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Der Flitterwochentest / Bei Wiedersehen Sex? / Ozean des Verlangens

Jules Bennett

Der Flitterwochentest

1. KAPITEL

„Durchhalten, Lady, los!“

Die Erschütterung ruckte durch ihren Körper, wieder und wieder. Jeder Muskel schmerzte, während Abby sich darauf konzentrierte, diesen Ritt, den Ritt ihres Lebens, bis zum Ende durchzuhalten.

„Durchhalten, Lady! Mit den Hüften kreisen!“

Das tat sie doch, ihr blieb ja gar nichts anderes übrig. Ihre Beinmuskeln peinigten sie, und sie brach fast zusammen, als der mechanische Bulle schließlich zum Stillstand kam.

Geschafft! Endlich.

Die gaffende Menge grölte und pfiff.

„Das, Ladies und Gentlemen, ist mal eine Lady, die reiten kann!“, übertönte die Stimme des DJs den tosenden Applaus. „Ganze elf Sekunden lang hat sie durchgehalten. Jemand sollte der Dame ein Bier spendieren.“

Auf wackeligen Beinen stapfte Abby Morrison über das mit rotem Plastik bezogene Fallkissen und sprang auf den verschrammten Parkettboden. In den achtundzwanzig Jahren ihres Lebens hatte sie noch nie etwas so Albernes getan … und noch nie hatte sie so viel Spaß gehabt.

Obwohl endlich auf sicherem, festen Grund, fand sie es immer noch schwierig, das Gleichgewicht zu halten. Die weichen Matten waren also nicht schuld an ihren Koordinationsproblemen. Womöglich lag es doch an den wer weiß wie vielen Margaritas und den beiden mysteriösen Schnäpsen, die der Barkeeper ihr aufgedrängt hatte. Verflixt, nach einem Horrortag wie heute hatte sie ein bisschen Spaß verdient, oder? Auch wenn ihr diese kleine Flucht aus der Wirklichkeit morgen Übelkeit und Kopfschmerzen bescheren würde.

Abby bahnte sich ihren Weg durch die Menge in Richtung Bar, als sich ihr eine Hand schwer auf die Schulter legte.

Ach, Mist, musste er denn heute wirklich alles kaputt machen?

Sie wandte sich um und blickte direkt in ein Paar dunkle Augen, die sie missbilligend anblickten. Augen, die in ihren Träumen und Fantasien einen weitaus zärtlicheren Ausdruck hatten als in diesem Moment.

„Cade.“ Abby lächelte süß. Das hoffte sie zumindest, denn plötzlich wurde ihr ziemlich schwummerig. „Was tun Sie denn hier?“

„Verhindern, dass Sie sich völlig zum Narren machen.“

Er gab dem Barkeeper ein Zeichen, ihm ihre Schlüssel und Handtasche auszuhändigen.

Genau das ärgerte sie so an Cade Stone. Der Mann brauchte nicht einmal was zu sagen, trotzdem tanzten alle nach seiner Pfeife.

Abby kannte ihn jetzt seit gut einem Jahr. In diesem Jahr hatte seine Aura aus Macht und Autorität nicht einen einzigen Kratzer abbekommen. Und dann dieser sexy Körper, der stets in perfekt sitzenden italienischen Anzügen steckte. Cade brauchte einen Raum nur zu betreten, und alle Frauen schmolzen förmlich dahin … einschließlich Abby. Verflixt.

„Ich gehe nirgends hin“, erklärte sie. Es sei denn, er lud sie zu sich in sein Haus ein, da könnte sie schwach werden. „Wenn Sie bleiben möchten, dürfen Sie mir bei einem Drink Gesellschaft leisten.“

„Heute Abend haben Sie genug für uns beide getrunken, glaube ich.“

Entschlossen dirigierte er sie in Richtung Ausgang und dann nach draußen in die ungewöhnlich kühle Luft dieser Frühlingsnacht.

„Wie haben Sie mich eigentlich gefunden?“, fragte Abby, während sie hinter Cade herstolperte.

Er öffnete die Beifahrertür seines schwarzen Geländewagens und warf ihre Sachen hinein. Dann umfasste er ihre Taille, hob sie mühelos hoch und platzierte sie auf dem angenehm warmen Sitz. Natürlich, dieser Luxusschlitten verfügte über eine Sitzheizung. „Dies war das erste Grundstück, das ich verkauft habe, als ich ins Immobiliengeschäft meines Vaters eingestiegen bin, und ich bin noch mit dem Besitzer befreundet.“

Klar, alte Seilschaften. Natürlich kannte jeder den allmächtigen Cade Stone. Nicht nur das, die Leute würden mit Freuden für ihn und seinen Bruder durch einen brennenden Reifen springen.

Sie tat ihr Bestes, das Prickeln auf ihrer Haut zu ignorieren – da, wo er sie berührte. Wahrscheinlich war an den Schauern ohnehin der übermäßige Alkoholgenuss schuld. Genau, so musste es sein. Denn sie war ja keinesfalls in Cade verliebt. Unmöglich …

Wie konnte sie ihrem Instinkt trauen, wenn sie total betrunken war?

„Warum sollte er Sie anrufen?“ Gereizt schlug sie seine Hand weg, als er versuchte, ihr den Sicherheitsgurt anzulegen.

Cade sah sie aus seinen nougatbraunen Augen an, diesen Augen, die in all ihren Tag- und Nachtträumen herumspukten. „Er nahm ganz einfach an, dass ich es nicht schätze, wenn meine Sekretärin sich in aller Öffentlichkeit volllaufen lässt. Und er hatte recht.“

Nach dieser ernüchternden Bemerkung knallte er die Beifahrertür zu, bevor Abby eine schlagfertige Antwort einfiel. Ergeben kuschelte sie sich in den weichen, warmen Ledersitz und schloss die Augen, während Cade sich hinters Steuer setzte und den Motor aufröhren ließ.

Sie versuchte die Gedanken beiseitezuschieben, die für ihre ganz untypische Alkoholorgie verantwortlich waren. Doch der Schuldenberg, auf dem sie nach dem Tod ihrer Mutter sitzen geblieben war, und das außergewöhnliche Angebot, das Cade ihr heute Nachmittag gemacht hatte, schafften sie einfach. Sie konnte an nichts anderes mehr denken.

Mal abgesehen davon, dass sie eigentlich hatte kündigen wollen, bevor Cade seine Bombe platzen ließ. Wie konnte sie jetzt noch gehen? Und wie konnte sie bleiben?

„Gibt es einen bestimmten Grund, warum Sie sich wie ein wild gewordenes Disco-Girl aufführen?“

„Ja.“

Mit ruhiger Hand lenkte er den Wagen durch die nächtlichen Straßen von San Francisco. Natürlich erwartete er eine Erklärung, aber sie fand, er verdiente keine.

„Also?“, hakte er nach.

Sie warf ihm einen giftigen Seitenblick zu. „Es geht Sie gar nichts an, wie ich meine Freizeit verbringe.“

Als seine Hände sich ein bisschen fester um das Lenkrad schlossen, konnte sich Abby ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. Ha! Geschah ihm ganz recht nach dem Schock, den er ihr heute Nachmittag mit seiner Eröffnung versetzt hatte.

Cade hatte sich verlobt.

Das kam für sie einem tödlichen Dolchstoß gleich. Aber damit nicht genug: Nein, er drehte das Messer auch noch einmal in der Wunde um, indem er sie bat, die Hochzeit zu organisieren, und zwar in trauter Kooperation mit Mona, der glücklichen Braut.

Da gab es nur eins: kündigen.

Doch dann bot er ihr eine Stange Geld dafür, seine „Hochzeitsangelegenheiten“, wie er sich ausdrückte, zu regeln. Himmel, sie kannte die Auserwählte zwar nicht, aber das alles klang nun gar nicht romantisch. Wie sollte sie eine verschwenderische Traumhochzeit planen, wenn einer der Beteiligten – oder gar beide? – das Ereignis als geschäftliche Angelegenheit betrachtete?

Großartig, wirklich. Nur weil sie einige Jahre lang als Hochzeitsplanerin gearbeitet hatte, bevor sie bei Stone Enterprises angeheuert hatte, qualifizierte sie das in Cades Augen dafür, auch seine Hochzeit zu organisieren. Wunderbar.

„Dieser Auftritt vorhin passt gar nicht zu Ihnen, Abby.“

Meinte er tatsächlich, sie gut genug zu kennen, um das zu behaupten? Na gut, sie arbeitete für ihn, aber privat wusste er so gut wie nichts über sie. Denn sonst hätte er sie nie und nimmer in diese Situation gebracht.

Resigniert schloss sie die Augen, um seinen Anblick auszusperren. Heute Nacht erschien er ihr noch ein wenig attraktiver als sonst. Das musste an seinem ungewohnt derangierten Aussehen liegen. Bis jetzt hatte sie ihn nur wie aus dem Ei gepellt erlebt, doch heute lag ein dunkler Bartschatten um sein Kinn, und das Haar war leicht zerzaust.

Sie wollte lieber gar nicht darüber nachdenken, ob der Anruf ihn aus dem Bett geholt hatte. Wartete Mona, die glückliche Braut, etwa in seinem Haus schon ungeduldig auf seine Rückkehr? Hielt sie ihm das Bett warm?

Nein, in diese Richtung durfte sie gar nicht denken. Dummerweise empfand Abby seine männliche Präsenz als so überwältigend, dass er förmlich ihr ganzes Sein beherrschte. Und dann auch noch der betörende Duft seines exquisiten Aftershaves … Wie sehr sie sich danach sehnte, von seinen starken Armen gehalten zu werden!

Ein lautes Stöhnen kam über ihre Lippen.

„Alles okay?“ Er klang besorgt und eine Spur verunsichert. „Soll ich rechts ranfahren?“

Fast hätte sie losgekichert. Er hatte wohl Angst, dass sie ihr Abendbrot gleich hier auf dem Sitz seines makellosen Luxusschlittens von sich geben würde. Sorgte er sich eigentlich mehr um die Reinigungskosten oder um ihr Wohlergehen?

