufzen kaum unterdrücken konnte. Obwohl sie wusste, dass sie sich schnell von ihm verabschieden sollte, wollte sie nichts anderes, als seine Arme um sich zu spüren.

Er drehte sie zu sich um, strich mit einem Finger sanft über ihre Wange und starrte sie mit einer Mischung aus Besorgnis und kaum verhüllter Ungeduld an. Als ob sie ihm wichtig wäre.

Lügner.

„Fällt mir nicht leicht, dich jetzt gehen zu lassen“, sagte er.

„Die Leute können uns sehen“, entgegnete sie so sanft wie möglich, obwohl sie vor Wut kochte.

„Na und? Die letzte Nacht hat mir viel bedeutet, Kira. Schade, dass du jetzt so verärgert bist. Ich hoffe, das ist nur, weil alles viel zu schnell passiert ist. Ich war doch nicht zu grob, oder?“

Die Besorgnis in seiner Stimme bestürzte sie. „Nein.“ Sie sah weg.

„So schön ist es noch nie für mich gewesen. Ich … ich hatte mich einfach nicht mehr im Griff, vor allem heute Morgen. Ich wollte wieder mit dir schlafen … unbedingt. Für mich geht das alles auch viel zu schnell. Ich mag es lieber, wenn ich vorausplanen kann.“

Vorhin am Telefon hatte es geklungen, als ob Quinn sogar einen verdammt guten Plan hätte. Eine Murray zu heiraten. Und daran hielt er sich.

„Ja, das geht … viel zu schnell. Aber … ich bin okay.“

„Hast du eine Visitenkarte?“, fragte er sanft.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Zumindest nicht dabei.“

Er zog eine Karte aus seiner Tasche. „Nun, hier ist meine. Du kannst mich jederzeit anrufen. Ich will dich wiedersehen … so bald wie möglich. Um etwas sehr Wichtiges mit dir zu besprechen.“

Die Intensität seines Blicks ließ ihr Herz höherschlagen. „Ich werde die Sache mit Jaycee beenden. Danach bin ich leider für ein paar Tage auf Geschäftsreise, erst in New York, dann in London. Murray Oil verhandelt gerade über einen riesigen Deal mit der Europäischen Union. Mein Termin heute Abend in New York geht bis 20 Uhr. Also ruf mich danach an. Auf meinem Handy.“

Wollte er ihr etwa am Telefon einen Heiratsantrag machen? Ihr Hals war trocken, sie zwang sich zu nicken. Dann zog sie Stift und Block aus ihrer Tasche und schrieb ihre Handynummer darauf. „Schreibst du mir bitte eine SMS, sobald du dich von meiner Schwester getrennt hast?“

„Darf ich das so verstehen, dass ich dir nicht ganz … gleichgültig bin?“

„Sicher“, flüsterte sie. „Versteh es, wie du magst.“

4. KAPITEL

„Sie sind Ihr Vater. Ich kann einfach nicht glauben, dass Sie nicht wissen, wo Kira steckt. Verflucht, sie ist jetzt seit fast drei Wochen verschwunden.“

Earl schüttelte den Kopf und ging langsam durch Quinns Büro bei Murray Oil, um aus dem Fenster zu sehen. „Ich sagte doch bereits, dass sie wahrscheinlich irgendwo ist, um zu malen. Das macht sie manchmal.“

Quinn hasste sich selbst dafür, dass er Murray schon wieder in sein Büro zitiert hatte. Aber er wollte einfach wissen, ob es Kira gut ging. Davon abgesehen hatte er Hochzeitspläne und musste die Braut finden.

„Sind Sie sicher, dass sie nicht in irgendwelchen Schwierigkeiten steckt?“

„Ich wette, sie hat spitzgekriegt, was Sie vorhaben, und lässt Sie jetzt schmoren. Sie wirkt immer so unschuldig, aber in Wahrheit hat sie ihren eigenen Kopf. Man kann sie unmöglich kontrollieren. Deswegen hat sie auch ihren Job verloren. Und deswegen habe ich Ihnen Jaycee zur Frau geben wollen. Sie ist fügsamer als ihre Schwester.“

Quinn spürte, wie Hitze seinen Nacken hinaufkroch. Es war nicht Jaycee, die er wollte. Sondern Kira, die süße, leidenschaftliche Kira, die schier verrückt wurde, wenn er sie nur berührte. Ihre Leidenschaft begeisterte ihn mehr als alles, was er bisher erlebt hatte.