Sie unterdrückte ein weiteres Stöhnen und blickte aus dem Fenster in die dunkle Nacht. „Bringen Sie mich einfach nur nach Hause, ja?“

Ihr kleines, einsames Apartment am anderen Ende der Stadt war viel besser geeignet als Cades Wagen, wenn sie in Selbstmitleid baden und ihre Wunden lecken wollte. Was für ein Kontrast zu seiner überdimensionierten Penthouse-Wohnung, in der sich wahrscheinlich gerade die arme Mona nach ihm verzehrte …

Wer um Himmels willen hat eine Marschkapelle bestellt?

Um den Schlagzeugeinsatz zum Schweigen zu bringen, rollte Abby herum. Ihre Wange streifte kühlen, weichen … Satin?

Sie setzte sich abrupt auf und hielt sich den Kopf, der zu platzen drohte. Zumindest fühlte er sich so an. Okay, sie lag im Bett, allerdings nicht in ihrem, wie sie durch ein geöffnetes Auge feststellte. Sie besaß definitiv kein Kingsize-Bett im Kolonialstil und keine anthrazitfarbenen Satinlaken mit passender Decke.

Dann dämmerte ihr plötzlich, wo sie war.

In Cades Wohnung. Super. Könnte besser nicht sein.

Sie legte auch die andere Hand an den Kopf, bevor sie es riskierte, beide Augen zu öffnen, um sich zu vergewissern, ob Cade womöglich mit einem selbstgefälligen Grinsen auf sie herabblickte.

Gott sei Dank, sie war allein. Und noch immer in voller Montur.

Offenbar war nichts passiert, es sei denn, Cade hätte sie bis zu den Sandaletten wieder angezogen.

Sie lauschte angestrengt, doch kein Geräusch drang aus den anderen Räumen. Vielleicht hatte sie Glück. Vielleicht war er nicht zu Hause und würde wie ein Gentleman über diesen peinlichen Zwischenfall hinweggehen. Wenn sie am Montag ins Büro kam, würden sie beide so tun, als sei nichts geschehen.

Ja, genau. Und dann würde er ihr bestimmt auch seine unendliche Liebe gestehen. Schon klar.

Ächzend rappelte sie sich auf. Während sie ihre zerknitterte Kleidung in Ordnung brachte, hatte sie Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Zugleich ermahnte sie sich, sich nicht länger in romantischen Tagträumen über Cade zu ergehen. Sie spielte nicht in seiner Liga, was bedeutete, dass er für immer unerreichbar bleiben würde.

Ganz besonders jetzt, nachdem er sich verlobt hatte.

Auf der Suche nach ihrer Tasche und ihren Schlüsseln tappte sie in den Flur und von dort die drei Stufen hinunter ins Wohnzimmer, das doppelt so groß war wie ihre ganze Wohnung. Nirgends eine Spur von Cade – glücklicherweise.

Ah, da auf dem Tisch aus gehämmertem Eisen vor dem braunen Ledersofa lag ja auch ihre Handtasche. Und an dieser lehnte ein Notizzettel.

Mit leisem Unbehagen schnappte sie sich den Zettel und las.

Bitte warten Sie auf mich. Wir müssen reden.

Cade

Ups. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Voll böser Vorahnung ließ sich auf das weiche Sofa sinken.

Hatte er vor, ihr erneut Vorhaltungen zu machen? Okay, er war ihr Boss, aber nicht ihr Aufpasser. Wut stieg in ihr auf. Was bildete Cade sich eigentlich ein? Er hatte kein Recht gehabt, sie gestern Abend aus dem Bulls’n’Beers rauszuschleifen wie eine ungezogene Göre. Endlich hatte sie sich einfach mal gehen lassen und sich dabei prächtig amüsiert.

Heute Morgen war es damit allerdings vorbei. Der Kater und die Aussicht, die Hochzeit des Jahres organisieren zu müssen, sowie die traurige Tatsache, dass sie ihren Job nicht einfach hinschmeißen konnte, weil ein riesiger Schuldenberg auf ihr lastete – das reichte, um ihr den Tag zu vermiesen.

Tapfer drängte sie die Tränen zurück. Ihre Mutter würde nicht wollen, dass sie sich über ihren Tod grämte. Und ganz sicher nicht, dass sie in einem Job ausharrte, den sie hasste. Andererseits – was sollte sie sonst tun, um aus den Schulden rauszukommen? Da hieß es durchhalten. Sobald die Hochzeit vorbei ist, beschloss Abby, kündige ich, egal, was Cade sagt.

Seufzend ließ sie sich in die weichen Kissen zurücksinken, die wenigstens ein bisschen Trost boten, während sie sich nach einem ganz anderen Trost sehnte. Einem, den ihr nur ein hochgewachsenes männliches Kraftpaket mit Nougataugen, einem süßen Grübchen am Kinn und durchtrainiertem Körper spenden konnte.

Millionenschwere Deals schloss Cade ab, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch den tollkühnen Fallschirmsprung mit einem draufgängerischen Geschäftspartner hatte er ganz cool mitgemacht. Er hatte sich sogar dazu hinreißen lassen, eine Frau um ihre Hand zu bitten, die er nicht liebte – alles zum Wohl der Firma.

Nichts davon bereute er. Doch nun stand er zögernd vor seiner Penthouse-Tür und starrte auf das massive dunkle Holz. Die beschämende Wahrheit war: Er fürchtete sich vor der Begegnung mit der zierlichen Blondine, die drinnen auf ihn wartete.

Das Bild von Abby, die auf diesem verdammten mechanischen Bullen ritt, hatte ihn die ganze Nacht wach gehalten. Er wünschte, er hätte nie einen Fuß in diese Bar gesetzt, um sie da rauszuholen und dann auch noch zu sich nach Hause mitzunehmen.

Nein, das stimmte eigentlich nicht. Obwohl ihr unbeschreiblich erotischer Anblick – wie sie die runden Hüften kreisen ließ und ihr das feuchte Haar im Gesicht klebte – ihm für immer unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt bleiben würde. Trotzdem bereute er seine spontane Aktion nicht. Nie zuvor hatte er Abby so unbeschwert erlebt und so… sexy. Er zweifelte nicht daran, dass es sich bei ihrem betrunkenen Auftritt um einen einmaligen Ausrutscher handelte.

Das geht dich doch nicht das Geringste an, schalt er sich im Stillen. Abby war seine Sekretärin, und eine verdammt gute noch dazu, aber mehr auch nicht. Nie zuvor hatte er im Zusammenhang mit ihr an Sex gedacht. Doch jetzt, nach dem gestrigen Abend, war er regelrecht besessen von dem Gedanken.

Er klemmte sich die Brötchentüte unter den Arm und schloss endlich die Tür auf, fest entschlossen, sich wie ein Mann und nicht wie ein hormongesteuerter Teenager zu benehmen.

Abbys hellblondes Haar fiel ihm als Erstes ins Auge, dann ihre sonnengebräunten Beine, die sie lässig auf seinen Couchtisch gelegt hatte.

Erschrocken blickte sie sich zu ihm um und sprang auf.

Wütend auf sich selbst knallte er die Tür zu, woraufhin sie erneut erschrocken zusammenzuckte und die Augen zusammenkniff, als könnte sie das Geräusch nicht ertragen. Gut, sie schien einen gehörigen Kater zu haben. Geschah ihr ganz recht.

„Na? Erholt?“ Cade lief schwungvoll die drei Stufen zum Wohnbereich hinab.

Sie setzte sich wieder aufs Sofa, diesmal nicht entspannt, sondern in deutlicher Hab-Acht-Stellung. „Mir geht es gut, danke. Warum bin ich hier?“

Ohne auf ihre Frage einzugehen, stellte er die Tüte auf den Tisch vor ihr. „Hier, Frühstück. Ihr geliebtes Arteriengift. Los, hauen Sie rein, damit ich Sie wieder anschreien kann.“

Sie hob die perfekt geformten Brauen. „Wenn an mein mit Kirschen gefülltes Plundergebäck mit extra Frischkäse Bedingungen geknüpft sind, will ich es gar nicht haben.“

„Wollen Sie sich meine Standpauke wirklich auf leeren Magen und mit rasenden Kopfschmerzen zumuten?“ Er sah sie spöttisch an. „Es liegt an Ihnen.“

Keine zehn Sekunden später fischte sie lockeres Plundergebäck aus der Papiertüte. Cade betrachtete ihre ärmellose pinkfarbene Bluse und die weißen Shorts. Beides war ziemlich zerknittert, und das lange blonde Haar hing ihr zerzaust auf die Schultern. Trotzdem sah man ihr nicht an, dass sie vermutlich gerade den Kater ihres Lebens hatte.

Im Gegenteil, sie sah aus, als hätte sie eine heiße Liebesnacht hinter sich.

Nein. Nein, nein, nein. Eine weitere Verwicklung in seinem ohnehin schon ziemlich chaotischen Leben konnte er nicht gebrauchen. Und Abby Morrison stellte definitiv eine Verwicklung dar. Zumindest seit vergangener Nacht.

Okay, er hatte sie von Anfang an attraktiv gefunden, keine Frage. Und irgendetwas an ihr hatte ihn schon immer fasziniert. Wahrscheinlich ihre zurückhaltende Art. Sie war nicht der Typ, der vor jedem, der es hören wollte oder auch nicht, sofort das ganze Privatleben ausbreitete. Doch diese Faszination war nie so weit gegangen, dass Abby ihn bis in seine Träume verfolgt hatte.

Bis jetzt.

Allein, mit anzusehen, wie sie ihr Plunderteilchen in den kleinen Topf mit Frischkäse dippte und sich anschließend die Fingerspitzen ableckte, brachte sein Blut in Wallung. Rasch wandte er sich ab, um ihr aus der Küche ein Glas Saft zu holen.

Er versuchte, sich abzulenken, indem er seine Gedanken auf Mona Tremane, seine Verlobte, richtete. Auf sie sollte er sich jetzt konzentrieren. Die bevorstehende Hochzeit war genau der Schnitt, den er brauchte, nachdem sein Vater ihm und seinem Bruder Brady kurz vor seinem Tod das Geschäft übergeben hatte.

Seit Cade zusammen mit Brady Geschäftsführer der Stone Enterprises geworden war, verfolgte er ehrgeizige Ziele. Ihm schwebte die globale Ausbreitung ihrer Immobilienfirma vor, ein Plan, den Brady hundertprozentig unterstützte. Doch während sein Bruder eher in langfristigen Dimensionen dachte, war Cade fest entschlossen, sein Ziel zeitnah umzusetzen.

Monas Vater hatte eine Partnerschaft zwischen seinem eigenen millionenschweren Immobilienunternehmen und Stone Enterprises in Aussicht gestellt … und seine Trumpfkarte gezückt: die Ehe mit seiner Tochter. Die Vorstellung, endlich in eine andere Liga aufsteigen zu können, hatte Cade nicht lange zögern lassen. Nur zu bereitwillig hatte er seine Unterschrift geleistet, auch wenn der Vertrag ein Ehegelöbnis mit einschloss.

Warum denn nicht? Er hatte Mona bereits einige Male ins Theater begleitet und sich mit ihr angefreundet. Einer dauerhaften Partnerschaft stand also nichts im Weg. Sein Bruder hatte ebenfalls kürzlich geheiratet und schien höchst zufrieden im heiligen Stand der Ehe. Tatsächlich waren Sam und er ganz vernarrt ineinander, wie es aussah. Nun, das war nichts für Cade.

Liebe war etwas, das er gern anderen überließ, er war dafür nicht gemacht. Seiner Ansicht nach füllten Leute, die behaupteten, sich verliebt zu haben, nur eine Lücke in ihrem Leben. Er für seinen Teil füllte solche Lücken lieber mit einem neuen Flugzeug oder einem schnellen Wagen.

Außerdem, hatten Macht und Reichtum nicht mehr Bestand als die Liebe? Abgesehen davon, dass er die Existenz der romantischen Liebe ohnehin bezweifelte. Das war ein Märchen, mehr nicht.

Seinen Vater, ja, den hatte er geliebt. Aber das war auch etwas ganz anderes. Der Gedanke ließ sein Herz schwer werden. Rasch verdrängte er seine Trauer um den Mann, der ihn zu dem gemacht hatte, was er heute war. Das brachte seinen Vater auch nicht zurück. Der beste Weg, sein Andenken zu ehren, war, sein Unternehmen zum Blühen zu bringen.

Cade goss ein Glas frisch gepressten Orangensaft für Abby ein. Er wusste, jetzt war genau der richtige Zeitpunkt, eine Familie zu gründen, um den Bestand des Familienunternehmens auch in der nächsten Generation zu sichern. Brady und Sam waren ihm bereits einen Schritt voraus. In knapp drei Monaten würden ihre Zwillinge zur Welt kommen.

Mit dem Glas in der Hand kehrte Cade ins Wohnzimmer zurück. „Hier, bitte schön.“ Er stellte das Glas vor Abby ab. Dann lehnte er sich gegen die Wand gegenüber und sah sie abwartend an, die Arme vor der Brust verschränkt.

Abby erwiderte seinen Blick. „Was ist?“ In ihrer Stimme schwang ein trotziger Unterton mit.

„Ich warte auf eine Erklärung. Warum haben Sie sich gestern Abend betrunken?“

Sie zuckte die Achseln. „Ich bin eine erwachsene Frau, Cade. Ich wollte mich entspannen, ein bisschen Spaß haben. Sie verstehen doch sicher die Bedeutung des Wortes Spaß, oder?“

„Wir reden hier nicht über mich“, konterte er barsch.

„Nein, denn sonst könnten Sie mir erklären, warum ich vor dieser plötzlichen Verlobung noch nie etwas über diese ominöse Mona Tremane gehört habe.“

Cade richtete sich auf. „Meine Privatangelegenheiten gehen Sie nichts an. Sie sind meine Angestellte, vergessen Sie das bitte nicht.“

Seine scharfe Zurechtweisung schien sie verletzt zu haben, oder bildete er sich das nur ein?

Sie hob trotzig das Kinn. „Sie haben völlig recht. Genauso steht es mir zu, meine Freizeit zu verbringen, wie es mir gefällt. Ich brauche keinen Daddy, der zu meiner Rettung herbeieilt.“ Sie trank einen Schluck Saft. „Obwohl ich Sie beinahe besser kenne als ihn“, fügte sie leise hinzu.

Ihr Ton klang plötzlich nicht mehr verärgert, sondern traurig. Was war nur in seine sonst so reservierte Assistentin gefahren? Es war das erste Mal, dass sie eine Bemerkung über ihre Familie machte. Warum kam er sich plötzlich kalt und gleichgültig vor? Eine völlig überzogene Reaktion, denn schließlich verband sie nichts weiter miteinander als ein ganz normales Arbeitsverhältnis.

Sie fuhr sich mit der Hand durchs zerzauste Haar. „Ich bin zu müde, um hier länger mit Ihnen herumzudiskutieren. Geben Sie Ihrer Verlobten bitte meine Telefonnummer. Ich schaue mal, wann ich mit den Hochzeitsvorbereitungen anfangen kann.“

Damit schnappte sie sich ihre Handtasche und schlüpfte in ihre hochhackigen pinkfarbenen Sandaletten. Hatte sie schon immer so perfekt lackierte Fußnägel gehabt? Ganz schön sexy …

Er riss sich von dem Anblick los. „Ich fahre Sie zu Ihrem Wagen.“

Schon auf dem Weg zur Tür, rief sie über die Schulter zurück: „Nicht nötig, ich nehme ein Taxi.“

„Kommt nicht infrage.“ Cade hatte sie bereits eingeholt. „Wir nutzen die Zeit im Wagen für eine Besprechung.“

Sie schloss kurz die Augen, als müsse sie sich zwingen, Ruhe zu bewahren. „Ich bin nicht im Dienst, Cade. Und Privatangelegenheiten sind tabu, schon vergessen? Falls es etwas zu besprechen gibt, hat das Zeit bis Montag im Büro.“

Ihre Worte trafen ihn unerwartet hart. Wofür hielt sie ihn eigentlich, für ein eiskaltes Monster?

„Die Angelegenheit duldet leider keinen Aufschub.“ Beunruhigend deutlich wurde ihm bewusst, dass sie so dicht beieinanderstanden, dass ihre Brüste fast seinen Oberkörper berührten. „Ich habe vor, die Fusionspapiere mit Tremane International in Kürze zu unterzeichnen, ungefähr gleichzeitig mit meiner Hochzeit. Die Abwicklung beider Angelegenheiten sollte innerhalb eines Monats erledigt sein.“

2. KAPITEL

Mona Tremane vereinte alle Attribute in sich, die viele Frauen als erstrebenswert betrachteten. Sie war attraktiv, hochgewachsen, reich. Hatte Kurven an den richtigen Stellen.

So blieb es nicht aus, dass sich in Abby der Neid regte. Sie saß Mona gegenüber, konnte nicht umhin, deren Verlobungsring zu bewundern – einen funkelnden Smaragd – und tat ihr Bestes, zu lächeln und sich auf das Gespräch zu konzentrieren.

Himmel, sie konnte sich wahrlich eine bessere Art vorstellen, ihre Mittagspause zu verbringen.

„Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich es genieße, mal ein paar Minuten aus dem Büro zu kommen.“ Zufrieden beugte Mona sich vor. „Wir haben Glück, das mein Einuhrtermin im letzten Moment abgesagt hat. Im Ernst jetzt, ich gebe Ihnen völlig freie Hand bei der Planung der Hochzeit. Einzelheiten interessieren mich nicht. Sie sind der Profi. Da vertraue ich ganz Ihrer Erfahrung.“

Insgeheim beglückwünschte Abby sich zu ihrem Vorschlag, dieses Treffen in einem kleinen Café in der Nähe der Stone Enterprises abzuhalten – auf neutralem Boden gewissermaßen. Außerdem war das Essen hier lecker – wenn sie beim Anblick von Miss Colgate-Lächeln, die strahlte, als hätte sie den Hauptgewinn bei einer Junggesellenversteigerung eingeheimst, überhaupt einen Bissen hinunterbekam.

„Sie wollen wirklich alles mir überlassen? Was, wenn unsere Vorstellungen von einer romantischen Hochzeit sich nicht decken?“ Abby unterstrich ihre Worte mit einem, wie sie hoffte, herzlichen Lächeln.

„Mir fehlt schlichtweg die Zeit“, bekannte Mona. „Außerdem, mit Romantik hat dieses Arrangement nun gar nichts zu tun. Ich betrachte die Sache nicht durch eine rosarote Brille, müssen Sie wissen. Cade und mir ist in erster Linie daran gelegen, unsere Geschäftsbeziehungen zu festigen.“

Aus ihrem Mund hörte sich das an wie die selbstverständlichste Sache der Welt.

„Cade ist fest davon überzeugt, dass Sie genau die Richtige für diese Aufgabe sind.“

Ich Glückliche!

Mit ihren zart schimmernden Lippen und in dem blassrosa Chanel-Kostüm sah Mona wirklich hinreißend aus. Abby war sich bewusst, dass sie sich mit diesem Typ Frau niemals würde messen können.

Bla, bla, bla … warum klang Monas Stimme in Abbys Ohren plötzlich wie die der Lehrerin von Charlie Brown?

Weil sich erneut das grünäugige Monster namens Neid meldete.

Denn wenn sie ehrlich war, gab es tatsächlich nichts Negatives an Mona festzustellen – die Tatsache, die Abby am meisten ärgerte. Es war Cade nicht zu verdenken, dass er den Rest seines Lebens an der Seite dieser eleganten Upperclass-Schöhnheit verbringen wollte. Dazu war sie noch klug und nett … das perfekte Trostpflaster dafür, dass es keine Liebesheirat sein würde.

„Tja, Ihr Vertrauen ehrt mich.“ Abby legte die Serviette beiseite und gab dem Kellner ein Zeichen, ihr den Hühnchen-Wrap, den sie nicht angerührt hatte, einzupacken. „Das wird ein schönes Stück Arbeit, aber ich kriege das schon hin. Ist schließlich nicht die erste Hochzeit, die ich organisiere. Allerdings wartet während der kommenden Wochen eine Menge Arbeit auf uns.“

Mona wedelte mit ihrer perfekt manikürten Hand. „Die nächsten drei Wochen habe ich eigentlich gar keine Zeit. Ich werde ständig unterwegs sein, eine wichtige Geschäftsreise liegt an. Sie haben ja meine Handynummer, falls etwas Wichtiges ist. Aber, wie gesagt, Sie haben freie Hand. Ich gebe Ihnen meine Kleidermaße, den Rest überlasse ich Ihnen.“

Wie jetzt – Mona wollte nicht mal ihr Hochzeitskleid selbst aussuchen? Das hatte Abby ja noch nie erlebt.

„Ich möchte nicht unhöflich sein“, meinte sie bedächtig, „aber ist eine Hochzeit nicht wichtiger als ein Geschäftsabschluss? Könnte Ihr Vater nicht jemand anderen mit dieser Aufgabe betrauen?“

Mona schüttelte den Kopf. „Als Vorstandsvorsitzende bin ich bei dieser Unternehmensfusion unabkömmlich. Und dafür brauche ich dringend einen freien Kopf. Ich verlasse mich da voll und ganz auf Sie. Ach, und Sie organisieren doch auch die Hochzeitsreise, oder?“

Hochzeitsreise. Ein Wort, das Abby nun gar nicht hören wollte. Jedenfalls nicht in Zusammenhang mit Mona und Cade.

„Ja, mache ich“, erwiderte sie ergeben. „Schon irgendwelche Ideen, wo es hingehen soll?“

„Gar nicht.“ Sie drückte Abbys Hand. „Ich verlasse mich auf Sie. Wenn Cade sagt, Sie sind die Beste, dann sind Sie das auch.“

Plötzlich fühlte sich Abby wie eine elende Verräterin. Die Frau war wirklich supernett und vertraute ihr aufrichtig.

Andererseits – sie, Abby, konnte schließlich nichts dafür, dass sie sich in Cade verliebt hatte, oder? Kein Grund also, sich schuldig zu fühlen.

Nachdem sie sich von Mona verabschiedet hatte, nahm sie die Tüte mit ihrem Wrap und eilte ins Büro zurück. Das Beste war, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und diese unselige Hochzeit vorerst zu verdrängen.

Unwillkürlich fragte sie sich, was aus dem Büro in San Francisco werden würde, wenn Cade und Brady ihr Unternehmen weltweit ausweiteten. Würden sie einen Fremden mit der Leitung beauftragen, während sie selbst künftig rund um den Globus jetteten? Zusammen mit Mona natürlich …

Seufzend setzte Abby sich hinter ihren Schreibtisch und warf ihre Lunchtüte in den Papierkorb. Sie schaffte es einfach nicht, beim Gedanken an die bevorstehende Hochzeit gelassen zu bleiben. Natürlich würde sie alles perfekt organisieren, da war sie Profi genug. Alle würden sich freuen, bis auf sie. Dabei hatte sie überhaupt nicht das Recht, unglücklich zu sein.

Die astronomisch hohe Summe, die Cade ihr für die Planung der Hochzeit des Jahres zahlte, würde ihr nicht nur ermöglichen, ihre Schulden zu bezahlen, sondern auch, sich ein eigenes Haus zu kaufen. Dann könnte sie endlich aus ihrem winzigen Apartment ausziehen, das ihr seit dem Tod ihrer Mutter Zuflucht vor den traurigen Erinnerungen bot. In dem Haus, das sie zusammen mit ihrer Mutter bewohnt hatte und wo sie ihr langsames Sterben hatte mit ansehen müssen, hätte sie es nicht ausgehalten.

Tränen stiegen in ihr auf, aber sie machte sich nicht die Mühe, sie zurückzudrängen. Denn es wäre ihr so vorgekommen, als verdränge sie damit die Erinnerung an ihre Mutter.

„Abby.“

Beim Klang von Cades tiefer, kräftiger Stimme drehte Abby sich um und pappte sich ein Lächeln ins Gesicht.

„Was ist passiert?“ In einer mitfühlenden Geste zog er ein blütenweißes Taschentuch aus der Jacketttasche seines italienischen Maßanzugs und tupfte Abby zu ihrer Bestürzung die Tränen weg. „Alles in Ordnung?“

Sie wusste nicht, was sie mehr beeindruckte: dass er sich wirklich für ihre Gefühle zu interessieren schien oder dass er der einzige Mann auf diesem Planeten war, der ein Stofftaschentuch tatsächlich benutzte, anstatt es nur dekorativ in der Anzugjacke zu drapieren.

„Ja, es geht schon, danke.“

Sie wollte sich abwenden, war aber wie gebannt von seiner liebevollen Geste, die sie erschauern ließ.

„Benötigen Sie etwas?“, fragte sie, um einen geschäftsmäßigen Ton bemüht. Er brauchte schließlich nicht zu wissen, wie sehr sie das alles mitnahm.

Hm, hatte er ihre Frage überhaupt realisiert? Warum antwortete er dann nicht … Jetzt drückte er ihr sein Taschentuch in die Hand und richtete sich abrupt auf, als würde ihm plötzlich die intime Nähe bewusst.

Dann schob Cade die Hände in die Hosentaschen und räusperte sich. „Wie ist Ihr Treffen mit Mona verlaufen?“

Abby umklammerte das seidige Stück Stoff, als könne dadurch etwas von Cades Stärke und Selbstsicherheit auf sie übergehen, und erwiderte: „Alles paletti. Ich werde allerdings bis zum Hals in Arbeit stecken, da Mona sich aus geschäftlichen Gründen nicht an den Vorbereitungen beteiligen kann. Aber …“

„Sie kriegen das schon hin.“

Seine Zuversicht schmeichelte ihr und verärgerte sie zugleich. Interessierte es ihn nicht, wie sie das alles schaffen sollte, oder hielt er wirklich so große Stücke auf sie?

Herrje, wieso stellte sie sich plötzlich selbst in Frage? Was ihre Arbeit betraf, zweifelte sie doch sonst nicht an ihren Fähigkeiten.

„Allerdings gibt es da einen Punkt, um den Sie sich kümmern sollten“, sagte sie, bevor er sich wieder abwenden konnte.

„Ich wüsste nicht, welchen. Wie gesagt, Mona und ich setzen volles Vertrauen in Sie.“

Abby stand auf und gab ihm sein Taschentuch zurück. „Prima, trotzdem organisiert für gewöhnlich der Bräutigam die Flitterwochen. Normalerweise assistierte ich dabei. Allerdings hatte ich früher ja auch nichts anderes zu tun, als die Hochzeit zu planen, während ich jetzt noch einen Fulltime-Job im Büro ausfüllen muss. Und ich habe auch gar kein schlechtes Gewissen, Ihnen diese Aufgabe aufs Auge zu drücken. Schließlich sind Sie genug in der Welt herumgekommen, um zu wissen, wo es schöne Plätze gibt.“

Nein. Ihr schlechtes Gewissen hielt sich tatsächlich in Grenzen. Sollte er doch selbst für den romantischen Postkartenhintergrund für seine erotisch-exotischen Flitterwochen mit der hübschen Mona sorgen. Da konnten sie sich dann nächtelang lieben, bis die Sonne am Morgen wie ein orangefarbener Feuerball hinter dem Horizont aufstieg.

Brrr. Wirklich kein Traumjob, den er ihr da ans Bein gebunden hatte. Na ja, zumindest würde sie auf diese Weise ihre Schulden los …

Sorgfältig faltete Cade das Taschentuch zusammen und steckte es in seine Jacketttasche zurück. „Es ist mir egal, wohin wir fahren. Buchen Sie einfach irgendwas.“

„Nein.“

Indigniert hob er die Brauen. „Wie bitte?“

„Ich sagte Nein.“ Offensichtlich war doch ein bisschen von seinem Mumm auf sie übergegangen. „Eine Braut wünscht sich für ihre Flitterwochen etwas ganz besonders Romantisches. Ganz bestimmt wünscht sie sich nicht, ihren Honeymoon von der Sekretärin ihres Zukünftigen aussuchen zu lassen.“

Ein leises Lächeln legte sich um seine Lippen, die sie so gern geküsst hätte. „Das alles wissen Sie schon über Mona, nach nur einem Treffen?“

Gereizt verdrehte sie die Augen. „Nein, ich weiß das, weil ich eine Frau bin und mit unzähligen Bräuten zusammengearbeitet habe. Frauen stehen auf Romantik. Wäre uns unsere Hochzeit egal, würden wir keinen Hochzeitsplaner engagieren. Dann würden wir einfach im Country Club reservieren und gut. Sie fliegen doch sowieso bald geschäftlich nach Jamaika. Die perfekte Gelegenheit, sich ein paar schöne Hotels anzuschauen. Verbuchen Sie es als Geschäftsreise, wenn Sie sich damit besser fühlen.“

Ein Muskel in seiner Wange zuckte, und Abby hielt den Atem an. War sie jetzt doch zu weit gegangen? Nie zuvor hatte sie sich Cade gegenüber einen solchen Ton erlaubt. Allerdings hatte sie sich auch nie zuvor betrunken auf einem mechanischen Bullen amüsiert. Woher nahm sie plötzlich diese Verwegenheit? Vermutlich war ihr bewusst, dass sie sowieso nichts mehr zu verlieren hatte. Der Mann, den sie als ihren Ritter in schimmernder Rüstung betrachtet hatte, ritt mit der Prinzessin in den Sonnenuntergang … nicht mit der Dienstmagd.

Aber so war es ja eigentlich gar nicht … Warum musste sie sich unbedingt selbst quälen? Nach Aussage von Mona und Cade handelte es sich bei ihrer Hochzeit lediglich um die Festigung einer Geschäftsbeziehung. Romantik war nicht vorgesehen, Liebe unwichtig. Darüber war Abby natürlich nicht gerade unglücklich, etwas anderes zu behaupten, wäre gelogen.

Drehte sich denn wirklich alles in Cades Leben ums Geschäft? Und Mona – wie konnte sie sich mit einer Vernunftehe zufriedengeben?

Das ging sie natürlich nicht das Geringste an, und es wäre besser, sich nicht länger den Kopf darüber zu zerbrechen.

„Okay“, räumte er ein. „Ich fliege Freitag. Planen Sie meine Termine bitte neu, und verständigen Sie meinen Piloten, dass ich zwei Wochen unterwegs sein werde. Ich möchte Cancún, Cozumel und Jamaika besuchen.“

Sie hätte sich denken können, dass er auf ihren Vorschlag anspringen würde, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Cade gab sich nie mit halben Sachen zufrieden. Eine Charaktereigenschaft, die vermutlich mit dazu beigetragen hatte, dass sie sich in ihn verliebt hatte.

Warum kämpfte sie dann nicht um ihn?

Weil sie wusste, dass sie gegen die perfekte, handverlesene Braut keine Chance hatte. Im Grunde interessierten beide sich ohnehin mehr für ihre jeweiligen Karrieren als für die Hochzeit und eine glückliche Ehe.

„Praktisch schon erledigt.“

„Vergessen Sie diesmal nicht, Ihre Sonnencreme einzupacken.“

„Wie?“

„Sonnencreme. Neulich in Florida, bei dem Meeting auf der Terrasse, haben Sie sich einen heftigen Sonnenbrand geholt.“

An diese schmerzhafte Erfahrung erinnerte sie sich noch gut. Cade hatte ihre verbrannten Schultern und ihren Rücken eigenhändig mit Aloe-Vera-Lotion eingerieben. Allein der Gedanke an seine kraftvollen Hände, die die Lotion sanft in ihre gerötete Haut einmassierten, ließ Abby erschauern.

Sie schob entschlossen das Kinn vor. „Ich komme nicht mit.“

„Aber selbstverständlich tun Sie das.“ Cade straffte die Schultern, ein deutliches Signal, wer hier der Boss war. „Das ist eine Geschäftsreise wie jede andere.“

Da sie aus Erfahrung wusste, dass es sinnlos war, mit ihm zu diskutieren, wandte sie sich ab und lud sich seinen Terminplan auf den Bildschirm. Als sie Sekunden später hörte, wie die Bürotür zugezogen wurde, schloss sie kurz die Augen und seufzte.

Das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit ihr. Wieso musste sie sich ausgerechnet in einen Mann verlieben, der nicht das geringste Interesse an ihr zeigte?

Das war wirklich nicht fair.

Trotzdem schwor sich Abby, die bevorstehende Hochzeit zum Ereignis des Jahres zu machen. Diesmal würde sie sich selbst übertreffen und das Image der beiden durch eine Märchenhochzeit aufpolieren, wie sie sich sonst nur gekrönte Häupter gönnten. Ja, sie würde es noch einmal richtig krachen lassen, auch wenn sie mit lebenslangem Herzschmerz dafür bezahlen musste.

Cade hatte Mühe, sich zu konzentrieren. Wie konnte er einen klaren Gedanken fassen, wenn Abbys Parfum seine Nase kitzelte? Ein ganz subtiler Duft, exotisch und zart, verlockend wie die zierliche Frau selbst. Dieser Duft entströmte dem Taschentuch, mit dem er ihr die Tränen getrocknet hatte. Wieso hatte sie überhaupt geweint? Dass sie sich ihm nicht anvertrauen würde, hatte er gewusst, bevor er gefragt hatte. Warum sollte sie auch? Er hatte sich bisher schließlich nie nach ihrem Privatleben erkundigt, jedenfalls nicht vor dem gestrigen Abend.

Und wieso dieser impulsive Entschluss, sie solle ihn auf seiner Geschäftsreise begleiten? – Weil die Wahl des passenden Flitterwochen-Hotels zum Geschäft gehört, versuchte er sich einzureden.

Plötzlich war er sich gar nicht mehr so sicher, dass er es überhaupt bis vor den Altar schaffen würde. Erst mal musste er diese Reise heil überstehen.

Abby machte es sich in dem weichen Ledersitz bequem und schnallte sich an. Normalerweise wäre sie ganz aus dem Häuschen gewesen vor Freude, in Cades Privatjet in die Karibik zu fliegen, aber unter diesen Umständen …

Als Cade aus dem Cockpit zurückkam, fuhr sie gerade ihren Laptop hoch. Am besten, sie stürzte sich gleich in die Arbeit. Je eher sie die Planung dieser unseligen Hochzeit hinter sich brachte, desto rascher konnte sie sich wieder ihrem eigenen Leben zuwenden. Ihrem eigenen einsamen Leben.

„Woran arbeiten Sie da?“ Cade setzte sich auf den Platz neben sie.

„Hochzeitsvorbereitungen.“

Er schloss den Sicherheitsgurt und blickte interessiert auf den Bildschirm. Musste er unbedingt so nahe kommen? Und so gut riechen? Sie Tag für Tag mit seiner umwerfenden Männlichkeit quälen?

Dem Himmel sei Dank, sobald sie erst mal im Hotel waren, würden sie getrennte Wege gehen und sich nur noch beim Essen treffen, um geschäftliche Dinge zu besprechen.

„Sie sind ein richtiger Profi, wenn es um das Thema Romantik geht, stimmt’s?“

Machte er sich etwa über sie lustig?

„Oh, auf dem Gebiet sind Sie aber auch nicht gerade ein Anfänger.“ Sie lächelte ihm aufmunternd zu. Zu gern wollte sie aus ihm herauskitzeln, ob er nicht doch etwas für die Frau empfand, die er in Kürze heiraten würde. „Ein beeindruckender Klunker, der da an Monas Hand prangt.“

Achselzuckend streckte er die Beine aus und verschränkte lässig die Arme. „Keine Ahnung. Sie hat ihn selbst ausgesucht.“

Abby fasste es nicht. „Soll das ein Witz sein? Sie haben nicht mal den Ring für Ihre Verlobte ausgesucht?“

„Nein. Ich habe ihr eine E-Mail geschickt und sie gebeten, sich einen hübschen Ring zu kaufen und mir die Rechnung zu schicken.“

Die Kälte, die diese Bemerkung beinhaltete, ließ sie erschaudern. „Ich glaube, ich spreche für alle Frauen der Welt, wenn ich sage: Dies ist die denkbar ungünstigste Ausgangsbasis für eine Ehe.“

Cade wischte ihren Einwand mit einem lässigen Lachen beiseite. „Mag sein, aber in diesem Fall ist allen Beteiligten bewusst, dass es sich nicht um eine Liebesheirat handelt, sondern um eine Firmenfusion mit dem Ziel, einen international operierenden Konzern aufzubauen.“

Plötzlich tat Cade ihr fast ein bisschen leid. Wie konnte ein großartiger Mann wie er sich nur so weit erniedrigen? Dabei gäbe er den perfekten Ehemann ab, davon war sie ganz fest überzeugt. Er brauchte sich nur der Liebe zu öffnen …

„Ich komme nicht mit meiner Arbeit voran, wenn ich hier weiter mit Ihnen plaudere“, sagte sie abrupt und konzentrierte sich wieder auf den Bildschirm. „Sie haben sicher auch noch jede Menge zu tun.“

Er ließ sein volltönendes Lachen hören. „Jetzt klingen Sie ganz genau wie meine Mutter.“

Autsch. Das wollte eine Frau ganz gewiss nicht aus dem Mund des Mannes hören, auf den sie scharf war.

„Sie hat mich immer weggescheucht, wenn sie ihre Ruhe haben wollte“, fuhr er fort. „Brady und ich triezten sie dann absichtlich, um sie auf die Palme zu bringen.“

Das konnte Abby sich lebhaft vorstellen. „Sie müssen sie sehr vermissen.“

Sein Lächeln erlosch. „Jeden Tag. Jetzt, nachdem auch Dad nicht mehr lebt, ist es noch schlimmer.“

„Es ist schwer, sich mit dem Tod der Eltern abzufinden, das weiß ich aus Erfahrung.“

„Wann sind Ihre denn gestorben?“

Na großartig. Jetzt wurde er auch noch persönlich. Aus irgendeinem Grund behagte ihr das gar nicht. „Mein Vater war nie wirklich Teil meines Lebens. Er starb, als ich zwei Jahre alt war. Insofern erinnere ich mich nicht mal an ihn“, erwiderte sie kurz angebunden. Sie klickte sich durch die Muster verschiedener Blumenarrangements, um die Leere in ihrem Inneren zu vergessen. „Meine Mutter verlor ich, kurz bevor ich bei Stone Enterprises anfing. Ich habe sie bis zu ihrem Tod gepflegt. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.“

„Sie müssen eine sehr starke Frau sein.“

Seine Worte berührten sie gegen ihren Willen. Die Tatsache, dass ein Erfolgsmensch wie Cade sie für stark hielt, war Balsam für ihre Seele.

„Ich weiß nicht“, sagte sie nachdenklich. „Ich habe einfach getan, was ich tun musste, weil meine Mutter mich brauchte. Meine eigenen Bedürfnisse zählten nicht. Ich wollte all meine Energie darauf verwenden, ihr ihre letzten Tage so angenehm wie möglich zu machen.“

„Das erklärt, warum es keinen Mann in Ihrem Leben gibt.“

Ihre Finger verharrten über der Tastatur. „Wie bitte?“

„In all den Monaten, die Sie jetzt für mich arbeiten, haben Sie kein einziges Mal einen Mann oder ein Date erwähnt. Jetzt verstehe ich, warum. Sie hatten keine Zeit für einen Mann.“

Keine Zeit für ein Date … wie erbärmlich klang das denn?

„Sie haben also Jahre damit zugebracht, Hochzeiten und romantische Events für andere Leute zu planen, aber es gab niemanden, der Sie umwarb“, fuhr Cade fort und klang plötzlich wie ein Psychiater bei der Analyse.

„Aus Ihrem Mund klingt das so deprimierend.“ Sie sah ihn an und sofort wieder weg, als sie seinem eindringlichen Blick begegnete, der sie förmlich zu sezieren schien. „Ich finde es toll, andere Leute glücklich zu sehen und den schönsten Tag in ihrem Leben zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen.“

„Aber die Männer müssen doch bei Ihnen Schlange stehen für ein Date.“

Oh, nett, dass er das sagte. Er hielt sie also nicht für völlig unattraktiv. Abby zuckte mit den Achseln. „Ein paar. Ich bin ziemlich wählerisch.“

„Das sollten Sie auch sein“, stimmte er zu. „Sie träumen sicher von einer Liebesheirat, so wie ich Sie einschätze. Dann sollten Sie sich auch nicht mit weniger zufriedengeben.“

Sie warf ihm einen spöttischen Blick zu. „Gilt dasselbe nicht auch für Sie?“

Cade lächelte breit. „Aber nein, das wissen Sie doch.“ Er legte ihr die Hand auf den Arm. „Menschen heiraten nicht nur aus Liebe, Abby.“

„Das sollten sie aber.“ Sie sah ihm ernst in die dunklen Augen.

„Sie warten also auf die große Liebe?“ Er zog die Hand zurück.

Mit einem gewinnenden Lächeln erwiderte sie: „Haben Sie mir nicht gerade geraten, mich nicht mit weniger zufriedenzugeben?“

Genau diese Bemerkung war es, die ihr bewusst machte, was sie wirklich wollte.

Sie wollte Cade Stone.

Er war es gewohnt zu kämpfen, um seine Ziele zu erreichen. Dieser eisernen Willenskraft verdankte er seinen Erfolg. Wie sollte er da eine Frau schätzen, die beim geringsten Widerstand aufgab und ihre Wünsche sausen ließ? Sie musste wenigstens versuchen, sich zu öffnen, und Cade zu zeigen, wer sie wirklich war. Sonst würde sie sich ihr Leben lang fragen, was hätte sein können.

Sie mussten einander besser kennenlernen. Nur so konnte sich etwas zwischen ihnen entwickeln.

Himmel, war sie denn völlig verrückt geworden? Jetzt fantasierte sie schon über die Zukunft mit einem Mann, der sich gerade verlobt hatte. Und zwar mit einer anderen.

Und doch … in ihr glomm ein winziger Funken Hoffnung auf.

Das Setting war ideal: die perfekten Flitterwochen, so lautete doch unter anderem das Thema dieser Reise. Sie brauchte ihn nur mit der Nase darauf zu stoßen, was Luxushotels in puncto Romantik zu bieten hatten: Sauna für zwei, Partnermassage, Candle-Light-Dinner am Strand …

Hey, das musste schließlich alles ausprobiert werden, oder? Warum nicht die Arbeit mit dem Vergnügen verbinden? Das war doch sicher erlaubt zu Gunsten des großen Ganzen.

Abby musste sich auf die Lippen beißen, um nicht wie ein Schulmädchen loszukichern.

Pass auf, Cade. In mir findest du deinen Meister.

Schließlich hatte er ihr selbst empfohlen, sich nicht mit dem Zweitbesten zufriedenzugeben. Und die Wünsche ihres Chefs waren ihr Befehl.

3. KAPITEL

Cade fragte sich, was neuerdings eigentlich mit Abby los war. Seit dem vergangenen Freitag verhielt sie sich so seltsam. Erst dieser irrwitzige Bullenritt in der Bar … Obwohl er nichts über ihr Privatleben wusste, war er sich sicher, dass solche Aktionen sonst nicht zu ihren Freizeitbeschäftigungen zählten.

Verdammt. Warum musste er jetzt schon wieder daran denken? Besser, er vergaß diese verstörende Episode so schnell wie möglich.

Trotzdem, irgendwas war anders. Seit ihrer Ankunft im Hotel Cielo Islandés schien Abby spurlos verschwunden. Das sah ihr gar nicht ähnlich. Normalerweise ging sie auf Geschäftsreisen immer gleich seinen Terminplan mit ihm durch. Doch heute ließ sie sich nicht blicken.

Sorgfältig hängte Cade seine Anzüge in den Schrank und schloss die weiß lackierten Doppeltüren. Wie immer hatte Abby eine geräumige Suite reserviert, dennoch fühlte er sich irgendwie unruhig, beengt. Wie sollte er sich auf die Auswahl eines Flitterwochen-Resorts konzentrieren, wenn er an nichts anderes denken konnte als an Abby und ihre neu entdeckte sinnliche Ausstrahlung?

Nicht nur das, sie wirkte plötzlich auch irgendwie stärker, selbstbewusster. Sie vertrat offen ihre Meinung und bot ihm die Stirn, wenn sie es für angebracht hielt. Er musste zugeben, dass ihm diese neue Seite an ihr gefiel.

Verdammt.

Er öffnete die Glastüren, die auf den Balkon führten, und sog genüsslich die frische, salzige Meeresluft ein. Das Rauschen des Meeres beruhigte seine Nerven.

Cade vertiefte sich ganz in den Anblick der schaumgekrönten Wellen des Ozeans, die in gleichmäßigen Abständen an den Strand rollten. Die Sonne, eine große orangerote Scheibe, stand bereits tief am Himmel und würde bald hinter dem Horizont versinken. Der Tag neigte sich dem Ende zu, und immer noch keine Spur von Abby.

Wahrscheinlich war sie damit beschäftigt, seine Hochzeit zu planen.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Er durchquerte die luxuriöse Suite, um zu öffnen.

Dann verschlug es ihm buchstäblich die Sprache.

Da stand Abby und trug ein … ja, was war das eigentlich? Irgendetwas Luftiges, Fließendes, das x-mal um ihren Körper gewickelt schien. Nur hier und da blitzte cremefarbene Haut auf. Ihre Schultern waren bloß, und ihr Haar sexy zerzaust. Das Bild einer Frau, die sich nach ein paar heißen Liebesstunden in das Laken ihres Liebhabers gewickelt hatte.

„Ziehen Sie sich etwas Bequemes an. Ich warte am Strand auf Sie“, forderte sie ihn auf. Ihre Lippen schimmerten rosig. „Sie haben fünf Minuten.“

Damit rauschte sie davon und ließ einen völlig verwirrten Cade zurück.

Neugierig und zugegeben auch erregt zog er seinen Anzug aus. Rasch schlüpfte er in bequeme Khakis und ein weißes, kurzärmeliges Hemd. Die ganze Zeit quälte ihn das schlechte Gewissen. Erotische Gedanken in Bezug auf seine Sekretärin sollten eigentlich tabu sein. Immerhin plante er in knapp einem Monat, eine andere zu heiraten. Ob er Mona liebte oder nicht, stand nicht zur Debatte. Er hatte jedenfalls nicht vor, sie zu betrügen, weder vor noch nach der Hochzeit.

Cade schob seine Schlüsselkarte in die Hosentasche und ging zum Strand, der gleich ans Hotel grenzte. Kein Mensch weit und breit zu sehen. Außer Abby in ihrem fließenden Gewand. Das lange Haar umspielte ihre Schultern. Abwartend stand sie neben einem einsamen Tisch – komplett eingedeckt mit weißem Leinen und silbernen Kerzenleuchtern.

Oh Mann, er steckte wirklich in Schwierigkeiten.

Mit wild klopfendem Herzen blickte Abby Cade entgegen. Sie konnte nur hoffen, dass er ihr ihre Nervosität nicht ansah. Es passte nicht in ihre Pläne, fahrig und verunsichert zu wirken. Für Cade Stone kam nur eine Partnerin infrage, die ihm in puncto Selbstsicherheit ebenbürtig war.

„Sie haben hoffentlich Hunger“, begrüßte sie ihn, um die Spannung zu lösen.

Cade blieb ein paar Schritte entfernt stehen. Er nickte in Richtung Tisch. „Ist das für … uns?“

Uns. In diesem einen Wort lag so viel Intimität.

Einladend deutete sie auf einen Stuhl. „Für wen denn sonst? Immerhin betreiben wir Feldforschung.“

Mit bedächtigen Schritten stapfte er durch den feinen weißen Sand. „Feldforschung?“

„Auf der Suche nach den perfekten Flitterwochen. Sie wollen heiraten, schon vergessen? Und mir fällt die Aufgabe zu, alles bis ins kleinste romantische Detail zu planen. Ich weiß, ich weiß“, sagte sie, bevor er sie unterbrechen konnte. „Sie heiraten nicht aus Liebe. Trotzdem sollten Sie beide eine nette Zeit zusammen verbringen, bevor Sie sich wieder ins Geschäftsleben stürzen.“

Abby wartete, bis Cade sich gesetzt hatte, bevor sie den Champagner öffnete und ihnen beiden einschenkte. Nachdem sie die Flasche wieder im Kühler verstaut hatte, lüpfte sie die silbernen Speisehauben von den Tellern mit dem Hauptgericht und setzte sich ihm gegenüber.

„Na, meine Menüauswahl gefällt Ihnen hoffentlich.“ Im Stillen amüsierte sie sich über Cades verblüfften Blick. Es war ihr doch tatsächlich gelungen, seine Selbstsicherheit ins Wanken zu bringen. „Es musste alles ganz schnell gehen, da ich dieses kleine Candle-Light-Dinner erst nach unserer Ankunft hier bestellt habe.“

„Ich bin schwer beeindruckt.“

Ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer. „Ich kenne ja Ihre Vorliebe für Fisch, da war ich also auf der sicheren Seite. Und gedämpftes Gemüse ist auch ein Selbstläufer. Beim Dessert hätte ich allerdings fast kapituliert. Ich konnte mich einfach nicht zwischen der Limonentorte und der Trüffelcreme entscheiden.“

Sein Blick fiel auf die kleinere Speisehaube neben seinem Teller. „Und? Wer hat das Rennen gemacht?“

„Die Trüffelcreme.“

Mit einem zufriedenen Lächeln ließ Cade sich in seinem Stuhl zurücksinken. „Perfekt. Ich liebe Schokoladendesserts.“

„Ich auch.“

Bei diesem Mann stimmte wirklich das ganze Paket. Er war sexy, selbstbewusst und liebte Schokolade. Welche junge Frau mit gesundem Menschenverstand wäre nicht scharf auf eine Beziehung mit ihm? Er brachte genau die richtigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft mit.

„Keine Sorge“, beruhigte sie ihn und griff nach ihrer Gabel, „meine Aufgaben für Stone Enterprises werde ich nicht vernachlässigen. Darum kümmere ich mich tagsüber, abends beschäftige ich mich dann mit den Hochzeitsvorbereitungen.“

„Ich mache mir gar keine Sorgen. Nicht bei Ihnen als Multitasking-Talent.“

Das butterzarte Fischfilet zerging ihr förmlich auf der Zunge. Abby konnte sich gerade noch beherrschen, nicht vor Verzückung aufzuseufzen. „Fantastisch.“

„Allerdings!“

Der bedeutungsvolle Unterton in seiner sinnlichen Stimme ließ sie aufschauen, und sie begegnete seinem fasziniert auf sie gerichteten Blick. Vom Fisch hatte er noch gar nicht gekostet …

Bewirkte das romantische Ambiente, dass er sie plötzlich mit anderen Augen sah?

Sie schluckte. „Ich habe Ihren Terminplan für die nächsten Tage ausgearbeitet, ihn aber auf dem Zimmer gelassen. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust, heute Abend über die Arbeit zu sprechen.“

Okay. Das erste Saatkorn war ausgelegt. Wie sehr wünschte sie sich, dass er sie als Frau betrachtete, nicht nur als effiziente Sekretärin. Trotz seiner gebetsmühlenartigen Beteuerung, nicht an die Liebe zu glauben, war Cade doch auch nur ein Mann. Sicher war er nicht blind und registrierte ihren veränderten Look.

Abby selbst zumindest war ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen. Sie hatte große Sorgfalt darauf verwendet, den perfekten Beach-Look zu kreieren. Zwar war sie kein superdürres Model, und auch mit der eleganten Mona konnte sie sich nicht messen, aber sie wusste, dass sie sich mit ihren weiblichen Kurven durchaus sehen lassen konnte.

„Was möchten Sie denn gern besprechen?“, fragte Cade.

Wie aufs Stichwort begann in diesem Augenblick die Harfenistin, die sie engagiert hatte, im Hintergrund zu spielen.

„Paare auf Hochzeitsreise haben nichts zu besprechen.“ Abby rückte ihren weißen Holzstuhl direkt neben Cades. „Sie sind viel zu sehr mit ihren Gefühlen beschäftigt.“

Sie hob die Speisehaube von der Trüffelcreme und steckte einen Löffel in die schokoladige Köstlichkeit. Als sie ihm einen Löffel voll vor die Lippen hielt, sah er sie nur mit einem unergründlichen Blick an.

Jetzt keinen Rückzieher machen, redete sie sich gut zu.

Cade öffnete den Mund, schloss die Lippen um den Löffel und schluckte. Na, da konnte man nur hoffen, dass er all die anderen Dinge, die sie ihm anzubieten hatte, ebenso brav schlucken würde.

Ein winziger Klecks Trüffelcreme klebte ihm an der Oberlippe. Abby widerstand der Versuchung, ihn wegzuwischen. Dies war das erste Stadium ihrer Verführungspläne, da durfte sie nicht gleich zu weit gehen. Immerhin betrachtete Cade sie ja bloß als seine Sekretärin.

Mit der Zungenspitze leckte er sich die Trüffelcreme von den Lippen, was sie insgeheim sehr bedauerte. Jetzt war seine Aura absoluter Makellosigkeit wiederhergestellt, während er zuvor irgendwie menschlicher, zugänglicher gewirkt hatte … wie jeder normale Sterbliche eben.

„Möchten Sie gar kein Dessert?“ Seine Stimme klang verdächtig rau.

„Machen Sie Witze? Das lasse ich doch nicht zurückgehen.“

Lächelnd griff er nach einem Löffel und begann, jetzt sie mit der köstlichen Creme zu füttern. Gehorsam öffnete Abby den Mund, während sie ihm unverwandt in die Augen sah.

Perfekt. Besser hätte sie es gar nicht inszenieren können. Sanfte Harfenklänge im Hintergrund, der aufregendste Mann, den sie sich vorstellen konnte, fütterte sie mit einem dekadent delikaten Dessert … Ach, am liebsten hätte sie die Zeit angehalten. Oder zumindest dieses schöne Glücksgefühl für kommende schlechtere Zeiten konserviert.

Cade beobachtete offenkundig fasziniert, wie sie die Trüffelcreme verspeiste. Zu gern hätte sie gewusst, was in seinem Kopf vorging. Genoss er den Augenblick genauso wie sie, oder war er in Gedanken schon beim Geschäft? Sie hoffte so, dass es ihr gelang, ihn abzulenken, wenn auch nur für kurze Zeit.

Eine sanfte Brise wehte ihr eine Haarsträhne ins Gesicht, und sie strich sich die zerzauste Mähne zurück. Dabei fiel Cades Blick auf ihre Brüste, und diesmal las sie unverhohlenes Verlangen in seinen Augen. Sehr gut, für den Anfang war das schon mal nicht schlecht. Doch er sollte sie nicht nur attraktiv und sexy finden, Abby wollte mehr. Und zwar, dass er ihr einen Ring an den Finger steckte und an alles glaubte, wofür dieser schlichte Goldreif stand.

Sie wollte ihm zu der Erkenntnis verhelfen, dass Liebe auch für ihn ein Thema war. Und da lag noch ein gutes Stück Arbeit vor ihr, das war ihr bewusst.

Abby stand auf. „Kommen Sie, gehen wir spazieren.“ Sie streckte ihm die Hand entgegen.

Als er mit seiner warmen Hand ihre umschloss und gehorsam aufstand, jubelte sie im Stillen. Bravo, er ist ja schon ganz zahm, sagte sie sich triumphierend.

Hand in Hand schlenderten sie den Strand entlang. Okay, es war kein Händchenhalten wie bei Verliebten, aber immerhin.

„So stellen Sie sich also perfekte Flitterwochen vor?“, fragte Cade überraschend. Abby hatte nämlich angenommen, dass er in Gedanken schon ein neues, luxuriöses Hotel an diesem traumhaften Strand errichtete.

„Wenn Sie mich fragen, ich fände es traumhaft schön.“ Die sanften Harfenklänge, das Rauschen des Meeres, das exquisite Essen, ein Mondscheinspaziergang am Strand, Hand in Hand mit Mr Right …

„Dann wünsche ich Ihnen, dass dieser Traum eines Tages für Sie in Erfüllung geht“, erwiderte er sanft. „Sie haben sich eine Portion Romantik wirklich verdient. Ich weiß Ihren Arbeitseifer ja zu schätzen, und das liegt natürlich auch in meinem Interesse. Aber irgendwann müssen Sie sich mal eine Pause gönnen, um den passenden Mann für solche Strandspaziergänge zu finden.“

„Ausgerechnet Sie geben mir den Rat, mir eine Auszeit zu nehmen?“, meinte sie amüsiert. „Apropos, arbeiten wir nicht auch jetzt gerade? Immerhin machen wir eine Feldstudie zur Frage der perfekten Flitterwochen.“

Ein lässiges Achselzucken war die Antwort. Dann blieb er stehen. „Ich weiß die Mühe, die Sie sich mit all dem gemacht haben, wirklich zu schätzen.“

Sie blieb ebenfalls stehen und wandte sich ihm zu. Der Wind wehte ihr eine Haarsträhne ins Gesicht, die ihr an den Lippen kleben blieb. Bevor sie es selbst tun konnte, strich Cade ihr zärtlich die Strähne zurück, wobei er mit den Fingerspitzen sanft ihre Wange berührte. Die Liebkosung ging Abby durch und durch.

Der hauchzarte Stoff ihres Kleides umflatterte ihren Körper, sodass sie sich des knappen Tangas, den sie darunter trug, nur zu bewusst wurde. Ihre Brüste prickelten, als sie daran dachte, dass sie Cade nie zuvor in einem ähnlich aufreizenden Outfit gegenübergestanden hatte. Einem Outfit, das sie absichtlich ausgesucht hatte, um ihm den Kopf zu verdrehen.

Natürlich bildete sie sich nicht ein, dass dieser Abend in seinem Bett enden würde. Aber ein bisschen Sinnlichkeit wollte sie schon heraufbeschwören, denn sonst konnte sie ihr Vorhaben, ihn zu verführen, gleich aufgeben.

„Abby?“

„Sorry, ich habe gerade davon geträumt, das hier eines Tages zu wiederholen. Mit meinem zukünftigen Mann“, erwiderte sie rasch.

„Sie möchten Ihre Flitterwochen in Cancún verbringen?“

„Ach, im Grunde ist mir das eigentlich egal. Ich würde auch zu Hause bleiben, könnte ich sicher sein, nicht gestört zu werden. Darum geht es doch in erster Linie bei den Flitterwochen: um intime Zweisamkeit.“

„Und darum, was man in dieser intimen Zweisamkeit alles anstellen kann“, ergänzte er augenzwinkernd und ließ ihre Hand los.

Sie erschauerte. „Stimmt genau.“

Er schob die Hände in die Hosentaschen und kam einen Schritt auf sie zu. „Sie sind ja Expertin auf diesem Gebiet. Was empfehlen Sie einem Paar, wie sollte es diese Zeit verbringen?“

Schwang in seiner Stimme nicht plötzlich ein verführerischer Unterton mit?

„So weit geht meine Beratung nun nicht. Ich plane die Hochzeit und treffe Arrangements für die Flitterwochen. Was das frisch verheiratete Paar daraus macht, ist seine Sache. Da benötigen die meisten bestimmt keine Ratschläge.“

„Ja, aber solche romantischen Candle-Light-Dinner am Strand wie heute“, hakte er nach. „Organisieren Sie das normalerweise auch?“

Sie fuhr sich mit der Zungenspitze über die plötzlich trockenen Lippen. „Ja.“

„Und was noch in der Art?“ Sein Blick war weiter unverwandt auf ihren Mund gerichtet. Abby hatte Mühe, nicht direkt vor seinen Füßen schmachtend dahinzuschmelzen.

„Ach, das kommt ganz auf das Paar an.“ Sie riss sich zusammen und versuchte, sich auf ihre Antwort zu konzentrieren und nicht auf den Mann. „Als Hochzeitsplanerin lernt man die Menschen, mit denen man es zu tun hat, ziemlich gut kennen. Also kann man schon mal eine Überraschung riskieren. Viele Events versuche ich direkt auf meine Kunden zuzuschneiden. Eins meiner Paare war ganz versessen auf Abenteuerurlaube, also organisierte ich eine Skydiving-Stunde für die beiden, auch wenn das nicht unbedingt meinen Vorstellungen entspricht.“

Der Blick seiner Nougataugen verhakte sich mit ihrem, als er fragte: „Und was entspricht Ihren Vorstellungen?“

„Ich bin da ganz unkompliziert. Events wie dieses gefallen mir: romantische Zweisamkeit irgendwo draußen in der Natur. Damit bin ich schon zufrieden.“

„Sie wollen Ihren Lover also ganz für sich allein haben und keine störenden Personen um sich herum.“

Ihren Lover. Sie hatte schon so lange keinen mehr gehabt, dass sie sich an den letzten kaum noch erinnerte. „Ja, wahrscheinlich haben Sie recht.“

Daraufhin schwiegen beide. Nur das Plätschern der Wellen und die Klänge der Harfe waren zu hören. Doch Abby empfand das Schweigen nicht als unangenehm, im Gegenteil. Sie fühlte sich ganz und gar im Einklang mit sich selbst und mit dem Mann an ihrer Seite.

In die Stille hinein fragte Cade: „Warum verabreden Sie sich nicht mal?“

„Keine Zeit.“

Er kam noch näher, so dicht, dass sein Bein ihres berührte. Himmel, wollte er sie jetzt etwa küssen? Instinktiv öffnete sie leicht die Lippen.

Der Zauber des Augenblicks wurde durch den schrillen Klingelton seines Handys unterbrochen. Leise fluchend trat er einen Schritt zurück und fuhr sich mit der Hand durchs Haar, bevor er das Mobiltelefon aus der Hosentasche zog.

„Stone.“

Diskret entfernte Abby sich von ihm. Im Stillen belegte sie den unwillkommenen Anrufer mit den fantasievollsten Schimpfwörtern, die ihr einfielen. Nur eine Millisekunde war sie vom heiß ersehnten Kuss entfernt gewesen. Mist!

„Ja, Mona …“

Abby blickte mit starrem Blick auf das dunkle Meer hinaus und schlang, plötzlich fröstelnd, die Arme um sich. Mona. Cade telefonierte also mit seiner Verlobten. Willkommen zurück in der Wirklichkeit, Abby Morrison!

4. KAPITEL

Was war bloß mit ihm los? Hatte er völlig den Verstand verloren? Ein harmloser Flirt, okay, aber er war kurz davor gewesen, sehr weit über das Ziel hinauszuschießen.

Cade schloss die Tür seiner Suite hinter sich und knöpfte das Hemd auf. Hätte Mona nicht gerade im richtigen – oder, wie man es sah, unpassenden – Moment angerufen, hätte er Abby geküsst. So gefangen war er von der romantischen Atmosphäre gewesen – und von der jungen Frau, die er bis vor wenigen Tagen nur als seine tüchtige Assistentin betrachtet hatte.

Und genau das ist sie, mehr nicht, du hirnverbrannter Idiot!

Aber nicht nur er war beinahe zu weit gegangen, diesen Vorwurf musste man auch Abby machen. Flitterwochen zu planen, war eine Sache; ein Event bis ins kleinste intime Detail live durchzuspielen, eine ganz andere. Zugegeben, sie war die beste Assistentin, die er je gehabt hatte. Ihr Können war wirklich beachtlich. Und genau dieses Können war es, das ihn jetzt in Schwierigkeiten zu bringen drohte.

Verflixt, diese völlig unangemessenen neuen Gefühle für Abby schienen wie aus dem Nichts aufgetaucht. Gerade jetzt, kurz vor dem entscheidenden millionenschweren Deal, konnte er eine solche Ablenkung nicht gebrauchen.

Kurz entschlossen griff er nach dem Telefon auf seinem Nachttisch, hob den Hörer ab und wählte Abbys Zimmernummer.

„Hallo.“

Sogar ihre Stimme ließ ihn sofort an heißen Sex am Strand denken.

„Ich brauche meinen Terminplan für diese Woche.“

„Jetzt?“

„Nein, vor fünf Minuten.“

Selbst verärgert über seinen rüden Ton knallte er den Hörer auf die Gabel. Doch am allermeisten ärgerte er sich darüber, wie sie mit seiner Libido spielte. Vermutlich ahnte sie noch nicht einmal, was sie mit ihrer Inszenierung in ihm auslöste.

Keine Minute später klopfte es. Cade riss die Tür auf. Verdammt. Abby trug immer noch dieses sexy Kleid, das so fantastische Dinge mit ihrem Körper anstellte, besonders mit ihren Brüsten. Was ihn daran erinnerte, dass er mit weit aufgeknöpftem Hemd vor ihr stand.

Mit einer knappen Handbewegung forderte er sie auf, ihm in den Wohnbereich der Suite zu folgen.

Sie hielt ihm einen Aktenordner hin. „Morgen um elf haben Sie einen Termin mit einem Bauunternehmer. Ich habe es so eingerichtet …“

„Was zum Teufel geht hier vor?“, unterbrach er sie barsch.

Abby ließ die Hand sinken und sah ihn erschrocken an. „Wie bitte?“

„Das intime Dinner am einsamen Strand. Das war doch mehr als nur ein Testlauf für die Flitterwochen.“

Sie stützte die Hände in die Hüften. „Ach ja? Raus damit, was wollen Sie damit andeuten?“

Frustriert fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. „Ich will gar nichts andeuten, sondern führe lediglich Tatsachen an. Sie hätten doch einfach auch Jeans und T-Shirt statt …“ In einer hilflosen Geste deutete er auf ihr Kleid.

„Es kann Ihnen doch egal sein, was ich anhabe oder nicht. Alle Frauen in Cancún tragen so etwas. Oder hätte ich lieber meinen Stringtanga-Bikini tragen sollen?“

Cade schluckte. Liebe Güte. Das meinte sie doch wohl nicht ernst.

Konzentrier dich, Cade. Konzentrier dich.

„Ich zöge es vor, Sie würden sich ein bisschen geschäftsmäßiger kleiden“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Na super! Und was ist mit Ihnen?“ Sie deutete auf sein offenes Hemd. „Seit wann bittet man seine Sekretärin zu einer Besprechung, wenn man selbst halb nackt ist?“

„Ich bin nicht halb nackt“, konterte er. „Ich möchte einfach nur meinen Terminplan.“

Abby knallte den Aktenordner auf den niedrigen Couchtisch vor dem blassgelben Sofa. Dann durchquerte sie den Raum und baute sich mit verschränkten Armen direkt vor Cade auf. „Ich arbeite nun schon seit einem Jahr für Sie, und Sie können mir wohl kaum unprofessionelles Verhalten vorwerfen. Falls Ihnen meine Kleidung nicht passt, dann ist das Ihr Problem.“

„Es geht darum, wie Sie sich neuerdings benehmen.“

„Wie ich mich benehme?“

Plötzlich kam er sich vor wie der letzte Idiot. Aus ihrem Mund klangen seine Worte einfach nur albern. Aber egal, sie hatte angefangen. „Erst dieser unmögliche Auftritt in der Bar.“ Er funkelte sie durchdringend an. „Dann Ihre beharrliche Weigerung, mich auf diese Geschäftsreise zu begleiten, obwohl ich Sie dringend brauche. Und zur Krönung stehen Sie plötzlich wie die personifizierte Sexgöttin vor meiner Tür. Hätte Mona nicht angerufen, dann wären wir …“

Ein wissender Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht. Spöttisch hob sie die Brauen. „Was? Hätten Sie mich geküsst, Cade? Sind Sie deshalb sauer?“

Sie war so verdammt hübsch mit diesem leidenschaftlichen Ausdruck in den Augen und den zornig geröteten Wangen … Alle Vorsicht vergessend zog Cade sie an sich. Ihr triumphierendes Lächeln erlosch.

Ohne ihr Gelegenheit zu einem weiteren herausfordernden Kommentar zu geben, verschloss er ihren Mund mit seinen Lippen. Zum Teufel mit den Konsequenzen. Er wollte sie spüren, wollte die Süße ihres Mundes schmecken … und wurde nicht enttäuscht.

Abby zögerte keine zwei Sekunden lang, bevor sie sich seufzend an ihn schmiegte, einen Arm um seinen Nacken legte und die Hand in sein dichtes Haar schob. Sie erwiderte seinen Kuss mit einer Leidenschaft, die seiner in nichts nachstand. Als er mit der Zungenspitze das zarte Innere ihres Mundes zu erkunden begann, öffnete sie sich ihm bereitwillig.

Diese Frau steckte wirklich voller Überraschungen.

Doch Cade wollte mehr als einen Kuss.

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