„Ich konnte sie nicht gleich nach dem ersten Dinner fragen, ob sie mich heiraten will. Das wäre etwas früh gewesen. Aber verdammt, vielleicht hat sie es auch so kapiert und ist deswegen weggelaufen.“

„Nun, ich habe in den Jagdhütten auf unserer Ranch nachsehen lassen. Dort ist sie oft, um wilde Tiere zu malen. Außerdem habe ich beim Aufseher meiner Insel angerufen, wo sie gerne Vögel malt. Er hat sie auch nicht gesehen. Doch sie wird schon wieder auftauchen, das ist immer so. Sie müssen eben Geduld haben.“

„Geduld ist nicht gerade meine Stärke.“

Diese eine Nacht mit Kira war einfach perfekt gewesen. Mit keiner anderen Frau hatte er jemals so etwas erlebt. Er hatte ja nicht einmal geahnt, dass eine solche Nähe zu einem anderen Menschen überhaupt möglich war. Er hatte sich vollkommen in ihr verloren, ihr Dinge erzählt, die sonst niemand von ihm wusste.

Wie versprochen hatte er ihr einen Tag, nachdem er sie zu ihrem Wagen gebracht hatte, eine SMS geschickt. Darin ließ er sie wissen, dass die Sache mit Jaycee erledigt war. Doch Kira hatte ihn nie zurückgerufen und keinen seiner Anrufe entgegengenommen. Sie war weder in ihre winzige Wohnung noch in das Restaurant, in dem sie arbeitete, zurückgekehrt.

Er wusste nur, dass Kira ihre Freundin Betty angerufen und ihr versprochen hatte, sich einmal pro Woche zu melden. Sie hatte aber keine Erklärung für ihr Verschwinden abgegeben und nicht gesagt, wann sie zurückkommen würde.

Quinn hatte sich von Jaycee getrennt, den Hochzeitstermin allerdings nicht gestrichen. Er hatte vor, Kira an diesem Tag zu heiraten. Am kommenden Samstag, wenn tausend Gäste von ihm erwarteten, mit einer Murray-Tochter vor den Traualtar zu treten.

Offenbar dachte sein künftiger Schwiegervater an dasselbe. „Quinn, Sie müssen vernünftig sein. Lassen Sie uns die Hochzeit absagen.“

„Ich werde Kira heiraten.“

„Sie reden Unsinn. Kira ist weg. Ohne Braut werden Sie genau die Leute verärgern, die wir eigentlich beruhigen wollen. Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter von Murray Oil. Ganz zu schweigen davon, dass Vera unter der Situation leidet, und das ist in ihrem Zustand wirklich nicht gut.“

Vor einigen Monaten, als Quinn mit genügend Aktienanteilen in Earls Büro marschiert war, um die Geschäftsführung der Firma zu fordern, hatte der alte Mann mit eingesunkenen Schultern und verschleierten Augen hinter seinem Schreibtisch gesessen.

Seine Frau war ernsthaft erkrankt. Quinns Übernahme von Murray Oil war ihm nicht nur egal, sie war sogar – das betonte er – die Antwort auf seine Gebete. Es wäre an der Zeit für ihn, sich zurückzuziehen und sich um seine geliebte Frau zu kümmern, die vielleicht sterben würde.

„Sie bedeutet mir alles“, wisperte er. „Genauso wie Ihr Vater Ihnen und Ihre Mutter Ihrem Vater, bevor sie ihn verlassen hat.“

„Warum erzählen Sie mir das? Ihrem Feind?“

„Ich betrachte Sie nicht als Feind. Ich habe die Welt nie so schwarz und weiß gesehen wie Kade, Ihr Vater. Und wie Sie. Ob Sie es glauben oder nicht, ich habe Ihren Vater sehr gemocht und immer unter dem Missverständnis gelitten. Sie erinnern mich sehr an ihn, und deshalb wüsste ich niemanden, dem ich das Unternehmen lieber überlassen würde als Ihnen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Collection Baccara Band 328" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen